Filmkritik: „Becky“ (2019)

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BECKY

Story

 
 
 
Die rebellische Becky und ihr verstrittener Vater geraten in das Visier einer Gruppe geflüchteter Häftlinge, als sie eigentlich am idyllischen Seehaus die Wogen der Verhangenheit glätten wollten.

 
 
 


 
 
 

BECKY – Kritik

 
 
Weniger als eine halbe Sekunde ertönt ein lautes, verzerrtes Geräusch, Schnitt und die Teenagerin Becky erzählt der Psychologin und dem Polizisten im lichtüberfluteten Raum, sichtlich verstört, was passiert ist – Flashbacks einer hektischen Flucht durch den Wald, schrille Synthesizer-Sirenen und die Einblendung „Zwei Wochen vorher“ später werden sowohl im Gefängnishof, Dominicks (Kevin James) Revier, einem Neonazi mit dickem Hakenkreuz auf dem Schädel, als auch in der Schule, Beckys Revier, einzelne Leute von einer Gruppe verprügelt. Foreshadowing auf heftigste Gewalteinlagen, die jedoch noch einige Rückblenden zur krebskranken Mutter und überzeugend geschriebene Dialoge zwischen Vater und pubertierender Tochter lange auf sich warten lassen müssen…
 
 
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Einerseits habe ich nie mehr als ein paar synchronisierte Schnipsel „King of Queens“ im Fernsehen gesehen, die mir aber nie sonderlich gefallen haben, weshalb ich keine Angst hatte, Kevin James hier nach jahrelanger Prägung nicht mehr in einer anderen Rolle sehen zu können, andererseits aber hat genau diese fehlende Vorerfahrung mit seinem Werk auch dazu geführt, dass ich ihn voll und ganz negativ mit ideenlosen, selbstverliebten Non-Comedies wie Pixels oder Kindsköpfe 2 assoziiert habe. Was genau von seiner Performance als humorloser Neonazi in „Becky“ zu erwarten sein würde, war mir also ein Mysterium und auch wenn James hier nie mit der Wucht eines Patrick Stewarts aus „Green Room“ z.B. agiert, so bin ich froh berichten zu können, dass dieser deutlich weniger ernste Film das – ganz im Gegensatz zum teils grässlich realistischen Nazi vs. Punker-Highlight – auch gar nicht nötig hat.
 
 
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Denn „Becky“ ist seine gesamten, schlanken 86 Minuten lang nur auf eines aus und das ist, möglichst gut zu Unterhalten: Der stringente Drei-Akt-Aufbau unterfüttert die Charaktere zu Beginn zwar noch mit wenig genutztem Konfliktpotential und scheint interessiert am Familiendrama, doch innerhalb von Sekunden wird durch gekonnte Match Cuts eine aufeinander zu laufende Montagesequenz gestartet, die sich alsbald mit einem an der Tür klopfendem Neonazi und seinen Mitflüchtlingen entlädt. Gerade die höfliche Fassade beherrscht James hier bestens, doch auch der restliche Cast macht seine Sache überzeugend genug, allen voran die 15-Jährige Hauptdarstellerin Lulu Wilson, deren energische Anti-Haltung ich schnell abkaufen konnte. Es wird unüblich realistisch und geerdet mit ihren Plänen, Ideen und Angriffen umgegangen, die Bösartigkeit oder Erbarmungslosigkeit eines „Agression Scales“ wird dabei nie erreicht, dafür ist dieser stets gut beleuchtete, auf Hochglanz polierte Film aber deutlich expliziter, wenn es dann mal drastisch wird. Die comichafte Überzeichnung des gnadenlos tötenden Teens fokussiert sich dabei bewusst auf die Splatstick-Einlagen selber, so dass der Film an sich nicht zur reinen Farce verkommt. Die hausbesetzenden Gangster gehen zwar auch kaltschnäuzig vor, zu zynische oder ausgewälzte Foltereinlagen sind aber zum Glück nicht zu befürchten.
 
 
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Dem rasanten sowie blutigen, dauerhaft kurzweiligen Geschehen streckenweise die Show stehlen tut nun noch der hochmotivierte, treibende, teils experimentell wirkende Electro-Tribal-Soundtrack, der zwischen gezupften Synthesizern und schnaufend-kriegerischen Sounds tänzelt und den Film gelungen nach vorne leitet. Wirklich neu oder allzu kreativ ist nichts davon, viele der Szenen hat man so oder so ähnlich bereits x-mal gesehen und auch Logik oder Charakterverhalten sollte man nicht immer hinterfragen – doch bei einer solch selbstbewussten tongue-in-cheek-Inszenierung können derlei Mängel gerne verziehen werden. Der schwarzhumorigere, wenn auch harmlosere Weihnachtstipp „Better Watch Out“ ist spontan eine Spur besser gespielt und origineller geschrieben, im Vergleich zum sehr ähnlich gelagerten „The Aggression Scale – Der Killer in dir“ hingegen, hat dieser Streifen der „Coonies“-Macher die Nase ein wenig vorne.
 
 
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Wer also gerne brachiale, und dadurch aber eben so witzige und kaum ernst zu nehmende, trotzdem schmerzende Gore-Einlagen in seinen Geiselthrillern mag, wer auf kurzweilige und trotzdem spannende Filme steht oder wer einfach mal Kevin James in einer relativ ernsten Rolle sehen will, der sollte bei „Becky“ definitiv die Anlage aufdrehen, das Hirn auf Durchzug stellen und sich an cleveren Katz- und Maus-Spielen erfreuen, bevor aus rhetorischer Kriegsführung blutige Kämpfe mit improvisierten Stichwaffen und realistisch bedrohlichen Hunden werden.
 
 


 
 
 

BECKY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Kein irrsinnig hübscher, grandios geschriebener oder oscarreif gespielter Film, auch keiner mit sonderlich viel Raffinesse – doch wenn ich bei jedem Kill schnauben, aufheulen oder lachen muss und sich in knapp 90 Minuten trotz oft gesehener Prämisse keine Länge auftut, hat ein Film sehr viel sehr richtig gemacht.
 
 


 
 
 

BECKY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Becky“ ist mit dem roten FSK-Flatschen vollkommen ungeschnitten. Das verwundert, da „Becky“ doch schon recht zeigefreudig in Sachen Gewalt ist.
 
 
 


 
 
 

BECKY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becky; USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Interviews, Behind the Scenes

Release-Termin: KeepCase: 30.10.2020

 

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BECKY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Hostage – Entführt (2005)
 
Better Watch Out (2016)
 
Deadly Home (2015)
 
Deadly Games (1989)
 

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