Horrorfilm, Mystery, Slasher, Folterfilm, Thriller, Splatterfilm, Gruselfilm, Trashfilm auf FILMCHECK

Beiträge mit Schlagwort “Cinema

Filmkritik: “The Devil Incarnate” (2013)

the-devil-incarnate-2013
 
 
 

THE DEVIL INCARNATE

(COPIII: THE 1ST ENTRY)

Story

 
 
 
Die Frischvermählten Holly und Trevor Davidson reisen für Ihre Flitterwochen nach Miami. Unterwegs machen sie in Cassadaga Halt, um sich dort von einer Hellseherin die Zukunft voraussagen zu lassen. Als sie einem Landstreicher begegnen, der wirres Zeug faselt und die beiden zur verrückten Vjestica lotst, nehmen die Ereignisse eine unerwartete Wendung: Holly ist plötzlich schwanger und das Familienglück nahezu perfekt. Leider ist die Freude nicht von langer Dauer, denn die werdende Mutter beginnt sich zu verändern und scheint dem Wahnsinn nahe zu sein …
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Kritik

 
 
 
Nach der Zombie-, Folter-, Geister- und Found-Footage-Welle scheint es an der Zeit zu sein, ein neues Thema aus der Horror-Mottenkiste zu kramen, um es dann möglichst gewinnbringend zu Tode zu filmen. Lang mussten die Filmemacher hierfür nicht suchen, schließlich sind die besten Filmideen jene, die vor Jahrzehnten schon einmal die Kassen haben klingeln lassen. Der neue Trend im Horrorfilm nennt sich Okkultismus – ein Phänomen, das bereits in den 1970ern durch die Filmlandschaft geisterte und die Menschen scharenweise in die Lichtspielhäuser locken konnte, weil Themen wie die Wiedergeburt Satans, Besessenheit und Exorzismus faszinierten. Die Folge dessen waren Meilensteine des modernen Horrorkinos, die manchen kommenden Regisseur in seinem Schaffen beeinflussten. Ganz ähnlich dürfte es auch dem Nachwuchsregisseur L. GASTAVO COOPER ergangen sein, der sich für seinen THE DEVIL INCARNATE gleich mal bei zwei der ganz großen Klassiker jener Dekade bedient und rigoros beim EXORZIST (1973) und Polanskis ROSEMARIES BABY (1968) stibitzt hat, um daraus faden Budenzauber machen zu können. Ähnlich wie im Kino-Flop THE DEVIL’S DUE oder dem hier kürzlich besprochenem DELIVERY: THE BEAST WITHIN (2013) begleitet der Zuschauer ein frisch verheiratetes Paar durch die Höhen und Tiefen einer Schwangerschaft. Die frohe Kunde vom Nachwuchs entwickelt sich leider rasch zum Albtraum.
 
Eigentlich braucht man THE DEVIL INCARNATE nicht gesehen haben, um voraussagen zu können, was in diesem Okkult-Thriller passieren wird. Filmneuling L. GASTAVO COOPER arbeitet nämlich etwas arg verkrampft jene Klischees ab, die man nun mal in einem so gelagerten Horrorstreifen erwarten würde. Deja-vu-Momente am laufenden Band sind garantiert, wenn die schwangere Filmheldin seltsame Dinge tut, die Gleichgesinnte mit Nachwuchs im Bauch eigentlich niemals veranstalten würden. Erst sind es unkontrollierbare Wutausbrüche, die die werdende Mutter (GRACI CARLI) quälen. Später gesellen sich zu vulgären Gesten fremde Sprachen, die die Schwangere in der Badewanne vor sich her säuselt, und der Schwester des Gatten reichlich Gänsehaut beschert. Letztere ist in THE DEVIL INCARNATE Hauptidentifikationsfigur. Dank Wikipedia kommt sie dem Geheimnis um die verhaltensauffällige Schwägerin recht schnell auf die Schliche, die am Ende mit einem der wohl kürzesten Exorzismen der Filmgeschichte von ihrem Leid erlöst werden kann.
 
L. GASTAVO COOPER bedient sich für sein Erstwerk rumänischer Folklore, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht und von dem Pakt zwischen Alina Patkavior und einem Rachedämon erzählt. In der Legende von COPIII PIERDERE wird von der vergewaltigten Tochter einer Dorfhexe berichtet, die ihre ungewollte Leibesfrucht an einen Rachedämon verkauft, damit dieser die kaltblütige Tat rächt. Als der Dämon seine Belohnung einfordert und sich Alina nicht von ihrem Kind trennen möchte, wird sie daraufhin mit Unfruchtbarkeit bestraft, die sich in der Blutlinie der Familie fortsetzt. Durch ein blutiges Ritual kann die Strafe umgangen werden, das über Generationen in Rumänien als “Din Burta de Sarpe” bekannt geworden wird. Auch wenn sich der rumänische Mythos so ziemlich reißerisch liest; in THE DEVIL INCARNATE ist von blutigen Ritualen und ausufernden Dämonentänzen weit und breit keine Spur. Stattdessen spult COOPER die überraschungsarme Geschichte ebenso geradlinig wie unspektakuläre ab, so dass dem Zuschauer die Augen ganz schnell schwer werden dürften. Immerhin beweist der Filmemacher technisches Geschick im Umgang mit der Kamera, denn sein THE DEVIL INCARNATE schaut manchmal sogar richtig atmosphärisch aus, obwohl COOPER nicht die Finger davon lassen kann, das längst überdrüssige Found-Footage-Stilmittel zu verwenden.
 
Identifikationsfigur Marissa Davidson (EMILY ROGERS) ist nämlich nicht nur heimlich in des Bruders attraktive Gemahlin verschossen, sondern filmt die Schwägerin bevorzugt mit der Handkamera, so dass schnell einige abnormale Verhaltensabläufe der Schwangeren auf Film festgehalten werden können. Die Übergänge zwischen den wackeligen Bilder der Digicam und dem herkömmlich gefilmten Filmmaterial verlaufen fließend und stören nicht. Trotzdem dürfen auch in THE DEVIL INCARNATE nicht jene Bildausfälle und Wackelattacken fehlen, die Zuschauer von Found-Footage-Filmen seit jeher in zwei Lager gespalten haben. Leider hat L. GASTAVO COOPER mit seinem ersten Langfilm, der auch unter COPIII: THE 1ST ENTRY sowie CURSED international vermarktet wird, keinen großen Wurf fabriziert. Dem Okkult-Grusler fehlen einfach jene spektakulären Schock- und Schreckmomente, die Filmen wie den legendären EXORZIST aus den 1970ern zum Welterfolg verholfen haben. Statt gut ausgetüftelten Spezialeffekten wird ausschließlich gequasselt und Horror auf Sparflamme geköchelt. Das wäre vermutlich auch alles gar kein Problem, würde THE DEVIL INCARNATE dem Okkult-Genre neue interessante Facetten durch frische Ideen einverleiben. Die sucht man jedoch zwischen all den üblichen Filmklischees vergebens. Daher sei THE DEVIL INCARNATE nur jenen Horrorfans empfohlen, die sich an Filmen wie ROSEMARIES BABY nicht satt sehen können. Wer spannende Unterhaltung sucht, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Okkult-Gruselstreifen in der Machart von ROSEMARIES BABY. Letzterem wurde vor einiger Zeit eine unnötige TV-Serie abgerungen, die quasi ebenso überflüssig ist, wie THE DEVIL INCARNATE. Während Okkult-Horror in den 1970ern noch mit sensationellen Spezialeffekten in die Kinos gebracht wurde, gehört dieses Debüt zu jenen Werken, die ganz uninspiriert jene Liste an Klischees abklappern, die dem Genre über Jahrzehnte zum Erfolg verholfen hat. Leider wirken die gängigen Regeln des Okkult-Horrors mittlerweile derart verbraucht, dass man mit klassisch geschusterten Exorzismus- und Besessenheitsflicks keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. THE DEVIL INCARNATE macht Schwangerschafts-Terror zum Geduldsspiel. Nicht weil hier Suspense in Reinform geboten wird, sondern weil die vorhersehbare Handlung schläfrig macht. Auch wenn L. GASTAVO COOPER ab und an mal was Atmosphärisches auf die Mattscheibe bringt, ist sein Erstwerk kein Film den mal unbedingt gesehen haben muss. Die Defizite sind im Drehbuch zu suchen, an dem mal wieder viel zu viele Autoren gepinselt und den Brei verdorben haben. Warum man ausgerechnet zu dritt daran feilen musste, verursacht Unverständnis, denn THE DEVIL INCARNATE ist ein dünnes Horrorsüppchen ohne nennenswerte Höhepunkte. Da kann man nur die guten Darsteller bemitleiden, die für diesen unspektakulären Unsinn ihr Talent vergeudet haben. Daher: Handwerklich solider Horror aber nicht mehr!
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Zensur

 
 
 
In THE DEVIL INCARNATE gibt es kaum Gewalt zu sehen. Da liegt ein toter Hund im Kinderbett und homoerotischer Badespass wird ebenfalls geboten. Für eine ungeschnittene FSK16 ist das vollkommen ausreichend.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Delivery: The Beast Within (2013)

Dark Circles (2013)

Hell Baby (2013)

Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)

Rosemaries Baby (1968)

Die Wiege des Bösen (1974)

Unborn – Kind des Satans (1991)


Filmkritik: “Hidden in the Woods” (2012)

Hidden-In-The-Woods-2012
 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS

(EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD)

Story

 
 
 
Nach dem Mord an ihrer Mutter gehen zwei Schwestern durch die Hölle. Die Hölle der Erniedrigung, Misshandlung, Vergewaltigung durch den eigenen Vater. Als das Familienoberhaupt schließlich im Gefängnis landet, nutzen die Mädchen die Gunst der Stunde und flüchten in die Freiheit …
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
“Tief in den Wäldern hört dich niemand schreien” … ein treffender Untertitel, der das Heimkino-Cover des vorliegenden Schmuddelfilms mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS sichtlich aufgewertet hätte. Auch in Chile ist man auf den Geschmack von grausamen Rape’n Revenge-Thrillern gekommen – jenes Sub-Genre, das es zumindest hier in Deutschland bei der FSK nicht gerade leicht hat. Betrachtet man die Entwicklung dieser Filmgattung in den letzten Jahren genauer, ist das aber auch kein Wunder. Mittlerweile ist es unter den Regisseuren dieser Streifen zum Sport geworden, sich in punkto Grausamkeit übertreffen zu wollen. Dabei kennt die Kreativität der Drehbuchautoren keine Grenzen, die sich immer kränkere Methoden einfallen lassen, um ihre meist weiblichen Heldinnen noch menschenverachtender zu quälen und zu demütigen. Der zweifelhafte Höhepunkt jener Art von Filmen wurde bereits im Jahr 2013 erreicht, als sich STEVEN R. MONROE mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ein Denkmal in Sachen Frauengewalt setzte und einen Rachestreifen inszenierte, der alle bis dato gedrehten Rape’n Revenge-Arbeiten in den Schatten stellte. Hierzulande verstand man mit der überflüssigen Gewaltorgie keinen Spaß – I SPIT ON YOUR GRAVE 2 erlitt das gleiche Schicksal, wie manch ähnlicher Film zuvor: Er wurde eingezogen und auf den Index gesetzt. Der chilenische Filmemacher PATRICIO VALLADARES führt mit seinem HIDDEN IN THE WOODS die traurige Saga sinnloser Gewalt gegen wehrlose Frauen fort und tut es dem Spanier ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO gleich. Letzterer brachte Jahre vor seinem gelobten HERE COMES THE DEVIL einen ebenso schmuddeligen Gewalt-Mix in die Wohnzimmer, der es unter dem Titel I’LL NEVER DIE ALONE (wenn auch in zerschnippelter Form) sogar in deutsche Händlerregal brachte.
 
Von der Machart her ist HIDDEN IN THE WOODS besagtem I’LL NEVER DIE ALONE nicht unähnlich, denn auch in diesem trivialen Machwerk bekommt der Zuschauer alle Checkpunkte gängiger Exploitation-Kunst aufgetischt, ohne die Stoffe wie die berüchtigte I SPIT ON YOUR GRAVE-Reihe wohl niemals den Erfolg gehabt hätten, den sie heute unter Horror-Jüngern genießen. Unter der brennenden Sonne Südamerikas müssen hier abermals Frauen ums nackte Überleben kämpfen, die von ihren männlichen Filmkollegen auf Niederträchtigste durch die Filmhölle gejagt werden. Jahrzehnte der Emanzipation verlieren binnen weniger Minuten an Bedeutung, schließlich scheint die Nachfrage nach Filmen immer größer zu werden, in denen Frauen wie Vieh behandelt werden. Wie zu den Anfängen von Exploitation im Kino nutzt auch HIDDEN IN THE WOODS-Macher PATRICIO VALLADARES reißerische Themen, um sie dem Zuschauer in Kombination mit möglichst sadistischer Gewalt und kontroversen Sexszenen zu verkaufen. So finden neben grässlichen Vergewaltigungsszenen, eigentlich sensibel zu behandelnde Themen wie Kindesmissbrauch, Inzest und Kannibalismus Verwendung, die jedoch nur selten ernsthaft beleuchtet werden. Stattdessen bilden sie die Grundlage fragwürdigen Treibens, das ohnehin nur darauf hinausläuft, möglichst viel Leid und Lebenssaft auf der Mattscheibe zeigen zu können.
 
In HIDDEN IN THE WOODS begleitet der Zuschauer Ana und Anny – zwei traumatisierte Frauen, die allein mit ihrem Vater irgendwo in den Wäldern Chiles leben und unter dem täglichen Terror des Familienoberhauptes zu leiden haben. Der bunkert auf seinem Grundstück nämlich nicht nur Drogen des heimtückischen Drogenbarons “Onkel Costello”, sondern vergeht sich nach dem Mord an der eigenen Frau hin und wieder an seinen beiden Schützlingen. Als die älteste Tochter Ana nach jahrelanger Inzucht schwanger wird, sperrt der Vater den Säugling in eine dunkle Kammer und beginnt ihn mit rohem Fleisch zu füttern. Jahre später tauchen zwei Polizeibeamte auf, die durch Zufall auf das missgestaltete Kind Manuel stoßen. Bevor sie jedoch das gesetzeswidrige Treiben unterbinden können, greift der Vater zur Kettensäge und macht mit den Polizisten kurzen Prozess. Die kaltblütige Tat hat schwerwiegende Konsequenzen, denn wenig später wartet das Gefängnis auf das hinterlistige Familienmitglied. Für die Mädchen die einzige Möglichkeit endlich der Terrorherrschaft des Vaters entkommen zu können. Leider ist die Welt nicht von Gefahren gefreit. Bald schon nimmt Drogenboss “Onkel Costello” die Witterung der flüchtenden Töchter auf, schließlich fordert der die versteckten Drogen von den Mädchen zurück, die jedoch keinen blassen Schimmer haben, wo sie der Vater versteckt hat.
 
Günstige 90000 Dollar hat die Schmuddel-Orgie gekostet, die dem Exploitation-Genre so alle Ehre macht. In HIDDEN IN THE WOODS wird geschlagen, geschossen, geschändet und sogar Menschenfleisch gefressen, damit die Sensationsgier des Zuschauers befriedigt werden kann. Die Kamera hält das konfuse und an den Haaren herbeigezogene Treiben in ungeschönt-dreckigen Bildern ein, um die Authentizität bewahren zu können. PATRICIO VALLADARES hat sich wie so oft im Horror-Bereich von Geschichten inspirieren lassen, die das Leben im südamerikanischen Hinterland nun mal so schreibt. Dementsprechend darf der Hinweis im Opening nicht fehlen, der dem Zuschauer vorheuchelt, dass das Gezeigte auf wahre Begebenheiten zurückzuführen sei. Ob dem wirklich so gewesen ist, dürfte einmal mehr stark bezweifelt werden, denn mittlerweile gehört der “Alles total wahr”-Slogan zum Horrorfilm, wie das Kruzifix in die Kirche, weil sich mit pseudo-realem Hintergrund eigentlich immer besser Kasse machen lässt. Bei so viel Liebe zur Exploitation stellt sich natürlich die Frage, ob es dem Film gelingt unter Hobby-Sadisten überhaupt Laune zu verbreiten. Im Gegensatz zum Heiligen Folter-Gral I SPIT ON YOUR GRAVE (2010) und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2013 ist das Geschehen trotz aller Liebe zur Frauenverachtung weit entfernt von den perversen Phantasien eines STEVEN R. MONROE. Das mag vor allem an der etwas hölzernen Darbietung von Opfer und Täter liegen, die teilweise so unglaubwürdig agieren, weil mal wieder unbekannte und maximal leidlich talentierte Jungdarsteller gecastet wurden, die dazu auch noch einem unausgereiften Drehbuch folgen. Zudem verliert der Streifen immer wieder an Tempo, weil VALLADARES auf Krampf darum bestrebt ist, den Protagonisten seiner hanebüchenen Geschichte eine gekünstelte Charakterentwicklung einräumen zu wollen. Immerhin zieht der Regisseur in Momenten der Langeweile die Reißleine. Immer wenn HIDDEN IN THE WOODS mit Längen zu kämpfen hat, greift VALLADARES auf Exploitation zurück und lässt sein Treiben in Gewalt und Blut ersaufen. Zur Freude des Horrorfans ist die Kamera immer nah am Geschehen, damit der für die langen Wartezeiten mit grafischen Grausamkeiten entschädigt werden kann.
 
Groteskerweise stieß die eher mittelmäßige Gewaltgurke bei den Amerikanern auf große Aufmerksamkeit. In solchen Fällen ist es meist unvermeidbar, dass dem Original eine glattgebügelte Neuverfilmung nachgeschoben wird. Schauspieler, Produzent und Regisseur MICHAEL BIEHN (THE VICTIM) zeichnet in diesem Fall verantwortlich und hat das Remake unter gleichem Namen produziert, für das PATRICIO VALLADARES gleich noch einmal auf dem Regiestuhl platz nehmen durfte. Ob er sich verbessern konnte bleibt abzuwarten. Der große Wurf ist ihm mit seinem Original HIDDEN IN THE WOODS leider nicht gelungen. Denn: Ein paar kontroverse Szenen und eine handvoll Matscheffekte machen aus einem unglaubwürdig zusammengewürfelten Plot noch lange keinen guten Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein grausamer Schocker, der stahlharte Nerven voraussetzt. Leider ist HIDDEN IN THE WOODS keine Sternstunde des schmuddeligen Exploitation-Kinos, das sich seit den 1960ern bis weit in die 80er hinein großer Beliebtheit erfreut hat und seit der Remake-Welle der letzten Jahren durch alles von RODRIGUEZ und TARANTINO bis hin zu Bodensatz wie I SPIT ON YOUR GRAVE wiederbelebt wurde. EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (so der Originaltitel) hat zwar alles zu bieten, was jene Art von Filmen so erfolgreich gemacht hat; Macher PATRICIO VALLADARES verliert aber zu oft die Geschichte und seine Heldinnen aus den Augen. Sie haben über weite Strecken schlichtweg nichts zu tun. Der Cocktail aus Inzuchtthematik, Kannibalismus, Gewalt und Sex ist teils arg wirr geraten und hat nicht selten mit ziemlichen Längen zu kämpfen. Vielleicht wäre es demnach besser gewesen, wenn sich VALLADARES auf nur ein Thema konzentriert hätte, statt seine Geschichte mit Kontroversem schlicht zu überfrachten. Immerhin findet er die Notbremse stets zur rechten Zeit. Immer dann, wenn es langweilig wird, gibt es Gewalt satt für alle Liebhaber frauenverachtender Filmware. Dass des Öfteren die Logik ausgeklammert wird, dürfte Fans jener Filme aber weniger stören. Die bekommen nämlich von der Vergewaltigung hin zu Motorsägen-Maniküre all das zu sehen, was in waschechtes Exploitation-Cinema nun einmal gehört: Gewalt als Mittel zum Selbstzweck.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Gerade weil HIDDEN IN THE WOODS den gängigen Exploitation-Regeln folgt und nicht zimperlich mit seinen Protagonisten zugange geht, wird der Streifen in Deutschland keine Freigabe erhalten. Hier werden Frauen erniedrigt und misshandelt, Kannibalismus zelebriert und Körperteile vor der Kamera mittels Kettensäge abgetrennt. Insofern der Streifen hierzulande ausgewertet wird, muss die Schere angesetzt werden, um die FSK besänftigen zu können. Gorebauern müssen auf jeden Fall den Umweg über Österreich in Kauf nehmen.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on your Grave 2 (2013)

Savaged (2013)

Autumn Blood (2013)

The Mooring (2012)

If a Tree falls (2010)

Girls against Boys (2012)

Black Rock (2012)

Eden Lake (2008)

The Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

I’ll never die alone (2008)

Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)


Filmkritik: “Coherence” (2013)

coherence-2013
 
 
 

COHERENCE

Story

 
 
 
Ein Mystery-Thriller, der nicht viel benötigt: Ein Abendessen, acht Freunde und ein Kometenschweif am Himmel, der seltsame Vorkommnisse zur Folge hat …
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Kritik

 
 
 
Science-Fiction, Horror, Mystery, Drama oder Thriller – COHERENCE ist einer dieser Filme, der sich nicht so einfach kategorisieren lässt, weil er in keine Schublade passen will. Vielmehr bedient sich der auf Festivals gefeierte Überraschungs-Hit verschiedenster Genre, die hier ganz ungezwungen miteinander verschmelzen. Regisseur JAMES WARD BYRKIT, der bereits mit dem Chamäleon -Zeichentrick RANGO (Drehbuch) von sich hat hören lassen, konnte mit seinem kniffligen Rätselspaß schon einige Preise einheimsen und gibt mit dem kunterbunten Genre-Mix sein Regiedebüt, das bei Zuschauern endlich mal wieder die Köpfe rauchen lässt.
 
COHERENCE ist BYRKITS Reaktion auf seine bisherigen Arbeiten an Blockbustern wie RANGO (2011) und die FLUCH DER KARIBIK-Filme, die ihm sichtlich zu durchgeplant gewesen waren und dabei Möglichkeiten zur Improvisation zunichte machten. BYRKIT, der eigentlich vom Theater kommt, wollte sich von Konventionen lösen und sich wieder zu seinen alten Theater-Zeiten zurückbewegen, wo auf der Bühne allein Geschichte und Charaktere im Mittelpunkt gestanden haben und er die Freiheit zu experimentieren genießen konnte. Die Idee von COHERENCE war Schauspieler und Crew-Mitglieder von ihren Zwängen zu befreien. In einer Art spielfilmlangen Version einer TWILIGHT ZONE-Episode sollte durch minimalen Aufwand und mit einfachsten Mitteln maximales Unbehagen heraufbeschwört werden. Dabei war das Ziel ein filmisches Experiment zu schaffen, dass sich wie einst die Serie auch um wenige Protagonisten drehen sollte, die auf begrenztem Raum einem unheimlichen Mysterium auf die Schliche kommen. BYRKIT war darum bestrebt Augenmerk auf das Wesentliche zu legen, was wiederum bedeutete, dass Spezialeffekte vermieden werden und das Budget im überschaubaren Rahmen bleiben sollte. Gedreht wurde nicht einmal eine Woche am Stück mit kleiner Crew. BYRKIT stellte für die Dreharbeiten das eigene Wohnzimmer zur Verfügung und ein Drehbuch gab es nicht. Stattdessen erhielten die Darsteller an jedem Abend der fünf Drehtage Zettel mit Notizen, aus denen ausschließlich Informationen zum eigenem Charakter und der Hintergrundgeschichte für den jeweiligen Drehabend zu entnehmen waren. Weil keiner mit den Interaktionen des anderen vertraut war, mussten die Schauspieler Mut zur Improvisation beweisen. Ein riskantes Unterfangen, das in COHERENCE dennoch wunderbar funktioniert und wie aus einem Guss wirkt – den hervorragend gewählten Schauspielern sei Dank.
 
COHERENCE nimmt den Zuschauer mit zu einem Dinner in ein abgelegenes Haus irgendwo in Californien. Acht Freunde finden sich hier zusammen, um nach langer Zeit einander wiedersehen zu können. Ein besonderes Spektakel steht bevor, schließlich kreuzt nicht alle Tage ein Komet die Erdumlaufbahn. Doch das spektakuläre Himmelsereignis führt zu einer Reihe seltsamer Vorkommnisse. Erst zersplittern Handybildschirme wie von Geisterhand, bald schon verhalten sich die Gäste eigenartig. Als man wenig später auf Doppelgänger stößt bricht Panik unter den Anwesenden aus. Mehr über den grandios verwirrenden Plot zu verraten wäre fatal, nur soviel: Macher JAMES WARD BYRKIT bedient sich ganz clever der Thematik von Paralleldimensionen, versetzten Zeitebenen sowie Quantenphysik und konstruiert ein faszinierendes Stück Zelluloid, das reichlich Aufmerksamkeit voraussetzt, damit der roten Faden nicht verloren geht. Hierbei geht der Regieneuling den gleichen Weg wie zuletzt DENNIS ILIADIS, der im vergangenen Jahr an einem ähnlichen Film werkelte, welcher letztendlich vom deutschen Rechteinhaber UNIVERSUM FILM unter dem Titel PARTY INVADERS (im Original: +1 (2013)) ganz stillschweigend in die Händlerregale gebracht wurde.
 
Erfrischende Rezepturen gänzlich ohne Klischees und Konventionen sind im Kino mittlerweile eine Seltenheit geworden, vor allem wenn die amerikanische Traumfabrik mal wieder zugeschlagen hat, die dem Zuschauer das Denken so einfach wie möglich gestalten möchte. Ein Übel, dass BYRKIT nicht hinnehmen wollte, wie er in einem Interview verriet. Er war darum bestrebt einen Film zu drehen, der eben nicht bis ins kleinste Detail erklärt werden soll, damit ihn auch jeder Filmzuschauer verstehen kann. Vermutlich ein Grund, warum sich ohnehin kein großes amerikanisches Studio hätte finden lassen, das dazu bereit gewesen wäre, sein rätselbepacktes Filmvergnügen zu unterstützen. Dass sein Film mit einem abrupten Abschluss vollkommen aus der Bahn wirft, ohne klärende Antworten zu liefern, ist nur ein Beispiel dafür wie geschickt er sich den vordiktierten Regeln amerikanischer Hochglanzfilme entgegenlehnt, obwohl er im Grunde genommen einst selbst hier Fuß im Filmbusiness gefasst hat. Für diesen unkommerziellen Weg kann man den Filmemacher nur loben, denn auch wenn man COHERENCE vermutlich mehrmals gesehen haben muss, um auch alle Geheimnisse entschlüsseln zu können, ist dieses klug inszenierte und überraschend unkonventionelle Leinwand-Puzzle über jeden Zweifel erhaben. Für ein so sehenswertes und vor allem mutiges Erstwerk, das Hollywood rigoros den Mittelfinger entgegenstreckt, obwohl Macher JAMES WARD BYRKIT einst mit großen Blockbuster-Hits Erfolge feierte, gibt es vom FILMCHECKER eine zu recht verdiente und ungewöhnliche hohe Punktzahl.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös-unheimlicher Puzzle-Trip, der in keiner gut sortierten Filmsammlung fehlen sollte. Manchmal ist eine gute Idee mehr Wert als viel Budget und ausufernde Spezialeffekte. COHERENCE ist ein Triumph des Low-Budget-Filmemachens, denn trotz oder gerade aufgrund der Tatsache, dass die Akteure in diesem Kammerspiels vorwiegend improvisieren und kein Drehbuch als Grundlage besitzen, um sich daran festklammern zu können, gehört COHERENCE zum Besten was das Filmjahr 2014 zu bieten hat. Regisseur JAMES WARD BYRKIT ist hier ein Kunststück gelungen, dass die volle Aufmerksamkeit seiner Zuschauer genießt, die schnell ganz leise werden, um wirklich alle Geheimnisse diese grandios verschachtelten Verwirrspiels ergründen zu können. Da stört dann auch die teils wackelige Kameraführung nicht, die zwar immer nah an den Protagonisten ist, um Authentizität bewirken zu können, aber ab und an mit den üblichen Mankos zu kämpfen hat, die man aus den vielen Found-Footage-Werken kennt. Keine Angst COHERENCE ist keiner dieser überdrüssigen Shaky-Cam-Streifen. Vielmehr ist dieser packende und klug umgesetzte Überraschungs-Hit mit all seinen unerwarteten Wendungen Pflichtprogramm für Fans des Phantastischen Films. Daher: Wer im Genre Anspruch statt Holzhammer braucht, muss diesen Film gesehen haben.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Zensur

 
 
 
COHERENCE ist kein blutrünstiger Horror-Schocker. Hier passieren weder Mord- noch Totschlag. Am Ende kommt der Deckel eines Toilettenspülkastens zum Einsatz – das war’s dann aber auch schon mit der Gewalt. COHERENCE wird mit blauem FSK16-Sticker in den Handel kommen. Zuvor darf er jedoch auf dem FANTASY FILMFEST 2014 begutachtet werden.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House ot the End Times (2013)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
Mine Games (2012)
 
Haunter (2013)
 
Und taglich grüsst das Murmeltier (1993)
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)
 


Filmreview: “Beneath” (2013)

beneath-2013
 
 
 

BENEATH

Story

 
 
 
Nach einem Unfall ist eine Gruppe Bergleute Untertage von der Außenwelt abgeschottet und muss 72 Stunden auf Rettung warten. Die beklemmende Situation scheint jedoch noch das Beste zu sein, was ihnen an diesem Tag widerfahren ist, denn mit dem Einsturz wurde auch etwas Unheimliches freigelegt …
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Kritik

 
 
 
Das Wort BENEATH scheint derzeit immer wieder Verwendung bei der Titelkreation von Horrorfilmen zu finden. Erst kürzlich haben wir einen Streifen mit gleichem Titel besprochen, der vom amerikanischen Horror-Kanal CHILLER in Produktion gegeben wurde und inhaltlich mit seiner Monsterfisch-Thematik jedoch eine ganz andere Richtung einschlägt. Gleiches gilt übrigens auch für den von DAGEN MERRILL inszenierten Mystery-Thriller, der von PARAMOUNT CLASSICS und MTV FILMS hergestellt und für eine lukrative DVD-Auswertung bereits im Jahr 2007 in die Händlerregale gebracht wurde. Der nun vorliegende BENEATH schmückt sich zwar mit gleichem Namen, ist jedoch im Unterschied zu den genannten Genre-Werken um Längen besser. Demnach sollte der interessierte Horrorfan Vorsicht walten lassen und beim Kauf darauf achten, dass er auch wirklich den richtigen BENEATH in den Einkaufskorb legt. Schließlich verliert man bei so vielen Filmen mit gleichem Schriftzug auf dem Cover schnell den Überblick.
 
In der Tiefe hört dich niemand schreien – mit einem derart reißerischen Untertitel hätte man vermutlich der Verwechslungsgefahr entgegenwirken und das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen können, schließlich umschreibt der Slogan trefflich, was den verängstigten Protagonisten in BEN KETAIS Thriller passieren wird. Umso verwunderlicher, dass der Streifen, zumindest in seinem Herstellungsland, von solch werbewirksamen Floskeln absieht und ohne mediales Brimborium auf Heimkinomedium ausgewertet wurde. Eine durchaus mutige Entscheidung der Macher, hat sich doch Regisseur BEN KETAI mit der miserablen Video-Fortsetzung zu 30 DAYS OF NIGHT nicht gerade mit Ruhm bekleckert, so dass sein neuer Film BENEATH verständlicherweise mit eher gemischten Gefühlen von Fans erwartet werden dürfte. Allen Skeptikern zum Trotz darf man jedoch verlauten lassen, dass KETAI einen überraschend sehenswerten Film abgeliefert hat, der sich recht effektiv bei den menschlichen Urängsten bedient und die auch gleich zum Thema eines bemerkenswert guten Grusel-Trips gemacht hat.
 
Samantha Marsh (KELLY NOONAN) steigt in BENEATH zusammen mit ihrem Vater (ein erschreckend gealterter JEFF FAHEY) und dessen Arbeitskollegen hinab in ein dunkles Bergwerk, um einerseits den kränkelnden Papa an seinem letzten Arbeitstag noch einmal über die Schulter schauen zu können und um den übrigen Herrschaften zu beweisen, dass auch eine Rechtsanwältin in Extremsituationen ihren Mann stehen kann. Frauen am Arbeitsplatz bringen Unglück – eine Bergbauweisheit, die sich in BENEATH rasch bewahrheitet, denn während Bohrarbeiten im Inneren der Mine kommt es zu einem Unfall und die Gruppe wird verschüttet. Nun ist guter Rat teuer, denn bis Rettung eintrifft werden knapp 72 Stunden vergehen. Zeit, die die Überlebenden jedoch nicht haben, schließlich ist hier unten nicht nur der Sauerstoff knapp. Glaubt man den Legenden wurden in den 1920ern hier bereits schon einmal 19 Bergleute unter ähnlichen Umständen begraben. Leider konnten deren Überreste bis heute nicht ausfindig gemacht werden. Eine Tatsache, die den Verschütteten während ihres Überlebenskampfes nicht gerade förderlich ist, erkennen sie doch, dass mit dem Einsturz etwas Unheimliches befreit wurde.
 
Paranoia-Thriller oder Geister-Horror? So wirklich festlegen wollten sich die beiden Drehbuchautoren PATRICK DOODY und CHRIS VALENZIANO beim Schreiben vermutlich nicht. BENEATH ist nämlich einer dieser doppelbödigen Filme, deren Erklärung sich der Zuschauer selbst zusammenreimen muss. Die verschütteten Protagonisten müssen sich diversen Ängsten stellen. So werden die Charaktere nicht nur mit permanenter Sauerstoffknappheit konfrontiert. Zusätzliche Stressfaktoren wie Dunkelheit, Klaustrophobie und plötzlich auftretende Panikattacken erschweren den Kampf ums Überleben enorm. Nach körperlichem Stress folgt Realitätsverlust, der dafür sorgt, dass sich die Kumpels gegenseitig abschlachten, spielt ihnen doch die eigene Psyche gemeine Streiche. Dass die Paranoia durch die Legende von den verschollenen Bergarbeitern aus den 20ern nur unnötig vorangetrieben wird, dürfte nur logisch sein. Wer sich im Übrigen mit plausiblen Erklärungen schwer tut, darf sich natürlich auch gern seinen eigenen, paranormalen Erklärungsansatz zusammenwürfeln, denn auf Horror-Ebene funktioniert BENEATH genauso gut. So werden aus Wahnvorstellungen flink besessene Minenarbeiter, in deren Körper die Geister jener Bergleute geschlüpft sind, die vor fast 100 Jahren mehrere Meter unter der Erde einen grausamen Tod gefunden haben.
 
Regisseur BEN KETAI jongliert ganz selbstsicher mit Nervenkitzel und Gänsehaut. Das schwach beleuchtete Setting bewirkt zusammen mit einigen grotesk anmutenden Morphing-Effekten maximales Gruselfeeling und eine temporeich inszenierte Höhlen-Hatz (THE DESCENT lässt grüßen) macht aus BENEATH packend gewerkelte Gruselunterhaltung. KETAIS Überlebensfilm lässt sich in keine Schublade pressen. Die Tatsache, dass der Zuschauer keine Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommt, macht BENEATH äußerst reizvoll. Und gerade der Umstand, dass Macher BEN KETAI den Zuschauer bis zum Abspann im Unklaren lässt, welche Richtung BENEATH nun einschlagen wird, sorgt dafür, dass der Spannungspegel konstant beibehalten werden kann. Leider stört mal wieder das “Alles total wahr”-Gequassel zu Beginn. Seit jedes zweite Horrorwerk mit dem “Inspiriert von”-Slogan um die Gunst der Käuferschar buhlt, geht einem als Horrorfan jene Vermarktungsstrategie gehörig auf den Zünder. Dennoch, sieht man von diesem kleinen Manko ab, ist BENEATH zweifelsohne beängstigend-klaustrophobisches Horror-Kino, das für einen schnellen Pulsschlag sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Dunkeln ist gar nicht gut Munkeln. BENEATH ist klaustrophobischer Höhlen-Horror, der die Spannungsschraube minutiös fester dreht. Die menschlichen Urängste haben nun bereits schon unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht und nur wenigen von ihnen ist es in letzter Zeit gelungen Gruselstreifen in die Heimkinos zu bringen, die auch dem Zuschauer einiges abverlangt haben. Regisseur BEN KETAI hat nach 30 DAYS OF NIGHT: DARK DAYS endlich guten Horror gebastelt, der sich der Urangst-Problematik bedient und dennoch nicht zwingend im Horror-Bereich einzuordnen ist. Er überlässt dem Zuschauer nämlich selbst, in welche Schublade er BENEATH stecken möchte. Ob nun nur packender gedrehter Paranoia-Überlebens-Thriller oder unheimlich inszenierter Geister-Schocker – die Entscheidung fällt letztendlich der Horrorfan selbst. Fakt ist, dass BENEATH beidseitig funktioniert und 90 Minuten wohliges Schauern garantiert. Deshalb: Ein sehenswerter Horrortrip unter Tage.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Zensur

 
 
 
BENEATH ist kein Metzel-Feuerwerk für Splatter-Fans. Hier töten sich die Protagonisten selbst, wobei unklar bleibt, ob sie im Wahn handeln oder von Geistern besessen sind. Meist bekommt der Zuschauer jedoch nur das Ergebnisse deren Handelns zu Gesicht. Einige verstörende Morphing-Effekte verstärken das Grusel-Feeling. Wir gehen von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
The Descent (2005)
 
The Cave (2005)
 
The Descent 2 (2009)
 
The Cavern – Abstieg ins Grauen (2005)
 
Underground – Tödliche Bestien (2011)
 
In Darkness We Fall (2014)
 


Filmreview: “All Cheerleaders Die” (2013)

ALL-CHEERLEADERS-DIE-2013
 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE

Story

 
 
 
Eine Gruppe Cheerleader steigt aus ihrem nassen Grab, um sich als blutgierige Zombies an ihren Mördern zu rächen …
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Kritik

 
 
 
Remakes von Horrorfilmen sind im Genre mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Leider versucht sich Hollywood vermehrt darin den ganz großen Klassikern der Horrorwelt eine Frischzellenkur zu verpassen, was bei Fans jedoch meist auf Unverständnis stößt. Bei denen läuten bereits Wochen vor Drehbeginn die Alarmglocken, setzen doch eingefleischte Filmliebhaber das überflüssige Neuverfilmen ihrer beliebten Klassiker mit einem Sakrileg gleich. So ganz unbegründet ist deren Recyclingboykott verständlicherweise nicht, schließlich wurden in letzter Zeit Filme durch die Wiederverwertungs-Maschinerie gejagt, welche Jahrzehnte nach ihrem Entstehen beim Zuschauer immer noch maximales Grauen bewirken und nicht zwingend eine Neuverfilmung benötigt hätten. Gerissenen Produzenten Hollywoods ist die Skepsis der Zuschauer jedoch egal, denn so lange sich damit schnell Geld verdienen lässt werden auch weiterhin bekannte Titel der Horrorwelt lieblos und kommerzorientiert in die Lichtspielhäuser gebracht.
 
ALL CHEERLEADERS DIE ist auch ein Streifen, der in die Rubrik “Horror-Remake” einzuordnen ist. Doch bevor ein lautes Stöhnen die Runde machen wird, können wir Entwarnung geben, denn ALL CHEERLEADERS DIE ist einer jener Filme von dem niemand vermutet hätte, dass es ihn schon einmal gegeben hat. Horror-Maestro LUCKY MCKEE steckt hinter dem Reboot und hat weit vor Genre-Hits wie MAY – SCHNEIDERIN DES TODES (2002) und THE WOMAN (2011) mit dem No-Budget-Trash ALL CHEERLEADERS DIE versucht mehr oder weniger erfolgreich Fuß im Filmbusiness zu fassen. Zwölf Jahre nach Entstehung des Originals kommt der Horrorspaß noch einmal in die Wohnzimmer, natürlich mit mehr Budget, besseren Schauspielern und professionellen Effekten. Alles beginnt wie in jedem amerikanischen Highschool-Filmchen, wo Schüler als erstes nach Stereotypen gruppiert werden. Während Außenseiter und Eigenbrödler vergebens nach Aufmerksamkeit streben und versuchen Zuflucht in ihrer eigenen kleinen Welt zu finden, gibt es auch in ALL CHEERLEADERS DIE natürlich die selbstverliebten und coolen Kids der Schule, mit denen nicht immer gut Kirschen essen ist. Regisseur LUCKY MCKEE persifliert für sein Horror-Remake ganz luftig-locker sämtlich Highschool-Klischees auf überspitzt-zynische Weise und hat sichtlich Spaß daran, seine Figuren auch mal selbstironisch durch den Kakao zu ziehen. So gefällt, wie er die Objektivierung der Frau im Horrorfilm mit fast schon satirischem Unterton an den Pranger stellt. Schließlich wird das weibliche Geschlecht im Genre meist primär als Sexobjekt dargestellt, dem es des Öfteren an Intelligenz mangelt.
 
Der gar nicht mal so üble Mix aus BUFFY, GIRLS UNITED und CHARMED erzählt die Geschichte von Hobby-Hexe und Wahrsagerin Leena (SIANOA SMIT-MCPHEE), die mit argwöhnischen Augen die Entwicklung von Ex-Freundin Maddy (CAITLIN STASEY) beobachtet. Die schöne Brünette ist seit einiger Zeit darum bestrebt in der Cheerleader-Clique aufgenommen zu werden, um die dreisten Machenschaften von Football-Spieler Terry (TOM WILLIAMSON) aufdecken zu können. Der Mannschaftskapitän des schuleigenen Football-Teams gehört zwar zu den beliebtesten Schülern an der Highschool, wechselt aber Frauen wie Unterwäsche. Nachdem es Maddy gelungen ist die Cheerleader-Clique gegen das Football-Team aufzuhetzen, endet der Streit im Chaos: Das Auto der Mädchen kommt von der Straße ab und landet in den Fluten einen reißenden Flusses. Weil der abgebrühte Terry jedoch Angst vor den Konsequenzen hat flüchtet er lieber mit seinen Team-Kollegen und überlässt die Cheerleader ihrem Schicksal. Gott sei Dank ist Außenseiterin und Hexe Leena vor Ort. Sie beschwört die geheimnisvolle Macht ihrer magischen Steine und bewirkt, dass die Cheerleader mit einem unstillbaren Blutdurst von den Toten auferstehen. Dass die sonst so zickigen Schülerinnen mit ihrem frühzeitigen Ableben so rein gar nicht einverstanden sind, dürfte auf der Hand liegen. Kaum auf dem Schulhof zurückgekehrt heißt das neue Unterrichtsfach „Rache“.
 
Man nehme einfach von allem etwas. Mit dieser Einstellung hat LUCKY MCKEE genau jene Rezeptur gefunden, die das Horror-Genre auch bitter benötigt hat, denn mittlerweile hat sich der Horrorfilm zu einem langweiligen Tummelplatz der immer wieder gleichen Filmthemen entwickelt. ALL CHEERLEADERS DIE bedient sich unterschiedlicher Sub-Genre. So werden Elemente aus Slasher, Rache, Vampir- und Zombiefilmen zu etwas völlig Neuem zusammengewürfelt; ein kleiner Spritzer Selbstironie wird zur Quintessenz des wilden Genre-Cocktails. MCKEE, der zuvor eher ernste Filme über Frauen gedreht hat, die von ihren männlichen Filmkollegen missbraucht oder ungerecht behandelt wurden, wandelt mit ALL CHEELEADER DIE auf ungewöhnlich komödiantischen Pfaden, ohne jedoch zu sehr ins Alberne abzudriften. Anders als in seinen bisherigen Streifen, lässt er seine Heldinnen auch schon mal ungeniert furzen oder über sich selbst witzeln, findet aber stets den Absprung vor allzu platten Fäkal-Schweinereien. ALL CHEERLEADERS DIE macht alles richtig. Ein nahezu konstant ansteigender Grusel- und Gewaltfaktor hält sich mit erheiternder Komik die Waage und macht MCKEES Remake zu einem ganz besonderen Filmerlebnis, dass scheinbar sogar in Serie gehen soll. Der gut durchdachte Teenie-Horror endet mit einem vielversprechenden Cliffhanger und lässt auf herrlich absurde Splatter-Unterhaltung hoffen. Wenn es nach FILMCHECKER geht, darf die gern so schnell wie möglich in Produktion gehen, schließlich sind wir der Meinung: ALL CHEERLEADERS DIE gehört zweifelsohne zu den Genre-Überraschungen des Jahres.
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
LUCKY MCKEES Neuverfilmung seines Erstlings ALL CHEERLEADERS DIE sollte jeder Horrorfan gesehen haben. Der Streifen ist schräg, unterhaltsam, blutig, sexy, packend, bissig, durchdacht, raffiniert, selbstironisch, wild, clever – kurz: Einfach vollkommen anders. Ein Horror-Must-See! Noch Fragen?
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Zensur

 
 
 
Eigentlich beginnt ALL CHEERLEADERS DIE so ziemlich harmlos. Kurz vor Ende wendet sich jedoch das Blatt und die Kids sterben wie die Fliegen. Einige Todesszenen sind dann doch recht grafisch, so dass die KEINE JUGENDFREIGABE-Kennzeichnung Liebhaber der etwas härteren Filmgattung freuen dürfte.
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scream – Schrei! (1996)
 
Scary Movie (2000)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Der Pakt – The Covenant (2006)
 
Buffy – Im Bann der Dämönen (1997 – 1993)
 
Charmed – Zauberhafte Hexen (1998 – 2006)
 
100 Bloody Acres (2012)
 


Filmreview: “Animal” (2014)

animal-2014-chiller-films
 
 
 

ANIMAL

Story

 
 
 
Fünf Freunde geraten auf die Speisekarte einer gefräßigen Kreatur, die in den Wäldern am Holland Creek ihr Unwesen treibt …
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Kritik

 
 
 
Der amerikanische Horror-Sender CHILLER mausert sich mit seinen eigens produzierten Horrorfilmen so langsam zum Geheimtipp unter Liebhabern finsterer Videounterhaltung. In der sendereigenen Filmwerkstatt namens CHILLER FILMS werden nämlich seit einiger Zeit Horrorstreifen produziert, die kaum erahnen lassen, ob sie nun eigentlich für eine Fernseh- oder Kinoauswertung angedacht waren. Die Macher des Grusel-Studios scheinen bestrebt darin zu sein, den Anspruch ihrer Filmkreationen konsequent steigern zu wollen, hat doch das Schaffen der aktuellen CHILLER FILMS-Staffel mittlerweile Kino-Niveau erreicht. Dem Horrorfan kann das nur recht sein. Schließlich freut dieser sich, wenn er ordentlich gemachte Horror-Ware in den Player legen kann und sich bei Schockern wie CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR (dem übrigens demnächst eine Fortsetzung folgen soll) so richtig “chillig” gruseln kann.
 
Nachdem der Seemonster-Trash BENEATH und der Mystery-Thriller DEAD SOULS aus der CHILLER FILMS-Staffel des Jahres 2013 gut angenommen wurden, schien die Konsequenz daraus nur logisch, dass CHILLER FILMS an der Umsetzung weiterer Horrorfilme tüfteln würde. Die sind nun fertig und warten darauf im TV gezeigt oder lukrativ an den Heimkinofreund verhökert zu werden. Für einen der ersten Beiträge der neuen Season konnte noch einmal BRETT SIMMONS (HUSK) gewonnen werden, der mit THE MONKEY’S PAW ein Jahr zuvor bereits schon einmal Horrorstoff für CHILLER FILMS ins Fernsehen brachte. Statt der Verfilmung einer Kurzgeschichte hat er sich diesmal für die Umsetzung eines soliden Drehbuchs entschieden, dem aber das gewisse Etwas fehlt, um wirklich überzeugen zu können. ANIMAL heißt der Monster-Heuler, der, wie bereits der Titel und das Filmplakat vermuten lassen, dem Genre des Tier-Horrorfilms zuzuordnen ist.
 
Fünf Mittzwanziger müssen den Kampf mit einer hungrigen Bestie aufnehmen, über die man jedoch nur wenig im Film erfährt. Diese lebt in den Wäldern von Holland Creek und wird von ständigen Heißhungerattacken gequält. Damit der immer leere Magen gefüllt werden kann, werden ahnungslose Spaziergänger gejagt, die dann horrorfilmtypisch durch Wald und Flur gehetzt und anschließend in Stücke zerrissen werden. Auch den fünf stereotypen Jungdeppen in ANIMAL steht gleiches Schicksal bevor. Hätten diese jedoch einige Horrorfilme der letzten Jahre gesehen, wäre ihnen aufgefallen, dass Orte mit “Creek” im Namen meist nichts Gutes zu bedeuten haben. Bei einer Tageswanderung durch die Wälder am Holland Creek treffen sie ganz unvorbereitet auf das mutierte Mauskopf-Predator-Wolfsmensch-Ding, dem sogleich einer der Freunde zum Opfer fällt. Der Rest flüchtet zu einer nahestehenden Hütte, in dem bereits eine andere Gruppe älteren Semesters Schutz vor den Attacken des blutgierigen Wesens gefunden hat. Kaum Zuflucht gefunden werden wie in Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD Zugänge verbarrikadiert und Fenster vernagelt. Doch das Monster lässt keine Möglichkeit aus, um irgendwie ins Innere der schützenden Behausung zu gelangen.
 
DREW BARRYMORE hat “nach Hause telefoniert”. Diesmal jedoch nicht um mit E.T. neuste Schmink- und Modetipps auszutauschen, sondern um sich an der Produktion von ANIMAL zu beteiligen. Der smarte Engel für Charlie fungierte hier als Finanzspritze und hat den Streifen quasi mitproduziert. Leider scheint die Gute noch etwas unbewandert im Horror-Bereich zu sein, denn würde sie etwas Ahnung von Horrorfilmen haben, hätte sie vermutlich ihr Geld in die Herstellung anderer, weitaus besserer Gruselstreifen investiert. Auch wenn ANIMAL trotz Trash-Note wirklich bemerkenswert gut ausschaut und zwischen ASYLUM-Billig-Nonsens und Edel-Trash-Welt liegt, mangelt es diesem Film zu sehr an neuen und unverbrauchten Ideen. Die Geschichte von dummen Kids, die nacheinander von einem Mann im Monsterkostüm zerfetzt und gefressen werden strotzt nicht gerade vor Innovationen. Da Regisseur BRETT SIMMONS jedoch ziemlich oft Blutfontänen spritzen lässt, um die Mattscheibe rot färben zu können, dürften die teils hektisch geschnittenen Blutmomente zumindest den Freunden übertriebener Gore-Einlagen reichlich Spaß bereiten.
 
Apropos hektisch: Wenn einem Horrorfilm das Tempo fehlt, kann manch eifrig zusammengeflicktes Schnittmassaker selbst aus langweiligen Schlaftabletten unterhaltsame Filme machen. Macher BRETT SIMMONS nimmt sich dieser Methodik hier nur allzu gerne an, um die minimalistische Handlung des Streifens voranzutreiben. Auch einige Defizite im Design des von GARY J. TUNNICLIFFE entworfenen Monsters konnten mit dem Hektik-Gimmick geschickt verschleiert werden. Löblicherweise sieht man in ANIMAL zudem von günstigem Einsatz schlecht umgesetzter Computereffekte ab. Alle Gore- und Creature-Effekte sind handgemacht, was vor allem Retro-Fans zusagen dürfte, schließlich lässt ANIMAL ab und an Erinnerungen an charmante Tier- und Monsterheuler der 80er wach werden und schafft es mit lautem Grunzen und Quieken der Kreatur, den Besitzern von Surround-Anlagen die Nackenhaare aufzusträuben. Somit sind achtzig solide Unterhaltungsminuten garantiert, auch wenn ANIMAL mit Sicherheit kein nennenswertes Highlight im Genre der Tier- und Monsterstreifen darstellt.
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein charmanter Monster- und Tiergrusler, wie man sie in den 80ern häufiger im Video-Recorder hatte. Natürlich hat sich seit Filmen wie RAZORBACK, CUJO und DER WERWOLF VON TARKER MILLS so einiges verändert: Die Schnitte sind hektischer geworden, der Look ist tadellos auf Hochglanz poliert und die Protagonisten hören Musik mit der Mp3-Funktion ihrer Handys, anstelle ihres Walkmans. Handmade-Effekte an die Macht heißt die Devise in ANIMAL, denn trotz B-Movie-Charme hat man auf den Einsatz überflüssiger Computereffekte verzichtet, was man in Horrorfilmen neueren Datums immer seltener zu sehen bekommt. Denn seit Trash-Schmieden wie ASYLUM oder der TV-Sender SYFY miserablen Abfall am Band produzieren, ist der Einsatz von CGI im Horrorfilm zur Gewohnheit geworden. Im Gegensatz zu genannten Produktionshäusern schaut der für den Horrorsender CHILLER produzierte ANIMAL ganz passabel aus und erreicht optisch fast schon Kino-Niveau. Dennoch vermiesen die austauschbare Handlung und die für das Genre obligatorischen Klischees den positiven Gesamteindruck. Wie in Filmen dieser Art typisch sind die meist jugendlichen Stereotypen nicht gerade die hellsten Kerzen auf dem Kuchen. So finden eine farbigen Powerfrau (Hip-Hop-Sängerin KEKE PALMER), der muskelbepackte Beschützertyp, eine Sprüche klopfende Obertucke und der smarte Sunnyboy in ANIMAL wenig überraschend einen schnellen Tod. Ausgerechnet die unsympathische Filmzicke darf am Ende überleben. Dass sich das Finale die Option für eine Fortsetzung offen lässt, war auch schon in ähnlich gestrickten Schockern der 80er der Fall. Wer eine Leidenschaft für trashige Monster- und Tierheuler besitzt ist mit ANIMAL gut beraten. Denn auch wenn sich der Film ausschließlich auf das beliebte 10-kleine-Negerlein-Prinzip konzentriert, gefällt der Film durch sein nicht übel getrickstes Filmmonster und das strafe Filmtempo. Daher: Solider Horrorfilm, der vom FILMCHECKER-Team das Prädikat “Edel-Trash” verliehen bekommt.
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Zensur

 
 
 
ANIMAL ist ein waschechter Vertreter des Tier-Horrorgenres. Bei solcher Art Filmen passiert es nicht selten, dass die FSK milder einstuft. Meist sind derart Streifen bereits für Jugendliche geeignet. ANIMAL macht da keine Ausnahme. Bis auf einige Blutfontänen gibt es nicht viel Gewalt zu sehen. In wenigen Szenen bekommt der Zuschauer zudem nur die Ergebnisse der Attacken der Kreatur zu sehen. Sonderlich hart ist ANIMAL demnach nicht anzuschauen und dürfte mit FSK16 in die Kaufhäuser kommen.
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Piranhaconda (2012)
 
Primal (2010)
 
The Cave (2005)
 
Mosquito Man (2004)
 
They Nest – Tödliche Brut (2000)
 


Filmreview: “The Visitant” (2012)

the-visitant-(2012)
 
 
 

THE VISITANT

Story

 
 
 
Wenn Samantha (Janie Michele Simms) was Vernünftiges gelernt hätte, wäre ihr vermutlich einiges an Ärger erspart geblieben. Als Kunden prellende Wahrsagerin verdient sie sich ihren Lebensunterhalt in einem Vergnügungspark und gerät an eine Immobilienmaklerin, die ihr von den regelmäßigen Attacken eines wütenden Poltergeistes berichtet. Der hat aber scheinbar genug von seinem letzten Opfer und beginnt schon bald damit, die ahnungslose Samantha in ihrer Wohnung zu terrorisieren …
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Kritik

 
 
 
Im Jahre 1982 brachte SIDNEY J. FURIE einen durchaus unangenehmen Dämonen-Spuk in die Lichtspielhäuser, der von einer Frau berichtete, die von einer unsichtbaren, dämonischen Präsenz terrorisiert wurde. Leider ist das auf angeblich wahre Begebenheiten beruhende Stück Terror-Kino mit dem Titel THE ENTITY heutzutage kaum einem Horrorfan mehr ein Begriff, was vermutlich daran liegen mag, dass Streifen wie THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY dem (jüngeren) Zuschauer das Nonplusultra vorgaukeln. Weitaus besser Geister- und Spukfilme gab es jedoch schon viel früher, wobei Klassiker wie DER UNHEIMLICHE GAST (1944), SCHLOSS DES SCHRECKENS (1961), BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963), DAS GRAUEN (1980) oder POLTERGEIST (1982) zu den wohl wichtigsten Werken innerhalb des Spuk-Genres gehören und zumindest jeder aufgeschlossene Filmfreund mal auf dem Bildschirm gehabt haben sollte. Regisseur JOHN BINKOWSKI erweitert die lange Reihe an Geisterstreifen um sein Low-Budget-Ding THE VISITANT, das in seiner Machart dem genannten Terror-Flick THE ENTITY nicht unähnlich ist. Auch hier wird eine Protagonistin von einem bösartigen Poltergeist attackiert, der sein Opfer versucht in den Wahnsinn zu treiben. Hinter dem Spuk steckt die Produktionsfirma FWC PICTURES, die vom Regisseur persönlich mit ins Leben gerufen wurde und bereits vor einigen Jahren mit SCARE ZONE (2009) semierfolgreich versucht hat Horrorstoff an den Fan zu bringen. Leider ist auch der zweite Genre-Streich nicht Großes, denn wie bei Indie-Produktionen üblich, herrscht auch bei THE VISITANT Ebbe in der Kasse. Die Kulisse ist mager, Effekte sind bescheiden und die Gruselatmosphäre wird auf Sparflamme geköchelt.
 
Ähnlich wie bei THE ENTITY beruht die Geschichte des Gruseltrips auf Ereignisse, die sich so ähnlich zugetragen haben sollen, wie sie der Film beschreibt. Dennoch bleibt im Falle von THE VISTANT fraglich, ob die “wahre” Grundlage nicht das Ergebnis eine doch sehr blühenden Phantasie gewesen ist, schließlich lässt sich ein Streifen mit Echtheitszertifikat auf dem Cover weitaus besser verkaufen, als manch fiktive Geschichte. So verriet Produzentin LISA ENOS SMITH in einem Interview, dass sie einige seltsame Ereignisse im Jahr 1999 sehr beunruhigt hätten. Die schreckhafte Dame musste für Recherchezwecke an Bord des ehemaligen Passagierschiffes Queen Mary reisen, von dem behauptet wird, dass es drin spuken soll. Kaum in die eigenen vier Wände zurückgekehrt wurde SMITH von einer unheimlichen Stimme verfolgt, die nicht nur dafür sorgte, dass die Milch im Tee saurer wurde, sondern jede Menge Schabernack im Haus veranstaltete. Ob nun wirklich passiert oder geschickt konstruierter PR-Schachzug sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass sich SMITHS Geschichte (hier das Interview) weitaus spannender anhört, als THE VISITANT letztendlich geworden ist. Dabei beginnt und endet eigentlich alles so, wie man es sonst aus Kurzgeschichten der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie kennt. Splatter und Cryptkeeper sucht man im Film zwar vergebens, dafür glänzt THE VISITANT wie einst die TV-Serie auch mit makabrem Ende und zwei gar nicht mal so uncharmanten Darstellerinnen, die den Zuschauer durch eine rudimentäre Handlung führen, die man gut und gerne auch in 30 Minuten hätte abhandeln können.
 
Doch wie füllt man eine Geistergeschichte, deren Inhalt sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt? Richtig, in dem man die Anleitung für Hobby-Spukmeister aus dem Internet lädt und den ohnehin dünnen Plot um die nervigsten Spukhaus-Klischees bereichert. So dürfen plötzlich zuschlagende Türen ebenso wenig fehlen, wie der Kontakt zum Toten mittels Seance. Die beste Freundin ist zwar immer per Telefon- und Skype-Konferenz zugegen, kann aber mit ihrem oftmals recht erheiterndem Mundwerk nicht verhindern, dass THE VISITANT ganz zäher Budenzauber bleibt. Während sich anfänglich nur Dinge bewegen, unheimliche Stimmen vernommen werden und sich Protagonistin Samantha durch unerklärliche Geräusche verunsichert fühlt, ändert der gemeine Poltergeist recht zügig seine Taktik und geht weitaus aggressiver zugange. Wie bereits im am Anfang genannten THE ENTITIY sind körperliche Angriffe die Folge, denen die naive Hausbewohnerin schutzlos ausgeliefert ist. Die ist wiederum alles andere als eingeschüchtert, schließlich vermutet Samantha in der bedrohlichen Präsenz den verstorbenen Ehegatten, der ein Jahr zuvor bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen ist. Auch wenn sich ein unerfreuliches Happy End nach reichlich Gepolter und falschen Wendungen nicht vermeiden lässt, wirkt die letztendliche Auslösung etwas sehr aufgesetzt und arg konstruiert. Das Finale wirkt unfertig und bricht abrupt ab, was darauf folgen lässt, dass sich Drehbuchautor und Regisseur JOHN BINKOWSKI unschlüssig war, wie seine Geschichte denn nun eigentlich abgeschlossen werden soll. Aufgrund der wenig überraschenden Inszenierung ist das aber auch nicht weiter tragisch, denn THE VISITANT ist ohnehin einer jener Filme, die das Spuk-Genre nicht gerade nachhaltig bereichern.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer Filme wie POLTERGEIST, THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY gemocht hat, dürfte sich hier gut aufgehoben fühlen. Dennoch ist THE VISTIANT alles andere, als ein sehenswerter Spukstreifen, was vor allem an der überraschungsarmen Geschichte liegt, die man gut und gerne auch in Kurzfilmform hätte erzählen können. Der Zuschauer wird mit einer Menge Spuk-Klischees gequält, die zu einem reichlich konstruiert wirkenden und ziemlich abrupt endenden Abschluss führen. Auch wenn dem Filmfreund nicht unbemerkt bleibt, dass hier nur Mikro-Budget zur Verfügung gestanden hat, ist THE VISITANT einer jener Filme, deren Umsetzung nicht zwangsläufig hätte sein müssen. Das knappe Geld wäre anderweitig wohl besser investiert gewesen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Zensur

 
 
 
THE VISITANT ist ein typischer Geisterfilm, ohne Blutzoll. Hier stirbt nur ein Hamster – das war`s. Insofern der Film hierzulande überhaupt veröffentlicht werden sollte, dürfte er locker mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost of Goodnight Lane (2014)
 
The Quiet Ones (2014)
 
House of Dust (2013)
 
Der unheimliche Gast (1944)
 
Schloss des Schreckens (1961)
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
Das Grauen (1980)
 
Poltergeist (1982)
 


Filmreview: “After” (2012)

After-2012-ryan-smith
 
 
 

AFTER

Story

 
 
 
Nach einem schweren Busunfall erwachen Freddy und Ana in einer menschenleeren Stadt, die von einer undurchdringbaren Nebelwand umgeben wird. Bei ihrer Suche nach Antworten stoßen sie im Nebel auf ein bösartiges Monster, das auf die ungebetenen Besucher rein gar nicht gut zu sprechen ist …
 
 
 


 
 
 

AFTER – Kritik

 
 
 
Wenn zwei Filmhelden nach einem schweren Unfall in einem scheinbar menschenleeren Paralleluniversum erwachen, das von einer tiefschwarzen Nebenwand umhüllt ist und sich im Dunkel der Nacht ein in Ketten gelegtes Monstrum losreist, um den beiden nach dem Leben zu trachten, dürfte sich der horrorerprobte Zuschauer an die gruselige Videospielreihe aus dem Hause Konami zurückerinnert fühlen, die unter dem Titel SILENT HILL Konsolenfans auf dem gesamten Globus das Fürchten lehrt. Der Spiele-Hit ließ erfolgreiche Fortsetzungen und zwei Kinofilme folgen – für einige noch unbekannte Regisseure Ansporn genug, so ähnliche Filmalbträume auf Zelluloid zu bannen. AFTER aus der Feder von RYAN SMITH ist so ein Fall. Der hat mit seinem Erstling eine Art Lightversion der beliebten Horror-Serie zu Papier gebracht und zeichnete auch gleich für die Produktion und Umsetzung verantwortlich. Bei soviel Engagement und Liebe zum Film ist es dann doch etwas ärgerlich, dass AFTER ziemlich konfuser Mystery geworden ist, der zwar irgendwie an SILENT HILL erinnert, aber nicht einmal ansatzweise die Qualitäten der beliebten Horrorvorlage erreicht.
 
AFTER erzählt von Comic-Pinsler Freddy (STEVEN STRAIT) und Krankenschwester Ana (KAROLINA WYDRA). Die beiden lernen sich in einem Bus kennen, der kurz darauf einen Unfall baut. Als Ana wieder zu sich kommt, befindet sie sich mutterseelenallein in einem verlassenen Krankenhaus. Nach ersten Erkundungsstreifzügen durch das menschenleere Heimatstädtchen trifft sie erneut auf Freddy, der leider auch keinen Schimmer hat, was mit dem Ort passiert sein soll. Die zwei stoßen auf einen geheimnisvolle Nebelwand in deren Zentrum sie eine Tür finden, zu der jedoch kein Schlüssel passt. Den bewacht eine bösartige Kreatur, die sich ihren Fesseln entledigt und daraufhin die beiden Hobbydetektive durch die Gassen der Stadt hetzt.
 
Zwar ist die Optik düster und die wenigen Computereffekte stimmig; dennoch mangelt es an erzählerischer Dichte, die man in AFTER mit der Lupe suchen muss. Für den Zuschauer wird das zähe Rätselraten zur Geduldsprobe, denn leider plätschert das Geschehen ereignislos daher und will irgendwie nie so recht in die Gänge kommen. Zwischen Streifzügen durch die Vergangenheit der beiden Helden (dort ist nämlich der Grund für die seltsamen Vorkommnisse zu suchen) und subtiler Urangst-Problematik gesellt sich ein ziemlich aufdringlicher Score, der die Stimmung jede Szener passend zu unterstreichen versucht. Anfangs mag der Musikeinsatz noch ganz atmosphärisch gelöst sein, im späteren Verlauf nervt der übertriebene Einsatz von szenenbegleitendem Gedudel enorm. Weil AFTER keine wirklichen Höhepunkte bietet und die Geschichte teils ziemlich undurchsichtig bleibt, wirft Macher RYAN SMITH ein animiertes Monster in die wirre Handlung, das die erzählerischen Defizite vergessen lassen soll. Leider bleibt SMITH seiner bisherigen Taktik treu und lässt ein zähnefletschendes Wesen vor die Linse krabbeln, das zwar ganz nett animiert wurde, aber kaum Angst einjagen will, schließlich ist es partout damit beschäftigt eigentlich nichts zu tun. Unterm Strich bleibt ein zwar wirklich schön gefilmter Mystery-Thriller mit netten Effekten und eigentlich guter Idee, bei dem man aber das Gefühl nicht loswerden möchte, als habe Regisseur RYAN SMITH hier eine Kurzgeschichte zu Spielfilmlänge aufgeblasen. Deshalb: AFTER ist eine netter Augenschmaus mit gehaltlosem Inhalt.
 
 
 


 
 
 

AFTER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hübsch verpackter Mystery-Horror: AFTER ist die Indie-Version von SILENT HILL, bei der aber die Spannung aus dem Drehbuch radiert wurde. Die auf Spielfilmlänge aufgeblähte Kurzgeschichte hätte vermutlich besser als Segment in eine Horror-Anthologie gepasst, denn im zähen und unnötig langen AFTER regiert die Langeweile. Schöne Bilder werden von quälender Ereignislosigkeit begleitet; die aufdringliche musikalische Untermalung raubt dem Zuschauer den letzten Nerv. Immerhin gibt es am Ende ein Monster zu sehen. Das ist aber recht träge und kommt – wie die Handlung des Films – nicht in die Gänge. Viel Lärm um eigentlich Nichts, daher meinen wir: Zeitverschwendung!
 
 
 


 
 
 

AFTER – Zensur

 
 
 
Brutal ist AFTER rein gar nicht. Der Film könnte bedenkenlos ab 12 Jahren freigegeben werden, wären da nicht einige verstörende Momente und der düstere Grundton, der sich durch den gesamten Film zieht. Wir gehen von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

AFTER – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Hill: Revelation (2012)
 
Nothing Left to Fear (2013)
 


Filmreview: “Mindscape” (2013)

mindscape-2013
 
 
 

MINDSCAPE

Story

 
 
 
Anna (Taissa Farmiga) ist im Hungerstreik und John Washington muss analysieren warum. Er kann die Erinnerungen von Menschen lesen und soll die Erlebnisse der minderjährige Patientin scanen um herauszufinden, ob die 16-Jährige unter einem Trauma leitet oder eine Vollblut-Soziopathin ist …
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Kritik

 
 
 
Von gut situierten Mädchen wird im Öffentlich-Rechtlichen berichtet, von ungezogenen Gören liest man auf Filmchecker. Das personifizierte Böse im Körper eines unschuldig dreinschauenden Engels haben bereits unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht, wobei zu den wohl bekanntesten unter ihnen RICHARD DONNER gehört, der im Jahr 1976 mit dem Horrorfilm DAS OMEN die ganze Welt in Schrecken versetzte. Für drei Fortsetzungen und ein Remake hat der Furcht einflößende Stoff gereicht, der vermutlich nicht nur bei besorgten Eltern und selbsternannten Jugendschützern die Alarmglocken hat läuten lassen, weil im Film von einem Sechsjährigen erzählt wird, den alle für einen Nachkommen des Leibhaftigen halten. Nicht der Antichrist in Person, dafür ein Soziopath der ganz finsteren Sorte ist die 16-jährige ANNA (gespielt von TAISSA FARMIGA), die im Thriller MINDSCAPE mit allen Regeln der Kunst Menschen manipuliert und daran auch noch Gefallen findet. Der Spanier JORGE DORADO steckt hinter dem fiesen Ausflug in die Psyche einer gestörten Minderjährigen, der mit MINDSCAPE (international auch als ANNA vermarktet) seinen ersten Langfilm in die Kinos gebracht hat und mit einen wendungsreichen Hochglanz-Thriller überrascht, der besser ist, als es die magere Inhaltsangabe verspricht.
 
MINDSCAPE handelt von John Washington (MARK STRONG), der über eine besondere Gabe verfügt und in die Erinnerungen von Menschen eindringen kann, um Mordfälle lösen zu können. Leider erlitt er während einer der letzten Sitzungen einen Schlaganfall und hat zudem mit dem tragischen Selbstmord seiner Frau zu kämpfen. Damit er wieder auf die Beine kommt und nicht im Selbstmitleid zerfließt wird ihm der mysteriöse Fall der 16-jährigen Anna zugewiesen. Die lebt zusammen mit den wohlhabenden Eltern in einem riesigen Anwesen weit draußen auf dem Land und ist seit mehreren Tagen im Hungerstreik, weil die Eltern ihr Hausarrest verordnet haben. Ganz unbegründet ist deren Entscheidung jedoch nicht, vermutet Mutter Michelle (SASKIA REEVES), dass die eigene Tochter eine ernstzunehmende Gefahr für Andere darstellt, schließlich sind in der Vergangenheit seltsame Dinge passiert, in die Anna kurioserweise immer mit involviert gewesen ist. Erinnerungs-Detektiv John Washington wird beauftragt das Rätsel um den unschuldig dreinschauenden Teenager zu lösen. Er soll auf Anweisung seines Vorgesetzten Sebastian (BRIAN COX) herausfinden, ob die Mutter mit ihrer Vermutung richtig liegt und es sich bei der künstlerisch veranlagten Schülerin um eine unberechenbare Soziopathin handelt. Leider hat Washington nicht mit der Manipulationsgabe seiner kindlichen Patientin gerechnet. Die dreht ganz einfach den Spieß um und beginnt in Johns Erinnerungen zu stöbern.
 
Es muss nicht immer aufgeblasenes Effekte-Kino sein, um spannende Geschichten erzählen zu können, die fesseln. MINDSCAPE-Regisseur JORGE DORADO, der früher mit Leuten wie PEDRO ALMODOVAR (SPRICH MIT IHR) und GUILLEMEREO DEL TORROR (THE DEVIL’S BACKBONE) zusammengearbeitet hat, erreicht mit seinem Erstling fast ähnliches Niveau stilvoller Eleganz, wie die genannten Regisseure von denen er einiges lernen konnte. In seinem Debüt dominieren düstere Braun- und Grautöne, die bereits erahnen lassen, welch unerfreuliche Richtung der Streifen einschlagen wird und die dem Streifen einen ganz individuellen Look verleihen, der nicht selten an teures Mainstream-Kino erinnert. Unheilvoll geht es in MINDSCAPE zu, was vor allem an der unterkühlten Darbietung von ANNA-Schauspielerin TAISSA FARMIGA liegen mag, die Zuschauer und dem beauftragten Erinnerungs-Detektiv nach nur wenigen Minuten zu verstehen gibt, wer hier am längeren Hebel sitzt. Während sich Psychologe John in den Kopf seiner unberechenbaren Patientin beamt und noch einmal einschneidende Erlebnisse aus Annas Leben durch die Mangel nimmt, wittert der Filmfan schon recht früh, dass seine minderjährige Patientin keines dieser schwer traumatisierten Unschuldslämmchen ist. Die manipuliert rasch die eigenen Erinnerungen, damit ihr Gegenüber in Annas Kopf die heile Welt zu sehen bekommt. Aber auch außerhalb der Gedankenwelt wird für Verwirrung gestiftet. Die gute Anna scheint ein geschicktes Händchen für das Legen falscher Fährten zu besitzen und John ein ausgeprägtes Talent Selbige zu wittern. Am Ende sitzt der gutgläubige Therapeut in der Falle und sein Leben rauscht den Bach hinunter. Mit unerwarteten Wendungen jongliert Macher JORGE DORADO übrigens sehr selbstsicher, denn im letzten Teil der Handlung geht es drunter und drüber. Der clever verschachtelte Erinnerungs-Battle mündet in einem ziemlich hinterlistigen Finale, in dem der obligatorische Plottwist selbstverständlich auch nicht fehlen darf. Gut angelegt sind die klug inszenierten 90 Minuten Thrill auf jeden Fall, denn mit seinem Erstling beweist DORADO, dass er den meisten Suspense-Experten in nichts nachsteht. Sein Debüt MINDSCAPE überzeugt durch hervorragende Schauspielleistung und gut geschriebenem Drehbuch. Dass MINDSCAPE ein kleiner Geheimtipp geworden ist, dürfte aber auch an Produzent JAUME COLLET-SERRA gelegen haben, der vermutlich genug Potenzial im Script gesehen hat, um den Film mitzufinanzieren. Der gebürtige Spanier ist nämlich Profi in Sachen Suspense und hat neben UNKNOWN IDENTITY (2011) auch den Psycho-Schocker ORPHAN – DAS WAISENKIND (2009) gedreht. Vergleicht man den Letzteren mit MINDSCAPE dürfte man mit Sicherheit so einige Parallelen entdecken.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Willkommen in der schockierenden Gedankenwelt einer hinterlistigen 16-jährigen: MINDSCAPE ist ein fieser, wendungsreicher und clever geschriebener Hochspannungs-Thriller der Extraklasse, dem wir an dieser Stelle das Prädikat “Geheimtipp” verleihen wollen. Der Spanier JORGE DORADO hat für sein Erstwerk mit TAISSA FARMIGA eine hervorragende Soziopathin gewinnen können, die auch ohne Blutvergießen reichlich Angst und Schrecken verbreitet. MARK STRONG als kahlköpfiger Erinnerungs-Detektiv ist zwar ebenso ambitioniert bei der Sache, kann jedoch seiner Schauspielkollegin (wie sein Charakter im Film) nicht das Handtuch reichen. Unterm Strich wird dem Fan verzwickter Supense-Thriller einen wirklich sehenswerten Genrefilm geboten, der mal wieder klarstellen möchte, dass sich selbst hinter der Fassade kindlicher Naivität das unberechenbar Böse verstecken kann.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Zensur

 
 
 
In MINDSCAPE regiert Thrill und Suspense. Blut gibt es hier eigentlich gar nicht zu sehen, Gewalt ebenso wenig. Aufgrund des düsteren Inhalts vermuten wir jedoch erst eine Freigabe für 16-Jährige.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inception (2010)
 
The Cell (2001)


Filmreview: “Discopath” (2013)

Discopath-2013
 
 
 

DISCOPATH

Story

 
 
 
New York City im Jahre 1976. Immer dann, wenn Teenager Duane Lewis (Jeremie Earp-Lavergne) Disco hört, wird er zum Tier. Dann hat er sich nicht mehr unter Kontrolle und bringt Frauen bestialisch um die Ecke. Bald wittert die Polizei die Spur des unberechenbaren Killers, der nach Montreal flieht, um dort seine kleine Leidenschaft ungestört ausleben zu können …
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Kritik

 
 
 
Schon einmal einen Film über einen Killer gesehen, der auf Disco-Gedudel steht und seine Opfer auf der Tanzfläche ins Jenseits befördert, ohne dass es jemand bemerkt? Von der filmischen Umsetzung einer derart makabren Szenerie hatte Nachwuchstalent RENAUD GAUTHIER schon immer geträumt, so dass er flink an einem Drehbuch zu einem Horrorfilm pinselte und das Projekt mit dem trashigen Namen DISCOPATH auf der französische Crowdfunding-Website TOUSCOPROD bewarb, wo es von anderen Filmbegeisterten mitfinanziert werden konnte. Das Geld schien bei Nutzern des Portals recht locker gesessen zu haben, so dass die knapp 200 000 Dollar Produktionskosten überraschend schnell zusammenkamen und sich GAUTHIER nach einer eigenen Web-Serie, Kurzfilmen und Musikvideos endlich den Traum vom ersten Langfilm erfüllen konnte. Retro geht es in DISCOPATH zu, denn der Film spielt nicht nur in den 70ern, er verbeugt sich auch ehrfürchtig vor den Horrorstreifen jener Zeit. Die Liebeserklärung richtet sich an die deftigen italienischen Giallo-Filme der späten 70er und das austauschbare Slasher-Kino der frühen 80er, als Horror-Streifen wie Argentos TENEBRE, Fulcis NEW YORK RIPPER und Lustigs MANIAC den Jugendschutzbeauftragten der FSK schlaflose Nächte bereitet haben.
 
Macher RENAUD GAUTHIER erzählt in DISCOPATH eine Geschichte, die so bescheuert ist, dass sich das schon wieder zum Kult deklarieren lässt, was sich da auf der Kinoleinwand abspielt. Hier geht es um den Teenager Duane Lewis (JEREMIE EARP-LAVERGNE), der als Kind miterleben musste, wie der Vater beim Musizieren an einem Stromschlag qualvoll verendet ist. Der Junge ist seitdem schwer traumatisiert und permanent dem Wahnsinn nahe, wenn Disco-Musik aus den Lautsprechern der Radios schallt. Bald hat Duane sich selbst nicht mehr unter Kontrolle und ermordet ein adrettes Mädchen, das ihn eigentlich nur zum Tanz in einen lokalen Club einladen wollte. Weil die Polizei recht zügig die Ermittlungen aufnimmt, flüchtet der Nachwuchskiller von New York City nach Montreal und findet dort eine Anstellung in einem Mädcheninternat, wo er getarnt als taubstummer Hausmeister Reparaturarbeiten erledigt. Doch auch in den 80ern scheint Disco nach wie vor zum Tanzen zu animieren, so dass Duance bald wieder in altes Schema verfällt und wahllos Frauen zu meucheln beginnt, sobald Disco-Klänge ertönen. Schnell mehren sich auch in Montreal die Mordfälle und die Polizei kommt dem introvertierten Psychopathen auf die Schliche. Doch der ist den Beamten stets einen Schritt voraus und scheint allmählich Freude an seinem neuen Hobby zu finden.
 
GAUTHIERS Erstling sollte man mit einem Augenzwinkern genießen. In einem Interview verriet der Regie-Neuling, dass der teils ironische Unterton von DISCOPATH anfänglich gar nicht so gewollt gewesen ist. DISCOPATH sollte eigentlich ein furchteinflößender und ernster Film werden. Die oftmals unfreiwillige Komik wurde jedoch erst am Schnittpult erkannt und in der Nachbearbeitung hervorgehoben, steht DISCOPATH aber dennoch ganz gut. Wenn Killer Duane nämlich Frauenköpfe auf Plattentellern spießt und rotieren lässt und wenn eine wilde Verfolgungsjagd vom Kiss-Hit I WAS MADE FOR LOVIN’ YOU begleitet wird, wirkt das so überzogen, dass man meinen könnte gerade eine Persiflage auf das schlitzfreudige 70/80er Horrorkino zu sehen. Schlecht ist das freilich nicht und macht vor allem deshalb Laune, weil GAUTHIER ein talentiertes Händchen für Trash auf hohem Niveau besitzt. Die vielen Gore-Effekte sind abwechslungsreich und werden vollkommen übertrieben zelebriert (da wird Vinyl in Frauenkörper gespießt); die technische Komponente überzeugt durch hervorragende Kameraarbeit und einige Farbspielereien, die man auch schon in Argentos früheren Werken zu sehen bekam, machen sogar Giallo-Fans glücklich. Die eigentliche Quintessenz des Films ist jedoch der Sound, der hier von BRUCE CAMERON mit viel Liebe zum Detail komponiert wurde und an all die großen Tanz-Hits jener Dekade erinnert. Neben neu geschriebenen Stücken wurden auch bekannte Melodien der Disco-Ära (wie KC AND THE SUNSHINE BAND – I’M YOUR BOOGIE MAN) für DISCOPATH wiederverwurstet, die vermutlich bei einigen Horrorfans älteren Semesters Erinnerungen an die eigene Jugend wecken dürften. Leider bleibt bei soviel Liebe zum Retro und übertriebenem Blutgematsche wie so oft inhaltlich einiges auf der Strecke. Eine Charakterisierung der Protagonisten gibt es nämlich nicht und die psychologische Erklärung für Duanes traumatische Reaktion ist mit das schwachsinnigste was der Filmfan bisher im Kino zu sehen bekommen hat. Das weibliche Kanonenfutter stolpert mal wieder vollkommen unbedacht durchs Bild, um in der nächsten Szene irgendwie um die Ecke gebracht zu werden und stümperhaftes Overacting gehört in DISCOPATH zur Tagesordnung. Die genannte Fehlschläge kann man GAUTHIER jedoch nicht verübeln, waren Overacting, mangelnde Charakterisierung und sinnbefreites Morden in den unzähligen Slasher-Gurken der 70er und 80er ohnehin gang und gäbe und haben das Slasher-Genre zu dem gemacht, was es heute ist: Gruselunterhaltung, auf die der Horrorfan nicht mehr verzichten möchte.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SATURDAY NIGHT FEVER war gestern, jetzt kommt der SATURDAY NIGHT KILLER. Weil dem Regie-Neuling RENAUD GAUTHIER als Kind so einige Disco-Klänge Gänsehaut bereitet haben, verarbeitet er jetzt mit DISCOPATH Kindheitserlebnisse. Antiheld und Killer Duane Lewis hat ähnliches erlebt und meuchelt sich ganz ungeniert und kreativ durch weibliches Fleisch. Gematscht wird reichlich und das nicht immer bierernst, denn DISCOPATH erheitert immer mal wieder mit subtiler Komik, die eigentlich von Macher RENAUD GAUTHIER anfangs gar nicht so gewollt gewesen ist. Der Streifen schöpft Unterhaltungswert aus der trashigen Art, wie er sich vor italienischen Giallo-Filmen und den trivialen Slasher-Schockern der 70er und 80er verbeugt. Da werden Morde blutig und überzogen zelebriert und das weibliche Kanonenfutter spielt auch gern mal mit den Reizen, bevor es in der nächsten Szene den Tod findet. Für Indie-Horror schaut GAUTHIERS Erstwerk einfach nur fantastisch aus und der nostalgische Disco-Soundtrack überzeugt durch Liebe zum Detail. Das FILMCHECKER-Team war angetan, denn DISCOPATH ist charmanter Retro-Trash bei dem Giallo- und Slasherfans ganz warm ums Herz werden dürfte.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Zensur

 
 
 
In DISCOPATH werden Frauen enthauptet, Köpfe auf Plattenteller gespießt und Körperteile mit Schallplatten verschönert. Außerdem wird ein Sprung von einem Hochhaus inklusive Resultat gezeigt, sowie diverse Einstichwunden und Starkstromschläge. Das dürfte für eine KJ-Freigabe ausreichen.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Maniac (1980)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Der New York Ripper (1982)


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 57 Followern an