Horrorfilm, Mystery, Slasher, Folterfilm, Thriller, Splatterfilm, Gruselfilm, Trashfilm auf FILMCHECK

Drama

Filmkritik: “Antisocial Behavior” (2014)

Antisocial-Behavior-Kenneth-Guertin
 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR

Story

 
 
 
Joe (Jackson Kuehn) ist ein Einzelgänger und lebt in seiner eigenen Welt. Als ihn sein Kumpel Scott auf eine Party mitnimmt, lernt er dort die reizende Wendy (Mary Elizabeth Boylan) kennen, die sich in den introvertierten Eigenbrötler verliebt. Leider hat der Abend eine unerwartete Wendung zur Folge. Bei einem Trinkspiel wird Joe mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die er eigentlich längst in seinem Unterbewusstsein vergraben hatte …
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Kritik

 
 
 
Schlafende Hunde soll man bekanntlich nicht wecken – zumindest wäre Joe einiges an Qual erspart geblieben, hätte er auf einer Party nicht dieses äußerst dumme Trinkspiel gespielt, bei dem er von seinen Mitspielern gefragt wurde, was denn wohl das Schrecklichste gewesen sei, was er bis dato getan habe. Prompt geschieht das, womit wohl niemand gerechnet hat: Der introvertierte Einzelgänger wird von quälenden Visionen heimgesucht, erleidet einen Blackout und rastet vollkommen aus. ANTISOCIAL BEHAVIOR nennt sich das Psychogramm eines verwirrten, jungen Mannes, der ganz unvorbereitet mit unterdrückten Kindheitserinnerungen konfrontiert wird, die jahrelang im Unterbewusstsein schlummerten. Der bis dato noch unauffällige KENNETH GUERTIN hat hier einen schwer verdaulichen Streifen gemacht, den man nicht mal so nebenbei sieht. Anders als der günstig gewerkelte Filmtrailer vermuten lässt, handelt es sich bei ANTISOCIAL BEHAVIOR nicht um banal gestrickte Horrorware von der Stange. Regisseur KENNETH GUERTIN will sich von üblichen Serienkiller-Streifen abheben und beschäftigt sich nicht mit dem dümmlichen Abmetzeln stereotyper Holzköpfe. Stattdessen ergründet er Indikatoren, die dazu führen, dass der Filmheld letztendlich Rot sehen wird. Wieder mal ist es ein Trauma, dass den Filmheld zu Kindstagen hat fürchterliche Qualen erleben lassen. Der wird dazu genötigt die Vergewaltigung an der Mutter und den Mord an der Familie beizuwohnen. Im Schockzustand richtet er eine Waffe auf den Täter und feuert ab. In den meisten Horrorfilmen muss ein solches Ereignis als Alibifunktion ausreichen, damit das traumatisierte Opfer später zur kaltschnäuzigen Killermaschine mutieren darf. GUERTIN ist das nicht wichtig. Er geht einen anderen, gründlicheren Weg und folgt seiner Filmfigur bei ihrer sich selbst zerstörenden Entwicklung, die von surrealen Visionen zermürbt bald nicht mehr unterscheiden kann, was allein der kranken Psyche entspringt oder tatsächlich passiert. Ebenso ergeht es dem Zuschauer. Der begleitet eine bemitleidenswerte Kreatur auf der Suche nach ihrer selbst. Getrieben von grotesken Halluzinationen verschwimmen am Ende die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, so dass es unausweichlich ist, dass sich das hasserfüllte Opfer zum Täter verwandelt, um dem angestauten Zorn freien Lauf lassen zu können. Dass die jahrelang im Unterbewusstsein manifestierte Wut ausgerechnet jene Person zu spüren bekommt, die dem Helden trotz Eigenheiten stets zur Seite stand, wirkt aufgrund der verdrängten Vorgeschichte der zerrütteten Filmfigur, wie ein Schlag ins Gesicht.
 
GUERTIN ist raffiniert. Just in jenem Moment, bei dem die gründlich analysierte Geschichte ihren Höhepunkt erreicht und Joe eine Metamorphose zum unfreiwilligen Killer durchlebt, flimmert der Abspann über den Bildschirm. Das offene Ende liefert zwar nur vage Antworten, hinterlässt aber genügend Raum für mögliche Interpretationen. ANTISOCIAL BEHAVIOR wurde auf 35mm gedreht und besitzt mit all den verschiedenen Farbfiltern, Schnitttechniken und Kameraspielereien ohne Zweifel Experimentalfilm-Charakter. Zwar war wie bei Indie-Werken üblich, mal wieder kaum Geld in der Kasse; aufgrund der beschränkt finanziellen Möglichkeiten ist das, was GUERTIN daraus gemacht hat über jeden Zweifel erhaben. Einen großen Teil des Lobs ist jedoch Schauspieler JACKSON KUEHN zu verdanken, der den Antihelden derart glaubhaft und ambitioniert verkörpert, dass man ihn für seine hervorragende Leistung nur beglückwünschen kann. Schnell fühlt sich der Zuschauer mit Joe und seiner einsamen Welt verbunden, aus der er offensichtlich keinen Ausweg mehr findet. Für Indie-Verhältnisse leidet man erstaunlich oft mit – den talentierten Darstellern und dem gut durchdachten Drehbuch sei Dank.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandios finsterer Thriller und ein Paradebeispiel in Sachen psychologischer Horror. ANTISOCIAL BEHAVIOR zeigt erneut eindrucksvoll, dass unabhängige Filmkonzepte weit weg vom konventionellen Hollywood die besseren sind. Regisseur KENNETH GUERTIN lässt für sein neustes Schaffen ein Sammelsurium surrealer Bilder auf den Zuschauer los und vermischt Traumabewältigungs-Thematik mit reichlich skurril-phantastischen Filmelementen. Hierbei bedient er sich sogar dem Körper-Horror (Antiheld Joe erbricht im Film lebende Tumore) für den vermutlich selbst Altmeister und Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE) nur lobende Worte finden dürfte. Dennoch sollte man eine beflügelte Interpretationsgabe besitzen, denn GUERTIN verzichtet auf Antworten, die er dem Zuschauer auf dem Silbertablett serviert. Trotz magerer Antworten ist ANTISOCIAL BEHAVOIR ein interessanter und durchaus sehenswerter Thriller, der sich mit der Serienkiller-Problematik auf gänzlich unkonventionelle Weise beschäftigt. Statt dünnwandiges Slasher-Gemetzel zu zelebrieren betrachtet GUERTIN stattdessen psychologische Mechanismen, welche aus Menschen Mörder machen. Dank gutem Drehbuch und einem hervorragenden Hauptdarsteller bleibt die kontroverse Thematik bis zum bitteren Ende interessant. Daher: Ein empfehlenswerter Film, den man trotz gewöhnungsbedürftigem Indie-Look gesehen haben sollte.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Zensur

 
 
 
ANTISOCIAL BEHAVIOR ist eher psychologischer Horror, der ruhig und eindringlich geschildert wird. Bis auf einen herben Kopfschuss gibt es kaum Gewalt zu sehen. Wir rechnen mit FSK16 in Deutschland.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Found (2012)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)
 


Filmkritk: “At the Devil’s Door” (2014)

at-the-devils-door-2014
 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR

Story

 
 
 
Ein teuflischer Pakt hat für drei Frauen schwerwiegende Konsequenzen: sie können sich ihres Lebens nicht mehr sicher sein, weil ihnen eine bösartige Gestalt nichts Gutes will …
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Kritik

 
 
 
Einmal Horrorfilm – immer Horrorfilm, zumindest scheinen diesem Credo schon so manche Nachwuchsregisseure blindlings gefolgt zu sein, schließlich bekommt man den Ruf des Angstmachers schwer wieder los, wenn man Zuschauer erfolgreich um den Schlaf gebracht hat. So ähnlich dürfte es in Zukunft auch NICHOLAS MCCARTHY ergehen, der sich sichtlich im Horror-Bereich festgefahren hat und ein Faible für subtilen Schauer besitzt, wie er im Falle seines neusten Gruselstreifens einmal mehr unter Beweis gestellt hat. Der nennt sich AT THE DEVIL’S DOOR und ist nach seinem kleinen Indie-Hit THE PACT (dem demnächst ein weitere Teil folgen soll) bereits der zweite Ausflug in die Welt der Dämonen und Geister, den er mal so ganz nebenbei aus dem Ärmel geschüttelt hat. Glücklicherweise wiederholt er hier nicht einfach nur geistlos das, was seinem Erstling zum Erfolg verholfen hat. Stattdessen ist eine konsequente Weiterentwicklung zu verzeichnen, die einen Gänsehaut verursachenden Gruselzoll zur Folge hat. MCCARTHY gelingt das, was vielen Horrormachern oftmals verwehrt bleibt. Mit langsamen Kamerafahrten, spartanisch ausgeleuchteten Sets und wohl überlegten Schreckmomenten jagt er Angst ein und wirkt darin so erfahren, dass man meinen könnte er habe bisher weit zwei Dutzend solcher Filme auf Zelluloid gebannt. Dem ist jedoch nicht so, was einmal mehr beweist, dass der Regisseur nicht im Akkord filmt, sondern Qualität walten lässt – etwas, was man im Horrorfilm mittlerweile schmerzlich vermisst.
 
Die Dreharbeiten zu AT THE DEVIL’S DOOR wurden bereits im Jahr 2012 begonnen, kurz nachdem THE PACT international vermarktet wurde und reichlich Lobeshymnen einheimsen konnte. Die Idee zum Film kam MCCARTHY während einer Taxifahrt nach der Sundance-Premiere seines Erstlings, als ihm der Taxifahrer von einem gruseligen Ereignis aus seinem Leben in Chile berichtete, bei dem er seine Seele an einen Medizinmann verkauften wollte, um seinen Freunden zu beweisen, wie mutig er ist. Kurze Zeit später wurde er von unheimlichen Stimmen gerufen, die ihm reichlich Unbehagen beschert haben. MCCARTHY war von dieser Gruselgeschichte derart fasziniert, dass er nur wenig Zeit vergeudete und zügig ein Drehbuch schrieb in das er die Erzählung implementieren konnte – Wer AT THE DEVIL’S DOOR aufmerksam verfolgt, dürfte des Taxifahrers Anekdote im Opening wiederentdecken. Selbstverständlich ist MCCARTHY seinem Stil treu geblieben, denn wie bereits im Erstwerk THE PACT bekommt der Zuschauer auch in HOME (so wie AT THE DEVIL’S DOOR anfänglich heißen sollte) die eher leisen Töne serviert. Das mag zwar in einer Zeit dumpfer Gewaltstreifen und hanebüchenen Mainstream-Spuks durchaus altbacken anmuten; die Geschichte und das Drumherum jedoch, das MCCARTHY hier an den Zuschauer bringen will, ist so geschickt und spannend konstruiert, dass die obligatorische “Toilettenpause” definitiv warten muss. Die Thematik “Pakt” hat es ihm sichtlich angetan, denn wie im Film mit gleichem Titel handelt auch sein neuer Streifen von einem teuflischen Abkommen, das eine Reihe ungeahnter Ereignisse zur Folge hat.
 
Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Es ist der Leibhaftige, der ihnen nichts Gutes will und mit dem die 17-jährige Hannah als erstes unfreiwillig Bekanntschaft machen muss, weil sie ihre Seele aus Liebe zu Ihrem neuen Freund an den Teufel verkauft hat. Der ist auf der Suche nach einem neuen zuhause und nutzt ihren Körper, um es sich darin gemütlich zu machen. Für Hannah eine Qual. Als sie keinen Ausweg findet und sich beginnt vor sich selbst zu fürchten, erhängt sie sich im Haus ihrer Eltern. Was folgt ist wahrlich nichts für sensible Gemüter: Immobilienmaklerin Leigh (CATALINA SANDINO MORENO) nimmt sich dem Häuschen an, in dem die Heimgesuchte ihre letzten Tage verbracht hat. Die Eltern möchten die trostlosen Räumlichkeiten verkaufen, um die schreckliche Vergangenheit hinter sich lassen. Doch das Böse scheint hier immer noch präsent zu sein. Bald schon nimmt der Teufel erneut die Witterung auf und beginnt Leigh samt Schwester aufzulauern, um die Frauen für seine Zwecke missbrauchen zu können.
 
Wenn Luzifer dreimal klingelt, sollten lieber alle Türen abgeschlossen werden, denn mit dem Besuch aus der Hölle ist meist nicht gut Kirschen essen. In AT THE DEVIL’S DOOR ist der Teufel obdachlos und schleicht als finstere Gestalt durch die Leben dreier Frauen, die durch die Begegnung mit dem Bösen völlig aus der Bahn geworfen werden. Regisseur NICHOLAS MCCARTHY bewegt sich weg vom Paranormalen und probiert Okkultes aus, das irgendwo zwischen DER EXORZIST, ROSEMARIES BABY und DAS OMEN zu finden ist. Dabei bahnt sich das Grauen mit leisen Schritten durch das clever geschriebene Drehbuch, das nur häppchenweise Informationen liefert und niemals zu viel verrät. Ein guter Schachzug, denn so kann der Spannungsbogen konstant gehalten werden, der bei einem gemächlich erzähltem Gruselstreifen wie AT THE DEVIL’S DOOR unverzichtbar ist. Natürlich haben auch viele “böse” Szenen ihren Weg in den Streifen gefunden. Da MCCARTHY seit jeher eher auf’s Subtile Wert legt und ein Verfechter klassischer Horrorelemente ist, hat das Schlachthandwerk Sendepause. Hier huschen finstere Schatten durch lange Flure, Türen schlagen wie von Geisterhand zu und Frauen werden von einer unsichtbaren Präsenz durch die Luft gewirbelt – THE ENTITY (1982) lässt grüßen. Lobenswerterweise hält sich der Gruselmacher mit dem inflationären Zeigen der ewig gleichen Genre-Zutaten zurück. Diese finden wenn nur sparsam Verwendung, wobei sich das meiste Grauen ohnehin nur im Kopf des Zuschauers abspielt. Erst gegen Ende darf ein kurzer Blick auf das Filmmonster geworfen werden für das sich MCCARTHY scheinbar ein wenig Inspiration bei PAN’S LABYRINTH geholt haben dürfte. AT THE DEVIL’S DOOR ist altmodischer Schauer mit viel Atmosphäre, der vor allem von der Prämisse zehrt, dass er nicht verrät, worauf er denn nun eigentlich hinaus will. Das Puzzle wird erst am Ende gelöst, wenngleich auch im Finale die leisen Töne zählen und auf effekthascherisches Brimborium verzichtet wurde. So ruhig und unerwartet wie AT THE DEVIL’S DOOR begonnen hat, endet er auch – einziges Manko: Der offene Ausgang lässt wie bei so vielen Horrorfilmen mal wieder Spekulationen für ein Sequel offen. Im Falle dieses in sich stimmigen Albtraums ist dies jedoch vollkommen überflüssig, denn um plausible Antworten zu erhalten, sollte der Zuschauer lieber die Phantasie spielen lassen.
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
AT THE DEVIL’S DOOR ist garantiert kein Film, den man vor dem zu Bett gehen anschauen sollte. Nach dem Indie-Hit THE PACT ist Macher NICHOLAS MCCARTHY seinem Grusel-Konzept treu geblieben und setzt wieder auf eher subtilen Horror statt blutgeilem Splatter-Quatsch mit dem Holzhammer. AT THE DEVIL’S DOOR ist stilistisch nicht weit von THE PACT entfernt. Wieder gibt es langsam Kamerafahrten, düstere Gänge und genug unheimliche Momente, die reichlich Gänsehaut verursachen. Neu hingegen ist, dass sich MCCARTHY weg vom Geister-Genre hin zum Okkultismus bewegt und eine in sich stimmige Geschichte zu Papier gebracht hat, die erst am Ende Sinn ergibt. Bis dahin darf sich durch eine morbide und nahezu depressiv wirkende Szenerie gegruselt werden, für die man Macher NICHOLAS MCCARTHY nur Dank beipflichten kann. Der versteht nämlich wie man dem Zuschauer mit einfachsten Mitteln Angst einjagen kann. Für INSIDOUS und CONJURING-Schöpfer JAMES WAN eine gute Gelegenheit für die geplanten 100 Pre- und Sequels seiner bisherigen Erfolgsfilme die ein oder andere Idee zu stibitzen. Wir meinen: In letzter Zeit kann keiner so gut gruseln wie NICHOLAS MCCARTHY. Sein AT THE DEVIL’S DOOR gehört zweifelsohne mit zur Referenz atmosphärischer Schauerstreifen.
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Zensur

 
 
 
Wir sehen besessene Frauen die in der Luft schweben und aus Fenstern und gegen Wände geworfen werden. Gewalt wird hier kaum gezeigt. Daher ist eine ungeschnittene FSK16 denkbar.
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pact (2012)
 
Besessen – Der Teufel in mir (2012)
 
Cassadaga (2011)
 
The Innkeepers (2011)
 
The Awakening (2011)
 
The Devils Backbone (2001)
 
Das Omen (1976)
 
Der Exorzist (1973)
 


Filmkritik: “Coherence” (2013)

coherence-2013
 
 
 

COHERENCE

Story

 
 
 
Ein Mystery-Thriller, der nicht viel benötigt: Ein Abendessen, acht Freunde und ein Kometenschweif am Himmel, der seltsame Vorkommnisse zur Folge hat …
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Kritik

 
 
 
Science-Fiction, Horror, Mystery, Drama oder Thriller – COHERENCE ist einer dieser Filme, der sich nicht so einfach kategorisieren lässt, weil er in keine Schublade passen will. Vielmehr bedient sich der auf Festivals gefeierte Überraschungs-Hit verschiedenster Genre, die hier ganz ungezwungen miteinander verschmelzen. Regisseur JAMES WARD BYRKIT, der bereits mit dem Chamäleon -Zeichentrick RANGO (Drehbuch) von sich hat hören lassen, konnte mit seinem kniffligen Rätselspaß schon einige Preise einheimsen und gibt mit dem kunterbunten Genre-Mix sein Regiedebüt, das bei Zuschauern endlich mal wieder die Köpfe rauchen lässt.
 
COHERENCE ist BYRKITS Reaktion auf seine bisherigen Arbeiten an Blockbustern wie RANGO (2011) und die FLUCH DER KARIBIK-Filme, die ihm sichtlich zu durchgeplant gewesen waren und dabei Möglichkeiten zur Improvisation zunichte machten. BYRKIT, der eigentlich vom Theater kommt, wollte sich von Konventionen lösen und sich wieder zu seinen alten Theater-Zeiten zurückbewegen, wo auf der Bühne allein Geschichte und Charaktere im Mittelpunkt gestanden haben und er die Freiheit zu experimentieren genießen konnte. Die Idee von COHERENCE war Schauspieler und Crew-Mitglieder von ihren Zwängen zu befreien. In einer Art spielfilmlangen Version einer TWILIGHT ZONE-Episode sollte durch minimalen Aufwand und mit einfachsten Mitteln maximales Unbehagen heraufbeschwört werden. Dabei war das Ziel ein filmisches Experiment zu schaffen, dass sich wie einst die Serie auch um wenige Protagonisten drehen sollte, die auf begrenztem Raum einem unheimlichen Mysterium auf die Schliche kommen. BYRKIT war darum bestrebt Augenmerk auf das Wesentliche zu legen, was wiederum bedeutete, dass Spezialeffekte vermieden werden und das Budget im überschaubaren Rahmen bleiben sollte. Gedreht wurde nicht einmal eine Woche am Stück mit kleiner Crew. BYRKIT stellte für die Dreharbeiten das eigene Wohnzimmer zur Verfügung und ein Drehbuch gab es nicht. Stattdessen erhielten die Darsteller an jedem Abend der fünf Drehtage Zettel mit Notizen, aus denen ausschließlich Informationen zum eigenem Charakter und der Hintergrundgeschichte für den jeweiligen Drehabend zu entnehmen waren. Weil keiner mit den Interaktionen des anderen vertraut war, mussten die Schauspieler Mut zur Improvisation beweisen. Ein riskantes Unterfangen, das in COHERENCE dennoch wunderbar funktioniert und wie aus einem Guss wirkt – den hervorragend gewählten Schauspielern sei Dank.
 
COHERENCE nimmt den Zuschauer mit zu einem Dinner in ein abgelegenes Haus irgendwo in Californien. Acht Freunde finden sich hier zusammen, um nach langer Zeit einander wiedersehen zu können. Ein besonderes Spektakel steht bevor, schließlich kreuzt nicht alle Tage ein Komet die Erdumlaufbahn. Doch das spektakuläre Himmelsereignis führt zu einer Reihe seltsamer Vorkommnisse. Erst zersplittern Handybildschirme wie von Geisterhand, bald schon verhalten sich die Gäste eigenartig. Als man wenig später auf Doppelgänger stößt bricht Panik unter den Anwesenden aus. Mehr über den grandios verwirrenden Plot zu verraten wäre fatal, nur soviel: Macher JAMES WARD BYRKIT bedient sich ganz clever der Thematik von Paralleldimensionen, versetzten Zeitebenen sowie Quantenphysik und konstruiert ein faszinierendes Stück Zelluloid, das reichlich Aufmerksamkeit voraussetzt, damit der roten Faden nicht verloren geht. Hierbei geht der Regieneuling den gleichen Weg wie zuletzt DENNIS ILIADIS, der im vergangenen Jahr an einem ähnlichen Film werkelte, welcher letztendlich vom deutschen Rechteinhaber UNIVERSUM FILM unter dem Titel PARTY INVADERS (im Original: +1 (2013)) ganz stillschweigend in die Händlerregale gebracht wurde.
 
Erfrischende Rezepturen gänzlich ohne Klischees und Konventionen sind im Kino mittlerweile eine Seltenheit geworden, vor allem wenn die amerikanische Traumfabrik mal wieder zugeschlagen hat, die dem Zuschauer das Denken so einfach wie möglich gestalten möchte. Ein Übel, dass BYRKIT nicht hinnehmen wollte, wie er in einem Interview verriet. Er war darum bestrebt einen Film zu drehen, der eben nicht bis ins kleinste Detail erklärt werden soll, damit ihn auch jeder Filmzuschauer verstehen kann. Vermutlich ein Grund, warum sich ohnehin kein großes amerikanisches Studio hätte finden lassen, das dazu bereit gewesen wäre, sein rätselbepacktes Filmvergnügen zu unterstützen. Dass sein Film mit einem abrupten Abschluss vollkommen aus der Bahn wirft, ohne klärende Antworten zu liefern, ist nur ein Beispiel dafür wie geschickt er sich den vordiktierten Regeln amerikanischer Hochglanzfilme entgegenlehnt, obwohl er im Grunde genommen einst selbst hier Fuß im Filmbusiness gefasst hat. Für diesen unkommerziellen Weg kann man den Filmemacher nur loben, denn auch wenn man COHERENCE vermutlich mehrmals gesehen haben muss, um auch alle Geheimnisse entschlüsseln zu können, ist dieses klug inszenierte und überraschend unkonventionelle Leinwand-Puzzle über jeden Zweifel erhaben. Für ein so sehenswertes und vor allem mutiges Erstwerk, das Hollywood rigoros den Mittelfinger entgegenstreckt, obwohl Macher JAMES WARD BYRKIT einst mit großen Blockbuster-Hits Erfolge feierte, gibt es vom FILMCHECKER eine zu recht verdiente und ungewöhnliche hohe Punktzahl.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös-unheimlicher Puzzle-Trip, der in keiner gut sortierten Filmsammlung fehlen sollte. Manchmal ist eine gute Idee mehr Wert als viel Budget und ausufernde Spezialeffekte. COHERENCE ist ein Triumph des Low-Budget-Filmemachens, denn trotz oder gerade aufgrund der Tatsache, dass die Akteure in diesem Kammerspiels vorwiegend improvisieren und kein Drehbuch als Grundlage besitzen, um sich daran festklammern zu können, gehört COHERENCE zum Besten was das Filmjahr 2014 zu bieten hat. Regisseur JAMES WARD BYRKIT ist hier ein Kunststück gelungen, dass die volle Aufmerksamkeit seiner Zuschauer genießt, die schnell ganz leise werden, um wirklich alle Geheimnisse diese grandios verschachtelten Verwirrspiels ergründen zu können. Da stört dann auch die teils wackelige Kameraführung nicht, die zwar immer nah an den Protagonisten ist, um Authentizität bewirken zu können, aber ab und an mit den üblichen Mankos zu kämpfen hat, die man aus den vielen Found-Footage-Werken kennt. Keine Angst COHERENCE ist keiner dieser überdrüssigen Shaky-Cam-Streifen. Vielmehr ist dieser packende und klug umgesetzte Überraschungs-Hit mit all seinen unerwarteten Wendungen Pflichtprogramm für Fans des Phantastischen Films. Daher: Wer im Genre Anspruch statt Holzhammer braucht, muss diesen Film gesehen haben.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Zensur

 
 
 
COHERENCE ist kein blutrünstiger Horror-Schocker. Hier passieren weder Mord- noch Totschlag. Am Ende kommt der Deckel eines Toilettenspülkastens zum Einsatz – das war’s dann aber auch schon mit der Gewalt. COHERENCE wird mit blauem FSK16-Sticker in den Handel kommen. Zuvor darf er jedoch auf dem FANTASY FILMFEST 2014 begutachtet werden.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House ot the End Times (2013)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
Mine Games (2012)
 
Haunter (2013)
 
Und taglich grüsst das Murmeltier (1993)
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)
 


Filmkritik: “Chrysalis” (2014)

Chrysalis-2014
 
 
 

CHRYSALIS

Story

 
 
 
Ein Film, wie jeder x-beliebiger Weltuntergangsstreifen und am Ende wird man doch eines Besseren belehrt: Nach einer Terror-Katastrophe hat sich ein Virus freigesetzt, der die Menschen zu primitiven Kreaturen hat werden lassen. Einige noch nicht Infizierte versuchen zu überleben …
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Kritik

 
 
 
Ein weiteres post-apokalyptischen Weltuntergangsszenario bahnt sich seinen Weg in die Wohnzimmer. Wie so oft in derart Streifen wird der Mensch für die Vernichtung der eigenen Rasse zur Verantwortung gezogen, die entweder durch Naturkatastrophen oder Bio-Waffen in die Knie gezwungen wird. Im Horrordrama CHRYSALIS tragen letztere Schuld, die ein grausames Massensterben zur Folge haben und Menschen in wilde Kreaturen verwandeln. Man könnte meinen, Regisseur JOHN KLEIN habe hier nur ein weiteres, beliebiges Zombie-Spektakel auf Film gebannt, dem ist jedoch nicht so. Der Zuschauer bemerkt schnell, dass hier etwas anders ist als sonst. Die Macher waren darum bestrebt den Konventionen des modernen Zombie-Kinos den Rücken kehren zu wollen. Regisseur JOHN KLEIN betrachtet die Zombie-Thematik mit anderen Augen und lässt die Schlachtwerkzeuge im Keller. Die “Infizierten” (so wie man sie im Film bezeichnet) werden hier nicht zur Freude des Zombiefans möglichst blutig in die ewigen Jagdgründe befördert. Stattdessen kommen die Protagonisten zu Wort, die von Macher JOHN KLEIN akribisch analysiert werden und sogar eine ernstzunehmende Charakterentwicklung erhalten. Für einen Zombiefilm mag eine derartige Vorgehensweise durchaus suspekt anmuten, konzentriert sich das Untoten-Genre seit jeher auf das grausame Ausradieren seiner fleischgeilen Filmkreaturen, denen nur ein Kopfschuss den Garaus machen kann. CHRYSALIS belehrt den Horrorfan eines Besseren und zeigt, dass eine Zombie-Geschichte auch ohne unnötiges Blutvergießen auskommen und dennoch packend unterhalten kann.
 
Der Streifen führt den Zuschauer ins Jahr 2038. Es ist Winter und ein Bio-Chemischer Terroranschlag hat beinahe die gesamte Menschheit ausgerottet und in aggressive Kreaturen verwandelt, die einen unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch entwickelt haben. Doch ihr Untergang scheint längst besiegelt zu sein. Die Nahrungsgrundlage ist knapp geworden, was zu einem rasanten Massensterben unter den Infizierten führt und die Überlebenden hoffen lässt. Auch Joshua (Cole Simon) und Penelope (Sara Gorsky) bahnen sich ihren Weg durch eine sterbende Welt, stets darauf hoffend doch noch auf Überlebende zu stoßen, um die Zivilisation neu aufbauen zu können. Auf ihrer Suche nach Anschluss machen die beiden Bekanntschaft mit Abira (Tanya Thai McBride), die das Paar zu einer Gruppe Überlebender führen will. Doch der Weg dahin ist gefährlich und Abira hütet ein schreckliches Geheimnis, das die Reise vor unüberwindbare Herausforderungen stellt.
 
Manchmal zahlt sich Improvisationstalent aus. Macher JOHN KLEIN dürften nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung gestanden haben, damit er das interessante Drehbuch von BEN KURSTIN ansprechend adaptieren konnte. Letzterer erhielt die Inspiration zum Skript, als er durch eine kleine Stadt reiste, an der bereits der Zahn der Zeit nagte. Die Idee vom Verfall der Städte in einer Welt ohne Zivilisation fand er bei seinen Erkundungsstreifzügen durch das Kleinod so bewegend, dass er sich an den Schreibtisch setzte und seine Geschichte über Zerfall, Hoffnung und Neuanfang niederschrieb. KLEIN drehte in verfallenen Kirchen, verlassenen Lagerhallen sowie sanierungsbedürftige Altbauten und bewirkt dadurch maximales Grauen, das oftmals weitaus beunruhigender ist, als man es in manch teurem Zombie-Blockbuster zu sehen bekommt. Es bedarf nicht viel um erschütternde Weltuntergangsstimmung aufkommen zu lassen. Im Falle von CHRYSALIS sind es gut durchdachte, fast schon kränklich anmutende Bildkompositionen, die die gegenwärtige Situation in grau gefärbter Tristesse widerspiegeln. Der erschütternden Fäulnis werden starke Protagonisten gegenübergestellt, die trotz Niederlagen vehement für ihr Ziel kämpfen und den Neuanfang versinnbildlichen sollen. KLEIN hat das kleine Ensemble mit exzellenten Schauspielern besetzt, die der Geschichte eine emotionale Tiefe verleihen, wobei man lobend hervorheben sollte, dass die Charaktere überraschenderweise nicht den typischen Stereotypen entsprechen, die man sonst meist im Horrorfilm zu sehen bekommt. Die sympathische Charakterisierung hat aber auch so seine Tücken, schließlich nimmt sich CRYSALIS viel Zeit, um die Schicksale der Protagonisten zu beleuchten. Dass sich der Zuschauer mit den zugänglichen Helden rasch verbunden fühlt und am Ende mitfühlt, wenn KLEIN sie über die Klinge springen lässt, ist eine der wenigen Prämissen, die der Filmfreund in Kauf nehmen muss.
 
Während Penelope sich mit der Tatsache abfinden muss niemals Kinder bekommen zu können und sich mit ihrem Analphabetismus mehr schlecht als recht durchs Leben mogelt, hat Abira ganz andere Probleme. Sie wurde als Kind bereits mit dem Virus infiziert, hat aber überlebt. Seither wird sie rastlos von den Infizierten verfolgt, die der wackeren Kämpfernatur stets an den Fersen haften. Keine guten Voraussetzungen um zu überleben, sind doch all jene in permanenter Gefahr, die sich in Abiras unmittelbarer Nähe aufhalten. CRYSALIS, was hier gleichzusetzen ist mit “Evolution”, ist kein einfacher Film für Zwischendurch. Der Streifen thematisiert Urängste und setzt sich tiefgründig mit Themen wie Einsamkeit, Überlebenswillen und Zusammenhalt auseinander. Die Zombies sind leider nur Beiwerk, was Gorehound vermutlich gar nicht schmecken dürfte. Für die Splatter-Gemeinde wurde CHRYSALIS ohnehin nicht gemacht, vermittelt KLEIN den Anspruch auch ohne dumme Gewalt ernsthaft unterhalten zu wollen. Gelungen ist ihm das allemal, denn mit seinem zweiten Spielfilm verleiht er dem totgefilmten Zombie-Genre (welch nettes Wortspiel) endlich neue Facetten, die wieder Lust auf mehr Horrorstreifen dieser Art machen.
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Packend inszenierter Indie-Horror, der darauf wartet entdeckt zu werden. Regisseur JOHN KLEIN verknüpft in CHRYSALIS drei seiner Leidenschaften, nämlich die für Horrorfilme, Dramen und Filmen mit glaubhafter Charakterentwicklung. Die Symbiose seiner drei Vorlieben ist im Falle seines Zweitwerks eine erstaunlich runde Sache geworden, denn sein Horror-Drama glänzt mit spannendem Storyverlauf und gut durchdachtem Drehbuch. Das besticht durch Tiefe und Glaubwürdigkeit und distanziert sich sogar gänzlich vom übertriebenen Blutgematsche, das ja bekanntlich zum Zombie-Genre gehört, wie das Salz in die Suppe. Gewalt erhält in CHRYSALIS kaum Gewichtung und die vom Zerfall gezeichneten Kreaturen sind nur Beiwerk. Stattdessen konzentriert sich die gemächlich erzählte Geschichte fast gänzlich auf seine drei Protagonisten, die einander verstehen und unterstützen und sich durch eine Welt voller Gefahren kämpfen, ohne jedoch den Respekt vor den Infizierten zu verlieren, die schließlich einst auch Menschen gewesen sind. Für das Resultat darf man Drehbuchautor BEN KURSTIN und Regisseur JOHN KLEIN nur beglückwünschen. Das dynamische Duo hat einen der besten Weltuntergangs-Indies gedreht, den man in letzter Zeit gesehen hat – und das sogar noch mit überschaubaren Budget. Man darf gespannt sein, um welche Filmstoffe sie das Genre in Zukunft bereichern werden. Fakt ist: CHRYSALIS bringt frischen Wind in das totgefilmte Zombie-Genre und erhält von uns das seltene Prädikat “Geheimtipp”!
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Zensur

 
 
 
CHRYSALIS ist kein brutaler Film. Gewalt spielt sich wenn dann nur im Off ab und reduziert sich auf das Ende des Streifens. In Deutschland dürfte das für eine FSk16 reichen.
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Attack of the Undead (2013)
 
Zombie Night (2014)

Antisocial (2013)
 
Open Grave (2013)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 
Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)
 


Filmkritik: “Speak No Evil” (2013)

speak-no-evil-2013-roze
 
 
 

SPEAK NO EVIL

Story

 
 
 
In einer Kleinstadt verschwinden die Kinder spurlos. Als sie wieder auftauchen gieren sie nach dem Blut der Erwachsenen …
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Kritik

 
 
 
Das amerikanische Multitalent ROZE hat ein Herz für strebsame Indie-Regisseure, die vehement daran arbeiten möglichst kreative Filme an den Zuschauer bringen zu wollen. Mit seiner Internetseite mindplate.tv eröffnet er all jenen Filmschaffenden die Möglichkeit, dass deren Werke auch von einem größeren Publikum in Nordamerika gesehen werden können. Ganz nebenbei soll mit seiner Plattform auch eine Basis für unabhängige Filmemacher geschaffen werden, mögliche Investoren für interessante Projekte gewinnen zu können, schließlich ist es meist für noch unbekannte Regisseure ohnehin schon schwer genug Filme zu finanzieren oder überhaupt einen Fuß in die Filmwelt zu bekommen. ROZE, der selbst seit 2002 Filme schreibt, dreht und produziert ist eigentlich ganz unfreiwillig zum Film gekommen. Bevor er seine neue Bestimmung fand, sah er sich eigentlich als Musiker. Weil er sich jedoch das Handgelenk brach und nicht mehr Gitarre spielen konnte, suchte er nach beruflichen Alternativen und landete an einer Filmhochschule. Es folgten Kurzfilme, Werbespots und 2010 schließlich der erste abendfüllende Langfilm: DEADFALL TRAIL. Drei Jahre später hatte ROZE bereits den zweiten Spielfilm abgedreht, der unter dem Titel SPEAK NO EVIL nun auch auf der eigenen Vermarktungsplattform zum Kauf angeboten wird und mit Sicherheit recht zügig internationale Publisher finden dürfte.
 

“What are you willing to sacrifice to overcome your fear and defeat evil?”. I believe we are willing to sacrifice our child in America and I believe we have.

(ROZE)

 
Der Regisseur ist dem Horrorfilm treu geblieben und führt in SPEAK NO EVIL mehrere Subgenres zusammen. Neben Elementen aus Zombie- und Okkultismusfilmen findet auch Besessenheitsthematik Verwendung, die auch Jahrzehnte nach DER EXORZIST immer mal wieder im Horrorfilm die Runde macht. Um den Anspruch zu wahren, hat ROZE zudem an Gesellschaftskritik gedacht, die sich subtil durch die Geschehnisse der zweifelhaften Geschichte schleicht, schließlich muss das kaltblütige Auslöschen hilfloser Kinder dann doch irgendwie begründet werden. Ähnlich wie in Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976), dem zugehörigen Remake COME OUT AND PLAY (2013) oder Kings KINDER DES ZORNS (1984) sind es gut behütete Kids, die zum Mittelpunkt des Streifens gemacht werden und sich nicht gerade zimperlich gegen die Erwachsenen einer Kleinstadt zur Wehr setzen. Der Dämon Adramelech muss als Indikator herhalten, um ein gar blutiges Massaker an einigen Kindern zu rechtfertigen, die unter seinen Einfluss beginnen an ihren Erziehungsberechtigten herumzuknabbern. Dass die Eltern in letzter Konsequenz nur noch das teils drastische Auslöschen der Schützlinge als Lösung sehen, um dem Spuk ein Ende bereits zu können, ist aufgrund der ziemlich zeigefreudigen Splatter-Szenen schon als arg geschmacklos zu betiteln. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass er stets darum bemüht ist kritische Botschaften in seine Werke einfließen zu lassen. Im Falle von SPEAK NO EVIL hält er dem Zuschauer den Spiegel vor Augen und zieht Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen. Laut seiner Erkenntnis lässt sich das unmenschliche Vergehen der Eltern im Film auch auf die Realität übertragen. So ist er fest davon überzeugt, dass seine amerikanischen Landsleute nicht davor zurückschrecken würden, den eigenen Nachwuchs zu opfern, um sich selbst in Sicherheit wähnen und Böses vernichten zu können. Eine gewagte These, die jedoch gerade aufgrund der jüngsten US-Kriegeinsatz-Problematiken in Afghanistan und im Irak an Brisanz gewinnt. Nicht selten ziehen meist junge Soldaten angetrieben vom Applaus der stolzen Eltern furchtlos in den Krieg und werden später als schwer traumatisierte Zombies erneut in die Gesellschaft eingegliedert. Dass viele der Kriegsheimkehrer nach dem Einsatz eine Menge Zeit benötigen, um das Erlebte verarbeiten zu können, wird meist nicht ohne Grund von der amerikanischen Regierung verschwiegen.
 
SPEAK NO EVIL erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Anna, die mit ihrem neuen Freund und Tochter Joey versucht über die Runde zu kommen. Eines Abends beobachtet die Tochter, wie ein seltsames Wesen aus dem Boden krabbelt – wenig später ist Joey verschwunden. Für die Eltern entwickelt sich die Situation zum Albtraum, scheint es keine Anhaltspunkte für das mysteriöse Verschwinden der Tochter zu geben. Doch Joey ist nicht einzige, die nicht mehr auffindbar ist. Allen Erwachsenen des Ortes ist ähnliches Schicksal widerfahren – die Kinder sind wie vom Erdboden verschluckt, so dass ein Suchtrupp aufgestellt wird, der nach den Kids suchen soll. So schnell wie sie verschwunden waren, tauchen die Schützlinge wenige Zeit später auch wieder auf. Ganz zur Freude aller Eltern, die aber bald feststellen müssen, dass sich der Nachwuchs wie ausgewechselt verhält. Ein grauenvoller Dämon hat sich der Kinder bemächtigt, die nun von Boshaftigkeit besessen beginnen den Heimatort zu terrorisieren. Als die ersten Erwachsenen den Angriffen der Minderjährigen erliegen und sich die Eltern nicht mehr zu wehren wissen, schmiedet man einen teuflischen Plan. Währenddessen ist Mutter Anna fest davon überzeugt, die eigene Tochter aus den Klauen des Dämons retten zu können.
 
Knapp 150.000 Dollar hat der Regisseur für sein Zweitwerk ausgegeben. Wie so oft bei Indie-Flicks liegt das minimale Budget im direkten Vergleich zum fertigen Film ein keinem Verhältnis, denn auch Filmemacher ROZE hat es geschafft, dass sein SPEAK NO EVIL nach bedeutend mehr ausschaut, als man anfänglich vermuten würde. Doch dazu nicht genug. Seit seinem Erstling DEADFALL TRAIL hat sich einiges getan. Die für einen Horrorfilm obligatorischen Ekelmomente befinden sich auf einem erstaunlich hohen Niveau. So greift man bei den Make-up und Matscheffekten auf Handgemachtes zurück und beschränkt sich auf nur wenige Computeranimationen. Auch im Fall von SPEAK NO EVIL kommt dem Film der ungeschliffene Indie-Look gelegen, der sich durch den gesamten Streifen zieht. Die lose Kamera schwirrt permanent um die Protagonisten und ist immer nah am Geschehen. Sie nimmt die Beobachterposition ein und suggeriert dem Zuschauer, Teil der mysteriösen Ereignisse zu sein. Auch wenn das Treiben recht schnell ein ordentliches Tempo entwickelt und der Film von einem permanenten Gefühl des Unbehagens begleitet wird, mangelt es dem Drehbuch an Feintuning. Eine Charakterentwicklung gibt es nicht und die teils konfuse Geschichte gerät sehr bald in Erklärungsnot. Zudem ist GABRIELLE STONE als alleinerziehende Mutter Anna zwar darum bestrebt die Geschichte zu tragen; eine sympathische Heldin verkörpert sie jedoch mit ihrer unnahbaren Art leider nicht.
 
Die eigentlichen Stars des Streifens sind hier erstaunlicherweise die Kinder, die sich in SPEAK NO EVIL ihren Weg durch die Stadt beißen und schreien. Letzteres geht dann doch schon arg durch Mark und Bein, wenn eine bemitleidenswerte Kreatur wie Vieh an eine Leine gehalten wird und einen fragwürdigen Exorzismus über sich ergehen lassen muss. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die kindlichen Schauspieler bei weitem mehr Talent beweisen, als ihre erwachsenen Schauspielkollegen. Einige derer haben vermutlich während der Dreharbeiten nicht verstanden, dass SPEAK NO EVIL ein Horrorfilm werden sollte. Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum in Momenten der Angst Dialoge mit einem verschmitzten Grinsen in die Kamera gequasselt werden.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierendes Horror-Spektakel, was uns da Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ROZE mit SPEAK NO EVIL auftischt, denn in diesem Horror-Schocker werden Kinder von einer höheren Macht gesteuert und gegen die Erwachsenen des Films aufgehetzt. Regisseur ROZE geizt nicht mit blutigen Details und macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Zeugen eines äußerst kontroversen Schlachtspektakels, das sogar noch mit einem äußerst makabren Abschlusstwist aufwartet. Für knapp 150.000 Dollar hat Macher ROZE einen ganz passablen Indie-Trip gebastelt, der jedoch wie so oft bei unabhängigen B-Filmen mit so einigen Schwächen zu kämpfen hat. Zwar passt die Gruselstimmung; die schauspielerischen Leistungen der erwachsenen Protagonisten wirken jedoch im Gegensatz zu ihren kindlichen Schauspielkollegen oftmals sehr unbeholfen. Außerdem leidet das Drehbuch unter der teils sehr konfusen Geschichte, die mehr Fragen aufwirft, als Antworten zu geben. In Anbetracht des mageren Budgets sind die Defizite jedoch zu verschmerzen, denn trotz Mankos ist SPEAK NO EVIL immer noch besser, als das was sonst üblicherweise aus dem Indie-Sektor kommt. Wir meinen: SPEAK NO EVIL ist ein beunruhigender Horror-Thriller in der Machart von KINDER DES ZORNS, DAS DORF DER VERDAMMTEN und COME OUT AND PLAY. Fans ungeschliffener Indie-Grusler greifen zu; Mainstream-Gucker bleiben dagegen fern.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Zensur

 
 
 
Es ist schwierig für SPEAK NO EVIL eine FSK-Prognose zu stellen. Gerade weil hier recht grafisch Kinder vor der Linse getötet werden, könnte der Film in Deutschland so seine Probleme bekommen. Die Gewalt wird teils roher als in COME OUT AND PLAY dargestellt. Mit etwas Glück gibt’s von der FSK den roten KJ-Flatschen – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Come Out and Play – Kinder des Todes (2012)
 
Dark Touch (2013)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
Children of the Corn (2009)
 
Ein Kind zu töten (1976)
 


Filmreview: “Rage” (2010)

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RAGE

Story

 
 
 
Nachdem er seine Affäire zu Dana beendet hat, wird Dennis von einem wütenden Motorradfahrer verfolgt, der nichts Gutes im Schilde führt …
 
 
 


 
 
 

RAGE – Kritik

 
 
 
Schmerzverzerrte Gesichter auf Filmplakaten wecken den Horror-Heißhunger bei Fans düsterer Kinoware, schließlich lässt sich meist daran ableiten, dass den Protagonisten im Film viel Leid widerfahren wird. Im Falle von RAGE ist das gar nicht so abwegig, denn in diesem Indie beweist der Sensenmann, dass er eine Leidenschaft für schnelle Flitzer hegt. Die Angst vor dem gewalttätigen Unbekanntem wird in RAGE zum Mittelpunkt der Geschichte deklariert, in der sich Held Dennis Twist (RICK CRAWFORD) vor einem wütenden Motorradfahrer in Sicherheit bringen muss. Dessen Missgunst ruft der ahnungslose Ehebrecher während einer Verabredung mit Affäre Dana (ANNA LODEJ) auf den Plan, die nicht so recht fassen mag, dass sich ihr Liebhaber letztendlich für Frau Crystal entschieden hat und nicht für ein knisterndes Abenteuer mit ihr. Leider scheint die Einsicht zum falschen Zeitpunkt gekommen zu sein, hat sich doch ein Motorrad fahrender Albtraum aus JASON VOORHEES und MICHAEL MEYERS an die Fersen des potenten Junghengstes geheftet und will nun gern ein makabres Katz- und Mausspiel mit dem unwissenden Dennis treiben. Der Psychopath beginnt sein Opfer durch die Straßen der Stadt zu hetzen, das sich selbst zu Hause nicht in Sicherheit wähnen kann. Der Unbekannte folgt Dennis bis vor die Haustür, wo Gattin Crystal so rein gar nicht erfreut ist über den mordlüsternen Besucher.
 
RAGE ist ein waschechter Indie, der bereits auf einschlägigen Festivals Preise einheimsen konnte. Hinter dem Psycho-Spielchen steckt Autor und Regisseur CHRISTOPHER R. WITHERSPOON, der hier persönliche Schicksalsschläge verarbeitet hat. Zudem lies er sich für seine zweite Regiearbeit von Spielbergs DUELL (1971) inspirieren und hat eine für Indie-Verhältnisse erstaunlich rasante Mixtur aus Verfolgungs-Thriller und Terrorfilm abgeliefert. Gerade einmal 100.000 Dollar soll RAGE gekostet haben – eine Tatsache, die der Zuschauer nicht so recht glauben mag. WITHERSPOON beweist nämlich ein hohes Maß an technischem Verständnis und lässt sein Zweitwerk bedeutend teurer aussehen, als es letztendlich gewesen ist. Hektische Schnitte, durchdachte Kamerafahrten und sogar symbolhafte Bildsprache (die Alarmfarbe Rot dient als Vorbote drohender Gefahr) deuten von Erfahrung auf dem Gebiet des Filmemachens. Die kommt nicht von Ungefähr, hat WITHERSPOON in einem Interview zu verstehen gegeben, dass er Werke von Hitchcock, Spielberg, Carpenter, Craven und Kubrick penibel studiert hat, um deren Erfolgsrezeptur auch für seine (künftigen) Werke nutzen zu können. Die Hausaufgaben hat der Regisseur mit nötiger Sorgfalt erledigt, denn RAGE lässt ganz schnell die schlimmen No-Budget-Streifen aus letzter Zeit vergessen, die durch beliebtes Found-Footage-Gewackel unverständlich viel Aufmerksamkeit erhalten haben. Von allmählich überdrüssigem Kameragewackel sieht WITHERSPOON ab und sorgt stattdessen endlich wieder für Spannung in einem Low-Budget-Indie. Die erreicht der Filmemacher durch rasante Verfolgungsjagden, die WITHERSPOON geschickt in Szene gesetzt hat. Benötigt Filmcharakter Dennis dann doch mal eine Verschnaufpause, wandelt RAGE auf Terror-Pfaden, schließlich frönt der wortkarge Fremde einer Leidenschaft für gemeine Terrorspiele. Er attackiert sein Opfer in der Toilette und verfolgt es sogar bis in die Tagträume – für Zuschauer und Filmheld bleibt da kaum Zeit um aufatmen zu können.
 
Leider verliert WITHERSPOON in der zweiten Filmhälfte das eigentliche Ziel vor Augen, endet doch RAGE im üblichen Blut- und Splatter-Rausch. Der zuvor kontinuierlich aufgebaute Spannungsbogen wird zugunsten bekannter Terror- und Home-Invasion-Regeln außer Acht gelassen. Der anonyme Killer, dessen Identität selbst nach dem Abspann ungeklärt bleibt, vergreift sich an Ehegattin Crystal, die als schuldlose Unbeteiligte die Wut des Fremden mit aller Härte zu spüren bekommt. Dass die obligatorische Vergewaltigung da freilich nicht fehlen darf, dürfte auf die lukrative Ausschlachtung jenes zweifelhaften Filmthemas zurückzuführen sein, das sich vor einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut hat. RAGE wurde bereits im Jahr 2010 auf den amerikanischen Filmmarkt geworfen – zu einer Zeit, als kontroverse Remakes zu Klassikern wie I SPIT ON YOUR GRAVE oder LAST HOUSE ON THE LEFT im Kino Kasse machten und sich schmuddeliges Exploitation-Kino schon längst zu Mainstream entwickelt hatte. Dass WITHERSPOON auf dieser durchaus wirtschaftlichen Welle mitreiten wollte, kann man dem Regisseur nicht verübeln, schließlich ist es im Filmgeschäft keine Seltenheit mehr, dass unbekannte Filmemacher lukrative Trends nacheifern, wenn andere damit viele Dollars verdient haben. Auch wenn RAGE nach dem temporeichen Beginn enttäuschend viel Potenzial verschenkt und mal wieder nur die Erwartungen blutgeiler Gorehounds befriedigt werden, kommt immerhin der raue Indie-Look den diversen Brutalo-Momenten gelegen, die mit der ungeschönten Optik dann doch schon recht hart anzuschauen sind. So bedient sich der Killer wie einst LEATHERFACE aus dem berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE auch einer Kettensäge und zerteilt zur Freude der Splatter-Gemeinde die netten Nachbarn von Nebenan. Die wimmern vergebens ums Überleben und werden ziemlich ruppig ins Jenseits befördert. Dass die Szene jedoch vollkommen deplatziert wirkt und rein gar nicht zum Rest des Filmes passen will, ist nur eines der vielen kleinen Vergehen, für die man WITHERSPOON nicht tadeln sollte. Unterm Strich ist RAGE kein übler Film, betrachtet man das erschreckend niedrige Budget, das dem Streifen zur Verfügung gestand hat. Eigentlich wollte Macher WITHERSPOON statt RAGE unheimlichen Anthologie-Horror drehen. Weil ihm das benötigte Kapital fehlte, entschied er sich vorerst für die Umsetzung dieses blutreichen Thriller-Plots. Da kann man nur hoffen, dass Horrorfans auch Jahre nach der Fertigstellung von RAGE Interesse bekunden und sich das Filmchen kaufen. Nur so dürften garantiert werden, dass WITHERSPOON eifrig weiter werkeln kann. Insofern man ihm die Gelegenheit geben würde mit mehr Budget drehen zu dürfen, könnte da durchaus etwas Kultiges entstehen – da sind wir uns sicher.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spielbergs DUELL trifft auf FREITAG DER 13. und HALLOWEEN. RAGE ist ein temporeicher Indie-Horrorstreifen, der die Gewaltschraube am Ende nahezu im Minutentakt fester dreht. Man muss schon eine Vorliebe für ungeschliffenes Indie-Kino besitzen, um WITHERSPOONS Slasher-Variante von Spielbergs DUELL überhaupt genießen zu können. Mainstream verwöhnte Kinogänger werden an den teils schlecht ausgeleuchteten Bildern und den manchmal hölzern agierenden Schauspielern kaum Gefallen finden. Tadeln darf man Regisseur CRISTOPHER WITHERSPOON dafür jedoch nicht, hat er schließlich mit einem Mikro-Budget von gerade einmal 100.000 Dollar einen soliden Thriller auf die Beine gestellt, den manch Filmschaffender selbst mit millionenschwerem Kapital nicht besser gemacht hätte. Sichtlich von Meistern wie HITCHCOCK, CARPENTER und SPIELBERG inspiriert beweist WITHERSPOON ein talentiertes Händchen für geschickt platzierte Spannungsmomente und rasante Verfolgungsjagden – auch ohne Bluescreen-Technik und CGI. Dass er sogar an die Gorebauern unter den Horrorfans gedacht hat, gehört leider zum notdürftigen Übel, schließlich erwarten Fans von “bösen” Filmen nun mal heutzutage, dass in Horrorfilmen reichlich Lebensaft zu sehen ist. Fazit: Offene Horror-Zuschauer dürfen gern mal einen Blick wagen, denn RAGE ist ein ambitioniertes Projekt eines eifrigen und talentierten Filmemachers, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Zensur

 
 
 
RAGE gibt sich nicht zurückhaltend. Gerade das Ende geizt nicht mit reichlich Brutalität. Da werden Körper mit Kettensäge und Messer bearbeitet. Zudem schlägt die Vergewaltigung einer Protagonistin auf den Magen. Sollte RAGE in Deutschland veröffentlicht werden gibt’s den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Duell (1971)
 
Jeepers Creepers (2001)
 
Joyride – Spritztour (2001)
 
Death Proof (2007)
 


Filmreview: “Der Tag nach Halloween” (1979)

der-tag-nach-halloween-1979
 
 
 

DER TAG NACH HALLOWEEN

Story

 
 
 
Die hübsche und schüchterne Hairstylistin Angela wird von ihrer Freundin überredet ihren Beruf aufzugeben und es als Fotomodel zu versuchen. Doch Angela ist nicht wohl bei der Sache, da sie seit einiger Zeit von ihrem Ex-Freund verfolgt wird, der ihr überall hin zu folgen scheint. Jedoch muss sie erkennen, dass auch das Leben als erfolgreiches Model einige sehr unangenehme Schattenseiten birgt …
 
 
 


 
 
 

DER TAG NACH HALLOWEEN – Kritik

 
 
 
DER TAG NACH HALLOWEEN ist ein 1979 veröffentlichter Horror-Thriller aus Australien von Simon Wincer. Wincer, der später in den 90er Jahren wesentlich familienfreundlichere Filme ablieferte wie FREE WILLY (1993) oder DAS PHANTOM (1996) mit Billy Zane, war in den 70ern hauptsächlich als Fernsehregisseur tätig. DER TAG NACH HALLOWEEN stellte sein Spielfilmdebüt dar. Produzent des Films war Anthony I. Ginnane, welcher unter anderem Richard Franklins PATRICK (1978) und DARK AGE von Arch Nicholson (1987) produzierte. Das Budget lag bei 100.000 Dollar.
 
Was einem zunächst auffallen mag ist der Titel. Natürlich hat der Film weder etwas mit dem schaurigen Festtag zu tun, noch findet die Handlung am 1. November statt. In diesem Fall ist es der Titelschmiede des hiesigen Rechteinhabers zu verdanken, dass der im Original betitelte SNAPSHOT nun einen solch irreführenden Namen trägt. Orientiert hat man sich dabei an dem Titel, den der Streifen damals in den USA bekommen hat: THE DAY AFTER HALLOWEEN. Schaut man sich das Jahr der Veröffentlichung an, so dürfte einem ein Licht aufgehen. SNAPSHOT wurde nur ein Jahr nach John Carpenters Kinohit HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978) veröffentlicht…
 
Wenn man auf kleinere Thriller der 70er Jahre steht, dann ist man mit SNAPSHOT bestens bedient. Zum einen lebt und atmet der Streifen das Jahrzehnt in dem er entstanden ist, und zum anderen punktet er mit überraschend guten Schauspielern und sympathischen Charakteren. Ganz besonders Sigrid Thornton, welche man womöglich aus George Millers SNOWY RIVER (1982) kennt, spielt ihre Rolle sehr natürlich und gewinnt einige Sympathien beim Zuschauer. Man fiebert mit ihr mit und möchte nicht, dass ihr in unangenehmen Situationen die sie im Film durchlebt, etwas zustößt. Eine wirklich gute Leistung wenn man bedenkt, dass Thornton erst zwei Tage vor Drehstart gecastet wurde.
 
Das Ende von SNAPSHOT lädt im Übrigen zum Schmunzeln ein. Nicht etwa, weil es sonderlich schlecht ist, sondern weil gefühlte drei Twists hintereinander derart überspitzt sind, dass man nicht anders kann als mit einem Grinsen vor seinem Fernseher zu sitzen.
 
 
 


 
 
 

DER TAG NACH HALLOWEEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SNAPSHOT, oder, DER TAG NACH HALLOWEEN ist kein Meisterwerk, aber ein durchaus unterhaltsamer Film der nie wirklich langweilig wird. Wenn man auf kleine produzierte Filme aus den 70ern steht und Thriller mag, dann sollte man dem Streifen auf jeden Fall eine Chance geben.
 
 
 


 
 
 

DER TAG NACH HALLOWEEN – Zensur

 
 
 
In seiner ungekürzten Fassung läuft SNAPSHOT ziemlich genau 101 Minuten. Für sein Release in den USA wurde der Film jedoch auf 92 Minuten heruntergekürzt. Auch auf der Rückseite der alten deutschen VHS-Kassette von Screentime ist lediglich eine Laufzeit von 90 Minuten vermerkt. Diese Fassung befindet sich auch auf der DVD-Veröffentlichung von Maritim Pictures. Die komplett ungekürzte Fassung ist in englischer Sprache als Bonusmaterial enthalten. Der Film trägt damals wie heute eine FSK 18-Freigabe. Bei einer Neuprüfung dürfte jedoch eine Freigabe ab 16 Jahren drin sein.
 
 
 


 
 
 

DER TAG NACH HALLOWEEN – Deutsche DVD

 
 
 
der-tag-nach-halloween-1979-dvd

(c) Maritim Pictures / Alive

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Snapshot; USA 1979

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0 Stereo, Englisch Dolby Digital 2.0 Stereo

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Wendecover, alternative Credits, internationale Fassung (100:24 Min.), Audiokommentar

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 

Der Tag nach Halloween (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DER TAG NACH HALLOWEEN – Trailer

 
 

 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Augen der Laura Mars (1978)
 
Rosso – Die Farbe des Todes (1975)


Filmreview: “Beneath” (2013)

beneath-2013
 
 
 

BENEATH

Story

 
 
 
Nach einem Unfall ist eine Gruppe Bergleute Untertage von der Außenwelt abgeschottet und muss 72 Stunden auf Rettung warten. Die beklemmende Situation scheint jedoch noch das Beste zu sein, was ihnen an diesem Tag widerfahren ist, denn mit dem Einsturz wurde auch etwas Unheimliches freigelegt …
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Kritik

 
 
 
Das Wort BENEATH scheint derzeit immer wieder Verwendung bei der Titelkreation von Horrorfilmen zu finden. Erst kürzlich haben wir einen Streifen mit gleichem Titel besprochen, der vom amerikanischen Horror-Kanal CHILLER in Produktion gegeben wurde und inhaltlich mit seiner Monsterfisch-Thematik jedoch eine ganz andere Richtung einschlägt. Gleiches gilt übrigens auch für den von DAGEN MERRILL inszenierten Mystery-Thriller, der von PARAMOUNT CLASSICS und MTV FILMS hergestellt und für eine lukrative DVD-Auswertung bereits im Jahr 2007 in die Händlerregale gebracht wurde. Der nun vorliegende BENEATH schmückt sich zwar mit gleichem Namen, ist jedoch im Unterschied zu den genannten Genre-Werken um Längen besser. Demnach sollte der interessierte Horrorfan Vorsicht walten lassen und beim Kauf darauf achten, dass er auch wirklich den richtigen BENEATH in den Einkaufskorb legt. Schließlich verliert man bei so vielen Filmen mit gleichem Schriftzug auf dem Cover schnell den Überblick.
 
In der Tiefe hört dich niemand schreien – mit einem derart reißerischen Untertitel hätte man vermutlich der Verwechslungsgefahr entgegenwirken und das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen können, schließlich umschreibt der Slogan trefflich, was den verängstigten Protagonisten in BEN KETAIS Thriller passieren wird. Umso verwunderlicher, dass der Streifen, zumindest in seinem Herstellungsland, von solch werbewirksamen Floskeln absieht und ohne mediales Brimborium auf Heimkinomedium ausgewertet wurde. Eine durchaus mutige Entscheidung der Macher, hat sich doch Regisseur BEN KETAI mit der miserablen Video-Fortsetzung zu 30 DAYS OF NIGHT nicht gerade mit Ruhm bekleckert, so dass sein neuer Film BENEATH verständlicherweise mit eher gemischten Gefühlen von Fans erwartet werden dürfte. Allen Skeptikern zum Trotz darf man jedoch verlauten lassen, dass KETAI einen überraschend sehenswerten Film abgeliefert hat, der sich recht effektiv bei den menschlichen Urängsten bedient und die auch gleich zum Thema eines bemerkenswert guten Grusel-Trips gemacht hat.
 
Samantha Marsh (KELLY NOONAN) steigt in BENEATH zusammen mit ihrem Vater (ein erschreckend gealterter JEFF FAHEY) und dessen Arbeitskollegen hinab in ein dunkles Bergwerk, um einerseits den kränkelnden Papa an seinem letzten Arbeitstag noch einmal über die Schulter schauen zu können und um den übrigen Herrschaften zu beweisen, dass auch eine Rechtsanwältin in Extremsituationen ihren Mann stehen kann. Frauen am Arbeitsplatz bringen Unglück – eine Bergbauweisheit, die sich in BENEATH rasch bewahrheitet, denn während Bohrarbeiten im Inneren der Mine kommt es zu einem Unfall und die Gruppe wird verschüttet. Nun ist guter Rat teuer, denn bis Rettung eintrifft werden knapp 72 Stunden vergehen. Zeit, die die Überlebenden jedoch nicht haben, schließlich ist hier unten nicht nur der Sauerstoff knapp. Glaubt man den Legenden wurden in den 1920ern hier bereits schon einmal 19 Bergleute unter ähnlichen Umständen begraben. Leider konnten deren Überreste bis heute nicht ausfindig gemacht werden. Eine Tatsache, die den Verschütteten während ihres Überlebenskampfes nicht gerade förderlich ist, erkennen sie doch, dass mit dem Einsturz etwas Unheimliches befreit wurde.
 
Paranoia-Thriller oder Geister-Horror? So wirklich festlegen wollten sich die beiden Drehbuchautoren PATRICK DOODY und CHRIS VALENZIANO beim Schreiben vermutlich nicht. BENEATH ist nämlich einer dieser doppelbödigen Filme, deren Erklärung sich der Zuschauer selbst zusammenreimen muss. Die verschütteten Protagonisten müssen sich diversen Ängsten stellen. So werden die Charaktere nicht nur mit permanenter Sauerstoffknappheit konfrontiert. Zusätzliche Stressfaktoren wie Dunkelheit, Klaustrophobie und plötzlich auftretende Panikattacken erschweren den Kampf ums Überleben enorm. Nach körperlichem Stress folgt Realitätsverlust, der dafür sorgt, dass sich die Kumpels gegenseitig abschlachten, spielt ihnen doch die eigene Psyche gemeine Streiche. Dass die Paranoia durch die Legende von den verschollenen Bergarbeitern aus den 20ern nur unnötig vorangetrieben wird, dürfte nur logisch sein. Wer sich im Übrigen mit plausiblen Erklärungen schwer tut, darf sich natürlich auch gern seinen eigenen, paranormalen Erklärungsansatz zusammenwürfeln, denn auf Horror-Ebene funktioniert BENEATH genauso gut. So werden aus Wahnvorstellungen flink besessene Minenarbeiter, in deren Körper die Geister jener Bergleute geschlüpft sind, die vor fast 100 Jahren mehrere Meter unter der Erde einen grausamen Tod gefunden haben.
 
Regisseur BEN KETAI jongliert ganz selbstsicher mit Nervenkitzel und Gänsehaut. Das schwach beleuchtete Setting bewirkt zusammen mit einigen grotesk anmutenden Morphing-Effekten maximales Gruselfeeling und eine temporeich inszenierte Höhlen-Hatz (THE DESCENT lässt grüßen) macht aus BENEATH packend gewerkelte Gruselunterhaltung. KETAIS Überlebensfilm lässt sich in keine Schublade pressen. Die Tatsache, dass der Zuschauer keine Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommt, macht BENEATH äußerst reizvoll. Und gerade der Umstand, dass Macher BEN KETAI den Zuschauer bis zum Abspann im Unklaren lässt, welche Richtung BENEATH nun einschlagen wird, sorgt dafür, dass der Spannungspegel konstant beibehalten werden kann. Leider stört mal wieder das “Alles total wahr”-Gequassel zu Beginn. Seit jedes zweite Horrorwerk mit dem “Inspiriert von”-Slogan um die Gunst der Käuferschar buhlt, geht einem als Horrorfan jene Vermarktungsstrategie gehörig auf den Zünder. Dennoch, sieht man von diesem kleinen Manko ab, ist BENEATH zweifelsohne beängstigend-klaustrophobisches Horror-Kino, das für einen schnellen Pulsschlag sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Dunkeln ist gar nicht gut Munkeln. BENEATH ist klaustrophobischer Höhlen-Horror, der die Spannungsschraube minutiös fester dreht. Die menschlichen Urängste haben nun bereits schon unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht und nur wenigen von ihnen ist es in letzter Zeit gelungen Gruselstreifen in die Heimkinos zu bringen, die auch dem Zuschauer einiges abverlangt haben. Regisseur BEN KETAI hat nach 30 DAYS OF NIGHT: DARK DAYS endlich guten Horror gebastelt, der sich der Urangst-Problematik bedient und dennoch nicht zwingend im Horror-Bereich einzuordnen ist. Er überlässt dem Zuschauer nämlich selbst, in welche Schublade er BENEATH stecken möchte. Ob nun nur packender gedrehter Paranoia-Überlebens-Thriller oder unheimlich inszenierter Geister-Schocker – die Entscheidung fällt letztendlich der Horrorfan selbst. Fakt ist, dass BENEATH beidseitig funktioniert und 90 Minuten wohliges Schauern garantiert. Deshalb: Ein sehenswerter Horrortrip unter Tage.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Zensur

 
 
 
BENEATH ist kein Metzel-Feuerwerk für Splatter-Fans. Hier töten sich die Protagonisten selbst, wobei unklar bleibt, ob sie im Wahn handeln oder von Geistern besessen sind. Meist bekommt der Zuschauer jedoch nur das Ergebnisse deren Handelns zu Gesicht. Einige verstörende Morphing-Effekte verstärken das Grusel-Feeling. Wir gehen von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
The Descent (2005)
 
The Cave (2005)
 
The Descent 2 (2009)
 
The Cavern – Abstieg ins Grauen (2005)
 
Underground – Tödliche Bestien (2011)
 
In Darkness We Fall (2014)
 


Filmreview: “The Quiet Ones” (2014)

The-Quiet-Ones-2014
 
 
 

THE QUIET ONES

Story

 
 
 
Psychologie-Professor Joseph Coupland (Jared Harris) führt zusammen mit drei Studenten an einer Art erwachsener Wednesday Adams (Olivia Cooke) Experimente durch, die scheinbar vom Geist eines Kindes besessen ist. Mit verschiedenen Tests wollen sie beweisen, dass das Leiden der Patientin auf ein psychischen Traumata zurückzuführen ist und das Geisterwesen allein ihrer Phantasie entspringt …
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Kritik

 
 
 
Irgendwie erzielt die Wiederbelebung der glorreichen HAMMER STUDIOS nicht den Erfolg, den die Produktionsschmiede während ihrer Blütezeit in den 50er- und 60er Jahren verzeichnen konnte. Bis in die späten 70er hinein wurden dort nämlich Horrorfilme am laufenden Band produziert und verhalfen Legenden wie CHRISTOPHER LEE und PETER CUSHING zu Weltruhm. 1979 lief das letzte hauseigene Schaffen über die Leinwand – danach war Schluss. Dreißig Jahre nach Werkstattschließung wurden die Pforten der HAMMER STUDIOS dank Produzent JOHN DE MOL (ja, der BIG BROTHER-Schöpfer ist gemeint) erneut geöffnet und eine Reihe Gruselstreifen gedreht, die aber bisher nicht den Profit brachten, den man sich vielleicht erhofft hatte.
 
Während WAKE WOOD (2008), THE RESIDENT (2009) und das unnötige Remake LET ME IN (2010) hierzulande direkt auf dem Heimkinomarkt verramscht wurden, konnte zumindest THE WOMAN IN BLACK (2011) reichlich Zaster in die Kinokassen schwemmen, was aber vermutlich hauptsächlich an Darsteller DANIEL “POTTER” REDCLIEF gelegen haben dürfte, der mit seiner Rolle im britischen Gothic-Grusler das ihm auferlegte Image des Zauberlehrlings loswerden wollte. Nun geht HAMMER FILMS in eine weitere Runde. Weil Geister und Wackelkamera seit PARANORMAL ACTIVITY und THE CONJURING immer noch genügend Leute in die Kinos locken können, dürfte es wohl keinen Horrorfan überraschen, dass auch die Macher von HAMMER FILMS auf den Geister, Exorzismus und Found-Footage-Zug springen, um den lukrativen Horror-Trend mitmachen zu können. Leider hat Regisseur JOHN POGUE so ziemlich alles vermasselt, was man bei einem solchen Film falsch machen kann. Für den hiesigen Rechteinhaber ASCOT ELITE daher Grund genug, dass vergeigte Machwerk ohne den Umweg ins Kino direkt in die Händlerregal zu stellen, damit sich Horrorfans das teure Eintrittsticket für THE QUIET ONES sparen können.
 
Übeltäter JOHN POGUE, der bisher nur das leidlich unterhaltsame Video-Sequel QUARANTÄNE 2 – TERMINAL (2011) fabriziert hat, verlagert die Handlung seines aktuellen Machwerks in die 70er und erzählt die Geschichte von Oxford-Professor Joseph Coupland (JARED HARRIES), der fest davon überzeugt ist, dass Geisterwesen nur Manifestation der Psyche sind. Drei seiner Stundenten sind von der radikalen Theorie derart fasziniert, dass sie den Lehrer bei seinen unorthodoxen Experimenten unterstützen. Auf einem Anwesen außerhalb von London soll die These an Patientin Jane Harper (OLIVIA COOKE) bewiesen werden. Die scheint Anzeichen von Besessenheit zu besitzen, quasselt permanent von einer imaginären Freundin namens Eve und start Löcher in die Luft. Während die Arbeiten akribisch mit der Kamera dokumentiert werden, ist es Student Brian McNeil (SAM CLAFLIN), der die zahlreichen Test bald zu hinterfragen beginnt. So ganz Unrecht hat er mit seiner Feststellung nämlich nicht, denn Professor Jared Harris verliert schon bald das Wohl seiner Probandin aus den Augen und hat nur noch ein Ziel: Seine Theorie zu beweisen.
 
Dunkle Flure, nostalgisches Filmmaterial und typisch britisches Gruselflair; eigentlich hätte alles so schön werden können. Wäre da nicht Regisseur JOHN POGUE gewesen, der die eigentlich guten Voraussetzungen für einen Grusler wie diesem im Keim ersticken lässt. THE QUIET ONES ist eine jener modernen Interpretationen altmodischer Geistergeschichten, die einfach keine Angst einjagen wollen, was wohl daran liegen dürfte, dass POGUE immer dann Szenen abrupt enden lässt, wenn es gerade unheimlich und spannend werden will. Für einen Horrorfilm ist derart Vorangehensweise fatal; vor allem dann, wenn es sich ausgerechnet auch noch um Spuk- und Geisterhorror handelt. An beinahe jeder Gruselszene lässt sich die Unfähigkeit seines Machers erkennen. So werden plumpe Spuk-Klischees wie so oft wenig überraschend abgeklappert und plötzlich endende Szenenabläufe oder minderwertige CGI-Effekte verderben beinahe jeden Gruselmoment. Immerhin gefällt der eigentlich unbeliebte Found-Footage-Gimmick, der ja im Horrorfilm zum unverzichtbaren Übel geworden ist und nahezu in jedem zweiten Gruselfilm Verwendung findet. Im Falle von THE QUIET ONES bewirkt der aber ausnahmsweise Atmosphäre, die sich ohnehin recht mager durch die halbherzig geschriebene Geschichte zieht. Zwischen seltsamen Tests und immer wieder gleichen Szenenabläufen, die vermutlich ins Drehbuch geschrieben wurden, damit man auf Spielfilmlänge kommt, gesellt sich schick aufbereitetes 16mm Bildmaterial, das quasi aus Brains Kamera stammt, der die Experimente auf Film festhält. JOHN POGUE schafft das, was bisher nur wenigen Wackelcam-Machern gelungen ist. Er verknüpft das normal gefilmte Geschehen mit krisseligen 16mm-Schnipseln, ohne dass das Found-Footage-Gebräu zu sehr auf den Zünder geht. Dass auf authentisch getrimmte Doku-Material hat Charme, vor allem dann, wenn Professor Joseph Coupland seinen Schülern ältere s/w-Aufnahmen seiner Patienten im Hörsaal vorführt und sich geisterhafte Dinge auf den alten Filmausschnitten ereignen.
 
Leider ist Found-Footage auch das einzige, was POGUE gut beherrscht, denn trotz visuellen Schmankerl und vernünftig agierenden Schauspielern ist THE QUIET ONES eine absolute Enttäuschung und wird dem Namen HAMMER FILMS nicht einmal ansatzweise gerecht. Das ist deshalb recht schade, weil dem Macher JOHN POGUE eine spannende Vorlage zur Verfügung gestanden hat. THE QUIET ONES ist nämlich eine von ach so vielen Horror-Gurken, die zu Beginn damit werben, dass die Schreiberlinge des Films von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Den Horrorstoff für diesen überraschungsarmen Exorzismus-Hochglanz-Spuk lieferte das PHILIP EXPERIMENT, welches von Professor DR.GEORGE OWEN 1972 im kanadischen Toronto tatsächlich durchgeführt wurde und aus einem parapsychologischen Forscherteam bestand, das allein mit Gedankenkraft den Geist des fiktiven Charakters PHILIP AYLESFORD entstehen lies. So interessant die Grundlage, so unausgegoren die Umsetzung. Statt auf amateurhaftes Pixelgewitter und unerfahren Regisseure zu setzen, wäre es für Produktionshaus HAMMER FILMS von Interesse nach wirklich guten Regisseuren zu suchen, die zur Abwechslung auch mal Ahnung haben, wie man gute Horrorfilme macht. Denn im Vergleich zu den klassischen Hammer-Streifen sind die bisher neu entstandenen Filme unter dem Banner HAMMER FILMS sehr liebloser und vor allem austauschbarer Kommerzmüll.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Was waren das für Zeiten, als HAMMER FILMS noch gute Filme hervorbrachte. Die Reanimation des Produktionshauses durch JOHN DE MOL hat dem Studio nicht gut getan, denn seit der Wiedereröffnung der legendären Horror-Schmiede gehen keine wirklich guten Filme mehr in Produktion, die an die einstigen Erfolge anknüpfen können. THE QUIET ONES verspricht im Trailer viel, hält aber wenig. QUARATNÄNE 2-Verbrecher JOHN POGUE bedient sich wie vieler seiner Kollegen der Found-Footage-Rezeptur und köchelt Geister- und Besessenheits-Thematik auf kleiner Flamme. Bescheidene Computereffekte, magerer Gruselgehalt und klischeehafte Spukeffekte sind das Ergebnis mit dem vermutlich nicht mal Fans paranormaler Geschichten zufrieden sein dürften. Immerhin hat Regisseur JOHN POGUE den Wackelcam-Gimmick gut im Griff. Damit dürfte er für die Zukunft gut gerüstet sein, schließlich dürfte Found-Footage auch in den kommenden Jahren die Filmlandschaft verpesten und mit wackeligen Bildern Kopfschmerzen bereiten.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Zensur

 
 
 
THE QUIET ONES ist ein stilvoll gedrehter Horrorfilm der alten Schule, bei dem das Augenmerk eher auf Atmosphäre und Gruselfeeling liegt und der keine Zeit mit unnötigen Blut-Albereien vergeudet. Demnach ist das Gezeigte eher subtiler Natur und nicht sonderlich grausam anzusehen. Es gibt Verbrennungen an der Hand und eingeätzte Wundmale zu sehen. In den letzten Minuten sterben einige der Protagonisten im hektisch geschnittenen Bilderhagel, wobei der Höhepunkt eine ziemlich schlecht animierte CGI-Verbrennungs-Sequenz sein dürfte. Hierzulande hat das für FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
The-Quiet-Ones-Bluray

(c) Ascot Elite

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Quiet Ones; USA/UK 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Featurette, Film Clip, B-Roll, Soundbites: Jared Harris, Sam Claflin, Erin Richards, Rory Fleck-Byrne, Olivia Cooke, John Pogue, Ben Holden, and Simon Oakes., UK Trailer, 2 US Trailer, TV Spots, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 12.08.2014

 
 
 

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THE QUIET ONES – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Der letzte Exorzismus 2 (2013)
 
Possession – Das Dunkle in Dir (2012)
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)


Filmreview: “The Poisoning” (2013)

the-poisoning-2013-Matt Mercer
 
 
 

THE POISONING

Story

 
 
 
Drei Freunde suchen in Hollywood das große Glück. Leider macht ihnen ein irrer Tramper einen Strich durch die Rechnung, so dass die geschmiedeten Karrierepläne erst einmal warten müssen …
 
 
 


 
 
 

THE POISONING – Kritik

 
 
 
Bei FILMCHECKER tauchen sie immer wieder auf: Kleine und unabhängige Filme, die ganz selbstbewusst gegen den Strom austauschbarer Machwerke der Majors rudern und trotz beschränkt finanzieller Mittel oft besser sind als millionenschwere Hollywood-Produktionen. Gleiches gilt übrigens auch für THE POISONING – ein waschechter Indie, der durch unkonventionelle Machart und gutem Drehbuch glänzt. Wie wichtig Letzteres für einen Film ist, erkannte bereits Kult-Legende ALFRED HITCHCOCK, der noch zu Lebzeiten erklärte, dass man nur drei Dinge für einen guten Streifen benötigen würde: Erstens ein gutes Drehbuch, zweitens ein gutes Drehbuch und drittens ein gutes Drehbuch. Jene weißen Worte dürfte vermutlich auch Regisseur ZACHARY EGLINTON beherzigt haben, der mit THE POISONING seinen ersten Langfilm gemacht hat. Erste Erfahrungen im Drehen von Horrorfilmen konnte EGLINTON bereits während der Arbeiten am Slasher MADISON COUNTY sammeln, wo er noch als Assistent hinter der Kamera stand. Das Assistieren allein schien ihm aber nicht ausgereicht zu haben, so dass er an einem eigenen Drehbuch schrieb, es verfilmte und auch gleich produzierte. Entstanden ist mit THE POISINING ein interessantes Road Movie, das sich zwar bei Horror-Hits wie WOLF CREEK und THE HITCHER bedient aber nicht darauf aus ist, deren Erfolgkonzept erfolgsorientiert und uninspiriert zu kopieren. Stattdessen geht Macher ZACHARY EGLINTON eigene Wege, lässt den Gewalt- und Blutzoll außer Acht und investiert viel Zeit in die Charakterisierung seiner Helden und der Analyse ihrer zwischenmenschlichen Konflikte.
 
Die machen sich auf nach Los Angeles, um dort dem Traum von einer Karriere im Filmbusiness ein Stück näher kommen zu können. Leider vermasselt Kumpel Chaps (BRANDON WALZ, der übrigens auch mit am Drehbuch pinselte und als Produzent fungierte) den besten Freunden Matt (MATT MERCER aus CONTRACTED) und Riley die lange Reise nach Hollywood, denn der Dauer-Looser zieht das Unheil an wie Licht die Motten. Nicht nur, dass er permanent in Fettnäpfchen tritt und jeden mit seinen gehaltlosen Reden zur Weißglut bringt; er führt sogar die Freunde unbeabsichtigt in den Tod. Der Sensenmann erscheint diesmal in Form eines bärtigen Anhalters, der den Reisenden auf Schritt und Tritt folgt und dem es gelingt das Vertrauen des beeinflussbaren Chaps zu gewinnen. Der nimmt den unheimlichen Fremden mit auf die Tour durch die staubige Einöde Amerikas und ahnt selbstverständlich nicht, dass er hier das Böse persönlich durch die Gegend chauffiert.
 
THE POISONING (zu Deutsch: DIE VERGIFTUNG) ist kein typischer Slasher über einen irren Tramper, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Vielmehr konzentriert sich die Handlung auf drei Endzwanziger, die im Verlauf ihrer Reise erkennen, dass man partout nicht mehr auf gleicher Welle reitet. Charakter Chaps spielt hierbei eine tragende Rolle, der mit seinen pubertären Extravaganten irgendwie nicht verstehen will, dass er anderen damit auf den Zünder geht. Streit ist da bereits vorprogrammiert. Leider erfährt der eigentlich bis dahin gute Film nach etwa einer Stunde eine etwas gewöhnungsbedürftige Wendung. Denn plötzlich purzelt ganz unverhofft ein seltsamer Anhalter in die Handlung, der es gar nicht so erfreulich findet, dass die Kumpels ihn mitten auf der Landstraße stehen gelassen haben. Wie es in solchen Filmen nun mal üblich ist, hat der ominöse Alte nichts Gutes im Sinn. Er schließt sich den Freunden an, es kommt zu einem unbequemen Lagerfeuerplausch und am nächsten Morgen gibt es Tote zu beklagen. Übertrieben Gewaltakte sucht der Horrorfan in THE POISONING vergebens, denn der gerissene Hitchhiker greift nicht selbst zum Mordwerkzeug. Er vergiftet das Trinkwasser mit Drogen und lässt die drei Reisenden allein mit ihrem Schicksal in der Wildnis zurück. Was folgt, scheint so etwas wie ein wachrüttelndes Plädoyer gegen den Konsum von Rauschmittel zu sein: Best Buddy Riley verliert im unfreiwilligen Rausch den Bezug zur Realität, greift zum Hackebeil und massakriert seine nichts ahnenden Freunde.
 
Keine Macht den Drogen – oder so ähnlich. Zumindest wird im Film mehrfach darauf hingewiesen, dass die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen zu unerwarteten Folgen führen kann. So macht man bereits zu Beginn an einer Tankstelle Bekanntschaft mit zwei dunklen Gestalten, die den Kumpels wenig freundlich zu verstehen geben, dass in ihrer Gegenwart Drogen nicht geduldet werden. Umso zynischer die Tatsache, dass die Freunde im späteren Verlauf an einen irren Drogenjunkie geraten, der orientierungslos durchs Land trampt und Apotheken überfällt, damit er sich seinen täglichen Venencocktail selbst zusammenbrauen kann. Auch wenn die warnende Botschaft vor bösen Pillen am Ende im hektischen Blutrausch-Trubel etwas untergeht, gefällt THE POISONING deshalb, weil er sich in keine Schublade stecken lässt und sich rein gar nicht an den Konventionen des modernen Horrorkinos orientieren will. Regisseur ZACHARY EGLINTON wirft Road Movie, Thriller- und Horror-Elemente in einen Topf und bereichert den reichlich unvorhersehbaren Mix um etwas Anti-Drogen-Propaganda. Massentauglich ist der ungewöhnliche Sud garantiert nicht und das ist ehrlich gesagt auch gut so, schließlich werden hier Geschmäcker angesprochen, die sich am Horror-Einerlei der letzten Jahre bereits sattgesehen habe.
 
 
 


 
 
 

THE POISONING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
THE POISONING ist ein Fest für Liebhaber unkonventioneller Indie-Schocker, der millionenschweren Blockbustern souverän den Mittelfinger zeigt. Mit wenig Kapital maximal unterhalten – das zumindest ist Regie-Neuling ZACHARY EGLINTON eindrucksvoll gelungen, der den Zuschauer mit auf eine Reise nimmt, die anders endet als erwartet. Auch wenn ein gemeingefährlicher Tramper irgendwann kurz vor Ende Schauer einjagen will, ist THE POISONING weder Slasher, Terror- noch Folterfilm. Macher EGLINTON zieht alle Register und versucht sich mit seinem eigenwilligen Drogenfilm vom ewig gleichen Horror-Sondermüll abzuheben. Sein Road Movie und Thriller-Mix ist recht clever geschrieben, überzeugt mit sympathischen Charakteren, die sogar auch noch was auf dem Kasten haben. Demnach sei die Sichtung von THE POISONING all jenen Fans düstere Thriller geraten, die händeringend nach neuen Film-Themen suchen, weil sie die ewig gleiche Horror-Schonkost nicht mehr ertragen können.
 
 
 


 
 
 

THE POISONING – Zensur

 
 
 
Am Ende geht in THE POISONING die Post ab. Ein Gesicht wird mit einem Stein zermatscht und ein kleines Holzbeil darf sich in Fleisch bohren. Grausam anzuschauen ist das nicht und dürfte für eine FSK16 reichen.
 
 
 


 
 
 

THE POISONING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolf Creek 2 (2013)
 
The Hitcher (1986)
 
The Hitcher – Reamake (2007)
 
Five Across the Eyes (2005)
 
In Fear (2013)
 


Filmreview: “Delivery: The Beast Within” (2013)

Delivery-The-Beast-Within-2013
 
 
 

DELIVERY: THE BEAST WITHIN

Story

 
 
 
Ein junges Paar erwartet ein Kind und wird von einem Kamera-Team begleitet, das eine Reality-Serie über die werdenden Eltern drehen möchte. Leider verläuft die Schwangerschaft nicht ohne Komplikationen, denn die zukünftige Mutter Rachel (Laurel Vail) vermutet das Böse im Leibe zu tragen …
 
 
 


 
 
 

DELIVERY: THE BEAST WITHIN – Kritik

 
 
 
Was waren das noch für Zeiten, als ambitionierte Horror-Macher der 80er so eigenständige und wegweisende Kult-Werke wie FROM BEYOND, EVIL DEAD, DIE FLIEGE oder DAS DING drehten und mit bahnbrechenden Spezialeffekten und raffinierten Ideen tausende Fans phantastischen Kinos in die Lichtspielhäuser locken konnten. Die Zeiten scheinen sich geändert zu haben, denn kreativen und innovativen Horror findet man auf der Leinwand immer seltener. Stattdessen ist das Kino die Schmiede meistgehasster Horror-Trends geworden, das nach einer nicht enden wollenden Reihe unnötiger Horror-Remakes seit einigen Jahren nun auch noch mit Found-Footage-Grauen quält. Mittlerweile haben sich die meisten Horrorfans von Wackelcam-Filmen im Multiplex sattgesehen. Darum geht es auch direkt auf dem Heimkinomarkt weiter, denn die meisten dieser Null-Budget-Produktionen werden ohnehin für den Videomarkt gedreht, damit unwissenden Käufern mit cineastischem Abfall das Geld aus der Brieftasche gezogen werden kann.
 
Die Erfolgsrezeptur von Polanskis Schauerfilm ROSEMARIES BABY (1968) scheint auch fast 50 Jahre nach Erscheinen für profitgierige Produzenten eine lukrative Angelegenheit zu sein, um daraus schnell noch einmal Millionen von Dollar herausschlagen zu können. Nach der Wackelcam-Schlafpille DEVIL’S DUE – TEUFELSBRUT (2014) und einer unnötigen TV-Miniserie zum Okkult-Klassiker aus dem Hause NBC gesellt sich DELIVERY: THE BEAST WITHIN, der nun ebenfalls um die Gunst der Horrorfans buhlt und dem Mystery-Kultwerk aus der Mache Polanskis recht ähnlich ist. Es geht um Rachel (LAUREL VAIL) und Kyle Massey (DANNY BARCLAY), denen zum Glück noch der gewünschte Nachwuchs fehlt. Als Rachel endlich schwanger ist, wird das Paar von einem TV-Team begleitet, das den werdenden Eltern fortan mit Kameras folgt, um über die Zeit während Schwangerschaft eine TV-Serie machen zu können. Leider bemerkt Rachel schon recht bald, dass in ihrem Bauch irgendwas nicht so läuft, wie sie es gern hätte. Der Hund spielt in ihrer Gegenwart verrückt, Albträume quälen sie und die werdende Mutter fühlt sich von einer bösartigen Präsenz bedroht. Aber auch das Kamera-Team berichtet über seltsame Vorkommnisse am Set. So entdeckt man auf Band unheimliche Geräusche und geheimnisvolle Symbole zieren den Wohnzimmerboden. Ein Parapsychologe soll Antworten liefern, denn scheinbar wandelt ein dämonischer Geist durch die Flure des neuen Heims, der auf Rachels Baby einen negativen Einfluss ausübt.
 
BRIAN NETT zeichnet für diesem Indie-Trip verantwortlich und hat auch gleich mit am Drehbuch geschrieben. DELIVERY: THE BEAST WITHIN stellt hierbei sein Regie-Debüt dar und ist im Vergleich zum jüngst erschienenen, thematisch ähnlichen DEVIL DUE die bessere Alternative. Grund hierfür ist die Art und Weise, wie er die Found-Footage-Zutat verpackt hat. Hier wird das Geschehen nicht trocken aus der Sicht von Überwachungskameras wie in PARANORMAL ACTVITY geschildert, sondern in Form eines Hinter-den-Kulissen-Feature zu einer TV-Reality-Soap, deren Pilotfolge in den ersten 20 Minuten über den Bildschirm flimmert. Die erinnert in ihrer quietschbunten Aufmachung an eine Episode der Reihe MTV TEEN MOMS nur mit dem Unterschied, dass in DELIVERY statt naiven Teenie-Müttern verantwortungsvolle Erwachsene mit der Kamera begleitet werden. Nach zwanzig Minuten zuckersüßem Allerlei kippt jedoch die heitere Stimmung ins Bedrohliche und der Zuschauer bekommt zusammengeschnittene Schnipsel serviert, die für die TV-Ausstrahlung keine Verwendung gefunden haben. Der Schwangerschaftsstress belastet das Verhältnis der werdenden Eltern erheblich und dem anfangs glücklichen Paar vgehen ähnlich wie in DARK CIRLES allmählich die Nerven durch. Da werden Kameramänner angepflaumt oder Verwandte des Hauses verwiesen, weil Vater Kyle im Trubel so langsam den Bezug zur Realität verliert. Die größte Belastung durchlebt jedoch Rachel, der zu Hause nicht nur die Decke auf den Kopf fällt, sondern unter dem Druck der komplizierten Schwangerschaft zu zerbrechen droht.
 
Selbstverständlich bekommt der Zuschauer auch den für Found-Footage-Machwerken bekannten Mystery-Schabernack geboten. Türen schlagen wie von Geisterhand zu, unheilvolle Stimmen sind auf Tonbändern zu hören und mysteriöse Atemwolken deuten auf eine dämonische Kraft im Haus hin. Ansonsten wird Gruselstimmung durch Interviews mit allen Beteiligten erzeugt, die vor der Kamera von unheimlichen Vorkommnissen berichten. Besonderes Augenmerk wird jedoch auf das Finale gerichtet, wenn die Geburt bevorsteht und der Zuschauer nun endlich wissen möchte, welche Brut da in Rachels Bauch das Licht der Welt erblicken wird. Lobenswerterweise muss man sagen, dass Regisseur BRIAN NETT das Ende recht geschickt inszeniert hat. Von computeranimierter Effekte-Macherei sieht er ab. Stattdessen wird Unheil durch Terror und Hektik verursacht. Das konsequente Ende tritt dem Zuschauer direkt in die Magengegend, weil es der Filmfan in derart ruppiger Weise vermutlich nicht vorausgeahnt hat. Auch wenn DELIVERY: THE BEAST WITHIN eigentlich nichts anderes ist, als eine moderne Neuinterpretation des besagten Klassikers von Roman Polanski, gehört NETTS Erstling zu einem der besseren Vertreter innerhalb des Wackelkamera-Genres. Der Streifen hält sich zwar weitestgehend an die typischen Shaky-Cam-Filmregeln, punktet aber durch sympathische Charaktere und der erfrischenden Idee, wie man die Wackelcam-Methode rechtfertigt, was dem Grusler Glaubwürdigkeit verleiht. Die wirkt durch das interessante Making-of-Gimmick niemals aufgesetzt und macht aus DELIVERY ein gruseliges Gänsehaut-Erlebnis für Freunde subtiler Schauergeschichten.
 
 
 


 
 
 

DELIVERY: THE BEAST WITHIN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
DELIVERY: THE BEAST WITHIN ist der bessere DEVIL’S DUE und ein beunruhigendes Gänsehaut-Erlebnis, das sich werdenden Eltern lieber nicht anschauen sollten. Newcomer BRIAN NETT hat mit seinem Erstling zwar dreist bei Polanskis ROSEMARIES BABY stibitzt, dafür aber eine überzeugend gespielte Fake-Dokumentation gedreht, die ganz friedlich beginnt und fast schon minutiös unbequemer wird. Zwar bedient sich auch DELIVERY den bekannten Wackelcam-Klischees, geht die Thematik jedoch etwas erfrischender an, als es die meisten Filme dieser Art tun. Das Treiben wird diesmal in Form einer Reality-Soap beschrieben, was NETT filmisch erstaunlich souverän abhandelt, zumal der Filmemacher ein talentiertes Verständnis für Tempo und Spannungsaufbau an den Tag legt. Zwischen fiktiven Interviews, gewöhnlichen Alltagssituationen und den nachvollziehbaren Ängsten frischgebackener Eltern mischt NETT reichlich Found-Footage-Terror, der sogar ab und an seine Momente hat. Wer immer noch nicht genug von wackeligen Bildern oder Totalausfällen der Kamera hat und sich von abrupt zuschlagenden Türen erschrecken lässt, ist auch bei DELIVERY: THE BEAST WITHIN bestens aufgehoben. Found-Footage-Hater werden auch mit diesem Streifen herzlich wenig anfangen können, zumal sogar gänzlich auf grafische Gewalt verzichtet wurde. Besonderes Augenmerk sei übrigens auf den makabren Schlussgag gerichtet. Der kommt äußerst unvorbereitet und ist deftiger Tobak. Zartbesaitete Zuschauer dürfte der unerwartete Schlag in die Magengegend erhebliche Probleme bereiten, denn ein schmalziges Happy End hat DELIVERY: THE BEAST WITHIN leider nicht zu bieten.
 
 
 


 
 
 

DELIVERY: THE BEAST WITHIN – Zensur

 
 
 
Gewalt ist in DELIVERY: THE BEAST WITHIN Mangelware. Bis auf das der Haushund von Protagonistin Rachel im Affekt erstochen wird, passiert nichts Grausames. Der Film richtet sich eher an Zuschauer, die subtiles Gänsehautvergnügen suchen. Eine FSK16 ist demnach aller Wahrscheinlichkeit zu erwarten.
 
 
 


 
 
 

DELIVERY: THE BEAST WITHIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Circles (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Die Wiege des Bösen (1974)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)


Filmreview: “The Sacrament” (2013)

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THE SACRAMENT

Story

 
 
 
Zwei Reporter (AJ Bowen; Joe Swanberg) der New Yorker Zeitschrift VICE begleiten den Fotografen Patrick (Kentucker Audley) bei der Suche nach dessen Schwester. Die lebt abgeschottet von der Außenwelt in einer religiösen Gemeinschaft namens “Eden Parish”, wo Anhänger in Harmonie und Gleichheit zusammenleben. Leider beginnt die Fassade vom sorgenfreien Alltag zu bröckeln, als das Team in das Dorf einkehrt und einige der Mitglieder von Gewalt und Terror innerhalb der Kommune berichten …
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Kritik

 
 
 
Horror-Newcomer TI WEST ist zurück und versorgt den Filmfan mit Filmnachschub, der sich sehen lassen kann. Seit WEST den HOUSE OF THE DEVIL (2009) in die Wohnzimmer gebracht hat, dürfte wohl jedem Fan des Genres klar sein, dass dieser Regisseur seine Arbeiten nicht nur uninspiriert herunterkurbelt, sondern viel Herzblut investiert und immer bestrebt ist, dem Filmfan etwas Neues zu bieten. Demzufolge stehen die Werke von WEST für eine gewisse Qualität, die im Falle seines neusten Streifens auch beibehalten wird. Der schimpft sich THE SACRAMENT und wurde kurioserweise vom Folterexperten ELI ROTH mitproduziert, der meist eher mit verstandfreier Metzelware in Verbindung gebracht wird. Dass THE SACRAMENT trotzdem ein sehr guter Film geworden ist, dürfte ausschließlich WESTS Verdienst gewesen sein, der sich hier nicht nur auf das möglichst grausame Ausradieren seiner Protagonisten konzentriert, sondern sich auch ernsthaft mit der Thematik seines neusten Films auseinandersetzt und auf erschreckende Weise die Mechanismen von fehlgeleiteten Sekten bebildert. THE SACRAMENT ist auf wahre Begebenheiten zurückzuführen, denn die Inspiration zum Film lieferte der Massensuizid von Jonestown, bei dem in den 70ern über 900 Menschen den Tod fanden. WEST greift die schrecklichen Ereignisse für THE SACRAMENT noch einmal auf und lässt die Vorfälle mit fast schon akribisch-dokumentarischer Genauigkeit Revue passieren. Dennoch nimmt er einige Änderungen vor, um die Thematik aktueller und brisanter erscheinen zu lassen. So transferiert er die Geschehnisse in die heutige Zeit, ändert einige Handlungsverläufe ab und tauscht Ort und Namen aus.
 
Anders als im wahren Fall von Jonestown ist nicht der Besuch des US-Kongressabgeordneten Leo Joseph Ryan, Jr. Auslöser für die Katastrophe, sondern das New Yorker Lifestyle- und Jugendmagazin VICE (welch Ironie) für welches sich einige Sensationsreporter auf den Weg zum Lager der religiösen Gemeinde “Eden Parish” begeben, um darüber eine Dokumentation zu drehen. Fotograf Patrick vermutet dort seine Schwester und reist mit VICE-Reporter Sam (AJ BOWEN – bekannt aus AMONG FRIENDS und YOU’RE NEXT) und Kameramann Jake nach Südamerika, um das verschollen geglaubte Familienmitglied ausfindig zu machen. Das tief im Regenwald verlagerte Camp der scheinbar friedliebenden Kommune ist rasch gefunden und die Gäste werden freundlich empfangen. Schnell macht man Bekanntschaft mit dem redseligen Oberhaupt der Gemeinschaft, das sich recht bald als unheimlicher Sektenguru entpuppt und seine Schäfchen durch Androhung von Gewalt versucht von der Außenwelt abzuschotten. Als die Besucher von einem der Sektenmitglieder einen Hilferuf in Form eines Zettels zugesteckt bekommen, werden die Reporter misstrauisch. Doch für rettende Maßnahmen ist es ohnehin zu spät. “Father” Charles Anderson Reed hat mit Ankunft der “Eindringlinge” den Untergang seines “Eden Parish” vorausgeahnt und trommelt die Gemeindemitglieder zusammen. Was folgt hat so ähnlich vor über dreißig Jahren die ganze Welt erschüttert.
 
Bereits UMBERTO LENZI hat sich für seinem Exploitationfilm LEBENDIG GEFRESSEN (1980) von den tatsächlichen Vorkommnissen in Jonestown inspirieren lassen und einen trashigen Kannibalenfilm mit Sekten-Problematik gedreht, der selbst heute noch auf dem Index für jugendgefährdende Medien gelistet ist. Gleiche Thematik griff in abgewandter Form auch JOURDAN MCCLURE für das Genre-Produktionsstudio AFTER DARK FILMS auf und machte mit CHILDREN OF SORROW ebenfalls einen Horrorfilm über einer Sekte, der sich mit Hilfe von Found-Footage jedoch wenig glaubhaft mit dem Kontext auseinandersetzen wollte und sich auf das möglichst grausame Abschlachten seiner Protagonisten konzentrierte. Immerhin haben auch einige unbekannte Regisseure aus der schockierenden Vorlage halbwegs gescheite Filme gemacht, die auch heute noch nachwirken. So gehört das Drama GUAYANA – KULT DER VERDAMMTEN (1980), der TV-Film DAS GUAYANA-MASSAKER (1980) und die Doku JONESTOWN – TODESWAHN EINER SEKTE (2006) zu jenen Filmen, die die Ereignisse (wenn teils auch in leicht abgeänderter Form) rund um das Jonestown-Massakers mit nötiger Ernsthaftigkeit betrachten.
 
AUCH TI WEST dürfte für THE SACRAMENT so ziemlich genau die Umstände der Tragödie recherchiert haben. Der Streifen glänzt mit einem unangenehmen Realismus, der durch Einsatz von Found-Footage verstärkt wird. THE SACRAMENT dürfte demnach eine der wenigen Ausnahmen sein, bei der die Shaky-Cam-Methodik dem Erzählfluss des Streifens förderlich ist, zumal WEST fast gänzlich von klischeebeladener Found-Footage-Effektehascherei absieht und den Wackeleffekt nur dezent einsetzt. Die Bilder der Kamera bleibt nahezu konstant, so dass sich der Zuschauer auf die Geschehnisse konzentrieren kann und schnell vergisst, dass es sich bei THE SACRAMENT eigentlich um günstig produzierte Wackelcam-Ware handelt. Auch wenn TI WEST in der Vergangenheit eher Horrorlastiges gedreht hat, so versucht der Filmemacher mit seinem unangenehmen Sekten-Thriller den Ruf des Nischen-Regisseurs loswerden zu wollen. In einigen Interviews lies das ambitionierte US-Nachwuchstalent bereits verlauten, dass WEST nicht ausschließlich nur im Horror-Bereich wandeln, sondern sich auch gern in anderen Genres ausprobieren möchte. Sein THE SACRAMENT dürfte demnach der erste Versuch sein, mal etwas anderes ausprobieren zu wollen, um nicht auf ewig in die Horror-Schublade gesteckt zu werden. Geglückt ist der Versuch allemal. Sein neuer Beitrag ist weniger Horror sondern ein knüppelharte Thriller, der nach nur wenigen Minuten in den Bann zieht und bis zum bitteren Ende nicht mehr loslässt.
 
Während sich der erste Teil der Handlung mit dem Erkunden des Camps und dem Interviewen der Gemeinschaftsmitglieder beschäftigt, legt WEST ab Filmmitte den Hebel um und der Ton des Streifens wird erheblich ruppiger. Der grummelnde Score vermittelt permanentes Unbehagen und die verstörenden Bilder sprechen für sich. Ein Glücksgriff stellt Schauspieler GENE JONES dar, der hier die Rolle des Sektenanführers übernommen hat und als untersetzter Widerling dem Zuschauer schon nach wenigen Minuten vermittelt, welch rauer Ton in der Kommune regiert. Das Oberhaupt wäscht den Mitgliedern die Köpfe indem Tatsachen verdreht und falsche Erwartungen geschürt werden. Respekt trichtern bewaffnete Wachen ein, die auch mal munter drauflosschießen, wenn jemand nicht parieren möchte. Dass da niemand freiwillig die vorgeheuchelte Ideologie von grenzenloser Harmonie und Gleichheit hinterfragt, dürfte nur logisch sein. TI WEST hat alles richtig gemacht und nach Wackelkamera-Ausflügen in V/H/S und V/H/S 2 für THE SACRAMENT noch einmal unter Beweis gestellt, dass Found-Footage noch lange nicht ausgedient hat. Der Sekten-Thriller ist packend inszeniert, kompromisslos und ein Tritt in die Magengegend. Wer wirklich gute Filme sucht, die auf wahren Begebenheiten beruhen, sollte sich THE SACRAMENT nicht entgehen lassen. Der kontroverse Streifen ist harter Tobak und garantiert nichts für sensible Gemüter.
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
THE SACRAMENT ist ein Brett von Film und einer der härtesten Sekten-Thriller überhaupt. Regisseur TI WEST mischt hier Found-Footage mit kontroverser Sekten-Problematik und hat daraus einen unangenehmen Beitrag über die Mechanismen von fehlgeleiteten Sekten gedreht, der den Zuschauer direkt dahin tritt, wo es ihm am meisten wehtut. Auch wenn nicht viel Blut fließt, verstört das Gezeigte ungemein. WEST ließ sich nicht nur von wahren Begebenheiten inspirieren; er versucht THE SACRAMENT möglichst authentisch wirken zu lassen. Die Wackelcam-Rezeptur sorgt für beängstigenden Realismus und ab Filmmitte ist für empfindsame Gemüter ohnehin Sendepause. Kein Wunder, denn für das was sich hier auf der Mattscheibe abspielt werden stahlharte Nerven vorausgesetzt.
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Zensur

 
 
 
Trotz Massenselbstmord ist THE SACRAMENT keine Schlachtplatte. Die Mitglieder vergiften sich selbst und verenden Minuten später qualvoll. Wer sich wehrt oder sträubt das Gift zu trinken wird erschossen. Zudem gibt es einen recht grafischen Kopfschuss zu sehen und eine Selbstverbrennung. Auch wenn die Gewalt hier recht züchtig eingesetzt wird, ist das was man zu sehen bekommt dennoch harter Tobak. Wir gehen davon aus, dass THE SACRAMENT in Deutschland mit rotem FSK-Flatschen in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jonestown – Todeswahn einer Sekte (2006)
 
Das Guayana-Massaker (1980)
 
Guayana – Kult der Verdammten (1980)
 


Filmreview: “Wolf Creek 2″ (2013)

wolf-creek-2-2013
 
 
 

WOLF CREEK 2

Story

 
 
 
Outback-Killer Mick Taylor ist wieder zurück und hat auch gleich die Fährte zweier Touristen aus Deutschland gewittert, die planlos durch die Einöde Australiens trampen. Auf der Flucht vor dem irren Schlitzer geraten sie an den Briten Paul Hammersmith, der eigentlich nur helfen will und dabei ebenfalls ins Visier des Touristen-Mörders gerät …
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK 2 – Kritik

 
 
 
Im australischen Outback hört dich niemand schreiben – das zumindest suggerierte der Horror-Schocker WOLF CREEK, der im Jahr 2005 in die Kinos gebracht wurde und inspiriert von den Survival-Thrillern der 70er gekonnt auf der damals boomenden Terrorwelle mitritt. Mittlerweile sind neun Jahre vergangen und den Horror-Machern die Ideen ausgegangen, so dass man ganz fleißig Altbewährte neu aufbrüht, um noch einmal Geld damit machen zu können. Schlicht und einfach WOLF CREEK 2 nennt sich der unoriginelle Käse, der mit knapp einem Jahrzehnt Verspätung nachgeschoben wird und quasi die besten Szenen des Erstlings mit zusätzlichem Ekelgehalt anreichert, damit einfach gestrickte Horrorgemüter feuchte Höschen von der hier gezeigten Brutalität bekommen. WOLF CREEK-Regisseur GREG MCLEAN hat sich die Blöße gegeben und auch gleich die überflüssige Fortsetzung gedreht, die quasi eine ähnliche Geschichte wie sein Vorgänger erzählt und sich einen Deut darum schert sich überhaupt weiterzuentwickeln zu wollen. Die australische Kulisse wurde beibehalten und der zuvor schweigsame Killer entwickelt sich zur zynischen Plaudertasche, der seinen Schlitzer-Kollegen FREDDY KRUEGER, LEPRECHAUN und CHUCKY Konkurrenz machen möchte. Der Rest ist wie gehabt: Einige ahnungslose Rucksack-Touristen verirren sich im Wolfe-Creek-Krater-Nationalpark und geraten dabei in das Jagdgebiet des ominösen Fremden aus dem vorhergehenden Teil, der auch gleich mit seiner Metzel-Hatz beginnt.
 
Der Ton ist rauer geworden, denn mit subtilem Terror gewinnt man im Horrorfilm schon lange keinen Blumentopf mehr. MCLEAN dreht daher an der Gewaltschraube und lässt Köpfe explodieren, Finger absägen und Opfer enthaupten. Wurde die Gewalt im Erstling noch weitestgehend angedeutet wird in WOLF CREEK 2 schonungslos draufgehalten, was natürlich das Interesse der Fans solcher Filme wecken dürfte. Leider macht stumpfe Gewalt allein schon lange keinen guten Horrorfilm mehr aus, denn aufgrund der Vielzahl ähnlicher Streifen ist WOLF CREEK 2 nur ein weiterer Film dieser Art in einer nahezu nicht enden wollenden Reihe trivial gestrickter Brutalo-Werke. Immerhin wird der Filmfan mit Kurzweil belohnt. Psychopath MICK TAYLOR (gespielt von JOHN JARRATT) entpuppt sich als scheinbar unkaputtbarer Super-Killer, der jede Situation vorausahnen kann und trotz Liebe zum Alkohol mit ner Menge Glück gesegnet wurde. Der Schlitzer ist seinen Opfern weitaus überlegen und immer einen Schritt voraus. Er hetzt das menschliche Schlachtgut von einem Ort zum nächsten und zieht trotz geistiger Beschränktheit stets am längeren Hebel. Macher und Produzent GREG MCLEAN gönnt dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen und verknüpft den dünnen Slasher-Plot mit recht packend inszenierten Verfolgungsjagden durch die trostlose Einöde Australiens. Hier wächst der Film zu wahrer Größe heran, denn einige Duelle zwischen Opfer und Killer auf den Straßen im Nirgendwo wurden von MCLEAN ziemlich spannend in Szene gesetzt. Leider werden derart Momente immer wieder durch die obligatorischen Gewaltszenen ausgebremst, denn irgendwie mag man in WOLF CREEK 2 das Gefühl nicht loswerden wollen, als ob man fast schon besessen daran gearbeitet hat, der Fanbase gerecht werden zu wollen. Der dürstet es seit harten Sicko-Streifen, wie I SPIT ON YOUR GRAVE 2 (2013) und dem gefeierten MARTYRS (2008) nach möglichst krankem Folter-Dreck, um nach Sichtung prahlen zu können, welch abartigen Nonsens man soeben gesehen hat. Regisseur GREG MCLEAN hat diesbezüglich etwas zu sehr nach den ganz Großen Metzelorgien geschielt und dabei ganz vergessen die Geschichte rund um seinen Charakter Mick Taylor konsequent weiterzuspinnen. Wirklich Neues erfährt der Horrorfan nämlich nicht, so dass die Fortsetzung auch eher als professionell gedrehtes Splatter-Remake gewertet werden darf.
 
Auch wenn die männliche Scream-Queen am Ende unter nicht nachvollziehbaren Umständen überleben darf und zuvor durch eine finstere und effekthascherische Geisterbahn geführt wird, so ist die Fortsetzung zu WOLF CREEK ein weiteres, schnell heruntergeleiertes Sequel, auf das nun wahrlich niemand gewartet hat. Im Übrigen bekommt der Zuschauer in WOLF CREEK 2 eine der geschmacklosesten Szene der letzten Jahre zu Gesicht: Während Opfer Paul Hammersmith (RYAN CORR) mit seinem Auto vor dem übertrieben patriotisch veranlagtem Mörder Mick Taylor flüchtet, überquert ein Rudel Kängurus die Fahrbahn. Die Tiere schlagen in fast schon erheiternder Detailfreude auf den Windschutzscheiben der Fahrzeuge auf und werden anschließend blutig von den Rädern überrollt. Herr MCLEAN, auch wenn WOLF CREEK 2 nur ein Film ist, finden Sie das witzig?
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK 2 – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
WOLF CREEK 2 ist ein derbes Splatter-Gewitter für Freunde brutaler Metzelfilme. Leider ist der Gewaltgrad auch das einzig Nennenswerte, was der Streifen zu bieten hat, denn im Grunde genommen ist das Sequel mehr überflüssiges Remake statt Fortsetzung und bietet mehr Splatter statt subtilem Terror. Aufgrund der schonungslos dargestellten Brutalitäten, die nun wahrlich nichts für zarte Gemüter sind, dürften die hiesigen Zensurbehörden das Stück Tortur-Kino gnadenlos in der Luft zerreißen. Ungeschnitten wird der Film hierzulande mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erscheinen; profitgeile Ösi-Unternehmen dürfte das freuen, schließlich kann man im Nachbarland viel Geld mit ungeschnittenen Mediabooks machen.
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK 2 – Zensur

 
 
 
WOLF CREEK 2 ist ziemlich brutal. Opfer werden ausgeweidet und zerhackt, Kehlen durchgeschnitten und Köpfe weggeschossen. Wir wünschen Rechteinhaber KSM viel Glück mit der FSK, denn die deutsche Fassung dürfte vermutlich nur geschnitten im Sommer in die Kinos kommen.
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK 2 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolf Creek (2005)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
The Butcher Boys (2012)
 
The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen (2006)
 
High Tension (2003)
 
Haus der 1000 Leichen (2003)
 


Filmreview: “Hate Crime” (2013)

hate crime (2013)
 
 
 

HATE CRIME

Story

 
 
 
Eine jüdische Familie wird während einer Geburtstagsfeier von drei Neonazis überrascht und terrorisiert …
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Kritik

 
 
 
Wir heißen Euch willkommen in unserer neuen Rubrik: Filme, die die Welt nicht braucht, in der es die Terror-Gurke HATE CRIME mit Leichtigkeit geschafft hat. Regisseur JAMES CULLEN BRESSACK (übrigens der Sohn vom PINKY & THE BRAIN-Erfinder GORDON BRESSACK) hat bisher ein paar wenige Kurzfilme gedreht und war sogar auch schon für die Trash-Filmwerkstatt THE ASYLUM tätig, wo er mit dem überflüssigen 13/13/13 (2013) an einem Film werkelte, auf den nun wahrlich niemand gewartet hat. Weil er mit diesem Billig-Schund niemanden vom Hocker gerissen hat, fährt er jetzt schwerere Geschütze auf und versucht mit seinem Horror-Thriller HATE CRIME die nötige Aufmerksamkeit zu erhalten, die man sich als ernstzunehmender (?) Horrorfan- und Regisseur nun mal so wünscht. Die einfachste Methode wahrgenommen zu werden ist kontroverse Filme zu machen, die provozieren. Für Macher CULLEN BRESSACK Grund genug tief in der Horror-Mottenkiste zu wühlen und Themen hervorzukramen, mit denen bereits schon einmal Filmemacher für Zündstoff gesorgt haben. Für sein aktuelles Werk hat er sich beim Home-Invasion-Genre bedient und mixt es ganz unverfroren mit dem derzeit beliebten Found-Footage-Thema. Eigentlich keine schlechte Idee, wären nicht bereits unzählige Wackel-Filme in den letzten Wochen erschienen, die Horrorfans mit der Shaky-Cam-Methodik Kopfschmerzen und Schwindelgefühl bereitet haben. FUNNY GAMES (1997) dürfte für HATE CRIME Pate gestanden haben, denn eigentlich hat CULLEN BRESSACK hier nichts anderes gemacht, als die grandiose Idee von MICHAEL HANEKE zu kopieren. Das Resultat ist ein pseudo-polarisierender Schnellschuss, der eigentlich ganz böse und fies sein will, aber in den entscheidenden Momenten nicht den Mut besitzt konsequent zu sein. Stattdessen wird der Hass gegenüber gesellschaftliche Gruppen als Alibifunktion benutzt, um ein dümmliches Terror-Werk an den Zuschauer zu bringen, das hauptsächlich von der Zurschaustellung perverser Demütigungen lebt und dabei sogar auch noch langweilt.
 
Es geht um eine jüdische Familie, die gerade eine spaßige Geburtstagsfeier für den kleinen Sohnemann veranstaltet. Leider ist bald Schluss mit lustig, denn drei vermummte Gestalten verschaffen sich ungefragt Zutritt zum Haus und beginnen die Familienmitglieder zu terrorisieren. Die finden sich bald gefesselt im Hobbykeller wieder, wo die Mutter auf einem Billardtisch vor den Augen der Angehörigen vergewaltigt wird. Als wäre das allein nicht schon krank genug, soll sich wenig später auch der älteste Sohn an der Erziehungsberechtigten vergehen, dem aber erst einmal ein Hackenkreuz auf der Wange eingebrannt wird, damit er den Witzfiguren von Tätern nötigen Respekt zollt. Was der Zuschauer jedoch noch nicht weiß: Die Sadisten entpuppen sich als strunzdumme und hyperaktive Neonazis, die aus der Langeweile heraus Koks statt Ritalin konsumieren und Freude daran haben ihre Judenfeindschaft radikal ausleben zu können. Regisseur JAMES CULLEN BRESSACK kommt ziemlich schnell zum Punkt, scheint den Opfern bewusst keine Charakterisierung einräumen zu wollen und konzentriert sich stattdessen auf das möglichst widerwärtige Misshandeln seiner Figuren. Da wird dem Vater mit der Videokamera der Schädel eingeschlagen und auch noch die Tochter von einem der drei Nazis vergewaltigt; bis kurz vor Ende bleibt unschlüssig, was CULLEN BRESSACK mit seinem klischeebeladenen Snuff-Film überhaupt aussagen möchte. Erst kurz vor dem Abspann erklärt der passionierte Horrorfan, was er damit bezwecken wollte.
 
Wie der Filmtitel HATE CRIME bereits vermuten lässt, macht der Regisseur in seinem finsteren Machwerk Hasskriminalität zum Thema. Schenkt man den Informationen Glauben, die da nach Ende des Streifens über dem Bildschirm flimmern, werden jährlich über 80 000 Straftaten in den Vereinigten Staaten begangen, die auf Hass gegenüber gesellschaftliche Gruppen zurückzuführen sind. Die Idee zum Film kam CULLEN BRESSACK (selbst Jude) während eines Aufenthalts in Texas, wo er zusammen mit einem Geschäftspartner von einer Gruppe Skinheads belästigt und aufgefordert wurde zu gehen. Die Erfahrung hat ihn nachhaltig geprägt und zum Drehen des Filmes bewegt. Im Gegensatz zu Hanekes intelligenter Gesellschafts- und Medienschelte FUNNY GAMES ist HATE CRIME trotz brisanter Ausgangssituation nur ein weiterer plumper Terror-Flick, der vordergründig damit beschäftigt ist, die bekannten Home-Invasion-Klischees abzuhaken. Wir sehen die obligatorische Vergewaltigung, die man mittlerweile in jedem zweiten Rache- und Folterfilm zu sehen bekommt und die lang ausgewalzten Gewalteskapaden haben selbstverständlich auch ihren Weg in den Film gefunden. Zudem sind die Opfer ohnehin zu dumm zum Flüchten und stolpern stattdessen bevorzugt über die eigenen Beine oder genau vor das Zielfernrohr der hormongesteuerten Bösewichte. Letztere prägen sich nicht durch skrupelloses Vorgehen ins Gedächtnis, sondern durch die Art und Weise wie sie dem Zuschauer auf den Zeiger gehen. Selten hat man derart aufgekratztes Waschweibergegacker ertragen müssen für das der Zuschauer wirklich stahlharte Nerven benötigt. Auch wenn sich hungrige Gewaltfans bei derart krankem Stoff gierig die Hände reiben werden, sonderlich brutal ist HATE CRIME nicht. CULLEN BRESSACK setzt vermehrt auf Terror und fieses Kameragewackel. Der Found-Footage-Stil bietet im Falle von HATE CRIME diesmal ausnahmsweise einen Mehrwert, weil sich der Film Dank des Wackelformats anfühlt, als würde der Zuschauer gerade einem Snuff-Movie beiwohnen. Gut wird dieser Streifen aber dadurch noch lange nicht, was vor allem daran liegt, dass der Film sich nicht ernsthaft mit seiner kontroversen Thematik auseinandersetzen möchte. Außerdem will HATE CRIME einfach nichts Neues bieten, was man zuvor nicht schon in FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder HOME SWEET HOME gesehen hat. Auch wenn man die Geschehnisse diesmal aus der Sicht der Bösewichte erlebt und der Filmfan ganz viel Elend und Leid vor die Linse bekommt, ist HATE CRIME nichts weiter als ein austauschbarer Horror-Thriller, bei dem der Regisseur die angestrebte Gesellschaftskritik ganz flink aus den Augen verliert, um der Horror-Fanbase gerecht zu werden können. Die ist seit HOSTEL und SAW gewaltverwöhnt und lobpreist nur jene Filme, die durch möglichst viel Sadismus und Brutalität glänzen – Zutaten, die HATE CRIME auf jeden Fall mitbringt. Übrigens zählt JAMES CULLEN BRESSACK den HOSTEL-Dreher ELI ROTH zu seinen Vorbildern. Dass da aus HATE CRIME kein vernünftiger Film geworden ist, dürfte erfahrene und anspruchsvolle Horrorfans nur wenig verwundern.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FUNNY GAMES meets AMERICAN HISTORY X. Pseudo-polarisierender Terrorfilm im aktuell so beliebten Found-Footage-Gewand, der brisante Gesellschaftskritik als Alibifunktion benutzt, um ganz viel Leid und Elend auf der Mattscheibe zeigen zu können. Wäre HATE CRIME vor 20 Jahren in die Kinos gekommen, der Streifen hatte wohlmöglich wirklich provoziert. Leider ist das Gezeigte mittlerweile so ausgelutscht, dass selbst die obligatorischen Vergewaltigungen in solchen Filmen nicht mehr wirklich schockieren wollen. HATE CRIME bietet nichts, was man nicht schon dutzende Male in Home-Invasion-Streifen gesehen hat. Die Opfer werden von einer Demütigung zu nächsten getrieben und verhalten sich dazu auch noch vollkommen dämlich. Haben die dann mal die Gelegenheit den Schurken das Handwerk zu legen, wird stattdessen lieber mit dem Messer vor deren Gesichter umhergefuchtelt, als zugestochen. Angeblich soll HATE CRIME der Thematik wegen international keinen Verleih gefunden haben, was jedoch als geschickt platzierter PR-Gag gewertet werden darf, denn HATE CRIME ist alles andere als kontrovers oder polarisierend. Vielmehr handelt es sich bei diesem Streifen um einen weiteren, austauschbaren und vor allem überraschungsarmen Horrorfilm, der sich bekannten Horrorklischees bedient und nur jenen Fans empfohlen sei, die eine Vorliebe für Filme besitzen, in denen Protagonisten sinnbefreit gedemütigt werden.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Zensur

 
 
 
HATE CRIME ist nicht sonderlich brutal und lebt vordergründig vom psychischen Erniedrigen der wehrlosen Opfer. Diese werden vergewaltigt, geschubst und geschlagen. Gegen Ende wird sogar ein Auge entfernt und ein Kopf eingeschlagen. Weil sich die Gewalt zusätzlich mit rechtsradikalem Kontext vermischt, gehen wir von keiner ungeschnittenen Freigabe in Deutschland aus. HATE CRIME dürfte hierzulande nur geschnitten und für ein volljähriges Publikum erscheinen. Ungeschnitten ist dieser Streifen ein potenzieller Index-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 
You’re Next (2011)
 
In Their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
The Purge (2013)
 


Filmreview: “Afflicted” (2013)

Afflicted-2013
 
 
 

AFFLICTED

Story

 
 
 
Derek reist mit seinem Freund Cliff um die Welt und entdeckt nach einem Schäferstündchen mit einer geheimnisvollen Frau, dass sein Körper übernatürliche Kräfte entwickelt. Die anfänglich faszinierenden Fähigkeiten werden jedoch schnell zum Albtraum als es Derek plötzlich nach Menschenblut dürstet …
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Kritik

 
 
 
Willkommen in der vielfältigen Found-Footage-Welt, wo fast jedes Horrorfilmthema in irgendeiner Weise lukrativ wiederverwertet wird, um maximales Kapital rausschlagen zu können. Die Produktionskosten sind gering und die Bandbreite an unterschiedlichen Horrorstoffen umfangreich, so dass geistloser Wackelcam-Nachschub auch in den kommenden Jahren garantiert sein dürfte. Zwischen all den lieblos heruntergekurbelten Gruselstreifen dieser Art, scheint es dennoch immer mal wieder kleinen Horror-Perlen zu geben, die es tatsächlich schaffen dem allmählich nervenden Subgenre etwas Gutes abzugewinnen. Die zweiteilige Wackel-Anthologie V/H/S hat das mit Bravour bewiesen und auch die kürzlich besprochenen Schocker THE DEN (2013) und WER (2013) zeigen eindrucksvoll, dass man auch aus Filmen mit Shaky-Cam-Methodik packende Horrorunterhaltung zaubern kann. Nun gesellt sich zu den besseren Werken dieser Art der von DEREK LEE und CLIF PROWSE inszenierte Kracher AFFLICTED, der auf einschlägigen Filmfestival durchweg positiv aufgenommen wurde und knapp dreieinhalb Jahre Arbeit verschlungen hat. Für ihr Debüt haben es sich die beiden Nachwuchsregisseure nicht nehmen lassen auch gleich die Hauptrolle im Horrorhit zu übernehmen. Erste Erfahrungen als Schauspieler konnten die Freunde (die bereits seit dem 15. Lebensjahr zusammen Filme machen) bereits in ihren ersten Kurzfilmen sammeln, wo sie nicht nur hinter der Kamera standen, sondern auch davor agierten. Eigentlich entstand die Idee zu AFFLICTED aus der Not heraus. Die beiden ambitionierten Neulinge schrieben an einem Action-Thriller, von dem sie wussten, dass sie dafür unmöglich einen Geldgeber finden würden. Mit dem Ziel vor Augen endlich einen eigenen Langfilm zu drehen, zogen sich die beiden Filmliebhaber in ihr Kämmerlein zurück und steckten die Köpfe zusammen. Nach einigen Drehbuchversionen entstand die Idee zur kostengünstigen Fake-Doku AFFLICTED, die nicht nur das unbeliebte Subgenre neu erfinden, sondern erneut die Lust auf Wackelkamerafilme wecken sollte.
 
Der übernatürliche Dokumentarfilm handelt vom erfolgreichen Software-Entwickler Cliff Prowse (CLIFF PROWSE), der mit seinem langjährigen Freund Derek Lee (DEREK LEE) beschließt, um die ganzen Welt zu reisen. Der aufregende Trip soll auf Video festgehalten werden, schließlich führt Cliff einen erfolgreichen Blog, der von Internetnutzern auf dem gesamten Globus gelesen wird. Die anfängliche Freude bekommt jedoch einen unerhofften Dämpfer, als der ahnungslose Derek erfährt, dass in seinem Hirn ein Aneurysma heranwächst und die Heilungschancen alles andere als rosig ausschauen. Trotzdem wollen sich die Freunde die aufregende Sause nicht entgehen lassen. Eine der ersten Stationen ist Paris, wo Derek nach einem Schäferstündchen mit einer mysteriösen Schönheit von seinem besten Kumpel niedergeschlagen im Hotelzimmer vorgefunden wird. Der Schreck sitzt tief, hindert die Freunde aber nicht daran, weiter die Welt zu erkunden. Nach anfänglichen Krankheitssymptomen beginnt Derek eine eigenartige Transformation zu durchleben. Sonnenlicht lässt binnen weniger Minuten die Haut verbrennen und Bärenkräfte sorgen für Erstaunen. Leider hat die unerwartete Verwandlung zum Superhelden auch Nebenwirkungen, denn Derek dürstet es nach menschlichem Blut. Bekommt er den Lebenssaft nicht innerhalb weniger Tage zu trinken, mutiert er zum unberechenbaren Killervampir, der sich bald nicht mehr unter Kontrolle hat und im Rausch den besten Kumpel tötet. Doch welche Ursachen hat die Mutation. Fragen, auf die Derek schon bald eine Antwort findet.
 
Die Idee Found-Footage mit Superhelden-Klischees zu verbinden ist nicht neu. Bereits 2012 hat Hollywood mit CHRONICLE – WOZU BIST DU FÄHIG Ähnliches ausprobiert und einen durchaus sehenswerten Mysterythriller in die Kinos gebracht, der vor allem durch verblüffend einfallsreiche Spezialeffekte überzeugen konnte. AFFLICTED ist aus ähnlichem Holz geschnitzt und kann quasi als Horror-Antwort zum Überraschungs-Hit von JOSH TRANK gesehen werden. DEREK LEE und CLIF PROWSE punkten mit fesselnden First-Person-Sequenzen, die vor allem in der zweiten Filmhälfte kaum Zeit zum Verschnaufen lassen. Während sich der erste Teil der Handlung auf die zunächst faszinierenden Fähigkeiten konzentriert und die Freunde beim Erkunden der Superkräfte begleitet, entwickelt sich AFFLICTED ab Filmmitte zur schweißtreibenden Hetzjagd durch Straßengassen und Wohnkomplexe, weil Derek mit seinem unkontrolliertem Blutdurst die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich zieht. Die verfolgen den ohnehin gebeutelten Protagonisten auf Schritt und Tritt, wobei der Zuschauer die Ereignisse aus der Egoperspektive beiwohnen darf und sich während Dereks Flucht nicht selten in einer Spielfilmversion des Konsolen-Games MIRRORS EDGE wähnt. Es wird von Hauswand zu Hauswand gehangelt, aus schwindelerregenden Höhen gesprungen und durch finstere Gänge geflitzt; der Actionanteil ist nicht zu verachten und fesselt vermehrt durch Hochspannung statt literweise Kunstblut. Natürlich kommen auch hungrige Gorehounds auf ihre Kosten, auch wenn AFFLICTED sich eher dezent zurückhält mit der Zurschaustellung splattriger Raffinessen. Nach anfänglicher Freude über die neuen Fähigkeiten, folgt die Ernüchterung. Weil Derek im Jagdmodus Best Buddy Cliff zerfetzt hat, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich selbst das Leben zu nehmen. Um nicht weitere Unschuldigen zu töten, steckt er sich eine Schrotflinte in den Mund und drückt ab. Leider ist der Super-Vampir unkaputtbar, denn wenige Minuten später regeneriert sich die üble Kopfwunde von selbst.
 
Die Macher DEREK LEE und CLIF PROWSE haben mit AFFLICTED einen Hammer-Film gedreht, der Found-Footage-Gegner eines Besseren belehrt. Statt die ewig gleiche Wackel-Rezeptur unspektakulär zu kopieren, fesseln die beiden Filmneulinge durch rasant und schnörkellos inszeniert Horrorunterhaltung mit verblüffenden Spezialeffekten, die ganz schnell die vielen üblen Wackelkamerafilme vergessen lassen. Übrigens halten die beiden Regisseure weitestgehend Abstand von den obligatorischen Bildtotalausfällen und der langsam nervenden Kamerawackelei, die es dem Zuschauer oftmals erschweren der Handlung überhaupt folgen zu können. Statt die eingerostete Klischeeliste für Found-Footage-Machwerke abzuhaken, beweisen LEE und PROWSE Mut zur Originalität und verknüpfen die oftmals leidlich unterhaltsame Filmart erfinderisch mit dem langlebigeren Vampirgenre. Herausgekommen ist ein Film, den sich Horrorfilmfans unbedingt vormerken sollten, denn AFFLICTED rockt auf ganzer Linie.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
AFFLICTED erfindet das Found-Footage-Genre neu und gehört mit Abstand zum Besten, was diese Filmart bisher hervorgebracht hat. Wer die Superhelden-Schlacht CHRONICLE – WOZU BIST DU FÄHIG gemocht hat, wird diesen Film lieben. Kein Wunder haben doch die Macher DEREK LEE und CLIF PROWSE nicht nur stumpf kopiert, sondern einen Horrorstreifen geschaffen, der durch erfinderische Kameraführung, bemerkenswerte Spezialeffekte und jede Menge Originalität überzeugt. AFFLICTED ist eine technisch beeindruckende und spannungsgeladene Horror-Hatz bei der man irgendwie gar nicht so recht glauben will, dass es sich hier um einen Low-Budget-Indie handelt für den nur wenig Budget zu Verfügung gestanden hat. Das allein dürfte jedoch schon ausreichen, dass man auf das gespannt sein darf, was die Nachwuchsregisseure demnächst in die Kinos bringen werden. Das FILMCHECKER-Team hätte nie gedacht, dass das ausgelutsche Found-Footage-Filmthema noch einmal einen so kreativen Schub erhalten würde. Von daher können wir AFFLICTED nur jedem Filmfan empfehlen, der einen guten und packenden Horrorschocker sehen mag.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Zensur

 
 
 
AFFLICTED wird in der ungeschnittenen deutschen Fassung keine Jugendfreigabe erhalten. Sonderlich grausam ist der Streifen nicht, so dass eine KJ-Einstufung mit rotem Flatschen denkbar sein dürfte.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Absence (2013)
 
Chronicle (2011)
 
Cloverfield (2008)
 
Europa Report (2013)
 
Apollo 18 (2011)
 


Filmreview: “Savaged” (2013)

Savaged-2013
 
 
 

SAVAGED

Story

 
 
 
Die taubstumme Zoe wird von einigen Hinterwäldlern verschleppt, vergewaltigt und lebendig begraben. Ein Schamane findet die geschunden Frau und verhilft ihr zur blutigen Rache …
 
 
 


 
 
 

SAVAGED – Kritik

 
 
 
Weit 60 Jahre nach seiner Blütezeit erfreut sich der Exploitationfilm auch weiterhin enormer Beliebtheit und ruft vor allem das Interesse jener Filmfans auf dem Plan, die sich diese Machwerke aus dem deutschsprachigen Ausland in schicken Sonderauflagen importieren, um sie sich stolz in ihre Sammler-Virtrinen stellen zu können. In Deutschland haben es diese Streifen nämlich oft nicht leicht, schließlich werden darin meist reißerische Grundsituationen ausgenutzt, um den Zuschauer mittels schmuddeligem Sex und abscheulicher Gewalt an die Grenze des Ertragbaren zu treiben. Dass der hiesigen FSK das Sichten derart Kinokost so gar keine Freude bereitet, dürfte auf der Hand liegen, denn nicht selten ist es der Fall, dass jene Gewaltflicks ganz schnell die Wut der Zensurbehörden zu spüren bekommen und in ungeschnittener Form erst gar nicht den Weg in den stationären Handel finden. Wie gut, dass es das Wunderland Österreich gibt, wo Veröffentlichungen “böser” Filme ganz legal und ungeprüft über die Ladentheke wandern können. Dort sind es vor allem einschlägige Rape’n Revenge-Movies, die stets aufs Neue in aufwändigen Hartboxen und Mediabooks veröffentlicht werden und trotz gleichem Inhalt auch immer wieder genug Käufer finden, die menschenverachtende Rape-Filme mit dazugehörigem Racheakt kaufen wollen. Seit das Rape-and-Revenge-Genre mit den Remakes zu I SPIT ON YOUR GRAVE (2010) und LAST HOUSE ON THE LEFT (2009) den Mainstream erreicht hat, ist es vor allem der in Hochglanzbilder getauchte Sadismus, der Horrorfans zum Schauen dieser Filme bewegt, denn seit Tortur-Porn wie SAW und HOSTEL an den Kinokassen Millionen erwirtschaftet haben, hat auch die Gewalt in Horrorfilmen eine neue Dimension erreicht. Möglichst bestialisch soll gemordet werden, am besten lang und ekelerregend, wobei SAVAGED maximales Unterhaltungspotenzial bietet – vorausgesetzt man hat eine Leidenschaft für frauenverachtende Hardcore-Schocker.
 
Wie es in Rape’n Revenge-Streifen nunmal üblich ist wird hier ein ahnungsloses Opfer durch die Hölle gejagt. SAVAGED hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, sondern dreht bereits nach fünf Minuten an der Action- und Gewaltschraube. Es ist die taubstumme Zoe (AMANDA ADRIENNE), die hier an eine Horde Rassisten gerät, die eine unbeschreibliche Freude daran finden, friedliche Rothäute durch die Wüste zu hetzen, um sie anschließend bestialisch zu ermorden. Leider wird Zoe ganz unfreiwillig Zeuge einer dieser “Jagdausflüge” und von den triebgesteuerten Hinterwäldlern verschleppt, vergewaltigt und anschließend verscharrt. Die Rettung naht in Form eines Schamanen, der den leblosen Körper ausgräbt, heilt und beweihräuchert. Als die junge Frau wieder zu sich kommt, ist der Geist eines wütenden Apatschen in ihren Leib geschlüpft, der mit der durchtriebenen Mörderbande ebenfalls noch ein Hühnchen zu rupfen hat. Beschenkt mit Bärenkräften verwandelt sich Zoe zur unkaputtbaren Kampfamazone und schlitzt sich ganz ungeniert durch das Fleisch ihrer Peiniger. Die sind zwar nicht die hellsten Kerzen auf dem Kuchen, wissen aber immerhin, wie sie sich möglichst grausam zur Wehr setzen müssen.
 
MICHAEL S. OJEDA heißt der gute Mann, der Rachefilm-Fans feuchte Höschen spendieren dürfte, denn auch wenn man in letzter Zeit viel Mist auf der Mattscheibe hatte, SAVAGED bereitet Laune. Lobenswerterweise blendet OJEDA dort weg, wo zuletzt STEVEN R. MONROE mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE-Remake gnadenlos draufgehalten hat. Die Vergewaltigung seiner Heldin lässt der Filmemacher nämlich gänzlich außer Acht und rückt stattdessen das möglichst brutale Auslöschen der Filmbösewichte in den Focus, dem im Gegensatz zu ähnlichen Machwerken erstaunlich viel Screentime eingeräumt wird. Die frauenverachtenden Widerlinge in SAVAGED haben rein gar nichts zu lachen, denn die wütende Zoe arbeitet sich mit fast schon erfrischendem Erfindungsreichtum von Körper zu Körper. Die abwechslungsreiche Art der Morde, die temporeiche Inszenierung und der nahezu permanent vorhandene Action-Gehalt der Geschichte bescheren dem Thriller einer soliden Spannungsbogen, der bis zum bitteren Ende auch noch gehalten werden kann. Ergänzt wird das grausige Gemetzel durch indianischen Hokuspokus, der dem Rachefilm eine ganz eigenständige Note verleiht. OJEDA bringt frischen Wind ins Rape’n Revenge-Genre. Mit einem okkulten Story-Twist verwandelt er das zuvor wehrlose Opfer in eine übermenschliche Rächerin, die ihren unaufhaltsamen Amoklauf fast schon übertrieben comicähnlich inszeniert. Zoe reisst Därme aus den Leibern der Schurken, schiesst Pfeile in die Gesichter der Filmbösewichte und zerrt sich sogar die eigenen Organe aus dem Körper, um den Magen anschließend mit Dreck zu füllen und mittels Tesafilm verschließen zu können. Trotz wenig Budget schaut der Film mit seiner düsteren Look weitaus professioneller aus, als es Macher MICHAEL S. OJEDA vermutlich überhaupt gewollt hat. Das farblose Szenario glänzt mit dreckig-bedrohlicher Optik und überzeugt durch geschickt getrickste Spezialeffekte, die wahrscheinlich allein schon ausreichen, um die triviale Geschichte beim Gewaltfan interessant machen zu können. Auch wenn auf dem Cover der Heimkino-Fassung unverblümt mit THE CROW geworben wird, ist der Vergleich zu Prosas Kultfilm aus dem Jahre 1994 sehr gewagt. Im direkten Vergleich zieht SAVAGED nämlich den Kürzeren, zumal sich OJEDA einzig darauf konzentriert soviel stumpfe Gewalt wie möglich zu zeigen und kaum Tiefgang bietet. Nichtsdestotrotz bleibt eine herrlich kurzweilige Metzelorgie für Erwachsene, die sogar hierzulande ungeschnitten veröffentlicht wird. So erspart sich der Filmsammler den kostenintensiven Ausflug ins deutschsprachige Ausland und kann die übernatürliche Version von Monres I SPIT ON YOU GRAVE ganz unkompliziert beim Händler seines Vertrauens erwerben. Dennoch sollte der interessierte Käufer wachsam bleiben: Die ungeschnittene SPIO/JK-Fassung ist ein potenzieller Index-Kandidat. Demnach kaufen, so lange der Streifen noch frei erhältlich ist.
 
 
 


 
 
 

SAVAGED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein rauer Splatter-Trip für Freunde “böser” Gewaltschocker. SAVAGED entpuppt sich als okkulte I SPIT ON YOUR GRAVE-Version und bringt aufgrund der übernatürlichen Elemente auch gleich frischen Wind ins knüppelharte Rape-and-Revenge-Genre. Vergewaltigt wird löblicherweise im Off und von langgezerrter Frauenquälerei hält Macher OJEDA Abstand. Dafür bekommen die Schurken des Films endlich mal wieder ordentlich Dresche. Lang gefackelt wird in SAVAGED nämlich nicht. Nach knapp zehn Minuten ist das Fass schon am Brodeln und das Gemetzel wird mit fast schon schwarzhumorigem Ideenreichtum auf der Mattscheibe zelebriert. Schnell wird aus dem eigentlichen Racheplot ein blutreicher Slasher der alten Schule, der es hin und wieder sogar schafft einigen Kult-Schlitzern der 80er Konkurrenz zu machen. Wer Freude am grobschlächtigen Handwerk besitzt sollte schnell zugreifen, denn SAVAGED dürfte mit Sicherheit ebenso schnell das Interesse selbsternannter Jugendschützer auf den Plan rufen, schließlich wird brutale Selbstjustiz auch 2014 im Kino nicht gern gesehen.
 
 
 


 
 
 

SAVAGED – Zensur

 
 
 
SAVAGED ist ein potenzieller Index-Kandidat. Der Film ist in zwei Versionen erhältlich. Die KJ-Fassung mit dem roten Flatschen auf der Vorderseite ist geschnitten. Ungeschnitten ist dagegen die SPIO/JK-Fassung, die nach Meinung der Juristenkommission “nicht schwer jugendgefährdend” ist. Trotzdem gehen wir von einer späteren Indizierung aus.
 
 
 


 
 
 

SAVAGED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Elite Home Entertainment – Abbildung: Cut-Fassung

 
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(c) Ascot Elite Home Entertainment – Abbildung: Uncut-Fassung

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Savaged; USA 2013

Genre: Drama, Horror, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 94 Min (cut) / ca. 95 Min. (uncut)

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung) / SPIO JK (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of, Animierte Skizzen von Kampfszenen, Deleted Scenes, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 15.04.2014

 
 
 

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SAVAGED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on Your Grave (2010)

I Spit on Your Grave 2 (2013)

The Last House on the Left (2009)

Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)


Filmreview: “Autumn Blood” (2013)

autumn-blood-2013
 
 
 

AUTUMN BLOOD

Story

 
 
 
Ein 16-jähriges Mädchen (SOPHIA LOWE) lebt mit der Mutter und dem kleinen Bruder zurückgezogen auf einem kleinen Hof in den Tiroler Bergen. Als die Mutter nach schwerer Krankheit stirbt, durchleben die Kinder die Hölle. Erst wird die Tochter mehrfach vom Sohn des Bürgermeisters vergewaltigt; als eine Sozialarbeiterin nach dem Rechten sehen will und die Misshandlungen aufzufliegen drohen, sollen die verstörten Kids sterben damit sie nichts ausplaudern können. Es beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Geschwister, die keinen anderen Ausweg wissen und in die gefährliche Bergwelt der Tiroler Alpen flüchten …
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Kritik

 
 
 
Nachbarland Österreich mischt nun ganz souverän mit auf dem internationalen Filmmarkt und scheint erkannt zu haben, dass deutschsprachige Horrorfilme auch gern im Ausland gesehen werden. Zuletzt hat MARVIN KREN mit seinem kritischen Öko-Schocker BLUTGLETSCHER (2013) von der internationalen Presse viel Lob erhalten und MICHAEL HANEKE schaffte es mit der kontroversen Terror-Satire FUNNY GAMES (1997) sogar bis nach Hollywood, wo er zehn Jahre später seinen eigenen Spielfilm neu drehen und auf Hochglanz poliert in die Kinos bringen durfte. Beim nächsten Glücksgriff handelt es sich um den Tiroler Werbefilmer MARKUS BLUNDER. Der gebürtige Kufsteiner hat sich sein filmisches Handwerk in München und Los Angeles angeeignet und bisher zahlreiche Musikvideos und Werbefilme gedreht. Nun hat er seinen ersten Langfilm inszeniert und damit schon auf einschlägigen Filmfestivals Zuspruch erhalten. Dass der Regisseur mit seinem Debüt aber ganz unfreiwillig ins Horror-Genre geschlittert ist, dürfte der Österreicher vermutlich gar nicht so geplant haben. Der Filmneuling bezeichnet seinen Streifen nämlich selbst als „alpinen Western”. Die für dieses Genre typischen Cowboys, Saloons und taffen Sprüche sucht man hier jedoch vergebens, denn eigentlich ist sein AUTUMN BLOOD eine Mischung aus Heimatfilm, Überlebenstrip und Rape-and-Revenge-Thriller, bei der aber der Racheplot aus dem Drehbuch gestrichen wurde. Gedreht wurde im Ötztal und im Lechtal sowie in der Zugspitzregion, was dem Thriller eine ganz individuelle Note verleiht, weil man derart Filmstoff bisher noch nie vor solch beeindruckender Kulisse erleben durfte. Die Protagonisten hetzen durch bildgewaltige Landschaften, bewegen sich über schwindelerregende Schluchten und durchqueren märchenhaft anmutende Wälder. Die wunderbare Kameraarbeit tut da ihr Übriges und lässt des Öfteren die wenigen Protagonisten vergessen, die äußerst wortkarg durch die dünne Handlung stolpern. Gesprochen wird in AUTUMN BLOOD übrigens kaum, stattdessen glänzen die erfahrenen Schauspieler mit ausdrucksstarkem Schauspiel. Die Prämisse ist zwar anfänglich recht gewöhnungsbedürftig; hat man sich erst einmal an die ungewöhnliche Dialogarmut gewöhnt, fesselt AUTUMN BLOOD trotz hanebüchener Handlung durch anständigem Thrill und schweißtreibende Atmosphäre.
 
Regisseur MARKUS BLUNDER bringt die überwältigende Macht der Bilder zurück in die Kinos. In AUTUMN BLOOD fungiert nicht das magere Drehbuch als Geschichtenerzähler, sondern der stimmige Soundtrack in Kombination mit den geheimnisvollen Landschaften der Tiroler Bergwelt. Demzufolge sei dem Leser geraten, sich diesen Geheimtipp möglichst auf der großen Leinwand anzuschauen, denn nur hier dürfte der Streifen seine ganze Wirkung entfalten können. BLUNDER hat mit seinem Erstling einen einzigartigen Thriller gedreht, der Lust auf mehr von dem macht, was der talentierte Filmneuling in Zukunft auf Zelluloid bannen wird. Auch wenn sein HEIDI meets BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE so seine Logikpatzer besitzt (seit wann kommuniziert man im ländlichen Tirol ausschließlich in Englisch) gehört der beklemmende Survivaltrip zweifelsohne zum Besten, was das europäisches Genrekino hervorgebracht hat. Auf Filme wie AUTUMN BLOOD können die Österreicher zu Recht stolz sein und es würde nicht wundern, wenn BLUNDER als nächster Österreicher demnächst in Hollywood außergewöhnliche Filme drehen darf. Für so wunderschön gefilmtes Grauen bekommt BLUNDERS Debüt vom FILMCHECKER-Team verständlicherweise eine seltene Bewertung von acht Filmklappen und das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
HEIDI meets BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE – Grausamer Überlebenstrip vor der traumhaften Bergkulisse Tirols. AUTUMN BLOOD entpuppt sich als schwindelerregende Hetzjagd durch malerische Landschaft, die statt Dialoge zu nutzen lieber Bilder sprechen lässt. Zwar ist die Geschichte vom Mädchen, das vergewaltigt wird und vor ihren Peinigern in die Wälder flüchtet nicht neu; die etwas gewöhnungsbedürftige Symbiose aus Heimatfilm, Terror- und Rape’n Revenge-Thiller funktioniert jedoch erstaunlich gut und dürfte sogar das Interesse von Expoitationfans auf den Plan rufen, die hier jedoch kein ultra-derbes Gewaltmachwerk erwarten sollten. AUTUMN BLOOD ist österreichische Thriller-Unterhaltung auf hohem Niveau, was vor allem an der bildgewaltigen Machart liegt, wie Regisseur MARKUS BLUNDER hier das Grauen auf Film bannt, denn bei so ansprechend gefilmter Bergkletterei wird dem Zuschauer allein schon beim Zusehen schwindelig. Wer die Chance hat diesen österreichischen I SPIT ON YOU GRAVE-Ableger (freilich ohne Rachepart) auf der großen Leinwand zu sehen, sollte sie nutzen. Denn nur hier dürfte die packende Bilderflut und der spannende Überlebenskampf erst richtig wirken.
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Zensur

 
 
 
Für einen Rape’n Revenge-Thriller ist das Gezeigte ziemlich harmlos. Es gibt eine Vergewaltigung zu sehen, die aber im Off stattfindet. Ein paar Einschüsse dürften aber für eine ungeschnittene FSK16 sorgen.
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Mooring (2012)
 
Eden Lake (2008)
 
I SPIT ON YOU GRAVE 2 (2013)
 


Filmreview: “Perfect Sisters” (2014)

perfect-sisters-2014-2
 
 
 

PERFECT SISTERS

Story

 
 
 
Ein Film der auf wahren Begebenheiten beruht: Die beiden Schwestern Beth und Sandra planen den Mord an ihrer Mutter, weil sie die ständigen Alkoholexzesse der Mutter nicht mehr ertragen können …
 
 
 


 
 
 

PERFECT SISTERS – Kritik

 
 
 
Die kleine Miss Sunshine ABIGAIL BRESLIN (SIGNS, HAUNTER) hat es wieder getan und in einem Film mitgespielt, der bei Freunden düsterer Filmkunst auf Interesse stoßen dürfte. Der einst gefeierte Kinderstar scheint das Saubermannimage ablegen zu wollen und ist in letzter Zeit ziemlich oft in glatt polierten Actionfilmen (ENDER’S GAME) und hektischen Hochspannungs-Thrillern (THE CALL-THE LEG NICHT AUF) zu sehen. Auch BRESLINS neuster Streich hat mit sonntäglicher Familienunterhaltung nur wenig am Hut. Regisseur STANLEY M. BROOKS hat sich hier das Buch THE CLASS PROJECT: HOW TO KILL A MOTHER von BOB MITCHELL vorgenommen und daraus den Film PERFECT SISTERS gemacht. Der kontroverse Roman wurde bereits 2008 veröffentlicht, beruht auf wahren Begebenheiten und schildert den gerissenen Mord an LINDA ANDERSEN, die im Jahr 2003 von ihren pubertierenden Töchtern Sandra and Beth im kanadischen Bramton ermordet wurde. Die Töchter waren es leid, dass die alleinerziehende Mutter das hart verdiente Geld für Alkohol verschwendete anstatt dem Nachwuchs einen adäquaten Lebensstandart zu bereiten. Nötigen Input für das Verbrechen holten sich die Kinder aus dem Internet und ertränkten wenig später die zuvor mit Alkohol abgefüllte Mutter in der Badewanne. Leider verhielten sich die Kids nach der Tat arg leichtfertig. Ein Jahr nach dem Vorfall erzählte die alkoholisierte Sandra einem Freund vom Mord. Der rief umgehend die Polizei und die Geschwister wurden zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt.
 
Anders als die damals 15-jährigen Gören des tatsächlichen Mordfalls, verhalten sich die Mädchen Sandra (ABIGAIL BRESLIN) und Beth (GEORGIE HENLEY) in BROOKS Verfilmung deutlich bedachter und reifer. Die sind aus dem Gröbsten heraus und erziehen sich und den kleinen Bruder selbst, weil Mutter Linda (MIRA SORVINO) dazu nicht mehr in der Lage ist. Die jämmerliche Kreatur ertränkt Depressionen im Suff, scheint kaum noch Herr ihrer selbst zu sein und hat die Hoffnung von einem besseren Leben ohnehin schon längst begraben. Umso vertrauter sind sich die Mädchen, die seit der Alkoholsucht der Mutter auf sich allein gestellt sind. Sie verfügen über eine Geheimsprache, können die Gedanken des jeweils anderen lesen und stehen sich näher, als die Mutter es je sein wird. Damit die Tat für den Zuschauer zugänglicher erscheint und die Figuren nicht zu kaltblütige Muttermörderinnen deklariert werden, haben BROOKS Mädchen ein einglaubhaftes Motiv für ihr Handeln. JAMES ROSSO tritt in PERFECT SISTERS als gewissenloser Psychopath in Erscheinung, der sich als neuer Freund der Mutter nicht nur an selbiger vergeht, sondern auch die jüngere der beiden Schwestern sexuell belästigt. Als die Mädchen sehen, wie sehr die Mutter unter den Gewaltausbrüchen des Partners zu leiden hat und sie sich in ihrem Freiheitsgefühl eingeschränkt sehen, weil sie in das Haus des aggressiven Freundes einziehen sollen, planen sie den Mord um alle Beteiligten von der qualvollen Last zu erlösen.
 
PERFECT SISTERS ist ein weiterer Beitrag aus der Reihe: Kriminalfälle, die Geschichte schrieben. Seit jeher lassen sich nämlich solche Leinwand-Tatsachenberichte richtig gut verkaufen, schließlich sind viele Filmfans geradezu fasziniert vom Bösen, dem man nachts lieber nicht allein im Dunkeln begegnen möchte. Macher STANLEY M.BROOKS hat aus der Grundlage einen recht spezielles Filmexperiment geschaffen, das sich in keine Schublade stecken lässt. Der Film ist ein Mix diverser Genres, der aufgrund der ernsten Thematik nicht jedermanns Sache sein dürfte. Während PERFECT SISTERS zu Beginn eine freche Coming-of-Age-Komödie vermuten lässt, kippt die Stimmung spätestens ab Filmmitte. Dann nämlich wird der Streifen zu einem schwer verdaulichen Drama, das mit erschreckender Intensität die unkontrollierten Gewalteskapaden des Freundes der Mutter bebildert. Damit sich der Zuschauer von der teils unangenehmen aber intensiv gespielten Wütausbrüchen ROSSOS erholen kann, zeigt Regisseur STANLEY M.BROOKS seinen Sinn fürs Makabere. Die Mädchen debattieren auf gar schwarzhumorige Weise, wie sie dem Leben der Mutter möglichst spektakulär ein Ende bereiten können. Wenig später wird die Tat fast schon suspenselastig auf der Mattscheibe zelebriert, damit der Film anschließend in einer Art Gerichtsdrama enden kann. PERFECT SISTERS versucht nicht zu moralisieren oder jemandem die Schuld für das Verbrechen zuzuweisen. Dem Zuschauer bleibt eine endgültige Aussage verwehrt, wobei die Entscheidung der Schwestern im Gegensatz zum tatsächlichen Mordfall durchaus schlüssig bleibt. Vor der Tat wenden sich die Geschwister mit ihrem Hilferuf an die örtlichen Behörden, werden aber mangels Beweise nicht ernst genommen. Ebenfalls verweigert auch der getrennt lebende Vater jeglicher Unterstützung, der mittlerweile eine eigene Familie besitzt und mit dem alten Leben nichts mehr zu tun haben möchte.
 
Dank lobenswerter Leistungen von ABIGAIL BRESLIN und GEORGIE HENLEY, die die Schwestern zugänglich, natürlich und sympathisch verkörpern muss sich der Zuschauer am Ende selbst mit der Frage nach Recht und Unrecht auseinandersetzen. PERFECT SISTERS übernimmt keinerlei Stellung, ob es sich bei den Mädchen nun um Opfer oder Täter handelt. Ein kluger Schachzug, der PERFECT SISTERS von den bisher verfilmten Kriminalgeschichten positiv abhebt. Trotz bekannter Kinogesichter ist dieser außergewöhnliche Film nicht für den Massenmarkt gestrickt. Der bisher serienerprobte STANLEY M. BROOKS hat hier seinen ersten Langfilm gedreht, der eigentlich als TV-Film konzipiert war. BROOKS wollte aber die Geschichte unkonventionell und düster umsetzen, was dazu führte, dass das Drehbuch umgeschrieben werden musste und letztendlich ein richtiger Film draus wurde. Auch wenn der teils etwas unbeholfene TV-Look auf kleines Budget zurückzuführen ist, gehört PERFECT SISTERS zu einem der bisher besten Indies im Filmjahr 2014.
 
 
 


 
 
 

PERFECT SISTERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kontrovers, dramatisch und dennoch nie geizig mit frechenen Sprüchen: PERFECT SISTERS ist ein zwar sonderbares aber dennoch durchaus sehenswertes Filmexperiment mit hervorragenden Schauspielern und durchdachter Inszenierung. Auch wenn sich Regisseur STANLEY M. BROOKS nie so recht entscheiden kann in welche Genre-Schublade er seinen Debütfilm stecken will, funktioniert die Mischung aus schwarzhumoriger Komödie, düsterem Thriller und ergreifendem Coming-of-Age-Drama nahezu perfekt. Wer sehenswerte Filme fernab des Massenmarktes bevorzugt sollte PERFECT SISTERS unbedingt auf seine Filmliste setzen, denn dieser Indie zeigt konventionell gestrickten Machwerken ganz souverän den Mittelfinger.
 
 
 


 
 
 

PERFECT SISTERS – Zensur

 
 
 
PERFECT SISTERS ist keiner dieser schaufreudigen Horrorstreifen, die tatsächlich vorgefallene Kriminalfälle auf möglichst ekelhafte und reißerische Weise darstellen müssen. Das Werk ist mehr Drama als Horror. Gewalt wird eher angedeutet und spielt sich im Kopf des Zuschauers ab. Der Muttermord selbst wird zudem kurz und schmerzlos abgehandelt. Dennoch meinen wird, dass PERFECT SISTERS aufgrund des etwas fragwürdigen Inhalts erst für 16-jährige freigegeben wird.
 
 
 


 
 
 

PERFECT SISTERS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Lizzie Borden Took an Ax (2014)
 
Dahmer (2002)
 
Ed Gein – The Wisconsin Serial Killer (2000)
 
Gacy (2003)
 


Filmreview: “Para Elisa” (2013)

Para-Elisa-2013
 
 
 

PARA ELISA – FOR ELISA

Story

 
 
 
Das etwas andere Jobangebot: Ana bewirbt sich auf eine Stelle als Babysitterin und landet bei einem etwas ungewöhnlichen Mutter-Tochter-Gespann, das eine unbeschreibliche Freude an menschlichen Puppen besitzt …
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Kritik

 
 
 
Die Spanier beweisen in letzter Zeit, dass sie ein ziemlich talentiertes Händchen für schaurige Horrorfilme besitzen. Da werden nahezu regelmäßig Gruselstreifen am Fließband produziert, in denen lobenswerterweise fast immer Geschichten erzählt werden, die der Zuschauer so noch nicht auf der Leinwand gesehen hat. In Spanien scheint man bestrebt zu sein, der amerikanischen Filmindustrie Konkurrenz zu machen, denn in Hollywood kopiert man lieber erfolgreiche Filmhits aus dem Ausland, als sich die Mühe zu machen eigene Ideen zu Papier zu bringen. Mit PARA ELISA wird nun die Reihe spanischer Horrorhits fortgesetzt. JUANRA FERNÁNDEZ hat hier eine ganz eigene Vision des Schreckens auf Film gebannt, die sich aber qualitativ von den bisherigen Horrorbeiträgen aus dem Land des Flamencos absetzt. Nach eher grusellastigem Schauerkino versucht man es jetzt nämlich mit Terror, was im Falle des spanischen KIDNAPPED im Jahr 2010 schon einmal funktioniert hat. Leider ist der Ausflug ins Terror-Genre diesmal gehörig missglückt, was man der bis dato noch unerfahrenen JUANRA FERNÁNDEZ jedoch nicht übel nehmen sollte, schließlich ist PARA ELISA (der international auch als ELISA und FOR ELISA vermarktet wird) immer noch besser als das, was da zuletzt aus Übersee gekommen ist.
 
Ähnlich wie die Hauptdarstellerin in Ti Wests THE HOUSE OF THE DEVIL (2009) ist Ana (ONA CASAMIQUELA) auf der Suche nach einen Studentenjob. Sie braucht dringend 1000 Euro für einen Kurzurlaub, den sie sich nach Abschluss des Kunststudiums zusammen mit ihren Freunden gönnen möchte. Weil die Mutter nichts locker machen will und Ana auch bei Drogendealer-Freund Alex (JESÚS CABA) an der falschen Adresse ist bleibt ihr nichts anderes übrig fürs Vergnügen selbst arbeiten zu gehen. Sie bewirbt sich auf eine Stelle als Babysitterin bei einer älteren Dame, die Ana natürlich sofort kennenlernen will. Leider verbirgt sich hinter der freundlichen Fassade das skrupellose Böse, denn die vermeintlich gastfreundliche Diamantina (LUISE GAVASA) sucht für ihre zurückgebliebenen Tochter Elisa (ANA TURPIN) ein neues menschliches Püppchen. Schnell wird Ana mit Drogen gefügig gemacht und findet sich wenig später gefesselt im Kinderzimmer als lebendiges Spielzeug wieder. Leider ist es auch in PARA ELISA so, dass hier die Eltern für ihren Nachwuchs haften. Die ungezogene Tochter besitzt ein äußerst ungezügeltes Temperament und schubst die geliebte Mutter nach einer überraschenden Panikattacke ganz unfreiwillig in den Tod. Für die gefangene Ana eigentlich Grund zur Freude – wäre da nicht die behinderte Widersacherin, die nach dem Ableben des Vormunds in Rage gerät und mit einem Hammer alles niederschlägt, was nicht artig auf seinem Stuhl sitzen bleiben möchte.
 
Im Vergleich zu dem, was man sonst aus Spanien vorgesetzt bekommt ist der vorliegende PARA ELISA schon eine kleine Enttäuschung, was vor allem daran liegen mag, dass ein ziemlich laues Lüftchen durch die finsteren Räume des Schauplatzes weht. Die Bezeichnung Spielfilm trifft hier nur bedingt zu, denn im Grunde genommen hätte dieses Debüt besser als Kurzfilm funktioniert. In knapp 70 Minuten passiert nicht viel. Regisseurin JUANRA FERNÁNDEZ versucht fast schon zwanghaft die dünne Geschichte mit möglichen Wendungen zu füllen, damit der Zuschauer nicht bereits vor dem Abspann das Weite sucht, weil ihm das Gebotene einfach nicht unterhalten will. Von Terror ist hier nur selten etwas zu verzeichnen, Glaubwürdigkeit sucht man ebenfalls vergebens. Filmheldin Ana scheint trotz Studium nicht gerade die Hellste zu sein. Ständig purzelt sie über die eigenen Beine oder verhält sich vollkommen sinnbefreit, so dass ihr nahendes Schicksal wenig überraschend über den Bildschirm flimmert. Zudem passieren in PARA ELISA allerhand unerklärliche Dinge, deren Logik JUANRA FERNÁNDEZ beim Schreiben ihres Drehbuchs ganz unauffällig unter den Teppich gekehrt haben muss. So wird die egozentrische Alte in einer Affekthandlung von ihrer hysterischen Tochter zu Boden geworfen und verendet ganz unbemerkt auf dem Kinderzimmerteppich. Elisa, die sich auf dem geistigen Niveau einer Siebenjährigen befindet, schleift die tote Mutter nun in die Wohnstube, nimmt sich ein Beil und hackt ihr den Arm ab. Später versucht sie mit dem abgetrennten Körperteil Beethovens “Für Elise” auf dem Klavierflügel zu spielen, weil’s die Mutter zuvor auch immer getan hat. Dumme Momente gibt es in PARA ELISA jede Menge. So verwandelt sich das verwirte Gör in Nullkommanichts zur Folter- und Schlachtexpertin, als hätte es sein Lebtag nicht anderes gemacht. Ein Beil soll nötigen Respekt einjagen; beim Hammer hat sich JUANRA FERNÁNDEZ von MISERY (1990) inspirieren lassen. Immerhin stimmt die Technik. Das auf Old-School getrimmte Treiben hat viele stimmige Momente. So hinterlässt das beengende Heim mit all den Porzellanpuppen, altmodischen Tapeten und antiken Möbeln bereits beim ersten Betreten ziemlich gespenstiges Unbehagen. Aber auch die eher erdig gehaltene Farbtöne und bewusst schlecht ausgeleuchteten Flure der abgeriegelten Behausung lassen zeitweise den Gothic-Horror ins (Heim)Kino zurückkehren. Leider will im Falle von PARA ELISA die Kombination aus dünner Handlung und atmosphärischer Optik nicht so recht funktionieren. Da kann auch der makabre Schlussgag am Ende nichts mehr reißen. Absolut ärgerlich.
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Der vermutlich erste Gothic-Terrorfilm seiner Art. Leider bleibt das spanische Filmchen weit hinter den Erwartungen zurück, weil sich mit der hier gebotenen Geschichte kein Blumentopf gewinnen lässt. Was hat Regisseurin JUANRA FERNÁNDEZ nur geritten, als sie am Drehbuch zu PARA ELISA gepinselt hat? Die dünne Geschichte strotzt nur so vor Ungereimtheiten, Logiklücken und Vorhersehbarkeiten. Hinzukommt, dass beinahe jede Interaktionen an Glaubwürdigkeit missen lässt, weil normal denkende Menschen einfach partout nicht so handeln würden, wie das bei den Protagonisten in PARA ELISA der Fall ist. Was bleibt ist eine wirklich bedrückende Atmosphäre, die sich fast durch den ganzen Film zieht. Trotz anständiger Optik bleiben Spannung und Angstmacherei dennoch aus. Für einen Horrorfilm ist das fatal.
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Zensur

 
 
 
PARA ELISA oder FOR ELISA ist einer dieser Streifen, bei denen der Trailer mehr vorgaukelt, als im Film überhaupt gezeigt wird. Sonderlich brutal ist PARA ELISA nämlich nicht. Ein Arm wird abgehakt und Beine werden mit einem Hammer wie in MISERY zertrümmert. Das wird aber nur im Off gezeigt. Ansonsten hält sich der Film mit der Zurschaustellung von Gemeinheiten zurück. Wir gehen aber dennoch von einer KJ-Freigabe aus. Demnach dürfte PARA ELISA nur mit rotem FSK-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Misery (1990)
 
Mum & Dad (2008)
 
Haus der Vergessenen (1991)


Filmreview: “Warhouse – Kriegszustand” (2013)

Armistice-2013
 
 
 

WARHOUSE – KRIEGSZUSTAND

Story

 
 
 
AJ Budd (Joseph Morgan) erwacht in einem Haus aus dem es kein Entkommen gibt und muss gleichen Tag immer wieder aufs Neue erleben …
 
 
 


 
 
 

WARHOUSE – Kritik

 
 
 
Was ist eigentlich mit ARGENTO, CARPENTER & Co. passiert – jenen Schauer-Maestros, die den Zuschauer über Jahrzehnte mit spannendem Horrorfutter versorgt haben? In letzter Zeit haben die sich recht rar in der Filmlandschaft gemacht und überlassen stattdessen das Gruselhandwerk jungen Nachwuchsregisseuren, die mit überraschend sehenswerten Debütfilmen überzeugen können. Der legendäre EVIL DEAD aus der Mache eines gewissen SAM RAIMI hat den Briten LUKE MASSEY zum Horrorfilm gebracht. Das Multitalent war schon immer vom Filmemachen fasziniert und kam ganz nebenbei mit Gruselstreifen wie dem besagten TANZ DER TEUFEL, THE WICKER MAN und ROSEMARIES BABY in Kontakt. Eine folgenschwere Begegnung, haben doch die Kultwerke MASSEY derart geprägt, dass er schon immer von der Idee besessen war irgendwann selbst einen Horrorfilm zu drehen. Nach Mitarbeit an diversen Kurzfilmen setze er sich mit Co-Autor BENJAMIN READ an einen Tisch und kam auf die Idee, das Beste aus den Lieblingsfilmen GLADIATOR, CASTAWAY und UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER zu nehmen, um daraus etwas ganz Eigenes zu kreieren. WARHOUSE – KRIEGSZUSTAND nennt sich das Endresultat, das mit kleinen Budget umgesetzt wurde und die ungewöhnliche Geschichte von AJ Budd (JOSEPH MORGAN) erzählt, der eines Tages in einem ihm fremden Haus erwacht, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Türen sind verriegelt und Fenster lassen sich nicht öffnen. Während der Gefangene krampfhaft nach einem Ausweg sucht, schleicht eine groteske Gestalt durch die Flure, die scheinbar darauf trainiert wurde das Leben des Eingesperrten zu beenden. Rasch bohrt sich ein Messer in den Körper des Monsters und grünes Blut fließt aus der Wunde. Leider ist die Freude über den Sieg nur von kurzer Dauer, denn das Wesen wartet auch am nächsten Tag unversehrt in der Küche. Als wäre es ein Leichtes bringt AJ Budd auch diesmal die Kreatur zu Strecke, nur um am nächsten Tag abermals feststellen zu müssen, dass der Kämpf vermutlich nie ein Ende nehmen wird. Er beginnt im Keller zu graben und findet Aufzeichnungen eines gewissen Edward Sterling (MATT RYAN), der sich zuvor in ähnlich verzwickter Situation befand und den Kummer zu Papier gebracht hat. Große Hoffnungen liefern die Tagebücher jedoch nicht, schließlich schildert Sterling, dass ihm selbst der Freitod keine Lösung brachte. Wenn immer er sich selbst das Leben nahm, begann der ewig gleiche Ablauf am nächsten Morgen von neuem. So gehen die Jahre ins Land, bis AJ Budd zu einer folgendschweren Erkenntnis kommt.
 
ARMISTICE (so der OT – was soviel heißt wie Waffenstillstand) ist schon sehr außergewöhnliches Kino, das man vermutlich zweimal sehen muss, um es überhaupt verstehen zu können. Regisseur LUKE MASSEY lag die Thematik von Isolation, Einsamkeit und Verzweiflung am Herzen, die er hier mit ganz einfacher Machart umzusetzen verstand. Die wenigen Räume sind eng und spartanisch eingerichtet, die Monologe knapp und auf den Punkt gebracht. Zudem wird von einer überschaubaren Farbpalette Gebrauch gemacht, damit die Ausweglosigkeit und das kränkelnde Seelenheil des Filmhelden besser veranschaulicht werden kann. Der entwickelt sich im ewig gleichen Alltagstrott und ohne soziales Umfeld über die Jahre zu ähnlich primitiver Kreatur, gegen die er bisher jeden Morgen kämpfen musste. Natürlich finden die Qualen nach knapp 70 Minuten ein erlösendes Ende, wobei die Aussage des Films viel Interpretationsspielraum zulässt. Unüberhörbar bleibt jedoch MASSEYS Botschaft vom Leben, das mit einem kontinuierlichen Kampf gleichzusetzen ist, mit dem ein jeder von uns tagtäglich auf Neue konfrontiert wird. WARHOUSE dürfte mit Sicherheit nicht jedem Filmliebhaber schmecken, denn der Low-Budget-Indie ist ziemlich unkonventionell gestrickter Dramen-Mystery und hat mit Horror nur bedingt etwas am Hut. Zudem dürften sich die meisten Zuschauer am trägen Erzählrhythmus stoßen, der sich des Öfteren in einer stagnierenden Ereignislosigkeit verfängt. Wer jedoch das Außergewöhnliche sucht, das auch etwas Tiefgang besitzt, sollte sich WARHOUSE – KRIEGSZUSTAND auf jeden Fall vormerken, schließlich gehört WARHOUSE zu den besseren Filmen innerhalb des Phantastischen Films.
 
 
 


 
 
 

WARHOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WARHOUSE ist ein Ausnahmefilm, mit ernüchtender Botschaft und gutem Hauptdarsteller, dem es gelingt nahezu den gesamten Film allein zu tragen. Die Geschichte ist erfrischend unkonventionell gestrickt, beklemmend inszeniert und bleibt bis zum Ende so ziemlich unvorhersehbar. Dem Briten LUKE MASSEY ist mit dem 250 000 Pfund teuren Erstling ein durchweg sehenswertes Filmchen fernab des ideenlosen Mainstreams gelungen, dass Tiefgang besitzt und anderen Horrorschaffenden zeigt, dass man auch ohne Stereotypen und Klischees sehenswerte Film drehen kann – insofern man das überhaupt möchte.
 
 
 


 
 
 

WARHOUSE – Zensur

 
 
 
WARHOUSE oder ARMISTICE (so wie der Film im Original heißt) hat kaum böse Momente zu bieten. Die grausamen Momente bestehen aus dem Erdolchen der Kreaturen, denen grünes Blut aus den Wunden tropft. Für einen Horrorfilm ist das Gezeigte sehr harmlos anzuschauen. Trotzdem wurde die hiesige Heimkinofassung des Films in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben. Das liegt jedoch nicht am Hauptfilm, sondern am Bonusmaterial. WARHOUSE – KRIEGSZUSTAND ist bereits für 16-jährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

WARHOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
warhouse-kriegszustand-blu-ray

(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Armistice; Großbritannien 2013

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Film selbst: FSK16 – auf Grund von Bonusmaterial erhielt die Scheibe: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 27.06.2014

 
 
 

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WARHOUSE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Und taglich grüsst das Murmeltier (1993)
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)
 


Filmreview “Event 15″ (2013)

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EVENT 15

Story

 
 
 
Nach einem Kriegseinsatz im Nahen Osten befinden sich drei ehemalige Soldaten in psychologischer Behandlung, um Erlebtes besser verarbeiten zu können. Als sie in den Fahrstuhl eines medizinischen Zentrums der amerikanischen Armee einsteigen ahnen sie noch nicht, welch Unheil ihnen blühen wird. Der Lift bleibt stecken und die drei Ex-Soldaten geraten in Panik …
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Kritik

 
 
 
ACHTUNG: Kritik beinhaltet einige SPOILER!
 
 
 
Wenn drei Menschen in einen Fahrstuhl einsteigen und überraschend stecken bleiben passiert eigentlich oft das, was der Filmfan bereits aus Streifen wie ELEVATOR oder DEVIL kennt. Meist geraten die Fahrgäste in Panik, die Situation spitzt sich zu und die Steckengebliebenen wollen nur noch eines: raus. Ganz neu ist die Geschichte von EVENT 15 demnach nicht, denn auch hier folgt das Geschehen der gleichen Panikmacherei, die man bereits in ähnlichen Filmen gesehen hat. Damit der Thriller aber länger in Erinnerung bleibt streut Regisseur MATTHEW THOMPSON Gesellschaftskritik in die Handlung. So hat der Zuschauer nach Sichtung noch etwas Zündstoff um über Gesehenes diskutieren zu können. Das Posttraumatische Stress-Syndrom von Soldaten wird in EVENT 15 zum Thema gemacht. Für viele von denen beginnt die eigentlich Aufarbeitung des Erlebten erst dann, wenn sie nach dem Krieg nach Hause zurückkehrt sind und versuchen müssen, das bisher gewohnte Leben fortzuführen. Schenkt man den Studien glauben sterben mehr ehemalige Kriegsteilnehmer durch Selbstmord, als im aktiven Kriegsgeschehen, weil psychologische Unterstützung allein nicht mehr ausreicht, um die schrecklichen Kriegserlebnisse verarbeiten zu können. Ein schwerwiegendes Problem, dem bisher nur wenig Beachtung geschenkt wurde, das aber zunehmend an Brisanz gewinnt. Umso lobenswerter, dass sich MATTHEW TOMPSON der Problematik angenommen und darüber einen Film gedreht hat. Ob die Umsetzung in Form eines Psycho-Thrillers jedoch gut überlegt gewesen ist bleibt fraglich, denn sein EVENT 15 benutzt die heikle Traumathematik nur als Alibi-Funktion, um daraus einen reißerischen und teils auch abstrusen Psychotrip zu zaubern.
 
Die Geschichte von EVENT 15 handelt von den Soldaten White (JENNIFER MORRISON), Diego (STEPHAN RIDER) und Oldsman (JOSH STEWART), die soeben von einem Einsatz im Nahen Osten zurückgekehrt sind und dort Schlimmes erlebt haben. In einem medizinischen Zentrum der amerikanischen Armee sollen nun deren psychische Belastungsstörungen mit Pharmazeutika und Therapiesitzungen behandelt werden. Als wäre das für die drei nicht alles schon belastend genug, bleibt der Lift des Gebäudes stecken und die ehemaligen Rekruten erfahren aus der Gegensprechanlage, dass sich die Stadt soeben im Ausnahmezustand befindet. Washington D.C. wurde Ziel eines nuklearen Terroranschlags und elektrische Gerätschaften funktionieren nicht mehr. Als den drei Soldaten auch noch von einer Wolke mit radioaktivem Gas berichtet wird, die sich in rasender Geschwindigkeit dem Gebäude nähert, bricht unter den Steckengebliebenen Panik aus. Vor allem Oldsman bereitet Probleme. Der Einzelgänger stößt schnell an seine psychischen Grenzen. Die traumatischen Erfahrungen im Krieg haben ihn zu einer unaufhaltsamen Killermaschine werden lassen, die für die beiden anderen Gefangenen zur tödlichen Gefahr wird.
 
Auch wenn die ernstzunehmende Problematik vom Kriegstrauma bei Ex-Soldaten im Falle von EVENT 15 etwas sehr geschmacklos anmuten will, wurde der Streifen zumindest handwerklich durchaus souverän umgesetzt. Die Handlungspalette ist aufgrund des beschränkten Settings enorm eingeschränkt. Dennoch schafft es Macher MATTHEW TOMPSON ein ziemlich bedrückendes Gefühl zu entwickeln, das zusätzlich durch die Enge des Liftes und die bewusst in grau-braun gehaltene, sterile Optik verstärkt wird. Die anfängliche Panik schaukelt sich in Rage, wobei mit Soldat Oldsman auch noch ein höchst aggressiver Zeitgenosse ins Drehbuch gekritzelt wurde, der mit JOSH STEWART erschreckend beängstigend besetzt ist. Der verhält sich alles andere als normal, sorgt für Konflikte innerhalb der ohnehin schon verängstigten Gruppe und offenbart mehr als deutlich, dass ihn das Krieggeschehen nachhaltig geprägt hat. Für ihn hat sich Gewalt als Mittel zum Zweck entwickelt, um selbst einfach Konflikte schnell lösen zu können. Das bekommen die Übrigen am eigenen Leib zu spüren, denn schnell kommt ein Messer zum Einsatz, das die angespannte Situation eskalieren lässt. Leider ist die Auflösung des gesamten Treibens schon mehr als makaber und angesichts aktueller Geschehnisse als äußerst fragwürdig zu betiteln. Hinter dem Ganzen steckt das amerikanische Militär, das die traumatisierten Kriegsheimkehrer für ein Experiment missbraucht. Natürlich gibt es keinen Terroranschlag und auch die radioaktive Gaswolke wird durch harmlosen Qualm simuliert. Als die Situation außer Kontrolle gerät sollen die unfreiwilligen Probanten getötet werden. Dass Sympathieträgerin White am Ende überlebt und die Machenschaften der Enrichtung an die Öffentlichkeit bringen will überrascht da wenig, schließlich sucht man in EVENT 15 ganz oft nach Glaubwürdigkeit, die STEWART in seinem klaustrophobischen Suspense-Ding etwas arg vernachlässigt hat.
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Beklemmend klaustrophobisches Kammerspiel in der Machweise von DEVIL, CUBE und ELEVATOR. Die kontroverse Ausgangssituation von Posttraumatischem Stress bei Kriegsheimkehrern wird in EVENT 15 (der in Frankreich als TRAUMA und in den USA als ALPHA vermarktet wird) nur als Alibi-Funktion genutzt, um einen reißerischen Psycho-Thriller an den Filmfan zu bringen. Technisch ist das Ding ganz ordentlich umgesetzt und trotz teilweise unglaubhaften Handlungssträngen relativ kurzweilig geraten. Wem was an klaustrophobischen Trillern liegt wird hier ganz solide unterhalten. Fans stumpfer Gewalt kommen dagegen nicht auf ihre Kosten, denn EVENT 15 beschäftigt sich eher mit der Psyche seiner Protagonisten.
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Zensur

 
 
 
In EVENT 15 gibt es keine Gewalt zu sehen. Außer einen Messerangriff bekommt man hier nix brutales vor die Linse. Demnach kann mit großer Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass EVENT 15 hierzulande ungeschnitten mit FSK16 in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Elevator (2011)

Panic Button (2011)

 
ATM (2011)
 
Devil (2010)
 
Cube (1997)
 
Cube 2 (2002)
 


Filmreview: “Children of Sorrow” (2012)

Children-Of-Sorrow-2012
 
 
 

CHILDREN OF SORROW

Story

 
 
 
Zwölf Sektenmitglieder erleben die Hölle auf Erden. Sie geraten in die Fänge des psychopathischen Sekten-Gurus Simon Leach (Bill Oberst Jr.), der irgendwo in der mexikanischen Einöde ein Lager errichtet hat, wo er seine Trost suchenden Anhänger manipuliert und für eigene Zwecke missbraucht…
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Kritik

 
 
 
Wer sich in der Horrorszene etwas auskennt, dem dürfte AFTER DARK FILMS ein Begriff sein. Die Macher des Produktionshauses haben einst das legendäre AFTER DARK FILMFEST ins Leben gerufen und dort Horrorfans stets acht Gruselstreifen vorgeführt, die alljährlich unter dem Banner “8 Films to Die For” an den Horrorfan gebracht wurden. Seit 2011 zeigt und vermarktet AFTER DARK FILMS nicht mehr nur zuvor erworbene Filme. Mit der ins Leben gerufenen AFTER DARK ORIGINALS-Reihe beweisen die kreativen Köpfe hinter AFTER DARK FILMS, dass sie auch selbst gute Filme machen können und produzieren fleißig eigene Schauerwerke, um Fans der düsteren Unterhaltung mit abwechslungsreichem Horrorstoff versorgen zu können. Viel Gutes ist seither der Produktionsstätte entsprungen, das sogar auch den Weg zu FILMCHECKER gefunden hat. Nach sehenswerten Streifen wie dem mysteriösen Terrorfilm RITUAL oder dem düsteren DARK CIRCLES war es nur eine Frage der Zeit, bis der aktuellen ORIGINALS-Staffel auch ein Rohrkrepierer folgen sollte. CHILDREN OF SORROW heißt der Blödsinn, der von JOURDAN MCCLURE inszeniert wurde und nicht einmal ansatzweise das anständige Niveau der genannten AFTER DARK-Filme erreicht. Dass MCCLURE eigentlich was kann, konnte er bereits mit ROGUE RIVER (wir berichteten) zeigen. Der wurde hier in Deutschland ums Gröbste erleichtert und hat es nur geschnitten in den Handel geschafft. Auch wenn MCCLURES erster Horrorfilm mit Sicherheit kein kultverdächtiges Genrekino gewesen ist, konnte es aber durch solide Spannung und grafischen Gemeinheiten überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes gemein ist hingegen das, was er uns mit seinem neusten Nonsens unterzujubeln versucht.
 
CHILDREN OF SORROW ist natürlich kein weiteres, überflüssiges Sequel aus der beliebten KINDER DES ZORNS-Serie, die nunmehr mit neun Filmen zu fragwürdiger Bekanntheit gekommen ist. Regisseur JOURDAN MCCLURE und Drehbuchautor RYAN FINNERTY haben hier was Eigenes zu Papier gebracht, was der Thematik von den zornigen Kindern jedoch nicht unähnlich ist. Es geht um Ellen (HANNAH LEVIEN), die endlich wissen will, was mit ihrer Schwester passiert ist. Die hatte so einige Problemchen im Leben, setzte sich nach Mexiko ab und wurde nie wieder gesehen. Nach einigen Recherchen findet Ellen heraus, dass sich die Schwester einer ominösen Sekte angeschlossen hat, die im Internet fleißig die Werbetrommel rührt, um labile Persönlichkeiten für ein besseren Leben in der “Gemeinschaft” zu gewinnen. Natürlich schließt sich die Suchende der Sekte an und hofft dort einige Informationen über den Verbleibt des verschollenen Familienmitglieds zu erhalten. Dennoch kommt alles anders als erwartet. Sektenguru Simon Leach (BILL OBERST JR.) ist nämlich ein ganz durchtriebener Spinner. Der wäscht seinen “Brüdern” und “Schwestern” gleich mal die Gehirne und missbraucht deren Vertrauen für eigene Zwecke. Da CHILDREN OF SORROW im Horrormilieu angesiedelt ist dürfte klar sein, dass seine Machtspielchen nicht unblutig zelebriert werden. Die Mitglieder werden gedemütigt, gegeneinander aufgehetzt, zersägt, angebohrt und püriert, wobei Leach alles fein sauber auf Filmmaterial festhält, um gutes Werbematerial für seine Sekte ins Netz stellen zu können. Das ist am Ende auch bitter nötig, schließlich braucht der Fanatiker nach seinem unkontrollierten Blutrausch neue Anhänger, die seinen Botschaften Glauben schenken sollen.
 
Immer dann wenn man glaubt, dass bestimmte Filmmethoden in Vergessenheit geraten sind, kommt eine immer wieder zurück: Found Footage. CHILDREN OF SORROW ist der gefühlt 3000ste Film dieser Art, der sich der Wackelcam-Methode bedient, um möglichst authentisch zu wirken. Nun gut, CHILDREN OF SORROW kommt mit reichlicher Verspätung in die Wohnzimmer. Der Streifen wurde bereits 2012 fertiggestellt und sollte eigentlich zu einer Zeit in die Kinos gebracht werden, als sich Found Footage wie eine Plage durch die Filmwelt gefressen hat. Leider gehört CHILDREN OF SORROW zu den eher schlechten Vertretern innerhalb des Wackelkamera-Genres, was vermutlich auch die verspätete Veröffentlichung begründet, schließlich ist es in der Kinoszene nicht selten der Fall, dass Starttermine von Horrorstreifen auf unbestimmt Zeit verschoben werden, wenn Filme vermasselt wurden. Das Problem in MCCLURES Machwerk liegt darin, dass es zwar pseudo-dokumentarisch umgesetzt wurde und eine gewisse Authentizität vorheucheln will, aber zu keiner Zeit glaubhaft ist. Hierbei will der übertrieben gewalttätige zweite Teil der Handlung leider nicht zum Rest des Filmes passen, zumal BILL OBERST JR. in der Rolle des Sektenführers Simon Leach vollkommen deplatziert wirkt. Der ist mit seinem vernarbten Gesicht und der künstlichen Art weder vertrauenerweckend, noch charismatisch, so dass am Ende nicht einleuchten will, warum die zwölf Mitglieder seinen Botschaften noch folgen und ihn nicht mit vereinten Kräften versuchen zur Strecken zu bringen.
 
CHILDREN OF SORROW folgt dem befremdlichen Alltag von Andersdenkenden. Jedes der Mitglieder hat so seine Probleme mit dem Selbstwertgefühl, was Sektenleiter Leach anfänglich mit allerhand schwachsinnigen Spielen zu steigern versucht. Die Anhänger halten Händchen, fangen sich gegenseitig auf, kritzeln aufbauendes Süßholzgeraspel auf Papier und bekunden ihre innige Liebe zueinander. Dabei wird das behäbige Geschehen in verwackelte Bilder getaucht, die dem Zuschauer relativ schnell Kopfschmerzen bescheren werden. Saubere Schnitte oder gar eine musikalische Untermalung gibt es nicht, dafür dutzende Interviews am Stück, in denen die Mitglieder ihre Schicksale und Fortschritte schildern. Was den Anhängern ziemlich förderlich für das eigene Ego ist, entwickelt sich jedoch für den Zuschauer zur schläfrigen Angelegenheit, denn eigentlich will (mal abgesehen vom Ende) in CHILDREN OF SORROW nichts Ereignisreiches passieren. Immerhin gibt es nach einer Stunde zuckersüßem Gutmenschgequassel eine Wendung, damit zumindest die Horrorfraktionen mit reichlich derbem Quatsch zufriedengestellt werden kann. Regisseur und Mitdrehbuchschreiber JOURDAN MCCLURE legt den Filmhebel um und aus dem vermeintlich gutherzigen Sektenoberhaupt Leach wird eine gerissene Mörderbestie, die sich an den gefügig gemachten männlichen Mitgliedern sexuell vergeht und zur Abschreckung mordet. Diejenigen, die die Botschaften des Führers hinterfragen und flüchten wollen, werden mit dem Schrottgewehr mundtot gemacht. Der Rest durchlebt die Hölle auf Erde, wobei Erlösung nur der Tod bringen kann. Trotz guter Ansätze bleibt am Ende Unverständnis, was MCCLURE eigentlich mit seinem Found Footage-Terrorflick bezwecken wollte. Wurde sein Zweitwerk nur aus Gründen der Zweckhaftigkeit gedreht, um die niederen Instinkte der Horrorfans befriedigen zu können oder wollte der Filmmacher mit seinem CHILDREN OF SORROW eine kritische Botschaft über Sektenunwesen an den Zuschauer bringen. Fakt ist, dass der aktuelle AFTER DARK ORIGINALS-Beitrag ganz schön einfältiger Quatsch mit Soße und über weite Strecken sogar auch noch ziemlich langweilig ist. Zudem kommt der Fan für grobe Gewaltspitzen nur bedingt auf seine Kosten, denn die grafischen Raffinessen werden meist nur angedeutet und im Off gefeiert. Ausnahme-Regisseur TI WEST (THE INNKEEPERS) hat mit THE SACRAMENT übrigens einen ähnlichen Streifen gedreht. Wer die Qual der Wahl hat sollte sich auf jeden Fall für dessen Beitrag entscheiden, denn CHILDREN OF SORROW kann leider gar nix, außer auf den Nerv gehen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierender Filmalbtraum mit Einschlafgarantie. CHILDREN OF SORROW ist weiteres Material aus der AFTER DARK Filmschmiede, das leider etwas aus der Reihe tanzt. Im Vergleich zu den letzten AFTER DARK ORIGINALS-Beiträgen ist CHILDREN OF SORROW eine einzige Enttäuschung. Dem Filmfan erwartet viel Langeweile, kaum Spannung und ne Menge unglaubwürdig agierende Protagonisten, deren Handlungen zu keiner Zeit nachvollziehbar sind. Dafür gibt’s viel planloses Kameragewackel und gratis Kopfschmerzen, die bei Found Footage-Filmen eigentlich immer inklusive sind. Wer keine Kopfschmerzmedikamente im Haus hat, sollte sich einen Gefallen tun und CHILDREN OF SORROW meiden. Der mutige Rest wird aber kann schnell merken, dass Wackelkamera-Filme allmählich aus der Mode kommen, weil man die ewig gleichen Mechanismen einfach nicht mehr sehen kann und möchte.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Zensur

 
 
 
Es dauert eine Weile bis der Zuschauer in CHILDREN OF SORROW Gewalt zu sehen bekommt. Die wird meist aber nur angedeutet oder unter hektischem Kameragewackel gezeigt, so dass man kaum erkennen kann, was da auf der Mattscheibe passiert. Es werden tote Körper in einem Fass in kleine Stücke zerteilt, Köpfe angebohrt und Konservendeckel zweckentfremdet. Hört sich alles grausamer an als es ist, reicht aber immerhin für eine ungeschnittene FSK18. CHILDREN OF SORROW wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit rotem KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der letzte Exorzismus: The Next Chapter (2013)
 
Red State (2011)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
The Sacrament (2014)
 


Filmreview: “Montana Sacra – Der heilige Berg” (1973)

montana-sacra-der-heilige-berg-1973
 
 
 

MONTANA SACRA – DER HEILIGE BERG

Story

 
 
 
Als ein Dieb einen hohen Turm erklimmt, trifft er dort in einem riesigen Regenbogenzimmer auf den Alchemisten. Dieser ist im Begriff eine Gruppe von Leuten um sich zu versammeln, um sich auf die Reise zum „heiligen Berg“ zu machen damit sie dort zu Göttern werden …
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Kritik

 
 
 
Alejandro Jodorowsky ist einer der obskursten Filmemacher aller Zeiten. Sein Leben und sein künstlerisches Schaffen lassen sich nur schwer in Worte fassen, denn es gibt kaum etwas, das dieser Mann nicht gemacht hat, und es gibt kaum eine größere Persönlichkeit, die Jodorowsky nicht kennengelernt hat. Er ist Schriftsteller, Dichter, Musiker, arbeitete an mehreren Comics, inszenierte Theaterstücke und ist Regisseur von Filmen, bei denen man sich heute kaum vorstellen kann, dass es Leute gab, die diese Werke finanziell unterstützt haben. Es sind Filme, welche sich nicht nur abseits des Mainstreams bewegen oder als Sparten-Kino bezeichnet werden können, nein, Jodorowsky erschuf mit seinen Arbeiten eine ganz neue Spezies von Filmen. Im höchsten Maße surrealistisch, ist es nur schwer zu fassen, was Jodorowsky einem wirklich erzählen möchte. Seine Hauptcharaktere sind meist Außenseiter und die Welt, in der sie leben, ein verrücktes Labyrinth. Seine Filme gleichen traumartigen Reisen und die Geschichten sind geprägt durch Jodorowskys spirituelles Wesen und wohl nicht zuletzt durch seinen Konsum von Drogen. Seine absolutes Meistwerkwerk des Außergewöhnlichen stellt wohl DER HEILIGE BERG (The Holy Mountain, 1973) dar, welcher hier in Deutschland auch unter dem Titel MONTANA SACRA bekannt ist.
 
Nach dem Erfolg seines Vorgängerfilmes EL TOPO (1970) war Alejandro Jodorowsky ein Name des Underground-Kinos. Nach dem „Summer of Love“ erreichte die Hippie-Bewegung in den USA 1969 mit dem damaligen Woodstock Festival ihren Höhepunkt. Die Beatles trafen mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band den Zeitgeist, wie kaum eine andere Band. Pink Floyd feierten ihre ersten großen Erfolge und Filme wie Roger Cormans THE TRIP (1967), Stanley Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) oder Dennis Hoppers EASY RIDER (1969) waren Kino-Hits. Jodorowskys EL TOPO kam also zu einem Zeitpunkt in die Kinos, als die Hippie-Bewegung schon begann abzuklingen. Dennoch fand der Streifen großen Zuspruch, u.a. vom Beatles-Mitglied John Lennon. Dieser konnte seinen damaligen Manager Allen Klein davon überzeugen Jodorowskys nächsten Film, DER HEILIGE BERG, finanziell zu unterstützen. Dieser Deal sollte Alejandro Jodorowsky später zum Verhängnis werden, da er und Klein in einen Streit um zukünftige Projekte gerieten. Jodorowsky hatte fortan keine Kontrolle mehr über seine Filme EL TOPO und DER HEILIGE BERG. Letzterer sollte jedoch auch deswegen in die Filmgeschichte eingehen, da Jodorowsky von den 1,5 Millionen Dollar Produktionsbudget gerade einmal die Hälfte verbrauchte und die andere Hälfte zurückgab.
 
 

„Most directors make films with their eyes. I make films with my balls.“
ALEJANDRO JODOROWSKY

 
 
Nicht nur DER HEILIGE BERG selbst, auch dessen Entstehungsgeschichte ist spektakulär. So verbrachte Alejandro Jodorowsky mehrere Tage vor Drehstart ohne Schlaf unter der Aufsicht eines Zen Meisters, schrieb das Drehbuch unter Einfluss von LSD und lebte mehrere Wochen lang mit der Crew des Filmes in einer Art Kommune, wo die Schauspieler, ebenfalls unter Einfluss von Drogen, spirituelle Erfahrungen machen sollten. Und wie genau kann man DER HEILIGEN BERG nun in Worte fassen? Es ist sehr schwer. Wie schon der Trailer verkündet, steht der Film außerhalb jeglicher Kritik. Ihn als eine „traumartige Reise“ oder einen „Trip“ zu bezeichnen ist noch nett gemeint. DER HEILIGE BERG ist unkonventionell und mutig. Einige Dinge die dieser Film zeigt, könnte man heute nicht mehr drehen. Auch wie der Film mit einigen anderen Dingen umgeht, wäre heutzutage undenkbar.
 
Der Film beginnt in einem Raum, verziert mit einem weißem Mosaik mit schwarzem Muster. Zwei Frauen gekleidet wie Marilyn Monroe und Bette Davis knien auf dem Boden. Hinter ihnen steht ein Mann (Alejandro Jodorowsky als der Alchemist), der einen tiefschwarzen Mantel und einen schwarzen großen Hut trägt. Er beginnt den Frauen die Haare kurz zu schneiden, um ihnen schließlich die Köpfe kahl zu rasieren. Danach folgt der psychedelische Vorspann, geprägt von außerordentlich schönen, aber verwirrenden Bildern, die Muster und Schmuck in allerlei Formen und Farben zeigen. Anschließend sehen wir eine Horde nackter kleiner Jungen, deren Genitalien grün angemalt sind, wie sie einen Mann, der Jesus ähnlich an einem Pfahl festgebunden ist, mit Steinen bewerfen. Dieser weiß sich schließlich zu befreien und verjagt die Horde Kinder, nur um anschließend mit einem Kleinwüchsigen, dessen Arme und Beine amputiert sind, etwas zu rauchen. Wer sich hier denkt, dass die Spitze des Eisberges an Absurdität schon erklommen ist, der irrt. Der Film weiß sich kurz darauf noch einmal zu überbieten. Und dann noch mal, und dann noch mal, und dann noch mal. Es wird nie wirklich klar, was Alejandro Jodorowsky von einem will. Ob er nur ein Thema behandelt oder mehrere. Es gibt in DER HEILIGE BERG immer wieder Elemente die, man als Satire und Gesellschaftskritik auffassen kann. So arbeiten mehrere Begleiter des Diebes und des Alchemisten für die Regierung oder es sind Leute der Oberschicht, von denen die meisten in ihren großen Industrien allerlei absurdes Zeug herstellen, das Leute bei der Stangen halten und sie manipulieren soll.
 
Zugegeben, die erste Hälfte des Filmes fällt wesentlich spektakulärer aus als die zweite. Wie auch schon EL TOPO, so ist DER HEILIGE BERG in zwei zusammenhängende Teile gegliedert, welche sich vom Ton her jedoch stärker voneinander unterscheiden. So ist die erste Hälfte eher ein hochstilisierter Gang durch ein buntes und explosives Labyrinth, in welchem episodenhaft die verschiedenen Charaktere vorgestellt werden. Die zweite Hälfte ist immer noch voll von einigen sehr verrückten Dingen, aber im Vergleich zur ersten wirkt sie etwas gediegener und naturalistischer. Sie beschreibt die Reise zum heiligen Berg.
 
 

„One does not go to the theater to escape from himself, but to reestablish contact with the mystery that we all are.“
ALEJANDRO JODOROWSKY

 
 
Ein kleines Manko des Filmes ist jedoch sein Ende, wobei man hier anmerken sollte, dass diese Meinung rein subjektiv ist. Von einem künstlerischen Standpunkt aus betrachtet, hat der Schluss durchaus seine Berechtigung. Jodorowsky hatte damit etwas zu sagen und es hätte wahrscheinlich kaum eine andere Möglichkeit gegeben, sich adäquat aus diesem Meer des Wahnsinns zu retten. Jedoch ist das Ende in höchstem Maße desillusionierend und weckt den Zuschauer aus einem scheinbar nicht enden wollenden halluzinogenen Alptraum auf. Man hätte gerne noch 5 Minuten, vielleicht auch eine Stunde länger schlafen wollen…
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Alejandro Jodorowskys DER HEILIGE BERG ist ein Meisterwerk des Wahnsinns. Ein bunte und surreale Explosion von Bildern, von denen man nicht eine Sekunde lang seine Augen lassen sollte. Doch wie ist dieser Film zu bewerten? Eigentlich gar nicht. Jodorowskys halluzinogenes Werk kann man nicht wie einen gewöhnlichen Film bewerten. Im Grunde müsste man die Wertung für diesen Film auf „nicht gesehen haben“ oder „gesehen haben“ beschränken statt in Zahlen. Hat man ihn nicht gesehen wird man niemals eine solche Filmerfahrung machen wie bei diesem Streifen. Hat man ihn gesehen, erlebt man etwas wirklich Besonderes und lässt sich von Alejandro Jodorowsky auf einen außerordentlichen Trip mitnehmen. Wenn man den Film aber in Zahlen für das bewerten soll was er ist, so gibt es eigentlich keinen Grund ihm nicht die volle Punktzahl zu geben.
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Zensur

 
 
 
DER HEILIGE BERG startete unter dem Titel MONTANA SACRA am 21.08.1974 in einer wahrscheinlich ungeschnittenen Fassung in den deutschen Kinos. 2006 wurde der Film einmalig wiederaufgeführt und 2008 auf Arte gezeigt. Auch hier ist nicht zu hundert Prozent sicher, ob die gezeigten Fassungen unzensiert waren. Die aktuell erhältliche Filmfassung von BILDSTÖRUNG ist zumindest komplett. Der Film trägt das FSK 18-Siegel.
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
alejandro jodorowsky blu-ray collection bildstoerung

(c) Bildstörung

 
 
 
Am 28. Februar 2014 veröffentlichte das unter Sammlern hoch angesehen Label Bildstörung in Zusammenarbeit mit dem Filmverleih Drop-Out Cinema seine Box „Die Filme von Alejandro Jodorowsky“ als separate DVD- und als Blu-ray-Version. Diese Box ist fantastisch und jedem der das abseitige Kino liebt wärmstens zu empfehlen! Enthalten sind Jodorowskys erster Spielfilm FANDO UND LIS (1968), EL TOPO (1970) und natürlich DER HEILIGE BERG (1973). Die Box ist nicht nur äußerst schön gestaltet, sie enthält auch ca. 8 Stunden Bonusmaterial sowie die Soundtracks von EL TOPO und DER HEILIGE BERG. Die Bild- und Ton-Qualität sind bei allen drei Filmen absolut Spitze. So toll haben Jodorowskys erste drei Spielfilme noch nie ausgesehen.
 
 
 

TECHNISCHE DATEN

DIE FILME VON ALEJANDRO JODOROWSKY Blu-ray Box
 
Originaltitel: El Topo – Mexico (1970) / The Holy Mountain – Mexiko, USA (1973)

Genre: Der Heilige Berg: Drama, Fantasy, Science Fiction / El Topo: Western

Ton: El Topo: Deutsch – LPCM Mono, Spanisch – DTS-HD 5.1 & LPCM Stereo / Der heilige Berg: Deutsch – LPCM Mono, Englisch – DTS-HD 5.1 & LPCM Stereo

Untertitel: Deutsch

Bild: El Topo: 1,33:1 (1080/24p) / Der heilige Berg: 2,35:1 (1080/24p)

Laufzeit: El Topo: 125 Min., Der heilige Berg: 113 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Schuber mit mehreren Digipacks

Extras: EXKLUSIVE BONUSFEATURES: Alejandro Jodorowskys Debütfilm FANDO UND LIS (1968, 93 Min.), 2 CDs mit den Originalsoundtracks zu EL TOPO und DER HEILIGE BERG, BONUSFEATURES: 3 Audiokommentare von Alejandro Jodorowsky zu seinen drei Spielfilmen, Jodorowskys wiederentdeckter Kurzfilm DIE KRAWATTE (1957, 21 Min.), Dokumentarfilm DIE KONSTELLATION JODOROWSKY (1994, 86 Min.), Entfallene Szenen zu DER HEILIGE BERG, Alejandro Jodorowsky über Tarot (7 Min.), Alejandro Jodorowsky über EL TOPO (5 Min.), Alejandro Jodorowsky trifft Nicolas Winding Refn [DRIVE, ONLY GOD FORGIVES] (20 Min.), Alejandro Jodorowsky auf dem Filmfest München 2013 (20 Min.), US-Trailer, Bildergalerien, 2 Booklets mit einem langen Interview mit Alejandro Jodorowsky von 1970, der Indizierungsbegründung zu EL TOPO und einem Essay von Claus Löser (alle Features mit deutschen UTs)

Release-Termin: 28.02.2014

 
 

JODOROWSKY Collection (2 Blu-rays, 2 DVDs, 2 CDs) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 

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DER HEILIGE BERG – Trailer

 
 

 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnche Filme:
 
El Topo (1973)
 
Santa Sangre (1989)
 


Filmreview: “Home Invasion” (2012)

home invasion 2012
 
 
 

HOME INVASION

Story

 
 
 
Nicole hat kein leichtes Los gezogen. Erst bricht man bei ihr ein, danach läuft in ihrem Leben alles drunter und drüber. Ganz unbegründet sind die privaten Tiefschläge nicht, werden sie doch von der schönen Jade inszeniert, die sich für den Mord an ihren Einbrecherfreund rächen will, den Adoptivmutter Nicole in Notwehr erschossen hat …
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder erstaunlich zu welch hirnrissigen Aktionen Menschen in Horrorfilmen fähig sind, wenn sie sich unter fadenscheinigen Gründen in rachsüchtige Psychopathen verwandeln “müssen”. Bei Jade (HAYLIE DUFF) zum Beispiel brennen die Sicherungen durch, weil ihr Lover schlicht und einfach zu blöd zum Einbrechen war. Der lauert gemeinsam mit seinem Kumpel der ahnungslose Nicole (LISA SHERIDAN) auf, die von den zwei Gaunern in den heimischen vier Wänden überfallen wird. Kohle ist dem Kleinkriminellen Will (TAYMOUR GHAZI) zu wenig, so dass er gleich erstmal am Opfer herumfingern muss. Das findet im Geldtresor eine Waffe, drückt den Auslöser und schießt wild um sich. Leider hat sie dabei ausgerechnet den grabschenden Langfinger erwischt, der eine neunmalkluge Groupie-Freundin trauernd zurücklässt. Die ist selbstverständlich unglaublich sauer über den schmerzlichen Verlust und schwört grausige Rache, weil sie scheinbar sonst nichts anderes in ihrem Leben zu tun hat. Leider ist Jade aber nicht gerade die hellste Kerze auf dem Kuchen, denn ihr hundsgemeines Rachespiel führt nur selten zum Erfolg. Mit unbeholfenen Intrigen will sie der sympathischen Nicole das Leben vermiesen, schleicht sich in ihr Leben und stiftet lächerliches Chaos.
 
Ja, wir sind hier im TV, denn bei diesem Film handelt es sich um hastig heruntergekurbeltes Fernsehmaterial ohne Nachdruck und Tiefgang. HOME INVASION nennt sich das Trauerstück, dass mit vielversprechendem Titel lockt und gar reißerische Horrorfilme Revue passieren lässt, die in jüngster Vergangenheit dank der titelgebenden Problematik zu Ruhm gekommen sind. Doch von kontroversen Machwerken wie KIDNAPPED, FUNNY GAMES oder IN THEIR SKIN ist das vorliegenden Fernsehsüppchen weit entfernt. Unbequemes Terrorkino und kaltschnäuzige Brutalitäten sucht man hier vergebens. Verwunderlich ist das natürlich nicht, will man ja schließlich kleine Grünschnäbel nicht um den wohlverdienten Schlaf bringen, die da zusammen mit den Eltern neugierig im TV-Vorabendprogramm durch die Kanäle zappen und bei HOME INVASION hängen geblieben sind. Für eingefleischte Horrorfans ist HOME INVASION mit Sicherheit eine Lachnummer. Gewalt ist fast nicht vorhanden, der Unterhaltungsfaktor gleich null und wirklich böse will der Film mit der irreführenden Titelkreation auch nicht werden. So reicht es letztendlich aus, wenn man sich den taktisch unklug geschnittenen Trailer anschaut, der praktisch den gesamten Film in knapp zwei Minuten zusammenfasst. Auch wenn man die Trailermacher für eine derartige Dummheit bestrafen müsste, hat das Werbefilmchen auch etwas Gutes, schließlich spart man sich so kostbare Lebenszeit, die man in die Sichtung weitaus wichtigerer Horrorfilme investieren kann.
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Ermüdender Psycho-Thriller, der aufgrund fehlender Gewaltmomente und null Suspense im Kinderkanal vermutlich besser aufgehoben wäre. Es ist unverschämt mit welch irreführenden Titeln Filmemacher die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewinnen wollen. HOME INVASION ist ein unspektakulärer TV-Event, der sich dem Stalker-Subgenre bedient und eigentlich kaum Daseinsberechtigung besitzt. Mit Home-Invasion-Horrorfilmen hat dieser Streifen rein gar nichts am Hut und dürfte vermutlich nicht einmal Kindern ein müdes Lächeln entlocken können.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Zensur

 
 
 
Die Mogelpackung HOME INVASION dürfte, insofern sie in Deutschland einen Rechteinhaber finden sollte, problemlos ab 16 Jahren freigegeben werden, denn Gewalt ist in diesem Film kaum vorhanden.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
In their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 


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