Filmkritik: „Fatman“ (2020)

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FATMAN

Story

 
 
 
Als hätte der für die Regierung arbeitende Santa Clause nicht schon mit finanziellen Problemen und einer verrohenden Jugend genug Probleme, hetzt ein reicher Junge ihm nun noch einen Auftragskiller auf den Hals, der mit Mister Cringle eine ganz eigene Rechnung zu begleichen hat.
 
 
 


 
 
 

FATMAN – Kritik

 
 
Die mittlerweile über eine Dekade in der Filmbranche tätigen Brüder Eshom und Ian Nelms wagen sich nach ihrem 2004 entstandenen Langfilmdebüt „Squirrel Trap“, mehreren Kurzfilmen, dem Drama „Lost on Purpose“ und dem Mysterythriller „Small Town Crime“ erstmalig an eine genrelastigere, größere Produktion mit bekannten Namen und 20 Millionen Budget – doch größer heißt nicht immer besser und ein Starcast verspricht nicht immer einen guten Film – hat sich der Sprung zum Mainstream also gelohnt?
 

„Bring home the blue, Billy!“

 
Inmitten eines Schneesturms begrüßt Mel Gibson als Santa Clause den Zuschauer direkt im festlich anmutenden Menü, dessen Soundtrack gekonnt den Spagat zwischen Country/Western-Klängen und frohlockender Weihnachtsstimmung wagt. Das „Naughty or Nice“-Buch in seiner Hand weist direkt auf die Geschichte hin, der Film selber beginnt in einem schneebedeckten, kaminroten Haus, in dem der junge, reiche, verwöhnte Billy Wenan (Chance Hurstfield, den man aus „Good Boys“ kennen könnte) einen Brief an Santa schreibt und im schleifenübersäten Anzug von seiner Oma an die Preisausschreibung in der Schule erinnert wird.
 

„All I have is a loathing for a world that has forgotten.“

 
Schnitt und wir begegnen Santa Clause, der in diesem Film wunderbar bodenständig und „realistisch“ dargestellt wird, einen Deal mit der Regierung hat und sich während seiner Schießübungen mit seiner Frau (Marianne Jean-Baptiste) über die fehlende Finanzierung und aussichtslose Lage unterhält – mehr und mehr Kinder und Jugendliche werden nämlich straffällig und verdienen zu Weihnachten nicht mehr als ein Stück Kohle. Der letzte wichtige Charakter im Bunde ist nun der von Walton Goggins verkörperte Auftragskiller „Skinny Man“, der scheinbar regelmäßig Aufträge von Billy annimmt, so entführt er z.B. auch die diesjährige Gewinnerin des Schulwettbewerbs, damit Billy ihr in einer überraschend garstigen Szene mit Starkstromfolter per Autobatterie drohen kann – womit die Tonalität des Films auch nach etwa 20 Minuten bereits anschaulich vorgestellt wurde.
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Denn auch wenn die deutsche Blu-ray ein bleihaltiges Finale verspricht und damit auch nicht lügt, so ist „Fatman“ in erster Linie ein schwarzhumoriger Quasi-Weihnachtsfilm der von markanten Charakteren und leicht grotesken Situationen lebt, und kein Actionfilm. Die letzten 20 Minuten bestehen dabei zwar in der Tat aus ansprechend inszenierten Schießereien mit außergewöhnlichem Setting und befriedigenden Konfrontationen, doch bis dahin folgen wir tatsächlich „nur“ den beiden hauptsächlichen, sehr leicht nacherzählten Plotpoints: Santa, seine Frau und Elfen haben finanzielle Probleme und gehen darum einen Deal mit dem Militär ein, Billy ist unzufrieden mit seinem Weihnachtsgeschenk und hetzt darum den Skinny Man auf Santa.
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Das klingt vielleicht ermüdend simplistisch für rund 80 Minuten Unterhaltung vor der eigentlichen Auseinandersetzung der beiden, doch tatsächlich sind Writing und Schauspiel hier unterhaltsam bis kurios genug, damit sich nie Langeweile einstellt – Mel Gibson mimt einen überzeugenden, verbitterten aber trotzdem nicht wortkargen oder anstrengenden Santa Clause und Walton Goggins, bei Gott, dieser Mann versteht es einfach aufs Beste einvernehmlich einzigartige Charaktere zu verkörpern, die amoralisch und prinzipiell unsympathisch sind, aber durch sein Charisma, die Wortwahl – und auch Mode – doch ans Herz wachsen. Zynische, unschuldige Leute auf seinen Weg umbringende Auftragskiller hat man dabei sicherlich schon öfter gesehen, doch selten mit langer Schneejacke, Weihnachtstick und minderjährigen Auftraggebern.
 

„Captain, we’ve discovered the most efficient and productive way to eat is simple carbs and sugars, six times a day.“

 
Ohne den weiteren Verlauf, die amüsanten Szenen und Verknüpfungen zwischen Militär, Chris Cringle, den Elfen und dem Skinny Man also spoilern zu wollen, bleibt nur noch das stets gewitzte und passende Editing zu loben, so wie der Mal groovige und zur Autofahrt-Montage passende, dann wieder mit Geigen und Trommeln Spannung erzeugende Soundtrack. Und wer ob des Weihnachtsfaktors abgeschreckt oder zugeneigt ist, dem sei so oder so eine Entwarnung gegeben: Der Film hält perfekt die Waage und schafft es trotz Blutvergiessens „wholesome“ und sympathisch zu sein; spielt in etwa von November bis Januar des nächsten Jahres, benutzt liebevoll „Carol of the bells“ und andere klassische Weihnachtsstücke, spielt das saisonale Setting aber nie als übertriebenes Gimmick aus. Etwas mehr Straffung und ein oder zwei Zwischenszenen weniger hätte „Fatman“ definitiv gebrauchen können, auch bleibt der Plot von einem gewissen Zeitpunkt an recht überraschungsarm und das Finale kann in seiner Unentschlossenheit bzw. vorgegaukelten Härte ebenfalls den Gesamteindruck trüben – doch als frecher, relativ origineller, post(?)moderner Weihnachtsfilm mit einer verdammt spaßigen Performance von Goggins sowie einer handvoll selten so kombinierter Ideen taugen diese 100 Minuten allemal.
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FATMAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Unterhaltsamer, witziger, blutiger Killer vs. Santa-Film mit ungeahnten Plotpoints und spielfreudigem Walton Goggins. 7/10 und 3.5/5 Zuckerstangen*
 
(*Die Zuckerstangenskala gilt zur Anzeige der Weihnachtlichkeit des Films in Sachen Sets, Handlung, Dialog, Mode, Thematik, Musik, Dekoration und Stimmung)
 
 


 
 
 

FATMAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Fatman“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

FATMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Fatman; Großbritannien | Kanada | USA 2020

Genre: Thriller, Action, Fantasy, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, B-roll, Featurettes, Interview mit Mel Gibson

Release-Termin: KeepCase: 26.02.2021

 

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FATMAN – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
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