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Filmreview: „If a Tree falls“ (2010)

 

 

Die Geschwister Brad und Lisa befinden sich auf dem Weg zum jährlichen Familientreffen.

Mit an Bord, zwei langjährige Bekannte der Geschwister, Will und Vanessa. Unterwegs legen die Freunde in den Wäldern Ost-Kanadas eine Rast ein, um sich von der anstrengenden Fahrt zu erholen. Doch der erheiternde Camping-Kurztrip wird jeher gestört, als einige vermumte Gestalten auftauchen und die vier grundlos auf derbster Weise schikanieren, terrorisieren und demütigen.

 

 

Mit dem „Grindhouse„-Spektakel „Planet Terror“ und „Death Proof“ haben es „Robert Rodriguez“ und „Quentin Tarantino“ im Jahre 2007 geschafft das längst vergessenen „Grindhouse-B-Movie-Genre“ der 60er und 70er Jahre zu reanimieren und erneut salonfähig zu machen. Dabei haben sie eindrucksvoll bewiesen, dass auch reißerischer und vorwiegend auf Sex, Horror und Gewalt ausgelegter Billig-Bahnhofskino-Schund, der vor nunmehr bereits 60 Jahren großen Anklang fand, auch heute noch Unmengen Horrorfilm-Liebhaber begeistern und unterhalten kann. Aufgrund des fortschreitenden Kultstatus des Rodriguez/Tarantino- „Grindhouse„-Projektes folgten diverse Nachzügler dieser Werke („Hobo with a Shotgun„, „Fathers Day„, „Machete„), die mal mehr, oder weniger überzeugen konnten.

Einer dieser kleineren, unbekannten Produktionen ist der nun vorliegende „If a Tree Falls„, der der Bezeichnung „billiger Bahnhofs- und Sex-Kinoschund“ , mit seiner kruden und exploitationhaften Inzenierung und der ungeschönten Darstellung genretypischer Zutaten, vollends gerecht wird.

Dabei ist die 10 minütige kontroverse Einleitung nur ein Vorbote dessen, welch haarsträubend kranke Ideen dem jungen Nachwuchs-Drehteams „Gabriel Carrer„(Regie) und „Ryan Barrett“ (Drehbuch) in den Sinn gekommen sind und die nun dem Zuschauer grafisch krude untergejubelt werden. Denn nachdem die vier Charaktere aufs nötigste vorgestellt und skizziert wurden, geht die Post gehörig ab und der Filmfreund erhält die gesamte restliche Filmlaufzeit über Gewalt und Terror satt. Nachdem die Freunde ein kuscheliges Nachtlager im Wald gefunden und es sich gemütlich gemacht haben, beginnen 6 mit Strumpfhosen maskierte Fremde, die wehrlosen Opfer aufs unmenschlichste zu malträtieren. Die Beweggründe ihres Handelns bleiben größtenteils verborgen, und dem Zuschauer drängt sich ein merklich ungemütliches und hilfloses Gefühl auf, dass von Filmminute zu Filmminute, durch die recht unmenschliche Vorgehensweise der anonymen Psychopathen, auf die Spitze getrieben wird.

Verstärkt wird dieser, für den Zuschauer arg anstrengender Psycho-Trip, durch den arg selbstzweckhaften „Grindhouse„-Look, der dem Geschehen eine gewisse Authentizität verleiht.

Das Geschehen wechselt zwischen der Sicht der Täter, die ihre Greueltaten mit einer Digital-Kamera filmen und der der Opfer hin und her.

Das Bild weist stellenweise schlimmste Verschmutzungen auf, das Filmmaterial wirkt verwaschen und überbelichtet und Tonaussetzer sind keine Seltenheit.

Wie zuletzt in „Planet Terror“ und „Death Proof„, sowie den diversen anderen „Grindhouse„-Beiträgen trägt dieser „billig„-Effekt enorm zu Atmosphäre der genannten Filmen bei und wirkt in „If a Tree Falls“ überaus verstörend. Dennoch aufgrund der überaus sadistischen Darstellung und der arg kontroversen Thematik, dürfte „ungeübten“ Filmfreunden der Kloß wahrlich im Halse stecken bleiben. Aufgrund des recht geschickt eingesetzten „Grindhouse„-Filters und der, zugeben erschreckend glaubhaften Interaktionen und schauspielerischen Leistungen der Protagonisten, vertuscht Regisseur Gabriel Carrer die diversen Logiklücken und Filmfehler, die zudem auch einen recht amateurlastigen Eindruck hinterlassen. Das arg oberflächliche Skript, gibt den wenige Protagonisten kaum Entfaltungsmöglichkeiten und bietet im Grunde genommen nur Gewalt und Demütigung des Selbstzwecks wegen.

 

 

If a Tree Falls“ ist ein wahrlich kranker Film, der vermutlich seine Fans finden wird. Die unmenschliche Vorgehensweise bietet hier die Grundlage dieses überaus dilettantisch inszenierten Werkes, welches sich zudem „Grindhouse„-untypisch bierernst nimmt. Filmische Schwächen, das begrenzte Filmbudget und dramaturgische Tiefschläger werden hier unter dem Deckmantel eines „Grindhouse„-Filmes recht gelungen kaschiert. „If a Tree falls“ ist Gewaltpornografie satt, das auf ungeübte Filmzuschauer überaus verstörend wirkt.

Splatter-Effekte oder übertrieben Folterszenen sind hier Mangelware – Die selbstzweckhafte Gewalt spielt sich vorwiegend psychisch ab. Dennoch, aufgrund der geschickt platzierten Schnitte, lassen sich einige „Krösel-Szenen“ in ihrer hektischen Inszenierung, nicht so leicht durchschauen.

Für meinen Geschmack jedoch ist “ If a Tree falls“ etwas zu viel des Guten, denn wer sich daran ergötzen kann, wie vier unschuldige Menschen über eine halbe Stunde am Stück gedemütigt, geschlagen, erniedrigt und letztendlich ermordet werden, der sollte vermutlich schnellst möglich den Psychiater seines Vertrauens aufsuchen.

Aufgrund der schwierigen und fragwürdigen Thematik wird es „If a Tree falls“ vermutlich niemals FSK-tauglich ungeschnitten nach Deutschland schaffen. Eine ungeprüfte Veröffentlichung im deutschsprachigen Ausland dürfte vermutlich nicht allzu lang auf sich warten lassen.

 

 

 

Fazit: 3/10 Punkten

 

Psychische und physische Gewalt des Selbstzwecks wegen und unter dem Deckmantel eines „Grindhouse„-Movies.

Der Hauch einer Story wird mit haarsträubend-unmenschlichen Terrorszenen kaschiert – Wem´s gefällt.

FSK-Prognose: ungeschnitten keine Freigabe! Veröffentlichung über das deutschsprachige Ausland möglich.

 

 

Hellraiser80

 

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5 Antworten

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