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Filmkritik: “Varsity Blood” (2014)

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VARSITY BLOOD

Story

 
 
 
Ein Jahr nachdem eine alkoholisierte Cheerleaderin im Suff ihr Leben lassen musste, finden sich deren Freunde an Halloween zusammen, um sich erneut ins Koma zu saufen. Leider ist auch ein vermummter Killer mit von der Partie, der in Maskottchen-Uniform den hohlköpfigen Kids nach dem Leben trachtet …
 
 
 


 
 
 

VARSITY BLOOD – Kritik

 
 
 
Man muss schon eine unverblümte Leidenschaft für Slasher besitzen, um Gefallen an den immer gleichen Geschichten zu finden, die seit Slasher-Urgesteinen wie HALLOWEEN und FREITAG DER 13. bis zum Erbrechen im Kino wiederholt werden. Vielen Horrorfans hier in Deutschland scheint nicht bewusst zu sein, dass ein riesiger Markt für derart Filmware in Amerika existiert, der seit einigen Jahren zumeist durch semiprofessionellen Amateurquatsch und haarsträubende Low-Budget-Produktionen bestimmt wird. Gott sei Dank haben es bisher nur wenige dieser Rohrkrepierer nach Deutschland geschafft, so dass vielen Filmsammlern Enttäuschungen erspart geblieben sind, schließlich gibt niemand gern Geld für Abfall aus, den man auch umsonst im Abendprogramm der Privaten zu sehen bekommt. Trotz offener Augen bei der Filmauswahl, ist dem FILMCHECKER-Team dann doch mal wieder eines dieser unsäglich schlechten Slasher-Gurken aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ins Netz gegangen. VARSITY BLOOD nennt sich das Glanzlicht minderbemittelter Videounterhaltung, vor dem wir nur ausdrücklich warnen können. JAKE HELGREN hat den cineastischen Schlamassel verbrochen, für den er vermutlich in der Hölle schmoren wird, weil er dem Zuschauer schlichtweg kostbare Lebenszeit stibitzt. Für jemanden, der eigentlich unterhalten möchte kein gutes Omen. Denn langweilt sich der Zuschauer bei der Sichtung eines Horrorfilms, hat der Regisseur sein Ziel offensichtlich verfehlt.
 
Viel Neues gibt es in VARSITY BLOOD nicht zu sehen, denn hier ist alles wie gehabt und folgt den Konventionen üblicher Slasher-Filme, die einst legendäre Altmeister wie JOHN CARPENTER (HALLOWEEN) und SEAN S. CUNNINGHAM (FREITAG DER 13.) mit ihren Kultstreifen aufgriffen, kombiniert und perfektioniert haben. Perfekt ist in VARSITY BLOOD mal abgesehen von den Kurven der weiblichen Protagonistinnen leider gar nichts, denn auch wenn hier ein Projekt aus Liebe zum Genre ins Leben gerufen wurde, scheinen die Macher vermutlich noch nicht verstanden zu haben, auf was es bei Horrorfilmen in Jahr 2014 ankommt. Bereits vor einiger Zeit probierte sich Regisseur JAKE HELGREN an ähnlichem Stoff aus. Mit BLOODY HOMECOMING verbeugte er sich im Jahr 2012 ehrfürchtig vor den Slashern der 80er und zitierte diese mit vollblütiger Leidenschaft. Damals fungierte er jedoch nur als Drehbuchautor und Produzent. Scheinbar war ihm das zu wenig, so dass es ihm nach neuen Herausforderungen dürstete. Diese hat er wohl nun gefunden und gab sich die Ehre für seinen selbst gekritzelten Quatsch mit Soße direkt auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Im Mittelpunkt stehen wie immer ein paar dumme Teenager, die nichts anderes im Hirn haben als Sex und Alkohol, dafür aber mit mächtig Holz vor der Hütte und gestählten Oberarmen überzeugen können. Es ist Halloween und was gibt es an diesem Tag aufregenderes, als mit den besten Freunden in eine Hütte im Nirgendwo einzusteigen, um sich dort unheimliche Geschichten bei Bier und Häppchen zu erzählen. Mit von der Partie ist auch das Maskottchen der Schule, das statt Footballmannschaft und Cheerleader anzufeuern lieber die Axt schwingt und die Kids zu Brei verarbeitet. Trotz Verbot von der Mutter schmuggelt sich auch Cheerleaderin Hannah Wallace (LEXI GIOVAGNOLI) unter die Partygäste, die selbstverständlich viel zu spät bemerkt, dass die Anzahl unsympathischer Schulkollegen rapide schwindet. Am Ende stehen sich Scream-Queen und der im Indianerkostüm verkleidete Killer gegenüber und der Showdown verliert sich in einem unerwarteten Storytwist, der jedoch alles andere als überraschend über die Mattscheibe flimmert.
 
Wenn Direct-to-DVD-Horror in die Regale kommt, sollte man mittlerweile Obacht walten lassen und sich vorher informieren, was dem Käufer angedreht wird. Das umfangreiche Angebot an monatlich erscheinenden Horrorfilmen ist kaum noch zu überblicken, so dass es immer schwieriger wird die Spreu vom Weizen zu trennen. Ein Blindkauf mit Folgen ist VARSITY BLOOD, der zwar all das beinhaltet, was einen Slasher ausmacht; jedoch auch das besitzt, was man in derart Meuchelfilmen eigentlich nicht sehen will: Langeweile. Macher JAKE HELGREN hat hier Statisten von der Straße aufgelesen und für sein narkotisierendes Kreischwerk besetzt, wobei es des Öfteren scheint, als würden die Schauspieler vom Teleprompter ablesen. Das dämpft nicht nur die Erwartungen, sondern macht den Spannungsbogen zunichte, der ohnehin mit der Lupe gesucht werden muss. In diesem Laienschultheater wird erstaunlich will gequasselt, was den Zuschauer angesichts der nicht vorhandenen Talente vor ungeahnte Herausforderungen stellt. VARSITY BLOOD entwickelt sich nämlich schnell zum Geduldsspiel, weil partout unmögliche Dialoge von schlecht agierenden Darstellern gesprochen werden. Hinzukommt, dass die eigentliche Geheimrezeptur eines jeden Schlitzerwerks lang auf sich warten lässt. Seit jeher sind Geschichte und Charakterentwicklung in Slashern nur Beiwerk. Weitaus wichtiger ist das Morden, das in den letzten Jahren erstaunlich rabiat vor der Kamera zelebriert wird. Im direkten Vergleich zu aktuellen Gewaltreferenzen wie CHROMESKULL – LAID TO REST 2 oder HATCHET 3 macht VARSITY BLOOD eine ernüchternde Kehrtwende und orientiert sich am altmodischen Teenager-in-Angst-Kino der 80er, wo zwar noch ohne Computer gematscht wurde, die Kills jedoch kurz und knackig gefeiert wurden. Demnach dürfte es dann wohl auch kaum überraschen, dass sich der Mörder klassischer Mordinstrumente bedient. Von Pfeil bis Heugabel ist all das dabei, was Hockeymasken-Killer JASON VOORHEES aus der beliebten FREITAG DER 13.-Reihe bereits mehrfach zweckentfremden konnte. Fans solcher Film wird das vermutlich freuen; Gorebauern eher weniger, denn die schauen aufgrund mangelnder Filmhärte dumm aus der Wäsche.
 
So schön sich das liest, so enttäuschender die Tatsache, dass VARSITY BLLOD teils ziemlich mies ausgeleuchtet wurde und sich viele der wenig kreativen Morde kaum erkennen lassen. Ob das nun auf technische Defizite zurückzuführen ist oder man darum bestrebt gewesen ist, bescheidene Spezialeffekte professioneller aussehen zu lassen sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass VARSITY BLOOD trotz Mordreigen mieses Horrorfutter ist, das nicht einmal den Mut beweist frische Ideen mit altbewährtem Konzept zu verbinden. Stattdessen wird zitiert und gestohlen als gebe es keinen Morgen mehr. Das uninspirierte Aneinanderreihen von Slasher-Klischees hat VARSITY BLOOD nicht gut getan, denn selten hat man einen Horrorfilm gesehen, der selbst Streifen aus der Trash-Werkstatt THE ASYLUM oscarverdächtig ausschauen lässt. Wir können nur empfehlen, um VARSITY BLOOD einen großen Bogen zu machen und hoffen, dass sich kein deutscher Labelmitarbeiter im Suff die Rechte an diesem dilettantischen Schwachsinn aufquasseln lässt. Sollte doch eine Scheibe erscheinen – Hände weg!
 
 
 


 
 
 

VARSITY BLOOD – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
VARSITY BLOOD ist ein Liebesgeständnis an die berühmten Slasher der 80er. Trotzdem, bei aller Liebe zum Genre – dieser Film ist noch schlechter, als Werke aus der Trash-Schmiede von THE ASYLUM. JAKE HELGREN hat mit seinem Regiedebüt VARSITY BLOOD einen einfallslosen Slasher alter Schule gedreht, über den jeder verlorene Satz Verschwendung ist. Wir können nur empfehlen einen großen Bogen um diesen Quatsch zu machen, denn VARSITY BLOOD dürfte ohne zu übertreiben einer der miesesten Schlitzer-Streifen sein, denn die Horrorwelt bis dato gesehen hat. Wer dennoch reichlich Ausdauer besitzt und dieses schlaffördernde Machwerk sehen möchte, sollte direkt bis zur 50. Filmminute springen, damit er sich unterirdisches Laienschultheater erspart. Viel Mord- und Totschlag gibt es jedoch nicht zu sehen, dafür ist es oftmals einfach zu dunkel um erkennen zu können, wie der Killer seinen Opfern nach dem Leben trachtet.
 
 
 


 
 
 

VARSITY BLOOD – Zensur

 
 
 
In Anbetracht dessen, was man in letzter Zeit an Gewalt in Horrorfilmen zu sehen bekommt, sind die Morde in VARSITY BLOOD Kinderfasching. Trotz, dass sich die Morde an den Slashern der 80er orientieren, wirkt das mordlustige Treiben nicht sonderlich brutal. Mit etwas Glück ist sogar eine FSK16 drin.
 
 


 
 
 

VARSITY BLOOD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:

 
Slasher House (2012)
 
Scream – Schrei (1996)
 
Schream 2 (1997)
 
Scream 3 (2000)
 
Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Blutiger Valentinstag (1981)
 
My Bloody Valentine 3D (2009)
 


Filmkritik: “Antisocial Behavior” (2014)

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ANTISOCIAL BEHAVIOR

Story

 
 
 
Joe (Jackson Kuehn) ist ein Einzelgänger und lebt in seiner eigenen Welt. Als ihn sein Kumpel Scott auf eine Party mitnimmt, lernt er dort die reizende Wendy (Mary Elizabeth Boylan) kennen, die sich in den introvertierten Eigenbrötler verliebt. Leider hat der Abend eine unerwartete Wendung zur Folge. Bei einem Trinkspiel wird Joe mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die er eigentlich längst in seinem Unterbewusstsein vergraben hatte …
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Kritik

 
 
 
Schlafende Hunde soll man bekanntlich nicht wecken – zumindest wäre Joe einiges an Qual erspart geblieben, hätte er auf einer Party nicht dieses äußerst dumme Trinkspiel gespielt, bei dem er von seinen Mitspielern gefragt wurde, was denn wohl das Schrecklichste gewesen sei, was er bis dato getan habe. Prompt geschieht das, womit wohl niemand gerechnet hat: Der introvertierte Einzelgänger wird von quälenden Visionen heimgesucht, erleidet einen Blackout und rastet vollkommen aus. ANTISOCIAL BEHAVIOR nennt sich das Psychogramm eines verwirrten, jungen Mannes, der ganz unvorbereitet mit unterdrückten Kindheitserinnerungen konfrontiert wird, die jahrelang im Unterbewusstsein schlummerten. Der bis dato noch unauffällige KENNETH GUERTIN hat hier einen schwer verdaulichen Streifen gemacht, den man nicht mal so nebenbei sieht. Anders als der günstig gewerkelte Filmtrailer vermuten lässt, handelt es sich bei ANTISOCIAL BEHAVIOR nicht um banal gestrickte Horrorware von der Stange. Regisseur KENNETH GUERTIN will sich von üblichen Serienkiller-Streifen abheben und beschäftigt sich nicht mit dem dümmlichen Abmetzeln stereotyper Holzköpfe. Stattdessen ergründet er Indikatoren, die dazu führen, dass der Filmheld letztendlich Rot sehen wird. Wieder mal ist es ein Trauma, dass den Filmheld zu Kindstagen hat fürchterliche Qualen erleben lassen. Der wird dazu genötigt die Vergewaltigung an der Mutter und den Mord an der Familie beizuwohnen. Im Schockzustand richtet er eine Waffe auf den Täter und feuert ab. In den meisten Horrorfilmen muss ein solches Ereignis als Alibifunktion ausreichen, damit das traumatisierte Opfer später zur kaltschnäuzigen Killermaschine mutieren darf. GUERTIN ist das nicht wichtig. Er geht einen anderen, gründlicheren Weg und folgt seiner Filmfigur bei ihrer sich selbst zerstörenden Entwicklung, die von surrealen Visionen zermürbt bald nicht mehr unterscheiden kann, was allein der kranken Psyche entspringt oder tatsächlich passiert. Ebenso ergeht es dem Zuschauer. Der begleitet eine bemitleidenswerte Kreatur auf der Suche nach ihrer selbst. Getrieben von grotesken Halluzinationen verschwimmen am Ende die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, so dass es unausweichlich ist, dass sich das hasserfüllte Opfer zum Täter verwandelt, um dem angestauten Zorn freien Lauf lassen zu können. Dass die jahrelang im Unterbewusstsein manifestierte Wut ausgerechnet jene Person zu spüren bekommt, die dem Helden trotz Eigenheiten stets zur Seite stand, wirkt aufgrund der verdrängten Vorgeschichte der zerrütteten Filmfigur, wie ein Schlag ins Gesicht.
 
GUERTIN ist raffiniert. Just in jenem Moment, bei dem die gründlich analysierte Geschichte ihren Höhepunkt erreicht und Joe eine Metamorphose zum unfreiwilligen Killer durchlebt, flimmert der Abspann über den Bildschirm. Das offene Ende liefert zwar nur vage Antworten, hinterlässt aber genügend Raum für mögliche Interpretationen. ANTISOCIAL BEHAVIOR wurde auf 35mm gedreht und besitzt mit all den verschiedenen Farbfiltern, Schnitttechniken und Kameraspielereien ohne Zweifel Experimentalfilm-Charakter. Zwar war wie bei Indie-Werken üblich, mal wieder kaum Geld in der Kasse; aufgrund der beschränkt finanziellen Möglichkeiten ist das, was GUERTIN daraus gemacht hat über jeden Zweifel erhaben. Einen großen Teil des Lobs ist jedoch Schauspieler JACKSON KUEHN zu verdanken, der den Antihelden derart glaubhaft und ambitioniert verkörpert, dass man ihn für seine hervorragende Leistung nur beglückwünschen kann. Schnell fühlt sich der Zuschauer mit Joe und seiner einsamen Welt verbunden, aus der er offensichtlich keinen Ausweg mehr findet. Für Indie-Verhältnisse leidet man erstaunlich oft mit – den talentierten Darstellern und dem gut durchdachten Drehbuch sei Dank.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandios finsterer Thriller und ein Paradebeispiel in Sachen psychologischer Horror. ANTISOCIAL BEHAVIOR zeigt erneut eindrucksvoll, dass unabhängige Filmkonzepte weit weg vom konventionellen Hollywood die besseren sind. Regisseur KENNETH GUERTIN lässt für sein neustes Schaffen ein Sammelsurium surrealer Bilder auf den Zuschauer los und vermischt Traumabewältigungs-Thematik mit reichlich skurril-phantastischen Filmelementen. Hierbei bedient er sich sogar dem Körper-Horror (Antiheld Joe erbricht im Film lebende Tumore) für den vermutlich selbst Altmeister und Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE) nur lobende Worte finden dürfte. Dennoch sollte man eine beflügelte Interpretationsgabe besitzen, denn GUERTIN verzichtet auf Antworten, die er dem Zuschauer auf dem Silbertablett serviert. Trotz magerer Antworten ist ANTISOCIAL BEHAVOIR ein interessanter und durchaus sehenswerter Thriller, der sich mit der Serienkiller-Problematik auf gänzlich unkonventionelle Weise beschäftigt. Statt dünnwandiges Slasher-Gemetzel zu zelebrieren betrachtet GUERTIN stattdessen psychologische Mechanismen, welche aus Menschen Mörder machen. Dank gutem Drehbuch und einem hervorragenden Hauptdarsteller bleibt die kontroverse Thematik bis zum bitteren Ende interessant. Daher: Ein empfehlenswerter Film, den man trotz gewöhnungsbedürftigem Indie-Look gesehen haben sollte.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Zensur

 
 
 
ANTISOCIAL BEHAVIOR ist eher psychologischer Horror, der ruhig und eindringlich geschildert wird. Bis auf einen herben Kopfschuss gibt es kaum Gewalt zu sehen. Wir rechnen mit FSK16 in Deutschland.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Found (2012)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)
 


Filmreview: “Rage” (2010)

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RAGE

Story

 
 
 
Nachdem er seine Affäire zu Dana beendet hat, wird Dennis von einem wütenden Motorradfahrer verfolgt, der nichts Gutes im Schilde führt …
 
 
 


 
 
 

RAGE – Kritik

 
 
 
Schmerzverzerrte Gesichter auf Filmplakaten wecken den Horror-Heißhunger bei Fans düsterer Kinoware, schließlich lässt sich meist daran ableiten, dass den Protagonisten im Film viel Leid widerfahren wird. Im Falle von RAGE ist das gar nicht so abwegig, denn in diesem Indie beweist der Sensenmann, dass er eine Leidenschaft für schnelle Flitzer hegt. Die Angst vor dem gewalttätigen Unbekanntem wird in RAGE zum Mittelpunkt der Geschichte deklariert, in der sich Held Dennis Twist (RICK CRAWFORD) vor einem wütenden Motorradfahrer in Sicherheit bringen muss. Dessen Missgunst ruft der ahnungslose Ehebrecher während einer Verabredung mit Affäre Dana (ANNA LODEJ) auf den Plan, die nicht so recht fassen mag, dass sich ihr Liebhaber letztendlich für Frau Crystal entschieden hat und nicht für ein knisterndes Abenteuer mit ihr. Leider scheint die Einsicht zum falschen Zeitpunkt gekommen zu sein, hat sich doch ein Motorrad fahrender Albtraum aus JASON VOORHEES und MICHAEL MEYERS an die Fersen des potenten Junghengstes geheftet und will nun gern ein makabres Katz- und Mausspiel mit dem unwissenden Dennis treiben. Der Psychopath beginnt sein Opfer durch die Straßen der Stadt zu hetzen, das sich selbst zu Hause nicht in Sicherheit wähnen kann. Der Unbekannte folgt Dennis bis vor die Haustür, wo Gattin Crystal so rein gar nicht erfreut ist über den mordlüsternen Besucher.
 
RAGE ist ein waschechter Indie, der bereits auf einschlägigen Festivals Preise einheimsen konnte. Hinter dem Psycho-Spielchen steckt Autor und Regisseur CHRISTOPHER R. WITHERSPOON, der hier persönliche Schicksalsschläge verarbeitet hat. Zudem lies er sich für seine zweite Regiearbeit von Spielbergs DUELL (1971) inspirieren und hat eine für Indie-Verhältnisse erstaunlich rasante Mixtur aus Verfolgungs-Thriller und Terrorfilm abgeliefert. Gerade einmal 100.000 Dollar soll RAGE gekostet haben – eine Tatsache, die der Zuschauer nicht so recht glauben mag. WITHERSPOON beweist nämlich ein hohes Maß an technischem Verständnis und lässt sein Zweitwerk bedeutend teurer aussehen, als es letztendlich gewesen ist. Hektische Schnitte, durchdachte Kamerafahrten und sogar symbolhafte Bildsprache (die Alarmfarbe Rot dient als Vorbote drohender Gefahr) deuten von Erfahrung auf dem Gebiet des Filmemachens. Die kommt nicht von Ungefähr, hat WITHERSPOON in einem Interview zu verstehen gegeben, dass er Werke von Hitchcock, Spielberg, Carpenter, Craven und Kubrick penibel studiert hat, um deren Erfolgsrezeptur auch für seine (künftigen) Werke nutzen zu können. Die Hausaufgaben hat der Regisseur mit nötiger Sorgfalt erledigt, denn RAGE lässt ganz schnell die schlimmen No-Budget-Streifen aus letzter Zeit vergessen, die durch beliebtes Found-Footage-Gewackel unverständlich viel Aufmerksamkeit erhalten haben. Von allmählich überdrüssigem Kameragewackel sieht WITHERSPOON ab und sorgt stattdessen endlich wieder für Spannung in einem Low-Budget-Indie. Die erreicht der Filmemacher durch rasante Verfolgungsjagden, die WITHERSPOON geschickt in Szene gesetzt hat. Benötigt Filmcharakter Dennis dann doch mal eine Verschnaufpause, wandelt RAGE auf Terror-Pfaden, schließlich frönt der wortkarge Fremde einer Leidenschaft für gemeine Terrorspiele. Er attackiert sein Opfer in der Toilette und verfolgt es sogar bis in die Tagträume – für Zuschauer und Filmheld bleibt da kaum Zeit um aufatmen zu können.
 
Leider verliert WITHERSPOON in der zweiten Filmhälfte das eigentliche Ziel vor Augen, endet doch RAGE im üblichen Blut- und Splatter-Rausch. Der zuvor kontinuierlich aufgebaute Spannungsbogen wird zugunsten bekannter Terror- und Home-Invasion-Regeln außer Acht gelassen. Der anonyme Killer, dessen Identität selbst nach dem Abspann ungeklärt bleibt, vergreift sich an Ehegattin Crystal, die als schuldlose Unbeteiligte die Wut des Fremden mit aller Härte zu spüren bekommt. Dass die obligatorische Vergewaltigung da freilich nicht fehlen darf, dürfte auf die lukrative Ausschlachtung jenes zweifelhaften Filmthemas zurückzuführen sein, das sich vor einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut hat. RAGE wurde bereits im Jahr 2010 auf den amerikanischen Filmmarkt geworfen – zu einer Zeit, als kontroverse Remakes zu Klassikern wie I SPIT ON YOUR GRAVE oder LAST HOUSE ON THE LEFT im Kino Kasse machten und sich schmuddeliges Exploitation-Kino schon längst zu Mainstream entwickelt hatte. Dass WITHERSPOON auf dieser durchaus wirtschaftlichen Welle mitreiten wollte, kann man dem Regisseur nicht verübeln, schließlich ist es im Filmgeschäft keine Seltenheit mehr, dass unbekannte Filmemacher lukrative Trends nacheifern, wenn andere damit viele Dollars verdient haben. Auch wenn RAGE nach dem temporeichen Beginn enttäuschend viel Potenzial verschenkt und mal wieder nur die Erwartungen blutgeiler Gorehounds befriedigt werden, kommt immerhin der raue Indie-Look den diversen Brutalo-Momenten gelegen, die mit der ungeschönten Optik dann doch schon recht hart anzuschauen sind. So bedient sich der Killer wie einst LEATHERFACE aus dem berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE auch einer Kettensäge und zerteilt zur Freude der Splatter-Gemeinde die netten Nachbarn von Nebenan. Die wimmern vergebens ums Überleben und werden ziemlich ruppig ins Jenseits befördert. Dass die Szene jedoch vollkommen deplatziert wirkt und rein gar nicht zum Rest des Filmes passen will, ist nur eines der vielen kleinen Vergehen, für die man WITHERSPOON nicht tadeln sollte. Unterm Strich ist RAGE kein übler Film, betrachtet man das erschreckend niedrige Budget, das dem Streifen zur Verfügung gestand hat. Eigentlich wollte Macher WITHERSPOON statt RAGE unheimlichen Anthologie-Horror drehen. Weil ihm das benötigte Kapital fehlte, entschied er sich vorerst für die Umsetzung dieses blutreichen Thriller-Plots. Da kann man nur hoffen, dass Horrorfans auch Jahre nach der Fertigstellung von RAGE Interesse bekunden und sich das Filmchen kaufen. Nur so dürften garantiert werden, dass WITHERSPOON eifrig weiter werkeln kann. Insofern man ihm die Gelegenheit geben würde mit mehr Budget drehen zu dürfen, könnte da durchaus etwas Kultiges entstehen – da sind wir uns sicher.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spielbergs DUELL trifft auf FREITAG DER 13. und HALLOWEEN. RAGE ist ein temporeicher Indie-Horrorstreifen, der die Gewaltschraube am Ende nahezu im Minutentakt fester dreht. Man muss schon eine Vorliebe für ungeschliffenes Indie-Kino besitzen, um WITHERSPOONS Slasher-Variante von Spielbergs DUELL überhaupt genießen zu können. Mainstream verwöhnte Kinogänger werden an den teils schlecht ausgeleuchteten Bildern und den manchmal hölzern agierenden Schauspielern kaum Gefallen finden. Tadeln darf man Regisseur CRISTOPHER WITHERSPOON dafür jedoch nicht, hat er schließlich mit einem Mikro-Budget von gerade einmal 100.000 Dollar einen soliden Thriller auf die Beine gestellt, den manch Filmschaffender selbst mit millionenschwerem Kapital nicht besser gemacht hätte. Sichtlich von Meistern wie HITCHCOCK, CARPENTER und SPIELBERG inspiriert beweist WITHERSPOON ein talentiertes Händchen für geschickt platzierte Spannungsmomente und rasante Verfolgungsjagden – auch ohne Bluescreen-Technik und CGI. Dass er sogar an die Gorebauern unter den Horrorfans gedacht hat, gehört leider zum notdürftigen Übel, schließlich erwarten Fans von “bösen” Filmen nun mal heutzutage, dass in Horrorfilmen reichlich Lebensaft zu sehen ist. Fazit: Offene Horror-Zuschauer dürfen gern mal einen Blick wagen, denn RAGE ist ein ambitioniertes Projekt eines eifrigen und talentierten Filmemachers, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Zensur

 
 
 
RAGE gibt sich nicht zurückhaltend. Gerade das Ende geizt nicht mit reichlich Brutalität. Da werden Körper mit Kettensäge und Messer bearbeitet. Zudem schlägt die Vergewaltigung einer Protagonistin auf den Magen. Sollte RAGE in Deutschland veröffentlicht werden gibt’s den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Duell (1971)
 
Jeepers Creepers (2001)
 
Joyride – Spritztour (2001)
 
Death Proof (2007)
 


Filmreview: “Pig” (2010)

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PIG

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo: Ein Sadist hält sich auf einem abgelegenen Waldstück Menschen wie Vieh, die er erniedrigt, foltert und jagt, wann immer er Lust dazu hat …
 
 
 


 
 
 

PIG – Kritik

 
 
 
Dass das Pentium an Abartigkeiten noch längst nicht das Maximum erreicht hat, zeigen immer wieder neue Filmemacher, deren minderbemittelte Hirne stets neue Perversionen austüfteln. Regisseur ADAM MASON hat in seiner bisherigen Laufbahn bereits genug Nonsens gedreht und immer wieder seinen Hang für kranken Horror-Quatsch zum Ausdruck gebracht. Dass es in seinen Streifen nicht gerade zimperlich zur Sache geht, bewies er bereits im Jahre 2006, als er in seinem BROKEN genüsslich Frauen vor der Kamera foltern und demütigen lies. Nach wie vor ist das Werkeln von Quäl- und Folterfilmen eine begehrte Methodik, um schnell Kasse machen zu können, wobei hier die Devise gilt: Je verachtender Menschen vor der Linse behandelt werden, desto mehr Aufmerksamkeit erhalten solche Filme beim Zuschauer. Gleiches dürfte auch MASON gedacht haben, der mit seiner Schmuddel-Gewaltorgie namens PIG jedoch bei Geldgebern auf taube Ohren stieß, schien denen der Kontext des Filmes etwas zu extrem gewesen zu sein. Eine frustrierende Tatsache, die MASON dazu bewegte das Projekt zusammen mit Schauspiel-Kollege ANDREW HOWARD allein zu stemmen und fast gänzlich aus eigener Tasche zu finanzieren. Nach Fertigstellung wurde der Folter-Flick Fans kostenlos zum Download angeboten, um all den ignoranten Produzenten da draußen den Mittelfinger zeigen zu können. Eine Prämisse, die sich durchaus verkaufsfördernd auf den parallel gedrehten LUSTER (2010) ausgewirkt haben dürfte, konnte dieser sogar nach Deutschland verkauft werden, wo er bereits 2011 auf Heimkinomedium ausgewertet wurde.
 
Doch was hat der Horrorfan überhaupt von PIG zu erwarten? Die komplizierte Entstehungsgeschichte zumindest hat Spuren hinterlassen, denn der kontroverse Inhalt hat mit allerhand inszenatorischen Schwächen zu kämpfen. PIG wird in Echtzeit erzählt. Das bedeutet, dass der Streifen fast gänzlich ohne Schnitte auskommt. Ein heikles Experiment, geht MASON damit gleichen Weg, wie bereits wenige Regisseure vor ihm. Bereits HITCHCOCK experimentierte in den 40ern mit ähnlicher Filmmethodik und brachte 1948 COCKTAIL FÜR EINE LEICHE in die Kinos, der ebenso am Stück erzählt und ohne Schnitte gedreht wurde. Gleiches versuchte GUSTAVO HERNÁNDEZ, der vor einigen Jahren für sein SILENT HOUSE (2010) nur eine einzige Kamera-Einstellung benötigte, um dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Ein Jahr später folgte, wie so oft bei filmischen Neuerungen aus dem Ausland, eine überflüssige Neuverfilmung aus Amerika, die den interessanten Filmplot jedoch nur uninspiriert recycelte. Leider hat das Erzählen am Stück auch seine Tücken, denn wenn sich der Zuschauer nicht mit den Protagonisten identifizieren kann oder sich die Geschichte partout nicht weiterentwickeln möchte, passiert das vor dem es jeden Filmemacher grault: Der Zuschauer verliert das Interesse und schaltet ab. Ähnlichen Schicksal dürfte auch PIG erleiden, denn MASON stiert zu verkrampft nach dem rauen Exploitation-Kino der Video-Nasty-Ära, dass er dabei gänzlich den Zuschauer vergisst, der doch letztendlich unterhalten werden soll.
 
PIG handelt von einem perversen Schlächter, dem es ab und zu nach Gewalt dürstet. Dann nämlich fährt er in ein abgeschiedenes Waldgebiet, wo er hilflose Menschen foltern, quälen und ausweiden kann. Eine geistig behinderte Frau dient als Haustier. Die trägt zwar eines seiner Kinder im Leib, wird jedoch wie Vieh in einem Käfig gehalten und bekommt immer dann Auslauf, wenn “Fütterungszeit” ist. Da werden schon mal menschliche Organe auf das Grillrost geworfen, die zuvor am noch lebenden Opfer herausgerissen wurden. Zahm geht es in MASONS Schmuddelfilm wahrlich nicht zugange, was Hobby-Sadisten durchaus hellhörig machen dürfte. PIG ist roher Tortur-Porn für genau diese Fraktion, die sich daran ergötzen kann, wenn wehrlose Opfer verachtend durch den Fleischwolf gejagt werden. Von der rektalen Einführung von Schraubendrehern, über das Anurinieren schreiender Frauen bis hin zum schaufreudigen Ausbluten zuvor zusammengeschlagener Opfer hakt MASON all jene Grausamkeiten auf seiner Liste ab, nach denen sich Gore-Bauern gierig die Hände reiben. Gewalt ist nicht alles, denn das möglichst reißerische Aneinanderreihen roher Gewalt kann aus einem 90-minütigen Film schon mal eine gefühlte Ewigkeit machen. MASONS Film verfügt über keinen Spannungsbogen und das ist das größte Problem. Zwar verkörpert HOWARD den namenlosen Killer mit erschreckend sadistischer Intensität; seine dummen Gewaltakte halten den Zuschauer jedoch nicht die gesamte Laufzeit über bei Laune. Der dürfte sich trotz bestialischem Sadismus schnell gelangweilt fühlen, wirkt zudem das Improvisationstalent von Schauspielkollegin MOLLY BLACK teils derart unbeholfen, dass deren Agieren vor der Kamera so ziemlich rasch auf den Zünder geht. Als geistig umnebelte Schwangere dürfte die als wohl nervigste Protagonistin in die Geschichte des Tortur-Porn eingehen und dem Zuschauer klar machen, dass er künftige Werke MASONS mit Vorsicht genießen sollte. Letztendlich kann man nur froh darüber sein, dass Macher ADAM MASON dann doch zur Schere gegriffen und einige Filmschnitte gesetzt hat. Laut Interview soll die ursprünglich Version von PIG nämlich zwei Stunden lang gewesen sein – Halleluja, das schreit förmlich nach einem Director’s Cut.
 
 
 


 
 
 

PIG – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Eklig, pervers und Brechreiz erregend: Eben Ferien auf dem Schlachthof. Mit PIG wollte ADAM MASON nicht nur Tabus brechen sondern auch zeigen, dass Folterfilme ziemlich langweilig sein können. Die Ursache hierfür liegt nicht am Härtegrad, sondern an der dummen Story, die aus einer wahllosen Aneinanderreihung sadistischer Unmenschlichkeiten besteht. Handwerklich kann man da freilich nicht meckern, denn die Effekte sind nicht gerade förderlich für Magen und Nerven. Zudem erinnert der dreckige Look des Streifens an das raue Exploitation-Kino der Video-Nasty-Ära. Das Ausschlachten kontrovers-schmuddeliger Filmzutaten ist jedoch das einzige auf was sich MASON in PIG konzentriert, denn eine richtige Geschichte gibt es nicht. Als kontroverses Kino-Experiment, das fast gänzlich von Filmschnitten absieht, geht PIG in Ordnung. Betrachtet man PIG jedoch als Horrorfilm enttäuscht MASONS Gewaltorgie auf ganzer Linie.
 
 
 


 
 
 

PIG – Zensur

 
 
 
Eine Fassung für Deutschland ist undenkbar. Der Streifen zeigt Gewalt derart selbstzweckhaft und geht damit so schonungslos offen um, dass bereits nach fünf Minuten Sichtung klar sein dürfte, dass die FSK hier keinen Spaß verstehen dürfte. Insofern sich überhaupt ein Label an eine deutsche Veröffentlichung wagen sollte, wird die ohnehin direkt im deutschsprachigen Ausland vertrieben werden.
 
 
 


 
 
 

PIG – Trailer

 
 
 

(Zum Anschauen auf “Watch on Vimeo” klicken)

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Mooring (2012)
 
Would you Rather (2012)
 
Hostel – Part III (2011)
 
The Bunny Game (2010)
 
Vile (2011)
 
The Helpers (2012)
 
The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in Texas (1974)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 


Filmreview: “Kristy – Lauf um dein Leben” (2014)

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KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN

Story

 
 
 
Studentin Justine Wells (Haley Bennett) ist allein auf dem Campus und erhält unangemeldeten Besuch von vier vermummten Gestalten, die der Hochschülerin nach dem Leben trachten wollen …
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Kritik

 
 
 
Wann lernen Killer in Horrorfilmen endlich, dass man nicht mit (Hoch)Schülerinnen gemeinen Schabernack treibt, die intellektuell in einer ganz anderen Liga spielen. Seit jeher sind nämlich jene Protagonistinnen dafür prädestiniert, den immer gleichen Kampf gegen unzureichend intelligentes Pack aufzunehmen, dessen Ausgang ohnehin stets vorbestimmt ist. Auch Jahrzehnte nachdem der Slasher durch MARIO BAVA ins Leben gerufen wurde, haben sich die Regeln jenes Sub-Genres kaum verändert. Das meist “anständige” Final Girl darf in derart Filmen nicht nur reichlich kreischen, sondern legt den Bösewichten am Ende eigentlich immer das Handwerk. Im Gegensatz zu JAMIE LEE CURTIES in HALLOWEEN (1978) ist so eine Racheakt heute natürlich wesentlich blutiger, schließlich erwartet der Horrorfan im Jahr 2014 von einer Heldin, dass die sich mit dem grobschlächtige Handwerk auskennt.
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN (im Original auch als RANDOM bezeichnet) ist ein weiterer Streifen aus der Reihe “Ich komm dich zu Hause besuchen und befördere dich ins Jenseits”-Werke, die sich zur Zeit im Kino und auf dem Heimkinomarkt großer Beliebtheit erfreuen. Offensichtlich von aktuellen Horror-Erfolgen wie THE PURGE und YOU’RE NEXT inspiriert, darf sich hier eine taffe Einzelkämpferin gegen eine Truppe vermummter Irrer behaupten, die mal wieder nichts anderes zu tun haben, als ahnungslose Studentinnen möglichst gemeingefährlich zu terrorisieren. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN lässt nach längerer Regiepause wieder von sich hören und versucht mit konventionell gestrickter Horror-Ware den Einstieg zurück in die Filmwelt. Der ist ihm tatsächlich geglückt, denn nur selten gelingt Filmemachern der Sprung zurück ins Rampenlicht mit Low-Budget-Horror von der Stange. Es geht um die attraktive Justine, die leider nicht wie der Rest ihrer Freunde Thanksgiving zu Hause feiern kann, weil ihr das Geld für die Reise zu den Eltern fehlt. Daher beschließt sie sich eine schöne Zeit auf dem Campus zu bereiten, schließlich ist sie hier ja nicht ganz allein. Einige Sicherheitsbeamte und der Hausmeister sind vor Ort, damit sich die Studentin in den langen Fluren der Universität auch sicher fühlen kann. Weil KRISTY ein Horrorfilm ist dürfte klar sein, dass das nicht lang der Fall sein wird, denn an einer Tankstelle macht die strebsame Hochschülerin Bekanntschaft mit einer gar bedrohlichen Zeitgenossin, die scheinbar nicht alle Latte am Zaun zu haben scheint. Nach einer beängstigenden Verfolgungsjagd flüchtet Justine zurück auf den Campus, hat aber nicht mit der Hartnäckigkeit ihrer Verfolgerin gerechnet, die sich natürlich an die Fersen ihres Opfers heftet und nur eins will: Den Tod ihres ahnungslosen Opfers. Den wollen auch drei weitere Gestalten, die sich der Terrorsause anschließen und eine grausamen Jagd auf die verängstigte Studentin einläuten.
 
Wie es sich für einen Slasher nun mal gehört, verlaufen die Handlungsstränge nach bekanntem Schema. Täter und Opfer liefern sich eine unerbittliche Schlacht, die selbstverständlich nur einen Sieger kennt. Während zu Beginn die Fieslinge ganz klar im Vorteil liegen und noch mit Taktik versuchen der ahnungslosen Justine Angst einzujagen, haben selbige nicht mit der Klugheit ihrer Gegenspielerin gerechnet, die es leider gar nicht lustig findet, dass zig Unwissende im Verlauf der Hetzjagd ihr Leben lassen mussten. Sie stellt sich ihren Ängsten und bekämpft die maskierten Killer mit ihren eigenen Waffen. Die erhalten am Ende die wohlverdiente Strafe und der Zuschauer ist verblüfft darüber, was für ein kurzweiliges Filmvergnügen soeben über den Bildschirm geflimmert ist. Auch wenn OLIVER BLCKBURN das Genre mit seinem KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN freilich nicht revolutioniert hat, ist ihm doch ein zügig inszenierter Thriller gelungen, der trotz bekannter Klischees kaum Längen besitzt. Die bunte Mischung aus Slasher, Home-Invasion-Schocker und Terrorfilm verfügt über einen stetig steigenden Spannungsbogen, der von der Unwissenheit des Zuschauers zerrt. Der erfährt wie die Heldin des Films erst kurz vor dem Abspann von den Hintergründen der perfiden Jagd. Das Motiv sind Ritualmorde, die eng in Verbindung mit dem Internet stehen – einem weitläufigen Tummelplatz finsterer Gestalten, die dort ungehindert ihren perversen Phantasien nachgehen können ohne ertappt zu werden.
 
Mit KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN hat OLIVER BLACKBURN eine weitere Horror-Version des 90er-Hits KEVIN ALLEIN ZU HAUS gedreht, der natürlich auch den für Slasher-Streifen obligatorischen Mankos unterliegt. Opfer und Killer verhalten sich wie immer selten dämlich und Wutausbrüche erfahrener Filmfans dürften nicht ausbleiben, wenn Protagonistin Justine Dinge tut, die normal denkende Menschen wohl niemals in solche Situationen anstellen würden. Ebenso hirnriesig ist die Tatsache, dass die vier Täter partout über den Aufenthaltsort ihres Opfer bescheid wissen und sich auf dem riesigen Unigelände wie von Geisterhand von einem Ort zum nächsten bewegen können. Trotz zig Logikfehler ist jedoch weitaus ausschlaggebender, dass ein Horrorfilm unterhält und nicht langweilt. KRISTY ist schnörkellose Suspense-Unterhaltung ohne Längen und das ist die Hauptsache. Wer nach THE PURGE, THE STRANGERS und all den packenden Terror-Slashern in letzter Zeit immer noch nicht die Nase voll hat von ungebetenen Gästen, darf selbstverständlich gern in KRISTY mit um das Leben von Heldin Justine laufen. Zeitverschwendung ist dieser handwerklich hervorragend umgesetzt Horror-Trip mit Sicherheit nicht.

 
 
 


 
 
 

KRISTY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Alles beim Alten und doch irgendwie kurzweilig. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN hat Altbekanntes neu aufbereitet und unterhält trotz Logikbarrieren und Horror-Klischees ungemein. Die finstere Mischung aus Terrorfilm, Slasher und Home-Invasion-Schocker besitzt Tempo, was man bei vielen Indie-Horrorfilmen neueren Datums schmerzlich vermisst. Damit lässt sich nämlich manch Ungereimtheit im Drehbuch geschickt vertuscht, schließlich bleibt bei temporeich inszenierter Horror-Ware kaum Zeit, sich Gedanken über Filmfehler zu machen. Erstaunlicherweise wurde KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN so ziemlich unblutig umgesetzt, was nicht dem aktuellen Horror-Trend entspricht. Der Fokus liegt vermehrt auf Suspense und Terror, was dem Streifen jedoch sichtlich gut steht. Somit gehört KRISTY auf jedem Fall zu den besseren Vertretern der momentan immer noch lukrativen Horror-Welle, der es hätte auch gut und gern ins Kino schaffen können. Wer die Möglichkeit hat BLACKBURNS Slasher-Flick auf der großen Leinwand sehen zu können, sollte die Gelegenheit nutzen. Dort wird er vermutlich seine ganz Wirkung entfalten können, denn KRISTY ist ohne Zweifel ein spannungsgelandener Slasher für Fans von Schockern wie THE STRANGERS und THE PURGE.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Zensur

 
 
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN ist nicht sonderlich brutal. Gegen Ende werden die Täter recht kreativ um die Ecke gebracht. Die Brutalität des Racheakts hält sich in Grenzen. Das sah auch die FSK so und hat KRISTY bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
kristy-lauf-um-dein-leben-blu-ray

(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Random; USA 2014

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 07.08.2014

 

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KRISTY – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Aggression Scale (2011)
 
The Purge (2013)
 
Home Sweet Home (2013)
 


Filmreview: “Blood Widow” (2014)

blood-widow-2014
 
 
 

BLOOD WIDOW

Story

 
 
 
Wenn die psychopathische Nachbarin drei mal klingelt: Laurie (Danielle Lilley) und Hugh (Brandon Kyle Peters) sind ein junges Paar und haben gerade ein Haus irgendwo im Nirgendwo gekauft, wo es selbstverständlich keinen Handyempfang gibt. Als die beiden eine Einweihungsparty geben und einige Freunde zum Feiern vorbeikommen, nutzt auch die Killerin von nebenan die Gunst der Stunde, um die neuen Nachbarn kennenlernen …
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Kritik

 
 
 
In Amerika gibt es immer wieder Nachwuchs-Angstmacher, die dem Horror-Fan die Freunde am Schauen von Horror-Ware verübeln möchten. Der Low-Budget-Markt scheint dort ein beliebtes Sprungbrett für all jene zu sein, die auch ohne Berufsabschluss das Hobby zum Beruf machen wollen: Filmemachen. Leider muss man für das Drehen von Horror-Streifen nicht nur Kohle und das notwendige Equipment besitzen, sondern auch Talent und Ahnung. Voraussetzungen, die jedoch nur die Wenigsten mitbringen. Trotzdem wird auch ohne Können munter drauflos gefilmt, denn die Nachfrage nach amateurhaft zusammengeschnippelten Horrorfilmen scheint größer zu sein, als immer vermutet wird. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Billig-Grusler in amerikanische Händlerregal gebracht werden. Als wäre das nicht schon übel genug, finden sogar einige dieser Spaßbremsen den Weg nach Deutschland.
 
BLOOD WIDOW ist das Resultat eines langjährigen Fan-Traumes. Newcomer und Sci-Fi-Horrorfan JEREMIAH BUCKHALT steckt hinter der Low-Budget-Produktion, der selbst heute immer noch nicht fassen kann, dass ihm die Möglichkeit gegeben wurde einen Horrorfilm zu drehen. Ähnlich wie Vorbild JOHN CARPENTER (wenn es nach BUCKHALT geht gehört THE THING zu den besten Filmen aller Zeiten) hat der Regie-Neuling jedoch erst einmal kleine Brötchen gebacken und sich an der Umsetzung klassischen Slasher-Stoffs versucht, schließlich gehört nicht viel Grips dazu einen simplen Schlitz-Streifen zu machen. Erfolgreiche Filmtitel nennt BUCKHALT in einem Interview, von denen sich BLOOD WIDOW hat inspirieren lassen. So standen günstig gewerkelte Oldschool-Slasher Pate mit denen der Filmemacher Ende der 70er und zu Beginn der 80er aufgewachsen ist. Bei so viel euphorischer Liebe zum Genre enttäuscht dann leider doch die Tatsache, dass BLOOD WIDOW Lichtjahre von wegweisenden Metzelklassikern wie HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS entfernt ist. Für BLOOD WIDOW musste an allen Ecken gespart werden. So wurden Hauptrollen mit Statisten besetzt, die vermutlich noch nie eine Schauspielschule von Innen gesehen haben. Akustische Raffinessen aus dem MUSIC MAKER sorgen für ungewollte Erheiterung und die rudimentäre Handlung lässt den Zuschauer bereits kurz nach dem Prolog ermüden. Ein Pärchen ist es diesmal, das in ein neues Haus zieht und dort ums Überleben kämpfen muss. Im Keller des scheinbar verlassenen Nachbarhauses lebt eine schwarze Witwe, die nur darauf wartet, dass ihr mal ein paar neugierige Fliegen ins Netz gehen. Als sich ein paar Freunde für eine kleine Einzugssause anmelden und auf dem Grundstück gegenüber herumschnüffeln, packt die BLOOD WIDOW ihre Folterinstrumente zusammen und besucht die neuen Nachbarn um mal blutig “Hallo” sagen zu können.
 
Wenn keine gescheite Geschichte zu Grunde liegt, dann lass Gewalt regieren. Genau jenem Credo folgt BLOOD WIDOW und konzentriert sich auf das möglichst schmuddelige Abschlachten seiner unzureichend talentierten Hauptdarsteller. Die von BUCKHALT selbst entworfene Killerin geht nicht zaghaft mit ihren Opfern um. So werden Protagonisten enthauptet, Arme abgesäbelt oder Gesichter eingeschlagen. Für Indie-Horror mit Mikro-Budget sehen die gebotenen Matsch-Effekt ganz ordentlich aus, zumal die teils unausgereifte Ausleuchtung dem Film einen dreckigen, ungeschliffenen und finsteren Look bescheren. Dennoch, Gewalt im Horrorfilm ist nicht alles, denn ein blosses Aneinanderreihen von sinnlosen Gewaltakten machen aus einem beliebigen Horrorfilm noch lange kein Kultwerk. Nichtsdestotrotz bekommt der Horror-Fan mal endlich wieder eine maskierte Killerin vor die Linse. Die steht männlichen Meuchel-Kollegen wie JASON und MICHAEL in puncto Grausamkeit in nichts nach. Im Unterschied zu genannten Ikonen des modernen Horrorfilms will die BLOOD WIDOW jedoch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, was vor allem daran liegt, dass der Film nichts Rundes ist und überraschungsarm nach Schema F abgehandelt wird. Neue Impulse sucht man hier vergebens, dafür findet man Unmengen an Logiklöchern und Slasher-Klischees. Dass Macher JEREMIAH BUCKHALT bereits mit einer Fortsetzung liebäugelt, verursacht fix wirklich Panik – schließlich ist der Zuschauer froh, wenn er den vorliegenden Erstling wach überstanden hat.
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Blutiger Nachschub für Splatter-Fans! Gewalt ist leider auch das einzige, was BLOOD WIDOW halbwegs über Wasser halten kann, denn der Streifen ist nicht nur ein überraschungsarmes, sondern auch ein langweiliges Sammelsurium nerviger Slasher-Regeln und totgefilmter Horror-Klischees. Budget war kaum vorhanden, was im Falle dieses Filmdebüts Vor- und Nachteile besitzt. Einerseits hat die teils unprofessionelle Ausleuchtung Charme und beschert BLOOD WIDOW einen düsteren und dreckigen Look, der dem Film vor allem in den Gewaltmomenten zugute kommt. Andererseits lässt das Mikro-Kapital kaum Experimente zu, so dass an allen Ecken gespart werden musste – vor allen an guten Schauspielern. Unterm Strich ist BLOOD WIDOW ein austauschbarer Slasher ohne Höhepunkte, der immerhin kurz Aufmerksamkeit in Deutschland erhaschen dürfte, weil ihn die hiesige FSK der “bösen” Szenen wegen in der Luft zerreißen wird.
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Zensur

 
 
 
Wie für einen Slasher typisch sterben auch in BLOOD WIDOW die Opfer eines grausamen Todes. Zimperlich geht es hier nicht gerade zu, was vor allem der FSK Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Da BLOOD WIDOW ziemlich viel blutroten Splatter zu bieten hat, dürfte eine ungeschnittene Freigabe fraglich sein.
 
 
 


 
 
 

BLOOD WIDOW – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slasher House (2012)
 
Torment (2013)
 
Nurse 3D (2013)
 
Young, High and Dead (2013)
 
Killer Holiday (2013)
 
Bloody Homecoming (2013)


Filmreview: “Countdown” (2012)

countdown-Nattawut-Poonpiriya
 
 
 

COUNTDOWN

Story

 
 
 
Ein durchgeknallter Drogendealer besitzt ganz eigene Methoden der Erziehung und erschreckt mit seiner Art der Erleuchtung drei junge Thais in ihrer New Yorker Wohnung zu Tode …
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Kritik

 
 
 
Wenn es um Horror aus Fernost geht, dürften vermutlich die meisten Horrorfans mit der Stirn runzeln, schließlich ist das was da in regelmäßig Abständen produziert wird, für den westlich Zuschauer nur selten Furcht einflößend. Mittlerweile hat man dort verstanden, dass mit pitschnassen Geistermädchen kein Blumentopf gewonnen werden kann, so dass asiatische Produzenten Rat suchend gen Westen schielen, um sich von dort gewinnbringende Inspirationen für neuen Filmstoff besorgen zu können. Was in Europa und Amerika gut funktioniert, kann auch in Thailand Kasse machen. Zumindest dürfte jenen Plan Regie-Neuling NATTAWUT POONPIRIYA verfolgt haben, der seinen ersten Ausflug ins Filmgeschäft um drei der momentan beliebtesten Horrorgewürze ergänzt, die bisher jeden Schocker zum Erfolg verholfen haben: Teenager, Terror und Gewalt. COUNTDOWN heißt der ungewöhnlich konventionell gestrickte Horrorspaß aus Thailand, wie man ihn eigentlich eher selten aus Asien serviert bekommt. Der orientiert sich nämlich an das auf Hochglanz polierte Horror-Kino aus Amerika, wo sich meist stereotype Teenager ihrem vorhersehbaren Filmschicksal beugen, statt das Böse mit Grips und Köpfchen in die Flucht zu schlagen. Bei so viel Liebe zur US-Filmkultur dürfte es den Zuschauer nicht überraschen, dass POONPIRIYA die Szenerie seines Debüts auch gleich nach New York verlegt hat, wo seine thailändische Protagonisten Englisch sprechen und sich natürlich ebenso nervig verhalten, wie ihre amerikanischen Film-Leidgenossen. “Home-Invasion” heißt das Zauberwort, das Fans der härteren Filmgattung aufhorchen lässt. Für sein Debüt hat Macher POONPIRIYA nämlich gleich mal die Horror-Fibel durchgeblättert und jenes Sub-Genre ausgewählt, das sich auch nach YOU`RE NEXT, FUNNY GAMES und THE STRANGERS immer noch großer Beliebtheit erfreut. Mehr Terror statt Tortur heißt die Devise, was vermutlich nicht jedem Hobby-Sadisten schmecken dürfte, schließlich gehört mittlerweile ein gewisses Maß an menschenverachtender Brutalität zum Horrorfilm, wie das Salz in die Suppe.
 
Alles beginnt am Silvesterabend 2012 in New York. Die Kids Bee, Jack und Pam sitzen in ihrem Apartment und wollen den letzten Tag des Jahres entspannt ausklingen lassen. Da kommt es den Dreien gelegen, dass Womanizer Jack die Visitenkarte eines Drogendealers aus der Geldbörse zaubert, um ein bisschen Gras zu bestellen. Leider ist die Karte nicht komplett und die letzte Zahl der abgebildeten Telefonnummer unbekannt. Für die Freunde jedoch kein Grund, den lässigen Drogentrip sausen zu lassen. Schnell wird die unvollständige Nummer um eine “3” ergänzt und die Kids staunen nicht schlecht, als sich am anderen Ende der Leitung wirklich ein Mister “Jesus” meldet, der das beste Marihuana der ganzen Stadt vertreibt. Leider teilt “Jesus” gern aus, aber nicht ein. Als er nach einem netten Pläuschen in der Küche Opfer eines Missverständnisses wird und sich die Teenager vor Lachen die Bäuche halten, zeigt der Sprüche klopfende Chaot sein wahres Gesicht. Er zwingt die Bande dazu, dass sie sich zu ihren dunkelsten Geheimnissen bekennen; brutale Strafen sollen den Kids Respekt eintrichtern.
 
Nervenaufreibender Terror in Verbindung mit zynischen Schenkelklopfern – das geht? Der thailändische COUNTDOWN überrascht mit einem gar sonderbaren Humor, der aber zur Abwechslung so beabsichtigt ist, schließlich weiß man bei asiatischer Exportware meist nie, ob das unerträgliche Overacting auf mangelndes Schauspieltalent zurückzuführen ist oder dem kreativen Geist des Regisseurs entspringt. In COUNTDOWN sind die Lacher zumindest gewollt, bleiben dem Zuschauer aber nicht selten im Halse stecken, entpuppt sich doch Dealer “Jesus” als zynischen Richter, der seinen neunmalklugen Gegenspielern pünktlich zur Jahreswende die Fehler der vergangenen 365 Tage vor Augen führt. Anders als vermutet haben es Bee, Jack und Pam nämlich faustdick hinter den Ohren, so dass der schnell sprechende Fremde als Moralapostel in Erscheinung treten, den Zeigefinger heben und richten muss. Um die verzogenen Gören erneut auf den rechten Pfad der Tugend weisen zu können, werden Horrorfilm-typisch schmerzhafte Strafen verordnet. So kommt der sonst so taffe Jack in den Genuss einer gehörigen Tracht Prügel mit einem Küchenutensil, Pam werden die Hände gebrochen und dem Hund die Zähne gezogen. Die introvertierte Bee darf sich stattdessen den eigenen Dämonen stellen, reichlich flennen und dem Spuk nach knapp 90 Minuten ein Ende bereiten.
 
NATTAWUT POONPIRIYA spielt mit den Erwartungen des Publikums, denn das vermutet hinter COUNTDOWN ein ähnliches Ultra-Brutalo-Werk, wie man es seit HOSTEL, SAW und Co. immer häufiger im Kino zu sehen bekommt. Dem ist jedoch nicht so, denn auch wenn der hektisch geschnittene Trailer dem Zuschauer suggeriert, dass hier adrette Jungdarsteller in Stücke zerfetzt werden, so spritzt das Blut nur recht zaghaft. COUNTDOWN ist vielmehr ein makabres Kammerspiel, in dem ab Filmmitte die Sympathiepunkte neu verteilt werden. Die sympathischen Teenager werden als ausgefuchste Kleinkriminelle entlarvt und der anfänglich verhaltensauffällige Rauschmittel-Händler “Jesus” entpuppt sich als schwarzhumoriger Engel Gottes, der auf die Erde hinabsteigt, um die Menschheit von ihren Sünden zu erlösen. DAVID ASAVANOND, der bisher nur wenig Schauspielerfahrung vorweisen kann, spielt den überdrehten “Jesus” mit teuflischem Sarkasmus, der zwar anfangs Angst einjagt, aber dem man später gern noch weiter dabei zugesehen hätte, wie er missratene Grünschnäbel die Leviten liest. Mit ihm fällt und steigt nicht nur die Qualität, sondern auch das Tempo des Films. Letzteres braucht zwar etwas um in die Gänge zu kommen; ist dann erstmal “Jesus” am Start bricht die Hölle los und die Spiele können beginnen. Mit COUNTDOWN hat Regisseur NATTAWUT POONPIRIYA einen recht guten Terror-Cocktail gedreht, in dem sich kompromisslose Härte und zynische Wortspielereien die Waage halten. Da kann man nur hoffen, dass der durchgestylte und schnell geschnippelte Schocker recht zügig den Weg nach Deutschland findet, schließlich gehört COUNTDOWN zweifelsohne zu den besseren Vertretern der momentan beliebten Home-Invasion-Welle und ist einer der besten thailändischen Horrorfilme der letzten Jahre.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböser Terror-Spaß made in Thailand. COUNTDOWN bringt den vermutlich schwarzhumorigsten Bösewicht der Horrorfilmwelt auf die Leinwand und stößt Pizzagesicht FREDDY und Plastik-Gnom CHUCKY vom stark umkämpften Sprüche-Thron. Trotz Gebrauch von Nagelpistole und Schusseisen hat Drogen-Dealer “Jesus” nämlich immer zynische Floskeln auf den Lippen, die routinierten Horrorfans reichlich Spaß bereiten dürften. Leider ist der Cocktail aus Lachern und Terror immer noch reichlich hart anzuschauen, so dass weniger nervenstarke Zuschauer ihre Probleme damit haben werden, dem ziemlich schroffen Treiben bis zum erlösenden Ende folgen zu können. Blut gibt es zwar kaum zu sehen, dafür wird die Terror-Schraube konstant fester gedreht. Stampfende Beats, hektische Schnitte und teils unerträgliches Gewimmer lassen schnell vergessen, dass man hier eigentlich Home-Invasion-Horror aus Fernost serviert bekommt, was vor allem daran liegen mag, dass sich Macher NATTAWUT POONPIRIYA an den Konventionen des amerikanischen Horror-Kinos orientiert und ein sehr konventionelles Süppchen gebraut hat, wie man es eigentlich eher von Hollywood erwartet hätte. Schlecht ist COUNTDOWN deswegen aber noch lange nicht, denn auch wenn das Bestrafungs-Prinzip der Protagonisten ein wenig SAW-Feeling ins Gedächtnis zurückkehren lässt, bereitet COUNTDOWN reichlich Kurzweil für unersättliche Genre-Gucker.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Zensur

 
 
 
COUNTDOWN ist ein Terrorfilm wie er im Buche steht. Der Film bebildert das Demütigen und Schikanieren seiner Anti-Filmhelden. Blutig ist das zwar bis auf zwei kurze Momente nicht, aber dennoch sehr hart anzuschauen. Wir gehen davon aus, dass COUNTDOWN hierzulande mit KJ-Freigabe (Keine Jugendfreigabe) ungeschnitten in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Home Sweet Home (2013)
 
Das Penthouse (2013)
 
The Aggression Scale (2011)
 
Mischief Night (2013)
 
Kidnapped (2010)
 
The Strangers (2008)
 
Funny Games (1997)

Funny Games – Remake (2007)


Filmreview: “Mindscape” (2013)

mindscape-2013
 
 
 

MINDSCAPE

Story

 
 
 
Anna (Taissa Farmiga) ist im Hungerstreik und John Washington muss analysieren warum. Er kann die Erinnerungen von Menschen lesen und soll die Erlebnisse der minderjährige Patientin scanen um herauszufinden, ob die 16-Jährige unter einem Trauma leitet oder eine Vollblut-Soziopathin ist …
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Kritik

 
 
 
Von gut situierten Mädchen wird im Öffentlich-Rechtlichen berichtet, von ungezogenen Gören liest man auf Filmchecker. Das personifizierte Böse im Körper eines unschuldig dreinschauenden Engels haben bereits unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht, wobei zu den wohl bekanntesten unter ihnen RICHARD DONNER gehört, der im Jahr 1976 mit dem Horrorfilm DAS OMEN die ganze Welt in Schrecken versetzte. Für drei Fortsetzungen und ein Remake hat der Furcht einflößende Stoff gereicht, der vermutlich nicht nur bei besorgten Eltern und selbsternannten Jugendschützern die Alarmglocken hat läuten lassen, weil im Film von einem Sechsjährigen erzählt wird, den alle für einen Nachkommen des Leibhaftigen halten. Nicht der Antichrist in Person, dafür ein Soziopath der ganz finsteren Sorte ist die 16-jährige ANNA (gespielt von TAISSA FARMIGA), die im Thriller MINDSCAPE mit allen Regeln der Kunst Menschen manipuliert und daran auch noch Gefallen findet. Der Spanier JORGE DORADO steckt hinter dem fiesen Ausflug in die Psyche einer gestörten Minderjährigen, der mit MINDSCAPE (international auch als ANNA vermarktet) seinen ersten Langfilm in die Kinos gebracht hat und mit einen wendungsreichen Hochglanz-Thriller überrascht, der besser ist, als es die magere Inhaltsangabe verspricht.
 
MINDSCAPE handelt von John Washington (MARK STRONG), der über eine besondere Gabe verfügt und in die Erinnerungen von Menschen eindringen kann, um Mordfälle lösen zu können. Leider erlitt er während einer der letzten Sitzungen einen Schlaganfall und hat zudem mit dem tragischen Selbstmord seiner Frau zu kämpfen. Damit er wieder auf die Beine kommt und nicht im Selbstmitleid zerfließt wird ihm der mysteriöse Fall der 16-jährigen Anna zugewiesen. Die lebt zusammen mit den wohlhabenden Eltern in einem riesigen Anwesen weit draußen auf dem Land und ist seit mehreren Tagen im Hungerstreik, weil die Eltern ihr Hausarrest verordnet haben. Ganz unbegründet ist deren Entscheidung jedoch nicht, vermutet Mutter Michelle (SASKIA REEVES), dass die eigene Tochter eine ernstzunehmende Gefahr für Andere darstellt, schließlich sind in der Vergangenheit seltsame Dinge passiert, in die Anna kurioserweise immer mit involviert gewesen ist. Erinnerungs-Detektiv John Washington wird beauftragt das Rätsel um den unschuldig dreinschauenden Teenager zu lösen. Er soll auf Anweisung seines Vorgesetzten Sebastian (BRIAN COX) herausfinden, ob die Mutter mit ihrer Vermutung richtig liegt und es sich bei der künstlerisch veranlagten Schülerin um eine unberechenbare Soziopathin handelt. Leider hat Washington nicht mit der Manipulationsgabe seiner kindlichen Patientin gerechnet. Die dreht ganz einfach den Spieß um und beginnt in Johns Erinnerungen zu stöbern.
 
Es muss nicht immer aufgeblasenes Effekte-Kino sein, um spannende Geschichten erzählen zu können, die fesseln. MINDSCAPE-Regisseur JORGE DORADO, der früher mit Leuten wie PEDRO ALMODOVAR (SPRICH MIT IHR) und GUILLEMEREO DEL TORROR (THE DEVIL’S BACKBONE) zusammengearbeitet hat, erreicht mit seinem Erstling fast ähnliches Niveau stilvoller Eleganz, wie die genannten Regisseure von denen er einiges lernen konnte. In seinem Debüt dominieren düstere Braun- und Grautöne, die bereits erahnen lassen, welch unerfreuliche Richtung der Streifen einschlagen wird und die dem Streifen einen ganz individuellen Look verleihen, der nicht selten an teures Mainstream-Kino erinnert. Unheilvoll geht es in MINDSCAPE zu, was vor allem an der unterkühlten Darbietung von ANNA-Schauspielerin TAISSA FARMIGA liegen mag, die Zuschauer und dem beauftragten Erinnerungs-Detektiv nach nur wenigen Minuten zu verstehen gibt, wer hier am längeren Hebel sitzt. Während sich Psychologe John in den Kopf seiner unberechenbaren Patientin beamt und noch einmal einschneidende Erlebnisse aus Annas Leben durch die Mangel nimmt, wittert der Filmfan schon recht früh, dass seine minderjährige Patientin keines dieser schwer traumatisierten Unschuldslämmchen ist. Die manipuliert rasch die eigenen Erinnerungen, damit ihr Gegenüber in Annas Kopf die heile Welt zu sehen bekommt. Aber auch außerhalb der Gedankenwelt wird für Verwirrung gestiftet. Die gute Anna scheint ein geschicktes Händchen für das Legen falscher Fährten zu besitzen und John ein ausgeprägtes Talent Selbige zu wittern. Am Ende sitzt der gutgläubige Therapeut in der Falle und sein Leben rauscht den Bach hinunter. Mit unerwarteten Wendungen jongliert Macher JORGE DORADO übrigens sehr selbstsicher, denn im letzten Teil der Handlung geht es drunter und drüber. Der clever verschachtelte Erinnerungs-Battle mündet in einem ziemlich hinterlistigen Finale, in dem der obligatorische Plottwist selbstverständlich auch nicht fehlen darf. Gut angelegt sind die klug inszenierten 90 Minuten Thrill auf jeden Fall, denn mit seinem Erstling beweist DORADO, dass er den meisten Suspense-Experten in nichts nachsteht. Sein Debüt MINDSCAPE überzeugt durch hervorragende Schauspielleistung und gut geschriebenem Drehbuch. Dass MINDSCAPE ein kleiner Geheimtipp geworden ist, dürfte aber auch an Produzent JAUME COLLET-SERRA gelegen haben, der vermutlich genug Potenzial im Script gesehen hat, um den Film mitzufinanzieren. Der gebürtige Spanier ist nämlich Profi in Sachen Suspense und hat neben UNKNOWN IDENTITY (2011) auch den Psycho-Schocker ORPHAN – DAS WAISENKIND (2009) gedreht. Vergleicht man den Letzteren mit MINDSCAPE dürfte man mit Sicherheit so einige Parallelen entdecken.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Willkommen in der schockierenden Gedankenwelt einer hinterlistigen 16-jährigen: MINDSCAPE ist ein fieser, wendungsreicher und clever geschriebener Hochspannungs-Thriller der Extraklasse, dem wir an dieser Stelle das Prädikat “Geheimtipp” verleihen wollen. Der Spanier JORGE DORADO hat für sein Erstwerk mit TAISSA FARMIGA eine hervorragende Soziopathin gewinnen können, die auch ohne Blutvergießen reichlich Angst und Schrecken verbreitet. MARK STRONG als kahlköpfiger Erinnerungs-Detektiv ist zwar ebenso ambitioniert bei der Sache, kann jedoch seiner Schauspielkollegin (wie sein Charakter im Film) nicht das Handtuch reichen. Unterm Strich wird dem Fan verzwickter Supense-Thriller einen wirklich sehenswerten Genrefilm geboten, der mal wieder klarstellen möchte, dass sich selbst hinter der Fassade kindlicher Naivität das unberechenbar Böse verstecken kann.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Zensur

 
 
 
In MINDSCAPE regiert Thrill und Suspense. Blut gibt es hier eigentlich gar nicht zu sehen, Gewalt ebenso wenig. Aufgrund des düsteren Inhalts vermuten wir jedoch erst eine Freigabe für 16-Jährige.
 
 
 


 
 
 

MINDSCAPE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inception (2010)
 
The Cell (2001)


Filmreview: “House of Dust” (2013)

house-of-dust-2013
 
 
 

HOUSE OF DUST

Story

 
 
 
Einige Teenager verschaffen sich unerlaubten Zutritt in eine verlassene Psychiatrie und ziehen die Aufmerksamkeit eines rachsüchtigen Geistes auf sich …
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Kritik

 
 
 
Die atmosphärischen Low-Budget-Grusler der 70er und 80er waren’s, die Regisseur A.D.CALVO nachhaltig geprägt haben. Insbesondere jene Filme in denen Zombies und Geister die Leinwand bevölkerten und die Toten in die Welt der Lebenden zurückkehren durften. Besonderen Eindruck hinterließen jedoch Streifen wie THE CHANGELING, THE SHINING und LET’S SCRAE JESSICA TO DEATH, die weniger durch Splatter glänzten, sondern das klassische Schauern zum Mittelpunkt machten. Nach einigen Kurzfilmen macht CALVO nun auch vermehrt Langfilme und hat sich, was für eine Überraschung, im Horror-Genre festgefahren. Nach ersten Gehversuchen mit THE MELANCHOLOY FANTASTIC und THE MIDGNIGHT GAME (beide warten immer noch auf eine deutsche Auswertung) verschlägt es den Filmemacher nun mit HOUSE OF DUST in die Welt der Geister und setzt auf Zutaten, die all den Lieblingsfilmen aus seiner Kindheit zum Erfolg verholfen haben. Mehr subtiler Grusel, weniger schaufreudiges Gemetzel – so die Devise, die CALVO mit seinem Irrenhaus-Horror verfolgt. Inspiration hat ihm ein Artikel aus der NEW YORK TIMES geliefert, wo von einem Abriss einer alten psychiatrischen Klinik in Oregon berichtet wurde in deren Keller man eine immense Sammlung Kupferblechbüchsen fand. Die provisorisch in Urnen umfunktionierten Dosen enthielten die Asche der verstorbenen Psychiatriepatienten, welche im hauseigenen Krematorium verbrannt wurden. Allein die Vorstellung einer der Behälter würde in Folge des Abrisses zu Schaden kommen und die Asche eingeatmet werden, verursachte in CALVO derart Gänsehaut, dass er sich an den Schreibtisch setzte, um am ersten Drehbuchentwurf zu HOUSE OF DUST zu kritzeln. Das Resultat wird aber leider nicht einmal ansatzweise dem gerecht, was CALVO in der Jugend schlaflose Nächte bereitet hat. HOUSE OF DUST ist so mit das Überflüssigste, was die Horrorwelt in der letzten Zeit erlebt hat, denn vom gewollt unheimlichen Gruselvergnügen ist weit und breit keine Spur.
 
Es geht um einige College-Kids, die mal wieder den Warnungen trotzen und auf Erkundungstour in eine verlassene Irrenanstalt gehen. Das Gebäude besitzt eine grauenvolle Vergangenheit und wurde selbstverständlich nicht grundlos geschlossen. Ein Arzt wurde dort auf gar grausige Weise aus dem Leben gerissen, der an seinen Patienten unethische Experimente durchgeführt hat. Bei ihren Schnüffeleien stoßen die neugierigen Teenager auf ein Regal mit geheimnisvollen Behältern in deren Inhalt sie die Asche verbrannter Patienten finden, die im klinikeigenem Krematorium eingeäschert wurden. In ihrer Unachtsamkeit stoßen die Studenten eine Urne aus dem Regal und reißen so die dunkle Seele des besonders wütenden Insassen Levius (JOHN LEE AMES) aus dem wohlverdienten Schlaf, der sich gleich den Körpern der ahnungslosen Eindringlinge bemächtigt und allerhand Unheil auf dem Campus anrichtet. Emma (INBAR LAVI) hat den sechsten Sinn und wittert das Unheil. Sie war selbst einmal Insassin einer psychiatrischen Anstalt und schluckt nun Medikamente, um nicht wieder seltsame Stimmen hören zu müssen. Die introvertierte Schülerin riecht schon bald die Lunte und merkt, dass mit ihren Mitschülern etwas nicht ganz richtig läuft. Als dann auch noch unbeliebte Studenten verschwinden, ergreift Emma Initiative und geht dem Spuk auf den Grund.
 
Geister, die durch verlassene Krankenhäuser und Psychiatrien spuken, scheinen mittlerweile in Mode zu sein. Der Überraschungserfolg GRAVE ENCOUNTERS und dessen Fortsetzung haben trotz Found-Footage-Zutat bewiesen, dass es nicht immer nur knarrende Türen und dunkle Flure alter Herrenhäuser sein müssen, die Unbehagen verursachen. Auch leerstehende Sanatorien mit finsterer Vergangenheit können mit ihren modrigen Operationssälen und vergilbten Gummizellen reichlich Gänsehaut entstehen lassen, vorausgesetzt ein Macher lehrt das Fürchten, der Meister seines Faches ist. So rein gar nicht meisterlich ist HOUSE OF DUST geworden, der nicht nur mit einer überraschungsarmen Handlung quält, sondern kaum Gruselfeeling zu bieten hat. Regisseur A.D.CALVO hat hier eine Schlafpille vor dem Herren gedreht, der es nicht ein einziges Mal gelingt dem Filmfan so etwas wie Schauer einzujagen. Stattdessen gibt es lapidaren Horror von der Stange, der eher rasches Einschlafen garantiert, als packend zu unterhalten. Ex-Psychiatriepatientin und Heldin Emma hört schon bald Stimmen und vermutet, dass die verschrieben Medikamente gegen Wahnvorstellungen nicht mehr wirken wollen. Da passieren komisch Dinge und die verunsicherte Protagonistin scheint den Verstand zu verlieren. Auch der Zuschauer wird reichlich verwirrt, kommt aber bald dahinter, dass hier ein Geist sein Unwesen treibt, der in die Körper aller Beteiligten schlüpft, um grausigen Schabernack zu veranstalten. Das liest sich zwar erfrischend kurzweilig, wurde aber in der Praxis quälend zäh umgesetzt. Um das behäbige Treiben aufzuwerten darf zumindest Emma-Darstellerin INBAR LAVI in sexy Outfits schlüpfen, so dass männliche Zuschauer immerhin einige hübsch verpackte Rundungen zu sehen bekommen. Für eine durchschnittliche Bewertung hat’s dennoch nicht gereicht, auch wenn HOUSE OF DUST in der letzten Szene Gas gibt und etwas Nervenkitzel zu bieten hat. Der dürfte vermutlich ohnehin zu spät über die Mattscheibe flimmern, denn bei so ereignislosem Grusel dürften die meisten Horrorfans schon nach nur wenigen Minuten abgeschalten haben.
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Solider Grusel-Nachschub für Fans unheimlicher Geisterfilme mit blutigem Auftakt und nettem Finale. Vier (!) Autoren (darunter der Regisseur selbst) haben am mageren Drehbuch zu HOUSE OF DUST geschrieben; dennoch scheint keinem von ihnen etwas Gescheites eingefallen zu sein. Der Film hat mit permanenter Ideenarmut zu kämpfen und hält sich mit dem Köcheln von Altbewährtem über Wasser. Es werden bekannte Geisterklischees abgeklappert und unsympathische Teenager verschwinden ganz unauffällig von der Bildfläche. Seltsamerweise hat Regisseur A.D.CALVO nicht nur gänzlich auf grafische Gewalt verzichtet, sondern auch den Gruselfaktor aus HOUSE OF DUST gestrichen. Für einen Spukfilm fatal, leben doch derart Filme von atmosphärisch ausgeleuchteten Kulissen, Gänsehautmomenten und deftigen Schockmomenten, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen. Jene Zutaten sucht man in HOUSE OF DUST vergebens, stößt dafür aber auf knapp 90 Minuten Langeweile, die zum vorzeitigen Abschalten animieren. Da fragt man sich doch glatt, was Anbieter ANCHOR BAY bewegt hat, diesen Quatsch zu vertreiben. Dessen Kutter segelt nämlich zu Beginn durchs Bild und wird eigentlich eher mit guten Filmen in Verbindung gebracht. Bei einem derart missglückten Gruselausflug kann man nur hoffen, dass Regisseur A.D.CALVO seine Pläne nicht in die Tat umsetzen wird. Denn glaubt man den Interviews, würde er gern ein Prequel zu HOUSE OF DUST drehen – um Gottes Willen!
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Zensur

 
 
 
HOUSE OF DUST ist nicht nur ein ziemlich lahmer Vertreter des Genres, sondern auch ein sehr blutarmer. Am Anfang bekommt ein Arzt einen Bohrer in den Kopf gerammt und einige Experimente an hilflosen Patienten gibt es ebenfall zu bestaunen. Danach ist Schluss mit lustig und der Film plätschert überraschungsarm daher. Gewalt gibt es leider kaum zu sehen, was HOUSE OF DUST eine ungeschnittene FSK16 bescheren dürfte.
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters 2 (2013)
 
Sanitarium (2013)
 
Grave Encounters (2011)


Filmreview: “Discopath” (2013)

Discopath-2013
 
 
 

DISCOPATH

Story

 
 
 
New York City im Jahre 1976. Immer dann, wenn Teenager Duane Lewis (Jeremie Earp-Lavergne) Disco hört, wird er zum Tier. Dann hat er sich nicht mehr unter Kontrolle und bringt Frauen bestialisch um die Ecke. Bald wittert die Polizei die Spur des unberechenbaren Killers, der nach Montreal flieht, um dort seine kleine Leidenschaft ungestört ausleben zu können …
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Kritik

 
 
 
Schon einmal einen Film über einen Killer gesehen, der auf Disco-Gedudel steht und seine Opfer auf der Tanzfläche ins Jenseits befördert, ohne dass es jemand bemerkt? Von der filmischen Umsetzung einer derart makabren Szenerie hatte Nachwuchstalent RENAUD GAUTHIER schon immer geträumt, so dass er flink an einem Drehbuch zu einem Horrorfilm pinselte und das Projekt mit dem trashigen Namen DISCOPATH auf der französische Crowdfunding-Website TOUSCOPROD bewarb, wo es von anderen Filmbegeisterten mitfinanziert werden konnte. Das Geld schien bei Nutzern des Portals recht locker gesessen zu haben, so dass die knapp 200 000 Dollar Produktionskosten überraschend schnell zusammenkamen und sich GAUTHIER nach einer eigenen Web-Serie, Kurzfilmen und Musikvideos endlich den Traum vom ersten Langfilm erfüllen konnte. Retro geht es in DISCOPATH zu, denn der Film spielt nicht nur in den 70ern, er verbeugt sich auch ehrfürchtig vor den Horrorstreifen jener Zeit. Die Liebeserklärung richtet sich an die deftigen italienischen Giallo-Filme der späten 70er und das austauschbare Slasher-Kino der frühen 80er, als Horror-Streifen wie Argentos TENEBRE, Fulcis NEW YORK RIPPER und Lustigs MANIAC den Jugendschutzbeauftragten der FSK schlaflose Nächte bereitet haben.
 
Macher RENAUD GAUTHIER erzählt in DISCOPATH eine Geschichte, die so bescheuert ist, dass sich das schon wieder zum Kult deklarieren lässt, was sich da auf der Kinoleinwand abspielt. Hier geht es um den Teenager Duane Lewis (JEREMIE EARP-LAVERGNE), der als Kind miterleben musste, wie der Vater beim Musizieren an einem Stromschlag qualvoll verendet ist. Der Junge ist seitdem schwer traumatisiert und permanent dem Wahnsinn nahe, wenn Disco-Musik aus den Lautsprechern der Radios schallt. Bald hat Duane sich selbst nicht mehr unter Kontrolle und ermordet ein adrettes Mädchen, das ihn eigentlich nur zum Tanz in einen lokalen Club einladen wollte. Weil die Polizei recht zügig die Ermittlungen aufnimmt, flüchtet der Nachwuchskiller von New York City nach Montreal und findet dort eine Anstellung in einem Mädcheninternat, wo er getarnt als taubstummer Hausmeister Reparaturarbeiten erledigt. Doch auch in den 80ern scheint Disco nach wie vor zum Tanzen zu animieren, so dass Duance bald wieder in altes Schema verfällt und wahllos Frauen zu meucheln beginnt, sobald Disco-Klänge ertönen. Schnell mehren sich auch in Montreal die Mordfälle und die Polizei kommt dem introvertierten Psychopathen auf die Schliche. Doch der ist den Beamten stets einen Schritt voraus und scheint allmählich Freude an seinem neuen Hobby zu finden.
 
GAUTHIERS Erstling sollte man mit einem Augenzwinkern genießen. In einem Interview verriet der Regie-Neuling, dass der teils ironische Unterton von DISCOPATH anfänglich gar nicht so gewollt gewesen ist. DISCOPATH sollte eigentlich ein furchteinflößender und ernster Film werden. Die oftmals unfreiwillige Komik wurde jedoch erst am Schnittpult erkannt und in der Nachbearbeitung hervorgehoben, steht DISCOPATH aber dennoch ganz gut. Wenn Killer Duane nämlich Frauenköpfe auf Plattentellern spießt und rotieren lässt und wenn eine wilde Verfolgungsjagd vom Kiss-Hit I WAS MADE FOR LOVIN’ YOU begleitet wird, wirkt das so überzogen, dass man meinen könnte gerade eine Persiflage auf das schlitzfreudige 70/80er Horrorkino zu sehen. Schlecht ist das freilich nicht und macht vor allem deshalb Laune, weil GAUTHIER ein talentiertes Händchen für Trash auf hohem Niveau besitzt. Die vielen Gore-Effekte sind abwechslungsreich und werden vollkommen übertrieben zelebriert (da wird Vinyl in Frauenkörper gespießt); die technische Komponente überzeugt durch hervorragende Kameraarbeit und einige Farbspielereien, die man auch schon in Argentos früheren Werken zu sehen bekam, machen sogar Giallo-Fans glücklich. Die eigentliche Quintessenz des Films ist jedoch der Sound, der hier von BRUCE CAMERON mit viel Liebe zum Detail komponiert wurde und an all die großen Tanz-Hits jener Dekade erinnert. Neben neu geschriebenen Stücken wurden auch bekannte Melodien der Disco-Ära (wie KC AND THE SUNSHINE BAND – I’M YOUR BOOGIE MAN) für DISCOPATH wiederverwurstet, die vermutlich bei einigen Horrorfans älteren Semesters Erinnerungen an die eigene Jugend wecken dürften. Leider bleibt bei soviel Liebe zum Retro und übertriebenem Blutgematsche wie so oft inhaltlich einiges auf der Strecke. Eine Charakterisierung der Protagonisten gibt es nämlich nicht und die psychologische Erklärung für Duanes traumatische Reaktion ist mit das schwachsinnigste was der Filmfan bisher im Kino zu sehen bekommen hat. Das weibliche Kanonenfutter stolpert mal wieder vollkommen unbedacht durchs Bild, um in der nächsten Szene irgendwie um die Ecke gebracht zu werden und stümperhaftes Overacting gehört in DISCOPATH zur Tagesordnung. Die genannte Fehlschläge kann man GAUTHIER jedoch nicht verübeln, waren Overacting, mangelnde Charakterisierung und sinnbefreites Morden in den unzähligen Slasher-Gurken der 70er und 80er ohnehin gang und gäbe und haben das Slasher-Genre zu dem gemacht, was es heute ist: Gruselunterhaltung, auf die der Horrorfan nicht mehr verzichten möchte.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SATURDAY NIGHT FEVER war gestern, jetzt kommt der SATURDAY NIGHT KILLER. Weil dem Regie-Neuling RENAUD GAUTHIER als Kind so einige Disco-Klänge Gänsehaut bereitet haben, verarbeitet er jetzt mit DISCOPATH Kindheitserlebnisse. Antiheld und Killer Duane Lewis hat ähnliches erlebt und meuchelt sich ganz ungeniert und kreativ durch weibliches Fleisch. Gematscht wird reichlich und das nicht immer bierernst, denn DISCOPATH erheitert immer mal wieder mit subtiler Komik, die eigentlich von Macher RENAUD GAUTHIER anfangs gar nicht so gewollt gewesen ist. Der Streifen schöpft Unterhaltungswert aus der trashigen Art, wie er sich vor italienischen Giallo-Filmen und den trivialen Slasher-Schockern der 70er und 80er verbeugt. Da werden Morde blutig und überzogen zelebriert und das weibliche Kanonenfutter spielt auch gern mal mit den Reizen, bevor es in der nächsten Szene den Tod findet. Für Indie-Horror schaut GAUTHIERS Erstwerk einfach nur fantastisch aus und der nostalgische Disco-Soundtrack überzeugt durch Liebe zum Detail. Das FILMCHECKER-Team war angetan, denn DISCOPATH ist charmanter Retro-Trash bei dem Giallo- und Slasherfans ganz warm ums Herz werden dürfte.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Zensur

 
 
 
In DISCOPATH werden Frauen enthauptet, Köpfe auf Plattenteller gespießt und Körperteile mit Schallplatten verschönert. Außerdem wird ein Sprung von einem Hochhaus inklusive Resultat gezeigt, sowie diverse Einstichwunden und Starkstromschläge. Das dürfte für eine KJ-Freigabe ausreichen.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Maniac (1980)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Der New York Ripper (1982)


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