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Filmkritik: “The Last Showing” (2014)

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THE LAST SHOWING

Story

 
 
 
Um beim dritten Date punkten zu können, lädt Martin (Finn Jones) seine Allie (Emily Berrington) zu einer Mitternachtsvorstellung ins Kino ein. Leider ist das Multiplex menschenleer, so dass der psychopathische Filmvorführer Stuart Lloyd (Robert Englund) die Gunst der Stunde nutzt, um einen eigenen Horrorfilm zu drehen, in dem sich die beiden frisch Verliebten den Filmregeln des selbsternannten Regie-Maestros unterwerfen sollen …
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Kritik

 
 
 
Eine Kult-Ikone des modernen Horrorfilms meldet sich zurück – ausnahmsweise mal nicht mit Horror von der Stange. Genau dreißig Jahre ist es her, dass ROBERT ENGLUND durch die Rolle der Kindermörders FREDDY KRUEGER praktisch über Nacht zur Legende wurde. Sechs Fortsetzungen zog die ELM STREET-Reihe nach sich, bevor ENGLUND vom Studio die Kündigung bekam und die NIGHTMARE-Serie durch ein Remake und mit neuem Freddy-Darsteller gegen die Wand gefahren wurde. Viel Zeit ist seit ENGLUNDS letztem Meuchelfeldzug als Traumdämon vergangen und der Schauspieler hat nach den Freddy-Erfolgen das getan, was wohl jeder ehemalige Kinostar der 80er mittlerweile tut, um sein Lohn und Brot verdienen zu können. Wie vor NIGHTMARE ON ELM STREET tingelt er durch teils trashige Videoproduktionen, von denen immerhin die Kurzgeschichtensammlung SANITARIUM (2013) zu den besseren Vertretern in seiner mittlerweile sehr umfangreichen Film-Vita gehört. Der Zahn der Zeit hat auch an ENGLUND genagt. Aus dem sprücheklopfenden Traum-Killer ist ein greiser Mann geworden, der es aber scheinbar noch einmal wissen wollte. Er geht zu den Anfängen seiner Karriere zurück, wechselt noch einmal die Fronten und schlüpft für THE LAST SHOWING erneut in die Rolle eines Bösewichts um zu zeigen, dass er das Morden und Fiessein nicht verlernt hat.
 
Interessanterweise ist er seiner menschlichen Gebrechlichkeit bewusst und macht sie sich in seinem neuen Horrorfilm zu Eigen. Als Psycho-Opa Stuart terrorisiert er in THE LAST SHOWING ein frisch verliebtes Pärchen während einer Leinwandvorstellung des Klassikers THE HILLS HAVE EYES 2. Die wollten eigentlich nur ein bisschen knutschen und fummeln, bis sie selbst zu unfreiwilligen Statisten in einem selbstgedrehten Horrorfilms werden und ums Überleben bangen müssen. Als betagter Technik-und Filmnerd gewinnt ENGLUND hier recht schnell das Vertrauen seiner naiven Hauptdarstellerin und hetzt sie mit sicherem Gespür für Taktik und Manipulation gegen ihren Liebsten auf. Der versucht seine Unschuld mit allen Mitteln zu beteuern, hat aber nicht mit der Cleverness seines Widersachers gerechnet, der scheinbar schon einige Krimis studiert hat, um sein Opfer subtil in den Tod treiben zu können.
 
Zurück zu den Anfängen: Erfahrene Horror-Fans wittern die Fährte und verstehen einige der im Film platzierten Zitate. So steckt hinter dem in der Mitternachtsvorstellung gezeigten Mutantenspektakel (Er)Schreckmeister WES CRAVEN – jener Regisseur, der mit der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe nicht nur Filmgeschichte schrieb, sondern ENGLUND in der Rolle des Horror-Monsters “Freddy Krueger” zu Weltruhm verholfen hat. Letzterer läuft in THE LAST SHOWING noch einmal zu Hochform auf und stellt seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Ähnlich wie der verstorbene ROBERT WILLIAMS im Thriller ONE HOUR FOTO verkörpert ENGLUND hier einen filmbewanderten Einzelgänger älteren Semesters hinter dessen vertrauenerweckender Fassade das unbeschreiblich Böse lauert. Rasch wird das Szenario zum Puppenspiel in dem ENGLUND die Strippen hält und seine Marionetten gegeneinander aufhetzt. Trotz gerissener Skrupellosigkeit bleibt Stuart aber immer noch Mensch. Regisseur PHIL HAWKINS räumt seiner Psychopathenfigur Sympathien ein. Nicht selten gelingt es dem Zuschauer so, einen kurzen Einblick in die Psyche einer fragilen und unsicheren Persönlichkeit zu werfen, die schnell an ihre Grenzen kommt, sobald sie unter Druck gerät. Auch wenn die genaueren Hintergründe für Stuarts Handel horrorfilmtypisch rasch unter den Teppich gekehrt werden und die Geschichte von THE LAST SHOWING um allerhand Zufälle bereichert wurde; ENGLUND scheint die Rolle des greisen Psychopathen wie auf den Leib geschneidert zu sein, obwohl er bisher noch nie in Charakterrollen glänzen konnte.
 
Eigentlich ist THE LAST SHOWING nichts Großes. Regisseur PHIL HAWKINS profitiert jedoch von der immer noch enormen Beliebtheit seines bekannten Hauptdarstellers. Der plappert wie zu besten NIGHMARE-Zeiten makabre Floskeln in die Kamera und hat den Zuschauer schnell auf seiner Seite, wenngleich seine Sprüche nur selten die grandios zynische Art erreichen, die einst Pizza-Face Freddy Krueger ausgezeichnet haben. THE LAST SHOWING ist Indie-Horror, so wie er sein sollte: Knackig, fesselnd und unterhaltsam. Ohne großartige Umwege kommt die kleine Geschichte recht zügig zum Punkt und hat trotz bekanntem Psycho-Allerlei immerhin noch einige recht frische Wendungen in petto, damit der Zuschauer bei Laune gehalten werden kann. Statt übertriebenem Blutreigen orientiert sich Macher PHIL HAWKINS vermehrt am klassischen Suspense-Cinema und zieht lieber die Spannungsschraube an, statt das Treiben im Blut zu ersäufen. Die kurzweilige Kombination aus lobenswerter Kameraarbeit, spannungsreichem Drehbuch und witzigen Zitaten heben THE LAST SHOWING über dem Indie-Durchschnitt. Somit darf diese Sondervorstellung gern besucht werden, schließlich erleben ENGLUND-Fans hier den besten ENGLUND seit Jahren
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Horror-Thriller, so wie er sein sollte: Temporeich, fesselnd und unterhaltsam. Freddy Krueger-Darsteller ROBER ENGLUND bleibt seinem Schlitzer-Hobby treu, lässt aber das Schlafwandeln sein. In THE LAST SHOWING wandelt er auf den Pfaden eines ROBIN WILLIAMS, der vor einigen Jahren mit ONE HOUR FOTO einen ähnlichen Film gemacht hat. Abermals bekommt der Zuschauer einen Killer vor die Linse, der hinter der Fassade eines scheinbar fragilen Greises ausschließlich Böses im Schilde führt und Leichen im Keller stapelt. Regisseur PHIL HAWKINS hat die Regeln für ultimativen Thrill verstanden. Sein THE LAST SHOWING entpuppt sich als erstklassiger Suspense-Thriller mit überraschungsreichen Wendungen, der für Indie-Verhältnisse auch noch bemerkenswert gut in Szene gesetzt wurde. Kult-Ikone ROBERT ENGLUND überzeugt mit gutem Schauspiel, das zum Besten gehört, was man seit Jahren vom ihm gesehen hat. Demnach können wir für THE LAST SHOWING nur empfehlen, denn gut unterhalten wird man hier auf jeden Fall.
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Zensur

 
 
 
THE LAST SHOWING ist ein Psycho-Thriller der sich eher züchtig in Sachen Gewalt gibt. Außer zwei gezielten Todesschüssen gibt es nichts an Brutalität zu sehen. Verwunderlich ist das keineswegs, denn THE LAST SHOWING konzentriert sich eher auf Suspense und Spannung.
 
 
 


 
 
 

THE LAST SHOWING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scorned (2013)

Mindscape (2013)

Coherence (2013)

Simon Killer (2012)

One Hour Foto (2002)


Filmkritik: “Antisocial Behavior” (2014)

Antisocial-Behavior-Kenneth-Guertin
 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR

Story

 
 
 
Joe (Jackson Kuehn) ist ein Einzelgänger und lebt in seiner eigenen Welt. Als ihn sein Kumpel Scott auf eine Party mitnimmt, lernt er dort die reizende Wendy (Mary Elizabeth Boylan) kennen, die sich in den introvertierten Eigenbrötler verliebt. Leider hat der Abend eine unerwartete Wendung zur Folge. Bei einem Trinkspiel wird Joe mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die er eigentlich längst in seinem Unterbewusstsein vergraben hatte …
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Kritik

 
 
 
Schlafende Hunde soll man bekanntlich nicht wecken – zumindest wäre Joe einiges an Qual erspart geblieben, hätte er auf einer Party nicht dieses äußerst dumme Trinkspiel gespielt, bei dem er von seinen Mitspielern gefragt wurde, was denn wohl das Schrecklichste gewesen sei, was er bis dato getan habe. Prompt geschieht das, womit wohl niemand gerechnet hat: Der introvertierte Einzelgänger wird von quälenden Visionen heimgesucht, erleidet einen Blackout und rastet vollkommen aus. ANTISOCIAL BEHAVIOR nennt sich das Psychogramm eines verwirrten, jungen Mannes, der ganz unvorbereitet mit unterdrückten Kindheitserinnerungen konfrontiert wird, die jahrelang im Unterbewusstsein schlummerten. Der bis dato noch unauffällige KENNETH GUERTIN hat hier einen schwer verdaulichen Streifen gemacht, den man nicht mal so nebenbei sieht. Anders als der günstig gewerkelte Filmtrailer vermuten lässt, handelt es sich bei ANTISOCIAL BEHAVIOR nicht um banal gestrickte Horrorware von der Stange. Regisseur KENNETH GUERTIN will sich von üblichen Serienkiller-Streifen abheben und beschäftigt sich nicht mit dem dümmlichen Abmetzeln stereotyper Holzköpfe. Stattdessen ergründet er Indikatoren, die dazu führen, dass der Filmheld letztendlich Rot sehen wird. Wieder mal ist es ein Trauma, dass den Filmheld zu Kindstagen hat fürchterliche Qualen erleben lassen. Der wird dazu genötigt die Vergewaltigung an der Mutter und den Mord an der Familie beizuwohnen. Im Schockzustand richtet er eine Waffe auf den Täter und feuert ab. In den meisten Horrorfilmen muss ein solches Ereignis als Alibifunktion ausreichen, damit das traumatisierte Opfer später zur kaltschnäuzigen Killermaschine mutieren darf. GUERTIN ist das nicht wichtig. Er geht einen anderen, gründlicheren Weg und folgt seiner Filmfigur bei ihrer sich selbst zerstörenden Entwicklung, die von surrealen Visionen zermürbt bald nicht mehr unterscheiden kann, was allein der kranken Psyche entspringt oder tatsächlich passiert. Ebenso ergeht es dem Zuschauer. Der begleitet eine bemitleidenswerte Kreatur auf der Suche nach ihrer selbst. Getrieben von grotesken Halluzinationen verschwimmen am Ende die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, so dass es unausweichlich ist, dass sich das hasserfüllte Opfer zum Täter verwandelt, um dem angestauten Zorn freien Lauf lassen zu können. Dass die jahrelang im Unterbewusstsein manifestierte Wut ausgerechnet jene Person zu spüren bekommt, die dem Helden trotz Eigenheiten stets zur Seite stand, wirkt aufgrund der verdrängten Vorgeschichte der zerrütteten Filmfigur, wie ein Schlag ins Gesicht.
 
GUERTIN ist raffiniert. Just in jenem Moment, bei dem die gründlich analysierte Geschichte ihren Höhepunkt erreicht und Joe eine Metamorphose zum unfreiwilligen Killer durchlebt, flimmert der Abspann über den Bildschirm. Das offene Ende liefert zwar nur vage Antworten, hinterlässt aber genügend Raum für mögliche Interpretationen. ANTISOCIAL BEHAVIOR wurde auf 35mm gedreht und besitzt mit all den verschiedenen Farbfiltern, Schnitttechniken und Kameraspielereien ohne Zweifel Experimentalfilm-Charakter. Zwar war wie bei Indie-Werken üblich, mal wieder kaum Geld in der Kasse; aufgrund der beschränkt finanziellen Möglichkeiten ist das, was GUERTIN daraus gemacht hat über jeden Zweifel erhaben. Einen großen Teil des Lobs ist jedoch Schauspieler JACKSON KUEHN zu verdanken, der den Antihelden derart glaubhaft und ambitioniert verkörpert, dass man ihn für seine hervorragende Leistung nur beglückwünschen kann. Schnell fühlt sich der Zuschauer mit Joe und seiner einsamen Welt verbunden, aus der er offensichtlich keinen Ausweg mehr findet. Für Indie-Verhältnisse leidet man erstaunlich oft mit – den talentierten Darstellern und dem gut durchdachten Drehbuch sei Dank.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandios finsterer Thriller und ein Paradebeispiel in Sachen psychologischer Horror. ANTISOCIAL BEHAVIOR zeigt erneut eindrucksvoll, dass unabhängige Filmkonzepte weit weg vom konventionellen Hollywood die besseren sind. Regisseur KENNETH GUERTIN lässt für sein neustes Schaffen ein Sammelsurium surrealer Bilder auf den Zuschauer los und vermischt Traumabewältigungs-Thematik mit reichlich skurril-phantastischen Filmelementen. Hierbei bedient er sich sogar dem Körper-Horror (Antiheld Joe erbricht im Film lebende Tumore) für den vermutlich selbst Altmeister und Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE) nur lobende Worte finden dürfte. Dennoch sollte man eine beflügelte Interpretationsgabe besitzen, denn GUERTIN verzichtet auf Antworten, die er dem Zuschauer auf dem Silbertablett serviert. Trotz magerer Antworten ist ANTISOCIAL BEHAVOIR ein interessanter und durchaus sehenswerter Thriller, der sich mit der Serienkiller-Problematik auf gänzlich unkonventionelle Weise beschäftigt. Statt dünnwandiges Slasher-Gemetzel zu zelebrieren betrachtet GUERTIN stattdessen psychologische Mechanismen, welche aus Menschen Mörder machen. Dank gutem Drehbuch und einem hervorragenden Hauptdarsteller bleibt die kontroverse Thematik bis zum bitteren Ende interessant. Daher: Ein empfehlenswerter Film, den man trotz gewöhnungsbedürftigem Indie-Look gesehen haben sollte.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Zensur

 
 
 
ANTISOCIAL BEHAVIOR ist eher psychologischer Horror, der ruhig und eindringlich geschildert wird. Bis auf einen herben Kopfschuss gibt es kaum Gewalt zu sehen. Wir rechnen mit FSK16 in Deutschland.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Found (2012)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)
 


Filmreview: “Mindscape” (2013)

mindscape-2013
 
 
 

MINDSCAPE

Story

 
 
 
Anna (Taissa Farmiga) ist im Hungerstreik und John Washington muss analysieren warum. Er kann die Erinnerungen von Menschen lesen und soll die Erlebnisse der minderjährige Patientin scanen um herauszufinden, ob die 16-Jährige unter einem Trauma leitet oder eine Vollblut-Soziopathin ist …
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Kritik

 
 
 
Von gut situierten Mädchen wird im Öffentlich-Rechtlichen berichtet, von ungezogenen Gören liest man auf Filmchecker. Das personifizierte Böse im Körper eines unschuldig dreinschauenden Engels haben bereits unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht, wobei zu den wohl bekanntesten unter ihnen RICHARD DONNER gehört, der im Jahr 1976 mit dem Horrorfilm DAS OMEN die ganze Welt in Schrecken versetzte. Für drei Fortsetzungen und ein Remake hat der Furcht einflößende Stoff gereicht, der vermutlich nicht nur bei besorgten Eltern und selbsternannten Jugendschützern die Alarmglocken hat läuten lassen, weil im Film von einem Sechsjährigen erzählt wird, den alle für einen Nachkommen des Leibhaftigen halten. Nicht der Antichrist in Person, dafür ein Soziopath der ganz finsteren Sorte ist die 16-jährige ANNA (gespielt von TAISSA FARMIGA), die im Thriller MINDSCAPE mit allen Regeln der Kunst Menschen manipuliert und daran auch noch Gefallen findet. Der Spanier JORGE DORADO steckt hinter dem fiesen Ausflug in die Psyche einer gestörten Minderjährigen, der mit MINDSCAPE (international auch als ANNA vermarktet) seinen ersten Langfilm in die Kinos gebracht hat und mit einen wendungsreichen Hochglanz-Thriller überrascht, der besser ist, als es die magere Inhaltsangabe verspricht.
 
MINDSCAPE handelt von John Washington (MARK STRONG), der über eine besondere Gabe verfügt und in die Erinnerungen von Menschen eindringen kann, um Mordfälle lösen zu können. Leider erlitt er während einer der letzten Sitzungen einen Schlaganfall und hat zudem mit dem tragischen Selbstmord seiner Frau zu kämpfen. Damit er wieder auf die Beine kommt und nicht im Selbstmitleid zerfließt wird ihm der mysteriöse Fall der 16-jährigen Anna zugewiesen. Die lebt zusammen mit den wohlhabenden Eltern in einem riesigen Anwesen weit draußen auf dem Land und ist seit mehreren Tagen im Hungerstreik, weil die Eltern ihr Hausarrest verordnet haben. Ganz unbegründet ist deren Entscheidung jedoch nicht, vermutet Mutter Michelle (SASKIA REEVES), dass die eigene Tochter eine ernstzunehmende Gefahr für Andere darstellt, schließlich sind in der Vergangenheit seltsame Dinge passiert, in die Anna kurioserweise immer mit involviert gewesen ist. Erinnerungs-Detektiv John Washington wird beauftragt das Rätsel um den unschuldig dreinschauenden Teenager zu lösen. Er soll auf Anweisung seines Vorgesetzten Sebastian (BRIAN COX) herausfinden, ob die Mutter mit ihrer Vermutung richtig liegt und es sich bei der künstlerisch veranlagten Schülerin um eine unberechenbare Soziopathin handelt. Leider hat Washington nicht mit der Manipulationsgabe seiner kindlichen Patientin gerechnet. Die dreht ganz einfach den Spieß um und beginnt in Johns Erinnerungen zu stöbern.
 
Es muss nicht immer aufgeblasenes Effekte-Kino sein, um spannende Geschichten erzählen zu können, die fesseln. MINDSCAPE-Regisseur JORGE DORADO, der früher mit Leuten wie PEDRO ALMODOVAR (SPRICH MIT IHR) und GUILLEMEREO DEL TORROR (THE DEVIL’S BACKBONE) zusammengearbeitet hat, erreicht mit seinem Erstling fast ähnliches Niveau stilvoller Eleganz, wie die genannten Regisseure von denen er einiges lernen konnte. In seinem Debüt dominieren düstere Braun- und Grautöne, die bereits erahnen lassen, welch unerfreuliche Richtung der Streifen einschlagen wird und die dem Streifen einen ganz individuellen Look verleihen, der nicht selten an teures Mainstream-Kino erinnert. Unheilvoll geht es in MINDSCAPE zu, was vor allem an der unterkühlten Darbietung von ANNA-Schauspielerin TAISSA FARMIGA liegen mag, die Zuschauer und dem beauftragten Erinnerungs-Detektiv nach nur wenigen Minuten zu verstehen gibt, wer hier am längeren Hebel sitzt. Während sich Psychologe John in den Kopf seiner unberechenbaren Patientin beamt und noch einmal einschneidende Erlebnisse aus Annas Leben durch die Mangel nimmt, wittert der Filmfan schon recht früh, dass seine minderjährige Patientin keines dieser schwer traumatisierten Unschuldslämmchen ist. Die manipuliert rasch die eigenen Erinnerungen, damit ihr Gegenüber in Annas Kopf die heile Welt zu sehen bekommt. Aber auch außerhalb der Gedankenwelt wird für Verwirrung gestiftet. Die gute Anna scheint ein geschicktes Händchen für das Legen falscher Fährten zu besitzen und John ein ausgeprägtes Talent Selbige zu wittern. Am Ende sitzt der gutgläubige Therapeut in der Falle und sein Leben rauscht den Bach hinunter. Mit unerwarteten Wendungen jongliert Macher JORGE DORADO übrigens sehr selbstsicher, denn im letzten Teil der Handlung geht es drunter und drüber. Der clever verschachtelte Erinnerungs-Battle mündet in einem ziemlich hinterlistigen Finale, in dem der obligatorische Plottwist selbstverständlich auch nicht fehlen darf. Gut angelegt sind die klug inszenierten 90 Minuten Thrill auf jeden Fall, denn mit seinem Erstling beweist DORADO, dass er den meisten Suspense-Experten in nichts nachsteht. Sein Debüt MINDSCAPE überzeugt durch hervorragende Schauspielleistung und gut geschriebenem Drehbuch. Dass MINDSCAPE ein kleiner Geheimtipp geworden ist, dürfte aber auch an Produzent JAUME COLLET-SERRA gelegen haben, der vermutlich genug Potenzial im Script gesehen hat, um den Film mitzufinanzieren. Der gebürtige Spanier ist nämlich Profi in Sachen Suspense und hat neben UNKNOWN IDENTITY (2011) auch den Psycho-Schocker ORPHAN – DAS WAISENKIND (2009) gedreht. Vergleicht man den Letzteren mit MINDSCAPE dürfte man mit Sicherheit so einige Parallelen entdecken.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Willkommen in der schockierenden Gedankenwelt einer hinterlistigen 16-jährigen: MINDSCAPE ist ein fieser, wendungsreicher und clever geschriebener Hochspannungs-Thriller der Extraklasse, dem wir an dieser Stelle das Prädikat “Geheimtipp” verleihen wollen. Der Spanier JORGE DORADO hat für sein Erstwerk mit TAISSA FARMIGA eine hervorragende Soziopathin gewinnen können, die auch ohne Blutvergießen reichlich Angst und Schrecken verbreitet. MARK STRONG als kahlköpfiger Erinnerungs-Detektiv ist zwar ebenso ambitioniert bei der Sache, kann jedoch seiner Schauspielkollegin (wie sein Charakter im Film) nicht das Handtuch reichen. Unterm Strich wird dem Fan verzwickter Supense-Thriller einen wirklich sehenswerten Genrefilm geboten, der mal wieder klarstellen möchte, dass sich selbst hinter der Fassade kindlicher Naivität das unberechenbar Böse verstecken kann.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Zensur

 
 
 
In MINDSCAPE regiert Thrill und Suspense. Blut gibt es hier eigentlich gar nicht zu sehen, Gewalt ebenso wenig. Aufgrund des düsteren Inhalts wurde der Film von der FSK erst ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
mindscape-blu-ray

(c) Studiocanal

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mindscape; Frankreich, Spanien, USA 2013

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Interview mit Taissa Farmiga und Mark Strong, Making of, Geschnittene Szenen, Trailer, TV-Spots

Release-Termin: 20.11.2014

 

Mindscape [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inception (2010)
 
The Cell (2001)


Filmreview: “House of Dust” (2013)

house-of-dust-2013
 
 
 

HOUSE OF DUST

Story

 
 
 
Einige Teenager verschaffen sich unerlaubten Zutritt in eine verlassene Psychiatrie und ziehen die Aufmerksamkeit eines rachsüchtigen Geistes auf sich …
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Kritik

 
 
 
Die atmosphärischen Low-Budget-Grusler der 70er und 80er waren’s, die Regisseur A.D.CALVO nachhaltig geprägt haben. Insbesondere jene Filme in denen Zombies und Geister die Leinwand bevölkerten und die Toten in die Welt der Lebenden zurückkehren durften. Besonderen Eindruck hinterließen jedoch Streifen wie THE CHANGELING, THE SHINING und LET’S SCRAE JESSICA TO DEATH, die weniger durch Splatter glänzten, sondern das klassische Schauern zum Mittelpunkt machten. Nach einigen Kurzfilmen macht CALVO nun auch vermehrt Langfilme und hat sich, was für eine Überraschung, im Horror-Genre festgefahren. Nach ersten Gehversuchen mit THE MELANCHOLOY FANTASTIC und THE MIDGNIGHT GAME (beide warten immer noch auf eine deutsche Auswertung) verschlägt es den Filmemacher nun mit HOUSE OF DUST in die Welt der Geister und setzt auf Zutaten, die all den Lieblingsfilmen aus seiner Kindheit zum Erfolg verholfen haben. Mehr subtiler Grusel, weniger schaufreudiges Gemetzel – so die Devise, die CALVO mit seinem Irrenhaus-Horror verfolgt. Inspiration hat ihm ein Artikel aus der NEW YORK TIMES geliefert, wo von einem Abriss einer alten psychiatrischen Klinik in Oregon berichtet wurde in deren Keller man eine immense Sammlung Kupferblechbüchsen fand. Die provisorisch in Urnen umfunktionierten Dosen enthielten die Asche der verstorbenen Psychiatriepatienten, welche im hauseigenen Krematorium verbrannt wurden. Allein die Vorstellung einer der Behälter würde in Folge des Abrisses zu Schaden kommen und die Asche eingeatmet werden, verursachte in CALVO derart Gänsehaut, dass er sich an den Schreibtisch setzte, um am ersten Drehbuchentwurf zu HOUSE OF DUST zu kritzeln. Das Resultat wird aber leider nicht einmal ansatzweise dem gerecht, was CALVO in der Jugend schlaflose Nächte bereitet hat. HOUSE OF DUST ist so mit das Überflüssigste, was die Horrorwelt in der letzten Zeit erlebt hat, denn vom gewollt unheimlichen Gruselvergnügen ist weit und breit keine Spur.
 
Es geht um einige College-Kids, die mal wieder den Warnungen trotzen und auf Erkundungstour in eine verlassene Irrenanstalt gehen. Das Gebäude besitzt eine grauenvolle Vergangenheit und wurde selbstverständlich nicht grundlos geschlossen. Ein Arzt wurde dort auf gar grausige Weise aus dem Leben gerissen, der an seinen Patienten unethische Experimente durchgeführt hat. Bei ihren Schnüffeleien stoßen die neugierigen Teenager auf ein Regal mit geheimnisvollen Behältern in deren Inhalt sie die Asche verbrannter Patienten finden, die im klinikeigenem Krematorium eingeäschert wurden. In ihrer Unachtsamkeit stoßen die Studenten eine Urne aus dem Regal und reißen so die dunkle Seele des besonders wütenden Insassen Levius (JOHN LEE AMES) aus dem wohlverdienten Schlaf, der sich gleich den Körpern der ahnungslosen Eindringlinge bemächtigt und allerhand Unheil auf dem Campus anrichtet. Emma (INBAR LAVI) hat den sechsten Sinn und wittert das Unheil. Sie war selbst einmal Insassin einer psychiatrischen Anstalt und schluckt nun Medikamente, um nicht wieder seltsame Stimmen hören zu müssen. Die introvertierte Schülerin riecht schon bald die Lunte und merkt, dass mit ihren Mitschülern etwas nicht ganz richtig läuft. Als dann auch noch unbeliebte Studenten verschwinden, ergreift Emma Initiative und geht dem Spuk auf den Grund.
 
Geister, die durch verlassene Krankenhäuser und Psychiatrien spuken, scheinen mittlerweile in Mode zu sein. Der Überraschungserfolg GRAVE ENCOUNTERS und dessen Fortsetzung haben trotz Found-Footage-Zutat bewiesen, dass es nicht immer nur knarrende Türen und dunkle Flure alter Herrenhäuser sein müssen, die Unbehagen verursachen. Auch leerstehende Sanatorien mit finsterer Vergangenheit können mit ihren modrigen Operationssälen und vergilbten Gummizellen reichlich Gänsehaut entstehen lassen, vorausgesetzt ein Macher lehrt das Fürchten, der Meister seines Faches ist. So rein gar nicht meisterlich ist HOUSE OF DUST geworden, der nicht nur mit einer überraschungsarmen Handlung quält, sondern kaum Gruselfeeling zu bieten hat. Regisseur A.D.CALVO hat hier eine Schlafpille vor dem Herren gedreht, der es nicht ein einziges Mal gelingt dem Filmfan so etwas wie Schauer einzujagen. Stattdessen gibt es lapidaren Horror von der Stange, der eher rasches Einschlafen garantiert, als packend zu unterhalten. Ex-Psychiatriepatientin und Heldin Emma hört schon bald Stimmen und vermutet, dass die verschrieben Medikamente gegen Wahnvorstellungen nicht mehr wirken wollen. Da passieren komisch Dinge und die verunsicherte Protagonistin scheint den Verstand zu verlieren. Auch der Zuschauer wird reichlich verwirrt, kommt aber bald dahinter, dass hier ein Geist sein Unwesen treibt, der in die Körper aller Beteiligten schlüpft, um grausigen Schabernack zu veranstalten. Das liest sich zwar erfrischend kurzweilig, wurde aber in der Praxis quälend zäh umgesetzt. Um das behäbige Treiben aufzuwerten darf zumindest Emma-Darstellerin INBAR LAVI in sexy Outfits schlüpfen, so dass männliche Zuschauer immerhin einige hübsch verpackte Rundungen zu sehen bekommen. Für eine durchschnittliche Bewertung hat’s dennoch nicht gereicht, auch wenn HOUSE OF DUST in der letzten Szene Gas gibt und etwas Nervenkitzel zu bieten hat. Der dürfte vermutlich ohnehin zu spät über die Mattscheibe flimmern, denn bei so ereignislosem Grusel dürften die meisten Horrorfans schon nach nur wenigen Minuten abgeschalten haben.
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Solider Grusel-Nachschub für Fans unheimlicher Geisterfilme mit blutigem Auftakt und nettem Finale. Vier (!) Autoren (darunter der Regisseur selbst) haben am mageren Drehbuch zu HOUSE OF DUST geschrieben; dennoch scheint keinem von ihnen etwas Gescheites eingefallen zu sein. Der Film hat mit permanenter Ideenarmut zu kämpfen und hält sich mit dem Köcheln von Altbewährtem über Wasser. Es werden bekannte Geisterklischees abgeklappert und unsympathische Teenager verschwinden ganz unauffällig von der Bildfläche. Seltsamerweise hat Regisseur A.D.CALVO nicht nur gänzlich auf grafische Gewalt verzichtet, sondern auch den Gruselfaktor aus HOUSE OF DUST gestrichen. Für einen Spukfilm fatal, leben doch derart Filme von atmosphärisch ausgeleuchteten Kulissen, Gänsehautmomenten und deftigen Schockmomenten, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen. Jene Zutaten sucht man in HOUSE OF DUST vergebens, stößt dafür aber auf knapp 90 Minuten Langeweile, die zum vorzeitigen Abschalten animieren. Da fragt man sich doch glatt, was Anbieter ANCHOR BAY bewegt hat, diesen Quatsch zu vertreiben. Dessen Kutter segelt nämlich zu Beginn durchs Bild und wird eigentlich eher mit guten Filmen in Verbindung gebracht. Bei einem derart missglückten Gruselausflug kann man nur hoffen, dass Regisseur A.D.CALVO seine Pläne nicht in die Tat umsetzen wird. Denn glaubt man den Interviews, würde er gern ein Prequel zu HOUSE OF DUST drehen – um Gottes Willen!
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Zensur

 
 
 
HOUSE OF DUST ist nicht nur ein ziemlich lahmer Vertreter des Genres, sondern auch ein sehr blutarmer. Am Anfang bekommt ein Arzt einen Bohrer in den Kopf gerammt und einige Experimente an hilflosen Patienten gibt es ebenfall zu bestaunen. Danach ist Schluss mit lustig und der Film plätschert überraschungsarm daher. Gewalt gibt es leider kaum zu sehen, was HOUSE OF DUST eine ungeschnittene FSK16 bescheren dürfte.
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters 2 (2013)
 
Sanitarium (2013)
 
Grave Encounters (2011)


Filmreview “Event 15″ (2013)

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EVENT 15

Story

 
 
 
Nach einem Kriegseinsatz im Nahen Osten befinden sich drei ehemalige Soldaten in psychologischer Behandlung, um Erlebtes besser verarbeiten zu können. Als sie in den Fahrstuhl eines medizinischen Zentrums der amerikanischen Armee einsteigen ahnen sie noch nicht, welch Unheil ihnen blühen wird. Der Lift bleibt stecken und die drei Ex-Soldaten geraten in Panik …
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Kritik

 
 
 
ACHTUNG: Kritik beinhaltet einige SPOILER!
 
 
 
Wenn drei Menschen in einen Fahrstuhl einsteigen und überraschend stecken bleiben passiert eigentlich oft das, was der Filmfan bereits aus Streifen wie ELEVATOR oder DEVIL kennt. Meist geraten die Fahrgäste in Panik, die Situation spitzt sich zu und die Steckengebliebenen wollen nur noch eines: raus. Ganz neu ist die Geschichte von EVENT 15 demnach nicht, denn auch hier folgt das Geschehen der gleichen Panikmacherei, die man bereits in ähnlichen Filmen gesehen hat. Damit der Thriller aber länger in Erinnerung bleibt streut Regisseur MATTHEW THOMPSON Gesellschaftskritik in die Handlung. So hat der Zuschauer nach Sichtung noch etwas Zündstoff um über Gesehenes diskutieren zu können. Das Posttraumatische Stress-Syndrom von Soldaten wird in EVENT 15 zum Thema gemacht. Für viele von denen beginnt die eigentlich Aufarbeitung des Erlebten erst dann, wenn sie nach dem Krieg nach Hause zurückkehrt sind und versuchen müssen, das bisher gewohnte Leben fortzuführen. Schenkt man den Studien glauben sterben mehr ehemalige Kriegsteilnehmer durch Selbstmord, als im aktiven Kriegsgeschehen, weil psychologische Unterstützung allein nicht mehr ausreicht, um die schrecklichen Kriegserlebnisse verarbeiten zu können. Ein schwerwiegendes Problem, dem bisher nur wenig Beachtung geschenkt wurde, das aber zunehmend an Brisanz gewinnt. Umso lobenswerter, dass sich MATTHEW TOMPSON der Problematik angenommen und darüber einen Film gedreht hat. Ob die Umsetzung in Form eines Psycho-Thrillers jedoch gut überlegt gewesen ist bleibt fraglich, denn sein EVENT 15 benutzt die heikle Traumathematik nur als Alibi-Funktion, um daraus einen reißerischen und teils auch abstrusen Psychotrip zu zaubern.
 
Die Geschichte von EVENT 15 handelt von den Soldaten White (JENNIFER MORRISON), Diego (STEPHAN RIDER) und Oldsman (JOSH STEWART), die soeben von einem Einsatz im Nahen Osten zurückgekehrt sind und dort Schlimmes erlebt haben. In einem medizinischen Zentrum der amerikanischen Armee sollen nun deren psychische Belastungsstörungen mit Pharmazeutika und Therapiesitzungen behandelt werden. Als wäre das für die drei nicht alles schon belastend genug, bleibt der Lift des Gebäudes stecken und die ehemaligen Rekruten erfahren aus der Gegensprechanlage, dass sich die Stadt soeben im Ausnahmezustand befindet. Washington D.C. wurde Ziel eines nuklearen Terroranschlags und elektrische Gerätschaften funktionieren nicht mehr. Als den drei Soldaten auch noch von einer Wolke mit radioaktivem Gas berichtet wird, die sich in rasender Geschwindigkeit dem Gebäude nähert, bricht unter den Steckengebliebenen Panik aus. Vor allem Oldsman bereitet Probleme. Der Einzelgänger stößt schnell an seine psychischen Grenzen. Die traumatischen Erfahrungen im Krieg haben ihn zu einer unaufhaltsamen Killermaschine werden lassen, die für die beiden anderen Gefangenen zur tödlichen Gefahr wird.
 
Auch wenn die ernstzunehmende Problematik vom Kriegstrauma bei Ex-Soldaten im Falle von EVENT 15 etwas sehr geschmacklos anmuten will, wurde der Streifen zumindest handwerklich durchaus souverän umgesetzt. Die Handlungspalette ist aufgrund des beschränkten Settings enorm eingeschränkt. Dennoch schafft es Macher MATTHEW TOMPSON ein ziemlich bedrückendes Gefühl zu entwickeln, das zusätzlich durch die Enge des Liftes und die bewusst in grau-braun gehaltene, sterile Optik verstärkt wird. Die anfängliche Panik schaukelt sich in Rage, wobei mit Soldat Oldsman auch noch ein höchst aggressiver Zeitgenosse ins Drehbuch gekritzelt wurde, der mit JOSH STEWART erschreckend beängstigend besetzt ist. Der verhält sich alles andere als normal, sorgt für Konflikte innerhalb der ohnehin schon verängstigten Gruppe und offenbart mehr als deutlich, dass ihn das Krieggeschehen nachhaltig geprägt hat. Für ihn hat sich Gewalt als Mittel zum Zweck entwickelt, um selbst einfach Konflikte schnell lösen zu können. Das bekommen die Übrigen am eigenen Leib zu spüren, denn schnell kommt ein Messer zum Einsatz, das die angespannte Situation eskalieren lässt. Leider ist die Auflösung des gesamten Treibens schon mehr als makaber und angesichts aktueller Geschehnisse als äußerst fragwürdig zu betiteln. Hinter dem Ganzen steckt das amerikanische Militär, das die traumatisierten Kriegsheimkehrer für ein Experiment missbraucht. Natürlich gibt es keinen Terroranschlag und auch die radioaktive Gaswolke wird durch harmlosen Qualm simuliert. Als die Situation außer Kontrolle gerät sollen die unfreiwilligen Probanten getötet werden. Dass Sympathieträgerin White am Ende überlebt und die Machenschaften der Enrichtung an die Öffentlichkeit bringen will überrascht da wenig, schließlich sucht man in EVENT 15 ganz oft nach Glaubwürdigkeit, die STEWART in seinem klaustrophobischen Suspense-Ding etwas arg vernachlässigt hat.
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Beklemmend klaustrophobisches Kammerspiel in der Machweise von DEVIL, CUBE und ELEVATOR. Die kontroverse Ausgangssituation von Posttraumatischem Stress bei Kriegsheimkehrern wird in EVENT 15 (der in Frankreich als TRAUMA und in den USA als ALPHA vermarktet wird) nur als Alibi-Funktion genutzt, um einen reißerischen Psycho-Thriller an den Filmfan zu bringen. Technisch ist das Ding ganz ordentlich umgesetzt und trotz teilweise unglaubhaften Handlungssträngen relativ kurzweilig geraten. Wem was an klaustrophobischen Trillern liegt wird hier ganz solide unterhalten. Fans stumpfer Gewalt kommen dagegen nicht auf ihre Kosten, denn EVENT 15 beschäftigt sich eher mit der Psyche seiner Protagonisten.
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Zensur

 
 
 
In EVENT 15 gibt es keine Gewalt zu sehen. Außer einen Messerangriff bekommt man hier nix brutales vor die Linse. Demnach kann mit großer Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass EVENT 15 hierzulande ungeschnitten mit FSK16 in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

EVENT 15 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Elevator (2011)

Panic Button (2011)

 
ATM (2011)
 
Devil (2010)
 
Cube (1997)
 
Cube 2 (2002)
 


Filmreview: “In Fear” (2013)

in-fear-2013
 
 
 

IN FEAR

Story

 
 
 
Tom und Lucy daten sich seit einiger Zeit und sind bis über beide Ohren ineinander verschossen. Leider erleitet die zuckersüße Turtelei einen herben Niederschlag, als sich die beiden in der ländlichen Einöde Irlands verfahren und anfangen zu streiten. Als dann das Paar auch noch von einem maskierten Irren verfolgt wird, steht die frische Beziehung vor einer harten Bewährungsprobe …
 
 
 


 
 
 

IN FEAR – Kritik

 
 
 
Auch wenn die neuste Elektronik das Leben oft erheblich erleichtert, ist es manchmal besser sich nicht allzu sehr auf den hochmodernen Kram zu verlassen. Im Horrorfilm zum Beispiel passiert es nämlich ständig, dass just in Momenten der Gefahr Telefon und Internet versagen und das Opfer dumm aus der Wäsche schaut, weil es keine Hilfe anfordern kann. Unsere beiden Protagonisten im Gruselfilm IN FEAR haben mit dem ganzen Hightech-Schnickschnack ebenso wenig Glück. Die hatten gerade in einem Pub mit ein paar Einheimischen Ärger und befinden sich nun auf dem Weg zu einem irländischen Musikfestival, wo sie sich mit guten Freunden treffen wollen. Lucy (ALICE ENGLERT) ist schon ganz aufgeregt, aber Freund Tom (IAIN DE CAESTECKER) hat vorerst andere Pläne, schließlich gilt es das zweiwöchige (!) Bestehen der noch frischen Beziehung zu feiern. Ein kuscheliges Zimmer in einem Hotel fernab der Straße soll das Ereignis besonders machen. Doch der Weg dahin will sich einfach nicht finden lassen. Eine Karte hat man nicht eingepackt und das Navigationssystem fällt in der trostlosen Einöde ganz unerwartet aus. Schon bald stellen die Frischverliebten fest, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Fahrt hat kein Ziel, weil man immer nur im Kreis düst und ein maskierter Mann scheint Gefallen daran gefunden zu haben, ahnungslose Städter zu Tode zu ängstigen. Als dann auch noch das Benzin knapp wird, ist guter Rat teuer.
 
(Er)Schrecken am laufendem Band: Filmfans, die ohnehin schon ihre Problemchen mit der Pumpe besitzen, sollten den vorliegenden IN FEAR möglichst meiden, denn in diesem finsteren Horrortrip werden die Helden nahezu minutiös von unerwarteten Überraschungen aus dem Dunkel der Nacht heimgesucht. Wie der Titel bereits verrät, hat sich der TV-erprobte JEREMY LOVERING der Angst verschrieben. Die Inspiration zum Film kam dem Regisseur bei Dreharbeiten zu einer Dokumentation in Sligo (nördliches Irland), wo er von den Einheimischen an der Nase herumgeführt wurde. Die hatten die Beschilderung des Ortes verändert, so dass LOVERING immer wieder zu einem nahe liegenden Pub gelotst wurde und kurz davor war den Verstand zu verlieren. Geschwind kam ihm die Idee von der Urangst-Problematik in den Sinn – der Angst vor Dunkelheit und der damit verbundenen Orientierungslosigkeit. Die erleben IAIN DE CAESTECKER und ALICE ENGLERT auf ziemlich authentische Weise, denn den Schauspielern wurde bei den Dreharbeiten so einiges abverlangt. Ein Drehbuch gab es für die beiden nicht. Sie erhielten lediglich Anweisungen am Tag des Drehs. Das bescherte maximales Adrenalin und authentische Angstschreie, da die Schauspieler nie wussten, was ihnen am aktuellen Drehtag blühen wird. Schaut man im Film etwas genauer hin, wird das mehr als einmal deutlich. Viele der gut platzierten Schocks kommen ganz unerhofft und zerren am Nervengerüst – nicht nur beim Zuschauer. Leider findet die anfänglich gute Vorangehensweise mal wieder eine unerwartete Wendung. Wie es im Horrorfilm nämlich üblich ist, muss ein obligatorischer Twist her. Aus unheimlichem Mystery wird bedrückendes Terrorkino, das sich vorwiegend in der zunehmend klaustrophobischen Enge von Toms Auto abspielt. Das verliebte Paar gabelt einen verletzten Fremden auf einer kaum befahrbaren Landstraße auf, der sich selbstverständlich wenig später als kranker Psychopath entpuppt und es nur auf das möglichst hinterlistige Ermorden der ahnungslosen Durchreisenden abgesehen hat. LOVERING selbst gibt zu zuvor Streifen wie FUNNY GAMES, THE HITCHER und BURIED studiert zu haben, um seinen Erstling möglichst intensiv angsteinflößend und unangenehm klaustrophobisch in Szene setzen zu können. Der Ideenklau hat gut funktioniert, denn den spielerischen Umgang mit den Konventionen des modernen Horrorfilms beherrscht der Filmemacher ziemlich souverän. Das Spielfilmdebüt glänzt mit anhaltend bedrohlicher Atmosphäre und ziemlich gemeinen Schocks, die den Genrefan einmal mehr spüren lassen, warum sich der Horrorfilm immer noch großer Beliebtheit erfreut. Zwar ist IN FEAR nicht sonderlich brutal; ertönt dann jedoch erst einmal der aggressiv-pumpende Bass während die Protagonisten in Panik durch den Wald flitzen, ist das weitaus verstörender als literweise Filmblut und Kunstgedärm.
 
 
 


 
 
 

IN FEAR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
BLAIR WITCH PROJECT meets THE HITCHER. Schlichter, aber hochgradig verstörender Schocker, der dem Zuschauer mal wieder vor Augen hält, dass Genre-Werke nicht immer zwangsläufig nur in Blut ersoffen werden müssen. Loverings IN FEAR führt den Filmfreund zu den Wurzeln des Horrorfilms zurück. Seit nämlich ultra-harte Gewaltgurken unentwegt in den Heimkinos rotieren, ist das eigentlich Ziel von Horrorfilmen in Vergessenheit geraten. Regisseur JEREMY LOVERING holt die angestaubten Tugenden des Horrorfilms zurück auf die Leinwand und versucht es mal wieder mit der altmodischen Art: Dem Angst einjagen. Er macht die menschlichen Urängste zum Thema seines Streifens und ist dabei sogar noch recht gut darin. Zwar gibt’s trotzdem den obligatorischen Twist kurz vor Ende, bis dahin dreht LOVERING ziemlich geschickt an der Schock- und Spannungsschraube – ganz so wie einst die Altmeister des modernen Genrefilms. Gut gemacht!
 
 
 


 
 
 

IN FEAR – Zensur

 
 
 
IN FEAR setzt vermehrt auf Angst und Schocks, hält sich aber mit Gewalt weitestgehend zurück. Das hat dem Horrorfilm hierzulande eine ungeschnittene FSK 16 eingebracht.
 
 
 


 
 
 

IN FEAR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
in-fear-blu-ray

(c) Studiocanal

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: In Fear; Großbritannien (2013)

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 21.08.2014

 
 
 

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IN FEAR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hitcher (1986)
 
Blair Witch Project (1999)
 
Funny Games (1997)
 
Joyride – Spritztour (2001)
 
Jeepers Creepers (2001)
 


Filmreview: “Home Invasion” (2012)

home invasion 2012
 
 
 

HOME INVASION

Story

 
 
 
Nicole hat kein leichtes Los gezogen. Erst bricht man bei ihr ein, danach läuft in ihrem Leben alles drunter und drüber. Ganz unbegründet sind die privaten Tiefschläge nicht, werden sie doch von der schönen Jade inszeniert, die sich für den Mord an ihren Einbrecherfreund rächen will, den Adoptivmutter Nicole in Notwehr erschossen hat …
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder erstaunlich zu welch hirnrissigen Aktionen Menschen in Horrorfilmen fähig sind, wenn sie sich unter fadenscheinigen Gründen in rachsüchtige Psychopathen verwandeln “müssen”. Bei Jade (HAYLIE DUFF) zum Beispiel brennen die Sicherungen durch, weil ihr Lover schlicht und einfach zu blöd zum Einbrechen war. Der lauert gemeinsam mit seinem Kumpel der ahnungslose Nicole (LISA SHERIDAN) auf, die von den zwei Gaunern in den heimischen vier Wänden überfallen wird. Kohle ist dem Kleinkriminellen Will (TAYMOUR GHAZI) zu wenig, so dass er gleich erstmal am Opfer herumfingern muss. Das findet im Geldtresor eine Waffe, drückt den Auslöser und schießt wild um sich. Leider hat sie dabei ausgerechnet den grabschenden Langfinger erwischt, der eine neunmalkluge Groupie-Freundin trauernd zurücklässt. Die ist selbstverständlich unglaublich sauer über den schmerzlichen Verlust und schwört grausige Rache, weil sie scheinbar sonst nichts anderes in ihrem Leben zu tun hat. Leider ist Jade aber nicht gerade die hellste Kerze auf dem Kuchen, denn ihr hundsgemeines Rachespiel führt nur selten zum Erfolg. Mit unbeholfenen Intrigen will sie der sympathischen Nicole das Leben vermiesen, schleicht sich in ihr Leben und stiftet lächerliches Chaos.
 
Ja, wir sind hier im TV, denn bei diesem Film handelt es sich um hastig heruntergekurbeltes Fernsehmaterial ohne Nachdruck und Tiefgang. HOME INVASION nennt sich das Trauerstück, dass mit vielversprechendem Titel lockt und gar reißerische Horrorfilme Revue passieren lässt, die in jüngster Vergangenheit dank der titelgebenden Problematik zu Ruhm gekommen sind. Doch von kontroversen Machwerken wie KIDNAPPED, FUNNY GAMES oder IN THEIR SKIN ist das vorliegenden Fernsehsüppchen weit entfernt. Unbequemes Terrorkino und kaltschnäuzige Brutalitäten sucht man hier vergebens. Verwunderlich ist das natürlich nicht, will man ja schließlich kleine Grünschnäbel nicht um den wohlverdienten Schlaf bringen, die da zusammen mit den Eltern neugierig im TV-Vorabendprogramm durch die Kanäle zappen und bei HOME INVASION hängen geblieben sind. Für eingefleischte Horrorfans ist HOME INVASION mit Sicherheit eine Lachnummer. Gewalt ist fast nicht vorhanden, der Unterhaltungsfaktor gleich null und wirklich böse will der Film mit der irreführenden Titelkreation auch nicht werden. So reicht es letztendlich aus, wenn man sich den taktisch unklug geschnittenen Trailer anschaut, der praktisch den gesamten Film in knapp zwei Minuten zusammenfasst. Auch wenn man die Trailermacher für eine derartige Dummheit bestrafen müsste, hat das Werbefilmchen auch etwas Gutes, schließlich spart man sich so kostbare Lebenszeit, die man in die Sichtung weitaus wichtigerer Horrorfilme investieren kann.
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Ermüdender Psycho-Thriller, der aufgrund fehlender Gewaltmomente und null Suspense im Kinderkanal vermutlich besser aufgehoben wäre. Es ist unverschämt mit welch irreführenden Titeln Filmemacher die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewinnen wollen. HOME INVASION ist ein unspektakulärer TV-Event, der sich dem Stalker-Subgenre bedient und eigentlich kaum Daseinsberechtigung besitzt. Mit Home-Invasion-Horrorfilmen hat dieser Streifen rein gar nichts am Hut und dürfte vermutlich nicht einmal Kindern ein müdes Lächeln entlocken können.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Zensur

 
 
 
Die Mogelpackung HOME INVASION dürfte, insofern sie in Deutschland einen Rechteinhaber finden sollte, problemlos ab 16 Jahren freigegeben werden, denn Gewalt ist in diesem Film kaum vorhanden.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
In their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 


Filmreview: “Nurse 3D” (2013)

Nurse 3D 2013
 
 
 

NURSE 3D

Story

 
 
 
Abby (Paz de la Huerta) ist ein ganz böses Mädchen. Sie arbeitet tagsüber als Pflegerin in einem Krankenhaus und schlüpft am Abend in die Rolle der kaltblütigen Rächerin, deren Lebenssinn darin besteht gerissene Ehebrecher in den Tod zu treiben …
 
 
 


 
 
 

NURSE 3D – Kritik

 
 
 
Was zeichnet eine gute Krankenschwester aus? Natürlich Diskretion, Einfühlungsvermögen und fachliche Kompetenz. Da wir auf FILMCHECKER jedoch ausschließlich böse Machwerke besprechen dürfte wohl nahe liegen, dass solche Qualifikationen in Genrefilmen wohl eher nebensächlicher Natur sind. Hier zählt stattdessen Optik, Kampfgeist und Überlebenswillen, passiert es doch im Horrorfilm nicht selten, dass männliche Protagonisten fleißigen Krankenschwestern eher an Wäsche oder Kehle wollen, als sich von ihnen fachgerecht untersuchen zu lassen. NURSE 3D heißt der neue Krankenhaus-Horror Made in Amerika, der schon seit geraumer Zeit Werbung mit nackten Tatsachen betreibt. Schauspielerin und Model PAZ DE LA HUERTA (ENTER THE VOID) hat sich nämlich nicht nur für das Filmplakat nackig gemacht; sie scheint auch im Film keinerlei Hemmungen davor zu haben textilfrei vor der Kamera zu posieren. Groteskerweise trägt sie dabei aber stets hochhackige High Heels – vermutlich, um sich nicht ganz so nackt zu fühlen.
 
PAZ DE LA HUERTA spielt hier die begehrte und charismatische Abby, die eine feindselige Haltung gegenüber Männern besitzt und sich hauptsächlich für die Belange betrogener Frauen einsetzt. Selbige scheinen oftmals gar nicht zu wissen, welch widerwärtiges Spiel der Gatte hinter dem Rücken der Liebsten veranstaltet, wenn die brave Ehefrau tagsüber ihrer Arbeit nachgeht. So lässt die selbsternannte Richterin stets im richtigen Moment ihre Reize spielen und erreicht dabei immer, dass der schwarzen Witwe die Männer wie Fliegen ins Netz gehen. Im Namen aller Frauen wird dann nach Lust und Laune gerichtet. Da wird hier ein Unfall inszeniert, dort ein Mann vom Dach eines Hochhauses geschubst, als wäre es in dieser Welt selbstverständlich Ehebrecher mit dem Tod zu bestrafen. Doch auch böse, herzlose Mädchen sind nicht vor Amors Liebespfeil sicher. Der trifft Abby just in jenem Moment, als der gemeingefährlichen Serienkillerin die schöne Danni (KATRINA BOWDEN) über den Weg läuft. Die ist noch recht neu im Schwestern-Beruf und klammert sich an die taffe Abby ohne zu wissen, dass ihre neue beste Freundin eine ziemlich kranke Psychopathin ist.
 
Es gibt Horror-Themen, die wiederholen sich immer und immer wieder. NURSE 3D ist blutiger Psychopathen-Horror, der sich der beliebten Rezeptur vom vermeintlich liebenswerten Mädel bedient, hinter deren friedliebender Fassade sich das abgrundtief Böse versteckt. Filme wie ONE HOUR PHOTO (2002), das versemmelte STEPHFATHER-Remake (2009) oder der Teenie-Thriller FEAR mit MARK WAHLBERG aus dem Jahre 1996 haben mal mehr mal weniger packend bebildert, dass sich selbst hinter dem unschuldigsten Gesichtlein, dass personifizierte Böse verstecken kann und es oftmals weder Maske oder Schlachtwerkzeug bedarf, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Trotz manchmal wirklich gruselig umgesetzter Thematik – Filme über schizophrene Irre, die geheimnisvolle Doppelleben führen, gibt es mittlerweile zu Genüge. Das neue Werk von Regisseur DOUGLAS AARNIOKOSKI revolutioniert das Psychopathen-Genre in keiner Weise, besitzt aber gut durchdachte Wendungen, ein sauber geschriebenes Drehbuch und viel Gore und Splatter, damit sich der Horrorfan zufrieden in seinen Filmsessel lehnen kann.
 
NURSE 3D folgt selbstverständlich den gleichen Regeln wie all die anderen Streifen dieser Filmgattung. Da geschehen allerhand mysteriöse Morde, deren Aufklärung irgendwie niemanden so wirklich interessieren will. Der Heldin wir eine neue mysteriöse Freundin zur Seite gestellt, deren Geheimnis es gilt aufzudecken. Die kleidet sich zwar hin und wieder auffallend erotisch, spricht aber seltsamerweise nie von und über ihre männlichen Liebschaften. Warum wird schnell klar, denn die eigensinnige Fremde hat nur Augen für die Heldin der Geschichte, die sich bald etwas arg bedrängt von den Annäherungsversuchen und Eifersüchteleien der ihr sympathischen Kameradin fühlt. Wie es bei Psychopathen üblich ist, sind die Beweggründe für das komische Verhalten in der Kindheit zu suchen, schließlich wird abnormales Handeln im Horrorfilm stets mit quälenden Traumata gerechtfertigt. Was folgt ist das obligatorische Horror-Einerlei: Das Doppelspiel der Psychopathin wird entlarvt, die Bloßgestellte verliert den Bezug zur Realität und richtet ein derbes Massaker an.
 
Während anfänglich nur Ehebrecher den Filmtod sterben müssen, sticht die schizophrene Abby am Ende wahllos und beliebig zu. Die Unschuldigen müssen dran glauben und sowohl Patienten als auch Ärzte werden auf gar blutreiche Weise in den Filmhimmel transportiert. Ein reißerischer 3D-Effekt unterstreicht hierbei den Spaßfaktor, denn wenn Blut dreidimensional von der Leinwand tropft, freut sich das Horrorherz. Ähnlich wie im Slasher-Neuaufguss zu MY BLOODY VALENTINE (2009) fliegen dem Horrorfan die Mordwerkzeuge in NURSE 3D sprichwörtlich um die Ohren. In Kombination mit allerhand greifbar nackter Tatsachen wird der Horror-Thriller zumindest für den männlichen Genrefreund zu einer spaßigen Angelegenheit. Leider schmälert die platte 2D-Variante die Freude am Horror erheblich. Denn was der dreidimensionale Schabernack geschickt zu kaschieren versteht, wirkt ohne 3D-Brille billig und unfertig. Hier verliert das blutige Massaker einen Teil seiner reizvollen Wirkung, denn die meisten der harten Effekte kommen aus dem Computer und erinnern in ihrer Machart an das Pixelgewitter aus der trashigen WRONG TURN-Reihe.
 
Auch wenn Splatter ausreichend vorhanden aber etwas an Qualität missen lässt und die Geschichte von der geheimnisvollen Psychopathin nicht gerade vor Innovationen und Ideenreichtum strotz, sei NURSE 3D allen Fans böser Filme ans Herz gelegt. Die Klischees über Krankenhäuser und dessen Personal werden in AARNIOKOSKIS Psycho-Splatter-Ding derart überspitzt durch den Kakao gezogen, dass man das ganze Szenario trotz Abbys blutreichen Racheakte partout nicht ernstnehmen kann. Hier tragen Krankenpflegerinnen ausschließlich Strapse, Pumps und knappe Uniformen bei der Arbeit und der untersetzte Chefarzt baggert grundsätzlich attraktive Kolleginnen an und hat damit auch noch Erfolg. Man sollte über die ganzen pubertären Dummheiten des Films nicht nachdenken, denn hohe Filmkunst will NURSE 3D auch nicht sein. Apropos Filmkunst: Es bedarf schon ein gewisses Können einen Film zu drehen, den man so schon dutzende Male gesehen hat und der sich den typischen Stereotypen, Klischees und Regeln des modernen Horrorkinos bedient, ohne dabei überhaupt eine Minute langweilig zu sein. NURSE 3D hat keinerlei Längen, was aufgrund der austauschbaren und überraschungsarmen Handlung schon als Kunststück zu bezeichnen ist.
 
Natürlich gelingt der Antagonistin am Ende die Flucht und der Film endet mit Hoffnung auf Nachschub. Ein solcher Abschluss dürfte nach scheinbar endlosen Horror-Serien wie der legendären FREITAG DER 13.-Reihe vermutlich keinen Filmfan mehr wundern, gehört es doch mittlerweile zur Gesetzmäßigkeit im Horrorbereich, dass das Böse am Ende überlebt um startklar für Runde zwei sein zu können. Im Fall von NURSE 3D wäre es auch fatal gewesen jene Regeln zu brechen. Denn Schauspielerin PAZ DE LA HUERTA hat mit ihrer Verkörperung der psychopathischen Abby einen wirklich göttlich kultigen Filmkiller geschaffen. Wir warten schon ganz geduldig auf die Fortsetzung …
 
 
 


 
 
 

NURSE 3D – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
In NURSE 3D wird dem Zuschauer vor lauter Splatter und sexy Kurven ganz schwindelig. Hier sieht eine Krankenschwester rot, die sich dreidimensional mit Skalpell und Tupfer durch das Fleisch skrupelloser Ehebrecher arbeitet. Männer werden in NURSE 3D zu primitiven Begattungsmaschinen deklariert, deren Jagd- und Sammlertrieb immer dann groteske Ausmaße findet, wenn sich die weiblichen Protagonisten des Streifens ihre Arbeitsuniformen überstreifen. Die erfüllt natürlich nicht den Zweck für den sie eigentlich gedacht ist, sondern dient nur als sexy Accessoires, um die weiblichen Proportionen besser in Szenen zu setzen. Bei soviel purer Erotik empfehlen wir vor Sichtung genügend eisgekühlte Getränke bereitzustellen. Die sind auf jeden Fall hier unabdinglich, denn NURSE 3D ist mit Abstand der heißeste Horrorschocker seit Jahren.
 
 
 


 
 
 

NURSE 3D – Zensur

 
 
 
NURSE 3D fängt harmlos an und steigert sich in Sachen Härte konsequent. Am Ende verteilt sich das pixelige Blut recht großzügig über die Leinwand, so dass NURSE 3D hierzulande von der FSK die höchste Freigabe erhalten hat. NURSE 3D ist mit dem roten KEINE JUGENDFREIGABE-Sticker in den Handel gekommen.
 
 
 


 
 
 

NURSE 3D – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Amaray – UNIVERSUM FILM

 
 
 
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(c) Limitiertes Steelbook – UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Nurse 3D; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, limitiertes Steelbook

Extras: Making of Featurettes, Originaltrailer, Audiokommentar des Regisseurs, Trailershow, 3D-Version

Release-Termin: 10.10.2014

 

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NURSE 3D – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
Misery (1990)
 
One Hour Foto (2002)
 
Swimfan (2002)
 
Obsessed (2009)
 
The Roommate (2011)
 
Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (2007)
 
Eine verhängnisvolle Affäre (1987)


Filmreview: “Flowers in the Attic” (2014)

Flowers-in-the-Attic-2014-Lifetime
 
 
 

FLOWERS IN THE ATTIC

Story

 
 
 
Die geldgeile Corrine (Heather Graham) sperrt ihre vier Kinder jahrelang auf dem Dachboden der Großeltern ein, damit sie die Zuneigung und das Vertrauen des eigenen Vaters zurückgewinnen kann. Der liegt im Sterben und hat seine Tochter aus dem Nachlass gestrichen hat, weil die vor Jahren dessen Halbbruder geheiratet hat …
 
 
 


 
 
 

FLOWERS IN THE ATTIC – Kritik

 
 
 
Im TV tut sich was, vor allem in den USA, wo Serien nicht selten Kinoqualität erreichen und oftmals sogar erfolgreicher sind, als manch teurer Blockbuster im Lichtspielhaus. Einige prominente Leinwandsternchen scheinen den Trend erkannt zu haben und lassen sich hin und wieder dazu verleiten, parallel zu ihren Kinoproduktionen auch mal in unbedeutenden Fernsehfilmen und TV-Serien aufzutreten, schließlich sind so kleine Gastrollen im anspruchslosen Trivial-TV recht lukrative Geldquellen. HEATHER GRAHAM macht’s nun auch und verkörpert mal nicht das kleine, heiße Püppchen, das das männliche Publikum vor allem in Werken wie BOOGIE NIGHTS (1997), KILLING ME SOFTLY (2002) und HANGOVER (2009) mit sexy Kurven vernebeln konnte. Fürs Fernsehen distanziert sich die GRAHAM mal vom auf dem Leib geschriebenen Hot-Girl-Image und schlüpft stattdessen in die Rolle einer geldgeilen Mutter, die zugunsten von Wohlstand und Luxus das Leben der eigenen Kinder in Gefahr bringt. FLOWERS IN THE ATTIC heißt das Gruselstück und ist nun bereits schon die zweite Verfilmung des gleichnamigen Besteller-Romans von VIRGINIA CLEO ANDREWS. Der wurde nämlich schon einmal im Jahr 1987 ins Kino gebracht und hierzulande unter der Titelneuschöpfung BLUMEN DER NACHT ausgewertet.
 
Im Film geht es um Mutter Corrine (HEATHER GRAHAM), die zusammen mit ihrem Mann und den vier gemeinsamen Kindern ein Leben wie im Bilderbuch führt. Leider gerät die heile Welt recht schnell aus den Fugen, als Vater Christopher bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Nun ist guter Rat teuer, denn der hohe Lebensstandard soll ja schließlich beibehalten werden. Weil Geld im Leben nun mal wichtig ist, zieht die junge Witwe mit den Kids zu den wohlhabenden Eltern in ein riesiges Anwesen. Corrine hat nämlich erfahren, dass ihr Vater im Sterben liegt und ein üppiges Testament zu Papier gebracht hat. Leider wurde die habgierige Tochter aus dem Erbe gestrichen, weil sie einst des Vaters Halbbruder geheiratet hat. Damit sie das Vertrauen des bald Sterbenden zurückgewinnen kann, werden die Kinder gezwungen auf dem Dachboden zu hausen, weil der Vater nichts vom Nachwuchs wissen darf. Unter dem strengen Regime der dominanten Großmutter vergehen Monate ohne Kontakt zur Außenwelt. Als die einst regelmäßigen Besuche von Mutter Corrine plötzlich ausbleiben und die Kinder aus unerklärlichen Umständen krank werden, ahnen die Kids, dass ihre Mutter ein ganz böses Spiel mit ihnen spielt.
 
Nach amerikanischen Sendern wie AMC, CHILLER oder SHOWTIME glänzt nun auch US-Kanal LIFETIME durch Selbstgebasteltes, das sich souverän ins Ausland verkaufen lassen dürfte. Auch wenn sich für Kenner der Originalverfilmung und des vielverkauften Buches mal wieder nicht der Grund für diesen Neuaufguss erschließen lässt, überrascht doch die kurzweilige Erzählweise, die dem Fan düsterer Psychothriller einige packende Minuten verspricht. Die unangenehme Problematik ist der Grund, denn die schafft es den Zuschauer direkt in ihren Bann zu ziehen. Bereits Filme wie JACK KETCHUM’S EVIL (2007), AN AMERICAN CRIME (2007) oder THE AFFLICTED (2010) haben auf recht zweifelhafte Weise Verbrechen innerhalb der Familie zum Thema gemacht, wobei jene Filme mit ihrer teils sehr schroffen Zurschaustellung menschlicher Abgründe in Form von abstoßender Gewalt für ein eher genreverliebtes Publikum angedacht waren. Das Remake zu FLOWERS IN THE ATTIC hält sich da dezent zurück und setzt vermehrt auf subtile Psychoquälerei, die vor allem von Großmutter Olivia (grandios beängstigend verkörpert von ELLEN BURSTYN) in Form von Demütigungen, boshafter Verachtung und religiösem Fanatismus gegenüber den vier liebreizenden Kindern eingesetzt wird, welche von ihr hasserfüllt als die „Ausgeburten des Teufels“ bezeichnet werden. Mutter Corrine scheint in ihrer Kindheit eine äußerst strenge und diktatorische Erziehung genossen zu haben, die sie nun ein weiteres Mal durchleben muss, scheut doch die Großmutter nicht davor die Tochter vor den Augen ihrer vier Kinder abschreckend bloßzustellen.
 
HEATHER GRAHAM spielt hier mal was ganz anderes. Die knappe Strip-Uniform hängt sie kurzum an den Nagel, bürstet das Haar akkurat und zwängt sich mit ihren (kleinen) Schauspielkollegen in fast schon biedere 1950er Klamotten. Mit fast schon schrulligem Overacting spielt sie hier eine herzlose Mutter, die sich im Verlauf des Streifens von der sorgenden Schutzbefohlenen zur habgierigen Schmuckelster verwandelt. Im Unterschied zur Erstverfilmung von JEFFREY BLOOM hält sich die aktuelle Adaption etwas präziser an den düsteren Roman, mit welchem VIRGINIA CLEO ANDREWS im Jahre 1979 ihr Debüt feierte und letztendlich auch den Beginn ihrer fünfteiligen FOXWORTH SAGA einläuten konnte. Das Buch sorgte seinerzeits vor allem der Thematisierung von Inzucht und Sadomasochismus wegen für reichlich Gesprächsstoff, schließlich wird hier eine inzestuöse Entwicklungen zwischen den älteren Geschwistern beschrieben, die sich im Rahmen ihres sexuellen Reifeprozesses und der jahrelangen Gefangenschaft auf dem Dachboden Schritt für Schritt näher kommen. Leider wird der Tabubruch ebenso wie in der BLOOM-Verfilmung mit eher zurückhaltender Distanz betrachtet, was mal wieder daher rührt, weil man derart heikle Themen natürlich nicht so ungeniert im amerikanischen TV abhandeln kann, schließlich handelt es sich bei FLOWERS IN THE ATTIC um einen Fernsehfilm für die ganze Familie. Dennoch funktioniert der Psychotrip gerade aufgrund seiner fast schon zwanghaften Zurückhaltung bebilderter Tabubrüche. Gewalt passiert wenn nur im Off und die Liaison zwischen Bruder und Schwester wird mit fast schon kindlicher Naivität in zaghafte Bilder getaucht. Unterm Strich ist FLOWERS IN THE ATTIC kein dummes Filmchen und das trotz mangelndem Mord und Totschlag. Die Kulisse ist zermürbend und die kleinen Jungdarsteller meistern ihre Sache souverän. Zwar lässt sich die GRAHAM recht selten sehen, dafür sorgt aber Großmutter Olivia für Zucht und Ordnung. Betritt die nämlich den Raum sinkt die Temperatur rapide unter die Nullgradgrenze.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS IN THE ATTIC – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Romanverfilmung die Zweite: Bereits zum wiederholenden Male wird der Besteller-Roman FLOWERS IN THE ATTIC für den lesefaulen Suspense-Fan für die Mattscheibe aufbereitet. Im Gegensatz zur Adaption aus dem Jahre 1987 hält sich das von DEBORAH CHOW fürs amerikanische TV gedrehte Remake weitaus genauer an die Buchvorlage. Gruselstimmung ist garantiert, vor allem dann, wenn ELLEN BURSTYN als boshafte Großmutter den Dachboden betritt, um die eingesperrten Kinder zu bestrafen. Trotz guter Ansätze erreicht FLOWERS in THE ATTIC nicht einmal annähernd die Kontroverse, welche seinerzeits der Roman verursacht hat. Der Film ist schick gefilmt, spannend inszeniert und überrascht durch wirklich gute Schauspieler (KIERNAN SHIPKA als ältere Schwester Cathy erinnert doch etwas arg an EMMA WATSON), hätte aber ein Müh mutiger und vor allem einen Tick ruppiger sein können. Da es sich hier aber um fürs TV gedrehte Unterhaltung handelt, muss man mit eher seichtem Gewaltpegel leben. Trotz allem gibt es aber mit FLOWERS IN THE ATTIC eine durchweg unheimliche und spannende Familientragödie zu sehen, die wie einst der Roman eine äußerst unangenehme Botschaft an den Zuschauer bringt, über die es lohnt im Anschluss zu diskutieren.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS IN THE ATTIC – Zensur

 
 
 
FLOWERS IN THE ATTIC ist ein fürs amerikanische TV gedrehter Psychothriller, mit dezenten Horrorelementen. Blut und derbe Gewalt gibt es hier nicht zu sehen. Das Grauen spielt sich hauptsächlich im Kopf des Zuschauers ab. Wird es dann doch einmal kurz unangenehm, blendet die Kamera weg. FLOWERS IN THE ATTIC wird in Deutschland vermutlich ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben werden.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS IN THE ATTIC – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
An American Crime (2007)
 
Another American Crime (2010)
 
Jack Ketchum’s Evil (2007)
 
Blumen der Nacht (1987)
 


Filmreview: “Mara – The Killer Inside” (2013)

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MARA – THE KILLER INSIDE

Story

 
 
 
Jenny (Angelica Jansson) muss ihr Trauma aufarbeiten. Als Kind musste sie miterleben, wie die depressive Mutter den Vater ermordet hat. Damit sie sich ihren Ängsten stellen kann, reist sie mit einigen Freunden zum Ort des Geschehens. Dort passieren jedoch bald seltsame Dinge. Liegt es daran, dass die Mutter in jüngster Vergangenheit aus der Anstalt entlassen wurde und nun zurückgekehrt ist. Oder sind die Ursachen hierfür wo ganz anders zu suchen?
 
 
 


 
 
 

MARA – Kritik

 
 
 
Es passiert nicht selten, dass sich der Filmfreund nach dem “Warum” fragt und unentwegt nach Antworten sucht, weshalb Filme wie MARA – THE KILLER INSIDE gedreht und sogar auf Blu-ray und DVD gepresst werden müssen. Der schwedische Low-Budget-Indie ist nämlich mal wieder so ein dreister Zeiträuber, der nix anderes zu bieten hat außer nervenzerfetzender Langeweile und viel Lärm um eigentlich nix. Man sollte sich nicht vom aufgebläht deutschen Titel irritieren lassen, denn der ist mal wieder so was von unglücklich gewählt, dass er dem Zuschauer schon einmal vorab vom überraschenden Filmtwist berichtet auf den MARA letztendlich hinauslaufen will. Okay, Butter bei die Fische. Man muss keine Horror-Leuchte sein, um bereits nach nur wenigen Minuten zu erahnen, wohin das Treiben im MARA führen wird. Die drei Macher AKE GUSTAFSSON, FREDRIK HEDBERG und JACOB KONDRUP haben hier einen rudimentären Grundplot zu Papier gebracht, der den Zuschauer irgendwie auf falsche Fährten locken soll. Leider scheitert es mal wieder an der vollkommen unspektakulären, lahmen und vor allem ideenlosen Machart, dass jedwede Überraschungsmomente im Keim erstickt werden. Da wird von einer psychisch labilen Mutter gefaselt, die den Gatten vor Ewigkeiten aus Eifersucht ermordet haben soll und anschließend Jahre in einer geschlossenen Anstalt verbringen musste. Seither leidet Tochter und Filmheldin Jenny (ANGELICA JANSSON) unter quälenden Angstzuständen und hat mit nahezu täglichen Albträumen zu kämpfen in denen sie allerhand blutiges Zeug erlebt. Um Erlebtes zu verarbeiten reist sie mit einigen Freunden zu genau jener Hütte in der sie als Kind dem grausamen Ereignis beiwohnen musste. Doof nur, dass plötzlich komische Dinge passieren und Jenny von der Entlassung der Mutter erfährt.
 
Wenn eine junge, hübsche Heldin Unmengen Pillen in sich hineinschaufelt weiß der geübte Horrorfilmseher, dass da meistens so einiges im Argen liegt. Und wenn die Protagonistin dann auch noch bei schummrigem Licht mit ihrem Psychologen plaudert, dürfte es wohl niemanden verwundern, wenn ein anfänglich hilfloses Opfer recht bald zum gemeingefährlichen Killer mutiert. Das schwedische Playboy-Model (ahja!) ANGELICA JANSSON spielt hier wenig glaubwürdig ein traumatisiertes Mädchen, das mit so einigen Erinnerungslücken zu kämpfen hat und den Zuschauer mit allerhand ungeschickten Flashbacks durch ein ereignisloses Filmchen quält. Vielleicht wäre es besser gewesen, die kühne Schönheit hätte sich auf das konzentriert, was sie auch wirklich gut kann – schauspielern gehört nämlich leider nicht dazu. Gleiches gilt ebenfalls für das Regie-Trio um AKE GUSTAFSSON, das MARA nicht nur gedreht und geschrieben, sondern auch gleich noch produziert hat. Trotz magerer Laufzeit von knapp über einer Stunde ist ihr Psycho-Ding immer noch viel zu lang geraten, was nicht gerade für die drei Macher spricht. Die Charaktere sind flach, die Geschichte holprig und die deutsche Synchronisation mal wieder ungnädig stumpfsinnig. Da fragt man sich glatt, was Rechteinhaber MARITIM PICTURES dazu bewegt haben muss, den überhaupt nicht gelungenen MARA – THE KILLER INSIDE in den Einkaufkorb zu legen. Wer sich nur die Perlen unter den Horror-Indies aussucht, sollte sich möglichst genau überlegen, ob er sich diese Horror-Gurke ins Regal stellen will. Denn trotz angepriesener Folterei auf dem Cover bleibt das erhoffte Tortur-Gematsche aus. Zumindest können sich die Macher des Blu-ray-Einlegers auf die Schulter klopfen. Denn wer mit derart irreführenden Marketing-Methoden Umsätze generiert und den Horrorfan zum Kauf animiert, kann nur Meister seines Faches sein.
 
 
 


 
 
 

MARA – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Langweiliger Indie-Horror aus Schweden, der mit permanenter Ereignislosigkeit und viel zu viel Leerlauf zu kämpfen hat. Wirklich interessant wird es nie, was vor allem daran liegen mag, dass dem Film eindeutig der gewisse Biss fehlt. Die Charaktere sind flach, die Geschichte unspektakulär und die auf dem Cover beworbene Folterei bleibt auch aus. Was lernen wir daraus? Vertraue nie einem werbegeilen Photoshop-Cover, sondern einzig der Horror-Kompetenz des FILMCHECKER-Team! ;-)
 
 
 


 
 
 

MARA – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von MARA – THE KILLER INSIDE ist ungeschnitten und wurde ab 18 Jahren mit KJ-Einstufung freigegeben. Sonderlich blutig ist der Film nicht, so dass die Freigabe nicht verwundert.
 
 
 


 
 
 

MARA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
mara-the-killer-inside-bluray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mara; Schweden 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Casting, Interview, Trailer

Release-Termin: 28.01.2014

 
 
 
Die Veröffentlichung von Indie-Horrorfilmen scheint sich in letzter Zeit zu einer lukrativen Einnahmequelle hier in Deutschland entwickelt zu haben. Kleine Genrelabel wie MARITIUM PICTURES, SAVOY FILM oder EDEL GERMANY werfen jene ungeschliffenen Grusler fast schon täglich in den Handel, wobei der Horrorfilmfan nicht selten Abstriche in der Technik machen muss. Beim vorliegenden MARA – THE KILLER INSIDE ist das nicht anders. Man merkt, dass man hier einen Low-Budget-Grusler in den Händen hält. Das Bild geht zwar für einen Film dieser Sparte vollkommen in Ordnung, besitzt aber noch viel Luft nach oben. Beim Ton lauschen wir einmal mehr den ewig gleichen Stimmen, die man auch in jedem zweiten Horrorstreifen der obig genannten Anbieter zu hören bekommt. Scheinbar haben jene Sprecher Jahresverträge mit dem jeweiligen Synchronstudio abgeschlossen, denn anders lässt sich nicht erklären, warum in jedem Film aus dem Hause MARITIUM PICTURES die Hauptdarstellerin von der gleichen Laien-Sprecherin gesprochen wird. Überraschenderweise gibt es diesmal immerhin Bonus, das aber nicht deutsch untertitelt wurde. So kann sich der Zuschauer nach Sichtung des Hauptfilms an äußerst kurzen Interviews (3 Minuten, HD) mit der adretten Hauptdarstellerin erfreuen. Weiter geht es mit einem wirklich umfangreichen Produktionstagebuch, das mit rund 75 Minuten ziemlich ausführlich ausgefallen ist und das Team auf Schritt und Tritt bei den Dreharbeiten begleitet (HD). Außerdem hat es ein kleines Feature über das Casting auf die Blu-ray geschafft (rund 4 Minuten, HD) sowie der schwedische Originaltrailer zum Film (rund 2 Minuten, HD). Alle Extras sind auf Schwedisch – englische und dänische (!) Untertitel gibt es aber hier gratis dazu. MARA – THE KILLER INSIDE wurde in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht. Für die hiesigen Heimkinomedien hat MARITIM PICTURES übrigens ein Wechselcover ohne nervigen FSK-Sticker spendiert.
 
 
 

Mara – The Killer Inside [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZOn kaufen

 
 
 


 
 
 

MARA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
High Tension (2003)
 
Psycho (1960)
 
The Ward (2011)
 
Blutiger Sommer – Das Camp des Grauens (1983)
 


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