Filmkritik: „Es geschah am 3. Tag“ (2021)

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ES GESCHAH AM 3. TAG

(AL TERCER DIA | ON THE 3RD DAY)

Story

 
 
 
Nach einem nächtlichen Autounfall mit dem mysteriösen, schweigsamen Enrique, verliert die junge Cecilia zuerst ihr Bewusstsein und dann ihren Sohn…

 
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Kritik

 
 
Nachdem die letzten drei knackig-kurzen Horrorfilme des argentinischen Regisseurs Daniel De La Vega es scheinbar nicht in die deutschen Kaufhäuser geschafft haben, meldet sich UCM.One mit diesem Release seines mittlerweile siebten Films zurück und auch wenn ich nach der Sichtung verstehen kann, wieso der Titel als massenkompatibel oder gewinnbringend genug erachtet wurde, so verstehe ich dafür dieses Mal nicht die Untertitelsituation: So gibt es laut Blu-ray-Backcover zwar spanischen O-Ton sowie eine englische Synchronisation zur deutschen dazu (?), dafür aber gar keine Untertitel. Nur dass auf der Blu-ray selber eben sehr wohl zwei Untertitelspuren angezeigt werden, die mir kurz Hoffnung gemacht haben, nur damit diese sich dann aber beide als leer entpuppen (?). Acht unbenannte Kapitel und keine Extras bis auf sehr kurze Galerien und Trailer runden diesen Release noch ab.
 
 
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Wie dem auch sei, langsam wird auf Englisch ein „Lullaby“, also Einschlaflied gesungen, dazu präsentiert das Menü der Disc das Standbild einer Mutter, die schützend ihren Sohn in den Armen hält. „On the 3rd Day“ bzw. „Es geschah am 3. Tag“ selber startet nun mit einem alten Spiegel und dem altbekannten Horrorfilm-Orchester, besonders deutlich hört man natürlich die unruhig zitternden Geigen heraus. Ein älterer Mann, Enrique, hebt sein noch älteres Wahlscheibentelefon ab und kriegt den Auftrag, eine Ladung zu transportieren, danach geht er in ein hübsch beleuchtetes Kellerset zu einem verschlossenen, zugeketteten Schrank.
 
 
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Der zweite Erzählstrang beginnt mit Cecilia, die ihren achtjährigen Sohn Martin anzieht und fertig für eine Autofahrt macht – so weit, so unschuldig, doch jeder Szenenübergang wird mit einem sehr A24-mäßigem Trommelschlag untermalt, als wäre das Böse bereits in Lauerstellung. Als Enrique dann noch mit seinem Pick-Up-Truck durch die Dunkelheit heizt und Cecilia durch eine Anhalterin am Straßenrand kurz abgelenkt ist, geschicht nach wenigen Minuten bereits das Unvermeidliche und nach einem herausziehend peinlichem, käsigen freeze Frame samt Zoom starten auch schon die Opening Credits und Cecilia rennt in einem gelben Cardigan durch verlassene Umgebungen.
 
 
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Zeitgleich scheint Enrique mit der Anhalterin vom Straßenrand kollidiert zu sein, nur um jetzt aber ihren Körper zu packen mit den Worten „Das ist nicht ihr Blut…“, what?! Cecilia kommt bei der Raststätte eines alten Pärchens an und der miese, offensichtliche sowie unnötige Greenscreen fällt leider sofort negativ auf. Unsere verletzte Protagonistin wird ins Krankenhaus gebracht, zehn Minuten Film und somit das Intro sind geschafft. Als nächstes wird die trauernde Mutter von Visionen ihres Sohnes in einer roten Regenjacke geplagt, doch für mehr als miese Pseudo Jumpscares oder gähnend langweilige Geister-Andeutungen wird diesese Element leider nicht genutzt, auch wenn es immerhin nie Überhand nimmt. Last but not wird offenbart, dass Cecilia ganze drei Tage weg war, sowie dass sowohl die Anhalterin, als auch Martin allem Anschein nach vom mysteriösen Enrique gekidnappt wurden – schnell also noch eine Patientin erdrosseln (!?) und zu ambitionierten Kamerafahrten, vorbei an Spiegeln und mehreren Bildebenen, mit quietschenden Geigen flüchten, Sohnemann zu retten.
 
 
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Die letzten wichtigen Figuren des Films sind nun Cecilias wütender und sie misshandelnder Ex Mann, ein gutwilliger Doktor namens Herman, der sich auf ihre Seite schlägt, sowie ein Polizist, der der Spur aus Leichen folgt, die unsere Pro- und Antagonisten hinterlassen. Während sowohl die mysteriösen Genreelemente mit ihrer Rätselspannung, als auch die Sets und Sounds mit ihren Beleuchtungen und Atmosphäre, als auch die unterschiedlichen Charaktere mit ihren jeweiligen Motivationen für Spannung, Kurzweil und Konflikt am laufenden Band sorgen könnten, hapert es dann aber leider deutlich an der Ausführung: So soll Herman immer wieder für Comedymomente sorgen, die aber deplatiert und ungekonnt wirken, so bleibt der wütende Ex-Mann das eindimensionale Abziehbild des Schläger-Stereotyps, so überrascht ein Charakter den Fahrer während der Autofahrt (!), nur um für den Zuschauer einen billigen Pseudo-Jumpscare zu inszenieren.
 
 
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Die Visionen ihres Sohnes, die Cecilia plagen, bleiben weiterhin wenig motiviert oder gruselig, spannender wird es nach dem ersten Drittel des Films nun aber bei Einrique, da dieser die Anhalterin vom Unfall, Lucia, würgt und fesselt und diese Szenen durch Blut, Schweiß, Öl und Tränen im gepeinigten Gesicht des Opfers ihre Wirkung nicht verfehlen. Nachdem Lucia ihm dann endlich erzählt hat, dass Cecilia und ihr Sohn sich nach dem Unfall Richtung Westen zu einer Raststätte aufgemacht haben, knockt er sie höchst merkwürdig geschnitten aus, lässt sie in einen metallenen Sarg fallen (?) und zerkocht/verätzt sie. Ähm, what? Weniger kurios, technisch dafür aber ebenfalls durchaus stimmig und gelungen zu nennen sind auch die folgenden Szenen, in denen Cecilia sich per Hypnose an die Ereignisse vor dem Unfall erinnert – auch wenn man hier kein „Luz“ erwarten sollte, Überblenden, das Nutzen von Licht und die Atmosphäre dieser Sequenzen können sich sehen lassen. Und genau hier, nach knapp zwei Dritteln der Laufzeit, spielt „Es geschah am dritten Tag“ dann auch sein eines Ass aus, seine eine coole Idee und Auflösung – denn was sich vorher relativ subtil angekündigt hat, wird nun zufrieden stellend ausgeführt.
 
 
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Die finale halbe Stunde des Films kann durch ein altes, verlassenes Hotel mit seinen ewigen Gängen und hübschen Bildkompositionen punkten, durch mehrere passend benutzte Vertigo-Zooms und eine punktuell sehr verträumte Atmosphäre – doch der Genreeinschlag, der „Horror“-Aspekt der hier zu spät und zu sparsam nachgeliefert wird, enttäuscht durch allzu offensichtliche Maskenarbeit und klischeehafte Inszenierung dann doch sehr. Selbst in seinen schwächsten Szenen kann ich „Es geschah am 3. Tag“ meistens noch etwas abgewinnen, doch eine überzeugende, originelle Genreerfahrung sieht leider anders aus. Die lang gehaltene, letzte Einstellung für Credits zu nutzen ist auch eine prinzipiell poetische Entscheidung, die den leicht gothisch-romantischen Touch des Films unterstreicht, dafür macht die unnötige, klamaukige After-Credit-Scene wieder einiges kaputt.
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Gut gemeinter, technisch hochwertiger Gruselfilm mit klassischen Motiven und Storyversatzstücken, der seinen Plot um genau eine gute Idee herum geschrieben hat und abseits davon größtenteils unterwältigt
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Zensur

 
 
 
„Es geschah am 3. Tag“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben. Wegen einigen Trailern anderer Filme auf der Blu-ray / DVD ist selbige aber erst für Erwachsene geeignet und besitzt den roten FSK-Stempel.
 
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UCM One (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Al Tercer Día; Argentinien 2021

Genre: Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Kinotrailer

Release-Termin: KeepCase: 04.03.2022

 

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ES GESCHAH AM 3. TAG – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei UCM One)

 
 
 
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