Filmkritik: „Countdown“ (2019)

countdown-2019-poster
 
 
 

COUNTDOWN

Story

 
 
 

Seichter Horror für Anfänger. Eine mysteriöse App sagt seinem Nutzer den Tod voraus. Eigentlich eine witzige Sache – stände das eigene Ableben nicht schon in wenigen Stunden bevor.

 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Kritik

 
 
 
Manche Dinge sollte man besser höheren Mächten überlassen – vor allem wenn es um das eigene Ableben geht. Viele Horrorfilme haben gezeigt, dass sich der Tod nicht austricksen lässt. Steht man erst mal auf der Liste, gibt es kein Entkommen mehr. Eine Tatsache, die die US-amerikanische Filmproduktionsfirma STX ENTERTAINMENT noch einmal in Form von Horrorware bekräftigen möchte. Die hatte in der Vergangenheit ein glückliches Händchen bei der Auswahl von Genre-Filmen. So entstand mit Geld aus genanntem Unternehmen Gruselzeugs wie THE GIFT, THE BYE BYE MAN oder THE BOY, das an den Kinokassen passable Umsätze erzielen konnte. Genau das gelang auch dem neusten Horror-Streich, den STX ENTERTAINMENT diesmal nicht selbst produziert – dafür aber vertrieben hat. Der nennt sich COUNTDOWN, kann eigentlich nichts – war aber trotzdem kein Verlustgeschäft. Dem Film gelang es – trotz negativer Kritiken – mehr als das siebenfache des Produktionsbudgets an den Kinokassen einzuspielen. Sachen gibt es, die gibt es gar nicht.
 
 
countdown-2019-bild-1
 
 
Im App-Store lauert der Tod. Dort wird ein mysteriöses Programm zum Download angeboten, das sich mutige Nutzer auf ihr Handy laden können. Mit dieser Applikation kann sich der genaue Todestag errechnen lassen. Eine Funktion, die auch die frischgebackene Krankenschwester Quinn (ELIZABETH LAIL aus der NETFLIX-Serie YOU) nutzen möchte. Die installiert sich die Erweiterung und staunt nicht schlechte, als ihr mitgeteilt wird, dass sie nur noch wenige Stunden zu leben hat. Ist das ein makabrer Scherz? Offenbar nicht wirklich. Um der attraktiven Pflegerin sterben plötzlich die Jugendlichen wie Fliegen. Eins vereint die mysteriösen Tode. Die Plötzlichverschiedenen haben ebenfalls die App installiert. Da wird der taffen Quinn plötzlich ganz komisch und sie beginnt Nachforschungen über den Entwickler des Programms anzustellen. Was die Dame dabei jedoch herausfindet, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren.
 
 

 
 
Ist das eine Neuauflage des beliebten Mystery-Horrors FINAL DESTINATION? Zumindest könnte man das vermuten, wenn man die Inhaltsangabe zum Film liest. Inhaltliche Parallelen zum 2000 von JAMES WONG inszenierten Horrorthrillers sind nicht von der Hand zu weisen. Dennoch: COUNTDOWN hat nichts mit genannten Horror-Franchise am Hut. Vielmehr verbirgt sich hinter diesem Slasher dreister Ideenklau, der versucht mit bekannten Einfällen noch einmal schnell beim jüngeren Publikum Taschengeld zu stibitzen. Letzteres ist leichte Beute. Seit der letzten Fortsetzung des Sensenmann-Gruslers sind nämlich schon wieder knapp zehn Jahre verstrichen. Vielen neuen, unerfahrenen Genre-Fans zwischen 16 und 20 dürfte FINAL DESTINATION daher wohl kaum ein Begriff sein. Genau die Zuschauer stehen im Fokus. Denen wird recycelter Horror-Einheitsbrei vorgesetzt, der vorheuchelt innovativ zu sein. Das ist irgendwie frech.
 
 

 
 
COUNTDOWN ist ein Paradebeispiel für konventionellen Mainstream-Horror. Nach einem verheißungsvollen Intro-Mord hält sich der Streifen an den Regeln kassenträchtiger Horrorfilme. Das bedeutet: keine Überraschungen, bekannte Abläufe, adrette Jungdarsteller und laute Schockeffekte. So laden sich Teenager besagte App auf ihr Handy und sterben nacheinander. Eine mutige Betroffene will sich ihrem Schicksal nicht beugen. Sie versucht die Drahtzieher des Todes-Orakels ausfindig zu machen, um das eigene Ableben zu verhindern. Genannten Handlungsabläufe sieht man bereits nach wenigen Minuten kommen. Sonderlich geistreich ist das nicht.
 
 

 
 
Immerhin kann man COUNTDOWN nicht vorwerfen, langweilig zu sein. Der Film legt ein beachtliches Tempo an den Tag, lässt regelmäßig Protagonisten über die Klinge springen, deren Lebenszeit abgelaufen ist. Als wäre das nicht alles schon bitterböse genug, lässt Regisseur JUSTIN DEC dazu noch dämonische Kreaturen durch das Bild sausen, um bei sensiblen Gemütern das Herz schneller schlagen zu lassen. Das sind für erfahrene Filmkenner nur miese Taschenspielertricks, um Spielfilmlaufzeit erreichen und COUNTDOWN fortsetzen zu können. Bei genauerer Betrachtung ist COUNTDOWN aber nichts, das man unbedingt in Serie sehen will. Die Idee von einer dämonischen App verliert bereits nach wenigen Todesvorfällen ihren Reiz, weil Abläufe zu oft wiederholt werden. Aber: Trotz Klischees und Oberflächlichkeiten ist eine subtile Kritik unverkennbar. Das hätte man nicht unbedingt gedacht.
 
 

 
 
Hinter austauschbarem Stumpfsinn, verbirgt sich eine Warnung. COUNTDOWN versucht eine kritische Botschaft zu vermitteln. Alle Beteiligten akzeptieren leichtfertig Nutzungsbedingungen, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was das für Konsequenzen haben kann. Parallelen zu aktuellen Datenkraken wie Google, Facebook & Konsorten sind nicht von der Hand zu weisen. So gehört es mittlerweile zum guten Ton, möglichst angesagte Apps auf das Smartphone zu installieren. Was die im Hintergrund mit den sensiblen Daten des Nutzers anstellen, interessiert nur die wenigsten. Eine große Gefahr, die den meisten Verwendern dieser Programme nicht bewusst ist. Diese machen sich transparent und bekommen nur selten davon Wind, wie schnell persönliche Daten, Bilder oder Nachrichten auf fremden Servern gespeichert werden, auf die man letztendlich keinen Zugriff mehr hat. Da wissen plötzlich Dritte mehr über den Nutzer, als selbiger über sich selbst. Als wäre das nicht schon erschreckend genug, werden dessen Daten auch noch durch Weiterverkauf zu Profit gemacht. Ein erschreckender Kreislauf, der aber verhindert werden kann. So sollten App-Nutzer einfach vor dem Installieren jener Programme die allgemeinen Geschäftsbedingungen lesen. Darin wird aufgeführt, welche Daten für was verwendet werden. Ein Tipp, der so manchen Ärger erspart. Wir wünschen viel Spaß mit der Erkenntnis.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Ein nicht unbedingt gelungenes Plagiat von FINAL DESTINATION. Der einfach gestrickte COUNTDOWN ist schnell abgedrehter Horror-Murks nach simplen Schema. Eine mysteriöse App sagt ihren Nutzern den Tod voraus. Letztere halten das für Spaß und schauen dumm aus der Wäsche, als dann plötzlich doch das große Sterben eintritt. Hinter COUNTDOWN steckt JUSTIN DEC, der nicht nur Regie übernommen hat, sondern auch das zu gradlinige Drehbuch zusammengeschrieben hat. Das ist simpel und fordert zu keiner Minute. Die Geschehnisse sind vorhersehbar und riskieren weder Überraschungen noch Neuerungen. Immerhin war COUNTDOWN in Amiland ein Überraschungserfolg. Der Film kostete gerade einmal 6,5 Millionen US-Dollar und spielte weltweit über 40 Millionen US-Dollar wieder ein. Das nennt man Erfolg und dürfte dazu beitragen, dass die Fortsetzung bereits in der Mache ist. Die wird – wie es sich für mittlerweile jeden Horrorfilm gehört – am Ende angedeutet. Ob die jedoch jemand unbedingt braucht, bleibt fraglich. Weitaus witziger als der Film selbst, ist übrigens die Boshaftigkeit mancher Programmierer. So brachte man zeitgleich zum Kinostart eine App auf den Markt, die ebenfalls ein fiktives Todesdatum ermittelte. Das war vielen Eltern zu viel. Die protestierten und sorgten dafür, dass die Todesapp aus dem Iphone-App-Store genommen werden musste. Mittlerweile ist die App zurück und fast schon so beliebt wie WhatsApp. Manche Trends sind wirklich nicht jedermanns Sache.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Zensur

 
 
 
COUNTDOWN hat kaum Gewalt zu bieten. Ein paar kurze Todesmomente gibt es zu sehen. Diese werden aber nicht sonderlich blutig in Szene gesetzt. Hierzulande erhielt der Streifen für eine Kinofreigabe den blauen FSK-Flatschen in ungeschnittener Form. Nicht anders dürfte das bei der kommenden Heimkinoveröffentlichung sein. Man darf mit einer FSk16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von LEONINE | UNIVERSUM FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Killer App (2017)
 
Bedeviled – Das Böse geht online (2016)
 
The Call (2003)
 
Final Destination (2000)
 
Final Destination 2 (2003)
 

Deine Meinung zum Film

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.