Filmreview: “The Frozen” (2012)
The Frozen – Story
Ein traumhaft winterlicher Campingausflug wird für das junge Pärchen „Mike“ (Seth David Mitchell) und „Emma“ (Brit Morgan) zu einem unvergesslichen Psychotrip. Nachdem die beiden mit dem Schneemobil einen Unfall gebaut haben und irgendwo tief weit draußen in den verschneiten Wäldern auf rettender Hilfe hoffen, werden Sie auch noch von einem seltsamen Fremden verfolgt, der scheinbar nichts Gutes im Schilde führt. Als „Mike“ plötzlich auf mysteriöse Weise verschwindet, ist die verängstigte „Emma“ ganz auf sich allein gestellt. In ihrer Panik beginnt sie sich einen Weg hinaus aus der eisigen Gegend zu bahnen – mit einer erschreckenden Einsicht, wie sich bald herausstellen wird …
The Frozen – Kritik
Winterliche Landschaften sind wahrlich geradewegs dafür prädestiniert eine unheimliche und subtile Gruselstimmung zu erzeugen. Denn auch hinter vermeintlich friedliebender Kulisse kann sich oftmals das abgrundtief Böse verstecken. Dass angsteinflößendes Unbehagen auch im eisigen Schnee lauern kann haben schon einige Filmemacher eindrucksvoll bewiesen, denn winterlich verstörende Filme gab es zuletzt zuhauf (u.a. “The Shinning” (1980), “Der eisige Tod” (2007)). Auch der vorliegender Thriller „The Frozen“ spielt mit der geheimnisvollen Idylle, die so ein verschneit-winterliches Wäldchen birgt. Ganz zum Leidwesen der beiden Protagonisten des Films, für die sich die eigentlich traumhafte Winterpracht zu einem verhängnisvollen Erlebnis gestaltet. Ihre Unvernunft treibt die beiden an den Rande ihrer Wahrnehmungsfähigkeiten, denn nach nur wenigen Stunden bei Temperaturen jenseits des Nullpunkts beginnt vor allem „Emma“ Dinge zu sehen, für deren Existenz sie keine Erklärung findet. Nicht nur, dass sie seltsam bekleidete Personen im Dickicht erblickt, seltsame Stimmen und Schritte spuken des Nachts um das Zelt und stören den Schlaf der verunsicherten Frau. Zudem werden die beiden von einem skurrilen Jäger verfolgt, der das Treiben des Pärchens aus der Ferne beobachtet und „Emma“ zweifeln lässt, warum ihr Freund sie gerade zu derart unmenschlichen Temperaturen zu einem kuscheligen Wanderausflug überreden musste.
So wirklich Unrecht hat sie dabei nicht, wirkt die Ausgangssituation des Films schon sehr konstruiert. Immerhin sah sich Drehbuchautor und Regisseur „Andrew Hyatt“ darum bemüht seine kleine Geschichte irgendwie nied- und nagelfest zurechtzufeilen. Trotz Unfall hält „Mike“ nichts davon ab, den Kurztrip fortzuführen, um den geeigneten Zeitpunkt zu finden, seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Und so irren die beiden Liebenden orientierungslos im Wald umher, um letztendlich doch wieder feststellen zu müssen, einmal mehr im Kreis gelaufen zu sein. Auch wenn einige Gegebenheiten etwas arg seltsam anmuten, so kann man „Hyatt“ nicht unterstellen, einen Film gedreht zu haben, der schlecht ist. Einfachste erzählerische Mittel und das stupide Umherirren in der winterlichen Landschaft führen letztendlich zu einem homogenen Ganzen und lassen „The Frozen“ bei weitem besser ausschauen, als die Unmengen teurer Mainstream-Produktionen der letzten Dekaden. Obwohl einige der seltsamen Interaktionen der Anwesenden anfänglich kaum Sinn ergeben wollen und arg befremdlich wirken, so tritt die Erleuchtung nach dem Abspann ein und dürfte vor allem Horrorfilmanfänger reichlich verblüffen.
Mit dem aktuellen Thriller „The Frozen“ erwartet der Zuschauer gänzlich seichte Film-Kost, für die die Bezeichnung Thriller fast schon etwas zu weit hergeholt und schroff scheint. Auch wenn Regisseur „Andrew Hyatt“ des öfteren vollkommen falsche Fährten streut und dem Zuschauer weiß machen will, dass sich hinter den gesamten Geschehnissen etwas zutiefst Böses und Bedrohliches verstecken soll, so dürfte der geneigte Filmfreund nach der recht plausiblen Auflösung etwas verdutzt aus der Wäsche schauen. Der Film „The Frozen“ hat letztendlich mit Horror im herkömmlichen Sinne nur sehr wenig gemein und erinnert über weite Strecken an die Werke des ambitionierten Hollywood-Regisseurs „M. Night Shyamalan“, der bekanntlich ein sicheres Händchen darin besitzt, den Zuschauer mit einer unerwarteten Filmauflösung zu konfrontieren. Wer sich angenehm gruseln möchte, ohne dabei von markerschütternden Schocks verfolgt zu werden oder in Lachen von Blut ertrinken zu müssen, dem dürfte der Mysterie-Thriller vortrefflich munden. Denn bis auf einige ausgeweidete Wildtiere gibt es hier kein Futter für blutgierige Splatterfilm-Fans.
The Frozen – Fazit

Seichtes Mysterie-Süppchen in traumhaft winterlicher Kulisse
The Frozen – Zensur
Im Film wird nicht getötet, daher dürfte “The Frozen” mit einer FSK16 Freigabe ungeschnitten veröffentlicht werden.
The Frozen – Trailer
Hellraiser80
Ähnliche Filme:
Barricade (2012)
Der eisige Tod (2007)
The Sixth Sense (1999)
Filmreview: “Elevator” (2011)
Elevator – Story
Neun unterschiedliche Charaktere – ein Fahrstuhl.
Auf dem Weg zu einer feuchtfröhlichen Party im obersten Stockwerk eines Penthouses erleben die 9 Passagiere eines Fahrstuhls eine böse Überraschung. Denn auf dem Weg ins oberste Stockwerk, hat die kleine, vorlaute 10jährige Madeline nichts anderes im Sinn, als die erwachsenen Anwesenden zu necken und den Notschalter des Aufzuges zu betätigen. Prompt bleibt der Gefährt stehen und fährt jedoch leider nach mehrmaliger Kontaktaufnahme mit dem Sicherheitsdienst auch nicht weiter. Allgemeines Unbehagen kommt auf und erste Konflikte werden geschnürt. Da offenbart einer der Anwesenden, eine Bombe bei sich zu tragen und stirbt kurzerhand später an einem Herzinfarkt…
Elevator – Kritik
Klaustrophobie – Die panische Angst vor geschlossenen Räumen. Auf dem gesamten Erdball leiden Millionen Menschen unter dieser tückischen Krankheit, die den Leidtragenden das Leben zur Hölle macht. Sollte jemand von Euch unter dieser Krankheit leiden, so sei ihm vor der Sichtung von „Elevator“ dringend abgeraten, denn der Film könnte Euren Puls gänzlich ebenso gen Herzinfarkt treiben.
Nach der katastrophal-grotesken M. Night Shyamalan-Produktion „Devil“, die sich vordergründig mit gleicher Thematik beschäftigte, sich aber in endlos unklaren Logiklücken und unglaublich haarsträubenden Story-Wendungen verlief erschien jüngst mit „Elevator“ ein weiter Vertreter aus der Abteilung „Fahrstuhl-Horror“, der zudem jedoch vollends zu überzeugen weiß.
Hauptsächlich mag das auch daran liegen, dass „Elevator“ anders wie zuletzt in „Devil“ nicht auf phantastischen Pfaden wandelt und hier keine unsichtbaren dämonischen Kräfte für die Geschehnisse verantwortlich gemacht werden. Das Unglück ist vollends menschlicher Natur verursacht und macht den Film demzufolge zu einer recht heftigen, und vor allem beängstigend- glaubhaften Suspense-Achterbahn der Spitzenklasse.
Das Verhalten der 9 Protagonisten ist immer realitätsnah und nachvollziehbar, der Kampf um das eigene Überleben wichtig, wobei in „Elevator“ nicht der Egoismus und das Wohl des Einzelnen thematisiert wird, sondern das Zusammenarbeiten in der Gemeinschaft. Alle Anwesenden ziehen an einem Strang und unterstützen sich, trotz anfänglicher Distanz, untereinander so gut es geht, um letztendlich heil aus der unangenehmen Misere zu entkommen. Ein Gut und Böse spielt hier keine Rolle, betrachtet man die Schicksale aller Charaktere, so stellt man schnell fest, dass irgendwo jeder von Ihnen Dreck am Stecken hat.
Dass gerade durch dieses emotionale Miteinander ein gewisser Realismus zu Tage tritt, stößt im übrigen auf allgemeines Wohlwollen und kommt „Elevator“ definitiv zu Gute, zumal die Geschehnisse in ähnlicher Form tagtäglich jeden von uns passieren könnten.
Dennoch gibt es trotz allen Lobes, auch den ein oder anderen recht konstruiert-wirkenden Konflikt, der vermutlich dramaturgische Hintergründe besitzt, dennoch aber nicht penetrant ins Gewicht fällt. Da sich der gesamte Film (mal abgesehen vom erlösenden Ende) in einem räumlich begrenzten Fahrstuhl-Abteil abspielt und die 9 Protagonisten einzig mit ihrem Schauspiel überzeugen und den Film tragen müssen, sieht man gern über einige „nerviger Füllszenen“ (ich denke da an das kleine 10jährige Mädchen) hinweg, wird aber wiederum mit einigen recht schwarz-humorigen Spitzen entschädigt.
Erstaunlich effizient gestaltet sich in „Elevator“ der konsequente Spannungsaufbau der vordergründig, neben dem wirklich sehenswerten Schauspiel der wenigen Anwesenden punktet und
durch die sehr gelungene Kameraführung verstärkt wird. Denn diese drängt sich immer nah an das Geschehen und dokumentiert die Gegebenheiten aus den groteskesten Sichtwinkeln.
Mal ist der Zuschauer von oben dabei, ein anderes Mal sieht er die Sicht der Dinge aus der Horizontalen, an wenigen Stellen im Film sogar von unten. Das gestaltet sich als überaus ergiebig, zumal die Kamera ständig in Bewegung ist und in Kombination mit den schnellen Schnitten kaum Langeweile aufkommen lässt.
Dass natürlich auch einige Schock- und Blut-Effekte in derart Produktion ihren Einsatz finden, dürfte vor allen den Krösel-Freunden unter den Horrorfans munden, wobei sich Regisseur Stig Svendsen jedoch in der Darstellung expliziter Grausamkeiten stark zurückhält. Hier wird nicht gemordet oder geschlitzt, sondern hier wird gehandelt und verunglückt. Gerade einmal zwei kleine blutige Schock-Szenen darf der interessierte Filmfreund sichten, die aber nicht minder schweißtreibend und schockierend in Szene gesetzt wurden und für einige Sekunden herrlich-bösartigen Gänsehaut-Schauer sorgen dürften.
Der Norweger Stig Svendsen läutet mit dem Thriller „Elevator“ sein amerikanisches Spielfilm-Debüt ein. Anders wie zuletzt John Erick Dowle, der mit seiner Leistung als Regisseur in „Devil“ gänzlich verunglückt ist, beweist Svendsen, dass es auch anders geht.
„Elevator“ schockiert und unterhält auf gänzlich anderen Wegen. In seinem Film gibt es weder bösartig dämonische Kräfte, noch ein blut-freudiges Edel-Massaker, dass von dramaturgischen Schwächen ablenken könnte.
Sein Film ist „real“ und glaubhaft – neun unterschiedliche Menschen, mit neun unterschiedlichen Schicksalen. In „Elevator“ wird weder geschrieben, noch gehetzt oder gefoltert und das kommt dem Film erheblich zugute. Mit einfachen stilistischen Mitteln wird eine erschreckend klaustrophobische Atmosphäre erzeugt, die erstaunlich kurzweilig und spannend unterhält und die man vermutlich zuletzt nur in „Burried“ (Regie: Rodrigo Cortés ) ebenso effektiv erleben durfte. Dass es sich bei „Elevator“ um ein kleines Indipendent-Filmchen handelt will man nach Sichtung gar nicht so recht glauben, denn „Elevator“ schaut alles andere als billig und mies aus.
Ein kleines beängstigendes Vergnügen, dass sich deutsche Filmfreunde auf jeden Fall vormerken sollten!
Elevator – Fazit

„Elevator“ ist mit Abstand der bessere „Devil“ – Ein klaustrophobischer Fahrstuhltrip, der erschreckend schweißtreibend unterhält
Elevator – Zensur
Da der Film in seiner ungeschnittenen Filmversion kaum Kröselszenen zu bieten hat und der Zuschauer die meisten „Unfälle“ und Interaktionen im Off oder als Resultat sieht, erhielt „Elevator“ problemfrei eine ungeschnittene 16er-Freigabe von der FSK!
Elevator – Deutsche Blu-ray
TECHNISCHE DATEN
Originaltitel: Elevator; USA 2011
Genre: Horror/Thriller
Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1080/24p, 2.35:1 / 16:9
Laufzeit: 84 Min.
FSK: FSK 16
Verpackung: Amaray mit Wendecover
Extras: Behind the Scenes-Feature (ohne dt. Untertitel), Trailer zum Film in Englisch, Biografieen in Textafelform der Schauspieler des Films
So gut der Film, umso ernüchternd die Ausstattung der vorliegenden Blu-ray. Das Bild und der Ton des Hauptfilms bewegen sich auf einem ansprechenden Niveau, doch Filmfreunde, die sich nach dem Filmgenuß gern über die Produktion informieren möchten, werden flink dumm aus der Wäsche schauen. Denn in dem schlichten, aber stimmig gestalteten Menü lassen sich kaum nennenswerte Extras finden. Bis auf ein 15-minütiges Making of hat es nichts Nennenswertes auf die Scheibe geschafft. Zwar wurde der Hauptfilm mit deutschen Untertiteln versehen. Für das kurze Bonus-Feature stand vermutlich kein Budget mehr zur Verfügung, um es hilfreich deutsch zu untertiteln. Auch wenn der Bonussektor hier enttäuschend gering ausgefallen ist, so hat sich “Ascot Elite” dennoch nicht gescheut, der Blu-ray zumindest ein Wechselcover zu spendieren. Immerhin! Trotzdem, für einen gelungenen Film, wie “Elevator” leider viel zu wenig!
Elevator [Blu-ray] bei AMAZON bestellen
Elevator – Trailer
Hellraiser80
Ähnliche Filme:
Panic Button (2011)
Devil (2010)
Filmreview: “Babycall” (2011)

Nachdem uns die Schweden zuletzt mit ihrem kongenialen Vampir-Drama „So finster die Nacht“ eindrucksvoll bewiesen haben, dass auch nordeuropäisches Gruselkino in der Lage sein kann, für gehörig Gänsehaut zu sorgen, erscheint demnächst ein weiterer Vertreter aus dem fernen Norden auch in unseren Gefilden.
Der norwegische Mysterythriller „Babycall“ scheint auf den ersten Blick gewisse Parallelen zum obig genannten schwedischen Meisterwerks zu besitzen, handelt „Babycall“ doch auch von trostloser Einsamkeit, von der Suche nach Geborgenheit und Verständnis und von Menschen, die eigentlich anders sind, als deren Umfeld.
Mutter „Anna“ und ihr wortkarger 8-jähriger Sohn sind derart bemitleidenswerte Kreaturen.
Nachdem Sohn „Anders“ jahrelang vom eigenen Vater misshandelt wurde, ziehen Mutter und Sohn in die anonyme Großstadt um in einer kleinen Sozialwohnung ein neues Leben zu beginnen.
Doch der erhoffte Neubeginn birgt Unmengen an Problemen und Herausforderungen.
Fast panisch überwacht und kontrolliert „Anna“ ihren kleinen Schützling, immer die Angst im Nacken, dass der Kindsvater herausfinden könnte, wo sich die kleine Familie momentan aufhält.
In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an den Elektronikfachverkäufer „Helge“, der ihr ein Babyphone verkauft, mit welchen „Anna“ auch des Nachts unbekümmert jeden Schritt des Sohnes verfolgen kann.
Es dauert nicht lang, bis die besorgte Mutter, seltsame Schreie und Geräusche aus dem neu erstandenen Utensil wahrnimmt, deren Herkunft sie nicht erklären kann …
Vorab, der Film(trailer) sorgt freilich für überaus Verwirrung, denn mit „Babycall“ hat Regisseur Pål Sletaune einen zwar soliden Film geschaffen, der aber mehr Sozialdrama ist und nur minimale Mystery-Elemente vorweisen kann.
Wobei diese Genre-Unschlüssigkeit das größte Problem dieses Thrillers ist, denn die Mystery-Elemente passen einfach nicht zum Grundgedanken des Filmes und wirken, gerade zum Ende hin, zunehmend konstruiert und vor allem vollkommen deplatziert.
Dabei hätte die zutiefst traurige Geschichte derart Schiene gar nicht nötig gehabt, lebt sie doch allein von den 3(!) Hauptprotagonisten, die sich fast 90 Minuten ohne Worte zu verständigen wissen und der wahrhaftig genialen Bildkomposition, die es ohne großartiges virtuoses Tam-Tam mit minimalen Mitteln schafft, ein unglaublich depressives und hilfloses Gefühl beim Zuschauer zu entwickeln.
Farbenfrohe Szenen sucht man hier vergebens, eine begleitenden akustische Untermalung ebenso, denn die tritt nur in wenigen ruhigen Minuten in Erscheinung, sodass sich der Zuschauer gänzlich auf das absolut vortreffliche Schauspiel der wenigen Protagonisten konzentrieren kann.
Noomi Rapace , in der Rolle als hilflose Übermutter „Anna“ ist vortrefflich gewählt, unterstreicht ihr psychisch labiles Schauspiel den vollkommen zermürbenden Grundton des Filmes.
Auch Kristoffer Joner als Elektro-Fachverkäufer „Helge“, der sich in die hilflose „Anna“ verliebt, sie aber emotional nicht erreicht, ist in seiner Darstellung zwar überaus zurückhaltend fügt sich dennoch perfekt in die trostlose Handlung ein.
Leider passen die vollkommen aufdringlichen Gruseleffekte nach Annas Kauf des Babyphones nicht wirklich in die Handlung und zerstören den wesentlichen Teil, der arg verstörenden Atmosphäre des Films. Das ist recht schade, denn diese Genre-Unschlüssigkeit schraubt die Filmqualität enorm gen Keller. Hier wollte Regisseur Pål Sletaune vermutlich den ganz großen Coup beweisen und mit einem trefflich überraschenden Storytwist im Stile eines M. Night Shyamalan punkten. Gebracht hat das leider wenig, denn seine unbrauchbare Auflösung fühlt sich an, wie kalter ungenießbarer Kaffee, den man in derart Form in fast schon jedem zweiten Mysterythriller der letzten Jahre gesehen hat.
„Babycall“ ist leider eine kleine Enttäuschung geworden. Es gibt wahrlich viele gute Ansätze, die den Film hätten über den Durchschnitt heben können. Ein fast schon unerträglich trauriger und depressiver Grundton unterstreicht den gesamten Film. Die schauspielerischen Qualitäten sind vortrefflich, wäre da nicht der erzwungene Mystery-Abklatsch ab Filmmitte, der den Film vollkommen unbrauchbar macht.
Hätte sich Regisseur Pål Sletaune gänzlich auf die Drama-Komponente konzentriert wäre ihm ein einzigartiger Film gelungen, der mit seinem kontroversen Filmstoff mit Sicherheit den ein oder anderen Zuschauer zum Nachdenken hätte anregen können.
Das Endresultat ist recht ernüchternd und bietet leider nur noch durchwachsene Filmkost, deren Logiklücken gen Ende hin unweigerlich schwer ins Gewicht fallen – überaus Schade!
Fazit 5,5 / 5 Punkten
Ein durchschnittlicher Film, der sich leider vollkommen in seinem überflüssigen Genre-Wirrwar verirrt.
Eigentlich schade, zumal die bedrückende Sozialdrama-Komponente zu gefallen weiß.
Deutschlandfilmstart: Juni 2012
FSK-Prognose: ungeschnitten mit FSK16
Hellraiser80
Filmreview: “Dream House” (2011)
SPOILERGEFAHR:
Wer sich die Überraschungsmomente nicht vorwegnehmen lassen möchte, sollte von dieser Review und dem (zu viel verratenden) Trailer Abstand nehmen!
Der Familienvater Will (gespielt von Daniel Craig) kündigt seinen Job in der Großstadt und zieht mit seiner Frau Libby (Rachel Weisz) und den beiden Töchtern in ein kleines idyllisches Landhaus weit entfernt von Hektik und Trubel.
Doch kaum häuslich eingerichtet. passieren auch schon erste mysteriöse Vorfalle: die Mädchen sehen eine schemenhafte Gestalt am Fenster stehen und unheimliche Fußabdrücke im Schnee sorgen für allgemeines Unbehagen. Hinzukommt, dass vor allem die Kinder seltsame Vorahnungen, über ihr eigenes Ableben und das der Mutter, entwickeln.
Will beginnt nach der Vorgeschichte des Hauses zu forschen, und entdeckt, dass der frühere Besitzer des Hauses im Wahn seine Familie erschossen haben muss.
Einen arg seltsamen Film, den uns Regisseur Jim Sharidan da serviert.
Rein technisch gibt es an „Dream House“ definitiv nichts auszusetzen.
Die schneebedeckte und richtig hübsch gefilmte Winterkulisse macht einen ersichtlich hochwertigen Eindruck und erinnert in seiner bedrückenden, aber dennoch idyllischen Atmosphäre sehr an die filmische Umsetzung des Stephen King Klassiker „The Shining“.
Der Wurm knausert jedoch weniger in der Art und Weise der Filmumsetzung, als vielmehr am Drehbuch, denn das ist vollkommen haarsträubend.
Vermutlich hat sich Drehbuchautor David Loucka zu intensiv mit den bisherigen cineastischen Beiträgen eines M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“, “The Village“) beschäftigt, der sich in Hollywood mit seinen (nicht minder haarsträubenden) extravaganten Plottwists einen Namen gemacht hat.
„Dream House“ setzt neue Maßstäbe in Sachen überraschenden Filmauflösungen, denn das aktuelle Werk des Regisseurs Sharidans versucht mit 2 (!) überraschenden Plottwist zu punkten. Eigentlich keine schlechte Idee, den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken und ihn intelligent zu verblüffen, wären der Plottwist und die Überraschungseffekte von „Dream House“ nur halbwegs originell geraten.
Die erste Filmhälfte (die eine Geistergeschichte vermuten lässt) funktioniert prima. Die Story gewinnt an Fahrt, die Schauspieler agieren glaubwürdig, und die Geschichte klingt interessant, frisch und geheimnisvoll. Der „erste“ Plottwist sitzt perfekt und kommt völlig unerwartet. Im Grunde genommen hätte der Film jetzt enden „müssen“!
Drehbuchautor David Loucka macht aber den Fehler und spinnt die Geschichte weiter, was die restlichen 50 Minuten Filmlaufzeit unerträglich zäh und langweilig gestalten.
Da der Zuschauer mit dem Verkünden der überraschenden Filmwendung nun über die Hintergründe rund um das Haus und seine neuen Bewohner bescheid weiss, wirkt der Rest der Story überaus konstruiert, wohlmöglich um „Dream House“ auf Spielfilmlaufzeit dehnen zu können.
Aus dem anfänglichen Mystery-Grusler, wird ein lupenreines Selbstfindungs-Drama, das am Ende mit einem weiteren Überraschungseffekt aufwartet, der aber irgendwie in dieser Combo nicht so richtig zünden möchte, da man sich als Zuschauer, trotz charmanter Inszenierung und hochkarätiger Besetzung, irgendwie veräppelt fühlt.
Trotzdem, wer ein Faible für Mysteryfilme mit Überraschungseffekt besitzt, der dürfte zumindest an der ersten Filmhälfte von „Dream House“ Gefallen finden.
Für die kalten Wintertage bei Schneefall und heimeligen Kerzenschein eignet sich „Dream House“ dennoch ideal für ausgiebig seichtes Couch-Gruseln.
Fazit:
Erste Filmhälfte: 7,5/ 10 Punkte – Zweite Filmhälfte: 3,5/10 Punkte
Im neuen „Dream House“ ist wahrlich der Wurm drin.
Was anfänglich für molliges Schaudervergnügen sorgt, wird ab Filmmitte zum wirren und arg konstruiert wirkenden Genre-Mixcocktail.
(FSK Prognose: ungekürzt mit FSK 16)
Hellraiser80







