Filmkritik: „Havana Darkness“ (2019)

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HAVANA DARKNESS

Story

 
 
 

Drei neugierige Mittdreißiger bekommen ein Manuskript von Schriftsteller Ernest Hemingway in die Hände, das sie nach Havanna führt, wo sie an eine seltsame Organisation geraten, die eine Leidenschaft fürs Terrorisieren und Foltern hegt.

 
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Kritik

 
 
 
Manchmal ist es besser, wenn man seine Nase nicht in Dinge steckt, die einen doch nichts angehen. Weise Worte, die leider Protagonisten in Horrorfilmen zu oft nicht ernst nehmen wollen. Da ist die Neugierde meist größer als der Verstand, was zur Folge hat, dass Figuren in Umstände hineingerissen werden, aus denen sie schnell nicht mehr entkommen können. Auch der mexikanische Regisseur GUILLERMO IVÁN liebt offenbar Horror-Klischees und nutzt die für etwas reißerisch in Szene gesetzten Horror. Der hat in Kuba im Filmfach studiert und verdient seit Jahren als Schauspieler, Produzent und Regisseur sein Lohn und Brot. Offenbar hat er während seiner Studienzeit ein paar düstere Ecken in Havanna gefunden, die geradezu prädestiniert dafür sind, dort einen Horrorfilm spielen zu lassen. Das Ergebnis ist HAVANA DARKNESS – ein beliebiger Folter-Slasher-Mix mit immerhin atmosphärischen Momenten.
 
 
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Wenn Neugierde in der Sackgasse endet. Carlos Carrasco ist Historiker und bekommt ganz zufällig ein unveröffentlichtes Manuskript in die Hände, das der Schriftsteller Ernest Hemingway während seiner Zeit im kubanischen Havanna geschrieben haben soll. Grund genug das Schriftstück genauer unter die Lupe zu nehmen und mit zwei Freunden nach Kuba zu reisen. Dort will man die Echtheit des Textes prüfen und geht dabei einem Abschnitt im Manuskript auf dem Grund, in dem von einer mysteriösen Mordserie erzählt wird. Die soll sich während des Aufenthalts Hemingways in einer Villa im Herzen der Stadt zugetragen haben. Düstere Legenden oder tatsächlich passiert? Eine Frage, die den drei Hobbydetektiven bald zum Verhängnis wird. Schnell hat man nämlich das geheimnisvolle Anwesen gefunden und verschafft sich trotz Warnung Einheimischer Zutritt. Ein fataler Fehler, der den Freunden zum Verhängnis wird.
 
 
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Ein Horrorfilm aus Kuba? Nun ja nicht ganz. HAVANA DARKNESS ist der erste englischsprachige Genre-Film, der in Kuba gedreht wurde und die Kulisse maroder Bausubtsanz dafür nutzt, um etwas HOSTEL-Feeling auf Zelluloid bannen zu können. Kuba ist nämlich nicht nur für karibisches Nächte und Salsa berüchtigt; das kommunistische Land hat auch enorme wirtschaftliche Probleme. Da bröckelt es an allen Ecken und Kanten. Doch Geld für die Restaurierung alter Gebäude ist nicht vorhanden. Ein Vorteil, der HAVANA DARKNESS förderlich ist. Der Horrorthriller entführt den Zuschauer schnell in eine dunkle Welt, die sich inmitten von Bauruinen auftut und eine Atmosphäre zutage fördert, wie man sie aus schmuddelig-dreckigen Folterwerken kennt. Da werden Erinnerung an so deftige Hausmannskost wie HOSTEL, SEE NO EVIL oder WHAT THE WATERS LEFT BEHIND wach. Wobei wir auch schon beim Film wären. HAVANA DARKNESS ist bei genauerer Betrachtung ein Mix aus Folterfilm und Slasher-Streifen, der sich aber erstaunlich zurückhält bei dem, was solche Filme eben ausmachen. Da wird Gewalt auf das Nötigste beschränkt. Eine etwas unsanfte Beinbehandlung mit einem Sägewerkzeug bildet da leider auch schon den Höhepunkt. Terror- und Folterfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Doch bevor der Streifen überhaupt erst einmal an Fahrt gewinnen kann, hat der Film mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Da wird viel recherchiert und um den heißen Brei geredet. So müssen die Helden erst einmal die Fährte wittern und nach Havanna reisen. Der Handlungsverlauf wirkt hierbei unglaubwürdig und konstruiert. So stellt sich bald heraus, dass die Texte des Ernest Hemingway keineswegs echt sind. Die wurden von zwielichtigen Personen in Umlauf gebracht, um ahnungslose Menschen in eine Art unterirdische Kampfarena zu locken. Dort angekommen, werden Nägel mit Köpfen gemacht. Drei maskierte Killer spielen mit ihren Opfern und jagen sie mit Mordwerkzeugen ausgestattet durch blutbesudelte Flure und schlecht ausgeleuchtete Zimmer. Dabei wird die perfide Hetzjagd von einem geheimnisvollen Beobachter über verschiedene Überwachungskameras verfolgt. Das klingt krass, liest sich aber reißerischer, als es letztendlich ist.
 
 
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Viel Lärm um nichts also. HAVANA DARKNESS hat zwar eine Million Dollar gekostet, kann aber seine Video-Herkunft nicht verleugnen. Offenbar ist das gesamte Produktionsbudget in das schmuddelige Set und die immerhin gut kreierten Masken geflossen. Letztere erinnern an die Maskierung des Fallenstellers im Online-Survival-Game DEAD BY DAYLIGHT. Kenner des Horror-Spiels dürften zweifelsohne Parallelen entdecken. Das macht HAVANA DARKNESS aber nicht zum Highlight. Dem Streifen mangelt es an dem, was man eben von Slashern und Terrorfilmen erwartet. Das ist nun mal Gewalt, Gewalt und nichts als Gewalt. Die ist überschaubar und deren Mangel wohl auf fehlendes Budget zurückzuführen. Damit dennoch Spielfilmlänge erreicht werden kann, hetzt man die Protagonisten am Ende etwas zu lang durch ein dunkles Verlies. Da wird’s dem Zuschauer selbst bald düster vor Augen, weil er vom ewigen Gehetze und Verfolgen ganz müde wird. Immerhin fühlten sich die Schauspieler gefordert. In einem Interview erklärte Schauspielerin CAROLINA RAVASSA, dass HAVANA DARKNESS für sie der herausforderndste Film ihrer bisherigen Karriere gewesen sei: emotional, physisch und psychisch. So musste die Darstellerin unentwegt laufen, keuchen, weinen und zittern. Für ihren Körper eine Herausforderung, die die Schauspielerin an ihre Grenzen brachte.
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
HAVANA DARKNESS zeichnet sich durch die schaurigste Killer-Maskierung aus, die man in einem Horrorfilm zu sehen bekommen hat. Zudem gefällt das schmuddelige Folter-Set, das Erinnerungen an Filme wie HOSTEL oder KILLER INK wach werden lässt. Leider war’s das dann aber auch schon mit den Höhepunkten. HAVANA DARKNESS ist ein B-Movie, dem oft das kleine Budget einen Strich durch die Rechnung macht. Das macht sich vor allem am mageren Blutzoll bemerkbar. Irgendwie will man das Gefühl nicht loswerden wollen, als hätten die Macher mehr gewollt, aber nicht mehr gekonnt. Für einen Film dieser Kategorie sind die gezeigten Grausamkeiten beinahe eine Beleidigung. Trotz Folter- und Überlebensthematik sollten Fans dieser Gattung Film demzufolge nicht zu viel erwarten. Hier winkt definitiv ein blauer FSK-Sticker – der Albtraum eines jeden Liebhabers härterer Horrorfilme.
 
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Zensur

 
 
 
Man sollte sich nicht vom reißerischen Filmplakat blenden lassen. HAVANA DARKNESS ist kein Foltermeisterwerk in dem der Lebenssaft minütlich fließt. Der Fan für härtere Filmware darf sich nur an wenigen Gewaltmomenten erfreuen, die dazu auch noch sehr kurz gezeigt werden. Pfeile bohren sich in Körper, ein Kehlenschnitt hat es in den Film geschafft und eine festgebundene Filmheldin muss eine schmerzhafte Fußmaniküre über sich ergehen lassen. Weiterhin fällt ein Protagonist in eine Pfütze und erliegt anschließend einer Elektrobehandlung, weil Strom ins Wasser geleitet wird. HAVANA DARKNESS dürfte hierzulande ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sportkill (2007)
 
Hostel (2003)
 
Raze – Fight or Die! (2013)
 
Are You Scared (2006)
 

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