Filmkritik: „Paprika – Ein Leben für die Liebe“ (1991)

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PAPRIKA – EIN LEBEN FÜR DIE LIEBE

(PAPRIKA)

Story

Mimma und ihr Freund stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Kohle zur Eröffnung eines eigenen Ladens muss dringend her. So beschließt sie, in einem Bordell anzuheuern. Aus einem Kurzzeitplan wird ein längerfristiges Engagement, erweist sich die Schönheit doch als Naturtalent in Sachen Liebesdienerschaft. Unter dem Künstlernamen Paprika bereist Mimma Italien und sucht, neben sexuellen Abenteuern, bald auch die große Liebe.

 
 
 


 
 
 

PAPRIKA – Kritik

 
 
Der deutsche Titel ist mal wieder gnadenlos. Ob die Arbeit im Bordell wirklich unter einem Leben für die Liebe stattfindet? Im Großen und Ganzen eine Adaption des durchaus klassischen Ferkelromans FANNY HILL von John Cleland, bedient sich der große italienische Schweinkram-Regisseur Tinto Brass (*1933) dessen zugegeben recht dünner Handlung und zeigt mit PAPRIKA – EIN LEBEN FÜR DIE LIEBE mal wieder, was er am besten kann: Nackte Tatsachen. Pudelnackt. Es wird geknattert und voyeuristisch draufgehalten, dass es eine Freude ist und man sich nach aller gezeigten Sleaziness glatt unter der Dusche einweichen möchte. Wie immer feiert der – uns Horror-Helden wohl am präsentesten als Regisseur des legendären Sandalen-Exploitation-Fiaskos CALIGULA (1979) oder der Nazipuff-Groteske SALON KITTY (1976) – Filmemacher mit Leidenschaft die prallen Hinterteile seiner ebenso prallen Darstellerinnen. Allen voran in der Titelrolle der PAPRIKA Deborah Caprioglio, die nie mehr derart zum Anbeißen aussieht wie hier. Die schicke Dame kennt man in ihrer Heimat in den Achtzigern als Boulevard-Skandalnudel, fungiert sie damals doch, gerade 18 geworden, für ein paar Jahre als Geliebte und Muse des deutschen Schauspielers, Schrägstrich Berufswahnsinnigen Klaus Kinski, zu jenem Zeitpunkt gut und gerne fuffzich Jahre älter oder so.
 
 
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Brass Filme schrubben immer gerade so am Hardcore vorbei, sind das, was man in den Seventies in Amerika als „Soft X“ bezeichnet. Daher kennt der deutsche Fernsehzuschauer oder Videothekenkunde das ganze Zeug auch nur in viehisch zensierten Fassungen. Ein Schicksal, das sich der Italiener mit einem anderen heute als Großkünstler gerühmten Fetischisten, Russ Meyer nämlich, teilen muss. Voraussichtlich wird sein Gesamtwerk nach seinem Ableben auch in den Rang des Kulturguts erhoben werden. Auch an den einzigartigen Regisseur Radley Metzger muss man denken – und der dreht zu Lebzeiten ja tatsächlich, wenn auch unter verschiedenen Pseudonymen, harte Pornos. Pornos zwar, die sich ebenfalls literarischer Vorlagen, wie etwa George Bernard Shaws „Pygmalion“, bedienen, aber trotzdem textilfreien Erwachsenensport in gynäkologischer Bilddarstellung widmen.
 
 
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Bevor es allerdings soweit ist und man von geschwätzigen Spießern eingeleitet die Filme des Tinto Brass im Museum bewundern darf oder muss, kann man sich PAPRIKA – EIN LEBEN FÜR DIE LIEBE noch als späten Ausläufer italienischer Sexploitation-Schmierantenkunst, wie sie in den Siebzigern und Achtzigern manches Bahnhofskino zum Stinken gebracht hat, zu Gemüte führen. Wenn man einen solchen Genrefan-Erlaubnisschein denn für nötig erachtet.
 
 
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PAPRIKA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Was der große Kalifornier Russ Meyer für die filmische Heiligsprechung der weiblichen Oberweite war, ist sein italienischer Geistesbruder Tinto Brass für den Popo. Bei PAPRIKA – EIN LEBEN FÜR DIE LIEBE ist das nicht anders. Sein Kamerablick schwänzelt um seine attraktiven Schauspielerinnen und ihre sehr mediterranen Sexpartner herum, dass die Wände wackeln. Ist das Sleaze? Ist das Kunscht? Nein, es ist ein lupenreiner Tinto.
 
 


 
 
 

PAPRIKA – Zensur

 
 
 
PAPRIKA – EIN LEBEN FÜR DIE LIEBE hatte es nicht unbedingt leicht in Deutschland. Der Streifen von TINTO BRASS lief nur gekürzt in den hiesigen Kinos. Auch die VHS-Veröffentlichung war gekürzt. 1992 landete diese auf dem Index und wurde nach 25 Jahren folgeindiziert. Anbieter DONA FILM brachte den Streifen in einer FSK16-Fassung auf den DVD-Markt. In dieser Fassung fehlten knapp 30 Minuten Filmmaterial. Seither war es um PAPRIKA – EIN LEBEN FÜR DIE LIEBE still geworden. Eine ungeschnittene DVD-Fassung wurde in Deutschland nie veröffentlicht. Anbieter WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH ändert das jetzt. Dieser veröffentlicht den Erotikstreifen in Zusammenarbeit mit DONAU FILM das erste Mal in Deutschland auf Blu-ray. Diese ist komplett uncut und FSK-ungeprüft. Wer den ungeschnitten Streifen haben möchte, muss aber genauer suchen. Online-Shops mit großem FSK18-Sortiment dürften PAPRIKA im Sortiment führen. Alternativ kann man den Film auch im Webshop der WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH kaufen. Um den Film jedoch im Shop sehen zu können, müsst Ihr nachweisen, dass Ihr volljährig seid.
 
 
 


 
 
 

PAPRIKA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision | Donau Film (Scanavo Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Paprika; Italien 1991

Genre: Erotik, Drama

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Italienisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,66:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 116 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo Box mit Wendecover

Extras: Interview mit Tinto Brass (19:41 Min.), Bildergalerie (1:15 Min.) [15 Bilder, Slideshow], Trailershow, 24-seitiges Booklet „Scharf wie Zigeunergulasch“ von Thorsten Hanisch

Veröffentlichung: Scanavo Box: 31.01.2020

 
 

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PAPRIKA – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH | Donau Film)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Salon Kitty (1976)
 
Caligula (1979)
 

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