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Filmkritik: „Darling“ (2015)

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DARLING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Lauren Ashley Carter) bezieht ein Apartment irgendwo mitten in New York City und soll als Hausmeisterin für ein paar Tage auf die bezogene Wohnung achtgeben. Leider erlebt sie darin unvorstellbares Grauen.

 
 
 


 
 
 

DARLING – Kritik

 
 
 
Immer wieder interessant zu beobachten, welchen Weg Horror-Regisseure gehen. Da gibt es die, die der eingeschlagenen Richtung treu bleiben und stets ähnlich gestrickte Schocker drehen, mit denen sie im Horrorfilmgeschäft Fuß gefasst haben. Andere probieren sich wiederum aus und experimentieren mit Stilen und Genres. Zu Gruppe 2 gehört MICKEY KEATING. Dessen Streifen entwickeln sich so langsam zu Geheimtipps, denn seit dem Okkultismus-Thriller RITUAL ist das, was der Regisseur hervorbringt, immer überraschend durchdacht und sorgfältig inszeniert. Nach POD, einem spannenden Ausflug ins Mystery-Fach, verblüfft der ambitionierte Filmemacher mit seiner Neugier für klassisches Grauen, das er in DARLING virtuos – nahezu kunstvoll – auf die Kinoleinwand transferiert. Hierzu knipst er die Farben aus und schaltet den Schwarz-Weiß-Filter an. So fühlt sich das Publikum in eine Zeit versetzt, als noch die Macht der Imagination für schlaflose Nächte gesorgt hat. Keating macht die Furcht vor dem Nichtgreifbaren in DARLING zum Thema und verbeugt sich damit ehrfürchtig vor den Werken des französisch-polnischen Meisterregisseurs ROMAN POLANSKI. Der konnte sich bereits in den 1960ern mit drei Kultfilmen, die man heute manchmal als „Mieter-Trilogie“ zusammenfasst (EKEL, ROSEMARIES BABY, DER MIETER) einen Namen machen und lies brillant nagendstes Grauen in den Köpfen seiner Zuschauer entstehen. Die gleiche Richtung schlägt auch Regisseur MICKEY KEATING ein. Er tritt in die Fußstapfen des Altmeisters und kreiert mit DARLING psychologischen Horror, der sich langsam, dafür aber umso intensiver seinen Weg durch die Köpfe des Publikums frisst.
 
 
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Wie in genannten Werken von ROMAN POLANSKI wird auch in DARLING eine Wohnung zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Hier bezieht eine Mittzwanzigerin (LAUREN ASHLEY CARTER aus JUG FACE und THE WOMAN) das älteste Apartment New Yorks auf Zeit. Dort soll sich Tragisches ereignet haben. Eine junge Frau hat sich darin einst das Leben genommen. Doch das schreckt die neue Mieterin nicht ab, die als Hausmeisterin auf die riesige Wohnung achtgeben soll. Weitaus mehr Magenschmerzen bereitet ihr eine verschlossene Tür im oberen Stockwerk. Die soll auf Anraten der Wohnungseigentümerin bitte auch verschlossen bleiben, was Neugier aber auch Unwohlsein auf den Plan ruft. Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Tür und warum darf das mysteriöse Zimmer nicht betreten werden? Viel Zeit für die Suche nach Antworten bleibt nicht, denn die junge Frau wird bald von schrecklichen Visionen heimgesucht und hört seltsame Stimmen. Erfahrene Horrorfans ahnen, dass das nur Vorboten sind, die ein schreckliches Ende einläuten werden. So ist es auch, denn offenbar scheint die Hauptprotagonistin im Film ihren Verstand zu verlieren und wird zu grausamen Taten angestiftet. Interessanterweise wird die Auflösung nicht auf dem Silbertablett serviert. Regisseur MICKEY KEATING hat das Drehbuch zu DARLING so clever konzipiert, dass mehrere Erklärungen Sinn machen. Hat sich hier ein Geist dem Körper einer jungen Frau bemächtigt, der Rache für unmenschliche Schandtaten fordert? Entpuppt sich das Haus als Pforte zur Hölle, in dem okkulte Rituale gehalten werden, um der Menschheit zu schaden? Oder ist in DARLING eine labile Mieterin nicht mehr Herr der eigenen Sinne, weil sie sich einsam fühlt und Hass gegenüber Männern hegt? Die Interpretationsfähigkeit des Publikums ist gefragt.
 
 
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Es müssen nicht immer laute Gruselschocker sein, die sich durch möglichst realistische Ekel- und Spezialeffekte versuchen gegenseitig den Rang abzulaufen. Manchmal können auch dezent und zurückhaltend eingesetzte Schauer ziemlich viel Unbehagen auslösen, was in DARLING gut funktioniert – gerade auch deshalb, weil sich der Film auf das Wesentliche konzentriert und versucht mit simpler Methodik Grauen heraufzubeschwören. Statt sich mit einfältiger Effekthascherei über Wasser zu halten, entsteht in DARLING Horror auf subtile Weise. Regisseur MICKEY KEATING spielt mit den Möglichkeiten von Kamera, Ausleuchtung, Akustik und Schnitten. Die dabei verursachte, gespenstige Atmosphäre ist beachtlich, was DARLING zu einem ganz speziellen Gruselerlebnis für anspruchsvolle Kinogänger macht, die sich nicht mit trivialer Angstmacherei abspeisen lassen möchten, sondern auch im Genrefilm das Besondere suchen. DARLING ist ein ungewöhnliches Gruselerlebnis, das Konventionen strotzt und fast schon die Grenzen zum Arthaus-Kino streift. Die Kulisse ist puristisch gehalten und reduziert sich auf weiße Gänge und spartanisch eingerichtete Räume. Mittendrin LAREN ASHLEY CARTER, die den Zuschauer mit großen Augen durch ein morbides Szenario führt und den gesamten Film fast ganz allein auf den schmalen Schultern tragen muss. Gesprochen wird kaum. Stattdessen beobachtet die Kamera akribisch den psychischen Verfall einer Frau, die von unheimlichen Stimmen geleitet zu einer unfassbaren Tat angestiftet wird. Dabei durchlebt die Leidgeplagte eine sonderbare Verwandlung. Macher MICKEY KEATING bewirkt, dass anfängliche Sympathien für die verängstige Frau in blankes Entsetzen und Abscheu umschlägt. Hinzukommt, dass durch ausgeklügeltes Spiel von Licht und Schatten sowie abrupt ablaufender Szenenabfolgen eine Stimmung ständiger Angst und Unbehagens bewirkt wird. Die beunruhigenden Filmelemente drängen DARLING vom Horror ins Psychofach und lassen den Film virtuos auf den Spuren des Polanski-Klassikers EKEL wandeln, der ziemliche viele Parallelen im Inszenierungsstil und den Erzählmechanismen vorzuweisen hat.
 
 
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DARLING ist kein Genrefilm fürs breite Publikum. Den meisten Zuschauern dürfte die Geschichte wegen der langen Kameraeinstellungen doch etwas zu gemächlich über die Mattscheibe flimmern. Zudem fühlt sich der behäbige und eigenwillige Inszenierungsstil an, als wäre man im Horrorkino der späten 1960ern gefangen. Was sich für die meisten Horrorfreunde befremdlich und nicht gerade zeitgemäß anfühlt, ist aber die eigentliche Quintessenz dieses außergewöhnlichen Filmexperiments. Das orientiert sich bewusst an längst vergangene Zeiten und lässt eine Epoche aufleben, in der mit NIGHT OF THE LIVING DEAD, PSYCHO oder BIS DAS BLUT GEFRIERT wichtige Wegbereiter moderner Horrorware entstanden sind. Wer Filme fernab gängiger Horror-Formate bevorzugt, sollte sich daher dieses klaustrophobische, beängstigende und ungemütliche Stück Psycho-Horror nicht entgehen lassen. Auch wenn DARLING versucht so jedem Horrorklischee aus dem Weg zu gehen ist er vielleicht auch gerade deswegen einen Blick wert. Von FILMCHECKER gibt es daher einen Empfehlung.
 
 
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DARLING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beunruhigend inszenierter Psycho-Horror in mehreren Akten, der auf den Pfaden von Polanskis Mieter-Trilogie wandelt und sich an Zuschauer richtet, die eine Vorliebe für Horror-Kopfkino besitzen. Dort spielt sich nämlich das meiste Grauen in DARLING ab, denn wie in den guten alten Zeiten entsteht der Horror hier vornehmlich im Kopf des Publikums. Regisseur MICKEY KEATING macht von klassischer Angstmacherei Gebrauch. Der Film sieht aus, als wäre er in den 1960ern entstanden und nutzt zudem klassische Stilmittel wie schnelle Bildabfolgen, permanentes Flüstern und abrupte Geräusche um Unbehagen zu bewirken. Laut Keating wurde der Film in nur zwölf Tagen fertiggestellt und in einem Haus von Freunden der Hauptdarstellerin LAREN ASHLEY CARTER im Zentrum von New York City gedreht. Entstanden ist ein außergewöhnliches und doppeldeutiges Filmexperiment, das sich konsequent gegen die vordiktierten Konventionen aktueller Horrorware lehnt. Ein mutiger Schritt den Filmemacher MICKEY KEATING da wagt, der in Interviews immer wieder zu verstehen gibt, dass er sich nicht festlegen lassen will, sondern als ernstzunehmender Regisseur ausprobieren möchte. Vergleicht man DARLING mit Keatings bisherigen Arbeiten bestätigt sich dessen Aussage. Alle Filme des Machers sind so unterschiedlich, dass man gespannt sein darf, was als nächstes folgen wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass nach RITUAL, POD und DARLING ein weiterer Geheimtipp auf uns zukommen wird, denn genannte Horrorstreifen zeigen eindrucksvoll, worauf es im Horrorgenre ankommt.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Zensur

 
 
 
DARLING ist mehr Psychothriller als Horrorfilm. Das Grauen wird dabei in erster Linie durch Stilelemente wie Licht- und Schattenspiel oder konfuse Schnitte bewirkt. Gegen Ende wird dann ein klein wenig gesplattert und das sogar in schwarz/weiß. Die Kamera hält zwar drauf, aber durch schnelle Schnitte lässt sich letztendlich nur erahnen, was da vor der Linse passiert. Das ist Kopfkino. Man darf von einer FSK16 ausgehen – insofern sich ein deutsches Label traut, diesen ungewöhnlichen Genrebeitrag hierzulande überhaupt zu veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House on Pine Street (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
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Der Mieter (1976)
 
Ekel (1965)
 

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