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Filmkritik: „The Resurrected“ (1991)

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THE RESURRECTED

(EVIL DEAD – DIE SAAT DES BÖSEN)

Story

 
 
 
John March (John Terry) ist ein klassischer amerikanischer Privatermittler. Zwar nicht so weltmüde und abgerissen wie die Helden von Hollywoods „Schwarzer Serie“ aber doch ein ungut daherkommender Schnüffler. Genau das ist es aber, was die besorgte Clare Ward (Jane Sibbett) jetzt braucht. Ihr Mann, Charles Dexter (Chris Sarandon, Susans Ex aus grauer Vorzeit und uns Horror Hounds aus DIE RABENSCHWARZE NACHT, 1985 bekannt) ist unter bisher noch nicht ganz geklärten Umständen darauf gekommen, sich mit der dunkelschwarzen Okkultismus-Vergangenheit seiner Vorfahren aus vergangenen Jahrhunderten zu beschäftigen. Nach ein paar unheimlichen Persönlichkeitsveränderungen ist Charles mittlerweile verschwunden und seine Frau befürchtet das schlimmste. Tatsächlich übertreffen die Aktivitäten des einstigen Durchschnittsehemannes die Ängste um sein Wohlergehen noch. Marchs Ermittlungen führen zu Ergebnissen, die den hartgesottenen Kriminalisten an sich und der Welt zweifeln und sogar verzweifeln lassen.

 
 
 


 
 
 

THE RESURRECTED – Kritik

 
 
 
Sie müssen Sich das so vorstellen. Als ich noch ein kleiner Filmfreund war, wurde ungefähr jede zweite Blockbuster-Steckrübe mit „der Stoff galt lange als unverfilmbar“ an den Mann gebracht. Später zeigte der Kommerz seine echte Fratze und „unverfilmbar“ hieß lediglich, dass man nicht genug Kohle würde aufbringen können, die Production Values, besonders die Effekte natürlich, halbwegs überzeugend aussehen zu lassen. Die Jahre gingen ins Land, der Siegeszug der CGI-Effektmaschinen hatte eine Schneise verbrannter Latex- und Holzwerkstätten in Hollywood and beyond hinterlassen. Alles konnte verfilmt werden. Die Studios waren unbarmherzig. Nachdem eine Reihe dünner Piratengeschichten, basierend auf einer Achterbahn in Disney World, verlässlich zum Dukatenscheißer geworden war und sich die Gelder des Publikumsviehs nur mit den Verfilmungen von an Achtjährige gerichteten Superheldencomics teilen musste, geriet man als Fan ins Fantasieren darüber, was jetzt möglich sein würde.
 
 
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Warum jetzt das ganze kulturpessimistische Gebrabbel, fragt sich der Leser gerade. Zurecht, mes amis, zurecht. Aber, hier kommen wir zum Punkt, dem Punkt der letzten Unverfilmbarkeit nämlich. Howard Phillips Lovecraft, Neu-Engländer durch und durch, 1890 bis 1937 dort gelebt und gestorben, war, diese Deutlichkeit muss hier zum Einsatz kommen, der wichtigste Horror-Autor der Entertainment-Geschichte. Seine Vorläufer Poe und Bierce in den USA, Gogol oder Hoffmann in Europa, um nur ein paar zu nennen, sollen hier nicht geschmälert werden. Keinesfalls. Trotzdem war es der „Einsiedler von Providence“, dessen Ideen, eine Serie von Geschichten mit einer eigenen Mythologie zu unterfüttern, die im Endeffekt nur dazu dient, den Menschlein ihre Popeligkeit in der Unendlichkeit des Kosmos vor Augen zu halten, unschätzbaren Einfluss auf die Grundsätze dessen, was wir „Horror“ nennen, hatten und bis heute haben. Stephen King definiert Lovecrafts Standardsituation der Protagonisten, die sich Aug´in Aug´mit einer außer-dimensionalen Bedrohung sehen, die sie schlicht nicht begreifen können und darüber auch mal wahnsinnig werden, schlicht als Definition von Horror. Aus dem Eindringen von etwas in die Lebenswirklichkeit, das dort nicht hingehört (so hatte Hollywoods erster Horrorfilmstar Lon Chaney vor inzwischen bald hundert Jahren sein Genre definiert und das Bild vom Clown im fahlen Mondschein beschrieben) wird bei H.P. Lovecraft eine Veränderung dieser Wirklichkeit auf groteske, allumfassende Weise. Den Figuren wird buchstäblich die Welt unter den Füßen weggezogen.
 
 
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Dieses „kosmische Grauen“, von Lovecraft in dröhnende Kaskaden beängstigender Adjektive verpackt, mit seinen von menschlichen Zungen nicht aussprechbaren vorzeitlichen Gottheiten, die ganze Welten schlucken wie Smarties, beschränkt sich auf der Leinwand auf ein paar Zitate. Zahlreiche Versuche, etwa HPLs bekannteste Figur, die Tentakelgottheit Cthulhu, abzubilden, endeten in mittelprächtigen Godzilla-Monsterfilmen. Das abstrakte Moment, wie er es nannte „Unaussprechliche“ konnte bisher nur von Filmemachern getroffen werden, die sich avantgardistischer Darstellungsweisen bedienten. Hier seien die Scherenschnitt-Effekte aus THE DUNWICH HORROR (1970) oder der 2005 erschienene Neo-Stummfilm THE CALL OF CTHULHU genannt. Perverserweise ist auch die vielgescholtene Comicverfilmung HOWARD – EIN TIERISCHER HELD (1986) nah dran am Ton. JJ Abrams Ausflug zur Found Footage, CLOVERFIELD ist, 2008 entstanden, nicht nur der einzige ernsthafte Godzilla-Film, sondern auch eine gelungene Momentaufnahme paranoider Lovecraftiana. Gerüchte über Verfilmungen, die in der kalifornischen „development hell“ feststecken, gibt es fast in jeder Saison. Man darf annehmen, dass die Sache erst funktioniert, wenn Heavyweight Champions wie Peter Jackson oder Guillermo del Toro ihre Hüte in den Ring werfen. Ersterer musste lange kämpfen, bis ihm New Line Cinema grünes Licht für seinen DER HERR DER RINGE, ein weiteres Paradebeispiel des unverfilmbaren Buchs, erteilte. Del Toro, absoluter Geistesverwandter Jacksons, der, genau wie der Neuseeländer den Leidensweg des kleinen Genrefilmers absolviert hat, gab in seinem ersten HELLBOY-Film, schon ein paar Andeutungen zum besten, wie er sich den Cosmic Horror H.P. Lovecrafts vorstellt. Bis da aber zusammengewachsen ist, was zusammengehört, müssen wir uns daran erfreuen, was die Community der Horror-Schaffenden, reich oder sparsam, aus jenen Geschichten des Neu-Engländers macht, die nicht dem übermächtigen Cthulhu-Zyklus angehören. Dan O´Bannons Frühneunziger-Grusler THE RESURRECTED steht auf dieser erlauchten Liste ganz oben.
 
 
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H.P. Lovecrafts Short Story DER FALL DES CHARLES DEXTER WARD ist eine dicht erzählte Detektivgeschichte mit Falltür ins Übernatürliche, wie sie auch dem alten Edgar Allan Poe gefallen hätte. „Private Eye“ March wühlt sich durch Anzeichen für die Existenz einer Welt, die er rein rational nicht verstehen kann und muss nach und nach anerkennen, dass es da draußen mehr gibt, als ein Menschengeist zu verarbeiten in der Lage ist. Das Ganze in unglaublich stimmigen Aufnahmen desolater Landschaften, wie man sie etwa kürzlich in TRUE DETECTIVE zum elementaren Part der Atmosphäre erhoben beobachten konnte. Nur eben vom grauen Nordosten und nicht dem Louisiana dieser sagenhaften Serie. Ständig dräut im Hintergrund die Bedrohung, die Realität könne hinter der nächsten Tür nur noch eine Möglichkeit unter vielen sein – unterstrichen vom manchmal etwas plastikhaften Bombast-Score des alten Haudegen Richard Band. Das ist der Bruder des unverwüstlichen Puppenhorror-Produzenten Charles. Mit Dan O´Bannon (1946-2009) war hier jemand am Ruder, der sich der Achtung von Fans und Kollegen immer sicher sein konnte. Wäre der Mann uns nicht derart unverschämt früh von einer Dreckskrankheit wie Morbus Crohn genommen worden, würde er heute den Säulenheiligenstatus via Internet genießen, der den John Carpenters und Wes Cravens der Kinowelt vorbehalten ist. Da bin ich mir sehr sicher. Sein Resumee liest sich wie ein Best Of aus dem Filmlexikon. Da ist THE RESURRECTED eher eine kleine Nummer. Andererseits hat der Mann diesen Film mit der gleichen Sorgfalt, Liebe und enger Verbundenheit zum Genre in die Tat umgesetzt die er in ein Millionenprojekt investiert hätte. Dass man sich auf Seiten der deutschen Videoverleih-Bestien einfach mal den grinsenden Schädel aus TANZ DER TEUFEL fürs Cover schnappte und (damals wusste der Fan wenig bis nüscht von Originaltiteln) und das Ding tatsächlich kackendreist EVIL DEAD nannte, ist eine dieser Geschichten aus den Barbaren-Jahren prä-Internet, die einem heute kaum jemand glauben will. Immerhin ein kleiner Zufallstreffer, bedient sich Sam Raimis stilbildender Eighties-Horror doch auch der Ideen HPLs: Das Necronomicon war einst auf neu-englischem Mist gewachsen.
 
 
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THE RESURRECTED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Zu Unrecht in Vergessenheit geratener Horrorfilm aus der fürs Genre interessanten Transitionszeit der frühen Neunziger. Hier wird das Spannungsfeld des „inspired by H.P. Lovecraft“ angezapft. Zum Glück ist seine Story DER FALL DES CHARLES DEXTER WARD eine der geerdeteren Gedankengebilde des Autors. Dan O´Bannons Film leidet nicht an der Unerfüllbarkeit irgendwelcher Cthulhu-Vorgaben. THE RESURRECTED ist eine doppelt nostalgische Buttercremetorte. Man denkt gleichzeitig an Roger Cormans Poe-Adaptionen aus den frühen Sechzigern und das amerikanische Horrorkino, das sich während der Achtziger so selbstbewusst geben konnte wie nie zuvor. Nicht zuletzt macht ein „labor of love“ wie THE RESURRECTED einmal mehr deutlich, wie sehr der gegenwärtig grassierende Genre-Boom mal ein bis zwei Jahre Pause machen sollte – und wie sehr uns Dan O´Bannon fehlt.
 
 
 


 
 
 

THE RESURRECTED – Zensur

 
 
 
Wie schon auf VHS, ist die nun erhältlich Blu-ray und DVD ungeschnitten. Leider ist die veröffentlichte Fassung von THE RESURRECTED die bisher erste, legale digitale Auswertung des Horrorklassikers in Deutschland. Bisher lag nur ein Bootleg auf Filmsammlerbörsen aus. Demzufolge freut es, dass der Horrorstreifen nun in einer wunderbaren Sonderedition auf den Markt gebracht wurde. Großes Lob an Rechteinhaber OFDB FILMWORKS.
 
 
 


 
 
 

THE RESURRECTED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB FILMWORKS – Digipack (auf 3000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Resurrected; USA 1991

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Klassiker

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Audiokommentar (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Audiokommentar (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Audiokommentar (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,78:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 106 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Auf 3000 Stück imitiertes Digipack

Extras: 84-seitiges Booklet „Lovecraft Resurrected – Die kosmische Katakomben-Kunst des Dan O’Bannon“ von Jörg Kopetz, Audiokommentar von Kai Naumann und Dr. Marcus Stiglegger, Audiokommentar von Jörg Kopetz und Daniel Perée vom Wicked Vision Magazin, Audiokommentar von den Produzenten Mark Borde und Kenneth Raich, Drehbuchautor Brent V. Friedman, Special Effects Creator Todd Masters und Schauspieler Robert Romanus, The Man Inside – Ein Interview mit Hauptdarsteller Chris Sarandon, Adapting Lovecraft – Ein Interview mit Drehbuchautor Brent V. Friedman, Grotesque Melodies – Ein Interview mit Komponist Richard Band, Lovecraftian Landscapes – Ein Interview mit Produktionsdesigner Brent Thomas, Human Experiments – Ein Interview mit Special Effects Creator Todd Masters, Entfallene Szenen, Dan O’Bannon’s Dankesrede bei der Verleihung des „Fangoria Chainsaw Awards for Best Independent/ Direct-to-Video Feature“ im Jahre 1992, US-Trailer, Japanischer Trailer, H. P. Lovecraft – Der Fall Charles Dexter Ward (Teil 1 und 2) – die komplette Hörspielumsetzung der Lovecraft-Geschichte in der Reihe „Gruselkabinett“ von Titania Medien

Release-Termin: 31.07.2015

 

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THE RESURRECTED – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller verwendeten Bilder und Abbildungen liegen bei OFDB FILMWORKS

 
 
 
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