Filmreview: “Fairytale” (2012)
Fairytale
Story
Die alleinerziehende Mutter “Sophia” (Harriet MacMasters-Green) bezieht mit ihrer kleinen Tochter “Helena” eine kleine, neue Wohnung.
Anfänglich voller Lebensmut, den Start in ein neues Leben gewagt zu haben, verblasst die Euphorie umgehend, als die kleine Helena den ersten Milchzahn verliert und fortan seltsames Gestammel von sich gibt.
Eine Zahnfee soll ihr angeblich des nachts erscheinen, die sich den Tag über in ihrem neuen Kleiderschrank versteckt und am Abend aus ihrem Versteck kriecht, um die verschüchterte “Helena” dazu aufzufordern ihr mehr Zähne zu bringen.
Nachdem sich das Verhalten des Kindes maßgeblich verändert, beginnt die besorgte Mutter Nachforschungen anzustellen und stößt hierbei auf ein makabres Geheimnis.
Fairytale – Kritik
Wirklich subtile und angsteinflößende Grusler sind in der aktuellen Horrorfilmlandschaft wahrlich selten geworden. Viel zu oft wird das mollige Schauerfeeling durch obligatorische Schlachterplatten ersetzt, um dem Begriff “Horror” auch im Jahr 2013 vollends gerecht werden zu können. Umso mehr erfreut es alteingesessene Filmhasen wie mir, wenn im Fahrtwasser penetrant nerviger Zombie-, Found Footage- und Foltergurken auch hin und wieder kleine Filmwerke das Licht der Welt erblicken, die sich souverän gegen die Masse an beliebig austauschbaren Horror-Nonsens behaupten und dem Filmfreund den klassischen, blutarmen Horrorfilm erneut schmackhaft machen wollen.
Hat sich Spanien in den vergangenen Jahren als kleiner Geheimtipp in Sachen subtilen Gruselns entwickelt, so versuchen nun auch die Italiener auf diesen lukrativen Zug aufzuspringen und präsentieren uns mit dem vorliegenden “Fairytale” ihre ganz eigene Version der Geschichte von der bösen Zahnfee. Weniger ist manchmal mehr lautet hier die Devise und so beginnt der Film fernab jeglichen Gekröses mit einigen wirklich düster-melancholischen Kamerafahrten und durchaus ansprechend-superben Bildern, die das Gruselfeeling wunderbar altmodisch zu steigern wissen. Zentrum des ultimativen Bösen ist diesmal ein seltsamer Kleiderschrank, der ein durchaus böses Geheimnis birgt.
Nachdem das groteske Möbelstück das Zimmer der kleinen Helena ziert, beginnt fortan auch der zunehmend geistige Zerfall der kleinen Hauptdarstellerin einzutreten, deren plausible Erklärungsversuche wie so oft in derart Filmen kaum Beachtung geschenkt werden. Dennoch fühlt sich auch Mutter “Sophia” von reichlich Unbehagen bedroht und beginnt den skurrilen Aktionen der Tochter nachzuforschen.
Der große Pluspunkt von “Fairytale” ist dabei in der wirklich unglaublich düsteren, fast schon märchenhaft-anmutenden Atmosphäre zu suchen. Der vornehmlich kindlich anmutende Kleiderschrank, wirkt in den faden, dreckigen und farblosen Bildern gespenstig bedrohlich und die Geschichte um das antike Möbelstück bleibt konsequent spannend – zumindest bis zur Hälfte des Films.
Denn trotz aller positiven Ansätze, die dieser italienische Genre-Beitrag in sich birgt, schaffen es die beiden Regie-Newcomer „Christian Bisceglia“ und „Ascanio Malgarini“ nicht, das hohe Niveau ihrer wirklich stimmigen Geschichte bis zum Ende zu halten.
Ab Filmmitte wird die Geschichte kurzum in ein skurriles Sanatorium verlagert, wo sich die kleine Heldin mit allerlei seltsamen Erscheinungen umherplagen muss. Hierbei rückt nun das Schicksal der Mutter in den Vordergrund, die versucht, dass Rätsel rund um die Herkunft des Kleiderschrankes zu lösen. Die sterile Krankenhaus-Atmosphäre will hierbei irgendwie nicht so recht zum Grundtenor der eigentlichen Geschichte passen. Vielmehr wirkt der schroffe Schauplatzwechsel auf Zwang konstruiert, um auf Krampf eine Brücke zur Herkunft des Möbelstücks schaffen zu können. Auch wenn sich das muntere Treiben gegen Ende in einer reichlichen Achterbahn des Schreckens entlädt und mit unzähligen “Buh“-Effekten aufwartet, so mag man als Filmfreund irgendwie nicht das Gefühl loswerden wollen, dass die beiden Filmregisseure „Christian Bisceglia“ und „Ascanio Malgarini“ reichlich Potenzial verschenkt haben. Zugunsten eine kommerziellen, massentauglichen Inszenierung erspinnen sie ein arg hanebüchenes Ende, dass in derart Form an die unendlich vielen Horrorfilme aus Hollywood erinnert. Schade eigentlich, denn kaum ein aktueller Horrorfilm der letzten Dekaden kann mit ähnlich exzellent altmodischen Raffinessen überzeugen.
Subtiler Horror bevorzugt? Dann dürfte der kommende Grusler “Fairytale” genau die richtige Wahl für einen verregneten Sonntagabend sein. Statt eimerweise Eingeweide und unmenschliches Folter-Gewerkle zählen hier Stimmung, Optik und die Geschichte.
Umso mehr dürfte “Fairytale” für Freunde etwas härterer Filmkost reichlich unbeholfen daherkommen. Denn die Erzählstil der Geschichte vollzieht sich sehr gemacht, ruhig und stimmig durch die gesamte Szenarie. Hin und wieder werden einige nette Gruseleffekte in die Handlung gestreut, die ihre bedrohliche Wirkung zu keiner Minute verfehlen. Auch wenn der Beitrag ab Filmmitte in reichlich haarsträubende Sphären abdriftet und der wohldosierte Gruselfaktor aufgrund konstruiert wirkender Detektivarbeit flöten geht, so kann man nicht behaupten, dass “Fairytale” ein schlechter Film ist. Das geschickte Spiel von Licht und Schatten, sowie der debile, märchenhafte Grundton der Erzählung erinnert in seiner Darstellung arg an kommerzielle Horrorfilme aus Amerika. Und so verwundert es ein wenig, dass “Fairytale” oftmals ein wenig zu sehr nach “Der Fluch von Darkness Falls” (2003) oder “Possession” (2012) ausschaut, denn das uninspirierte Kopieren bekannter Filmformeln hätte dieser Debütwerk vermutlich rein gar nicht nötig gehabt.
Trotzdem, für ein Erstlingswerk haben die beiden Regisseur-Neulinge „Christian Bisceglia“ und „Ascanio Malgarini“ erstaunliche Arbeit geleistet. Der Film ist trotz seine oftmals unweigerlichen Vorhersehbarkeit spannender als das übliche Horroreinerlei, welches aktuell den hiesigen Heimkinomarkt überschwemmt. Zudem darf der Horrorfilmfreund eine der besten Szenen ever in der Geschichte des Phantastischen Films genießen:
Mutter “Sarah” ist einen Moment unachtsam im Straßenverkehr, gerät von der Fahrbahn ab und brettert mit dem Fahrzeug vom Rand einer Brücke hinein in die Fluten eines reißenden Flusses.
Die virtuose Kameraarbeit dieser Szene, welche sich in Zeitraffermethode entlädt, ist derart genial, außergewöhnlich und atemberaubend, dass man allein nur dieser Szene wegen “Fairytale” gesehen haben sollte. Beachtlich!
Fairytale – Fazit

Ein Vertreter der alten Schule – Kleines stimmiges und atmosphärisches Gruselmärchen, das für einige wohldosierte Schauer sorgen dürfte.
Fairytale – Zensur
Hier zählen vorwiegend die leisen Töne, von daher geht es hier eher “blutfrei” zugange. Eine ungeschnittene Filmversion dürfte die “FSK16“-Kennzeichnung zieren.
Fairytale – Trailer
Hellraiser80
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Der Fluch von Darkness Falls (2003)
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Filmreview: “The Theatre Bizarre” (2011)
Nachdem sich eine junge Dame in ein leerstehendes Theater locken lassen hat, schockiert sie eine recht ominös anmutende menschengroße Holpuppe (Udo Kier) mit sechs abwechslungsreichen Horrorkurzgeschichten.
Epidsode 1 – The Mother of Toads (Regie: Richard Stanleys -”Dust Devil”/ “M.A.R.K. 13”)
„Martin“ und „Karina“, ein amerikanisches Studentenpärchen, zieht es zum Entspannen ins spanische Bergland.
Doch der erhoffte Urlaub endet vorzeitig für das verliebte Paar, als Martin von einer Einheimischen erfährt, dass sie eine Kopie des sagenumwogenen Necronomicon-Buches besitzt.
Epidsode 2 – I love You (Regie: Buddy Giovinazzos – „Combat Shock“ / “Maniac 2”)
Für den alkoholabhängige „Axel“ bricht eine Welt zusammen. Seine große Liebe „Mo“ scheint ihn wegen eines gemeinsamen Bekannten verlassen zu wollen. In seiner Verzweiflung bittet er um Erklärungen für ihre Entscheidung. Da zeigt „Mo“ ihr wahres Gesicht und beichtet ihm alle Vergehen ihrer beider 3 Jahren Beziehung. Eine Entscheidung mit Folgen …
Episode 3 – Wet Dreams (Regie: Tom Savini – „Night of the living Dead“ / „Maniac“)
Donnie ist ein Frauenheld und betrügt seine Gattin „Carla“ nach Strich und Faden.
Seltsamerweise besitzt er seit einiger Zeit Alpträume, in denen seine diversen Affären sich den Spaß machen, sein bestes Stück höchst kreativ des Besitzers zu entledigen.
Da der junge Casanova mit der Situation so langsam nicht mehr zurecht zu kommen scheint, vertraut er sich einem Psychologen an – Ein fataler Fehler.
Episode 4 – The Accident (Regie: Douglas Bucks – “Sisters”)
Ein kleines Mädchen wird zusammen mit ihrer Mutter Zeuge eines tragischen Unfalls.
Auf einer Waldstraße müssen die beiden hilflos mit ansehen, wie ein junger Motorradfahrer mit einem Hirsch zusammenstößt und beide aufgrund ihrer Verletzungen bemitleidenswert verenden.
Episode 5 – Vision Stains (Regie: Karim Hussain – „Subconscious Cruelty“)
Das recht perfide Hobby einer Schriftstellerin: Eine Autorin bringt Leute um die Ecke und entzieht ihren Opfern im Augenblick ihres Todes Flüssigkeit aus deren Augäpfeln, welche sie sich letztendlich selbst injiziert.
Daraufhin durchlebt sie noch einmal das Leben derer und hält es auf Papier fest.
Der Drang nach neuen Erfahrungen und neuen Geschichten wird immer stärker, als sie eine schwangere Frau vor einem Wohnblock stehen sieht. Der Reiz zu sehen, was ein sterbendes Ungeborenes sehen könnte bevor es stirbt wird ihr letztendlich zum Verhängnis.
Episode 6 – Sweets (Regie: David Gregory – “Plague Town”)
Estelle und Greg stehen vor den Scherben ihrer Beziehung.
Greg liebt Estelle über alles – Aber Estelle liebt Greg nicht mehr als einen ihrer Freunde.
Auf einer Vernissage soll das „Beziehungsproblem“ ein kulinarisches Ende finden.
Horrorfilm-Freunde aufgepasst!
Nach unzählig dummen und sich ständig wiederholendem Horroreinerlei erscheint auch demnächst in unseren Gefilden (Fantasy Filmfest 2012) der unglaublich kreative und unweigerlich sehenswerte Horrorgeheimtipp namens „The Theatre Bizarre“.
Mit „The Theatre Bizarre“ präsentieren diverse namhafte Horrorregisseure ihre ganz eigenen makabren, zynischen und düsteren Interpretationen des „Théâtre du Grand Guignol“, einem französischem Theater, dass in der Zeit von 1897 bis 1962 mit allerhand Gruselstücken, Krimis und rabiat-derben Komödien versuchte das Publikum zu schockieren und somit das aktuelle Splatter- und Horrorkino maßgeblich mitprägte.
Dabei herausgekommen sind sechs derart unterschiedlich gestrickte Kurzwerke, die allesamt vereint durch ein recht grotesk-anmutendes Story-Rahmengerüst, durchaus Filmkost der etwas anderen und ungewohnteren Art bieten dürfte.
Unter der Führung von David Gregory („Plague Town“) erhielten sechs, in der Horrorfilmszene nicht unbekannte Kult-Regisseure die Aufgabe, unter gleichen Bedingungen und mit jeweils gleichem Budget ausgestattet, ihr cineastisches und künstlerisches Können unter Beweis zu stellen.
Das Endergebnis gestaltet sich als überaus verblüffend interessant, denn kein Film gleicht sich dem anderen – die einzelnen Kurzgeschichten lassen durch ihre gekonnt innovative Umsetzung eindeutig die Bildsprache und Erzählweise des jeweiligen Regisseurs erkennen.
Jeder Filmgeschmack dürfte unter den Kurzgeschichten befriedigt werden.
Ob nun klassisch gruselig, Arthaus-like künstlerisch oder trivial ekelhaft „The Theatre Bizarre“ dürfte auch für den noch so speziellen Horrorfilmgeschmack den passenden Beitrag bieten.
Überraschenderweise gestaltet sich die Entscheidung nach seiner ganz persönlichen Lieblingsepisode als überaus schwierig, da alle Kurzfilme auf ihrer ganz eignen charmanten Weise funktionieren und zu überzeugen wissen. Das merklich minimale Budget ist dem Gesamtmeisterwerk an keiner Stelle anzumerken. Jede Kurzgeschichte wurde stimmig, qualitativ hochwertig und liebevoll umgesetzt. Gerade das Rahmengerüst, dass die einzelnen Glieder miteinander verknüpft strotzt nur so vor diversen Anspielungen diverser Horrorfilme der 70er und 80er Jahre und punktet mit einer derart liebevollen und mollig schaudernden Umsetzung, dass der Horrorfan vor Freude im Kreise tanzen möchte.
Die erste Episode „The Mother of Toads“ ist eine liebevolle Hommage an das triviale, hölzerne, aber dafür sehr atmosphärische italienische Trash-Kino der 70er Jahre und entpuppt sich am Ende weniger als eigenständige Horrorepidode, als vielmehr als stimmiges Horrormärchen.
Horrorfilmfans, die ein Hang zu unzugänglichem asiatischem Extrem-Arthauskinos besitzen dürften in Episode vier vollends auf ihre Kosten kommen. Aufgrund der arg superben Ausgangssituation gepaart mit ein paar überaus markerschütternden Spezialeffekten und dem sehr ernüchternden Ende, dürften sich Freunde von asiatischen Genreproduktionen a lá „Naked Blood“ gierig die Finger warm reiben.
Das dieses aktuelle Horrorprojekt gerade aufgrund der recht durchwachsenen und drastische Darstellung von Gewalt bei deutschen Zensurbehörden für Missgunst sorgen dürfte, sei vorab schon einmal angedeutet.
Gerade Tom Savinis Episode mit dem recht zynischen, aber irgendwie passenden Titel „Wet Dreams“ und der abschließende bitterböse Beitrag „Sweets“ zeigen sich gewalttechnisch ordentlich freizügig, sodass eine ungeschnittene deutsche Veröffentlichung vorab für ausgeschlossen betrachtet werden dürfte.
„The Theatre Bizarre“ ist ein richtiger Kracher geworden und dürfte nicht umsonst als potenzieller neuer Kultfilm gehandelt werden.
Sechs abwechslungsreiche und vor allem überaus gehaltvolle Kurzgeschichten, die in ihrer Darstellung ihresgleichen suchen dürften und die jedem offenen Horrorfilmfan aufgrund ihrer absolut unkommerziellen Umsetzung auf jeden Fall zur Sichtung durchaus zu empfehlen sind.
Schade nur, dass bereits (!) nach ordentlichen 120 (!) Minuten Spiellaufzeit bereits der Abspann über den Bildschirm flimmert und man das Gefühl nicht los werden möchte, dass man sofort das Bedürfnis verspürt, mehr sehen zu wollen.
Hoffen wir, dass „The Theatre Bizarre“ die nötige Aufmerksamkeit erntet, die der Film offensichtlich verdient hat und alle weltweiten Filmfans mit einer Fortführung der Idee rechnen dürfen.
Fazit 10/10 Filmpunkte
Gerade aufgrund der absolut unkonventionellen Umsetzung und Darstellung der vollkommen haarsträubenden Geschichten dürfte sich „The Theatre Bizarre“ einen Ehrenplatz in den Herzen weltweiter Genrefans sichern dürfen – Pflichtprogramm!
FSK-Freigabe: “keine Jugendfreigabe” ungeschnitten.
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