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Filmreview: “The Raven” (2012)

The Raven
 
 

The Raven

Story

 
 
 
Das Amerika des 19. Jahrhunderts – düster, kühl und unheimlich. Inmitten dessen seltsam verstümmelte Leichenfunde, zu deren Handlungen es keine Verbindungen zu geben scheint. Als in einem abgeschlossen Zimmer die ermordeten Körper einer Mutter und deren Tochter entdeckt werden, gerät der ermittelnde Polizeidetektiv „Emmett Fields“ abermals in Erklärungsnot. Dennoch, schnell findet er groteske Parallelen zu einem fiktiven Mord aus der Horrorgeschichten-Sammlung des geächteten Schriftstellers Edgar Allan Poe, der zugleich als Tatverdächtiger vernommen und verhört wird, aber letztendlich seine Unschuld beweisen kann. Nur wenige Tage später werden erneut grausig zugerichtete Leichen gefunden, die allesamt eine Gemeinsamkeit vorweisen können: ihre Darstellung entspricht genau den detailliert beschriebenen fiktiven Morden der Werke des Horrorautoren. In seiner Ratlosigkeit bittet Shilds den Autoren um Mithilfe um den mysteriösen Fall zu lösen und den wahnsinnigen Serienkiller zu stellen. Doch kaum mit den Ermittlungsarbeiten begonnen, verschwindet die Verlobte des Schriftstellers …
 
 
 


 
 
 

The Raven – Kritik

 
 
 
Nach „Sherlock Holmes“ und „Abraham Lincoln“ darf nun ein weitere „Superheld“ aus Literatur und Politik auf Verbrecher- und Monsterjagd gehen. Dass es sich bei „The Raven“ ebenfalls um kein ernstzunehmendes autobiografisches Werk handelt und das simpel zusammengeschusterte Story-Fragment einzig aus den „kreativen“ Köpfen phantasiebegabter Drehbuchautoren und kommerz-orientierter Filmbosse entsprungen sein muss, dürfte findigen Filmfreunden bereits bei Sichtung der Inhaltsangabe aufgefallen sein, liest diese sich doch verdammt hanebüchen. In der aktuellen Genre-Produktion „The Raven“ verschlägt es den Zuschauer diesmal nicht in das düstere und dreckige England des 19. Jahrhunderts, sondern nach Übersee Amerika, dass in seiner tristessen, vernebelten und unheimlichen Darstellung wie für einen Serienkiller-Film dieses Kalibers geschaffen zu sein scheint. Und in der Tat, das Setting weiß vollends zu überzeugen, nie zuvor war das Amerika vor über 150 Jahren ungemütlicher, gespenstiger und dreckiger, als es der Zuschauer letztendlich in „The Raven“ eindrucksvoll zu Gesicht bekommt. Filmliebhaber des „Jack the Ripper“-Thrillers „From Hell“ aus dem Jahre 2001 dürfen sich überraschenderweise schnell heimisch fühlen, scheint die Ausstattung und das Bühnenbild der beiden Filme erstaunlicherweise wie aus einem Guss gefertigt. Gruselfeeling ist definitiv Programm, auch wenn in „James McTeigue´s“ aktueller Regiearbeit weniger der Horror Einzug hält, sondern dieser Thriller mit geradlinigem und spannendem Suspense überzeugen möchte. Bedingt ist das „The Raven“ auch herrlich unheimlich geglückt. Das muntere „Wer-ist-der-Mörder“-Ratespiel zieht sich, trotz minimaler Vorhersehbarkeit, spannend hindurch bis zum plausiblen Schluss, wobei der eigentlich Reiz in „The Raven“ die recht fragwürdige Art und Weise darstellt, mit welcher der Killer seine Taten plant, dokumentiert und ausübt. Fast schön möge der Filmfreund denken, er hätte sich in einer mittelalterlichen Episode des „Saw“-Franchise verirrt, denn einige der Greueltaten des überaus erfinderischen Serienkillers erstrahlen in unglaublich zeigefreudigem Sadismus, der mit blutroten Lebenssaft und markerschütternden Angstschreien nicht geizt. Leider sind diese optisch recht ansprechend in Szene gesetzten Mordszenen rar gesät, was den Sehgenuss gerade für blutgierige Gorehounds und Horrorfilmfans ein wenig schmälert, zumal der Zuschauer oftmals nur das Resultat eines Kills erlebt, den eigentlichen Umstand des Todes jedoch fast nie. Trotzdem, die akribisch durchdachte Planung des Mörders und das spektakuläre Einbeziehen der Kurzgeschichten Edgar Allan Poes in seine fragwürdigen Handlungen, machen erstaunlich Laune.
 
Ob nun in einem Sarg lebendig begraben, wie in „Lebendig begraben“ oder von einem schwingenden Pendel, ähnlich wie in „Die Grube und das Pendel“ unpraktisch halbiert zu werden, – fast alle wichtigen und bekannten Poe-Werke bahnen sich ihren Weg in den Film und finden Einsatz beim frivolen Ableben der nur wenigen Protagonisten. Dass sich gerade aufgrund der straffen, auf Suspense getrimmten Inszenierung, diverse Filmfehler in die Geschichte eingeschlichen haben, mag man „The Raven“ verzeihen. Denn von modernen forensischen Beweis- und Untersuchungstechniken (Haarproben, Fingerabdrücke etc. pp)scheinen die Wissenschaftler und Polizeibeamten im Jahre 1849 noch nicht einmal ansatzweise etwas gewusst zu haben, ganz geschweige davon, dass es in dieser Zeit überhaupt schon souverän geführte Polizeiämter, oder Detektiv-Büros gegeben hätte.
 
Mit „The Raven“ erhält der Zuschauer einen soliden und recht kurzweiligen Horror-Thriller, der einmal mehr Realität mit Fiktion vermischt. Unter dem Deckmantel einer fiktiven Biografie über die letzten Lebenstage des berüchtigten Schriftstellers Edgar Allan Poe serviert Regisseur James McTeigue dem Zuschauer recht unterhaltsame und arg düstere Serienkiller-Kost, die aber wenig bis kaum etwas mit dem wirklichen Leben des Horror-Legende zu tun hat. John Cusack, als versoffen zynischer Zeitgenosse und mittelloser Schriftsteller, spielt die Rolle des „Edgar Allan Poe´s“ verdammt souverän und selbstsicher, ganz so als hätte er in seinem Leben bisher nichts anderes zum Besten gegeben. Ob dennoch hinter seinem überzeugenden Schauspiel überhaupt ein Fünkchen Wahrheitsgehalt steckt, und ob der Echte „Poe“ wirklich ein derart zynisch-versoffener Zeitgenossen gewesen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Nichts desto trotz will man als Filmfan nicht meckern, denn „The Raven“ ist gar nicht mal so übel, wie anfänglich gedacht. Die Ausstattung ist grandios, die Kostüme pompös und die Inszenierung spannend, echten Höhepunkte vermisst man stattdessen schmerzlichst – wären die Mordszenen etwas prägnanter und zeigefreudiger ausgefallen und wäre das Finale etwas runder und pompöser inszeniert worden, hätte aus „The Raven“ ein echter Hit werden können. So jedoch bleibt der Ausflug in das düstere Amerika des 19. Jahrhunderts einmal mehr kurzweilige Durchschnittskost, die man zwar einmal gesehen hat, aber danach ebenso schnell wieder aus dem Gedächtnis radiert! Schade!
 
 
 


 
 
 

The Raven – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Guter Serienkiller-Film, bei dem jedoch dennoch das gewisse Etwas vermisst und dem prägnante Höhepunkte fehlen.
 
 
 


 
 
 

The Raven – Zensur

 
 
 
Im Film selbst sieht man nur die Resultate der Morde, aktives Morden wird nur in 2 Szenen optisch ausgereizt, welches zudem auch noch arg krude zur Schau gestellt wird. Aufgrund der sadistischen „Pendel“-Szene wurde der Film aktuell von der FSK ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.
 
 

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The Raven – Trailer

 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
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2 Antworten

  1. Yash

    Werter Filmchecker, der Film spielt nicht in England sonder in Amerika dort wo Poe auch lebte und starb. Und Poe wurde durchaus als dem Alkohol nicht abgeneigt in der Geschichte überliefert.

    7. November 2012 um 22:24

    • flimmerstunde

      Vielen Dank für die kleine Nachhilfestunde – da hat sich der “Filmchecker” vermutlich aufgrund der argen britisch anmutenden Kulisse blenden lassen. Wurde geändert …

      7. November 2012 um 23:16

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