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Body-Horror

Filmkritik: „Patchwork“ (2015)

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PATCHWORK

Story

 
 
 

Drei Frauen müssen feststellen, dass sie sich einen Körper teilen müssen. Was folgt ist eine Suche nach Antworten.

 
 
 


 
 
 

PATCHWORK – Kritik

 
 
 
Bereits knapp 200 Jahre alt und beliebter denn je: Die Geschichte von Dr. Frankenstein und der von ihm erschaffenen Kreatur. Es dürften wohl nur wenige Horrorromane geben, die so oft verfilmt wurden, dass man mittlerweile die Übersicht verloren haben dürfte. Gott weiß, was Autorin MARY SHELLEY durch Lizenzen einnehmen könnte, wenn sie heute noch leben würde. Die Frau wäre wohl Milliardärin. Bereits 1910 entstand die erste Verfilmung des Stoffes über einen Wissenschaftler, der den perfekten Menschen erschaffen wollte. Der dreizehnminütige Stummfilm wurde – vor allem der für damalige Verhältnisse überzeugenden Spezialeffekte wegen – eine Erfolg und ebnete den Weg für unzählige Filmemacher, die mal mehr und mal weniger überzeugend gleichen Stoff fürs Kino adaptierten. Zu einem derer gehört auch Multitalent TAYLOR MACINYRE. Der macht keine Ausnahmen und interpretiert ebenfalls mit PATCHWORK (übersetzt: Flickwerk) den erfolgreichen Roman von 1818 – wenngleich auch auf sehr absurde und moderne Weise. Entstanden ist ein rabenschwarzer Ausflug ins Genre-Kino, der durch Originalität überrascht. Statt das bekannte Thema ein weiteres Mal lustlos abzuklappern, geht der Filmemacher eigene Wege. So wurde nur das Grundthema aus dem FRANKENSTEIN-Roman stibitzt. Der Rest läuft unter „Eigenkreation“ – ganz ohne Kritik an Zeit und Gesellschaft. Ob das was taugt?
 
 
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Mythos „Frankenstein“ mal ganz anders. PATCHWORK beginnt mit Altbewährtem. Hier erwacht Karrierefrau Jennifer (TORY STOLPER) auf einem Operationstisch und muss schmerzhaft feststellen, dass an ihr herumgeschnippelt wurde. So wirklich erinnern kann sie sich erstmal an nichts, was ihr einen Heidenschreck einjagt. Doch Erinnerungslücken sind bald das kleinere Übel. Offenbar muss sie sich den Körper mit zwei weiteren Frauen (MARIA BLASUCCI und TRACEY FAIRAWAY) teilen, die plötzlich mit ihr zu plaudern beginnen. Auf den ersten Schreck, folgt die Einsicht. Ein einfältiger Wissenschaftler hat Gott gespielt und die drei Damen um die Ecke gebracht, um aus ihren Körperteilen den perfekten Menschen kreieren zu können. Das macht die Frauen sauer, die natürlich wissen wollen, wer für den Quatsch verantwortlich ist. Die beginnen nach Antworten zu suchen und hinterlassen dabei eine blutige Spur der Verwüstung. Wütenden Furien sollte man sich eben nicht in den Weg stellen. Deren Rache ist – vor allem im Horrorfilm – meist grausam und schrecklich. Den Herren in PATCHWORK kommt dieser Hinweis leider zu spät.
 
 
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RE-ANIMATOR trifft auf FRANKENHOOKER. So lässt sich wohl am besten beschreiben, was dem Zuschauer mit dem Body-Horror PATCHWORK aufgetischt wird. Der Film ist in mehrere Kapitel unterteilt in denen vom Ableben der drei Frauen berichtet wird. Wurden Todesursachen geklärt, geht es weiter mit Übeltätersuche. In Abschnitten begeben sich die Heldinnen auf eine Art Schnitzeljagd, während der sie Kerlen Leviten lesen. Ziel ist es, Zusammenhänge zu finden, damit der Grund für den Körper-Horror ausfindig gemacht werden kann. Dabei nimmt sich PATCHWORK zu keiner Minute ernst und zeigt allerhand groteskes Zeug, das nicht selten ulkigen Trash des kultigen TROMA STUDIOS in Erinnerung ruft, welches in den 1980er und 1990er das Horror-Genre um filmischen VHS-Irrsinn bereichert hat. Doch Slapstick und Situationskomik allein machen noch keinen guten Horrorfilm. Trotz erfrischend-komischer Idee und sprunghaftem Handlungsverlauf fehlt dem innovativen Frankenstein-Spaß ein Spannungsbogen. Das trübt den positiven Gesamteindruck, weil sich PATCHWORK etwas schwermütig von Albernheit zu Albernheit hangelt. Zudem macht sich mancherorts das kleine Budget bemerkbar, das hier offenbar aus eigener Kraft gestemmt werden musste. Aufgrund dessen sollte man dann doch Gnade walten lassen und über Schwächen hinwegsehen – schließlich laufen solch mutige Frankenstein-Kuriositäten nicht jeden Tag über die Mattscheibe.
 
 
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PATCHWORK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine erfrischend andere Interpretation des FRANKENSTEIN-Themas. PATCHWORK geht auf einen Kurzfilm mit gleichem Titel zurück, den Filmemacher TAYLOR MACINYRE im Jahr 2014 inszeniert hat. Schaut man sich den Langfilm dazu an, sind Parallelen zu Henenlotters FRANKENHOOKER nicht von der Hand zu weisen. Auch darin ermordet eine aus Leichenteilen zusammengesetzte Frau vorwiegend Männer auf urkomische Weise. Dennoch: In Interviews verriet Regisseur TAYLOR MACINYRE, dass er genannten Frankenstein-Ulk noch nie gesehen habe. Das kann man glauben oder nicht. Sicher ist jedoch, dass PATCHWORK ebenso gute Laune verbreitet, weil der Mythos „FRANKENSTEIN“ hier mit erfrischend witziger Note beleuchtet wird und sich zu keiner Minute ernst nimmt. Das macht den Film vor allem bei denen interessant, die ein Herz für Horror-Slapstick besitzen. Das Studio TROMA lässt grüßen.
 
 
 


 
 
 

PATCHWORK – Zensur

 
 
 
PATCHWORK ist eher eine kleine Komödie, in der reichlich übertrieben Gewalt zelebriert wird. Das meiste davon wird aber nur angedeutet. Deshalb kann es gut möglich sein, dass PATCHWORK hierzulande bereits mit FSK16 in den Handel kommt.
 
 
 


 
 
 

PATCHWORK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Infinite Lives Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Frankenhooker (1990)
 
Re-Animator (1985)
 
Bride of Re-Animator (1990)
 
Bikini Frankenstein (2010)
 
Frankenstein Junior (1974)
 


Filmkritik: „RAW“ (2016)

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RAW

(GRAVE)

Story

 
 
 

Eine überzeugte Vegetarierin verwandelt sich zur leidenschaftlichen Fleischesserin und richtet damit Unheil an.

 
 
 


 
 
 

RAW – Kritik

 
 
 
Man darf nicht immer alles glauben, was über Filme geschrieben wird. Was oft in Klatsch- und Tratschblättern ins Absurdum getrieben wird, damit mit den Schicksalen anderer Kasse gemacht werden kann, findet auch gut und gern mal in der Filmszene Verwendung, um den Kauf von Kinotickets anzukurbeln. So geschehen zur Weltpremiere des französischen Horror-Dramas RAW. Schenkt man nämlich Berichten Glauben, die im Internet die Runde machen, soll der Streifen so heftig sein, dass Zuschauer bei der Uraufführung in Cannes schockiert aus dem Kinosaal liefen. Doch es geht noch krasser. Als der Streifen zum Filmfestival im kanadischen Toronto gezeigt wurde, wurde sogar medizinische Betreuung benötigt, weil Zuschauer wegen unappetitlicher Szenen in Ohnmacht gefallen sein sollen. Das ist vermutlich absoluter Unfug, aber immerhin cleveres PR, um RAW bei Horrorfans interessant machen zu können. Letztere sollten sich aber von der verheißungsvollen Werbung nicht blenden lassen. RAW hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten und ist ohnehin mehr Drama statt Horror. Regisseurin JULIA DUCOURNAU hält von reißerischen Grausamkeiten Abstand und verfolgt andere Intensionen. Damit macht sie alles richtig – auch wenn gleichzeitig enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sein dürften, weil Frankreich in Sachen Horror seit Jahren einen härteren Kurs verfolgt.
 
 
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Ein neuer Lebensabschnitt bringt nicht selten neue Probleme mit sich. Diese Erfahrung muss auch die verschlossene Musterschülerin Justine (GARANCE MARILLIER) machen, die ihr Studium an einem Institut für Tiermedizin beginnt und es alles andere als leicht hat. Nicht nur, dass sie als Neuling die Demütigungen älterer Kommilitonen über sich ergehen lassen muss. Auch der Speiseplan an der Uni-Mensa hat mit dem von Hotel Mama nur wenig gemein. Hier isst man mit Vorliebe gebratenes Fleisch, was für die überzeugte Vegetarierin zum größten Problem wird. Leider nimmt auf Gaumenfreuden hier niemand Rücksicht – nicht einmal die eigene Schwester. Die stopft der verunsicherten Justine bei einem Aufnahmeritual eingelegte Hasennieren in den Mund und weckt somit neue Instinkte in der schüchternen Studentin. Leider führt die neue Vorliebe nach Fleisch zu Komplikationen. Einmal gekostet macht sich ein hässlicher Ausschlag breit, der mit Salbe behandelt werden muss. Doch es kommt noch schlimmer. Als bei einer Intimwachsstunde versehentlich Blut fließt, passiert das Unfassbare. Justine probiert neugierig vom Lebenssaft der großen Schwester und weckt so die Bestie in sich.
 
 
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Wenn Teenager erwachsen werden und dabei die Kontrolle verlieren. Viel mit Horror hat RAW nicht gemeint. Regie-Newcomerin JULIA DUCOURNAUS erzählt im ersten Langfilm vom Erwachsenwerden und welche Hürden gleichzeitig überwunden werden müssen. Dabei analysiert die Filmemacherin zerrüttete Seelenwelten von Teenagern und ruft so den Überraschungshit IT FOLLOWS ins Gedächtnis, der im Jahr 2015 mit nicht unähnlicher Thematik für Furore gesorgt hat. RAW ist ein zynisches Coming-of-Age-Drama, das mit den Mitteln des Horrorkinos erzählt wird. Hier kommt eine introvertierte Außenseiterin mit Menschenfleisch in Berührung und entwickelt kannibalistische Neigungen. Das Thema „Kannibalismus“ hat dabei jedoch nur Metapher-Funktion und symbolisiert die unterdrückte und unkontrollierbare Sexualität, welche allmählich von Heldin Justine Besitz ergreift. Die verliert bald die Kontrolle über sich und ihren Körper, ohne dabei zu ahnen, was für ein Chaos sie damit anrichtet. Sex und Triebe machen eben aus Menschen Tiere – Cronenbergs RABID lässt grüßen.
 
 
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RAW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weit weg vom einfältigen Genre-Kino oder reißerischen Ekelexzessen eines CANNIBAL HOLOCAUST. RAW besitzt zwar Body-Horror-Elemente und schneidet kontroverse Kannibalismus-Thematik an, ist aber unterm Strich eher ein rabenschwarzes Coming-of-Age-Drama, das sich irgendwo zwischen experimentellen Arthaus und mutigem Indie-Kino bewegt. Regisseurin JULIA DUCOURNAU – die sich offenbar vom Vater des Body-Horrors DAVID CRONENBERG inspirieren ließ – versucht im ersten Spielfilm Veränderungen eines Teenagers zu ergründen, der durch äußere und innere Einflüsse zum Erwachsenen heranreift. Leider ist der Reifeprozess alles andere als unkompliziert, denn Filmheldin Justine erlebt im Verlaufe von RAW eine schmerzhafte Verwandlung vom Mauerblümchen zur Frau, die vielen Versuchungen ausgesetzt ist – und keiner widerstehen kann. Der französische Indie-Geheimtipp hat kaum Schauwerte zu bieten und ist mehr Geschichte einer Außenseiterin, die aus gut behüteten Verhältnissen kommt und mit dem „richtigen“ Leben konfrontiert wird. Das bringt die Schülerin ins Stolpern, weil sie im neuen Lebensabschnitt mit Dingen in Berührung kommt, die ihr die Eltern bisher vorenthalten haben. RAW ist ein tragisch aber gleichzeitig komisches Genre-Erlebnis, für das man tiefer forschen muss, um es im Ganzen verstehen zu können. Deshalb lohnt eine Zweitsichtung, vor allem der vielen Metaphern wegen. Somit tritt Filmemacherin JULIA DUCOURNAU in die gleichen Fußstapfen wie bereits TOMAS ALFREDSONS. Der drehte mit SO FINSTER DIE NACHT im Jahr 2008 einen interessanten Streifen, der zumindest thematisch und atmosphärisch RAW nicht unähnlich ist. Demzufolge gilt auch hier: Wer den Anspruch im Horror-Genre sucht, ist mit RAW gut beraten, denn trotz kleiner Schwächen in der zweiten Filmhälfte ist dieses Genre-Drama für ein Erstlingswerk bemerkenswert tiefgründig.
 
 
 


 
 
 

RAW – Zensur

 
 
 
Wer trotz Kannibalismus-Thematik ausufernde Fressszenen erwartet, dürfte enttäuscht werden. RAW (der anfangs übrigens noch GRAVE hieß) ist mehr Drama statt Horror. Die Hauptdarstellerin knabbert an einem abgetrennten Finger, beißt sich in die eigene Hand und findet Gefallen daran, einem Kommilitonen in die Lippe zu beißen. Zudem gibt es einen abgenagten Unterschenkel eines Studenten zu sehen. Hierzulande dürfte das alles mit einer FSK16 in den Handel kommen, da die wirklich überschaubaren Ekelmomente nicht selbstzweckhaft zelebriert werden.
 
 
 


 
 
 

RAW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Wild Bunch)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alena (2015)
 
Eat (2013)
 
Excision (2012)
 
Naked Blood (1995)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Rabid (1977)
 
Shivers (1975)
 
So finster die Nacht (2008)
 
Sensoria (2015)
 


Filmkritik: „The Void“ (2016)

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THE VOID

Story

 
 
 

Ein nahezu stillgelegtes Krankenhaus mitten im Nirgendwo entpuppt sich für einen kleinen zusammengewürfelten Trupp zu einer Art Vorhölle …

 
 
 


 
 
 

THE VOID – Kritik

 
 
 
Nach einem eher ereignislosen Tag stolpert Sheriff Carter mitten im nächtlichen Wald ein sich auf der Flucht befindlicher verletzter junger Mann vor die Füße, den er ins nächstgelegene Krankenhaus chauffiert. Dort verrichten die letzten Mitarbeiter ihren Dienst, der hauptsächlich darin besteht, für Notfälle zur Verfügung zu stehen. Soweit dies nach einschränkenden Brandfolgen möglich ist.
Kurz darauf treffen zudem zwei äußerst aggressiv wirkende, bewaffete Männer ein, die dem gerade Eingelieferten ans Leder wollen. Doch damit nicht genug. Während die erste Krankenschwester plötzlich beginnt durchzudrehen, versammeln sich vor den Türen bereits schweigend unheimlich wirkende Zeitgenossen, deren Art Ku-Klux-Klan-Gewänder nichts Gutes verheißen. Die Nacht des Grauens kann beginnen. THE VOID bedient von Beginn an die tief verankerten Bedürfnisse von Horrorfans mit einer stimmigen Prämisse. Eine kleine Gruppe, eingeschlossen an einem trostlos einsamen Ort an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wird mit dem Unvorstellbaren konfrontiert und kämpft verzweifelt einen aussichtslos wirkenden Kampf um ihr Leben. Wobei das Böse nach weitaus mehr trachtet.
 
 
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Nach zirka 13 Minuten beginnt die Gewaltschraube anzudrehen und gewährt erstmals einen Blick auf die recht heftigen, liebevoll handgemachten Effekte, die sich als Stärke des klassische Muster bedienenden Horror-Scifi-Zwitters erweisen werden. (Übrigens: Erstaunlich was hier inzwischen alles ab FSK16 durchgewunken wird.) Und hier gibt es tatsächlich nichts zu meckern. Seit THE THING wurde wohl nicht mehr so schön geschmaddert und tentakelt. An den deformierten Kreaturen kann sich das Herz eines jeden Creature-Feature-Fans einfach nur erfreuen. Für die Ausarbeitung der Charaktere und deren Dialoge gilt dies leider nicht. Es ist immer ungünstig, wenn man ausgerechnet mit den Bedrohten kaum mitfiebern kann, weil sie emotional nicht berühren oder phasenweise nerven. Problematisch bleibt ebenso der Umstand, dass sich die nicht wirklich innovativ aus einigen Klassikern zusammen rezitierte krude Story, vom Timing her etwas zu langatmig nur von Effekt zu Effekt hangelt. Die ernste Situation aller Protagonisten ist dabei drehbuchtechnisch durchaus erfreulich ohne Augenzwinkern frei von Komik und überflüssigen Albereien angelegt. Umso mehr stören nun jedoch naive holprige Textpassagen, die einen an den Kopf fassen lassen. So stellt ein Protagonist nachdem bereits draußen wie drinnen das Chaos wütet unvermittelt fest: „Wir sind hier nicht sicher!“ Ja, Recht hat er ja der Gute, nur war dies zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als offensichtlich.
 
 
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Nachteilig wirkt sich neben den eher hölzernen Figurenzeichnungen (Obwohl zum Beispiel Kenneth Welsh aus TWIN PEAKS und Art Hindle aus BLACK CHRISTMAS ihr Bestes geben) der fast fehlende melodische Score aus, an dem wohl gespart werden musste, um die Kosten zu stemmen, die durch Crowdfunding aufgetrieben wurden. Von einem auch nur annähernd so wundervoll einprägsamen Thema wie bei HALLOWEEN, A NIGHTMARE ON ELM STREET oder FREITAG DER 13. ist bei THE VOID kein Ton zu hören. Dafür wabert ein Klangteppich der die trostlose Grundstimmung unterstreicht und bei Gefahren bedrohlich anschwillt. Das klingt kritisch und doch gelingt dem Streifen, der die 80er nahezu atmet, etwas was nicht viele Filme schaffen. Während man sich mit voranschreitender Laufzeit oft von dem Gesehenen distanziert, beginnt THE VOID zunehmend zu bannen und mit einem „irgendwie“ stimmigen Finale ausgesprochen versöhnlich zu enden. Der Hinweis im Abspann, dass die irre Geschichte nicht der Wirklichkeit entspricht und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig wären, entlässt zudem mit einem kleinen Lächeln. Die fähigen Regisseure Gillespie und Kostanski haben die Hoffnungen der Förderer des Projekts, dass zudem in kurzer Zeit abgedreht wurde, sicher nicht enttäuscht
 
 
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THE VOID – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bei aller Kritik und dem Verneinen von Superlativen unterhält das nahezu philosophische THE VOID durchaus und erweckt Sympathie, wenn man sich die liebevoll mit Leidenschaft für´s Genre in Szene gesetzte Story bewusster vor Augen führt. Die teils bizarre Collage aus an HELLRAISER, ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT, BASKIN, THE THING u.v.a.(!) erinnernden Szenen liefert somit unterm Strich ambitioniert nostalgischen Spaß und hat bei allen Abzügen deutlich mehr zu bieten, als viele andere lieblos hingehunzte Genrevertreter. Und unter uns: Ist ein unvollkommenes, aber engagiert-ehrgeiziges B-Movie nicht deutlich charmanter als ein glatt polierter A-Blockbuster?

 
 
 


 
 
 

THE VOID – Zensur

 
 
 
Heftig und kompromisslos geht es zu. Während gestochen, gehackt und verbrannt wird, spritzen Blut und Schleim so wie es sich gehört und auch Schwangere werden nicht verschont. Sehr lobenswert, dass THE VOID trotzdem eine ungeschnittene Freigabe erhalten hat. Eine Ursache dafür mag sein, dass die Gewalt an keiner Stelle selbstzweckhaft grenzaustestend zelebriert wird, sondern eher die phantasievollen Mutationen im Mittelpunkt stehen. Auf dem Cover der erhältlichen Heimkinofassung ist der FSK16-Flatschen zu sehen. Glücklicherweise besitzt die Veröffentlichung ein Wendecover. Horrorfans und Sammler können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 


 
 
 

THE VOID – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Void; Kanada 2016

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 19.05.2017

 

The Void [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE VOID – Trailer

 
 

 
 
 

Andy78

(Rechte für Grafiken liegen bei ASCOT ELITE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Thing (2011)
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
Black Mountain Side (2014)
 
Blutgletscher (2013)
 
Harbinger Down (2015)
 
Hellraiser – Das Tor zur Hölle (1987)
 


Filmkritik: „UFO – Es ist hier“ (2016)

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UFO – ES IST HIER

Story

 
 
 
Fünf Filmstudenten machen in den Wäldern eine Begegnung mit der dritten und tödlichen Art.
 
 
 


 
 
 

UFO – Kritik

 
 
 
Hatte Regie-Legende RIDLEY SCOTT etwa noch Zeit, um während der Dreharbeiten zu PREMOTHEUS 2 heimlich an einem Alien-Sequel im Found-Footage-Format zu arbeiten? Zumindest liegt die Vermutung nahe, wenn man sich den Trailer zu UFO – ES IST HIER anschaut. Was hier gezeigt wird, erinnert schon irgendwie an die vielen Plagiate des Science-Fiction-Klassikers ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER ANDEREN WELT, der sich vor allem wegen dem von HR GIGER entworfenen Filmmonster einen Platz in den Herzen vieler Filmfans sichern konnte. Selbstverständlich hat RIDLEY SCOTT weder an UFO – ES IST HIER gearbeitet, noch dürfte er den Film überhaupt gesehen haben. Hinter dem Wackelkamera-Krimi steckt nämlich ein deutscher Filmemacher, der bereits mit DIE PRÄSENZ einen kleinen Erfolg feiern konnte. Der deutsche Geisterfilm schaffte es bis in die Kinos und erhielt reichlich Lob. Weil die Rezeptur aus Grusel in Kombination mit Found-Footage gut ankam, wird die Erfolgsformel auch gleich beim nächsten Streich angewandt. UFO – ES IST HIER besitzt all das, was man eben von Filmen dieser Art erwartet. Das bedeutet: schlechte Ausleuchtung, viel Geschrei und natürlich Gewackel, Gewackel und nochmals Gewackel. Doch hat der Film überhaupt etwas Neues zu erzählen?
 
 
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BLAIR WITCH PROJEKT lässt grüßen. Bei UFO handelt es sich um gefundenes – freilich fiktives – Videomaterial, das man 2015 in einer Scheune in den belgischen Ardennen gefunden hat. Darauf zu sehen: die fasziniere Entdeckung einer Gruppe Filmstudenten, die aber auch ihre Letzte sein wird. Eigentlich wollten die Kommilitonen eine Zoo-Dokumentation drehen. Bis sich die Tiere in ihren Käfigen merkwürdig verhalten. Der Grund ist schnell gefunden. Eine rätselhafte Himmelserscheinung macht den Tieren Angst, was aber das Interesse der Studenten weckt. Die vermuten einen herabfallenden Meteor und versuchen den Einschlagsort des Gesteins zu orten. Nach Stunden vergeblicher Suche, findet man den Krater. Doch die Nacht ist schneller da, als gedacht. Weil man die Hand nicht mehr vor Augen sieht, beschließt man das Nachtlager aufzuschlagen und die Untersuchungen am nächsten Tag vorzusetzen. Leider kommt natürlich alles anders, als gedacht. Etwas nicht Menschliches hat im Wald Zuflucht gesucht und ist nicht zu Scherzen aufgelegt. Kein gutes Omen für die fünf Freunde, die den Kampf gegen etwas aufnehmen müssen, das nicht von dieser Welt ist. Ob sie unbeschadet nach Hause finden werden?
 
 
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Besser gut geklaut, als schlecht neu erfunden. Wie bereits schon in THE BLAIR WITCH PROJECT werden Ereignisse pseudodokumentarisch aufbereitet. Der Zuschauer bekommt die Geschehnisse durch die Handkamera zu sehen, die einer der Protagonisten bei der Flucht vor Aliens mit sich führt. Das ist Found-Footage-typisch und nach wie vor eine gute Methode, um den Zuschauer in die Handlung einzubeziehen. Dem wird durch die permanente Egoansicht das Gefühl vermittelt, als wäre er selbst Teil der Gruppe. Leider hat die gewöhnungsbedürftige Ansicht auch so seine Tücken, denn stabile Bilder gibt es nur selten zu sehen. Hinzugesellen sich abrupte Schnitte und konfuses Geschüttel, das vor allem in hektischen Momenten aus dem Ruder läuft und das Folgen der Handlung erschwert. Doch nicht alles ist schlecht. Hervorzuheben wären die gut gewählten Darsteller, die zur Abwechslung auch mal was können. Die scheinen ab und an zu improvisieren, was UFO – ES IST HIER authentisch erscheinen lässt. Authentisch sind auch die simplen, aber immerhin handgemachten Spezialeffekte, die zu keiner Zeit ihre Wirkung verfehlen. Da kommen ominöse Alien-Eier vor die Linse und plötzliches Alien-Tohuwabohu, das wie aus dem Nichts vor die Kamera erscheint, lässt kurz in den Sessel rutschen. UFO erfindet definitiv nicht das Rad neu, macht aber seine Sache nicht unbedingt schlecht. Vergleicht man den Streifen mit den vielen überflüssigen Found-Footage-Filmen der letzten Jahre, kommt diese deutsche Produktion sogar noch besser weg, als so manch übler Wackel-Unsinn aus Übersee. Wer sich beim Vorgänger DIE PRÄSENZ aus der Mache von DANIELE GRIECO gut unterhalten gefühlt hat und immer noch nicht die Nase rümpft, wenn er allein nur das Wort „Found Footage“ liest, macht auch mit UFO – ES IST HIER definitiv nichts falsch. Na also, die Deutschen können auch anders, als immer nur Arthaus, Komödie und Anspruch.
 
 
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UFO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Joar, ist halt ein Found-Footage-Film – nur eben ein deutscher. UFO – ES IST HIER ist ein Found-Footage-Mix aus THE THING, BLAIR WITCH PROJECT und ALIEN, der mit kleinem Budget große Wirkung erzielen will. Die für dieses Subgenre bekannten Regeln werden eingehalten, Protagonisten verhalten sich nicht immer nachvollziehbar und Handyempfang ist in entscheidenden Momenten nicht vorhanden, wenn Hilfe benötigt wird. Trotz Gewackel, schlechtem Bild und Klischees kann UFO etwas, was vor allem den guten Darstellern zu schulden ist, die so authentisch und sympathisch agieren, dass man meinen könnte, sie schon jahrelang zu kennen. Für knapp 100.000 Euro Budget gibt’s obendrauf seichte Gruselatmosphäre und einige geschickt getrickste Spezialeffekte. Schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass man für gleiches Geld in Hollywood gerade mal eine vernünftige Putzfrau bekommt, die nach den Dreharbeiten das Filmset reinigt. Für Fans des mittlerweile zu oft genutzten Found-Footage-Stilmittels durchaus einen Blick wert, weil UFO innerhalb seiner Möglichkeiten einige ganz cleverer Schocks zu bieten hat. Wer ohnehin genervt von Filmen mit Wackel-Gimmick ist, dürfte auch mit UFO – ES IST HIER nichts anzufangen wissen, dafür sträubt sich der Alien-Grusler vor frischen und neuen Ideen. Da kann man nur hoffen, dass Regisseur DANIELE GRIECO als nächstes mal einen richtigen Horrorfilm ohne den unnötigen Found-Footage-Schnickschnack dreht. Könnte vermutlich ein deutsche Indie-Hit werden.
 
 
 


 
 
 

UFO – Zensur

 
 
 
In UFO – ES IST HIER gibt es nicht viel Grausames zu sehen. Der Film hat in seiner ungeschnittenen Dassung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die ist auch berechtigt und angemessen.
 
 
 


 
 
 

UFO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Pictures | daredo (Soulfood)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ufo – Es ist hier; Deutschland 2016

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: Behind the Scenes – Interviews mit dem Regisseur (deutsch), Behind the Scenes – Interviews mit dem Regisseur (englisch), Audiokommentar des Regisseurs, M-Square Trailershow

Release-Termin: 28.10.2016

 

UFO – ES ist hier [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

UFO – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei M-Square Pictures | daredo (Soulfood))

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alien Abduction (2014)
 
Absence (2013)
 
The Blair Witch Project (1999)
 


Filmkritik: „Wrong Trail – Tour in den Tod“ (2016)

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WRONG TRAIL – TOUR IN DEN TOD

(DOWNHILL)

Story

 
 
 
Wenn Hilfsbereitschaft mit grausamem Terror belohnt wird: Ein paar Radfahrer stoßen im Wald auf einen Fremden, der sich dem Anschein nach mit einer nicht näher zu identifizierenden Krankheit infiziert hat. Ohne Bedenken wird geholfen. Doch der gute Wille hat Konsequenzen: Die gute Tat führt auf direktem Wege ins Desaster.

 
 
 


 
 
 

WRONG TRAIL – Kritik

 
 
 
Will man mit einem PKW über Landstrassen fegen, benötigt man einen Führerschein. Möchte man mit dem Boot Gewässer erkunden, wird ein Bootsschein vorausgesetzt. Zum Führen einer Schusswaffe wird vom Gesetzgeber sowieso ein Nachweis gefordert, der dazu berechtigt ein solches Ding besitzen zu dürfen. Bei derartigem Sicherheitsdenken fragt man sich doch glatt, warum ein solches Dokument nicht langsam auch von Regisseuren, Drehbuchautoren und Produzenten gefordert wird, die immer noch straffrei das drehen, schreiben und produzieren können, wonach ihnen der Sinn steht. Eine erschreckende Entwicklung, denn in Zeiten eines kaum noch überschaubaren Videomarktes entstehen seit Jahren Filme, die man dem Zuschauer eigentlich nicht mehr zumuten kann. So werden sinnbefreite Horrorfilme gedreht, die ausschließlich dadurch hervorstechen, möglichst brutal und grausam zu sein. Grips und Logik ist da in der Regel Mangelware. Stattdessen wird Mord und Totschlag serviert, der sich in den meisten Fällen nicht einmal die Mühe macht, kreativ zu sein. Horrorbodensatz eben.
 
 
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Der chilenische Trivialgeschichtenerzähler und Filmgurkenzüchter PATRICIO VALLADARES gehört – wie auch schon „Mr. Exploitation“ ELI ROTH – zu jenen Herrschaften, denen man das Filmen langsam mal verbieten sollte. Scheinbar ist auch diesem Filmemacher gar nicht bewusst, dass hinter dem Inszenieren von Horrorfilmen weit mehr steckt, als das bloße Aneinanderreihen von Gewalt und ekligen Momenten. Zuletzt ist PATRICIO VALLADARES zu fragwürdiger Berühmtheit gekommen, nachdem er mit HIDDEN IN THE WOODS auf den ach so populären Rape’n Revenge-Zug aufgesprungen war. Dahinter verbarg sich frauenverachtender No-Budget-Schund, der mit schmuddeliger Rache- und Kannibalismusthematik die niederen Instinkte des Publikums befriedigen wollte. Leider kam der Streifen – vor allem der billigen Machart und den schlechten Schauspielern wegen – bei den meisten Zuschauern nicht sonderlich gut an, weshalb der Regisseur seinen pseudokontroversen Heuler noch einmal mit mehr Budget und der Unterstützung von MICHAEL BIEHN neu interpretierte. Hierbei wurde die Gewaltschraube noch etwas fester gedreht, um zu schocken. Leider ging der Schuss nach hinten los, denn das Remake litt unter den gleichen Schwächen wie die chilenische Vorlage und spulte zudem eine unglaubliche Geschichte ab, die kaum Identifikationsmöglichkeiten zuließ. Offenbar scheint Regisseur PATRICIO VALLADARES unbelehrbar und ebenso uneinsichtig zu sein. Der ließ sich nach den vernichtenden Kritiken nicht entmutigen und machte exakt dort weiter, wo er aufgehört hatte. Entstanden ist WRONG TRAIL (im Original: DOWNHILL) – abermals cineastisches Chaos, das ausnahmsweise zumindest auf technischer Ebene überzeugen kann. Der Rest entpuppt sich als heilloses Durcheinander, bei dem der Frustfaktor hoch ist. Ärger ist da vorprogrammiert.
 
 
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In WRONG TRAIL geht es um das Paar Joe (BRYCE DRAPER aus ANOTHER DEADLY WEEKEND) und Stephanie (NATALIE BURN), die für den Radsport leben. Besonders das Fahren mit Downhill-Bikes durch unebenes Gelände hat sich für die beiden zur Leidenschaft entwickelt. Als einer der besten Freunde bei einem dieser Radrennen verunglückt, will Joe das Hobby für immer an den Nagel hängen. Doch die Sucht nach dem Nervenkitzel ist größer. So lädt der alte Freund Pablo (ARIEL LEVY) zu einem neuen Radrennen in Chile ein, was sich die Liebenden nicht entgehen lassen wollen. Doch die Freude schlägt bald in Terror um. Als man die Rennstrecke testen möchte, stößt man auf einen, scheinbar durch einen Autounfall, verletzten Mann. Schnell ist Hilfe vor Ort. Doch die wird allen Beteiligten zum Verhängnis. Eine ominöse Bande beginnt auf die Helfer zu schießen. Die flüchten in die Wälder und verstecken sich im Dickicht. Leider schreckt das die Fremden nicht ab, denn die machen Jagd auf Alles und Jeden. Was die Radfahrer nicht wissen: Der Verunglückte trägt einen geheimnisvollen Parasiten in sich und die Killer haben offensichtlich etwas damit zu tun. Kein gutes Omen für Joe und Stephanie, die jetzt in tiefer Wildnis ums Überleben kämpfen müssen.
 
 
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Weg vom Amateurstandard hin zu richtigem Kino-Feeling. Visuell und technisch macht WRONG TRAIL eine erstaunlich souveräne Figur, was wohl auf mehr Budget zurückzuführen ist. Zu sehen gibt es atmosphärische Kamerafahrten, Lichtspielereien und immerhin Schauspieler, die womöglich mal eine Schauspielschule von Innen gesehen haben. Minimalistisch ausgeleuchtete Kulissen und eklige Make-up-Effekte sorgen für so manch schaurigen Moment und die Skrupellosigkeit der Filmbösewichte geht richtig an die Nieren. Leider ist der Rest wie gehabt und PATRICIO VALLADARES verfällt zu schnell weder dem alten Schema. Das bedeutet: Viel Exploitation, wenig Hirn. So hat das arg verschobene Frauenbild des Regisseurs auch in WRONG TRAIL Bestand und die haarsträubende Handlung besitzt weder Hand noch Fuß. Der Filmemacher selbst beschreibt seinen Streifen als Mix aus PARANORMAL ACTIVITY und CLIFFHANGER, der an die alten Filme des legendären DAVID CRONENBERG erinnern will. Das ist natürlich vollkommener Unfug und beweist einmal mehr, dass Valladares nicht sonderlich viel Ahnung von Genrefilmen oder sonst etwas besitzt. WRONG TRAIL macht in ein paar Momenten vom Found-Footage-Stilmittel Gebrauch und protokolliert das Geschehen aus Sicht von Helmkamera, die die Fahrradfahrer auf dem Kopf tragen. Hier aber Vergleiche zu PARANORMAL ACTIVITY zu ziehen, wirkt reichlich übertrieben, denn die wenigen Found-Footage-Elemente lassen sich an einer Hand abzählen. Weitaus schlimmer als die irreführenden Vergleiche des chilenischen Regisseurs, ist die diffuse Handlung mit der WRONG TRAIL den Zuschauer quält. Valladares – der übrigens mal wieder das Drehbuch selbst geschrieben und vermasselt hat – vermischt verschiedene Subgenres. Leider wirkt der wirre Mix unbeholfen und unglaubwürdig, zumal der Initiator dieses Horror-Quatschs Antworten scheut. Je näher sich WRONG TRAIL der Zielgeraden nähert, umso länger wird die Liste an Fragen. So stellt sich im Verlauf der Handlung heraus, dass die Helden von einer Art Kult terrorisiert werden, der seltsame Parasiten in die Körper ahnungsloser Spaziergänger verpflanzt. Was damit bezweckt wird und in welchem Zusammenhang Tentakelparasiten mit dem Teufel stehen bleibt weitestgehend offen. Für den Zuschauer eine unbefriedigende Prämisse. Der wird WRONG TRAIL ziemlich schnell unter Humbug abstellen, weil die Geschehnisse im Film keinen Sinn ergeben wollen.
 
 
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WRONG TRAIL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Außen Hui – inhaltlich pfui. Nach Rape’n Revenge versucht sich der chilenische Regisseur PATRICIO VALLADARES im Stilmix. WRONG TRAIL (Originaltitel: DOWNHILL) ist eine technisch souverän abgehandelte Mischung aus BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE, Okkultismus-Horror und Quasi-Lovecraft-Kreaturen-Schauer. Was ansprechend klingt, ist in seiner Umsetzung ziemlich einfältig, weil WRONG TRAIL keinen Sinn ergeben möchte. Lang bleibt unklar, wohin die Reise gehen soll, denn die Helden werden grundlos von Einheimischen durch Wälder gejagt. Erst in den letzten Minuten versucht der Film aufzuklären. Leider werfen Erklärungsversuche nur Fragen auf, die Filmemacher PATRICIO VALLADARES unzureichend erklärt. Das erhöht den Frustfaktor beim Zuschauer, der sich schnell verschaukelt fühlen wird, will er doch wissen, was er da gerade gesehen hat. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Regisseur mehr Sorgfalt ins Drehbuch investiert hätte, statt von reißerischer Exploitation Gebrauch zu machen. Wie in den vorherigen Filmen des Regisseurs gibt es manche gewaltverherrlichende Szene zu sehen, die nicht unbedingt hätte sein müssen. Das mag zwar Gewaltfans freuen; die mangelhafte und löchrige Auflösung dürfte aber sogar jene reichlich verärgern.
 
 
 


 
 
 

WRONG TRAIL – Zensur

 
 
 
WRONG TRAIL bzw. DOWNHILL zeigt einiges an blutigem Material. Neben ekligem Mutations-Make-up gehen vor allem einige Einschüsse in menschliche Köpfe und Körper an die Nieren. Weiterhin wird ein Gegenstand durch eine Hand gejagt und ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen. Der Film hat eine Freigabe mit rotem FSK-Flatschen erhalten. Für Horrorfans von Interesse: Er ist ungeschniten.
 
 
 


 
 
 

WRONG TRAIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Downhill; Chile | Frankreich | Kanada 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 06.07.2017

 

Wrong Trail – Tour in den Tod [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

WRONG TRAIL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Lonely Place to Die – Todesfalle Highlands (2011)

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

Outback – Tödliche Jagd (2011)

Carnage Park (2016)


Filmkritik: „The Mind’s Eye“ (2015)

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THE MIND’S EYE

Story

 
 
 

Ein Arzt (JOHN SPEREDAOS aus THE INNKEEPERS und THE HOUSE OF THE DEVIL) ist besessen von Psychokinese. Er macht Jagd auf Menschen mit jener Fähigkeit und extrahiert aus ihren Körpern ein Sekret, das er sich selbst spritzt.

 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Kritik

 
 
 
Wenn Köpfe nur mit Kraft der Gedanken zum Explodieren gebracht werden können, ist DAVID CRONENBERG nicht weit. Der Experte für Body-Horror experimentierte bereits in den frühen 1980ern mit Psychokinese und Telepathie und erschuf mit SCANNERS einen der wohl kontroversesten Genrefilme seiner Zeit, der dem Schöpfer des Körper-Horrors den kommerziellen Durchbruch brachte. Nach zwei Fortsetzungen sowie den Spin-Offs SCANNER COP 1 & 2 wurde es merklich still um das Franchise. Erst in den letzten Jahren kam der Stoff wieder ins Gespräch. SAW-Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN hatte Pläne zu einem Remake, verwarf sie aber kurz Zeit später wieder, weil er den Film nicht ohne Cronenbergs Segen machen wollte. Dafür kann man dem lieben Gott nur danken, denn in einer Zeit in der Machern von Horrorfilmen nichts mehr einfällt, tun neue Filmideen Not. Kein weiterer SCANNERS, aber ein Streifen, der dem wegweisenden Sci-Fi-Horror nicht unähnlich ist: THE MIND’S EYE. Der könnte gut und gerne auch als weiteres Sequel der kultigen Filmreihe durchgehen, denn Regisseur JOE BEGOS zitiert hier Altmeister Cronenberg gut, häufig und unübersehbar. Wieder einmal werden Gedanken manipuliert, Köpfe per Gedankenkraft zermatscht oder von telekinetisch bewegten Gegenständen abgetrennt. Freunde nett getrickster Schweinereien wird’s freuen, denn in THE MIND’S EYE geht es alles andere als zimperlich zu.
 
 
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Psychokinetisch veranlagte Menschen haben es in diesem Film nicht leicht. So auch Zack Connors (GRAHAM SKIPPER aus DEMENTIA und WORRY DOLLS) und Rachel Meadows (LAUREN ASHLEY CARTER aus POD und DARLING), die sich auf der Flucht vor einem irren Arzt befinden. Doktor Michael Slovak hat einen Weg gefunden, die mysteriösen Kräfte psychokinetisch begabter Probanten zu extrahieren und Normalsterblichen zu spritzen, damit die über gleiche Fähigkeiten verfügen. Eine effektive Waffe, die man im Krieg einsetzen könnte. Leider fehlen potenzielle Opfer, die man melken kann. Nach langen Recherchen hat man einige ausfindig gemacht und beginnt sie zu jagen. Die werden verschleppt, tagtäglich ruhig gestellt und angezapft. Das gewonnene Sekret spritzt sich der Doktor selbst, der sich nicht nur körperlich verändert. Die Gier nach Einzigartigkeit und Forschung sorgt dafür, dass er allmählich den Verstand verliert. Doch die Opfer können fliehen. Kaum dem Gefängnis entkommen, haben auch schon Handlanger des Herrn Slovak die Witterung aufgenommen. Kein Versteck ist sich, weshalb Zack und Rachel beschließen sich dem Bösen zu stellen. Spätestens dann wird’s blutig.
 
 
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Low-Budget, aber wirklich gut. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, welche Dekade Regisseur JOE BEGOS am Herzen lag. Wie bereits im Vorgängerfilm ALMOST HUMAN sind es mal wieder die 1980er, die es dem Filmemacher angetan haben. THE MIND’S EYE verbeugt sich nicht nur vorm Cronbergschen SCANNERS, sondern schaut auch so aus wie ein Film, der in jener Zeit gedreht wurde. Zudem wird Retro-Feeling durch Stilmittel anderer Altmeister bewirkt. Akustische Anleihen an die Werke des legendären JOHN CARPENTER sind unüberhörbar. Aber auch die für frühere BRIAN DE PALMA-Streifen berüchtigten Kameraspielereien kommen nicht zu kurz. Das wirkt zwar oft etwas dick aufgetragen, hat aber Charme, zumal es Macher JOE BEGOS schafft wenig nach mehr aussehen zu lassen. Das macht sich vor allem bei den handgemachten Effekten bemerkbar. Die sind simpel gestickt, aber verfehlen ihre Wirkung nur selten. Da werden Schädel gespalten, Knochen gebrochen und Köpfe einmal um die eigene Achse gedreht. Der blutige Bilderrausch und die eher unkonventionelle Thematik bringen es auf den Punkt und zeigen mehr als deutlich, was Indie-Kino alles möglich macht. Hier dürfen sich Filmemacher austoben und zeigen was sie wirklich können. Das bedeutet mehr Eigenständigkeit und Erfindungsreichtum – etwas, das wegen diktierten Auflagen großer Studios in kommerziellen Filmen meist nicht möglich ist.
 
 
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In Gesprächen mit der Presse ließ Regisseur JOE BEGOS verlauten, dass ihm die Idee zum Film während der Festival-Tour zu seinem Debüt ALMOST HUMAN kam. Dort wurde er von Fans und Kritikern immer wieder gefragt, was als nächstes kommen wird. Sofort geisterten ihm Gedanken zu einem Rache-Thriller mit telekinetischen Elementen durch den Kopf – etwas, was seiner Meinung nach schon lange niemand mehr auf die Leinwand gebracht wurde. Nach dem Festival-Rummel begann er an einem Skript zu schreiben. Das ging anfangs noch eher in Richtung Home-Invasion-Horror. Doch Begos verwarf die Ideen und machte daraus Science-Fiction-Horror à la DAVID CRONENBERG. Eine gute Entscheidung, wie auch der Regisseur meint. Ihm waren die missratenen Scanners-Ableger ein Dorn im Auge, weshalb er seinen THE MIND’S EYE selbst als eine Art inoffizielle Fortsetzung zum Kulttitel beschreibt. Ganz Unrecht hat er da natürlich nicht. Vergleicht man die überflüssigen Ableger und Spin-offs der bekannten Filmreihe, ziehen die im Vergleich zu THE MIND’S EYE vor allem atmosphärisch definitiv den Kürzeren.
 
 
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THE MIND’S EYE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
EIN MANN SIEHT ROT meets SCANNERS. Splattriger Indie-Horror für Horrorfans von einem waschechten Fan gemacht. Wer THE MIND’S EYE gesehen hat, wird wissen was gemeint ist. Regisseur JOE BEGOS verbeugt sich vor einer Zeit, in dem sich das Horrorkino enormer Beliebtheit erfreut hat. Nahezu jedes bekannte Horror-Franchise, das von Hollywood in den letzten Jahren neu interpretiert wurde, entspringt den wegweisenden 1980ern. Vor genauer jener Filmära verbeugt sich der Macher von THE MIND’S EYE, der offensichtlich eine Leidenschaft für das Vermischen von Subgenres hegt. Nach Alien-Film und Horrorschocker, kombiniert er nun Cronbergs Körper-Horror mit Rachethematik. THE MIND’S EYE fühlt sich an, wie eine Fortsetzung des Kultfilms SCANNERS. Das kommt nicht von ungefähr, denn Begos bekundete in Interviews, dass er die Sequels der Filmreihe schlecht fand. Dennoch; bei so viel Liebe zum Old School sollten man sich im Klaren sein, dass THE MIND’S EYE nichts fürs verwöhnte Mainstream-Publikum ist. Wer es schnell, hektisch und makellos mag, ist hier falsch. Der Film zitiert Klassiker wie SCANNERS oder TEUFELSKREIS ALPHA. Wer damit nichts anfangen kann, sollte ohnehin diesen Film meiden, denn THE MIND’S EYE richtet sich in erster Linie an alteingesessene Horrorfans, die des aktuellen Horrorfilmmarktes überdrüssig sind.
 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Zensur

 
 
 
Die Splatter-Gemeinde bekommt was geboten. Es werden Köpfe zum Explodieren gebracht, Schädel gespalten und in Köpfe geschossen. Zudem gibt es viel Kleinkram und nett getrickste Spezialeffekte zu sehen. Alles hausgemacht versteht sich. Hierzulande dürfte das THE MIND’S EYE eine Erwachsenenfreigabe bescheren. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scanners – Ihre Gedanken können töten (1981)
 
Scanners II (1991)
 
Scanners III (1991)
 
Scanner Cop (1994)
 
Scanner Cop II (1995)
 
Teufelskreis Alpha (1978)
 


Filmkritik: „Shelley“ (2016)

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SHELLEY

Story

 
 
 

Wenn die Leihmutterschaft unerträglich wird: Eine Gastarbeiterin trägt für Geld das Baby ihrer Arbeitgeberin aus und erlebt in dieser Zeit die schlimmsten Schrecken auf Erden.

 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Kritik

 
 
 
Wenn die Schwangerschaft zum Horror wird – ein Thema, mit dem sich schon viele Filmemacher beschäftigt haben. Der wohl bekannteste dieser Riege ist zweifelsohne ROMAN POLANSKI, der mit ROSEMARY’S BABY vielen werdenden Müttern manche schlaflose Nacht bereitet hat. Der polnischstämmige Franzose hatte vor fast 50 Jahren erreicht, was vielen ambitionierten Newcomern heutzutage nur mühsam gelingt. Statt plumper Effekthascherei und plakativem Erschrecken ließ er den eigentlichen Horror im Kopf des Zuschauers entstehen. Dafür wurde er seinerzeit zu Recht gelobt. In der Gegenwart sieht das leider ganz anders aus. In Zeiten hektisch geschnittener Gewaltepen mutet subtile Angstmacherei vielen altbacken an. Demzufolge macht sich Kopf-Horror allmählich rar im Genre-Kino, was aber neugierige Nachwuchsregisseure nicht davon abhält, mit dieser Art des filmischen Grauens zu experimentieren. Der Däne ALI ABBASHI ist so ein Fall. Der zitiert nicht nur fleißig aus dem anfangs erwähnten Okkult-Klassiker, sondern macht bereits auf dem Filmplakat darauf aufmerksam, vor welchem Klassiker er sich verneigen möchte. Kenner sehen die Parallelen. Vergleicht man das Plakat zum Filmdebüt SHELLEY und das des Schauermärchens ROSEMARY’S BABY ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Doch nicht nur werbetechnisch besitzen beide Genrewerke Gemeinsamkeiten. Auch inhaltlich folgt Regisseur ALI ABBASHI den von Polanski diktierten Pfaden. Das bedeutet: leise Töne und langsame Inszenierung dafür maximalen Horror. Kann das in einer schnelllebigen Zeit wie der Heutigen noch funktionieren?
 
 
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Wie in ROSEMARY’S BABY verfallen in SHELLEY Protagonisten allmählich dem Wahnsinn. Doch bevor der eintritt, ist es ein langer Weg. SHELLEY rückt zwei Frauen in den Mittelpunkt, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Die eine kommt aus Rumänien und will als Gastarbeiterin in Dänemark schnelles Geld verdienen, um sich in der Heimat ein Haus kaufen zu können. Die andere ist Selbstversorgerin und lebt mit dem Mann in einer Hütte am See – ganz ohne Strom und Moderne. Weil man Unterstützung im Haushalt und Garten benötigt, nimmt man die Gastarbeiterin auf und entlohnt sie für anfallende Arbeiten. Schnell entsteht eine innige Freundschaft zwischen den beiden Frauen, weshalb sich Louise (ELEN DORRIT PETERSEN) der neuen Seelenverwandten anvertraut. Sie erklärt dem Hausmädchen auf Zeit, dass sie keine Kinder bekommen kann. Nach einer Fehlgeburt musste ihr die Gebärmutter entfernt werden. Doch eingefrorene Eizellen könnten immer noch eine Leihmutterschaft ermöglichen. Weil Gastarbeiterin Elena (COSMINA STRATAN) viel Geld wittert, schlägt sie vor, das Kind auszutragen. Doch die Schwangerschaft verläuft nicht ohne Probleme. Bald schon passieren seltsame Dinge, was die werdende Mutter veranlasst zu glauben, dass die Frucht in ihrem Leib das Böse beherbergt. Ob sie damit Recht behält?
 
 
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Von der Angst über Nachwuchs, der im Körper heranwächst und der Besessenheit endlich Mutter zu werden. SHELLEY ist zweifelsohne Gruselvergnügen alter Schule, das sogar noch Hirn hat. Statt nur plump zu kopieren, kombiniert Macher ALI ABBASHI souverän und lässt dabei etwas Eigenes entstehen. So ist SHELLEY eigentlich ein Film, der zwei Geschichten und Schicksale vereint. Was nämlich anfangs eine neumodische ROSEMARY’S BABY-Interpretation vermuten lässt, ist weit mehr als das. Der Psychothriller wird gegen Ende zum waschechten Okkult-Grusler und wandelt auf den Spuren des Teufelsjungen Damien aus DAS OMEN. Spätestens hier macht ALI ABBASHI Nägel mit Köpfen, was Kennern der Polanski-Vorlage vielleicht etwas zu kommerziell geraten sein dürfte. Hat der damals den Zuschauer selbst darüber entscheiden lassen, ob der Teufel im Bunde oder alles nur Einbildung war, bezieht Abbashi in SHELLEY klare Stellung. Hier ist wirklich das Böse zuhause und die Tatsache verursacht Gänsehaut. Die wird mit einfachen Mitteln bewirkt, was den Film für all jenen interessant machen dürfte, die sich gern das Fürchten fernab der Traumfabrik lehren lassen möchten. SHELLEY funktioniert auch trotz der eindeutigen Erklärungen gerade wegen seiner eigensinnigen Machart. Lange Kameraeinstellungen gesellen sich zu gut durchdachtem Erzählstil. Der ist in erster Linie ruhig und macht zudem von wenig Musikeinsatz Gebrauch. Langsam bahnt sich das Grauen seinen Weg durch den Film – nur um am Ende gnadenlos zuzuschlagen. So überschlagen sich im Finale die Ereignisse und es kommt zu folgenschweren Entschlüssen. Angesichts mangelnder Schocks und Gewaltexzesse ist die dort verursachte Stimmung des Unbehagens bemerkenswert. Spätestens an dieser Stelle sollte man dem dänischen Newcomer für seine Arbeit beglückwünschen, denn Gänsehaut mit einfachen und unkonventionellen Mitteln zu bewirken, kann nicht jeder.
 
 
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SHELLEY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Altmodisch – aber oho: Wenn subtiles Angstkino der 1960er in die Gegenwart transferiert wird. Dann entsteht so etwas wie SHELLEY, der souverän zeigt, dass subtil erzählte Horrorfilme auch genauso gut heute funktionieren. Weniger Schocks auf der Mattscheibe, dafür mehr Grauen im Kopf. Das sind die eigentlichen Intensionen, die der dänische Regisseur ALI ABBASHI verfolgt und damit alles richtig macht. SHELLEY ist so nichts für jene, die Herzflattern und Adrenalinkick beim Schauen von Horrorfilmen voraussetzen. Dieser Film beschreitet den Weg des Grauens langsam und wirft somit Ritalin-Patienten vollkommen aus der Bahn. Das Böse wird im Film vielerorts nur angedeutet. Dennoch entsteht schnell eine fesselnde Aura des Unbehagens. Ist die Heldin im Film nur dem Wahnsinn nahe oder sind hier wirklich teuflische Mächte am Werk? Wo sich ROMAN POLANSKI in ROSEMARY’S BABY eindeutige Erklärungen verkniff, macht SHELLEY Nägel mit Köpfen. Das ist aber auch das einzige was man dem Film vorwerfen könnte. Der Rest ist über jeden Zweifel erhaben – insofern man überhaupt etwas mit langsam erzählten Gruselstreifen anfangen kann, in denen sich das Grauen langsam den Weg bahnt. Langsamkeit ist nämlich in SHELLEY Programm und zeigt mal wieder, dass gut durchdachte Geschichten, talentierte Schauspieler und lobenswerte Kameraarbeit plakative Schocks und Gewaltmomente überflüssig machen.
 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in SHELLEY kaum eine Rolle. Eine versuchte Abtreibung wird angedeutet und gegen Ende wird der Kopf eines Protagonisten mit der Autotür zermatscht. Das sieht man aber nicht, da die Kamera wegblendet. SHELLEY dürfte in Deutschland wohl mit einer FSK16 davonkommen.
 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Bleed (2016)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Filmkritik: „Viral“ (2016)

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VIRAL

Story

 
 
 

Ein Wurm-Parasit schlüpft in die Köpfe seiner Wirts-Menschen und funktioniert sie in willenlose, aggressive Marionetten um.

 
 
 


 
 
 

VIRAL – Kritik

 
 
 
Man kann den Produzenten BLUMHOUSE und WEINSTEIN unterstellen was man will. Die von ihnen finanzierten Filme sind zwar in der Regel nicht sonderlich helle auf der Nachdenkanzeige; einen Unterhaltungswert kann man den meisten der fabrizierten Popcorn-Steifen aber nicht aberkennen. So wird stets groß aufgefahren, denn was visuell festgehalten wird, ist nicht selten beachtlich. Blickt man jedoch hinter die Fassade, bekommt man das kalte Grausen. Von Originalität oder Eigenständigkeit ist weit und breit keine Spur. Die geheime Geheimrezeptur heißt Horror für den Massenmarkt. Damit konnte man in der Vergangenheit vor allem jugendliche Kinogänger ködern, die sich leider viel zu oft von glatt-makellosen Horrorfilmen wie DER KULT, EXITUS oder JESSABELLE blenden ließen. Um genau jenes Zielpublikum nicht durch Neuerungen zu verwirren, scheut auch der neuste BLUMHOUSE/WEINSTEIN-Film alles Unkonventionelle und peilt den gleichen Erfolgskurs an.
 
 
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Die Welt geht mal wieder unter und die Menschheit ist in Gefahr. Diesmal ist es jedoch kein Virus, der Menschen in unaufhaltsame Killermaschinen verwandelt. Ein Wurm-Parasit der sucher verbreitet wie ein Virus (daher auch der ungewöhnliche Titel) nistet sich im Genick der Leute ein und macht aus freundlichen Nachbarn mordende Furien. Die Regisseure HENRY JOOST und ARIEL SCHULMAN verirren sich nach PARANORMAL ACTIVITY 3 und 4 ins Zombie-Genre und konzentrieren sich in VIRAL auf die kecke Schülerin Emma (SOFIA BLACK-D’ELIA) und ihre größere Schwester STACY (ANALEIGH TIPTON). Beide gehen in die gleiche Schule und werden dort vom eigenen Vater unterrichtet. Letzterer gibt den Schülern eine Lehrstunde zum Thema Parasiten. Die wird auch dringend benötigt, denn schon bald ist in der Gegend die Hölle los. Als erste trifft es die beste Freundin der aufgeweckten Emma. Die leidet plötzlich an blutigen Husten und klappt auf dem Schulhof zusammen. Wenig später ist sie wie viele andere Einwohner des Ortes verschwunden. Doch die mysteriösen Vorkommnisse sind erst der Anfang. Die Kleinstadt wird unter Quarantäne gestellt und den Menschen geraten, in ihren Häusern zu bleiben. Warum dem so ist, leuchtet bald ein. Todbringende Gestalten gieren nach Blut. Sie laufen durch die Gassen und wollen ihre Brut verteilen. Es sind infizierte Menschen, die in ihren Körpern ekelerregende Würmer beherbergen, die den Wirt für eigene Zwecke missbrauchen. Das leuchtet bald auch den beiden Schwestern ein, die ihr Heim allein verteidigen müssen, denn der Vater sucht draußen die Mutter. Was folgt sind Stunden der Angst, denn der Parasit macht auch nicht vor Geschwisterliebe halt. Überleben ist das Ziel – wie ist egal.
 
 
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Makellose Bilder, hanebüchene Handlung und typisch amerikanische Teenager. Mit VIRAL bekleckert sich das Regie-Duo HENRY JOOST und ARIEL SCHULMAN zweifelsohne nicht mit Ruhm. Die Geschichte ist nach dem gleichen Schema aufgebaut wie viele postapokalyptische Horrorfilme neueren Datums. Auch hier gilt es zu überleben – da komme, was wolle. So wird gerannt, geschrieen und sich verteidigt, um bloß selbst nicht mit dem manipulativen Schmarotzer infiziert zu werden. Was jedoch 08/15 vermutet, ist nicht ohne. VIRAL ist trotz bekannter Geschichte wirklich spannend. Sympathische Figuren sind der Grund, warum man wissen will wie’s ausgeht. Die sind „von Nebenan“ und wurden so charakterisiert, dass man ihnen nichts Böses wünscht. Leider ist das den Drehbuchschreibern aus Hollywood egal. Die lassen selbst liebenswerte Schulkameraden und freundliche Nachbarn für kurze Schocks über die Klinge springen, damit dem Zuschauer die Selbstsicherheit vergeht. VIRAL wird zum erschütternden Survival-Drama umfunktioniert, in dem zwei Schwestern Entscheidungen treffen müssen, um zumindest das Überleben einer der beiden zu gewährleisten.
 
 
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So atmosphärisch dicht und packend das alles inszeniert wurde – so dumm sind viele Handlungen der Protagonisten. Denen scheint des Öfteren nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie sich befinden. Da wird sich trotz Quarantäne auf Partys herumgetrieben, infizierten Opfern die Hände entgegengestreckt und Operationen in Eigenregie durchgeführt. Tut das nicht, mag man da rufen. Leider bleibt die Warnung wie so oft im Horrorfilm ungehört. Die Konsequenz folgt auf dem Fuß. Hinter der Idee zum Film stecken übrigens die Autoren BARBARA MARSHALL und CHRISTOPHER LANDON. Letzterer sorgte bereits als Regisseur für Lacher. In der Horrorkomödie SCOUTS VS. ZOMBIES tastete er sich langsam ans Zombie-Genre heran. Mit VIRAL gibt’s den Feinschliff. Trotz Klischees und Logiklücken kein übler Vertreter dieser Gattung, dazu ist er einfach zu spannend geraten. Selbst BLUMHOUSE-Gegner und WEINSTEIN-Hasser müssen sich das leider eingestehen.
 
 


 
 
 

VIRAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärisch dichter Parasiten-Albtraum mit gut getricksten Ekeleffekten. Nö, VIRAL erfindet das Rad nicht neu. Der Film ist irgendwo im Zombie-Genre verwurzelt, auch wenn es kein reiner Zombie-Film ist. Ein Parasit benutzt Menschen, um Unheil anzurichten. Die Bevölkerung wird unter Quarantäne gestellt und das Militär versucht der Lage Herr zu werden. Neu ist die Geschichte von VIRAL definitiv nicht. Sie spielt mit der gleichen Angst vor unbekannten Bedrohungen wie viele Epidemie- und Virusfilme zuvor. Trotzdem rast das Herz – vor allem dann, wenn man den Parasiten zu sehen bekommt. Nach den Überwachungskamera-Grusel-Schnarchern PARANORMAL ACTIVITY 3 und 4 können die Regisseure HENRY JOOST und ARIEL SCHULMAN endlich mal ernsthaft unter Beweis stellen, dass sie auch in spannend können. Wenn VIRAL nur der Anfang ist, will man nicht wissen was man zu sehen bekommt, wenn sich die beiden erst mal warmgelaufen haben. VIRAL überzeugt vor allem der beklemmenden Atmosphäre wegen. Die ist ausreichend vorhanden und der eigentliche Pluspunkt in einem Drehbuch, das eigentlich bei genauerer Betrachtung nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees und bekannten Handlungssträngen besteht. Wer aber Epidemiestreifen mag, den wird auch das kaum stören. Anschauen dieses Body-Horrorfilms lohnt.
 
 
 


 
 
 

VIRAL – Zensur

 
 
 
Für einen Zombie- oder Epidemiestreifen hält sich VIRAL sehr zurück mit Gewalt. Ein paar Schüsse und Schläge auf Körper gibt es zu sehen. Zudem spuken Infizierte Blut und wirbeln ein paar Menschen unsanft durch die Gegend sobald sie vom Parasit befallen wurden. Der wächst übrigens im Nacken heran und sorgt so für einige Ekelmomente. Hierzulande ist VIRAL mit FSK16 erschienen. Das entspricht auch der Freigabe der meisten Filme aus dem Hause BLUMHOUSE.
 
 


 
 
 

VIRAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Viral; USA 2016

Genre: Horror, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 21.07.2017

 

Viral [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

VIRAL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Faculty (1998)
 
The Bay – Nach Angst kommt Panik (2012)
 
Hungerford (2014)
 
Die Nacht der Creeps (1986)
 
Splinter (2008)
 
Shivers – Parasitenmörder (1975)
 


Filmkritik: „Bite“ (2015)

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BITE

Story

 
 
 
Nachdem einen Frau aus dem Kurzurlaub zurückkehrt, durchlebt sie eine seltsame Verwandlung. Der Biss eines eigenartigen Insekts ruft sonderbare Symptome hervor, was der Leidgeplagten zu schaffen macht und aggressive Laune verursacht.

 
 
 


 
 
 

BITE – Kritik

 
 
 
CHAD ARCHIBALD ist jemand, den man in Filmkreisen als Multitalent bezeichnet. Der schreibt nicht nur Drehbücher und produziert Horrorware (SEPTIC MAN), sondern übernimmt auch schon mal die Regie in Musikvideos, TV-Serien oder Horrorfilmen (THE DROWNSMAN). Doch das ist noch längst nicht alles. Archibald probiert sich gern aus. Demzufolge hat der sympathische Kanadier auch schon einige Male hinter der Kamera Platz genommen oder sogar davor als Schauspieler (ANTISOCIAL) agiert, wenn aus Budgetgründen gespart werden musste. Im Laufe der Jahre hat sich der Filmemacher so reichlich Wissen angeeignet, von dem nun der Body-Horror BITE profitiert. Auch hier hielt Archibald die wichtigsten Zügel in der Hand, damit er absolute Kontrolle über das Filmprojekt erhalten konnte. So zeichnete er neben Story und Regie auch als Produzent verantwortlich, um möglichst ekligen Body-Horror nach eigenen Vorstellungen zu kreieren, der nicht ungeschickt nach einem der ganz großen Körper-Schocker schielt: das Remake zu DIE FLIEGE.
 
 
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Ein eigenartiger Insektenbiss führt hier zu schwerwiegenden Folgen. Kurz vor der Hochzeit treibt es drei aufgedrehte Schönheiten nach Costa Rica, wo der Jungesellinnenabschied von Casey (ELMA BEGOVIC) gefeiert werden soll. Die verfällt dem Alkohol und landet im Bett mit einem attraktiven Unbekannten, was später noch für allerhand Probleme sorgen wird. Doch die Affäre wird zum kleineren Übel. Beim ausgiebigen Bad in einem versteckten See wird sie von einem Insekt gebissen und denkt sich nichts dabei. Die Retourkutsche folgt in den eigenen vier Wänden. Kaum zurück in der Heimat klagt die Gebissene über Übelkeit und Schwindelgefühl. Ein Schwangerschaftstest bestätigt schlimmste Befürchtungen. Die Verlobte ist schwanger, obwohl sie doch dem Liebsten (JORDAN GRAY) Keuschheit bis zur Hochzeitsnacht versprochen hatte. Der bekommt bald mit, dass hier etwas im Argen liegt, denn bald schon durchlebt die Freundin eine schaurige Verwandlung zum Insekt, die sich offenbar nicht aufhalten lässt.
 
 
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Ein Apartment wird zum Nest. BITE ist definitiv kein Film für jene, die es gern sauber und ordentlich in der Wohnung haben. Was hier an Schleim, Erbrochenem und eigenartigen Kokon-Resten auf Boden und Wände verteilt wurde, lässt selbst die pedantischsten Putzfrauen verzweifeln. Macher CHAD ARCHIBALD schwingt nicht die Splatter- oder Gorekeule, um zu schockieren. Vielmehr versucht er durch Ekel Eindruck zu hinterlassen – und das nicht gerade wenig. Wie einst schon DAVID CRONENBERG mit seiner Neuverfilmung zu DIE FLIEGE versucht man in diesem Streifen mittels Körperflüssigkeiten, Insekteneiern und grotesken Verwandlungen die Aufmerksamkeit des Zuschauers für sich zu gewinnen. Das gelingt anfangs ganz gut. Weil aber die Ekelszenen ständig wiederholen werden, hat man sich schnell daran sattgesehen, so dass viele der wirklich unappetitlichen Filmmomente schnell an Reiz verlieren. So werden im Filme regelmäßig Bubble-Tea-Kügelchen zertreten oder verspeist, die dazu noch im Großformat von der Kamera eingefangen werden und die Insektenbrut darstellen sollen. Dazwischen wird erbrochen oder Eiter aus infizierten Wundmalen gedrückt. Etwas mehr Ekel-Abwechslung hätte nicht geschadet.
 
 
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Warum hilft kein Arzt? Wie meist nur im Horrorfilm üblich wird in BITE erst dann medizinischer Rat hinzugezogen, wenn es zu spät ist. Leider erscheint ein Arzt im Film nie, was dem Zuschauer aber recht sein dürfte. Der bekommen so einige ansprechend in Szene gesetzten Verwandlungsstadien zu sehen, die eine Frau langsam zum Insekt mutieren lassen. Weil BITE aber eine kleine Produktion ist, konnte nicht aus den Vollen geschöpft werden. So musste die Verwandlung auf (immerhin gute) Make-up-Effekte und wenige Prothesen reduziert werden. Eine vollständige Metamorphose zum Tier wäre wohl das I-Tüpfelchen gewesen. Leider ist in BITE der Ekel Selbstzweck, denn viel Substanz oder Tiefgang bietet der Streifen nicht. Sieht man von den vielen widerlichen Szenen ab, bleibt bis auf eine lapidare Geschichte über Vertrauensbruch und seine Folge nicht viel übrig, was Erwähnung finden könnte. Das sollte bewusst sein, wenn man sich auf den Film einlassen möchte. Zwar wird im Film Altmeister DAVID CRONENBERG dreist kopiert – die tiefgreifenden Qualitäten des sogenannten Body-Horror-Schöpfers erreicht BITE leider zu keiner Minute. Dafür ist der Streifen einfach nur darauf aus, möglichst vielen Zuschauern Übelkeit zu bescheren.
 
 
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BITE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ekel-Horror wie er im Buche steht. BITE ist kein Film für Horrorfans mit Reizmägen. Was als Found-Footage-Horror beginnt, bekommt Gott sei Dank schnell die Kurve. Nach zehn Minuten unentwegtem Kamerageschüttelt geht es in der herkömmlichen Filmansicht weiter und der Zuschauer bekommt Brechreiz erregenden Körper-Horror zu sehen, der ziemlich unverfroren bei der Neuauflage von DIE FLIEGE (1986!) stibitzt. Körperflüssigkeiten, Schleim und Verwandlungsstadien bilden in BITE das Fundament, das zwar simple zusammengestrickt wurde, aber immerhin die gewünschte Wirkung erzielt. BITE will ausschließlich Ekel hervorrufen und das gelingt dem Film ganz wunderbar. Eine Frau wird hier zum Insekt und legt im Akkord Insekteneier, die sie nach allen Regeln der Horrorkunst beschützen muss. Wer der Brut zu nahe kommt wird ausradiert. Effekttechnisch wird einiges geboten. Leider verdirbt – wie so oft in Indie-Produktionen – das begrenzte Budget den Spaß. Mangelndes Kapital sorgt dafür, dass viele der Ekelmomente wiederholt werden müssen. Schade – eine vollständige Metamorphose mit tadelloser Tricktechnik hätte BITE in eine Trash-Granate verwandelt. Auch wenn der Film hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, kann man trotzdem einen Blick riskieren. So übel ist BODY nicht – auch wenn der Film nur auf den schnellen Ekel-Kick aus ist.
 
 
 


 
 
 

BITE – Zensur

 
 
 
Brutale Gewalt gibt es nicht zu sehen. Der Film lebt in erster Linie von den vielen Ekeleffekten, die eindrucksvoll unterstreichen, wie eine Frau zum Insekt mutiert. Im späteren Verlauf kann die Leidgeplagte Magensäure spuken und verätzt damit das Gesicht einer Protagonistin. Zudem tötet sie ihre Freundinnen mit eigenen Körpersäften oder sticht ihnen mit ihrem gewachsenen Stachel in den Hals. Hierzulande wird BITE vermutlich eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BITE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Contracted (2013)
 
Contracted: Phase II (2015)
 
Starry Eyes (2014)
 
Chemical Peel (2014)
 
Thanatomorphose (2012)