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Filmreview: „Hemorrhage“ (2012)

hemorrhage 2012
 
 
 

HEMORRHAGE

Story

 
 
 
Oliver leidet an einer Form von Schizophrenie und Halluzinationen. Seit sechs Jahren befindet er sich in einer psychiatrischen Anstalt. Als er entlassen wird, um wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden, hat das für ihn und sein Umfeld bittere Auswirkungen …
 
 
 


 
 
 

HEMORRHAGE – Kritik

 
 
 
Wenn man sich im Horrorgenre umschaut, könnte man meinen, dass man in dieser Welt rein gar nicht mehr sicher sein kann. Vor allem, wenn es um geisteskranke Psychopathen geht, findet die Kreativität eifriger Drehbuchschreiber keine Grenzen mehr. Mordgeile Psychos sieht man nahezu in jedem zweiten Horrorfilm, wo sie sich nicht selten mit viel Enthusiasmus und allerhand Baumarkt- und Haushaltsutensilien durch die Körper ihrer Opfer arbeiten. Den Ambitionen der Täter wird jedoch nur in wenigen Fällen Beachtung geschenkt, schließlich will sich der Horrorfan an möglichst blutigen Morden erfreuen und sich nicht durch akribische Psychogramme kaltblütiger Killer quälen. Wer jedoch Genre-Schocker einzig der Freude an niveaufreier Metzelunterhaltung wegen in den DVD-Player wirft, dürfte mit dem heute besprochenen HEMORRHAGE nichts anzufangen wissen. Dieser Indie-Trip ist nämlich genau eines jener Filmchen, das sich mit der Psyche seines kranken Hauptdarstellers beschäftigt. An HEMORRHAGE ist mal wieder offensichtlich, dass unabhängige Regisseure oft die besseren Streifen drehen, da sie sich an keine Konventionen profitorientierter Filmgiganten orientieren müssen. Ihnen steht meist ein großer Experimentierspielraum zu Verfügung, so dass der Filmfreund aus dem Indie-Sektor das serviert bekommt, was sich große Filmstudios einfach nicht zu drehen trauen. Aus dem weit entfernten Kanada kommt das nun folgende Stück Film, das von BRADEN CROFT inszeniert wurde und bei dem es sich weniger um knüppelharten Horror handelt. Wie es bei Indie-Produktionen der Fall ist, musste sich der Regisseur als Multitalent profilieren. Neben Kamera, Drehbuch und Regie hat er in seinem Debüt auch gleich noch eine Rolle übernommen und als Produzent fungiert, schließlich herrscht bei kleinen Produktionen meist Ebbe in der Kasse. Dem Psychodrama hat das marginale Budget keineswegs geschadet, schafft Neuling CROFT mit wenig Geld sogar das Kunststück, das nur wenigen Nachwuchsregisseuren und eher Alteingesessenen gelingt: einen guten Film zu drehen.
 
In seinem Debütstreifen geht es um den einzelgängerischen Harvard-Medizinstudenten Oliver Lorenz (ALEX D. MACKIE). Der leidet an Schizophrenie und Halluzinationen, hat sechs Jahre zuvor die Mutter in den Tod getrieben und fristet seither sein Dasein in einer psychiatrischen Klinik. Seine Ärztin (DIANE WALLACE) ist nach Jahren der Therapie davon überzeugt, dass Oliver durchaus im richtigen Leben zurechtkommen könnte, insofern er immer fein brav seine Medikamente schluckt. Sie bewirkt eine überwachte Entlassung, so dass der vermeintlich rehabilitierte Mann erneut in die Gesellschaft eingegliedert werden kann. Oliver wird Arbeit in einer Fabrik zugewiesen. Wirklich gut fühlt er sich dort jedoch nicht, denn bald beginnen ihm wieder Halluzinationen den Spaß am neuen Leben zu verderben. So wird der verwirrte junge Mann von seiner Ärztin zwangsversetzt und findet eine Anstellung als Hausmeister in einem Krankenhaus. Für den Sohn eines verstorbenen Arztes eine gute Möglichkeit, doch irgendwie eine Heilung für seine Erkrankung finden zu können, doch es kommt wie immer alles anders. Bereits am ersten Arbeitstag begegnet er der attraktiven Krankenschwester Claire (BRITTNEY GRABILL) und entwickelt Sympathien für die zurückhaltende Schönheit. Therapeutin Dr. Peck ist über die Bekanntschaft gar nicht erfreut und erklärt ihrem Patienten vehement, dass er für eine derartige Beziehung noch nicht bereit sei. Doch Oliver lässt sich nicht entmutigen. Er beschließt, seinen eigenen Weg zu gehen, entführt die nichts ahnende Claire und versucht die Aufzeichnungen seines Vaters zu finden, in denen er hofft eine Methode zur Heilung seiner Krankheit zu finden.
 
Bevor jedoch der Protagonist vom rechten Weg abweichen wird, werden die Geschehnisse erstmal im Pseudo-Dokustil beleuchtet. Es werden grausige Operationenszenen aus längst vergangenen Zeiten gezeigt und ein Arzt kommt in kurzen Interview-Fetzen zu Wort. Danach wird auch schon der Filmheld vorgestellt und die Ereignisse nehmen ihren Verlauf. Interessanterweise wird Patient Oliver nicht zum unberechenbaren Irren deklariert. HEMORRHAGE ist einer dieser Filme, die sich nicht vordergründig mit den Taten des Mörders beschäftigen und sie an den Pranger stellen wollen. Stattdessen steht die unheilbare Erkrankung und die mentale Verfassung Olivers im Mittelpunkt. Diesem fehlt in der riesenhaften und anonymen Welt ausreichend Halt und er muss sich ohne Beistand selbst in der Gesellschaft zurechtfinden. Unterstützung erhält der psychisch Kranke nur von seiner Ärztin, die mit ihm telefonisch in Verbindung steht. Doch auch der gelingt es nicht den psychischen Verfall ihres Patienten aufzuhalten. Vollkommen allein und provoziert von der “bösen” neuen Welt, wird die Krankheit immer präsenter und nimmt den Leidtragenden erneut in Beschlag. Trotz Pillen und Medikamente ist Oliver bald nicht mehr Herr seiner Sinne und kann kaum noch zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Packen ihn Angst oder Wut, wandeln vor seinen Augen die mit Blut besudelten Körper seiner Opfer umher.
 
Regisseur BRADEN CROFT schafft es immer wieder den Zuschauer zu verwirren. Der weiß nämlich irgendwann selbst nicht mehr so wirklich, welche Taten die tragische Filmfigur nun wirklich begangen hat und was sich da fiktiv im Hirn Olivers zusammenbraut. Lobenswerterweise muss man sagen, dass für HEMORRHAGE zwei wirklich sehr gute Hauptdarsteller gefunden wurden. ALEX D. MACKIE scheint die Rolle des fragilen und verletzlichen Oliver wie auf dem Leib geschneidert und auch BRITTNEY GRABILL brilliert in der Opferrolle der gefügigen Claire. Gesprochen wird nur wenn nötig; die beiden Protagonisten interagieren und leiden stattdessen meist wortkarg mit- und füreinander. Filmemacher CROFT war es wichtig, dass seinem Antihelden eine gewisse Menschlichkeit zueigen wird. Das gelingt dem Regiedebütanten wirklich selbstsicher. Trotz aller Taten, tritt Oliver nie als bestialischer Killer in Erscheinung. Vielmehr mag man als Zuschauer partout nicht das Gefühl loswerden wollen, als möchte man die ohnehin schon geschundene Seele in die Arme nehmen wollen. Das mag auch Krankenschwester Claire gedacht haben, die zwar von Oliver entführt wird, aber im Verlauf der Geschichte eine befremdliche Zuneigung zu ihrem Entführer entwickelt.
 
Gute Filme braucht das Genre und das ist BRADEN CROFT mit seinem Erstwerk HEMORRHAGE auf jeden Fall gelungen. Das schicksalsreiche Psycho-Drama ist Filmkunst, deren Unbehagen sich langsam ihren Weg bahnt und den Zuschauer in den letzten Filmminuten dort packt, wo’s am meisten weh tut. HEMORRHAGE ist ein Film, der sich viel Zeit für seinen Protagonisten nimmt und diese sowie auch den Zuschauer durch einen heftigen Albtraum jagt. Wenn sich am Ende Oliver seinen Geistern stellt und die Konsequenz daraus bitter vor den Kopf stößt wird schnell klar, dass CROFT alles richtig gemacht hat. Ein ambitionierter Indie-Geheimtipp wie er im Buche steht, auch wenn er sich nicht zwangläufig ins Horrorgenre einordnen lässt.
 
 
 


 
 
 

HEMORRHAGE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
HEMORRHAGE ist ein unglaublich intensiver und ebenso erschütternder Psychotrip, der die Rolle des kranken Killers aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Lobenswert authentisch gespielt, sollten Horrorfreunde mit Vorliebe für filmischen Tiefgang diesem außergewöhnlichen Psycho-Drama eine Chance geben. Wer hier blutige Dutzendware erwartet, wird enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

HEMORRHAGE – Zensur

 
 
 
HEMORRHAGE ist kein blutrünstiger Horrorfilm. Hier hält der Filmfan ein eher verstörendes Psychodrama in Händen, bei dem am Ende auch etwas Blut fließen darf. Eine ungeschnittene FSK16 ist wahrscheinlich.
 
 
 
 


 
 
 

HEMORRHAGE – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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