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Filmkritik: “Mosquito” (1995)

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MOSQUITO

Story

 
 
 
Nachdem ein Raumschiff abstützt und in einem Sumpf landet, beginnen sich Mosquitos am Blut der Außerirdischen zu laben und verwandeln sich in riesige Monster. Als die mutierten Kreaturen damit beginnen die Bewohner eines naheliegenden Ortes zu terrorisieren , sammelt sich eine kleine Gruppe Überlebender um den Rieseninsekten den Garaus zu machen…
 
 
 


 
 
 

MOSQUITO – Kritik

 
 
 
MOSQUITO ist der Debütfilm von Low-Buget-Filmer GARY JONES, der nach dieser 200.000 Dollar B-Movie Produktion dem Genre weiterhin treu bleiben sollte. Fünf Jahre später inszenierte er den sehr unterhaltsamen Streifen SPIDER ATTACK – ACHTBEINIGE MONSTER (2000). Danach folgte mit CROCODILE II (2002) eine eher laue Fortzsetzung des von TOBE HOOPER im Jahr 2000 inszenierten Tier-Trashs unter gleichem Namen.
 
Mit MOSQUITO hat JONES wohl einen seiner besten Filme abgeliefert. Hier werden all jene Fans zufriedengestellt, die eine Vorliebe für trashige oder campige Filme hegen, welche sich selbst nur selten ernst nehmen. In MOSQUITO musste improvisiert werden, denn das Budget war knapp. Das magere Startkapital sieht man dem Film zwar deutlich an, jedoch gibt es für Freunde von handgemachten Effekten eine ganze Reihe an Schauwerten zu bestaunen. So wurden die riesigen Mosquitos beispielsweise nicht mit Computer-Effekten erzeugt (die zum damaligen Zeitpunkt auch sehr teuer gewesen sein dürften). Stattdessen kommen große Gummipuppen zum Einsatz, die ihren Zweck nicht verfehlen, auch wenn sie in einigen Szenen ein wenig unbeholfen wirken. Das ist die gesunde Portion B-Movie-Charme, die Streifen aus der Mache eines GARY JONES auszeichnen. Einige Effekt-Aufnahmen von kleinen Mosquitos, wie sie jemanden auf der Haut krabbeln und Blut saugen wurden sogar mit Hilfe der guten alten Stop-Motion Technik erzeugt. Andere Aufnahmen, in denen die großen Blutsauger einfach ins Bild geschnitten wurden funktionieren dafür weniger gut.
 
Was den Cast angeht, so gibt es für Horrorfilm-Fans in MOSQUITO ein kleines Highlight zu bestaunen. Gerne-Legende GUNNAR HANSEN übernimmt hier eine größere Rolle und konnte sich einst als Kettensägenkiller Leatherface im Original TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) ein Denkmal setzen. Für die MOSQUITO-Macher Grund genug im Film einen Gag zu platzieren, der auf genau jene Rolle in BLUTGERICHT IN TEXAS anspielt. So betritt HANSENS Figur im Film mit einer riesigen Kettensäge den Raum und spricht: „Hab ich im Keller gefunden. So ein Ding hab‘ ich schon seit mehr 20 Jahren nicht mehr in den Händen gehalten“. Bei soviel Mut zur Selbstironie bleibt bei Horrorfans wahrlich kein Auge trocken.
 
 
 


 
 
 

MOSQUITO – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
MOSQUITO ist ein durchaus unterhaltsamer Film geworden den man sich allerdings nur ansehen sollte, wenn man etwas mit Trashfilmen oder campigen B-Movies anfangen kann. Die handgemachten Effekte sind nett anzusehen und der Streifen nimmt sich selbst kein Stück ernst, was bei der Thematik auch gut so ist. Für einen Film dieser Art spielen die Schauspieler durch die Bank weg angemessen. GARY JONES kündigte nach dem Verkaufsstart von MOSQUITO eine Fortsetzung an welche 1998 erscheinen sollte. Diese kam jedoch aufgrund der schlechten Kritiken des ersten Teils nie zustande. Vielleicht hätte JONES heutzutage mit seinem Vorhaben mehr Glück gehabt, wenn man bedenkt was Produktionsschmieden wie THE ASYLUM mittlerweile an Schund auf den Zuschauer loslassen. Im Gegensatz dazu kann man MOSQUITO fast schon als oscarreifes Kino betiteln.
 
 
 


 
 
 

MOSQUITO – Zensur

 
 
 
MOSQUITO erschien damals in Deutschland sowohl gekürzt (von New Vision) als auch ungekürzt (von Screen Power) auf VHS. Paragon Movies haben den Film hierzulande am 11. Juli 2014 in seiner unzensierten Fassung mit einer 18er-Freigabe auf DVD veröffentlicht. Den Film veröffentlichten bereits Labels wie Laser Paradise in der DVD-Red-Edition-Reihe uncut.
 
 
 


 
 
 

MOSQUITO – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Paragon Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mosquito; USA 1995

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1.33:1

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, das dem Cover der alten RED EDITION ähnelt

Extras: Originaltrailer

Release-Termin: 11.07.2014

 
 
 

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MOSQUITO – Trailer

 
 

 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Shark Attack 2 (2000)

Rottweiler – Zum Killen dressiert (1982)

 
Big ass Spider (2013)
 
King Cobra (1999)
 
Blood Lake (2014)
 
Arac Attack – Angriff der achtbeinigen Monster (2002)
 
Spiders (2000)
 
Spiders 2 (2001)
 
Camel Spiders – Angriff der Monsterspinnen (2011)
 
Arachnophobia (1990)
 


Filmkritik: “Game of Assassins” (2013)

Game-of-assassins-2013
 
 
 

GAME OF ASSASSINS

(THE GAUNTLET)

Story

 
 
 
Fünf unwissende Menschen finden sich in einer Art unterirdischem Labyrinth wieder und sind nicht bereit irgendwelche Spiele zu spielen. Doch der Weg nach draußen ist verschlossen, so dass den unfreiwilligen Teilnehmern keine andere Wahl bleibt, als sich durch eine fallenbespickte Arena vorzuarbeiten. Schnell entdeckt man Gemeinsamkeiten, denn ein jeder der hier Anwesenden soll für begangene Sünden bezahlen. So werden aus Freunden schnell Feinde, schließlich kennt das Spiel wie im richtigen Leben nur einen Sieger…
 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Kritik

 
 
 
Lasst die Schlachtspiele beginnen – so zumindest verspricht es der Trailer, in dem sich scheinbar ahnungslose Protagonisten gegenseitig zerfleischen müssen, um überleben zu können! Das Grundgerüst der Geschichte ist nicht neu, denn MATT ESKANDARI ließ sich für seinen GAME OF ASSASSINS offensichtlich von Überlebensfilmen wie BATTLE ROYALE, DIE TODESKANDIDATEN und der TRIBUTE VON PANEM-Reihe inspirieren und mixt sogar etwas dezentes SAW dazu. Im Unterschied zu den genannten Actionern leidet GAME OF ASSASSINS jedoch unter seinem überschaubaren Budget, was der Freude am Mitfiebern schnell einen Dämpfer verpasst. Die mittelalterlich anmutende Kulisse schaut unverkennbar nach Pappmaschee aus und der Nervenkitzel will auch ausbleiben, weil ESKANDARI vermutlich aus Budgetgründen auf fiese Todesarten und gemeine Fallen verzichten musste. Stattdessen werden die Protagonisten in einer Art Schnitzeljagd von einem Schauplatz zum nächsten getrieben, wo sie mit Rätseln konfrontiert werden, deren Lösung meist den Tod eines Anwesenden zur Folge hat. Der wird entweder durch eine Falle ausgelöst oder durch die Hand eines Charakters, der sich nicht selten entscheiden muss wen er opfert, um dem Weg in die Freiheit ein Stück näher kommen zu können. Klingt vielversprechend – ist aber öde.
 
Ursprünglich als THE GAUNTLET betitelt, handelt es sich bei GAME OF ASSASSINS um ein Sammelsurium an Oberflächlichkeiten, Horror-Klischees, Stereotypen und faden Ideen, die hier auf knapp 75 Minuten verteilt werden, damit der Film auf seinen Spielzeit kommt. Dabei fehlt dem Film vor allem das, was ihn wahrscheinlich beim Horrorfan interessant gemacht hätte: Gewalt. Auf die wird nämlich hier weitestgehend verzichtet, obwohl die Überlebensthematik des Streifens wohl dafür prädestiniert gewesen wäre, möglichst viel selbstzweckhaftes Gemeuchel vor der Linse zu zeigen in dem sich die Protagonisten gegenseitig auf die Zwölfe hauen. Stattdessen menschlicht Regisseur MATT ESKANDARI etwas arg gekünstelt mit seinen Helden und schafft sogar das Kunststück, dass der Zuschauer keinerlei Sympathien für die Protagonisten entwickeln kann. Der Grund hierfür dürfte vermutlich in der oberflächlichen Charakterisierung der Teilnehmer liegen. Deren Schicksale werden im Eiltempo mittels eingestreuter Rückblenden überflogen, damit der Film rasch zum Punkt kommen kann. Der Zuschauer erfährt, dass jeder der Mitspieler so seine Leichen im Keller versteckt hält und daher nicht grundlos von einem bis dato noch unbekannten Initiator in einer Kampfarena eingesperrt wurde. So hat Teenager Tyler (NICK LANE) seinen Mitschüler erschossen, weil er dessen Mobbing-Attacken nicht mehr ertragen konnte; Fitness-Trainerin Lee Kim (BAI LING) hat dagegen kurzen und tödlichen Prozess mit einem aufdringlichen Spanner veranstaltet. Der Rest der kleinen Gruppe verbirgt ähnliche Geheimnisse und wird als Konsequenz für das skrupellose Vorgehen im Film mit dem Tod bestraft. Auch wenn Drehbuchautor ADAM LAWSON (der übrigens als Regieassistent an Filmen wie HATCHET 2 oder SNAKES ON A PLAN beteiligt war) jeder seiner Figuren eine kurze Hintergrundgeschichte einräumt, ist es dem Zuschauer mangels Identifikationsmöglichkeiten am Ende gleichgültig, ob und wie die eingesperrten Protagonisten das Zeitliche segnen.
 
GAME OF ASSASSINS ist überraschungsarmes Videofutter das viel Potenzial vergeudet und etwas unfertig wirkt. Die dünne Handlung spielt sich nach dem “Du-bist-der-Nächste”-Prinzip ab und besitzt einen nahezu kaum vorhandenen Spannungsbogen. Zudem schafft es ESKANDARI in den schmalen Gängen und Kammern der Katakomben nur selten eine beklemmende und klaustrophobische Stimmung zu bewirken. Drum sollte sich ein jeder, der eine Leidenschaft für diese Art von Filmen hegt, seine kostbare Lebenszeit in bessere Vertreter jener Gattung investieren. So können wir neben den oben bereit genannten auch die thematisch ähnlichen Streifen THE TOURNAMENT (2009) und THE HUMAN RACE (2013) empfehlen. Dem Letzteren dürfte in etwa das gleiche Budget zur Verfügung gestanden haben. Im Gegensatz zu GAME OF ASSASSINS glänzt der dafür aber mit bitterböser Gewalt, kritischer Botschaft und einfallsreicher Machart.

 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Für gerade noch fünf Punkte hat es gereicht und auch nur deswegen, weil MATT ESKANDARI sein schwach inszeniertes Überlebenstraining kurz hält und nach 75 überraschungsarmen Minuten abrupt enden lässt. Man sollte hier seine Erwartungen dämpfen, denn wer bei dem nett zusammengeschnippelten Trailer einen Film in der Machart eines BATTLE ROYALE erwartet, dürfte schnell enttäuscht werden. GAME OF ASSASSINS fehlt der gewisse Biss und natürlich der für das Genre wichtige Gewaltpegel, um ihn bei Fans überhaupt interessant machen zu können. Zudem versucht ESKANDARI seine kämpfenden Protagonisten sympathisch erscheinen zu lassen, bewirkt aber genau das Gegenteil. In GAME OF ASSASSINS pfeift es aus allen Löchern, denn hier hat man auf ein nötiges Feintuning am Drehbuch verzichtet und Filmstoff auf Zelluloid gebannt, der mit Budget, Logik- und Plotlücken zu kämpfen hat. Demnach ist THE GAUNTLET (so wie der Film anfänglich heißen sollte) nur all denen zu empfehlen, die jede Horror-Veröffentlichungen sehen müssen und sei sie auch noch so schlecht.
 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Zensur

 
 
 
Anders als erhofft ist GAME OF ASSASSINS keine Gewaltorgie, die man bei einer derartigen Geschichte vermutlich erwartet hätte. Zwar wurden einige Fallen in den unterirdischen Katakomben verstreut, wirklich viel Lied wird aber nicht gezeigt, wenn ahnungslose Protagonisten hineintreten. Einem Charakter wird das Bein aufgespießt; ein anderes Opfer von Ketten zerquetscht. Zudem kommen vermehrt Macheten und Messer zum Einsatz, die sich durch die Leiber der Überlebenden bohren – nichts Spektakuläres und eher KJ-tauglich. Demzufolge dürfte GAME OF ASSASSINS in Deutschland mit rotem Flatschen und ungeschnitten in die Händlerregal kommen.
 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil’s Dozen (2013)

Unter Freunden – Komm, lass uns spielen (2012)

Would You Rather (2012)

Pain (2011)

The Human Race (2013)

Die Todeskandidaten (2007)

The Tournament (2009)

Panic Button (2010)

Battle Royale (2000)

Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012)


Filmkritik: “Dead Within” (2014)

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DEAD WITHIN

Story

 
 
 
Inmitten einer post-apokalyptischen Welt haben sich Kim und Mike in einer kleinen Hütte verschanzt und versuchen nun zu überleben. Doch leider gehen sechs lange Monate des Versteckens aus Schutz vor virusinfizierten Kreaturen nicht spurlos an Kim vorüber. Die leidet unter der momentanen Situation und verliert allmählich den Bezug zur Realität …
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Kritik

 
 
 
Ein Zombiefilm ohne blutgeile Zombies – das geht? Mit DEAD WITHIN zumindest dürfte sich Regisseur BEN WAGNER unter den Fans solcher Filme keine Freunde machen, was angesichts der etwas anderen Herangehensweise an die totgefilmte Zombie-Thematik etwas bedauerlich ist, hat er doch mit seinem Horror-Drama einen gar nicht mal so üblen Vertreter jener Gattung Streifen gemacht. In diesem Film hat das wahllose Erschießen Infizierter und die fürs Genre typischen Fressattacken Selbiger Sendepause. Stattdessen rückt der Macher zwei Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte, die sich in einer Hütte vor infizierten Menschen und diesmal auch Tieren in Sicherheit gebracht haben und allmählich den Verstand verlieren, weil ein gefahrloses Leben in Freiheit ohne Weiteres nicht möglich scheint. Interessanterweise geht es WAGNER anders an als sonst. Diesmal passiert alles auf kleinstem Raum. Sein klaustrophobische Kammerspiel spielt sich in nur zwei Zimmern ab und rückt ausschließlich die Differenzen zwischen den beiden Protagonisten innerhalb der eigenen vier Wände in den Fokus. Was sich letztendlich auf der anderen Seite der Haustür abspielt wird nie gezeigt. Ein intelligenter Schachzug, wird die Bedrohung hinter der Tür ausschließlich in Form von Geräuschen beschrieben, so dass der Schrecken im Kopf des Zuschauers entstehen kann. Mal ist es der infizierte Hund des Paares, der vor dem Haus knurrend seine Kreise zieht. Ein anderes Mal ist es das Lechzen wilder Zombies, die hungrig an der Tür kratzen und dem Paar nichts Gutes wollen. Der Minimalismus zahlt sich aus, denn WAGNER schafft es mit Leichtigkeit dem Zombiefilm neue Impulse zu verleihen, weil er sich schlicht und einfach den Konventionen jenes Sub-Genres widersetzt.
 
Über sechs Monate fristen Mike (DEAN CHEKVALA) und Kim (AMY CALE PETERSON) in einer provisorischen Behausung ihr Dasein, denn vor der Tür hat sich Tragisches ereignet. Ein globaler Virusausbruch hat dazu geführt, dass sich Menschen und Tiere zu wilden Bestien verwandelt haben, die den Nichtinfizierten nach dem Leben trachten. Während Kim die Hausarbeit übernimmt und versucht, den plötzlichen Tod ihres infizierten Babys zu verarbeiten, erkundet Mike tagtäglich die Umgebung nach Essbarem. Doch die Situation zerrt an den Nerven, was sich vor allem bei Kim bemerkbar macht für die das sichere Heim allmählich zum Gefängnis wird. Bald schon hört sie seltsame Funksprüche und hat grausige Visionen, die die Grenzen zwischen Einbildung und Realität verwischen lassen. Als dann auch noch die Wasserversorgung erlischt, scheint sie den Verstand zu verlieren.
 
Es ist schön, wenn Filmemacher an neuen Ideen tüfteln, damit der Zuschauer auch einmal etwas anderes zu sehen bekommt, als immer nur die gleichen Filmstoffe. DEAD WITHIN ist trotz irreführendem Filmplakat und einem etwas unglücklich gewähltem Filmnamen mit dem kaufwirksamen “Dead” im Titel ein erschütterndes Zeugnis dafür, welch psychischen Verfall Menschen durchleben, wenn Sie in Extremsituationen ihrer Freiheit beraubt werden. Mit nahezu durchdachter Präzision beleuchtet WAGNER hier die Etappen des Wahnsinns seiner Filmheldin Kim, die in ihrer Paranoia schon bald am Vertrauen des Partners zweifelt, weil der das Haus verlassen darf – sie jedoch nicht. Der erlegt auf seinen Streifzügen durch die Stadt nicht nur Horden von Zombies, sondern bringt der Frau auch Unterwäsche von seinen Reisen mit nach Hause, damit das Liebesleben wieder aufgefrischt werden kann. Dass Kim jedoch andere Sorgen plagen, als sich mit dem Gatten im Bett zu vergnügen, dürfte mehr als verständlich sein. Die fühlt sich bald eingeengt und missverstanden, weil der Geliebte partout nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen will. In ihrer kleinen Welt und inmitten des ewig gleichen, geregelten Tagesablaufs flüchtet sie sich in Tagträume, die jedoch bald schon einen ungemütlicheren Ton einschlagen.
 
DEAD WITHIN benötigt etwas um in die Gänge zu kommen, wobei WAGNER bewusst auf eine eher langsame Erzählmethode zurückgreift, damit der psychische Zerfall seiner Protagonistin umso schmerzlicher protokolliert werden kann. Dabei verwendet der Regisseur verschiedene Stilmittel, um die seelische Wandlung seiner Heldin besser zum Ausdruck bringen zu können. Mit fortlaufendem Abstieg verändert sich auch die Bildsprache, die in düstere und ungeschönten Farben getaucht wird. Zudem gelingt es WAGNER immer wieder neue Kameraeinstellungen zu finden, um das bedrückende und beschränkte Setting nie langweilig aussehen zu lassen. Die Quintessenz des Streifens sind jedoch die hervorragenden Darsteller, die DEAD WITHIN um eine glaubhafte Charakterisierung bereichern – etwas, was im vor Klischees und Stereotypen strotzenden Horrorfilm mittlerweile ziemlich selten geworden ist. AMY CALE PETERSON verkörpert die Verstand verlierende Kim mit beeindruckender Glaubwürdigkeit und schafft es selbst ihren männlichen Schauspielkollegen im direkten Vergleich blass erscheinen zu lassen. Auch wenn das weniger erfreuliche Happy End wie ein Faustschlag ins Gesicht wirkt und Fans blutiger Zombie-Massaker mit diesem eher anspruchsvoll inszenierten Ausnahme-Horrorfilm nur wenig anfangen dürften, ist DEAD WITHIN eine positive Randerscheinung im stumpfsinnigen und meist wenig originellen Untoten-Genre.

 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der etwas andere Zombiefilm, der eigentlich gar kein Zombiefilm sein will. Regisseur BEN WAGNER geht die Untoten-Problematik anders an und verzichtet auf die üblichen Splatter- und Gewalteskapaden, die man ja sonst in dieser Art von Filmen zu sehen bekommt. Er reduziert seinen Film auf zwei Figuren, die anfänglich einander nahe stehen und sich im Verlauf des Filmes emotional voneinander distanzieren. Statt hohler Zombie-Action hat WAGNER ein minimalistisches und psychologisch feinfühliges Horror-Kammerspiel gemacht, das den Konventionen gängiger Zombie-Streifen trotzt und die bekannte Zombie-Thematik aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Demnach rückt DEAD WITHIN nicht den Überlebenskampf seiner Protagonisten gegen Horden Infizierter in den Mittelpunkt, sondern beleuchtet das Seelenheil seiner Helden während eines post-apokalyptischen Weltuntergangsszenarios. Wer Anspruch in Horrorfilmen voraussetzt und Horror nicht ausschließlich mit Gewalt in Verbindung setzt, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Gorebauern werden jedoch mit DEAD WITHIN rein gar nicht warm werden – versprochen!
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Zensur

 
 
 
Einiges an Gewalt gibt es natürlich auch in DEAD WITHIN (der eigentlich mal WHAT REMAINS heißen sollte) zu sehen. So rammt sich die Heldin eine Stricknadel in die Hand und klemmt ihrem Gatten mit einer Zange ein paar Finger ab. Zudem wird eine Machete durch einen Körper gejagt. In Deutschland dürfte es der Streifen dennoch bedenkenlos mit einer 16er-Freigabe durch die FSK schaffen.
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Chrysalis (2014)
 
Attack of the Undead (2010)
 
The Last Days (2013)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 


Filmkritik: “The Midnight Game” (2013)

The-Midnight-Game-2013
 
 
 

THE MIDNIGHT GAME

Story

 
 
 
Fünf Kids probieren das MIDNIGHT GAME aus – ein angeblich heidnisches Ritual, dessen Anleitung Shane (Guy Wilson) im Internet gefunden hat. Bald schon kommt der Midnight-Man zu Besuch und hält den übermütigen Teenagern die eigenen Ängste vor Augen. Mit ungeahnten Folgen …
 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT GAME – Kritik

 
 
 
Seit jeher übt das Ouija-Brett in Horrorfilmen eine nahezu unbeschreibliche Faszination aus. Doch leider wissen dessen Benutzer nur selten über die korrekte Nutzung bescheid, weil die Anleitung zur Kontaktaufnahme mit dem Jenseits meist nicht gründlich studiert wird. Die Katastrophe ist demnach schon vorprogrammiert, was dem Horror-Fan geradezu recht scheint, sucht der doch in solchen Filmen den obligatorischen Gänsehaut-Kick. Während das Hexenbrett im Genre meist unachtsamerweise als okkultes Spielzeug auf Partys Verwendung findet, erfreuen sich allerhand andere unheimliche Spiele und Rituale im Genre großer Beliebtheit. Die Beschwörung der “Bloody Mary” dürfte wohl hier immer noch zu den bekannteren Zeitvertreiben gehören, mit der sich nun schon einige Filmemacher beschäftigt haben und die schon unzähligen Filmhelden das Leben gekostet hat.
 
Regisseur und Drehbuchautor A.D. CALVO erweitert die Reihe an okkulten Spielereien um das sogenannte “Mitternachtsspiel”, das angeblich auf ein heidnisches Ritual zurückzuführen ist, bei dem Gesetzlose und Ungläubige bestraft werden sollten. Ob es einen derartigen Ritus wirklich gegeben hat, lässt sich an dieser Stelle nicht klären. Wir gehen davon aus, dass eine derart haarsträubende Legende wohl in den Weiten des Internets geboren wurde. Fakt jedoch ist, dass CALVO mit seinem THE MIDNIGHT GAME einen durchaus annehmbaren Vertreter der Gattung Dämonen-Horror gemacht hat, dessen Heimkino-Fassung man sich an einem trüben Herbstabend gern einmal in den Player legen kann, um sich angenehm gruseln zu lassen.
 
Fünf Freunde werden in THE MIDNIGHT GAME zur Jagdbeute des dämonischen Midnight-Mans, der aus jugendlicher Neugierde heraufbeschworen wird, weil Schul-Quarterback Shane (GUY WILSON) im Internet darüber gelesen hat. Als die Eltern unterwegs sind lädt Kaitlan (RENEE OLSTEAD) die besten Freunde zu sich nach Hause ein, um bei Bier und flotten Sprüchen etwas Abstand vom stressigen High-School-Alltag gewinnen zu können. Es dauert nicht lang und Begeisterung kommt auf, als Shane vom MIDNIGHT GAME spricht und es vorschlägt zu spielen. Es werden Kerzen aufgestellt, das Licht gedimmt und die Spielregeln erklärt. Ein jeder erhält die Aufgabe sich zu seinen Ängsten zu bekennen und den Schein seiner Kerze im Auge zu behalten. Erlischt diese, muss sie binnen von zehn Sekunden erneut entzündet werden. Gelingt dies nicht, bietet ein Kreis aus Salz Schutz vor der Heimsuchung des Midnight-Mans, die erst dann ein Ende findet, wenn die Uhr 3.33 geschlagen hat. Selbstverständlich kommt wieder alles anders, als es die Freunde erwartet haben. Die Unachtsamkeit der Kids hat zu Folge, dass die paranormale Beschwörungssause aus dem Ruder läuft. Erst ist es Jenna (VALENTINA DE ANGELIS), die sich plötzlich seltsam verhält. Später verschwindet Jeff (SPENCER DANIELS) unter mysteriösen Umständen, was die Gruppe stutzig werden lässt. Als Rose (SHELBY YOUNG) auch noch seltsame Todesvisionen erhält und ein groteskes Ding durch die Flure huschen sieht, sind sich alle einig: Die Legende vom Midnight-Man ist bittere Realität und der Dämon will die Rufenden mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontieren.
 
Mit seinem unsäglich miserablen Besessenheits-Gähner HOUSE OF DUST (2013) hat sich Macher A.D. CALVO keinen Gefallen getan. Statt zu Gruseln hat er dem Zuschauer mit seiner spannungsarmen Inszenierung das Einschlafen erleichtert. Umso erfreulicher, dass er aus den Fehlern gelernt hat und in THE MIDNIGHT GAME mehr Sorgfalt hat walten lassen. Das Grauen wird hier klassisch heraufbeschworen, was trotz der offensichtlichen Vorhersehbarkeit relativ gut gelingt, zumal die Geschehnisse in THE MIDNIGHT GAME von permanentem Gegrummel untermalt werden, so dass durchaus angenehme Gruselstimmung bewirkt werden kann. Erst ist es leises Poltern, das die Kids verunsichern lässt. Bald schon bewegen sich Möbel wie von Geisterhand und gespenstische Schatten huschen durch die Gänge. Eigentlich beliebiges Geisterkino, wäre da nicht ein halb-Mensch-halb-Widder-artiges Teufelswesen, das den Teenagern das Fürchten lehrt und zweifeln lässt, dass der Midnight-Man nur Aberglaube ist. Schauderhafte Todesvisionen lassen einen Hauch FINAL DESTINATION aufkommen und veränderte Verhaltensmuster lassen auf Besessenheit schließen. In THE MIDNIGHT GAME ist wahrlich viel los, denn A.D. CALVO streut die gängigen Mixturen diverser Sub-Genres in die überschaubare Handlung, ohne den Überblick zu verlieren. Die vielfältige Kombination funktioniert tadellos, denn THE MIDNIGHT GAME hat zwei Pluspunkte: Ein straffes Drehbuch und Atmosphäre. Letztere bewirkt ein permanentes Gefühl des Unbehagens, das vor allem durch gute Kameraarbeit bewirkt werden kann, die in Kombination mit einem subtilen Score schnell ein beklemmendes Gefühl der Angst heraufbeschwört. Dabei wird das Geschehen durch verschiedene Kamerawinkel dokumentiert, das im Falle von THE MIDNIGHT GAME recht schnell an Fahrt gewinnt, obwohl die Kamera seinen Helden mit eher behäbigen Tempo folgt. Letztendlich hinterlässt CALVOS Streifen gerade aufgrund der eher zurückhaltend eingesetzten Schreckmomente und dem Verzicht auf Gore und Spezialeffekte einen durchweg positiven Gesamteindruck. Der Film ist zwar mit kurzen 75 Minuten knapp bemessen; in Anbetracht der stimmungsvollen und atmosphärischen Machart ist er ähnlich gestrickten Low-Budget-Horrorfilme einen großen Schritt voraus.
 
Am Ende ist man doch überraschter als erwartet. Nicht nur, dass der Film durch einen geschickt platzierten Twist eine ungeahnte Wendung erlebt; der anfänglich austauschbare Teenager-Spuk entwickelt sich recht flott zu unterhaltsamen Gruselfutter, das trübe Herbsttage angenehm schaurig versüßt.
 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT GAME – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Stimmungsvoller Mystery-Thriller, der mehr Wert auf Atmosphäre legt, als seine Protagonisten möglichst derb und schaufreudig über die Klinge springen zu lassen. Regisseur A.D. CALVO ist mehr daran interessiert, ein beklemmendes Gefühl der Angst heraufzubeschwören, als möglichst viel grafische Gewalt auf der Mattscheibe zu zeigen. Nach dem miserablen HOUSE OF DUST ist ihm das zu allem Erstaunen auch noch recht gut gelungen, denn der Filmemacher beherrscht plötzlich die Fähigkeit Atmosphäre zu schaffen – etwas, was man in seinen bisherigen Werken leider schmerzlich vermisst hat. THE MIDGNIGHT GAME ist ein kleiner, kurzweiliger Gruselfilm, der aus Versatzstücken diverser Sub-Genres besteht und daraus etwas eigenes macht. Dreister Ideenklau wird zwar von Horror-Fans meist mit Ignoranz bestraft; im Falle von THE MIDNIGHT GAME darf man dennoch gern einen Blick riskieren.
 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT GAME – Zensur

 
 
 
In Amerika wurde THE MIDNIGHT GAME mit einem “Rated R” abgestraft. Ganz so hart dürfte es den Streifen hierzulande jedoch nicht treffen, denn wirklich brutal ist das Schauermärchen nicht. Es wird eine ziemlich unangenehme Szene gezeigt, in der eine der Protagonistinnen mit einem Auto überrollt wird. Des Weiteren bekommen wir einen abgetrennten Kopf zu sehen und eine Heldin, die sich mit einem Seil im Gästezimmer erhängt. Das reicht für eine ungeschnittene FSK 16!
 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT GAME – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I am ZoZo (2012)

The Ouija Experiment (2011)

Bloody Mary (2006)

Candyman’s Fluch (1992)


Filmkritik: “Wrong Cops” (2013)

wrong-cops-2013
 
 
 

WRONG COPS

Story

 
 
 
Officer Duke (Mark Burnham) hat keinen besonders guten Tag. Seine nebenberuflichen Geschäfte laufen schleppend, er trifft auf einen Teenager mit einem ganz grausamen Musikgeschmack und zu allem Überfluss platziert er eine der Kugeln seiner Dienstwaffe versehentlich in einem Nachbarn. Die überschüssige Leiche muss natürlich diskret beseitigt werden, also fordert Duke die Hilfe seiner Kollegen, darunter Officer Rough (Eric Judor) und Officer Sunshine (Steve Little) ein. Die wirklichen Probleme beginnen erst, als sich die vermeintliche Leiche als halbwegs lebendig herausstellt …
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Kritik

 
 
 
Ein Junge radelt über eine Straße und hält vor einem Polizisten an, der auf ihn wartet. Der Junge entschuldigt seine Verspätung dadurch, dass er noch Kampfsportunterricht hatte und nicht früher da sein konnte. Die Entschuldigung des Jungen ist dem Cop scheißegal, um das feinzüngige Drehbuch zu zitieren. Er greift in eine Tüte, holt eine tote Ratte heraus, die am Bauch mehrmals mit Klebeband umwickelt wurde, und drückt sie dem Jungen in die Hand. Natürlich befindet sich in der Ratte ein Bündel feinstes Gras. In der ersten Szene von WRONG COPS ist die Tatsache, dass ein Beamter und ein Minderjähriger eine dubiose Transaktion über die Bühne bringen, noch das Normalste. Willkommen im Kopf von Quentin Dupieux.
 
Wer bereits einen Film des französischen Kino-Terroristen überstanden hat, dürfte eine ungefähre Vorstellung haben, was ihn in WRONG COPS erwartet. Seine Filme sind genau so schräg und wirr wie die Musik, die er seit einigen Jahren unter dem Alias „Mr. Oizo“ veröffentlicht. Die ersten größeren Wellen in der Filmwelt schlug er mit RUBBER, der selbstverständlich um einen Reifen geht, der ein Bewusstsein entwickelt und auf eine mörderische Hetzjagd geht. In seinem darauf folgenden Stück stellte Dupieux zumindest einen Menschen in den Mittelpunkt und zeigte in WRONG die haarsträubende und rätselhafte Suche eines Mannes nach seinem entlaufenen Hund.
Alle, die mit dem Stil von Dupieux noch nicht vertraut sind, kann man nur schwer auf das vorbereiten, was auf sie zukommt. Ein schmutziger, ausgewaschener und absichtlich schlechter optischer Stil, Bilder die offensichtlich von sturzbetrunken Kameramännern eingefangen wurden, ein mit Zufallsgenerator erzeugter Schnitt und natürlich ein Drehbuch, das dem Ganzen die Krone aufsetzt. Trotzdem ergibt sich aus diesen chaotischen Zutaten ein stimmiger Film, der von einer dichten akustischen Decke aus Mr. Oizos Meisterwerken zugedeckt wird. Die fast immer präsente, pulsierende und eingängige Musik passt unglaublich gut zu Dupieux’ exzentrischem Stil. Und wenn man die Liste der Songs durchgeht und dabei auf Titel wie „Polocaust“, „Camel Fuck“, „Cut Dick“ oder Peehurts“ stößt, weiß man sowieso, wo der Hammer hängt.
 
Der größte Vorzug von WRONG COPS im Vergleich zu seinen Vorgängern ist seine Zugänglichkeit. Während das Gehirn sich bei RUBBER oder WRONG im ständigen Krampf befindet und nicht entscheiden kann, ob es in dem Dschungel aus Worten und Bildern nach einer Bedeutung suchen oder sich der Flut aus Absurdität ergeben soll, macht Dupieux es in WRONG COPS etwas einfacher. Sein neuer Film ist vor allem eins, urkomisch. Die Geschichten der verschiedenen Cops, zwischen denen Dupieux mit einer rastlosen Willkürlichkeit hin- und her springt, machen ihn um einiges dynamischer und unterhaltsamer als beispielsweise WRONG. Unterstrichen wird dies erwartungsgemäß von einem tiefschwarzen und skurrilen Humor.
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Natürlich ist WRONG COPS nichts für Jedermann. Quentin Dupieux sträubt sich erneut konsequent gegen alles Herkömmliche und dreht seinen Film genau so wie er es in seinem offensichtlich ungesunden Kopf für richtig hält. Das Ergebnis ist ein Werk, das sich genau wie seine Vorgänger fast an der Grenze zum Experimentalfilm befindet und bei vielen Zuschauern auf blankes Entsetzen und vehemente Ablehnung stoßen dürfte. Für alle, die der etwas „mutigeren“ Unterhaltung nicht abgeneigt sind, alle Geisteskranken und natürlich alle, die mit Mr. Oizos Wahnsinn etwas anfangen können, ist WRONG COPS ein unbedingt empfehlenswerter Film. Extrem schräg, extrem witzig, extrem Dupieux.
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Zensur

 
 
 
Der Film hat zwar den gelegentlichen (und vor allem überraschenden) Exzess, aber der komplett außerirdische und lustige Stil des Films entschärft seine blutigeren Szenen deutlich. WRONG COPS sollte locker mit einer FSK16 durchgewunken werden.
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Trailer

 
 

 
 

Timo Löhndorf

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Ähnche Filme:
 
Rubber (2010)
 
Napoleon Dynamite (2004)
 
Wrong (2012)


Filmkritik: “Honeymoon” (2014)

honeymoon-2014
 
 
 

HONEYMOON

Story

 
 
 
Von der Stadt hinaus aufs Land: Das junge New Yorker Paar Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) verbringen die Flitterwochen in einer kleinen Hütte draußen am See. Doch die romantische Zweisamkeit schlägt in pures Grauen um, als Bea eines Nachts verschwindet und sich danach wie ausgewechselt verhält …
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Kritik

 
 
 
Wenn ein frisch vermähltes Paar fernab der Zivilisation die Flitterwochen verbringt, kann es im Horrorfilm schon einmal vorkommen, dass deformierte und geistig zurückgebliebene Hinterwäldler überraschend zum Kaffee erscheinen und sich ungefragt an der nichtsahnenden Ehegattin vergehen. In HONEYMOON laufen die Dinge diesmal jedoch anders. Ungewöhnlicherweise hat diesmal eine Frau auf dem Regiestuhl Platz genommen, was ja im Genre schon zu einer Seltenheit gehört, werden Horrorfilme doch meist eher von Männern inszeniert. LEIGH JANIAK traut sich was. Nicht nur, dass sie neben der Regie auch gleich für das Schreiben des Drehbuchs verantwortlich zeichnet; die Filmemacherin pfeift zudem auf gängiges Backwood, Slasher- und Terror-Geschrei, das in den letzten Jahren ziemlich oft Handel und Videotheken unsicher gemacht hat. Nach Arbeiten am Hollywood-Kitsch SPIEGLEIN, SPIEGLEIN (2012) mit der Roberts in der Hauptrolle sowie am Found-Footage-Ausflug EUROPA REPORT (2013) wollte sie wohl endlich mal etwas eigenes auf die Beine stellen. Mit HONEYMOON gibt JANIAK ihr Regiedebüt, das für ein Erstlingswerk auch noch beeindruckend souverän umgesetzt wurde, denn die Regisseurin schafft es mit ihrem ersten Langfilm ohne Weiteres, dem Zuschauer das Eheversprechen zu vermiesen.
 
HONEYMOON handelt von Bea (ROSE LESLIE) und Paul (HARRY TREADAWAY), die hier von zwei jungen und für Indie-Verhältnisse bemerkenswert talentierten Schauspielern verkörpert werden, deren Rollen nicht besser hätten besetzt werden können. Das Paar hat frisch geheiratet und will nun in einer Hütte im Wald die verdienten Flitterwochen verbringen. Bea hat hier im Ferienhaus der Eltern als Kind ziemlich viel Zeit verbracht und fühlt sich inmitten von Wäldern und Seen gleich wieder an die Kindheit zurückerinnert. Doch die trügerische Idylle führt bald zu einer Katastrophe. Als Bea eines Nachts unter mysteriösen Umständen verschwindet und vom Ehegatten Paul im Wald aufgelesen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf. Erst sind es lapidare Erinnerungen, mit denen die Ehegattin nichts mehr anzufangen weiß. Später muss sie sich Namen und Geburtsdaten in hier Notizbuch kritzeln, damit sie sie nicht wieder vergießt. Als ihr dann auch noch die Lust am Beischlaf vergeht und sich seltsame Bisswunden am Oberschenken abzeichnen, will Paul nur noch eins: weg aus der Einöde und zurück in die Stadt. Leider sind die Autoschlüssel verschwunden und Bea scheint irgendwas vor ihrem Partner verheimlichen zu wollen, was das Vertrauen der frischgebackenen Eheleute auf eine harte Probe stellt und vor allem Paul an die Grenze zum Wahnsinn treibt.
 
Erstaunlich blutleer geht’s in HONEYMOON zu, denn JANIAK hat was zu erzählen, was in Zeiten trivialen Fast-Food-Horrors besonders hervorzuheben gilt. Statt Mord- und Totschlag hat die Regisseurin an einer eigenen Geschichte gefeilt, die nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und den Zuschauer lang im Dunkeln tappen lässt. Dabei lässt sich die Filmemacherin viel Zeit für die Entwicklung ihrer Helden, deren Beziehung aufgrund der rätselhaften Umstände zu zerbrechen droht. Die warm vertraute Liebelei zwischen den beiden Protagonisten schlägt nämlich bald in befremdliches Grauen um, denn Paul erkennt, dass seine eigentlich ihm vertraute Gattin wie ausgetauscht handelt und nicht mehr die selbe scheint, die er eigentlich geheiratet hat. Beth wirkt abweisend, ja fast schon verstört und ihre subtile Wandlung lässt anfangs viele Vermutungen offen, was wohl passiert sein könnte. Lang bleibt ungewiss, wohin HONEYMOON den Zuschauer führen wird, denn die Ursachen der Umstände lassen sich so schnell nicht erahnen. JANIAK zögert die Auflösung des Spuks bewusst weit hinaus, was dem Spannungsbogen des Films durchaus förderlich ist. Dabei gelingt es der Regieanfängerin eine unangenehm-bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die sie mit viel Geschick um ihre mysteriöse Geschichte webt. Schnell schlägt zuckersüßes Liebesgeschwätz in subtilen Hütten-Horror um, an dem selbst Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE, RABID) seinen Freude haben dürfte, schließlich wird das intensiv gespielte Kammerspiel im Finale um unangenehme Spezialeffekte ergänzt. Die sind zwar durchweg eklig anzuschauen, werden aber bewusst dezent eingesetzt, um das Treiben nicht im plumpen Schockeffekte-Gewitter zu ertränken.
 
Auch wenn das Ende im direkten Vergleich zur clever aufgebauten Geschichte etwas sehr trivial und unspektakulär daherkommt, hat Macherin LEIGH JANIAK mit ihrem Erstwerk eindrucksvoll bewiesen, dass auch Frauen das Zeug haben, sehenswerte Gruselschocker zu stricken. HONEYMOON ist spannend, atmosphärisch und dazu noch gut gespielt. Für einen Horrorfilm unverzichtbare Attribute, die man in vielen Genrewerken jüngeren Datums mit der Lupe suchen muss. Wir meinen: Sehenswerter Erstling und uneingeschränkt empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Subtiler Body-Horror an dem selbst CRONENBERG seine Freude haben dürfte. HONEYMOON ist ein ungemütlicher Ekel-Albtraum, der frischen Wind ins Horror-Genre bringt. So simpel die Geschichte, so bemerkenswert souverän ist die Umsetzung. Regisseurin LEIGH JANIAK hat hier ihren ersten Spielfilm gemacht und gleich einen Grusel-Hit gelandet. Ihr subtiles Kammerspiel setzt nicht auf plumpe Schockeffekte und blutreichen Splatter-Reigen. Stattdessen geht die Newcomerin psychologischer und atmosphärischer zugange und bebildert mit erstaunlich dramaturgischem Geschick und durch unangenehm-bedrohlichen Bilder den langsamen Zerfall einer eigentlich innigen Liebelei. Daher: Mysteriöser Zu-Hause-Horror par excellence, der sich nicht so einfach durchschauen lässt. Großartig!
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Zensur

 
 
 
Außer etwas Blut, dass aus dem Geschlechtsteil von Protagonistin Beth tropft und einigen ekelhaften Schleimeffekten gibt es in HONEYMOON kaum nennenswerte Gewalt zu sehen. Der Fokus des Films liegt klar auf subtiles Grauen. Demnach dürfte HONEYMOON hierzulande die FSK unbeschadet mit FSK16 passieren.
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Thanatomorphose (2012)
 
Contracted (2013)
 
Alien Abduction (2014)
 
Die Fliege (1986)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1993)


Filmkritik: “Raised by Wolves” (2014)

raised-by-wolfes-2014
 
 
 

RAISED BY WOLVES

Story

 
 
 
Einige Kids wagen sich auf die Ranch eines ehemaligen Sektenanführers, dessen Geist hier scheinbar immer noch sein Unwesen treibt …
 
 
 


 
 
 

RAISED BY WOLVES – Kritik

 
 
 
Auch große Namen hinter Filmprojekten müssen nicht gleichzeitig Qualität bedeuten. Manchmal können auch Regisseure Filme vermasseln, die eigentlich bisher immer sehenswerte Horror-Hits in die Heimkinos gebracht haben. MITCHELL ALTIERI und PHIL FLORES sind im Genre mittlerweile keine Unbekannten mehr. Unter dem Namen BUTCHER BROTHERS ist ihnen vor einigen Jahren mit ihrem Indie-Grusler THE HAMILTONS (2006) ein Überraschungshit gelungen, der sechs Jahre später mit THE THOMPSONS erfolgreich fortgesetzt werden konnte. Für HOLY GHOST PEOPLE wagte MITCHELL ALTIERI im Jahr 2013 den Schritt in die “Selbstständigkeit” und erhielt für sein Solo-Projekt von Kritikern und Fans nur lobende Worte, so dass der Regisseur darin bekräftigt wurde, noch einmal allein Regie zu führen. RAISED BY WOLVES heißt der filmische Schnellschuss, der vermutlich Beweis dafür ist, dass die BUTCHER BROTHERS erst einmal eine kreative Pause einlegen sollten, um nach guten Ideen für neue Filme zu suchen.
 
Es geht um einige Skater-Kids, die das Abenteuer suchen, weil sie mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen. Der leere Pool einer verlassenen Ranch soll den ultimativen Kick zum Skateboarden bescheren. Dort hat einst Sektenguru Ernest Plainsong sein Unwesen getrieben und seinen minderjährigen Anhängern eingetrichtert, dass sie angeblich von Dämonen besessen wären. Die wurden paranoid und ermordeten sich gegenseitig. Nun, viele Jahre später scheinen sich die Ereignisse erneut so abzuspielen, wie sie sich in den 70ern zugetragen haben. Mit der Ankunft der neugierigen Teenager geschehen abermals seltsame Dinge auf dem Grundstück des verfallenen Anwesens, die erwartungsgemäß kein gutes Ende nehmen werden. Schnell sind die Körper der Kinder vom Bösen besessen, die sich wie Zombies durch die Flure der morschen Hütte bewegen und Jagd auf Jene veranstalten, die noch nicht vom Bösen infiziert wurden. Mikey (Evan Crooks) hält mit seiner Kamera alles auf Film fest und hat sogar einen Ersatzakku dabei, damit er das Massaker an seinen Freunden am Stück filmen kann.
 
Regisseur MITCHELL ALTIERI bedient sich für seinen RAISED BY WOLVES der momentan beliebten Sekten-Filmwelle, die bereits mit THE SACRAMENT, Apocalyptic und CHILDREN OF SORROW einige ähnliche Vertreter vorzuweisen hat, die in letzter Zeit das Licht der Zelluloid-Welt erblickt haben. Offensichtlich von den Morden der Charles Manson Family inspiriert, hat ALTIERI hier einen eher bescheidenen Beitrag zur zwiespältigen Found-Footage-Thematik geschaffen, der nicht einmal ansatzweise dem gerecht werden kann, was man eigentlich bisher von den BUTCHER BROTHER zu sehen bekommen hat. Viel zu sehr kopiert RAISED BY WOLVES jene Erfolgsformeln, die weitaus bessere “Wackelfilme” zum Erfolg verholfen haben. Eigenständigkeit ist hier Fehl am Platz, denn das Meiste wirkt in diesem Horrorsüppchen derart lieblos zusammenstibitzt, dass ein frühzeitiges Abschalten vorprogrammiert sein dürfte, schließlich lässt sich ohnehin recht schnell vorausahnen, was den einfältigen Protagonisten am Ende blühen wird. Die gehören zu jenen unsympathischen Zeitgenossen, denen man ohnehin das grausame Ausradieren wünscht, ist es dem Zuschauer aufgrund der nicht vorhandenen Identifikationsfiguren ohnehin kaum möglich, überhaupt für einen der Jugendlichen Sympathien zu entwickeln.
 
Konstruiert wirkende Panikmache durch planloses Umhergeirre ist auch in RAISED BY WOLVES Programm. Macher MITCHELL ALTIERI lässt die Kamera nie zur Ruhe kommen, die permanent damit beschäftigt ist, möglichst viele verzerrte Einstellungen zu zeigen, damit dem Zuschauer ganz schnell der Geduldsfaden reißt. Vor allem während der zweiten Filmhälfte wird das Nervenkostüm des Filmfans auf eine harte Probe gestellt. ALTIERI verlagert sein Szenario vom Tag in die Nacht und zeigt nur dass, was das Kameralicht preisgibt. Meist ist das jedoch nur Wand und Boden, denn mit fortschreitender Dunkelheit werden auch die Kids panischer, die bald nur noch verschreckt und orientierungslos durch das Gelände flitzen und reichlich zu kreischen haben. Aus Testosteron gesteuerten Jungs werden scheue Angsthasen und zuvor selbstbewusste Kampfamazonen schreien sich um Kopf und Kragen. Förderlich ist das dem Film leider nicht, zumal sich keiner der Protagonisten einige Minuten Zeit nimmt um darüber nachzudenken, wie man der Misere Herr werden könnte. Stattdessen scheint ALTIERI Spaß daran zu haben, mit immer gleichen Schockmomenten erschrecken zu wollen. Die reduzieren sich auf das meist wenig überraschende Erscheinen der dämonisch infizierte Skater-Freunde, die just dann in den Lichtkegel der Kamera stolpern, wenn diese endlich mal zur Ruhe kommt.
 
RAISED BY WOLVES ist kein guter Film. Hier hält der Horrorfan ein austauschbares Found-Footage-Debakel in den Händen, das aufgrund der Masse an ähnlich gestrickter Billig-Ware schnell wieder vergessen sein dürfte. Apropos: Während die männlichen Kollegen leidlich talentiert um ihr Überleben schreien, haben sie immerhin Ahnung vom Skaten. Leider reicht das nicht aus, um RAISED BY WOLVES halbwegs erträglich zu gestalten. Demnach sollten sich nur Fans der Wackelkamera auf diese Ranch wagen. Gegner der Found-Footage-Plage werden nämlich auch an diesem Schüttel-Ausflug rein gar keine Freude haben. Wir haben gewarnt!
 
 
 


 
 
 

RAISED BY WOLVES – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Beliebiges Wackel-Chaos ohne Höhepunkte, das nur von all jenen gesehen werden sollte, die sich jedes Found-Footage-Desaster reinziehen, um mitreden zu können. RAISED BY WOLVES besitzt weder neue Ideen noch gute Effekte, die den Streifen aus der Masse an ähnlichen Filmen hervorstechen lassen könnten. Ganz übel ist im Übrigen (was für eine Überraschung) die Kameraführung, die den Zuschauer mit heftigem Geschüttel scheinbar an den Rand des Wahnsinns treiben will. RAISED BY WOLVES ist überflüssiger Sekte-trifft-auf-Dämonen-Blödsinn, den man getrost im Händlerregal stehen lassen sollte. Daher: Den nächsten Found-Footage-Film, bitte – Schließlich gibt es ja nicht bereits genug solcher Streifen!
 
 
 


 
 
 

RAISED BY WOLVES – Zensur

 
 
 
Außer einigen Kratzern an Bein und Rücken sowie einem Rohr, das sich durch den Körper eines Protagonisten bohrt, gibt es in RAISED BY WOLVES kaum Gewalt zu sehen. Demnach darf man bedenkenlos mit einer ungeschnittenen FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

RAISED BY WOLVES – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sacrament (2013)

Children of Sorrow (2012)

Apocalyptic (2014)

The Manson Family (2003)

Helter Skelter (2004)

Helter Skelter – Die Nacht der langen Messer (1976)


Filmkritik: “The Last Showing” (2014)

the-last-showing-2014
 
 
 

THE LAST SHOWING

Story

 
 
 
Um beim dritten Date punkten zu können, lädt Martin (Finn Jones) seine Allie (Emily Berrington) zu einer Mitternachtsvorstellung ins Kino ein. Leider ist das Multiplex menschenleer, so dass der psychopathische Filmvorführer Stuart Lloyd (Robert Englund) die Gunst der Stunde nutzt, um einen eigenen Horrorfilm zu drehen, in dem sich die beiden frisch Verliebten den Filmregeln des selbsternannten Regie-Maestros unterwerfen sollen …
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Kritik

 
 
 
Eine Kult-Ikone des modernen Horrorfilms meldet sich zurück – ausnahmsweise mal nicht mit Horror von der Stange. Genau dreißig Jahre ist es her, dass ROBERT ENGLUND durch die Rolle der Kindermörders FREDDY KRUEGER praktisch über Nacht zur Legende wurde. Sechs Fortsetzungen zog die ELM STREET-Reihe nach sich, bevor ENGLUND vom Studio die Kündigung bekam und die NIGHTMARE-Serie durch ein Remake und mit neuem Freddy-Darsteller gegen die Wand gefahren wurde. Viel Zeit ist seit ENGLUNDS letztem Meuchelfeldzug als Traumdämon vergangen und der Schauspieler hat nach den Freddy-Erfolgen das getan, was wohl jeder ehemalige Kinostar der 80er mittlerweile tut, um sein Lohn und Brot verdienen zu können. Wie vor NIGHTMARE ON ELM STREET tingelt er durch teils trashige Videoproduktionen, von denen immerhin die Kurzgeschichtensammlung SANITARIUM (2013) zu den besseren Vertretern in seiner mittlerweile sehr umfangreichen Film-Vita gehört. Der Zahn der Zeit hat auch an ENGLUND genagt. Aus dem sprücheklopfenden Traum-Killer ist ein greiser Mann geworden, der es aber scheinbar noch einmal wissen wollte. Er geht zu den Anfängen seiner Karriere zurück, wechselt noch einmal die Fronten und schlüpft für THE LAST SHOWING erneut in die Rolle eines Bösewichts um zu zeigen, dass er das Morden und Fiessein nicht verlernt hat.
 
Interessanterweise ist er seiner menschlichen Gebrechlichkeit bewusst und macht sie sich in seinem neuen Horrorfilm zu Eigen. Als Psycho-Opa Stuart terrorisiert er in THE LAST SHOWING ein frisch verliebtes Pärchen während einer Leinwandvorstellung des Klassikers THE HILLS HAVE EYES 2. Die wollten eigentlich nur ein bisschen knutschen und fummeln, bis sie selbst zu unfreiwilligen Statisten in einem selbstgedrehten Horrorfilms werden und ums Überleben bangen müssen. Als betagter Technik-und Filmnerd gewinnt ENGLUND hier recht schnell das Vertrauen seiner naiven Hauptdarstellerin und hetzt sie mit sicherem Gespür für Taktik und Manipulation gegen ihren Liebsten auf. Der versucht seine Unschuld mit allen Mitteln zu beteuern, hat aber nicht mit der Cleverness seines Widersachers gerechnet, der scheinbar schon einige Krimis studiert hat, um sein Opfer subtil in den Tod treiben zu können.
 
Zurück zu den Anfängen: Erfahrene Horror-Fans wittern die Fährte und verstehen einige der im Film platzierten Zitate. So steckt hinter dem in der Mitternachtsvorstellung gezeigten Mutantenspektakel (Er)Schreckmeister WES CRAVEN – jener Regisseur, der mit der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe nicht nur Filmgeschichte schrieb, sondern ENGLUND in der Rolle des Horror-Monsters “Freddy Krueger” zu Weltruhm verholfen hat. Letzterer läuft in THE LAST SHOWING noch einmal zu Hochform auf und stellt seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Ähnlich wie der verstorbene ROBERT WILLIAMS im Thriller ONE HOUR FOTO verkörpert ENGLUND hier einen filmbewanderten Einzelgänger älteren Semesters hinter dessen vertrauenerweckender Fassade das unbeschreiblich Böse lauert. Rasch wird das Szenario zum Puppenspiel in dem ENGLUND die Strippen hält und seine Marionetten gegeneinander aufhetzt. Trotz gerissener Skrupellosigkeit bleibt Stuart aber immer noch Mensch. Regisseur PHIL HAWKINS räumt seiner Psychopathenfigur Sympathien ein. Nicht selten gelingt es dem Zuschauer so, einen kurzen Einblick in die Psyche einer fragilen und unsicheren Persönlichkeit zu werfen, die schnell an ihre Grenzen kommt, sobald sie unter Druck gerät. Auch wenn die genaueren Hintergründe für Stuarts Handel horrorfilmtypisch rasch unter den Teppich gekehrt werden und die Geschichte von THE LAST SHOWING um allerhand Zufälle bereichert wurde; ENGLUND scheint die Rolle des greisen Psychopathen wie auf den Leib geschneidert zu sein, obwohl er bisher noch nie in Charakterrollen glänzen konnte.
 
Eigentlich ist THE LAST SHOWING nichts Großes. Regisseur PHIL HAWKINS profitiert jedoch von der immer noch enormen Beliebtheit seines bekannten Hauptdarstellers. Der plappert wie zu besten NIGHMARE-Zeiten makabre Floskeln in die Kamera und hat den Zuschauer schnell auf seiner Seite, wenngleich seine Sprüche nur selten die grandios zynische Art erreichen, die einst Pizza-Face Freddy Krueger ausgezeichnet haben. THE LAST SHOWING ist Indie-Horror, so wie er sein sollte: Knackig, fesselnd und unterhaltsam. Ohne großartige Umwege kommt die kleine Geschichte recht zügig zum Punkt und hat trotz bekanntem Psycho-Allerlei immerhin noch einige recht frische Wendungen in petto, damit der Zuschauer bei Laune gehalten werden kann. Statt übertriebenem Blutreigen orientiert sich Macher PHIL HAWKINS vermehrt am klassischen Suspense-Cinema und zieht lieber die Spannungsschraube an, statt das Treiben im Blut zu ersäufen. Die kurzweilige Kombination aus lobenswerter Kameraarbeit, spannungsreichem Drehbuch und witzigen Zitaten heben THE LAST SHOWING über dem Indie-Durchschnitt. Somit darf diese Sondervorstellung gern besucht werden, schließlich erleben ENGLUND-Fans hier den besten ENGLUND seit Jahren
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Horror-Thriller, so wie er sein sollte: Temporeich, fesselnd und unterhaltsam. Freddy Krueger-Darsteller ROBER ENGLUND bleibt seinem Schlitzer-Hobby treu, lässt aber das Schlafwandeln sein. In THE LAST SHOWING wandelt er auf den Pfaden eines ROBIN WILLIAMS, der vor einigen Jahren mit ONE HOUR FOTO einen ähnlichen Film gemacht hat. Abermals bekommt der Zuschauer einen Killer vor die Linse, der hinter der Fassade eines scheinbar fragilen Greises ausschließlich Böses im Schilde führt und Leichen im Keller stapelt. Regisseur PHIL HAWKINS hat die Regeln für ultimativen Thrill verstanden. Sein THE LAST SHOWING entpuppt sich als erstklassiger Suspense-Thriller mit überraschungsreichen Wendungen, der für Indie-Verhältnisse auch noch bemerkenswert gut in Szene gesetzt wurde. Kult-Ikone ROBERT ENGLUND überzeugt mit gutem Schauspiel, das zum Besten gehört, was man seit Jahren vom ihm gesehen hat. Demnach können wir für THE LAST SHOWING nur empfehlen, denn gut unterhalten wird man hier auf jeden Fall.
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Zensur

 
 
 
THE LAST SHOWING ist ein Psycho-Thriller der sich eher züchtig in Sachen Gewalt gibt. Außer zwei gezielten Todesschüssen gibt es nichts an Brutalität zu sehen. Verwunderlich ist das keineswegs, denn THE LAST SHOWING konzentriert sich eher auf Suspense und Spannung.
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scorned (2013)

Mindscape (2013)

Coherence (2013)

Simon Killer (2012)

One Hour Foto (2002)


Filmkritik: “Killers” (2014)

Killers-2014
 
 
 

KILLERS

Story

 
 
 
Der erfolgreiche japanische Bänker Nomura Shuhei (Kazuki Kitamura) geht einem äußerst bedenklichen Hobby nach. Er fängt junge Frauen von den Straßen Tokyos ein und sperrt sie in seine sterile, kalte Wohnung. Dort bringt er sie nach vollzogenem Geschlechtsakt auf grausame Art und Weise um, und das vor mehreren laufenden Kameras. Die fertig geschnittenen Videos seiner Morde lädt er im Internet hoch und erregt die Aufmerksamkeit des indonesischen Journalisten Bayu Aditya (Oka Antara), der sich von den Snuff-Videos zwar angeekelt, aber auch irgendwie fasziniert zeigt. Schon bald gibt Bayu den Stimmen in seinem Kopf nach und begibt sich ebenfalls auf einen mörderischen Streifzug. Über das Internet tauschen sich die beiden Männer zwischen ihren Eskapaden aus und formen eine seltsame und instabile Beziehung.
 
 
 


 
 
 

KILLERS – Kritik

 
 
 
Hinter dem brutalen Action-Krimi steht das asiatische Filmemacher-Duo mit dem markanten Namen „The Mo Brothers“, bestehend aus Timo Tjahjanto und Kimo Stamboel. Vor allem Ersterer hat sich im letzten Jahr mit zwei Produktionen in den Olymp der brutalsten und schrägsten asiatischen Filmemacher katapultiert. Mit seinem Beitrag zur Horror-Wundertüte „The ABCs of Death“ stach er in einer Gesellschaft aus 26 Regisseuren heraus und zeigte, zu was er fähig war. Die paar Minuten, die er mit „Libido“ zur Verfügung hatte, packte er randvoll mit absurden und grob gewalttätigen Perversitäten. Das Ergebnis mag unvergesslich und auf gewisse Art und Weise herausragend gewesen sein, doch wirft der Kurzfilm auch die Frage auf, ob eine derartig grausame Darstellung nur um ihrer Grausamkeit wegen existieren muss. In einem weiteren Segment eines Horrorfilm-Potpourris legte Tjahjanto zwar seine zornige Gewaltdarstellung ab, nicht jedoch den Wahnsinn seiner Inszenierung. Brutal, direkt, gruselig und fernab von jeglicher Vernunft schuf er mit „Safe Haven“ ohne Zweifel das beste Segment von „V/H/S 2“.
 
Nun wendet sich Tjahjanto seinem zweiten Langfilm zu und möchte im stattlichen, mehr als zwei Stunden dauernden Rahmen eine komplette Geschichte erzählen. Erneut tut er sich mit seinem Komplizen Kimo Stamboel zusammen und bildet mit ihm das explosive Duo „The Mo Brothers“, das sich 5 Jahre nach „Macabre“ zum zweiten Mal den Regie-Credit eines Langfilms teilt.
 
In „Killers“ ist der Name Programm. Stamboel und Tjahjanto malen ein Gemälde des Todes und bedienen sich dabei einer reichhaltigen Farbpalette. Eines der zentralen Themen des Films ist die Motivation hinter dem Morden, die bei den beiden Protagonisten grundverschieden daherkommt. Bei dem augenscheinlich erfolgreichen und souveränen Nomura entsteht sie durch eine tief verwurzelte psychologische Störung, bei dem Journalisten Bayu durch einen Kontrollverlust in seinem Leben. Einer tötet aus pathologischem Verlangen, der Andere aus Egoismus und Geltungsdrang. Der Gegensatz von internen und externen Faktoren, die beide Männer zu Killern machen, ist sehr interessant umgesetzt und verstärkt zudem das Motto des Films „Inside us lives a killer“.
 
Selbstverständlich schauen Fans der etwas gröberen Bilder hier nicht in die Röhre. Wie zu erwarten ist, setzen die Mo Brothers ihre kaltblütigen Tötungsszenen mit einer rohen Kompetenz um, die irgendwo zwischen Eleganz und Grausamkeit schwebt. Die Befürchtung, dass es sich bei „Killers“ nach „Libido“ erneut um eine selbstzweckhafte Menagerie aus abartigen Bildern handelt, bewahrheitet sich zum Glück nicht. Die Gewaltspitzen sind effektiv und blutig inszeniert, aber driften nicht ins Übertriebene oder Bedenkliche ab. Oft besinnen sich die Filmemacher darauf, dass ein im Kopf des Zuschauers erzeugtes Bild eindrucksvoller sein kann als ein auf der Leinwand gezeigtes. Viel drastischer als das Blutvergießen ist in „Killers“ ohnehin die Snuff-Thematik, die sich mit dem voyeuristischen Aspekt von Mord und Tod befasst. Ein Gedankenansatz, der dank der modernen Grube unendlicher Perversionen, die gemeinhin als Internet bezeichnet wird, wohl nie an Relevanz verlieren wird.
 
Wenn man einen Film über die tödlichen Kreuzzüge zweier gestörter Männer macht, kann man nur so weit gehen, bis man sein Publikum verliert. So geschieht es leider auch bei „Killers“, denn spätestens zur Hälfte des Films sind Nomura und Bayu so weit von den (mental gesunden) Zuschauern entfernt, dass die Sympathie und somit die emotionale Verbindung zum Geschehen auf der Leinwand verloren gehen. Zu diesem Zeitpunkt macht „Killers“ einen Rückschritt und entwickelt sich von einem interessanten Psychogramm zurück zu einem zwar schön gefilmten, aber herkömmlichen Action-Krimi. Hier merkt man erstmals auch die Länge des Films, die mit 137 Minuten etwas übertrieben wirkt. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen.
 
Trotzdem ist „Killers“ ein guter und lohnenswerter Film. Die Themen von Mord und Mördern, die von den Mo Brothers in ihren früheren Werken fast ausschließlich für Schockwerte genutzt wurden, verstricken sich hier zu einer interessanten und komplexen Geschichte über die Ursachen und Konsequenzen des Tötens. Gewürzt mit guten schauspielerischen Leistungen, einigen deftigen Szenen und einem sehr eleganten visuellen und akustischen Stil fügt sich „Killers“ zu einem rohen, brutalen aber trotzdem tiefgründigen Film zusammen.
 
 
 


 
 
 

KILLERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die zweite Regie-Arbeit der Mo Brothers zeigt nicht nur zwei gewohnt kompetente Filmemacher, die wissen, wie man Bilder, Töne und Gedanken effektiv zusammenknüpft. Mit „Killers“ gehen sie über einen ekstatischen Blutrausch hinaus und hinterfragen nicht nur die gewalttätigen Aktionen ihrer Protagonisten, sondern auch das voyeuristische Verhalten des Horror-Fans. Eine beinharte und sehr stylische Tour de Force durch die Gedanken zweier Mörder.
 
 
 


 
 
 

KILLERS – Zensur

 
 
 
Rein von den Schauwerten her ist „Killers“ gar nicht so bedenklich, wie man erwarten könnte. Abgesehen von der großzügigen Verteilung von Kunstblut gibt es kaum Szenen, bei denen sich der Magen umdreht. Allerdings verleihen die Kaltblütigkeit und ein mehr oder weniger starker Hauch von Sadismus dem Film eine weitaus „schlimmere“ Qualität. Die besonders heikle Thematik der Snuff-Videos dürfte das Schicksal von „Killers“ schließlich besiegeln und eine ungeschnittene deutsche Fassung unmöglich machen.
 
 
 


 
 
 

KILLERS – Trailer

 
 

 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.com zu lesen

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
I saw the Devil (2010)

Macabre (2009)

Alexandre Ajas Maniac (2012)

8mm – Acht Millimeter (1999)


Kritik: “Survival – Überlebe wenn du kannst!” (2013)

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SURVIVAL

ÜBERLEBE WENN DU KANNST

Story

 
 
 
Der ehemalige US-Marine Frank (Frank Raffel) soll die Tochter eines reichen Geschäftmannes, die von einer Gruppe Aktivisten entführt wurde, zurück nach Hause holen. Die Spur führt nach Polen, wo es in einem geheimen Forschungslabor zu einem Unfall gekommen und ein aggressiver Virus ausgebrochen ist, der Menschen in Zombies verwandelt…
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Kritik

 
 
 
Die in Deutschland gebastelten Horrorfilme genießen von jeher eher bescheidenes Renommee. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass deutsches Grauen meist mit günstig gemachten Horrorstreifen aus der No-Budget-Ecke der Herren Ittenbach, Taubert & Co. in Verbindung gebracht wird. Die sind durch haarsträubende Amateur-Produktionen zu zweifelhafter Bekanntheit gekommen und standen in den späten 90ern eine Viertelstunde im Rampenlicht. Seither hat sich jedoch im deutschen Horror-Bereich einiges getan. Aufgrund der kaum noch überschaubaren Flut internationaler Billigware musste sich auch der deutsche Amateurfilm einem Wandel unterziehen, um auch weiterhin auf dem Splatter- und Gewaltmarkt bestehen zu können. Während der einstige Amateurfilm-Papst OLAF ITTENBACH schon lange den Anschluss verloren hat und scheinbar auf der Stelle verharrt, folgte ihm eine neue Garde talentierter Nachwuchsfilmebastler mit dem Ziel, dem angestaubten deutschen Indie-Sektor neue Impulse zu geben. Einer dieser neuen Regisseure, denen das Kunststück tatsächlich gelungen ist, heißt MARCEL WALZ. Der wandelt mit seinen Produktionen mittlerweile auf internationalen Pfaden und drehte zuletzt die blutreiche Fortsetzung des von UWE BOLL inszenierten Serienkiller-Streifens SEED. Doch damit nicht genug. WALZ war clever und schuf zusammen mit MICHAEL EFFENBERGER das Low-Budget-Produktionslabel MATADOR FILM, dem nun schon einige unabhängige Blut-Schocker entsprungen sind, die sich längst des faden Beigeschmacks trashiger Amateurproduktionen entledigen konnten und reichlich Geld in die Kassen spülten.
 
In Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, tut sich was. Das Bemerkenswerte daran ist, dass deutscher Indie-Horror im internationalen Vergleich keine so üble Figur mehr macht, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Deutsche Horror-Macher sind selbstbewusster geworden und versuchen auf beliebten Horror-Wellen mitzureiten, die in Regelmäßigkeit um den Erball ziehen. So konnte sich das von MARVIN KREN inszenierte Berliner Zombie-Endzeitszenario RAMMBOCK (2010) hervorragend ins Ausland verkaufen, weil es sich an der kassenträchtigen Zombie-Thematik orientierte, die sich auch Jahrzehnte nach ROMERO und FULCI großer Beliebtheit erfreut. Ähnlich machte das auch der Deutsche STEFAN RUZOWITZKY mit seinem ANATOMIE (2000). Angekurbelt durch die Reanimation des beliebten Teen-Slashers brachte er um die Jahrtausendwende die deutsche Antwort auf SCREAM (1996) und ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (1997) in hiesige Lichtspielhäuser und verbuchte Erfolge.
 
Auch die beiden Genre-Regisseure MICHAEL EFFENBERGER und FRANK RAFFEL wollen hoch hinaus. Sie tun es ihren deutschen Horrorfilm-Kollegen gleich und kopieren das, was auf dem internationalen Horror-Markt populär ist und Kasse macht. Im Falle ihres SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST ist es mal wieder der beliebte Zombie-Zug, der trotz immer gleicher Geschichten noch genügend Fahrgäste anlockt, die schnell ein Ticket lösen wollen. Die Geschichte ist mittlerweile ein alter Hut und hinreichend bekannt: In einem geheimen, diesmal polnischen Forschungslabor kommt es zum Supergau. Ein Virus lässt die Angestellten zu Zombies mutieren und ein ehemaliger Navy-Angehöriger plus Menschenrechtler und gerissener Söldnergruppe darf sich gegen eine Horde Infizierter zu Wehr setzen. Wer schon einige Zombiegurken gesehen hat, dürfte den Fortgang der Geschichte vorausahnen, schließlich konzentriert sich auch dieser Zombiestreifen auf das möglichst grafische Ausradieren seiner Protagonisten – makabrer Schlusspointe inklusive. Eigentlich wäre SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST einer dieser Kandidaten, den wir von FILMCHECKER wohl in der Luft zerreißen würden. Eigentlich – wäre da nicht die erstaunlich hochwertige Machart, die all den deutschen Billig-Nonsens aus der Horrorecke kurzeitig vergessen lässt. KLAUS PFREUNDNER konnte sich hier am Keyboard nach Herzenslust austoben und bereichert SURVIVAL um atmosphärische Klänge, die der Zuschauer wohl bis dato in noch keinem deutschen Low-Budget-Splatter zu hören bekommen hat. Er vermischt Orchestrales mit bedrohlichem Gegrummel, hat für jeden Moment die passende Untermalung parat und lässt einen Hauch amerikanischen Mainstreams aus den Heimkinoboxen schallen.
 
Ähnlich gehen auch die Regisseure MICHAEL EFFENBERGER und FRANK RAFFEL vor. Letzterer hat im Film gleich die Hauptrolle übernommen. RAFFEL (selbst gelernter Kampfkünstler) legt als deutsches Jason Statham-Pendant nicht nur fressgeile Zombies mittels Martial-Arts-Kampfeinlagen übers Knie; das Regie-Duo orientiert sich mit seiner blutigen Zombieschlacht bei den ganz Großen des internationalen Untoten-Genres. So dürfen wilde Fressorgien genauso wenig fehlen, wie der obligatorische Munitionshagel, bei dem Körperteile im Akkord durchlöchert werden. Der Action-Anteil ist für deutschen Horror immens. Das ist aber auch kein Wunder, denn durch viel Lärm fällt nicht so offensichtlich ins Gewicht, dass meist inhaltlich auf Sparflamme geköchelt wird.
 
Dem Horrorfan mit wenig Geld maximales Filmvergnügen bieten. SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST ist ein ehrgeiziges Filmprojekt, dem man seine Drehbuchschwächen nicht übel nehmen möchte. Der Streifen ist technisch über jeden Zweifel erhaben und lässt kaum noch erahnen, dass es sich hier eigentlich um Mord- und Totschlag aus deutschen Landen handelt. Kameraführung, Schnitt und Übersetzung (der Streifen wurde in englischer Sprache gedreht) befinden sich auf einem hohen Niveau und machen neugierig auf das, was MICHAEL EFFENBERGER und FRANK RAFFEL demnächst noch auf die Beine stellen werden.
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Auch wenn die Geschichte von Söldnern, Navy-Kämpfern und Zombies wieder sehr arg aufgesetzt scheint, gehört SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST zu den Vorzeige-Projekten, die eine unabhängige deutsche Horrorfilmschmiede hervorgebracht hat. Sieht man von der dünnen und eher zweckmäßigen Handlung ab, bekommt der Horrorfan ansprechend gefilmte Zombie-Action geboten, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Großes Lob gilt an dieser Stelle der Übersetzung. Die Synchronisation wurde mit professionellen Sprechern besetzt, die den Streifen wertiger erscheinen lassen, als er im Originalton ist. Das soll erst einmal nachgemacht werden.
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Zensur

 
 
 
SURVIVAL ist bekanntes Zombiefutter mit diversen Einschüssen, Fressszenen und Blutgemansche. Der Streifen wurde von der FSK demnach erst für Erwachsene freigegeben und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Survival; Deutschland 2013

Genre: Horror, Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Einzel-Blu-ray: Originaltrailer / Special Edition Blu-ray: Neben der erhältlichen Einzel-Blu-ray mit Trailer liegt der Streifen auch als DVD vor. Zudem sind auf einer weiteren Bonus-DVD ein Making of, Outtakes und Trailer enthalten

Release-Termin: 26.08.2014

 

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SURVIVAL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Battle of the Damned (2013)
 
Chrysalis (2014)
 
Attack of the Undead (2013)
 
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Open Grave (2013)
 
Infected – Infiziert (2012)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 
Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)
 


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