Filmkritik: „Masquerade – Try to survive the Night“ (2021)

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MASQUERADE – TRY TO SURVIVE THE NIGHT

(MASQUERADE)

Story

 
 
 
Für ein kleines Mädchen wird ein Abend zum Albtraum, weil zwei Diebe bei ihr und ihrer Babysitterin einbrechen. Werden die Eltern rechtzeitig zurück sein?

 
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Kritik

 
 
Selbst der Home-Invasion-Thriller ist mittlerweile ziemlich totgenudelt, weil es in den letzten Jahren einfach zahlreiche solcher Prämissen gab. Die Grundzutaten sind dabei stets simpel und deshalb muss die Inszenierung schon sitzen, wenn der Zuschauer spannend unterhalten werden soll. „Masquerade“ stellt nun den gefühlt hunderttausendsten Film dieser Gattung dar und wirkt von Anfang an wenig originell. Doch das muss nicht heißen, dass das Werk nichts taugt. Ob sich eine Sichtung lohnt, erfahrt ihr nun Stück für Stück.
 
 
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Die elfjährige Casey ist alleine mit ihrer Babysitterin, denn ihre wohlhabenden Eltern befinden sich auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Dummerweise brechen genau an diesem Abend zwei Gauner ein, die es auf wertvolle Gemälde der Familie abgesehen haben. Schnell ist Casey auf sich alleine gestellt und muss sich gegen die beiden Einbrecher verteidigen, aber zum Glück sind ihre Eltern schon auf dem Weg nach Hause. Eine nette Barkeeperin hat nämlich angeboten, sie nach Hause zu fahren, aber steckt hinter diesem Angebot vielleicht mehr dahinter? Etwas schade ist, dass das Drehbuch gar nicht erst versucht, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Von vornherein ist klar, was hier gespielt wird und deshalb bleiben Überraschungen auch komplett aus. Dabei hätte man die Sache mit Rose ruhig etwas undurchsichtiger gestalten können. Es wird zwar am Ende versucht noch eine Pointe zu servieren, aber diese ist dermaßen konstruiert und unwichtig für das vorherige Geschehen, dass sie eigentlich keine echte Rolle für die Wertung der Geschichte spielt. Ansonsten gibt die simple Home-Invasion-Prämisse natürlich sowieso eher weniger her. Die Geschichte ist in solchen Filmen meistens sehr simpel und das darf auch so sein, nur muss dann eben der Rest funktionieren und das tut er bei „Masquerade“ nur bedingt.
 
 
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Man kann dem Werk nicht wirklich vorwerfen, total billig zu wirken, wobei früh ersichtlich wird, dass nicht viel Budget zur Verfügung stand. Dieses braucht man für einen effektiven Film dieser Art aber eigentlich auch nicht, denn der Schauplatz sollte sowieso begrenzt sein. Genau hier will „Masquerade“ dann etwas zu viel, weil er einen ausufernden Nebenstrang präsentiert, der sich mit Rose und den Eltern beschäftigt. Ständig wechselt das Geschehen zwischen diesen Ereignissen und dem Einbruch bei Casey. Somit kann jedoch leider keinerlei klaustrophobische Stimmung aufkommen und der Fokus auf einen Strang wäre hier durchaus effektiver gewesen. Ansonsten kann man der Inszenierung allerdings nicht besonders viel vorwerfen. Regisseur Shane Dax Taylor, der bisher nicht sonderlich viel gedreht hat, versteht sein Handwerk einigermaßen und rein optisch geht der Film ebenfalls in Ordnung. Die überwiegend dunklen Bilder sind niemals zu dunkel, so dass man genügend erkennen kann, die Schnitte wirken sauber und allgemein ist die handwerkliche Arbeit für diese Preisklasse okay. Es mangelt zwar an echten Schauwerten, doch damit kann man leben.
 
 
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Deutlich schwerer wiegt da schon die Tatsache, dass es „Masquerade“ leider niemals so richtig gelingt, eine Spannung aufzubauen. Obwohl man keine Gefangenen macht und es früh eine Leiche gibt, sucht man nach der echten Bedrohung vergebens. Mit seinen gerade mal 80 Minuten Laufzeit ist der Film ganz schön kurz geraten und trotzdem lässt er sich kaum als kurzweilig bezeichnen. Bereits nach der ersten Hälfte führt man die zwei Handlungsstränge zusammen, aber die Splittung zuvor wirkt zu willkürlich und will keinen echten Sinn ergeben. Action ist Mangelware und einen Überlebenskampf im eigenen Haus durfte man schon deutlich aufregender beobachten. Mit viel Gewalt sollte man da nun auch nicht rechnen. Nicht, dass das Werk diese gebraucht hätte, aber so hätte das Szenario noch etwas roher wirken können. Allgemein ist die Atmosphäre nämlich eher seicht. „Masquerade“ ist sehr bemüht schön düster und böse zu wirken, aber es gelingt ihm einfach nicht so richtig. Nur der passable Score sorgt noch für etwas Stimmung.
 
 
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Wenigstens sind die Darsteller ganz okay. Mit Bella Thorne konnte man einen größeren Namen gewinnen und selbst wenn sie relativ gelangweilt agiert, ist ihr Schauspiel doch routiniert. Besonders die kleine Alyvia Alyn Lind überzeugt und ihr nimmt man die Emotionen sogar richtig ab. Bei ihr funktioniert auch die Figurenzeichnung einigermaßen, die insgesamt doch eher plump und sehr konstruiert wirkt. Es ist wirklich schade, dass es nicht packender ist, der kleinen Casey zuzuschauen, denn durch das Spiel von Lind wäre dies durchaus möglich gewesen, aber die restlichen Darsteller sind dann doch eher unwichtig, agieren nicht schlecht, aber auch niemals auffällig und ein Mitfiebern kommt kaum zustande.
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Aus „Masquerade“ hätte mehr werden können, weil die Grundzutaten bewährt sind und an sich gar nicht so schlecht bedient werden. Die Story stellt sich allerdings selbst ein Bein, weil sie versucht das Geschehen komplexer zu gestalten, als es eigentlich ist und alleine mit dieser Erzählart wird das mit der Spannung nichts. Die handwerkliche Arbeit ist unspektakulär, aber sauber, die Darsteller sind okay, aber meistens belanglos. Nur die kleine Lind gibt sich mehr Mühe, als es der Film eigentlich verdient hätte. Trotz der kurzen Laufzeit ist diese filmische Angelegenheit ganz schön langatmig und Dinge wie Spannung oder Action kommen kaum auf. Die Atmosphäre versucht krampfhaft mächtig böse und düster zu sein, was ihr nur leider selten gelingt. Ein paar Momente sind ganz ordentlich und die Inszenierung erfüllt ihren Zweck, doch darüberhinaus hat „Masquerade“ leider relativ wenig zu bieten.
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Masquerade – Try to survive the Night“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Masquerade; USA 2021

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 09.12.2021

 

Masquerade [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

MASQUERADE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mit der Nacht kommt der Tod (1998)
 
Kidnapped (2010)
 
Home Invasion (2016)
 

Filmkritik: „Demonic“ (2021)

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DEMONIC

Story

 
 
 
Per 3D-Simulation soll eine junge Frau den Kontakt mit ihrer im Koma liegenden Mutter aufnehmen. Dieses Experiment hat fatale Folgen.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC – Kritik

 
 
Vor zehn Jahren hätte die Filmwelt wahrscheinlich noch begeistert aufgeschrien, wenn Neill Blomkamp einen neuen Film inszeniert. Mit seinem Debüt „District 9“ feierte der Südafrikaner 2009 nämlich einen großen Erfolg, der sowohl Filmfreunde, wie auch Kritiker begeistern konnte. Danach folgten zwei Filme, die an diese Qualitäten nicht anknüpfen konnten und auch der Posten als Regisseur für „Alien 5“ verpuffte im Nichts. Nun feiert Blomkamp mit „Demonic“ sein Comeback, doch bereits die ersten Kritiken ließen die Erwartungen sinken. Und leider kommt es so, wie man erwarten durfte: „Demonic“ will viel, bietet im Endeffekt aber so gut wie nichts und verkommt so zu einer lauen Luftnummer, die man echt nicht gesehen haben muss.
 
 
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Vor vielen Jahren hat Carly ihre Heimat verlassen, weil ihre Mutter des mehrfachen Mordes angeklagt wurde, worunter Carly sehr gelitten hat. Eines Tages meldet sich ein Pharma-Konzern bei Carly. Ihre Mutter liegt im Koma und die Wissenschaftler wollen unbedingt, dass Carly ihre neue Technologie ausprobiert. Mit Hilfe dieser kann sie per 3D-Simulation in die Gedanken ihrer Mutter schlüpfen und so Kontakt mit ihr aufnehmen. Carly ist von der Idee wenig begeistert, willigt jedoch ein, aber in dem Unterbewusstsein ihrer Mutter lauert Schreckliches. Neill Blomkamp kann Science-Fiction; das hat er besonders mit „District 9“ bewiesen und er schreibt an den Drehbüchern zumindest immer selbst mit. Im Falle von „Demonic“ stammt die Geschichte jedoch von ihm ganz alleine und storytechnisch versagt der Film leider nahezu vollkommen. Was auf dem Papier noch halbwegs interessant klingt, ist in der Umsetzung an Belanglosigkeit kaum zu überbieten. Man bekommt als Zuschauer nicht mal wirklich mit, weshalb sich die Geschehnisse ereignen, die man hier beobachtet. Auf eine clevere Pointe muss man ebenfalls verzichten und mit Dämonen hat das Ganze nun auch nicht gerade viel zu tun. Selbst als anspruchsloser Horrorfan wird man von dieser Story enttäuscht, obwohl verschiedene Einzel-Ideen ja an sich gar nicht mal schlecht wären.
 
 
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Nur leider kann Blomkamp diese einfach nicht zu einem stimmigen Gesamtbild formen. Das größte Problem wird wohl sein, dass der Science-Fiction-Experte nun gerne ins Horrorfach wandern wollte. Und Horror kann der Mann eben nicht, was man an „Demonic“ eindrucksvoll erkennen kann. Die Inszenierung wirkt insgesamt eher gelangweilt und die Horror-Szenen stammen dermaßen von der Stange, dass man auch gleich in billige C-Movie-Gefilde abdriften kann. Ein großes Budget stand Blomkamp nicht mehr zur Verfügung, doch es mangelt auch gar nicht mal so sehr am Geld. Eine schicke Optik ist nämlich dennoch gelungen und zu billig wirkt der Film optisch niemals. Dass die 3D-Simulationen nicht perfekt aussehen, ist sogar relativ authentisch. Hier hat man mit der Volumetric-Capture-Technik gearbeitet, welche echte Welten nachträglich virtuell darstellt. Das Ergebnis sieht durchaus interessant aus und bedient dann wieder die Science-Fiction-Elemente, die Blomkamp so gut beherrscht. Nur wie bereits erwähnt, funktioniert die Symbiose mit dem Horror so gar nicht, weil der Regisseur hier nur den billigsten Standard bedient.
 
 
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Man hätte über die ein oder andere Schwäche noch hinwegsehen können, doch das endgültige Aus beschert „Demonic“ die Figurenzeichnung. Gerade auch in diesem Punkt war Blomkamp zuvor viel besser. Was er hier jedoch geschrieben hat, lässt sich am treffendsten mit dem Adjektiv lieblos beschreiben. Von Anfang an erhält der Zuschauer überhaupt keinen Draht zu den Charakteren. Die Hintergrundgeschichte von Carlys Mutter wird fast gar nicht erwähnt und die Protagonistin selbst wird einem auch nicht näher gebracht. Alles daran ist künstlicher, als die Bilder der virtuellen Realität und so stellt sich ein Mitfiebern mit den Figuren bereits ab der ersten Filmminute ein. Die Darsteller haben da natürlich von vornherein einen ganz undankbaren Job. Carly Pope gibt sich alle Mühe und agiert durchaus brauchbar, kann aber eben auch nichts an der miesen Figurenzeichnung ändern. Alle anderen Schauspieler sind okay, doch niemand kann hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
 
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Es sollte nun keine große Überraschung sein, dass der Unterhaltungswert nicht viel taugt. Den Anfang lässt man sich noch gerne gefallen und das Potenzial wirkt im ersten Drittel noch relativ vielversprechend, doch bereits hier kommt eigentlich gar keine Spannung auf. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich dieser Zustand zusehends. Der mittlere Teil ist fad und will nicht so richtig auf den Punkt kommen, während das Finale dann versucht besonders aufregend auszufallen. Plötzlich gibt es irre Wendungen und viel mehr Action, aber profitieren kann „Demonic“ davon niemals, weil man als Zuschauer hier bereits lange das Interesse verloren hat. Es mangelt im Endeffekt einfach ganz erheblich an Atmosphäre. Der Film ist nämlich überhaupt nicht gruselig, nicht ansatzweise unheimlich oder beängstigend. Als Horror versagt das also auf ganzer Linie, aber selbst die Science-Fiction-Elemente wirken beliebig. Am Ende bleibt ein generischer Score und viel heiße Luft um nichts, wobei die Effekte noch ganz schick ausgefallen sind. Wirklich brutal wird es aber natürlich auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMONIC – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Selbst wenn Geschmäcker im Endeffekt natürlich sehr verschieden sind, fragt man sich bei „Demonic“ schon zurecht, was dieser Film eigentlich soll. Zur Unterhaltung dient er jedenfalls nicht. Die Grundprämisse hätte reizvoll sein können, ein paar Ideen sind solide und die optische Umsetzung ist nun auch nichts, was man alle Tage sieht. Außerdem agieren die Darsteller doch ganz passabel. Das bringt dem Streifen jedoch alles nichts, weil die Inszenierung völlig langweilig erscheint und die Atmosphäre nicht den Hauch von Horror besitzt. Die gesamte Geschichte könnte belangloser kaum sein, aber diese lieblose 08/15-Figurenzeichnung stellt „Demonic“ schlussendlich komplett das Bein. Von diesem Sturz kann sich der Film nicht erholen, selbst wenn das Finale viel Action bieten will. So ambitioniert die Idee von Blomkamp also vielleicht mal gewesen sein mag, so fad ist das Ergebnis und für eine Empfehlung reicht das leider nicht ansatzweise aus!
 
 


 
 
 

DEMONIC – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Demonic“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (DVD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demonic; Kanada 2021

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: KeepCase: 31.12.2021 | Mediabook: 31.12.2021

 

Demonic [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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DEMONIC – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Cell (2000)
 
eXistenZ (1999)
 
Virtuosity (1995)
 

Filmkritik: „The Green Knight“ (2021)

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THE GREEN KNIGHT

Story

 
 
 
Der junge und unerfahrene Neffe von König Artus, Sir Gawain, lässt sich zu Weihnachten auf ein Spiel mit dem mysteriösen „Grünen Ritter“ ein, dessen Konsequenz ihn ein Jahr später einholen soll. Doch schon auf der langen Reise zu der größten Herausforderung seines Lebens gilt es, sich in mehrerlei Hinsicht zu beweisen.

 
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Kritik

 
 
Der erste Filmchecker-Titel, den ich zuerst begeistert im Kino und dann erneut, noch begeisterter, auf der heimischen Leinwand genossen habe, heißt „The Green Knight“ und adaptiert mit modernster Technik eine „chivalry romance“, eine Geschichte um einen der Ritter an König Artus‘ Tafel, welche aus dem 13. Jahrhundert überliefert wurde. Doch wer nun abgeschreckt an CGI- lastige Action und maximal profitorientierte Scripts denkt, darf erleichtert aufatmen – und kennt wohl auch den Regisseur noch nicht.
 
 

„I’m not ready yet … I’m not ready yet …“

 
 
Denn David Lowerys keinesfalls einziger, sehr wohl aber bekanntester und erfolgreichster Film bisher dürfte das ambitionierte Drama „A Ghost Story“ gewesen sein, das mit seinen Bildern auch die größten Kritiker in seinen Bann ziehen konnte, u.a. (mit einem gefühlt endlosen One-Take,) aber auch für Diskussionsstoff unter Filmfans gesorgt hat. Ganz so langsam und sperrig inszeniert sich die modifizierte Heldenreise um den jungen, unerfahrenen Sir Gaiwan – vorbildlich verkörpert von Dev Patel – bei weitem nicht. Doch wer aufgrund großer Streitäxte oder eines erneut zu manipulativ geschnittenen Trailers blutige Konfrontationen oder in erster Linie physische Herausforderungen erwartet, der wird sich trotzdem gepflegt langweilen.
 
 

„Wasn’t it just a game?“

 
 
Die Sogkraft, die Lowery aus diesem ohnehin schon überraschend elaboriert und modern wirkenden Mythos zieht, manifestiert sich in erster Linie in der aufwendig eingefangenen, bildhübschen Landschafts- & Burgkulisse, die das natürliche Licht und prächtigen Umgebungen eindrucksvoll zur Geltung bringen weiß, sehr wohl aber auch – spätestens bei der zweiten Sichtung – in den liebevollen Details und fast schon verspielt zu nennenden Entscheidungen am Rande, die diese teils sehr episodenhafte Erzählung immer spannend, unvorhersehbar und einzigartig formen.
 
 

„I fear I am not made for greatness.“

 
 
Die pointiert gewählten Titelcards der einzelnen Stationen z.B. wurden liebevoll und individuell aus den unterschiedlichsten Quellen und Jahrhunderten zusammengesucht, Dialogdetails weisen eine clevere Mischung aus altem Englisch, Foreshadowing und angemessener Modernisierung auf, Symbole und Metaphern sind Szene für Szene auf der Bild- sowie Tonebene zu finden und sorgen für Rätselspannung, ambivalente Szenen, eine Verfestigung der Charakterisierungen. Echt wirkende Kostüme, Umgebungen und Requisiten, ein durch die Bank weg fantastischer Cast mit perfekt in das Jahrhundert passenden Gesichtern, eine originelle und gerade im zweiten Akt unerwartet gepacete Geschichte – doch dann stürzt tatsächlich das eingangs erwähnte CGI, der Fluch moderner Verfilmungen auch der noch-so-arthousigen Schiene, über den Film hinein und nimmt ihm die Chance, meine Höchstwertung zu erhalten.
 
 

„Honour. That is why a knight does what he does.“

 
 
Nicht dass ich prinzipiell was gegen CGI hätte, doch spezifisch ein Film wie „The Green Knight“, der sich zu jeder Zeit so natürlich und authentisch anfühlt, hätte weder budgettechnisch noch inszenatorisch nötig gehabt, ein derart offensichtlich, mediokre getrickstes Tier, eine sich nicht in den Film einfügen wollende Sequenz mit mythischen Wesen, sowie die ein oder andere allzu auffällige gekünstelte Burg einzufügen. Doch in zwei Szenen spezifisch wurde ich leider wirklich ein wenig aus dem Film gezogen, ohne einen erzählerischen Mehrwert zu sehen, der nicht auch mit praktischen Effekten möglich gewesen wäre.
 
 
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Last but not least wären da noch besagte Details und Modernisierungen, die leider nicht immer überzeugen können, sondern diesen stellenweise ohnehin schon sehr vagen oder unverständlichen Film, in dem die selbe Schauspielerin mehrfach besetzt wird, Gegenstände verschwinden und wieder auftauchen und offensichtlich nicht wörtlich gemeinte Dialoge gehalten werden, weiter verrätseln. Googelt man nach dem Filmgenuss die Vorlage sowie das ein oder andere Detail, so wird man zwar nicht staunen, wieviel von der Geschichte tatsächlich ~700 Jahre lang überliefert wurde – doch gleichzeitig gibt es auf einige Fragen zu den „neuen“ Ideen der filmischen Adaption nicht immer befriedigende oder logische Antworten.
 
 
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Da auch diese Entscheidungen jedoch den Rahmen dessen nicht sprengen, was man unter dem „A24“-Tag ohnehin häufig zusammenfasst und zu erwarten hat, ändern sie auch nichts daran, dass „The Green Knight“ einer der eindrucksvollsten und bildgewaltigsten Filme der letzten Jahre, sowie eine dicke Empfehlung und Offenbarung für jeden Freund von Artusepik, Abenteuergeschichten oder „großem“ Kino allgemein ist. Die Score von Lowery-Mehrfachkollaborateur Daniel Hart fügt sich ebenfalls bestens zu einer modernen A24-Produktion, stimmt aber auch immer wieder epische, mitreißende Chöre an.
 
 
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Ist die erwartete Reise an sich überlebt und die finale Konfrontation erreicht, spielt „The Green Knight“ noch zwei letzte Asse aus, die eine meiner Lieblingsszenen und eins der besten Filmenden überhaupt darstellen – mit einem fetten Grinsen aus diesem Meisterwerk entlassen, war ich dann schlußendlich also doch froh, dass Lowery hier selbst geschrieben und modernisiert hat – denn so gallig und abermals pointiert war „das Original“ dann wohl doch nicht. Hut ab!
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Faszinierendes Abenteuerepos voll gewaltiger Bilder und postmoderne Meditation über Männlichkeitsriten und den Drang, sich zu beweisen, in einem.
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Green Knight“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Telepool / Eurovideo Medien (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Telepool / Eurovideo Medien (4K-UHD + Blu-ray im KeepCase)

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(c) Telepool / Eurovideo Medien (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Green Knight; Großbritannien | Irland | Kanada | USA 2021

Genre: Abenteuer, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 130 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Interviews, Visual Effects, Featurettes | zusätzlich im Mediabook: Film auf 4K, Booklet

Release-Termin: KeepCase: 09.12.2021 | Mediabook: 09.12.2021

 

The Green Knight [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Green Knight [4K-UHD und Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Green Knight [4K-UHD und Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Telepool / Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Tragedy of Macbeth (2021)
 
Excalibur (1981)
 
King Arthur (2004)
 

Filmkritik: „Paintball Massacre: Paintball war noch nie so tödlich“ (2020)

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PAINTBALL MASSACRE: PAINTBALL WAR NOCH NIE SO TÖDLICH

(PAINTBALL MASSACRE)

Story

 
 
 
Eine Gruppe ehemaliger Mitschüler trifft sich zum Paintball spielen, doch was mit frechen Sprüchen und guter Laune beginnt, entwickelt sich alsbald zum Alptraum.

 
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Kritik

 
 
Es ist ein sehr spezifisches Dilemma der vergeudeten Möglichkeiten im Horrorgenre, aber ein Dilemma nichtsdestotrotz: Meines Wissens nach existieren nur zwei Filme in denen Leute während eines Paintball-Spiels umgebracht werden und nicht nur heißt keiner davon „Painball“, nein, auch noch sind beide grottenschlecht und voll verschenkter Möglichkeiten. Doch während „Paintball“ von 2009 zwar langweilig, unmotiviert, schlecht gespielt und vorhersehbar ist, so weiß der Film zumindest eine gewisse inszenatorische Grundkompetenz aufzuweisen, die dem vorliegenden, 11 Jahre später entstandenen Werk komplett abgeht – und das bei so viel mehr Ambitionen und Ideen, als im ersten Farbschlachttötungsindiehorrorfilm.
 
 

„They’re gonna murder us, they’re all bald!“

 
 
Der kitschige, lahme und unpassende Rocksong im Menü warnt bereits vor, ein letztes Mal den Werbespruch „Hot Fuzz trifft auf Dog Soldiers“ gelesen und die Augen zum Himmel gerollt, dann startet es überraschenderweise mit sphärishcen, langsamen Klängen und Opening Credits, in denen jemand überlegt, sich umzubringen, stattdessen aber die Einladung zu einem Klassentreffen erhält und es sich anders überlegt. Nach gerade einmal 90 Minuten lernen wir unsere Charaktere dann auch direkt auf besagtem Klassentreffen kennen, welches scheinbar aus einem Barbesuch am Abend sowie einem Paintball-Match am nächsten Tag besteht und langsam aber sicher stellt sich tatsächlich so etwas wie eine Erwartungshaltung ein.
 
 

„Life is pretty much exactly like The Fast & Furious Movies.“

 
 
Denn Klassentreffen halte ich spontan für die mit spannendsten Events für gut geschriebene Filme, da hier massig Potential aus den alten Fehden und Freundschaften dieser untereinander bekannten, sich aber nicht unbedingt leiden könnenden Charaktere geholt werden kann, um für Anspannungen, witzige Partyszenen oder emotional treffende Szenarien zu sorgen. Und in der Tat: Innerhalb der nächsten 10 Minuten ist der britische Cast zwar dauerhaft am nuscheln und säuseln und schwierig zu verstehen, auch sind die Charaktere nicht unbedingt sympathisch, aber glaubhaft, realistisch genug sowie ordentlich gespielt alle mal. Namen werden vorgestellt, Anekdoten über Jobs ausgetauscht und ein mysteriöser, fast schon beunruhigender Barkeeper darf ein paar ominöse Warnungen aussprechen – soweit, so solide.
 
 

„Today is a good day!“

 
 
Hat man die bittere Realisation, dass das „Klassentreffen“ und demnach auch die Anzahl der Paintballspieler sich wohl auf Zehn Menschen beschränken, geschluckt, geht es im launigen Aufbau mit overactenden, unrealistischen aber auf stumpfe und eben darum auch so amüsante Weise, witzigen Paintball-Guides weiter, die sich Wortgefechte liefern und gerade die vorlaute, einen großen Ausschnitt tragende, dauerhaft lästernde Göre der Gruppe zurechtweisen. Gerade diese Szenen gehören mit Synchro übrigens mit zu den unerträglichsten, unwitzigen Stellen, in die man so reinschnuppern kann – wirklich lieber dann und wann ein Wort nicht verstehen, als diese Trommelfellmisshandlung zu erdulden.
 
 

„Got you, you murdering cunt!“

 
 
Wie dem auch sei, ein paar Dialoge über die „Fast and Furious“-Filme wissen zu amüsieren und durch die ersten knapp 20 Minuten weiß sich „Paintball Massacre“ also durch etwas Comedy sowie solide inszenierte, wechselnde Settings noch zu retten, doch dann beginnt das eigentliche Spiel und von „Action“, „Spannung“ oder „Spaß“ kann hier leider wirklich keine Rede sein: In langsamen, undynamischen, extrem kurzen Montagen ohne jede Orientierung wird auf langweiligste Weise das selbe Team nieder gemacht, das war es dann auch wieder.
 
 

„It was only school stuff, nothing serious!“

 
 
Doch Gott sei Dank scheint diese Produktion um die aufkommende Langeweile zu wissen und startet darum nun unverhofft mit seinem Slasher-Plot, offenbart dabei aber auch gleich die mit größten Schwächen: Für ein paar saufende, Witze reißende Kumpels reichen sowohl das Niveau des Casts als auch des Scripts, doch wenn auf einen ganzen Raum voller Leichen reagiert werden soll, kommt beides sehr schnell an seine Grenzen. Und so steckt die gesamte Gruppe den Fund eben jener also ziemlich gut weg und startet damit eine Reihe von unlogischen Fragwürdigkeiten, die den weiteren Filmgenuß gehörig sabotieren.
 
 
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Wieso sucht die Gruppe nun nicht als aller erstes die Spielleiter auf, die gefühlt gerade eben noch vor Ort waren und auf deren Verschwinden der Film nicht direkt eingeht? Wenn es um den Rückweg in die Zivilisation geht, wieso versucht niemand eins der Autos zu fahren? Wenn nur acht Leute auf euer Klassentreffen gehen, werden ja wohl auch nie alle eingeladen sein, wieso also trotz Vorauswahl diese Gruppe zusammenstellen, die sich teilweise überhaupt nicht leiden kann? Als der erste Verlust in den eigenen Reihen entdeckt wird, weiß der Film effekttechnisch zwar abermals zu überzeugen und greift nicht auf billiges CGI zurück, doch die folgende „Spannungsszene“, in der der nie zu sehende Schütze mit Paintballs auf die Gruppe schießt, ist an Lächerlichkeit leider kaum zu überbieten.
 
 
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Eine höchst vorhersehbar aufgelöste Szene erinnert an den Welten besseren „Severance“, doch solche Tagträumereien werden jäh durch die nächsten mies spielenden, laut streitenden, im starken Akzent sprechenden Non-Charaktere unterbrochen, die sich weder durch eine hübsch eingefangene Umgebung, noch harte oder gut getrickste Kills retten können. Der Plot ist hirntot, das Editing peinlich und amateurhaft, die wenigen CGI-Effekte zerstören jede Illusion. Einer der Charaktere lässt sich ohne jede Gegenwehr einfach verbuddeln, ein anderer definiert sich ausschließlich durch Dummheit und egoistisches, unsympathisches Verhalten.
 
 
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Weder die wenigen Gore-Einlagen, noch die zum Schmunzeln anregenden Dialoge einzelner Teilnehmer, noch die unmotivierte 80s-Synthiemelodie zum Finale hin kann irgendwas retten, unterhalten oder auch nur zum weiteren Angucken motivieren, wenn hier jeder so sehr seinen Tod verdient hat, niemand zum Mitfiebern motiviert und audiovisuell absolut überhaupt nichts geliefert wird. Schlimme Schauspieler versuchen sich an grauenhaften Charakteren zum Abgewöhnen in einem unnötigen, überlangen, anstrengenden Billigslasher, dessen punktuellen Ambitionen in nerviger Langeweile untergehen. Das Finale und Ende setzt der Vorhersehbarkeit und Enttäuschung dann noch die Krone auf, da man hier scheinbar schlicht und ergreifend zu faul war, um eine Schlusspointe zu enden oder auch nur EINE neue Idee zu etablieren.
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Billig-Slasher-Totalausfall mit anstregenden Dialogen, langweiligen Szenenabläufen und hassenswerten Charakteren.
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Paintball Massacre: Paintball war noch nie so tödlich“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Paintball Massacre; Großbritannien 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 17.09.2021

 

Paintball Massacre: Paintball war noch nie so tödlich [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Paintball (2009)
 
War Games: At the End of the Day (2011)
 

Filmkritik: „The Outsiders“ (1983)

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THE OUTSIDERS

Story

 
 
 
Im Klassiker „The Outsiders“ bekämpfen sich zwei verfeindete Jugendgangs, doch im Endeffekt siegt die Erkenntnis, dass Gewalt keine Lösung ist.

 
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Kritik

 
 
„The Outsiders“ ist ein Jugendroman der Autorin Susan E. Hinton, die gleich mit ihrem ersten Buch ein enorm populäres Werk in Amerika erschuf. Der autobiografische Stoff avancierte sich zur Pflichtlektüre in den amerikanischen Schulen und ist dort auch heute noch sehr beliebt. Dass nun ausgerechnet Francis Ford Coppola, Regisseur von solch monumentalen Epen wie „Der Pate“ und „Apocalpyse Now“, 1983 eine Verfilmung von diesem Stoff tätigte, geschah nicht ohne Mitwirken von außen. Die Bibliothekarin einer Schule schrieb einen Brief an Coppola. Da „The Outsiders“ so ziemlich die einzige Lektüre war, an der auch Jungs Interesse zeigten, wünschten sich die Klassen eine ansprechende Verfilmung. Coppola, der erst 1979 mit „Der schwarze Hengst“ eine passende Jugendbuch-Verfilmung abgeliefert hatte, schien da der richtige Ansprechpartner zu sein. Und als Coppola sich „The Outsiders“ durchgelesen hatte, sah er das Potenzial für eine Verfilmung. Diese kam dann 1983 in die Kinos, allerdings in etwas anderer Form, als Coppola das gerne gehabt hätte. Die Studios empfanden seinen Film mit knapp zwei Stunden Laufzeit als zu lang für das Zielpublikum. Also wurde der Streifen auf ca. 90 Minuten heruntergekürzt. Erst 2005 brachte Coppola seine damalige Vision des Filmes unter dem Zusatztitel „The Complete Novel“ heraus. Hier gab es rund 22 Minuten mehr Material zu sehen, wobei leider auch ein paar wenige Szenen, die in der Kinofassung existierten, nicht mehr mit dabei waren. Zusätzlich wurde der Soundtrack erweitert, so dass „The Complete Novel“ noch einige Songs von Elvis Presley besitzt. 2021 bekam „The Outsiders“ nun noch eine aufwendig restaurierte Fassung spendiert, die es auch erneut in die Kinos geschafft hat. Zeit, sich mit diesem Klassiker noch mal zu beschäftigen.
 
 
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Der Film handelt von zwei rivalisierenden Jugend-Gangs. Auf der einen Seite, die der Zuschauer am nächsten erfährt, wären da die Greasers, die auf Rock’n’Roll abfahren und einen auf Rebellen machen, weil sie aus eher ärmlichen Verhältnissen stammen. Auf der anderen Seite gibt es die Socs, die sich aus wohlhabenderen Jugendlichen bilden. Die Unterschiede könnten größer nicht sein und deshalb steht Streit auf dem Tagesprogramm. Als eines Abends aus Notwehr einer der Socs umgebracht wird, soll sich das Leben aller Beteiligten drastisch ändern. Das ist gänzlich klassischer Stoff, den Hinton damals im Alter von nur 19 Jahren schrieb und er eignet sich tatsächlich wunderbar für eine Verfilmung. Dabei muss man jedoch sagen, dass Coppola in seiner Version von „The Outsiders“ eher auf Style-over-substance setzt, denn die Tiefe, welche die Vorlage hergibt, erreicht er nie. Das wurde damals auch von den Kritikern so gesehen, weshalb der Film früher kaum gute Rezensionen erhielt. Erst im Laufe der Zeit wurde daraus ein Kult-Streifen.
 
 
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Ganz sicher ist die Besetzung daran nicht ganz unschuldig, denn was man in „The Outsiders“ an Schauspielern sieht, kann jedem Nostalgiker eine Gänsehaut bescheren. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Emilio Estevez und Tom Cruise gaben sich die Ehre als Greasers. Allerdings waren sie damals alle noch sehr jung und kaum einer von ihnen war ein großer Name in Hollywood. Eine Sache, die sich in den kommenden Jahren stark ändern sollte und gerade deshalb ist es eine Freude sich „The Outsiders“ auch heute noch anzusehen. Howell und Macchio spielen definitiv die größten Rollen und machen das ordentlich, aber auch Dillon und Swayze konnten schon damals mit enormen Charisma punkten. Der Rest ist eher weniger zu sehen und andere Darsteller spielen auch keine größere Rolle, aber alleine wegen diesen ganzen Namen macht der Film selbst knapp 40 Jahre später noch immer Spaß.
 
 
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Die Figurenzeichnung hingegen ist doch deutlich flacher ausgefallen, denn leider schöpft Coppola auch hier nicht das Potenzial aus, was aber sicher auch mit am Drehbuch liegt, welches man einfach tiefgründiger hätte schreiben können. Man muss die Vorlage nicht kennen, um zu erahnen, welche Rolle die verschiedenen Charaktere in „The Outsiders“ übernehmen. Die Verfilmung macht es sich in diesem Punkt ziemlich leicht und dient dem Publikum vor allen Dingen mit einem: Mit reichlich Schmalz. Ja, es wird nicht gerade geringfügig kitschig und sentimental. Das alleine soll allerdings nicht das große Problem sein und hätte ja eigentlich sogar gepasst. Viel schlimmer ist, dass die Emotionen beim Publikum einfach nicht so richtig ankommen. Für ein Drama bzw. ein Melodram ist das deutlich zu wenig. Die Figuren tun einem ein wenig Leid und was dort geschieht, ist manchmal leicht dramatisch, doch für echte Emotionen reicht dies kaum aus. Da es nebenbei jedoch selten Anflüge von Humor gibt, fühlt man sich von den Gefühlen etwas enttäuscht. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen. Wenn der emotionalste und ehrlichste Moment erst ganz zum Schluss geschieht, fragt man sich, was die ganzen Szenen zuvor eigentlich sollten.
 
 
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Diese sind natürlich in erster Linie für Francis Ford Coppola höchstpersönlich da, denn was „The Outsiders“ an Tiefe nicht hergibt, macht er mit seinen Bildern wieder wett. Die Inszenierung ist ein Traum und die Optik könnte besser gar nicht sein. Man fühlt sich sofort wie in einem Film der 80er Jahre, wobei dieser einen dann wiederum bestens in das Zeitalter der 60er wirft. Da dürfen auch zahlreiche Anspielungen auf Klassiker nicht fehlen. Für den Cineasten sicher eine wahre Freude. Coppola macht aus der doch relativ simplen Geschichte einen epischen Stoff, so wie man das damals von ihm gewohnt war. Seine Inszenierung ist toll und entwirft Szenen, die sich in die Netzhaut brennen. Aus handwerklicher Sicht ist „The Outsiders“ auch heute noch ein echter Genuss, denn hier sieht einfach alles genial aus. Dass die Inszenierung dabei auf völlig theatralische Übertreibung setzt, passt zu Coppola. So muss es bei der finalen Schlägerei natürlich regnen, doch wenn das Ergebnis so wunderbar aussieht, dann soll das auch einfach so sein.
 
 
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Der Director’s Cut ist dabei die klar zu empfehlende Version, denn selbst wenn es schon hier an Tiefe mangelt, bekommt man doch noch mehr Hintergründe zu den Verhältnissen der Greasers und der Socs geboten. Außerdem ist diese Version mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit auch keineswegs zu lang geraten. Es ist schon erstaunlich, wie wenig man der Jugend schon Anfang der 80er Jahre zugetraut hat. Zu Längen kommt es eigentlich nie, weil alle Szenen ihre Berechtigung besitzen. Fast schon ist man geneigt zu sagen, dass noch mehr Laufzeit besser gewesen wäre. Gerade die ruhigen Momente besitzen ihre gewisse Melancholie und Nachdenklichkeit. Auf Action setzt „The Outsiders“ zwar sowieso eher weniger, aber meistens ist doch relativ viel los und das Tempo ist recht hoch. Hier passt dann natürlich auch der überarbeitete Soundtrack bestens.
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„The Outsiders“ ist ein Stück 80er-Jahre-Nostalgie, welches sich seinen Kult-Ruf erst erarbeiten musste und heute viel weniger kritisch aufgenommen wird, als damals noch. Die Geschichte ist sehr simpel, kommt mit guter Moral daher, wird im Film aber nicht so intensiv behandelt, wie man das hätte tun können. Allgemein geht es gerne mal kitschig zur Sache, aber gerade weil die Inszenierung so perfekt ist, verzeiht man das gerne. Außerdem wäre da ja noch dieser beeindruckende Cast. So viele angehende Superstars sieht man selten zusammen. Die Emotionen sitzen leider nicht so richtig und allgemein bleibt „The Outsiders“ ein recht oberflächlicher Film, der nicht mal in der längeren Fassung zu viel mehr Tiefe führen kann, doch aufgrund der echt tollen Atmosphäre wiegt das nicht so schwer. Jeder, der ein Faible für 80er-Jahre-Filme hat, kommt an diesem Klassiker eigentlich kaum vorbei!
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Outsiders“ ist ungeschnitten und frei ab 12 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) ARTHAUS | STUDIOCANAL (2 Blu-rays im KeepCase)

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(c) ARTHAUS | STUDIOCANAL (2 UHDs + 2 Blu-rays im Digipack)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Outsiders; USA 1983

Genre: Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 115 Minuten

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase (Blu-ray) | Digipak im Schuber (4K-UHD)

Extras: Disc 1: Blu-ray Director’s Cut (The Complete Novel) (HD, ca. 115 Min.), Über die Restaurierung: Interviews, Geschnittene Szenen, Einführung von Francis Ford Coppola, “Outsider Looking In” – neues Interview mit Francis Ford Coppola über Schlüsselszenen eines Kultfilms, Featurette “Old House New Home” – Ein Museum für die “Outsiders”, Trailer, Audiokommentare, Featurette “Stay Gold”: Ein Blick zurück auf The Outsiders, Disc 2 Blu-ray: Kinofassung (HD, ca. 91 Min.), S.E. Hinton am Drehort in Tulsa, Das Casting der “Outsiders”, NBC’s News Today von 1983, ‚The Outsiders‘ Started by School Petition, Sieben Teammitglieder (Lowe, Swayze, Howell, Dillon, Macchio, Garret and Lane) lesen Auszüge aus dem Roman, Geschnittene und erweiterte Szenen, Kinotrailer von 1983

Release-Termin: KeepCase + Digipack: 11.11.2021

 

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THE OUTSIDERS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei ARTHAUS | STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
… denn sie wissen nicht, was sie tun (1955)
 
Rumble Fish (1983)
 
Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986)
 

Filmkritik: „Cash Truck“ (2021)

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CASH TRUCK

(WRATH OF MAN)

Story

 
 
 
Ein wortkarger Mann fängt seinen Dienst bei einem Geldtransportunternehmen an und schon kommt es zu einem Überfall. Doch hinter der Sache steckt weitaus mehr.

 
 
 


 
 
 

CASH TRUCK – Kritik

 
 
Guy Ritchie hat den coolen Gangsterthriller mit nur zwei Werken eindeutig geprägt, sich in den letzten Jahren jedoch eher im seichten Mainstream-Sektor wohlgefühlt. Nach Werken wie „Sherlock Holmes“ oder „Aladdin“, kehrte er 2019 mit „The Gentlemen“ allerdings zu seinen Wurzeln zurück und da macht er nun auch mit „Cash Truck“ weiter. Es handelt sich hierbei zwar um das Remake eines französischen Filmes von 2004, aber trotzdem ist die Handschrift von Guy Ritchie unverkennbar. Dabei besticht das Werk weniger durch eine clevere Handlung, sondern viel mehr um die Art und Weise, wie diese vorgetragen wird.
 
 
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Alle nennen ihn nur „H“. Ein Buchstabe genügt ihm als Name. H beginnt einen neuen Job bei einem Geldtransportunternehmen und es dauert nicht lange, da gibt es auch schon einen Überfall. Doch die Räuber haben nicht damit gerechnet, dass H sich nichts gefallen lässt und so wird er auch schon bald zu einem Helden. Doch seine eigentliche Motivation kennt niemand. H hat eine finstere Vergangenheit und diesen neuen Job füllt er nicht ohne Grund aus.
„Cash Truck“ macht eindeutig am meisten Spaß, wenn man nicht zu viel über die Handlung weiß, denn selbst wenn man sich recht früh denken kann, dass es mit der Figur von H mehr auf sich haben muss, so wird der Zuschauer doch vorerst im Dunkeln gelassen, was genau hier gespielt wird. Allgemein wird die Geschichte nicht chronologisch vorgetragen und viel der Laufzeit besteht aus Rückblicken. So setzt sich das Puzzle dann Stück für Stück zusammen und aus einem simplen Rache-Plot wird etwas, das man durchaus etwas komplexer nennen kann. Das Drehbuch ist ordentlich geschrieben und das Spiel mit den verschiedenen Zeit-Ebenen funktioniert hier einwandfrei. Gerade weil man sich die Geschichte selbst ein wenig erarbeiten muss, bleibt man stets interessiert am Ball.
 
 
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Dabei pfeift „Cash Truck“ allerdings auch auf die Erwartungshaltung. Konnte man nach dem Trailer noch mit einem brachialen Actionfilm rechnen, so wird man sich vielleicht etwas enttäuscht sehen. Es dauert zwar nicht lange, bis es zur ersten, richtig gut gemachten, aber auch enorm kurzen Actionszene kommt, doch danach tritt Ritchie vollends auf die Bremse und erzählt seine Geschichte recht ausufernd. Bis es wieder zur Action kommt, muss man schon bis zum Finale warten. Hier kracht es dann noch mal ordentlich, aber selbst der Showdown fällt nicht unbedingt so aus, wie der Zuschauer das vielleicht erwarten wird. Im Endeffekt ist das jedoch als positiv zu verzeichnen, weil Ritchie konsequent seinen Weg geht und dabei einen doch recht geschwätzigen Film gedreht hat, was man von ihm zwar kennt, aber eben nicht in dieser Form. „Cash Truck“ ist überraschend düster und trocken, besitzt einen zynischen Humor, der jedoch kaum zum Lachen einlädt. Die Atmosphäre ist auf der einen Seite cool, aber niemals übertrieben und so wirkt das Werk schon fast bodenständig auf seine eigene Art und Weise. Am ehesten erinnert das Geschehen dabei an einen Heist-Movie, aber das Ganze wird mit Thriller-Einlagen, kleinen Action-Anteilen und etwas Gangster-Stimmung erweitert und daraus entsteht ein abwechslungsreicher Mix.
 
 
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Die Inszenierung hat Ritchie natürlich nicht verlernt und aus handwerklicher Sicht macht „Cash Truck“ nahezu alles richtig. Die Optik ist passend zur Atmosphäre ziemlich unterkühlt und den größten Aufwand braucht Ritchie gar nicht zu betreiben, damit das visuell ansprechend ist. Es gibt hinterher ein paar phänomenale Panorama-Ansichten der Großstadt zu sehen, doch viele Szenen spielen sich auf engerem Raum ab und die Schauplätze sind nicht gerade spektakulär gestaltet, was jedoch gut zur bodenständigeren Stimmung passt. Wenn es Action zu sehen gibt, wurde diese brachial und ordentlich umgesetzt, aber sie steht eben selten im Vordergrund. Das Geschichtenerzählen ist dem Werk wichtiger und so gibt es einige Dialoge zu hören. Gerade weil es hier und da immer mal noch recht unvorhersehbare Wendungen gibt, langweilen die zwei Stunden Laufzeit nicht. Der Start macht neugierig genug, um dem folgenden Treiben zuschauen zu wollen. Es sind vielleicht ein paar minimale Längen zu verbuchen, doch insgesamt weiß „Cash Truck“ durchaus gut zu unterhalten und es kommt in angenehmen Portionen auch mal etwas Spannung auf.
 
 
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Bei den Darstellern muss man natürlich an erster Stelle Jason Statham nennen, der nun bereits zum vierten Mal mit Ritchie zusammengearbeitet hat. Diese Kombination hat eigentlich immer hervorragend gepasst und so harmoniert das Duo auch in „Cash Truck“. Dabei ist Statham in seiner Rolle mal bemerkenswert bodenständig. Er ist den anderen zwar meistens überlegen, wird aber niemals zu einem unrealistischen Berserker und spielt seine düstere Rolle ganz schön nachdenklich und grimmig. Diese Leistung weiß zu gefallen. Dabei stehen jedoch auch eine ganze Menge anderer Darsteller gerne mal im Rampenlicht. Holt McCallany mutiert im Verlauf zu einer schön verabscheuungswürdigen Figur und Scott Eastwood macht als Bösewicht überraschend viel her. In der zweiten Hälfte weiß zudem Jeffrey Donovan zu überzeugen. In kleineren Rollen gibt es noch Andy García und Josh Hartnett zu sehen. Das sind alles brauchbare Leistungen, die den Film aufwerten. Die Figurenzeichnung ist dabei sicherlich etwas mager geraten, doch das soll bewusst so sein. H ist an sich eine tiefgründige Figur, doch so wirklich bemerkt man dies kaum. Auch die anderen Charaktere bedienen eher den Standard, sind dabei aber zum Glück markant genug gestaltet, um nicht sofort aus der Erinnerung zu fliegen.
 
 


 
 
 

CASH TRUCK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Mit „The Gentlemen“ hat sich Guy Ritchie wieder etwas warm gemacht und mit „Cash Truck“ findet er tatsächlich fast zurück zur alten Stärke. Ganz so kultig, wie seine Anfangswerke ist das noch nicht, aber trotzdem bekommt man einen schön düsteren, grimmigen und doch irgendwie coolen Thriller geboten, der hinterher überraschend viele Heist-Movie-Elemente besitzt. Sowieso ist die Story eine Stärke des Werkes, denn obwohl sie im Kern sehr simpel ist, wird sie sehr interessant erzählt und somit enorm aufgewertet. Die Inszenierung sitzt und die zwei Stunden Laufzeit sind trotz minimaler Längen sehr unterhaltsam. Es hätte ruhig ein bisschen mehr Action geben dürfen, doch die Erwartungshaltung des Publikums untergräbt Ritchie sowieso ganz gerne mal. Da er das mit reichlich Stil tut, ist das im Endeffekt jedoch sogar positiv. Die Figurenzeichnung schöpft ihr Potenzial nicht unbedingt aus, aber dank der starken Darsteller fällt dies niemals zu negativ auf. Und ein bisschen Brutalität fehlt zum Glück auch nicht. Somit stellt „Cash Truck“ einen rundum gelungenen Film dar, den sich Fans von Ritchie oder Statham keineswegs entgehen lassen sollten.
 
 


 
 
 

CASH TRUCK – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Cash Truck“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

CASH TRUCK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) STUDIOCANAL (Blu-ray im KeepCase)

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(c) STUDIOCANAL (4K UHD im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Wrath of Man; USA | Großbritannien 2021

Genre: Thriller, Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 119 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow, Extended Featurette, Making of

Release-Termin: KeepCase: 11.11.2021

 

Cash Truck [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Cash Truck [4K UHD-Disc] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CASH TRUCK – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cash Truck – Der Tod fährt mit (2004)
 
Rock N Rolla (2008)
 
The Gentlemen (2019)
 

Filmkritik: „Aquarium of the Dead“ (2021)

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AQUARIUM OF THE DEAD

Story

 
 
 
Zombifizierte Meeresbewohner machen den Mitarbeitern des „Shining Sea Aquariums“ das Leben zur Hölle.

 
 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Kritik

 
 
Schaut man sich den Filmkatalog der Trash- und Mockbusterschmiede „The Asylum“ an, so fällt schnell auf dass man die meisten dieser CGI-verseuchten Billigproduktionen in zwei Kategorien einteilen kann: Witzig-schlecht, soll heißen unterhaltsam und amüsant in seinem Versagen, mit viel Kurzweil und Effekten und Monstern, mit viel Action und Cameos und bekloppt-witzigen Dialogzeilen, oder eben anstrengend-schlecht, was sich in viel leeren Sets, langweiligen Gesprächen und auf der Stelle trappenden, repetitiven Szenenverläufen veräußert.
 
 
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Ein Film wie „Aquarium of the Dead“, der im Trailer diverse, zombifizierte Wassertiere gegen die spätestens aus Kill Bill oder Cool Cat bekannte Vivica. A. Fox zu hetzen scheint, wird, so dachte ich, spontan eher der ersten Kategorie entsprungen sein – falsch gedacht und chapeau an den Editor des Trailers, denn hier wurden wirklich bereits sämtliche Highlights verheizt.
 
 
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Das Unheil startet mit einem Oktopus-Notfall, in dem das allenfalls mäßig animierte CGI- Ungeheuer mehrere Mitarbeiter ohrfeigt und (offscreen, unblutig) umbringt, da ihm wohl ein an einem Herzproblem verstorbener, infizierter Delfin verfüttert wurde, dessen kontanimiertes Fleisch nachfolgend auch die anderen Bewohner des „Shining Sea Aquarium“s durchdrehen lässt. Was klingt wie ein Haufen Spaß bremst sich dabei aber in Rekordzeit selber aus, da durch den Besuch eines wichtigen Politikers in erster Linie sehr viel, sehr langweilig geschriebener, äußerst beliebig vorgetragener Dialog folgt. Eine Sharknado-Anspielung sowie etwas Foreshadowing wissen in diesen anfänglichen Minuten noch zum Grinsen zu animieren, doch mit fortlaufender Zeit stellen sich langsam aber sicher Langeweile und Frustration beim Zuschauer ein.
 
 
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Die Überflutung des Aquariums ist natürlich komplett per CGI geschehen, so dass kein Darsteller je auch nur nass sein muss, die Stock-Alarmsounds und das blaue Notfalllicht erinnern an die Untiefen älterer Asylum-Produktionen und sorgen für einfarbige, hässliche Umgebungen und spätestens wenn das selbe Stock-Footage des Hafens zum dritten Mal benutzt wird, dürfte auch der härteste Trashfan bemerken, wie dreist er hier verarscht wird. Dass die possierlichen Aquariumsbewohner übrigens nicht nur böse werden, sondern gar Zombies und deswegen nur per Zerstörung des Gehirns ausgeschalten werden können, wird im gesamten Film nicht wichtig.
 
 

„We are smarter than the fish, we got hands!“

 
 
Die erste halbwegs hübsche Einstellung des gesamten Streifens kommt in etwa zur Halbzeit, doch zu diesem Zeitpunkt gleicht die Seherfahrung bereits zu sehr akuter Sterbehilfe, um noch Anerkennung für solche Details zu finden. Seesterne greifen an und werden zermatscht, ein Schwertfisch sorgt für einen prinzipiell ganz coolen Tod, die Größe der Lüftungsschächte schwankt je nach Szene gewaltig und ja, alles davon ist ziemlich dumm und ziemlich unterhaltsam. Doch weil die Grundprämisse einfach nur ist „Unbegabte, sich dämlich anstellende Leute rennen durch ein leeres Aquarium bis ihnen ein CGI-Viech entgegenkommt“, bleibt trotzdem jeglicher Unterhaltungsfaktor dermaßen auf der Strecke, dass man sich einfach nur ein möglichst schnelles Ende herbeisehnt.
 
 

„They’re dead…but not dead.“

 
 
Und was ist nun mit der Starpower von Vicia A. Fox, lohnt es sich als Fan dieser Schauspielerin vielleicht, einen Blick zu riskieren? Nun, Miss Fox wurde allem Anschein nach für einen Tag in ein billiges Büroset gesetzt, um dort dann einzig per Telefonat mit den anderen Charakteren zu interagieren. Das fühlt sich genau so spaßig und dynamisch an wie es sich liest, da jegliche Interaktionen ganz Godfrey Ho-artig erzwungen und unnütz wirken, mehr Dialog ohne Pointen, noch weniger Zeit für die seltenen Monsterattacken.
 
 
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AQUARIUM OF THE DEAD – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Ein Asylum-Rohrkrepierer, wie er im Buche steht: Ein dummmer, langweiliger, liebloser, hässlicher Film mit miesen Effekten und noch mieseren Schauspielern.
 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Aquarium of the Dead“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Daredo | White Pearl Movies (DVD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aquarium of the Dead; USA 2021

Genre: Horror, Thriller, Action, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailer

Release-Termin: Mediabook | KeepCase: 22.10.2021

 

Aquarium of the Dead [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Aquarium of the Dead [DVD + Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zombiber (2014)
 
Sharknado – Genug gesagt! (2013)
 
Zombie Shark – The Swimming Dead (2014)
 
Zoo – Serie (2015–2017)
 
Blood Lake: Killerfische greifen an (2014)
 

Filmkritik: „Demigod – Der Herr des Waldes“ (2021)

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DEMIGOD – DER HERR DES WALDES

(DEMIGOD)

Story

 
 
 
Im Schwarzwald wandert ein keltischer Waldgott umher, der gerne Opfer möchte, wie die Amerikanerin Robin und ihr Mann Leo bald feststellen müssen.

 
 
 


 
 
 

DEMIGOD – Kritik

 
 
Wenn man mal gerade keine originelle Idee für einen weiteren Horrorfilm hat, dann muss halt eine keltische Gottheit herhalten. Hat ja oft genug funktioniert. Mit dieser Prämisse wirkt „Demigod – Der Herr des Waldes“ schon mal nicht besonders reizvoll, aber mit der richtigen Umsetzung lässt sich selbst aus einem solch ausgelutschten Szenario noch etwas machen, was viele Werke zuvor bewiesen haben. Diesem Film gelingt das allerdings eher weniger, weil er nicht viel zu bieten hat und insgesamt zu plump erscheint.
 
 
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Die Amerikanerin Robin hat von ihrem Großvater geerbt. Dieser lebte tief im Schwarzwald in einem abgelegenen Holzhaus. Gemeinsam mit ihrem Mann Leo reist Robin nun also dorthin, um das Erbe anzutreten. Dabei trifft man schon schnell auf den Jäger Arthur, der genau weiß, was sich im Wald so alles abspielt. Ein paar Hexen huldigen nämlich dem Gehörnten, einer Waldgottheit, die nach Opfern verlangt und so beginnt schon bald ein Spiel auf Leben und Tod. Als Vorlage dient der Mythos um Cernunnos, einer keltischen Gottheit, die als „der Gehörnte“ übersetzt wird. So viel scheint über diese Figur nicht bekannt zu sein und das Meiste sind Vermutungen, aber man mag auch berechtigt bezweifeln, dass sich Regisseur Miles Doleac, der mit am Drehbuch schrieb, viel mit diesem Mythos beschäftigt hat. Im Endeffekt wird dieses Szenario sowieso nur dafür benutzt, um eine Prämisse zu erschaffen, die es so in dieser Form schon etliche Male zuvor gegeben hat. Die Handlung kann nicht viel, kommt ohne Überraschungen aus und wird zudem leider unnötig plump vorgetragen.
 
 
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Wobei von vornherein eine gewisse, unfreiwillige Komik in „Demigod – Der Herr des Waldes“ mitschwingt; zumindest, wenn man sich den Film im deutschen Ton ansieht. Wenn da ein Amerikaner behauptet, er sei eben Amerikaner und könne deshalb nur hochdeutsch, wirkt das jedenfalls seltsam. Dass sich ein amerikanischer Film in deutschen Gefilden abspielt, kommt nicht so oft vor und dies wäre sicherlich interessant gewesen, wenn der Rest nicht im Einheitsbrei schwimmen würde. Wenn die Einwohner in ihrem merkwürdigen Kauderwelsch sprechen, ist das noch am ungewöhnlichsten; der Rest kommt einem bereits bestens bekannt vor, wenn man zuvor mehrere solcher Filme gesehen hat. Da fällt Miles Doleac nun auch nicht viel ein, wie er es mit seiner Inszenierung retten könnte. Der Wald wurde als Schauplatz ja noch ganz gut genutzt, aber ansonsten mangelt es dem Werk vollkommen an Schauwerten. Noch schlimmer wiegt jedoch die Tatsache, dass es komplett an Spannung mangelt.
 
 
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So ist die Einleitung, die sich nicht zu viel Zeit lässt, noch ganz erträglich geraten, weil die beiden Hauptfiguren gar nicht mal so unsympathisch erscheinen. Rachel Nichols, die auch sofort als Jodie Foster durchgehen könnte, macht sich als Identifikationsfigur für den Zuschauer nicht schlecht, spielt solide und hätte den Film tragen können, wenn der Rest besser gelungen wäre. Auch Yohance Myles als ihr Film-Ehemann geht in Ordnung. Miles Doleac, der nebenbei auch gerne als Schauspieler aktiv ist, gab sich selbst eine ausgeprägte Nebenrolle, die er okay, aber gleichzeitig recht einseitig spielt. Im weiteren Verlauf kommen noch ein paar weitere Schauspieler mit hinzu, die allesamt passabel erscheinen, jedoch sicher keine Preise für ihre Leistungen gewinnen werden. Sowieso ist die Figurenzeichnung nur bei dem Ehepaar noch halbwegs plausibel. Alle anderen Charaktere gesellen sich halt mit hinzu und wirken dann doch eher künstlich. Dass da keine Spannung aufkommen will, liegt allerdings in erster Linie an der Inszenierung.
 
 
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Diese lässt sich zwar als relativ sauber bezeichnen und Doleac hat zuvor auch schon einige Filme gedreht, aber das Resultat ist dermaßen generisch und trocken, dass es einfach nicht funktionieren will. Optisch macht das wenig her und Doleac versteht es kaum, die Spannungsschraube anzuziehen, selbst wenn er es sichtlich versucht. Nach einer halben Stunde soll es eigentlich zur Sache gehen, doch stattdessen tritt das Geschehen eher auf der Stelle und zum Finale wird es ebenfalls nicht deutlich besser. Ein wenig Action ist vorhanden, aber der Horror-Anteil ist viel zu gering. Eigentlich kommt niemals eine bedrohliche Atmosphäre auf. Weshalb der Film eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten hat, ist ebenfalls fraglich. Die wenigen, grafischen Momente sind zwar nicht harmlos, aber auch niemals zu derb. Immerhin hat man hier von Hand getrickst und insgesamt gehen die Effekte in Ordnung. Nur bei dem Cernunnos und seinen roten Augen hat man es eindeutig zu billig gestaltet. Der Score erfüllt seinen Zweck, wirkt jedoch ähnlich langweilig, wie der Rest des Filmes auch.
 
 
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DEMIGOD – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„Demigod – Der Herr des Waldes“ versucht es, doch er bekommt es nicht hin. Die Handlung besitzt ein paar Eigenartigkeiten, doch das reicht noch lange nicht aus, weil der Rest einfach plump und lieblos erzählt wird. Aus handwerklicher Sicht ist der Film okay gestaltet und die Darsteller sind ebenfalls nicht so schlecht. Außerdem ist Rachel Nichols echt nicht schlecht. Gewinnen kann das Werk dadurch jedoch kaum, denn die Inszenierung wirkt gelangweilt und eine Atmosphäre will so gut wie gar nicht aufkommen. Horror oder Grusel sucht man jedenfalls vergebens. Die wenigen Effekte sind okay, aber im Endeffekt langweilt man sich durch gute 90 Minuten Laufzeit, die keinerlei Überraschungen bieten und frei von Spannung sind. Das ist nicht ärgerlich schlecht, aber eben komplett lustlos und völlig fern von aufregenden Ideen.
 
 


 
 
 

DEMIGOD – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Demigod – Der Herr des Waldes“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DEMIGOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demigod; USA 2021

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 08.10.20211

 

Demigod – Der Herr des Waldes [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DEMIGOD – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch (2016)
 
Sator (2019)
 

Filmkritik: „Run Hide Fight“ (2020)

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RUN HIDE FIGHT

Story

 
 
 
Als vier Schüler an einer Schule zum Amoklauf einladen, gibt es nur eine 17-jährige, die sich dagegen zu wehren weiß.

 
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Kritik

 
 
Amokläufe an Schulen gibt es leider immer wieder. Besonders Amerika ist davon geplagt und da darf man sich durchaus fragen, ob man diese schlimme Prämisse für einen Actionthriller nutzen muss. „Run Hide Fight“ muss sich eine solche Kritik durchaus gefallen lassen, weil er im Endeffekt doch eher brachiale Unterhaltung bieten will. Zum Glück gibt es nebenbei aber auch ein bisschen Gesellschaftskritik und deshalb ist das Resultat nicht dermaßen fragwürdig, dass es zur Provokation einlädt. Leider hat man sich mit dem Thema gleichzeitig ziemlich plump auseinandergesetzt, weshalb das Ganze irgendwo im Mittelmaß verpufft.
 
 
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Die 17-jährige Zoe hat früh ihre Mutter verloren, von ihrem Vater jedoch umfangreiche Kenntnisse in der Jagd und im Überleben erworben. In der Schule ist Zoe eher eine Außenseiterin und als der Schulball ansteht, sehnt sie sich weit hinfort. Dieser Wunsch soll in Erfüllung gehen, denn am letzten Schultag stürmen plötzlich vier Jugendliche die Schule. Mit reichlich Waffengewalt im Gepäck planen sie einen lupenreinen Amoklauf, aber das Ganze soll auch live per Stream im Internet landen. Nur haben die Vier ihre Rechnung nicht mit Zoe gemacht, die gar nicht daran denkt sich selbst oder die anderen aufzugeben. Das Drehbuch, welches Regisseur Kyle Rankin selbst schrieb, ist komplett zerfahren, besitzt gute, wie auch schlechte Seiten und lässt sich deshalb kaum einheitlich bewerten. Es gibt schon ein paar Filme, die sich mit Amokläufen an Schulen befassen, doch „Run Hide Fight“ kommt wie ein normaler Actionthriller daher, der nicht selten an „Stirb langsam“ erinnert und das wirkt aufgrund der ernsten Thematik dann doch erst mal befremdlich. Dass Rankin ein Thema, welches immer mal wieder grausame Realität darstellt, ausnutzen würde, kann man allerdings auch nicht behaupten, denn er streut immer wieder kleine Seitenhiebe in Form von Gesellschaftskritik mit ein. Da werden Dinge wie die Handysucht der Jugend angesprochen etc. So wirklich treffsicher will das jedoch niemals wirken und insgesamt macht das alles einen etwas zu plumpen Eindruck, weshalb das Drehbuch echt durchwachsen wirkt.
 
 
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Ein Film wie „Run Hide Fight“ steht und fällt mit seiner Figurenzeichnung und in diesem Punkt geht es ähnlich zwiespältig zur Sache. Der Anführer der Täter besitzt seine Motivation und diese wird einigermaßen gut herüber gebracht, wirkt aber auch gleichzeitig nicht komplett ausgearbeitet. Eli Brown gibt sich zum Glück alle Mühe, um seinen Charakter möglichst durchgeknallt wirken zu lassen und spielt das ziemlich stark. Bei unserer Heldin sieht es ähnlich kompliziert aus. Zoe muss viel Trauer aufarbeiten und deshalb erscheint ihr immer wieder ihre Mutter als Art der Halluzination. Zur Geschichte trägt dies nicht viel bei. Zwar bekommt der Zuschauer so manchmal kurz Radha Mitchell zu sehen, aber auch hier wird man das Gefühl nicht los, dass die Ideen nicht zu Ende gedacht wurden. Isabel May macht ihre Sache als Heldin jedoch ordentlich und die Figurenzeichnung ist hier zweckdienlich konstruiert. Der Rest der Charaktere bleibt blass. Obwohl Thomas Jane, Barbara Crampton und Treat Williams zu sehen sind, bleibt auch das Schauspiel eher unauffällig. Leider verhalten sich die Personen auch nicht gerade schlau, so dass z.B. die Polizei dümmlich agiert, die Geiseln niemals einen Versuch der Flucht unternehmen etc. Für einen doofen Actionfilm wäre das nicht weiter tragisch, aber eben weil man doch versucht Anspruch mit einzubauen, fällt dieser Umstand doch arg auf.
 
 
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Die Inszenierung hat Kyle Rankin ganz gut hinbekommen; da kann man nichts sagen. Die Schauplätze sind zwar nicht spektakulär, aber sie sehen authentisch aus. Die Inszenierung wirkt an manchen Stellen etwas holprig und auf Feingefühl sollte man hier nicht setzen, aber insgesamt macht „Run Hide Fight“ handwerklich schon einen guten Eindruck. Ganz harmlos geht es dabei ebenfalls nicht zur Sache, weshalb die deutsche Freigabe ab 16 Jahren schon leicht verwundert. Da wird zwar selten explizit Blut vergossen, doch gerade in Kombination mit der Thematik ist das Szenario schon relativ derb. Der Score erledigt seine Sache passabel.
 
 
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Mit dem Unterhaltungswert kann man allerdings hadern. Die kleine Einleitung passt ziemlich gut und macht zunächst neugierig. Es dauert jedoch nicht lange, bis Themen wie Mobbing und doofe Schüler grobschlächtig behandelt werden und schon hier verliert „Run Hide Fight“ an Authentizität. Bis es dann zur ersten Action kommt, vergeht gar nicht mehr so viel Zeit, aber die größten Schauwerte sollte man hier nicht erwarten. Manche Szenen sind ganz gut gestaltet, viele allerdings auch sehr gewöhnlich. Es liegt auf der Hand, bei diesem Szenario den Namen „Stirb langsam“ öfter zu nennen, aber die Action wirkt dann doch eher bodenständig. Das muss nicht schlecht sein, kommt bei diesem Film jedoch eher langweilig daher. Richtige Spannung will leider nicht aufkommen, denn obwohl die Figurenzeichnung so bemüht ist, juckt einen das Schicksal der Charaktere kaum. So wirkt die, bei diesem Thema eigentlich angemessene, Laufzeit von 110 Minuten am Ende doch relativ zäh und man ist nicht böse drum, wenn das Treiben beendet ist.
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Run Hide Fight“ ist ein sehr unentschlossener, zwiespältiger Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er nun Gesellschaftskritik oder doch nur stumpfen Unterhaltungsfilm bieten will. Das Drehbuch mag auf den ersten Blick fragwürdig erscheinen, zaubert dann ein paar feine Pointen, ist im Endeffekt aber kaum schlüssig, weil viele Zutaten in einen Topf geschmissen wurden, die zusammen nicht wirklich sinnvoll erscheinen. Als reines Drama hätte das sicher besser funktioniert, aber als Actionthriller bietet der Film zu wenig packende Action und vor allen Dingen zu wenig Spannung. Zum Glück kann man sich auf die guten Darsteller verlassen und die handwerkliche Arbeit geht ebenfalls in Ordnung. In Anbetracht des ernsten Themas hätte man sich jedoch ein besser ausgearbeitetes Drehbuch gewünscht. Oder aber – wenn man dieses nicht bieten kann – gleich völlige Hau-Drauf-Action fernab jeglicher politischer Korrektheit. Beides kann „Run Hide Fight“ nicht bieten und deshalb wird er auch schnell vergessen sein, selbst wenn er an sich nicht schlecht gemacht ist!
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Run Hide Fight“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 

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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Run Hide Fight; USA 2020

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 113 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 28.10.2021

 

Run Hide Fight [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Klass (2007)
 
Stirb langsam (1988)
 
Falling Down – Ein ganz normaler Tag (1993)
 

Filmkritik: „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ (2020)

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THE GOOD THINGS DEVILS DO – WILLKOMMEN ZUR BLUTNACHT

(THE GOOD THINGS DEVILS DO)

Story

 
 
 
Eine alte Vampirkönigin wird in der Halloween-Nacht wieder zum Leben erweckt und sorgt passenderweise für reichlich Schrecken.

 
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Kritik

 
 
Das Szenario sieht jedes Jahr ähnlich aus: Meldet sich der Oktober, geht es los mit Halloween-Filmen. Ein paar davon sind sicherlich hochwertiger Natur, doch besonders der B-Movie-Markt wird dann mit Veröffentlichungen überschwemmt. Das einzige, was diese billigen Horrorfilmchen dann von den anderen, die über das gesamte Jahr hinweg veröffentlicht werden, unterscheidet, ist die Tatsache, dass sich eben alles an Halloween abspielt. „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ macht von vornherein keinen wirklich hochwertigen Eindruck, spielt dafür jedoch die 80er-Jahre-Nostalgie-Horror-Karte aus, was zuweilen sogar ganz gut funktioniert, selbst wenn das Resultat im Endeffekt verzichtbar gewesen wäre.
 
 
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Melvin liebt den Grusel und deshalb arbeitet er auch schon lange an seinem eigenen Museum des Makabren. Nun hat sich Melvin die Überreste einer alten Vampirkönigin besorgt, die natürlich perfekt ins Museum passen. Dummerweise erweckt seine Frau durch einen Zufall die Vampirkönigin und schon fließt das Blut. Als dann auch noch ein paar Gangster vorbeikommen, die einen letzten Job erledigen wollen, darf die Opferzahl ansteigen.
Vom Drehbuch sollte man nicht unbedingt viel erwarten, denn hier werden lediglich Zutaten abgespult, die es zuvor schon etliche Male gab. Wirklich neue Ideen gibt es keine zu entdecken und die Kombination der Zutaten wirkt auch nicht gerade besonders kreativ. Das muss den Fan von simplen Horrorfilmen aber nicht zwangsläufig stören, wenn das Resultat gut gemacht wurde. Da das bei „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ zumindest teilweise der Fall ist, ist man dem Werk für seine überraschungsfreie, schwache Story auch nicht ganz so böse.
 
 
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Drehbuchautor und Regisseur Jess Norvisgaard, für den dies erst der erste Langfilm ist, versteht nämlich zumindest sein Handwerk. Dass das Werk nicht gerade viel gekostet hat und man sich mit einem kleinen Budget zufrieden geben musste, ist nicht zu übersehen. Dafür holt Norvisgaard dann doch noch etwas aus dem simplen Szenario heraus. Das macht er, indem er einfach die Retro-Nostalgie-Karte spielt, was zwar schon lange nicht mehr originell, aber immer noch in Mode ist. So gibt es Synthie-Klänge zu hören und allgemein hört sich die Musik ordentlich an. Außerdem wird mit Lichtern und Nebel gespielt. Zusätzlich stammen die Effekte von Hand und selbst wenn sie nicht perfekt sind, machen sie doch etwas her. Die größte Splatter-Keule sollte man allerdings nicht erwarten, denn vieles findet auch im Off statt. Die Freigabe ab 18 Jahren ist aus grafischer Sicht nicht unbedingt nachvollziehbar, aber weil „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ eine recht bösartige, makabre Ader besitzt, geht das trotzdem in Ordnung.
 
 
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Dies sorgt zudem für eine Atmosphäre, die man sich als Horrorfan gefallen lassen kann. Das Ganze nimmt sich nicht zu ernst und dient auch mal mit komödiantischen Anteilen, die zwar eher albern und unpassend wirken, aber trotzdem seltsamerweise kaum stören. Und dann wäre da dieser echt böse, schwarze Humor in Form von ein paar reichlich fiesen Sprüchen. Ein bisschen Halloween-Stimmung kommt zum Glück auch auf. Das Haus ist als Hauptschauplatz zwar nicht besonders spektakulär, aber in der Nachbarschaft gibt es genügend Deko zu betrachten. Allgemein flacht der Unterhaltungswert nach einem gelungenen Start etwas ab. Die Einleitung gibt Gas, macht Spaß und dann hat man es leider verpasst, das Ganze spannender zu gestalten. Erst im Finale geht da wieder etwas mehr die Post ab. Da die Laufzeit mit nur 80 Minuten (mit Abspann) jedoch kurz gehalten wurde, gibt es nicht zu viele Längen und einige Momente sind durchaus unterhaltsam geraten.
 
 
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Dann wären da zudem noch halbwegs brauchbare Darsteller. Bill Oberst Jr. gibt sich Mühe und dient so mit dem hochwertigsten Schauspiel, aber auch David Rucker III geht in Ordnung. Linnea Quigley besitzt eine kleine Rolle und dann wird der Horror-Fan natürlich noch mit dem Namen Kane Hodder gelockt. Dieser besitzt am Anfang auch eine Hauptrolle, die jedoch früh verschwindet. Von Etikettenschwindel kann man nicht unbedingt sprechen, aber seine Rolle hätte gerne trotzdem größer ausfallen dürfen. Insgesamt kann man mit den Leistungen der Darsteller durchaus zufrieden sein, aber leider macht der deutsche Ton dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Manche Schauspieler wurden nämlich ziemlich mies synchronisiert. Das klingt reichlich künstlich und hölzern. Allgemein hat man es bei der Ton-Abmischung ganz schön versemmelt, denn die Stimmen sind viel lauter, als Musik und Hintergrundgeräusche, was in manchen Momenten ganz schön nervig ist.
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ ist ein durch und durch durchschnittlicher Horrorfilm geworden, der einiges richtig und einiges falsch macht. Die falschen Dinge werden aber größtenteils dem niedrigen Budget zu verschulden sein. Die Story ist gänzlich simpel und hätte ein paar kreative Ideen gebrauchen können, doch die handwerkliche Arbeit ist gar nicht schlecht geraten. Immerhin entsteht etwas Atmosphäre und das simple Spiel mit Lichtern und Nebel zusammen mit etwas Halloween-Deko wurde hier gekonnt umgesetzt. Außerdem sind die Darsteller brauchbar und mit der Figurenzeichnung kann man ebenfalls leben. Die vorhandenen Effekte, selbst wenn es nicht so viele sind, sehen solide aus und der Score hört sich gut an. Im mittleren Teil gibt es ein paar Längen und Spannung will leider keine aufkommen, aber dank der kurzen Laufzeit fühlt man sich selten gelangweilt. Das taugt zwar nicht zum nächsten, großen Halloween-Hit, aber wenn man die guten Filme alle schon durch hat, kann man hier ruhig mal ein Auge riskieren!
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Good Things Devils do; USA 2020

Genre: Horror, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of the Demons (1988)
 
Night of the Demons 2 (1994)
 
Tanz der Teufel (1981)