Filmkritik: „Die tödlichen Bienen“ (1967)

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DIE TÖDLICHEN BIENEN

(THE DEADLY BEES)

Story

 
 
 

Ein durchgedrehter Bienenzüchter schreibt den Behörden Drohbriefe. Seinen geplanten Terrorszenarien unter dem Einsatz steuerbarer Schwärme von Killerbienen werden als Spinnereien abgetan. Das Geschehen verlagert sich an die Seite der Schlagersängerin Vicki Robbins, die der Stress während einer Fernsehshow von den Beinen gehauen hat. In ein nobles Sanatorium auf einer Insel verfrachtet, trifft das Popsternchen auf verschiedene exzentrische Charaktere, unter denen sich, wie es der Zufall will, ein schräger Bienenfreund befindet. Plötzlich scheint der erpresserische Imker seine Drohungen in die Tat umzusetzen…

 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Kritik

 
 
 
Wenn man auf einer dieser klischeebelasteten Cocktail-Parties, zu denen man ja glücklicherweise gar nicht erst eingeladen wird, den Kultur-Smalltalk mit dem Bonmot „Hammer Films dürfte die wichtigste Produktionsgesellschaft der englischen, wenn nicht gar europäischen Horrorfilmgeschichte gewesen sein“ bereichern würde, wäre das nicht einmal aus der Luft gegriffen. Klassische Figuren des viktorianischen Schauer-Entertainments wie Graf Dracula oder Dr. Frankenstein samt dessen Monster, stilecht anzutreffen in gotischen, obskur-alteuropäischen Gemäuern, treffen auf knallige Technicolor-Blutspritzer auf den zugeschnürt-bebenden Dekolletés überrumpelter Jungfern, die vor lauter Unschuld und Weltfremde kaum geradeausschauen können. Die Charakterausarbeitung erwähnter Damen bleibt hierbei stets weit weniger-dimensional ausgearbeitet als ihre Körperbauten. Eine oft wiederholte Rezeptur, die das „House Of Horror“ über Jahre hinweg zu einer veritablen Gelddruckmaschine macht.
 
 
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Beginnend in den frühen Sechziger Jahren erhalten die ehrwürdigen Studios Konkurrenz im eigenen Vorgarten. Die in die Alte Welt eingereisten Amerikaner Max J. Rosenberg und Milton Subotsky verpassen dem britischen Genrekino eine Infusion, nein, eine Dopingbehandlung. Unter dem Namen Amicus Films erhöht das Produzenten-Team M und M die Drehzahl deutlich. Der englische Horrorfilm gewinnt an bizarren Todesszenen, die erahnen lassen, wie das Splatter-Genre bald aussehen wird. Gleiches gilt für die Taktung der, im internationalen Vergleich sicherlich noch immer zahmen, Szenen von Nacktheit und Erotik. Der größte Input von Amicus ist allerdings das Verlagern eines Großteils der produzierten Filmhandlungen in die Gegenwart. Wo Hammer noch mit Vorliebe in einer nicht näher bezifferten Zeitzone der Spukschlösser und Postkutschen dreht, finden sich bei Amicus schon früh moderne Settings. In den späten Sechzigern und dann den Siebzigern muss sich das heute zuschauende Auge dann auch erstmal an die Potpourris schmieriger Frisuren und fieser Kleidung gewöhnen.
 
 
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„Die tödlichen Bienen“ ist für solcherlei Swinging-London-Ausstattungs-Exzesse noch nicht ganz zu haben. Allein die Entstehungsgeschichte aber zeugt von der künstlerischen Vision seiner Produzenten: Ursprünglich 1941 als Roman „Bitterer Honig“ des Krimischriftstellers H.F. Heard erschienen, ist der Plot noch ein stark an den Logik-Detektivabenteuern um Sherlock Holmes und Dr. Watson orientiertes Unterhaltungsstück. Rosenberg und Subotsky beauftragen Robert Bloch, Horror-Autor und Verfasser des Drehbuchs zu Alfred Hitchcocks „Psycho“, mit dem Aufpolieren der Buchvorlage. Bloch merkt, nicht ganz zu Unrecht, dass spätestens mit „Die Vögel“, natürlich ebenfalls vom großen Sir Alfred, die Zeichen der Zeit auf Filme deuten, in denen die Natur sich gegen die Vorherrschaft des Menschen auf Erden wendet. Ob diese Rache der Umwelt nun mit Erdbeben oder Sturmfluten erfolgt oder die Tierwelt auf die arroganten Zweibeiner loslässt – alles legitim und zuschauerfreundlich. Realistischer Horror eben. Ein seit ein paar Jahren in den Medien hochgeschriebenes Ereignis kommt dem talentierten Scriptwriter dazu gerade Recht: Ende der Fünfziger Jahre wirkt eine Real-Life-Frankensteiniade fest auf die Vorstellungskraft der schockierten Zeitungsleser. Ein Biologe namens Kerr züchtet, hochoffiziell mit Staatsauftrag, im brasilianischen Dschungel eine neue, zu höherer Produktionsleistung fähige Bienenart. Hierzu bedient sich der Wissenschaftler einer eigens aus Afrika importierten Unterart der Insekten. Kerrs neue Biene fällt zuerst durch ihre markanteste negative Eigenschaft auf: Sie ist ungemein aggressiv. Der Begriff der „Killerbiene“ erobert die Medien. Selbstredend ist der 1967, also nur ein paar Jährchen nach Hitchcocks Gefieder-Horror und noch keine Dekade nach den echten Monsterinsekten in Südamerika, entstandene „Die tödlichen Bienen“ kein hoch-budgetierter Hollywood-Schocker. Der Film ist ganz und gar britisch. Die Settings, die Gesichter, die Regierarbeit des Hammer-Veteranen Freddie Francis. Unverkennbar und Muss für Fans des Genrefilms von der Insel.
 
 
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DIE TÖDLICHEN BIENEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Die tödlichen Bienen“ ist vieles. Eine frühe Wegmarke fürs Genre Tierhorror, Englands Antwort auf „Die Vögel“, ein klassischer Amicus-Film und nicht zuletzt der erste Film, in dessen Zentrum kriegerische Honigbienen auf Menschenjagd stehen. Besonders ist den Siebzigern, jenem Jahrzehnt des Katastrophenfilms, werden die Tierchen zur festen Bank im Kino und bis heute erleben wir immer wieder, wie die Thematik neu aufgegriffen wird. Ohne diesen selten gesehenen und doch so wichtigen Film wäre das nicht möglich.
 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Zensur

 
 
 
DIE TÖDLICHEN BIENEN gehört zu den ersten Bienen-Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden. Der Streifen wurde für seine Kino-Uraufführung in Deutschland von der FSK ab 16 Jahren in ungeschnittener Form freigegeben. Auch die späteren Ausstrahlungen im Pay- und Free-TV waren ungeschnitten. Leider wurde DIE TÖDLICHEN BIENEN nie auf Blu-ray und DVD ausgewertet. Dank dem Label WICKED VISION ändert sich das jetzt. Dort hat man sich dem Amicus-Klassiker angenommen und eine aufwendige HD-Veröffentlichung spendiert. Das Release von WICKED VISION im Mediabook ist ebenso ungeschnittenen, wie alle bisher erhältlichen Fassungen und natürlich frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabooks)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Deadly Bees; Großbritannien 1966

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 3 verschiedene Mediabooks

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen, Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann & Dr. Rolf Giesen, „Hives of Horror“: Interview mit Produktionsmanager Ted Wallis und Requisiteur Peter Allchorne, „Monsterama“: Interview mit Suzanna Leigh, Bildergalerie, Originaltrailer

Release-Termin: 29.03.2019

 

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DIE TÖDLICHEN BIENEN war bis zum Jahr 2019 weder auf VHS, DVD oder gar Blu-ray erhältlich. Doch das Label WICKED VISION schafft nun Abhilfe. Dort hat man sich die Rechte am britischen Tier-Horror gesichert und bringt den Amicus-Klassiker auch gleich als deutsche HD-Premiere auf den Markt. Hierbei hat der Horrorfilm-Fans die Wahl der Qual. WICKED VISION spendiert dem Horrorthriller drei unterschiedliche Cover-Varianten im Mediabook. Entscheides Euch zwischen dem deutschen, amerikanischen und italienischen Kinoplakat. Jedes Mediabook ist streng limitiert und mit reichlich Bonusmaterial ausgestattet. Neben dem Hauptfilm auf Blu-ray und DVD besitzt das Release einige Extras, sowie das 50-minütige Monsterama Special mit Suzanna Leigh. Ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen runden dieses tolle Sorglos-Paket ab.

 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Vögel (1963)
 
Der tödliche Schwarm (1978)
 
Killerbienen (1976)
 

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