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Artikel mit Schlagwort “Folter

Filmreview: “Timber Falls” (2007)

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TIMBER FALLS

Story

 
 
 
Mike und Sheryl wollten nur einen entspannten Wochenendausflug in die Wälder West Virginias machen, um in der Ruhe der Natur Kraft für den kräftezehrenden Alltag zu tanken. Sie fühlen sich für Ihr Wochenende perfekt gerüstet. Als sich die beiden jedoch vom rechten Weg abbringen lassen, nimmt das Grauen seinen Lauf. In den Fängen eines gottesfürchtigen Ehepaares gelandet, versuchen sich Mike und Sheryl dessen teuflisch anmutenden Plans zu erwehren …
 
 
 


 
 
 

TIMBER FALLS – Kritik

 
 
 
In einer Zeit in der das gefühlt hundertste WRONG TURN-Plagiat mit der immer gleichen Story über den Bildschirm flimmert, in einer Zeit, in der sich Grauen nur noch durch billige Effekthascherei darstellen lässt und sich Horrorfilme mit meist billigsten CGI-Effekten zu übertrumpfen versuchen, genau in dieser Zeit fühlt sich ein alter Vertreter des Backwoodhorrors in Form seines kürzlich erschienenen Blu-ray-Releases stimmig, neu und irgendwie anders an. TIMBER FALLS erschien im Fahrwasser des großen Vorbildes WRONG TURN bereits im Jahr 2008. Mit erfrischenden Ideen und realistischem Szenario weiß dieses kleine Terrorfilmchen auch heute noch zu gefallen. Vor allem ist dies dem Umstand geschuldet, das in TIMBER FALLS keine degenerierten, atomar-verseuchten Höllenkreaturen auf die beiden Hauptdarsteller losgelassen werden, sondern nur halbwegs normale Menschen mit einer etwas alttestamentarischen Weltanschauung auf die Protagonisten warten. Frei nach dem Motto: Die Realität ist grausamer als jede Fiktion.
 
Positive Umstände, die man diesem Vertreter des Backwood-Horrors zugute halten sollte, sind zum einen die Charaktere und zum anderen der bereits angesprochene Realismus. Aber ganz im Ernst, ein Film über einen romantischen Pärchenausflug in einen großen Nationalpark in West Virginia fühlt sich einfach glaubhaft an. Zumindest mehr, als ein weiterer Ausflug partysüchtiger Kiddies in bekannte Kannibalenwälder oder atomare Bergstollen. Die beiden hübsch anzusehenden Hauptdarsteller machen auf Ihrer Reise relativ schnell Bekanntschaft mit verschieden Filmfiguren die ihnen mal mehr, mal weniger wohlgesonnen, stets aber wichtig für den Fortgang der Geschichte sind. Die gute Charaktereinführung ist wirklich eine positive Erwähnung wert, der dadurch entstehende Realismus überträgt sich dank glaubhafter und guter Darstellerleistung auf den gesamten Film. Erfreulich ist auch die gute deutsche Synchronisation. Leider ist diese schon lange nicht mehr selbstverständlich!
 
Dümmliche, nicht nachvollziehbare Aktionen und Handlungen sowie dämliche Aussagen sind in diesem Backwoods-Vertreter seltener anzutreffen, als das billige, reißerische Blu-ray-Cover vielleicht vermuten lässt. Mit einfachen Tricks lässt es Regisseur TONY GIGLIO nämlich gar nicht zu Situationen kommen, in denen man einfach nur augenrollend vor dem Bildschirm sitzt (Stichwort: Handy oder Handfeuerwaffe). Die religöse Absicht des Terror-Trios ist zuweilen trotzdem weit hergeholt. Kenner der Kategorie Backwoods-Horror werden auch bei TIMBER FALLS kaum etwas Neues zu Gesicht bekommen. Dem Regisseur gelingt es leider zu keiner Zeit, dem Genre neue Facetten abzugewinnen. Die im Film vorkommenden Gore-Effekte dienen niemals dem Selbstzweck. Leider sind diese Effekte nicht vollkommen frei von CGI. Die Haupteffekte sind jedoch stets handgemachte Gore-FX, die zudem konsequent saftig inszeniert sind. Billige und störende CGI-Blutfontänen sucht man hier vergebens. Trotz alledem gewinnt Timber Falls natürlich keinen Innovationspreis. Vieles wurde schon dutzende Male gesehen. Einen finalen Twist sucht man ebenfalls vergebens und der Spannungsbogen wird zu keiner Zeit überspannt. Zumal die religiösen Absichten der Hinterwäldler einfach nicht konsequent genug umgesetzt werden.
 
 
 


 
 
 

TIMBER FALLS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Der geneigte Filmfan bekommt mit TIMBER FALLS einen kompakten, mehr als soliden Vertreter der Backwood-Horrorfilme geboten, der durch seine guten Darsteller (samt guter dt. Synchronisation) sowie vernünftige Effekte überzeugen kann. Wenngleich letztere doch gerne hätten etwas deutlicher ausfallen können.
 
 
 


 
 
 

TIMBER FALLS – Zensur

 
 
 
Die deutsche FSK-Fassung mit dem KEINE JUGENDFREIGABE-Aufdruck vollkommen ungeschnitten. Filmfreunde mit einem Faible für Backwood-Horror können demnach bedenkenlos zur deutschen Kaufhaus-Fassung greifen.
 
 
 


 
 
 

TIMBER FALLS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Timber Falls; USA 2007

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1920x1080i)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: KJ (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Interview mit Sascha Rosemann (“Diakon” James Foster) (10:12 Min), Making of (30:22 Min), Originaltrailer (02:09 Min), Deutscher Trailer (02:09 Min), Trailershow

 
 
 
TIMBER FALLS weißt jedoch sogut wie keine Längen auf und überzeugt in seiner Spieldauer von 101 Minuten. Die Bildqualität der, günstig zu erwerbenden, ungeschnittenen deutschen Bluray-Disc ist vorbildlich. Das Bild liegt jedoch leider nur in 1080i vor. Die HD-Tonspur überzeugte im Heimkinostudio jedoch vollends. Auch wenn der Film hier nur in 1080i vorliegt darf sich der Horrorfan über die Neuauflage auf dem HD-Medium freuen. Nach drei Werbetrailer aus dem Programm von ASCOT startet der Hauptfilm. Will man sich nach der Sichtung von TIMBER FALLS über die Hintergründe der Produktion informieren hat der Zuschauer die Auswahl zwischen dem Originaltrailer in Deutsch und Englisch, einem umfangreichen Making of und einem Interview mit einem der Darsteller. Der Hauptfilm und alle Extras sind löglicherweise deutsch untertitelt. Lobenswert! Zudem lässt sich auf der Scheibe eine Trailershow finden und die Blu-ray wurde sogar mit einem Wendecover ausgestattet. Was will man mehr?
 
 

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TIMBER FALLS – Trailer

 
 
 

 
 

Baldorolossa

 
 
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Filmreview: “Victim – Trau keinem Fremden” (2011)

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VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN

Story

 
 
 
Annie (Jennifer Blanc) und Mary (Danielle Harris) sind zwei gar unanständige Mädchen. Nicht nur, dass die beiden mit dem Gesetz auf Kriegsfuß stehen; um schnell an Drogen zu kommen verabredet sich Mary hin und wieder mit dem korrupten Sheriff James Harrison (Ryan Honey), der ihr für entsprechende “Gefälligkeiten” beschlagnahmtes Koks besorgt. So auch diesmal. Zusammen mit Annie im Schlepptau, treffen die beiden Freundinnen den skrupellosen Gesetzeshüter, der erst einmal zum Beischlaf bittet. Doch das vielversprechende Schäferstündchen endet im Fiasko. Denn kurzum bricht Harrison der nichtsahnenden Mary das Genick. Um die Tat zu verschleiern soll nun auch das andere Mädchen einen schnellen Tod finden. Annie kann jedoch fliehen und findet tief im Wald eine kleine Hütte, die dem Einsiedler Kyle (Michael Biehn) Unterschlupf bietet. Kurzum entscheidet dieser, der verstörten Frau Asyl zu gewähren und sie vor den Machenschaften des Bösewichts zu schützen …
 
 
 


 
 
 

VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN – Kritik

 
 
 
Schenkt man dem Filmcover der Blu-ray/DVD Glauben, so muss man es sich bei VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN um einen ganz derben Reißer handeln. Da wird kräftig mit Vergleichen zu Filmen, wie I SPIT ON YOUR GRAVE geprahlt und dem Filmfreund suggeriert, dass VICTIM an gutes, altes Grindhouse-Kino erinnert. Umso ernüchternder die Tatsache, dass der Film nicht einmal ansatzweise den gewagten Vergleichen gerecht werden kann, die dem Zuschauer da schön plakativ vom Cover entgegenlächeln. VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN ist günstig gedrehte B-Movie-Ware, die zwar mit bekannten Gesichtern einschlägiger Genre-Produktionen aufwarten kann, inhaltlich aber so hohl ist, dass man nicht verstehen mag, wieso ausgerechnet dieser Film seinen Weg in die deutschen Kaufhäuser findet. In Anbetracht der Tatsache, dass weitaus wichtigere Film bereits seit Ewigkeiten auf deutsche Veröffentlichung warten, bildet VICTIM das traurige Schlusslicht einer ganzen Reihe Filme, auf die die Welt nun wahrlich nicht gerade gewartet hat.
 
Die unausgegorene Qualität des Filmes spiegelt sich auch in seinem Entstehungsprozess wieder. Die Realisierung von VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN dauerte gerade einmal zwölf Tage. Schauspieler MICHAEL BIEHN, der sich zuvor als begehrter Schauspieler in Filmen wie TERMINATOR (1984), ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986), und THE ROCK (1996) einen anerkannten Ruf erkämpfen konnte, scheint zuletzt an den Horror- und Thriller-Genres Gefallen gefunden zu haben. So konnte man ihn zuletzt nicht nur im Endzeit-Schocker THE DIVIDE (2011) sehen, sondern auch im Folternonsens SUSHI GIRL (2012) sowie dem Grindhouse-Knaller PLANET TERROR (2007) erleben. Für die Umsetzung seiner zweiten Regiearbeit schrieb er nicht nur das Drehbuch, sondern konnte sogar noch knapp 800.000 Dollar berappen, um seine etwas arg hanebüchene Geschichte auf Zelluloid bannen zu können. Wie euphorisch er in sein aktuelles Werk involviert war, beweist nicht nur das Engagement, das er für sein Projekt aufbringen konnte. Das Multitalent konnte sogar eine der beliebtesten Scream-Queens der Horrorfilmwelt für sein Low-Budget-Filmchen gewinnen. DANIELLE HARRIS, bekannt geworden durch Filme wie HALLOWEEN 4 (1988) und HATCHET (2006), fügt sich in die durchaus ansprechende Darstellerriege ein, ohne die VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN vermutlich schon längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre.
 
Dabei beginnt der Film durchaus vielversprechend und sogar ironisch. Während Sheriff Harrison die kesse Mary bei einem gemeinsamen Schäferstündchen mit allerlei indiskreten Bezeichnungen tituliert hofft diese nur, dass der Akt ein schnelles Ende findet, um in den Genuss eines kostengünstigen “Schneenäschens” gelangen zu können. Zum Drogenrausch kommt es jedoch nicht, da die junge Dame im Affekt quasi in den Tod penetriert wird. Was jedoch dann folgt, ist eine vollkommen stumpfsinnige Handlung, die unglaublich vorhersehbar ist und der einfach das gewissen Fünkchen Originalität fehlt. Polizist Harrison will seine Tat verschleiern und beginnt fortan eine Jagd auf alle Beteiligten einzuläuten, damit die Karriere durch seine Missetat nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Es folgt der typische Einheitsbrei: die Freundin des Opfers wird von den Widerlingen verfolgt, findet im Eigenbrötler Kyle einen Verbündeten, der dem diabolischen Sheriff die Leviten liest. Die Dramaturgie wirkt hier derart lächerlich, dass man kaum glauben mag, dass sich die eigentlich durchaus talentierte Cast für so einen Käse bereitgestellt hat. So ergeben viele Interaktionen im Film nur selten Sinn. Opfer Annie (gespielt von BIEHNS Ehefrau JENNIFER BLANC) leidet hier eindeutig am meisten unter der arg grenzwertigen Phantasie ihres Gatten. So scheint sie in ihrer der Todesangst immer noch ausreichend Zeit zu finden, um mit dem Helden der Geschichte noch ein wenig im Schlafzimmer umherzuturteln.
 
Der Plot von VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN ist auf das Wesentliche beschränkt. Wirkliche nennenswerte Überraschungen bekommt der Zuschauer hier nicht zu Gesicht. Die Geschichte ist gespickt mit allerhand unbeholfenen Rückblenden, in denen die Vorgeschichte der Misere geschildert wird. Dabei tragen die etwas aufdringlich wirkenden Flashbacks weniger zur Handlung bei, sondern stören den ohnehin schon zähen Erzählfluss des Films enorm. Immerhin gibt es einige Gewaltakte zu bewundern, die zumindest die Erwartungshaltung des Horrorfilmfans befriedigen können. Auch wenn von der, auf dem DVD-Cover reißerisch beworbenen Folterthemtik kaum etwas zu verzeichnen ist, so wissen die wenigen härteren Szenen im Film zu gefallen. So wird ein Kopf zermatscht, es gibt diverse Einschusslöcher zu begutachten und ein heißes Eisen brennt in menschliches Fleisch. Wirklich aufwerten können diese Effekte VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN leider nicht. Was bleibt ist ein unwichtiger Film, der zwar irgendwie trashig und grindhouse-like sein möchte, aber leider den Versuch weitestgehend verfehlt, das dreckige Kino der 70er und 80er Jahre aufleben zu lassen.
 
 
 


 
 
 

VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Film, dem die gewisse Würze fehlt. VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN ist bedeutungsloses Low-Budget-Filmmaterial, das nur Allesglotzern und Hardcore-Horrorfans zu empfehlen ist.
 
 
 


 
 
 

VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN – Zensur

 
 
 
Der Film ist nicht sonderlich brutal. Somit ist die Heimkinofassung mit dem KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

VICTIM – TRAU KEINEM FREMDEN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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Filmreview: “The Purge – Die Säuberung” (2013)

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THE PURGE – DIE SÄUBERUNG

Story

 
 
 
2022. Nach mehreren Wirtschaftskrisen, Kriegen und dem Fall des Dollars ins Bodenlose herrscht in den Vereinigten Staaten eine noch nie da gewesene Kriminalitätsrate. Um dem entgegenzuwirken erlassen die neuen Gründerväter wenige Monate nach ihrer Wahl die alljährliche Purge (deutsch: Säuberung). Pünktlich zum Frühlingsanfang darf nun ab jedem 21. März des Jahres ab 19 Uhr, zwölf Stunden jeder fröhlich metzeln, abrechnen, einfach mal ordentlich Druck ablassen, denn jedes Verbrechen inklusive Mord ist legal und damit auch nicht strafbar. Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser sind in dieser Zeit nicht im Einsatz. So hat jeder die Möglichkeit, das Biest in sich zu entfesseln und seine Seele zu säubern, um ein besserer Mensch zu werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Arbeitslosenquote liegt bei unter einem Prozent, es gibt so gut wie keine Kriminalität und die Wirtschaft boomt. Normalerweise verläuft die Nacht bei der gut situierten Familie Sandin reibungslos. Schließlich verkauft Vater James (Ethan Hawke) Sicherheitssysteme erster Klasse, hat sogar die ganze Nachbarschaft im noblen Vorstadtviertel versorgt und kann seiner Frau Mary (Lena Headey) und den beiden Kindern so ein besseres Leben ermöglichen. Doch diesmal geht etwas schief. Als der gutherzige Sohn Charlie einem verletzten und fliehenden Obdachlosen Schutz in dem Haus gewährt, gerät die Situation außer Kontrolle. Die in Seidenkleid oder Uniform bekleideten Jäger, eine Gruppe maskierter junger Leute aus gutem Hause, möchten ihr Recht zur Säuberung wahrnehmen. Ihr Recht, die Stadt von Gesindel zu befreien, sei es schweren Herzens auch über Leichen aus ihrer Schicht.
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Kritik

 
 
 
God bless America!
Ist der sarkastische Satz, der einem beim Abspann auf der Zunge liegt. Die Idee zu THE PURGE ist ziemlich spannend. Zwar erinnern Ansätze der Grundstory an BATTLE ROYAL bzw. dessen dreiste Mainstream-Kopie DIE TRIBUTE VON PANEM aber in dieser Form kam einem das noch nicht auf den Schirm. Es scheint zunächst absurd, der Bevölkerung einmal im Jahr Selbstjustiz und Triebbefriedigung zu gewähren um Kriminalität unten und Wirtschaft oben zu halten. So kann jeder seine negativen Gefühle rauslassen und seine Seele selbst reinigen – am Ende für ein besseres und friedlicheres Land. Und da letztendlich neben den gehassten Chefs, Ex-Partnern und Nachbarn vor allem die sozial Schwachen dran glauben müssen, die sich keinen sicheren Ort zum Schutz leisten können, dürfte dem Staat durchaus zugutekommen, machen doch die geschwind Platz für ein rasantes Wirtschaftswachstum. Wenn man sich dann allerdings die Diskussionen der Waffengesetze in den Staaten der letzten Monate zurück in den Kopf ruft, in der doch tatsächlich die Mehrheit der vernunftsimmunen Bevölkerung die Meinung vertritt, dass eine bewaffnete Lehrerin durchaus effektiver ist als ein strengeres Verbot von Waffen, scheint die Filmidee einfach nicht realitätsfern genug zu sein. So hinterlässt die grausame Vorstellung einer Nachbarschaft, die munter meuchelt und dabei nicht nur geduldet sondern auch akzeptiert und begünstigt wird, einen bitteren Beigeschmack.
 
So gesehen lässt bereits der Prolog dem Zuschauer einen Gänsehautschauer über den Rücken laufen. Bei erbaulicher Fahrstuhlmusik bewundert man Überwachungsvideos der letzten Purge, bei der Durchschnittsmenschen leichtfertig durch die Gegend schießen oder ihre geliebten Mitbürger enthusiastisch zu Tode prügeln, ohne dass ihre Opfer auf Hilfe hoffen brauchen oder die Täter Strafe fürchten müssen. Ab dann wird sich des innovationslosen amerikanischen Klischee-Repertoires bedient. THE PURGE wird wie ein Nationalfeiertag begangen: Blumen werden aufgestellt, der Rasen nochmals gemäht, den Nachbarn eine sichere Nacht gewünscht, mit der Familie gemeinsam zu Abend gegessen und die unvorstellbare Grausamkeit dieses Massakers weggelächelt. Leider ist ab da vieles vorhersehbar. Die Hintergedanken der Nachbarn, die psychopathische Gesinnung der weißen Elite-Jugend, die einen schwarzen Obdachlosen jagt, die Konflikte innerhalb der Familie… eigentlich die ganze Handlung. Der unglaublich überraschende der-Killer-holt-zum-finalen-Schlag-in-Zeitlupe-über-dem-Protagnisten-aus-und-wird-von-einer-plötzlich-auftauchenden-Figur-von-hinten-erschossen-Effekt findet gleich mehrmals Verwendung. Auch wenn das jedes Mal so aufregend und unerwartet erscheint wie eine neue DSDS-Staffel, trägt es zum Spannungsgrad verblüffenderweise nicht bei. Na sowas. Die Bilder sorgenloser und gleichgültig mordender junger oder vermeintlich freundlicher Mitmenschen lösen zwar im Kopf des Publikums üble Gedanken aus, der Spannungsbogen wird jedoch immer wieder durch viel zu vorhersehbare Ereignisse zerlegt. Auf einen Aha-Moment wartet man bedauerlicherweise vergebens.
 
Für die Protagonisten kann man kaum viel Mitgefühl aufbauen. Es handelt sich um die ausgelutschte Standard-Vorstadtfamilie die weder Tiefe noch Verstand besitzt. Die zuweilen absolut nicht nachvollziehbaren Handlungen regen einfach nur auf (Logisch lässt man die Taschenlampe an, wenn man sich im Dunkeln verstecken soll. Oder rennt ohne Deckung und sich einmal umzudrehen durchs Haus während eine Gruppe Meuchelnder sich in selbigen befindet). Überdies werden zwar zahlreiche Patronen verschossen und scharfgeschliffene Macheten von leichtfüßigen Fräuleins grazil geschwungen, Freunde von brutalen und kreativen Tötungsvorgängen werden jedoch trotzdem vergeblich auf ihre Kost warten müssen. Denn THE PURGE basiert zwar auf einem ziemlich gewalttätigen Konzept, das jedoch ausschließlich mittels wilder Ballereien und ungeschickter Messerhiebe umgesetzt wird. Auf drastisches Gemetzel, blutige Folter oder Wellen von Kunstblut wird größtenteils verzichtet. Zudem erscheinen die Antagonisten bis auf RHYS WAKEFIELD wenig furchteinflößend, verscheiden sie doch so unbedeutend und unspektakulär wie die Fliegen. Der Horror basiert eher auf der Selbstverständlichkeit des gegenseitigen Mordens und der einhergehenden Billigung und Förderung durch die Bevölkerung.
 
THE PURGE ist gesellschaftskritisch und spricht die soziologischen Probleme Amerikas an. Die oberflächliche Maske der Freundlichkeit, die die weisse Bevölkerung nur zu gern zur Schau trägt, das immer noch bestehende Rassen- und Schichtenproblem (auch die obligatorische Quotenschwarze in der Nobelnachbarschaft ändert daran wenig), die menschenverstandsfreie Haltung zur Waffenpolitik aber auch die Gewaltbereitschaft der Menschheit insgesamt. Was tut man wenn man morden kann, darf und soll? Was passiert wenn man die kulturelle Ordnung aufhebt und damit sämtliche Tabus nichtig werden lässt? Wem kann man noch vertrauen? Was dominiert? Mensch oder Bestie? Interessante Fragen mit der sich der Zuschauer und natürlich auch die Protagonisten auseinandersetzen müssen. Bedauerlich, dass die ernsthafte Behandlung dieser Fragen in der zweiten Hälfte des Films zugunsten eines stupiden Teen-Horror-Movie außer Acht gelassen wird.
 
THE PURGE setzt eher auf Sozio-Psycho-Horror, statt mit möglichst bestialischer Splatterei das Auge vergewaltigen zu wollen. Das kann man gut oder schlecht finden. Splatter-Fans wird der Psychotrip vermutlich kaum munden wollen, Fans düsterer Psycho-Thriller wohl schon eher. Die Grundidee nimmt der Genre-Fan erst mal spannungsgeladen und erwartungsvoll auf. Viele werden sich schon direkt beim Trailer nägelknabbernd wiederfinden. Bedauerlicherweise aber leidet JAMES DeMOCANOS 85-minütiges Werk durch eine überraschungsarme Handlung, zahlreiche Klischees, oberflächliche Charaktere und ein absehbares Ende beachtlich. Schade. THE PURGE startet mit einer grotesken und aufregenden Idee, lässt jedoch durch den einfallslosen Verlauf ziemlich nach. Für Horrorfans durchaus zu empfehlen wenn man auf große Überraschungen verzichten kann. Anhänger blutigen Splatters, die auf bizarres Gemetzel aus sind, werden eher ungesättigt den Kinosaal verlassen.
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Düsterer Psycho-Thriller im Hochglanzformat. Brillante Idee, akzeptable aber leidenschaftslose Umsetzung. Gorehounds schauen übrigens dumm aus der Wäsche!
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Zensur

 
 
 
Die aktuelle Kinoassung ist frei ab 16 Jahren. Demnach darf man auch bei der hiesigen Heimkinoauswertung davon ausgehen, das diese ungeschnitten mit dem FSK16-Flatschen veröffentlicht wird.
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Trailer

 
 

 
 

Sören C.

 
 
 
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Filmreview: “The Anniversary at Shallow Creek” (2011)

THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK
 
 
 

THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK

Story

 
 
 
Sam (Eric Fischer) und Paige (Brianna Lee Johnson) studieren gemeinsam Medizin. Um das Leben im Fleiß mit etwas Freizeit aufzulockern, begibt sich das Pärchen zusammen mit Freunden für ein Wochenende in die Einöde. Das schicke Landhaus des Onkels bietet die perfekte Gelegenheit, sich vom hektischen Uni- und Stadtleben zu erholen. Doch der Frieden währt nicht lang. Während die jungen Leute einen gemütlichen Abend bei Wein und Bier ausklingen lassen, wird einem der Freunde aus der Ferne eine Gewehrkugel in den Kopf gejagt. Doch das scheint nur der Auftakt einer ganzen Reihe brutaler Übergriffe zu sein, denn ein maskiertes Killer-Duo schleicht um das Anwesen und kennt nur ein Ziel: die Gruppe möglichst brutal auszulöschen …
 
 
 


 
 
 

THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK – Kritik

 
 
 
Vielen Filmemachern scheinen allmählich die Ideen für ihre Beiträge auszugehen. Das macht sich vor allem im Bereich Horrorfilm bemerkbar. Die produzierte Ware lässt schon seit mehreren Jahren arg zu wünschen übrig. Da werden aus erfolgreichen Horrorstoffen lieblose Remakes gezimmert und die immer wieder gleichen Geschichten uninspiriert wiederverwertet. Die Zeiten, in denen Drehbuchautoren und Regisseure in einer erstaunlichen Regelmäßigkeit zwar eigensinnige, aber stets erfrischende Filmstoffe auf Zelluloid bannten, scheinen längst vorbei zu sein. Und so sind wirklich sehenswerte und wegweisende neue Genreperlen leider ziemlich rar gesät.
 
Der Horror-Thriller THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK aus dem Jahre 2011 macht da leider keine Ausnahme. Mit minimalem finanziellem Aufwand und offensichtlich mangelnder Eigenständigkeit wird hier einmal mehr versucht, dem interessierten Fan das hart verdiente Geld zu entlocken. Dabei versucht Regisseur JOB D. WAGNER (übrigens u.a. auch in das Projekt STATIC involviert gewesen) nicht einmal ansatzweise, die austauschbare Handlung halbwegs spannend in Szene zu setzen oder sie gar mit interessante Aspekten zu bereichern. Stattdessen handelt die Geschichte einmal mehr von einer Gruppe ahnungsloser Erwachsener, die von zwei maskierten Fremden in einem Haus eingeschlossen und wenig später kaltherzig über den Jordan gebracht werden.
 
Wie aktuell üblich, werden die selbstzweckhaften Gewaltakte entsprechend voyeuristisch ausgeschlachtet und dem Zuschauer zeigegeil offenbart. Anders lassen sich die Bilder voll Ungereimtheiten und die unzählbaren inhaltlichen Schwächen kaum mehr vertuschen. Und so erlebt der erwartungsfreudige Filmfreund einmal mehr völlig hölzerne Protagonisten, die in manchem Momente der Dummheit die sinnbefreitesten Dinge veranstalten. Da schleichen sich die Opfer, in der Hoffnung dem Verbrecherpack unbemerkt entfliehen zu können, in das obere Stockwerk des Hauses. Natürlich scheint eines der weiblichen Opfer dem Druck nicht gewachsen zu sein, und beginnt ihre Verzweiflung etwas lautstark zum Ausdruck zu bringen, wobei sie natürlich die übrigen Protagonisten in Gefahr bringt. Zudem mag man als Zuschauer einmal mehr nicht begreifen, warum Frauen in Horrorfilmen partout lauthals kreischen müssen, wenn sie auf einen leblosen Körper stoßen.
 
Eine wirkliche Identifikationsfigur gibt es in THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK nicht. Stattdessen gibt es Terror von der Stange, der aber alles andere als bedrohlich und verängstigend in Erscheinung tritt. Trotz der wenigen Gewaltdarstellungen wirkt THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK nicht wirklich schockierend, da die uninteressanten, idiotisch handelnden Figuren kaum Potenzial zum Mitfiebern bieten. Da ist es dem Film letztlich auch nicht förderlich, dass sich aus dem anfänglich klischeebeladenen 08/15-Slasher schnell ein überraschungsarmer Home-Invasion-Flick entwickelt, der am Ende sogar ins torturlastige abdriftet. Auch wenn sich die Kombination aus diversen Subgenres durchaus ansprechend liest; sehenswert ist dieser wilde Cocktail dennoch zu keiner Minute. Das mag vor allem daran liegen, dass der Film nur selten konsequent ist. Da wird wild umhergeschossen, und mit einem Messer ins Fleisch geschnitten. Im Vergleich zu ähnlich gelagerten Schockern wirkt die unsichere Zurückhaltung der Schlachtszenen schon sehr mädchenhaft. Zudem gestaltet sich der gesamte Szenenverlauf derart durchschaubar, so dass dem Zuschauer schnell der Spaß an der Sichtung vergehen dürfte. Die vermeintlich überraschende Auflösung des Spuks wirkt unglaubhaft und erzwungen und der scheinbar bitterbös’ gemeinte Schlussgag will nicht so recht nachwirken. Was bleibt ist ein vollkommen überflüssiger, ja kaum daseinsberechtigter Thriller.
 
Fakt ist, dass THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK ein unbeholfener Versuch eines zwar motivierten Debütanten darstellt, aber aufgrund der Masse unzähliger ähnlicher Filme kaum Beachtung finden wird. Im übrigen fungiert hier Baseballspieler ERIC MARK FISCHER nicht nur als Produzent des Films. Zusammen mit seiner Ehefrau BRIANNA LEE JOHNSON zeichnet er ebenso als Co-Autor verantwortlich und agiert in THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK sogar noch als Schauspieler – wohl um Kosten zu sparen. Ob man jedoch stolz darauf sein kann, in einem ideenlosen Horrorfilm mitgewirkt zu haben, der sich sogar noch die Dreistigkeit erlaubt mit der Tatsache zu werben, dass er von wahren Begebenheiten inspiriert wurde, ist natürlich fraglich.
 
 
 


 
 
 

THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FUNNY GAMES meets THE COLLECTOR. Ein etwas arg unausgegorener Terrorfilm, mit beliebiger, austauschbarer Handlung, dummen Helden und laschen Morden!
 
 
 


 
 
 

THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK – Zensur

 
 
 
Da die Gewalteinlagen zwar vorhanden sind, aber im Vergleich zu ähnlichen Filmen sehr zaghaft in Erscheinung treten, dürfte THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK hierzulande ungeschnitten ab 18 Jahren erhältlich sein. Demnach ist eine “Keine Jugendfreigabe”-Einstufung denkbar.
 
 
 


 
 
 

THE ANNIVERSARY AT SHALLOW CREEK – Trailer

 
 

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
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Filmreview: “Alexandre Aja´s Maniac” (2012)

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ALEXANDRE AJA´s MANIAC

Story

 
 
 
Frank Zito (Elijah Wood) arbeitet in einer Werkstatt für alte Schaufensterpuppen, die sich seit Generationen in Familienbesitz befindet. Bereits seit seiner Kindheit ist sein Verhältnis zu Frauen gestört und so streift nun schüchtern wirkender durch die Straßen von Los Angeles, immer auf der Suche nach ahnungslosen Zufallsbekanntschaften, die er brutal umbringen und skalpieren kann. Die Trophäen drapiert er auf den Häuptern seiner Schaufensterpuppen, mit denen er auch kommuniziert. Als er die französische Fotografin Anna (Nora Arnezeder) kennenlernt, gerät sein Leben gänzlich aus den Fugen. Nicht nur, dass er sich in die junge Frau verliebt; auch sein geheimes Doppelleben droht aufgedeckt zu werden …
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Kritik

 
 
 
Der französische Regisseur & Produzent ALEXANDRE AJA sollte mittlerweile jedem Genrefan ein Begriff sein, war er doch verantwortlich für HIGH TENSION, jene Comeback europäischen Extremhorrors, das Remake des Wes Craven-Klassikers THE HILLS HAVE EYES und für die Neuverfilmung des koreanischen Mystery-Thrillers MIRRORS. Aufgrund der lukrativen Recycling-Maschinerie Hollywoods war es nur eine Frage der Zeit bis auch WILLIAMS LUSTIGS Kultfilm MANIAC in den Genuss einer Frischzellenkur kommt. Als glattgebügelter Reboot findet nun die Neuverfilmung unter dem kassenträchtigen Banner ALEXANDRE AJAs MANIAC ihren Weg in die heimischen DVD- und Blu-ray-Player, wobei die internationale Titelschmiede den Filmfreund einmal mehr versucht, dreist hinter das Licht zu führen. Zwar wird auf dem Kinoplakat mit dem international anerkannten Namen AJAs geworben; MANIAC umgesetzt hat dennoch ein ganz anderer. Ein raffinierter Schachzug, wird durch diesen dreisten Etikettenschwindel versucht, den weltweiten Verkauf von Bildträgern des Film anzukurbeln. Ganz so weit hergeholt ist die Involvierung AJAs in das Projekt dann doch wieder nicht. Der kreative Franzose nahm zwar hier nicht auf dem Regiestuhl platz, fungierte jedoch als erfahrener Produzent und Autor und übergab die Regie für das Projekt an seinen langjährigen Freund FRANCK KHALFOUN, den er am Set zu HIGH TENSION kennengelernt hatte. KHALFOUN, kein unbekannter im Genre, bewies bereits mit der Umsetzung des von AJA produzierten P2-SCHREIE IM PARKHAUS, dass er ein geschicktes Händchen für markerschütterndes Thriller-Kino besitzt und versucht nun mit seiner Version des berüchtigten MANIAC, den unlängst in die Jahre gekommenen Kultklassiker einem neuen Publikum zugänglich zu machen.
 
Seit seinem deutschen Kinostart am 14. November 1980 hatte es das Original bisher nicht leicht in Deutschland. Kurz nach seiner Uraufführung wurde der Film bundesweit beschlagnahmt und steht auch heute noch, weit über 30 Jahre nach seiner Entstehung, in der ungeschnittenen Fassung auf dem Index für jugendgefährdende Medien. Eine etwas groteske Anmutung, wenn man bedenkt, dass sich die Neuauflage durchaus sadistischer und zeigefreudiger in ihren Gewaltdarstellungen gibt und die Effekte bei weitem realistischer und expliziter in Erscheinung treten. Dennoch hatte auch die Neuauflage bei der hiesigen Zensurbehörde ihre Problemchen. Zwar lief die Originalfassung in den deutschen Lichtspielhäusern noch in der ungeschnittenen Urversion frei ab 18 Jahren; das Label ASCOT ELITE stieß aber mit einer weiteren Prüfung für die kommende Heimkinoauswertung auf wenig Gegenliebe seitens der FSK. Diese verweigerte dem Film die Freigabe in seiner ungeschnittenen Form, so dass ALEXANDRE AJAs MANIAC nun in zwei Schnittvarianten erhältlich ist: gekürzt, als FSK-geprüfte Version für den regulären Handel sowie ungeschnitten mit SPIO/JK-Kennzeichnung für die deutschen Videotheken.
 
Nach all den mal mehr, mal weniger brauchbaren Neuverfilmungen der letzten Jahre, stellt sich bei Fans des Originals natürlich direkt die Frage, ob der aktuelle Aufguss eigentlich überhaupt hätte von Nöten sein müssen. Viele der grandiosen Horrorfilmperlen wurden in vergangener Zeit ungnädig durch die Politur gejagt, wobei nur wenige von ihnen überhaupt den Qualitätsgehalt der Vorlage erreichen konnten. Freunde des aus den 80er Jahren stammenden Originals wird freuen, dass mit ALEXANDRE AJAs MANIAC eine sehenswerte Neuauflage geschaffen wurde, die es hervorragend versteht, sich vom Einheitsbrei dummer Mainstreamware kreativ abzuheben und es dabei sogar noch schafft, durch Stimmigkeit zu überzeugen. Regisseur KHALFOUN kopiert das Grundkonzept der Lustig´schen Geschichte nicht eins zu eins, sondern versucht der Handlung vom mordgierigen Irren eine eigene Note zu verleihen. Das macht sich vor allem bei der Auswahl des Hauptdarstellers bemerkbar. Mimte der robuste JOE SPINELL im Original noch den Antipathen mit zerzaustem Haar und irrem Blick, so erstaunt, dass im Reboot ausgerechnet der unscheinbare und fragil wirkende ELIJAH WOOD die Rolle des psychotischen FRANK ZITO übernahm. Der Amerikaner bewies bereits durch sein Schauspiel in Werken wie SIN CITY und HOOLIGANS, dass er durchaus wandelbar ist und sich nicht zwangsläufig in eine Schublade stecken lassen möchte. Auch wenn er als MANIAC bei weitem weniger impulsiv und widerlich zur Tat schreitet wie SPINELL 32 Jahre zuvor, schafft es WOODS dennoch seine Rolle mit einer geheimnisvollen und unnahbaren Aura zu umgeben, was aber nicht heißen soll, dass sein FRANK ZITO dadurch nicht weniger krank und perfide in Erscheinung tritt. Der neue Frank schreitet unauffälliger, zerbrechlicher und bedachter zur Tat, wobei diese Prämisse nicht bedeuten soll, dass der neue MANIAC weniger schockiert und bewegt. Aufgrund der radikalen Kameraführung, welche die Geschehnisse aus der Egoperspektive zeigt, wirkt das Remake bei weitem härter und kompromissloser als sein betagter Vorgänger. Der Zuschauer wird gezwungen, in die Position des Killers zu schlüpfen und die Taten mit seinen Augen zu sehen. Diese Sichtweise grenzt sich nicht nur erfrischend vom Original ab sondern wirkt in seiner Kompromisslosigkeit gelegentlich gar nah am Experimentalfilm, was ALEXANDRE AJAs MANIAC weniger massentauglich macht und ihn in fast schon für die Geschmäcker kontroverserer Arthouse-Filmfans interessant macht.
 
Auch wenn FRANCK KHALFOUN stets darum bemüht ist, seinen MANIAC in ein andersartiges, zeitgemäßes Gewand zu verpacken, ist seine Interpretation nicht von Makeln gefreit. So wird die Psychologie des Täters nur schemenhaft umrissen, sein Vorgehen stattdessen reißerisch, plakativ und krude bebildert. Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung steht das Remake zwar immerhin gänzlich auf Höhe der Zeit und diesbezüglich anderen radikalen Horrorschockern der letzten Jahre in nichts nach. In diesen Momenten der Nachlässigkeit zeigt die Neuverfilmung, gerade durch die minutiös zelebrierten Skalpierungsszenen, ihre andere Seite. Die des waschechten, schmuddeligen Exploitation-Kinos, was für den Otto-Normalzuschauer ebenfalls schwer verdaulich sein dürfte. Trotzdem, auch wenn sich die Spannung hin und wieder in Grenzen hält und der Film mit kleinen Längen zu kämpfen hat, schafft es der unangenehme Bilderrausch einen merklich melancholischen Grundton zu entwickeln, der in Kombination mit dem hervorragenden Retro-Soundtrack gerade jenen Zuschauern gefallen dürfte, die eine Vorliebe für 80er Jahre Slasher-Movies hegen. ALEXANDRE AJAs MANIAC ist mit Sicherheit eines der gelungensten Reboots der letzten Jahre und dürfte Regisseur FRANCK KHALFOUN ein Stück höher in der Liga der außergewöhnlich kreativen Genre-Regisseure Hollywoods katapultieren.
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Eine gelungene Neuverfilmungen, eines berüchtigten Klassikers. Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Zensur

 
 
 
Die deutsche FSK-Fassung mit dem KEINE JUGENDFREIGABE-Aufdruck ist geschnitten. Im deutschsprachigen Ausland sowie in den bundesweiten Videotheken kann die ungeschnittene Fassung mit der SPIO/JK-Kennzeichung erworben werden.
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Alexandre-Ajas-Maniac-Blu-ray-Cover
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Maniac; Frankreich/USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: KJ (geschnittene Fassung) / SPIO JK (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Edle, schwarze Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer beim Start der Disc: Maniac (Original) (2:59 Min.), A little bit Zombie (2:17 Min.), Passion (1:00 Min.), Making of (9:47 Min.), Interviews: Elijah Wood (9:36 Min.), Nora Arnezeder (2:18 Min.), Franck Khalfoun (4:10 Min.), Alexandre Aja (4:03 Min.), Kinotrailer (0:49 Min.), Deutscher Trailer (2:02 Min.), Originaltrailer (2:07 Min.), Trailershow: When the Lights Went Out (2:27 Min.), A Lonely Place to Die (1:53 Min.), One Way Trip (1:24 Min.), 11-11-11 – Das Tor zur Hölle (1:42 Min.), Der Kreuzmörder (2:10 Min.), Söldner – Gesetzlos und gefürchtet (1:21 Min.), Eden (2:30 Min.), Einführung von Bill Lustig (00:18 Min.)

 
 
 
Den Beginn, auf der uns vorliegenden Heimkinofassung zu ALEXANDRE AJA´S MANIAC, macht der Trailer zum Original aus dem Jahre 1980. Dieser wird natürlich zeitgleich mit dem Reboot des Filmes auf DVD und Blu-ray veröffentlicht, wobei der interessierte Filmfreund hier jedoch direkt den Umweg ins deutschsprachige Ausland wählen sollte. Denn auch die kommende HD-Auswertung des Ur-MANIAC ist in Deutschland nur gekürzt erhältlich, da der Film hierzulande immer noch in seiner ungeschnittenen Fassung beschlagnahmt ist. Nach zwei weiteren Clips kommender Filme aus dem Hause ASCOT ELITE geht es direkt ins animierte Hauptmenü, wo es neben dem Hauptfilm allerlei Sehenswertes zu erkunden gibt. Neben einem ausführlichen Making of (ca. 10 Minuten, in deutscher Sprache), gesellen sich diverse Interviews aller Beteiligten (insgesamt ca. 20 Minuten). Zudem gibt es verschiedene Trailer zum Film, sowie eine umfangreiche Trailershow weiterer sieben Beiträge aus dem Katalog des Labels zu entdecken. Alle Extras besitzen deutscher Untertitel und liegen in hochauflösender Qualität vor. Technisch hat sich ASCOT ELITE keineswegs lumpen lassen. Das Bild überzeugt durch einen sehr adäquaten Schärfegrad, der vor allem bei den Nahaufnahmen trefflich zur Geltung kommt. Bei einigen Weitwinkelszenen treten hin und wieder kleine Unschärfen auf, die vor allem beim Einsatz diverser Stilmittel zum Einsatz kommen; wiegen jedoch nur selten ins Gewicht. Ansonsten tritt das Bild überwiegend klar und sauber in Erscheinung. Neben dem hervorragenden Bild gesellt sich ein brachialer Ton, der sich durch eine wunderbare Räumlichkeit auszeichnet und es stets perfekt versteht, den tollen Soundtrack optimal zur Geltung zu bringen. Filmfans erhalten mit ALEXANDRE AJA´S MANIAC nicht nur einen sehenswerten Film; auch die hochwertige Technik kann sich durchaus hören und sehen lassen. Bleibt zu erwähnen, dass ASCOT ELITE sogar an ein Wechselcover gedacht hat und die Blu-ray in einer edlen, schwarzen Amaray ausliefert.

Im Übrigen: wer den Film ungeschnitten sehen möchte, sollte auf das SPIO/JK-Zeichen achten. Die deutsche Kaufhausfassung mit dem FSK18-Aufdruck ist geschnitten
 
 

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ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Dominik S.

 
 
Ähnliche Filme:

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The Orphan Killer (2011)

Maniac (1980)


Filmreview: “Home Sweet Home” (2013)

home-sweet-home-2013
 
 
 

Home Sweet Home

Story

 
 
 
Frank und Sarah sind ein glückliches Paar. Nach einer durchzechten Partynacht zieht es die beiden zurück in die heimischen vier Wände, wo sie jedoch bald feststellen müssen, dass dort irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Die Erklärung offenbart sich schnell. Ein Killer hat sich Zugang zur Wohnung verschafft und beginnt nun ein erbarmungsloses Spiel mit dem jungen Paar zu spielen. Jegliche Fluchtwege sind verbarrikadiert, ein Entkommen scheint unmöglich …
 
 
 


 
 
 

Home Sweet Home – Kritik

 
 
 
Horrorfilme aus Frankreich sind inzwischen häufig Garanten für deftigen Schlachthaus-Stil. Nach Beispielen wie HIGH TENSION, MARTYRS, INSIDE und FRONTIER(S) steht Gekröse aus dem benachbarten Ausland nach wie vor für astrein-derbes Splatter-Vergnügen, auch wenn der Erfolg solch “böser” Produktionen in den letzten Jahren merklich abnehmen musste. Auch Regisseur DAVID MORLET ist einer derer, der sich zu jener jungen Garde mutiger Filmemacher zählen darf, der es eindrucksvoll gelang, den unlängst vergessenen europäischen Horrorfilm zurück in die Lichtspielhäuser der Welt zu transferieren. Sein düsteres Weltuntergangszenario MUTANTS aus dem Jahre 2009 dürfte dem interessierten Horrorfilmfan noch merklich in Erinnerung sein und gehört zu einem der wenigen noch sehenswerten französischen Beiträge. Nun wandelt der Regieneuling auf internationalen Pfaden, was kaum verwundert, wenn man sich die steilen Karrieren seiner ebenso erfolgreichen Landsgenossen betrachtet. Ob ALEXANDRE AJA, XAVIER GENS oder PASCAL LAUGIER; für sie alle bot der moderne, französische Horrorfilm das Sprungbrett ins lukrative Hollywood, wo ihnen die Möglichkeit geboten wurde, ihr cineastisches Talent mittels hoch budgetierten Hochglanzstreifen breitem Publikum zugänglich zu machen.
 
HOME SWEET HOME von DAVID MORLET betritt die just besprochenen internationalen Pfade. Der Home-Invasion-Thriller ist sein englischsprachiger Einstand. Vom klassischen Heim-Terrorfilm Marke FUNNY GAMES (MICHAEL HANEKE), und KIDNAPPED (MIGUEL ANGEL VIVAS) inspiriert, verbrennt er hier ein durchaus beängstigendes Slasher-Feuerwerk, dass zwar bei Weitem nicht die brutale Intensität eines INSIDE (ALEXANDRE BUSTILLO, JULIEN MAURY) erreicht, aber doch für 80 Minuten schweißtreibende Schocker-Unterhaltung sorgt. Die Umschreibung “Schocker” kommt HOME SWEET HOME dabei ganz gelegen, denn nach all den ultra-brutalen Folterwerken der Vergangenheit holt Regisseur MORLET die traditionellen Zutaten des einst so berüchtigten Horrorkinos zurück auf die große Leinwand. Schreckhaften Gemütern sei mit dieser Kritik an Herz gelegt, dass HOME SWEET HOME in Bezug auf treffsichere Schocks ein ganz schön fieses Filmchen ist, das den Horrorfilmfreund nicht nur einmal ziemlich gemein zusammenzucken lässt. Auch wenn einige dieser Momente erheblich vorhersehbar erscheinen, verfehlen sie ihre Wirkung nur sehr selten. Anders als in klassischen Home-Invasion-Thrillern beginnt HOME SWEET HOME nicht damit, die potenziellen Opfer ausführlich zu charakterisieren. Die ersten 15 Minuten sind gänzlich dem identitätslosen Psychopathen gewidmet, der sich Zutritt zu einem ihm unbekannten Haus verschafft, die Räumlichkeiten studiert und mögliche Fluchtwege versperrt. Danach bereitet er sich auf sein Verbrechen vor, kleidet sich in seine “Arbeitsuniform” und versteckt sein Gesicht hinter einer perfiden Maskierung. Erst nachdem er seine Vorbereitungen getroffen und sich ein Versteck im Anwesen gesichert hat, werden die potenziellen Opfer eingeführt, die bald realisieren müssen, dass es kein Entkommen aus dem vermeintlich sicheren Heim gibt.
 
HOME SWEET HOME ist ein Paradebeispiel, wie finsterer, gemeiner Horror auszuschauen hat. Auch wenn die Geschichte im Grunde genommen kaum Neues zu bieten hat, durchlebt der Zuschauer zusammen mit den beiden Opfern ein wahres Martyrium, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Ungewöhnlicherweise hält sich MORLET gesittet mit dem Abhandeln obligatorischer Schauwerte zurück, was ein wenig verwundert, wenn man sich den Horror-Mainstream vor Augen führt, der aktuell erfolgreich über die internationalen Leinwände flimmert. Die Taten des unbekannten Killers werden zwar angedeutet, jedoch im Off zelebriert, so dass der Zuschauer oftmals nur das Ergebnis der kranken Handlungen zu Gesicht bekommt. Dem vorliegenden HOME SWEET HOME schadet diese Prämisse jedoch keineswegs, wirkt der Film gerade aufgrund seiner durchweg wortkargen und sachlich protokollierten Inszenierung erstaunlich hart und lässt natürlich gegen Ende noch soviel Lebenssaft fließen, dass zumindest der Gorehound zufriedengestellt werden kann. Leider trüben einige altbackene Klischees wie so oft den durchweg positiven Gesamteindruck. So mag man als Zuschauer schon wieder rein gar nicht verstehen wollen, warum der Handyempfang ausgerechnet in solchen Situationen wie diesen auszufallen beginnt und die Protagonisten teilweise vollkommen unüberlegt handeln. Zudem wirkt die letztendliche Auflösung des gesamten Spuks etwas arg reißerisch und ziemlich makaber, was aber dennoch kein Grund sein sollte, HOME SWEET HOME zu verschmähen.
 
DAVID MORLETS englischsprachiges Debüt ist erstaunlich kompromissloser Erwachsenen-Horror, der souverän inszeniert wurde und teilweise schon deutlich professioneller und polierter daherkommt, als sein Erstlingswerk MUTANTS. Der Genre-Freund darf sich überraschen lassen, was MORLET als nächstes aus dem Hut zaubern wird. Dass er ein sicheres Händchen in der Umsetzung spannender Schocker besitzt, beweist er mit HOME SWEET HOME eindrucksvoll. Der Film ist zwar kein Meisterwerk, hebt sich im Vergleich zu all den austauschbaren Filmchen der letzten Zeit aber allemal positiv ab.
 
 
 


 
 
 

Home Sweet Home – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schockintensiver Home-Invasion-Thriller für nervenstarke Filmfreunde. DAVID MORLETS englischsprachiges Debüt ist ein ziemlich schmerzhafter Horrorfilm geworden, der den Verlgeich zu ähnlich gestrickter Terrorware nicht scheuen braucht.
 
 
 


 
 
 

Home Sweet Home – Zensur

 
 
 
Zwar sind die hier bebilderten Gewaltszenen durchaus hart anzuschauen. Dennoch schwenkt die Kamera wohlwollend in den entscheidenden Momenten weg, so dass dem Zuschauer allzu grausame Szenen erspart bleiben, was aber nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass der Film dadurch weniger schroff wirkt. Es gibt immer noch genügend Gewaltakte, damit der Film in seiner ungeschnittenen Fassung den “Keine Jugendfreigabe”-Flatschen erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

Home Sweet Home – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Aggression Scale (2012)

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Filmreview: “Stripped” (2012)

stripped_2012
 
 
 

Stripped

Story

 
 
 
Vier Freunde planen einen trinkfreudigen Ausflug nach Las Vegas, um dort eine Geburtstagssause halten zu können. Auch die hübsche Capri (Nicole Sienna) ist mit von der Partie. Sie wittert in dem Kurztrip eine günstige Mitfahrtgelegenheit, will sie doch in der Stadt ihren Boy-Freund Jake wiedertreffen. Unterwegs bemerkt einer der Freunde ein kleines Visitenkärtchen an der Windschutzscheibe des Autos, auf dem leicht bekleidete Damen eine Menge Spaß versprechen. Grund genug für die Clique, die Nummer auf dem Kärtchen zu wählen und die Adresse aufzusuchen, die ihnen eine verheißungsvolle Stimme am Telefon nennt. Fataler Fehler. Der erhoffte Bordellbesuch entwickelt sich rasch für alle Beteiligten zum wahren Albtraum. Denn was die Freunde nicht wissen: hinter dem schlüpfrigen Freudenhaus versteckt sich ein skrupelloser Organhändler-Ring …
 
 
 


 
 
 

Stripped – Kritik

 
 
 
Willkommen in unserer Rubrik Filme, die die Welt nicht braucht. Diesmal haben wir es, welch Überraschung, erneut mit einer dieser vollkommen minderbemittelten Found Footage-Gurken zu tun, die einmal mehr trefflich unterstreichen, wie aufgebläht dieses Subgenre bereits geworden ist. Innovation sucht man hier vergebens – wozu auch, wenn sich doch mit dem ständig gleichen Käse rasch einige harte Dollars verdienen lassen. Und so verwundert es kaum, dass STRIPPED spannungsarm nach dem allseits bekannten Wackel-Cam-Rezept geköchelt wird und dabei einmal mehr jeglichen Unterhaltungswert missen lässt.
 
Regisseur und Produzent J.M.R. LUNA, der bereits als Kameramann für diverse Kurzfilme und Werbespots verantwortlich zeichnete und sogar an Großproduktionen wie BURTONS CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK mitwirkte, war es vermutlich Leid, immer nur als kleiner Fisch im Hintergrund zu agieren, so dass er sich dazu entschloss, selbst einen ersten abendfüllenden Indie-Film zu produzieren und dazu auch gleich den Regieposten übernahm, um etwas Geld zu sparen. Was wirklich Gescheites ist hierbei natürlich nicht zustande gekommen, was auch kaum verwundert, führt man sich einmal vor Augen, wie dilettantisch unprofessionell das Ding zusammengezimmert wurde.
 
Als Erinnerungsvideo für einige pubertäre Jungspunde getarnt, begegnet uns mit STRIPPED quasi die Billig-Version des Organhandel-Schockers TURISTAS aus dem Jahre 2006 mit wackeligen Bildern und in unscharfer Handycam-Optik. Natürlich werden hier nicht einmal annähernd die Qualitäten der Vorlage erreicht. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass der Film einfach zu lange braucht, eine Richtung zu finden. Bis der Film überhaupt zu Potte kommt, vergehen geschlagene 45 Minuten. Dabei müht der Regisseur sich nach Kräften, die hanebüchene Handlung mit unbedeutende Szenen aufzublähen, um so wenigstens auf Spielfilmlänge zu kommen. So füllt er die notdürftig zusammengesponnene Geschichte mit massig pubertärem AMERICAN PIE-Gequassel, das in seiner erschreckenden Bedeutungslosigkeit schnell zu nerven beginnt. Die wenigen, übrigens ausschließlich von Produzenten des Films gemimten Jungdarsteller verhalten sich reichlich unreif, was für den erwachsenen Zuschauer schnell zur Geduldsprobe wird. Da werden Saurier-Statuen auf dem Spielplatz einer Raststätte begattet, ein anwesender Protagonist beim harten Stuhlgang mit der Kamera gefilmt und besoffen durch die überfüllten Hallen der Spielcasinos gewandelt. Mit zehn Flaschen Bier intus mag das ja durchaus vergnüglich sein; für den nüchternen Filmfreund wirkt das aber alles andere als unterhaltsam und lässt die wenigen Figuren des Film nur noch unsympathischer erscheinen.
 
Immerhin kriegt der Film kurz vor Ende noch halbwegs die Kurve und die Geschehnisse führen zum obligatorischen Blut- und Leichenzoll. Nachdem die Freunde das vermeintliche Bordell ausfindig gemacht haben und auf den schnellen Beischlaf hoffen, vergeht ihnen alsbald der Spaß, als sie plötzlich bei lebendigen Leibe von einem vermummten Arzt ausgeweidet werden. Während die Geschehnisse bis dato aus der typischen Egosicht geschildert wurden, werden die Morde nun aus dem Blickwinkel von Überwachungskameras gezeigt. Überraschenderweise funktioniert das erstaunlich gut, zumal das spartanisch eingerichtete und düstere Setting durchaus seinen Reiz besitzt und die verwinkelte Kulisse für einige unangenehme Momente sorgt. Dennoch, wer nun hofft hier hilflose Opfer sehen zu dürfen, die schön explizit durch den Fleischwolf gejagt werden, dürfte schnell eines Besseren belehrt werden. Blutige Schauwerte gibt es hier kaum zu bewundern. Trotzdem wirkt das hier dokumentierte Gewinsel, Geschrei und Gejammer ziemlich hart, was durchaus dafür sorgen dürfte, dass dem Thriller STRIPPED in hiesigen Gefilden keine Jugendfreigabe attestiert werden dürfte.
 
Wer auch nach den unzähligen Wackelcam-Gurken der letzten Zeit weiterhin Gefallen am Found Footage-Genre findet, kann gern einen Blick riskieren. Der Rest wird auch mit STRIPPED garantiert nichts anzufangen wissen. Auch dieser Schocker ist nichts anderes als ein weiterer, hölzerner Wackelcam-Beitrag unter ach so unzählig vielen!
 
 
 


 
 
 

Stripped – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Fieser Found Footage-Thriller, der ein wenig an die Organhandel-Schocker TURISTAS oder CAGED erinnert. Dennoch, wirklich fesselnd wie seine Vorlagen ist J.M.R. LUNAS günstig zusammengeklautes B-Movie noch lange nicht!
 
 
 


 
 
 

Stripped – Zensur

 
 
 
Wirklich viele “böse” Schauwerte besitzt STRIPPED nicht, sodass man davon ausgehen kann, der die ungeschnittene Filmfassung in Deutschland die FSK mit der “Keine Jugendfreigabe“-Plakette passieren wird.
 
 
 


 
 
 

Stripped – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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Turistas (2006)


Filmreview: “Coffin Baby” (2013)

Coffin Baby (2013)
 
 
 

Coffin Baby

Story

 
 
 
Ein Killer geht um in Hollywood. Als eine Frau brutal ermordet in ihrem Apartment vorgefunden wird, beginnt ihre Schwester Samantha (Chauntal Lewis) bei den zuständigen Ermittlungen zu helfen. Dumm nur, dass sie alsbald selbst ins Visier des Killers gerät, kurz darauf entführt und in die Behausung des Psychopathen verschleppt wird. In eine Zelle eingepfercht, muss sie fortan dem unbarmherzigen Treiben der vermummten Gestalt beiwohnen, die darin Erfüllung findet, ahnungslose Bürger in das kuschelige Heim zu entführen, wo diese dann vor den Augen der verängstigten Frau kaltblütig gefoltert, zersägt und gekocht werden …
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Kritik

 
 
 
Wir erinnern uns: als Hollywood vor über einem Jahrzehnt verhäuft damit begann, einschlägige Horror-Klassiker gewinnträchtig zu recyceln, spendierte Kult-Regisseur TOBE HOOPER (TEXAS CHAINSAW MASSACRE) auch dem Slasher-Klassiker THE TOOLBOX MURDERS eine vielversprechende Frischzellenkur. Nach Jahren vornehmlich erfolgloser Low-Budget-Produktionen erntete HOOPER mit seiner Neuauflage endlich wieder die Aufmerksamkeit, die ihm bereits in den 70/80ern zuteil wurde. Mit seinem souverän abgedrehten TOOLBOX MURDERS Remake gelang es ihm spielend, die Gunst der Genre-Fans wiederzugewinnen und mit seinem Reboot des 70er-Jahre Horrorschockers endlich wieder an die frühen Erfolge seiner Karriere anzuknüpfen.
 
Zehn Jahre sind seither ins Land gegangen; Zeit, den maskierten Killer ein weiteres Mal zur Tat schreiten zu lassen. Etwas mysteriös scheint die Realisierung des Projektes vorangegangen zu sein. Anfänglich noch TOOLBOX MURDERS 2 betitelt, trägt der Film nun den weniger bedeutsamen Titel COFFIN BABY. Als Filmfreund ahnt man bei derart rigoroser Umbenennung nichts wirklich Gutes und in der Tat, das Sequel entpuppt sich als absolute Vollkatastrophe, die es tatsächlich nicht einmal ansatzweise verdient, einen derart bekannten Titel tragen zu dürfen. Autor und Regisseur DEAN JONES hat mit der Quasi-Fortsetzung einen vollkommen wirren Film geschaffen, der zwar nach wie vor den bekannten Killer zum Thema, aber mit der eigentlichen Vorlage rein gar nichts mehr gemein hat.
 
JONES, bekannt geworden durch seine Make-up und Spezialeffekt-Künste in einschlägigen Genre-Produktionen (ebenso im Remake zu THE TOOLBOX MURDERS), präsentiert nun mit COFFIN BABY sein eigentliches Regie-Debüt, wobei die schwierige Entstehungsgeschichte des Werks leider zu offensichtlich ins Gewicht fällt und den Film dadurch einfach nur noch verworren erscheinen lässt. Viel zu oft kann sich der Zuschauer des Gefühls nicht erwehren, mehrere Autoren hätten abwechselnd versucht, des Drehbuchs Herr zu werden. Die Geschichte um den sagenumwobenen Hollywood-Killer wirkt unlogisch, unausgegoren und unstrukturiert. Die vielen Ideen der Drehbuchautoren durchzieht kein roter Faden, so dass JONES verzweifelt darum bemüht ist, die ohnehin nicht vorhandene Geschichte in einer losen Aneinanderreihung möglichst ekelhafter Goreszenarien zu ersäufen. Hierbei fließen derart viele Elemente aktuell so beliebter Horrorware in den Plot von COFFIN BABY, dass man nicht leugnen kann, bereits nach nur wenigen Minuten die Übersicht über die Geschehnisse verloren zu haben. Ob Slasher-, Folter oder Kannibalismus-Szenen; der moralisch fragwürdige Kontext des gesamten Szenarios dürfte auch hierzulande Grund genug sein, dem Film keine Freigabe zu erteilen.
 
Immerhin, und das muss man dem Film dennoch positiv anrechnen, schafft er es mit Leichtigkeit, die Gorehounds unter den Filmfreunden zufriedenzustellen. Hier werden menschliche Körper wie am Fließband zersägt, zerhackt und filetiert und ein wahrliche bluttriefendes Spezialeffekt-Feuerwerk abgebrannt, wie man es vermutlich schon lange nicht mehr in einem Horrorfilm erleben durfte. Sinn ergibt das natürlich alles rein gar nicht, wobei im Falle COFFIN BABY auch nicht wirklich ersichtlich ist, ob es sich denn hier nun um einen ernsthaften Horrorfilm oder eher eine rabenschwarze Komödie handeln soll. Gerade Opfer SAMANTHA durchlebt im Verlauf der Handlung nicht nur ihr ganz persönliches Martyrium; sie versucht auch ihren wirren Geisteszustand mit den dämlichsten Interaktionen zu unterstreichen. So wohnt sie nicht nur dem widerwärtigen Treiben des Killers mit Tüten von Popcorn bei; sie beginnt auch die unmöglichsten Dinge mit den Bergen von Leichenteilen in ihrer Zelle zu veranstalten. Manche dieser Szenen wirken derart überspitzt, das man meinen könnte, mit COFFIN BABY eine vollkommen überzogene Persiflage bekannter Folter-Schocker serviert zu bekommen. Trotzdem, bis auf die Unmengen an Ekelszenen besitzt COFFIN BABY keinen erkennbaren Mehrwert. Die Handlung bietet nichts, was man nicht schon unzählige Male in anderen Folterstreifen zu Genüge gesehen hätte. Das Motiv des Killers ist kaum zu erkennen, ganz geschweige das es plausibel nachwirken will. Die Entwicklung einer Art Stockholm-Syndrom beim Opfer wirkt lächerlich und der unbeholfene Geister-Subplot vollkommen fehl am Platz. Da kann man nur hoffen, dass Regieneuling DEAN JONES demnächst zu alter Größe zurückfindet und sich lieber wieder als kreativer Spezial-Effekte-Macher verdingt, statt auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen.
 
 
 
Bei COFFIN BABY handelt es sich um ein ganz schön übles Stück Zelluloid, das da demnächst deutsche Zuschauer beglücken möchte. In welcher Form dieser Film dabei über die heimischen Mattscheiben flimmern wird, dürfte vermutlich gänzlich außer Frage stehen. COFFIN BABY ist eines dieser Werke, das in ungeschnittener Form nie und nimmer seinen Weg nach Deutschland finden wird, wobei an dieser Stelle noch einmal die “harte” Arbeit der hiesige FSK erwähnt werden sollte, die den Fan regelmäßig vor allzu zeigefreudiger Splatterkunst bewahrt und wahrlich dummen Filmen wie COFFIN BABY die Freigabe verweigert. Lobenswert, denn im Falle von COFFIN BABY könnte die Arbeit der deutschen Zensurbehörde nach all der langen Zeit endlich einmal Sinn ergeben. Dieser Film ist eine wahrhafte Lachnummer und ergeht sich augenscheinlich nur im Abhandeln möglichst widerwärtiger Ekelexzesse und unmenschlicher Grausamkeiten, ohne dabei überhaupt eine gehaltvolle Geschichte zu erzählen. Immerhin dürfte COFFIN BABY als ansprechendes Bewerbungsvideo eines ambitionierten F/X-Künstler dienen, der mit Hilfe offensichtlich realistisch wirkender Gräueltaten versucht, die Karriereleiter ein klein wenig nach oben zu klettern. Dieser Versuch ist leider trotzdem gescheitert, da die Fortsetzung des TOOLBOX MURDERS Remakes leider vollkommen ungenießbar ist. Hier gilt einmal mehr die Devise: literweise Blut und Ekeleffekte machen noch lange keinen guten Horrorfilm. Außer dem möglichst graphischen Abschlachten hilfloser Menschen besitzt der Film leider keinen prägnanten Inhalt. Schade, dass ein so kultiges Franchise, wie das des TOOLBOX MURDERS, mit so einer unterbelichteten Fortsetzung derart in den Schmutz gezogen wird.
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
COFFIN BABY überzeugt mit einem Body Count, der selbst im Genre seinesgleichen suchen dürfte. Das war’s dann leider aber auch schon! Ganz miese Fortsetzung!
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Zensur

 
 
 
Der Film zelebriert regelrecht alle denkbar möglichen Gewaltexzesse. Da wird einem Opfer bei lebendigen Leib Fleischfetzen vom Körper gerissen und genüßlich verspeisst, es werden Augäpfel zerschlitzt und Menschen gefoltert. Derart zeigefreudig, dass COFFIN BABY in Deutschland nur stark zensiert erscheinen wird. Es würde uns nicht wundern, wenn der Film sogar auf dem Index landen würde.
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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Filmreview: “Slasher House” (2012)

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Slasher House

Story

 
 
 
Als sich die verwirrte RED in einer Zelle einer leerstehenden Irrenanstalt wiederfindet, scheint sie nicht nur die Orientierung verloren zu haben, sondern auch ihr Gedächtnis. Nachdem sich der Zellentrakt wie von Zauberhand öffnet und sie ihrem unbequemen Gefängnis entkommen kann, beginnt RED erste Erkundungen in dem seltsamen Gebäude anzustellen und trifft wenig später auf einige ominöse Kreaturen, die ihr offensichtlich nichts Gutes wollen. Auf ihrer Suche nach Erklärungen für die mysteriösen Gegebenheiten findet RED heraus, dass es sich bei den absurden Begegnungen um bekannte Serienkiller handelt, die nur ein Ziel kennen: Töten! Wird RED einen Ausweg aus dem verlassenen Hochsicherheitstrakt finden?
 
 
 


 
 
 

Slasher House – Kritik

 
 
 
Das moderne Zeitalter des digitalen Filmemachens macht möglich, dass sich vermutlich jeder Filmfan als nächster CARPENTER oder ARGENTO versuchen kann. HD-fähiges Equipment ist schnell besorgt und erschwinglicher denn je, so dass es in heutiger Zeit kein Hindernis mehr darstellen sollte, mit halbwegs versierten technischen Kenntnissen einen mehr oder weniger brauchbaren Film auf die Beine zu stellen. Aufgrund der Vielzahl ambitionierter, aber oftmals vollkommen talentfreier Hobbyregisseure kann man sich als Filmfreund vor unzähligen Micro-Budget-Produktionen kaum noch retten, wobei besonders dem Found Footage-Genre die meisten dieser unglaublich miesen Null Budget-Verfilmungen zuzuordnen sind. Blickt man einmal auf den amerikanischen Filmmarkt, scheint sich das Herunterkurbeln selbsterdachter Nonsens-Werke zu einer regelrechten Plage entwickelt zu haben. Dort ist das Drehen digitalen Filmschunds schon fast zum Volkssport geworden. Ganz zum Leidwesen des Filmfreundes, dem es kaum noch gelingt, die Spreu vom Weizen zu trennen.
 
Der kostengünstig produzierte SLASHER HOUSE ist auch einer dieser erschreckend günstig gewerkelten Filmbeiträge, von dem man vermutlich auch nichts wirklich Sinnvolles erwartet – zu Unrecht! Auch wenn das knapp bemessene Produktionsbudget von gerade einmal 5000 Britischen Pfund auf einen hanebüchenen Amateurfilm schließen lässt, wird der Filmfreund flink eines besseren belehrt. Zwar erweist sich das fehlende Kapital hin und wieder als durchaus dumme Spaßbremse, lässt aber MJ DIXONS Debütwerk gerade aufgrund seiner diversen Mankos und Fehler im Film unglaublich sympathisch erscheinen. Zum einen überrascht, mit welch einfachen Mitteln es DIXON schafft, ein erstaunlich stimmiges Setting zu kreieren. Schrille, grüne Farbfilter zaubern aus dem vermeintlich sterilen Gebäudekomplex im Handumdrehen eine ziemlich befremdliche Kulisse, zu welcher Protagonistin RED (Lady Gaga lässt grüßen) mit ihrer purpurroten Perücke, dem feuerroten Kleid und dem etwas zu dick aufgetragenen, ebenfalls roten Lippenstift einen hervorragenden Kontrast bildet. Parallelen zur surrealen Farbenpracht eines Dario Argento (SUSPIRIA) sind hier nicht von der Hand zu weisen. Überhaupt gibt sich Regisseur MJ DIXON nicht zimperlich mit Verweisen auf bekannte Genre-Werke, wobei selbst dem eifrigsten Filmfreund nicht unbemerkt bleiben dürfte, dass der Score etwas arg an Mike Oldfields bedrohliches Glöckchenspiel aus dem Kultfilm DER EXORZIST erinnert.
 
Nachdem RED (ELENOR JAMES) die Lage erkundet hat und auf seltsame Zeitgenossen stößt, die ihr ständig nach dem Leben trachten wollen, gewinnt auch SLASHER HOUSE erstaunlich an Fahrt und offenbart seine eigentliche Intention. Die liegt eben darin, die Titelheldin gegen gemeine Oberschurken kämpfen zu lassen und diese so sadistisch wie möglich in den Filmhimmel zu meucheln. Hierbei werden in regelmäßigen Abständen weitere Zellen geöffnet, aus denen stark psychotische Persönlichkeiten kriechen, die den Film gerade für Freunde etwas handfesterer Unterhaltung interessant machen dürften. In bester Mortal Kombat-Manier werden die grotesken Kreaturen zur Strecke gebracht, wobei das Agieren der Killer derart überzogen dargestellt wird, dass SLASHER HOUSE fast schon wie ein absurder Comic für Erwachsene wirkt. Hinzu kommt, dass sich die Farbgebung der Kulisse mit jedem Erscheinen eines neuen Killers befremdlich verändert, so dass es schon etwas ärgerlich ist feststellen zu müssen, dass dem erfrischend andersartigen Splatter-Fest aufgrund des beschränkten Kapitals doch hin und wieder die Puste ausgeht. Immerhin, und das muss man MJ DIXON lobend anrechnen, hat er es trotz dieses beschränkten Budgets geschafft, das Maximum aus seinem Film herauszuholen. Man will sich gar nicht vorstellen, welch grandioses Schlachtfest aus SLASHER HOUSE geworden wäre, hätte dem Film das doppelte an Mitteln zu Verfügung gestanden. So darf man nur hoffen, dass der ambitionierte SLASHER HOUSE hoffentlich die Beachtung erhält, die er verdient hat und man Regisseur MJ DIXON bei seinen zukünftigen Werken den Freiraum einräumt, den er offensichtlich benötigt, um frisch unterhaltsame Kröselkost auf Zelluloid bannen zu können.
 
 
 
Mit SLASHER HOUSE ist Filmneuling MJ DIXON ein wunderbar kleiner Indie-Slasher gelungen, den sich Filmfreunde schon einmal vormerken sollten, die ein Faible für vollkommen durchgeknallte Horrorkost hegen. Zwar hat der Film gerade zu Beginn erheblich unter seinem eher zweckmäßig zusammengeklöppelten Drehbuch zu leiden, das so rein gar nicht in Fahrt kommen möchte. Hat man jedoch erst einmal die erste Durststrecke überwunden, erfreut mit welch überraschend kurzweiligem Nonsens der Film doch zu überzeugen weiß. Heldin RED, die mit Sicherheit ein wenig mit ihrem penetranten Overacting zu kämpfen hat, darf gegen einige gemeingefährliche Serienmörder fighten, deren Erscheinen den nach Blut lechzenden Genre-Fan durchaus entzücken dürfte. Zu einem nicht wirklich freundlich gesinnten Killerclown, gesellen sich ein zorniger Wrestler, der ohne Maske ziemlich dumm aus der Wäsche schaut sowie ein unberechenbarer Redneck, der überraschend taff in die Schranken gewiesen wird. Trotz minimalen Budgets, ist das hier Gebotene durchweg unterhaltsam, und lässt den bitteren Beigeschmack einer digital gedrehten Amateurproduktion rasch vergessen. Man darf gespannt sein, was Debütant MJ DIXON demnächst noch alles auf die Beine stellen wird. SLASHER HOUSE zumindest, ist nicht weit vom Splatter-Kultfilm entfernt! Lasst die Spiele beginnen …
 
 
 


 
 
 

Slasher House – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Mit SLASHER HOUSE präsentiert uns Regie-Newcomer MJ DIXON einen überraschend gelungenen Einstieg ins Genre. Für Liebhaber derber Horrorunterhaltung ein absolut unterhaltsames Splatterfest. Man darf gespannt sein, was DIXON demnächst aus dem Ärmel schütteln wird.
 
 
 


 
 
 

Slasher House – Zensur

 
 
 
Einige Szenen im Film haben es erstaunlich in sich, wobei einige Folterspielchen gerade Fans dieser Filmgattung durchaus munden dürften. Ansonsten bekommt der Filmfreund hier gelungene Slasher-Kost geboten, die mit einigen Kröseleffekten garniert wurde. Zwar wirkt das hier Gebotene trotz Low Budget-Status durchweg professionell, die Szenen sind jedoch so schnell montiert, dass sich der Härtegrad dennoch in Grenzen hält. Demzufolge darf man von SLASHER HOUSE eine ungeschnittene “Keine Jugendfreigabe”-Einstufung erwarten.
 
 
 


 
 
 

Slasher House – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Mortal Kombat (1995)

Battle Royale (2000)

The Raid (2011)

Dredd (2012)


Filmreview: “Comedown” (2012)

COMEDOWN-Poster
 
 
 

Comedown

Story

 
 
 
Sechs Freunde aus einem Londoner Problemviertel wollen sich ein paar Pfund dazu verdienen. Ihre Aufgabe besteht darin, eine Sender-Antenne für einen geheimen Piratensender im obersten Stockwerk eines verlassenen Hochhauses anzubringen. Keine unüberwindbare Herausforderung für die taffen Ghetto-Kids, handelt es sich doch um ein Gebäude, was ihnen durchaus vertraut ist und in dem sie als Kinder gelebt hatten. Lloyd (Jacob Anderson), gerade frisch verliebt, scheint den Auftrag nur zögernd annehmen zu wollen. Verständlich, wurde er soeben aus dem Gefängnis entlassen und möchte mit Freundin Jemma (Sophie Stuckey) einen neuen Lebensabschnitt bestreiten. Doch die Freunde können ihn überreden und so machen sich die Teens an die Arbeit, das verlassene Gebäude zu erkunden. Anfänglich guter Dinge, bemerken sie alsbald, dass in irgendeinem der Stockwerke ein mysteriöser Killer haust, der so rein gar nicht erfreut über den unangemeldeten Besuch ist! …
 
 
 


 
 
 

Comedown – Kritik

 
 
 
Kids, Bedrohung, Ghetto und Horror? So gänzlich unbekannt scheint derart Kombination dem Horrorfan nicht zu sein, denn bereits im Jahre 2011 haben übermütige, sozial benachteiligte Teenager im Thriller ATTACK THE BLOCK versucht, gegen eine Bedrohung aus dem All anzukämpfen – natürlich mit Erfolg. Der erheiternde Mix aus Comedy und Sci-Fi-Horror avancierte rasch zum Publikumsliebling des 26. Fantasy Filmfest´s und stieß bei hiesigen Horrorfilms auf allgemeine Zustimmung. Der nun vorliegende COMEDOWN thematisiert einen ähnlichen kontroversen Brennpunkt und verfrachtet eine handvoll Ghetto-Kids in einen leerstehenden Wohnblock, in dem sie alsbald auf einen irren Psychopathen stoßen, der sich in seiner kuscheligen Behausung ersichtlich gestört in seiner Ruhe fühlt. Anders als im benannten ATTACK THE BLOCK gestaltet sich die hier zugrundeliegende Geschichte, weniger komödiantisch und schlägt durchweg ernstere und vor allem düstere Töne an. Zu lachen haben die hier unwissenden Teenager leider nichts, denn nachdem sie das leerstehende Gemäuer erkundet und sich dem Drogenrausch hingegeben haben, sehen sie sich mit einem reichlich gestörten Unbekannten konfrontiert, dessen Intentionen jedoch erst am Ende des Films gelüftet werden. Regisseur MENHAJ HUDA mag vermutlich eine Leidenschaft für Filme im Ghetto-Milieu zu pflegen, denn bereits seine beiden zuvor abgedrehten Filme ADULTHOOD und KIDULTHOOD bebilderten ein ähnliches, soziales Umfeld, nur mit dem Unterschied, dass es sich bei seinen Vorwerken um keine Horrorfilme handelt, sondern um eher diskussionswürdige Dramen.
 
COMEDOWN ist ein waschechter und vor allem kompromissloser Slasher, wie man ihn aktuell leider zu oft zu Gesicht bekommt. Es gibt unterbelichtete Kids, die sich einmal mehr, weder um Logik scheren und stattdessen die unglaublichsten Dinge veranstalten, um sich letztendlich doch im Netz des Killers zu verfangen, der sie wiederum für ihre unduldbare Dummheit über die Klinge springen lässt. Warum Drehbuchschreiber nicht endlich einmal damit beginnen, ihren ohnehin gesichtslosen Protagonisten halbwegs anständig Gribs in die Birne zu pflanzen, verstehe wer will. Warum muss ein Slasher im Jahre 2013 stattdessen immer wieder von den gleichen Klischees zerren, die man bereits seit Bestehen dieses Sub-Genres bis zum Erbrechen ausgereizt und unzählbar wiederholt hat? Warum können die Opfer in diesen Filme nicht halbwegs vernünftig agieren und warum dürfen die Charaktere nicht auch einmal damit beginnen logisch zu denken, bevor sie unfreiwillig komisch entscheiden? Immerhin sorgt Regisseur MENHAJ HUDA für ansprechendes Ambiente, dass es zumindest trefflich versteht, den durchaus bösen Gegebenheiten entsprechend bedrohliche Atmosphäre einzuhauchen. Düster ist es in COMEDOWN allemal. So düster, dass der Zuschauer oftmals rein gar nicht erkennen kann, was die Kids und der sagenumwobene Killer da eigentlich auf der heimischen Mattscheibe veranstalten.
Das muss er eigentlich auch gar nicht, reduzieren sich die Geschehnisse einzig und allein auf lautes Schreien, hektisches Davonlaufen, ergebnisloses Suchen und bedeutungsloses Winseln – ganz so, wie es eben in einem 08/15-Teenie-Slasher seit jeher gehandhabt wird.
 
Trotzdem; im Unterschied zu den typischen Vertretern aus Übersee lässt sich in COMEDOWN, trotz aller stereotypischen Verhaltensmustern und allseits bekannter Szenen-Abfolgen, zumindest hin und wieder so etwas wie Spannung und Stimmung verzeichnen. Spätestens dann, wenn sich die Teens mit dem Killer konfrontiert sehen und versuchen müssen ihrem Tod zu entkommen, präsentiert der austauschbare Slasher seine wahren Stärken. Und die sind eben im halbwegs sadistischen Abhandeln der obligatorischen Greulszenen zu suchen. Ja, die perfiden und sadistischen Todesarten in COMEDOWN haben es in sich. Vermutlich punkten sie mit einer derart schonungslosen Zeigefreudigkeit, dass hier natürlich die hiesige FSK keinen wirklichen Spaß verstehen dürfte. Wie in Filmen dieser Art typisch, greift der Killer auf ein umfangreiches Arsenal an allerlei Folterwerkzeug zurück, um die Kids möglichst kreativ ins Jenseits meucheln zu können. Allen voran, sei eine formschöne Nagelpistole genannt, deren Einsatz sich womöglich aktuell in vielen Filmen der letzten Dekaden großer Beliebtheit erfreut hat. Dennoch machen ja bekanntlich viele bösartige Hinrichtungen, noch lange keinen wirklich sehenswerten Film aus. Auch wenn einige der Schock-Effekte im Film allzu zartbesaitete Filmzuschauer deftig zusammenzucken lassen dürften, lässt sich dennoch nicht leugnen, dass COMEDOWN ein Horrorfilm unter vielen ist, der mit seinen unsympathischen Figuren und der unüberschaubaren Fülle an Déjà-vu-Momenten es zu keinem Moment schafft, dem gebeutelten Slasher ansatzweise frischen Wind einzuverleiben. Somit ist COMEDOWN leider nur einer dieser vielen Filme, deren Sichtung einzig und allein Fans zu raten ist, die eine Vorliebe für kompromissloses 80er Jahre Slasher-Kino besitzen. Wer sich angenehm gruseln mag, ist hier leider an der falschen Adresse, denn hier gibt es vorwiegend grobe Hausmannskost von der Stange zu bewundern!
 
 
 


 
 
 

Comedown – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SAW & ATTACK THE BLOCK meet HALLOWEEN!
Düsteres Slasher-Kino mit arg sadistischem Metzel-Szenen, dennoch altbekannter Story und nur wenig erfrischenden Ideen. Leider nur Dutzendware!
 
 
 


 
 
 

Comedown – Zensur

 
 
 
Der Film wird ungeschnitten vermutlich keine Freigabe durch die FSK erhalten. Vor allem die Nagelpistolen-Szene dürfte der FSK sprichwörtlich ein “Dorn im Auge” sein!
Eine SPIO/JK-Prüfung wird es dem Film dennoch ermöglichen hierzulande ungeschnitten zu erscheinen!
 
 
 


 
 
 

Comedown – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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ChromeSkull: Laid to Rest 2 (2011)

Urban Explorer (2011)

Attack the Block (2011)

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Filmreview: “No One Lives” (2012)

no-one-lives-2012
 
 
 

No One Lives

Story

 
 
 
Eine skrupellose Rasselbande böser Kleinkrimineller gerät an ein vermeintlich, friedliebendes Pärchen, das sich kurzum gefesselt in einem leerstehenden Keller wiederfindet. Erwartungsfreudig, im Kofferraum des Paares an verwertbare Wertgegenstände zu gelangen, entdeckt Oberfiesling Flynn (DEREK MAGYAR) in einem geheimen Boden des Autos das gefesseltes Mädchen EMMA, worauf die mysteriöse Entdeckung für alle Beteiligten alsbald eine unerwartete Wendung findet. Denn was keiner des Verbrecherpacks ahnt: bei dem entführten Pärchen handelt es sich um ein gemeingefährliches Killer-Duo dass nun Vergeltung fordert …
 
 
 


 
 
 

No One Lives – Kritik

 
 
 
Liebhaber der etwas härteren Gangart dürften vermutlich mit dem Titel NO ONE LIVES erneut deftigen Nachschlag serviert bekommen und somit Freunde derben Gekröses jauzend im Kreise tanzen lassen. Bereits 2008 sorgte der japanische Regisseur RYÚHEI KITAMURA (VERSUS, AZUMI) unter weltweiten Horrorjüngern für allerhand Furore. Seine Leinwand-Adaption einer Kurzgeschichte des legendären Horror-Autors CLIVE BARKER (HELLRAISER) mit dem Titel MIDNIGHT MEAT TRAIN avancierte nicht nur zu einer der besten Film-Umsetzung eines BARKER-Stoffs, sondern brachte vor allem internationale Sittenwächter aufgrund der teilweise drastischen Gewaltdarstellungen im Film auf die Barrikaden. In Deutschland wurde der MIDNIGHT MEAT TRAIN erst gar nicht veröffentlicht, so dass er über Umwege im deutschsprachigen Ausland seinen ungeschnittenen Heimkino-Release fand. Und auch der amerikanische Rechteinhaber LIONSGATE lies die BARKER-Geschichte in nur wenigen, auserwählten Kinos über die Leinwand flimmern, so dass der Film nicht einmal annähernd die Aufmerksamkeit erhielt, welche diese Verfilmung ersichtlich verdient hätte. Nach seinem ersten, etwas unwillkommenen Einstieg in den amerikanischen Filmmarkt, folgt nun mit dem Rache-Triller NO ONE LIVES seine bereits zweite amerikanische Regie-Arbeit, die mit ebenso derben Schauwerten zu keiner Minute geizt.
 
Im direkten Vergleich mit der zuvor abgedrehten CLIVE BARKER-Kurzgeschichte zieht sein aktueller Beitrag definitiv den Kürzeren, denn wirklich innovativ-erfrischende Unterhaltung für Erwachsene sucht man hier vergebens. Stattdessen wird dem Zuschauer eine vollkommen unwichtige Geschichte präsentiert, die sich einzig auf das Abhaken möglichst absurder Todesarten beschränkt. Die vornehmlich rudimentäre Geschichte wird in der ersten halben Stunde im Eiltempo abgehakt, um das fragwürdige Handeln aller Beteiligten in irgendeiner Form zu rechtfertigen. Danach wird eine zeigefreudige Splatterhatz verbraten, die vor allem den Freunden “einfacher” Unterhaltung vortrefflich munden dürfte. Dass hiesige Zensurbehörden mit derart selbstzweckhaften Gemetzel wohl kaum Spaß verstehen werden dürfte bereits vorab auf der Hand liegen. Da werden Körper entweidet um daraufhin in selbige hineinschlüpfen zu können, um sie als Tarnkostüm zu nutzen, eine Erntemaschine wird kurzum als Fleischwolf umfunktioniert und ein siffiger Auto-Motor gibt dem Gesicht eines der Opfer den nötigen “Feinschliff”. Die hier bebilderten Ekeleffekte sind zwar alle durchaus ziemlich grotesk, verfehlen ihre widerwärtige Wirkung dennoch nur selten. Von daher dürfte vorab feststehen, dass NO ONE LIVES in seiner ungeschnittenen Form keine Chance bei der deutschen FSK haben wird.
 
Immerhin, und das muss man Regisseur RYÚHEI KITAMURA durchaus zu Gute schreiben, schafft er trotz der vorwiegend bierernsten Inszenierung einige zutiefst schwarz-humorige Elemente in seinen aktuellen Splatter-Trip einzustreuen. So dürften vor allem die diversen Szenen im Film für ein bitterbös-zynisches Lächeln sorgen, in denen den vorwiegend weiblichen Opfern das Blut ihrer männlichen Geschlechtsgenossen literweise ins Gesicht spritz und diese daraufhin planlos und aufgesetzt gen Kamera schreien. Auch Millionär-Tochter EMMA muss in ihrem Martyrium schon einiges erlebt haben, so dass sie nur wenig beeindruckt von den durchaus perfiden Spielen des psychopathischen Killers scheint und mit einer fast schon gleichgültigen Langeweile ihren hysterisch-kreischenden Mitstreiterinnen beim Sterben beiwohnt. Trotz der vermeintlich vollkommen hölzernen Inszenierung, dürften derart erheiternden Szenen allen aufgeklärten Horrorfilmfans ein lauthalses Lachen entlocken.
 
Trotzdem, einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt NO ONE LIVES leider nicht. Viel zu beliebig skizziert sich die Handlung und die darin austauschbaren Figuren. LUKE EVANS als unkaputtbarer Killer bleibt weitestgehend gesichtslos, wobei man sich als Zuschauer nicht nur einmal fragen dürfte, wie er es immer wieder aufs Neue schafft, jeder Situation Herr zu werden und alle Interaktionen seiner Gegner vorausahnen zu können. Sein RAMBO´reskes Handeln wirkt zu keiner Zeit nachvollziehbar, sodass seine Gegenspieler kaum den Hauch einer Chance besitzen, überhaupt überleben zu können und es bereits zu Beginn ersichtlich scheint, wer bei diesem primitiven Hahnenkampf den Kürzeren ziehen wird. NO ONE LIVES ist leider kein wirklich intelligenter Beitrag innerhalb seines Genres, aber dennoch kann man Regisseur RYÚHEI KITAMURA nicht unterstellen, einen Film realisiert zu haben der langweilt. Mit einem erstaunlich hohen Tempo verbrät er eine Schlachterplatte der Extraklasse, die trotz dem Nichtvorhandensein irgendwelcher Identifikationsfiguren für reichlich Kurzweil sorgt. Dabei dürfte vor allem das Interesse im Vordergrund stehen, welcher der anwesenden Protagonisten als nächstes und in welcher Form das Zeitliche segnen wird. Politisch korrekt ist das alles natürlich nicht; ausgehungerte Gorhounds dürfte das natürlich kaum interessieren, sodass NO ONE LIVES auf gleicher Ebene mitschwimmt, wie zuletzt THE COLLECTION und das allseits beliebte SAW-Franchise: Gewalt als Mittel zum Selbstzweck, um die kaum vorhandene Geschichte tragen zu können.
 
 
 
NO ONE LIVES ist eines dieser Filmchen, auf welchen sich der Filmfreund aufgrund des vielversprechenden Zugpferdes (in diesem Fall RYÚHEI KITAMURA als Regisseur des zuvor abgedrehten MIDNIGHT MEAT TRAIN) ersichtlich freut und hofft, dass sein aktueller Beitrag auch das hohe Niveau seines Vorgängerfilmes konsequent beibehalten kann.
Leider ist ihm das im Fall von NO ONE LIVES leider nicht wirklich gelungen. Zwar dürfte der Film, aufgrund seiner teilweise derben Gewaltszenen, ausgehungerte Splatterfans einige Freudentränen entlocken; wirklich nachhaltig oder prägend ist sein aktueller Slasher-Thriller leider nicht. Vielmehr ist sein aktueller Horrorfilm eines dieser Werke, die man zwar einmal gesehen, aber nach wenigen Tagen bereits schon wieder vergessen hat. Aufgrund der Masse an ähnlich gewerkelten Beiträgen hinterlässt sein NO ONE LIVES leider keinen wirklich nachhaltigen Eindruck. Hoffen wir, dass es so schnell zu keiner weiteren dummen Fortsetzung kommt. Denn das Ende suggeriert, wie aktuell im Genre-Film üblich, einen weiteren möglichen Ableger – ob dieser jedoch zwingend von Nöten ist sollte jeder Horrorfans für sich selbst entscheiden!
 
 
 


 
 
 

No One Lives – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Derber Thriller, der das Herz jedes Horrorfans aufgrund der vielen “bösen” Szenen definitiv höher schlagen lassen dürfte. Trotzdem, im Vergleich zu RYÚHEI KITAMURA Erstlingswerk MIDNIGHT MEAT TRAIN eine herbe Enttäuschung!
 
 
 


 
 
 

No One Lives – Zensur

 
 
 
Eine ungeschnittene “Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichung durch die FSK dürfte hier ausgeschlossen werden. Mit etwas Glück passiert er ungekürzt die SPIO/JK!
 
 
 


 
 
 

No One Lives – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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Storm Warning (2007)

Eden Lake (2008)


Filmreview: “Redd Inc.” (2012)

Redd-inc-poster
 
 
 

Redd Inc.

Story

 
 
 
Willkommen in der neuen Firma: sechs unwissende Menschen finden sich in einem heruntergekommenen Bürokomplex wieder. An einen Schreibtisch gekettet, empfängt sie alsbald der ehemalige Regionalleiter “Thomas Reddman”, der nach einem ihm zugeschobenen Mord, alsbald hinter Gitter wandert, aber letztendlich entkommen kann. Nun fordert er Vergeltung und eine korrekte Darstellung der Gegebenheiten, denn seine Unschuld ist ihm wichtig. Alle sechs Anwesenden scheinen mit dem fälschlicherweise ihm zugeschobenen Mord in irgendeiner Weise in Verbindung zu stehen. Ihre Aufgabe ist es nun, den mysteriösen Fall zu rekonstruieren und Reddmanns Unschuld zu beweisen. Damit sich die unfreiwilligen Zeugen auch durchweg motiviert fühlen, die Gegebenheiten möglichst gründlich zu bearbeiten, drohen den neuen “Angestellten” schmerzhafte Bestrafungen, insofern sie ihre essentiellen Aufgaben zur Aufklärung der Vorfälle nicht ernst genug nehmen …
 
 
 


 
 
 

Redd Inc. – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor, man sucht händeringend nach einer neuen Herausforderung und gerät bei seiner eifrigen Suche nach einer neuen Arbeitsstelle geradezu an den Arbeitgeber aus der Hölle. Für viele Arbeitnehmer vermutlich keine wirklich unbekannte Geschichte, gehören leistungsbedingter Druck und körperlich zermürbender Stress im Beruf fast schon zum guten Umgangston erfolgsorientierter Unternehmen von Heute. Auch die unfreiwilligen Arbeitnehmer des nun vorliegenden Horror-Schockers “Redd Inc.” haben sich ihren ersten Arbeitstag in der neuen, kleinen Firma des ehemaligen Regionalbetreuers “Thomas Reddmann” gänzlich anders vorgestellt, denn der vermeintlich seriös wirkende Chef im noblen Zwirn entpuppt sich alsbald als vollkommen durchgeknallter Psycho, der seine ganz eigene Art besitzt, potenzielle Berufs-Quereinsteiger ausreichend zu motivieren.
 
Ursprünglich als “Inhuman Resources” betitelt, gehört dieser australische Independent-Thriller zu einer ganzen Reihe günstig produzierter Low-Budget-Filmchen, die zum größten Teil durch Crowdfounding finanziert wurden und die aufgrund der teilweise schon zu Tode gerittenen Folterthematik und der Masse ähnlich gewerkelter Gewaltware nur selten die Gunst interessierte Horrorfans für sich gewinnen können. Im Falle von “Redd Inc.” eigentlich bedauernswert, denn hinter diesem vermeintlich vollkommen belanglosen Terrorfilm versteckt sich ein durchaus bösartiger Horrorspaß, denn sich ausgehungerte Genre-Fans bereits jetzt schon einmal vormerken sollten. Zwar spielen sich die Gegebenheiten in “Redd Inc.” nach bereits bekannten Folter-Einerlei ab, aber trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass der hier bebilderte Überlebenskampf durchweg spannend und kurzweilig inszeniert wurde. Klischees gibt es hier zuhauf. Die wenigen “Angestellten” handeln grob fahrlässig und scheinen vermutlich eine Vorliebe für adrenalingetränkte Momente zu besitzen, in denen sie fast schon zwanghaft-genüsslich, das eigene Leben in Gefahr bringen müssen. Die Interaktionen gestalten sich demnach als vollkommen planlos und bedeppert, was aber aufgrund des teilweise bitterbös-zynischen Untertons vollkommen in Ordnung geht und es durchaus Freude bereitet, den vollkommen geistlosen Intelligenzbestien beim Sterben beizuwohnen. Das eigentliche Plus verdient sich “Redd Inc.” jedoch durch seinen ziemlich kompromisslosen Hauptdarsteller “Nicholas Hope“, der die Rolle des vollkommen gestörten “Thomas Reddman” mit Bravour meistert. Seine Agieren als psychotischer Bösewicht, ist derart grandios, dass der Qualitätsgehalt der Handlung mit seinem Erscheinen steigt und fällt. Eigentlich schade, dass sich eine derart böswillige und dennoch charismatische Figur in einen derart uninspirierenden Horrorfilm verirrt hat, denn der Charakter hätte durchaus Potenzial dazu gehabt, in Serie zu gehen. Trotzdem, auch wenn die Geschichte schon irgendwie arg an die diversen Hochglanz-Fortsetzungen des “Saw”-Franchise erinnert und einige wirklich derbe Szenen (übrigens, umgesetzt von „Tom Savini“) gerade zartbesaitete Gemüter durchaus erhitzen dürfte, so ist “Redd Inc.” einer der wenigen Thriller seiner Art, dessen grobmotorische Ungereimtheiten zwar offensichtlich in Erscheinung treten, aber zu verschmerzen sind. Immerhin ist der vorliegende Schocker einer der wenigen Fälle, denen die teilweise etwas unbeholfene und unprofessionelle Inszenierung vollends zugute kommt. Die Ausleuchtung ist teilweise derart grenzwertig, dass man als Zuschauer nur erahnen kann, was sich da vor der Kamera abspielt. Immerhin entwickelt die spärlich ausgeleuchtete Kulisse eine unfreiwillig gespenstig-düstere Atmosphäre, die den morbiden Unterton des Filmes vortrefflich zu unterstreichen weiß.
 
Damit sich “Redd Inc.” zumindest ein wenig vom einfältig, unkreativem Folter-Nonsens abheben kann, spendiert Regisseur “Daniel Krige” seiner zynischen, böswilligen Terror-Hatz eine verblüffende Wendung. Derart Vorgehen scheint sich ja aktuell im Genre großer Beliebtheit zu erfreuen. Der abrupte Plott wertet den bis dato routiniert inszenierten Horrorfilm erfrischend auf, sodass es “Redd Inc.“mit einer Leichtigkeit schafft, sich positiv von gängig dummer Gewaltkost prägnant abzuheben. Zwar erfindet auch dieser Film das Rad nicht neu; der Indie-Schocker beweist aber, dass es oftmals nicht notwendig ist, viel Geld in ein unterhaltsames Filmchen zu investieren, sondern dass man auch mit nur wenig finanziellen Mitteln Gorehounds und Horror-Fans kurzweilig bei Stange halten kann. Von daher: Praktikum in der “Redd Inc.” gefällig?
 
 
 


 
 
 

Redd Inc. – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Darf ich vorstellen: der kleine Bruder von “SAW” – Gemeines Kammerspiel mit einem ziemlich bösartigen Psychopathen. Willkommen zum Vorstellungsgespräch direkt in der Hölle!
 
 
 


 
 
 

Redd Inc. – Zensur

 
 
 
Schwierig über eine Freigabe zu spekulieren. Für eine ungeschnittene “Keine Jugendfreigabe” ist er zu zeigefreudig. Um Zensuren für eine Freigabe vorzunehmen, ist “Redd Inc.” zu harmlos. Wir schätzen jedoch, dass er ungekürzt mit der “Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichung durch die FSK kommen wird.
 
 
 


 
 
 

Redd Inc. – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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SAW (2004)


Filmreview: “Modus Anomali” (2012)

modus-anomali-film-poster
 
 
 

Modus Anomali – Gefangen im Wahnsinn

Story

 
 
 
Ohne jegliche Erinnerung, ohne zu wissen wer er überhaupt ist, kriecht John Evans aus einem schmuddeligen Erdloch und beginnt die Suche nach der eigenen Identität. Wer bin ich und was mache ich hier? Mit dem Ziel vor Augen, Antworten auf seine Fragen zu finden, irrt er durch das Dickicht eines ihm vollkommen fremden Waldes und stößt wenig später auf eine kleine Hütte, in welcher er eine Videokamera vorfindet, auf deren Band der grausame Mord an einer Frau protokolliert wird. Nachdem John in der verwinkelten Behausung seinen Ausweis und ein Foto seiner Familie vorfindet, wird ihm schnell klar, dass es sich bei dem Opfer auf dem Videoband, um seine geliebte Frau handelt. Getrieben von der Angst auch noch die beiden Söhne zu verlieren, macht er sich auf die Suche nach den Kindern. Doch wer steckt hinter all dem perfiden Grauen? Und welche Rolle wurde ihm in diesem perversen Spiel zuteil? …
 
 
 


 
 
 

Modus Anomali – Kritik

 
 
 
Der indonesische Thriller „Modus Anomali“ hätte genug Potenzial gehabt, etwas ganz Großes zu werden. Doch wie zu oft in ambitionierten Genre-Werken scheitert eine glanzvolle Umsetzung einmal mehr am viel zu geringen Produktionsbudget und mangelnder Regie-Erfahrung. Gerade einmal 200 000 Dollar soll dieser Gruseltrip gekostet haben, was man dem Film leider permanent ansieht. Ein leider unweigerlich störendes Manko, um einen spannenden und vor allem guten Horrorfilm zu drehen. Das spiegelt sich leider nicht nur in der Inszenierung wider, sondern auch im schauspielerischen Können der leidlich talentierten Darsteller. Mit seinem aktuellen Beitrag „Modus Anomali“ hat Regisseur „Joko Anwar“ einen Film geschaffen, der versucht, die Psyche eines Menschen in den Mittelpunkt der Geschehnisse zu rücken, was ihm leider nur bedingt gelingt. Zwar werden hier die menschlichen Urängste grob angerissen, wirklich spannend und effektiv will die Geschichte jedoch zu keiner Minute werden. Neben der etwas arg unbeholfen wirkenden, psychologischen Komponente braucht der Film eindeutig zu lang, um überhaupt an Fahrt zu gewinnen. Der Zuschauer darf Hauptprotagonist „John Evans“ (gespielt von „Rio Dewanto“) im ersten Drittel der Handlung beiwohnen, wie er mal mehr, mal weniger sinnfrei durch das austauschbare Setting wandelt und dabei versucht Antworten über die zugrundeliegende Situation in Erfahrung zu bringen. Zwar wirken sein Interaktionen durchaus ambitioniert; eine wirkliche, emotionale Bindung zum Zuschauer zu knüpfen, scheitert dennoch aufgrund des arg unausgegorenen Drehbuchs. „Rio Dewanto“ spielt den tragischen und orientierungslosen Helden, der nach Antworten strebt und dabei seine Kinder in Sicherheit wiegen möchte. Dennoch gelingt es ihm zu keinem Zeitpunkt seiner Rolle eine gewisse Nähe einzuverleiben, sodass sein Schicksal dem Zuschauer vollends unwichtig und unnahbar erscheint. Stattdessen stellt der Filmfreund viele seiner Entscheidungen in Frage, die an logischer Glaubwürdigkeit oft missen lassen.
 
Viel gesprochen wird in „Modus Anomali“ nicht wirklich. Protagonist „John Evans“ trägt fast die gesamte Geschichte auf seinen Schultern, interagiert stattdessen, als das Problem taktisch zu lösen. Die Nebenfiguren, die im Verlauf der Geschichte in die Szenarie purzeln, bleiben blass und unwichtig. Gerade aufgrund der wortkargen und bedeutungslosen Inszenierung macht sich schnell Langeweile breit. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass sich durchaus spannende “One Man”-Filmchen im Horrorbereich finden lassen, die den Genre-Fan trotz dialogarmen Drehbuch zu fesseln wissen. Hierbei wäre als Beispiel der klaustrophobische und suspense-lastige Thriller “Buried” genannt, in dem Darsteller “Ryan Reynolds” verzweifelt versucht, aus seinem dunklen Grab zu entkommen. Immerhin, so durchwachsen das Drehbuch scheint, umso effektiver gestaltet sich die technische Komponente des düsteren Thrillers. Der Score sitzt stimmig und schafft es zumindest hin und wieder so etwas wie eine bedrohliche Atmosphäre zu entwickeln und die Angst des Hauptdarstellers zu unterstreichen. Auch die Kameraführung und die vielen effektiven Schnitte lassen den trüben Beigeschmack einer günstig produzierten Low-Budget-Produktion schnell vergessen. Erschreckt wird hier zwar durchaus hin und wieder arg rabiat, was dennoch aufgrund der etwas faden und zähen Gesamtinszenierung leider keinen wirklich gelungen Beitrag aus „Modus Anomali“ zaubert. Da hilft es dem Film letztendlich auch nicht, wenn er mit einem, aktuell scheinbar im Genre üblichen, Twist aufwartet, um die Gegebenheiten logisch aufzuwerten.
 
 
 
Modus Anomali – Gefangen im Wahnsinn“ treibt nicht nur den Hauptdarsteller des Films in den Wahnsinn, sondern auch den Zuschauer mit seiner etwas unbeholfenen Inszenierung und der permanent andauernden Langeweile, mit welcher Autor und Regisseur „Joko Anwar“ versucht den Zuschauer zu “quälen”. Hier wird viel angerissen, aber nur selten richtig zu Ende gebracht. Auch wenn die wendereiche Geschichte hin und wieder versucht eine albtraumhafte und psychologisch sehr bedrohliche Stimmung aufzubauen, wirkt der sehr östlich orientierte, zähe Erzählstil mit all seinen wirren Wendungen für Zuschauer in unseren Breitengraden etwas sehr befremd- und langweilig. Auch wenn am Filmende ausreichend Blut fließt und der Film versucht, die Geschichte mittels überraschenden Plot interessanter erscheinen zu lassen, so muss man dennoch rasch feststellen, dass “Modus Anomali” einer der Filme ist, die man sich zwar mal zu Gemüte führen kann, aber nicht unbedingt gesehen haben muss.
 
 
 


 
 
 

Modus Anomali – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Arg durchwachsener Horror-Trip aus Fern-Ost mit einer guten Idee, aber etwas unausgegorener Umsetzung.
 
 
 


 
 
 

Modus Anomali – Zensur

 
 
 
Die deutsche Heimkinofassung aus dem Hause “Mad Dimension” ist mit dem “Keine Jugendfreigabe“-Flatschen vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

Modus Anomali – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Modus-Anomali-Blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: MODUS ANOMALI; Indonesien 2012

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1920x1080p, 2.35:1

Laufzeit: 87 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe – FSK18

Verpackung: Edle, schwarze Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer zum Film, Exklusives Interview mit Regisseur Joko Anwar

 
 
 
Wie so oft wurde die Blu-ray zum Film aus dem Hause “Mad Dimension” solide umgesetzt. Legt der Filmfreund die Scheibe in den Player kann er sich durch ein geschmacklich etwas “spezielles” Menü klicken, in dem er sich neben dem Hauptfilms in Deutsch und Englisch auch für ein ca. 17-minütiges Interview mit dem Regisseur des Films (in HD) entscheiden kann. Hierfür werden sogar Untertitel geboten, was bei unbekannten Filmen innerhalb des Genres oftmals nur selten der Fall ist – lobenswert! Leider haben es neben dem Trailer in deutscher Sprache keine weiteren filmbezogenen Extras auf die Scheibe geschafft. Technisch kann die Scheibe natürlich nicht mit aktuellen Hochglanzblockbustern mithalten; aufgrund des B-Movie-Status erstaunt das Bild dennoch durch viele ersichtliche Details und einer soliden Schärfe. Bleibt zu erwähnen, dass der ungeschnittene Blu-ray-Release, wie bisher alle Veröffentlichung des Labels, in einer edlen, schwarzen Amaray daherkommt und dadurch optisch aufgewertet wird. Ein flatschenfreies Wendecover gibt es zusätzlich ebenso. Zwar nicht der große Wurf, aber eine durchaus charmante Veröffentlichung. Wer ein Faible für Asia-Schocker besitzt, darf gern zugreifen, denn technisch ist die Blu-ray brauchbar!
 
 

Modus Anomali – Gefangen im Wahnsinn [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

Modus Anomali – Trailer

 
 
 

 
 

Danny Büttner

 
 
 
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Buried – Lebend begraben (2010)


Filmreview: “The Mooring” (2012)

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The Mooring

Story

 
 
 
Alle 40 Sekunden verschwindet ein Mensch unter oftmals ungeklärten Umständen. So auch in Nord-Idaho, wo eine Gruppe Teenager hinaus in die Natur pilgert, um eine schöne Zeit ohne lästige Telefone, Tablets und MP3-Player zu erleben. Es soll ein Sommer der Veränderungen werden, eine Zeit, in der die Mädchen lernen sollen, dass da draußen auch eine spannende Welt fernab von Chat, TV und Videospielen darauf wartet, erkundet zu werden. Als ihr Hausboot mitten im Nirgendwo strandet und die einzig erwachsene Begleitperson krampfhaft darum bemüht ist, die pubertäre Herde im Zaum zu halten, trifft die Gruppe auf ein seltsam-ungleiches Pärchen, dass nichts Gutes im Schilde zu führen scheint. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Duo schlägt alsbald in Furcht um, denn hinter der vermeintlich freundlichen Fassade, verbirgt sich das personifizierte Böse. Schneller als die Kids erahnen können, sehen sich die hilflosen Mädchen mit einem unmenschlichen Killer-Paar konfrontiert, dass nur ein Ziel kennt: die Gruppe möglichst grausam zu dezimieren …
 
 
 


 
 
 

The Mooring – Kritik

 
 
 
Wer regelmäßig den „Filmchecker“-Filmblog verfolgt dürfte mittlerweile bereits erkannt haben, dass wir zwar große Horrorfilmfans sind, bei uns aber der Spaß am Genre ein frühes Ende findet, wenn in Genre-Werken Kinder selbstzweckhaft missbraucht, gefoltert oder sonst wie zu Tode gemeuchelt werden. Auch wenn wir natürlich durchaus zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können, birgt derart Thematik einen bitteren Nachgeschmack und findet bei uns nur selten Zustimmung.
Der Film „The Mooring“ ist ein derartiger Kandidat, der sich aus Sensationsgeilheit heraus auf das Hinrichten unschuldiger Kinder konzentriert, und unter dem Deckmantel wahrer Gegebenheiten versucht, eine schockierende Geschichte zu erzählen. Überhaupt rechtfertigt das Genre in letzter Zeit diverse Produktionen damit, dass die oftmals haarsträubenden Geschichten, auf wahrhaftig zugetragenen Ereignisse zurückzuführen sind. Ob das im Endeffekt nun wirklich der Fall ist, bleibt oft vollkommen ungeklärt, zumal es nicht selten dubios erscheint, dass sich die fragwürdigen Filmchen einzig auf das Zurschaustellen möglichst gemeiner Foltereffekte reduzieren.
 
The Mooring“ stellt da natürlich keine Ausnahme dar und begründet den dürftigen Plot damit, dass alle 40 Sekunden irgendwo auf der Welt Menschen unter mysteriösen Umständen abhanden kommen und ihr rätselhaftes Verschwinden in nur wenigen Fällen aufgeklärt werden kann. Um diese etwas sehr allgemein gehaltene Aussage schön reißerisch zu bekräftigen, „verschwindet“ in „The Mooring“ natürlich nicht nur eine Person, sondern gleich eine ganze Gruppe ahnungsloser halbwüchsiger Mädchen, die von einem vollkommen gerissenen Pärchen erst durch Wald und Wiesen gejagt und anschließend genretypisch nach bekannten 10-kleine-Jägerlein-Prinzip ins Jenseits befördert werden. Der krude Realismus ist dem Film hierbei erschreckend förderlich, denn die pubertierenden Kinder wirken echt und authentisch, ihr Handeln stets nachvollziehbar und realistisch. War es im britischen Survival-Thriller „Eden Lake“ ein sich liebendes Pärchen, dass sich mit einer bedrohlichen Gruppe pöbelnder Jugendlicher konfrontiert sah und um das eigene Überleben kämpfen musste, so werden in „The Mooring“ die Rollen quasi vertauscht. Hier wird eine Gruppe kleiner Mädchen von einem tyrannischen Killer samt pubertierender Freundin aufs unmenschlichste terrorisiert. Interessanterweise sind die beiden Geschichten nicht wesentlich unterschiedlich, denn die eigentliche Grundaussage beider Filme thematisiert eine vollkommen verrottete, perspektivlose Jugend, die durch das Ausleben niederer Instinkte versucht, die quälend lange (Frei)Zeit halbwegs produktiv totzuschlagen. Der Killer des Films handelt aus purer Freude am Töten heraus. Seine wesentlich jüngere Freundin wird zur Mittäterin aus Liebe deklariert, deren Interaktionen von einer erschreckenden Unterwürfigkeit begleitet werden und die nicht einmal annähernd hinterfragt, zu was sie da ihr eigentlich liebender Freund verleitet.
 
Dramaturgisch darf man von „The Mooring“ nicht viel erwarten. Die Szenarie gestaltet sich erstaunlich wortkarg, die Gegebenheiten werden Sachlichkeit protokolliert. Zudem wird für eine präzise Charakterentwicklung keine Zeit investiert, sodass die Kinder gesichtslos bleiben und ihr Ableben unwichtig erscheint. Stattdessen vergeudet der Film viel zu viel Laufzeit damit, die Kinder beim Davonlaufen und bei ihrer unweigerlichen Suche nach möglichen Verstecken zu begleiten. In regelmäßigen Abständen erliegt eines der Kinder in bester „King of the Hill“-Manier einem Kugelhagel aus der Ferne und wird wenig später vom triumphierenden Täter aus der Nähe begutachtet.
 
 
 
Was sich Regisseur „Glenn Withrow“ bei seinem ersten abendfüllenden Langfilm eigentlich gedacht hat, dürfte vermutlich nie geklärt werden. Horrorfilm hin oder her; das Martyrium der hier bebilderten Mädchen wirkt geschmacklich indiskutabel. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wer an derart moralisch zweifelhaften Filmchen so seinen Gefallen finden wird. Fakt ist, dass „The Mooring“ gerade aufgrund der Tatsache, dass hier Kinder im Akkord dezimiert werden, unerträglich hart wirkt. Auch wenn der Film unnötig viel Zeit damit vergeudet, die Kids rastlos durch die Wälder zu hetzen und kaum Schauwerte für Gorehounds zu bieten hat, so ist „The Mooring“ dennoch schwer zu verdauen. Die nüchterne und durchweg emotionslose Atmosphäre unterstreicht den vollkommen unzugänglichen Kontext des Films, wobei vor allem das Ende für ratlos zuckende Schultern sorgen dürfte. Da sich die Kinder leider davor scheuen, sich dem kaltblütigen Killer-Paar zu stellen und ausschließlich wie kleine Rehkitze verschreckt durch das Dickicht des Waldes sausen, will so wahrlich keine Spannung aufkommen. Regisseur „Glenn Withrow“ ist allein damit beschäftigt, die verstörten Mädchen möglichst lang durch das Gebüsch zu scheuchen, um sie dann unspektakulär über die Klinge springen zu lassen. Das wirkt auf Dauer trotz der realistischen Interaktionen der Opfer unglaublich ermüdend. Da „The Mooring“ kein Tatsachenbericht sein möchte, sondern eine fiktive Geschichte erzählen will, fehlt hier eindeutig ein konsequenter Racheakt, der die Mädchen wachrüttelt und zur Tat schreiten lässt.
Immerhin achtet der Film präzise darauf, den Handlungsakt des Täters nicht im Blut zu ertränken.
Die Morde passieren vorwiegend im Hintergrund; oftmals bekommt der Zuschauer nur das Resultat der perfiden Handlungen zu Gesicht.
 
 
 


 
 
 

The Mooring – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Derber Survival-Schocker für hartgesottene Filmfreunde, der durchaus kontroversen Zündstoff bieten und einmal mehr die Debatte in den Raum werfen wird, wie weit man eigentlich in einem Horrorfilm gehen darf.
 
 
 


 
 
 

The Mooring – Zensur

 
 
 
Eine mögliche deutsche Fassung dürfte ungeschnitten das “Keine Jugendfreigabe“-Symbol zieren, obwohl fraglich bleiben dürfte, ob ein Film mit derart Thematik überhaupt je nach Deutschland finden wird.
 
 
 


 
 
 

The Mooring – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Texas Chainsaw Massacre (1974)

Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)


Filmreview: “Community” (2012)

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Community

Story

 
 
 
Zwei ambitionierte Filmstudenten bei ihrem Versuch nach ganz oben: mit einer Dokumentation, die sich mit den “sozialen Ungerechtigkeiten” in der Bevölkerung beschäftigen soll, führt sie ihr Projekt auch in ein sagenumwobenes Stadtviertel, wo Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit zur der Tagesordnung gehören und um welches selbst die Polizei einen großen Bogen zieht. Glaubt man den Gerüchten, so ist die Siedlung ein Vorort der Hölle. Hier blühen Kriminalität, Drogenhandel und Armut. Schnell haben die beiden die Wohnung eines gewissen Mr. Lowman ausfindig gemacht, der die Studenten zu einem Interview geladen hat und Mysteriöses über die Siedlung zu berichten weiß. Doch den Studenten zwängt sich ein schrecklicher Verdacht auf, als sie die katastrophal zugerichtete Wohnung betreten und niemanden darin vorfinden. Stattdessen treffen sie wenig später auf eine Schar vermeintlich heimatlose Kids, die in ihrer Freizeit genüsslich Tiere quälen und perspektivlos von einem Tag zum nächsten hangeln. Schnell ist den Filmemachern klar, dass hier einiges im Argen liegt – doch die Wahrheit offenbart den beiden das blanke Entsetzen …
 
 
 


 
 
 

Community – Kritik

 
 
 
Die Engländer scheinen so langsam die eigenen Missstände im Land mit Hilfe schaufreudiger Horrorfilme aufarbeiten zu wollen.
Nach “Eden Lake“, “Comedown” und Co. ist nun bereits der vorliegende “Community” ein weiterer dieser Filme, der ein durchaus kontroverses Milieu zum Mittelpunkt der Gegebenheiten macht und dabei hilflos versucht, so etwas wie eine brisante, gesellschaftskritische Botschaft in die notdürftig zusammengebastelte Geschichte zu flechten. Gelang dem Thriller “Eden Lake” das immerhin mit beeindruckend realistischer Härte, so bietet derart diskussionswürdige Grundlage dem pseudo-dokumentarischen Terrorfilm “Community” nur Anlass dafür, den Zuschauer mit rund 80 Minuten asozialer Psychogewalt zu beschallen. In bester “Texas Chainsaw Massacre“-Tradition sehen sich im Verlauf der Geschichte zwei allzu neugierige Hochschulstudenten mit einer durchaus skurrilen Herde sozial abgeglittener Rednecks konfrontiert. Da wird ein heruntergekommener Stadtteil samt klappriger Holzbaracken bebildert, auf dessen Straßen sich fetthaarige Kinder die Zeit mit dem Abschlachten von eingefangenen Tieren vertreiben und sich Eltern ihrem stündlichen Drogenrausch hingeben müssen, sodass ihnen dabei kaum Zeit bleibt, sich um die orientierungslosen Kids kümmern zu können. So weit, so gut – eigentlich. Wären da nicht einmal mehr die typisch stereotypen Regeln des modernen Horrorfilms, die natürlich auch diesem Film unweigerlich vordiktieren müssen, dass eben derart sozial benachteiligte Unterschicht eigentlich nur Böses im Schilde führen kann. Schön plakativ prallen hier die Gegensätze aufeinander und werden, wie hätte man es auch anders erwartet, moralisch fragwürdig in die klapprige Szenarie verfrachtet. Die attraktiven Hochschulstudenten werden genüsslich von ungebildeten und verdreckt-entstellten Freaks durch das Viertel gehetzt, um letzendlich als Dünger für die im Keller eines Hauses herangezüchteten Marihuana-Pflanzen zu enden. Da wird einmal mehr geschrien und gehetzt und natürlich vollkommen sinnbefreit gehandelt, mit Klischees gespielt und Extreme ausgereizt. Dreckig-subtile psychologische Gewalt gibt es hier zuhauf, handelt es sich hier ja schließlich auch um einen Horrorfilm. Trotz „vielversprechender“ Thematik, dürften die Gorehounds unter den Genre-Fans im Film nur wenig Schauwerte entdecken können, denn “Community” sieht von ausufernden “Schlacht”-Szenen gänzlich ab und setzt stattdessen auf Terror, Terror und nochmals Terror. Immerhin gelingt dies dem Film mit einer beachtlichen Souveränität. Viele der beklemmenden Szenen erinnern in der Tat an bekannte Genre-Schocker. Ebenso wurde die unangenehm schmuddelige Atmosphäre und einige geniale Zitate gekonnt aus Filmen wie “Texas Chainsaw Massacre“, “F” und “Mum and Dad” stibitzt und durchaus ansprechend in die Szenarie transferiert.
 
In einige Szenen schafft es “Community” mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit eine durchaus bedrohliche und unangenehme Stimmung zu entwickeln, die mit gesellschaftskritischen Seitenhieben nicht geizt. Während die Erwachsenen im Drogenkoma ihr (scheinbar friedliches) Dasein auf der heimischen Couch fristen, sammeln die ganz Kleinen vor der elterlichen Wohnung bereits erster Erfahrungen im Umgang mit Stichwaffen, wobei die Jugendlichen des Viertels fast schon primitiv-animalische Instinkte entwickelt haben und weder sprechen noch denken können, sondern grunzen, schreien und töten. Ein gewisser geistiger und sozialer Verfall lässt sich hier nicht von der Hand weisen, wird den Kids ja nichts anderes vorgelebt, was ihnen förderlich für die Zukunft wäre. Die erschreckende Perspektivlosigkeit der Eltern wird ihnen unweigerlich übertragen und vorgelebt – ein Kreislauf aus dem es kein Entrinnen gibt.
Eine Kettenreaktion folgt, an deren Ende Hass, Wut und Gewalt regieren. Während die Eltern ihr Schicksal noch mit einer unbekümmerten Gelassenheit hinnehmen und Ihren unterdrückten Existenzängste im Konsum von Rauschmitteln ertränken, ist der von Generation zu Generation übertragene moralische und intellektuelle Verfall bei den Nachkommen umso ersichtlicher.
Die heranwachsenden Kids wirken seelenlos, kaltblütig und unberechenbar, agieren wie emotionslose Killerroboter und sind im Endeffekt das Resultat, der Perspektivlosigkeit der eigenen Eltern. In Anbetracht dieser Erkenntnis kann “Community” vollends überzeugen. Die Ansätze wirken durchaus interessant, was aber natürlich nicht zwingend bedeuten muss, dass der Film daher uneingeschränkt zu empfehlen sei.
 
Die eigentlich ambitionierte Botschaft will einfach nicht in einen Film mit diesem Kontext passen. Keine Ahnung was sich Regisseur „Jason Ford“ dabei gedacht hat, seine kontroverse Thematik in einer Horrorfilms (mit teilweise hanebüchenen, phantastischen Elementen) zu verpacken. Auch wenn der Beginn durchaus seine Momente besitzt, so driftet der Rest dieses Genre-Beitrages in einer vollkommen haarsträubenden und horrorlastigen Wendung ab, die angesichts der Thematik vollkommen unglaubwürdig und lächerlich wirkt. Da wird im Keller eines Hauses Marihuana angepflanzt und der Wachstum mit “menschlichen Dünger” beschleunigt. Zudem verspeist die “Community” das Fleisch ihrer Opfer. Natürlich bleibt das alles unentdeckt und natürlich kennen sich die Bewohner des Viertels trotz Armut und geistiger Schwindsucht, bestens mit der Bedienung neumodischer Handys aus. Vielleicht hätte der Film als Drama besser funktioniert, denn die nicht uninteressante Kritik an der heutigen selbssüchtigen Gesellschaft bietet durchaus ausreichend Diskussionsbedarf. Dennoch, aufgrund der recht unnötigen Terrorspitzen, ist „Community“ leider nur bedingt zu empfehlen. Gerade gegen Ende hin, entpuppt sich dieser vorliegende Terror-Schocker einmal mehr, als vollkommen dummer und einfältiger Horrorfilm der nichts thematisiert, was man nicht schon bereits in 10000 Terrorfilmen zuvor gesehen hätte.
 
 
 
[Achtung, es folgt ein SPOILER]
 
 
 
Trotz aller Kritik, stößt der Film am Ende dem Zuschauer mit einer gnadenlosen Konsequenz vor den Kopf. Kameramann „Will“ , einzige Sympathieträger der Geschichte, mit dem sich der Zuschauer verbunden fühlt und der sich bis dato nichts zu Schulden kommen lassen hat, wird im Verlauf der Handlung sadistisch in den Tod gejagt und das, obwohl er seine Freundin, die Filmstudentin „Isabelle“ permanent versucht von ihrem Vorhaben abzuhalten. Die lässt sich natürlich nicht von ihrem Tun abbringen und zerrt beide geradezu ins Verderben. Die diversen Alarmzeichen des Films werden hier natürlich unweigerlich missachtet (es ist ja auch ein Horrorfilm), und „Isabelle“ die ein durchaus finsteres Geheimnis birgt und eigentlich zum Sündenbock der Geschichte deklariert wird, überlebt das Martyrium. Dem Zuschauer dürfte derart unbefriedigender Schlussakt durchaus bitterlich munden, zumal das “Böse” überlebt und der eigentliche Symphatieträger über die Klinge springen muss …
 
 
 


 
 
 

Community – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Durchaus derbe Gesellschaftstudie, die im Kontext eines Horrorfilms etwas unangebracht wirkt.
 
 
 


 
 
 

Community – Zensur

 
 
 
Eine mögliche deutsche Fassung dürfte ungeschnitten das “Keine Jugendfreigabe“-Symbol zieren.
 
 
 


 
 
 

Community – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Filmreview: “American Mary” (2012)

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American Mary

Story

 
 
 
Mary ist eine typische Studentin. Sie ist fleißig, wissbegierig und permanent in Geldnot. Um sich dennoch das Chirurgie-Studium leisten zu können, entschließt sie sich aus der Not heraus auf eine Stellenausschreibung als erotische Masseurin in einem Strip-Clubs zu bewerben. Eine folgenschwere Entscheidung, denn der Besitzer des Lokals hat “Größeres” mit ihr vor. Er erkennt ihr Potenzial und führt die junge Frau in einer düstere Welt voller skurriler Gestalten, die nur einen Wunsch hegen: ihren Körper mittels „Body-Modification“ zu “perfektionieren”. Rasch macht die chirurgische Fingerfertigkeit der (an)gelernten Mary die Runde, sodass sie sich alsbald vor lukrativen Aufträgen zur “Körperverschönerung” nicht mehr retten kann. Auf einer Chirurgen-Party trifft sie wenig später auf ihren Dozenten, der nicht nur ihr umfangreiches Wissen zu schätzen weiß. Er macht die unwissende Mary durch Drogen gefügig und vergewaltigt die wehrlose Schülerin. Ein fataler Fehler, denn Mary beschließt grausame Rache …
 
 
 


 
 
 

American Mary – Kritik

 
 
 
Aufgrund der Masse an vollkommen desaströsen und beliebig austauschbaren Genre-Werken, dürfte es für den Filmfreund so langsam zu einer unüberwindbaren Herausforderung werden, darunter die wirklich hochwertigen Perlen zu finden. Kaum ein Thema in der Horrorfilmwelt existiert, dass nicht bereits zu Tode getrampelt und lukrativ ausgeschlachtet wurde. Umso verwunderlicher, dass es dennoch hin und wieder Horrorfilme aus Hollywood schaffen, durchaus Aufmerksamkeit zu erregen und für Gesprächsstoff zu sorgen. Das Psycho-Drama “American Mary” ist ein derartiger Fall, dem eine vollkommen neue Thematik zu Grunde liegt, der bisher dato kaum bis gar keine Beachtung geschenkt wurde und die mit Sicherheit ein gutes Dutzend thematisch ähnlich gestrickter Filme nach sich ziehen wird.
 
American Mary” ist kein Horrorfilm im herkömmlichen Sinne. Die beiden “Soska Schestern“, Jen und Sylvia, die bereits im Jahre 2009 schon einmal versucht haben, mit ihrem Regie-Debütwerk “Dead Hooker in a Trunk” in der Horrorfilmszene Fuß zu fassen, haben mit ihrem zweiten abendfüllenden Langfilm genau ins Mark getroffen. “American Mary” ist ein ziemlich interessanter Beitrag, der ein überaus perfides Fetisch-Milieu thematisiert und den Zuschauer in eine vollkommen seltsame Welt entführt, von der man kaum glauben mag, dass diese letztendlich auch in der Realität existiert. Dort gehört sogenanntes “Extrem-Body-Modification” zum guten Umgangston, bei der sich eigentlich gesunde Menschen durch körperliche Verstümmelungen versuchen vom konventionellen Schönheitsideal abzuheben. Das beginnt durch schmerzfreies Stechen von Piercings und endet im Extremfall beim Entfernen ganzer Gliedmaßen, dem eigenen Individualismus wegen.
 
Freilich wirkt dieser Fetisch für den Otto-Normal-Bürger vollkommen befremdlich, dennoch umso lobenswerter, dass sich der Film derart kontroverser Thematik mit einem zwinkernden Auge nähert, ohne dabei jedoch den Verfechtern dieser etwas sehr speziellen Leidenschaft unweigerlich auf die Füße zu treten. Auch wenn das unverbrauchte Szenario durchaus Potenzial für schön derbe Kröselkost bietet, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass es sich bei “American Mary” um einen zynischen Psychothriller handelt, der gänzlich andere Pfade einschlägt und sich unwesentlich mit der Folterei potenzieller Probanden beschäftigt. Hier wird nicht schaulustig gebohrt, geschlitzt und verstümmelt, sondern geradezu zwanghaft weggeblendet, wenn der Zuschauer hofft, gleich auf bluttriefenden Ekel-Terror zu stoßen. Ein guter Schachzug der beiden “Soska Geschwister“, hat der Film demnach genug Zeit sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren.
 
Im Mittelpunkt der Gegebenheiten steht die junge Mary, die von “Katharine Isabelle” trefflich in Szene gesetzt wird. Horrorfilmfreunden dürfte “Isabelle” nicht unbekannt sein, wusste sie bereits als Hauptfigur “Ginger” im Werwolf-Drama “Ginger Snaps – Das Biest in dir” durch ein facettenreiches Schauspiel zu überzeugen. Begrüßenswert und äußerst sympathisch, dass sich eine derart beliebte Horrorfilm-Ikone wie “Katharine Isabelle” erneut dazu entschlossen hat, in die skurrile Welt des Horrors abzutauchen, um einmal mehr dem Genre-Fan auf ansprechend hohem Niveau den Kopf zu verdrehen. Wie bereits in “Ginger Snaps” durchlebt auch ihre Rolle in “American Mary” eine bedeutsame Verwandlung, die sich aber in ihrem aktuellen Film natürlich freilich realistischer (wenn auch sehr oberflächlich) bebildert. Anfänglich lebensfroh und neugierig, durchlebt Marys Ego im Verlauf der Geschichte eine abrupte psychologische Veränderung, die seltsamerweise nicht auf ihre neues berufliches Dasein im Underground-Milieu zurückzuführen ist. Nachdem das selbstbewusste Mädchen von ihrem Professor sexuell misshandelt wird beginnt Mary einen regelrechten Schutzwall um ihre Person zu zimmern. Gefühle lässt sie nur selten zu, Skrupel kennt sie fortan nicht mehr. In nur wenigen Momenten, blitzt ein Funken Menschlichkeit aus ihrer geschunden Seele hervor. So sind Szenen, wie die in der sich die vermeintlich taffe Mary still trauern von ihrer geliebten Großmutter verabschiedet, rar gesät. Leider wird das Schicksal der durchaus interessanten Protagonistin nur zum Teil ausgereizt. Immer wieder meint man das Gefühl zu haben, als ob der Film sich allein nur auf das möglichst sensationsgeile Zurschaustellen des zugrundeliegenden Milieus konzentrieren möchte. Die wenigen durchaus unkonventionellen Charaktere kommen da hin und wieder etwas zu kurz, was etwas bedauerlich ist. Dennoch bleibt am Ende ein erfrischend andersartiger Film über, der sich nicht zwangsläufig nur im obligatorischen Blutzoll verfängt, sondern den Zuschauer versucht zu schockieren, indem er ihn in eine vollkommen absurde Welt entführt.
 
 
 
American Mary” ist kein ruppiger “Rape-and-Revange”-Streifen. Ebenso ist der Film NICHT im Folter-Genre beheimatet, wie der Horrorfilmfreund vermutlich bei derart düsteren Kontext vermuten würde. Der Film ist ein dunkler Psycho-Trip in eine Welt, in der der eigene Körper quasi schon fast kunstvoll in Szene gesetzt wird. Hierbei werden gekonnt Einflüsse aus asiatischen Extrem-Filmchen mit zweifelhaften S/M-Praktiken und Cronberg´schen Körperhorror verknüpft. Eine Ähnlichkeit zum Horrorthriller “Dee Snider’s Strangeland” aus dem Jahre 1998 ist unverfehlbar. Dennoch, auch wenn sich der Film nur grob mit dem psychischen Verfall der Hauptdarstellerin beschäftigt, so verfehlt der Film seine durchaus kontroverse Aussage nicht. Gelingt es Genre-Filme nur selten gesellschaftskritische Botschaften zu vermitteln, so scheint „American Mary“ dies geradewegs mit einer spielerischen Leichtigkeit zu gelingen. Ob nun bewusst oder unbewusst sen dahingestellt. Das erfrischende Szenario dokumentiert mit einer zynischen Leichtigkeit das krankhafte Streben nach der Perfektion des eigenes Körpers. Hierbei bedient sich „American Mary“ zwar mit dem hier bebilderten „Body-Modification“ einem durchaus extremen Beispiel; die Grundaussage des Film lässt sich aber natürlich auch in alle übrigen Bereiche des täglichen Lebens transferieren. Ob nun unnötige Schönheits-OPs, der bevorstehende Friseurtermin oder ein schweißtreibender Besuch im Fitnessstudio – der zwanghafte Schönheitswahn, den die Gesellschaft aktuell unweigerlich vordiktiert ist mittlerweile bereits allumfassend.
 
 
 


 
 
 

American Mary – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spannender und erfrischend kontroverser Blick in eine skurrile Welt voller seltsamer Gestalten.
 
 
 


 
 
 

American Mary – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung aus dem Hause “Universal Pictures” ist mit dem “Keine Jugendfreigabe“-Aufdruck vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

American Mary – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Filmreview: “Hansel & Gretel get baked” (2013)

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Hansel & Gretel get baked

Story

 
 
 

Hansel (Michael Welch) und seine Schwester Gretel (Molly C. Quinn) haben mal wieder so richtig Lust einen gehörig fetten Joint durchzupfeifen. Kurzum macht sich Gretel´s Freund Ashton (Andrew James Allen) auf den Weg, einige Gramm hochwertiges Marihuana zu besorgen. Glaubt man den Gerüchten, so soll die alte Agnes (Lara Flynn Boyle) über den besten Stoff der Stadt verfügen. Doch der friedliche und gastfreundliche Schein der gebrechlichen Dame trügt, denn hinter der Fassade des eigentlich harmlos wirkenden Mütterchen, verbirgt sich das unberechenbare Böse. Sie lockt nichtsahnende Teenager in ihr Haus, wo sie die Kids genüsslich foltert und anschließend verspeist, um sich deren jugendliche Lebenskraft einzuverleiben zu können. Nachdem Gretel vergebens auf die Rückkehr ihres Freundes wartet, machen sich die Geschwister auf die Suche nach dem vermissten Freund und stoßen bei ihren Recherchen auf das dubiose Geheimnis der blutgierigen Hexe Agnes!
 
 
 


 
 
 

Hansel & Gretel get baked – Kritik

 
 
 
Kaum erblickt eine lukrative Film-Idee das Licht der Zelluloid-Welt, kann man als Filmfreund flink davon ausgehen, dass unzählig thematisch ähnliche Werke, wie Pilze aus dem Boden sprießen werden, die im Zuge des Originals schnell auch noch einige Dollars Gewinn machen möchten. Zu einem der wohl bekanntesten Kandidaten dieser Art gehört das ominöse Filmstudio “The Asylum“, das sich seit jeher dieser dreisten Masche bedient und wohl jedem interessierten Horrorfilmfreund hinreichend bekannt sein dürfte. Seit ihrem fragwürdigem Bestehen hat es sich die B-Movie-Schmiede zur Aufgabe gemacht, die Ideen bekannter Mainstream-Filmchen preisgünstig und fachgerecht zu recyceln, um oftmals noch vor dem eigentlichem Kinostarts der Vorlage, Genre-Fans mit ihren trashig-belanglosen No-Budget-Werken gehörig auf den Zünder zu gehen. Auch das massentaugliche Horrormär “Hänsel und Gretel: Hexenjäger” aus dem Hause “Paramount/MGM” scheint hierbei einigen sehr emsigen Filmemachern eine vielversprechende Vorlage geboten zu haben, sodass der Heimkinomarkt aktuell einmal mehr mit einem ziemlich dreisten Etikettenschwindel überschwemmt wird. Insofern sich der interessierte Genre-Filmfreund nicht bereits in unzähligen Foren über das Vorhandensein diverser “Hänsel und Gretel“-Duplikate informiert haben sollte, dürfte er aufgrund der diversen Mogelpackungen vermutlich schnell den Überblick verlieren und sich fragen, bei welchen dieser diversen Filme es sich denn nun eigentlich um das glattgebügelte Kino-Original handelt?
 
Auch der vorliegende “Hansel & Gretel get baked” lässt, aufgrund der ziemlich absurden Story, einmal mehr vermuten, dass es sich bei dieser etwas sehr frei interpretierten “Hänsel und Gretel“-Version um ein billig heruntergekurbeltes “Asylum“-Werk handelt. All denen sei jedoch versichert, das hier Entwarnung gegeben werden darf. Wie das, zugegebenermaßen, sehr groteske Filmplakat bereits verlauten lässt, haben sich hier die Produzenten des erfolgreichen “Twilight“-Franchise zusammengerafft und einen Film geschaffen, der diesmal rein gar nicht jugendkonform daherkommen möchte. Hier werden keine weichgespült-verliebten Teenies mit allerhand pubertären Alltagsproblemchen konfrontiert, sondern die wenigen Protagonisten dürfen sich mit einer durchaus boshaft-grimmigen Zeitgenössin umherschlagen, die daran Gefallen gefunden hat, nichtsahnende Teenager schön sadistisch in kleine Scheibchen zu filetieren, damit sie diese formgerecht den gierigen Schlund hinabwürgen kann. Hierbei sollte das gelüstge Treiben durchaus mit einem zwinkernden Auge genossen werden, denn “Hansel and Gretel get baked” hat im Grunde genommen nur im entferntesten überhaupt noch irgendetwas mit der Grimmschen Vorlage zu tun. Stattdessen gibt es hier Fun-Splatter nonstop für all die Horrorfans, die einmal mehr mit Vorliebe den Intellekt ausschalten und sich von schön dümmlicher Horrorware berieseln lassen möchten. Regisseur „Duane Journey“ gelingt es mit viel Wortwitz einen durchweg unterhaltsamen Partyfilm zu kreieren, der sich vollkommen unbeschwert bedeutend besser durchschlägt, als die letzten 20 “Asylum“-Werke zusammen. Immerhin bietet das kuschelige Heim der mordgeilen Hexe Agnes Unterschlupf für allerhand skurrile Zeitgenossen, die in den unmöglichste Momenten, die vollkommen schwachsinnigsten Dinge veranstalten. Da werden “unbrauchbare” Kids kurzum in Zombies verwandelt, die es sich in Mülltonnen und Küchenschränken gemütlich machen und Hexe Agnes fortan treue Dienste erweisen. Auch ein dämonischer Killerhund sorgt für Zucht und Ordnung im Haushalt, sodass es allzu neugierigen Kids durchaus erschwert werden dürfte, einen Ausweg aus dem absurden Folter-Irrgarten zu finden.
 
In seinen besten Momenten erinnert “Hansel & Gretel get baked” ziemlich grandios an die kreativen “Night of the Demons“-Filme der späten 80er Jahre, in denen die dämonische Präsenz einer gewissen Angela unter Teenagern für Angst und Schrecken sorgte und welche sich deren Körper durch allerhand perfiden Ideen entledigte. “Hansel & Gretel get baked” macht da natürlich auch keine Ausnahme, nur mit dem Unterschied, dass das Töten im Jahre 2013 natürlich etwas expliziter und handfester daherkommt, als es vermutlich in den 80ern der Fall gewesen ist. Hier werden Augäpfel zweckentfremdet und Beine amputiert, damit diese dann köstlich aufbereitet auf dem Küchentisch serviert werden dürfen. Das liest sich zwar vermutlich durchaus widerlich, wird aber mit einem derart zynischen Unterton gewürzt, dass diese Szenen schnell ihren eigentlichen Schrecken verlieren.
 
 
 
Manchmal fragt man sich als Horrorfilmfreund, auf welch seltsame Ideen so manch Filmschreiberling kommt. Da werden Hänsel und Gretel als Teenager in die Gegenwart transferiert und geraten an eine Marihuana-dealende Frau, die sich im Endeffekt als Fleisch verspeisende Furie entpuppt. Okay, dass wirkt wahrlich arg gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber in der Umsetzung erfrischend unterhaltsam. Hierbei sei vor allem die Leichtigkeit zu nennen, mit welcher der Film es schafft, eine durchaus kurzweilige Geschichte zu erzählen, die im Grunde genommen einen Gehalt von Null besitzt. Macht nichts, hier gibt es Blut und Gemeinheiten satt für alle Horrorfilmfans, die es blutig und witzig zu gleich mögen! Von daher, ein 6er-Pack Bier zur Hand, Glotze an und Hirn auf Standby herabgefahren – “Hansel & Gretel get baked” rockt!
 
 
 


 
 
 

Hansel & Gretel get baked – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Fieser Splatter-Partyfilm für all die Fans, der etwas handfester Zunft.
 
 
 


 
 
 

Hansel & Gretel get baked – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung dürfte ungeschnitten eine „Keine Jugendfreigabe“-Einstufung erhalten.
 
 
 


 
 
 

Hansel & Gretel get baked – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Chillerama (2011)


Filmreview: “Girls against Boys” (2012)

girls against boys
 
 
 

Girls against Boys

Story

 
 
 

Manche Frauen haben einfach nur Pech im Leben, so auch die junge Shea (Danielle Panabaker), die sich scheinbar immer in die falschen Männer verliebt. Nachdem sie von ihrem Partner verlassen wurde, weil dieser verheißungsvolle Zukunftspläne zusammen mit seiner Frau schmiedet, ist Shea am Boden zerstört und vertraut sich ihrer Arbeitskollegin Lu (Nicole LaLiberte) an. Kurzum flüchten die beiden auf eine angesagte Party, um sich den Frust von der Seele zu tanzen. Doch der nächste Morgen offenbart Tragisches, denn auf ihrem Heimweg wird Shea von einer flüchtigen Party-Bekanntschaft skrupellos vergewaltigt. Vollkommen verstört schleppt sich das junge Mädchen zusammen mit ihrer neuen besten Freundin Lu in eine der nächsten Polizeistationen, wo das missbrauchte Opfer jedoch auf wenig tröstende Worte stößt, als vielmehr Spott und Hohn erntet. Da beschließen die beiden Frauen, dass Gesetz selbst in die Hände zu nehmen und den Peiniger auf grausame Art und Weise zu bestrafen …
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Kritik

 
 
 
Um Gottes willen, was war denn das? Horror, Satire, Thriller oder gar gesellschaftskritisches Selbstfindungs-Drama? So wirklich einordnen lässt sich “Girls against Boys” nämlich nicht wirklich, auch wenn der notdürftig zusammengeschusterte Plot einmal mehr expolitationhaftes Revenge-Kino der Extra-Klasse suggeriert. Zwar werden hier diverse Filmzutaten aus unterschiedlichen Genres katastrophal wirr miteinander verknüpft, dennoch kann man trotzdem nicht behaupten, dass das vorliegende Rache-Filmchen dadurch schlechter ist, als manch klassischer Rape-and-Revenge-Thriller, der sich vordergründig mit zeigefreudigem Rache-Gekröse beschäftigt. Der Film wird hierbei aus der Sicht der leidenden und durchaus naiv handelnden Shea geschildert, die erkennen muss, dass man in einer egoistischen und selbstsüchtigen Welt wie der Unseren, doch besser einen dicken Schutzwall um das eigene Seelenheil zimmert, damit man nicht derart schnell verletzt und enttäuscht werden kann, wie der Film zu Beginn erschreckend dokumentiert. Durch prägende Schicksalsschläge, welche sie im Verlauf des Filmes über sich ergehen lassen muss, wächst sie letztendlich über sich selbst hinaus und wird zur skrupellosen Rächerin, die sich von Nichts und Niemanden aufhalten lässt. Dabei dient ihr die geheimnisvolle Lu als erfahrene Lehrerin, die bereits schon früh gelernt haben muss, jedem Mann mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüberzutreten.
Ihr Charakter wird durch unnahbare, unterkühlte und emotionslose Gestiken bebildert, welche vermuten lassen, dass Lu ebenso einschneidende Erfahrungen mit Männern erlebt und nun einen unstillbaren Hass gegenüber dem starken Geschlecht geschürt haben muss.
Dennoch bleibt ihr Schicksal gänzlich ungeklärt, was ihre Rolle durchaus einige interessante Facetten verleiht, dennoch gleichzeitig diverse Fragen in den Raum wirft. Woher ihr Zorn und ihre Verachtung rührt, hinterfragt “Girls against Boys” leider nicht, sodass man als Zuschauer meinen könnte, dass Lu aus reinem Genuss am Foltern, Männer skrupellos über den Jordan meuchelt.
 
Trotz eigentlich kontroverser Botschaft, reduziert sich die dramenlastige Inszenierung und das Martyrium Sheas leider nur auf den Beginn der Geschichte. Wie so oft in klassischen Rape-and-Revenge-Filmen, werden die Gegebenheiten einmal mehr auf die Spitze getrieben. Auch “Girls against Boys” macht da keine Ausnahme. Das Opfer Shea wird schön sadistisch durch die emotionale Hölle gejagt, sodass die Frau jegliche Selbstachtung vor ihrer eignen Person verliert, damit letztendlich der Racheakt eingeleitet werden kann und die “(Folter)Spiele” beginnen dürfen. Der gierige Horrorfilmfreund dürfte sich hierbei natürlich gierig die Hände reiben, zumal “Girls against Boys” hier durchaus Zündstoff bietet, ein angemessenes Gorefest zu zelebrieren.
Wer jedoch hier auf zeigegeiles Foltergekröse hofft, dürfte gänzlich enttäuscht werden, denn Regisseur hält sich bei der blutigen Zurschaustellung obligatorischer Gemeinheiten dezent zurück, was in diesem Falle natürlich nicht negativ gewertet werden soll. Die Kamera ist zwar auch in den “bösen” Szenen immer aktiv am Geschehen beteiligt, hält die Linse aber hierbei immer auf die Gesichter der beiden Rächenden, die mit Sägen und Macheten schonungslos zur Tat schreiten und ihren Peinigern Löcher durch Genitalien jagen oder die Gliedmaßen von den Körpern ihrer Opfer trennen. Zwar wirken diese Szenen schonungslos hart, dennoch weiß ein unbeschwerter Sarkasmus die ansprechenden Folterszenen zu begleiten, sodass einige Gewaltakte dadurch bereits wieder weniger hart wirken. Überhaupt durchzieht die gesamte Szenarie ein merklich befremdlicher Unterton. Da laufen Popsongs im Hintergrund, die von der Schönheit des Verliebtseins berichten und davon erzählen, wie stark die Liebe von Mann zu Frau sein kann – das alles natürlich in einem Kontext, der das ganze Gegenteil symbolisiert. Auch die grotesken Wortgefechte zwischen den beiden Mädchen wirken während ihren sadistischen Racheakten durchaus erheiternd, was den Film durchaus aufzuwerten weiß und ein wenig abhebt von üblicher Revenge-Kost.
 
Dennoch, auch wenn “Girls against Boys” am Ende doch etwas anders sein will, als die üblichen Konsorten seines Sub-Genres, so schafft es Regisseur „Austin Chick“ letztendlich dennoch nicht, seinen recht fiesen und vor allem überraschend wortkargen Schocker vor groben Schnitzern zu bewahren. Die stereotype Betrachtungsweise von Mann und Frau wirkt hier mitunter sehr eindimensional.
Der Mann wird, wie so oft, als triebgesteuerter Primat skizziert, der wie so oft die Frau allein nur als Begattungsmaschine betrachtet. Die Frau wiederum wird natürlich einmal mehr als primitives Dummchen beschrieben, die zwar mit ihren Reizen zu provozieren weiß, dennoch am Ende immer das Nachsehen trägt, egal in welcher Hinsicht. Eine wirklich ernstzunehmende Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen findet hier natürlich keineswegs statt, zumal die Sicht einzig aus der Perspektive der Frau geschildert wird. Auch verliert der eigentlich kontroverse Charakter des Films spätestens mit der Einleitung des Racheakts jegliche Glaubwürdigkeit. Shea und Lu hinterfragen ihre Schandtaten natürlich zu keiner Minute und werden natürlich weder von Polizei verfolgt, noch von sonst irgendjemanden in die Schranken gewiesen. Zudem fragt man sich als Zuschauer ohnehin, warum die missbrauchte Shea auch Tage nach ihrem körperlichen Mißbrauch immer noch mit Highheels und Minirock durch die dunklen Gassen der Großstadt stolziert.
 
 
 
Austin Chick” ist mit seinem “Girls against Boys” ein recht passabler Thriller geglückt, der schon irgendwie ein wenig abgefahren wirkt. Leider scheint der ziemlich erschütternde und bierernste Beginn nicht so wirklich zum vollkommen durchgeknallten und zynisch-dialogisierten zweiten Teil der Geschichte zu passen. Teilweise mag man als Zuschauer das Gefühl nicht loswerden wollen, als hätte Regisseur “Austin Chick” zu Beginn selbst nicht wirklich gewusst, in welche Richtung denn nun sein “Geschlechterkampf” abzielen sollte. Trotz der wenigen psychologisch ansprechenden Ansätze wirkt sein Film irgendwie substanzlos und eine wirklich plausible Aussage mag der Film auch nicht so recht treffen wollen. Trotzdem, auch wenn es das rabenschwarze “Thelma und Louise”-Plagiat nur selten schafft, sich auf ernsthafter Basis mit gesellschaftskritischen Themen auseinanderzusetzen, kann man Chick nicht vorwerfen einen miesen und überflüssigen Film gedreht zu haben. “Girls against Boys” wird seine Liebhaber finden, da sind wir uns sicher, immerhin wissen die wenigen Racheakte mit einer ziemlich kompromiss- und schonungslosen Darbietung zu überzeugen. Somit dürfte “Girls against Boys” gerade für all die Horrorfilmfans interessant sein, die bisher noch immer nicht genug von missbrauchten Frauen haben, die sich schön selbstzweckhaft und grafisch ansprechend an ihren Peinigern zu rächen wissen!
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Man sollte nie die Rache einer Frau unterschätzen – Bitterböser Geschlechterkampf mit einigen ziemlich markerschütternden Szenen.
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung dürfte ungeschnitten eine „Keine Jugendfreigabe“-Einstufung erhalten.
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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I Spit on your Grave (2010)

Teeth (2007)

Extremities (1986)

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Filmreview: “Sushi Girl” (2012)

Sushi-Girl-Poster
 
 
 

Sushi Girl

Story

 
 
 
Sechs Jahre nach ihrem schiefgelaufenen Diamanten-Coup stoßen 5 Kriminelle erneut aufeinander, um über den Verbleib der Beute zu diskutieren. Fish, der damals die gesamte Schuld auf sich nahm und eine Haftstrafe abbüßen musste, wird zusammen mit den übrigen Komplizen in ein baufälliges asiatisches Restaurant geladen, wo er die übrigen Mittäter bei einem ausufernden Sushi-Festschmaus über den Verbleib der Diamanten unterrichten soll. Doch leider scheint Fish nicht wirklich zu wissen, wo sich die kostbare Beute befindet. Ganz zum Leidwesen der restlichen Anwesenden, denn die scheinen über Fish´s (gespielte?) Unwissenheit so rein gar nicht erfreut zu sein. Kurzum fesseln sie den ahnungslosen Burschen auf einen Stuhl und beginnen ihn aufs Ungnädigste zu foltern, in der Hoffnung doch noch irgendwelche verwertbaren Informationen über den Aufenhaltsort der kostbaren Steine ergattern zu können…
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Kritik

 
 
 
Oftmals kann es von Vorteil sein, die eigene Erwartungshaltung an einen Film gänzlich herabzustufen, um letztendlich nur bedingt enttäuscht zu werden. Hin und wieder kann es jedoch auch passieren, dass man als Zuschauer schier überrascht ist, wie gut ein Film unterhalten kann, von dem man zuvor nichts wirklich Produktives erwartet hat. Auch der vorliegende “Sushi Girl” macht da keine Ausnahme und dürfte dem bewanderten Filmfreund vor der eigentlichen Sichtung ein nur müdes Lächeln entlocken können. Das mag vor allem daran liegen, dass die zugrunde liegende Rachestory einmal mehr fachgerecht recycelt wurde und eine unweigerliche Ähnlichkeit zu dem 1992 entstandenen „Reservoir Dogs“ besitzt. Der enthusiastische Tarantino-Fan dürfte hierbei vermutlich wütend auf die Barrikaden klettern und zu Recht einmal mehr bekräftigen, wie ideen- und respektlos heutige Filmemacher geworden sind, dass sie bereits unbedeutende Plagiate hochgelobter Kultstreifen für den Heimkinomarkt produzieren müssen. So wirklich unbegründet scheint die Anklage letztendlich nicht, denn “Sushi Girl” liest sich nicht nur wie ein “Reservoir Dogs“, sondern schaut zudem auch noch haargenau wie einer aus. Das beginnt bei der fast haargenauen Thematik die dem Film zugrunde liegt, geht in eine ebenso überaus schräge Charakterskizzierung über und endet mit den gleichen ultra-coolen Wortspielereien, die seit jeher das Schaffen Tarantinos prägen. Dennoch sollte man vermutlich nicht so hart mit “Sushi Girl” ins Gericht gehen, letztendlich handelt es sich bei diesem Genre-Beitrag um den Einstieg eines noch unbekannten Nachwuchsfilmerlings in das internationale Filmgeschäft.
 
Auch wenn die Tatsache so ziemlich groteske Züge erhält und sich Regie-Neuling “Kern Saxton” für sein Debüt-Werk etwas zu unverfroren am kultigen Erstlingswerk Tarantinos vergangen hat, so lässt sich dennoch nicht leugnen, dass “Sushi Girl” durchaus seine Momente besitzt und eigentlich gar nicht so übel ist, wie anfänglich vermutet.
Vor allem der grotesk zynische Unterton, der die Gegebenheiten begleitet, sowie die wenigen Protagonisten, die an Skurrilität kaum zu übertreffen sind, heben “Sushi Girl” deutlich über den Durchschnitt und bereichern den Film ungemein.
 
Dabei dürfte es vor allem Fans der Horror-Legende “Tony Todd” einmal mehr erfreuen, dass es der ehemalige “Candyman“-Darsteller auch Jahre nach seinem kultigen Auftritt als messerschwingender Killerdämon immer wieder schafft, die von ihm gespielten Filmrollen mit seinem ganz individuellen Feinschliff zu bereichern. Egal in welchem Film “Todd” bisher aufgetreten ist, seine geheimnisvolle und unheimliche Aura bleibt im Gedächtnis haften, sodass es eine Wonne ist, dem Schauspieler auch bei seinem superben Agieren im vorliegenden “Sushi Girl” beiwohnen zu dürfen. Doch nicht nur “Todd” scheint der eigentliche Glanzpunkt dieses Filmes zu sein, auch der Rest der geladenen Gäste ist wahrlich nicht Ohne, wobei hierbei die Leistungen von “Mark Hamill” und “Andy Mackenzie” nicht unbeachtet bleiben sollten. Ihr widerliches Handeln als “dynamisches Folterduo” scheint sich des öfteren bezahlt zu machen und verhindert, dass “Sushi Girl” nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Da sich das Kammerspiel teilweise in zu langatmigen Wort-Duellen verliert, lenken einige Folter-Spielchen die Aufmerksamkeit des Zuschauers zurück auf die Gegebenheiten des Films. Hierbei wird das grafische Foltern des Mitkomplizen “Fish” (Noah Hathaway) mit einigen merklich unangenehmen FX aufbereitet, sodass zumindest Gorehound ihre helle Freude mit diesem gewalttätigen und stylisch durchfotografierter Gangsterthriller haben dürften. Als Filmfreund fragt man sich aufgrund derart Zeigefreudigkeit, wie es “Sushi Girl” letztendlich eigentlich geschafft hat, ungeschnitten die FSK passieren zu dürfen, denn wirklich zimperlich geht es hier nicht gerade vonstatten. Da werden Zähne gezogen und Nägel in Kniescheiben geschlagen, nur um am Ende die Erkenntnis zu erlangen, dass die selbstzweckhaften Gewaltexzesse gegenüber dem leidenden “Fish” vollkommen überflüssig gewesen sind, da sich die übrigen Fieslinge mit einer gänzlich andere Bedrohung konfrontiert sehen. Immerhin wartet der Film mit einem überraschenden Storytwist auf, der die Gegebenheiten in vollkommen absurde Sphären verfrachtet. Auch wenn das überraschende Ende ein wenig sehr kontruiert wirkt, so macht es den Film dadurch keineswegs schlechter. Zudem wird der Zuschauer in den letzen Filmminuten über den zugrundeliegenden Titel aufgeklärt, der bis kurz vor Abschluss scheinbar keinen wirklichen Sinn machen will.
 
 
 
Sushi Girl” ist weder Fleisch noch Fisch, aber dennoch kein wirklich schlechter Vertreter seine Gattung. Zwar sind hier unverkennbare Parallelen zu Tarantinos Erstwerk „Reservoir Dogs“ (1992) zu erkennen, dennoch gilt auch hier die Devise: lieber gut geklaut, als schlecht selbst erdacht. Das größte Manko des Films ist jedoch, dass er augenscheinlich etwas zu “cool” sein möchte, was sich durch die teilweise etwas unbeholfenen Wortspielereien bemerkbar macht. Hier eifert Regisseur und Autor “Kern Saxton” etwas zu versteift seinem großen Vorbild hinterher, sodass sich sein Erstlingswerk in arg langatmigen und unwichtigen Dialoggefechten verfängt. Dennoch wissen einige grafisch ansprechende Folterszenen dieses Manko wieder wett zu machen und die Handlung voran zu treiben. Das eigentliche Opfer “Fish” wird hierbei mit allerhand “Werkzeug” genüsslich über den Jordan gemeuchelt, was “Sushi Girl” durchaus für Splatter-Horrorfans interessant machen dürfte. Leider schafft es “Saxton” hier dennoch nicht ein Mitfiebern zu bewirken, denn der eigentliche Sympathieträger bietet kaum Identifikationsmöglichkeiten. Sein leidliches Schicksal wird zwar zu Beginn grob durchleuchtet, verliert aber im Verlauf der Geschichte an Interesse, sodass vermutlich die Rolle des “Fish” allein nur deshalb in die Handlung gestreut wurde, um die Gore-Fraktion unter den Filmfans befriedigen zu können, zumal die sinnfreien Gewalteskapaden letztendlich ins Nichts verlaufen und ziemlich selbstzweckhaft wirken.
Auch wenn der vorliegende Thriller wahrlich nicht perfekt ist, will man mal als interessierter und offener Cineast nicht meckern. Die Geschichte wird (wie bereits seine kongeniale “Vorlage”) in geschickten Rückblenden erzählt, die am Ende, trotz des etwas aufdringlich wirkenden Überraschungs-Plots, durchaus Sinn ergeben. Einige witzige Miniauftritte bekannter B-Akteuren lockern “Sushi Girl” zudem erheblich auf und dürften vor allem alteingesessene Filmfreunde einmal mehr verschwitzt grinsen lassen. Insofern man die eigenen Erwartungshaltung herabsenkt, erlebt man als Zuschauer knapp 98 Minuten kurzweilige und glatt-polierte Indie-Unterhaltung, die sich wohlwollend von der Masse an aktueller Horror- und Thriller-Ware abzuheben weiß.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gewerkelt – Kleines, äußerst brutales Kammerspiel mit ziemlich skurrilen Charakteren, das ein wenig arg an Werke “Quentin Tarantinos” erinnert.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung ist mit der “Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Sushi Girl Blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sushi Girl; USA 2012

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p/24, 2.35:1

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Leider nur der Trailer zum Film und zu kommenden Highlight aus dem Hause “Ascote Elite”

 
 
 
Rein qualitativ kann man auch bei der vorliegenden deutschen Blu-ray nicht meckern, insofern man einzig auf die Qualität des Hauptfilms Wert legt. Denn dieser kommt mit ziemlich ansprechenden Bild und anständigen Ton daher. Wirkliche Mängel sind hier nicht zu erkennen. Die Schärfe und der HD-Effekt ist stets präsent und die hier abgelieferte Qualität beweist einmal mehr, dass auch ein kleiner Indie-Film mit überraschend gutem Bild punkten kann. Tontechnisch sollte man keine Glanzleistungen erwarten. Da der Film vorwiegend von seinen Gewalteskapaden und Wortfloskeln lebt und demnach sehr dialoglastig daherkommt, haben die hinteren Boxen nur bedingt zu werkeln. Leider haben es, bis auf den deutschen sowie den internationalen Trailer, keine weiteren Bonusmaterialien auf die Disc geschafft, was wirklich bedauerlich ist, zumal es sich bei “Sushi Girl” um einen interessanten Titel handelt, der mit einigen Cameos beliebter B-Moviehelden aufwarten kann. Diese hätten vermutlich so einiges zu berichten gehabt. Selbst einen Audiokommentar des Regisseurs sucht man hier vergebens! Schade! Das Filmpaket wird, wie üblich, mit einigen hauseigenen Heimkino-Trailern bereichert – das war´s dann leider auch schon.
 
 

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Sushi Girl – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992)


Filmreview: “Would you Rather” (2012)

would your rather
 
 
 

Would you Rather

Story

 
 
 

Um die wichtige Operation ihres krebskranken Bruders finanzieren zu können, lässt sich die hilfsbereite und rücksichtsvolle Iris von einem ihr unbekannten Milliardär namens Lambert überreden, an einer seiner großzügigen Veranstaltung teilzunehmen. Dort können interessierte Gäste eine großzügige Summe Geld verdienen, wenn sie sich nur dazu bereit erklären, an einem eigens von Lambert entwickelten Spiel mitzuspielen. Unwissend, was den Teilnehmern nach ihrer Zusage erwartet, willigen die ahnungslosen Gäste ein in der Hoffnung, jene Veranstaltung mit einer gefüllten Brieftasche verlassen zu können. Hierfür werden die Räumlichkeiten verschlossen und jedem Spieler die Aufgabe erteilt, entweder sich selbst physische Schmerzen zuzufügen oder einen der anwesenden Gäste zu verstümmeln …
 
 
 


 
 
 

Would you Rather – Kritik

 
 
 
Das dreckige Tortur-Kino der 70er Jahre ist einfach nicht totzukriegen. Nach einem geglückten, generalüberholten und äußerst sadistischen Revival, dass durch Filme wie das “Texas Chainsaw Massacre Remake“, “Hostel” und “Saw” im Jahre 2003 eindrucksvoll ins Leben gerufen wurde und an brutaler Zeigefreudigkeit kaum zu übertreffen war, folgten bisher unzählige Plagiate, die mal mehr und mal weniger überzeugen konnten. Ob bei lebendigen Leibe zersägt, schaufreudig gefoltert oder lukrativ gehäutet – kaum eine perfide und präzis-dokumentierte Todesart wurde hierbei ausgelassen, um auch ja der sensationsgeilen Erwartungshaltung angehender Hobby-Masochisten gerecht werden zu können. Nach dem (eigentlich) abschließenden siebenten Teil des bekannten “Saw“-Franchise wurde es verdächtig “handzahm” und ruhig um die expliziten und (teilweise) menschenverachtenden Tortur-Reißer, sodass es vermutlich Liebhaber dieses zweifelhaften Sub-Genres erfreuen dürfte, dass nun im Zuge der langsam abebbenden Folter-Welle ein weiterer Indie-Kandidat ins Rennen geschickt wurde, um einmal mehr die stahlharten Nerven unterversorgter Horrorfilmfans auf die Probe zu stellen zu dürfen. Erstaunlicherweise reduzieren sich die bisher letzten Veröffentlichungen jener Art (“True or Dare“, “Vile“, “The Helpers“, “Schlaraffenhaus“) nicht mehr allein nur auf das blutige Ausreizen perverser Gewaltakte, sondern verfrachten das derbe Zurschaustellen abartiger Grausamkeiten auf vordergründig psychischer Ebene, wie es bereits in den Werken der experimentierfreudigen 70er Jahre der Fall gewesen war. Der krude Horror-Folterporno von Heute scheint eine Kehrtwende eingeschlagen zu haben und sich zu seinen Wurzeln zurückbegeben zu wollen, wobei nach wie vor auch heute noch der fragwürdige Ideenreichtum emsiger Filmemacher keine Grenzen findet. Und so werden grafisch ansprechende Folterakte weitestgehend in ihrer Blutgeilheit reduziert und mehr das Martyrium des Hauptdarstellers in den Mittelpunkt der Geschehnisse verfrachtet (“Martyrs“), wobei deren Überlebenskampf sich unweigerlich auf den Gemütszustand des Zuschauers überträgt. Waren es vor mehr als 30 Jahren hauptsächlich Frauen, die in derart Filmen genüsslich gedemütigt, missbraucht und gequält wurden, so findet im “aufgeklärten” und “toleranten” 21. Jahrhundert eine Art geschlechtliche Gleichberechtigung statt, was zur Folge hat, das aktuell sogar auch männliche Protagonisten um ihr Überleben winseln, jammern und betteln dürfen.
 
Auch der vorliegende “Would you Rather” ist einer dieser sagenumwobenen “Meisterwerke”, welche sich virtuos in die Reihe der Zurschaustellung perverser Abartigkeiten einzureihen weiß und sich mit allerhand moralisch zweifelhaften Interaktionen und den verstörten Denkstrukturen seiner Protagonisten beschäftigt. Dabei, und das sollte man diesem Film positiv anrechnen, erinnert sich Autor und Regisseur „David Guy Levy“ zurück an die Glanzzeiten des allseits beliebten Terrorkinos und verfrachtet seine Geschehnisse in eine ansprechend düstere Umgebungskulisse, die in ihrem dreckigen Look teilweise an den Beginn des allseits beliebten Tortur-Kinos erinnert, welches in Filmen wie “Texas Chainsaw Massacre” und “Last House on the Left” seinen Anfang fand.
Unüblicherweise wartet “Would you Rather” mit einem ansprechenden Staraufgebot aus. War Hauptdarstellerin “Brittany Snow” zuletzt noch munter trällernd und vor allem ungeniert jugendfrei im Teenie-Komödchen “Pitch Perfect” unterwegs, so scheint sie ihr facettenreiches Schauspiel mit dem Auftritt in diesem Schreckensszenario erweitern zu wollen. Löblicherweise recht ambitioniert, scheitert doch ihre Rolle nicht an jenen stereotypen Verhaltensmustern, mit welchen man so oft in ähnliche Produktionen dieser Art konfrontiert wird. Ihr Verhalten durchzieht sich relativ glaubwürdig durch die dünne Handlung, auch wenn ihr das Drehbuch hin und wieder suspekte Denkphrasen eintrichtern möchte, die so rein gar nicht zu ihrem Charakter passen möchten.
Neben Ex-Porostar „Sasha Gray“, welche eine äußerst unsympathische Leidensgenossin miemt, dürften vermutlich alle Fans der Horrorlegende “Jeffrey Combs” überrascht sein, dass einer der ganz großen Gerne-Helden der 80er Jahre sich für derart Quark hat überreden lassen. Dennoch bieten gerade Combs kongenialen Auftritte den eigentlichen Schauwert dieses fragwürdigen Tortur-Filmchens. Der Mann beweist einmal mehr, dass er es auch nach Kultfilmen wie “Re-Animator” und “From Beyond” immer noch drauf hat, selbst dem miesesten Film das gewisse Etwas zu verleihen. Seine schwarzhumorigen Wortfloskeln bereichern den eigentlich vollkommen unwichtigen “Would you Rather” ungemein, sodass die plumpe Foltergeschichte einen halbwegs seh- und ertragbaren Unterhaltungswert erreicht. Die Rolle des kompromisslosen Sadisten scheint Combs einmal mehr wie auf den Leib geschneidert zu sein und als Zuschauer spürt man regelrecht mit welcher Inbrunst der Schauspieler selbige lebt. Mit seinem Auftritt fällt und steigt der Qualitätsgehalt der Handlung und heben den zynischen Folter-Nonsens weitestgehend über den Durchschnitt.
 
Would you Rather” ist einer dieser Filme, die ihre Wirkung trotz aller Vorhersehbarkeit keinesfalls verfehlen. Zwar geht es hier nicht maßgeblich blutig zugange, trotzdem wirken einige Szenen aufgrund ihrer schonungslosen Kompromisslosigkeit erheblich hart, sodass vermutlich einige zartbesaitete Zuschauer flink zur Fernbedienung ihres Heimkino-Abspielgerät greifen dürften, um die gewalttätigen “Show-Einlagen” leichter ertragen zu können. Die Protagonisten werden hierbei mit allerlei physischen und psychischen Unannehmlichkeiten konfrontiert, wobei sich der Film immer wieder die Frage stellt, wie kostbar letztendlich ein Menschenleben ist und wie weit jeder Einzelne gehen würde, um aus seinem selbstsüchtigen Handeln das meiste Kapital zu schlagen. Statt Augenmerk auf altbekannte Mordwerkzeuge, wie Kettensägen, Macheten und Schusswaffen zu legen, rücken hier traditionelle Folterinstrumente in den Mittelpunkt der Gegebenheiten. Neben einem primitiv zusammengewerkelten Fass gefüllt mit klarem Leitungswasser, finden sogar Silvesterraketen und Reitgerten vollkommen neue Einsatzgebiete. Zwar beginnt das muntere Treiben mit erheblich leichten Aufgaben (Vegetarierin soll Fleisch essen), diese bilden jedoch nur den Auftakt eines perfiden Sammelsuriums an kranken Ideen.
Auch wenn der moralische Background durchaus Diskussionsstoff bietet, so wirkt das widerliche Szenario durchaus selbstzweckhaft, sodass die brenzliche Kontroversität des Themas im Zuge breit ausgewalzter Foltereinlagen vollkommen untergeht. Die Beweggründe der Gastgeber bleiben weitestgehend ungeklärt, sodass der Zuschauer mit allerhand Fragen zurückbleibt und nur darüber spekulieren kann, aus welchem Beweggrund Lambert diese Veranstaltung organisiert hat.
 
 
 


 
 
 

Would you Rather – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Would you Rather” ist ein moralisch fragwürdiges Filmchen, das aufgrund seiner kompromisslosen Darstellung ziemlich hart daherkommt. Zudem beweist „Jeffrey Combs“ einmal mehr, dass seine Auftritte selbst den miesesten Horrorfilm aufwerten können.
 
 
 


 
 
 

Would you Rather – Zensur

 
 
 
Eine deutsche, ungeschnitten Fassung dürfte mit viel Glück eine „Keine Jugendfreigabe“-Einstufung erhalten. Dennoch dürfte sich die FSK bei derart Thema erheblich vor den Kopf gestoßen fühlen, sodass es auch sein könnte, dass Schnitte für einen „KJ“-Release vorgenommen werden müssen.
 
 
 


 
 
 

Would you Rather – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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The Helpers (2012)


Filmreview: “The ABC´s of Death” (2012)

The ABCs of Death
 
 
 

The ABC´s of Death

Story

 
 
 
26 Todesarten und 26 Horror-Kurzgeschichten. Unter dem Slogan “The ABC´s of Death” schildern 26 verschiedene Regisseure ihre ganz eigene Betrachtungsweise zum Thema Tod. Unter den anwesenden Filmemachern haben sich eine stattliche Anzahl bekannter Genre-Größen versammelt, die in der Horrorfilmszene nicht unbekannt sind:
Nacho Vigalondo“ (“Timecrimes“), „Xavier Gens“ (“Frontier(s)“) „Adam Wingard“ und „Simon Barrett“ (“V / H / S “), „Jason Eisener“ (” Hobo with a Shotgun “), „Ti West“ (“The Innkeepers“) und „Ben Wheatley“ (” Kill List “).
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Kritik

 
 
 
Wenn sich 26 talentierte Köche zusammentun, um an einer Suppe köcheln, so kann man laut Erfahrung oftmals davon ausgehen, dass am Ende eine ziemlich versemmelte Soße bei rauskommen dürfte. Denkste, dachten sich 26 Regisseure und begannen an einem abendfüllenden Spielfilm zu tüfteln, der die Filmwelt vom Gegenteil überzeugen sollte. Unter dem Banner “The ABC´s of Death” bekamen 25 von Ihnen die Aufgabe mit ca. 5000 US Dollar, einen etwas 10-minütigen Filmbeitrag zu kreieren, der sich mit einer möglichst perfiden Art des Sterbens beschäftigen sollte.
Damit nicht nur alteingesessene Filmhasen die Chance ergreifen konnten, ihr künstlerischen Visionen auf die große Leinwand zu transferieren, wurden auch potenzielle Hobby- und Nachwuchsregisseure dazu aufgefordert, ihr kreatives Schaffen der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Kurzum wurde ein Youtube-Wettbewerb ins Leben gerufen, der diverse unbekannte Filmemacher dazu bewegte, eigene Kurzfilme zu drehen und sich mit selbigen für den noch fehlenden 26. Beitrag zu bewerben. Eine rege Teilnahme erfolgte, wobei sich der Brite “Lee Hardcastle” mit seiner skurrilen Tonfiguren-Animation direkt in die Herzen der Jurymitglieder “kneten” und sich auf diesem Wege den Buchstaben “T” ergattern konnte.
 
Nach der Weltpremiere beim internationalen Filmfestival in Toronto wurde “The ABC´s of Death” mit teilweise gemischten Gefühlen aufgenommen. “…Zu viele Filme, zu wenig qualitativ wertvolle Beiträge…” ließen Kritiker verlauten und in der Tat, ein marginaler Teil der Gesamtwerks beinhaltet durchaus durchwachsene und gewöhnungsbedürftige Kost. Hierbei wären vor allem einige durchweg geschmacklose Beiträge zu nennen, die sich mit äußerst kontroversen Themen beschäftigen und sie zugleich in einen durchweg bizarre Background verfrachten. Einer dieser Beiträge ist “Ti West´s” (“House of the Devil“) “M is for Miscarriage“, in welchem eine Frau versucht ihre Fehlgeburt zu beseitigen.
West, der sich zuletzt mit zwei äußerst gelungen Spielfilmen als unkonventioneller Filmemacher behaupten konnte, hat sich mit seinem ziemlich lust- und geschmacklosen Beitrag keinen wirklichen Gefallen getan. Seine Erzählung wirkt durchweg uninspiriert, überflüssig und unwichtig, sodass man als Fan des Ausnahme-Regisseurs rein gar nicht glauben möchte, dass “West” derart Nonsens für ein so ambitioniertes Werk, wie “The ABC´s of Death” beigesteuert haben soll.
 
Doch nicht nur “Ti West” allein, war der Aufgabe nicht annähernd gewachsen einen halbwegs einfallsreichen Kurzfilm zum Thema Tod beizusteuern, auch der Brite “Jason Eisener” (“Hobo with a Shotgun“) wusste mit dem ihm zugeteilten Buchstaben nichts wirklich Kreatives anzufangen. Sein Kurzfilm über einen in die Jahre gekommenen Hausmeister, der eine etwas abartige Vorliebe für die heranwachsenden Knaben einer Grundschule besitzt und mit Genuß deren Schweiß von den Sportbänken der Turnhalle schleckt und deshalb “bestraft” wird, wirkt derb daneben und bereichert diesen Anthologie-Streifen in keinster Weise. Trotzdem, auch wenn sich in “The ABC´s of Death” einige ziemlich misslungene Querschläger eingeschlichen haben, so sollte diese Kurzfilm-Parade von keinem Horrorfilm-Fan unbeachtet bleiben, der sich auch für Werke jenseits des Mainstreams interessiert. Die Produzenten “Tim League” und “Ant Timpson” haben mit ihrem “The ABC´s of Death” ein kreativ ansprechendes Werk geschaffen, dass überwältigt und in derart umfangreichen Form seinesgleichen suchen dürfte. Ob zynisch-makaber, blutgierig-widerwärtig oder kunstvoll-experimentierfreudig; die Vielfalt der verschiedenen Segmente machen diesen außergewöhnlichen Anthologie-Streifen unglaublich abwechslungsreich und heben den Film weit über den Durchschnitt. Vor allem die unterschiedlichen Stile, mit welchen die diversen Regisseuren ihre kleinen Geschichten bereichern, sind nicht zu verkennen. Viele derer, haben das brillante Konzept zu ihrem Vorteil genutzt und kleine, kunstvolle Meisterwerke geschaffen, die es sogar schaffen, so etwas wie Anspruch in das ohnehin gebeutelte Horror-Genre zu bringen. Allen voran “Marcel Sarmiento” („Deadgirl“), der mit seinem “D is for Dogfight” einen unglaublich grandios gefilmten Schaukampf präsentiert, in dem sich Hund und Mensch gegenseitig in den Tod duellieren. Der, in Slow Motion abgedrehte Augenschmaus wirkt unverkennbar stimmig und derart klug ausgetüftelt, dass man diesem Segment fast schon Arthouse-lastige Züge zusprechen möchte und den Shorty zugleich auch als besten Filmbeitrag der gesamten Sammlung bezeichnen darf.
 
 
 
Wer als Horrorfilm-Freund die Nase voll hat, sich ständig mit dem immer wiederkehrenden Stereotypen und vorhersehbaren Klischees in Horrorfilmen umherschlagen zu müssen, sollte definitiv eine Auge auf den kommenden Kurzfilm-Kracher “The ABC´s of Death” werfen. Hier schreiten zur Abwechslung einmal keine Kannibalen, Serienkiller, Geister oder Vampire schaufreudig zur Tat, sondern hier beschäftigen sich 26 ziemlich abwechslungsreiche Kurzfilme mit 26 perfiden Arten das Zeitliche zu segnen. “The ABC´s of Death” schafft es gänzlich jeden Geschmack zu befriedigen. Aufgrund des enormen abwechslungsreichen Inszenierung dürfte hier jeder Filmfreund zumindest ein Episode finden, die seinem Geschmack perfekt zu unterstreichen weiß.
Der Gorehound bekommt mit “Xavier Gens” (“Frontier(s)“) “X for XXL” ein derbes Splatter-Brett vor den Kopf gestoßen und auch Freunde überdreht asiatischer Skurrilitäten dürfen einmal mehr erkennen, dass die Asiaten in Bezug auf Horror und Gewalt einen vollkommen gewöhnungsbedürftigen Humor besitzen, welcher auf uns Europäern ziemlich grotesk und weltfremd wirkt. Gerade aufgrund der Vielfältigkeit der einzelnen Beiträge, sollte der Filmfreund im Laufe der zweistündigen Filmlaufzeit einige Pausen einlegen, um Gesehenes zu verarbeiten. Gerade weil die einzelnen Episoden nahtlos aneinander knüpfen und keine Rahmenhandlung existiert, die die Geschichten miteinander verbindet, dürfte dieses Kurgeschichten-Lexikon am Stück schwer zu verdauen sein. Trotzdem, die bemerkenswert internationale Vielfalt der einzelnen Beiträge beweist, dass guter Horror nicht zwangsläufig aus Amerika kommen muss, sondern eine weltweite Sprache spricht. Die Regisseure der einzelnen Geschichten stammen aus aller Herren Länder und ihre Stile bereichern das brillantes Konzept hinter “The ABC´s of Death” ungemein. Idealerweise sollte man dieses Experiment vollkommen uneingenommen goutieren und auf sich wirken lassen – denn verdient hat es “The ABC´s of Death” definitiv gesehen zu werden!
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Skurril, makaber, einzigartig und uneingeschränkt sehenswert!
Eine Horrorfilmsammlung, welche man in dieser Form bisher noch nie gesehen hat.
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Zensur

 
 
 
Da es in “The ABC´s of Death” teilweise arg rabiat zur Sache geht (“X is for XXL“) und vor allem die Episode “L for Libido” mit dem  Thema “Pädophilie” nicht gerade zimperlich umgeht, könnte es bei der FSK-Prüfung durchaus Probleme geben. Man kann nur hoffen, dass sich die FSK gnädig stimmen lässt und sich bei diesem sehenswerten Beitrag für den “Keine Jugenfreigabe“-Stempel entscheidet, ohne dafür Schnitte zu verlangen!
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Filmreview: “The Helpers” (2012)

the helpers 2012
 
 
 

The Helpers

Story

 
 
 
Es hätte für die sieben Freunde dieser kleinen Geschichte ein wahrlich feierfreudiges Wochenende werden können.
Doch wie so oft in Horrorfilmen dieser Art, meint es das Schicksal mit den Teens gänzlich anders, als anfänglich erwartet. Ihre euphorische Reise nach Sin City, Las Vegas, wird kurzum durch eine Autopanne unterbrochen.
Gott sei Dank entdeckt die Gruppe irgendwo im Nirgendwo ein kleines Motel, dass sich scheinbar auf die Reparatur derart “zufälliger” Pannen spezialisiert zu haben scheint. Guter Dinge, die Fahrt bald fortsetzen zu können, verbringen die Freunde die Nacht in der abgelegenen Herberge. Ein fataler Fehler, denn hinter der hilfreichen und gastfreundlichen Fassade der zuvorkommenden Motel-Inhaber, verbirgt sich das personifizierte Böse …
 
 
 


 
 
 

The Helpers – Kritik

 
 
 
Es gibt Filmthemen, die scheinen derart begehrt zu sein, das man sie wieder und wieder lukrativ recyceln muss.
War es vor einigen Jahrzehnten noch das beliebte Slasher-Genre, dass mit Vorliebe durch den Fleischwolf gezwirbelt und gehörig abgemolken wurde, so zieren aktuell blutgierige Killerviren, menschenverachtende Folterspielchen oder Wackelcam-geile Poltergeister die internationale Filmlandschaft. Kaum ein Genre-Werk entsteht derzeit, das sich nicht mit derart totgefilmten Horrorstoffen beschäftigt und um die Gunst der Zuschauer buhlt, in der Hoffnung halbwegs Beachtung geschenkt zu bekommen, damit die Macher hinter dem Beitrag rasch die schnelle Mark verdienen können.
Der vorliegende Vertreter “The Helpers” reiht sich hierbei ideal in die endlos lange Reihe aktueller Folterfilme ein, die mit Vorliebe dem nachgehen, was sie vermutlich am besten können: zu langweilen.
Ohne ein Fünkchen Originalität zu vermitteln oder kreative Eigenständigkeit zu beweisen wird hier genüsslich gefoltert und sadistisch gedemütigt, einzig der Gewalt und der Provokation wegen. Die Vorgeschichte (insofern man das Konstrukt überhaupt als Geschichte betiteln kann) ist schnell erzählt, sodass dieser aktuelle Folteraufguss erstaunlich straff zum Punkt kommt, damit der gewaltgierige Gorehound auch rasch das genießen darf, was er letztendlich von Filmen dieses Kalibers erwartet: sinnentfremdete Quälerei nonstop.
 
Wer jetzt dennoch darauf hofft, dass das auch alles hübsch hart anzuschauen ist, der irrt.
Vielmehr irrt Regisseur “Chris Stokes” zu euphorisch seinen großen Vorbildern “Hostel” und “Motel” hinterher, sodass er bereits nach nur wenigen Film-Minuten die Orientierung über seine ohnehin dürftig zusammengeflickte Filmchen verliert. Nicht nur, dass die Interaktionen der wenigen Protagonisten vollkommen hirnrissig erscheinen, auch die Geschichte wirkt zunehmend konfus, sodass der Film zur echten Geduldsprobe avanciert. Vor allem die skrupellosen “Helfer” beginnen bereits nach ihrem ersten Auftauchen gehörig zu nerven und versuchen im Verlauf der Handlung zwanghaft böse und hinterlistig zu wirken. So wirklich eindrucksvoll will ihnen das jedoch nicht gelingen, denn ihr lustloses Agieren wirkt weniger bedrohlich, als vielmehr konsequent einschläfernd. Und so hilft es dem Film letztendlich auch nicht, dass es zwei weibliche “Helferinnen” offensichtlich zu gut mit Ihrem übertriebenen Overacting meinen und in einer Tour versuchen mit Hilfe zynischer Wortfloskeln ihren männlichen Mitstreitern die Show stehlen zu wollen.
Das permanent überspitzte Gegacker wirkt hierbei derart störend und unfreiwillig komisch, dass man sich als Zuschauer vollkommen verwirrt fragt, ob es sich nun bei “The Helpers” um eine rabenschwarze Komödie oder einen vermeintlich bösen Terrorfilm handeln soll. Zudem lässt sich nicht leugnen, dass einige der ambitionierten Jungdarsteller unglaublich mies vor der Kamera agieren, sodass es dem vorliegenden “The Helpers” nur selten gelingt, über Amateurfilmniveau hinaus zu schlittern.
 
 
 
Nachwuchs für emsige Folterexperten gesucht? Dann sollte dieser aktuelle Nonsens möglichst gemieden werden.
Das aktuelle “Meisterwerk” aus der Serie sadistisch-angehauchte “Möchte-gern-Folterstreifen” ist ein wirklich haarsträubend schlechter Vertreter seiner Gattung, denn hier wird schauspielerisches “Nichtkönnen” erstaunlich groß geschrieben. Ein grandiose Feuerwerk unweigerlichen Fremdschams. Gerade weil dem Film keine wirklich halbwegs spannende Geschichte zugrunde liegt und die improvisierenden Leistungen der wenigen Darsteller sehr zweifelhaft in Erscheinung treten, kommt rasch Langeweile auf, welche das muntere Treiben auf der heimischen Mattscheibe unerträglich gestalten dürfte. Dabei sind es nicht die Demütigungen und Folterungen selbst, die bitter aufstoßen, sondern die gesamten Inszenierung, die nur selten über Amateurstatus hinausreicht. Regisseur “Chris Stokes” schafft es mit einer unglaublichen Leichtigkeit, in einfach jedes Fettnäpfchen zu stiefeln. Seinem “The Helpers” gelingt es erstaunlich selbstsicher alles falsch zu machen, was man bei einem Film diesen Kalibers falsch machen könnte. Er ist langweilig und bedeutungslos, von Terror ist im Film kaum eine Spur. Ein Mitfiebern gestaltet sich als schwieriges Unterfangen, denn die wenigen Protagonisten im Film wirken unsympathisch, eindimensional und unzugänglich.
Auch auf Gewaltebene erfindet “The Helpers” das Genre nicht neu. Erstaunlicherweise gibt es hier für ausgehungerte Gorehounds nur wenig zu bestaunen. Ein groteske Zweiteilung sowie eine überraschende Enthauptung sind die einzig wahren “Highlights” in diesem vollkommen überflüssigen Film.
Für einen Terror- und Folterfilm vermutlich viel zu unspektakulär, dürfte die belanglose Darstellungen der obligatorischen Greueltaten einzig für ein müdes Lächeln unter alteingesessenen Horrorfilmfans sorgen.
 
Seltsamerweise handelt es sich bei Regisseur “Chris Stokes” um einen eigentlich halbwegs erfahrenen Filmemacher, der bereits eine umfangreiche Vita vorzuweisen hat. Neben einigen (in Amerika) erfolgreichen Horror- und Musikfilmen (“House Party 4” und “Somebody Help Me 1+2“), verdiente er sich vor allem als erfolgreicher Produzent namhafter Pop-Größen (“Destiny ‘s Child“, “Bobby Brown“) ein goldenes Näschen. Sein aktuelles Schaffen jedoch, dürfte er vermutlich am liebsten wieder in der Versenkung verschwinden lassen, denn “The Helpers” ist wahrlich ein vollkommen desaströses Stück Zelluloid, auf das der Filmfreund getrost verzichten kann!
 
 
 


 
 
 

The Helpers – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Motel” & “Hostel” erneut schlecht kopiert – Ein vollkommen unbrauchbarer und überflüssiger Film!
 
 
 


 
 
 

The Helpers – Zensur

 
 
 
Dürfte ungeschnitten mit “Keine Jugendfreigabe”-Kennzeichnung nach Deutschland kommen.
 
 
 


 
 
 

The Helpers – Trailer

 
 
 

 
 
 

Hellraiser80

 
 
 

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Filmreview: “Nobody gets out alive” (2013)

nobody-gets-out-alive2013
 
 
 

Nobody gets out alive

Story

 
 
 
Um der etwas kränklichen „Jen“ die Vorzüge des Lebens erneut schmackhaft zu machen, unternimmt sie auf den Rat ihrer Eltern hin, einen gemütlichen Campingausflug hinaus in die Wälder. Einige Freunde sind schnell zusammengetrommelt und so begibt sich die Bande in eine vermeintlich feier- und sauffreudige Zeit ohne Eltern, Stress und Hektik.
Doch was die Freunde nicht wissen: unlängst verlor ein Familienvater in jener Gegend seine einzige Tochter, die von einer Gruppe betrunkener und unachtsamer Kids beim Spielen auf offener Straße überfahren wurde. Nun, so erzählt die Legende, sinnt der gebrochene Mann auf blutgierige Rache und meuchelt jeden Jugendlichen über den Jordan, der sich in dem naheliegenden Wald verirrt hat.
Anfänglich für eine bedeutungslose Erzählung gehalten, verschwindet auch schon der erste Teen auf unerklärliche Weise.
 
 
 


 
 
 

Nobody gets out alive – Kritik

 
 
 
Wenn ein scheinbar unbekannter Film mit einem derb-reißerischen Plakat wirbt, rührt die Vermutung oftmals gar nicht so weit her, dass hinter derart vielversprechender Werbebotschaft auch ein derb-unterhaltsames Filmchen stecken muss.
Hat man als Filmfreund jedoch ein geschultes Auge, so erkennt man schnell, dass es Unmengen an Filmen gibt, die ihre filmischen Defizite mittels ansprechender Filmcover versuchen zu vertuschen, um gierige Horrorfans dennoch zum Kauf ihrer hölzernen Filmkost zu bewegen.
Auch der vorliegende “Nobody gets out alive” ist einer jener Filme, der mit einem deftigen Cover wirbt, um von der vollkommen desaströsen Inszenierung der zu Grunde liegenden Geschichte gekonnt abzulenken. Kreative Eigenständigkeit sucht man hier vergebens. Stattdessen wird dem Filmfreund die gefühlt millionste Geschichte eines traumatisierten Irren geschildert, der einmal mehr die Jagdsaison auf eine handvoll ahnungsloser Teenager eröffnet hat. Auch wenn das formschöne Filmposter eine liebevolle Hommage an die diversen Slasher-Klassiker der schmuddeligen 70er und knall-poppigen 80er verspricht, so sind die diversen Zitate im Film eine wahrliche Beleidigung für all die Werke, die dieses Sub-Genre maßgeblich mitgeprägt haben.
Kreative Eigenständigkeit wird in “Nobody gets out alive” konsequent klein geschrieben. Statt dem unlängst totgefilmten “Teenager-in-Angst-Kino” halbwegs neue Facetten einzuverleiben, verharrt der vorliegende Slasher-Aufgruss in einem zähen Gemisch aus “zerfilmten” Genre-Regeln und katastrophaler Einfallslosigkeit. Spannung kommt dabei selten auf und so darf sich der interessierte Horrorfilmfreund durch ein uninspiriertes und bedeutungsloses Filmchen quälen, das krampfhaft versucht in die Fußstapfen seiner großen Vorbilder zu schlüpfen.
 
Auch wenn Regie-Newcomers „Jason Christopher“ stets darum bestrebt ist, aus dem vermutlich kaum vorhandenen Budget das Maximum herauszuholen, so kann er dennoch nicht vertuschen, dass seinem Debüt der unweigerlich amateurhafte Grundton und die stümperhafte Ernsthaftigkeit mitnichten zugute kommt. Diverse Szenen bergen zwar eine gewisse, bedrohliche Stimmung, verlieren aber aufgrund der technischen Defizite und der laienhaften Darstellung einiger Protagonisten immens an Intensität. Einzig durch die erstaunlich rauen Gewaltspitzen dürfte der Film zumindest bei Gore-Liebhaber auf Zustimmung stoßen. Auch wenn einige Spezialeffekte (übrigens durchweg handmade) in ihrer Umsetzung als einfach durchschaubar zu betiteln sind, so verfehlen sie ihre widerwärtige Wirkung nur selten. “Nobody gets out alive” ist erstaunlich ruppig und ziemlich hart, sodass zartbesaitete Gemüter rasch die Nerven verlieren dürften. Zumindest in diesen Belangen ist „Jason Christopher´s“ Erstlingswerk klassischen Vertretern seiner Gattung einiges voraus. Nur ob blut- und menschenverachtende Gewaltexzesse allein einen guten Film ausmachen, sollte jeder für sich selbst entscheiden.
 
 
 
Heute besorgen wir uns eine HD-Cam und drehen mit einigen Freunden geschwind einen überaus schlechten Horrorfilm. Dachte sich Newcomer „Jason Christopher“ und rief unweigerlich den unausgegorenen “Nobody gets out alive” ins Leben. Auch wenn einige befremdlich-kontrastreiche  Filterspielereien zu Gefallen wissen, so kann der erste Lang-Spielfilm des Nachwuchstalents kaum überzeugen. Die dilettantische Ernsthaftigkeit, welche die gesamte Inszenierung seines Slasher-Debakels durchzieht und die fast schon penetrant-peinliche Ideenlosigkeit seiner Geschichte, brechen dem (ursprünglich betitelten) “Down the Road” gänzlich das Genick. Hinzukommt, dass die wenigen Schauspieler kaum Talent besitzen, halbwegs sympathisch und glaubhaft zu agieren. Immerhin sind ihre Weinkrämpfe und Winseleien durchaus zweckhaft, sodass die diversen wirklich deftigen Folterszenen hart anzuschauen sind. Da werden Beine abgesägt und Nägel in Schädeldecken geschlagen – der Gorehound unter den Horrorfilmfreunden dürfte sich hierbei gierig die Händen reiben. Trotzdem, die simplen, aber dennoch recht grafischen Gewaltspitzen machen noch lange keinen guten Horrorfilm aus. “Nobody gets out alive” ist abartiger Nonsens, der unter dem Deckmantel eines klassischen Slasher-Movies versucht, mit einer handvoll schlecht kopierter Szenen und stereotypen Figuren flink Kasse zu machen. Für Horrorfilmfans, die selbst bei Horrorfilmen einen gewissen Anspruch erwarten, ist dieser Genre-Beitrag eine absolute Zumutung.
 
 
 


 
 
 

Nobody gets out alive – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 

Unterbelichtete Slasher-Gurke, die trotz Amateuroptik, mit arg derben Szenen aufwartet – Braucht keiner!
 
 
 


 
 
 

Nobody gets out alive – Zensur

 
 
 
Aufgrund arg derber Szenen, kommt der vorliegende Film nicht ungeschnitten nach Deutschland.
 
 
 


 
 
 

Nobody gets out alive – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Filmreview: “The Aggression Scale” (2012)


 
 
 

The Aggression Scale

Story

 
 
 
Vater “Bill Ruthledge” (Boyd Kestner) zieht es zusammen mit den Kindern “Lauren” (Fabianne Therese) und “Owen” (Ryan Hartwig), sowie seiner Ehefrau zurück auf Land. Der Umzug verlief überraschend zügig, sodass die Kinder ziemlich verstört wirken, als sie plötzlich ihre neuen Zimmer beziehen sollen. Am nächsten Morgen erhalten die Ruthledge´s unwillkommenen Besuch. Es ist nicht die erhoffte Maklerin, die sich selbst kurzum zum Frühstück eingeladen hat, sondern der Auftragskiller “Hand Lloyd” (Dana Ashbrook), der zusammen mit seiner Bande, die halbe Million Dollar zurückfordert, die Vater “Bill” einem geldgierigen Mafiaboss gestohlen haben soll.
In erwartungsvoller Freude den Auftrag kurz und schmerzlos abhandeln zu können, haben die Schergen nicht mit der Cleverness des kleinen, wortkargen “Owen” gerechnet. Denn nachdem das Killerpack die Eltern der Kinder über den Jordan gemeuchelt haben, stellen sie alsbald fest, dass mit dem scheinbar eingeschüchterten Jungen irgendetwas nicht zu stimmen scheint.
 
 
 


 
 
 

The Aggression Scale – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor, eine Bande skrupelloser und mordgieriger Schwerstkrimineller klopft des morgens an die Haustür einer gutbürgerlichen und friedliebenden Familie, um sich von selbiger einige unterschlagene Dollars zurückzuerbeuten.
Flink dürfte der interessierte Horrorfilmfan einen weiteren uninspirierten Folter- und Terrorstreifen erwarten, der die Opfer abermals durch eine gewalttätige Achterbahn des Schreckens jagt, nur damit selbige am Ende mittels explizit-ausgewalzten Racheakt Vergeltung an ihren Peinigern üben dürfen, um der Erwartungshaltung des Gore-Freunde halbwegs gerecht werden zu können.
Blickt man in der Geschichte des “Home Invasion“-Genre zurück, so haben die Opfer in diesen Filmen vermutlich schon allerlei Scheußlichkeiten erdulden müssen, um das eigene Leben oder das der Familienangehörigen zu schützen.
Auch der vorliegende Beitrag “The Aggression Scale” macht keinen Hehl daraus, was er eigentlich sein will. Schnell beginnt sich der Grundton des Films zu verändern und die obligatorischen “Home Invasion“-Klischees beginnen eine merklich unwohlige Stimmung zu verbreiten.
Doch anstatt das Geschehen in den perfiden Abartigkeiten dieses Subgenres zu ertränken und erneut die altbekannten Regeln des “Home Invasion“-Genres abzuhaken, schlägt “The Aggression Scale” eine gänzlich andere Kerbe ein. Aus dem vermeintlich unangenehmen Psycho-Thriller entwickelt sich ein ziemlich zynisches Stück Zelluloid aus dem kurzum die Jäger zu Gejagten umfunktioniert werden.
Am Besten lässt sich die Geschichte rund um “Steven C. Millers” vorliegenden Kracher als eine recht kurzweilige Mischung aus “Kevin allein zu Haus“, “Rambo” und “MacGyver” betiteln, denn der minderjährige Sohn jener Familie, entpuppt sich kurzum als wandelnde Killermaschine, die auf recht gerissene Art und Weise dem Verbrecherpack das Handwerk zu legen weiß. Hierbei entwickelt sich das wortkarge Kerlchen als überaus erfinderisch und zäh, was diesem Thriller einen ordentlichen Unterhaltungswert beschert und ihn von der grauen Masse an ähnlichen Produktionen positiv abhebt. Regisseur “Steven C. Miller” hat es mit seinem aktuellen Beitrag endlich geschafft, einen durchweg sehenswerten und vor allem spannenden Genre-Beitrag abzuliefern.
Mit seinem enttäuschenden Splatter-Remake “Silent Night” (2012) und dem arg durchwachsenen “Scream of the Banshee” (2011) hatte er zuletzt weniger durch Qualität, als vielmehr durch lieblosen Trash auf sich aufmerksam gemacht. Umso mehr verwundert es, dass der vorliegende “The Aggression Scale” mit einer beachtlich-skurrilen Leichtigkeit daherkommt, die den Zuschauer überraschend schnell in ihren Bann zu ziehen weiß. Das Finale ist rasch erreicht und eh sich der Zuschauer versieht, flimmern auch bereits die Endcredits über den Bildschirm. Kurzweiligkeit ist definitiv garantiert und so kann sie der Horrorfilmfreund einmal mehr auf einen recht gelungenen Genre-Beitrag erfreuen, der aus der breiten Massen mieser Thriller-Filmkost der letzten Monate positiv hervorsticht.
 
 
 
Nach arg durchwachsenen Filmwerken hat es der motivierte Jungregisseur “Steven C. Miller” mit seinem vorliegenden “The Agression Scale” endlich geschafft den Nerv der Fans des bösen und gemeinen Films zu treffen. Auch wenn die Geschichte relativ schwermütig und behäbig beginnt und einen weiteren idiotischen Terrorfilm suggeriert, so sollten interessierte Filmfreunde noch ein wenig durchhalten. Denn nach dem obligatorischen Einleitungsgeplänkel, geht die Post gehörig ab. Das mag vor allem an der arg einfallsreichen Wendung liegen, die dem Zuschauer hier voller Sarkasmus serviert wird. Der unangenehme “Home Invasion“-Thriller mutiert rasch zu einer bitterbösen und ziemlich zynischen Survival Trip und birgt so manche Überraschungen.
Aus dem anfänglich taffen Gangstergesindel entwickeln sich alsbald minderbemittelte Angsthasen, die sich von einem pubertierenden Jungen gehörig auf der Nase umhertanzen lassen. Parallelen zum “Mccully Kalkin“-Klassiker “Kevin allein zu Hause” sind unübersehbar, nur dass die hier vorliegende Variante weniger familienfreundlich daherkommt und mit einigen deftigen Gewaltakten überzeugt. Der erfrischenden Szenarie bekommt das muntere Katz- und Mausspiel erheblich gut und so sieht man gern über einige Logikhänger in der Handlung hinweg. “The Aggression Scale” macht Spaß, keine Frage und bereichert das Horror-Genre ungemein. Bitte mehr davon!
 
 
 


 
 
 

The Aggression Scale – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine wahrlich homogene Symbiose aus “Kevin allein zu Hause” und “Rambo” – Zynische, blutig und bitterböse!
 
 
 


 
 
 

The Aggression Scale – Zensur

 
 
 
Der Film ist in Deutschland ungeschnitten mit “keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung erhältlich
 
 
 


 
 
 

The Aggression Scale – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Aggression Scale; USA 2011

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS HD Master Audio 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p/24, 1:2.35

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making Of, Trailer – leider gänzlich ohne UT

 
 
 
Die Deutsche Blu-ray macht einen hervorragenden Eindruck und wird direkt über “Sunfilm” vertrieben – natürlich ungeschnitten.
Neben einem minimalistisch, aber ansprechenden Menü, darf der Filmfreund ein durchaus sauberes und scharfes Bild genießen. Auch der Ton besitzt hin und wieder seine Momente und ist stets präsent.
Ein kleines informatives Making of (übrigens in HD!), sowie der Trailer zum Film und zu weiteren kommenden Highlights aus dem Hause “Sunfilm” runden diese kleine, sehenswerte Veröffentlichung ab.
 
 

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The Aggression Scale – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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