Horrorfilm, Mystery, Slasher, Folterfilm, Thriller, Splatterfilm, Gruselfilm, Trashfilm auf FILMCHECK

Beiträge mit Schlagwort “Horror-Thriller 2012

Filmreview: “The Visitant” (2012)

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THE VISITANT

Story

 
 
 
Wenn Samantha (Janie Michele Simms) was Vernünftiges gelernt hätte, wäre ihr vermutlich einiges an Ärger erspart geblieben. Als Kunden prellende Wahrsagerin verdient sie sich ihren Lebensunterhalt in einem Vergnügungspark und gerät an eine Immobilienmaklerin, die ihr von den regelmäßigen Attacken eines wütenden Poltergeistes berichtet. Der hat aber scheinbar genug von seinem letzten Opfer und beginnt schon bald damit, die ahnungslose Samantha in ihrer Wohnung zu terrorisieren …
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Kritik

 
 
 
Im Jahre 1982 brachte SIDNEY J. FURIE einen durchaus unangenehmen Dämonen-Spuk in die Lichtspielhäuser, der von einer Frau berichtete, die von einer unsichtbaren, dämonischen Präsenz terrorisiert wurde. Leider ist das auf angeblich wahre Begebenheiten beruhende Stück Terror-Kino mit dem Titel THE ENTITY heutzutage kaum einem Horrorfan mehr ein Begriff, was vermutlich daran liegen mag, dass Streifen wie THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY dem (jüngeren) Zuschauer das Nonplusultra vorgaukeln. Weitaus besser Geister- und Spukfilme gab es jedoch schon viel früher, wobei Klassiker wie DER UNHEIMLICHE GAST (1944), SCHLOSS DES SCHRECKENS (1961), BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963), DAS GRAUEN (1980) oder POLTERGEIST (1982) zu den wohl wichtigsten Werken innerhalb des Spuk-Genres gehören und zumindest jeder aufgeschlossene Filmfreund mal auf dem Bildschirm gehabt haben sollte. Regisseur JOHN BINKOWSKI erweitert die lange Reihe an Geisterstreifen um sein Low-Budget-Ding THE VISITANT, das in seiner Machart dem genannten Terror-Flick THE ENTITY nicht unähnlich ist. Auch hier wird eine Protagonistin von einem bösartigen Poltergeist attackiert, der sein Opfer versucht in den Wahnsinn zu treiben. Hinter dem Spuk steckt die Produktionsfirma FWC PICTURES, die vom Regisseur persönlich mit ins Leben gerufen wurde und bereits vor einigen Jahren mit SCARE ZONE (2009) semierfolgreich versucht hat Horrorstoff an den Fan zu bringen. Leider ist auch der zweite Genre-Streich nicht Großes, denn wie bei Indie-Produktionen üblich, herrscht auch bei THE VISITANT Ebbe in der Kasse. Die Kulisse ist mager, Effekte sind bescheiden und die Gruselatmosphäre wird auf Sparflamme geköchelt.
 
Ähnlich wie bei THE ENTITY beruht die Geschichte des Gruseltrips auf Ereignisse, die sich so ähnlich zugetragen haben sollen, wie sie der Film beschreibt. Dennoch bleibt im Falle von THE VISTANT fraglich, ob die “wahre” Grundlage nicht das Ergebnis eine doch sehr blühenden Phantasie gewesen ist, schließlich lässt sich ein Streifen mit Echtheitszertifikat auf dem Cover weitaus besser verkaufen, als manch fiktive Geschichte. So verriet Produzentin LISA ENOS SMITH in einem Interview, dass sie einige seltsame Ereignisse im Jahr 1999 sehr beunruhigt hätten. Die schreckhafte Dame musste für Recherchezwecke an Bord des ehemaligen Passagierschiffes Queen Mary reisen, von dem behauptet wird, dass es drin spuken soll. Kaum in die eigenen vier Wände zurückgekehrt wurde SMITH von einer unheimlichen Stimme verfolgt, die nicht nur dafür sorgte, dass die Milch im Tee saurer wurde, sondern jede Menge Schabernack im Haus veranstaltete. Ob nun wirklich passiert oder geschickt konstruierter PR-Schachzug sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass sich SMITHS Geschichte (hier das Interview) weitaus spannender anhört, als THE VISITANT letztendlich geworden ist. Dabei beginnt und endet eigentlich alles so, wie man es sonst aus Kurzgeschichten der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie kennt. Splatter und Cryptkeeper sucht man im Film zwar vergebens, dafür glänzt THE VISITANT wie einst die TV-Serie auch mit makabrem Ende und zwei gar nicht mal so uncharmanten Darstellerinnen, die den Zuschauer durch eine rudimentäre Handlung führen, die man gut und gerne auch in 30 Minuten hätte abhandeln können.
 
Doch wie füllt man eine Geistergeschichte, deren Inhalt sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt? Richtig, in dem man die Anleitung für Hobby-Spukmeister aus dem Internet lädt und den ohnehin dünnen Plot um die nervigsten Spukhaus-Klischees bereichert. So dürfen plötzlich zuschlagende Türen ebenso wenig fehlen, wie der Kontakt zum Toten mittels Seance. Die beste Freundin ist zwar immer per Telefon- und Skype-Konferenz zugegen, kann aber mit ihrem oftmals recht erheiterndem Mundwerk nicht verhindern, dass THE VISITANT ganz zäher Budenzauber bleibt. Während sich anfänglich nur Dinge bewegen, unheimliche Stimmen vernommen werden und sich Protagonistin Samantha durch unerklärliche Geräusche verunsichert fühlt, ändert der gemeine Poltergeist recht zügig seine Taktik und geht weitaus aggressiver zugange. Wie bereits im am Anfang genannten THE ENTITIY sind körperliche Angriffe die Folge, denen die naive Hausbewohnerin schutzlos ausgeliefert ist. Die ist wiederum alles andere als eingeschüchtert, schließlich vermutet Samantha in der bedrohlichen Präsenz den verstorbenen Ehegatten, der ein Jahr zuvor bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen ist. Auch wenn sich ein unerfreuliches Happy End nach reichlich Gepolter und falschen Wendungen nicht vermeiden lässt, wirkt die letztendliche Auslösung etwas sehr aufgesetzt und arg konstruiert. Das Finale wirkt unfertig und bricht abrupt ab, was darauf folgen lässt, dass sich Drehbuchautor und Regisseur JOHN BINKOWSKI unschlüssig war, wie seine Geschichte denn nun eigentlich abgeschlossen werden soll. Aufgrund der wenig überraschenden Inszenierung ist das aber auch nicht weiter tragisch, denn THE VISITANT ist ohnehin einer jener Filme, die das Spuk-Genre nicht gerade nachhaltig bereichern.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer Filme wie POLTERGEIST, THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY gemocht hat, dürfte sich hier gut aufgehoben fühlen. Dennoch ist THE VISTIANT alles andere, als ein sehenswerter Spukstreifen, was vor allem an der überraschungsarmen Geschichte liegt, die man gut und gerne auch in Kurzfilmform hätte erzählen können. Der Zuschauer wird mit einer Menge Spuk-Klischees gequält, die zu einem reichlich konstruiert wirkenden und ziemlich abrupt endenden Abschluss führen. Auch wenn dem Filmfreund nicht unbemerkt bleibt, dass hier nur Mikro-Budget zur Verfügung gestanden hat, ist THE VISITANT einer jener Filme, deren Umsetzung nicht zwangsläufig hätte sein müssen. Das knappe Geld wäre anderweitig wohl besser investiert gewesen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Zensur

 
 
 
THE VISITANT ist ein typischer Geisterfilm, ohne Blutzoll. Hier stirbt nur ein Hamster – das war`s. Insofern der Film hierzulande überhaupt veröffentlicht werden sollte, dürfte er locker mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost of Goodnight Lane (2014)
 
The Quiet Ones (2014)
 
House of Dust (2013)
 
Der unheimliche Gast (1944)
 
Schloss des Schreckens (1961)
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
Das Grauen (1980)
 
Poltergeist (1982)
 


Filmreview: “Frost” (2012)

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FROST

Story

 
 
 
Tief im Eis lauert das Böse. Ein Forscher-Team kehrt von den Arbeiten an einem Gletscher nicht zurück. Wissenschaftlerin Agla (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) macht sich Sorgen und beginnt mit Freund Gunnar (Björn Thors) nach den vermissten Kameraden zu suchen. Was die beiden jedoch finden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren …
 
 
 


 
 
 

FROST – Kritik

 
 
 
Jawohl, es ist wieder soweit. Willkommen zu einer weiteren Ausgabe unserer beliebten Rubrik: Found-Footage-Filme, die eigentlich keiner mehr sehen will und kann. Kaum ein Sub-Genre hat in der Vergangenheit so stark polarisiert, wie jene Filmgattung, die sich mit meist fiesem Kameragewackel ins Gedächtnis der Zuschauer gebrannt hat. Immerhin ist der bereits mehrfach totgesagte Trend nun auch in Island angekommen, wo sich die Produzenten von REYKJAVIK WHALE WATCHING MASSACRE (2009) dem unbeliebten Filmthema angenommen und den vorliegenden FROST finanziert haben. Der wurde vom bisher komödienerprobten REYNIR LYNGDAL gedreht und hat eigentlich kaum Neuerungen zu bieten, schließlich ist das Kopieren bereits dagewesener Erfolgsrezepturen einfacher, als den eigenen Kopf anzustrengen. Das Resultat ist ein x-beliebiger Found-Footage-Streifen, der eigentlich den gleichen Regeln folgt, wie man sie schon in ganz vielen Werken dieser Art zu sehen bekommen hat, nur mit dem Unterschied, dass in FROST zur Abwechslung nicht in Englisch sondern Isländisch geschrieen und gewinselt wird.
 
FROST handelt von Filmemacher Gunnar (BJÖRN THORS), der einen Dokumentarfilm über eine Gletscher-Forschungseinrichtung als Vorwand nutzt, um Freundin Agla (ANNA GUNNDIS) zu besuchen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet sie in einem abgelegenen Teil des Polarkreises in einer Art Camp, wo sie zusammen mit einem Team aus Physio- und Geologen Proben aus Gletschern entnimmt, um diese zu untersuchen. Neustes Forschungsprojekt ist eine geheimnisvolle Gletscherspalte, aus der immer wieder seltsame Lichter und Geräusche dringen. Dass derart rätselhafte Vorkommnisse in Horrorfilmen meist nichts Gutes verheißen erlebt das Paar am eigenen Leib, denn als die übrigen Wissenschaftliche von ihren Untersuchungen nicht heimkehren wollen, machen sich Agla und Gunnar auf die Suche nach den verschollenen Forschern. Fündig werden sie schnell. Die scheinbar leblosen Körper hat der Schnee unweit der Spalte begraben. Weitere Wissenschaftler entdeckt Gunnar regungslos auf dem Grund der Gletscherspalte liegen. Leider lauert dort auch die Ursache des Unheils: Etwas Böses wurde aus seinem Schlaf gerissen und hat sich den Körpern der Wissenschaftler bemächtigt.
 
FROST zieht seinen Reiz aus der schneebedeckten Kulisse, die schon dem Horrorklassiker THE THING zum Erfolg verholfen haben. Wenn immer sich die Kamera durch tobende Schneestürme kämpft und die Protagonisten orientierungslos durch frostige Landschaften irren, erlebt FROST seine besten Momente. Isoliert von der Außenwelt und ohne Hoffnung auf schnelle Hilfe entwickelt sich die scheinbar malerische Schneekulisse rasch zur Hölle auf Erden, aus der irgendwie kein Weg nach draußen führen will. Lobenswerterweise kommt der dichte Schneereigen nicht aus dem Computer. Die Dreharbeiten fanden unter harten Bedingungen statt, denn REYNIR LYNGDAL wollte seinen Antarktis-Grusler so authentisch wie möglich inszenieren. Demnach wurde während echten Schneestürmen gedreht, was den Schauspielern und der Rest der Crew einiges abverlangte. So ambitioniert das Projekt auch verwirklicht wurde, so enttäuschend die Tatsache, dass FROST ziemlich langweilig ist. LYNGDAL ist zwar um einen stetig steigenden Spannungsboden bestrebt, bis aber endlich überhaupt etwas passiert vergehen fast 40 Minuten. Demnach wird der Zuschauer bis zur Halbzeit unfreiwilliger Zeuge von belanglosen Beziehungsstreitigkeiten, die Protagonist Gunnar selbstverständlich mit der Kamera filmen muss. Der hält nämlich vehement alles auf Band fest, was vor die Linse kommt und sei es noch so unwichtig. Dass der Charakter laut Drehbuch eigentlich ein professioneller Kameramann sein soll, will man beim permanenten Gerüttel seines Arbeitsgerätes nicht so recht glauben, denn wie man es von Found-Footage-Werken nun mal gewöhnt ist, wird hier gewackelt als gäbe es keinen Morgen mehr.
 
Langsames Erzählen muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Macher REYNIR LYNGDAL nimmt jene Filmweisheit leider etwas zu genau und quält den Filmfan durch eine Handlung, die sich zieht wie Kaugummi. Dreiste Taschenspielertricks lässt der Regisseur außer Acht, denn wenn kurz vor Ende seltsame Geräusche, Lichter und Beben auf mutierte Kreaturen aus einer fremden Welt schließen, setzt er lieber auf subtile Mehrdeutigkeiten und lässt das Grauen im Kopf des Zuschauers entstehen. Der dürfte leider mit einer Menge Fragen vor der Glotze zurückbleiben und sich ein wenig veräppelt fühlen, hat er doch 70 Minuten lang auf fiese Monster gewartet, die für das Verschwinden der vermissten Wissenschaftler verantwortlich gemacht werden. Trotz interessanter und teils beklemmender Kulisse ist FROST kein Highlight. Dem Grusler fehlen nicht nur die Monster, sondern auch die Phantasie eines TROLLHUNTER (2010) und der Nervenkitzel eines [REC] (2007). Stattdessen wird kopiert ohne Rücksicht auf Verluste, schließlich soll der erste isländische Wackelcam-Film den amerikanischen Vorbildern in nichts nachstehen. Leider hat man das hier Gezeigte woanders schon bedeutend besser gesehen. Die Liste der Found-Footage-Klischees wird nahezu zwanghaft abgearbeitet. So stört lästiges Pixelgewitter gerade dann das Bild der Kamera, wenn die Ereignisse interessant werden und natürlich sucht man auch in FROST vergebens nach dem Sinn, weshalb Protagonisten in Momenten der Angst immer noch Kraft besitzen, die Kamera halten zu können. Wer eine Vorliebe für Schnee-Horror besitzt, sollte lieber Zeit in bessere Horrorfilme investieren. An BLUTGLETSCHER (2013) und DEVIL’S PASS (2013) dürften jene Filmfans vermutlich bedeutend mehr Spaß haben, denn FROST setzt sein interessantes Potenzial sprichwörtlich in den Sand.
 
 
 


 
 
 

FROST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FROST ist die isländische Antwort auf THE THING. Der erste isländische Found-Footage-Film glänzt mit beklemmender Schneekulisse und subtiler Gruselstimmung. Im Vergleich zum derzeitigen Wackelcam-Standard reicht das in FROST Gezeigte jedoch nicht aus, um das Interesse der hungrigen Horrorgemeinde für sich gewinnen zu können. Streifen wie V/H/S 2 und AFFLICTED haben die Messlatte für Found-Footage-Ware deutlich nach oben getrieben, an der sich alle künftigen Horrorfilme dieses Sub-Genres messen müssen. Leider erreicht FOST nicht einmal annähernd die Qualitäten seiner amerikanischen Vorbilder, denn Regisseur REYNIR LYNGDAL hält sich mit zu vielen Unwichtigkeiten auf und langweilt den Zuschauer schnell. Hinzukommt, dass hier wenig Energie in das Finden eigener Ideen investiert wurde. Stattdessen wird dreist kopiert und die Liste der Found-Footage-Klischees abgehakt. Auch wenn am Ende das Kopfkino des Filmfreundes angekurbelt werden soll, enttäuscht die fade Auflösung, weil sie statt Antworten zu liefern nur noch mehr Fragen aufwirft. Von daher sei FOST nur absoluten Fans jener Filmgattung empfohlen, die sich selbst am zigsten Wackelfilm erfreuen können. Wer seit jeher keinen Draht zu Found-Footage findet, wird auch mit FROST nur wenig anzufangen wissen.
 
 
 


 
 
 

FROST – Zensur

 
 
 
In FROST passiert so wenig, dass selbst die FSK froh sein dürfte, wenn der Abspann über die Filmleinwand flimmert. Bis auf einige plötzlich blutende Nasen gibt es hier keine Gewalt zu sehen. Demnach könnte es gut sein, dass FROST hierzulande bereits für Zwölfjährige freigegeben wird.
 
 
 


 
 
 

FROST – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Barricade (2012)
 
The Frankenstein Theory (2013)
 
The Frozen (2012)
 
The Colony (2013)
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
30 Days of Night (2007)
 
Der eisige Tod (2007)
 


Filmreview: “Infected – Infiziert” (2012)

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INFECTED – INFIZIERT

Story

 
 
 
Ein bunt gewürfelter Strauß von Figuren trifft sich in einer Waldhütte, um ein gemeinsames Wochenende zu verbringen. Doch die vermeintliche Idylle wird bald gestört: In den Wäldern streifen fieberkranke Mitmenschen umher, die von einem maßlosen Verlangen nach rohem Fleisch angetrieben werden und sich rasch zu vermehren scheinen. Für unsere Protagonisten beginnt ein Kampf auf Leben und Tod …
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Kritik

 
 
 
Fiebrigkeit, Raserei, Hunger auf Menschenfleisch, der Verlust der Ratio und des freien Willens – in allen Bereichen der Popkultur seit Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD hat man uns gelehrt, diese Symptome mit dem Begriff des Zombies zusammenzudenken. INFECTED unterscheidet sich von vielen klassischen Zombiefilmen darin, dass die Figuren, die diese Symptome ausstellen, mit einer Restkapazität ausgestattet sind, dagegen anzukämpfen. Es sind keine bereits Gestorbenen, ihrer Seele geraubten Wiedergänger, sondern tollwütige Kranke, im qualvollen Widerstreit mit den in ihnen wütenden animalischen Kräften. Eine Eigenart, die sich im Laufe des Films oftmals spannungsfördernd auswirkt. Beispiel: Eine infizierte Frau, die in den Wäldern bereits ihr erstes Opfer gerissen hat, wird von einigen unwissenden Bekannten in deren Haus gebracht und gepflegt. Die kalten Tücher und das gute Zureden scheinen Linderung zu bewirken, doch man weiß, dass das Virus wieder überhand nehmen, das Tier im Menschen wieder zuschnappen wird. Bloß wann? Der vollständige Verlust des freien Willens, das Kernelement allen Zombifiziertseins (vgl. TWOHY 2008, S. 5), wird hier nämlich nicht erst angekündigt durch den vorgängigen Tod des Opfers, sondern bleibt eine ständige Gefahr, die die Infizierten zu tickenden Zeitbomben macht. Jeden Moment muss man mit einem Übergriff rechnen. Der Schrecken liegt aber nicht völlig in der Abruptheit der Transformation, er liegt vor allem in der Möglichkeit ihrer Umkehrbarkeit. Diese Möglichkeit hat etwas Grausames an sich, da sie, jedes Mal neue Hoffnungen streut und aufgrund ihres temporären Charakters zugleich neue Verletzbarkeiten schafft.
 
Wenn wir einen Film sehen, schreiben wir den Vorfällen auf der Leinwand eine bestimmte Bedeutung zu (vgl. THOMPSON 2001, S. 426) Man kann sagen, der Zuschauer „liest“ den Film, wie er einen Text liest. Eine Eigenschaft vieler – wenn nicht aller – Texte ist, dass sie auf andere Texte Bezug nehmen (Intertextualiät). Intertextuelle Bezüge hat es im Horrorfilm immer gegeben, aber erst in den vergangenen zwanzig Jahren hat sich im Horrorfilm ein „hyperpostmoderner“ Erzählton herausgebildet, der diese Intertextualität auf die Spitze treibt, indem er die Andeutungen, die vorher nur Subtext waren zum Text macht (vgl. VEE 2005, S. 47). Beispiele dafür sind die von einem maskierten Killer verfolgten Jugendlichen in SCREAM, die ihre eigene Situation im Rückblick auf Motive berühmter Slasherfilme diskutieren (Ebd., S. 45). Oder das popkulturell geprägte Reflektieren der Opfer einer Vampirattacke über Möglichkeiten der Blutsaugervernichtung in FROM DUSK TILL DAWN („Crosses hurt vampires“ – „All you gotta do is put two sticks together and you got a cross” – „Peter Cushing does that all the time“).
 
Obwohl INFECTED zahlreiche Motive aus vergangenen Genrefilmen übernimmt, teilt er nicht den hyperpostmodernen Erzählton letztgenannter Horrorfilme: Die Anleihen werden nicht mit selbstironischer Geste präsentiert, um einem Insiderpublikum zu gefallen, das den Verweis wiedererkennt. Vielmehr reproduziert der Film die Elemente in der Hoffnung, dass sie ihre einstige dramaturgische (erschreckende) Wirkung hier noch einmal tun. Der Rückgriff aufs Klischee, das heißt der Rückgriff auf etwas ursprünglich Innovatives, das sich einst bewährt hat, weil es sich bewährt hat, ist natürlich ein Ausweis mangelnder Originalität. In seinem Screenwriting-Lehrbuch STORY beschreibt ROBERT MCKEE das Klischee als Zentralquell der Publikumsunzufriedenheit und versteht den Krieg gegen Klischees als die wichtigste und anspruchsvollste Aufgabe eines heute lebenden Autoren (vgl. MCKEE 1997, S. 67). Ich stimme damit überein. Ich reagiere oft allergisch auf Klischees in Filmen. Aber im geliebten Genre Horror sieht die Sache etwas anders aus. Im Horrorfilm sehen wir in erster Linie Charakteren zu, die sich in extremer Gefahr befinden. Das Anschauen dieser Momente versetzt unser Bewusstsein in einen alternativen Zustand, in dem unser Fokus verengt und unsere Vernunft behindert wird, und zwar so sehr, dass wir den manipulativen Versuchen der Filmemacher regelrecht ausgeliefert sind (vgl. NORDEN 1980, S. 76f.). Wir werden durch das Miterleben der Leinwandbedrohung vorrübergehend „primitivisiert“, unser analytisches und kritisches Denken – welches u.a. dazu dient, Klischees zu erkennen und abzulehnen – außer Kraft gesetzt (vgl. Ebd., S. 77). Das erklärt, warum im Horror- bzw. Spannungsfilm selbst das Altbackende, Längstbekannte immer wieder zu funktionieren scheint, warum wir jedes Mal voller Angespanntheit und Entsetzen mit ansehen können, wie Clarice Starling durch Buffalo Bills dunklen Keller tappt, obwohl wir die Szene schon zwanzig Mal gesehen haben. Und es erklärt eben auch, warum INFECTED durchaus spannend ist, obwohl: die Protagonisten sich in einem Landhaus verschanzen (Klischee), im Radio etwas über den Ursprung der Epidemie erzählt wird (Klischee), Zombies durch vernagelte Fenster platzen (Klischee), bereits Infizierte am letzten Gefecht teilnehmen (Klischee), ein problematisches Verhältnis zwischen Vater und Sohn besteht (Klischee), eine Frau hochschwanger ist (Klischee), ihr natürlich im Moment größter Gefahr die Fruchtblase platzt usw. usw.
 
All das ist wie gesagt weitestgehend ironiefrei, die Anleihen an Genreklassiker wie NIGHT OF THE LIVING DEAD verbleiben im Subtext und werden von den Filmcharakteren im Dialog nicht reflektierend aufgenommen oder kommentiert wie dies in SCREAM oder FROM DUSK TILL DAWN der Fall ist. Obwohl die popkulturell induzierte Aufgeklärtheit über Ausmaß und Operationsweise der sie bedrohenden antagonistischen Kräfte für die Protagonisten letztgenannter Filme nicht die Gnadenlosigkeit des physischen Übergriffs, nicht das Unerbittliche daran beseitigen kann, so ist diese antagonistische Gewalt in ihrer ursprünglichen Bedrohlichkeit doch arg eingeschränkt. Dem selbstreflexiven Witz des Drehbuchs fällt etwas zum Opfer: nämlich der in der Ungewissheit vergrabene Schrecken eines Anderen, das sich eindeutiger Zuschreibung und kultureller Kategorisierung verweigert. Es fällt schwerer, mit solchen Figuren mitzufiebern, die ein definitorisches Wissen über die ihnen gegenüberstehenden Schrecken besitzen, einfach weil sie dieses Wissen mit einer Macht ausstattet, die sie viel weniger hilflos erscheinen lässt als es die unschuldigen, unaufgeklärten, vom unbegreiflichen Anderen überrumpelten Protagonisten eines INFECTED sind, die ihre Lage mit dem gleichen fassungslosen Schock erleben wie einst Barbara und Ben in NIGHT OF THE LIVING DEAD. Angesichts dieses überraschend ernsten Erzähltons wirkt denn auch eine Szene reichlich deplatziert, in der sich eine Prostituierte im Wald lasziv vor dem lüstern-parodistischen Auge der Kamera entkleidet, nur um kurz darauf von einem Zombie angefallen zu werden. Über die Titten habe ich mich trotzdem gefreut.
 
Noch ein paar Worte zur Erzählstruktur (Achtung Spoiler): Die Geschichte hebt an mit einem Voice-Over MICHAEL MADSENS, der uns darüber aufklärt, dass die Welt von einem mysteriösen Virus heimgesucht worden ist, der die Infizierten in rasende Bestien verwandelt. Es folgt eine Rückblende, in der eine Menschengruppe, deren Mitglieder wir noch nicht zuordnen können, in einem verbarrikadierten Landhaus festsitzt und sich gegen von außen eindringende Zombies zu wehren versucht. Im Höhepunkt des Gefechts bricht die Szene abrupt ab und der Film springt in der erzählten Zeit um einige Stunden zurück, von wo aus sich der Zentralplot entwickelt, in dem nach und nach alle Charaktere vorgestellt und die Ereignisse gezeigt werden, die letztlich zur Eingangssequenz geführt haben. Nachdem der Film diesen Erzählpunkt wieder erreicht hat, unterläuft er die Erwartungen des Zuschauers geschickt, indem die Geschichte noch etwas weiter geht, aber im schicksalsentscheidenden dramaturgischen Moment abermals abgebrochen wird. Nun gibt es einen erzählerischen Sprung in die Zukunft und wir werden plötzlich mit einer postapokalyptischen Welt konfrontiert wie sie im Eingangs-Voice-Over MADSENS lediglich angedeutet blieb. Wir erfahren, wer die ausgesparte finale Konfrontation des Zentralplots überlebt hat und sehen die Überlebenden in den Überresten der Zivilisation nach Versorgungsmitteln und Medizin herumstochern. Stilistisch gesehen fällt der Film hier in zwei Teile. Auf NIGHT OF THE LIVING DEAD folgt MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR. Die Plötzlichkeit, mit der INFECTED diesen Sprung vollführt, hat mich positiv überrascht.
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
INFECTED ist eine im ländlichen Setting spielende moderne Variante des klassischen Zombiefilms, die sich zahlreicher Erzählklischees bedient. Allerdings fügt der Film der klassischen Darstellungsweise des Zombies einen neuen, spannungsfördernden Aspekt hinzu. Er ist kompetent inszeniert und verzichtet auf selbstironische Gesten. Die angehäuften Klischees können ihr Wirkpotenzial dadurch tatsächlich entfalten und sorgen für ein spannendes und unterhaltsames Seherlebnis.
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Zensur

 
 
 
In punkto Gore versucht INFECTED – INFIZIERT (so der deutsche Titel) nicht mit Genre-Blutorgien wie DAWN OF THE DEAD oder ZOMBIE 2 zu konkurrieren. Die Gewaltdarstellung bleibt moderat. Im Falle der deutschen Veröffentlichung, hat ihn die FSK unangetastet durchgewunken. Der Streifen hat eine 18er-Freigabe erhalten und wurde mit dem roten KJ-Flatschen “verschönert”.
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Deutsche Blu-ray

 
 
 

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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Infected; USA (2013)

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 12.08.2014

 
 
 

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INFECTED – Trailer

 
 

 
 

Prof. Dr. Chromeskull

 
 
 

INFECTED – Literaturverweise

 
 
 
– MCKEE, Robert (1997): Story. Substance, Structure, Style, and the Principles of Screenwriting. New York. Harper Collins;
– NORDEN, Martin F. (1980): Toward a Theory of Audience Response to Suspenseful Films. In: Journal of the University Film Association, Vol. 32, Nr. 1/2, S. 71-77;
– THOMPSON, Kristin (2001): Neoformalistische Filmanalyse. Ein Ansatz, viele Methoden. In: Albersmeier, Franz-Josef (Hrsg.): Texte zur Theorie des Films. 4. Auflage. Stuttgart. Reclam, S. 409-446;
– TWOHY, Margaret (2008): From Voodoo to Viruses: The Evolution of the Zombie in Twentieth Century Popular Culture. Masterarbeit. Dublin;
– VEE, Valerie (2005): The Scream Trilogy, “Hyperpostmodernism,” and the Late-Nineties Teen Slasher Film. In: Journal of Film and Video, Vol. 57, Nr. 3, S. 44-61.
 
 
 
Ähnche Filme:
 
Battle of the Damned (2012)
 
Resurrection of the Walking Dead (2010)
 
Battle of the Damned (2013)
 
Antisocial (2013)
 


Filmreview: “Children of Sorrow” (2012)

Children-Of-Sorrow-2012
 
 
 

CHILDREN OF SORROW

Story

 
 
 
Zwölf Sektenmitglieder erleben die Hölle auf Erden. Sie geraten in die Fänge des psychopathischen Sekten-Gurus Simon Leach (Bill Oberst Jr.), der irgendwo in der mexikanischen Einöde ein Lager errichtet hat, wo er seine Trost suchenden Anhänger manipuliert und für eigene Zwecke missbraucht…
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Kritik

 
 
 
Wer sich in der Horrorszene etwas auskennt, dem dürfte AFTER DARK FILMS ein Begriff sein. Die Macher des Produktionshauses haben einst das legendäre AFTER DARK FILMFEST ins Leben gerufen und dort Horrorfans stets acht Gruselstreifen vorgeführt, die alljährlich unter dem Banner “8 Films to Die For” an den Horrorfan gebracht wurden. Seit 2011 zeigt und vermarktet AFTER DARK FILMS nicht mehr nur zuvor erworbene Filme. Mit der ins Leben gerufenen AFTER DARK ORIGINALS-Reihe beweisen die kreativen Köpfe hinter AFTER DARK FILMS, dass sie auch selbst gute Filme machen können und produzieren fleißig eigene Schauerwerke, um Fans der düsteren Unterhaltung mit abwechslungsreichem Horrorstoff versorgen zu können. Viel Gutes ist seither der Produktionsstätte entsprungen, das sogar auch den Weg zu FILMCHECKER gefunden hat. Nach sehenswerten Streifen wie dem mysteriösen Terrorfilm RITUAL oder dem düsteren DARK CIRCLES war es nur eine Frage der Zeit, bis der aktuellen ORIGINALS-Staffel auch ein Rohrkrepierer folgen sollte. CHILDREN OF SORROW heißt der Blödsinn, der von JOURDAN MCCLURE inszeniert wurde und nicht einmal ansatzweise das anständige Niveau der genannten AFTER DARK-Filme erreicht. Dass MCCLURE eigentlich was kann, konnte er bereits mit ROGUE RIVER (wir berichteten) zeigen. Der wurde hier in Deutschland ums Gröbste erleichtert und hat es nur geschnitten in den Handel geschafft. Auch wenn MCCLURES erster Horrorfilm mit Sicherheit kein kultverdächtiges Genrekino gewesen ist, konnte es aber durch solide Spannung und grafischen Gemeinheiten überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes gemein ist hingegen das, was er uns mit seinem neusten Nonsens unterzujubeln versucht.
 
CHILDREN OF SORROW ist natürlich kein weiteres, überflüssiges Sequel aus der beliebten KINDER DES ZORNS-Serie, die nunmehr mit neun Filmen zu fragwürdiger Bekanntheit gekommen ist. Regisseur JOURDAN MCCLURE und Drehbuchautor RYAN FINNERTY haben hier was Eigenes zu Papier gebracht, was der Thematik von den zornigen Kindern jedoch nicht unähnlich ist. Es geht um Ellen (HANNAH LEVIEN), die endlich wissen will, was mit ihrer Schwester passiert ist. Die hatte so einige Problemchen im Leben, setzte sich nach Mexiko ab und wurde nie wieder gesehen. Nach einigen Recherchen findet Ellen heraus, dass sich die Schwester einer ominösen Sekte angeschlossen hat, die im Internet fleißig die Werbetrommel rührt, um labile Persönlichkeiten für ein besseren Leben in der “Gemeinschaft” zu gewinnen. Natürlich schließt sich die Suchende der Sekte an und hofft dort einige Informationen über den Verbleibt des verschollenen Familienmitglieds zu erhalten. Dennoch kommt alles anders als erwartet. Sektenguru Simon Leach (BILL OBERST JR.) ist nämlich ein ganz durchtriebener Spinner. Der wäscht seinen “Brüdern” und “Schwestern” gleich mal die Gehirne und missbraucht deren Vertrauen für eigene Zwecke. Da CHILDREN OF SORROW im Horrormilieu angesiedelt ist dürfte klar sein, dass seine Machtspielchen nicht unblutig zelebriert werden. Die Mitglieder werden gedemütigt, gegeneinander aufgehetzt, zersägt, angebohrt und püriert, wobei Leach alles fein sauber auf Filmmaterial festhält, um gutes Werbematerial für seine Sekte ins Netz stellen zu können. Das ist am Ende auch bitter nötig, schließlich braucht der Fanatiker nach seinem unkontrollierten Blutrausch neue Anhänger, die seinen Botschaften Glauben schenken sollen.
 
Immer dann wenn man glaubt, dass bestimmte Filmmethoden in Vergessenheit geraten sind, kommt eine immer wieder zurück: Found Footage. CHILDREN OF SORROW ist der gefühlt 3000ste Film dieser Art, der sich der Wackelcam-Methode bedient, um möglichst authentisch zu wirken. Nun gut, CHILDREN OF SORROW kommt mit reichlicher Verspätung in die Wohnzimmer. Der Streifen wurde bereits 2012 fertiggestellt und sollte eigentlich zu einer Zeit in die Kinos gebracht werden, als sich Found Footage wie eine Plage durch die Filmwelt gefressen hat. Leider gehört CHILDREN OF SORROW zu den eher schlechten Vertretern innerhalb des Wackelkamera-Genres, was vermutlich auch die verspätete Veröffentlichung begründet, schließlich ist es in der Kinoszene nicht selten der Fall, dass Starttermine von Horrorstreifen auf unbestimmt Zeit verschoben werden, wenn Filme vermasselt wurden. Das Problem in MCCLURES Machwerk liegt darin, dass es zwar pseudo-dokumentarisch umgesetzt wurde und eine gewisse Authentizität vorheucheln will, aber zu keiner Zeit glaubhaft ist. Hierbei will der übertrieben gewalttätige zweite Teil der Handlung leider nicht zum Rest des Filmes passen, zumal BILL OBERST JR. in der Rolle des Sektenführers Simon Leach vollkommen deplatziert wirkt. Der ist mit seinem vernarbten Gesicht und der künstlichen Art weder vertrauenerweckend, noch charismatisch, so dass am Ende nicht einleuchten will, warum die zwölf Mitglieder seinen Botschaften noch folgen und ihn nicht mit vereinten Kräften versuchen zur Strecken zu bringen.
 
CHILDREN OF SORROW folgt dem befremdlichen Alltag von Andersdenkenden. Jedes der Mitglieder hat so seine Probleme mit dem Selbstwertgefühl, was Sektenleiter Leach anfänglich mit allerhand schwachsinnigen Spielen zu steigern versucht. Die Anhänger halten Händchen, fangen sich gegenseitig auf, kritzeln aufbauendes Süßholzgeraspel auf Papier und bekunden ihre innige Liebe zueinander. Dabei wird das behäbige Geschehen in verwackelte Bilder getaucht, die dem Zuschauer relativ schnell Kopfschmerzen bescheren werden. Saubere Schnitte oder gar eine musikalische Untermalung gibt es nicht, dafür dutzende Interviews am Stück, in denen die Mitglieder ihre Schicksale und Fortschritte schildern. Was den Anhängern ziemlich förderlich für das eigene Ego ist, entwickelt sich jedoch für den Zuschauer zur schläfrigen Angelegenheit, denn eigentlich will (mal abgesehen vom Ende) in CHILDREN OF SORROW nichts Ereignisreiches passieren. Immerhin gibt es nach einer Stunde zuckersüßem Gutmenschgequassel eine Wendung, damit zumindest die Horrorfraktionen mit reichlich derbem Quatsch zufriedengestellt werden kann. Regisseur und Mitdrehbuchschreiber JOURDAN MCCLURE legt den Filmhebel um und aus dem vermeintlich gutherzigen Sektenoberhaupt Leach wird eine gerissene Mörderbestie, die sich an den gefügig gemachten männlichen Mitgliedern sexuell vergeht und zur Abschreckung mordet. Diejenigen, die die Botschaften des Führers hinterfragen und flüchten wollen, werden mit dem Schrottgewehr mundtot gemacht. Der Rest durchlebt die Hölle auf Erde, wobei Erlösung nur der Tod bringen kann. Trotz guter Ansätze bleibt am Ende Unverständnis, was MCCLURE eigentlich mit seinem Found Footage-Terrorflick bezwecken wollte. Wurde sein Zweitwerk nur aus Gründen der Zweckhaftigkeit gedreht, um die niederen Instinkte der Horrorfans befriedigen zu können oder wollte der Filmmacher mit seinem CHILDREN OF SORROW eine kritische Botschaft über Sektenunwesen an den Zuschauer bringen. Fakt ist, dass der aktuelle AFTER DARK ORIGINALS-Beitrag ganz schön einfältiger Quatsch mit Soße und über weite Strecken sogar auch noch ziemlich langweilig ist. Zudem kommt der Fan für grobe Gewaltspitzen nur bedingt auf seine Kosten, denn die grafischen Raffinessen werden meist nur angedeutet und im Off gefeiert. Ausnahme-Regisseur TI WEST (THE INNKEEPERS) hat mit THE SACRAMENT übrigens einen ähnlichen Streifen gedreht. Wer die Qual der Wahl hat sollte sich auf jeden Fall für dessen Beitrag entscheiden, denn CHILDREN OF SORROW kann leider gar nix, außer auf den Nerv gehen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierender Filmalbtraum mit Einschlafgarantie. CHILDREN OF SORROW ist weiteres Material aus der AFTER DARK Filmschmiede, das leider etwas aus der Reihe tanzt. Im Vergleich zu den letzten AFTER DARK ORIGINALS-Beiträgen ist CHILDREN OF SORROW eine einzige Enttäuschung. Dem Filmfan erwartet viel Langeweile, kaum Spannung und ne Menge unglaubwürdig agierende Protagonisten, deren Handlungen zu keiner Zeit nachvollziehbar sind. Dafür gibt’s viel planloses Kameragewackel und gratis Kopfschmerzen, die bei Found Footage-Filmen eigentlich immer inklusive sind. Wer keine Kopfschmerzmedikamente im Haus hat, sollte sich einen Gefallen tun und CHILDREN OF SORROW meiden. Der mutige Rest wird aber kann schnell merken, dass Wackelkamera-Filme allmählich aus der Mode kommen, weil man die ewig gleichen Mechanismen einfach nicht mehr sehen kann und möchte.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Zensur

 
 
 
Es dauert eine Weile bis der Zuschauer in CHILDREN OF SORROW Gewalt zu sehen bekommt. Die wird meist aber nur angedeutet oder unter hektischem Kameragewackel gezeigt, so dass man kaum erkennen kann, was da auf der Mattscheibe passiert. Es werden tote Körper in einem Fass in kleine Stücke zerteilt, Köpfe angebohrt und Konservendeckel zweckentfremdet. Hört sich alles grausamer an als es ist, reicht aber immerhin für eine ungeschnittene FSK18. CHILDREN OF SORROW wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit rotem KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der letzte Exorzismus: The Next Chapter (2013)
 
Red State (2011)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
The Sacrament (2014)
 


Filmreview: “Here Comes the Devil” (2012)

here comes the devil 2013
 
 
 

HERE COMES THE DEVIL

Story

 
 
 
Eine kleine Familie düst mit dem Auto in die Berge. Nachdem die Kinder von der Bergkletterei nicht zurückkehren alarmieren die Eltern die Polizei. Als die Kids gefunden und zu den besorgten Eltern gebracht werden, beginnt für Mutter Sol ein Albtraum. Sie bemerkt, dass die Geschwister sich reichlich abnormal und wie ausgewechselt verhalten …
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Kritik

 
 
 
In Mexiko tut sich was im Horrorbereich. Da wird seit geraumer Zeit an Genrezeugs gearbeitet, das sogar seinen Weg nach Deutschland findet und sich erstaunlicherweise vom formelhaften Hochglanzschrott aus Hollywood abzuheben versteht. Für die amerikanische Traumfabrik hat sich mexikanisches Horrorfutter längst zur rentablen Geldquelle entwickelt, denn dort sucht man stets gierig nach unverbrauchten Geschichten, die man möglichst gewinnbringend wiederverwerten kann. Als bestes Beispiel hierfür sei das mexikanische Kannibalendrama WIR SIND WAS WIR SIND (OT: SOMOS LO QUE HAY) zu nennen, das 2010 von JORGE MICHEL GRAU in die Kinos gebracht wurde und relativ zeitnah als amerikanisches Remake mit dem Titel WE ARE WHAT WE ARE (wir berichteten) über die US-Leinwände flimmerte. Ähnlich dürfte es vermutlich auch dem neusten mexikanischen Gruselexport ergehen. Der nennt sich schlicht und einfach HERE COMES THE DEVIL und traut sich mal wieder gegen den Strom zu schwimmen. Hier gibt es weder Zombies, noch Folterei oder nerviges Kameragewackel zu sehen, was für die Amerikaner allein schon Grund genug sein dürfte, sich schnell die Rechte für eine Neuverfilmung unter den Nagel zu reißen. Hinter AHÍ VA EL DIABLO (so der Originaltitel) steckt ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO. Der dürfte dem bewanderten Filmfan kein Unbekannter sein. Wer sich im Horrorfilm auskennt weiß natürlich schnell, dass der Regisseur auch an der THE ABC’S OF DEATH-Anthologie mitgetüftelt und sich dort mit seinem B IS FOR BIGFOOT leidlich unterhaltsam verewigt hat. Ganz grundlos dürfte seine Teilnahme nicht gewesen sein, ist doch der gebürtige Spanier ein leidenschaftlicher Fan des phantastischen Genres und hat zuvor schon einige (miese) Horrorstreifen gedreht, wobei COLD SWEAT (2010) und der schmuddelige I’LL NEVER DIE ALONE (2008) zu den wohl bekanntesten Werken seines bisherigen Schaffens gehören dürften. Nun hat er im Zuge des erfolgreichen Todes-ABC’s die Gunst der Stunde genutzt und endlich mal einen richtig guten Grusler gedreht, der sich überraschenderweise vom Effekthascherischen distanziert und die eher leisen Töne anschlägt.
 
HERE COMES THE DEVIL handelt vom Paar Felix (FRANCISCO BARREIRO) und Sol (LAURA CARO), das bei einem Familienausflug mit den beiden Kindern vom Bösen heimgesucht wird. Während sich die Eltern im Auto vergnügen, gehen die Kids auf Entdeckungstour in die Berge und kehren nicht mehr zurück. Das macht den sorgenden Erziehungsberechtigten verständlicherweise Kummer, so dass man sich an die örtliche Polizei wendet, die die Kinder wenige Stunden später findet und unversehrt der Familie übergibt. Doch die Geschwister scheinen verändert zu sein. Sie sprechen nur noch das Nötigste und verhalten sich seltsam verschlossen. Als die besorgten Eltern Wundmale auf Rücken und Beinen entdecken und der Psychologe von einem Trauma faselt, brennen dem Pärchen die Sicherungen durch. Es gilt einen Kinderschänder zu finden, der für die Taten verantwortlich gemacht werden muss. Der ist schnell gefunden und wird kaltblütig um die Ecke gebracht. Doch bald schon merkt Mutter Sol, dass hier etwas Größeres am Brodeln ist. Ganz so unrecht hat sie mit ihrer Vermutung natürlich nicht, denn als sie noch einmal in die Berge zurückreist, wird sie in einer Höhle mit dem ultimativen Grauen konfrontiert.
 
Horror mit Kindern scheint in Mexiko ganz schön im Trend zu sein. Nachdem die zornigen Kids aus COME OUT AND PLAY (2013) in den blutigen Rachefeldzug gegen Erwachsene gezogen sind, gibt’s nun mit HERE COMES THE DEVIL den zweiten mexikanischen Horrorfilm in Folge, der sich um kleine Rabauken dreht, mit denen irgendwas nicht stimmt. Die sind natürlich nicht freiwillig vom Bösen infiziert, taumeln des Öfteren wie betrunken durch die Szenarie und jagen der verunsicherten Mutter einen gehörigen Schrecken ein. Vater Felix versteht die ganze Aufregung nicht, sieht er im seltsamen Verhalten der Kinder die Folgen von sexuellem Missbrauch, dessen vermeintlicher Verursacher mit einem gut geschärften Messer bereits um die Ecke gebracht wurde. Fast schon möge man meinen BOGLIANO wolle mit seinem Mystery-Drama das Schaudern der 70er zurück auf die Mattscheibe holen. Zu jener Zeit kamen stimmige Geschichten in die Kinos, deren Macher sich sorgsam darum bemühten dem Zuschauer mit gepflegter Atmosphäre das Fürchten zu lehren. Da wurde das Unbehagen langsam und schrittweise aufgebaut, um den Filmfan am Ende da zu packen, wo es ihm am meisten wehtut. Ähnlich verhält es sich auch mit HERE COMES THE DEVIL. Der Film beginnt mit einem blutrünstigen Auftakt, fällt danach wieder und baut bis zum Ende eine nahezu konstant anhaltende Aura des Grauens auf, um dem Zuschauer dann im Finale gehörig ins Gesicht zu spuken. Macher ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO bedient sich mit seinem mysteriösen Gruselding bei einem der ganz Großen des Genres: PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975) und liebäugelt vor allem mit all den dämonischen Okkultstreifen, die sich Anfang der 70er großer Beliebtheit erfreut haben. Wir erleben Kinder, die scheinbar wie in DAS DORF DER VERDAMMTEN (1960) von einer fremden Macht dirigiert werden und eine fast schon paranoisch agierende Mutter, die geradezu davon besessen ist zu glauben, dass hinter der Veränderung ihrer Kinder das Böse stecken muss. ROSEMARIES BABY (einer der Vorreiter der 70er-Okkultwelle) lässt grüßen, denn auch in BOGLIANO Machwerk will der Ehefrau mal wieder niemand Glauben schenken, obwohl selbst dem Zuschauer offensichtlich ist, dass es in HERE COMES THE DEVIL mal wieder nicht mit rechten Dingen zugeht.
 
HERE COMES THE DEVIL ist ein kleiner, ungeschliffener Rohdiamant mit Ecken und Kanten. Das Budget muss mal wieder knapp gewesen sein, denn nicht selten mag man das Gefühl nicht loswerden wollen, als ob BOGLIANO mehr zeigen wollte, es aber produktionsbedingt nicht konnte. Dennoch ist sein neuster Grusler einer jener Filme, denen das Unprofessionelle erheblich gut steht und wo vor allem die teils nostalgische Kameraführung gefällt. Da erfreuen nicht selten hektische Zooms auf die Gesichter der Protagonisten, ganz so wie man es eben in vielen Klassikern der 70er zu sehen bekam. Auch wenn das teils unbeholfene Gestrampel der Kiddis davon zeugt, dass die engagierten Jungdarsteller zuvor noch nie etwas vom Schauspielern gehört haben, muss man doch überrascht sagen, dass HERE COMES THE DEVIL ein wirklich sehr guter Film geworden ist. Wer den Holzhammer nicht braucht erlebt hier mal wieder, warum sich das Horrorgenre auch heute noch so großer Beliebtheit erfreut. BOGLIANO bringt das traditionelle Gruseln in die Wohnzimmer. Ihm gelingt es mit souveräner Leichtigkeit die Vorzüge des subtilen Schauderns zurück auf die Mattscheiben zu holen. Nach so viel blutigem Pseudo-Horror, der dem Zuschauer in letzter Zeit untergejubelt wurde, ist so ein Gruseltrip der alten Schule eine regelrechte Wohltat (auch wenn sich BOGLIANO nicht den Spaß nehmen lässt, um auch mit etwas Lebenssaft zu experimentieren). Bei so schnörkellosem und effektivem Old-School-Horror darf man auf das gespannt sein, was da in Zukunft noch alles aus Mexiko kommen wird.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der Teufel macht auch vor Kindern nicht Halt: Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO bringt mit seinem HERE COMES THE DEVIL einen der besten mexikanischen Horrorfilme in die Wohnzimmer. Old-School-Horror heißt hier die Devise, denn sein mysteriöses Gruselstück orientiert sich an den okkulten Glanz-Schauerwerken der 70er Jahre, wo gute Geschichten und atmosphärischer Aufbau das Maß aller Dinge gewesen sind. Hier werden Spannungslücken nicht mit obligatorischem Blutzoll kaschiert, denn BOGLIANO arbeitet vehement daran, dass sein HERE COMES THE DEVIL gar nicht erst Leerlauf erhält. Die eigensinnige Geschichte beginnt wie ein Drama und driftet recht schnell ins Okkulte ab. Dabei wird die Spannungsschraube fast schon minutiös fester gedreht, so dass der Horrorfan am Ende feststellen muss, das die knapp 90 Minuten Spiellaufzeit nicht vergebens gewesen sind. Da stellt sich die Frage, warum es nicht mehr von so sehenswerten Horrorfilmen gibt, scheint es doch gar nicht so schwer zu sein derart Streifen zu drehen.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Zensur

 
 
 
In HERE COMES THE DEVIL gibt es einen sehr heftigen Rachemord zu sehen, der wahrlich ziemlich roh über die Mattscheibe flimmert. Anonsten hält sich der Film (bis auf die Anfangsszene) recht zurück mit Grausamkeiten. Die erhältliche Disc mit roter KEINE JUGENDFREIGABE-Einstufung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Here comes the Devil Blu-ray

(c) Pierrot Le Fou

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ahí va el diablo; Mexiko / USA 2012

Genre: Drama, Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of, Trailer

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 

Here Comes The Devil [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Picknick am Valentinstag (1975)
 
Das Omen (1976)
 
Rosemaries Baby (1967)


Filmreview: “The Butterfly Room” (2012)

butterfly room 2012
 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM

Story

 
 
 
Die in die Jahre gekommene Ann (Barbara Steele) erlebt ihren zweiten Frühling. Kinder liebt sie über alles, vor allem dann, wenn diese mit der mysteriösen Dame viel Zeit verbringen. Doch hinter der Fassade der gutherzigen und spendablen Frau verbirgt sich das unberechenbare Böse …
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Kritik

 
 
 
Die Liebe einer Mutter stirbt nie. Das mag auch für Nachbarin Ann (BARBARA STEELE) gelten, die einfach derart viel Liebe zu vergeben hat, dass sie gleich für mehrere (ihr fremde) Kinder reicht. Doch die nette, alte Dame von nebenan hat auch ihre Problemchen, denn einen wirklich guten Draht zu ihrer eigenen, erwachsenen und übertrieben hysterischen Tochter Dorothy (HEATHER LANGENKAMP) scheint die gute Frau nicht zu haben. Umso erfreulicher, dass die allein erziehende Mutter Claudia (ERICA LEERHSEN) mit Tochter Julie (ELLERY SPRAYBERRY) in das gegenüberliegende Apartment einzieht. Schnell ist ein guter Kontakt zur neuen Nachbarin aufgebaut, so dass die kleine Julie hin und wieder Zeit mit der schrulligen Ann verbringen kann, wenn Mutter Claudia mal wieder etwas länger auf der Arbeit benötigt. Doch mit der älteren Dame scheint irgendwas im Argen zu liegen. Nachts dringen geheimnisvolle Geräusche aus ihrer Wohnung und Menschen verschwinden spurlos, die zuletzt mit der Rentnerin in Verbindung gestanden haben. Alles hat den Anschein, als wenn Anns mysteriöser Schmetterlingsraum ein Geheimnis wahrt zu dem Julie der Zutritt verboten wurde.
 
Der Giallo ist zurück. Das Subgenre des Thrillers wurde von Horror-Kultikone MARIO BAVA (BLUTIGE SEIDE) Mitte der 60er begründet und hat Dank DARIO ARGENTO und SERGIO MARTINO in den 70ern eine Blütezeit erlebt. Seit einigen Jahren versucht man den scheinbar vergessenen Vorläufer des amerikanischen Slasher-Films wieder aufleben zu lassen. Visuell sehr reizvolle und effizient inszenierte Streifen wie GIALLO (2009) oder MASKS (2011) brachten erneut spannendes Krimi-Feeling in die Wohnzimmer und verhalfen dem einst schmuddeligen Giallo zu neuem Glanz. Auch JONATHAN ZARANTONELLO ist ein großer Verfechter jener Filmgattung. Der wollte mit seinem THE BUTTERFLY ROOM nur zwei Dinge: Eine Hommage an den berüchtigten Giallo-Thriller der 70er mit all seinen Lieblingsdarstellern drehen und einen Film in die Kinos bringen, in dem eine Frau unschuldige Kinder gemeingefährlich um die Ecke meuchelt. Ersteres ist ihm zumindest auf jeden Fall eindrucksvoll gelungen. THE BUTTERFLY ROOM entpuppt sich als Klassentreffen der Altstars des Horrorgenres. Wir sehen BARBARA STEELE als bemitleidenswerte und skrupellose Alte, die bereits in Bavas Klassiker DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT (1960) zu sehen war und dort glänzen konnte. Die Darsteller-Riege wird ergänzt durch Scream Queen HEATHER LANGENKAMP, die es vor mehr als 30 Jahren mit Kinderschlächter Freddy Krueger (ROBER ENGLUND) aufnahm und sich im ersten NIGHTMARE ON ELM STREET um Kopf und Kragen schrie. Außerdem ließen es sich Regisseur JOE DANTE (GREMLINS) und CAMILLE KEATON (das Opfer aus dem Original I SPIT ON YOUR GRAVE) nicht nehmen, mal kurz durchs Bild zu huschen, damit die Klassikerfans unter den Filmzuschauern feuchte Höschen bekommen.
 
THE BUTTERFLY ROOM ist ein durchweg sehenswerter Genrebeitrag, was vor allem daran liegen mag, dass ZARANTONELLO dem Horrorfreund nicht die ewig gleiche Brühe vorsetzt, die er schon in zig anderen Möchtegern-Schockern gesehen hat. Sein dritter Spielfilm hat es wahrlich in sich und besinnt sich zu den Wurzeln des Horrors zurück, die das Genre einst zu erfolgreich gemacht haben. Mit überschaubarem Budget erzählt er eine puzzleartige und packende Geschichte, die nie zuviel verrät und mittels intelligent eingestreuter Zeitsprünge von der düsteren Vergangenheit eines betagten, vereinsamten und mordenden Mütterchens berichtet. Hierbei scheint STEELE als meuchelnde Oma perfekt gewählt. Sie agiert zwar ab und an (bewußt?) sonderbar und unbeholfen vor der Kamera, findet aber stets den Spagat zwischen ausgefuchstem Biest und gutherziger Übermutter, der man das eiskalte Killerspiel irgendwie gar nicht übel nehmen will. Im Gegensatz zu den üblichen Verdächtigen der bekannten Gallio-Ära hält sich ZARANTONELLO mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten dezent zurück. Großmütterchen Ann schreitet zumeist im Affekt zur Tat und hat eine ganz eigene Methode zur “Müllbeseitigung” für sich entwickelt, was man natürlich zu keiner Zeit hinterfragen sollte (ist ja schließlich auch ein Horrorfilm), scheint doch Ann im Film mit Bärenkräften gesegnet worden zu sein.
 
Auch wenn es sich bei THE BUTTERFLY ROOM um unverbrauchte Genreware mit viele Liebe zum Detail handelt, hinterlässt das etwas sehr überstützte und viel zu kurze Finale einen recht faden Nachgeschmack. Selbstverständlich arbeitet ZARANTONELLO daraufhin hinaus, dass das perfide Treiben der merkwürdigen Dame am Ende entdeckt wird. Was anfänglich noch nahezu akribisch durchgeplant zu vertuschen versucht wird, verliert am Ende an Wichtigkeit. Ann stapft unüberlegt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen und stolpert so in ein Finale, das man fast schon als zwanghaft konstruiert und arg grobmotorisch bezeichnen könnte. Immerhin bleibt das Rätsel um Anns titelgebenden Schmetterlingsraum bis kurz vor Ende gut verschleiert, was auf jeden Fall knapp 90 fesselnde Minuten verspricht. Die sind definitiv gut angelegt, punktet THE BUTTERFLY ROOM doch mit einer unverbrauchten Thriller-Thematik, die zudem sogar auch noch intelligent umgesetzt wurde. Leider hat es bisher noch kein deutscher Verleih riskiert den absolut sehenswerten Streifen auszuwerten, was schon mehr als grotesk anmutet, wenn man sich die Schundwerke anschaut, die tagtäglich in den deutschen Handel gebracht werden. Sollte es dennoch soweit sein: Vormerken und anschauen, denn THE BUTTERFLY ROOM ist eine wirklich liebenswert-schrullige Verbeugung vor den ganz großen Giallo-Regisseuren der 70er Jahre.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein absoluter Leckerbissen für jeden Horrorfan. THE BUTTERFLY ROOM lässt den längst vergessenen, schmuddligen Giallo der 70er Jahre erneut aufleben und haucht ihm sogar noch frischen Wind ein. Selten hat man einen derart betagten Killer auf der Mattscheibe erlebt, der so ausgefuchst und raffiniert zur Tat schreitet, dass im Gegensatz dazu Genre-Kollegen wie Meyers, Voorhees und Co. in Rente gehen können. Regisseur JONATHAN ZARANTONELLO hat alles richtig gemacht und ein kleines Meisterwerk geschaffen, das den ganz großen Giallis der 70er in nichts nachsteht. Wenn nur andere soviel Herzblut in ihr Schaffen investieren würden, gäbe es schon längst nicht mehr so viele minderwertige Filme wie es aktuell der Fall ist. Von uns gibt es daher auch für THE BUTTERFLY ROOM fast volle Punktzahl und den Hinweis auf Horror-Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Zensur

 
 
 
Hierzulande konnte THE BUTTERFLY ROOM problemlos die FSK passieren. Da im Film nur wenige Grausamkeiten gezeigt werden, die zudem kaum blutig sind, wurde der Streifen ab 16 Jahren freigegben. Die Kaufhausversion ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-butterfly-room-blu-ray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Butterfly Room; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min. (uncut)

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 10.06.2014

 
 
 

Butterfly Room – Vom Bösen besessen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)
 
Das Kindermädchen (1990)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
Stepfather (1987)
 
Stepfather (2009)
 


Filmreview: “Two Moons” (2012)

two moons 2012
 
 
 

TWO MOONS

Story

 
 
 
Drei Ahnungslose erwachen im Schuppen eines düsteren Hauses. Dort geht es nicht mit rechten Dingen zu, schließlich hat dort eine Mutter den Sohn und ihren Ehemann ermordet …
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Kritik

 
 
 
Buh, es spukt wieder und zwar auf Koreanisch. Die Halbinsel zwischen Gelbem und Japanischem Meer hat in der Vergangenheit durch Staatenspaltung und einer Menge innerpolitischer Diskrepanzen Schlagzeilen gemacht, aber immerhin mit dem GANGNAM STYLE (um mal beim Positiven zu bleiben) die ganze Welt infiziert. Auch wenn Süd- und Nordkorea nicht gerade zu den neuen Hochburgen für Horrorfans gehören, kommen von dort ab und an gute Horrorfilme, die dann sogar weltweit Kasse machen. A TALE OF TWO SISTERS (2003), THE HOST (2006) und I SAW THE DEVIL (2010) haben eindrucksvoll bewiesen, dass Horror eine internationale Sprache spricht und jede Kultur ihre ganz eigene Methodik bevorzugt, dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Den Amerikanern war derartige Eigenbrötlerei vermutlich zuviel des Guten, so dass der von KIM JI-WOON inszenierte A TALE OF TWO SISTERS neu gedreht und unter dem Titel DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN (OT: THE UNINVITED) 2009 im Kino ausgewertet wurde. Über die Unnötigkeit dieser typisch amerikanischen Neuverfilmung darf durchaus gestritten werden. Es zeigt sich aber mehr als deutlich, dass der koreanische Genrefilm als Exportgut für die Horrorfilmwelt unverzichtbar geworden ist.
 
Mit TWO MOONS (OT: DOO GAE-EUI DAL) wird die Reihe sehenswerter koreanischer Horrorstücke um einen Beitrag erweitert. Der wurde von LEE-JONG-HO derart intelligent zu Papier gebracht, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn auch hier die US-Remake-Vermarktungs-Soldateska geldgeil zurückschlagen würde. Hinter dem Schauerstreich steckt Regisseur DONG-BIN KIM, der bereits einiges im Genre gemacht hat und bis heute eine besondere Beziehung zu Geistern besitzt. Bereits 1999 demonstrierte er selbige: Noch bevor es die amerikanische Traumfabrik tat, fabrizierte er mit THE RING VIRUS eine Neuverfilmung des japanischen Kassenschlagers RING (1998). Danach erschreckte er mit Geister-Terror in TRAIN OF THE DEAD (2005) und lässt nun TWO MOONS folgen. Der hat natürlich auch wieder was mit Spuk zu tun, ist aber unterm Strich doch irgendwie ganz anders, als die bisherigen Filme des Regisseurs.
 
Bleiche Geisterkinder, die pitschnass aus TV-Apparaten oder Brunnen krabbeln, sieht man hier nicht. Diesmal geht es zu einer Hütte im Wald, die seit original EVIL DEAD (und dem 2013er Reboot) zum unverzichtbaren Schauerort in Horrorfilmen geworden ist. Keine Angst, TWO MOONS ist keine unnötige koreanische Version von RAIMIS Kulthit. Hier erwacht Mystery-Schriftstellerin SO-HEE (PARK HAN-BYUL) zusammen mit dem arbeitslosen SEOK-HO (KIM JI-SEOK) und der äußerst nervigen Schülerin JEONG (PARK JIN JOO) in einem dunklen Schuppen. Die wissen erst mal gar nicht, wie sie hierher gekommen sind und befürchten Schlimmes. Als sie sich aus ihrem Gefängnis befreit haben, finden sie sich in einem verlassenen Haus irgendwo tief draußen im Wald wieder. Das wird natürlich erkundet und scheint menschenleer zu sein. Doch irgendwas liegt hier im Argen. Aus dem Wald gibt es seltsamerweise kein Entkommen und in den Räumlichkeiten ist eine Aura des Bösen allgegenwärtig. Als dann noch eine verwirrte Frau gefunden wird, die von allerhand komischen Dingen faselt, geht den Übrigen drei der Hintern auf Grundeis.
 
Erscheinen zwei Monde am Himmel, dann sind die Geister nicht weit. Denn wenn sich die Welt der Menschen mit der der Geister vereint, sieht man zwei Monde – für jede Welt einen. Mit diesen weißen Worten aus dem Off wird der Prolog zu TWO MOON eingeläutet. In dem wird auch erklärt, dass jenes Haus im Wald einer Familie gehört hat, die sich selbst ausradiert haben soll. Dem bewanderten Zuschauer schwant da schon des Rätsels Lösung und dennoch geht TWO MOON ganz andere Wege. Auf Langsamkeit wird in DONG-BIN KIMS neusten Schaffen besonderen Wert gelegt. Hier sehen wir all das, was seit jeher Gruseltrips ausmacht und eigentlich ausmachen sollte. Düstere Gänge, unheimliche Schatten, langsame Kamerafahrten und viele Buh- und Ah-Momente. Den Baller-Experten unter den Horrorfans dürfte derart klassisch erzählte Spukware gegen den Strich gehen, gibt es in TWO MOONS kaum rasante oder effekthascherische Momente zu sehen. Gruselige Stimmung ist allgegenwärtig und die ungewöhnliche Geschichte wird in zwei Teile gegliedert. Während zu Beginn Zuschauer und Protagonisten sprichwörtlich im Dunkeln tappen und die Szenerie erkunden, weht spätestens ab Filmmitte ein ganz anderer Wind, denn DONG-BIN KIM hat sich bewusst für einen Plottwist entschieden. Der kommt so unerhofft, wie Besuch von den Schwiegereltern und sorgt gekonnt und effektiv für reichlich Verwirrung. Dennoch: überraschende Auflösungen gehören zwar im Horrorfilm zum Standard und wirken nicht selten erheblich konstruiert; im Falle von TWO MOONS tut so ein Twist Not, entsteht hier gerade aufgrund jener Wendung eine gewisse Dynamik. So verwandelt sich subtiles Grauen rasch zu mysteriösem Thrill, der Gruselfreunden einige Schrecksekunden abverlangt und für Herzattacken sorgt. Zum Kultknaller reicht es zwar nicht und natürlich ist die Inszenierung weit entfernt von westlicher Kinomachart; wer jedoch seit jeher ein Faible für typisch asiatisches Geisterschinken besitzt, wird auch hier gebannt vor der Glotze sitzen – spannend genug ist TWO MOONS alle Mal.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Einmal mehr lehrt Korea Gruselfans aus aller Welt das Fürchten. Auch wenn die Asiaten ihre ganz eigene Art des Erschreckens besitzen, stellt man wieder mal fest, dass Jahre nach RING immer noch gute Geisterschocker aus dem Fernen Osten kommen. Mancher Horrorfan mag da vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und an schlecht geschminkte Geistergören denken, die für den westlichen Zuschauer wenig beängstigend aus Mattscheiben krabbeln; TWO MOONS hält von diesen abgedroschenen Klischees Abstand und punktet durch Atmosphäre, Überraschungsmomente und handfeste Schocks. FAZIT: TWO MOONS ist gelungener Geisterhorror für ganz mutige Zuschauer.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Zensur

 
 
 
TWO MOONS ist subtiler Geisterhorror, ganz ohne großes Blutvergießen. Der Film wird mit FSK 16 nach Deutschland kommen, denn sonderlich grafisch oder brutal ist TWO MOONS nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ringu (1998)
 
The Sixth Sense (1999)
 
The Others (2001)


Filmreview: “Found” (2012)

found 2012
 
 
 

FOUND

Story

 
 
 
Marty ist 12 Jahre alt, geht in die 5. Klasse und schnüffelt gern mal im Zimmer des großen Bruders herum. Der ist ein Serienkiller und bringt gern die Köpfe seine Opfer mit nach Hause, wo er sie im Wandschrank versteckt hält …
 
 
 


 
 
 

FOUND – Kritik

 
 
 
Kinder können so grausam sein, vor allem dann, wenn sie sich mitten in der Pubertät befinden. Da durchleben Heranwachsende nicht nur eine komplizierte Persönlichkeitsentwicklung; auch der Reiz des Verbotenen und die Neugier auf das “Nicht-Alltägliche” macht diese Phase für werdende Erwachsene zu einer aufregenden und besonderen Zeit. Leider bedeutet Erwachsenwerden auch, sich behaupten zu müssen. Rangeleien und Machtkämpfe unter Gleichaltrigen sind keine Seltenheit und die Schwelle zum Mobbing ist in vielen Fällen fließend. Wer sich nicht durchsetzen kann und schwach bleibt, gerät schnell ins Visier gehässiger Mitschüler, die den Schulalltag für Leidtragende zur Hölle machen. Auch der Fünftklässler Marty (authentisch gespielt von Newcomer GAVIN BROWN) in FOUND hat so seine Probleme mit den Klassenkameraden. Die haben ihren Spaß daran, gemeine Lügen über den Außenseiter zu verbreiten und ihm in der Schultoilette aufzulauern. Für Marty Grund genug, sich immer weiter in seine eigene Welt zurückzuziehen. Er malt Superhelden-Comics in denen er die Hauptrolle spielt und geht gern auch unerlaubt auf heimliche Entdeckungstour in das Zimmer seines älteren Bruders Steve (brillant aggressiv und beängstigend verkörpert von ETHAN PHILBECK). Der hat nämlich nicht nur eine umfangreiche VHS-Sammlung der besten Horrorstreifen aus den 80ern, sondern versteckt in seinem Wandschrank eine Tasche, in der er skalpierte Köpfe vorwiegend farbiger Frauen verstaut. Für den introvertierten Schüler keiner große Sache, hat er sich schon längst an den schockierenden Anblick der Häupter gewöhnt und findet die Mutprobe immer wieder spannend, den Köpfen der Opfer ins Gesicht zu schauen. Als Marty mal wieder in der Schule schikaniert wird und erneut keinen Rückhalt durch die Eltern erhält, weiht er seinen vermeintlich besten Freund David (ALEX KOGIN) in die geheimen Aktivitäten des größeren Bruders ein. Bruderherz bekommt jedoch schnell von den Schnüffeleien des Geschwisterchens Wind und nimmt sich Marty zur Brust – mit fatalen Folgen.
 
Was man nicht alles mit knappen 8000 US-Dollar auf die Beine stellen kann. Oft ist das wirklich nicht viel. Aber hin und wieder gelingt es Filmemachern trotz geringen Budgets gute Filme zu machen, die dann sogar noch teurer ausschauen, als es der Fall war. FOUND ist mal wieder so ein Beispiel. Der Streifen kann seine Herkunft (trotz hübsch-blutiger Titelsequenz im Comiclook von LOWELL ISAAK) nicht verleugnen und schaut unweigerlich nach Independent aus. Sieht man jedoch von der Prämisse ab, gehört der Horror-Thriller mit zu dem Besten, was das Indie-Horrorgenre hervorgebracht hat. Unkonventionell heißt hier das Zauberwort, das jedem verwöhnten Mainstream-Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen dürfte, denn FOUND pfeift darauf, sich den gängigen Mustern des austauschbaren Horrorfilms zu unterwerfen. Regisseur SCOTT SCHIRMER hat sich dem Roman von TODD RIGNEY angenommen und daraus einen ziemlich umfangreichen Spielfilm über die Suche nach sich selbst gedreht, der sowohl als Coming-of-Age-Drama als auch als Horrorfilm funktioniert. Die Kombination macht’s und hebt sich dabei sogar noch innovativ vom sonstigen Horrorquatsch ab, der dem Filmfan ja derzeit reichlich oft angedreht wird. Wir erleben zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber untereinander aufrichtig verbunden fühlen. Beide hegen die Leidenschaft für den Horrorfilm und scheinen fast schon eine Obsession für diese Streifen entwickelt zu haben, was den Eltern seltsamerweise ziemlich egal ist. Bruder Steve hat sich vom trauten Familienfrieden schon längst verabschiedet und stellt das Treiben seines Lieblingsvideos “Headless” in der realen Welt nach. Sein Augenmerk liegt auf dem Ausradieren der Farbigen, die seiner Meinung nach schon alle Bereiche des täglichen Lebens in Beschlag genommen und verseucht haben. Für den jüngeren Marty gelten jene grausigen Streifen stattdessen als naive Mutprobe, ist er doch kindlich fasziniert von den gar grotesken Monstern in diesen Filmen und kann partout nicht genug von diesen Schauerwerken vor die Linse bekommen. Jedes Wochenende fährt er zusammen mit den Eltern in die örtliche Videothek, um sich dort neuen Gruselstoff besorgen zu können, wobei derartige Riten in manch Horrorfan längst vergessene Kindheitserinnerungen wach werden lassen dürften.
 
 

“…my life is a horror movie, but who is the monster? …”

(Marty)

 
 
An Gesellschaftskritik mangelt es in FOUND nicht. Themen wie Rassismus, Mobbing, Homosexualität oder Nachlässigkeit in der Erziehung von Kindern werden auf besonders unangenehme, sogar drastische Weise an den Pranger gestellt. Die schroffe Gesellschaftskritik ist aktueller denn je und Auslöser für die recht unerfreulichen Geschehnisse in FOUND. Auch wenn SCHIRMERS Debüt am Ende doch mehr Drama als Horror ist, sind die wenigen Gewalteskapaden nicht von schlechten Eltern. Hier hat man gänzlich aus dem Vollen geschöpft. Es werden Augen aus den Höhlen gerissen und genüsslich verspeist, Frauen enthauptet und in deren Köpfe penetriert. Schön anzuschauen ist das wahrlich nicht, dürfte aber immerhin den Gore- und Splatter-Nerd erheblich Freude bereiten. FOUND ist ein Nischenfilm und wird mit Sicherheit sein Publikum finden. Im Ausland hat der Schocker selbst abgebrühteste Genrefans in Entzückung versetzt und lief sogar auf dem beliebten AFTER DARK FILMFEST 2013 im kanadischen Toronto, wo er in den Kategorien Beste Titelsequenz und Bester Gore Auszeichnungen erhielt. Auch wenn natürlich nicht alles perfekt ist, waren wir dennoch von der unverbrauchten Idee überrascht, die trotz Low-Budget-Inszenierung nie billig, uninspiriert oder langweilig heruntergerasselt wird. Wer intelligentes Horrorfutter sucht, ist mit diesem Geheimtipp auf jeden Fall gut beraten. Da kann man nur hoffen, dass FOUND ein Indie bleibt und nicht das Interesse “gemeingefährlicher” Majors auf den Plan ruft. Denn uns würde es nicht wundern, würde der halbwegs unverbrauchten Vorlage bald ein glatt poliertes und konventionelles Remake folgen.
 
 
 


 
 
 

FOUND – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
FOUND ist einer der besten Independent-Horrorfilme der letzten Zeit – raffiniert, abartig, kontrovers und intelligent. Das hat auch die internationale Presse erkannt und FOUND mit dem Prädikat “Geheimtipp” ausgezeichnet. Wir können dem nichts entgegensetzen und waren erstaunt, wie “anders” FOUND doch ist. Wer unkommerzielles und unabhängiges Kino mag, sollte auf jeden Fall einen Blick wagen.
 
 
 


 
 
 

FOUND – Zensur

 
 
 
Schwierig zu sagen, ob FOUND hierzulande ungeschnitten durch die FSK kommen wird. Es gibt einige Szenen in denen in Körperteile toter Frauen penetriert wird. Solcher Content dürfte für die deutsche Zensurbehörde kaum zu dulden sein. Mit etwas Glück wäre aber eine ungeschnittene KJ-Einstufung möglich.
 
 
 


 
 
 

FOUND – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)
 
The Orphan Killer (2011)
 
ChromeSkull: Laid to Rest 2 (2011)


Filmreview: “Devoured – Verschlungen” (2012)

devoured 2012
 
 
 

DEVOURED – VERSCHLUNGEN

Story

 
 
 
Die alleinerziehende Mutter Lourdes (Marta Milans) muss in einem Restaurant das nötige Kleingeld für die Operation ihres kranken Sohnes verdienen und wird dabei mit einer unheimlichen Bedrohung konfrontiert …
 
 
 


 
 
 

DEVOURED – Kritik

 
 
 
Wenn man sich in der Horrorfilmwelt umschaut, kann man meinen, den Filmemachern gehen die Ideen aus. Nicht selten werden hinreichend bekannte Filmstoffe dreist stibitzt und die notdürftig zusammengeklöppelten Geschichten mit übelkeiterregender Gewalt kaschiert. Denn nur so lässt sich in schnelllebigen Zeiten halbwegs zügig ‘ne Menge Asche verdienen. Gerade weil viele dieser unbedachten Gewaltorgien nur selten eine Kino und Video-Freigabe bei deutschen Zensurbehörden erhalten, haben spitzfindige Rechteinhaber einen höchst wirtschaftlichen Weg gefunden, wie man noch schneller viel Geld in noch weniger Zeit erbeuten kann. Man veröffentlicht einfach seine Blutgranate im deutschsprachigen Ausland und limitiert das böse Stück Film auf möglichst geringe Stückzahlen, damit man dem Filmfan deutlich mehr Euronen als nötig aus der Brieftasche ziehen kann. Der kommende Gruseltrip DEVOURED dürfte dabei in keine der beiden Schubladen rutschen. Hier haben wir es mit einem höchst interessanten und klug durchdachten Geheimtipp zu tun, der sich einen Deut darum schert sein Handlung im Blut zu ersäufen. Der reguläre Weg über den deutschen Handel dürfte die mögliche Konsequenz sein, was den deutschen Filmsammler freuen dürfte, der endlich mal wieder einen guten Horrorfilm zum normalen Obolus in sein Regal stellen darf – ungeschnitten versteht sich. Der düstere Mysterythriller DEVOURED ist mal wieder so ein Fall, der von zwei Neulingen auf dem Gebiet des Spielfilms inszeniert wurde. Während Regisseur GREG OLLIVER bisher nur Dokumentationen gedreht hat und mit dem Dokumentarfilm LEMMY schon einen beachtlichen Erfolg verbuchen konnte, liefert MARC LANDAU sein erstes Drehbuch ab und trifft damit alle Neune. Seine Geschichte versteht, sich gekonnt vom üblichen Horrormist der letzten Zeit abzuheben, wobei mit diesem intelligenten Stück Kino endlich Mal wieder ein Film ins Haus steht, der mit ganz einfachen Mitteln und kleinen Schritten versucht, dem Zuschauer das Gruseln näherzubringen. Interessanterweise setzt Regisseur GREG OLLIVER vernehmlich auf die subtile Wirkung des Bildes und die leisen Töne, denn gesprochen wird in DEVOURED ohnehin kaum. Stattdessen wird der zermürbende Zerfall der leidenden Hauptdarstellerin in ziemlich beunruhigende Bilder gepackt, die in ihrer schlichten Symbolhaftigkeit so erschütternd sind, dass man meinen könnte GREG OLLIVER hätte in seinem Leben nichts anderes gemacht, als psychologisch tiefgründige Horrorfilme zu drehen.
 
DEVOURED erzählt vom Schicksal der alleinerziehenden Lourdes (MARTA MILANS), die von Mexiko nach New York reist, wo sie Geld für eine wichtige Operation ihres kleinen Sohnes verdienen muss. Des nachts schrubbt sie in einem französischen Restaurant die Böden und deckt die Tische ein, damit tagsüber die dekadente Gesellschaft New Yorks dort den schönen Seiten des Lebens frönen kann. Abwechslung vom stupiden und einsamen Arbeitsalltag bieten Lourdes die allabendlichen Telefonate mit ihrem Kind, die kurzzeitig die üblen Schikanen ihrer Arbeitgeberin Kristen (KARA JACKSON) vergessen lassen. Die nutzt zusammen mit Küchenchef Billy (TYLER HOLLINGER) die missliche Lage der Gastarbeiterin aus und machen der besorgten Mutter das Arbeitsleben zur Hölle. Um möglichst schnell das Geld für die Operation aufbringen zu können, entscheidet sich Lourdes zu drastischeren Maßnahmen. Sie erweist einigen Restaurant-Gästen sexuelle Dienste gegen Geld, was bald zu ungeahnten Folgen führt. Türen schlagen wie von Geisterhand zu und eine gespenstische Präsenz scheint der jungen Mutter in jedem Winkel des Lokals zu folgen. Schnell wird der Arbeitsalltag für Lourdes zum Albtraum, denn sie ist fest davon überzeugt, dass es in diesem Restaurant spukt.
 
DEVOURED – VERSCHLUNGEN ist mehr Drama als Horror, wobei es sich OLLIVER nicht nehmen lassen hat, sich ausreichend beim düsteren Genre zu bedienen. Was sich anfänglich noch als bitteres gesellschaftskritisches Filmchen gibt, driftet im Verlauf der Handlung in weitaus unangenehme Sphären ab. Da sieht Lourdes plötzlich die verzerrte Fratze ihres Kindes im Spiegel grinsen und eine unheimliche Gestalt verfolgt die strebsame Mutter am Arbeitsplatz auf Schritt und Tritt. Zudem scheint es in der Umkleide zu spuken und plötzlich zuschlagende Türen erschrecken die fragile Lourdes fast zu Tode. Leicht verdient ist das Geld an diesem Arbeitsplatz mit Sicherheit nicht, zumal sich die junge Frau zusätzlich noch mit den Schikanen ihrer Vorgesetzten auseinandersetzen muss, die die Gastarbeiterin nicht nur einmal spüren lassen, in diesem Land nicht willkommen zu sein. Mit gesellschaftskritischen Seitenhieben wird in DEVOURED nicht gespart. Sei es Kritik an der im Land immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich und dem dekadenten und verschwenderischen Auftreten der gutbetuchten Gesellschaftsschicht, die meint mit Geld alles kaufen zu können. Oder die Frage nach dem Wert eines kranken Lebens, dass scheinbar nur dann gerettet werden kann, wenn man hierfür das nötige Kleingeld besitzt. In DEVOURED ist das Thema Geld allgegenwärtig, das regelt wer man ist, wie man lebt und ob man überlebt. Während man zuletzt bereits mit Erstaunen feststellen musste, mit welch hohen technischen Standard Debütfilme aus der Horrorsparte glänzen können, beweist natürlich auch Regisseur GREG OLLIVER mit seinem DEVOURED, dass man auch mit wenig Geld richtig gute Filme machen kann. Zwar spielt sich hier alles auf engstem Raum ab; nach günstig produzierter Videoware schaut das leider ganz und gar nicht aus. Der Film wurde mit MARTA MILANS als gebeutelte Seele hervorragend besetzt, die nicht nur den Film fast gänzlich allein tragen muss, sondern ebenso die Leistung vollbringt, nur anhand ihrer Mimik dem Zuschauer zu vermitteln, was ihr Charakter denkt und fühlt. Durch ihr zwar wortkarges aber stets zugängliches Schauspiel fühlt sich der Zuschauer schnell mit der Hauptdarstellerin verbunden und begleitet die leidende Protagonistin auf ihren von Angst und Einsamkeit geebneten Abstieg in den Wahnsinn. Finstere Gänge, farblose Bilder und fast schon nervenzehrende Stille untermauern das stetige ungute Gefühl der Verzweiflung und verbildlichen die Qualen, welche die Heldin durchleben muss, um das Leben ihres Kindes zu retten. Leider ernüchtert am Ende die Tatsache, dass auch OLLIVER auf den aktuell so beliebten Plottwist setzen muss, der im Horrorgenre zu einer unweigerlichen Selbstverständlichkeit geworden ist. Die paranormalen Vorkommnisse werden plausibel gelüftet und der Zuschauer erhält mit einer etwas arg derben Wendung nicht das Ende, dass man sich bei einem derartig todtraurigen Film vermutlich erhofft hätte.
 
Am Ende bleibt ein uneingeschränkt empfehlenswerter Geheimtipp, der all jenen Fans ans Herz gelegt sei, die auch beim Horrorfilm einen gewissen Anspruch voraussetzen, um gut unterhalten zu werden. Wer die Qualität eines Horrorfilms nur vom Blutgehalt und der Anzahl der Leichen abhängig macht, ist hier vollkommen falsch. DEVOURED ist ein unangenehmer Mysteryfilm, mit guter Besetzung und sehr gutem Drehbuch. Da kann man Regisseur GREG OLLIVER und Drehbuchautor MARC LANDAU nur viel Glück wünschen, dass es ihnen gelingt mit ihrem gelungenen Gruselauftakt maximale Erfolge zu erzielen. Glaubt man dem Filmplakat, hat DEVOURED bereits einschlägige Festivals überzeugen können – für das FILMCHECKER-Team absolut verständlich!
 
 
 


 
 
 

DEVOURED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Brett von Film – uneingeschränkt empfehlenswerter Geheimtipp für all jene Freunde der gruseligen Unterhaltung, die eine Leidenschaft für subtile Horrorfilme jenseits des Mainstreams hegen.
 
 
 


 
 
 

DEVOURED – Zensur

 
 
 
DEVOURED – VERSCHLUNGEN ist ein eher ruhig inszenierter Film, der sich mit dem subtitle Gruseln beschäftigt. Gerade wegen dem etwas sehr finsteren Endes wurde DEVOURED hierzulande ab FSK16 freigegeben – ungeschnitten versteht sich. Die erhältliche Scheibe hat jedoch den roten “Keine Jugendfreigabe”-Stempel erhalten. Grund hierfür: Das Bonusmaterial der Heimkinofassung.
 
 
 


 
 
 

DEVOURED- Deutsche Blu-ray

 
 
 
devoured-verschlungen-blu-ray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Devoured; USA 2012

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0 Stereo, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1,77:1

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Der Film ist eigentlich FSK16. Die BD wurde wegen dem Bonus jedoch erst ab 18 Jahren freigegeben

Verpackung: Amaray mit alternativem Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 22.07.2014

 
 
 

Devoured – Verschlungen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DEVOURED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
It´s in the Blood (2012)

Under the Bed – Es lauert im Dunkeln (2012)

Zimmer 205 – Traust Du Dich rein? (2011)

Psych:9 (2010)


Filmreview: “Crush – Gefährliches Verlangen” (2013)

crush-2013
 
 
 

CRUSH – GEFÄHRLICHES VERLANGEN

Story

 
 
 
Das Leben kann manchmal ganz schön grausam sein. Vor allem dann, wenn man sich unsterblich in den begehrtesten Typen der Highschool verknallt hat und man selbst als graues Mäuslein nicht gerade zu den Lieblingen der Schule gehört. Das bekommt auch Bess (CRYSTAL REED) zu spüren, die erst seit einiger Zeit in der Stadt lebt und noch nirgends Anschluß gefunden hat. Dennoch hat sie sich hoffnungslos in den gutausehenden Athleten Scott (LUCAS TILL) verschossen, der aber kein Interesse zeigt. Umso mehr beginnt Bess dem smarten Schönling nachzustellen, verfolgt ihn auf Schritt und Tritt, in der Hoffnung irgendwie seine Aufmerksamkeit gewinnen zu können. Der ist aber momentan mit sich selbst beschäftigt, strebt ein Sportstipendium an und hat zudem mit den Folgen eines Unfalls zu kämpfen. Als er sich dann auch noch mit der kessen Jules (SARAH BOLGER) einlässt, geraten Bess´ Gefühle außer Kontrolle …
 
 
 


 
 
 

CRUSH – Kritik

 
 
 
Wahnsinnige Stalker sind in schlitzfreudigen Zeiten beinahe schon zu einer Randerscheinung, die man immer seltener auf der Leinwand zu sehen bekommt, geworden. Umso erfreulicher, dass Regisseur MALIK BADER sich des Subgenres angenommen hat und es so vor dem Aussterben bewahrt. Bereits ROBIN WILLIAMS bestach im Thriller ONE HOUR FOTO (2002) in seiner Rolle als bemitleidenswerter Psychopath Seymour Parrish und auch ANNIE WILKES versuchte 1990 in Kings Romanverfilmung MISERY auf ganz eigene Weise das Herz eines Romanautors für sich zu gewinnen. Der Film CRUSH macht dem rar gewordenen Stalkerfilm alle Ehre, handelt auch er von einer unscheinbaren Einzelgängerin, die vehement versucht, die Gunst eines von ihr angebeteten Schönlings zu gewinnen. Einen Originalitätspreis dürfte CRUSH mit seinem aufgewärmten Kaffee nicht gewinnen. Drehbuchautorin SONNY MALLHI hat bereits zuvor mit THE ROOMMATE (2011) einen thematisch gar nicht so unähnlichen Film zu Papier gebracht und leider auch dort schon alle guten Ideen verbraten. So unterhält CRUSH zwar ganz solide, dem Zuschauer wird jedoch nichts geboten, was er nicht auch schon in Filmen wie CAPTIVITY, SWIMFAN, OBSESSED und STALKER zu sehen bekam. Immerhin fungierte MALLHI bisher als Produzentin einschlägiger Gruseltrips. So gehen der Home-Invasion-Thriller THE STRANGERS und das glattpolierte Remake zu SHUTTER auf ihr Produzenten-Konto, was Kinofreunde zumindest auf technischer Ebene hellhörig machen dürfte.
 
Für welches Kinopublikum CRUSH gemacht wurde, ist bereits in den ersten Filmminuten offensichtlich. Hauptdarsteller LUCAS TILL streift in bescheidener Regelmäßigkeit leicht bekleidet von Set zu Set und präsentiert nicht nur einmal seinen trainierten Körper. Den vorwiegend weiblichen TWILIGHT-erprobten Zusehern dürfte das natürlich gefallen, hat der adrette Jungspund sogar noch halbwegs Ahnung vom Schauspielern und vermag selbst in den brenzligsten Situation Haltung zu bewahren. Ganz zum Leidwesen der im Film agierenden Protagonistinnen, die sich dem Charme des sympathischen Helden einfach nicht entziehen können und ihm reihenweise zu Füssen liegen. In CRUSH scheint irgendwie jeder in den knackigen Teenager verschossen und damit vollkommen unglücklich zu sein. Beinahe möchte man meinen, dass uns Regisseur MALIK BADER hier einen tragischen Liebesfilm unterschieben möchte, in dem sich die Helden verzweifelt an jeden Strohhalm klammern, in der Hoffnung das Objekt ihrer schlaflosen Nächte doch noch für sich zu gewinnen. Vor allem die fragile und introvertierte Bess hat es richtig erwischt. Die wird herrlich freakig von CRYSTAL REED verkörpert, die dem geheimnisvollen Charakter eine ganz eigene Note verleiht und die sonderbare Gestalt fast schon wieder liebenswert erscheinen lässt. Die verfolgt jeden Facebook-Kommentar ihre heimlichen Liebe und konstruiert abstruse Situationen, um mit Scott in irgendeiner Form in Kontakt treten zu können. Es werden Fotos manipuliert und Zeichnungen aus dem Müll des Angeschmachteten gefischt, wobei die endlose Liebe der stillen Verehrerin bald sehr ungewöhnliche Wendungen findet. Eigentlich hätte die triviale Geschichte einfach in einem schmalzigen Finale münden und mit der Zusammenführung der gegensätzlichen Protagonisten enden können. Wären da nicht einige “böse” Szenen, die CRUSH wieder aus der Bedeutungslosigkeit reißen. Denn es dauert nicht lang, bis potenzielle Anwärterinnen kurzum in fiese Unfälle verwickelt werden und die unscheinbare Außenseiterin als Ursache in Erwägung gezogen wird. Hier schüttelt Drehbuchautorin SONNY MALLHI ihr vermutlich letztes Ass aus dem Ärmel und lässt die Geschichte in ein etwas sehr haarsträubendes Ende laufen. Ein sehr unbeholfener Twist holt die gnadenlos schlechten Filme eines M.NIGHT SHYAMALAN ins Gedächtnis, der ja bisher ein fast schon negativ talentiertes Händchen für spektakuläre Filmwendungen bewiesen hat. Auf gleicher Welle schwimmt CRUSH, der in den letzten Filmminuten an Fahrt gewinnt und sich trotz überraschende Plottwists in einem erheblich unspektakulären Finale verliert. Am Ende bleibt mit CRUSH ein Film, den man sozusagen als Junkfood bezeichnen könnte. Ein kurzweiliges Stück typisch amerikanischen Zelluloids, in dem jeder Hauptdarsteller mit unbeschreiblicher Schönheit gesegnet wurde und der zumindest für das jugendliche Zielpublikum einige kurzweilige Schock- und Gewaltakte zu bieten hat, damit sich das Mädchen im Kino an den Liebsten klammern kann. Ansonsten wird in CRUSH wenig Thrill, Suspense oder Tiefgang geboten, wobei einzig die schauspielerische Darbietung von Bess-Darstellerin CRYSTAL REED überhaupt nennenswerten Nachdruck verleiht.
 
 
 


 
 
 

CRUSH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
CRUSH ist ein kurzweilig inszenierter und wendungsreicher Suspense-Thriller, der für erhöhten Pulsschlag sorgen wird – zumindest, wenn man sich selbst zum angepeilten PG13-Zielpublikum rechnet. Für den erfahrenden Horrorfilmfan ist der seichte Film ein alter Hut und kaum der Rede wert. Bis auf die zugegebenermaßen geschickt konstruierten Wendungen bietet CRUSH keinen Mehrwert, der lohnen würde den Film ein weiteres Mal sehen zu wollen. Zudem mag die internationale Marketingriege des Films nicht ganz verstanden zu haben, welchen Sinn eigentlich ein Filmplakat besitzen sollte. Denn im Falle von CRUSH verrät das Cover einfach zu viel über den eigentlich überraschend gemeinten Twist der Story.
 
 
 


 
 
 

CRUSH – Zensur

 
 
 
Die deutsche Filmfassung wurde von der FSK bereits ab 16 Jahren freigegeben. Kein Wunder, denn bis auf das Ende gibt es hier kaum böse Szenen zu sehen. Somit ist CRUSH auch für empfindsame Gemüter geeignet.
 
 
 


 
 
 

CRUSH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
crush-gefährliches-verlangen-bluray

(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Crush; USA 2013

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920×1080)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making Of, Trailer

Veröffentlichungs-Termin: 06.12.2013

 
 
 
Nach dem Einlegen der Blu-ray gibt es wie immer bei UNIVERSUM FILM die obligatorischen Pflichttrailer. So flimmern die Clips zu THE CALL – LEG NICHT AUF!, BYZANTIUM und der Psychothriller DAS PENTHOUSE über die Mattscheibe; hochauflösend und in Deutsch versteht sich. Danach flackert Licht in einem Standmenü, dass mit einigen Szenen des Films und melancholischer Musik unterlegt wurde. Startet man den Streifen (deutsche UT für den hauptfilm sind übrigens mit an Bord) so fällt auf, dass das Bild erstaunlich hochwertig ausgefallen ist. Die Farben leuchten in hellen Aufnahmen kräftig und der satte Kontrast gefällt. Zudem lassen sich viele kleine Details durch eine angenehme Schärfe erkennen. Auch beim Ton überzeugt CRUSH – GEFÄHRLICHES VERLANGEN. Die Filmmusik bewirkt eine hervorragende Räumlichkeit und auch die deutsche Synchronisation wurde mit professionellen Sprechern besetzt. Im Bonusbereich gibt es nichts Besonderes zu sehen. Neben dem deutschen Trailer (ca. 2 Minuten, HD) hat es noch ein knappes Making of (21 Minuten, HD) auf die Scheibe geschafft. Für Untertitel hat es aber hier nicht gereicht, so dass dieses Extra für Zuschauer, die der englischen Sprache nicht mächtig sind kaum von Nutzen sein dürfte. Ein BD-Live-Zugang (für welchen ein Internetzugang vorausgesetzt wird) und eine umfangreiche Trailershow bestehend aus sieben Clips kommender UNIVERSUM-Titel runden das Bonuspaket ab. Wer Hass gegenüber den FSK-Flatschen hegt, kann das Cover umdrehen, denn ein Wechselcover ist bei dieser Veröffentlichung mit an Bord.
 
 
 

Crush – Gefährliches Verlangen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CRUSH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Misery (1990)

One Hour Foto (2002)

Swimfan (2002)

Obsessed (2009)

The Roommate (2011)

Captivity (2007)

Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (2007)

Eine verhängnisvolle Affäre (1987)


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