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Filmkritik: „Thief – Der Einzelgänger“ (1981)

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THIEF – DER EINZELGÄNGER

Story

 
 
 

Frank (James Caan) kommt aus der Hölle der amerikanischen Unterklasse. Als Waise aufgewachsen in brutalen Kinderheimen und als junger Kerl von älteren Gangstern wie dem Meisterdieb Okla (Country-Sänger Willie Nelson) beeinflusst und geformt, ist Frank inzwischen professioneller Diamantenräuber mit großem Namen in der Unterwelt. Sein gemachtes Geld wäscht er mit seinem eigenen Autohaus und einer kleinen Bar in Chicago. Im Portemonnaie trägt er eine Postkarte, auf der er all das geklebt hat, was er sich für sein Leben, abseits der aufgeschweißten Tresorräume und geknackten Alarmanlagen wünscht: Eine Frau plus Familie, Frieden, genug Kohle und die Nähe des Ersatzvaters Okla. Der sitzt im Gefängnis und hat nicht mehr lange zu leben. Frank sieht die Zeit an sich vorüberziehen und setzt sich unter Druck. Wie besessen forciert er eine Beziehung mit einer hübschen Diner-Bedienung. Währenddessen gerät er in den Dunstkreis einer lokalen Gangsterbande, die seine Dienste für einen Raub von noch nicht da gewesener Präzision, am anderen Ende der USA, in Kalifornien, gewinnen möchte. Im Spagat zwischen Mafia, der Polizei und dem erträumten Familienleben droht Frank zu zerreißen.

 
 
 


 
 
 

THIEF – Kritik

 
 
 
THIEF – DER EINZELGÄNGER war 1981 Michael Manns (ROTER DRACHE, HEAT) erste Regiearbeit im Kino. Seinen Stil bringt der Regisseur bereits in seinem Debütfilm beeindruckend souverän auf den Punkt.
 
 
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Was Kritiker des Filmemachers gerne gegen diesen US-Ästheten ins Feld führen ist die irrwitzig doofe Behauptung, in seinen Filmen ginge Form über Inhalt, Style over Substance. Sogar der Vorwurf. MMs Filme sähen aus wie TV-Serien aus den achtziger Jahren. Au contraire. Die Fernseh-Eighties sahen aus wie Michael Manns Filme! Schließlich ist der Gute ganz nebenbei der Erfinder des modewilden Krimi-Schlachtrosses MIAMI VICE mit all seinen in New-Age-Synthesizer-Scores getunkten Breitwand-Panoramen Floridas, vor denen sich die windigen Schönlings-Bullen in grässlichen, hochgekrempelten Designer-Sakkos fläzen durften. Lustig, dass Manns eigenes Remake zu MIAMI VICE, mit Colin Farrell und Jamie Foxx vor ein paar Jahren im Kino gelaufen, so gar nicht recht zünden will.
 
 
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In THIEF – DER EINZELGÄNGER finden wir diese essentiellen Bausteine Manns auch schon. Angenehmerweise exerziert er seine optischen Trademarks noch nicht so selbstbewusst, vielleicht sogar selbstverliebt durch wie in späteren Jahren. Nein, Manns Stil ist zwar gewichtend, was seine Wiedererkennungsmerkmale angeht, aber doch reduziert aufs Wesentliche. Hier sind die glasklaren und doch wie gemalt komponierten und auf der vorliegenden DVD/BD in Referenzqualität leuchtenden Bilder des Films noch Mittel zum Zweck. Die Fahrten durch die nächtliche Großstadt fangen zwar die Neon-Traurigkeit eines ausgehenden Jahrzehnts phantastisch ein, wirken aber noch nicht wie jene erstickend ausgedehnten Bildaufbau-Tableaus, die man später so eindeutig mit Michael Mann verbinden sollte. Fast wie in den Argento-meets-Hitchcock-Meisterwerken Brian De Palmas wirken hingegen Einstellungen wie das starre Herauffilmen aus einem Aufzugsschacht, in den die herausgebrochenen Stücke der Decke bröckeln. Diese Referenz kann man auch bezüglich der Shootouts nennen. Da wird geblutet wie bei Peckinpah und man wähnt Michael Mann kurz als einen Geistesverwandten des ebenfalls schändlich unterschätzten Herrenregisseurs Walter Hill. Der super-dichte, stets dräuende Soundtrack von THIEF – DER EINZELGÄNGER stammt von den Berliner Tasten-Pionieren TANGERINE DREAM. Drunter gab sich der Filmemacher nicht zufrieden. Wenn schon schwelende Moog-Plucker-Orgien, dann bitte von den verrückten Deutschen, die das mit erfunden haben.
 
 
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Dazu gelingt es dem talentierten Regisseur auch noch ganz vorzüglich, den imaginären Hut vor ein paar seiner offensichtlichen Thriller-Vorbilder zu ziehen. Die Gruppe der Mafiosi, die sich Franks Freiheit zu eigen machen wollen, findet man so ähnlich in manchem Film Noir der späten Vierziger mit ihren Ehrencodes von guten Gangstern gegen böse. Frank selbst, mit seiner fatalistischen Reaktion auf das „alles, was Du bist und was Du hast, gehört mir!“ seines Auftraggebers erinnert an die müden Unterweltler, wie sie Jean-Pierre Melville für das französische Kriminalkino der Fünfziger und Sechziger in Szene setzte. Nur dass Frank am Ende doch deutlich amerikanischer zupackt als Alain Delon in Melvilles beispielhaftem DER EISKALTE ENGEL etwa. Auch in Frankreich: RIFIFI, ein stilbildender Euro-Noir des Exil-Amerikaners Jules Dassin, schaffte 1955 nicht nur, die Spielregeln für das Gangsterfilm-Untergenre des „Heist“-Movies deutlicher zu definieren, zu dem streckenweise auch unser gerade behandelter Film gezählt werden darf. Der erste Diamantenraub in THIEF zitiert sogar RIFIFIS bekannteste Szene: Den Einbruch, während dessen Durchführung die Räuber kein Wort wechseln. Bloß dass aus den 32 Minuten des Originals bei Michael Mann knackig heruntergeköchelte zehn werden.
 
 
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Michael Manns Vorliebe für ein festes Ensemble von Schauspielern oder zumindest wiederkehrende Mimen beginnt schon 1981. In einer Minirolle bekommt William Peterson eins auf die Nase. Der heute in Krimiserien etablierte Theaterschauspieler sollte in ROTER DRACHE, Manns den Anfang der Hannibal-Lecter-Filme markierendem Horror-Flick, die Hauptrolle spielen. Man erkennt ich aber nur, wenn man genau darauf achtet. Faszinierend als Franks Sidekick Barry: James Belushi, damals noch mit mehr Haupthaar und speckiger als heute – das genaue Ebenbild seines kurz darauf den Drogentod sterbenden Bruders John.
 
 
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So liegt also mit THIEF – DER EINZELGÄNGER die makellose Veröffentlichung eines essentiellen Stücks amerikanischen Genrekinos vor. Ein Film für unterschiedliche Grüppchen. Erstens die Freunde kerniger Männerfilme, gedreht während einer der spannendsten Epochen überhaupt – den Jahren, in denen sich das „New Hollywood“ gerade etabliert hatte und in denen jemand wie der verbissene James Caan Publikumsmagnet war. Heute undenkbar. Leider. Frank stellt übrigens Caans liebste Rollenleistung dar, genau wie THIEF der favorisierteste Film des tougen Method Actors ist. Auch den zahlreichen Liebhabern Nicholas Winding Refns legen wir Michael Manns Debüt ans Herz. Nach DRIVE und ONLY GOD FORGIVES konnte man gar nicht schnell genug flüchten vor den verrückten Lobeshymnen auf den Dänen, der mit seiner farblosen Muse Ryan Gosling gerade angeblich das Kino neu erfunden haben sollte. Die fetischisierten Autofahrten, die Gewaltausbrüche und nicht zuletzt die Stimmungsmanipulation durch den Score (Synthesizer-Wände hier wie dort) finden wir in THIEF – DER EINZELGÄNGER bereits in großzügigem Maß.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Ein Seventies-Crime-Thriller wie in Marmor geschlagen. Schauspiel-Kettensäge James Caan frisst sich ins Fleisch einer Handlung, die sich keine Schnörkel leistet und das Publikum konsequent und im Stil traditioneller Vorgänger an der Hand zum Abgrund führt. Ganz nebenbei gibt Regisseur Michael Mann den Look des Genres für Film und TV des folgenden Jahrzehnts vor.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Zensur

 
 
 
THIEF war in Deutschland zu VHS-Zeiten nur geschnitten erhältlich. Das änderte sich erst mit Erscheinen der DVD-Ausgabe. Auch die nun erhältlich Blu-ray Disc des Films ist angeschnitten – aber erst für Erwachsene freigegeben (keine Jugendfreigabe). Filmfans und Sammler können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Thief; USA 1981

Genre: Thriller

Ton: Blu-ray: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1) | DVD: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: Blu-ray: 1,85:1 (1080p) | DVD: 1,85:1 (16:9)

Laufzeit: Blu-ray: 125 Min | DVD: 120 Min

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Limitiertes Digipack im Schuber

Extras: Hauptfilm in 3 verschiedenen Versionen: Überarbeitete Director’s Cut-Fassung von einem brandneuen 4K-Transfer, erstellt in Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Mann [Blu-ray und DVD], Original-Kinofassung [Blu-ray und DVD], „Special Director’s Edition“ aus dem Jahre 1995 [nur DVD], Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Isolierte Musik- und Effektspur bei der Kinofassung, The Directors: Michael Mann – Dokumentation über den Filmemacher, Stolen Dreams – Neues Interview mit James Caan, Hollywood USA: James Caan – Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, The Art of the Heist – Ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F.X. Feeney, Kinotrailer, Booklet mit einem Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, gefaltetes Filmposter

Veröffentlichung:11.03.2016

 
 
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(c) OFDB Filmworks

Rechteinhaber OFDB Filmworks hat am 11. März 2016 eine Sonderveröffentlichung von THIEF veröffentlicht. In einer prall gefüllten Ultimate Edition stecken 5 Discs, die in einem stabilen Digipack untergebracht wurden. Auf diesen Scheiben befinden sich:

  • Director‘ Cut auf DVD und Blu-ray
  • Kinofassung auf DVD und Blu-ray
  • Special Director’s Edition auf DVD

Zudem glänzen die Scheiben durch umfangreiches Bonusmaterial. Hier hat sich der Rechteinhaber nicht lumpen lassen. Wer alles sehen möchten, dürfte vermutlich einige Tage einplanen. Großartig!
 
 

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THIEF – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Heat (1995)
 
Hundstage (1975)
 
The Italian Job – Charlie staubt Millionen ab (1969)
 

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