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Filmreview: “Territories” (2010)

 

Nach einem feierreichen Hochzeitsfest begeben sich 5 Freunde mit dem Auto auf dem Weg nach Hause.
Nachdem Sie die kanadische Grenze überquert haben und sich wieder im heimischen Amerika befinden werden sie von 2 recht unfreundlichen Polizisten angehalten und gebeten aus dem Auto zu steigen. Als die vermeintlichen Polizisten mit ihren Untersuchungen immer dreister und diskriminierender werden, gerät die Situation außer Kontrolle.
Nachdem einer der Freunde sich weigert weiterhin den Polizisten Folge zu leisten wird er erschossen. Völlig verunsichert und hilflos werden die restlichen Mitglieder der Clique weg von der Strasse gezerrt und irgendwo mitten im Wald in Tier-Käfige gesperrt …

 

 

Oh ja, welch äußerst kontroverses Werk zu einem extrem kontroversen Thema.
„Territories“ bringt mit seiner Kompromisslosigkeit wieder extrem frischen Wind in das so schon arg gebeutelte Horror-Filmgenre und dürfte für ordentlich Diskussionsstoff sorgen. Sicherlich sind diverse stilistische Mittel im Film bereits aus vielen anderen Werken bekannt. Doch der frische Mix und die neue Kombination dieser bekannten Fragmente machen den Film wirklich sehenswert und spannend.
Dabei gilt vor allem großes Lob an Regisseur Olivier Abbou´s, der hier nicht selbstzweckhaft nur auf „Splatter“ und „Gewalt“ setzt, wie es in Filmen dieser Art eigentlich sonst üblich ist, sondern eher mit der Psyche der Zuschauer spielt, diesbezüglich dürfte „Territories“ im ähnlichen Fahrtwasser schwimmen, wie zuletzt der französische Terrorstreifen „Martyrs“.
„Territories“ hält sich gekonnt dezent mit grafischen Ekeleffekten. Es steht hier ausschließlich das Martyrium der Protagonisten im Mittelpunkt, welches die 4 Freunde bis zum wahrlich bitteren und hoffnungslosen Ende durchleiden müssen.
Noch bevor die Freunde erkennen in welcher brenzlichen Lage sie sich befinden werden sie in orangene Overalls gesteckt, angekettet und dürfen allerlei skurrile Aktionen vollziehen und sich diversen unerbittlichen Verhören stellen, in welchen sie sich über ihre terroristischen Aktivitäten in den USA rechtfertigen sollen.
Der aufgeklärte Horrorfilmfan dürfte demnach schnell erkennen, dass sich diverse Anspielungen im Film auf die jüngsten Geschehnisse im Gefangenenlager Guantanamo beziehen, in welchem amerikanische Militärsoldaten Kriegsgefangene bis vor einigen Jahren (teils unschuldig) festhielten, diskriminierten und verhörten.
Nachdem der Fall öffentlich wurde und festgestellt wurde, dass die Verhörmethoden gegen jegliche Menschenrechte verstoßen, forderte man die Schließung des Lagers. 2009 wurde es letztendlich geschlossen.

Ab Filmmitte geht der Film dann einen zweiten Weg und erzählt die Geschichte eines drogenabhängigen Privatdetektivs.
Das Schicksal der Jugendlichen rückt in den Hintergrund und Regisseur Olivier Abbou´s konzentriert sich auf den seelischen Verfall des Privatdetektivs, der scheinbar durch den tragischen Tod seiner Tochter den Glauben an sich und die Welt verloren hat und sich im regelmäßigen Drogenrausch sicher wiegt.
Dieser ist dann in der 2. Hälfte damit beschäftigt das Verschwinden der Clique zu untersuchen und gerät bei seiner Recherche ebenso an das Polizisten- Hinterwäldler-Duo.

Leider ist diese Parallelhandlung zwar recht stimmig geraten und man erfährt auch etwas über die 2 Psychopaten und deren Beweggründe, bremst aber den Fortlauf der eigentlichen Handlung enorm und wirkt irgendwie fehl am Platz.

Dennoch, mit „Territories“ ist Olivier Abbou´s ein wirklich packender Film gelungen.
Seine Kritik an die damaligen Vorgehensweisen der Amerikaner und deren Menschenrechtsverletzung in Guantanamo sind unübersehbar und dürften hoffentlich den ein oder anderen (Nicht-)Amerikaner zum Grübeln anregen.
Das wirklich unhübsche Ende ist dann für ALLE Filminteressierte ein heftiger Tritt in die Magengegend.

 

Fazit 8/10 Punkte

 

Ein sehr unangenehmer aber wichtiger Film. Eine packendes, glaubhaftes und erschütterndes Mahnmal.
Filmfans ohne genügend Nerven wie Drahtseile sollten einen ordentlichen Bogen um „Territories“ machen.

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5 Antworten

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  4. Ganz deiner Meinung…leider bricht der Film gegen Ende mit seiner Konsequenz indem er den Privatschnüffler einführt der an sich ein interessanter Charakter wäre aber die restliche Spielzeit nicht mehr ausreicht diesen zu etablieren. Aber ansonsten ist das Ganze ein gern einzunehmender Downer.

    26. September 2011 um 12:10

    • flimmerstunde

      Nun ja würde ich jetzt so nicht sagen, das Einführen des “Detektivs” hat hierfür noch einmal so eine spezielle depremierende Note.
      Der, der eigentlich die Freunde retten möchte und kann scheitert an seiner eigenen Hoffnungslosigkeit. Statt zu kämpfen und deren Leben zu retten ergibt er sich seinem eigenen Schicksal, in der Hoffnung im Jenseits wieder mit seiner Tochter vereint zu sein.
      Ich denke, dass dieses Metapher für das Wegsehen der Menschen gedacht war, die damals nicht eingegriffen haben, als die Vorfälle in Guantanamo passierten.

      27. September 2011 um 11:17

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