Filmkritik: „The Brave – Allein gegen das Syndikat“ (2019)

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THE BRAVE – ALLEIN GEGEN DAS SYNDIKAT

(LAZARAT)

Story

 
 
 
Albanien möchte der EU beitreten, doch damit dies geschehen kann, müssen die Verbrechen unter Kontrolle gebracht werden. Eine eigens dafür gegründete Spezial-Einheit soll dafür sorgen.

 
 
 


 
 
 

THE BRAVE – Kritik

 
 
Der B- und C-Movie-Sektor ist nicht nur im Bereich des Horrors dermaßen überschwemmt, dass es schwer fällt, sich mal eine kleine Perle zu angeln, nein, auch im Actiongenre ist dies der Fall. Hat man dann einen Streifen mit dem Namen „The Brave – Allein gegen das Syndikat“ vor sich, der im Ostblock gedreht wurde, rechnet man nicht unbedingt damit das nächste Highlight gefunden zu haben. Doch selbst wenn man dieses hier sicherlich nicht erwarten darf, verdient es das Werk angeschaut zu werden, denn es wird doch eine ganze Menge richtig gemacht.
 
 
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In Albanies Hauptstatdt Tirana regiert das Verbrechen, angeführt vom Ex-Marine Frank Pedulla, der nahezu die gesamte Stadt unter seiner Kontrolle hat. Da die albanische Regierung einen Eintritt in die EU herbeisehnt, ist Pedulla ein enormer Dorn im Auge. Eine Spezial-Einheit, angeführt vom Ex-Undercover-Cop Rei, soll gegen die Korruption vorgehen, doch die Korruption hat sich so weit ausgebreitet, dass es scheinbar selbst in den eigenen Reihen Maulwürfe gibt. Das Drehbuch von Marco Balsamo ist gar nicht mal so schlecht, wartet mit einer gewissen, aktuellen Brisanz auf und verpackt dieses Szenario in eine Geschichte, die man zwar schon etliche Male gesehen hat, die aber dennoch ein bisschen Substanz besitzt. So werden ein paar politische Hintergründe näher beleuchtet und allgemein wirkt das niemals so, als hätte man sich keine Gedanken darüber gemacht. Leider bringt das der Handlung allgemein aber nicht besonders viel, denn dafür ist sie im Endeffekt doch wieder zu generisch. Was hier geschieht, kennt man aus zahlreichen Vorbildern und neue Facetten gewinnt man dem simplen Szenario auch nicht ab. Was bleibt, ist ein gut gemeintes Drehbuch, welches phasenweise mehr Tiefe besitzt, als zu erwarten war, welches am Ende dann aber doch wieder nur den gewohnten Durchschnitt serviert.
 
 
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Dieser Eindruck wird von der Figurenzeichnung unterstützt, denn diese ist einfach nicht besonders aussagekräftig. Louis Mandylor kann die Hauptrolle zwar darstellerisch ziemlich solide tragen, aber seinen Charakter wird man schnell wieder vergessen haben. Noch schlimmer trifft es Armand Assante, der als Bösewicht immer nur eine Randfigur bleibt. Solche Filme brauchen markante, eindringliche Fieslinge, doch selbst wenn Assante solide abliefert, gönnt ihm schon alleine seine Figurenzeichnung keinen bleibenden Eindruck. Mit Ravshana Kurkova ist noch eine Schauspielerin mit dabei, die nicht mehr gänzlich unbekannt ist und allgemein kann man sich über die Darsteller keineswegs beklagen. „The Brave – Allein gegen das Syndikat“ besitzt hier im B-Movie-Sektor schon einige bekannte Namen und alle machen ihre Sache völlig brauchbar. Es mangelt am Ende eben mal wieder an einer besseren Figurenzeichnung, denn die Tiefe, die der Film manchmal erreichen möchte, kann er schlichtweg nicht erreichen, wenn diese Charaktere zu farblos bleiben.
 
 
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Dass man sich das Ganze dennoch gut anschauen kann, liegt auch mit an der souveränen Inszenierung von William Kaufman, der zuvor schon einige Werke gedreht hat. Seine Erfahrung bemerkt man und dass der Schauplatz vom Ostblock mal nicht nur genutzt wird, um die Kosten gering zu halten, ist ebenfalls schön. Zwar besitzt „The Brave – Allein gegen das Syndikat“ dasselbe Problem, wie viele B-Actioner, die man dort gedreht hat – nämlich eine zeitweise etwas langweilige Optik, aber rein visuell wird dem Zuschauer dann doch mehr geboten, als er bei solchen Werken erwarten darf. Die Inszenierung erfüllt ihren Zweck und ist manchmal etwas verspielter geraten. Gerade die Actionszenen können dann wirklich überzeugen, wobei es von diesen eindeutig zu wenige gibt. Eigentlich bietet der Streifen nur zwei ausgedehnte Szenen, in denen es reichlich zur Sache geht. Das Finale ist schön lang und weiß durchaus zu gefallen, denn hier fühlt man sich schon fast wie in einem Kriegsfilm. Dazwischen herrscht jedoch oftmals auch ein gewisser Leerlauf, der nicht gerade aufregend erscheint. Die 103 Minuten Laufzeit wechseln sich somit zwischen guter Unterhaltung und Langeweile stets ab. Dieser Zwiespalt überträgt sich auch auf die Effekte, die manchmal solide ausschauen, manchmal aber auch zu sichtlich aus dem Computer stammen. Der Gewaltgrad hätte für die Freigabe ab 18 Jahren gerne noch etwas höher ausfallen dürfen, ist im Endeffekt aber passabel.
 
 
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THE BRAVE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Brave – Allein gegen das Syndikat“ ist definitiv keine nächste B-Movie-Heimkino-Gurke, sondern der Film kann etwas. Zwar sollte man keine zu hohen Erwartungen haben, denn der Film schwächelt an altbekannten Zutaten, ist aber immerhin handwerklich brauchbar und zuweilen auch ziemlich hochwertig gemacht. Die Atmosphäre ist schön dreckig und der Unterhaltungswert bringt durchaus zufriedenstellende Momente mit sich. Leider wird es manchmal auch etwas langweilig und die Figurenzeichnung dient am Ende doch nur wieder mit den bekannten Klischees. Das ist sicher nicht hochspannend und bietet etwas zu wenig Action, doch gerade das lange Finale kann einige Punkte für sich verbuchen. Abgerundet wird „The Brave – Allein gegen das Syndikat“ von den absolut soliden Darstellern und einer gesunden Portion Gewalt. Wenn es also nicht gerade der nächste Action-Blockbuster sein muss, macht man mit diesem Genrewerk nicht viel verkehrt!
 
 


 
 
 

THE BRAVE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Brave – Allein gegen das Syndikat“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Weil sich auf der Blu-ray / DVD aber Trailer zu Filmen mit einer höheren FSK-Freigabe befinden, ist auf der Heimkinoveröffentlichung der rote FSK-Flatschen zu finden.
 
 
 


 
 
 

THE BRAVE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lazarat; USA 2019

Genre: Action, Thriller, Krimi

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 103 Minuten

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.06.2021

 

The Brave – Allein gegen das Syndikat [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE BRAVE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Legacy – Tödliche Jagd (2020)
 
Hard Kill (2020)
 

Filmkritik: „Superdeep“ (2020)

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SUPERDEEP

(KOLSKAYA SVERHGLUBOKAYA)

Story

 
 
 

Ein rund zwölf Kilometer tiefes Bohrloch bringt mysteriöse Erscheinungen zu Tage. Eine Gruppe von Wissenschaftlern soll die Sache erforschen.

 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Kritik

 
 
 
Es ist nichts Neues, dass die Ungewissheit des Horrors besten Freund darstellt. Eine Gefahr, die man nicht kennt, wirkt am bedrohlichsten. Kombiniert man das mit Orten, an denen der Mensch eigentlich nichts verloren hat oder mit Dunkelheit, wie z.B. der geniale „The Descent“ das getan hat, dann darf man sich auf einen unheimlichen Horrorfilm freuen. Der russische Streifen „Superdeep“ versucht sich an einem solchen Szenario, scheitert daran zwar nicht wirklich, kann im Endeffekt aber leider kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
 
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Die Wissenschaftlerin Anna wird zu einem Job gerufen. Ein mehr als zwölf Kilometer tiefes Bohrloch wirkt nämlich sehr mysteriös. Noch nie zuvor haben Menschen so tief gebohrt und als man Schreie im Erdinneren vernehmen kann, weiß niemand, wie man damit umgehen soll. Also sollen Anna und ein paar weitere Forscher die Sache untersuchen. Doch was sie dort unten finden, soll ihnen die Sprache verschlagen. Die Story basiert auf der echten Kola-Bohrung, die mit ihren 12.262 Metern Tiefe lange Zeit als die tiefste Bohrung aller Zeiten galt. Sich diese reale Begebenheit als Vorbild für einen Horrorfilm zu nehmen, liegt eigentlich auf der Hand. Schon Ende der 80er Jahre gab es Gerüchte, dass man die Hölle angekratzt hätte und über das Internet verbreiteten sich solche Informationen noch schneller. Genügend Substanz sollte also vorhanden sein oder? Eigentlich ja, denn man paart den übernatürlichen Anteil noch mit der Paranoia des Kalten Krieges und storytechnisch sind so durchaus genug Zutaten vorhanden und trotzdem will das Drehbuch niemals so richtig zünden. Mit Informationen hält man sich insgesamt nämlich ziemlich bedeckt, so richtig logisch will das Geschehen ebenfalls nie wirken und man redet im Endeffekt viel um den heißen Brei, ohne ihn denn mal wirklich zu zeigen. Gewisse Vorbilder wie z.B. „The Thing“ haben das zudem klar beeinflusst und obwohl gute Zutaten vorhanden sind, erreicht „Superdeep“ niemals eine richtige Eigenständigkeit.
 
 
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Zumal der Film leider auch recht langatmig wirkt. Die Einleitung lässt sich zu viel Zeit und bis es überhaupt mal etwas mehr zur Sache geht, ist bereits eine gute halbe Stunde vergangen. Wären die Charaktere interessanter, hätte der Zuschauer damit gut leben können, doch allgemein sind die Figuren hier doch viel zu belanglos. Lediglich die Hauptprotagonistin Anna bekommt etwas Hintergrund spendiert. Darstellerin Milena Radulovic nimmt dies dankend an und bietet solides Schauspiel. Die anderen Darsteller profitieren nicht gerade davon, dass die Figurenzeichnung langweilig gestaltet wurde. Zwar kann man sich auch über ihre Leistungen nicht unbedingt beschweren, aber im Gedächtnis bleibt dies sicher nicht. Somit ist dem Zuschauer das Schicksal der Protagonisten leider auch ziemlich egal, was natürlich wenig spannungsfördernd ist.
 
 
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Die deutsche Fassung basiert auf dem Alternate Cut und ist mit 100 Minuten Laufzeit noch gnädigerweise kürzer ausgefallen, als die Originalversion, welche knapp 15 Minuten länger läuft. Wichtiges Material entgeht einem hier eigentlich nicht, weshalb die gekürzte Fassung hier tatsächlich mal eine Daseinsberechtigung besitzt. So verleiht man „Superdeep“ noch etwas mehr Tempo, wobei das selbst in dieser Version selten auffällt. Insgesamt ist der Film nämlich einfach zu langsam. Natürlich will man damit Stimmung aufbauen, nur gelingt dies eben zu selten. Mit Spannung braucht man nämlich nicht zu rechnen und Action lässt sich auch eher selten blicken. Immerhin erhält der Horror im letzten Drittel ein paar Höhepunkte, die schon einen gewissen Unterhaltungswert aufkommen lassen.
 
 
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Aus handwerklicher Sicht gibt es an „Superdeep“ zudem nicht so viel auszusetzen. Regisseur Arseny Syuhin, der zuvor nur einige Kurzfilme drehte und mit diesem Werk sein Langfilmdebüt gab, macht seine Sache gar nicht mal so verkehrt. Sicherlich wäre mit mehr Budget auch deutlich mehr drin gewesen, aber die Inszenierung funktioniert und selbst wenn die Atmosphäre längst nicht so bedrohlich erscheint, wie sie es wohl gerne getan hätte, bemerkt man doch gerade im letzten Drittel, dass Syuhin sein Fach beherrscht. Hier kommt nämlich doch noch eine gute Stimmung auf, die auch von den soliden Effekten unterstützt wird. Diese stammen nämlich überwiegend von Hand und wirken schön oldschool. Die Kulissen machen im Endeffekt ebenfalls etwas her, hätten sicherlich mehr Schauwerte bieten können, wissen jedoch trotzdem zu überzeugen.
Der Score ist in Ordnung, aber nicht besonders einprägsam.
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
„Superdeep“ will ganz schön viel und scheitert an seinen eigenen Ambitionen, macht allerdings trotzdem auch einiges richtig. Die Story, welche reale Ereignisse benutzt, ist interessant, besteht aus vielen Zutaten und wird am ehesten dadurch zerstört, dass die Figurenzeichnung so mau ist. Hier hätte man gerne mehr Feingefühl investieren dürfen. Der Film ist insgesamt zu ruhig und lässt zu selten Spannung aufkommen, wobei der Horror besonders im letzten Drittel doch noch einigermaßen intensiv geraten ist. Das ist zwar zu spät, aber besser als nichts. Der Unterhaltungswert pendelt so zwischen langweilig und passabel. Die Darsteller sind brauchbar, aber fast niemand kann aus seiner dünnen Figur etwas machen. Positiv sind noch die handgemachten Effekte zu vermerken. Alles in einem ist „Superdeep“ also sicher nichts, was man gesehen haben muss, doch wenn man auf langsamen, atmosphärischen Sci-Fi-Horror aus ist, bekommt man immerhin ein paar ziemlich starke Szenen geboten!
 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Zensur

 
 
 
„Superdeep“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kolskaya sverhglubokaya; Russland 2020

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Featurette „Wie ein Monster entsteht“, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.06.2021

 
 

Superdeep [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Ghosts of Mars (2001)
 
Blutgletscher (2013)
 

Filmkritik: „Palm Springs“ (2020)

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PALM SPRINGS

Story

 
 
 

Zwei junge Hochzeitsgäste entwickeln romantische Anziehung, während sie in einer Zeitschleife immer wieder den selben Tag erleben.

 
 
 


 
 
 

PALM SPRINGS – Kritik

 
 
 
So kritisch ich Mainstreamunterhaltung die es allzu vielen Zielgruppen gleichzeitig bequem machen will auch gegenüber stehe, so großer und jahrelanger Fan bin ich doch von Andy Samberg, The Lonely Island, den Comedyfilmen der Gruppe und kreativ genutzten, wenn auch nicht neuen Prämissen – ein frischer Neunzigminüter mit Urlaubsflair und Zeitschleifenprämisse dürfte also für kurzweilige Lacher und Möglichkeiten für verrückte Szenenkonzepte sorgen, richtig?
 
 
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Jein, leider nicht so richtig: Denn wofür „Palm Springs“ von der FSK ab 16 eingestuft wurde, bleibt unklar, da hier bis auf extrem kurze und comichafte Gewaltspitzen von jeglicher „heftigeren“ Möglichkeit der kompletten Freiheit und Konsequenzlosigkeit der Prämisse weggeschreckt wird. Was bleibt also, wenn für unsere Protagonisten weder elaborierte Pranks an der Umgebung, noch zu dezimierende Bösewichte auf dem Programm stehen? Nun, in erster Linie dialoglastige, romantisch angedachte Szenen und frustrierend repetitive Abläufe, in denen gerne mal auf der Stelle getreten wird.
 
 
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So weiß Sambergs Charakter Nyle, ebenso wie der durch x Variationen der Idee geschulte Zuschauer, natürlich längst um die Regeln seiner Welt und muss glücklicherweise nicht extra in diese etabliert werden, nur damit die zweite Protagonistin dann aber doch mehrere Erklärbär- Szenen einfordert. Auch erzählt Nyle mehrfach von witzigen, dramatischen, oder spannenden Episoden und Experimenten aus der Vergangenheit, die wir nur leider nie zu sehen bekommen obwohl sie spannender klingen als die aktuelle Handlung. Ein Film über die Leere und Auswegslosigkeit dieser, auf den ersten Blick reizvollen Situation der komplett ausbleibenden Konsequenzen wird ebenso wenig ernsthaft dramatisch inszeniert, wie die wilden Möglichkeiten der endlosen Arten, Chaos zu stiften oder Wunder zu vollbringen. Stattdessen plagen Zuschauer und Charaktere sich tatsächlich mit moralisch ekelhaft abtrünnigen Betrügereien rum, die deutlich besser in eine x-beliebige Teeniecomedy ganz ohne Zeitschleifenthematik passen würden.
 
 
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Es ist eine frustrierende Angelegenheit, einen Film mit derart guten Startbedingungen, mit Starcast und genug Budget, mit hübschen Locations und überraschenden Nebendarstellern derart belanglos und oft gesehen vor sich hin plätschern zu sehen, aber leider Gottes bleiben in erster Linie nur zwei kurze Montagesequenzen positiv in Erinnerung, die das Potential des Unterfangens gut widerspiegeln. Denn die Chemie zwischen Samberg und Cristin Milioti stimmt in jeder Szene, weshalb das gemeinsame Rumalbern sowie der spätere Weg zum Finale, zeitlich gerafft, mit charmanten Ideen und guter Musik unterlegt, auch funktioniert und Lust auf mehr macht – doch weil der Film in erster Linie nicht an dieser Kurzweil interessiert scheint, sondern zwischen selten durchschimmernder „Hot Rod“-Anarchohumor-Genialität und allzu oft gesehenen Genrebeats in erster Linie eine solide, aber oft gesehene, romantische Komödie inszeniert, in der Moral oder Originalität klein und massentaugliche, zahme, harmlose Unterhaltung eben doch viel zu groß geschrieben wird, reicht es kaum für mehr als gemütlichen Durchschnitt mit bitterem Nachgeschmack.
 
 


 
 
 

PALM SPRINGS – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Zahnloser, wenig origineller, gut gecasteter Zeitschleifen-Film mit ein paar charmanten Szenen und zündenden Witzen, der es möglichst sicher spielt und sich dank seines Settings für einen verregneten Nachmittag eignet.
 
 
 


 
 
 

PALM SPRINGS – Zensur

 
 
 
„Palm Springs“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

PALM SPRINGS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Leonine (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Palm Springs; Hong Kong | USA 2020

Genre: Liebesfilme, Mystery, Fantasy, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer-Show, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 09.07.2021

 
 

Palm Springs [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

PALM SPRINGS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Abbildungen stammen von Leonine)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)
 
Sechzehn Stunden Ewigkeit (2021)
 
Hello again – Ein Tag für immer (2020)
 

Filmkritik: „Sharknado 4: The 4th Awakens“ (2016)

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SHARKANDO 4: THE 4TH AWAKENS

(SHARKANDO 4)

Story

 
 
 
Eigentlich galt die Gefahr der Sharknados als vernichtet, doch dann entwickeln selbst Sandstürme ein gefährliches Eigenleben mit Haien.

 
 
 


 
 
 

SHARKANDO 4 – Kritik

 
 
2016 gehörte es schon fast zum guten Ton, dass jedes Jahr ein neuer Teil der „Sharknado“ Reihe herauskam, so wie das auch mal bei „Saw“ der Fall war. Ist eine Kuh erfolgreich, wird diese eben so lange gemolken, bis echt kein Profit mehr herauszuschlagen ist. Selbst wenn diese Reihe keinen guten Ruf besitzt, so war sie bis zum dritten Teil doch ganz spaßig und zumindest für Nonsense-Trash-Liebhaber sehenswert. Dies soll sich mit dem vierten Teil nun aber so langsam ändern. Die Macher haben es sich viel zu bequem gemacht und bauen darauf, dass das Ganze ein Selbstläufer ist. Gerade deshalb funktioniert „Sharknado 4“ allerdings nicht mehr so gut.
 
 
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Fünf Jahre sind seit dem dritten Teil vergangen und ein Technikmogul hat mit einer Erfindung dafür gesorgt, dass die Zeit der Sharknados vorbei ist. Dummerweise kommt es in Las Vegas zu einem Sandsturm und prompt zeigt sich: Auch in diesen fühlen sich die Haie pudelwohl. Es geht also erneut ums nackte Überleben und wer wäre geeigneter dafür, sich der Gefahr zu stellen, als Fin Shepard? Zum vierten Mal in Folge schrieb Thunder Levin das Drehbuch und es wäre vielleicht mal an der Zeit gewesen, jemand Neuen zu involvieren. Es ist nicht unbedingt so, als ob „Sharknado 4“ keine neuen Ideen hätte, aber man bemerkt schon, dass sich das alles sehr abgenutzt hat. Wie soll man dem Wahnsinn auch noch die Krone aufsetzen, wenn es im vorherigen Teil bereits ins Weltall ging? Die Story hat darauf keine echte Antwort parat, geizt aber natürlich nicht mit Quatsch, der Kopfschmerzen machen kann, wenn man sich darauf nicht einlassen möchte. Allgemein ist das alles dermaßen großer Humbug, dass man es niemals ernst nehmen kann. Doch wo die vorherigen Teile bisher immer mit einer gewissen Selbstironie am Start waren, lässt „Sharknado 4“ gerade solche Zutaten oftmals vermissen, weshalb der Trash dann auch viel mehr kalkuliert wirkt, als das zuvor noch der Fall war.
 
 
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Dass diese Reihe zu einer reinen Cameo-Show verkommen ist, dürfte kein Geheimnis mehr sein, aber selbst hier bot der dritte Teil deutlich unterhaltsameres Material. Es macht schon irgendwie Spaß David Hasselhoff wieder zu sehen und mit Gary Busey gibt es den nächsten, bekannten Darsteller in einer Nebenrolle zu sehen. Die Hauptrolle übernimmt wie immer Ian Ziering, der zuvor aber auch schon mal mit mehr Enthusiasmus mit dabei war. Tara Reid bleibt der Reihe selbstverständlich ebenfalls erhalten. Bei solchem Nonsens ist es eben keinerlei Problem eine tote Figur einfach zurückzuholen. Danach reihen sich Cameos aller Art aneinander. Egal ob Wayne Newton, die Chippendales, Steve Guttenberg, Dog oder sogar Sarah Knappik. „Sharknado 4“ verkommt zur einen Werbeshow für B- und C-Promis und für irgendwelche It-Girls. Da passt es gut, dass es sowieso sehr viel Product-Placement gibt. Sicherlich war das in den Vorgängern teilweise auch schon der Fall, aber es wird immer offensichtlicher und die Cameos werden mittlerweile auch reichlich lieblos aneinandergereiht, so dass man hier kaum noch das Gefühl bekommt, dass es für Fans gemacht ist.
 
 
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So sehr das Treiben zeitweise auch an Charme verliert, so wenig kann man sich dennoch über den Unterhaltungswert beklagen, denn in „Sharknado 4“ ist ständig etwas los. Es gibt kaum eine Einleitung und sofort beginnt die Action. Das bleibt innerhalb der 85 Minuten auch stets so. Der Humor verliert dabei deutlich an Boden und ist längst nicht mehr so sympathisch, dafür gibt es im Gegenzug ein wahres Fest an Filmanspielungen zu begutachten. Das mag nicht unbedingt originell erscheinen, macht aber manchmal schon Spaß und sorgt immerhin halbwegs für Kurzweil. An die miesen Effekte, die trotzdem nicht immer völlig katastrophal sind, hat man sich schon lange gewöhnt und wenn es einem zuvor nichts ausgemacht hat, bleibt das hier sicher ebenfalls der Fall. Allerdings übertreibt es Regisseur Anthony C. Ferrante dann manchmal doch etwas mit seiner Inszenierung, besonders wenn es um Szenenwechsel geht. Da bleibt der rote Faden nämlich ganz schön auf der Strecke und selbst wenn man den Unsinn aufmerksam verfolgt, kommt man manchmal gar nicht mehr so richtig mit. Ein kleiner Cliffhanger warnt dann vor, dass es mit der Reihe noch immer nicht zu Ende ist und so darf man gespannt sein, ob die Qualität noch mal steigen kann oder dem Trend nach unten folgt.
 
 
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SHARKANDO 4 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Sharknado 4“ ist die typische Fortsetzung einer Trash-Reihe, will mehr bieten, tut dies eigentlich auch, verliert dabei aber nach für nach an Charme. Die Macher haben es sich mittlerweile sehr gemütlich gemacht und geben sich deutlich weniger Mühe, was sich vor allen Dingen in der fehlenden Selbstironie bemerkbar macht. Deshalb ist die Atmosphäre auch nicht mehr so überzeugend. Die ganzen Cameos wirken überwiegend lieblos eingesetzt, doch die Darsteller gehen noch in Ordnung. Die Inszenierung ist chaotisch und die Effekte bleiben gewohnt billig, sehen jedoch nicht immer völlig mies aus. Die Story macht es sich ebenfalls recht bequem und lebt am ehesten von ein paar neuen, super bekloppten Ideen und ansonsten noch von den vielen Anspielungen auf bekannte Filme. Eine kleine Kontinuität ist innerhalb der Figurenzeichnung zum Glück vorhanden und über zu viel Langeweile kann man sich eigentlich nicht beklagen, aber die Reihe nutzt sich trotzdem weiter ab und spätestens hier hätte man dann doch lieber einen Schlussstrich ziehen sollen!
 
 


 
 
 

SHARKANDO 4 – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Sharknado 4: The 4th Awakens“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SHARKANDO 4 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray + DVD im Steelbook – auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sharknado 4: The 4th Awakens; USA 2016

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Steelbook

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: Steelbook: 25.06.2021

 

Sharknado 4: The 4th Awakens [Blu-ray + DVD im Steelbook] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SHARKANDO 4 – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sharknado – Genug gesagt! (2013)
 
Sharknado 2 (2014)
 
Sharknado 3: Oh Hell No! (2015)
 

Filmkritik: „The Banishing – Im Bann des Dämons“ (2020)

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THE BANISHING – IM BANN DES DÄMONS

(THE BANISHING)

Story

 
 
 
Die Geschichte eines jungen Vikars, der in den 1930ern mit seiner Familie in ein prunkvolles Anwesen mit düsterem Geheimnis zieht.

 
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Kritik

 
 
Wer in den Zweitausendern bereits Horrorfan war, der hat definitiv schon den Namen „Christopher Smith“ gehört, zeichnet sich dieser britische Regisseur doch verantwortlich für den hochgelobten U-Bahn-Horror „Creep“, die höchst vergnügliche, sowie überraschend kaltschnäuzig-harte Backwoods-Torture-Dekonstruktion & Horrorkomödie „Severeance“, sowie den originellen, spannenden Zeitschleifen-Thriller „Triangle“, der nicht immer logisch verläuft, aber mit einem guten Cast und spannenden Szenario punkten kann. Alles Filme mit eigener Handschrift also, die sich technisch sehen lassen und inhaltlich auf originelle, spritzige, kurzweilige Weise punkten konnten. Wagt ein solcher, genreerprobter Regisseur sich nun an einem scheinbar allzu konventionellen Haunted-House-Streifen, Jahre nachdem der große Hype um „The Conjuring“ etc. zumindest ein wenig abgeklungen ist, erwartet man demnach also einen neuen „Severance“, einen überraschenden Film mit eigenen Ideen, alles andere jedenfalls als eine Fließbandproduktion.
 
 
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Wie unfassbar enttäuschend also, genau diese zu bekommen – denn jeglichen Esprit, jede Eigenständigkeit, aber auch nur grundlegende Idee von Grusel, Spannung, Horrorelementen oder Kurzweil geht diesem sterbenslangweiligem Totalausfall derart verloren, dass ich nicht fassen konnte, dass wir es hier mit dem selben Regisseur zu tun haben. Zugegeben, das Script wurde hier von ganzen drei unbekannten, sowie auch augenscheinlich unbegabten Autoren verbrochen und dürfte das Hauptproblem sein, nicht etwas die Inszenierung – doch diese absolut totgeguckte Geistergeschichte überhaupt in dieser Form anzunehmen und als Projekt umsetzen zu wollen, ist an sich schon fraglich. Die quälenden 97 Minuten dieses unfreiwilligen Genre-Abgesangs starten mit einer großen, alten, blutbefleckten Bibel, die von einem Vikar umgeblättert und im Gebet rezitiert wird. Es dröhnt charakterlos und gewollt unheimlich, dann hört er dumpfe Schläge und läuft in einen Raum, in dem er sich selbst sieht – dabei, wie er eine junge Frau ersticht. Aha. Lautes Telefonklingeln wird als Szenenübergang abgespielt, erzählt dabei aber nichts, John Lynch, der schon in Smiths mediokren „Black Death“ mitspielen durfte, mimt den Bischof Malachi, der zum prunkvollen Anwesen des Vorfalls anreist, und den Vikar erhängt, seine Frau ermordet vorfindet.
 
 
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„Clean all that you can, burn the rest“, lässt er es raunen, dann folgt die Titlecard und schleppend langsame Opening Credits vergehen, in dem ein älteres Paar zu Klaviermusik tanzt, die aus einem Grammophon tönt. „A Christopher Smith Film“ steht auf dem Bildschirm, aber irgendwie beißt sich der moderne HD-Look ganz gewaltig mit der angestrebten Zeit der Handlung und irgendwie hab ich nach diesen ersten sechs Minuten bereits das Gefühl, dass diese Reise sich recht ermüdend gestalten könnte. Drei Jahre später, so informiert uns eine Texttafel, zieht der Vikar Linus mit seiner Familie in die Villa ein und besichtigt sie ohne jegliche Musik. Die Tochter findet natürlich eine unheimliche Puppe, seufz, aber immerhin fallen hier bereits das gekonnte Framing, die lobenswerte Lichtsetzung, die gekonnte Cinematographie auf, da hier durch Kostüme, Tapeten, einfallendes Licht und gekonnte Schattensetzung immer wieder Bilder geschaffen werden, in die man zu gern eintauchen würde. Was in dieser hübsch eingefangenen Langeweile erzählt wird ist dabei nur derart generisch und oft gesehen, dass es schnell in den Hintergrund rückt.
 
 
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Marianne würde gerne mit ihrem Mann schlafen, dieser aber „braucht Zeit“ und hat Schuldgefühle Gott gegenüber, in einer ästhetischen, aber ebenfalls klischiert inszenierten Sequenz wird Marianne beim Kämmen beobachtet und lünkert durch die Wand sich selbst an, in dem altertümlichen Flur einer Psychiatrie umherlaufend. Von Jumpscares, einer wahren Bedrohung, subtil aufgebauter Atmosphäre, Rätsel- oder Verlaufsspannung zu dem Zeitpunkt keine Spur, aber wir befinden uns ja auch keine 20 Minuten im Film. Linus gibt, wie erwartet, den Rationalisten und redet von Mäusen oder Ratten, die für die Stimmen und Visionen verantwortlich sein sollen, dann startet durch einen letzten Charakter der „eigentliche Plot“. Denn abseits zahlreicher WWII-Anspielungen inkl. Propaganda im Kino und mehrerer Dialogfetzen über die Ausweglosigkeit der Situation, die sich nie sinnvoll in den Film fügen oder wirkliche Aussagekraft besitzen, darf Sean Harris, bekannt etwa aus Prometheus, Mission Impossible oder Harry Brown, sich noch als pseudomysteriöser Heide mit femininen Touch blamieren, der erzwungene Konfrontationen mit Linus heraufbeschwört um auch nur irgendein Konfliktpotential in den Film zu bringen. Das einzig fehlende Element, das vielleicht noch für irgendeine Anspannung oder Fragezeichen sorgen konnte, wird nun in Rekordzeit auch noch ausbuchstabiert, das Haus ist auf den Ruinen eines alten Ordens gebaut, der natürlich an Folter und das Bestrafen von Sündern geglaubt hat, Unrecht ist geschehen, yadda yadda, jetzt spukt es halt.
 
 
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Die Hintergrundgeschichte wurde also erzählt, die Stimmen und komischen Geräusche wurden etabliert, der scheinbare Antagonist offenbart, was gibt es jetzt noch über 70 Minuten lang zu tun? Zeit füllen, ganz einfach. Durch ein Kind, das ganze drei Mal verloren geht und unpointiert wieder auftaucht, durch ganze drei Szenen in denen im Dunkeln mit Taschenlampe durch den Keller gelaufen wird, durch ganze drei Szenen auch, ich lüge euch nicht an, in denen die belanglose, unoriginelle und oft gehörte Hintergrundgeschichte um irgendwelche Mönche, Erbsünden oder falsch gelagerte Kadaver durchgekaut, vertieft und wiederholt wird. Zieht man diese Szenen ab, hat man einen blassen und langweiligen, generischen Horrorfilm mit hübschen Bildern und ohne jegliche Herausstellungsmerkmale, so aber wird „The Banishing“ durch massive Repetition und Überlänge tatsächlich zum Ärgernis. Im alten Spiegel gibt es einen erwarteten, aber halbwegs funktionierenden Schreckmoment, auch bannt der Film nach etwa einer geschlagenen Stunde Laufzeit tatsächlich so etwas wie ein alptraumhaftes, gruseliges Bild zwischen seine austauschbaren Dialoge – doch für diese zwei Stellen gelungenen Horrors hagelt es auch unfreiwillig komische Momente mit schlechten Dialogen, schlechten Reaktionen und unglaubwürdigem Schauspiel.
 
 
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Linus macht im Laufe des Films natürlich einen „Shining“-Verlauf inklusive Eifersucht, lauten Ausrastern und einschleichendem Wahnsinn durch, der wenig bedrohlich, spannend oder überzeugend gespielt ist, die Tochter baut kommentarlos einen Kellerraum mit kapuzetragenden Kultisten in ihr Puppenhaus, der Doktor verstummt ganz plötzlich und mysteriös, sobald er von der Adresse des geplagten Paares erfährt, wie in jedem Horrorfilm.
Nach etwa 50 Minuten war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich innerlich mit diesem Film abgeschlossen habe, als weitere ungruselige Schluchzer und Schreie aus der Klischeekiste in die Wohnung gedröhnt sind, nur um weitere dunkle Ecken abzulaufen. Gezwungene Nazi- Verbindungen zu den offensichtlichen Antagonisten helfen niemandem, subtile Andeutungen in den Dialogen sind auch nicht genug, wenn es keinen subtilen Horror oder irgendeine Art von Anspannung gibt, die nicht von der Überlänge des Films selber, seiner fehlenden Eigenständigkeit oder dem endlosen Überprüfen der Laufzeit herrühren.
 
 
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Das totlangweilige Editing, unmotivierte Colourgrading und die Trivialität, mit der hier prinzipiell vielleicht mal gruselig gewesende Tropen, die aber durchaus noch funktionieren könnten, inszeniert, nein, lieblos abgefilmt werden, sind dabei der endgültige Todesstoß – so etwa, wenn das Auftauchen einer prinzipiell tödlichen Entität mit einem alltäglichen „Have you seen a monk?“ abgetan wird, oder ein absurdes Konzept, das anfänglich wie eine falsche Fährte wirkte, später wirklich als „Grund“ oder Teil des Plots angeführt wird. Ein Haunted House, das Leute warum auch immer korrumpiert, in den Wahnsinn stürzt oder umbringt, ist seit etwa 200 Jahren im Horror etabliert und bedarf deutlich mehr als ein paar hübscher Bilder, um Zuschauer jetzt noch zu locken – erst Recht, wenn eine Stunde in dieser unoriginellen Suppe drin noch immer neue Exposition, dafür am Ende nicht einmal ein vernünftiges Finale folgt. „This House is cursed, Mrs. Forster“ – nach 75 Minuten Laufzeit, als sei das nicht allen schon von Beginn an klar gewesen. So sehr gelangweilt habe ich mich zuletzt bei „Inner Ghosts“ z.B., gerade im dritten Akt, was für ein überlanger, quälend spannungsloser, belangloser, unorigineller, endlos kopierender, konfrontationsloser Bockmist, bar jedes Mehrwerts, jeder Existenzberechtigung. Eine handvoll hübscher Aufnahmen und ein pseudomotiviertes Ende mit „Hänschen Klein“-Soundtrack retten hier überhaupt gar nichts mehr.
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Herr, hab Erbarmen. Religiöser Haunted-House-Standardhorror mit guten Bildern und inhaltichen Abgründen der Unoriginalität. Für wirklich niemanden zu empfehlen.
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Banishing – Im Bann des Dämons“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Die Freigabe ist gerechtfertigt, denn hinter diesem Gruselstreifen verbirgt sich eher subtiler Schauer und kein Splatter-Spaß.
 
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Banishing; Großbritannien 2020

Genre: Horror, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 97 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 24.06.2021

 

The Banishing – Im Bann des Dämons [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE BANISHING – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle (2018)
 
The Awakening (2011)
 
The Turning (2020)
 

Filmkritik: „The Rookies“ (2019)

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THE ROOKIES

(SU REN TE GONG)

Story

 
 
 
Versehentlich gerät der Extremsportler Zhao in ein illegales Handelsgeschäft und wird fortan als Geheimagent von einer ominösen Organisation benutzt.

 
 
 


 
 
 

THE ROOKIES – Kritik

 
 
Seit „James Bond“ in regelmäßigen Abständen die Kinoleinwände besucht, ist der Agententhriller aus dem Mainstream-Blockbuster-Segment nicht mehr wegzudenken. Ab und zu gesellen sich dann auch auf amüsant getrimmte Ableger wie z.B. „Kingsman“ hinzu. Genau in eine solche Kerbe möchte auch der chinesische „The Rookies“ schlagen. Das Ergebnis wäre vielleicht noch halbwegs brauchbar gewesen, wenn es nicht so gnadenlos albern und pubertär wäre.
 
 
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Der junge Zhao gibt sich am liebsten seiner Leidenschaft, dem Extremsport hin und klettert auf die höchsten Hochhäuser. Nach einer solchen Aktion gerät Zhao allerdings plötzlich in eine geheime, illegale Geschäftsaktion, bei welcher es um einen Kauf von wertvollem Gut geht. Da er sich der Situation verblüffend gut stellt, wird er danach sofort von einer geheimen Agentin namens Bruce angeheuert. Zusammen mit einem eigens dafür kreierten Team, soll Zhao den Untergang der Welt aufhalten, denn ein verrückter Bösewicht hat teuflische Pläne.
Das Drehbuch ist vollkommen naiv und wirkt zu jedem Zeitpunkt kindlich. Wobei es wohl selbst einem Kind leichter fallen sollte, sich kreativere Zutaten auszudenken. Wenn da von einem Mr. X und einem Kelch, der ewige Jugend bringen soll, gesprochen wird, fragt man sich echt, ob „The Rookies“ von 2019 ist oder nicht doch eher aus dem Jahre 1970 stammt. Der Rest der Handlung ist nicht weiter der Rede wert und verpulvert jedes halbwegs gängige Klischee, welches man aus solchen Agenten-Streifen kennt. Originell ist das nicht, doch es ist zudem dermaßen einfallslos geschrieben, dass einem bereits am Drehbuch die Freude an diesem Werk vergehen kann.
 
 
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Wenn man es dann noch mit höchst albernem Humor zu tun bekommt, ist das Maß endgültig voll. Von den Japanern ist man dies ja gewohnt, aber die Chinesen besitzen oftmals noch eine gewisse Bodenständigkeit. Bei „The Rookies“ ist das nicht der Fall. Man kommt sich vor wie in einer Mischung aus späteren Direct-to-Video-Ablegern von „American Pie“ und einem reinen Kinderfilm. Hier und da darf es mal ein wenig schlüpfrig werden, was wahrscheinlich humorvoll gedacht war, aber nur peinlich wirkt. Ansonsten schielt der Humor gnadenlos in Richtung Kinderunterhaltung und verursacht damit am ehesten Kopfschmerzen. Dass „The Rookies“ dann sogar eine deutsche Freigabe ab 16 Jahren besitzt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Abgesehen von ein wenig vergossenem Blut, ist das Treiben nämlich echt harmlos. Wenn man dann auch noch versucht ein paar ernste Szenen zu entwickeln, könnte das Ergebnis kaum unglaubwürdiger sein. Jungs in der Pubertät können dieser viel zu gewollten Coolness vielleicht noch etwas abgewinnen, aber der Erwachsene schaut damit völlig in die Röhre. Leider kommt die Atmosphäre nämlich ohne den Hauch von Charme daher. Einfach alles an dem Film wirkt erzwungen und künstlich.
 
 
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Die Darsteller haben da quasi von vornherein verloren und begeistern kann hier niemand. Wang Talu quält sich albern durch den Film ohne jemals überzeugen zu können. Sandrine Pinna wirkt mit ihrer Leistung auch eher unentschlossen, was jedoch an der absolut unglaubwürdigen Figurenzeichnung liegt. Keinem Charakter kauft man es ab, was er hier darstellen soll. Eigentlich ist jede Figur sowieso nur dafür konstruiert ein paar Lacher zu provozieren. Humor ist Geschmackssache und vielleicht findet das chinesische Publikum das ja witzig, aber die Gags sind wirklich dermaßen platt, billig und pubertär, dass keine Freude aufkommen mag. Um den Rest der Welt auch noch etwas für „The Rookies“ begeistern zu können, hat man Milla Jovovich in einer anfangs gar nicht mal so kleinen, aber später unwichtigen Rolle für sich gewinnen können. Mit Jovovich macht man im Actiongenre bekanntlicherweise nicht viel verkehrt, aber sie wirkt hier noch gelangweilter, als ein Bruce Willis in seinen B-Movies.
 
 
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Dass „The Rookies“ am Ende doch noch drei, objektiv gemeinte Punkte erhält, liegt an der sauberen Inszenierung. Dass der Film nicht gerade mit wenig Aufwand realisiert wurde, sieht man nämlich deutlich. Die Inszenierung ist zwar fast durchgehend hektisch und knallbunt, übertreibt es mit den coolen Slow-Motions und hat keine Action zu bieten, die man woanders nicht schon besser gesehen hätte, aber sie besitzt einen gewissen Style und bietet ein paar hübsche Bilder. Die meistens recht künstlichen Effekte besitzen ebenfalls Qualität und aus handwerklicher Sicht lässt sich hier durchaus nicht meckern. Dazu gesellt sich ein solider Score und es ist wirklich ständig etwas los. Wenn man den Grundton vom Film mag, kann man sich also gar nicht langweilen. Wenn man ihn nicht mag, quält man sich durch fast zwei Stunden Laufzeit, die niemals Spannung aufkommen lassen.
 
 


 
 
 

THE ROOKIES – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„The Rookies“ wäre wohl gerne eine Variante von „Kingsman“ und versucht eine altmodische Agentenstory in ein hypermodernes Gewand zu stecken, scheitert aber schon alleine aufgrund der wahnsinnig unoriginellen Ideen. Außerdem ist der Humor hier wirklich zu viel des Guten. Es geht albern, hektisch, hysterisch, schrill, pubertär zur Sache und das Ergebnis will so gar keine Freude aufkommen lassen. Die Figurenzeichnung ist unsympathisch, die Darsteller können echt nichts aus diesen doofen Charakteren machen und nicht mal eine Jovovich bietet hier Qualität. Die Action sieht solide aus und aus handwerklicher Sicht kann man dem Werk definitiv keine Vorwürfe machen, aber der gesamte Rest ist für die Tonne. Wenn man sich nicht gerade im Alter von 8 bis 12 Jahren befindet, wird man mit diesem lächerlichen, fast debilen Ton sicher wenig anfangen können. Ein gänzlich lieblos gestaltetes Produkt, dessen Sinn man wohl erst noch erfinden muss!
 
 


 
 
 

THE ROOKIES – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Rookies“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE ROOKIES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Su ren te gong; China | Ungarn 2019

Genre: Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 113 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 22.07.2021

 

The Rookies [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE ROOKIES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kingsman: The Secret Service (2014)
 
Spy Kids (2001)
 

Filmkritik: „Memoir of a Murderer“ (2017)

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MEMOIR OF A MURDERER

(SALINJAUI GIEOKBEOB)

Story

 
 
 

Ein mit Alzheimer diagnostizierte Tierarzt, der eine mörderische und tragische Vergangenheit verbirgt, versucht in den letzten Wochen klaren Verstandes noch einem anderen Serienkiller das Handwerk zu legen, der ausgerechnet seine Tochter im Visier hat.

 
 
 


 
 
 

MEMOIR OF A MURDERER – Kritik

 
 
 
Nachdem die – ebenfalls koreanische – Thrillerkomödie „A Hard Day“ mich ohne viel Hype und ohne allgemein vorher etwas von dem Film gehört zu haben, positiv überraschen konnte, war es beim nächsten Titel hingegen umgekehrt – bekannt war mir Kim Young-has Roman „Aufzeichnungen eines Serienmörders“ von 2013 bereits, mit seiner prägnanten Würze und genialen Prämisse, wenn auch nur durch Empfehlungen anderer Leute und nicht vom eigenen Lesen. Doch als dann auch noch der Film in ähnlich hohen Tönen gelobt und als zukünftiger Kult- Klassiker erwähnt wurde, bin ich doch hellhörig geworden, und wurde – zumindest nach der erstmaligen Sichtung der Kinofassung – doch etwas enttäuscht. Denn auch wenn sich dieser knapp zweistündige Serienkiller-Thriller dank meiner fehlenden Kenntnis der Vorlage nicht mit diesem Vergleich herumschlagen muss, so doch sehr wohl mit anderen zeitgenössischen, koreanischen Thrillern aus diesem und dem letzten Jahrzehnt und stellt man die Ermittlungen, Bilder und Spannungen neben einen „Memories of Murder“ z.B., so werden sowohl Ähnlichkeiten, als auch Pacing-Probleme sichtbar, die mir in diesem Genre sonst eher selten auffallen.
 
 
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Es beginnt mit einem älteren Herren im Schnee, der vor einem Tunnel im Wind steht. Sein Voiceover startet, vor drei Monaten wurde Demenz diagnostiziert – also ja, der Protagonist ist tatsächlich der titelgebende Serienkiller, dessen Erinnerung schwindet – und der aber nicht nur Panik kriegt, wenn Frauenleichen auftauchen, da er es selbst gewesen sein könnte – sondern der auch noch aktiv versucht einen anderen, aktiven Serienkiller dranzukriegen, welcher Polizist ist und seine Tochter datet. Mit einer solch gewitzten Prämisse voll Konfliktpotential und deutlich mehr Farbe, Charakter und eigener Handschrift als „A Hard Day“ war mir eigentlich klar, dass dieser Thriller von „The Suspect“ Regisseur Won Shin-yeon leichtes Spiel bei mir haben würde, doch tatsächlich wirkte das Projekt auf mich wie die Versatzstücke anderer, besserer und vor allem konzentrierterer Filme, aneinandergestückelt.
 
 
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Das soll nicht heißen, dass die Tonalitäten sich beißen, der Film unausgereift ist oder nicht aus einem Guss wirkt, sondern viel eher, dass die Thrillerkomponente der Killerhatz, die Konfrontationen und Verfolgungsjagden, das stille, leise, tragische Charakterdrama über einen Vater, der langsam seine Persönlichkeit und Verbindung zu seiner Tochter verliert und die schwarzhumorige Geschichte um einen sehr menschlichen Killer, der Gutes tun will aber im Alltag scheitert allesamt einen eigenen Film wert wären und bestens im jeweiligen Genre funktionierten, ich so aber keinen herausragenden Eigenwert in irgendeinem dieser Felder bekommen konnte, einfach weil die Zeit gefehlt hat.
 
 
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So großartig vom Hauptdarsteller gespielt, hübsch gefilmt, teilweise nahezu atemberaubend inszeniert, spannend, hier und da gar witzig und dabei zu jeder Sekunde geerdet und menschlich dieses Thrillerdrama also auch ist, so gerne hätte ich einen konzentrierteren Film gesehen, der einen Aspekt dieser prinzipiell faszinierenden Handlung besser ausarbeitet, oder aber schlichtweg mehr Zeit hat. Der Director’s Cut hat das bessere Ende und ist laut Beitrag im Portal schnittberichte.com definitiv lohnenswerter als die Kinofassung, mehr als acht Punkte wären aber vermutlich auch dann nicht drin.
 
 
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MEMOIR OF A MURDERER – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Technisch großartiger Thriller mit guten Schauspielern und spannender Vorlage, der für mich zu unfokussiert in seine drei Richtungen ausgeschlagen ist. Für Thriller/Serienkillerfans aber trotzdem eine Empfehlung in der längeren Fassung. Letztere befindet sich nur in der limitierten Mediabook-Sonderveröffentlichung aus dem Hause Busch Media Group.
 
 
 


 
 
 

MEMOIR OF A MURDERER – Zensur

 
 
 
„Memoir of a Murderer“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

MEMOIR OF A MURDERER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Busch Media Group (2 Blu-rays im Mediabook mit Kinofassung und längerem Director’s Cut)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kkeut-kka-ji-gan-da; Südkorea 2017

Genre: Thriller, Action, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Koreanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer-Show, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Memoir of a Murderer im Director’s Cut auf Blu-ray, Booklet

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 04.06.2021

 
 

Memoir of a Murderer [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Memoir of a Murderer [2 Blu-rays im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

MEMOIR OF A MURDERER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Abbildungen stammen von Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Memories of Murder
 
Oldboy (2003)
 
Parasite (2019)
 

Filmkritik: „Honeydew“ (2020)

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HONEYDEW

Story

 
 
 

Schauspieler Sam und seine Freundin, die Botankerin Riley, fahren für eine Forschungsarbeit über den Ausbruch eines agressiven Mutterkornpilzes aufs Land, stranden aber ungewollt im Haus der allzu freundlichen, alten Farmerin Karen…

 
 
 


 
 
 

HONEYDEW – Kritik

 
 
 
Das Debütwerk des offensichtlichen Horror- und Arthousefans Devereux Milburn wurde sehr durchwachsen aufgenommen und dabei einheitlich für seine Technik und Optik gelobt, dafür aber auch im Scriptdepartment oftmals heftig kritisiert – nach 108 erwartungsreichen, zu Beginn höchst vergnüglichen Minuten Indiehorror kann ich auch absolut verstehen, wieso dem so ist.
 
 
„Do you not know that our bodies are temples for the holy spirit?“
 
 
Nach einem leicht arthousigen Intro folgen Szenen einer Beerdigung, dann sehr kryptische bis zumindest uneindeutige, mysteriöse, erste Minuten in denen bereits unübliche Klopfgeräusche und Stöhner, prominent Klingen und Gläser und platzende Blasen, die fast an Hyperpop-Songs erinnern, im Soundtrack benutzt werden und für eine aufwühlende, verschrobene, angespannte Atmosphäre sorgen, ohne dass man narrativ überhaupt folgen könnte. Riley schaut eine alte Dokumentation über den Schädling, über den sie ihre Arbeit schreibt, Sam übt seine Zeilen. Simple Szenen wie diese peppt der Film teilweise durch Splitscreens, verwirrend überlappendes Editing oder ähnliche Spielereien auf, treibt es dabei aber nicht zu weit.
Nach acht trippigen Minuten mit super kreativen und originellen Sounds und leichtem „The Rambler“-Feeling wird das Pärchen nun erst von einem undurchsichtigen, jungen Typen auf einem Fahrrad beäugt, entscheidet sich dann auf einem Grundstück ihr Zelt aufzuschlagen, das leider nicht so öffentlich ist, wie es zu sein scheint. In einer hübschen Einstellung mit Scheinwerferlicht reden sie nun mit dem stoffeligen Eulis, der sie auf ein Motel im Norden hinweist, doch der Wagen will natürlich nicht mehr anspringen. Für ein paar Sekunden setzen wohlig altmodische Orgel-Synthies ein, dann brilliert auch schon das super überfreundliche, verschrobene, authentisch altersschwache und genau so charismatische wie unangenehme Schauspiel von Barbara Kingsley, – eine Performance, die mich am meisten an die geniale Dinnersequenz aus „I’m thinking of ending things“ erinnert hat – die die beiden natürlich bei sich aufnimmt, bekocht und eine Übernachtung anbietet.
 
 
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Ein älterer, schweigender Typ im Rollstuhl mit Bandage am Kopf isst Zitronen mit Salz oder Zucker als wären es Chips, Weihnachtsmusik spielt von einem alten Band, die Beleuchtung und Einstellungen sitzen, es pocht und flüstert und knirtscht und klopft im Soundtrack, der versprochene, leicht halluzinogene, sich gefühlt steigernde Fiebertraum, den ich erhofft habe, setzt wirklich ein. „Gunni“, so der Name des Bandagierten, schüttelt sich und fängt an zu bluten, Smalltalk gibt es keinen, das Gespräch über den hilfsbereiten Nachbarn, der zum Abschleppen vorbei kommen soll, zögert sich heraus und verläuft im Nichts, da scheinbar kein Nachbar auftaucht. Sam, der aufgrund seines Cholesterinwertes eine strenge Diät eingehalten hat bisher, plündert nachts den Kühlschrank und gönnt sich seine dicke Ausnahme, Gunni setzt sich dazu, beide gucken alte Animationen, Popeye und Max Fleischer Cartoons werden sehr häufig in den Film geschnitten. Weitere düstere Atmosphäre und etwas Recherche von Riley, Goony versucht zu reden, dann folgt eine surreale Alptraumszene in einer natürlich belichteten Scheune, mit einem derben Effekt und durchaus packender Inszenierung. Eine weitere Vordeutung für kommendes Grauen? Als Sam zurück in den Raum kommt, fehlt seine Freundin und er macht sich nachts, alleine, im dunklen Feld, auf die Suche nach ihr…
 
 
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Was ich bis hierhin wiedergegeben habe klingt vielleicht wie der erwartete Standardverlauf der ersten Hälfte eines 2000er-Standardslashers á la „Timber Falls“, mit naiven Protagonisten und generischen Fanatikern auf dem Land oder im tiefen Wald, stellt aber tatsächlich fast die gesamte erste Stunde dieses 2020er-Horrors mit Kunstansprüchen dar – und funktioniert aber trotzdem! Wenn „Honeydew“ an einer Stelle nämlich nicht leidet, dann ist es sein Aufbau – die gesamte erste Stunde konnte mich packen, unterhalten, neugierig machen und hat vermutlich genau so funktioniert, wie intendiert – zwar wird hier auf Plotebene auch nur Altbekanntes aufgetischt, doch die Inszenierung, das Tempo, der liebevoll-langsame Aufbau und gerade der unerwartet eigenwillige Soundtrack lassen die Zeit recht schnell vergehen, werten diesen sehr hübsch fotografierten Film stetig auf und lassen eine unheilvolle, düstere, erwartungsvolle Atmosphäre aufkommen, auf die nach 20 Jahren Standardhorror mit altbekannten Sadisten, Sekten, Fanatikern, Mutanten und Kannibalen jetzt doch sicherlich mal etwas Neues, oder zumindest subversiv anders gefärbtes folgen dürfte, oder?
 
 
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Aber nein, denn wenn „Honeydew“ ein Problem hat, und das hat er, dann ist es die unglaubliche Belanglosigkeit, Unoriginalität und Vorhersehbarkeit des gesamten dritten Aktes, der im Gegensatz zum Rest des Films nicht an Rätsel- oder Verlaufsspannung, Mysterien oder Fragezeichen interessiert ist, sondern mit einem einzigen, statischen, wenig beeindruckenden Setting und gefesselten Protagonisten ein belangloses und erbärmlich oft gesehenes Szenario und Finale runterspult, das selbst anno 2004 kaum noch jemanden mitgerissen hätte, seinerzeit aber zumindest nicht negativ aufgefallen wäre.
Lange Zeit hält der Film seine Karten also sehr nahe bei sich, übt sich in Andeutungen und Atmosphäre und weiß damit zu unterhalten, ganz ohne Jumpscares oder Gore oder allzu exzessives Editing, doch alles was zu Beginn noch spannend und neu war wird in Rekordzeit überbenutzt, nervig, repetitiv, enttäuschend und ultimativ gar prätentiös, da eine maximal simple Prämisse und Story derart aufgeblasen und rätselhaft aufgebaut wird, dass die Enthüllung nur umso enttäuschender sein kann. Unverständliches Charakterverhalten so wie ein waschechter Deus-Ex- Machina Moment aus der Mottenkiste der Genrefilmrettungen gesellen sich dazu, auch ein viiieeell zu sehr in die Länge gezogenes, auf den Teufel raus möglichst zynisches, langweiliges Ende kann da nichts mehr ausgleichen. Sieben bis Acht Punkte für die erste Hälfte bzw. Stunde also, denn hier kann man wirklich von gelungener, moderner Horrorkost mit eigenen Ideen in der Inszenierung sprechen, doch alles danach ist für jeden Genrefan leider nichts als reine, belanglose Routine.
 
 
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HONEYDEW – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Honeydew hat das belanglose Standardscript eines beliebigen 2000er-Horrorfilms, aber weiß die erste Stunde durch gekonntes Editing, einen wilden Soundtrack, eine starke Performance und gute Bilder ordentlich aufzuwerten. Jammerschade um die Technik, die Weihnachtsmusik, die Gimmicks und die Kameraarbeit also, dass nichts von Substanz hängen bleiben wird.
 
 
 


 
 
 

HONEYDEW – Zensur

 
 
 
„Honeydew“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HONEYDEW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-On New Media (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Honeydew; USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 106 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer-Show, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 25.06.2021

 
 

Honeydew [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

HONEYDEW – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Abbildungen stammen von I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Timber Falls (2007)
 
What the Waters Left Behind (2017)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Dark Paradise (1988)
 
Spell (2020)
 

Filmkritik: „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ (2010)

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EL NACRO – WILLKOMMEN IN DER DROGENHÖLLE

(EL NACRO | EL INFIERNO)

Story

 
 
 
„El Narco“ schildert den Aufstieg eines Mannes namens Benny von der Armut bis hin zu reichlich Drogengeld. Doch das Spiel mit dem mexikanischen Drogenkartell fordert hohe Kosten.

 
 
 


 
 
 

EL NACRO – Kritik

 
 
Mexiko ist bestimmt kein Land, welches als besonders sicher zu betrachten ist. Immer wieder hört man von abscheulich brutalen Drogenkartellen und ein Leben scheint nichts wert zu sein. Kein Wunder also, dass die Mexikaner gerne mal als Bösewichte herhalten müssen. Dass ein mexikanischer Film sein Land aber selbst als so dreckig, korrupt und brutal darstellt, ist schon eher ungewöhnlich. „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“, der besser bekannt ist unter dem Titel „El Infierno“, stammt bereits aus dem Jahr 2010, feiert bei uns in Deutschland jedoch erst jetzt seine Premiere. Es ist fraglich, warum das so lange gedauert hat, denn man bekommt einen echt guten Gangsterstreifen geboten.
 
 
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Vor 20 Jahren ist Benny in die Vereingten Staaten von Amerika ausgewandert, um dort Geld zu machen. Jetzt muss er wieder zurück in sein altes Heimatdorf, doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Bennys Bruder wurde ermordet. Er hatte es zu einem berüchtigten Drogendealer geschafft. Allgemein wird das Dorf von Gewalt beherrscht. Benny will damit eigentlich nichts zu tun haben, aber als er Geld braucht, ist das Angebot als Drogenkurier und Geldeintreiber für die mexikanische Mafia zu arbeiten, dann doch zu groß. Und Benny gewöhnt sich schnell an Macht, Frauen und Geld. Damit gewöhnt er sich ebenfalls an die Gewalt, aber der Streit zwischen zwei Brüdern soll bald eine noch viel größere Welle an Gewalt heraufbeschwören. Die Story ist im Kern eigentlich nichts Besonderes, wird aber dadurch aufgewertet, dass sie recht ausgiebig erzählt wird. Dabei muss man sich wohl gut mit Mexiko auskennen, um behaupten zu können, dass hier ein realistisches Bild von dem Land gezeichnet wird. Es wirkt allerdings reichlich authentisch und wenn man gewisse Nachrichten verfolgt, ist man geneigt „El Narco“ seine Zeichnung abzukaufen. Dabei werden auch Themen wie Korruption und Politik kurz angeschnitten, doch hauptsächlich geht es um die Drogenkartelle und die Gewalt, die dort entsteht. Das Drehbuch besteht zwar aus manch einer kleinen Länge, wurde aber ordentlich geschrieben und hat genug zu bieten, um den Zuschauer für sich zu gewinnen.
 
 
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Regisseur Luis Estrada, der davor und danach ebenfalls zwei Filme inszenierte, die sich um Mexiko drehen (und somit eine nicht zusammenhängende Trilogie erschaffen hat), schrieb am Drehbuch selbst mit und kann mit seiner Inszenierung durchaus punkten. „El Narco“ entstand zur 200-jährigen Unabhängigkeit von Mexiko und wurde sogar finanziell vom Land gefördert. Es hat sich gelohnt, denn dass ein gewisses Budget zur Verfügung stand, sieht man dem Werk schon an. Zwar sind viele Szenen doch eher ruhig gehalten und die Schauplätze strotzen nicht vor Abwechslungsreichtum, aber das ist alles sehr stilsicher gestaltet und überrascht mit manch richtig guten Gewalteffekten. Davon gibt es dann auch reichlich zu sehen. Manchmal geht es schon echt derb zur Sache und gerade wie selbstverständlich diese Gewalt genommen wird, kann schon mal schockieren. An blutigen Shoot-outs mangelt es nicht und da das Blutbad manchmal ganz spontan anfängt, verfehlt es seine Wirkung absolut nicht.
 
 
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Sowohl positiv, wie auch negativ, ist die Atmospäre zu werten. Die einzelnen Stimmungen sind nämlich echt gut, nur passen sie nicht immer wirklich harmonisch zueinander. Zunächst hat man es natürlich mit einem Gangsterfilm zu tun, der auch eine gewisse Tarantino-Coolness besitzt. In diesem Bereich macht „El Narco“ nahezu alles richtig. Nebenbei will er allerdings auch etwas satirisch wirken und die schwarze Komödie bedienen. Zwar geht es eigentlich nie so richtig komisch zur Sache, aber ein paar skurrile Szenen, die schon fast grotesk erscheinen, sorgen dennoch dafür, dass es gerne mal amüsanter wird. Bis hierhin funktioniert das Gebräu. Doch „El Narco“ möchte zusätzlich ein ernstes Drama darstellen und besitzt besonders im letzten Drittel überraschend harte Szenen, bei denen dem Zuschauer sicherlich das Lachen vergehen wird. Leider beißt sich gerade das Drama mit der schwarzen Komödie und so bekommt man eine vielseitige Atmosphäre geboten, die nicht immer ganz homogen erscheint.
 
 
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Dabei hätte das Drama durchaus das Zeug dazu gehabt eigentständig zu funktionieren, weil die Figurenzeichnung alles andere als schlecht ist. Bei Benny fühlt man sich schon fast etwas an ein Biopic erinnert, weil man doch ausführlich seine Wandlung gezeigt bekommt. Gerade durch den tollen Darsteller Damián Alcázar (der passenderweise auch danach bei der Serie „Narcos“ mitspielte) funktioniert dieser Charakter so gut, denn die Wandlung vom naiv-harmlosen Benjamin zum gewaltbereiten Gangster Benny wird hier völlig authentisch dargestellt. Ebenfalls reichlich Spaß macht die Leistung von Joaquín Cosio. „El Narco“ lebt lange Zeit von diesen beiden Figuren, die auch immer etwas Komik mit ins Spiel bringen, bei den ernsten Szenen jedoch ebenso glaubwürdig agieren. Über die restlichen Schauspieler kann man sich ebenfalls keineswegs beklagen und die Charaktere sind allesamt relativ gut gezeichnet, wenn manche auch eher eine Randnotiz bleiben.
 
 
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Ob das dann wirklich eine Laufzeit von zweieinhalb Stunden gebraucht hätte, ist sicherlich eine berechtigte Frage, die man nicht ganz eindeutig beantworten kann, weil es schon ein paar Momente gibt, in denen „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ etwas aufgebläht wirkt. Ein paar kleinere Straffungen hätten dem Werk sicher nicht geschadet, aber auf der anderen Seite wird so auch eine gewisse Tiefe erzeugt, mit der man etwas anfangen kann. Den Dialogen lauscht man ganz gerne und selbst wenn das manchmal etwas zu redselig ist, kann man sich über Langeweile fast nie beklagen. In der zweiten Hälfte gesellt sich noch vermehrt Action mit hinzu, aber diese Szenen sind meist recht kurz. Selbst wenn man dem Treiben als Zuschauer stets gerne folgt, hätte es am Ende aber doch noch ein bisschen mehr Spannung geben dürfen. Der Soundtrack besteht aus vielen mexikanischen Folk-Songs, was gut und passend ist.
 
 


 
 
 

EL NACRO – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ ist schon ein gelungener Gangsterfilm, der ganz schön brachial daherkommt und Szenen besitzt, die alles andere als harmlos sind. Gerade dieser düstere Ton beißt sich jedoch manchmal mit der Heiterkeit, die ebenfalls dargeboten werden soll. Trotzdem fasziniert die Atmosphäre irgendwie und dass die Drama-Anteile so gut funktionieren, liegt vor allen Dingen an einer souveränen Figurenzeichnung. Die Handlung an sich bietet kaum neue Zutaten, wurde aber authentisch geschrieben. Die Inszenierung weiß zu überzeugen und selbst wenn der Film mit seinen fast 150 Minuten Laufzeit ein wenig zu lang geraten ist, so kann er doch überraschend gut unterhalten. Außerdem bekommt man schon ein paar herrlich skurrile Szenen zu sehen. Freunde von härteren Gangsterfilmen, vom Drogenthriller und auch von der schwarzen Komödie sollten sich „El Narco“ also nicht entgehen lassen, denn man bekommt ein unkonventionelles, dreckiges Werk zu sehen, welches gut zu unterhalten vermag und sich im Endeffekt nur etwas zu unschlüssig ist, welches Genre es denn am liebsten bedienen möchte!
 
 


 
 
 

EL NACRO – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

EL NACRO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray + DVD im limitierten Mediabook)

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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El infierno; Mediko 2010

Genre: Drama, Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 149 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase | Mediabook

Extras: Original Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 02.07.2021 | Mediabook: 02.07.2021

 

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EL NACRO – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sicario (2015)
 
Irgendwann in Mexico (2003)
 
Perdita Durango (1997)
 
Bring mit den Kopf von Alfredo Garcia (1974)
 

Filmkritik: „Scare Package“ (2019)

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SCARE PACKAGE

Story

 
 
 
In der Horror-Anthologie „Scare Package“ ist nichts wie es scheint und mit den kleinen Geschichten hat es mehr auf sich, als der Zuschauer zunächst vermuten darf.

 
 
 


 
 
 

SCARE PACKAGE – Kritik

 
 
Der Episodenhorror geht in die nächste Runde. Dass Horror-Anthologien noch immer hoch im Kurs stehen, sieht man daran, wie viele von solchen Werken es mittlerweile gibt. Doch selbst Wes Craven bemerkte irgendwann, dass es nicht verkehrt ist, ein ausgelutschtes Szenario auf eine Meta-Ebene zu hieven. Und so haben wir mit „Scare Package“ quasi den „Scream“ der Horror-Anthologie vor uns. Dass das Werk allerdings so gut funktioniert, liegt am Herzblut, denn man bemerkt einfach, dass er von Fans für Fans gemacht wurde.
 
 
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Bei solchen Kurzfilmsammlungen macht es meistens Sinn jeden einzelnen Beitrag extern zu besprechen, doch bei „Scare Package“ ist dies tatsächlich mal relativ unnötig, weil der Film andere Wege geht. Da werden zwar innerhalb von kürzester Zeit sechs verschiedene Episoden erzählt, aber mehr als ein Drittel der Laufzeit räumt man der Rahmenhandlung ein, die zum Schluss zur eigenen Episode wird. In dieser geht es um den Videothekenbetreiber Chad, der völlig vernarrt ist in Horrorfilme und einen neuen Angestellten sucht. Diesen findet er in Hawn, doch da sich dieser gar nicht so gut mit Schlitzer-Perlen auskennt, muss Chad natürlich Nachhilfe leisten. Und so werden ein paar alte Stories herausgekramt.
 
 
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Das ist der Aufhänger für ein Szenario, welches hinterher deutlich mehr Raum spendiert bekommt, als das bei solchen Werken sonst der Fall ist. Klar, eine Rahmenhandlung, welche die einzelnen Stories zusammenhält, ist immer gerne gesehen und oftmals zum Glück auch vorhanden, aber „Scare Package“ geht dennoch eigenständige Wege und kombiniert „Clerks“ mit „The Cabin in the Woods„. Was da hinterher an Meta-Ebenen aufgefahren wird, kann sich echt sehen lassen, aber bereits der Einstieg „Cold Open“ gibt die Marschrichtung schon vor. Humor wird in dem gesamten Werk nämlich wirklich groß geschrieben und man parodiert auch gerne. So verarbeitet man bekannte Slasher-Klischees mit einem Augenzwinkern, aber auch Werwölfe oder das super seltene Subgenre des Melting-Movies kommen an die Reihe. Die Drehbücher besitzen durchaus ihren Reiz, sind aber nicht immer richtig zielführend geschrieben. Manchmal mag das etwas verwirrend sein, aber die Vielzahl an Ideen, die hier verarbeitet wurden, können trotzdem punkten. Vor allen Dingen wird sich der Horrorfan an extrem vielen Anspielungen erfreuen können. Ein Highlight ist z.B. eine große Hommage an „Freitag der 13. – Teil 4“.
 
 
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Die handwerkliche Arbeit ist dabei vollkommen in Ordnung, selbst wenn man es der Optik manchmal anmerkt, dass es an Budget mangelte. Die verschiedenen Episoden stammen auch von verschiedenen Regisseuren, aber „Scare Package“ wirkt dennoch wie aus einem Guss. Über die Darsteller kann man sich ebenfalls kaum beklagen. Große Namen sucht man eher vergebens und großartiges Schauspiel ist das selbstverständlich nicht, aber für das, was der Film sein will, reicht es vollkommen aus. Mit Noah Segan und Joe Bob Briggs konnte man aber schon ein paar Namen für sich gewinnen, die dem ein oder anderen bekannt vorkommen könnten.
 
 
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Wie das bei solchen Sammlungen meistens der Fall ist, kann nicht jede Episode überzeugen. „Scare Package“ besitzt sogar drei ziemlich unnötige Kurzfilme. „M.I.S.T.E.R.“, „Girls Night Out Of Body“ und „So Much To Do“ wirken jedenfalls recht belanglos und haben nicht viel zu erzählen, aber da sie sowieso schnell vorbei sind, ist man dem Endprodukt dafür gar nicht mal böse. Außerdem ist mit „One Time In The Woods“ ein herrliches Highlight vorhanden, welches man leider schon recht früh zu sehen bekommt. Hier geht es dermaßen schräg und bescheuert zur Sache, dass man das nur abfeiern oder völlig doof finden kann. Außerdem sieht man hier die wohl besten Effekte im Film. Die Schmelz-Szenen muss jeder Freund von handgemachten Effekten feiern. Allgemein geht es in „Scare Package“ nicht gerade harmlos zur Sache und es gibt eine schöne Menge an handgemachtem Splatter zu betrachten, der zudem schön kreativ serviert wird.
 
 
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Das letzte Drittel besteht dann quasi nur noch aus der Meta-Ebene, die hier natürlich nicht verraten werden soll. Auch hier geht es unterhaltsam, blutig und humorvoll zur Sache, selbst wenn das mit den Filmregeln nicht mehr besonders originell erscheint. Erwähnt werden, sollte auch noch die absolut schöne Atmosphäre, die herrlich einen auf Retro macht. Alleine die Videothek als Schauplatz (was für eine Zeit vor Streamingdiensten!) kann dem Nostalgiker ein paar Tränchen in die Augen drücken. Und auch sonst bekommt man den kompletten Fan-Service mit Synthesizer-Score, versteht sich. Dass sich „Scare Package“ dabei niemals ernst nimmt, ist eine prima Sache, denn gerade durch den Humor funktioniert der Film so gut.
 
 


 
 
 

SCARE PACKAGE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Scare Package“ ist eine kunterbunte, kreative Splatter-Wundertüte, die alle Fans der 80er-Horror-Jahre anspricht. Die verschiedenen Episoden sind gar nicht mal alle wirklich gut, aber die Art und Weise, wie man das verpackt hat, ist verspielt und eigenständig. Dass man der Rahmenhandlung so viel Laufzeit einräumt, ist jedenfalls mal etwas anderes. Dazu gibt es eine Gaga-Episode, die ihresgleichen sucht und allgemein viel solides Material. Die Ideen waren vielseitig vorhanden, nicht immer originell, aber durchaus einfallsreich. Aus handwerklicher Sicht ist das etwas günstiger gestaltet, sieht jedoch gut genug aus und die Effekte sind meistens echt der Hammer. Der Zuschauer darf sich jedenfalls auf reichlich Gore freuen. Dass die Darsteller passabel sind, die deutsche Synchronisation sich anhören lässt und die Figuren durchaus sympathisch erscheinen, ist da nur noch erfreulicher. Das Resultat ist alles andere als perfekt, aber wirklich höchst charmant und ein Muss für alle Horror-Nostalgiker!
 
 


 
 
 

SCARE PACKAGE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Scare Package“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SCARE PACKAGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scare Package; USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 112 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 18.06.2021

 

Scare Package [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SCARE PACKAGE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scream – Schrei! (1996)
 
The Cabin in the Woods (2011)
 
V/H/S – Eine mörderische Sammlung (2012)
 
Holidays – Surviving Them Is Hell (2016)
 
Monsterland (2016)