Filmkritik: „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“ (2009)

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L.A. NIGHTS – GRENZENLOSES VERLANGEN

(NOW & LATER)

Story

 
 
 
Ein materialistischer, kautionsflüchtiger Banker aus Amerika lernt eine illegale Immigrantin aus Nicaragua kennen, die ihm eine neue Seite des Lebens aufzeigt.
 
 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Kritik

 
 
Zwei Jahre nachdem der französische Regisseur Philippe Diaz mit der Dokumentation „The End Of Poverty?“ auf sich aufmerksam machte, inszenierte er das ebenfalls kapitalismuskritische, philosophisch angehauchte, erotische Quasi-Kammerspiel „Now & Later“ mit wenig Budget und einem kleinen Cast. Von all den spannenden Genreproduktionen, erotischen Titeln, innovativen Indie-Debüts und Festivalhits hat es nun, 11 Jahre später, aus unerfindlichen Gründen gerade dieser Titel es, verpackt als „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“, nun in die deutschen Veröffentlichungskalender geschafft. Wurde hier etwa eine seinerzeit untergegangene Perle vor der Versenkung gerettet? Die kurze Antwort: Nein. Die lange Antwort: Nein, und ich bin ein Thor nach zwei Jahren bei Filmchecker immer noch von der „FSK 18“ oder den Pressestimmen auf dem Cover schlechter „Erotikthriller“ (Exquisite Corpse, Caged) angelockt zu werden, nur weil ich dahinter deutlich eher einen ordentlichen Genreeinschlag Richtung Horror oder Thriller erwarte, einen nächsten Basic Instinct, als nur peinliche, aber teils halt sexuell explizite Amateurkost. Hätte ich meine Onlinerecherche seinerzeit nicht beim irreführenden deutschen Titel und demnach ausbleibenden Reviews abgebrochen, ich wäre auch zweifelsohne über mehrere englischsprachige Kritiken gestolpert, die diesen Titel in Grund und Boden stampfen. Aber das habe ich nicht getan und demnach war ich guter Dinge und sitze nun hier, fünf Seiten Notizen über ermüdende 100 Minuten Einschlaffilm vor mir liegend.
 
 
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Das Menü der Blu-ray ist mit ruhigen Pianoakkorden und Szenen aus dem Film unterlegt, wodurch sich nach wenigen Sekunden das Bild eines optisch recht langweiligen Kammerspiels ergibt, in dem wohl hauptsächlich ein junges Pärchen Sex hat und redet – je nach Inhalt und Echtheit dieser Szenen muss das nicht schlecht sein, nur hört man in diesen Fällen halt auch nicht erst 11 Jahre nach Release was von solchen Filmen. Als Bonusmaterial gibt es die Standard-Erotikfilm-Trailerauswahl des Labels, dazu laut Backcover angeblich „Interviews mit der Besetzung“, auf der BD selber stellt sich dann aber heraus dass es lediglich ein 4-minütiges „Am Set“-Featurette gibt, indem der Cast nur sehr kurz zu Wort kommt, keine einzel anwählbaren, vernünftigen Interviews.
 
 

„A lot of the messages are going to be very subtle.“

 
 
In einer dieser Clips fällt die Aussage „Besides the lessons, the story is touching“ und ja, von Lehrstunden kann hier tatsächlich die Rede sein – Philippe Diaz mit Stümper-Auteur Uwe Boll zu vergleichen scheint auf den ersten Blick weit hergeholt, hat man sich jedoch mal durch Teile 2 und 3 von Bolls „Rampage“-Franchise gequält, versteht man vielleicht was es heißt, seine eigenen Ideen und Agendas völlig unreflektiert ins Gesicht der Zuschauer zu drücken, ohne auf Dinge wie Unterhaltungsfaktor, Dramaturgie oder auch nur gutes Writing Acht zu geben. Ganz so schlimm und brachial geschieht das Vermitteln dieser „Lehrstunden“ hier nicht, statt eine TV-Station mit Waffengewalt unter seine Kontrolle zu bringen, beeinflusst eine illegale Einwanderin stattdessen einen verlorenen, amerikanischen Banker mit ihrem non-materiellen, antikapitalistischen, gar antiamerikanischen Mindset, doch die Idee ist die selbe.
 
 
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„Wieso können wir Sex nicht genau so unproblematisch und nüchtern betrachten wie Gewalt?“ ist eine der Fragen, die Angela den dauerhaft geistig abwesenden, todlangweiligen und furchtbar gespielten Bill fragt, wieso Amerika so unnötig prüde und auf Gewalt und Geld fixiert sei, will sie wissen – und das sind berechtigte Fragen, so ist das nicht. Aber ohne jede Nuance, wirkliche Story oder mitreißende Inszenierung in einem solchen Emotionsvakuum immer wieder den selben Loop aus gesellschaftskritischen Dialogen, langweilig gedrehten, spärlich gesähten Sexszenen und spanischer Musik zu Nachtaufnahmen nachzuvollziehen, ödet leider allzubald an.
 
 
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Mit dem Zitat „Eine sexuell unterddrückte Gesellschaft wird gewalttätig werden.“ beginnt die Chose, direkt in der ersten Einstellung thront dann natürlich ein Mc-Donalds Plakat, neben dem unser Protagonist Nachts verloren an den Bahngleisen im Nieselregen steht. Unser kautionsflüchtiger Investment-Banker wird dabei von Keller Wortham verkörpert, der gelangweilt, pseudocool und unsympathisch durch den Film schlafwandelt und wirklich regelmäßig performt, als würde er sich vor der Kamera furchtbar unwohl fühlen. An Kindertheater und erzwungene Schulfilme, an Jersey Shore und miese Pumper-Klischees wurde ich erinnert, da sein stählerner Adonis-Körper es nicht versteht auch nur einmal so etwas wie Mimik walten zu lassen.
 
 

„I don’t dream anymore.“ – „You do, you just don’t want to remember.“

 
 
Gänzlich unverständlicherweise fasziniert und angezogen von diesem menschgewordenen Proteinshake fühlt sich Angela, die aus ärmlichen Verhältnissen aber einer darum auch stark zusammenhaltenden Gemeinschaft kommt, ehrenamtlich in einer Notunterkunft/Klinik arbeitet und in einem großen, improvisierten Raum lebt, in dem es nur das Nötigste gibt. So zum Beispiel eine freistehende Toilette und Dusche mitten im Raum, ohne jeden Sicht- oder Geruchsschutz. Das Gebäude in dem sie, und nach den ersten Minuten des Film auch schnell Bill, residiert, steht dabei natürlich tiefsymbolisch an der Grenze zwischen dem Finanzdistrikt (Bill: „I used to work there.“, danke Bill.) und den armen Außenbezirken voll Obdachlosigkeit und Armut, zu gerne wird demnach auf dem Häuserdach die Skyline angeguckt und über die Verhältnisse der Welt schwadroniert.
 
 

„If possessions were important, rich people would be happy.“

 
 
Zwischen ätzend prätentiös vorgetragenen Kalenderspruch-Dialogen die sich an einen lobotomisierten, jüngeren Christian Slater-Lookalike richten in wenig eindrucksvollen Bildern, die immer wieder viel zu lange und lieblos in Stativaufnahmen festgehalten werden und denen jede Dynamik fehlt, gibt es dann aber ja auch noch den Erotikfaktor. Denn nicht nur lebt Angela im Moment und Bill nicht, nicht nur entsagt sich Angela dem Konzept von Besitztümern während Bill Materialist zu sein scheint, nein, auch hat sie natürlich überhaupt keine Probleme mit Nacktheit und offener Sexualität, während Bill verklemmt und unsicher daherkommt. Um eine solche Verklemmtheit überzeugend zu spielen, sollte man als Schauspieler selber natürlich nicht sowieso schon wie ein verlorener Junge performen, sonst sieht das dann nämlich aus wie hier.
 
 
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Nach 25 erotikfreien Minuten streichelt Angela Bill und küsst ihn, man sieht seinen (echten) erigierten Penis und ich dachte schon nun würde etwas Authentisches oder Explizites folgen, stattdessen stöhnt Bill kein einziges Mal während er einen „Blowjob“ bekommt, der komplett offscreen stattfindet und nachdem der Dialog über Angelas Vergangenheit in Nicaragua ohne jede Pointe einfach weitergeht, als sei nichts passiert. Dass diese Nebensächlichkeit und Natürlichkeit auch Teil des Realismus und der Aussage des Films ist, ist mir schon bewusst, spätestens wenn Angela Sprüche wie „I’m part of your here & now, not more and not less“ veräußert, aber unterhaltsam oder erotisch werden solche Szenen dadurch leider trotzdem nicht.
 
 

„When I was a teenie we used to say ‚Life’s a bitch and then you die‘, I guess I finally understand what that means.“

 
 
Einige langweilige, statische Aufnahmen der selben zwei Settings und eine echt wirkende, aber ebenfalls unspektakulär gedrehte oder inszenierte Sexszene später trifft Bill in einem billigen Setting mit kitschiger Musik dann noch auf seine verzweifelte Ex-Frau, wobei der wohl peinlichste und witzigste Dialog des Films fällt: Sie sagt: „Do you realize that I invested the best years of my life in our marriage?“, er antwortet: „INVEST? You’re starting to sound like me!“. Wie man diesen Dialog oder Charakter auch nur annährend ernst nehmen oder ihm irgendwas Gutes wünschen soll, ist mir wahrlich ein Rätsel.
 
 

„Why don’t you go to jail? It’s only eight years!“

 
 
Aufklärende Gespräche über die CIA-Operationen und Kriegstreibereien der USA zur Reagan/Carter-Ära, Angela masturbiert in einer Sexschaukel und er schaut zu, ausbleibende Musik zu unmotivierten Einstellungen, nach 66 der 100 Minuten fällt auf dass dieser „Erotik“film genau eine Sexszene bisher hatte, und sonst nur der Regisseur seine stereotypen Charaktere nutzte, um seine Amerikakritik anzubringen.
 
 
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Eine poetisch angedachte, aber nur noch nervende und amateurhaft wirkende, peinliche Tanzszene mit einem Flugdrachen in Adlerform (USA! USA!) gilt es noch zu erdulden, eine komplett unnachvollziehbare und aus dem Nichts kommende, in wenigen Zeilen abgehandelte Läuterung, dann hat der Spuk endlich sein Ende und nach ewigen 97 Minuten Zeitverschwendung ohne Mehrwert endet auch „Not & Later“ endlich einmal.
 
 
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Es gibt langweiligere, nervigere und schlechtere Filme, zweifelsohne, diese geschwätzige „Lesson“- wie unser unsäglicher Hauptdarsteller selbst schon richtig erkannt hat – allerdings als „Erotikthriller“ zu verkaufen, grenzt wirklich an ein Verbrechen. Es gibt Pornos mit artistischeren Einstellungen, Sets und Designs als die Erotikszenen in diesem Film sie bieten, für reine Essays oder Meinungsmache hätte in deutlich kürzeres Projekt, z.B. auf Youtube, Welten besser geklappt. Die Charakterbögen sind stumpf oder nicht existent, es gibt keinen Konflikt, keine Spannung, kein Identifikations- oder Mitfieberpotential und selbst die prinzipiell netten, letzten beiden Einstellungen wurden verkackt, da man hier einen Passanten in zwei verschiedenen Einstellungen sieht, obwohl Gleichzeitigkeit impliziert werden soll.
 
 
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L.A. NIGHTS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Sehr langweiliger, repetitiver, pseudointelektueller und nie wirklich erotischer Alibi-Film, der offenbar nur gedreht wurde um die Meinung seines Regisseurs auszudrücken. Keller Wortham verdient eine besondere Erwähnung für seine herausragend bodenlos-grauenhaft, lachhaft verlorene Performance.
 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Zensur

 
 
 
Bei „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“ handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung. Der Streifen wurde bereits 2012 vom damaligen Rechteinhaber Infopictures unter dem Originaltitel „Now and Later“ in den Handel gebracht. Schon damals erhielt das Erotikdrama von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Version. Das hat sich auch bei der Wiederveröffentlichung unter dem Titel „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“ nicht geändert. Auch diese Filmfassung ist uncut und ab 16 Jahren. Wegen höher eingestuftem Bonusmaterial auf der Heimkinoscheibe ist diese aber erst für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Now & Later; USA 2009

Genre: Drama, Erotik, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Minuten

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Interviews mit der Besetzung, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 11.03.2022

 
 

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L.A. NIGHTS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wildes Verlangen (2013)
 
Little Thirteen (2012)
 
Was will ich mehr (2010)
 

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