Filmreview: “Truth or Dare” (2011)
Der unscheinbare und introvertierte Felix hat es nicht leicht. Nicht nur, dass er von Allen ignoriert, verspottet und missachtet wird, auch Freunde hat auch keine.
Auf einer Abschlussfeierlichkeit soll sein Leben eine gänzlich andere Kerbe einschlagen, denn nebst Alkohol, Drogen und lauter Musik brodelt die Stimmung als eine der Partygäste vorschlägt das Partygame „Wahrheit oder Pflicht“ zu spielen.
Zu allem Unglück wird auch Felix zu dieser Party geladen und kommt auch gleich in den Genuss sich für „Wahrheit“ zu entscheiden. Als er demnach allen Anwesenden unter tobenden Gelächter offenbart, sich in die allseits beliebte und hübsche Gemma (Florence Hall) verliebt zu haben, gerät das Feiergeschehen außer Kontrolle.
Einige Monate später werden einige Gäste der Abschlussfeier überraschenderweise in ein Haus im Wald geladen, indem der schüchterne Felix eine ebenso trinkfreudige Geburtstagsfeier veranstalten möchte.
Kaum dort angekommen vermissen die Gäste jedoch den eigentlich Gastgeber vor Ort und machen unweigerlich Bekanntschaft mit dem smarten Bruder des einst Gepeinigten. Doch die vermeintlich heitere Stimmung ist schnell verflogen, denn Felix´s Bruder Justin (David Oakes – „Die Borgias“ – „Die Säulen der Erde“) scheint leider rein gar nicht in Feierlaune zu sein. Kaum die Tür der Hütte verschlossen, zückt Justin seine Waffe und richtet sie auf einen der Gäste. Für die vollkommen überraschten Anwesenden beginnt ein Kampf um Leben und Tod.
Ob nun „Prom Night“, „Patricks Höllentrip“, oder „Stephen King´s Carrie“, Filme in denen verletzte Seelen ihren, meist jugendlichen Peinigern, die Leviten lesen sind bereits fester Bestandteil in der Welt des Horrorkinos geworden und finden seit jeher wachsenden Zuspruch bei Filmfans weltweit. Leider bekleckert sich der Großteil derartiger Produktionen oftmals nicht gerade mit Ruhm, denn hier wird vordergründig die immerzu gleiche Geschichte abgespult, die uninspiriert nach bekannten Schema „F“ meist einzig darin Schauwert findet, die handvoll hirnloser Protagonisten möglichst kreativ um die Ecke zu meucheln.
Auch die aktuelle, recht hübsch aufpolierte Produktion „Truth or Dare“ macht da keine Ausnahme und erfindet das Rad nicht neu. Hier werden alle Register klischeebeladenen 80er Jahre „Rache“-Kinos gezogen und doch macht dieser kleine Horrorthriller eigentlich alles richtig.
Das mag wohl möglich daran liegen, dass Regisseur „Robert Heath“ ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner trinkfesten Protagonisten bewiesen hat, die gänzlichen entgegen jedes Slasher-Klischee endlich mal nicht unerträglich nerven. Dem Film kommt das unweigerlich zu Gute, denn die weniger Charaktere sind recht zugänglich und sympathisch skizziert, dass einem als Zuschauer deren Ableben durch Mark und Bein jagt. Um nicht allzu sehr im typischen 80er Jahre-Slasher-Flick-Flack zu versinken hat sich Regisseur Robert Heath dazu entschieden dem allseits bekannten „Highschool-Rache-Slasher“ neue Impulse zu verleihen, denn „foltererprobte“ Filmfans von Heute dürften sich schnell mit belanglos-seichter 80s Retro-Slasher-Ware (am Rande: die Hütte, in der das Geschehen spielt erinnert geradezu an die aus dem „Tanz der Teufel“-Universum) unterfordert fühlen.
Demnach hat er seinen aktuellen Beitrag „Truth or Dare“ an die aktuelle Sehgewohnheiten angepasst, und „überrascht“ mit ausgetüftelter „Saw“-Tortur-Folterei, die aber dennoch immer im überschaubaren und vor allem erträglichen Rahmen zu überzeugen weiß.
Die wenigen geladenen Gäste werden „spielerisch“ und auf recht kompromissloser Weise gezwungen die Geschehnisse von einst zu rekonstruieren. Wer dem nicht folge leisten möchte, hat die Wahl zwischen dem eigenen Freitod, oder dem einer seiner Freunde. Dass natürlich keiner der Geladenen freiwillig über den Jordan springen möchte und sich für den Tod eines anderen entscheidet dürfte ebenso auf der Hand liegen, wie diverse andere vorhersehbare Momente, von denen es im Film jede Menge gibt. Trotzdem, der Film bleibt kurzweilig bis zum Schluss und hält den Filmfreund gehörig auf Trapp, ersichtliche Filmlängen sind hier Mangelware. Ein frischer, kleiner und cooler Film, der neben einer sauberen Präsentation, mit einer überaus sexy agierenden Film-Vamp Jennie Jacques („Cherry Tree Lane“) punkten kann und mit Sicherheit für einige feuchte Träume der vorwiegend männlichen Zuschauerschar sorgen dürfte.
Mit „Truth or Dare“ hat es Genre-Neuling „Robert Heath“ geschafft einen kleinen 80er Jahre Retro-Horrorbeitrag zu kreieren, der zwar an heutige Seegewohnheiten angepasst wurde, überraschenderweise trotz diverser Genre-Klischees überaus Spaß macht und schnörkellos ohne auffällige Längen zu überzeugen weiß. Sein recht hübsch gefilmtes Kammerspiel punktet mit „Saw“-resken Tortour-Terror, der die handvoll Protagonisten um ihr Überleben spielen lässt. Damit auch blutgierige Gore-Hounds auf ihre Kosten kommen gibt es 2-3 nette Splattereffekte, die aber dennoch immer im überschaubaren Rahmen bleiben und kein Splatterfest der Sonderklasse zelebrieren. Wer auf ordentlich frivoles Teeniefutter steht, und mit allseits bekannten und recht ausgelutschten Genre-Klischees leben kann, dem dürfte „Truth or Dare“ auf jeden Fall munden.
Fazit: 6,5/10 Punkte
08/15-Kost, die aber trotzdem Spaß macht. Nostalgischer 80er Jahre Retro-Slasher meets Folter-Tortur-Porn. Klingt komisch, harmoniert aber bestens. Als Horrorfilmfreund darf man gern mal einen Blick riskieren!
FSK-Prognose: ungeschnitten mit „Keine Jugendfreigabe“
Deutschland-Start: steht noch aus
Hellraiser80
Filmreview: “The Sleeper” (2011)
Die Alpha Gamma Theta Studentenvereinigung feiert die Aufnahme zwei neuer Mitglieder. Dumm nur, dass ein recht kranker Psychopath die Feierlichkeit mit seinen nervigen Telefonterror stört und eine Studentin, nach der nächsten lustlos um die Ecke meuchelt.
Was es nicht alles so gibt.
Ich bin immer wieder erstaunt mit welch eifrigen Enthusiasmus sich selbsternannte Filmfans und talentfreie Möchtegern-Regisseure an die Umsetzung von scheinbar eigens niedergekritzelten Drehbüchern wagen. Waren Amateurfilme, noch vor einigen Jahren leicht als selbige zu erkennen, ist die Technik heute schon sogar soweit vorangeschritten, dass selbst absolute Filmlaien mit ordentlichem HD Film-Equipment und grundlegenden Editierungskenntnissen zumindest optisch halbwegs hochwertige Filme basteln können. Kein Wunder, dass derzeit der Heimkinomarkt regelrecht von überaus minderwertigen Produktionen überflutet wird.
„The Sleeper“ scheint wohlmöglich auch derart „Fan-Ding“ zu sein. Und ganz ehrlich, ich hab mir diesen Quark leider nicht bis zur letzten Filmminute geben können.
Dabei scheinen die Filmmacher von „The Sleeper“ es ersichtlich einfach gehabt haben, ihren absolut sinnfreien Plot auf Zelluloid zu bannen.
Man nehme Daddys Urlaubs HD-Kamera, drehe mit ein paar angehenden Schauspielstudenten eine handvoll sinnfreier Mordszenen und füge sie letztendlich mit einer illegal erworbener Editierungssoftware aus dem Hause „Magix“ zusammen.
Um sich zumindest halbwegs in der Filmszene bekannt und vor allem beliebt zu machen, bewirbt man seinen miserabel heruntergekurbelten Dreck, als eine Hommage an den frühen Teenager-Slasherfilm der 80er Jahre, um den dreisten Diebstahl diverser Schlüsselszenen bekannter Slasherklassiker zu rechtfertigen.
Eigene Ideen besitzt „The Sleeper“ null – Kreative Umsetzung? Absolute Fehlanzeige!
Das Storygerippe erinnert unverkennbar an den Klassiker „House on Sorority Row“ (Gratis den gesamten Film hier sehen) und das Geschehen ist derart hanebüchen und trivial , dass einem schon nach der Sichtung von nur wenigen Filmminuten der Fremdscham ins Gesicht steht.
Der wahrlich „fesselnden“ Storyaufbau, dieses uninspirierenden Machwerks, gestaltet sich wie folgt:
Der Killer ruft im Haus der Studentenverbindung an, stöhnt etwas sinnfreies in das Telefon und holt sich wenige Filmminuten später das belästigte Opfer. Danach kurzer Smalltalk unter den Studenten und der Anrufer ruft erneut in der Verbindung an, belästigt das nächste Opfer und killt es wenige Minuten später. Nach 60 quälenden Filmminuten ruft der kichernde Psychopath immer noch im Wohnheim der Studenten an und ermordet daraufhin die nächste ahnungslose Studentin.
Da kann man als Filmfan letztendlich eigentlich recht froh sein, dass dem vermeintlichen Nachwuchsregisseur, nach einer geschlagenen Stunde die Opfer ausgehen, denn die Darstellung der Handlungsszenen wiederholen sich bis zum Erbrechen und gestalten sich als absolut spannungsfrei, dumm und einschläfernd.
Sogar so einschläfernd, dass ich bereits noch vor Filmende narkotisiert auf meinem Filmsessel vor mich dahingeschlummert bin.
Vermutlich war Regisseur Justin Russell dieser ungewollte Nebeneffekt bewusst, denn eine gewisse Zweideutigkeit seines Filmtitels lässt sich nicht von der Hand weisen.
Wie auch immer, „The Sleeper“ ist definitiv kein sehenswerter Film. Mich verwundert es warum man dreist Schlüsselszenen aus bekannten Slashermovies stibitzen muss und sich nicht einmal die Arbeit macht, diese dann zumindest denn aktuellen Sehgewohnheiten anzupassen und mit einigen eignen, kreativen und vor allem neuen Ideen auszubauen.
Gerade weil diverse Szenen recht plakativ kopiert wurden, und definitiv nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten entsprechen, macht sich bereits nach wenigen Filmminuten Langeweile breit.
Hommage hin oder her. Vermutlich hätte „The Sleeper“, neben all den hohlen Teenagerfilmen der 80er Jahre, in dieser Darstellungsform vor 20 Jahren bestens funktioniert. Die arg erheuchelte Oldschool-Umsetzung gestaltet sich leider, trotz aktueller Produktion, aus heutiger Sicht als unnatürlich angestaubt. Einzig einige recht nette und vor allem handgemachte Splatter-Effekte und das schon recht unfreiwillig komische Gewinsel und Gestöhne des Psychopathen haben, trotz aller Kritik, ihren ganz eigenen naiven Charme, dürften aber aufgrund der Fülle an dumm-nerviger „Handlungsszenen“, die bis zum Erbrechen wiederholt und ausgereizt werden, ersichtlich schnell an Bedeutung verlieren und kaum Beachtung finden.
Fazit 2,5/10
Ne, das war nix.
Wer sich ehrfürchtig vor den ganz großen Teenagerhorrorklassikern der 80er verbeugen möchte, sollte zumindest den Spagat zwischen Neuem und Alten finden.
„The Sleeper“ kopiert dreist diverse Filmszenen unzähliger Klassiker, fügt aber keinen eigenen Ideen dazu. Das ist nicht sehenswert, dass ist frech!
FSK Prognose: mit etwas Glück ungeschnitten – keine Jugendfreigabe. Deutschlandstart bisher noch unbekannt.
Hellraiser80
Filmreview: “Boston Killer Babes” (2010)

Carmela und Lynne , zwei innig befreundete Bostoner Vorstadtgirls auf der Suche nach dem ganz großen Glück.
Doch irgendwie meint es das Schicksal nicht sonderlich gut mit den beiden.
Denn Lynne erwischt ihren treuliebenden Freund in flagranti im Bett mit einer anderen, worauf sie ihn zu Rede stellen möchte. Der „neuen“ Bettgenossin wird die Aussprache scheinbar zu turbulent, sodass sie rasch zum Telefonhörer greift und die Polizei herbeiruft. Wenige Minuten später treffen zwei Polizisten auf das aufgescheuchte Mädchenduo, dass sich alsbald in Handschellen abgeführt, auf dem Hintersitz des Polizeiwagens wiederfindet.
Unterwegs scheint einer der Polizisten einen besonders heftigen Druck in der Beckengegend zu spüren und vergewaltigt die wehrlose Carmela.
Ein fataler Fehler, denn angewidert von der hormongeplagten Männerwelt, setzen sich die beiden schlagfertigen Powergirls zur Wehr.
Auf ihrem Rachefeldzug gegen die Männerwelt Bostons meucheln sie alles nieder, was sich den beiden in den Weg stellt.
What the Hell!?
Eigentlich liest sich die Inhaltsangabe recht vielversprechend und erfrischend: Ein Mädchenduo, dass ersichtlich genervt ist am moralischen Verfall der Gesellschaft und fortan munter in den Krieg zieht um all die zu bestrafen, die sich in jüngster Vergangenheit den beiden Mädchen gegenüber (sexuell) moralisch verwerflich verhalten haben. In einschlägigen Filmproduktionen ist es ja oftmals umgekehrt, denn dort ist es vorwiegend so, dass ein „männlicher“ Serienkiller dem gelüsten Treiben der meist „weiblichen“ Protagonisten durch makabre Folterspiele ein schnelles Ende bereitet.
Demnach war ich eigentlich recht gespannt, was mich mit „Boston Killer Babes“ erwarten würde.
Als erstes der große Schock: das Filmintro zeugt von derart schlechter Aufmachung, dass mir der Film bereits nach 60 Sekunden Dauer-Billig-Rap-Gedudel gehörig auf den Sender ging und ich eigentlich genervt abschalten wollte. Wer da so unglaublich miserable Kenntnisse im Editieren der Anfangscredits hatte, gehört auf jeden Fall erschossen.
Viel zu erwarten gab es demnach nicht, und doch muss ich gestehen, dass ich letztendlich positiver überrascht war als gedacht.
Klar, „Boston Killer Babes“ ist kein wirklich guter Film – keine Frage. Eine Low-Budget-Produktion, wie man sie viel zu oft schon gesehen hat.
Das nichtvorhandene Budget ist dem kleinen Independentfilm an jeder Stelle anzusehen.
Trotzdem muss ich gestehen, dass der Film aus den minimalen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen Maximales Potenzial herausgeholt hat. Das ist lobenswert, denn ersichtlich ist, dass der Film trotz seiner enormen dramaturgischen und technischen Schwächen dennoch seinen ganz eigenen, naiven aber trotzdem liebenswerten Charme besitzt, den ich eigentlich sonst bei der Vielzahl ähnlich schnell abgedaddelten Produktionen schmerzlichst vermisse.
So zeigt sich „Boston Killer Babes“ gerade in den Interaktionen des „Mädchen-Duos“ mit- und untereinander ersichtlich makaber und zynisch. Sicherlich ist diese Produktion von keiner meisterlichen Schauspielkunst geprägt und wirkt an vielen Stellen unbeholfen und schon sehr amateurhaft, aber die sehr sarkastischen und prägnanten Kommentare von Carmela und Lynne erweisen sich in Gesamtbild als echte Schenkelklopfer und machen wahrlich Laune.
Ebenfalls sticht nennenswert hervor, dass „Boston Killer Babes“ ein talentiertes Händchen für längst vermisstes 80er Jahre Retro-Feeling besitzt. Die stimmigen Sets, das vollkommen unglaubhaft-übertrieben wirkende Overacting der Protagonisten und die recht unbeholfene, aber dafür experimentierfreudige Kamera erinnern an längst vergessene Genreperlen der 80er Jahre.
Irgendwie wahrlich ironisch, dass eine so unprofessionell und oftmals unfreiwillig komisch wirkende Low-Budget Horrorproduktion mehr Seele besitzt als so mancher aktueller Mainstreamknaller.
Wie auch immer, schlechter Film – oder kleiner Nischengeheimtipp?
Bei „Boston Killer Babes“ werden sich die Geister offensichtlich scheiden.
Die einen werden ihn hassen – andere dafür mögen.
Für alle Freunde fernab des guten Geschmacks und für Freunde mit Interesse an Trash-Filmen sei „Boston Killer Babes“ trotzdem wärmstens empfohlen.
Fazit: 4/10 Punkte
Kleines zynisches und unprofessionelles Low-Budget Filmchen, das mit Sicherheit seine Liebhaber finden wird.
(kommende “Keine Jugendfreigabe” – Version ist ungeschnitten)
Hellraiser80



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