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Filmkritik: “The Devil Incarnate” (2013)

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THE DEVIL INCARNATE

(COPIII: THE 1ST ENTRY)

Story

 
 
 
Die Frischvermählten Holly und Trevor Davidson reisen für Ihre Flitterwochen nach Miami. Unterwegs machen sie in Cassadaga Halt, um sich dort von einer Hellseherin die Zukunft voraussagen zu lassen. Als sie einem Landstreicher begegnen, der wirres Zeug faselt und die beiden zur verrückten Vjestica lotst, nehmen die Ereignisse eine unerwartete Wendung: Holly ist plötzlich schwanger und das Familienglück nahezu perfekt. Leider ist die Freude nicht von langer Dauer, denn die werdende Mutter beginnt sich zu verändern und scheint dem Wahnsinn nahe zu sein …
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Kritik

 
 
 
Nach der Zombie-, Folter-, Geister- und Found-Footage-Welle scheint es an der Zeit zu sein, ein neues Thema aus der Horror-Mottenkiste zu kramen, um es dann möglichst gewinnbringend zu Tode zu filmen. Lang mussten die Filmemacher hierfür nicht suchen, schließlich sind die besten Filmideen jene, die vor Jahrzehnten schon einmal die Kassen haben klingeln lassen. Der neue Trend im Horrorfilm nennt sich Okkultismus – ein Phänomen, das bereits in den 1970ern durch die Filmlandschaft geisterte und die Menschen scharenweise in die Lichtspielhäuser locken konnte, weil Themen wie die Wiedergeburt Satans, Besessenheit und Exorzismus faszinierten. Die Folge dessen waren Meilensteine des modernen Horrorkinos, die manchen kommenden Regisseur in seinem Schaffen beeinflussten. Ganz ähnlich dürfte es auch dem Nachwuchsregisseur L. GASTAVO COOPER ergangen sein, der sich für seinen THE DEVIL INCARNATE gleich mal bei zwei der ganz großen Klassiker jener Dekade bedient und rigoros beim EXORZIST (1973) und Polanskis ROSEMARIES BABY (1968) stibitzt hat, um daraus faden Budenzauber machen zu können. Ähnlich wie im Kino-Flop THE DEVIL’S DUE oder dem hier kürzlich besprochenem DELIVERY: THE BEAST WITHIN (2013) begleitet der Zuschauer ein frisch verheiratetes Paar durch die Höhen und Tiefen einer Schwangerschaft. Die frohe Kunde vom Nachwuchs entwickelt sich leider rasch zum Albtraum.
 
Eigentlich braucht man THE DEVIL INCARNATE nicht gesehen haben, um voraussagen zu können, was in diesem Okkult-Thriller passieren wird. Filmneuling L. GASTAVO COOPER arbeitet nämlich etwas arg verkrampft jene Klischees ab, die man nun mal in einem so gelagerten Horrorstreifen erwarten würde. Deja-vu-Momente am laufenden Band sind garantiert, wenn die schwangere Filmheldin seltsame Dinge tut, die Gleichgesinnte mit Nachwuchs im Bauch eigentlich niemals veranstalten würden. Erst sind es unkontrollierbare Wutausbrüche, die die werdende Mutter (GRACI CARLI) quälen. Später gesellen sich zu vulgären Gesten fremde Sprachen, die die Schwangere in der Badewanne vor sich her säuselt, und der Schwester des Gatten reichlich Gänsehaut beschert. Letztere ist in THE DEVIL INCARNATE Hauptidentifikationsfigur. Dank Wikipedia kommt sie dem Geheimnis um die verhaltensauffällige Schwägerin recht schnell auf die Schliche, die am Ende mit einem der wohl kürzesten Exorzismen der Filmgeschichte von ihrem Leid erlöst werden kann.
 
L. GASTAVO COOPER bedient sich für sein Erstwerk rumänischer Folklore, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht und von dem Pakt zwischen Alina Patkavior und einem Rachedämon erzählt. In der Legende von COPIII PIERDERE wird von der vergewaltigten Tochter einer Dorfhexe berichtet, die ihre ungewollte Leibesfrucht an einen Rachedämon verkauft, damit dieser die kaltblütige Tat rächt. Als der Dämon seine Belohnung einfordert und sich Alina nicht von ihrem Kind trennen möchte, wird sie daraufhin mit Unfruchtbarkeit bestraft, die sich in der Blutlinie der Familie fortsetzt. Durch ein blutiges Ritual kann die Strafe umgangen werden, das über Generationen in Rumänien als “Din Burta de Sarpe” bekannt geworden wird. Auch wenn sich der rumänische Mythos so ziemlich reißerisch liest; in THE DEVIL INCARNATE ist von blutigen Ritualen und ausufernden Dämonentänzen weit und breit keine Spur. Stattdessen spult COOPER die überraschungsarme Geschichte ebenso geradlinig wie unspektakuläre ab, so dass dem Zuschauer die Augen ganz schnell schwer werden dürften. Immerhin beweist der Filmemacher technisches Geschick im Umgang mit der Kamera, denn sein THE DEVIL INCARNATE schaut manchmal sogar richtig atmosphärisch aus, obwohl COOPER nicht die Finger davon lassen kann, das längst überdrüssige Found-Footage-Stilmittel zu verwenden.
 
Identifikationsfigur Marissa Davidson (EMILY ROGERS) ist nämlich nicht nur heimlich in des Bruders attraktive Gemahlin verschossen, sondern filmt die Schwägerin bevorzugt mit der Handkamera, so dass schnell einige abnormale Verhaltensabläufe der Schwangeren auf Film festgehalten werden können. Die Übergänge zwischen den wackeligen Bilder der Digicam und dem herkömmlich gefilmten Filmmaterial verlaufen fließend und stören nicht. Trotzdem dürfen auch in THE DEVIL INCARNATE nicht jene Bildausfälle und Wackelattacken fehlen, die Zuschauer von Found-Footage-Filmen seit jeher in zwei Lager gespalten haben. Leider hat L. GASTAVO COOPER mit seinem ersten Langfilm, der auch unter COPIII: THE 1ST ENTRY sowie CURSED international vermarktet wird, keinen großen Wurf fabriziert. Dem Okkult-Grusler fehlen einfach jene spektakulären Schock- und Schreckmomente, die Filmen wie den legendären EXORZIST aus den 1970ern zum Welterfolg verholfen haben. Statt gut ausgetüftelten Spezialeffekten wird ausschließlich gequasselt und Horror auf Sparflamme geköchelt. Das wäre vermutlich auch alles gar kein Problem, würde THE DEVIL INCARNATE dem Okkult-Genre neue interessante Facetten durch frische Ideen einverleiben. Die sucht man jedoch zwischen all den üblichen Filmklischees vergebens. Daher sei THE DEVIL INCARNATE nur jenen Horrorfans empfohlen, die sich an Filmen wie ROSEMARIES BABY nicht satt sehen können. Wer spannende Unterhaltung sucht, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Okkult-Gruselstreifen in der Machart von ROSEMARIES BABY. Letzterem wurde vor einiger Zeit eine unnötige TV-Serie abgerungen, die quasi ebenso überflüssig ist, wie THE DEVIL INCARNATE. Während Okkult-Horror in den 1970ern noch mit sensationellen Spezialeffekten in die Kinos gebracht wurde, gehört dieses Debüt zu jenen Werken, die ganz uninspiriert jene Liste an Klischees abklappern, die dem Genre über Jahrzehnte zum Erfolg verholfen hat. Leider wirken die gängigen Regeln des Okkult-Horrors mittlerweile derart verbraucht, dass man mit klassisch geschusterten Exorzismus- und Besessenheitsflicks keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. THE DEVIL INCARNATE macht Schwangerschafts-Terror zum Geduldsspiel. Nicht weil hier Suspense in Reinform geboten wird, sondern weil die vorhersehbare Handlung schläfrig macht. Auch wenn L. GASTAVO COOPER ab und an mal was Atmosphärisches auf die Mattscheibe bringt, ist sein Erstwerk kein Film den mal unbedingt gesehen haben muss. Die Defizite sind im Drehbuch zu suchen, an dem mal wieder viel zu viele Autoren gepinselt und den Brei verdorben haben. Warum man ausgerechnet zu dritt daran feilen musste, verursacht Unverständnis, denn THE DEVIL INCARNATE ist ein dünnes Horrorsüppchen ohne nennenswerte Höhepunkte. Da kann man nur die guten Darsteller bemitleiden, die für diesen unspektakulären Unsinn ihr Talent vergeudet haben. Daher: Handwerklich solider Horror aber nicht mehr!
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Zensur

 
 
 
In THE DEVIL INCARNATE gibt es kaum Gewalt zu sehen. Da liegt ein toter Hund im Kinderbett und homoerotischer Badespass wird ebenfalls geboten. Für eine ungeschnittene FSK16 ist das vollkommen ausreichend.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Delivery: The Beast Within (2013)

Dark Circles (2013)

Hell Baby (2013)

Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)

Rosemaries Baby (1968)

Die Wiege des Bösen (1974)

Unborn – Kind des Satans (1991)


Filmkritik: “Hidden in the Woods” (2012)

Hidden-In-The-Woods-2012
 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS

(EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD)

Story

 
 
 
Nach dem Mord an ihrer Mutter gehen zwei Schwestern durch die Hölle. Die Hölle der Erniedrigung, Misshandlung, Vergewaltigung durch den eigenen Vater. Als das Familienoberhaupt schließlich im Gefängnis landet, nutzen die Mädchen die Gunst der Stunde und flüchten in die Freiheit …
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
“Tief in den Wäldern hört dich niemand schreien” … ein treffender Untertitel, der das Heimkino-Cover des vorliegenden Schmuddelfilms mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS sichtlich aufgewertet hätte. Auch in Chile ist man auf den Geschmack von grausamen Rape’n Revenge-Thrillern gekommen – jenes Sub-Genre, das es zumindest hier in Deutschland bei der FSK nicht gerade leicht hat. Betrachtet man die Entwicklung dieser Filmgattung in den letzten Jahren genauer, ist das aber auch kein Wunder. Mittlerweile ist es unter den Regisseuren dieser Streifen zum Sport geworden, sich in punkto Grausamkeit übertreffen zu wollen. Dabei kennt die Kreativität der Drehbuchautoren keine Grenzen, die sich immer kränkere Methoden einfallen lassen, um ihre meist weiblichen Heldinnen noch menschenverachtender zu quälen und zu demütigen. Der zweifelhafte Höhepunkt jener Art von Filmen wurde bereits im Jahr 2013 erreicht, als sich STEVEN R. MONROE mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ein Denkmal in Sachen Frauengewalt setzte und einen Rachestreifen inszenierte, der alle bis dato gedrehten Rape’n Revenge-Arbeiten in den Schatten stellte. Hierzulande verstand man mit der überflüssigen Gewaltorgie keinen Spaß – I SPIT ON YOUR GRAVE 2 erlitt das gleiche Schicksal, wie manch ähnlicher Film zuvor: Er wurde eingezogen und auf den Index gesetzt. Der chilenische Filmemacher PATRICIO VALLADARES führt mit seinem HIDDEN IN THE WOODS die traurige Saga sinnloser Gewalt gegen wehrlose Frauen fort und tut es dem Spanier ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO gleich. Letzterer brachte Jahre vor seinem gelobten HERE COMES THE DEVIL einen ebenso schmuddeligen Gewalt-Mix in die Wohnzimmer, der es unter dem Titel I’LL NEVER DIE ALONE (wenn auch in zerschnippelter Form) sogar in deutsche Händlerregal brachte.
 
Von der Machart her ist HIDDEN IN THE WOODS besagtem I’LL NEVER DIE ALONE nicht unähnlich, denn auch in diesem trivialen Machwerk bekommt der Zuschauer alle Checkpunkte gängiger Exploitation-Kunst aufgetischt, ohne die Stoffe wie die berüchtigte I SPIT ON YOUR GRAVE-Reihe wohl niemals den Erfolg gehabt hätten, den sie heute unter Horror-Jüngern genießen. Unter der brennenden Sonne Südamerikas müssen hier abermals Frauen ums nackte Überleben kämpfen, die von ihren männlichen Filmkollegen auf Niederträchtigste durch die Filmhölle gejagt werden. Jahrzehnte der Emanzipation verlieren binnen weniger Minuten an Bedeutung, schließlich scheint die Nachfrage nach Filmen immer größer zu werden, in denen Frauen wie Vieh behandelt werden. Wie zu den Anfängen von Exploitation im Kino nutzt auch HIDDEN IN THE WOODS-Macher PATRICIO VALLADARES reißerische Themen, um sie dem Zuschauer in Kombination mit möglichst sadistischer Gewalt und kontroversen Sexszenen zu verkaufen. So finden neben grässlichen Vergewaltigungsszenen, eigentlich sensibel zu behandelnde Themen wie Kindesmissbrauch, Inzest und Kannibalismus Verwendung, die jedoch nur selten ernsthaft beleuchtet werden. Stattdessen bilden sie die Grundlage fragwürdigen Treibens, das ohnehin nur darauf hinausläuft, möglichst viel Leid und Lebenssaft auf der Mattscheibe zeigen zu können.
 
In HIDDEN IN THE WOODS begleitet der Zuschauer Ana und Anny – zwei traumatisierte Frauen, die allein mit ihrem Vater irgendwo in den Wäldern Chiles leben und unter dem täglichen Terror des Familienoberhauptes zu leiden haben. Der bunkert auf seinem Grundstück nämlich nicht nur Drogen des heimtückischen Drogenbarons “Onkel Costello”, sondern vergeht sich nach dem Mord an der eigenen Frau hin und wieder an seinen beiden Schützlingen. Als die älteste Tochter Ana nach jahrelanger Inzucht schwanger wird, sperrt der Vater den Säugling in eine dunkle Kammer und beginnt ihn mit rohem Fleisch zu füttern. Jahre später tauchen zwei Polizeibeamte auf, die durch Zufall auf das missgestaltete Kind Manuel stoßen. Bevor sie jedoch das gesetzeswidrige Treiben unterbinden können, greift der Vater zur Kettensäge und macht mit den Polizisten kurzen Prozess. Die kaltblütige Tat hat schwerwiegende Konsequenzen, denn wenig später wartet das Gefängnis auf das hinterlistige Familienmitglied. Für die Mädchen die einzige Möglichkeit endlich der Terrorherrschaft des Vaters entkommen zu können. Leider ist die Welt nicht von Gefahren gefreit. Bald schon nimmt Drogenboss “Onkel Costello” die Witterung der flüchtenden Töchter auf, schließlich fordert der die versteckten Drogen von den Mädchen zurück, die jedoch keinen blassen Schimmer haben, wo sie der Vater versteckt hat.
 
Günstige 90000 Dollar hat die Schmuddel-Orgie gekostet, die dem Exploitation-Genre so alle Ehre macht. In HIDDEN IN THE WOODS wird geschlagen, geschossen, geschändet und sogar Menschenfleisch gefressen, damit die Sensationsgier des Zuschauers befriedigt werden kann. Die Kamera hält das konfuse und an den Haaren herbeigezogene Treiben in ungeschönt-dreckigen Bildern ein, um die Authentizität bewahren zu können. PATRICIO VALLADARES hat sich wie so oft im Horror-Bereich von Geschichten inspirieren lassen, die das Leben im südamerikanischen Hinterland nun mal so schreibt. Dementsprechend darf der Hinweis im Opening nicht fehlen, der dem Zuschauer vorheuchelt, dass das Gezeigte auf wahre Begebenheiten zurückzuführen sei. Ob dem wirklich so gewesen ist, dürfte einmal mehr stark bezweifelt werden, denn mittlerweile gehört der “Alles total wahr”-Slogan zum Horrorfilm, wie das Kruzifix in die Kirche, weil sich mit pseudo-realem Hintergrund eigentlich immer besser Kasse machen lässt. Bei so viel Liebe zur Exploitation stellt sich natürlich die Frage, ob es dem Film gelingt unter Hobby-Sadisten überhaupt Laune zu verbreiten. Im Gegensatz zum Heiligen Folter-Gral I SPIT ON YOUR GRAVE (2010) und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2013 ist das Geschehen trotz aller Liebe zur Frauenverachtung weit entfernt von den perversen Phantasien eines STEVEN R. MONROE. Das mag vor allem an der etwas hölzernen Darbietung von Opfer und Täter liegen, die teilweise so unglaubwürdig agieren, weil mal wieder unbekannte und maximal leidlich talentierte Jungdarsteller gecastet wurden, die dazu auch noch einem unausgereiften Drehbuch folgen. Zudem verliert der Streifen immer wieder an Tempo, weil VALLADARES auf Krampf darum bestrebt ist, den Protagonisten seiner hanebüchenen Geschichte eine gekünstelte Charakterentwicklung einräumen zu wollen. Immerhin zieht der Regisseur in Momenten der Langeweile die Reißleine. Immer wenn HIDDEN IN THE WOODS mit Längen zu kämpfen hat, greift VALLADARES auf Exploitation zurück und lässt sein Treiben in Gewalt und Blut ersaufen. Zur Freude des Horrorfans ist die Kamera immer nah am Geschehen, damit der für die langen Wartezeiten mit grafischen Grausamkeiten entschädigt werden kann.
 
Groteskerweise stieß die eher mittelmäßige Gewaltgurke bei den Amerikanern auf große Aufmerksamkeit. In solchen Fällen ist es meist unvermeidbar, dass dem Original eine glattgebügelte Neuverfilmung nachgeschoben wird. Schauspieler, Produzent und Regisseur MICHAEL BIEHN (THE VICTIM) zeichnet in diesem Fall verantwortlich und hat das Remake unter gleichem Namen produziert, für das PATRICIO VALLADARES gleich noch einmal auf dem Regiestuhl platz nehmen durfte. Ob er sich verbessern konnte bleibt abzuwarten. Der große Wurf ist ihm mit seinem Original HIDDEN IN THE WOODS leider nicht gelungen. Denn: Ein paar kontroverse Szenen und eine handvoll Matscheffekte machen aus einem unglaubwürdig zusammengewürfelten Plot noch lange keinen guten Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein grausamer Schocker, der stahlharte Nerven voraussetzt. Leider ist HIDDEN IN THE WOODS keine Sternstunde des schmuddeligen Exploitation-Kinos, das sich seit den 1960ern bis weit in die 80er hinein großer Beliebtheit erfreut hat und seit der Remake-Welle der letzten Jahren durch alles von RODRIGUEZ und TARANTINO bis hin zu Bodensatz wie I SPIT ON YOUR GRAVE wiederbelebt wurde. EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (so der Originaltitel) hat zwar alles zu bieten, was jene Art von Filmen so erfolgreich gemacht hat; Macher PATRICIO VALLADARES verliert aber zu oft die Geschichte und seine Heldinnen aus den Augen. Sie haben über weite Strecken schlichtweg nichts zu tun. Der Cocktail aus Inzuchtthematik, Kannibalismus, Gewalt und Sex ist teils arg wirr geraten und hat nicht selten mit ziemlichen Längen zu kämpfen. Vielleicht wäre es demnach besser gewesen, wenn sich VALLADARES auf nur ein Thema konzentriert hätte, statt seine Geschichte mit Kontroversem schlicht zu überfrachten. Immerhin findet er die Notbremse stets zur rechten Zeit. Immer dann, wenn es langweilig wird, gibt es Gewalt satt für alle Liebhaber frauenverachtender Filmware. Dass des Öfteren die Logik ausgeklammert wird, dürfte Fans jener Filme aber weniger stören. Die bekommen nämlich von der Vergewaltigung hin zu Motorsägen-Maniküre all das zu sehen, was in waschechtes Exploitation-Cinema nun einmal gehört: Gewalt als Mittel zum Selbstzweck.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Gerade weil HIDDEN IN THE WOODS den gängigen Exploitation-Regeln folgt und nicht zimperlich mit seinen Protagonisten zugange geht, wird der Streifen in Deutschland keine Freigabe erhalten. Hier werden Frauen erniedrigt und misshandelt, Kannibalismus zelebriert und Körperteile vor der Kamera mittels Kettensäge abgetrennt. Insofern der Streifen hierzulande ausgewertet wird, muss die Schere angesetzt werden, um die FSK besänftigen zu können. Gorebauern müssen auf jeden Fall den Umweg über Österreich in Kauf nehmen.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on your Grave 2 (2013)

Savaged (2013)

Autumn Blood (2013)

The Mooring (2012)

If a Tree falls (2010)

Girls against Boys (2012)

Black Rock (2012)

Eden Lake (2008)

The Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

I’ll never die alone (2008)

Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)


Filmkritik: “Antisocial Behavior” (2014)

Antisocial-Behavior-Kenneth-Guertin
 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR

Story

 
 
 
Joe (Jackson Kuehn) ist ein Einzelgänger und lebt in seiner eigenen Welt. Als ihn sein Kumpel Scott auf eine Party mitnimmt, lernt er dort die reizende Wendy (Mary Elizabeth Boylan) kennen, die sich in den introvertierten Eigenbrötler verliebt. Leider hat der Abend eine unerwartete Wendung zur Folge. Bei einem Trinkspiel wird Joe mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die er eigentlich längst in seinem Unterbewusstsein vergraben hatte …
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Kritik

 
 
 
Schlafende Hunde soll man bekanntlich nicht wecken – zumindest wäre Joe einiges an Qual erspart geblieben, hätte er auf einer Party nicht dieses äußerst dumme Trinkspiel gespielt, bei dem er von seinen Mitspielern gefragt wurde, was denn wohl das Schrecklichste gewesen sei, was er bis dato getan habe. Prompt geschieht das, womit wohl niemand gerechnet hat: Der introvertierte Einzelgänger wird von quälenden Visionen heimgesucht, erleidet einen Blackout und rastet vollkommen aus. ANTISOCIAL BEHAVIOR nennt sich das Psychogramm eines verwirrten, jungen Mannes, der ganz unvorbereitet mit unterdrückten Kindheitserinnerungen konfrontiert wird, die jahrelang im Unterbewusstsein schlummerten. Der bis dato noch unauffällige KENNETH GUERTIN hat hier einen schwer verdaulichen Streifen gemacht, den man nicht mal so nebenbei sieht. Anders als der günstig gewerkelte Filmtrailer vermuten lässt, handelt es sich bei ANTISOCIAL BEHAVIOR nicht um banal gestrickte Horrorware von der Stange. Regisseur KENNETH GUERTIN will sich von üblichen Serienkiller-Streifen abheben und beschäftigt sich nicht mit dem dümmlichen Abmetzeln stereotyper Holzköpfe. Stattdessen ergründet er Indikatoren, die dazu führen, dass der Filmheld letztendlich Rot sehen wird. Wieder mal ist es ein Trauma, dass den Filmheld zu Kindstagen hat fürchterliche Qualen erleben lassen. Der wird dazu genötigt die Vergewaltigung an der Mutter und den Mord an der Familie beizuwohnen. Im Schockzustand richtet er eine Waffe auf den Täter und feuert ab. In den meisten Horrorfilmen muss ein solches Ereignis als Alibifunktion ausreichen, damit das traumatisierte Opfer später zur kaltschnäuzigen Killermaschine mutieren darf. GUERTIN ist das nicht wichtig. Er geht einen anderen, gründlicheren Weg und folgt seiner Filmfigur bei ihrer sich selbst zerstörenden Entwicklung, die von surrealen Visionen zermürbt bald nicht mehr unterscheiden kann, was allein der kranken Psyche entspringt oder tatsächlich passiert. Ebenso ergeht es dem Zuschauer. Der begleitet eine bemitleidenswerte Kreatur auf der Suche nach ihrer selbst. Getrieben von grotesken Halluzinationen verschwimmen am Ende die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, so dass es unausweichlich ist, dass sich das hasserfüllte Opfer zum Täter verwandelt, um dem angestauten Zorn freien Lauf lassen zu können. Dass die jahrelang im Unterbewusstsein manifestierte Wut ausgerechnet jene Person zu spüren bekommt, die dem Helden trotz Eigenheiten stets zur Seite stand, wirkt aufgrund der verdrängten Vorgeschichte der zerrütteten Filmfigur, wie ein Schlag ins Gesicht.
 
GUERTIN ist raffiniert. Just in jenem Moment, bei dem die gründlich analysierte Geschichte ihren Höhepunkt erreicht und Joe eine Metamorphose zum unfreiwilligen Killer durchlebt, flimmert der Abspann über den Bildschirm. Das offene Ende liefert zwar nur vage Antworten, hinterlässt aber genügend Raum für mögliche Interpretationen. ANTISOCIAL BEHAVIOR wurde auf 35mm gedreht und besitzt mit all den verschiedenen Farbfiltern, Schnitttechniken und Kameraspielereien ohne Zweifel Experimentalfilm-Charakter. Zwar war wie bei Indie-Werken üblich, mal wieder kaum Geld in der Kasse; aufgrund der beschränkt finanziellen Möglichkeiten ist das, was GUERTIN daraus gemacht hat über jeden Zweifel erhaben. Einen großen Teil des Lobs ist jedoch Schauspieler JACKSON KUEHN zu verdanken, der den Antihelden derart glaubhaft und ambitioniert verkörpert, dass man ihn für seine hervorragende Leistung nur beglückwünschen kann. Schnell fühlt sich der Zuschauer mit Joe und seiner einsamen Welt verbunden, aus der er offensichtlich keinen Ausweg mehr findet. Für Indie-Verhältnisse leidet man erstaunlich oft mit – den talentierten Darstellern und dem gut durchdachten Drehbuch sei Dank.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandios finsterer Thriller und ein Paradebeispiel in Sachen psychologischer Horror. ANTISOCIAL BEHAVIOR zeigt erneut eindrucksvoll, dass unabhängige Filmkonzepte weit weg vom konventionellen Hollywood die besseren sind. Regisseur KENNETH GUERTIN lässt für sein neustes Schaffen ein Sammelsurium surrealer Bilder auf den Zuschauer los und vermischt Traumabewältigungs-Thematik mit reichlich skurril-phantastischen Filmelementen. Hierbei bedient er sich sogar dem Körper-Horror (Antiheld Joe erbricht im Film lebende Tumore) für den vermutlich selbst Altmeister und Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE) nur lobende Worte finden dürfte. Dennoch sollte man eine beflügelte Interpretationsgabe besitzen, denn GUERTIN verzichtet auf Antworten, die er dem Zuschauer auf dem Silbertablett serviert. Trotz magerer Antworten ist ANTISOCIAL BEHAVOIR ein interessanter und durchaus sehenswerter Thriller, der sich mit der Serienkiller-Problematik auf gänzlich unkonventionelle Weise beschäftigt. Statt dünnwandiges Slasher-Gemetzel zu zelebrieren betrachtet GUERTIN stattdessen psychologische Mechanismen, welche aus Menschen Mörder machen. Dank gutem Drehbuch und einem hervorragenden Hauptdarsteller bleibt die kontroverse Thematik bis zum bitteren Ende interessant. Daher: Ein empfehlenswerter Film, den man trotz gewöhnungsbedürftigem Indie-Look gesehen haben sollte.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Zensur

 
 
 
ANTISOCIAL BEHAVIOR ist eher psychologischer Horror, der ruhig und eindringlich geschildert wird. Bis auf einen herben Kopfschuss gibt es kaum Gewalt zu sehen. Wir rechnen mit FSK16 in Deutschland.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Found (2012)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)
 


Filmkritk: “At the Devil’s Door” (2014)

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AT THE DEVIL’S DOOR

Story

 
 
 
Ein teuflischer Pakt hat für drei Frauen schwerwiegende Konsequenzen: sie können sich ihres Lebens nicht mehr sicher sein, weil ihnen eine bösartige Gestalt nichts Gutes will …
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Kritik

 
 
 
Einmal Horrorfilm – immer Horrorfilm, zumindest scheinen diesem Credo schon so manche Nachwuchsregisseure blindlings gefolgt zu sein, schließlich bekommt man den Ruf des Angstmachers schwer wieder los, wenn man Zuschauer erfolgreich um den Schlaf gebracht hat. So ähnlich dürfte es in Zukunft auch NICHOLAS MCCARTHY ergehen, der sich sichtlich im Horror-Bereich festgefahren hat und ein Faible für subtilen Schauer besitzt, wie er im Falle seines neusten Gruselstreifens einmal mehr unter Beweis gestellt hat. Der nennt sich AT THE DEVIL’S DOOR und ist nach seinem kleinen Indie-Hit THE PACT (dem demnächst ein weitere Teil folgen soll) bereits der zweite Ausflug in die Welt der Dämonen und Geister, den er mal so ganz nebenbei aus dem Ärmel geschüttelt hat. Glücklicherweise wiederholt er hier nicht einfach nur geistlos das, was seinem Erstling zum Erfolg verholfen hat. Stattdessen ist eine konsequente Weiterentwicklung zu verzeichnen, die einen Gänsehaut verursachenden Gruselzoll zur Folge hat. MCCARTHY gelingt das, was vielen Horrormachern oftmals verwehrt bleibt. Mit langsamen Kamerafahrten, spartanisch ausgeleuchteten Sets und wohl überlegten Schreckmomenten jagt er Angst ein und wirkt darin so erfahren, dass man meinen könnte er habe bisher weit zwei Dutzend solcher Filme auf Zelluloid gebannt. Dem ist jedoch nicht so, was einmal mehr beweist, dass der Regisseur nicht im Akkord filmt, sondern Qualität walten lässt – etwas, was man im Horrorfilm mittlerweile schmerzlich vermisst.
 
Die Dreharbeiten zu AT THE DEVIL’S DOOR wurden bereits im Jahr 2012 begonnen, kurz nachdem THE PACT international vermarktet wurde und reichlich Lobeshymnen einheimsen konnte. Die Idee zum Film kam MCCARTHY während einer Taxifahrt nach der Sundance-Premiere seines Erstlings, als ihm der Taxifahrer von einem gruseligen Ereignis aus seinem Leben in Chile berichtete, bei dem er seine Seele an einen Medizinmann verkauften wollte, um seinen Freunden zu beweisen, wie mutig er ist. Kurze Zeit später wurde er von unheimlichen Stimmen gerufen, die ihm reichlich Unbehagen beschert haben. MCCARTHY war von dieser Gruselgeschichte derart fasziniert, dass er nur wenig Zeit vergeudete und zügig ein Drehbuch schrieb in das er die Erzählung implementieren konnte – Wer AT THE DEVIL’S DOOR aufmerksam verfolgt, dürfte des Taxifahrers Anekdote im Opening wiederentdecken. Selbstverständlich ist MCCARTHY seinem Stil treu geblieben, denn wie bereits im Erstwerk THE PACT bekommt der Zuschauer auch in HOME (so wie AT THE DEVIL’S DOOR anfänglich heißen sollte) die eher leisen Töne serviert. Das mag zwar in einer Zeit dumpfer Gewaltstreifen und hanebüchenen Mainstream-Spuks durchaus altbacken anmuten; die Geschichte und das Drumherum jedoch, das MCCARTHY hier an den Zuschauer bringen will, ist so geschickt und spannend konstruiert, dass die obligatorische “Toilettenpause” definitiv warten muss. Die Thematik “Pakt” hat es ihm sichtlich angetan, denn wie im Film mit gleichem Titel handelt auch sein neuer Streifen von einem teuflischen Abkommen, das eine Reihe ungeahnter Ereignisse zur Folge hat.
 
Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Es ist der Leibhaftige, der ihnen nichts Gutes will und mit dem die 17-jährige Hannah als erstes unfreiwillig Bekanntschaft machen muss, weil sie ihre Seele aus Liebe zu Ihrem neuen Freund an den Teufel verkauft hat. Der ist auf der Suche nach einem neuen zuhause und nutzt ihren Körper, um es sich darin gemütlich zu machen. Für Hannah eine Qual. Als sie keinen Ausweg findet und sich beginnt vor sich selbst zu fürchten, erhängt sie sich im Haus ihrer Eltern. Was folgt ist wahrlich nichts für sensible Gemüter: Immobilienmaklerin Leigh (CATALINA SANDINO MORENO) nimmt sich dem Häuschen an, in dem die Heimgesuchte ihre letzten Tage verbracht hat. Die Eltern möchten die trostlosen Räumlichkeiten verkaufen, um die schreckliche Vergangenheit hinter sich lassen. Doch das Böse scheint hier immer noch präsent zu sein. Bald schon nimmt der Teufel erneut die Witterung auf und beginnt Leigh samt Schwester aufzulauern, um die Frauen für seine Zwecke missbrauchen zu können.
 
Wenn Luzifer dreimal klingelt, sollten lieber alle Türen abgeschlossen werden, denn mit dem Besuch aus der Hölle ist meist nicht gut Kirschen essen. In AT THE DEVIL’S DOOR ist der Teufel obdachlos und schleicht als finstere Gestalt durch die Leben dreier Frauen, die durch die Begegnung mit dem Bösen völlig aus der Bahn geworfen werden. Regisseur NICHOLAS MCCARTHY bewegt sich weg vom Paranormalen und probiert Okkultes aus, das irgendwo zwischen DER EXORZIST, ROSEMARIES BABY und DAS OMEN zu finden ist. Dabei bahnt sich das Grauen mit leisen Schritten durch das clever geschriebene Drehbuch, das nur häppchenweise Informationen liefert und niemals zu viel verrät. Ein guter Schachzug, denn so kann der Spannungsbogen konstant gehalten werden, der bei einem gemächlich erzähltem Gruselstreifen wie AT THE DEVIL’S DOOR unverzichtbar ist. Natürlich haben auch viele “böse” Szenen ihren Weg in den Streifen gefunden. Da MCCARTHY seit jeher eher auf’s Subtile Wert legt und ein Verfechter klassischer Horrorelemente ist, hat das Schlachthandwerk Sendepause. Hier huschen finstere Schatten durch lange Flure, Türen schlagen wie von Geisterhand zu und Frauen werden von einer unsichtbaren Präsenz durch die Luft gewirbelt – THE ENTITY (1982) lässt grüßen. Lobenswerterweise hält sich der Gruselmacher mit dem inflationären Zeigen der ewig gleichen Genre-Zutaten zurück. Diese finden wenn nur sparsam Verwendung, wobei sich das meiste Grauen ohnehin nur im Kopf des Zuschauers abspielt. Erst gegen Ende darf ein kurzer Blick auf das Filmmonster geworfen werden für das sich MCCARTHY scheinbar ein wenig Inspiration bei PAN’S LABYRINTH geholt haben dürfte. AT THE DEVIL’S DOOR ist altmodischer Schauer mit viel Atmosphäre, der vor allem von der Prämisse zehrt, dass er nicht verrät, worauf er denn nun eigentlich hinaus will. Das Puzzle wird erst am Ende gelöst, wenngleich auch im Finale die leisen Töne zählen und auf effekthascherisches Brimborium verzichtet wurde. So ruhig und unerwartet wie AT THE DEVIL’S DOOR begonnen hat, endet er auch – einziges Manko: Der offene Ausgang lässt wie bei so vielen Horrorfilmen mal wieder Spekulationen für ein Sequel offen. Im Falle dieses in sich stimmigen Albtraums ist dies jedoch vollkommen überflüssig, denn um plausible Antworten zu erhalten, sollte der Zuschauer lieber die Phantasie spielen lassen.
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
AT THE DEVIL’S DOOR ist garantiert kein Film, den man vor dem zu Bett gehen anschauen sollte. Nach dem Indie-Hit THE PACT ist Macher NICHOLAS MCCARTHY seinem Grusel-Konzept treu geblieben und setzt wieder auf eher subtilen Horror statt blutgeilem Splatter-Quatsch mit dem Holzhammer. AT THE DEVIL’S DOOR ist stilistisch nicht weit von THE PACT entfernt. Wieder gibt es langsam Kamerafahrten, düstere Gänge und genug unheimliche Momente, die reichlich Gänsehaut verursachen. Neu hingegen ist, dass sich MCCARTHY weg vom Geister-Genre hin zum Okkultismus bewegt und eine in sich stimmige Geschichte zu Papier gebracht hat, die erst am Ende Sinn ergibt. Bis dahin darf sich durch eine morbide und nahezu depressiv wirkende Szenerie gegruselt werden, für die man Macher NICHOLAS MCCARTHY nur Dank beipflichten kann. Der versteht nämlich wie man dem Zuschauer mit einfachsten Mitteln Angst einjagen kann. Für INSIDOUS und CONJURING-Schöpfer JAMES WAN eine gute Gelegenheit für die geplanten 100 Pre- und Sequels seiner bisherigen Erfolgsfilme die ein oder andere Idee zu stibitzen. Wir meinen: In letzter Zeit kann keiner so gut gruseln wie NICHOLAS MCCARTHY. Sein AT THE DEVIL’S DOOR gehört zweifelsohne mit zur Referenz atmosphärischer Schauerstreifen.
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Zensur

 
 
 
Wir sehen besessene Frauen die in der Luft schweben und aus Fenstern und gegen Wände geworfen werden. Gewalt wird hier kaum gezeigt. Daher ist eine ungeschnittene FSK16 denkbar.
 
 
 


 
 
 

AT THE DEVIL’S DOOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pact (2012)
 
Besessen – Der Teufel in mir (2012)
 
Cassadaga (2011)
 
The Innkeepers (2011)
 
The Awakening (2011)
 
The Devils Backbone (2001)
 
Das Omen (1976)
 
Der Exorzist (1973)
 


Filmkritik: “Coherence” (2013)

coherence-2013
 
 
 

COHERENCE

Story

 
 
 
Ein Mystery-Thriller, der nicht viel benötigt: Ein Abendessen, acht Freunde und ein Kometenschweif am Himmel, der seltsame Vorkommnisse zur Folge hat …
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Kritik

 
 
 
Science-Fiction, Horror, Mystery, Drama oder Thriller – COHERENCE ist einer dieser Filme, der sich nicht so einfach kategorisieren lässt, weil er in keine Schublade passen will. Vielmehr bedient sich der auf Festivals gefeierte Überraschungs-Hit verschiedenster Genre, die hier ganz ungezwungen miteinander verschmelzen. Regisseur JAMES WARD BYRKIT, der bereits mit dem Chamäleon -Zeichentrick RANGO (Drehbuch) von sich hat hören lassen, konnte mit seinem kniffligen Rätselspaß schon einige Preise einheimsen und gibt mit dem kunterbunten Genre-Mix sein Regiedebüt, das bei Zuschauern endlich mal wieder die Köpfe rauchen lässt.
 
COHERENCE ist BYRKITS Reaktion auf seine bisherigen Arbeiten an Blockbustern wie RANGO (2011) und die FLUCH DER KARIBIK-Filme, die ihm sichtlich zu durchgeplant gewesen waren und dabei Möglichkeiten zur Improvisation zunichte machten. BYRKIT, der eigentlich vom Theater kommt, wollte sich von Konventionen lösen und sich wieder zu seinen alten Theater-Zeiten zurückbewegen, wo auf der Bühne allein Geschichte und Charaktere im Mittelpunkt gestanden haben und er die Freiheit zu experimentieren genießen konnte. Die Idee von COHERENCE war Schauspieler und Crew-Mitglieder von ihren Zwängen zu befreien. In einer Art spielfilmlangen Version einer TWILIGHT ZONE-Episode sollte durch minimalen Aufwand und mit einfachsten Mitteln maximales Unbehagen heraufbeschwört werden. Dabei war das Ziel ein filmisches Experiment zu schaffen, dass sich wie einst die Serie auch um wenige Protagonisten drehen sollte, die auf begrenztem Raum einem unheimlichen Mysterium auf die Schliche kommen. BYRKIT war darum bestrebt Augenmerk auf das Wesentliche zu legen, was wiederum bedeutete, dass Spezialeffekte vermieden werden und das Budget im überschaubaren Rahmen bleiben sollte. Gedreht wurde nicht einmal eine Woche am Stück mit kleiner Crew. BYRKIT stellte für die Dreharbeiten das eigene Wohnzimmer zur Verfügung und ein Drehbuch gab es nicht. Stattdessen erhielten die Darsteller an jedem Abend der fünf Drehtage Zettel mit Notizen, aus denen ausschließlich Informationen zum eigenem Charakter und der Hintergrundgeschichte für den jeweiligen Drehabend zu entnehmen waren. Weil keiner mit den Interaktionen des anderen vertraut war, mussten die Schauspieler Mut zur Improvisation beweisen. Ein riskantes Unterfangen, das in COHERENCE dennoch wunderbar funktioniert und wie aus einem Guss wirkt – den hervorragend gewählten Schauspielern sei Dank.
 
COHERENCE nimmt den Zuschauer mit zu einem Dinner in ein abgelegenes Haus irgendwo in Californien. Acht Freunde finden sich hier zusammen, um nach langer Zeit einander wiedersehen zu können. Ein besonderes Spektakel steht bevor, schließlich kreuzt nicht alle Tage ein Komet die Erdumlaufbahn. Doch das spektakuläre Himmelsereignis führt zu einer Reihe seltsamer Vorkommnisse. Erst zersplittern Handybildschirme wie von Geisterhand, bald schon verhalten sich die Gäste eigenartig. Als man wenig später auf Doppelgänger stößt bricht Panik unter den Anwesenden aus. Mehr über den grandios verwirrenden Plot zu verraten wäre fatal, nur soviel: Macher JAMES WARD BYRKIT bedient sich ganz clever der Thematik von Paralleldimensionen, versetzten Zeitebenen sowie Quantenphysik und konstruiert ein faszinierendes Stück Zelluloid, das reichlich Aufmerksamkeit voraussetzt, damit der roten Faden nicht verloren geht. Hierbei geht der Regieneuling den gleichen Weg wie zuletzt DENNIS ILIADIS, der im vergangenen Jahr an einem ähnlichen Film werkelte, welcher letztendlich vom deutschen Rechteinhaber UNIVERSUM FILM unter dem Titel PARTY INVADERS (im Original: +1 (2013)) ganz stillschweigend in die Händlerregale gebracht wurde.
 
Erfrischende Rezepturen gänzlich ohne Klischees und Konventionen sind im Kino mittlerweile eine Seltenheit geworden, vor allem wenn die amerikanische Traumfabrik mal wieder zugeschlagen hat, die dem Zuschauer das Denken so einfach wie möglich gestalten möchte. Ein Übel, dass BYRKIT nicht hinnehmen wollte, wie er in einem Interview verriet. Er war darum bestrebt einen Film zu drehen, der eben nicht bis ins kleinste Detail erklärt werden soll, damit ihn auch jeder Filmzuschauer verstehen kann. Vermutlich ein Grund, warum sich ohnehin kein großes amerikanisches Studio hätte finden lassen, das dazu bereit gewesen wäre, sein rätselbepacktes Filmvergnügen zu unterstützen. Dass sein Film mit einem abrupten Abschluss vollkommen aus der Bahn wirft, ohne klärende Antworten zu liefern, ist nur ein Beispiel dafür wie geschickt er sich den vordiktierten Regeln amerikanischer Hochglanzfilme entgegenlehnt, obwohl er im Grunde genommen einst selbst hier Fuß im Filmbusiness gefasst hat. Für diesen unkommerziellen Weg kann man den Filmemacher nur loben, denn auch wenn man COHERENCE vermutlich mehrmals gesehen haben muss, um auch alle Geheimnisse entschlüsseln zu können, ist dieses klug inszenierte und überraschend unkonventionelle Leinwand-Puzzle über jeden Zweifel erhaben. Für ein so sehenswertes und vor allem mutiges Erstwerk, das Hollywood rigoros den Mittelfinger entgegenstreckt, obwohl Macher JAMES WARD BYRKIT einst mit großen Blockbuster-Hits Erfolge feierte, gibt es vom FILMCHECKER eine zu recht verdiente und ungewöhnliche hohe Punktzahl.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös-unheimlicher Puzzle-Trip, der in keiner gut sortierten Filmsammlung fehlen sollte. Manchmal ist eine gute Idee mehr Wert als viel Budget und ausufernde Spezialeffekte. COHERENCE ist ein Triumph des Low-Budget-Filmemachens, denn trotz oder gerade aufgrund der Tatsache, dass die Akteure in diesem Kammerspiels vorwiegend improvisieren und kein Drehbuch als Grundlage besitzen, um sich daran festklammern zu können, gehört COHERENCE zum Besten was das Filmjahr 2014 zu bieten hat. Regisseur JAMES WARD BYRKIT ist hier ein Kunststück gelungen, dass die volle Aufmerksamkeit seiner Zuschauer genießt, die schnell ganz leise werden, um wirklich alle Geheimnisse diese grandios verschachtelten Verwirrspiels ergründen zu können. Da stört dann auch die teils wackelige Kameraführung nicht, die zwar immer nah an den Protagonisten ist, um Authentizität bewirken zu können, aber ab und an mit den üblichen Mankos zu kämpfen hat, die man aus den vielen Found-Footage-Werken kennt. Keine Angst COHERENCE ist keiner dieser überdrüssigen Shaky-Cam-Streifen. Vielmehr ist dieser packende und klug umgesetzte Überraschungs-Hit mit all seinen unerwarteten Wendungen Pflichtprogramm für Fans des Phantastischen Films. Daher: Wer im Genre Anspruch statt Holzhammer braucht, muss diesen Film gesehen haben.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Zensur

 
 
 
COHERENCE ist kein blutrünstiger Horror-Schocker. Hier passieren weder Mord- noch Totschlag. Am Ende kommt der Deckel eines Toilettenspülkastens zum Einsatz – das war’s dann aber auch schon mit der Gewalt. COHERENCE wird mit blauem FSK16-Sticker in den Handel kommen. Zuvor darf er jedoch auf dem FANTASY FILMFEST 2014 begutachtet werden.
 
 
 


 
 
 

COHERENCE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House ot the End Times (2013)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
Mine Games (2012)
 
Haunter (2013)
 
Und taglich grüsst das Murmeltier (1993)
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)
 


Filmkritik: “Long Weekend – Thongsook 13″ (2013)

long-weekend-thongsook-13
 
 
 

LONG WEEKEND

THONGSOOK 13

Story

 
 
 
Sechs Jugendliche wollen auf einer verlassenen Insel – wo auch sonst – eine trinkfreudige Wochenendsause in einem Strandhaus veranstalten. Leider birgt das friedliche Eiland auch eine dunkle Vergangenheit. Früher wurden dort während des sogenannten Blutmondes geheimnisvolle Opferriten durchgeführt, um die Geister der Insel zu besänftigen. Hätten die Kids gewusst, dass ihr Feiervorhaben in genau jenen Ritualzyklus fällt, wären sie vermutlich zu Haus geblieben …
 
 
 


 
 
 

LONG WEEKEND – Kritik

 
 
 
Wenn uns der Horrorfilm eins gelehrt hat, dann dass man Außenseitern besser keine gemeinen Streiche spielt, denn derart rücksichtsloses Verhalten wird im Genre eigentlich immer mit dem Tod bestraft. Bereits in Filmen wie Kings CARRIE (1976) oder dem Slasher BRENNENDE RACHE (1981) war das der Fall. Hier wurde Außenseitern derart übel mitgespielt, dass die Geschehnisse eine ungeahnte Wendung erfuhren und im Blutbad enden mussten. Auch in Thailand finden jene beständigen Horror-Regeln im Film immer wieder Verwendung. So auch in LONG WEEKEND – einem weiteren Teenie-Grusler, der freilich nichts mit dem australischen Öko-Horror von COLIN EGGLESTON zu tun hat, dem im Jahr 2008 unter gleichem Titel eine aufgehübschte Neuverfilmung folgen musste. Im thailändischen LONG WEEKEND ist es nicht Mutter Natur, die mit Umweltsündern kurzen Prozess veranstaltet, sondern eine Gruppe Thai-Kids, die unbeabsichtigt einen geheimnisvollen Schrein nach einem fiesen Streich an einem Mitschüler entweihen und die Missgunst böser Geister auf den Plan rufen. Einzelgänger und Schul-Mobbingopfer CHINAWUT INDRACUSIN fungiert hier als Medium, in dessen Körper die zornigen Geister schlüpfen nachdem dieser von seinen Klassenkameraden in eine Art Opferkammer gesperrt und seines Schutzamuletts beraubt wurde. Wenig später ist die Hölle los, denn der Rechner leistet ganze Arbeit, schließlich sind fast alle Horror-Elemente in LONG WEEKEND (der sich übrigens im Original THONGSOOK 13 schimpft) computeranimiert. Regisseur TAWEEWAT WANTHA (was für ein Zungenbrecher) übertreibt es in seinem glattgebügeltem Gruselstück ein wenig arg mit CGI-Gespuke. Zwar können sich die Spezialeffekte durchaus sehen lassen; der Film ist jedoch teilweise derart effektüberladen, dass das Wesentliche aus den Augen verloren wird. WANTHA verschwendet wenig Zeit mit der Charakterentwicklung. Stattdessen legt der Filmemacher Wert auf einem unhomogenen Klangteppich, der von anhaltendem Gewitterdonner begleitet wird und künstlich aus den TV-Boxen grummelt. Letzterer wurde zudem derart laut eingespielt, dass der Zuschauer permanent damit beschäftigt ist die Lautstärke des Fernsehapparats zu regulieren, weil ihm der Donnergeröll zu laut und die Dialoge zu leise abgemischt wurden. Die künstlichen, durch Lautstärke verursachten Schreckmomente hat LONG WEEKEND jedoch auch bitter nötig, denn ein Gruselfaktor ist kaum zu verzeichnen. Wie soll der auch entstehen, wenn ein atmosphärischer Erzählstrang und der konstant steigende Spannungsbogen zugunsten oberflächlicher Effekthascherei vernachlässigt wurde.
 
LONG WEEKEND oder THONGSOOK 13 ist jugendkonformer Teenie-Horror, der sich offensichtlich an ein junges Publikum richtet. Filmische Experimente werden nicht gewagt, stattdessen wird sich an den Konventionen des modernen Horrorkinos orientiert. Für den Zuschauer bedeutet das: Stereotype Helden, die nach dem Prinzip der 10 kleinen Negerlein das Zeitliche segnen müssen, damit der Horrorfan auch etwas Gewalt zu sehen bekommt. Für Geister-Horror aus Fernost kommt die überraschend schaufreudig daher, so dass sich auch der ein oder andere europäische Horrorfan mit LONG WEEKEND anfreunden dürfte. Warum an der hauchdünnen Handlung ausgerechnet vier (!) Autoren gleichzeitig kritzeln mussten, dürfte jedoch für immer ein Mysterium bleiben. Vermutlich war der aufgezwungene Schluss-Twist nicht anders zu bewerkstelligen.
 
 
 


 
 
 

LONG WEEKEND – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
(Er)Schreckreiche Geisterhatz aus Thailand mit bitterbösem Ausgang. LONG WEEKEND (oder THONGSOOK 13, so wie er ins seinem Entstehungsland ins Kino gebracht wurde) ist garantiert nichts für Liebhaber des Old-School-Horrors. Die Macher haben sichtlich viel Spaß mit den Fähigkeiten von Hochleistungsrechner gehabt und reichlich Bath in Computereffekte fließen lassen. Die sehen zwar ganz brauchbar aus, können aber nicht verbergen, dass das Drehbuch zum Film kaum vom Hocker reißen will. In LONG WEEKEND treffen stereotype Kids auf animierte Geister und werden nacheinander in den Filmhimmel transferiert. Gruselig ist das zwar nicht, dafür aber ziemlich schockintensiv, weil die Ton-Macher dreist an den Lautstärkereglern ihrer Mischpulte hantiert haben. Unterm Strich ist der thailändische Horrortrip keine Offenbarung – Mainstream verwöhnte Kids haben an diesem halbherzigen Spuk-Quark vermutlich trotzdem ihre Freude.
 
 
 


 
 
 

LONG WEEKEND – Zensur

 
 
 
Einiges an Gewalt wird geboten. So wird ein Kopf im Motorboot-Motor zermatscht und Gegenstände durch Köpfe gejagt. Wir rechnen mit einer Freigabe für Erwachsene: KEINE JUGENDFREIGABE.
 
 
 


 
 
 

LONG WEEKEND – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Phobia (2009)
 
House of Dust (2013)
 
The Damned (2013)
 
The Quiet Ones (2013)
 


Filmkritik: “Tom Holland’s Twisted Tales” (2013)

Tom-Hollands-Twisted-Tales
 
 
 

TOM HOLLAND’S TWISTED TALES

Story

 
 
 
Altmeister TOM HOLLAND präsentiert neun Geschichten, kurz und reich an Wendungen, die von allerlei Horror-Kram erzählen …
 
 
 


 
 
 

TOM HOLLAND’S TWISTED TALES – Kritik

 
 
 
Produzent, Autor, Regisseur und Schauspieler TOM HOLLAND tut es dem Crypt Keeper aus der kultigen TALES FROM THE CRYPT-Reihe gleich. Als makabrer Geschichtenerzähler lässt er nämlich seine eigene Web-Serie auf die Horrorgemeinde los, die nun als TOM HOLLAND’S TWISTED TALES fürs Heimkinomedium gepresst wurde und unter die Leute gebracht werden soll, schließlich sind Horror-Anthologien derzeit so gefragt wie schon lange nicht mehr. In neun mehr oder weniger brauchbaren Kurzgeschichten findet all jenes Verwendung, was im gegenwärtigen Horrorfilm seine Runden dreht. Ob Racheplot, Vampirgurke oder der Deal mit dem Teufel – HOLLAND persönlich hat sich zu knapp 140 Minuten Horror-Trash hinreisen lassen, der zwar zwischenzeitlich ganz gut unterhält, aber kaum Tiefgang bietet. Ursprünglich war das Projekt als Web-Serie für die Horrorseite FEARnet angedacht, was dann auch erklärt, warum TOM HOLLAND’S TWISTED TALES so verdammt kostengünstig ausschaut. Viel Geld war nicht vorhanden, so dass das Resultat nicht einmal ansatzweise den Standards aktueller TV-Serien entspricht. Dennoch hat es HOLLAND irgendwie geschafft, eine Elite der Genre-Schauspielerschaft um sich zu scharen, damit sein Projekt beim Anhänger makabrer Unterhaltung auf möglichst breite Aufmerksamkeit stößt. Neben HALLOWEEN-Sternchen DANIELLE HARRIS, die immer mal wieder selbst in unterirdischem Horror-Abfall vorbeischaut, bekommt der Zuschauer sogar I SPIT ON YOUR GRAVE-Opfer SARAH BUTLER und MAY-Darstellerin ANGELA BETTIS vor die Linse, die die teils etwas unausgereiften Geschichten erträglich halten. Letztere hatte Glück. BETTIS hat sich die Hauptrolle der wohl besten Episode der gesamten Grusel-Sammlung ergattert. In SHOCKWAVE muss sie gemeinsam mit Lover, Haushälterin und Freunden ums Überleben bangen. Eine elektromagnetische Schockwelle rast auf Los Angeles zu und weckt den Überlebenswillen jedes Einzelnen. Ein Schutzraum soll Unterschlupf bieten; darin ist aber nur Platz für zwei. Am Ende der Geschichte wird der Zuschauer mit harscher Gesellschaftskritik und bitterbösem Schluss-Gag konfrontiert, den man so nicht kommen gesehen hat.
 
Ebenso bitterböse enden die Episoden im übrigen samt und sonders. Denn wie der Titel der Anthologie bereits verrät, handelt es sich hier um twistreiche Segmente, die zumeist mit zynischem Abschluss an die beliebte TALES FROM THE CRYPT-Serie erinnern. Für die hatte HOLLAND bereits in den 90ern drei Folgen beigesteuert, bevor sich der Regisseur endgültig aus der Kinolandschaft verabschiedet hat. Leider hat sich der Filmemacher mit seinem unfreiwilligen Leinwand-Ende auch von filmischer Qualität verabschiedet. Vorbei die Zeiten, als HOLLAND Horrorfanherzen im Sturm erobern konnte. Fast dreißig Jahre nach grandiosen Kultwerken wie EINE RABENSCHWARZE NACHT – FRIGHT NIGHT (1985) und CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE (1988) geht er den gleichen Weg, wie viele einst gefragte Altmeister des modernen Horrorkinos. Statt im Kino das Fürchten zu lehren, verdient man sich das Geld mit bedeutungsloser Low-Budget-Massenware. Denn was in den 80ern noch gut angenommen wurde, entlockt Kids von heute nur noch ein müdes Lächeln. Auch HOLLAND’S TWISTED TALES fühlt sich wie Horror aus einer längst vergessenen Zeit an. Der gut gemeinten Hommage an TWILIGT ZONE und TALES FROM THE CRYPT fehlt es an frischen und vor allem zeitgemäßen Ideen. Viele der hastig heruntergedrehten Kurzgeschichten erinnern in ihrer billig wirkenden Inszenierung an schlimmstes VHS-Futter, das dem Filmfreund zu Hochzeiten des Video-Booms in den Videotheken angedreht wurde. Weitaus erschreckender sind jedoch all die minderwertigen CGI-Effekte, für deren dilettantische Umsetzung sich kaum Worte finden lassen. Immerhin sind Horror-Junkies die wohl fehlertolerantesten Fans der Welt. Auch wenn TOM HOLLAND’S TWISTED TALES weit weg ist von perfekter Samstagabendunterhaltung wird auch dieser Billig-Trash seine Liebhaber finden. Im direkten Vergleich zu den üblichen Anthologie-Verdächtigen der letzten Zeit, zieht diese etwas unausgereift Horror-Sammlung auf jeden Fall den Kürzeren.
 
 
 


 
 
 

TOM HOLLAND’S TWISTED TALES – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine makabre Horror-Sammlung für den kleinen Genre-Hunger zwischendurch. TOM HOLLAND-Anhänger dürften jedoch mit dieser Sammlung zynischer Geschichten das kalte Grausen bekommen und sich leider eingestehen müssen, dass der einst gefragte CHUCKY-Regisseur die besten Zeiten längst hinter sich gelassen hat. Mit TOM HOLLAND’S TWISTED TALES hat der Filmemacher neun teils wirklich gehaltlose Kurzgeschichten gedreht, die weniger durch Inhalt glänzen sondern vielmehr die Frage aufkommen lassen, warum man auf Biegen und Brechen eine Serie drehen muss, wenn dafür ohnehin kaum Geld zur Verfügung steht. Der herzlosen Anthologie mangelt es an allem. So ärgert am meisten der fiese Video-Look und die teils haarsträubend-miserablen Bluescreen-Effekte, die manchmal sogar noch mieser umgesetzt wurden als das, was man in Streifen der Schundschmiede ASYLUM zu sehen bekommt. Geiz ist nicht immer geil, vor allem dann nicht, wenn ein großer Name auf dem Cover lockt und das Resultat nicht einmal ansatzweise dem gerecht wird, wofür HOLLAND in den 80ern gefeiert wurde. Zwar wurden die semiprofessionellen Geschichten mit Starauftritten bekannter Horrorgesichter bereichert; sieht man allerdings von der Episode mit der BETTIS in der Hauptrolle ab, kann kein Segment wirklich überzeugen. Unterm Strich bleibt eine überflüssige Horror-Anthologie, die man wohl besser als Web-Serie belassen hätte und für die TOM HOLLAND mit Sicherheit keine Lobgesänge erhalten dürfte, auch wenn er sich die Mühe gemacht hat, vor jeder Geschichte als Moderator in Erscheinung zu treten. Daher: 08/15 Fast Food-Horror von der Stange, der nur Hardcore-Fans zusagen dürfte.
 
 
 


 
 
 

TOM HOLLAND’S TWISTED TALES – Zensur

 
 
 
TOM HOLLAND’S TWISTED TALES ist jugendfreier Schrecken der hierzulande ohne Probleme ab FSK16 veröffentlicht werden dürfte. Kein Wunder, bleibt großartiges Gemetzel und blutgeiles Gewaltgematsche fast gänzlich aus.
 
 
 


 
 
 

TOM HOLLAND’S TWISTED TALES – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Phobia (2009)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
The Penny Dreadful Picture Show (2013)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
Sanitarium (2013)
 
Scary or Die (2012)
 


Filmkritik: “The Damned” (2013)

the-damned-gallows-hill-2013
 
 
 

THE DAMNED

(GALLOWS HILL)

Story

 
 
 
Ein Unwetter macht fünf Reisenden einen Strich durch die Rechnung. Sie suchen Unterschlupf in einem verlassenen Hotel und stoßen dort auf das ultimativ Böse …
 
 
 


 
 
 

THE DAMNED – Kritik

 
 
 
Wirft man den Namen VICTOR GARCIA in die Horror-Runde, dürften sich bei dem ein oder anderen wutentbrannten Horrorfan zügig die Zehennägel krümmen. Seitdem der Regisseur eine besondere Leidenschaft für billige Videofortsetzungen erfolgreicher Horror-Hits entwickelt hat, läuten bei Freunden düsterer Unterhaltung die Alarmglocken sobald ein weiteres Werk bei ihm in der Mache ist. Für die, die vielleicht nicht so mit Filmen bewandert sind: GARCIA lies nach Ajas Hochglanz-Remake MIRRORS im Jahr 2010 ein überflüssiges Video-Sequel folgen und ist zudem für die Zelluloid-Katastrophen HELLRAISER: REVELATIONS (2012) und RETURN TO HAUNTED HILL (2007) verantwortlich. Umso verwunderlicher, dass der gebürtige Spanier mit seinem neusten Horror-Flick etwas Eigenständiges gedreht hat, bei dem zur Abwechslung kein bekanntes Filmfranchise dahintersteckt. Anders als erwartet, macht GARCIA jetzt was Eigenes. Sein neuster Streifen erzählt von Besessenheit und Geistern und orientiert sich – welch Zufall – erneut bei einem ganz großen Klassiker der Horrorfilmwelt: EVIL DEAD. Sein THE DAMNED (der ursprünglich mal als GALLOWS HILL vermarktet werden sollte) ist quasi eine Light-Version des berüchtigten Originals, dem im vergangenen Jahr eine Neuverfilmung zuteil wurde, die international reichlich Kasse machen konnte. GARCIA bereichert sich der Erfolgszutaten des EVIL DEAD Remakes und ändert diese ein klein wenig ab, damit nicht so offensichtlich ins Gewicht fällt, dass selbst kaum Ideen vorhanden gewesen waren. So wurde aus der klapprigen Hütte im Wald ein finsteres Hotel und das Buch der Toten wurde durch einen wütenden Geist ersetzt, der von den Protagonisten unbeabsichtigt aus seinem Gefängnis befreit wird und sich den Körpern seiner Retter bemächtigt.
 
Macher VICTOR GARCIA entführt den Zuschauer nach Kolumbien wo eine Gruppe von fünf Menschen nach einem Autounfall Zuflucht in einem geschlossenen Hotel suchen. Der Besitzer tut sich anfangs schwer die Hilfesuchenden aufzunehmen, lässt sich jedoch erbarmen und bietet den fünf Durchreisenden Unterschlupf. Schon bald vernimmt die Gruppe beunruhigende Stimmen, die aus dem Kellergeschoss dringen und zum Erkunden der Herberge einladen. Die Schnüffeleien führen zum Erfolg: In einem kleinen Raum unter dem Haus befreien die Gäste ein kleines Mädchen, dass sich hier unten sich selbst überlassen wurde. Der Hausherr findet die Rettungsaktion jedoch gar nicht erfreulich, haust doch in dem Kinderkörper der Geist einer bösen Hexe, die sich nun freigelassen den Körper der Zufluchtsuchenden bemächtigt, um sie gegeneinander aufzubringen. Was folgt, kennt man bereits aus Filmen wie Carpenters THE THING oder Rodriguez THE FACULTY: Niemand ist sich seines Lebens mehr sicher, schließlich bleibt meist gut verschleiert, in welchem Körper der Geist als nächstes schlummert.
 
GARCIA schafft mit THE DAMNED das, was vermutlich kaum jemand vermutet hätte. Nach seinen bisher missglückten Ausflügen ins Horror-Geschäft hat der Spanier doch noch einen brauchbaren Streifen abgeliefert, der um Welten besser ist als das, mit dem er die Filmwelt bisher gequält hat. Trotz dreistem Ideenraub beweist der Regisseur, dass er ein talentiertes Händchen für stimmige Bilder besitzt. Düstere Flure, spartanisch eingerichtet Zimmer, vergilbte Tapeten und lichtarme Settings lassen schnell unangenehme Atmosphäre aufkommen, die dem Streifen einen soliden Gruselpegel bescheren. GARCIA fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Die Geschichte entwickelt sich gemächlich und überrascht dennoch mit einem stetigen Spannungsaufbau, der gekonnt verschleiert, worauf THE DAMNED nun eigentlich hinauslaufen will. Ist das Gröbste abgehakt, geht’s dennoch zur Sache und das Tempo wird konsequent angezogen. Ein höherer Splatter-Zoll hätte dem Treiben hierbei sichtlich besser gestanden. Denn anders als im blutreichen Teufelstanz von SAM RAIMI hält sich GARCIA dezent zurück mit der Zurschaustellung splattriger Raffinessen. Die Gewalt hält sich in Grenzen. Neben einigen Verwandlungs-CGI’s und Gewehreinschüssen ist von gewinnbringender Filmgewalt kaum etwas zu verzeichnet. Somit eignen sich THE DAMNED vor allem für zartbesaitete Gemüter, die sich einen kurzweiligen Gruselabend bescheren wollen, ohne gleich mit permanentem Brechreiz rechnen zu müssen. Auch wenn THE DAMNED des Öfteren an EVIL DEAD erinnert: Für Fans der härteren Filmgattung ist THE DAMNED leider vollkommen unbrauchbar.
 
 
 


 
 
 

THE DAMNED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein kurzweiliges Gruselvergnügen für Fans klassisch erzählter Angstmacher. THE DAMNED hat all das, was konventionell erzählte Horrorfilme benötigen: Ein Haus mit einem düsteren Geheimnis, zahlreiche Schreckmomente und wohlige Gruselatmosphäre, die sich langsam ihren Weg durch eine stimmig inszenierte Geschichte bahnt. Eine überschaubare Anzahl unappetitlicher Szenen runden das gelungene Gesamtpaket ab und machen aus dem Geister-Besessenheits-Flick einen soliden Grusler ohne Längen. Nach überflüssigen Videofortsetzungen bekannter Horror-Hits hätte vermutlich niemand daran geglaubt, dass der Spanier VICTOR GARCIA doch noch einen halbwegs brauchbaren Film drehen würde. Seine Light-Version des kultigen EVIL DEAD ist nämlich ein stimmig-kurzweiliges Horrorfilmchen geworden, das sich geradezu für einen Gruselabend mit Freunden eignet – mehr aber auch nicht. Immerhin stimmt die Richtung. Die sollte GARCIA auf jeden Fall für künftige Werke beibehalten. Dass er einen Blick für stimmige Bilder besitzt, lässt sich nämlich nicht von der Hand weisen. Kombiniert er den mit interessanteren und vor allem weniger abgedroschenen Filmthemen, dürfte einen neuer Schauer-Hit ins Haus stehen.
 
 
 


 
 
 

THE DAMNED – Zensur

 
 
 
THE DAMNED ist kein sonderlich blutiger Film. Es gibt einige Gewehreinschüsse zu sehen, ein spitzer Gegenstand wird durch das Auge eines Protagonisten gejagt und einem Filmcharakter wird das Genick gebrochen. Hierzulande darf man wohl mit KEINE JUGENDFREIGABE rechnen. Insofern die FSK einen guten Tag haben sollte, ist sogar eine FSK16 drin. TIBERIUS FILM (SUNFILM) hat sich die Rechte gesichert und wird den Streifen in absehbarer Zukunft veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

THE DAMNED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)
 
Speak No Evil (2013)
 
Beneath (2013)
 
The Quiet Ones (2014)
 
Here Comes the Devil (2012)


Filmkritik: “Phobia 2″ (2009)

phobia-2-2009
 
 
 

PHOBIA 2

Story

 
 
 
Fünf teuflisch-makabre Kurzgeschichten, die von hungrigen Geistern, komatösen Hirntoten, scheintoten Schauspielerinnen, skrupellosen Autoverkäuferinnen und unvorsichtigen Rucksacktouristen erzählen …
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Kritik

 
 
 
Verbucht ein Horrorfilm im Kino Erfolge, lass ihm schnell eine Fortsetzung folgen. Auch in Thailand kennt man die Formel des schnellen Geldes. Anders als hier in Deutschland scheint es dort finanziell lukrativ zu sein landeseigene Gruselware in die Lichtspielhäuser zu bringen, die sogar noch Zuschauer findet. Nach dem überraschenden Geldsegen der thailändischen Horror-Anthologie 4BIA (2008) war die logische Konsequenz daraus, so schnell wie möglich einen weiteren Ableger zu drehen, damit der Erfolg zeitnah wiederholt werden konnte. Die Rechnung ging auf: Die Fortsetzung PHOBIA 2 wurde im Inland ein Hit, spülte in der ersten Woche rund 65 Millionen Baht in die Kinokassen und entwickelte sich zum bis dato kommerziell erfolgreichsten Horrorstreifen in Thailand. Ein Grund hierfür dürfte vermutlich die äußerst konventionelle Inszenierung gewesen sein. Die Macher der Kurzgeschichtensammlung (die übrigens auch an SHUTTER und THE ABC’S OF DEATH beteiligt gewesen waren) klammern sich nicht krampfhaft an befremdliche Erzählmethodik aus Fernost, sondern schielen gen Westen, um PHOBIA 2 auch dort möglichst gewinnbringend vermarkten zu können. Das Resultat ist konventioneller als anfänglich erwartet und erinnert mit all den makabren Pointen an die Erwachsenen-Version der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe, die Ende der 80er im Fernsehen zum Kult wurde. Wie bereits im Vorgänger 4BIA reduziert sich auch der Nachfolger auf das clever konstruierte Schock- und Filmtwist-Prinzip, wobei auch in PHOBIA 2 großen Wert auf möglichst makabre Enden gelegt wurde. Die jeweiligen Episoden sind abwechslungsreich, glänzen mit atmosphärischer Dichte und gefallen durch visuelles Raffinesse. Im Gegensatz zum ein Jahr zuvor veröffentlichten 4BIA besitzt keine der Geschichten inszenatorische Hänger. Stattdessen legen die Regisseure ein beachtliches Tempo an den Tag und räumen dem Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen ein. Im Mittelpunkt stehen fünf lose Geistergeschichten, die mit keiner Rahmenhandlung verknüpft wurden und für die fünf unterschiedlichen Thai-Regisseure verantwortlich waren. Die Kurzgeschichten erzählen von Vergeltung und begangenen Sünden, was für die Helden der knapp zwanzigminütigen Segmente meist kein gutes Ende zur Folge hat, schließlich müssen die für ihr meist skrupelloses Vorgehen bestraft werden. Während in der ersten Episode mit dem Titel NOVICE ein kleinkrimineller Jugendlicher von seiner Mutter in einem buddhistischen Kloster versteckt wird und schon bald den Zorn hungriger Geistern zu spüren bekommt, weil er sich den Regeln der Klostergemeinschaft widersetzt, führt uns WARD in ein Krankenhaus in dem sich seltsame Dinge ereignen. Dort hofft der junge Arthit auf Genesung, der sich wegen seiner verletzten Beine mit einem komatösen Patienten ein Zimmer teilen muss. Doch der schlummernde Zimmergenosse ist nicht so hirntot wie eigentlich vermutet, was den Krankenhausaufenthalt für Arthit zum quälenden Albtraum werden lässt. Für die dritte Kurzgeschichte wurden Elemente aus Zombie- und Geisterfilmen vermischt. Entstanden ist die vermutlich beste Episode der gesamten Anthologie. BACKPACKERS beginnt wie ein einfältiges WOLF CREEK-Duplikat, streut aber immer wieder falsche Fährten, um den Zuschauer zu verwirren. Am Ende gibt’s das erste Mal Gekröse zu sehen, damit auch der Gorehound unter den Zuschauern zufriedengestellt wird. Regisseur SONGYOS SUGMAKANAN berichtet hier von zwei japanischen Rucksacktouristen, die von zwei hilfsbereiten Truckern nach Bangkok mitgenommen werden. Hätten die jedoch geahnt, welch tödliches Frachtgut auf der Ladefläche schlummert, wären die beiden Tramper wohl lieber nach Bangkok gelaufen.
 
Weiter geht’s mit dem zynischen SALVAGE, in dem eine Autoverkäuferin Kunden über den Tisch zieht. Sie richtet Unfallautos her und verkauft sie an gut zahlende und nichtsahnende Kunden. Als ihr Sohn Toey beim Spielen auf dem Autohof verschwindet, schlagen die verunglückten Seelen der ehemaligen Autobesitzer Alarm. Eine schreckliche Nacht gespickt mit punktgenauen Schockeffekten folgt und läutet die letzte Episode mit dem Titel IN THE END ein, für die sich noch mal einige Schauspieler aus dem Erstling vor der Kamera versammelten, um PHOBIA 2 mit selbstironischem Gruselquatsch abschließen zu können. In dieser Kurzgeschichte erkrankt eine Schauspielerin am Set eines Horrorfilms. Als sie unter mysteriösen Umständen aus dem Krankenhaus verschwindet und noch kränklicher am Filmset erscheint, sind die Kollegen fest davon überzeugt, dass die Gute nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ähnlich wie in SCREAM – SCHREI! (1996) werden hier die Klischees moderner Horrorware wunderbar selbstironisch durch den Kakao gezogen. Dabei achtet Macher BANJONG PISANTHANAKUN penibel darauf, dass seine Geschichte nicht zu arg ins Alberne abgleitet und stets den Anspruch unterhaltsamen Gruselfutters beibehält. Neben einigen humoristischen Anspielungen, in denen selbst nicht davor gescheut wird den Vorgänger 4BIA auf die Schippe zu nehmen, übertrumpft sich die Episode mit einem göttliche erheiterndem Twist-im-Twist.
 
PHOBIA 2 darf zweifelsohne als eine der gelungensten Horror-Anthologien gewertet werden und gehört neben THE ABC’S OF DEATH, CREEPSHOW, NECRONOMICON und V/H/S 2 zum Besten was das Sub-Genre bisher hervorgebracht hat. Das sah auch das neue deutsche Label FROZEN DICE MEDIA so und veröffentlicht den Grusler leicht verspätet als Teil der labeleigenen Filmreihe EPIC ASIA nun auch in Deutschland. Wer nur die Perlen unter den Horrorstreifen sucht darf getrost zugreifen, denn PHOBIA 2 richtet sich vor allem an ein Mainstream verwöhntes Publikum.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Ein pikant gewürzter Horror-Mix, der Lust auf mehr macht. Für PHOBIA 2 sollte man schockresistent sein. Die thailändische Kurzgeschichtensammlung geizt nämlich nicht mit handfesten Schreckmomenten, die ein gesundes Herz voraussetzen. Nachdem der Erstling mit dem Titel 4BIA bereits 2008 ordentlich Kasse machte, folgte mit der Fortsetzung PHOBIA 2 der bis dato erfolgreichste Horrorfilm Thailands. Für Horror-Anthologie-Fans sind beiden Teile ein Must-See, schließlich waren die Macher um eine konventionelle Inszenierung bemüht, damit auch westliche Zuschauer mit der Horrorsammlung etwas anfangen konnten. Umso verwunderlicher, dass sich bis heute kein deutscher Verleih finden konnte, der die beiden Horrorfilme hierzulande auswerten wollte. Das junge Label FROZEN DICE MEDIA schafft Abhilfe und bringt zumindest den besseren zweiten Teil in die Wohnzimmer. Wir meinen: PHOBIA 2 gehört in jede gut sortierte Horrorsammlung – darum kauft Leute, kauft!
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Zensur

 
 
 
Ein paar wenige grausame Momente hat PHOBIA 2 zu bieten. Es werden einem Jungen Steine ins Gesicht geworfen, die obligatorischen Zombie-Beissattacken gibt es zu sehen und ein zermatschtes Kind unter der Motorhaube vervollständigen das kleine Splatter-Paket. Nicht viel, aber reicht für eine Freigabe mit dem roten FSK-Flatschen: KEINE JUGENDFREIGABE, ungeschnitten. Das neue Label FROZEN DICE MEDIA wird PHOBIA 2 komme was wolle im Dezember 2014 ungeschnitten veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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Filmkritik: “King Cobra” (1999)

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KING COBRA

Story

 
 
 
Als eine bei einem missglückten Experiment eine genmanipulierte Riesenschlange, halb Kobra, halb Klapperschlange, aus dem Versuchslabor entkommt, geschehen in einer ruhigen Kleinstadt bald grauenvolle Morde. Die Behörden dort stehen vor einem Rätsel. Es liegt an einer Polizistin, einem Arzt und zwei Schlangenexperten das Biest zu fangen und zu töten …
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Kritik

 
 
 
Mit KING COBRA, oder, wie er damals auf VHS auch genannt wurde, KILLER KOBRA, hat es ein weiterer fast in Vergessenheit geratener Tier-Horrorfilm auf DVD geschafft. Veröffentlicht wurde er im Jahre 1999, ganze zwei Jahre nach dem Luis Llosas ANACONDA (1997), in welchem unter anderem Jennifer Lopez und Ice Cube mitspielten, einen finanziellen Erfolg am Boxoffice verzeichnen konnte. Doch KING COBRA ist einer der wenigen Fälle, in denen die Macher ausnahmsweise Mal nicht von einem „größeren Bruder“ abgucken wollten. Genauer gesagt, arbeiteten die zwei Regisseure David und Scott Hillenbrand schon vor dem Release von ANACONDA an dem Konzept zu KILLER KOBRA. Da sich jedoch produktionstechnischen Schwierigkeiten ergaben, mussten die zwei Brüder ihr Projekt um einige Jahre verschieben.
 
Mit ein wenig Hintergrundwissen kann man dem Film vielleicht noch ein wenig mehr abgewinnen. Natürlich ist KING COBRA ein relativ unspektakulärer und klischeebehafteter Tier-Horrorfilm mit einer Schlange. Doch da hat es in jüngster Zeit weitaus schlechtere Beispiele gegeben. Man denke nur an Filme wie PIRANHACONDA (2012) oder ANACONDA 4: TRAIL OF BLOOD (2009). KING COBRA muss ein Projekt gewesen sein, dass David und Scott Hillenbrand aus Liebe zum Genre unbedingt umsetzten wollten. Weshalb hätten sie sonst Jahre lang an dem Film arbeiten sollen? Neben der Regie übernahmen die beiden auch noch die Arbeit der Drehbuchautoren und schrieben das Skript selbst. Sie co-produzierten das Projekt und David Hillenbrand komponierte den Soundtrack, wenn auch unter dem Pseudonym David Berrel. Außerdem gab sich Scott Hillenbrand die Ehre und hatte einen Cameoauftritt – wie sein Bruder, auch unter einem Pseudonym. Der Film selbst ist nicht allzu spannend und die Story bietet keinerlei Überraschungen. So lässt ein verrückter Wissenschaftler versehentlich eine Schlange entkommen, die wenig später Teenager in einem Wald verfolgt und tötet. Selbstverständlich dürfen die obligatorischen Helden nicht fehlen werden, von denen einer natürlich eine Polizistin und der andere ein Arzt ist. Auch das Stadtfest, welches der Bürgermeister selbstverständlich nicht absagen will gehört dazu – ganz so, wie man es eben von Tier-Horrorstreifen seit jeher gewohnt ist. KING COBRA ist ein so klassischer Tier-Horrorfilm, dass er innerhalb seines Genres sehr durch Klischees belastet wird. So können die Szenenverläufe bereits im Voraus erahnt werden – im Falle von KING COBRA ist das immerhin eine unterhaltsame Prämisse. Apropos unterhaltsam: Die unterhaltsamste Figur im ganzen Film dürfte wohl Pat Moritas Charakter Hashimoto sein. Morita, den die Meisten wohl als Miyagi aus KARATE KID (1984) kennen dürften, spielt hier einen Wissenschaftler, der Schlangen untersucht und sich regelmäßig das Gift der Kobra spritzt um immun gegen Bisse und das Schlangengift zu sein.
 
Doch um den Film nicht gänzlich schlechtreden zu wollen, sollten auch fairerweise die positiven Aspekte angesprochen werden, wobei einer ganz besonders hervorzuheben wäre: Der Film benutzt kein CGI! Wenngleich die 90er-Jahre das Jahrzehnt waren in denen Hollywood seinen Fetisch für CGI-Effekte entdeckte, war es gleichzeitig das Jahrzehnt, in denen Filmemacher noch wussten wie man damit umzugehen hat und das CGI nur ein Werkzeug ist, welches man gezielt einsetzen sollte. JURASSIC PARK (1993) hat es durch eine perfekte Symbiose von praktischen Effekten und CGI vorgemacht, ehe es George Lucas und Co. gegen die Wand fuhren. Doch auch in den 90ern gab es immer noch Leute die rein auf praktische Effekte setzten. Genau dies macht KING COBRA wieder zu einem sehenswerten Film, denn die große Riesenschlange ist zu 100% handgemacht. Verantwortlich dafür war ein weiteres Gespann von Brüdern: Die „Chiodo Brothers“, oder um genauer zu sein: Stephen, Charles und Edward Chiodo, die jedem Horrorfan ein Begriff sein sollten. Die drei waren unter anderem für die Creature-Effects in CRITTERS – SIE SIND DA! (1986) und CRITTERS 2 – SIE KEHREN ZURÜCK (1988) verantwortlich. Für letzteren wurden sie sogar für den Saturn Award 1990 nominiert. Ihr bekanntestes Werkt dürfte wohl der kultige und äußerst unterhaltsame KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE (1988) sein, den sie selbst produzierten und für den sie sogar das Drehbuch schrieben. Außerdem führte Stephen Chiodo hier persönlich Regie. Die Schlange, die sie für KING COBRA gebaut haben sieht super aus und wirkt wesentlich eindrucksvoller als die meisten computeranimierten Monster von heute. Diesbezüglich unterstreicht der Film noch mal, wie wichtig doch praktische Effekte gegenüber CGI sind.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
KING COBRA ist ein eher durchschnittlicher aber dennoch solider Tier-Horrorfilm, der durch seine praktischen Effekte einige Schauwerte zu bieten hat.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Zensur

 
 
 
Alle in Deutschland erhältlichen Fassungen sind ungekürzt. So auch die aktuelle DVD-Auswertung von EDEL GERMANY, die unter dem Originaltitel KING COBRA auf DVD ausgewertet wurde.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Deutsche DVD

 
 
 
king-cobra-1999-dvd

(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: King Cobra; USA 1999

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Französisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 
Am 22. Februar 2000 veröffentlichten BMG Video und UFA den Film auf VHS-Kassette unter dem Titel KILLER KOBRA. Seit dem 30. Mai 2014 ist der Streifen auch auf DVD erhältlich. EDEL GERMANY veröffentlichte den Film hierzulande unter seinem Originaltitel KING COBRA. Dadurch besteht nun Verwechslungsgefahr, da der 1981 veröffentlichte Tier-Horrorfilm JAWS OF SATAN von Bob Claver hierzulande auch den Titel KING KOBRA trägt – das “C” in “Cobra” macht den Unterschied.
 
 

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KING COBRA – Trailer

 
 
 

 
 

Sam Freissler

 
 
 
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Filmkritik: “Chrysalis” (2014)

Chrysalis-2014
 
 
 

CHRYSALIS

Story

 
 
 
Ein Film, wie jeder x-beliebiger Weltuntergangsstreifen und am Ende wird man doch eines Besseren belehrt: Nach einer Terror-Katastrophe hat sich ein Virus freigesetzt, der die Menschen zu primitiven Kreaturen hat werden lassen. Einige noch nicht Infizierte versuchen zu überleben …
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Kritik

 
 
 
Ein weiteres post-apokalyptischen Weltuntergangsszenario bahnt sich seinen Weg in die Wohnzimmer. Wie so oft in derart Streifen wird der Mensch für die Vernichtung der eigenen Rasse zur Verantwortung gezogen, die entweder durch Naturkatastrophen oder Bio-Waffen in die Knie gezwungen wird. Im Horrordrama CHRYSALIS tragen letztere Schuld, die ein grausames Massensterben zur Folge haben und Menschen in wilde Kreaturen verwandeln. Man könnte meinen, Regisseur JOHN KLEIN habe hier nur ein weiteres, beliebiges Zombie-Spektakel auf Film gebannt, dem ist jedoch nicht so. Der Zuschauer bemerkt schnell, dass hier etwas anders ist als sonst. Die Macher waren darum bestrebt den Konventionen des modernen Zombie-Kinos den Rücken kehren zu wollen. Regisseur JOHN KLEIN betrachtet die Zombie-Thematik mit anderen Augen und lässt die Schlachtwerkzeuge im Keller. Die “Infizierten” (so wie man sie im Film bezeichnet) werden hier nicht zur Freude des Zombiefans möglichst blutig in die ewigen Jagdgründe befördert. Stattdessen kommen die Protagonisten zu Wort, die von Macher JOHN KLEIN akribisch analysiert werden und sogar eine ernstzunehmende Charakterentwicklung erhalten. Für einen Zombiefilm mag eine derartige Vorgehensweise durchaus suspekt anmuten, konzentriert sich das Untoten-Genre seit jeher auf das grausame Ausradieren seiner fleischgeilen Filmkreaturen, denen nur ein Kopfschuss den Garaus machen kann. CHRYSALIS belehrt den Horrorfan eines Besseren und zeigt, dass eine Zombie-Geschichte auch ohne unnötiges Blutvergießen auskommen und dennoch packend unterhalten kann.
 
Der Streifen führt den Zuschauer ins Jahr 2038. Es ist Winter und ein Bio-Chemischer Terroranschlag hat beinahe die gesamte Menschheit ausgerottet und in aggressive Kreaturen verwandelt, die einen unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch entwickelt haben. Doch ihr Untergang scheint längst besiegelt zu sein. Die Nahrungsgrundlage ist knapp geworden, was zu einem rasanten Massensterben unter den Infizierten führt und die Überlebenden hoffen lässt. Auch Joshua (Cole Simon) und Penelope (Sara Gorsky) bahnen sich ihren Weg durch eine sterbende Welt, stets darauf hoffend doch noch auf Überlebende zu stoßen, um die Zivilisation neu aufbauen zu können. Auf ihrer Suche nach Anschluss machen die beiden Bekanntschaft mit Abira (Tanya Thai McBride), die das Paar zu einer Gruppe Überlebender führen will. Doch der Weg dahin ist gefährlich und Abira hütet ein schreckliches Geheimnis, das die Reise vor unüberwindbare Herausforderungen stellt.
 
Manchmal zahlt sich Improvisationstalent aus. Macher JOHN KLEIN dürften nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung gestanden haben, damit er das interessante Drehbuch von BEN KURSTIN ansprechend adaptieren konnte. Letzterer erhielt die Inspiration zum Skript, als er durch eine kleine Stadt reiste, an der bereits der Zahn der Zeit nagte. Die Idee vom Verfall der Städte in einer Welt ohne Zivilisation fand er bei seinen Erkundungsstreifzügen durch das Kleinod so bewegend, dass er sich an den Schreibtisch setzte und seine Geschichte über Zerfall, Hoffnung und Neuanfang niederschrieb. KLEIN drehte in verfallenen Kirchen, verlassenen Lagerhallen sowie sanierungsbedürftige Altbauten und bewirkt dadurch maximales Grauen, das oftmals weitaus beunruhigender ist, als man es in manch teurem Zombie-Blockbuster zu sehen bekommt. Es bedarf nicht viel um erschütternde Weltuntergangsstimmung aufkommen zu lassen. Im Falle von CHRYSALIS sind es gut durchdachte, fast schon kränklich anmutende Bildkompositionen, die die gegenwärtige Situation in grau gefärbter Tristesse widerspiegeln. Der erschütternden Fäulnis werden starke Protagonisten gegenübergestellt, die trotz Niederlagen vehement für ihr Ziel kämpfen und den Neuanfang versinnbildlichen sollen. KLEIN hat das kleine Ensemble mit exzellenten Schauspielern besetzt, die der Geschichte eine emotionale Tiefe verleihen, wobei man lobend hervorheben sollte, dass die Charaktere überraschenderweise nicht den typischen Stereotypen entsprechen, die man sonst meist im Horrorfilm zu sehen bekommt. Die sympathische Charakterisierung hat aber auch so seine Tücken, schließlich nimmt sich CRYSALIS viel Zeit, um die Schicksale der Protagonisten zu beleuchten. Dass sich der Zuschauer mit den zugänglichen Helden rasch verbunden fühlt und am Ende mitfühlt, wenn KLEIN sie über die Klinge springen lässt, ist eine der wenigen Prämissen, die der Filmfreund in Kauf nehmen muss.
 
Während Penelope sich mit der Tatsache abfinden muss niemals Kinder bekommen zu können und sich mit ihrem Analphabetismus mehr schlecht als recht durchs Leben mogelt, hat Abira ganz andere Probleme. Sie wurde als Kind bereits mit dem Virus infiziert, hat aber überlebt. Seither wird sie rastlos von den Infizierten verfolgt, die der wackeren Kämpfernatur stets an den Fersen haften. Keine guten Voraussetzungen um zu überleben, sind doch all jene in permanenter Gefahr, die sich in Abiras unmittelbarer Nähe aufhalten. CRYSALIS, was hier gleichzusetzen ist mit “Evolution”, ist kein einfacher Film für Zwischendurch. Der Streifen thematisiert Urängste und setzt sich tiefgründig mit Themen wie Einsamkeit, Überlebenswillen und Zusammenhalt auseinander. Die Zombies sind leider nur Beiwerk, was Gorehound vermutlich gar nicht schmecken dürfte. Für die Splatter-Gemeinde wurde CHRYSALIS ohnehin nicht gemacht, vermittelt KLEIN den Anspruch auch ohne dumme Gewalt ernsthaft unterhalten zu wollen. Gelungen ist ihm das allemal, denn mit seinem zweiten Spielfilm verleiht er dem totgefilmten Zombie-Genre (welch nettes Wortspiel) endlich neue Facetten, die wieder Lust auf mehr Horrorstreifen dieser Art machen.
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Packend inszenierter Indie-Horror, der darauf wartet entdeckt zu werden. Regisseur JOHN KLEIN verknüpft in CHRYSALIS drei seiner Leidenschaften, nämlich die für Horrorfilme, Dramen und Filmen mit glaubhafter Charakterentwicklung. Die Symbiose seiner drei Vorlieben ist im Falle seines Zweitwerks eine erstaunlich runde Sache geworden, denn sein Horror-Drama glänzt mit spannendem Storyverlauf und gut durchdachtem Drehbuch. Das besticht durch Tiefe und Glaubwürdigkeit und distanziert sich sogar gänzlich vom übertriebenen Blutgematsche, das ja bekanntlich zum Zombie-Genre gehört, wie das Salz in die Suppe. Gewalt erhält in CHRYSALIS kaum Gewichtung und die vom Zerfall gezeichneten Kreaturen sind nur Beiwerk. Stattdessen konzentriert sich die gemächlich erzählte Geschichte fast gänzlich auf seine drei Protagonisten, die einander verstehen und unterstützen und sich durch eine Welt voller Gefahren kämpfen, ohne jedoch den Respekt vor den Infizierten zu verlieren, die schließlich einst auch Menschen gewesen sind. Für das Resultat darf man Drehbuchautor BEN KURSTIN und Regisseur JOHN KLEIN nur beglückwünschen. Das dynamische Duo hat einen der besten Weltuntergangs-Indies gedreht, den man in letzter Zeit gesehen hat – und das sogar noch mit überschaubaren Budget. Man darf gespannt sein, um welche Filmstoffe sie das Genre in Zukunft bereichern werden. Fakt ist: CHRYSALIS bringt frischen Wind in das totgefilmte Zombie-Genre und erhält von uns das seltene Prädikat “Geheimtipp”!
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Zensur

 
 
 
CHRYSALIS ist kein brutaler Film. Gewalt spielt sich wenn dann nur im Off ab und reduziert sich auf das Ende des Streifens. In Deutschland dürfte das für eine FSk16 reichen.
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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Filmkritik: “Speak No Evil” (2013)

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SPEAK NO EVIL

Story

 
 
 
In einer Kleinstadt verschwinden die Kinder spurlos. Als sie wieder auftauchen gieren sie nach dem Blut der Erwachsenen …
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Kritik

 
 
 
Das amerikanische Multitalent ROZE hat ein Herz für strebsame Indie-Regisseure, die vehement daran arbeiten möglichst kreative Filme an den Zuschauer bringen zu wollen. Mit seiner Internetseite mindplate.tv eröffnet er all jenen Filmschaffenden die Möglichkeit, dass deren Werke auch von einem größeren Publikum in Nordamerika gesehen werden können. Ganz nebenbei soll mit seiner Plattform auch eine Basis für unabhängige Filmemacher geschaffen werden, mögliche Investoren für interessante Projekte gewinnen zu können, schließlich ist es meist für noch unbekannte Regisseure ohnehin schon schwer genug Filme zu finanzieren oder überhaupt einen Fuß in die Filmwelt zu bekommen. ROZE, der selbst seit 2002 Filme schreibt, dreht und produziert ist eigentlich ganz unfreiwillig zum Film gekommen. Bevor er seine neue Bestimmung fand, sah er sich eigentlich als Musiker. Weil er sich jedoch das Handgelenk brach und nicht mehr Gitarre spielen konnte, suchte er nach beruflichen Alternativen und landete an einer Filmhochschule. Es folgten Kurzfilme, Werbespots und 2010 schließlich der erste abendfüllende Langfilm: DEADFALL TRAIL. Drei Jahre später hatte ROZE bereits den zweiten Spielfilm abgedreht, der unter dem Titel SPEAK NO EVIL nun auch auf der eigenen Vermarktungsplattform zum Kauf angeboten wird und mit Sicherheit recht zügig internationale Publisher finden dürfte.
 

“What are you willing to sacrifice to overcome your fear and defeat evil?”. I believe we are willing to sacrifice our child in America and I believe we have.

(ROZE)

 
Der Regisseur ist dem Horrorfilm treu geblieben und führt in SPEAK NO EVIL mehrere Subgenres zusammen. Neben Elementen aus Zombie- und Okkultismusfilmen findet auch Besessenheitsthematik Verwendung, die auch Jahrzehnte nach DER EXORZIST immer mal wieder im Horrorfilm die Runde macht. Um den Anspruch zu wahren, hat ROZE zudem an Gesellschaftskritik gedacht, die sich subtil durch die Geschehnisse der zweifelhaften Geschichte schleicht, schließlich muss das kaltblütige Auslöschen hilfloser Kinder dann doch irgendwie begründet werden. Ähnlich wie in Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976), dem zugehörigen Remake COME OUT AND PLAY (2013) oder Kings KINDER DES ZORNS (1984) sind es gut behütete Kids, die zum Mittelpunkt des Streifens gemacht werden und sich nicht gerade zimperlich gegen die Erwachsenen einer Kleinstadt zur Wehr setzen. Der Dämon Adramelech muss als Indikator herhalten, um ein gar blutiges Massaker an einigen Kindern zu rechtfertigen, die unter seinen Einfluss beginnen an ihren Erziehungsberechtigten herumzuknabbern. Dass die Eltern in letzter Konsequenz nur noch das teils drastische Auslöschen der Schützlinge als Lösung sehen, um dem Spuk ein Ende bereits zu können, ist aufgrund der ziemlich zeigefreudigen Splatter-Szenen schon als arg geschmacklos zu betiteln. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass er stets darum bemüht ist kritische Botschaften in seine Werke einfließen zu lassen. Im Falle von SPEAK NO EVIL hält er dem Zuschauer den Spiegel vor Augen und zieht Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen. Laut seiner Erkenntnis lässt sich das unmenschliche Vergehen der Eltern im Film auch auf die Realität übertragen. So ist er fest davon überzeugt, dass seine amerikanischen Landsleute nicht davor zurückschrecken würden, den eigenen Nachwuchs zu opfern, um sich selbst in Sicherheit wähnen und Böses vernichten zu können. Eine gewagte These, die jedoch gerade aufgrund der jüngsten US-Kriegeinsatz-Problematiken in Afghanistan und im Irak an Brisanz gewinnt. Nicht selten ziehen meist junge Soldaten angetrieben vom Applaus der stolzen Eltern furchtlos in den Krieg und werden später als schwer traumatisierte Zombies erneut in die Gesellschaft eingegliedert. Dass viele der Kriegsheimkehrer nach dem Einsatz eine Menge Zeit benötigen, um das Erlebte verarbeiten zu können, wird meist nicht ohne Grund von der amerikanischen Regierung verschwiegen.
 
SPEAK NO EVIL erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Anna, die mit ihrem neuen Freund und Tochter Joey versucht über die Runde zu kommen. Eines Abends beobachtet die Tochter, wie ein seltsames Wesen aus dem Boden krabbelt – wenig später ist Joey verschwunden. Für die Eltern entwickelt sich die Situation zum Albtraum, scheint es keine Anhaltspunkte für das mysteriöse Verschwinden der Tochter zu geben. Doch Joey ist nicht einzige, die nicht mehr auffindbar ist. Allen Erwachsenen des Ortes ist ähnliches Schicksal widerfahren – die Kinder sind wie vom Erdboden verschluckt, so dass ein Suchtrupp aufgestellt wird, der nach den Kids suchen soll. So schnell wie sie verschwunden waren, tauchen die Schützlinge wenige Zeit später auch wieder auf. Ganz zur Freude aller Eltern, die aber bald feststellen müssen, dass sich der Nachwuchs wie ausgewechselt verhält. Ein grauenvoller Dämon hat sich der Kinder bemächtigt, die nun von Boshaftigkeit besessen beginnen den Heimatort zu terrorisieren. Als die ersten Erwachsenen den Angriffen der Minderjährigen erliegen und sich die Eltern nicht mehr zu wehren wissen, schmiedet man einen teuflischen Plan. Währenddessen ist Mutter Anna fest davon überzeugt, die eigene Tochter aus den Klauen des Dämons retten zu können.
 
Knapp 150.000 Dollar hat der Regisseur für sein Zweitwerk ausgegeben. Wie so oft bei Indie-Flicks liegt das minimale Budget im direkten Vergleich zum fertigen Film ein keinem Verhältnis, denn auch Filmemacher ROZE hat es geschafft, dass sein SPEAK NO EVIL nach bedeutend mehr ausschaut, als man anfänglich vermuten würde. Doch dazu nicht genug. Seit seinem Erstling DEADFALL TRAIL hat sich einiges getan. Die für einen Horrorfilm obligatorischen Ekelmomente befinden sich auf einem erstaunlich hohen Niveau. So greift man bei den Make-up und Matscheffekten auf Handgemachtes zurück und beschränkt sich auf nur wenige Computeranimationen. Auch im Fall von SPEAK NO EVIL kommt dem Film der ungeschliffene Indie-Look gelegen, der sich durch den gesamten Streifen zieht. Die lose Kamera schwirrt permanent um die Protagonisten und ist immer nah am Geschehen. Sie nimmt die Beobachterposition ein und suggeriert dem Zuschauer, Teil der mysteriösen Ereignisse zu sein. Auch wenn das Treiben recht schnell ein ordentliches Tempo entwickelt und der Film von einem permanenten Gefühl des Unbehagens begleitet wird, mangelt es dem Drehbuch an Feintuning. Eine Charakterentwicklung gibt es nicht und die teils konfuse Geschichte gerät sehr bald in Erklärungsnot. Zudem ist GABRIELLE STONE als alleinerziehende Mutter Anna zwar darum bestrebt die Geschichte zu tragen; eine sympathische Heldin verkörpert sie jedoch mit ihrer unnahbaren Art leider nicht.
 
Die eigentlichen Stars des Streifens sind hier erstaunlicherweise die Kinder, die sich in SPEAK NO EVIL ihren Weg durch die Stadt beißen und schreien. Letzteres geht dann doch schon arg durch Mark und Bein, wenn eine bemitleidenswerte Kreatur wie Vieh an eine Leine gehalten wird und einen fragwürdigen Exorzismus über sich ergehen lassen muss. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die kindlichen Schauspieler bei weitem mehr Talent beweisen, als ihre erwachsenen Schauspielkollegen. Einige derer haben vermutlich während der Dreharbeiten nicht verstanden, dass SPEAK NO EVIL ein Horrorfilm werden sollte. Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum in Momenten der Angst Dialoge mit einem verschmitzten Grinsen in die Kamera gequasselt werden.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierendes Horror-Spektakel, was uns da Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ROZE mit SPEAK NO EVIL auftischt, denn in diesem Horror-Schocker werden Kinder von einer höheren Macht gesteuert und gegen die Erwachsenen des Films aufgehetzt. Regisseur ROZE geizt nicht mit blutigen Details und macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Zeugen eines äußerst kontroversen Schlachtspektakels, das sogar noch mit einem äußerst makabren Abschlusstwist aufwartet. Für knapp 150.000 Dollar hat Macher ROZE einen ganz passablen Indie-Trip gebastelt, der jedoch wie so oft bei unabhängigen B-Filmen mit so einigen Schwächen zu kämpfen hat. Zwar passt die Gruselstimmung; die schauspielerischen Leistungen der erwachsenen Protagonisten wirken jedoch im Gegensatz zu ihren kindlichen Schauspielkollegen oftmals sehr unbeholfen. Außerdem leidet das Drehbuch unter der teils sehr konfusen Geschichte, die mehr Fragen aufwirft, als Antworten zu geben. In Anbetracht des mageren Budgets sind die Defizite jedoch zu verschmerzen, denn trotz Mankos ist SPEAK NO EVIL immer noch besser, als das was sonst üblicherweise aus dem Indie-Sektor kommt. Wir meinen: SPEAK NO EVIL ist ein beunruhigender Horror-Thriller in der Machart von KINDER DES ZORNS, DAS DORF DER VERDAMMTEN und COME OUT AND PLAY. Fans ungeschliffener Indie-Grusler greifen zu; Mainstream-Gucker bleiben dagegen fern.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Zensur

 
 
 
Es ist schwierig für SPEAK NO EVIL eine FSK-Prognose zu stellen. Gerade weil hier recht grafisch Kinder vor der Linse getötet werden, könnte der Film in Deutschland so seine Probleme bekommen. Die Gewalt wird teils roher als in COME OUT AND PLAY dargestellt. Mit etwas Glück gibt’s von der FSK den roten KJ-Flatschen – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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Filmreview: “Rage” (2010)

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RAGE

Story

 
 
 
Nachdem er seine Affäire zu Dana beendet hat, wird Dennis von einem wütenden Motorradfahrer verfolgt, der nichts Gutes im Schilde führt …
 
 
 


 
 
 

RAGE – Kritik

 
 
 
Schmerzverzerrte Gesichter auf Filmplakaten wecken den Horror-Heißhunger bei Fans düsterer Kinoware, schließlich lässt sich meist daran ableiten, dass den Protagonisten im Film viel Leid widerfahren wird. Im Falle von RAGE ist das gar nicht so abwegig, denn in diesem Indie beweist der Sensenmann, dass er eine Leidenschaft für schnelle Flitzer hegt. Die Angst vor dem gewalttätigen Unbekanntem wird in RAGE zum Mittelpunkt der Geschichte deklariert, in der sich Held Dennis Twist (RICK CRAWFORD) vor einem wütenden Motorradfahrer in Sicherheit bringen muss. Dessen Missgunst ruft der ahnungslose Ehebrecher während einer Verabredung mit Affäre Dana (ANNA LODEJ) auf den Plan, die nicht so recht fassen mag, dass sich ihr Liebhaber letztendlich für Frau Crystal entschieden hat und nicht für ein knisterndes Abenteuer mit ihr. Leider scheint die Einsicht zum falschen Zeitpunkt gekommen zu sein, hat sich doch ein Motorrad fahrender Albtraum aus JASON VOORHEES und MICHAEL MEYERS an die Fersen des potenten Junghengstes geheftet und will nun gern ein makabres Katz- und Mausspiel mit dem unwissenden Dennis treiben. Der Psychopath beginnt sein Opfer durch die Straßen der Stadt zu hetzen, das sich selbst zu Hause nicht in Sicherheit wähnen kann. Der Unbekannte folgt Dennis bis vor die Haustür, wo Gattin Crystal so rein gar nicht erfreut ist über den mordlüsternen Besucher.
 
RAGE ist ein waschechter Indie, der bereits auf einschlägigen Festivals Preise einheimsen konnte. Hinter dem Psycho-Spielchen steckt Autor und Regisseur CHRISTOPHER R. WITHERSPOON, der hier persönliche Schicksalsschläge verarbeitet hat. Zudem lies er sich für seine zweite Regiearbeit von Spielbergs DUELL (1971) inspirieren und hat eine für Indie-Verhältnisse erstaunlich rasante Mixtur aus Verfolgungs-Thriller und Terrorfilm abgeliefert. Gerade einmal 100.000 Dollar soll RAGE gekostet haben – eine Tatsache, die der Zuschauer nicht so recht glauben mag. WITHERSPOON beweist nämlich ein hohes Maß an technischem Verständnis und lässt sein Zweitwerk bedeutend teurer aussehen, als es letztendlich gewesen ist. Hektische Schnitte, durchdachte Kamerafahrten und sogar symbolhafte Bildsprache (die Alarmfarbe Rot dient als Vorbote drohender Gefahr) deuten von Erfahrung auf dem Gebiet des Filmemachens. Die kommt nicht von Ungefähr, hat WITHERSPOON in einem Interview zu verstehen gegeben, dass er Werke von Hitchcock, Spielberg, Carpenter, Craven und Kubrick penibel studiert hat, um deren Erfolgsrezeptur auch für seine (künftigen) Werke nutzen zu können. Die Hausaufgaben hat der Regisseur mit nötiger Sorgfalt erledigt, denn RAGE lässt ganz schnell die schlimmen No-Budget-Streifen aus letzter Zeit vergessen, die durch beliebtes Found-Footage-Gewackel unverständlich viel Aufmerksamkeit erhalten haben. Von allmählich überdrüssigem Kameragewackel sieht WITHERSPOON ab und sorgt stattdessen endlich wieder für Spannung in einem Low-Budget-Indie. Die erreicht der Filmemacher durch rasante Verfolgungsjagden, die WITHERSPOON geschickt in Szene gesetzt hat. Benötigt Filmcharakter Dennis dann doch mal eine Verschnaufpause, wandelt RAGE auf Terror-Pfaden, schließlich frönt der wortkarge Fremde einer Leidenschaft für gemeine Terrorspiele. Er attackiert sein Opfer in der Toilette und verfolgt es sogar bis in die Tagträume – für Zuschauer und Filmheld bleibt da kaum Zeit um aufatmen zu können.
 
Leider verliert WITHERSPOON in der zweiten Filmhälfte das eigentliche Ziel vor Augen, endet doch RAGE im üblichen Blut- und Splatter-Rausch. Der zuvor kontinuierlich aufgebaute Spannungsbogen wird zugunsten bekannter Terror- und Home-Invasion-Regeln außer Acht gelassen. Der anonyme Killer, dessen Identität selbst nach dem Abspann ungeklärt bleibt, vergreift sich an Ehegattin Crystal, die als schuldlose Unbeteiligte die Wut des Fremden mit aller Härte zu spüren bekommt. Dass die obligatorische Vergewaltigung da freilich nicht fehlen darf, dürfte auf die lukrative Ausschlachtung jenes zweifelhaften Filmthemas zurückzuführen sein, das sich vor einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut hat. RAGE wurde bereits im Jahr 2010 auf den amerikanischen Filmmarkt geworfen – zu einer Zeit, als kontroverse Remakes zu Klassikern wie I SPIT ON YOUR GRAVE oder LAST HOUSE ON THE LEFT im Kino Kasse machten und sich schmuddeliges Exploitation-Kino schon längst zu Mainstream entwickelt hatte. Dass WITHERSPOON auf dieser durchaus wirtschaftlichen Welle mitreiten wollte, kann man dem Regisseur nicht verübeln, schließlich ist es im Filmgeschäft keine Seltenheit mehr, dass unbekannte Filmemacher lukrative Trends nacheifern, wenn andere damit viele Dollars verdient haben. Auch wenn RAGE nach dem temporeichen Beginn enttäuschend viel Potenzial verschenkt und mal wieder nur die Erwartungen blutgeiler Gorehounds befriedigt werden, kommt immerhin der raue Indie-Look den diversen Brutalo-Momenten gelegen, die mit der ungeschönten Optik dann doch schon recht hart anzuschauen sind. So bedient sich der Killer wie einst LEATHERFACE aus dem berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE auch einer Kettensäge und zerteilt zur Freude der Splatter-Gemeinde die netten Nachbarn von Nebenan. Die wimmern vergebens ums Überleben und werden ziemlich ruppig ins Jenseits befördert. Dass die Szene jedoch vollkommen deplatziert wirkt und rein gar nicht zum Rest des Filmes passen will, ist nur eines der vielen kleinen Vergehen, für die man WITHERSPOON nicht tadeln sollte. Unterm Strich ist RAGE kein übler Film, betrachtet man das erschreckend niedrige Budget, das dem Streifen zur Verfügung gestand hat. Eigentlich wollte Macher WITHERSPOON statt RAGE unheimlichen Anthologie-Horror drehen. Weil ihm das benötigte Kapital fehlte, entschied er sich vorerst für die Umsetzung dieses blutreichen Thriller-Plots. Da kann man nur hoffen, dass Horrorfans auch Jahre nach der Fertigstellung von RAGE Interesse bekunden und sich das Filmchen kaufen. Nur so dürften garantiert werden, dass WITHERSPOON eifrig weiter werkeln kann. Insofern man ihm die Gelegenheit geben würde mit mehr Budget drehen zu dürfen, könnte da durchaus etwas Kultiges entstehen – da sind wir uns sicher.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spielbergs DUELL trifft auf FREITAG DER 13. und HALLOWEEN. RAGE ist ein temporeicher Indie-Horrorstreifen, der die Gewaltschraube am Ende nahezu im Minutentakt fester dreht. Man muss schon eine Vorliebe für ungeschliffenes Indie-Kino besitzen, um WITHERSPOONS Slasher-Variante von Spielbergs DUELL überhaupt genießen zu können. Mainstream verwöhnte Kinogänger werden an den teils schlecht ausgeleuchteten Bildern und den manchmal hölzern agierenden Schauspielern kaum Gefallen finden. Tadeln darf man Regisseur CRISTOPHER WITHERSPOON dafür jedoch nicht, hat er schließlich mit einem Mikro-Budget von gerade einmal 100.000 Dollar einen soliden Thriller auf die Beine gestellt, den manch Filmschaffender selbst mit millionenschwerem Kapital nicht besser gemacht hätte. Sichtlich von Meistern wie HITCHCOCK, CARPENTER und SPIELBERG inspiriert beweist WITHERSPOON ein talentiertes Händchen für geschickt platzierte Spannungsmomente und rasante Verfolgungsjagden – auch ohne Bluescreen-Technik und CGI. Dass er sogar an die Gorebauern unter den Horrorfans gedacht hat, gehört leider zum notdürftigen Übel, schließlich erwarten Fans von “bösen” Filmen nun mal heutzutage, dass in Horrorfilmen reichlich Lebensaft zu sehen ist. Fazit: Offene Horror-Zuschauer dürfen gern mal einen Blick wagen, denn RAGE ist ein ambitioniertes Projekt eines eifrigen und talentierten Filmemachers, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Zensur

 
 
 
RAGE gibt sich nicht zurückhaltend. Gerade das Ende geizt nicht mit reichlich Brutalität. Da werden Körper mit Kettensäge und Messer bearbeitet. Zudem schlägt die Vergewaltigung einer Protagonistin auf den Magen. Sollte RAGE in Deutschland veröffentlicht werden gibt’s den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Duell (1971)
 
Jeepers Creepers (2001)
 
Joyride – Spritztour (2001)
 
Death Proof (2007)
 


Filmreview: “Pig” (2010)

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PIG

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo: Ein Sadist hält sich auf einem abgelegenen Waldstück Menschen wie Vieh, die er erniedrigt, foltert und jagt, wann immer er Lust dazu hat …
 
 
 


 
 
 

PIG – Kritik

 
 
 
Dass das Pentium an Abartigkeiten noch längst nicht das Maximum erreicht hat, zeigen immer wieder neue Filmemacher, deren minderbemittelte Hirne stets neue Perversionen austüfteln. Regisseur ADAM MASON hat in seiner bisherigen Laufbahn bereits genug Nonsens gedreht und immer wieder seinen Hang für kranken Horror-Quatsch zum Ausdruck gebracht. Dass es in seinen Streifen nicht gerade zimperlich zur Sache geht, bewies er bereits im Jahre 2006, als er in seinem BROKEN genüsslich Frauen vor der Kamera foltern und demütigen lies. Nach wie vor ist das Werkeln von Quäl- und Folterfilmen eine begehrte Methodik, um schnell Kasse machen zu können, wobei hier die Devise gilt: Je verachtender Menschen vor der Linse behandelt werden, desto mehr Aufmerksamkeit erhalten solche Filme beim Zuschauer. Gleiches dürfte auch MASON gedacht haben, der mit seiner Schmuddel-Gewaltorgie namens PIG jedoch bei Geldgebern auf taube Ohren stieß, schien denen der Kontext des Filmes etwas zu extrem gewesen zu sein. Eine frustrierende Tatsache, die MASON dazu bewegte das Projekt zusammen mit Schauspiel-Kollege ANDREW HOWARD allein zu stemmen und fast gänzlich aus eigener Tasche zu finanzieren. Nach Fertigstellung wurde der Folter-Flick Fans kostenlos zum Download angeboten, um all den ignoranten Produzenten da draußen den Mittelfinger zeigen zu können. Eine Prämisse, die sich durchaus verkaufsfördernd auf den parallel gedrehten LUSTER (2010) ausgewirkt haben dürfte, konnte dieser sogar nach Deutschland verkauft werden, wo er bereits 2011 auf Heimkinomedium ausgewertet wurde.
 
Doch was hat der Horrorfan überhaupt von PIG zu erwarten? Die komplizierte Entstehungsgeschichte zumindest hat Spuren hinterlassen, denn der kontroverse Inhalt hat mit allerhand inszenatorischen Schwächen zu kämpfen. PIG wird in Echtzeit erzählt. Das bedeutet, dass der Streifen fast gänzlich ohne Schnitte auskommt. Ein heikles Experiment, geht MASON damit gleichen Weg, wie bereits wenige Regisseure vor ihm. Bereits HITCHCOCK experimentierte in den 40ern mit ähnlicher Filmmethodik und brachte 1948 COCKTAIL FÜR EINE LEICHE in die Kinos, der ebenso am Stück erzählt und ohne Schnitte gedreht wurde. Gleiches versuchte GUSTAVO HERNÁNDEZ, der vor einigen Jahren für sein SILENT HOUSE (2010) nur eine einzige Kamera-Einstellung benötigte, um dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Ein Jahr später folgte, wie so oft bei filmischen Neuerungen aus dem Ausland, eine überflüssige Neuverfilmung aus Amerika, die den interessanten Filmplot jedoch nur uninspiriert recycelte. Leider hat das Erzählen am Stück auch seine Tücken, denn wenn sich der Zuschauer nicht mit den Protagonisten identifizieren kann oder sich die Geschichte partout nicht weiterentwickeln möchte, passiert das vor dem es jeden Filmemacher grault: Der Zuschauer verliert das Interesse und schaltet ab. Ähnlichen Schicksal dürfte auch PIG erleiden, denn MASON stiert zu verkrampft nach dem rauen Exploitation-Kino der Video-Nasty-Ära, dass er dabei gänzlich den Zuschauer vergisst, der doch letztendlich unterhalten werden soll.
 
PIG handelt von einem perversen Schlächter, dem es ab und zu nach Gewalt dürstet. Dann nämlich fährt er in ein abgeschiedenes Waldgebiet, wo er hilflose Menschen foltern, quälen und ausweiden kann. Eine geistig behinderte Frau dient als Haustier. Die trägt zwar eines seiner Kinder im Leib, wird jedoch wie Vieh in einem Käfig gehalten und bekommt immer dann Auslauf, wenn “Fütterungszeit” ist. Da werden schon mal menschliche Organe auf das Grillrost geworfen, die zuvor am noch lebenden Opfer herausgerissen wurden. Zahm geht es in MASONS Schmuddelfilm wahrlich nicht zugange, was Hobby-Sadisten durchaus hellhörig machen dürfte. PIG ist roher Tortur-Porn für genau diese Fraktion, die sich daran ergötzen kann, wenn wehrlose Opfer verachtend durch den Fleischwolf gejagt werden. Von der rektalen Einführung von Schraubendrehern, über das Anurinieren schreiender Frauen bis hin zum schaufreudigen Ausbluten zuvor zusammengeschlagener Opfer hakt MASON all jene Grausamkeiten auf seiner Liste ab, nach denen sich Gore-Bauern gierig die Hände reiben. Gewalt ist nicht alles, denn das möglichst reißerische Aneinanderreihen roher Gewalt kann aus einem 90-minütigen Film schon mal eine gefühlte Ewigkeit machen. MASONS Film verfügt über keinen Spannungsbogen und das ist das größte Problem. Zwar verkörpert HOWARD den namenlosen Killer mit erschreckend sadistischer Intensität; seine dummen Gewaltakte halten den Zuschauer jedoch nicht die gesamte Laufzeit über bei Laune. Der dürfte sich trotz bestialischem Sadismus schnell gelangweilt fühlen, wirkt zudem das Improvisationstalent von Schauspielkollegin MOLLY BLACK teils derart unbeholfen, dass deren Agieren vor der Kamera so ziemlich rasch auf den Zünder geht. Als geistig umnebelte Schwangere dürfte die als wohl nervigste Protagonistin in die Geschichte des Tortur-Porn eingehen und dem Zuschauer klar machen, dass er künftige Werke MASONS mit Vorsicht genießen sollte. Letztendlich kann man nur froh darüber sein, dass Macher ADAM MASON dann doch zur Schere gegriffen und einige Filmschnitte gesetzt hat. Laut Interview soll die ursprünglich Version von PIG nämlich zwei Stunden lang gewesen sein – Halleluja, das schreit förmlich nach einem Director’s Cut.
 
 
 


 
 
 

PIG – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Eklig, pervers und Brechreiz erregend: Eben Ferien auf dem Schlachthof. Mit PIG wollte ADAM MASON nicht nur Tabus brechen sondern auch zeigen, dass Folterfilme ziemlich langweilig sein können. Die Ursache hierfür liegt nicht am Härtegrad, sondern an der dummen Story, die aus einer wahllosen Aneinanderreihung sadistischer Unmenschlichkeiten besteht. Handwerklich kann man da freilich nicht meckern, denn die Effekte sind nicht gerade förderlich für Magen und Nerven. Zudem erinnert der dreckige Look des Streifens an das raue Exploitation-Kino der Video-Nasty-Ära. Das Ausschlachten kontrovers-schmuddeliger Filmzutaten ist jedoch das einzige auf was sich MASON in PIG konzentriert, denn eine richtige Geschichte gibt es nicht. Als kontroverses Kino-Experiment, das fast gänzlich von Filmschnitten absieht, geht PIG in Ordnung. Betrachtet man PIG jedoch als Horrorfilm enttäuscht MASONS Gewaltorgie auf ganzer Linie.
 
 
 


 
 
 

PIG – Zensur

 
 
 
Eine Fassung für Deutschland ist undenkbar. Der Streifen zeigt Gewalt derart selbstzweckhaft und geht damit so schonungslos offen um, dass bereits nach fünf Minuten Sichtung klar sein dürfte, dass die FSK hier keinen Spaß verstehen dürfte. Insofern sich überhaupt ein Label an eine deutsche Veröffentlichung wagen sollte, wird die ohnehin direkt im deutschsprachigen Ausland vertrieben werden.
 
 
 


 
 
 

PIG – Trailer

 
 
 

(Zum Anschauen auf “Watch on Vimeo” klicken)

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Mooring (2012)
 
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The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in Texas (1974)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 


Filmreview: “Kristy – Lauf um dein Leben” (2014)

Kristy-lauf-um-dein-leben-random-2014
 
 
 

KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN

Story

 
 
 
Studentin Justine Wells (Haley Bennett) ist allein auf dem Campus und erhält unangemeldeten Besuch von vier vermummten Gestalten, die der Hochschülerin nach dem Leben trachten wollen …
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Kritik

 
 
 
Wann lernen Killer in Horrorfilmen endlich, dass man nicht mit (Hoch)Schülerinnen gemeinen Schabernack treibt, die intellektuell in einer ganz anderen Liga spielen. Seit jeher sind nämlich jene Protagonistinnen dafür prädestiniert, den immer gleichen Kampf gegen unzureichend intelligentes Pack aufzunehmen, dessen Ausgang ohnehin stets vorbestimmt ist. Auch Jahrzehnte nachdem der Slasher durch MARIO BAVA ins Leben gerufen wurde, haben sich die Regeln jenes Sub-Genres kaum verändert. Das meist “anständige” Final Girl darf in derart Filmen nicht nur reichlich kreischen, sondern legt den Bösewichten am Ende eigentlich immer das Handwerk. Im Gegensatz zu JAMIE LEE CURTIES in HALLOWEEN (1978) ist so eine Racheakt heute natürlich wesentlich blutiger, schließlich erwartet der Horrorfan im Jahr 2014 von einer Heldin, dass die sich mit dem grobschlächtige Handwerk auskennt.
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN (im Original auch als RANDOM bezeichnet) ist ein weiterer Streifen aus der Reihe “Ich komm dich zu Hause besuchen und befördere dich ins Jenseits”-Werke, die sich zur Zeit im Kino und auf dem Heimkinomarkt großer Beliebtheit erfreuen. Offensichtlich von aktuellen Horror-Erfolgen wie THE PURGE und YOU’RE NEXT inspiriert, darf sich hier eine taffe Einzelkämpferin gegen eine Truppe vermummter Irrer behaupten, die mal wieder nichts anderes zu tun haben, als ahnungslose Studentinnen möglichst gemeingefährlich zu terrorisieren. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN lässt nach längerer Regiepause wieder von sich hören und versucht mit konventionell gestrickter Horror-Ware den Einstieg zurück in die Filmwelt. Der ist ihm tatsächlich geglückt, denn nur selten gelingt Filmemachern der Sprung zurück ins Rampenlicht mit Low-Budget-Horror von der Stange. Es geht um die attraktive Justine, die leider nicht wie der Rest ihrer Freunde Thanksgiving zu Hause feiern kann, weil ihr das Geld für die Reise zu den Eltern fehlt. Daher beschließt sie sich eine schöne Zeit auf dem Campus zu bereiten, schließlich ist sie hier ja nicht ganz allein. Einige Sicherheitsbeamte und der Hausmeister sind vor Ort, damit sich die Studentin in den langen Fluren der Universität auch sicher fühlen kann. Weil KRISTY ein Horrorfilm ist dürfte klar sein, dass das nicht lang der Fall sein wird, denn an einer Tankstelle macht die strebsame Hochschülerin Bekanntschaft mit einer gar bedrohlichen Zeitgenossin, die scheinbar nicht alle Latte am Zaun zu haben scheint. Nach einer beängstigenden Verfolgungsjagd flüchtet Justine zurück auf den Campus, hat aber nicht mit der Hartnäckigkeit ihrer Verfolgerin gerechnet, die sich natürlich an die Fersen ihres Opfers heftet und nur eins will: Den Tod ihres ahnungslosen Opfers. Den wollen auch drei weitere Gestalten, die sich der Terrorsause anschließen und eine grausamen Jagd auf die verängstigte Studentin einläuten.
 
Wie es sich für einen Slasher nun mal gehört, verlaufen die Handlungsstränge nach bekanntem Schema. Täter und Opfer liefern sich eine unerbittliche Schlacht, die selbstverständlich nur einen Sieger kennt. Während zu Beginn die Fieslinge ganz klar im Vorteil liegen und noch mit Taktik versuchen der ahnungslosen Justine Angst einzujagen, haben selbige nicht mit der Klugheit ihrer Gegenspielerin gerechnet, die es leider gar nicht lustig findet, dass zig Unwissende im Verlauf der Hetzjagd ihr Leben lassen mussten. Sie stellt sich ihren Ängsten und bekämpft die maskierten Killer mit ihren eigenen Waffen. Die erhalten am Ende die wohlverdiente Strafe und der Zuschauer ist verblüfft darüber, was für ein kurzweiliges Filmvergnügen soeben über den Bildschirm geflimmert ist. Auch wenn OLIVER BLCKBURN das Genre mit seinem KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN freilich nicht revolutioniert hat, ist ihm doch ein zügig inszenierter Thriller gelungen, der trotz bekannter Klischees kaum Längen besitzt. Die bunte Mischung aus Slasher, Home-Invasion-Schocker und Terrorfilm verfügt über einen stetig steigenden Spannungsbogen, der von der Unwissenheit des Zuschauers zerrt. Der erfährt wie die Heldin des Films erst kurz vor dem Abspann von den Hintergründen der perfiden Jagd. Das Motiv sind Ritualmorde, die eng in Verbindung mit dem Internet stehen – einem weitläufigen Tummelplatz finsterer Gestalten, die dort ungehindert ihren perversen Phantasien nachgehen können ohne ertappt zu werden.
 
Mit KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN hat OLIVER BLACKBURN eine weitere Horror-Version des 90er-Hits KEVIN ALLEIN ZU HAUS gedreht, der natürlich auch den für Slasher-Streifen obligatorischen Mankos unterliegt. Opfer und Killer verhalten sich wie immer selten dämlich und Wutausbrüche erfahrener Filmfans dürften nicht ausbleiben, wenn Protagonistin Justine Dinge tut, die normal denkende Menschen wohl niemals in solche Situationen anstellen würden. Ebenso hirnriesig ist die Tatsache, dass die vier Täter partout über den Aufenthaltsort ihres Opfer bescheid wissen und sich auf dem riesigen Unigelände wie von Geisterhand von einem Ort zum nächsten bewegen können. Trotz zig Logikfehler ist jedoch weitaus ausschlaggebender, dass ein Horrorfilm unterhält und nicht langweilt. KRISTY ist schnörkellose Suspense-Unterhaltung ohne Längen und das ist die Hauptsache. Wer nach THE PURGE, THE STRANGERS und all den packenden Terror-Slashern in letzter Zeit immer noch nicht die Nase voll hat von ungebetenen Gästen, darf selbstverständlich gern in KRISTY mit um das Leben von Heldin Justine laufen. Zeitverschwendung ist dieser handwerklich hervorragend umgesetzt Horror-Trip mit Sicherheit nicht.

 
 
 


 
 
 

KRISTY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Alles beim Alten und doch irgendwie kurzweilig. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN hat Altbekanntes neu aufbereitet und unterhält trotz Logikbarrieren und Horror-Klischees ungemein. Die finstere Mischung aus Terrorfilm, Slasher und Home-Invasion-Schocker besitzt Tempo, was man bei vielen Indie-Horrorfilmen neueren Datums schmerzlich vermisst. Damit lässt sich nämlich manch Ungereimtheit im Drehbuch geschickt vertuscht, schließlich bleibt bei temporeich inszenierter Horror-Ware kaum Zeit, sich Gedanken über Filmfehler zu machen. Erstaunlicherweise wurde KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN so ziemlich unblutig umgesetzt, was nicht dem aktuellen Horror-Trend entspricht. Der Fokus liegt vermehrt auf Suspense und Terror, was dem Streifen jedoch sichtlich gut steht. Somit gehört KRISTY auf jedem Fall zu den besseren Vertretern der momentan immer noch lukrativen Horror-Welle, der es hätte auch gut und gern ins Kino schaffen können. Wer die Möglichkeit hat BLACKBURNS Slasher-Flick auf der großen Leinwand sehen zu können, sollte die Gelegenheit nutzen. Dort wird er vermutlich seine ganz Wirkung entfalten können, denn KRISTY ist ohne Zweifel ein spannungsgelandener Slasher für Fans von Schockern wie THE STRANGERS und THE PURGE.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Zensur

 
 
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN ist nicht sonderlich brutal. Gegen Ende werden die Täter recht kreativ um die Ecke gebracht. Die Brutalität des Racheakts hält sich in Grenzen. Das sah auch die FSK so und hat KRISTY bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
kristy-lauf-um-dein-leben-blu-ray

(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Random; USA 2014

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 07.08.2014

 

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KRISTY – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Aggression Scale (2011)
 
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Home Sweet Home (2013)
 


Filmreview: “Gingerclown” (2013)

gingerclown-3d-2013
 
 
 

GINGERCLOWN

Story

 
 
 
Los Angeles im Jahr 1983. Nerd Sam (Ashley Lloyd) hat es nicht leicht sich in der Schule zu behaupten. Er ist beliebtes Mobbingopfer von Schulhof-Proll Biff (Michael Cannell-Griffiths), der gern Außenseiter in Gegenwart seiner liebreizenden Freundin Jenny (Erin Hayes) demütigt. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Um zu beweisen, dass auch Außenseiter mutig und furchtlos sind, unterzieht sich Comicfan Sam einer Mutprobe und geht auf Erkundungsstreifzug in einen verlassenen Vergnügungspark. Was ihn jedoch dort erwartet, wird er sein Lebtag nicht wieder vergessen …
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Kritik

 
 
 
Ordnet man Horrorfilme in der IMDB nach den schlechtesten Userbewertungen verblüfft, welche Streifen sich da auf den vorderen Plätzen tummeln. Geht es nämlich nach der umfangreichen Filmdatenbank, ringen einige trashige ASYLUM-Gurken um die wohlverdienten Spitzenplätze und das nicht ohne Grund. Leider bekommt der bekannte Gurkenzüchter demnächst starke Konkurrenz, denn der bis dato noch unbekannte Ungar BALÁZS HATVANI hat mit seinem Erstling namens GINGERCLOWN den wohl enttäuschendsten Horrorfilm des aktuellen Filmjahres gedreht. Man mag es gar nicht in Worte fassen wollen, was dem Zuschauer hier zugemutet wird und was an vielversprechendem Potenzial gar sprichwörtlich die Toilette hinabgespült wurde. Ein verlassener Vergnügungspark soll im Film für unheimlichen Schauer sorgen und dient einigen neunmalkluge Kids als Mutprobe, um sich behaupten zu können. Leider hat man nicht mit der Anwesenheit obskurer Kreaturen gerechnet, die es sich in den Räumen der leerstehenden Attraktionen gemütlich gemacht haben. Weil die so gar nicht erfreut über das unangemeldete Erscheinen der holzköpfigen Gäste sind, werden die neugierigen Teenager wenig später erbarmungslos durch den Freizeitpark gejagt – ohne roten Faden versteht sich. GINGERCLOW besteht aus einer Aneinanderreihung stimmungsvoller Filmsets die, und das muss man Macher HATVANI zugestehen, wirklich beeindruckend atmosphärisch in Szene gesetzt wurden. Der Zuschauer begleitet die schablonenhaft skizzierten Protagonisten durch surreal anmutende Gruselbauten, die durch Liebe zum Detail glänzen, jedoch mit einer nahezu kaum vorhandenen Geschichte umwebt wurden. Leider macht das eigens von HATVANI geschriebene Drehbuch jegliche Gruselstimmung zunichte, gehören doch die niedergeschriebenen Dialoge zum wohl Peinlichsten, was die Filmwelt in letzter Zeit erlebt hat. Passend zum Dialogdebakel konnten ironischerweise auch noch untalentierte Laiendarsteller engagiert werden, die selbst zu unfähig zum Overacten sind.
 
Eigentlich wurde GINGERCLOWN als Horrorkomödie konzipiert. Ein Ziel, das der Film Dank der Unfähigkeit seines Regisseurs rasch aus den Augen verliert. GINGERCLOWN ist zu keiner Minute witzig oder erheiternd, sieht man mal von der teils unfreiwilligen Komik ab, die sich aufgrund der Talentlosigkeit aller Schauspieler durch den gesamten Film zieht. Gleiches gilt selbstverständlich für den nicht vorhandenen Gruselfaktor, der trotz der unheimlichen Kulisse mit der Lupe gesucht werden muss. Mit seinen gerade mal 30 Lenzen will Regisseur BALÁZS HATVANI das Horrorkino der 80er Jahre aufleben lassen. Die notdürftige Handlung seines Debüts spielt zwar im Jahre 1983; die für diese Dekade bekannte Atmosphäre will sich jedoch partout nicht einstellen. Fatal, wenn ein Film vom rechten Weg abkommt, weil der Regisseur das Ruder nicht mehr unter Kontrolle hat. Immerhin dürften Genre-Größen wie TIM CURRY (aus ES), LANCE HENRIKSEN und BRAD DOURIF (die Stimme von CHUCKY) dafür sorgen, dass der Filmemacher auch etwas Geld mit seinem Wirrwarr verdienen kann. Mit deren Namen wird nicht unauffällig auf dem Filmplakat geworben und lässt Fans genannten Filmjahrzehnts aufhorchen. Zu sehen bekommt man die Horror-Helden der 80er zwar leider nicht – dafür aber zu hören, denn genannte Filmgrößen haben dem charmant entworfenem Puppentheater in GINGERCLOWN die Stimmen geliehen. Der Zuschauer bekommt dämonische Teekannen, fies lachende Clowns und grotesk anmutende Riesenspinnen zu sehen. Wie es in den 80ern üblich war entstanden die Filmmonster in liebevoller Handarbeit und erinnern in ihrer einfachen Art nicht selten an Werke eines gewissen CHARLES BAND, aus dessen Hirn so trashiger Puppentrick wie DOLLMAN VS. DEMONIC TOYS oder PUPPET MASTER entsprungen ist.
 
Die Puppen im Film besitzen trotz ihrer Einfachheit zweifelsohne Charme und sind neben der hervorragenden Optik des Streifens auch das einzige, was GINGERCLOWN Daseinsberechtigung verschafft. Der träge Mix aus SPOOKIES und KABINETT DES SCHECKENS zieht sich wie Kaugummi und bereitet dem Zuschauer eher Frust statt Laune. Kurioserweise wird GINGERCLOWN in 3D angepriesen. Eine ernüchternde Prämisse, wäre das Geld wohl besser in gute Schauspieler investiert gewesen. Die sprechen teilweise sogar mit ungarischem Akzent, obwohl der Streifen auf den Hügeln von Los Angeles spielt. Der Grund hierfür ist jedoch schnell gefunden: GINGERCLOWN wurde komplett in Ungarn gedreht, wo rasch kamerageile Statisten von der Straße gelesen und aufs Filmset gekarrt wurden. Ob die nach Sichtung des Pseudo-Gruselquatschs stolz auf die dargebotene Leistung sein dürfen, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Eine visuell beeindruckende Verbeugung vor dem Horror-Kino der 80er. Leider ist in GINGERCLOWN die Optik auch das einzige, was Erwähnung finden sollte. Zwar feiert sich Regisseur BALÁZS HATVANI im Vorspann offensichtlich selbst, scheint aber auf dem Heimkinocover vergessen haben zu erwähnen, dass er sein ungarisches Grusel-Irrlicht gegen die Wand gefahren hat. Der Zuschauer bekommt unterirdisches Schauspiel geboten und eine groß angepriesene Horrorkomödie, die weder gruselig noch witzig ist. Vermutlich dürfte dieses Machwerk legendären Genre-Größen wie TIM CURRY, LANCE HENRIKSEN und BRAD DOURIF nach Fertigstellen reichlich Magenschmerzen bereitet haben, schließlich wirbt man mit deren Namen nicht unauffällig auf dem Cover. Neben MICHAEL WINSLOW und SEAN YOUN haben die nämlich einigen Monsterpuppen im Film das Sprechen beigebracht und wahrscheinlich nicht geahnt, dass GINGERCLOWN das wohl unbefriedigendste Horrorfilmchen des aktuellen Filmjahres wird. Wer bedeutungslose Filme ohne roten Storyfaden bevorzugt, die den Zuschauer mit nervigen Laiendarstellern an den Rand des Wahnsinns treiben wollen, darf gern einen Blick riskieren. Der Rest sollte stattdessen lieber einen THE ASYLUM-Marathon einlegen – das scheint uns minimal sinnvoller, als sich mit diesem Käse den Tag verderben zu lassen. Wir bitten ausdrücklich um KEINE Fortsetzung!
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Zensur

 
 
 
Regisseur BALÁZS HATVANI scheint GINGERCLOWN zwecks besserer Vermarktung für ein eher jugendliches Publikum konzipiert zu haben. Das Gezeigte ist nicht brutal. Demnach wäre GINGERCLOWN eigentlich auch ein FSK12-Kandidat. Da die Atmosphäre jeder ziemlich düster ist, gehen wir von einer FSk16 aus.
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jack the Reaper – Jahrmarkt des Grauens (2011)
 
Killer Holiday (2013)
 
Das Kabinett des Schreckens (1981)
 
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Kritik: “Blood Lake: Attack of the Killer Lampreys” (2014)

Blood Lake (2014)
 
 
 

BLOOD LAKE -

ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS

Story

 
 
 
Eine amerikanische Kleinstadt wird von hungrigen Neunaugen terrorisiert, die ihren natürlichen Lebensraum verlassen müssen, weil sie nichts mehr zu fressen finden …
 
 
 


 
 
 

BLOOD LAKE – Kritik

 
 
 
THE ASYLUM ist wieder da und versucht sein Glück erneut auf dem Fischmarkt. Nach dem Überraschung-Hit SHARKNADO, über dessen Erfolg sich noch immer die Geister scheiden, ist es verdächtig ruhig um die Trash-Werkstatt geworden, obwohl das Studio rastlos damit beschäftigt ist, neue billig produzierte Mockbuster in Läden und Fernsehen zu bringen. Scheinbar haben trashige Ableger erfolgreicher Blockbuster, wie ANDROID COP (die B-Movie-Version des ROBOCOP-Remakes) oder APOCALYPSE POMPEII (ASYLUMS Billig-Antwort auf Andersons Effekteschlacht POMPEII) nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten, die man sich nach den fliegenden Haifischen erhofft hatte. Kurzum wurde die SHARKNADO-Erfolgsformel noch einmal aus der Schublade gekramt und leidlich unterhaltsam aufgewärmt. Seltsamerweise hat ASYLUM den Arbeitgeber gewechselt. Statt wie bisher minderwertige Filme für den amerikanischen Science-Fiction-Sender SYFY zu produzieren, arbeitet man jetzt auch für den Tierkanal ANIMAL PLANET, der eigentlich für seine eher familienfreundlichen Tierdokumentationen bekannt ist. Was dort jedoch ein Film wie BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS zu suchen hat dürften vermutlich allein die Programmdirektoren zu beantworten wissen, die wohl enach einem kräftigen Zugpferd gesucht haben, mit dem sich die Einschaltquoten nach oben treiben lassen.
 
Abfallbeseitigungsanlage THE ASYLUM holt längst verschollen geglaubte Seriendarsteller der 90er zurück aus der Versenkung. Nachdem Ex-Beverly-Hills-90210-Darsteller IAN ZIERING in SHARKNADO den Kampf gegen menschenfressende Haie mit Bravour bestanden hat, sieht sich Ex-Serienkollegin SHANNEN DOHERTY ebenfalls mit blutgeilem Getier aus dem Meer konfrontiert. Sexhungrige Neunaugen vermehren sich in BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS wie die Fliegen und haben einen eigenwilligen Appetit auf warmes Menschenblut entwickelt, der selbstverständlich im Desaster enden muss. Eine Kleinstadt am Michigan Lake wird Ziel einer blutigen Invasion aalartiger Fische, die sich mit ihrem spitzen Rundmäulern an all das festsaugen, was ihnen vor den zahnreichen Zungenkopf kommt. Doch ASYLUM wäre nicht ASYLUM, würde der ohnehin kaum Sinn ergebende Nonsens nicht noch auf die Spitze getrieben werden. Die Fische entwickeln Intelligenz, verlassen ihren natürlichen Lebensraum, erklettern Stauseemauern und gelangen durch die Trinkwasserversorgung in die Haushalte der Menschen. SHANNEN DOHERTY ist mit Sack und Pack in Gefahr und schlägt am Ende, wie hätte es auch anders sein können, die gefrässige Brut in die Flucht. Die hat ganz unbemerkt die nächste Evolutionsstufe erklommen, anders lässt sich nämlich auch nicht erklären, warum Fische neuerdings schreien können.
 
Auch nach der Sichtung von BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS konnten wir nicht in Erfahrung bringen, welch sonderbaren Stoff ASYLUMS Drehbuchautoren (u.a. DELONDRA WILLIAMS, die bereits am unsäglichen schlechten ZOMBIE NIGHT mitgetüftelt hat) konsumiert haben müssen, um derart peinlichen Schwachsinn zu Papier bringen zu können. Der Zuschauer bekommt hier erneut unterirdischen Tier-Trash geboten, der jedoch im Gegensatz zu Asylums SHARKNADO uninspiriert und ironiefrei heruntergekurbelt wurde. Auch wenn die unzähligen CGI-Effekte ganz brauchbar umgesetzt wurden mangelt es BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREY eindeutig an Spannung, denn die Geschichte wird nach dem für Tier-Horrorfilme bekanntem Schema abgespult. So müssen erst unschuldige Bewohner der Zeitliche segnen, weil der skrupellose Bürgermeister nicht handeln will. Der wird hier von einem überraschend ernsten CHRISTOPHER LLOYD (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT, PIRANHA 2) verkörpert, der am Ende den Folgen eines Fischeinlaufes erliegt. Aufregend, gruselig oder gar unterhaltsam ist das mitnichten, denn BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS ist eines jene Werke, das seine billige TV-Herkunft nicht verleugnen kann. Dann doch lieber noch einmal SKARKNADO in den Player werfen. Denn wenn es schon sinnbefreiter Trash sein soll, dann so und nicht anders.
 
 
 


 
 
 

BLOOD LAKE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Teils nicht unblutiger Splatter-Trash vom Regisseur des kontroveren Folter-Machwerks HATE CRIME. Wenn Ex-Beverly-Hills-90210-Sternchen SHANNEN DOHERTY auf Abfallpresse THE ASYLUM trifft kann eigentlich nichts Gutes bei herumkommen. Nachdem das Trash-Studio schon jede erdenkliche Tierart für lächerlichen Schwachsinn missbraucht hat, werden nun vom Aussterben bedrohte Wasserbewohner auf ahnungslose Menschen losgelassen. Leider hat die fürs TV produzierte Invasion der Killer-Neunaugen unter einem nahezu nichtvorhandenen Spannungsbogen zu leiden, was BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS zu einer schläfrigen Angelegenheit macht. Der Streifen folgt der bekannten ASYLUM-Formel und kombiniert eine hanebüchene Geschichte mit „wegweisenden“ CGI-Effekten, die ausnahmsweise nicht ganz so grottig umgesetzt wurden, wie man es eigentlich von THE ASYLUM gewohnt ist. Neuerdings scheint die C-Movie-Kreativschmiede ein Herz für gescheiterte Serienstars zu besitzen. Nach IAN ZIERING ist die DOHERTY bereits die zweite Ex-Serien-Ikone der 90er die versucht mit unterirdischen TV-Trash zurück ins Rampenlicht zu kriechen. Wie es jedoch THE ASYLUM immer wieder gelingt namhafte Schauspieler (in diesem Fall CHRISTOPHER LLOYD) für deren hirnfreien Produktionen zu gewinnen, bleibt wohl ein gutgehütetes Geheimnis. Fazit: ASYLUM macht auch mit BLOOD LAKE – ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS das, was es am besten kann. Nämlich haarsträubenden Zelluloid-Müll, der einem nur kostbare Lebenszeit raubt. Da reichen selbst die wenigen Splatter-Momente nicht aus (ein Rasentrimmer wird hier zweckentfremdet), um BLOOD LAKE überhaupt irgendwie schönreden zu können.
 
 
 


 
 
 

BLOOD LAKE – Zensur

 
 
 
BLOOD LAKE: ATTACK OF THE KILLER LAMPREYS ist ein typischer Vertretung der Gattung Tier-Horror. Wirklich grausam wird es nicht. Immerhin darf am Ende auch mal etwas gesplattert werden. Mit Hilfe eines Rasentrimmers werden Neunaugen vor der Kamera zermatscht. Eine FSK16 ist gewiss.
 
 
 


 
 
 

BLOOD LAKE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Animal (2014)
 
Benath (2013)
 
Bait 3D (2012)
 
Sharkado (2013)
 
Big Ass Spider (2013)
 


Filmreview: “Beneath” (2013)

beneath-2013
 
 
 

BENEATH

Story

 
 
 
Nach einem Unfall ist eine Gruppe Bergleute Untertage von der Außenwelt abgeschottet und muss 72 Stunden auf Rettung warten. Die beklemmende Situation scheint jedoch noch das Beste zu sein, was ihnen an diesem Tag widerfahren ist, denn mit dem Einsturz wurde auch etwas Unheimliches freigelegt …
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Kritik

 
 
 
Das Wort BENEATH scheint derzeit immer wieder Verwendung bei der Titelkreation von Horrorfilmen zu finden. Erst kürzlich haben wir einen Streifen mit gleichem Titel besprochen, der vom amerikanischen Horror-Kanal CHILLER in Produktion gegeben wurde und inhaltlich mit seiner Monsterfisch-Thematik jedoch eine ganz andere Richtung einschlägt. Gleiches gilt übrigens auch für den von DAGEN MERRILL inszenierten Mystery-Thriller, der von PARAMOUNT CLASSICS und MTV FILMS hergestellt und für eine lukrative DVD-Auswertung bereits im Jahr 2007 in die Händlerregale gebracht wurde. Der nun vorliegende BENEATH schmückt sich zwar mit gleichem Namen, ist jedoch im Unterschied zu den genannten Genre-Werken um Längen besser. Demnach sollte der interessierte Horrorfan Vorsicht walten lassen und beim Kauf darauf achten, dass er auch wirklich den richtigen BENEATH in den Einkaufskorb legt. Schließlich verliert man bei so vielen Filmen mit gleichem Schriftzug auf dem Cover schnell den Überblick.
 
In der Tiefe hört dich niemand schreien – mit einem derart reißerischen Untertitel hätte man vermutlich der Verwechslungsgefahr entgegenwirken und das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen können, schließlich umschreibt der Slogan trefflich, was den verängstigten Protagonisten in BEN KETAIS Thriller passieren wird. Umso verwunderlicher, dass der Streifen, zumindest in seinem Herstellungsland, von solch werbewirksamen Floskeln absieht und ohne mediales Brimborium auf Heimkinomedium ausgewertet wurde. Eine durchaus mutige Entscheidung der Macher, hat sich doch Regisseur BEN KETAI mit der miserablen Video-Fortsetzung zu 30 DAYS OF NIGHT nicht gerade mit Ruhm bekleckert, so dass sein neuer Film BENEATH verständlicherweise mit eher gemischten Gefühlen von Fans erwartet werden dürfte. Allen Skeptikern zum Trotz darf man jedoch verlauten lassen, dass KETAI einen überraschend sehenswerten Film abgeliefert hat, der sich recht effektiv bei den menschlichen Urängsten bedient und die auch gleich zum Thema eines bemerkenswert guten Grusel-Trips gemacht hat.
 
Samantha Marsh (KELLY NOONAN) steigt in BENEATH zusammen mit ihrem Vater (ein erschreckend gealterter JEFF FAHEY) und dessen Arbeitskollegen hinab in ein dunkles Bergwerk, um einerseits den kränkelnden Papa an seinem letzten Arbeitstag noch einmal über die Schulter schauen zu können und um den übrigen Herrschaften zu beweisen, dass auch eine Rechtsanwältin in Extremsituationen ihren Mann stehen kann. Frauen am Arbeitsplatz bringen Unglück – eine Bergbauweisheit, die sich in BENEATH rasch bewahrheitet, denn während Bohrarbeiten im Inneren der Mine kommt es zu einem Unfall und die Gruppe wird verschüttet. Nun ist guter Rat teuer, denn bis Rettung eintrifft werden knapp 72 Stunden vergehen. Zeit, die die Überlebenden jedoch nicht haben, schließlich ist hier unten nicht nur der Sauerstoff knapp. Glaubt man den Legenden wurden in den 1920ern hier bereits schon einmal 19 Bergleute unter ähnlichen Umständen begraben. Leider konnten deren Überreste bis heute nicht ausfindig gemacht werden. Eine Tatsache, die den Verschütteten während ihres Überlebenskampfes nicht gerade förderlich ist, erkennen sie doch, dass mit dem Einsturz etwas Unheimliches befreit wurde.
 
Paranoia-Thriller oder Geister-Horror? So wirklich festlegen wollten sich die beiden Drehbuchautoren PATRICK DOODY und CHRIS VALENZIANO beim Schreiben vermutlich nicht. BENEATH ist nämlich einer dieser doppelbödigen Filme, deren Erklärung sich der Zuschauer selbst zusammenreimen muss. Die verschütteten Protagonisten müssen sich diversen Ängsten stellen. So werden die Charaktere nicht nur mit permanenter Sauerstoffknappheit konfrontiert. Zusätzliche Stressfaktoren wie Dunkelheit, Klaustrophobie und plötzlich auftretende Panikattacken erschweren den Kampf ums Überleben enorm. Nach körperlichem Stress folgt Realitätsverlust, der dafür sorgt, dass sich die Kumpels gegenseitig abschlachten, spielt ihnen doch die eigene Psyche gemeine Streiche. Dass die Paranoia durch die Legende von den verschollenen Bergarbeitern aus den 20ern nur unnötig vorangetrieben wird, dürfte nur logisch sein. Wer sich im Übrigen mit plausiblen Erklärungen schwer tut, darf sich natürlich auch gern seinen eigenen, paranormalen Erklärungsansatz zusammenwürfeln, denn auf Horror-Ebene funktioniert BENEATH genauso gut. So werden aus Wahnvorstellungen flink besessene Minenarbeiter, in deren Körper die Geister jener Bergleute geschlüpft sind, die vor fast 100 Jahren mehrere Meter unter der Erde einen grausamen Tod gefunden haben.
 
Regisseur BEN KETAI jongliert ganz selbstsicher mit Nervenkitzel und Gänsehaut. Das schwach beleuchtete Setting bewirkt zusammen mit einigen grotesk anmutenden Morphing-Effekten maximales Gruselfeeling und eine temporeich inszenierte Höhlen-Hatz (THE DESCENT lässt grüßen) macht aus BENEATH packend gewerkelte Gruselunterhaltung. KETAIS Überlebensfilm lässt sich in keine Schublade pressen. Die Tatsache, dass der Zuschauer keine Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommt, macht BENEATH äußerst reizvoll. Und gerade der Umstand, dass Macher BEN KETAI den Zuschauer bis zum Abspann im Unklaren lässt, welche Richtung BENEATH nun einschlagen wird, sorgt dafür, dass der Spannungspegel konstant beibehalten werden kann. Leider stört mal wieder das “Alles total wahr”-Gequassel zu Beginn. Seit jedes zweite Horrorwerk mit dem “Inspiriert von”-Slogan um die Gunst der Käuferschar buhlt, geht einem als Horrorfan jene Vermarktungsstrategie gehörig auf den Zünder. Dennoch, sieht man von diesem kleinen Manko ab, ist BENEATH zweifelsohne beängstigend-klaustrophobisches Horror-Kino, das für einen schnellen Pulsschlag sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Dunkeln ist gar nicht gut Munkeln. BENEATH ist klaustrophobischer Höhlen-Horror, der die Spannungsschraube minutiös fester dreht. Die menschlichen Urängste haben nun bereits schon unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht und nur wenigen von ihnen ist es in letzter Zeit gelungen Gruselstreifen in die Heimkinos zu bringen, die auch dem Zuschauer einiges abverlangt haben. Regisseur BEN KETAI hat nach 30 DAYS OF NIGHT: DARK DAYS endlich guten Horror gebastelt, der sich der Urangst-Problematik bedient und dennoch nicht zwingend im Horror-Bereich einzuordnen ist. Er überlässt dem Zuschauer nämlich selbst, in welche Schublade er BENEATH stecken möchte. Ob nun nur packender gedrehter Paranoia-Überlebens-Thriller oder unheimlich inszenierter Geister-Schocker – die Entscheidung fällt letztendlich der Horrorfan selbst. Fakt ist, dass BENEATH beidseitig funktioniert und 90 Minuten wohliges Schauern garantiert. Deshalb: Ein sehenswerter Horrortrip unter Tage.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Zensur

 
 
 
BENEATH ist kein Metzel-Feuerwerk für Splatter-Fans. Hier töten sich die Protagonisten selbst, wobei unklar bleibt, ob sie im Wahn handeln oder von Geistern besessen sind. Meist bekommt der Zuschauer jedoch nur das Ergebnisse deren Handelns zu Gesicht. Einige verstörende Morphing-Effekte verstärken das Grusel-Feeling. Wir gehen von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
The Descent (2005)
 
The Cave (2005)
 
The Descent 2 (2009)
 
The Cavern – Abstieg ins Grauen (2005)
 
Underground – Tödliche Bestien (2011)
 
In Darkness We Fall (2014)
 


Filmreview: “Deep in the Darkness” (2014)

Deep-in-the-Darkness-2014
 
 
 

DEEP IN THE DARKNKESS

Story

 
 
 
In der amerikanischen Kleinstadt Ashborough ist etwas Böses in Gange. Als Dr. Michael Cayle die Praxis des verstorbenen Mr. Ferris übernimmt, häufen sich seltsame Ereignisse, deren Ursache sich unter dem Ort versteckt. In Höhlen unter der Erde haust das Böse, dessen Existenz von den Einheimischen seit Jahrhunderten verschwiegen wird …
 
 
 


 
 
 

DEEP IN THE DARKNKESS – Kritik

 
 
 
Das Böse versteckt sich im Horrorfilm allzu gern hinter der friedliebenden Fassade amerikanischer Kleinstädte. Ob HALLOWEEN, CRITTERS oder KINDER DES ZORNS – das ländliche Amerika ist nicht frei von Gefahren, lauern hier doch meist ausgefuchste Serienkiller, fiese Monster oder gefräßige Aliens ganz geduldig auf ihre ahnungslosen Opfer. Auch einige Protagonisten in DEEP IN THE DARKNESS machen unerfreuliche Bekanntschaft mit den Schattenseiten der abgeschiedenen Kleinstadtidylle, denn da wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen, liegt nicht immer der Hund begraben. Der Horrorfilm hat gelehrt, dass meist Bewohner jener Orte finstere Geheimnisse hüten, an denen sich Filmhelden Zuflucht und Geborgenheit versprochen haben. Schnüffeln diese sich dann durch die unheimliche Chronik der Ortschaft passiert es nicht selten, dass sich verschlafene Städtchen als Vorhof der Hölle entpuppen. Horror-Sender CHILLER legt nach ANIMAL und CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR hausgemachten Horrorstoff nach und macht dem amerikanischen SYFY-Channel mit eigens produzierten Filmen Konkurrenz. DEEP IN THE DARKNESS heißt die neue Eigenkreation made by CHILLER FILMS, jenem hauseigenem Filmstudio das frisches Gruselmaterial für den TV-Kanal CHILLER produziert, damit Sendeplätze gefüllt werden können. Horror-Fans freut es, denn die Gruselwerkstatt hat schon einige Male bewiesen, dass Potenzial für solide Unterhaltung vorhanden ist.
 
Ähnlich wie im kürzlich besprochenen DEAD SOULS hat sich CHILLER FILMS auch für den neuen Ausflug ins düstere Genre bei einem Horror-Roman bedient. Autor MICHAEL LAIMO lieferte bereits 2004 die Grundlage für DEEP IN THE DARKNESS und ließ sich hierfür vom TV-Streifen DON’T BE AFRAID OF THE DARK (1973) inspirieren, dem ja bekanntlich vor einigen Jahren die Gunst eines Remakes zuteil wurde. Leider haben, wie Remakes auch, Filmadaptionen lesenswerter Bücher meist keinen guten Ruf. Die kreative Vorstellungskraft manch phantasiebegabten Lesers lässt sich nun mal nicht so einfach in ebenso aussagekräftige Bilder fassen. DEEP IN THE DARKNESS macht da selbstverständlich keine Ausnahme, insofern man die Vorlage überhaupt kennt. Schraubt man jedoch die Erwartungen etwas herab und lässt den Hang zur Plausibilität außen vor, verspricht dieser Gruseltrip durchaus spannende Minuten.
 
Dr. Michael Cayle (SEAN PATRICK THOMAS) lässt den Trubel der Großstadt hinter sich und zieht samt Familie in die kleine Gemeinde Ashborough, New Hampshire. Ein nettes Eigenheim hat es ihm dort angetan, welches ihm für kleines Geld von Arztwitwe Mrs. Ferris verkauft wird. Ein lukratives Schnäppchen und eine gute Gelegenheit auch gleich im Ort zu praktizieren, was von den Einheimischen mehr als dankend angenommen wird. Dass der smarte Michael gerade wegen seiner dunklen Hautfarbe nicht so recht ins beschauliche Kleinstadtleben passen mag, interessiert hier niemanden, schließlich ist man im heimeligen Ashborough froh, dass hier überhaupt jemand behandeln will. Seltsamerweise scheint hier die Zeit stillzustehen, denn Handyempfang und Kabelfernsehen gibt es nicht. Zudem ist Sheriff Godbout um das Wohl seiner Mitmenschen besorgt. Eine strikte Ausgangssperre soll dafür sorgen, dass die Einwohner am frühen Abend nicht mehr die Häuser verlassen. Was kurios klingt, hat selbstverständlich auch seine Richtigkeit. Der Ort birgt seit Jahrhunderten ein grausiges Geheimnis. Unter der Erde haust ein Stamm von Wilden, welche die gesamte Stadt steuern und deren Existenz seit Generationen geheim gehalten wird. Regelmäßige Opfergaben sollen die Wesen milde stimmen und den Einwohnern ein sorgloses Leben in der kleinen Gemeinde ermöglichen. Für Dr. Michael Cayle durchaus Grund zu Besorgnis, sieht er doch das Wohl seiner Familie in Gefahr. Leider wird ein Umzug durch den Zusammenhalt der Bewohner erschwert, denn wer einmal seine Zelte in Ashborough aufgeschlagen hat, darf den Ort so schnell nicht wieder verlassen.
 
Egal welche CHILLER FILMS-Produktion man zu sehen bekommt, man mag das Gefühl nicht loswerden wollen, dass es sich die Filmschmiede zur Aufgabe gemacht hat, Streifen zu drehen, die an die beliebte GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe erinnern. Wie einst die fürs TV konzipierte Comic-Serie glänzt die CHILLER- Hausmannskost durch stimmigem Aufbau und meist makabrem Ende. DEEP IN THE DARKNESS reiht sich so problemlos in die bis dato abwechslungsreich inszenierten CHILLER-Grusler ein und darf sogar als eine der bisher besten Produktionen des Studios gewertet werden. Hinter dem nicht üblen Mix aus THE WICKER MAN, THE DESCENT und ROSEMARIES BABY steckt COLIN THEYS, der sich schon einmal für DEAD SOULS und REMAINS OF THE WALKING DEAD auf den Regiestuhl begeben und zwei Gruselfilme für den Horror-Kanal CHILLER beigesteuert hat. Lobenswerterweise scheint THEYS von Film zu Film besser zu werden, denn DEEP IN THE DARKNESS entpuppt sich als klassisches Horror-Mär, dass vor allem mit geschickt getrickstem Monster-Design überrascht. Hier hat man sich zwar etwas zu dreist beim britischen Höhlen-Schocker THE DESCENT bedient; die wenigen Momente in denen die Kreaturen jedoch vor die Kamera sausen wurden charmant Old-School-like in Szene gesetzt. Sympathisch Old-School ist im Übrigen auch die gesamte Geschichte, denn DEEP IN THE DARKNESS ist eines jener Werke, in denen das Unheil subtil und langsam heraufbeschworen wird. Es verschwinden Tier- und Menschenkörper unter mysteriösen Umständen und die Bewohner des Ortes scheinen ungern mit Neuankömmlingen über das gut gehütete Stadtgeheimnis sprechen zu wollen. Seichter Mystery für empfindsame Gemüter ist bis zur Halbzeit garantiert, gelingt es doch Drehbuchautor JOHN DOOLAN die Spannung konsequent zu steigern, um die Auflösung des Spuks möglichst lang hinauszuzögern.
 
Mit SEAN PATRICK THOMAS hat man einen zugänglichen Helden gefunden, der nie mehr als der Zuschauer weiß. Während die Einheimischen aus Angst vor Konsequenzen wie ferngesteuert agieren, findet Filmfigur Dr. Michael Cayle immer mehr Teile eines Puzzles, die am Ende ein plausibles Ganzes ergeben. Für den Zuschauer ergeben jedoch viele Gegebenheiten im Film kaum Sinn, denn Autor JOHN DOOLAN hat Logik aus dem Drehbuch verbannt. DEEP IN THE DARKNESS strotzt nur so vor Unklarheiten und Plotlöchern. So will nicht einleuchten, warum in Ashborough weder Handyempfang noch Kabelfernsehen existiert, aber problemlos im Internet gesurft werden kann. Zudem bleibt die Frage ungeklärt, wie sich die Gemeinde selbst versorgt, wenn doch niemand die Stadt verlassen darf. Wie jedoch ausgerechnet ein Landarzt zu einer Kiste mit hochinfektiösen Killerviren kommt, die er selbstverständlich am Ende im Kampf gegen die fleischgeilen Kreaturen einsetzt, bleibt wohl ein ewiges Mysterium.
 
 
 


 
 
 

DEEP IN THE DARKNKESS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Gruselmärchen mit einem Schuss THE DESCENT. Bereits Kult-Autor STEPHEN KING erkannte das Grusel-Potenzial amerikanischer Kleinstädte, in denen meist nicht alles so friedlich scheint, wie man es auf den ersten Blick vermuten würde. In vielen seiner Horrorgeschichten, versteckt sich das Grauen hinter der friedliebenden Fassade ländlicher Gemütlichkeit. Genau jene Richtung schlägt auch COLIN THEYS mit seinem DEEP IN THE DARKNESS ein und bringt nun schon zum dritten Mal Schauermaterial für den amerikanischen Horrorsender CHILLER ins Fernsehen. Sein DEEP IN THE DARKNESS ist ein charmant-altmodischer Grusel-Cocktail, der sich von Filmen wie THE DESCENT, THE WICKER MAN und ROSEMARIES BABY hat inspirieren lassen. Während der erste Teil der Handlung klassische Gänsehaut-Unterhaltung verspricht und sich das Grauen subtil durch die Geschichte frisst, gibt es in der zweiten Hälfte düsteres und temporeiches Horrorfutter für Fans des Genres. Großes Kompliment gilt hierbei den Schöpfern der Filmmonster, die zwar schlicht, aber durchaus beängstigend durch die Szenerie kriechen. Mit Sicherheit ist DEEP IN THE DARKNESS kein großer Wurf; dennoch hat Regisseur COLIN THEYS überdurchschnittlich gute Horrorunterhaltung gefertigt, die besser ist, als das was einem momentan im Handel als Horror verkauft wird.
 
 
 


 
 
 

DEEP IN THE DARKNKESS – Zensur

 
 
 
DEEP IN THE DARKNKESS ist ein eher zurückhaltendes Schauer-Märchen, das eher von Atmosphäre und Gruselgehalt lebt. Es gibt zu Beginn eine aufgeschlitzte Frau zu sehen und im späteren Verlauf eine düstere Operationsszene, in der einer der Kreaturen der Bauch aufgeschnitten wird, um ihr die Geburt mittels Kaiserschnitt erleichtern zu können. Brutal oder sinnlos blutig ist DEEP IN THE DARKNKESS demnach nicht und eine FSK16 vollkommen gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

DEEP IN THE DARKNKESS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
The Descent (2005)
 
Needful Things – In einer kleinen Stadt (1993)
 
Beutegier (2009)
 
Humans – Sie haben überlebt (2009)
 
High Lane – Schau nicht nach unten! (2009)
 


Filmreview: “Blood Widow” (2014)

blood-widow-2014
 
 
 

BLOOD WIDOW

Story

 
 
 
Wenn die psychopathische Nachbarin drei mal klingelt: Laurie (Danielle Lilley) und Hugh (Brandon Kyle Peters) sind ein junges Paar und haben gerade ein Haus irgendwo im Nirgendwo gekauft, wo es selbstverständlich keinen Handyempfang gibt. Als die beiden eine Einweihungsparty geben und einige Freunde zum Feiern vorbeikommen, nutzt auch die Killerin von nebenan die Gunst der Stunde, um die neuen Nachbarn kennenlernen …
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Kritik

 
 
 
In Amerika gibt es immer wieder Nachwuchs-Angstmacher, die dem Horror-Fan die Freunde am Schauen von Horror-Ware verübeln möchten. Der Low-Budget-Markt scheint dort ein beliebtes Sprungbrett für all jene zu sein, die auch ohne Berufsabschluss das Hobby zum Beruf machen wollen: Filmemachen. Leider muss man für das Drehen von Horror-Streifen nicht nur Kohle und das notwendige Equipment besitzen, sondern auch Talent und Ahnung. Voraussetzungen, die jedoch nur die Wenigsten mitbringen. Trotzdem wird auch ohne Können munter drauflos gefilmt, denn die Nachfrage nach amateurhaft zusammengeschnippelten Horrorfilmen scheint größer zu sein, als immer vermutet wird. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Billig-Grusler in amerikanische Händlerregal gebracht werden. Als wäre das nicht schon übel genug, finden sogar einige dieser Spaßbremsen den Weg nach Deutschland.
 
BLOOD WIDOW ist das Resultat eines langjährigen Fan-Traumes. Newcomer und Sci-Fi-Horrorfan JEREMIAH BUCKHALT steckt hinter der Low-Budget-Produktion, der selbst heute immer noch nicht fassen kann, dass ihm die Möglichkeit gegeben wurde einen Horrorfilm zu drehen. Ähnlich wie Vorbild JOHN CARPENTER (wenn es nach BUCKHALT geht gehört THE THING zu den besten Filmen aller Zeiten) hat der Regie-Neuling jedoch erst einmal kleine Brötchen gebacken und sich an der Umsetzung klassischen Slasher-Stoffs versucht, schließlich gehört nicht viel Grips dazu einen simplen Schlitz-Streifen zu machen. Erfolgreiche Filmtitel nennt BUCKHALT in einem Interview, von denen sich BLOOD WIDOW hat inspirieren lassen. So standen günstig gewerkelte Oldschool-Slasher Pate mit denen der Filmemacher Ende der 70er und zu Beginn der 80er aufgewachsen ist. Bei so viel euphorischer Liebe zum Genre enttäuscht dann leider doch die Tatsache, dass BLOOD WIDOW Lichtjahre von wegweisenden Metzelklassikern wie HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS entfernt ist. Für BLOOD WIDOW musste an allen Ecken gespart werden. So wurden Hauptrollen mit Statisten besetzt, die vermutlich noch nie eine Schauspielschule von Innen gesehen haben. Akustische Raffinessen aus dem MUSIC MAKER sorgen für ungewollte Erheiterung und die rudimentäre Handlung lässt den Zuschauer bereits kurz nach dem Prolog ermüden. Ein Pärchen ist es diesmal, das in ein neues Haus zieht und dort ums Überleben kämpfen muss. Im Keller des scheinbar verlassenen Nachbarhauses lebt eine schwarze Witwe, die nur darauf wartet, dass ihr mal ein paar neugierige Fliegen ins Netz gehen. Als sich ein paar Freunde für eine kleine Einzugssause anmelden und auf dem Grundstück gegenüber herumschnüffeln, packt die BLOOD WIDOW ihre Folterinstrumente zusammen und besucht die neuen Nachbarn um mal blutig “Hallo” sagen zu können.
 
Wenn keine gescheite Geschichte zu Grunde liegt, dann lass Gewalt regieren. Genau jenem Credo folgt BLOOD WIDOW und konzentriert sich auf das möglichst schmuddelige Abschlachten seiner unzureichend talentierten Hauptdarsteller. Die von BUCKHALT selbst entworfene Killerin geht nicht zaghaft mit ihren Opfern um. So werden Protagonisten enthauptet, Arme abgesäbelt oder Gesichter eingeschlagen. Für Indie-Horror mit Mikro-Budget sehen die gebotenen Matsch-Effekt ganz ordentlich aus, zumal die teils unausgereifte Ausleuchtung dem Film einen dreckigen, ungeschliffenen und finsteren Look bescheren. Dennoch, Gewalt im Horrorfilm ist nicht alles, denn ein blosses Aneinanderreihen von sinnlosen Gewaltakten machen aus einem beliebigen Horrorfilm noch lange kein Kultwerk. Nichtsdestotrotz bekommt der Horror-Fan mal endlich wieder eine maskierte Killerin vor die Linse. Die steht männlichen Meuchel-Kollegen wie JASON und MICHAEL in puncto Grausamkeit in nichts nach. Im Unterschied zu genannten Ikonen des modernen Horrorfilms will die BLOOD WIDOW jedoch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, was vor allem daran liegt, dass der Film nichts Rundes ist und überraschungsarm nach Schema F abgehandelt wird. Neue Impulse sucht man hier vergebens, dafür findet man Unmengen an Logiklöchern und Slasher-Klischees. Dass Macher JEREMIAH BUCKHALT bereits mit einer Fortsetzung liebäugelt, verursacht fix wirklich Panik – schließlich ist der Zuschauer froh, wenn er den vorliegenden Erstling wach überstanden hat.
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Blutiger Nachschub für Splatter-Fans! Gewalt ist leider auch das einzige, was BLOOD WIDOW halbwegs über Wasser halten kann, denn der Streifen ist nicht nur ein überraschungsarmes, sondern auch ein langweiliges Sammelsurium nerviger Slasher-Regeln und totgefilmter Horror-Klischees. Budget war kaum vorhanden, was im Falle dieses Filmdebüts Vor- und Nachteile besitzt. Einerseits hat die teils unprofessionelle Ausleuchtung Charme und beschert BLOOD WIDOW einen düsteren und dreckigen Look, der dem Film vor allem in den Gewaltmomenten zugute kommt. Andererseits lässt das Mikro-Kapital kaum Experimente zu, so dass an allen Ecken gespart werden musste – vor allen an guten Schauspielern. Unterm Strich ist BLOOD WIDOW ein austauschbarer Slasher ohne Höhepunkte, der immerhin kurz Aufmerksamkeit in Deutschland erhaschen dürfte, weil ihn die hiesige FSK der “bösen” Szenen wegen in der Luft zerreißen wird.
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Zensur

 
 
 
Wie für einen Slasher typisch sterben auch in BLOOD WIDOW die Opfer eines grausamen Todes. Zimperlich geht es hier nicht gerade zu, was vor allem der FSK Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Da BLOOD WIDOW ziemlich viel blutroten Splatter zu bieten hat, dürfte eine ungeschnittene Freigabe fraglich sein.
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slasher House (2012)
 
Torment (2013)
 
Nurse 3D (2013)
 
Young, High and Dead (2013)
 
Killer Holiday (2013)
 
Bloody Homecoming (2013)


Filmreview: “All Cheerleaders Die” (2013)

ALL-CHEERLEADERS-DIE-2013
 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE

Story

 
 
 
Eine Gruppe Cheerleader steigt aus ihrem nassen Grab, um sich als blutgierige Zombies an ihren Mördern zu rächen …
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Kritik

 
 
 
Remakes von Horrorfilmen sind im Genre mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Leider versucht sich Hollywood vermehrt darin den ganz großen Klassikern der Horrorwelt eine Frischzellenkur zu verpassen, was bei Fans jedoch meist auf Unverständnis stößt. Bei denen läuten bereits Wochen vor Drehbeginn die Alarmglocken, setzen doch eingefleischte Filmliebhaber das überflüssige Neuverfilmen ihrer beliebten Klassiker mit einem Sakrileg gleich. So ganz unbegründet ist deren Recyclingboykott verständlicherweise nicht, schließlich wurden in letzter Zeit Filme durch die Wiederverwertungs-Maschinerie gejagt, welche Jahrzehnte nach ihrem Entstehen beim Zuschauer immer noch maximales Grauen bewirken und nicht zwingend eine Neuverfilmung benötigt hätten. Gerissenen Produzenten Hollywoods ist die Skepsis der Zuschauer jedoch egal, denn so lange sich damit schnell Geld verdienen lässt werden auch weiterhin bekannte Titel der Horrorwelt lieblos und kommerzorientiert in die Lichtspielhäuser gebracht.
 
ALL CHEERLEADERS DIE ist auch ein Streifen, der in die Rubrik “Horror-Remake” einzuordnen ist. Doch bevor ein lautes Stöhnen die Runde machen wird, können wir Entwarnung geben, denn ALL CHEERLEADERS DIE ist einer jener Filme von dem niemand vermutet hätte, dass es ihn schon einmal gegeben hat. Horror-Maestro LUCKY MCKEE steckt hinter dem Reboot und hat weit vor Genre-Hits wie MAY – SCHNEIDERIN DES TODES (2002) und THE WOMAN (2011) mit dem No-Budget-Trash ALL CHEERLEADERS DIE versucht mehr oder weniger erfolgreich Fuß im Filmbusiness zu fassen. Zwölf Jahre nach Entstehung des Originals kommt der Horrorspaß noch einmal in die Wohnzimmer, natürlich mit mehr Budget, besseren Schauspielern und professionellen Effekten. Alles beginnt wie in jedem amerikanischen Highschool-Filmchen, wo Schüler als erstes nach Stereotypen gruppiert werden. Während Außenseiter und Eigenbrödler vergebens nach Aufmerksamkeit streben und versuchen Zuflucht in ihrer eigenen kleinen Welt zu finden, gibt es auch in ALL CHEERLEADERS DIE natürlich die selbstverliebten und coolen Kids der Schule, mit denen nicht immer gut Kirschen essen ist. Regisseur LUCKY MCKEE persifliert für sein Horror-Remake ganz luftig-locker sämtlich Highschool-Klischees auf überspitzt-zynische Weise und hat sichtlich Spaß daran, seine Figuren auch mal selbstironisch durch den Kakao zu ziehen. So gefällt, wie er die Objektivierung der Frau im Horrorfilm mit fast schon satirischem Unterton an den Pranger stellt. Schließlich wird das weibliche Geschlecht im Genre meist primär als Sexobjekt dargestellt, dem es des Öfteren an Intelligenz mangelt.
 
Der gar nicht mal so üble Mix aus BUFFY, GIRLS UNITED und CHARMED erzählt die Geschichte von Hobby-Hexe und Wahrsagerin Leena (SIANOA SMIT-MCPHEE), die mit argwöhnischen Augen die Entwicklung von Ex-Freundin Maddy (CAITLIN STASEY) beobachtet. Die schöne Brünette ist seit einiger Zeit darum bestrebt in der Cheerleader-Clique aufgenommen zu werden, um die dreisten Machenschaften von Football-Spieler Terry (TOM WILLIAMSON) aufdecken zu können. Der Mannschaftskapitän des schuleigenen Football-Teams gehört zwar zu den beliebtesten Schülern an der Highschool, wechselt aber Frauen wie Unterwäsche. Nachdem es Maddy gelungen ist die Cheerleader-Clique gegen das Football-Team aufzuhetzen, endet der Streit im Chaos: Das Auto der Mädchen kommt von der Straße ab und landet in den Fluten einen reißenden Flusses. Weil der abgebrühte Terry jedoch Angst vor den Konsequenzen hat flüchtet er lieber mit seinen Team-Kollegen und überlässt die Cheerleader ihrem Schicksal. Gott sei Dank ist Außenseiterin und Hexe Leena vor Ort. Sie beschwört die geheimnisvolle Macht ihrer magischen Steine und bewirkt, dass die Cheerleader mit einem unstillbaren Blutdurst von den Toten auferstehen. Dass die sonst so zickigen Schülerinnen mit ihrem frühzeitigen Ableben so rein gar nicht einverstanden sind, dürfte auf der Hand liegen. Kaum auf dem Schulhof zurückgekehrt heißt das neue Unterrichtsfach „Rache“.
 
Man nehme einfach von allem etwas. Mit dieser Einstellung hat LUCKY MCKEE genau jene Rezeptur gefunden, die das Horror-Genre auch bitter benötigt hat, denn mittlerweile hat sich der Horrorfilm zu einem langweiligen Tummelplatz der immer wieder gleichen Filmthemen entwickelt. ALL CHEERLEADERS DIE bedient sich unterschiedlicher Sub-Genre. So werden Elemente aus Slasher, Rache, Vampir- und Zombiefilmen zu etwas völlig Neuem zusammengewürfelt; ein kleiner Spritzer Selbstironie wird zur Quintessenz des wilden Genre-Cocktails. MCKEE, der zuvor eher ernste Filme über Frauen gedreht hat, die von ihren männlichen Filmkollegen missbraucht oder ungerecht behandelt wurden, wandelt mit ALL CHEELEADER DIE auf ungewöhnlich komödiantischen Pfaden, ohne jedoch zu sehr ins Alberne abzudriften. Anders als in seinen bisherigen Streifen, lässt er seine Heldinnen auch schon mal ungeniert furzen oder über sich selbst witzeln, findet aber stets den Absprung vor allzu platten Fäkal-Schweinereien. ALL CHEERLEADERS DIE macht alles richtig. Ein nahezu konstant ansteigender Grusel- und Gewaltfaktor hält sich mit erheiternder Komik die Waage und macht MCKEES Remake zu einem ganz besonderen Filmerlebnis, dass scheinbar sogar in Serie gehen soll. Der gut durchdachte Teenie-Horror endet mit einem vielversprechenden Cliffhanger und lässt auf herrlich absurde Splatter-Unterhaltung hoffen. Wenn es nach FILMCHECKER geht, darf die gern so schnell wie möglich in Produktion gehen, schließlich sind wir der Meinung: ALL CHEERLEADERS DIE gehört zweifelsohne zu den Genre-Überraschungen des Jahres.
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
LUCKY MCKEES Neuverfilmung seines Erstlings ALL CHEERLEADERS DIE sollte jeder Horrorfan gesehen haben. Der Streifen ist schräg, unterhaltsam, blutig, sexy, packend, bissig, durchdacht, raffiniert, selbstironisch, wild, clever – kurz: Einfach vollkommen anders. Ein Horror-Must-See! Noch Fragen?
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Zensur

 
 
 
Eigentlich beginnt ALL CHEERLEADERS DIE so ziemlich harmlos. Kurz vor Ende wendet sich jedoch das Blatt und die Kids sterben wie die Fliegen. Einige Todesszenen sind dann doch recht grafisch, so dass die KEINE JUGENDFREIGABE-Kennzeichnung Liebhaber der etwas härteren Filmgattung freuen dürfte.
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scream – Schrei! (1996)
 
Scary Movie (2000)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Der Pakt – The Covenant (2006)
 
Buffy – Im Bann der Dämönen (1997 – 1993)
 
Charmed – Zauberhafte Hexen (1998 – 2006)
 
100 Bloody Acres (2012)
 


Filmreview: “Animal” (2014)

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ANIMAL

Story

 
 
 
Fünf Freunde geraten auf die Speisekarte einer gefräßigen Kreatur, die in den Wäldern am Holland Creek ihr Unwesen treibt …
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Kritik

 
 
 
Der amerikanische Horror-Sender CHILLER mausert sich mit seinen eigens produzierten Horrorfilmen so langsam zum Geheimtipp unter Liebhabern finsterer Videounterhaltung. In der sendereigenen Filmwerkstatt namens CHILLER FILMS werden nämlich seit einiger Zeit Horrorstreifen produziert, die kaum erahnen lassen, ob sie nun eigentlich für eine Fernseh- oder Kinoauswertung angedacht waren. Die Macher des Grusel-Studios scheinen bestrebt darin zu sein, den Anspruch ihrer Filmkreationen konsequent steigern zu wollen, hat doch das Schaffen der aktuellen CHILLER FILMS-Staffel mittlerweile Kino-Niveau erreicht. Dem Horrorfan kann das nur recht sein. Schließlich freut dieser sich, wenn er ordentlich gemachte Horror-Ware in den Player legen kann und sich bei Schockern wie CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR (dem übrigens demnächst eine Fortsetzung folgen soll) so richtig “chillig” gruseln kann.
 
Nachdem der Seemonster-Trash BENEATH und der Mystery-Thriller DEAD SOULS aus der CHILLER FILMS-Staffel des Jahres 2013 gut angenommen wurden, schien die Konsequenz daraus nur logisch, dass CHILLER FILMS an der Umsetzung weiterer Horrorfilme tüfteln würde. Die sind nun fertig und warten darauf im TV gezeigt oder lukrativ an den Heimkinofreund verhökert zu werden. Für einen der ersten Beiträge der neuen Season konnte noch einmal BRETT SIMMONS (HUSK) gewonnen werden, der mit THE MONKEY’S PAW ein Jahr zuvor bereits schon einmal Horrorstoff für CHILLER FILMS ins Fernsehen brachte. Statt der Verfilmung einer Kurzgeschichte hat er sich diesmal für die Umsetzung eines soliden Drehbuchs entschieden, dem aber das gewisse Etwas fehlt, um wirklich überzeugen zu können. ANIMAL heißt der Monster-Heuler, der, wie bereits der Titel und das Filmplakat vermuten lassen, dem Genre des Tier-Horrorfilms zuzuordnen ist.
 
Fünf Mittzwanziger müssen den Kampf mit einer hungrigen Bestie aufnehmen, über die man jedoch nur wenig im Film erfährt. Diese lebt in den Wäldern von Holland Creek und wird von ständigen Heißhungerattacken gequält. Damit der immer leere Magen gefüllt werden kann, werden ahnungslose Spaziergänger gejagt, die dann horrorfilmtypisch durch Wald und Flur gehetzt und anschließend in Stücke zerrissen werden. Auch den fünf stereotypen Jungdeppen in ANIMAL steht gleiches Schicksal bevor. Hätten diese jedoch einige Horrorfilme der letzten Jahre gesehen, wäre ihnen aufgefallen, dass Orte mit “Creek” im Namen meist nichts Gutes zu bedeuten haben. Bei einer Tageswanderung durch die Wälder am Holland Creek treffen sie ganz unvorbereitet auf das mutierte Mauskopf-Predator-Wolfsmensch-Ding, dem sogleich einer der Freunde zum Opfer fällt. Der Rest flüchtet zu einer nahestehenden Hütte, in dem bereits eine andere Gruppe älteren Semesters Schutz vor den Attacken des blutgierigen Wesens gefunden hat. Kaum Zuflucht gefunden werden wie in Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD Zugänge verbarrikadiert und Fenster vernagelt. Doch das Monster lässt keine Möglichkeit aus, um irgendwie ins Innere der schützenden Behausung zu gelangen.
 
DREW BARRYMORE hat “nach Hause telefoniert”. Diesmal jedoch nicht um mit E.T. neuste Schmink- und Modetipps auszutauschen, sondern um sich an der Produktion von ANIMAL zu beteiligen. Der smarte Engel für Charlie fungierte hier als Finanzspritze und hat den Streifen quasi mitproduziert. Leider scheint die Gute noch etwas unbewandert im Horror-Bereich zu sein, denn würde sie etwas Ahnung von Horrorfilmen haben, hätte sie vermutlich ihr Geld in die Herstellung anderer, weitaus besserer Gruselstreifen investiert. Auch wenn ANIMAL trotz Trash-Note wirklich bemerkenswert gut ausschaut und zwischen ASYLUM-Billig-Nonsens und Edel-Trash-Welt liegt, mangelt es diesem Film zu sehr an neuen und unverbrauchten Ideen. Die Geschichte von dummen Kids, die nacheinander von einem Mann im Monsterkostüm zerfetzt und gefressen werden strotzt nicht gerade vor Innovationen. Da Regisseur BRETT SIMMONS jedoch ziemlich oft Blutfontänen spritzen lässt, um die Mattscheibe rot färben zu können, dürften die teils hektisch geschnittenen Blutmomente zumindest den Freunden übertriebener Gore-Einlagen reichlich Spaß bereiten.
 
Apropos hektisch: Wenn einem Horrorfilm das Tempo fehlt, kann manch eifrig zusammengeflicktes Schnittmassaker selbst aus langweiligen Schlaftabletten unterhaltsame Filme machen. Macher BRETT SIMMONS nimmt sich dieser Methodik hier nur allzu gerne an, um die minimalistische Handlung des Streifens voranzutreiben. Auch einige Defizite im Design des von GARY J. TUNNICLIFFE entworfenen Monsters konnten mit dem Hektik-Gimmick geschickt verschleiert werden. Löblicherweise sieht man in ANIMAL zudem von günstigem Einsatz schlecht umgesetzter Computereffekte ab. Alle Gore- und Creature-Effekte sind handgemacht, was vor allem Retro-Fans zusagen dürfte, schließlich lässt ANIMAL ab und an Erinnerungen an charmante Tier- und Monsterheuler der 80er wach werden und schafft es mit lautem Grunzen und Quieken der Kreatur, den Besitzern von Surround-Anlagen die Nackenhaare aufzusträuben. Somit sind achtzig solide Unterhaltungsminuten garantiert, auch wenn ANIMAL mit Sicherheit kein nennenswertes Highlight im Genre der Tier- und Monsterstreifen darstellt.
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein charmanter Monster- und Tiergrusler, wie man sie in den 80ern häufiger im Video-Recorder hatte. Natürlich hat sich seit Filmen wie RAZORBACK, CUJO und DER WERWOLF VON TARKER MILLS so einiges verändert: Die Schnitte sind hektischer geworden, der Look ist tadellos auf Hochglanz poliert und die Protagonisten hören Musik mit der Mp3-Funktion ihrer Handys, anstelle ihres Walkmans. Handmade-Effekte an die Macht heißt die Devise in ANIMAL, denn trotz B-Movie-Charme hat man auf den Einsatz überflüssiger Computereffekte verzichtet, was man in Horrorfilmen neueren Datums immer seltener zu sehen bekommt. Denn seit Trash-Schmieden wie ASYLUM oder der TV-Sender SYFY miserablen Abfall am Band produzieren, ist der Einsatz von CGI im Horrorfilm zur Gewohnheit geworden. Im Gegensatz zu genannten Produktionshäusern schaut der für den Horrorsender CHILLER produzierte ANIMAL ganz passabel aus und erreicht optisch fast schon Kino-Niveau. Dennoch vermiesen die austauschbare Handlung und die für das Genre obligatorischen Klischees den positiven Gesamteindruck. Wie in Filmen dieser Art typisch sind die meist jugendlichen Stereotypen nicht gerade die hellsten Kerzen auf dem Kuchen. So finden eine farbigen Powerfrau (Hip-Hop-Sängerin KEKE PALMER), der muskelbepackte Beschützertyp, eine Sprüche klopfende Obertucke und der smarte Sunnyboy in ANIMAL wenig überraschend einen schnellen Tod. Ausgerechnet die unsympathische Filmzicke darf am Ende überleben. Dass sich das Finale die Option für eine Fortsetzung offen lässt, war auch schon in ähnlich gestrickten Schockern der 80er der Fall. Wer eine Leidenschaft für trashige Monster- und Tierheuler besitzt ist mit ANIMAL gut beraten. Denn auch wenn sich der Film ausschließlich auf das beliebte 10-kleine-Negerlein-Prinzip konzentriert, gefällt der Film durch sein nicht übel getrickstes Filmmonster und das strafe Filmtempo. Daher: Solider Horrorfilm, der vom FILMCHECKER-Team das Prädikat “Edel-Trash” verliehen bekommt.
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Zensur

 
 
 
ANIMAL ist ein waschechter Vertreter des Tier-Horrorgenres. Bei solcher Art Filmen passiert es nicht selten, dass die FSK milder einstuft. Meist sind derart Streifen bereits für Jugendliche geeignet. ANIMAL macht da keine Ausnahme. Bis auf einige Blutfontänen gibt es nicht viel Gewalt zu sehen. In wenigen Szenen bekommt der Zuschauer zudem nur die Ergebnisse der Attacken der Kreatur zu sehen. Sonderlich hart ist ANIMAL demnach nicht anzuschauen und dürfte mit FSK16 in die Kaufhäuser kommen.
 
 
 


 
 
 

ANIMAL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Piranhaconda (2012)
 
Primal (2010)
 
The Cave (2005)
 
Mosquito Man (2004)
 
They Nest – Tödliche Brut (2000)
 


Filmreview: “The Visitant” (2012)

the-visitant-(2012)
 
 
 

THE VISITANT

Story

 
 
 
Wenn Samantha (Janie Michele Simms) was Vernünftiges gelernt hätte, wäre ihr vermutlich einiges an Ärger erspart geblieben. Als Kunden prellende Wahrsagerin verdient sie sich ihren Lebensunterhalt in einem Vergnügungspark und gerät an eine Immobilienmaklerin, die ihr von den regelmäßigen Attacken eines wütenden Poltergeistes berichtet. Der hat aber scheinbar genug von seinem letzten Opfer und beginnt schon bald damit, die ahnungslose Samantha in ihrer Wohnung zu terrorisieren …
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Kritik

 
 
 
Im Jahre 1982 brachte SIDNEY J. FURIE einen durchaus unangenehmen Dämonen-Spuk in die Lichtspielhäuser, der von einer Frau berichtete, die von einer unsichtbaren, dämonischen Präsenz terrorisiert wurde. Leider ist das auf angeblich wahre Begebenheiten beruhende Stück Terror-Kino mit dem Titel THE ENTITY heutzutage kaum einem Horrorfan mehr ein Begriff, was vermutlich daran liegen mag, dass Streifen wie THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY dem (jüngeren) Zuschauer das Nonplusultra vorgaukeln. Weitaus besser Geister- und Spukfilme gab es jedoch schon viel früher, wobei Klassiker wie DER UNHEIMLICHE GAST (1944), SCHLOSS DES SCHRECKENS (1961), BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963), DAS GRAUEN (1980) oder POLTERGEIST (1982) zu den wohl wichtigsten Werken innerhalb des Spuk-Genres gehören und zumindest jeder aufgeschlossene Filmfreund mal auf dem Bildschirm gehabt haben sollte. Regisseur JOHN BINKOWSKI erweitert die lange Reihe an Geisterstreifen um sein Low-Budget-Ding THE VISITANT, das in seiner Machart dem genannten Terror-Flick THE ENTITY nicht unähnlich ist. Auch hier wird eine Protagonistin von einem bösartigen Poltergeist attackiert, der sein Opfer versucht in den Wahnsinn zu treiben. Hinter dem Spuk steckt die Produktionsfirma FWC PICTURES, die vom Regisseur persönlich mit ins Leben gerufen wurde und bereits vor einigen Jahren mit SCARE ZONE (2009) semierfolgreich versucht hat Horrorstoff an den Fan zu bringen. Leider ist auch der zweite Genre-Streich nicht Großes, denn wie bei Indie-Produktionen üblich, herrscht auch bei THE VISITANT Ebbe in der Kasse. Die Kulisse ist mager, Effekte sind bescheiden und die Gruselatmosphäre wird auf Sparflamme geköchelt.
 
Ähnlich wie bei THE ENTITY beruht die Geschichte des Gruseltrips auf Ereignisse, die sich so ähnlich zugetragen haben sollen, wie sie der Film beschreibt. Dennoch bleibt im Falle von THE VISTANT fraglich, ob die “wahre” Grundlage nicht das Ergebnis eine doch sehr blühenden Phantasie gewesen ist, schließlich lässt sich ein Streifen mit Echtheitszertifikat auf dem Cover weitaus besser verkaufen, als manch fiktive Geschichte. So verriet Produzentin LISA ENOS SMITH in einem Interview, dass sie einige seltsame Ereignisse im Jahr 1999 sehr beunruhigt hätten. Die schreckhafte Dame musste für Recherchezwecke an Bord des ehemaligen Passagierschiffes Queen Mary reisen, von dem behauptet wird, dass es drin spuken soll. Kaum in die eigenen vier Wände zurückgekehrt wurde SMITH von einer unheimlichen Stimme verfolgt, die nicht nur dafür sorgte, dass die Milch im Tee saurer wurde, sondern jede Menge Schabernack im Haus veranstaltete. Ob nun wirklich passiert oder geschickt konstruierter PR-Schachzug sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass sich SMITHS Geschichte (hier das Interview) weitaus spannender anhört, als THE VISITANT letztendlich geworden ist. Dabei beginnt und endet eigentlich alles so, wie man es sonst aus Kurzgeschichten der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie kennt. Splatter und Cryptkeeper sucht man im Film zwar vergebens, dafür glänzt THE VISITANT wie einst die TV-Serie auch mit makabrem Ende und zwei gar nicht mal so uncharmanten Darstellerinnen, die den Zuschauer durch eine rudimentäre Handlung führen, die man gut und gerne auch in 30 Minuten hätte abhandeln können.
 
Doch wie füllt man eine Geistergeschichte, deren Inhalt sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt? Richtig, in dem man die Anleitung für Hobby-Spukmeister aus dem Internet lädt und den ohnehin dünnen Plot um die nervigsten Spukhaus-Klischees bereichert. So dürfen plötzlich zuschlagende Türen ebenso wenig fehlen, wie der Kontakt zum Toten mittels Seance. Die beste Freundin ist zwar immer per Telefon- und Skype-Konferenz zugegen, kann aber mit ihrem oftmals recht erheiterndem Mundwerk nicht verhindern, dass THE VISITANT ganz zäher Budenzauber bleibt. Während sich anfänglich nur Dinge bewegen, unheimliche Stimmen vernommen werden und sich Protagonistin Samantha durch unerklärliche Geräusche verunsichert fühlt, ändert der gemeine Poltergeist recht zügig seine Taktik und geht weitaus aggressiver zugange. Wie bereits im am Anfang genannten THE ENTITIY sind körperliche Angriffe die Folge, denen die naive Hausbewohnerin schutzlos ausgeliefert ist. Die ist wiederum alles andere als eingeschüchtert, schließlich vermutet Samantha in der bedrohlichen Präsenz den verstorbenen Ehegatten, der ein Jahr zuvor bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen ist. Auch wenn sich ein unerfreuliches Happy End nach reichlich Gepolter und falschen Wendungen nicht vermeiden lässt, wirkt die letztendliche Auslösung etwas sehr aufgesetzt und arg konstruiert. Das Finale wirkt unfertig und bricht abrupt ab, was darauf folgen lässt, dass sich Drehbuchautor und Regisseur JOHN BINKOWSKI unschlüssig war, wie seine Geschichte denn nun eigentlich abgeschlossen werden soll. Aufgrund der wenig überraschenden Inszenierung ist das aber auch nicht weiter tragisch, denn THE VISITANT ist ohnehin einer jener Filme, die das Spuk-Genre nicht gerade nachhaltig bereichern.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer Filme wie POLTERGEIST, THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY gemocht hat, dürfte sich hier gut aufgehoben fühlen. Dennoch ist THE VISTIANT alles andere, als ein sehenswerter Spukstreifen, was vor allem an der überraschungsarmen Geschichte liegt, die man gut und gerne auch in Kurzfilmform hätte erzählen können. Der Zuschauer wird mit einer Menge Spuk-Klischees gequält, die zu einem reichlich konstruiert wirkenden und ziemlich abrupt endenden Abschluss führen. Auch wenn dem Filmfreund nicht unbemerkt bleibt, dass hier nur Mikro-Budget zur Verfügung gestanden hat, ist THE VISITANT einer jener Filme, deren Umsetzung nicht zwangsläufig hätte sein müssen. Das knappe Geld wäre anderweitig wohl besser investiert gewesen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Zensur

 
 
 
THE VISITANT ist ein typischer Geisterfilm, ohne Blutzoll. Hier stirbt nur ein Hamster – das war`s. Insofern der Film hierzulande überhaupt veröffentlicht werden sollte, dürfte er locker mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost of Goodnight Lane (2014)
 
The Quiet Ones (2014)
 
House of Dust (2013)
 
Der unheimliche Gast (1944)
 
Schloss des Schreckens (1961)
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
Das Grauen (1980)
 
Poltergeist (1982)
 


Filmreview: “Ghost of Goodnight Lane” (2014)

ghost-of-goodnight-lane-2014
 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE

Story

 
 
 
Eine Filmcrew wird von einem wütenden Geisterkind bedroht, dass Spaß am Töten hat und den Crew-Mitgliedern das Fürchten lehrt …
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Kritik

 
 
 
Immer dann, wenn man sie am wenigsten erwartet, krabbeln sie ganz unvorbereitet aus ihren modrigen Verstecken hervor und geben dem Horrorfan zu verstehen, dass pitschnasse Geistergören einfach nicht aus der Filmlandschaft wegzubekommen sind. Seit die asiatischen RING-Streifen rachsüchtige Geistermädchen populär gemacht haben, winden und wuseln jene Gestalten immer mal wieder durch düstere Filmszenarien und wollen nur eins: Die Protagonisten jener Filme möglichst hinterlistig um die Ecke bringen. Scream-Queen und Horrorsternchen DANIELLE HARRIS (HALLOWEEN 4+5, HATCHET 3) konnte vermutlich mal wieder einige freie Tage im Terminkalender entbehren und gab sich zusammen mit B-Movie-Dauergast BILLY ZANE die Blöße, beim vorliegenden Video-Murks GHOST OF GOODNIGHT LANE mitzumachen. Auch wenn die HARRIS schon in so einigen kultigen Schockern mitgewirkt hat, muss das noch lange nicht bedeuten, dass ein Horrorfilm auch gut sein muss, der mit der smarten Schauspielerin auf dem Cover wirbt. Aufgrund der unüberschaubaren Masse an amerikanischen B-Movies, die momentan den Videomarkt überschwemmen, gerät nämlich auch die HARRIS immer mal wieder an Drehbücher, die man besser als Kamin-Anzündhilfe verwendet.
 
GHOST OF GOODNIGHT LANE ist ein recht passendes Beispiel dafür, dass bekannte Schauspieler nicht zwangsläufig für Qualität stehen müssen, denn was Regisseur ALIN BIJAN hier auf die Beine gestellt hat ist eher hirnloses Fast-Food-Horrorfutter für zwischendurch, das man bereits wieder vergessen hat sobald der Abspann über den Bildschirm flimmert. Wie der Titel bereits vielversprechend verrät, spukt es im Haus auf der GOODNIGHT LANE und das nicht gerade wenig. Der hartnäckige Geist eines nervigen Kindes hat es sich im Postproduktionsstudio einer kleinen Filmcrew gemütlich gemacht und ist gar nicht damit einverstanden, dass das Haus bereits einen neuen Käufer gefunden hat und abgerissen werden soll. Die alte Thelma Perkins weiß Genaueres, flüstert aber in verschlüsselten Versen und scheint kein Interesse daran zu haben einfach mal Tacheles reden zu wollen. Stattdessen lässt sie die Filmleute der Reihe nach über die Klinge springen und offenbart erst am Ende die bittere Wahrheit über die Beweggründe des Geistes. Ihre Enkelin und gleichzeitig Tochter von Charles Manson ist für den tödlichen Schabernack verantwortlich, wurde sie doch in jenem Haus von der eigenen Großmutter ermordet. Am Ende plagen Oma Gewissensbisse. Grund genug das eigene Leben für das der Überlebenden zu opfern.
 
BILLY ZANE fällt zwar positiv durch trockenen Humor auf, hat aber offensichtlich vergessen, dass er sich hier eigentlich in einem Horrorfilm befindet. Während sich seine Schauspielkollegen laut um Kopf und Kragen schreien, steht Herrn ZANE die Lustlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Auch die sonst so taffe DANIELLE HARRIS wirkt ziemlich fehl am Platz, hat doch diesmal die Hauptrolle eine andere ergattert, so dass der beliebten Darstellerin nur noch eine kurze Besessenheitsszene übrig bleibt, um sich mal richtig austoben zu können. Ansonsten gibt es reichlich Trash und handgemachten Splatter zu sehen, was in GHOST OF GOODNIGHT LANE so ziemlich unspektakulär abgehandelt wird, denn eigentlich besteht das Machwerk hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung bekannter Haunted-House-Klischees, und vorhersehbaren Jump-Scares, die wohl den Zuschauer am Einschlafen hintern sollen. Mit Ruhm hat sich für diesen austauschbaren Geister-Grusler keiner der Anwesenden bekleckert, denn nicht nur einmal dürfte sich der Zuschauer bei der Sichtung von GHOST OF GOODNIGHT LANE ertappen, wie er kurz zur Fernbedienung greifen möchte, um dem Abspann ein Stück näher kommen zu können. Knapp eine Stunde benötigt der Spukhaus-Quark bis er endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Immerhin gibt es dann abwechslungsreiche Todesarten zu sehen, die aber ohnehin bereits im Trailer gezeigt wurden.
 
GHOST OF GOODNIGHT LANE hat wie jeder zweite hastig heruntergeleierter Video-Trash das Problem, dass ihm einfach Spannung fehlt, denn wirklich gruselig oder atmosphärisch will BIJAN austauschbarer Geisterfilm irgendwie nicht werden. Der Grund hierfür ist schnell gefunden, denn nicht der billige Low-Budget-Look bereitet Probleme, sondern das vollkommen uninspirierte Drehbuch, dass mal wieder nach Schema F abgehandelt wird. Die Geschehnisse rund um GHOST OF GOODNIGHT LANE sind nicht neu und hat man mittlerweile einfach schon bedeutend besser erzählt auf der Mattscheibe gehabt. Seltsamerweise weicht Macher ALIN BIJAN kurz von der schablonenhaften Erzählung ab. In einer Szene bekommen wir besessene Puppen vor die Linse. Ein wunderbar nostalgischer Moment, der kurz die legendäre PUPPET MASTER-Reihe und den charmanten Gordon-Puppenhorror DOLLS ins Gedächtnis zurückkehren lässt. Leider dauert der magische Moment nur wenige Sekunden, danach richtet BIJAN das Augenmerk erneut auf das Langweilen des Zuschauers. Was für eine Verschwendung!
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
GHOST OF GOODNIGHT LANE ist die weitaus blutigere Antwort auf die subtile RING-Filmreihe, in der ein verärgertes Geistergör pitschnass aus TV-Apparaten krabbelt und das Fürchten lehrte. Das Geistermädchen in GHOST OF GOODNIGHT LANE hat andere Probleme. Nicht nur, dass sie mit fettigem Haupthaar zu kämpfen hat; so wirklich beängstigend wirken ihre Wutausbrüche nicht auf den Zuschauer, dem vor allem die nicht enden wollenden Müdigkeitserscheinungen Sorgen bereiten dürften, schließlich hat GHOST OF GOODNIGHT LANE mit permanenter Ideenarmut zu kämpfen. Das Problem dürfte Regisseur ALIN BIJAN bereits beim Schreiben des Drehbuchs erkannt haben, so dass er die Handlung um nette Splatter-Momente und Jump-Scares bereichert hat. Was dem Streifen dennoch fehlt ist Spannung und Atmosphäre, denn Blut und coole Sprüche allein machen aus eigentlich totgefilmten Geschichten keine guten Horrorfilme. Wer übrigens DANIELLE HARRIS mal wieder in einer vollkommen überflüssigen Rolle sehen mag, dürfte sich immerhin über ihren Auftritt in GHOST OF GOODNIGHT LANE freuen. Dennoch bleibt hier einmal mehr die Frage unbeantwortet, warum die HARRIS ihren Namen für diesen unnützen Käse hergegeben hat. Ihr Bankkonto dürfte die Antwort liefern.
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Zensur

 
 
 
Die wenigen Splatter-Momente wurden geschickt getrickst. Nägel bohren sich in Augen, eine Protagonistin schlitzt sich ein Hackenkreuz auf die Stirn und ein Gesicht wird von einem Ventilator zermatscht. Klingt zwar alles blutig und schaut lustig aus, dürfte aber für eine FSK16 reichen – ungeschnitten versteht sich.
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Fear Lives Here (2013)
 
The Unbroken (2012)
 
Aberration (2013)
 


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