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Filmreview: “Torment” (2013)

torment-2013
 
 
 

TORMENT

Story

 
 
 
Eine kleine Familie will das Wochenende auf dem Land verbringen, um so ein paar Diskrepanzen zu beseitigen. Leider befindet sich das Ferienhaus genau dort, wo sich Fuchs und Has’ Gute Nacht sagen. Für vier Fremde Grund genug mal kurz Hallo zu sagen. Maskiert und bewaffnet …
 
 
 


 
 
 

TORMENT – Kritik

 
 
 
Trautes Heim, Glück allein: So jedenfalls wünscht man sich das Familienleben. Im Horrorfilm verliert diese Redensart oft an Gewicht, schließlich passiert hier nicht selten, dass sich in den eigenen vier Wänden Tragisches ereignet und nur die wenigsten Protagonisten unbeschadet bis zum Abspann dabei sind. Home-Invasion-Schocker (also Filme, in denen Menschen zu Hause von Fremden terrorisiert werden) sind seit einigen Jahren ganz groß im Kurs und versuchen geradezu, sich im möglichst bestialischen Erniedrigen und Abschlachten ihrer Filmopfer zu übertrumpfen. Zuletzt hat das YOU’RE-NEXT-Macher ADAM WINGARD ganz passabel hinbekommen, der mit seinem Splatter-Slasher-Mix genau den richtigen Gewaltpegel gefunden hat, um bei Horroranhängern Eindruck zu hinterlassen. Der jetzt vorliegende TORMENT ist ein Schauer-Flick gleicher Sorte, der auch auf der Terror-Heimwelle mitreiten möchte und eine kleine Familie in den Mittelpunkt der Geschehnisse rückt, deren Mitgleider von vier maskierten Irren im Ferienhaus attackiert werden. Kurioserweise tragen die Killer hier auch Tiermasken, was bei unerfahrenen Horrorfans für Verwirrung stiften könnte, schließlich war diese skurrile Maskierung schon in Wingards YOU’RE NEXT Programm und hat maßgeblich zur Bekanntheit des Streifens beigetragen. Auch wenn TORMENT im gleichen Sub-Genre beheimatet ist; die beiden Filme sind vollkommen unterschiedlich. Während YOU’RE NEXT (2011) mehr auf anspruchslosen Metzel-Terror mit blutreicher Holzhammertaktik setzt, hegt Regisseur JORDAN BARKER ganz andere Intentionen. Er begibt sich mit seinem Horrortrip zurück zum klassischen Terrorkino der 70er, in dem vornehmlich gerannt, psychisch gequält und geschrieen wurde und sich Gewalt wenn dann nur im Kopf des Zuschauers abgespielt hat.
 
 

Wenn man keinen guten Vater hat, so soll man sich einen anschaffen.

(Friedrich Nietzsche)

 
 
Dass sich der Begriff Familie vielseitig definieren lässt, wusste bereits TOBE HOOPER, der im Jahre 1974 sein TEXAS CHAINSAW MASSACRE auf die Menschheit losgelassen hat und eine perverse Sippschaft Kannibalen sich durchs tiefste Texas futtern ließ, die es bis heute zu mehreren Fortsetzungen gebracht hat. Die dreckig-siffigen Bilder des Kultwerks dürften Regisseur JORDAN BARKER durchaus zugesagt haben, so dass man sie so ähnlich – wenn auch auf Hochglanz poliert – in TORMENT wiederfindet. Ein knapp gehaltener dafür aber reichlich finsterer Prolog läutet das unheimliche Treiben ein; danach geht es temporeich weiter, schließlich hat der Streifen mit knappen 75 Minuten Spielplan nicht viel Zeit, um sich tiefgründig mit Nebensächlichkeiten auseinandersetzen zu können. Den Protagonisten kommt eine oberflächliche Charakterisierung zuteil und Horror-Ikone KATHARINE ISABELLE versucht als frisch verheiratete Stiefmutter das Vertrauen des siebenjährigen Schützlings Liam (PETER DACUNHA) zu gewinnen. Der wiederum will mit seiner neuen Mama partout nicht warm werden und ist eines jener wehleidigen Filmkinder, die der Zuschauer am Liebsten als Erstes über die Klinge springen sehen möchte. Damit der Familienfrieden gewahrt werden kann, soll ein gemütliches Wochenende im Landhaus eine Annäherung zwischen Mutter und Stiefsohn bewirken. Doch wie in Grimms SCHNEEWITTCHEN hat dort jemand im Bettchen geschlafen und von Tellerchen gegessen. Die Polizei ist schnell vor Ort und Hausbesetzer werden für den Einbruch verantwortlich gemacht. Die wären der kleinen Familie vermutlich auch viel lieber gewesen, denn was folgt ist kein Zuckerschlecken. Vier Fremde verschaffen sich Zutritt zum Ferienhaus, haben des Sohnemanns Kuscheltiere enthauptet und über den Kopf gestülpt. Vater Cory (ROBIN DUNNE) wird überwältigt, an einen Stuhl gebunden und soll sich unter Androhung von Folter der Liebe seines Sohnes entledigen. Die Frage nach dem Warum wird am Ende nur ansatzweise beantwortet, schließlich wird noch Material für eine Fortsetzung benötigt. Fakt jedoch ist, dass der Familienbegriff in TORMENT eine gänzlich neue, absurde Bedeutung erhält und die vage Auflösung doch schon sehr grotesk, fast schon surreal anmutet.
 
Ja, sie ist wieder da: KATHARINE ISABELLE. Die Schauspielerin hat sich durch ihre Rolle als Ginger in der erfolgreichen GINGER SNAPS-Triologie ein Denkmal setzen können und bewies im Underground-Bodyhorror AMERICAN MARY (2012), dass sie auch in Lack und Leder eine hervorragende Figur macht. Im aktuellen Grusler TORMENT jedoch hat sie eine eher ungnädige und vor allem austauschbare Rolle ergattert, die kaum nachhaltig in Erinnerung bleiben will, was vor allem daran liegt, dass das beliebte Horror-Sternchen hier schlich nichts zu tun hat. ISABELLE flitzt aufgeregt von einem Schauplatz zu nächsten, blinzelt unentwegt verängstigt in die Kamera und darf am Ende als Filmheldin auch mal austeilen, wenn es darum geht, die Bösewichte in die Flucht zu schlagen. Auch wenn TORMENT eigentlich ein klassischer Home-Invasion-Thriller ist, wie man in zuletzt recht oft gesehen hat, gefällt die Tatsache, dass Macher JORDAN BARKER das Böse bewusst zurückhaltend agieren lässt. Statt widerwärtiger Folter macht psychologischer Horror das Rennen, wobei die bewusst düster gehaltene Handlung dem Treiben eine unheimliche, gespenstische Note verleiht. Auch wenn die Identitäten von Mr. Mouse, Pig Lady, Little Rabbit und Little Monkey ähnlich wie in THE STRANGERS (2008) weitestgehend im Verborgenen bleiben, ihre Beweggründe kaum zufriedenstellend beantwortet werden und der Zuschauer mit einer Menge Fragen das Kino verlässt, gehört TORMENT gerade deshalb zu einem der besseren Vertreter seiner Zunft. Dass eine Fortsetzung folgen wird, dürfte abzusehen sein. Bis die jedoch in die Lichtspielhäuser kommen wird, hat der Horrorfan genügend Zeit seine Kreativität zu entfachen, um sich ein eigenes plausibles Ende zusammenzureimen. Wir von FILMCHECKER meinen: Terrorkino par ex­cel­lence.
 
 
 


 
 
 

TORMENT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein angenehm düsteres Schauervergnügen – TORMENT ist ein guter Terrorfilm alter Schule, auch wenn es Regisseur JORDAN BARKER nicht gelingt, das Terror-Rad neu zu erfinden. Neu ist dafür, dass dem zeigegeilen Foltern und ausgewalzten Erniedrigen von Opfer und Täter kaum Beachtung geschenkt wird. Stattdessen holt BARKER das Grauen zurück auf die Leinwand, das den Horror im Kopf entstehen lässt. Ganz so wie in den guten alten Zeiten schreien sich die Opfer die Seele aus dem Leib und hetzen durch Wald und Dickicht. Ein morbider und finsterer Look sorgt, trotz Hochglanzbildern, für einen stimmigen Anstrich. Drum: Heimkino dunkel gemacht, Film in den Player gelegt und den Lautstärkeregler auf Maximum gedreht – schließlich lässt es sich nur so angenehm Gruseln.
 
 
 


 
 
 

TORMENT – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt wird in TORMENT nicht gezeigt. Die Kamera blendet weg sobald es unangenehm wird. Demnach wird der Film mit großer Wahrscheinlichkeit ungeschnitten mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

TORMENT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hate Crime (2013)
 
You’re Next (2011)
 
In Their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
The Purge (2013)
 


Filmreview: “The Haunting of Helena” (2012)

THE HAUNTING OF HELENA
 
 
 

THE HAUNTING OF HELENA

Story

 
 
 
Die alleinerziehende Mutter Sophia (Harriet MacMasters-Green) bezieht mit ihrer kleinen Tochter Helena eine kleine, neue Wohnung. Anfänglich voller Lebensmut, den Start in ein neues Leben gewagt zu haben, verblasst die Euphorie umgehend, als die kleine Helena den ersten Milchzahn verliert und fortan seltsames Gestammel von sich gibt. Eine Zahnfee soll ihr angeblich des nachts erscheinen, die sich den Tag über in ihrem neuen Kleiderschrank versteckt und am Abend aus ihrem Versteck kriecht, um die verschüchterte Helena dazu aufzufordern ihr mehr Zähne zu bringen. Nachdem sich das Verhalten des Kindes maßgeblich verändert, beginnt die besorgte Mutter Nachforschungen anzustellen und stößt hierbei auf ein makabres Geheimnis.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF HELENA – Kritik

 
 
 
Wirklich subtile und angsteinflößende Grusler sind in der aktuellen Horrorfilmlandschaft wahrlich selten geworden. Viel zu oft wird das mollige Schauerfeeling durch obligatorische Schlachterplatten ersetzt, um dem Begriff “Horror” auch im Jahr 2013 vollends gerecht werden zu können. Umso mehr erfreut es alteingesessene Filmhasen wie mir, wenn im Fahrtwasser penetrant nerviger Zombie-, Found Footage- und Foltergurken auch hin und wieder kleine Filmwerke das Licht der Welt erblicken, die sich souverän gegen die Masse an beliebig austauschbaren Horror-Nonsens behaupten und dem Filmfreund den klassischen, blutarmen Horrorfilm erneut schmackhaft machen wollen. Hat sich Spanien in den vergangenen Jahren als kleiner Geheimtipp in Sachen subtilen Gruselns entwickelt, so versuchen nun auch die Italiener auf diesen lukrativen Zug aufzuspringen und präsentieren uns mit dem vorliegenden THE HAUNTING OF HELENA ihre ganz eigene Version der Geschichte von der bösen Zahnfee. Weniger ist manchmal mehr lautet hier die Devise und so beginnt der Film fernab jeglichen Gekröses mit einigen wirklich düster-melancholischen Kamerafahrten und durchaus ansprechend-superben Bildern, die das Gruselfeeling wunderbar altmodisch zu steigern wissen. Zentrum des ultimativen Bösen ist diesmal ein seltsamer Kleiderschrank, der ein durchaus böses Geheimnis birgt.Nachdem das groteske Möbelstück das Zimmer der kleinen Helena ziert, beginnt fortan auch der zunehmend geistige Zerfall der kleinen Hauptdarstellerin einzutreten, deren plausible Erklärungsversuche wie so oft in derart Filmen kaum Beachtung geschenkt werden. Dennoch fühlt sich auch Mutter Sophia von reichlich Unbehagen bedroht und beginnt den skurrilen Aktionen der Tochter nachzuforschen.
 
Der große Pluspunkt von THE HAUNTING OF HELENA ist dabei in der wirklich unglaublich düsteren, fast schon märchenhaft-anmutenden Atmosphäre zu suchen. Der vornehmlich kindlich anmutende Kleiderschrank, wirkt in den faden, dreckigen und farblosen Bildern gespenstig bedrohlich und die Geschichte um das antike Möbelstück bleibt konsequent spannend – zumindest bis zur Hälfte des Films. Denn trotz aller positiven Ansätze, die dieser italienische Genre-Beitrag in sich birgt, schaffen es die beiden Regie-Newcomer CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI nicht, das hohe Niveau ihrer wirklich stimmigen Geschichte bis zum Ende zu halten. Ab Filmmitte wird die Geschichte kurzum in ein skurriles verlagert, wo sich die kleine Heldin mit allerlei seltsamen Erscheinungen umherplagen muss. Hierbei rückt nun das Schicksal der Mutter in den Vordergrund, die versucht, dass Rätsel rund um die Herkunft des Kleiderschrankes zu lösen. Die sterile Krankenhaus-Atmosphäre will hierbei irgendwie nicht so recht zum Grundtenor der eigentlichen Geschichte passen. Vielmehr wirkt der schroffe Schauplatzwechsel auf Zwang konstruiert, um auf Krampf eine Brücke zur Herkunft des Möbelstücks schaffen zu können. Auch wenn sich das muntere Treiben gegen Ende in einer reichlichen Achterbahn des Schreckens entlädt und mit unzähligen “Buh“-Effekten aufwartet, so mag man als Filmfreund irgendwie nicht das Gefühl loswerden wollen, dass die beiden Filmregisseure CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI reichlich Potenzial verschenkt haben. Zugunsten eine kommerziellen, massentauglichen Inszenierung erspinnen sie ein arg hanebüchenes Ende, dass in derart Form an die unendlich vielen Horrorfilme aus Hollywood erinnert. Schade eigentlich, denn kaum ein aktueller Horrorfilm der letzten Dekaden kann mit ähnlich exzellent altmodischen Raffinessen überzeugen.
 
Subtiler Horror bevorzugt? Dann dürfte der kommende Grusler Fairytale (so der ursprüngliche Titel des Film) genau die richtige Wahl für einen verregneten Sonntagabend sein. Statt eimerweise Eingeweide und unmenschliches Folter-Gewerkle zählen hier Stimmung, Optik und die Geschichte. Umso mehr dürfte THE HAUNTING OF HELENA für Freunde etwas härterer Filmkost reichlich unbeholfen daherkommen. Denn die Erzählstil der Geschichte vollzieht sich sehr gemacht, ruhig und stimmig durch die gesamte Szenarie. Hin und wieder werden einige nette Gruseleffekte in die Handlung gestreut, die ihre bedrohliche Wirkung zu keiner Minute verfehlen. Auch wenn der Beitrag ab Filmmitte in reichlich haarsträubende Sphären abdriftet und der wohldosierte Gruselfaktor aufgrund konstruiert wirkender Detektivarbeit flöten geht, so kann man nicht behaupten, dass THE HAUNTING OF HELENA ein schlechter Film ist. Das geschickte Spiel von Licht und Schatten, sowie der debile, märchenhafte Grundton der Erzählung erinnert in seiner Darstellung arg an kommerzielle Horrorfilme aus Amerika. Und so verwundert es ein wenig, dass THE HAUNTING OF HELENA oftmals ein wenig zu sehr nach DER FLUCH VON DARKNESS FALLS (2003) oder POSSESSION (2012) ausschaut, denn das uninspirierte Kopieren bekannter Filmformeln hätte dieser Debütwerk vermutlich rein gar nicht nötig gehabt. Trotzdem, für ein Erstlingswerk haben die beiden Regisseur-Neulinge CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI erstaunliche Arbeit geleistet. Der Film ist trotz seine oftmals unweigerlichen Vorhersehbarkeit spannender als das übliche Horroreinerlei, welches aktuell den hiesigen Heimkinomarkt überschwemmt. Zudem darf der Horrorfilmfreund eine der besten Szenen ever in der Geschichte des Phantastischen Films genießen:
 
Mutter Sarah ist einen Moment unachtsam im Straßenverkehr, gerät von der Fahrbahn ab und brettert mit dem Fahrzeug vom Rand einer Brücke hinein in die Fluten eines reißenden Flusses. Die virtuose Kameraarbeit dieser Szene, welche sich in Zeitraffermethode entlädt, ist derart genial, außergewöhnlich und atemberaubend, dass man allein nur dieser Szene wegen THE HAUNTING OF HELENA gesehen haben sollte. Beachtlich!
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF HELENA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Vertreter der alten Schule – Kleines stimmiges und atmosphärisches Gruselmärchen, das für einige wohldosierte Schauer sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF HELENA – Zensur

 
 
 
Hier zählen vorwiegend die leisen Töne, von daher geht es hier eher blutfrei zugange. Eine ungeschnittene Filmversion dürfte die FSK16-Kennzeichnung zieren.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF HELENA – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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