- Alles rund um Horrorfilme, Thriller, Splatterfilme, Backwood-Slasher und Gruselfilme

Artikel mit Schlagwort “Kontroverser Film

Filmreview: “Come Out and Play” (2013)

come-out-and-play-poster
 
 
 

Come Out and Play

Story

 
 
 

Beth (Vinessa Shaw) und Francis (Ebon Moss-Bachrach) erwarten ein Kind und reisen nach Mexiko, um ein wenig Ruhe zu finden und den Kopf frei machen zu können. Leider entpuppt sich der eigentliche Ferienort schnell als Karneval-Feiermeile, sodass die beiden rasch ein Boot mieten und zu einer idyllischen Insel übersetzen, auf welcher die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Doch kaum im vermeintlichen Paradies angekommen, wundert sich das Paar darüber, dass hier schlichtweg kein Erwachsener anzutreffen ist. Der Ort scheint wie ausgestorben und ein Gefühl des Unbehagens kommt unweigerlich auf, als die beiden beobachten, wie die Kinder der Insel sich zusammenrotten und einen Erwachsenen nach dem Nächsten auf arg grausame Weise in die ewigen Jagdgründe befördern …
 
 
 


 
 
 

Come Out and Play – Kritik

 
 
 
Um Zuge der ökologischen Aufklärung des letztens Jahrhunderts entwickelte sich in den 1970er Jahren eine zunehmend bewusstere globale Auseinandersetzung mit der Problematik der Umweltverschmutzung, die nicht nur ein radikales Umdenken unter den Menschen zur Folge hatte, sondern auch viele Regisseure dazu bewegte, ihre gesellschaftskritischen Botschaften zugleich auch auf Zelluloid bannen zu müssen. Filme, wie “Frogs“, “Long Weekend” und “Piranhas” schossen wie Pilze aus dem Boden und begründeten wenig später ein neues Sub-Genre, in welchem die Natur unweigerlich zum Angriff bläst, um die unbelehrbare Menschheit für das Vergehen an ihrem kostbaren Lebensraum zu bestrafen. Im Zuge der überaus kassenträchtigen aber dennoch stets gesellschaftskritischen “Öko-Horrorfilmwelle” der 70er erblickte auch der spanische Thriller “Who Can Kill a Child” das Licht der Filmwelt, der sich nicht nur auf das damals so brisante Umweltproblem konzentrierte, sondern ebenso begann, diverse Verbrechen gegen die Menschheit offenkundig anzuprangern. Hierbei bot der Film vor allem dadurch kontroversen Zündstoff, indem er zu Beginn auf erschreckende und dokumentarische Weise bebilderte, welch schwerwiegenden Folgen vor allem kriegerische Auseinandersetzungen nach sich ziehen können und wer letztendlich darunter am meisten zu leiden hat: die Kinder.
 
Als Grundlage für den spanischen Films “How Can kill a Child” diente der Roman “El juego de los niños” von “Juan José Plans“, der ein wahrlich apokalyptisches Schreckens-Szenario schildert und sich die Frage stellt, was letztendlich wäre, wenn sich die Schwächsten in der Gesellschaft zusammenraffen und in den Krieg gegen die Erwachsenen ziehen würden, um für all die Schandtaten an ihren kleinen Seelen Vergeltung einzufordern. Immerhin scheint die Botschaft des Film aktueller denn je, sodass sich Remake-Regisseur „Makinov“ darin verpflichtet sah, die durchaus zeitlose Erkenntnis des Buchvorlage in die Gegenwart transferieren zu müssen, um die kontroverse Thematik mittels glattgebügelten Remakes auch einer neuen Generation zugänglich machen zu können. Dass „Makinov“ sich hier natürlich eine große Bürde aufgezwungen hat, dürfte auf der Hand liegen, besticht bereits das Original mit einer durchaus beklemmenden und besonderen Atmosphäre, die man bis dato in noch keinen Genre-Film bewundern durfte. Das bemerkenswerte jedoch ist, und das macht den Film durchaus zu einem waschechten Klassiker des Genres, dass “How Can Kill a Child” selbst 35 Jahre nach seiner Entstehung immer noch zu fesseln weiß und rückblickend betrachtet, seiner Zeit weit voraus war. Umso erfreulicher also, dass sich „Makinov“ der wertvollen Qualität diese kleinen Genre-Perle durchaus bewusst war und diesen wichtigen Klassiker nun mit dem nötigen Respekt neuinterpretiert hat. Seine Neuauflage mit dem etwas sehr reißerischen Titel “Come Out and Play” orientiert sich hierbei jedoch sehr an das Erfolgskonzept des Originals. Der Schauplatz besitzt eine erschreckend präzise Ähnlichkeit mit dem aus der Vorlage, die menschenleeren Gassen verursachen ein ebenso bedrohliches Unbehagen und die unerträgliche Hitze der spanischen Mittagssonne birgt ein sonderbares Gruselfeeling, dass bereits Regisseur „Serrador“ im Original kongenial einzufangen wusste. Überhaupt klammert sich “Come Out and Play” krampfhaft an die atmosphärisch dichte Grundlage, ganz so als hätte „Makinov“ davor Angst der Geschichte eine nötige Eigenständigkeit einzuverleiben. Im Grunde genommen keine dumme Idee, denn aufgrund der haargenauen Umsetzung lässt sich letztendlich schwer deuten, welcher der beiden Filmen denn nun eigentlich der Bessere ist.
Makinovs“ behutsames Vorgehen ist zwar löblich, dennoch zwängt sich einem als Zuschauer hierbei natürlich unweigerlich die Frage auf, welchen Sinn denn letztendlich eine filmische Neuinterpretation besitzt, wenn diese im Grunde genommen den Mut davor scheut, dem gesamten Treiben eine eigenständige Note zu verleihen. Vermutlich mag der Grund hier natürlich in der lukrativen Neu-Aufbereitung altbekannter Filmstoffe liegen, die in Hollywood aktuell eine Hochkonjunktur erleben und seit nun schon über 10 Jahren maximale Gewinne in die ohnehin leeren Kinokassen spülen. Da bereits unlängst alles recycelt wurde, was in der Horrorfilmszene Rang und Namen besitzt, scheint es nun an der Zeit, selbst den unbekannten Klassikern eine Frischzellenkur zu spendieren – ganz der Devise: minimaler Aufwand führt hoffentlich zu maximalen Gewinn. Schenkt man den Informationen Glauben, die man im Internet zu “Come Out and Play” findet, so soll das Remake rund sechs Millionen EURO gekostet haben. Für einen kleinen Film wie diesen ein enorm umfangreiches Budget, das man dem Film leider nur selten ansieht.
 
Auch wenn „Makinov“ sich etwas zu versteift an der Vorlage orientiert, so erstaunt dennoch, mit welch spielerischer Leichtigkeit es ihm gelingt, einen durchaus spannenden Film zu konstruieren, der sogar den Kennern des Originals den Atem stocken dürfte. Hierbei ist natürlich das dreckig-verschwitztes Gruselflair zu nennen, dass unweigerlich an das Terror-Kino der 70er erinnert und dem Film mit einer ganz speziellen Atmosphäre beschenkt. Die Hitze ist stets präsent und scheint den beiden Hauptcharakteren gänzlich den Verstand rauben zu wollen. Und gerade in derart belastenden Wetterlage sieht sich das Paar mit einer Horde rebellischer Kids konfrontiert, die wie durch Hypnose verzaubert, durch die Gassen des Küstenstädtchens wandeln. Immerhin versucht „Makinov“ sich mit seiner Neuauflage an die zeitgemäßen Regeln des aktuellen Horrorfilms zu orientieren. Denn während das Grauen im Original eher subtiler Natur war, hält „Makinov“ natürlich mit der Kamera zeigegeil drauf, sodass hier auch Horrorfilmfreunde auf ihre Kosten kommen dürften, die es hin und wieder etwas ruppiger mögen. Ob das dem Film letztendlich wirklich förderlich ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Da werden Ketten aus Ohren und Fingern gefertigt und Erwachsene auf arg bestialische Weise ausgeweidet. Für unseren Geschmack etwas zu viel des Ganzen, da hierbei der Grundtenor der eigentlichen Botschaft des Films in gänzlich andere Sphären driftet. Überhaupt bleibt die Botschaft für Nichtkenner der Buchvorlage und des Originals vollkommen im Dunkeln verborgen. Wurde der Epilog zu “How Can Kill a Child” noch mittels verstörenden Filmaufnahmen des Zweiten Weltkriegs bebildert, um die Film-Interpretation für den Zuschauer zugänglicher zu gestalten, so fehlen derart Hinweise im Remake gänzlich.
 
 
 
Nichtsdestotrotz, auch wenn “Come Out and Play” eigentlich im Grunde genommen haargenau die gleiche Geschichte, nur mit anderen Schauspielern erzählt, so kann man dennoch nicht behaupten, dass “Makinov” mit seinem Remake gescheitert ist. Der Film ist gnadenlos spannend und dürfte selbst den Kennern der Vorlage hin und wieder gehörige Schauer bescheren. Auch wenn die eigentliche Grundaussage des Film gänzlich im Verborgenen bleibt und “Come Out and Play” einige sehr fragliche Gewaltspitzen zelebriert, sollte diese Neuinterpretation nicht unbeachtet bleiben. Zwar wirkt die gesamte Inszenierung, gerade aufgrund der etwas expliziten Zeigefreudigkeit einiger “böser” Szenen, durchaus als bekäme der Zuschauer hier einen weiteren Teil des beliebten “Kinder des Zorns”-Franchise serviert; trotz kleiner Schnitzer hat Regisseur „Makinov“ es dennoch geschafft, einen Film zu drehen dem es wahrhaftig gelingt, über weite Strecken die Qualität des Originals zu erreichen und welcher nur minimal schlechter ist, als seine Vorlage.
 
 
 


 
 
 

Come Out and Play – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unglaublich spannender Survial-Schocker unter der bedrückenden Sonne Mexikos
 
 
 


 
 
 

Come Out and Play – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung dürfte ungeschnitten eine „Keine Jugendfreigabe“-Einstufung erhalten.
 
 
 


 
 
 

Come Out and Play – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Children of the Corn: Genesis (2011)

Kinder des Zorns (1984)

The Children (2009)


Filmreview: “Undocumented” (2010)

"Unducumented" (2010) Filmposter - Filmkritik auf Filmchecker
 
 
 

Undocumented – Story

 
 
 
Eine Gruppe ambitionierter, amerikanischer Dokumentarfilmer arbeitet an einem Film, der sich mit illegal eingewanderten mexikanischen Immigranten beschäftigen soll. Um der Doku den nötigen Diskussionsstoff bieten zu können, reisen die Freunde nach Mexiko und begleiten eine Gruppe Flüchtlinge bei ihrer strafbaren Reise in die USA. Mit dem Wunsch, endlich der Armut und der erschütternden Perspektivlosigkeit entfliehen zu können, begeben sich die Immigranten in einen Flüchtlingstransporter, der sie sicher in das Land ihrer Träume transportieren soll. Doch die Reise schlägt fehl, denn auf ihrem Weg in die Freiheit geraten die Einwanderer an eine Gruppe radikaler amerikanischer Rassisten, die das Gesetz schlichtweg selbst in die Hand nehmen und die Truppe in ein eigens zusammengezimmertes Konzentrationslager verschleppen. Das amerikanische Filmteam soll hierbei die nun folgenden Grausamkeiten dokumentieren, mit welchen die selbsternannten Ordnungshüter die verstörten Einwanderer bestrafen. Zudem soll das abartige Filmmaterial als Propagandafilm fungieren, der weitere illegale Immigranten davon abhalten soll, unrechtmäßig amerikanischen Boden zu betreten.
 
 
 


 
 
 

Undocumented – Kritik

 
 
 
Mit dem vorliegenden Genre-Beitrag „Undocumented“ hat es einmal mehr ein Nachwuchsregisseur geschafft, mit reichlich Zündstoff auf sich aufmerksam zu machen. „Chris Peckover“, der sich zuvor sein Lohn und Brot mit einigen Kurzfilmchen verdient hat, teilt in seinem vorliegenden abendfüllenden Erstlingswerk herbe Kritik an der Unfähigkeit der amerikanischen Regierung aus. Hier wird nichts verschönert, oder vereitelt, sondern sein Film kritisiert einmal mehr, zu welchen rassistischen Abartigkeiten vermeintlich friedliebende Bürger fähig sein können und mit welcher Blindheit die amerikanische Führungsriege dem grotesken Treiben beiwohnt. Grundlage für seine Geschichte dient die aktuelle Immigranten-Problematik der USA, die scheinbar kaum noch in der Lage zu sein scheint, perspektivlose und in Armut lebenden Mexikaner davon abhalten zu können, illegal in das Land einzureisen. Da werden Mauern um die Grenzen gezimmert und der vollkommen übertriebene Patriotismus vieler Amerikaner, sowie die Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg (denn die Mexikaner haben natürlich nichts anderes im Sinn als den Amerikanern die Jobs zu „stehlen“) sorgen nicht selten für ein unverständlich rassistisches Gedankengut gegenüber der mexikanischen Bevölkerung. Forscht man im Internet nach, so scheint es sogar kriminelle (amerikanische) Banden vor amerikanischen Grenzpunkten zu geben, die einzig darauf spezialisiert sind, ahnungslosen mexikanischen Einwanderern aufzulauern, auszurauben und schließlich zu töten. Hinzukommt, dass es bisher noch kein modernes, amerikanisches Einwanderungs-Recht gibt, dass die legale Einwanderung für Immigranten erleichtert, sodass viele Einreisende den illegalen und gefährlichen Weg in Kauf nehmen müssen, um von einem sorgenfreien Leben träumen zu dürfen.
 
Peckerovers „Undocumented“ ist kein einfach zu verdauender Film. Das wahrlich perverse und menschenverachtende Treiben geht verdammt nah und sorgt nicht nur einmal dafür, dass der Zuschauer als Zeuge der Geschehnisse mit einer verständlichen Fassungslosigkeit und einen brodelnden Wut vor dem heimischen Fernsehapparat zurückbleibt. Parallelen zum kürzlich erschienen „Territories“ sind unverkennbar. Auch dort wurde der radikale Weg gewählt und ein äußerst politisch brisantes Thema zur Grundlage des Films gemacht. Angesichts der erschütternden realen Geschehnisse, auf welche beiden Filme fungieren, wirkt die herbe Kritik in Form einer nicht enden wollenden Schreckens-Achterbahn der Grausamkeiten auch für den Zuschauer wie eine Martyrium. Anders als der kanadische Beitrag „Territories“ geizt der vorliegende „Undocumented“ nämlich nicht mit blutigen Details. Ob derart sadistische Zeigefreudigkeit jedoch wirklich hätte sein müssen, scheint fraglich, denn der Film hätte auch ohne die diversen Abartigkeiten seine erschütternde Wirkung keinesfalls verfehlt. Trotzdem, die wenigen (verdammt realistischen) F/X gehen durch Mark und Bein und verstärken vermutlich allein nur die Erkenntnis, zu welch unmenschlichen Fähigkeiten die Bestie Mensch fähig sein kann und dass derart unannehmbaren Menschenrechtsverletzungen zu keiner Zeit toleriert werden dürfen.
 
 
 
Nach „Saw“, „Hostel“ und Co. beweist ein motivierter Nachwuchsregisseur, dass der Horror nicht immer nur rein fiktiv sein muss. Man braucht als Filmfreund einfach nur den Fernseher einschalten und die Berichterstattungen in den aktuellen Nachrichtensendungen verfolgen. Der tagtägliche erschreckende Wahnsinn, der uns dort präsentiert wird, bietet auch die Grundlage des vorliegenden Thrillers „Undocumented“. Ein, teilweise schonungsloses Dokument über grausame Menschenrechtsverletzungen, welche sich Tag für Tag tatsächlich an der amerikanischen Grenze ereignen. Auch wenn Peckovers Geschichte rein fiktiv aus der „Found Footage“-Sicht eines Kamerateams geschildert wird, so birgt am Ende die Erkenntnis, dass illegale Immigranten aus Mexiko, die von einem besseren Leben träumen und tagtäglich dennoch für ihren Traum mit dem Leben bezahlen müssen, ein merklich befremdliches Bauchgefühl. Peckovers Film ist bereits seit geraumer Zeit als hochwertige Heimkinofassung auf dem amerikanischen Markt erhältlich. Warum sich hierzulande noch niemand für die Auswertung des Films entschieden hat, stößt meinerseits auf vollkommenes Unverständnis. Ein Film, der sich vor allem in die Sammler-Reihe „Kino Kontrovers“ ideal einfügen würde.
 
 
Im übrigen: wen dieser Film kalt lässt und wer sich nach Sichtung in seinem rassistischen Gedankengut (in welcher Art auch immer) bestätigt fühlt, sollte dringend den Psychiater seines Vertrauens aufsuchen!
 
 
 


 
 
 

Undocumented – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
“Undocumented” ist ein erschreckend, kontroverses und wichtiges Dokument für mehr Menschlichkeit, Verständnis und Toleranz!
 
 
 


 
 
 

Undocumented – Zensur

 
 
 
Der Film selbst ist kein Splatter-Feuerwerk. Dennoch verfehlen die wenigen grafischen Gewaltdarstellungen nicht ihre Wirkung. Mit ganz viel Glück dürfte der Film ungeschnitten mit einer „Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung erscheinen.
 
 
 


 
 
 

Undocumented – Trailer

 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Territories (2010)

The Afflicted (2010)

Darfur (2009)

The Road to Guantanamo (2006)

 

 

 


Filmreview: “The Afflicted” / “Another American Crime” (2010)

 
 
 

Maggi (Leslie Easterbrook) lebt zusammen mit ihren vier Kindern und dem treusorgenden Ehemann (Kane Hodder) in einem kleinen armen Vorort irgendwo in ländlichen Amerika.

Doch die bibeltreue Christin scheint zu oft zur Flasche zu greifen, als das sie geistig in der Lage wäre, ihr Leben und das der Familie in recht Bahnen lenken zu können.

Geistig umnebelt bestraft sie „im Auftrag Gottes“ erst ihren Mann, dem seine Ehefrau vollkommen fremd geworden zu sein scheint, und der außerehelich nach Nähe und Geborgenheit sucht.

Im Streit stößt sie ihn die Treppe hinab, und zertrümmert ihm in ihrer Wut den Schädel.

Mit dem Ableben des Vaters erwartet fortan die ahnungslosen Kinder eine wahres Martyrium.

Mutter Meggi scheint mit dem Leben ihrer Kinder bereits seit längerer Zeit abgeschlossen zu haben, denn emotionslos terrorisiert und schikaniert sie ihre noch minderjährigen Kindern – bis die Lage eskaliert.

 
 
 

Aktuelle Genreproduktionen, die angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen scheinen derzeit ja absolut im Kommen zu sein. Ob sich die Geschichten dahinter wirklich so abgespielt haben, oder einzig den kreativen Köpfen der Drehbuchautoren entspringen ist oftmals schleierhaft. Auch das Regie-Erstlingswerk des ehemaligen Tontechnikers Jason Stoddard macht keinen Hehl daraus auf aktuelle Geschehnisse zurückzugreifen, wobei ich dennoch gestehen muss, dass ich das so, wie es der Film zumindest schildert, nicht so wirklich glauben möchte.

Vorab ein großes Lob an Darstellerin Leslie Easterbrook (“The Devils Rejects“, “Halloween“), die in der Rolle der psychisch-debilen Terror-Mutter „Maggi“ wirklich alle Facetten eines verwirrten Geisteszustandes glaubhaft umzusetzen weiß.

Anfänglich noch als liebende Ehefrau und Mutter skizziert, zerfällt ihr vollkommen verletzlicher Geisteszustand von Filmminute zu Filmminute. Dabei zerschmelzen die Übergänge zwischen gottesfürchtigen Wahnvorstellungen, Alkoholismus, Schizophrenie und zermürbende Verachtung und Hass den Kindern zugegen fließend ineinander.

Als Zuschauer hat man keine Chance sich diesem exzellenten Schauspiel zu entziehen, und man mag wahrlich nicht glauben wollen, zu welchen Handlungen eine derart hilflose Mutter fähig sein kann.

Denn nachdem „Maggi“ realisiert hat, dass sie im Halbsuff ihren Ehemann erschlagen hat und ihn in der Gefriertruhe im Schuppen versteckt hält, scheint sie mit ihrem Leben gänzlich abgeschlossen zu haben und beginnt die eigenen Kinder zu terrorisieren.

Parallelen zum kontroversen Thriller „An American Crime“ (lose Verfilmung des Buches „Evil“ von Jack Ketchum) aus dem Jahre 2007 sind unverkennbar, wobei die Leidensgeschichte der Protagonistin aus der Ketum-Verfilmung, minimal schockierender, subtiler und bedrückender auf den Zuschauer einzuwirken weiß.

Die ebenso guten schauspielerischen Leistungen der drei Schwestern in „The Afflicted“ wissen trotzdem ebenso zu überzeugen. Dennoch, das Drehbuch offenbart hier einige wirklich offensichtliche Logiklücken.

Die drei vollkommen unterschiedlichen Schwestern (zwei von ihnen sind fast volljährig und machen nun keinen augenscheinlich hilflosen Eindruck) wissen sich kaum zu wehren und dulden die moralisch fragwürdigen Handlungen der vollkommen labilen und schwachen Mutter. Der einzige Sohn frönt dem makaberen Treiben wortlos bei und dient einzig als Handlanger für die Beseitigung des „Abfalls“ der Mutter. Aus Angst versuchen die Kinder erst kaum sich der Außenwelt zu offenbaren, da sich davon ausgehen, dass ihnen niemand Glauben schenken würde.

Die drei Schwestern unterscheiden sich enorm voneinander. Die älteste Schwester Cathy scheint souverän und erfahren und muss den Großteil der Schikanen ertragen, die 16jährige Carla gibt die taffe Rebellin und Grace, die jüngste der drei Schwestern verkriecht sich lieber wortlos in ihr Zimmer und dokumentiert die Geschehnisse in ihrem Tagebuch.

Warum sich zumindest die älteren Geschwister nicht zu wehren wissen und warum sie kaum versuchen den wirren Wortfetzen der Mutter zu kontern und stattdessen alles brav über sich ergehen lassen, entzieht sich, zumindest mir, jeglicher Logik.

Demnach ist das Ende auch relativ ernüchternd und etwas zu spitz dargestellt und hinterlässt, trotz einem knallharten und konsequenten Abschluss, einen unweigerlich unbefriedigenden Eindruck beim Zuschauer.

 
 

The Afflicted“ ist ein recht ordentlicher Thriller, der mit seiner kontroversen Thematik sicher für gehörig Gesprächsstoff sorgen dürfte. Gerade die, im Wind wehende Amerikanische Flagge, welche im Verlauf des Filmes des öfteren vor dem Fenster der Gepeinigten flattert suggeriert, dass derart Geschehnisse scheinbar tagtäglich unentdeckt in diversen gutbürgerlichen und frommen amerikanischen Kleinfamilien vorfallen sollen.

Hält man sich vor Augen, dass es sich bei dieser Produktion um ein niedrig budgetiertes Independent-Werk handelt und Regisseur Jason Stoddard bisher keine Regie-Erfahrung vorweisen kann, so kann man letztendlich behaupten, dass das Endresultat beachtlich sehenswert ausgefallen ist.

Regisseur-Neuling Stoddard kann mit Easterbrook und Hodder zwei einschlägig bekannte Größen aus der Horrorfilmszene vorweisen und hat in den Castriege einige höchst talentierte Schauspieler am Start, die wirklich überzeugend agieren.

Leider erschwert die leidlich glaubhafte Geschichte das Mitfiebern und Mitleiden des Zuschauers und gerade aufgrund des fragwürdig nachvollziehbaren Plots, macht sich nach Filmende etwas Ernüchterung breit, und man mag als Zuschauer das Gefühl nicht loswerden wollen, dass aus „The Afflicted“ mehr herauszuholen gewesen wäre, hätte man das Drehbuch abschließend noch einmal auf grobe Schnitzer in der Handlung überprüft.

Dennoch, offenen Filmfreunden, die eine Vorliebe für authentische und kontroverse Filmen/Dramen besitzen sei „The Afflicted“ ans Herz gelegt. Hier gibt es keine Schlachterplatte (die Gewalthandlungen passieren im Off), sondern hier zählt allein der zermürbende und hilflose Grundton des arg fragwürdigen Geschehens.

Wem „The American Crime“ zugesagt hat, der dürfte vermutlich auch mit „The Afflicted“ gut unterhalten werden, zumal die beiden Geschichten minimal ähnliche Handlungsverläufen besitzen.

Im übrigen ist der Titel („Another American Crime“), der bevorstehenden deutschen Filmversion (Sommer 2012) vollkommen irreführend.

Die deutsche Titelschmiede offeriert einen indirekten Bezug zur Ketchum Verfilmung „An American Crime“ aus dem Jahre 2007, was natürlich vollkommener Quark ist.

 
 
 

Fazit: 6,5/10 Punkte

 
 

Ambitioniertes Indiwerk, mit einer hervorragenden „Leslie Easterbrook“, aber einer etwas minder glaubhaften Story. Für ein Regiedebüt trotzdem beachtlich!

 
 

(FSK-Freigabe: ungeschnitten – keine Jugendfreigabe)
 
 
Another American Crime [Blu-ray] jetzt ungeschnitten bei AMAZON bestellen
 
 
 

Hellraiser80


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 33 Followern an