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Home Invasion Film

Filmkritik: „Good Tidings“ (2016)

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GOOD TIDINGS

Story

 
 
 
Drei Killer im Weihnachtsmannkostüm sind unterwegs. Die möchten bestrafen und tauschen Ruten gegen Mordwerkzeuge aus. Leider müssen ahnungslose Obdachlose dran glauben. Die wollten in einem Gerichtsgebäude eigentlich das Weihnachtsfest feiern, merken aber schon bald, dass sie dort in der Falle sitzen.

 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Kritik

 
 
 
Alle Jahre wieder kommen nicht nur weihnachtliche Animations- und Familienfilme in die Kinos. Auch an schockhungrige Horrorfans wird gedacht, die um die Weihnachtszeit mit bitterbösen Filmalbträumen versorgt werden wollen, damit die schönste Zeit des Jahres auch für Liebhaber des düsteren Genres zum Fest wird. So haben Horrorfilme wie SILENT NIGHT, BÖSE WEIHNACHT oder SAINT gezeigt, dass der Weihnachtsmann nicht zwangsläufig immer nur Gaben bringt. Manchmal hat er auch den Tod im Gepäck oder sorgt mit spitzem Werkzeug für Zucht und Ordnung. Für Freunde morbider Weihnachtsüberraschungen durchaus Grund zur Freude, die sich aber im Falle des folgenden Horrorstreifens schnell legen dürfte. GOOD TIDINGS nennt sich ein weiterer Horrorfilm, der weihnachtliche Bräuche und Sitten für Mord und Todschlag missbraucht. Darin sind rot vermummten Gabenschenker unterwegs, die offensichtlich keine Lust auf Besinnlichkeit haben und auf Zwang töten müssen. Klingt beim Lesen annehmbar, ist bei genauerer Betrachtung aber alles andere als erwähnenswert. GOOD TIDINGS besitzt nämlich kaum Spannung und ist mit 100 Minuten auch eindeutig zu lang. Da hat man definitiv schon besseren Horror unterm Weihnachtsbaum gehabt.
 
 
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Im Terror-Slasher GOOD TIDINGS wollen es sich Obdachlose so richtig gut gehen lassen. Die lassen sich am Weihnachtstag in einem Gerichtsgebäude nieder, um dort friedlich und sicher die Festtage verbringen zu können. Warme Suppe und heiße Getränke sollen Sorgen vergessen lassen. Doch die sind schneller wieder da, als es den Heimatlosen lieb ist. Drei Psychopathen haben besondere Pläne. Die wollen die besinnliche Zeit nutzen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie verschaffen sich als Weihnachtsmänner verkleidet Zugang zum Obdachlosenfest und richten dort ein Blutbad an. Leider kann niemand raus, denn die Ausgänge sind versperrt. Doch der Kriegsveteran Sam Baker (ALAN MULHALL) lässt sich nicht einschüchtern. Der krempelt die Ärmel hoch und versucht sich zu wehren. Was folgt, wird für die Opfer eine lange Nacht des Grauens. Trotz Gegenwehr sterben die Menschen hier wie die Fliegen. Doch man wächst über sich hinaus und nimmt den Kampf gegen Gegner auf, die offenbar keine Gnade kennen.
 
 
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Als Liebesbrief an die blutigen Slasher der 1970er und 1980er beschreibt Regisseur STUART W. BEDFORD den von ihm fabrizierten Blödsinn, für den er sich von bekannten Genre-Filmen hat inspirieren lassen. So haben nicht nur alte Klassiker wie BLACK CHRISTMAS, SILENT NIGHT DEADLY NIGHT oder ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT beim Macher Eindruck hinterlassen. Auch Schocker neueren Datums wie YOU’RE NEXT und THE PURGE fanden in Interviews namentlich Erwähnung und sollen für den Regie-Neuling als Inspirationsgrundlage gedient haben. Leider erreicht dieses Filmdebüt nicht einmal ansatzweise die Qualitäten genannter Horrorware, denn in Erinnerung bleibt hier nichts. Drei stumme Killer schlitzen sich in diesem Streifen teils hölzern durch das Fleisch ahnungsloser Menschen. Die Beweggründe werden nicht genannt und Schockwirkungen bleiben auch aus, weil es dem Film an Kompromisslosigkeit mangelt. GOOD TIDINGS lebt ausschließlich von seinen Morden, die aber aus Budgetgründen nur selten gezeigt werden. Das bedeutet, dass der Zuschauer in der Regel die Resultate der hinterlistigen Taten zu sehen bekommt, was in Zeiten kaltschnäuziger Hochglanz-Slasher irgendwie altbacken anmutet.
 
 
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Doch nicht nur die mangelnde Zeigefreudigkeit alle Morde dürfte Slasher-Fans enttäuschen. Auch mit dem traurigen Rest lässt sich wohl kaum ein Blumentopf gewinnen. Zwar wirkt das Szenario wegen des ungeschliffenen Low-Budget-Looks stimmungsvoll und an der musikalischen Untermauerung in Form von grummelnden Männerstimmen lässt sich nichts aussetzen. Trotzdem fehlt es GOOD TIDINGS an Tempo und Spannung, was gerade in jenen Filme unverzichtbar ist, die die Nerven der Zuschauer strapazieren wollen. Letztere dürften schnell die Lust am zwanghaft auf Terror getrimmten Slasher-Reigen verlieren und das Laufzeit-Display des Filmabspielgerätes im Auge behalten. GOOD TIDINGS ist ein Schnarcher vor dem Herrn und spult das langweilig ab, was man in den vielen Meuchelfilmen zu Genüge gesehen hat, vor denen sich der Filmemacher ehrfürchtig verbeugt. Dann doch lieber noch einmal SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT anschauen. Der Klassiker von 1981 wirkt zwar für heutige Verhältnisse reichlich antiquiert, erfreut aber mit naiven Charme und einigen wirklich schmerzhaften Spezialeffekten. Weihnachtshorrorfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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GOOD TIDINGS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärischer Slasher der alten Schule, welcher sich irgendwo zwischen ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT und SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT bewegt. Leider handelt es sich bei GOOD TIDINGS um keinen Beitrag der Sparte „Weihnachts-Horror“ den man unbedingt erwähnen müsste. Der Terror-Slasher ist furchtbar spannungsarm, weil hier mal nur das Morden im Vordergrund steht. Eine Geschichte gibt es nicht. Stattdessen vergeudet der Streifen knapp 100 Minuten damit, ohnehin schon bemitleidenswerte Menschen zu terrorisieren und abzuschlachten. Wer jetzt aber glaubt, dass das blutig, brutal und grausam anzuschauen ist, wird eines Besseren belehrt. GOOD TIDINGS ist kein neuer MARTYRS oder HIGH TENSION. Der Streifen zitiert zwar viele Slasher der 1980er, blendet aber meist weg, wenn es für Splatterfans interessant wird. Auf die Frage, warum man GOOD TIDINGS gedreht habe, antworteten die Macher, dass es einfach immer noch zu wenige Horrorfilme gibt, die in der Weihnachtszeit spielen. Da hat man eindeutig recht. Trotzdem bereichert GOOD TIDINGS das Weihnachts-Horror-Genre keineswegs. Hier gibt es nämlich kaum Neuerungen zu sehen. Alles wird nach bekannter Slasher-Formel abgespult. Da fühlt man sich als Zuschauer schon etwas verschaukelt, wenn man in Interviews liest, dass Regisseur STUART W. BEDFORD versucht hat gegen den Strom zu schwimmen und mit GOOD TIDINGS etwas Neues zu inszenieren. Angeblich hat er hier versucht die Konventionen des Slasher-Genres zu verdrehen und äußert sogar Gesellschaftskritik. Zudem wird der Film sogar als metaphernreiche Horror-Satire beworben. Sicher, dass er den gleichen Film meint?
 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Zensur

 
 
 
Zwar ist GOOD TIDINGS keine Gewaltgranate. Trotzdem gibt es einiges zu sehen. Eine Machete wird durch einen Körper gerammt, Köpfe abgeschlagen und Zuckerstangen in Augen gebohrt. Zwar wird oft weggeblendet und Resultate gezeigt. Dennoch hat der Streifen zahlreiche Gemeinheiten zu bieten – von einem Slasher hätte man wohl auch nichts anderes erwartet. Im Vergleich zu neueren Streifen dieser Art, ist die gezeigte Gewalt aber nicht sonderlich grausam anzuschauen. Sollte GOOD TIDINGS hierzulande einen Rechteinhaber finden, dürfte es ohne Probleme für eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form reichen.
 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
All trough the House (2015)
 
Silent Night (2012)
 
Rare Exports (2010)
 
Black Christmas – Stille Nacht, tödliche Nacht (2006)
 
Deadly Games – Alleine gegen den Weihnachtsmann (1989)
 
Santa’s Slay – Blutige Weihnachten (2005)
 


Filmkritik: „Within“ (2016)

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WITHIN

(CRAWLSPACE)

Story

 
 
 
Eine Familie bezieht ein neues Haus, in dem es – Überraschung – nicht mit rechten Dingen zugeht. Da poltert es mal wieder aus nicht erklärlichen Gründen oder Möbel verschieben sich wie von Geisterhand. Spukt es hier etwa? Na, hoffentlich nicht.

 
 
 


 
 
 

WITHIN – Kritik

 
 
 
Es gibt ja immer mal wieder eingeschränkt kreative Produzenten, Regisseure oder Drehbuchautoren, die meinen, stets besonders einfallsreich sein zu müssen. Sie feilen auf Biegen und Brechen an Titelkreationen, damit am Ende ein möglichst ausgefallener Filmname möglichst viele neugierige Zuschauer ins Kino lockt. Ein durchaus cleverer Einfall, der aber die Mühe nicht wert ist, wenn er zu viel verrät. Genau das ist beim Horrorfilm WITHIN passiert. Hier entschlüsselt der Titel quasi das, worauf der Streifen abzielt. Dumm gelaufen, vor allem deshalb, weil Drehbuchautor GARY DAUBERMAN (von ihm kommen übrigens auch die Drehbücher zu den THE CONJURING-Ablegern ANNABELLE und ANNABELLE 2) vehement darum bemüht ist, die Auflösung zum Film möglichst lang hinauszuzögern. Hat man dann aber die ersten Filmminuten gesehen und zieht den Filmtitel für Erklärungsversuche heran, wird schnell klar, wohin die Reise gehen wird. Weil WITHIN von einem größeren Studio produziert wurde, kann es sich definitiv um keinen Anfängerfehler handeln. Da war wohl jemand einfach nur dumm und hat nicht mitgedacht.
 
 
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„Jede Straße hat ein unheimliches Haus und in einem dieser Häuser lebst Du!“. Jene beunruhigende Botschaft überbringt einer der Nachbarsjungen der neu hinzugezogenen Teenagerin Rebecca Howe (TEAGAN SIRSET), als die in der Garage mal wieder mysteriösen Geräuschen auf den Grund gehen will. Sie hat zusammen mit den Eltern ein schönes Anwesen in einer gepflegten Vorstadtsiedlung bezogen. Doch die Idylle ist trügerisch. Vor einigen Jahren hat sich hier Tragisches ereignet. Eine Familie kam im neuen Heim auf schreckliche Weise ums Leben. Seither machen die Nachbarn einen großen Bogen um das Haus. Spukt es hier etwa? Zumindest liegt der Verdacht nahe, denn seit dem Einzug passieren seltsame Dinge. Bilder fallen plötzlich von der Wand, Möbel werden verschoben, auf dem Dachboden rumpelt es und die Hauskatze wittert hinter den Wänden das Böse. Nach einigen Recherchen in alten Kisten der früheren Bewohner findet Rebecca eine Spur. Offensichtlich ist hier weit mehr im Busch als anfangs vermutet. Sie beginnt Ursachen zu erforschen und stößt auf ein Geheimnis, das allen bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
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WITHIN oder CRAWLSPACE – so wie der Film wohl anfangs heißen sollte und umbenannt wurde, weil die Auflösung dann zu offensichtlich gewesen wäre – ist leichte Thrillerunterhaltung mit ein paar unterwarteten Wendungen und dem obligatorischen Überraschungstwist. Letzterer ist im Horrorfilm mittlerweile so oft zu sehen, dass es fast schon überflüssig ist, ihn als raffiniertes Filmelement erwähnen zu müssen. Mit Spuk hat Gezeigtes natürlich wenig gemein. Die Bedrohung ist greifbar und die mysteriösen Ereignisse lassen sich rational erklären. So dürften geübte Zuschauer recht schnell erraten, worauf es hier hinauslaufen wird, obwohl lang suggeriert wird, dass WITHIN ein weiterer Spukstreifen ist. Das macht den Streifen vorhersehbar, weil Regisseur PHIL CLAYDON (LESBIAN VAMPIRE KILLERS) mit allerhand Klischees und bekannten Schreckmomenten arbeitet, um auf falsche Fährten zu locken. Leider hat man viele der Schockmomente und Handlungsabläufe so ähnlich bereits in vielen anderen Filmen gesehen, weshalb die Irreführung nur bedingt funktioniert. Hinzukommt, dass WITHIN dann doch so einige Zeit braucht, bis es wirklich mal interessant wird.
 
 
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So bleibt leider nur ein weiterer – immerhin glattgebügelter – Thriller fürs kommerzverwöhnte Mainstream-Publikum. Sonderlich viel Anspruch und Einfallsreichtum sollte man nicht erwarten, denn WITHIN will nicht die grauen Zellen fordern, sondern ausschließlich unterhalten. Wenn man den Kopf ausschaltet, funktioniert das im hektisch geschnittenen Finale sogar wirklich gut. Hier jedoch von einem außergewöhnlich guten oder gar intelligenten Thriller zu sprechen, wäre schlicht übertrieben.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn aus einer kleinen Idee viel Brimborium gemacht wird. WITHIN verläuft nach bekannten Mustern, und kommt nicht von gewohnten Bahnen ab. Eine Familie zieht in ein Haus, bemerkt mysteriöse Dinge, geht der Sache auf den Grund und bekämpft das Böse. Der Ablauf ist bekannt und hat man in vielen anderen Horrorthrillern so ähnlich gesehen. Relativ unverbraucht ist hier nur die Erklärung, welche sich dafür mehr oder weniger dreist bei Filmen wie DAS HAUS DER VERGESSENEN, THE BOY oder UNCERTAIN GUEST bedient. Drehbuchautor GARY DAUBERMAN hat viel Füllmaterial um einen Überraschungstwist geschrieben, der in WITHIN den eigentlichen Höhepunkt darstellen soll. Wer horrorfilmunerfahren ist, dürfte über den Twist verblüfft sein – alte Horrorhasen wittern die Fährte bereits nach wenigen Minuten. Trotz austauschbarer Handlung ist Hauptdarstellerin TEAGAN SIRSET immerhin hübsch anzusehen. Die hat in quasi jeder Szenen die Haare schön und steigt natürlich nach acht Stunden Nachtruhe perfekt geschminkt aus dem Bett. Die Dame muss am Ende gegen das personifizierte Böse kämpfen und purzelt dabei von einem Klischee ins nächste. Für Zwischendurch reicht das Gruseltheater. Sonderlich hohe Erwartungen sollte man aber nicht haben.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Zensur

 
 
 
Schlimme Szenen gibt es nicht zu sehen. Ein Hammer wird in einen Kopf geschlagen, einer anderen Person wird ein Kabel um den Hals gelegt und sie wird aufgehangen. Hierzulande wird es wohl eine FSK16 geben. Der Film soll Februar 2017 in Deutschland über WARNER BROS. erscheinen.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei WARNER BROS.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pact (2012)
 
Uncertain Guest – Du bist nicht allein (2004)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 
The Boy (2015)


Filmkritik: „Recovery“ (2016)

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RECOVERY

Story

 
 
 
Auf der Suche nach ihrem gestohlenen Telefon verschlägt es Teenager Jessie samt Freunden (darunter SAMUEL LARSEN aus THE REMAINS) in ein Anwesen, in dem der Horror regiert. Was folgt ist eine Nacht unbeschreiblichen Terrors, den die jungen Leute ein Lebtag nicht wieder vergessen werden.

 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Kritik

 
 
 
Was sind die Vorteile eines Handyvertrags? Ohne Frage: Neues Telefon. Doch die Freude kann schnell in Panik umschlagen, wenn das neue Smartphone verloren geht oder gestohlen wird. Zehntausende Handys werden Jahr für Jahr in Deutschland geklaut. Das ist für Betroffene nicht nur ärgerlich, sondern auch beunruhigend, schließlich befinden sich auf den meisten Telefonen private Inhalte, die in den falschen Händen so richtig Schaden anrichten können. Mit dieser Angst spielt auch der Horrorfilm RECOVERY, der einmal mehr anprangert, wie leichtfertig wir mit unseren privaten Daten umgehen. Ob Bilder in sozialen Netzwerken, Bankdaten auf dem Telefon oder freizügige Inhalte im internen Speicher des Handys – ist das Smartphone erst einmal geklaut, liegt das eigene Leben in der Hand fremder Menschen. Eine mehr als brisante Thematik, über die es lohnt länger darüber nachzudenken, auch wenn der Horrorthriller RECOVERY dann doch eher damit beschäftigt ist, die Nerven des Zuschauers mit Schocks zu strapazieren. Das zumindest kann er gut.
 
 
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Wenn das Handy plötzlich abhanden kommt. Eine Katastrophe die auch Teenager Jessie (KIRBY BLISS BLANTON – die Blonde aus THE GREEN INFERNO) durchleben muss. Sie erfährt am letzten Schultag an der High School, dass sie der Liebste betrügt und will auf einer angesagten Party zusammen mit der neuen Freundin Kim (RACHEL DIPILLO) den Schmerz in Alkohol ertränken. Dort angekommen, läuft nichts nach Plan. Der erste Kokain-Konsum bekommt der High-School-Absolventin gar nicht gut und von der neuen Freundin ist plötzlich weit und breit nichts mehr zu sehen. Hat die etwa das neue Telefon gestohlen, das Jessie einigen Stunden zuvor von den Eltern geschenkt bekommen hat? Weil die Teenagerin nichts von der neuen Freundin weiß, hat Bruder Miles (ALEX SHAFFER) eine Idee. Er ortet das gestohlene Telefon der Schwester mittels GPS und folgt dem Signal. Das führt zu einem Haus, dessen Bewohner offenbar ausgeflogen sind. Schnell ist ein Weg nach drinnen gefunden, der zu Ernüchterung führt. Die gesuchte Kim ist nicht anzutreffen. Stattdessen stößt man auf Überwachungskameras, die jede Bewegung im Haus festhalten. Was Horrorfans vermuten, wird bald Realität. Mit diesem Haus und seinen Eigentümern stimmt etwas nicht. Eine schaurige Einsicht, die den ungewünschten Gästen bald zum Verhängnis wird.
 
 
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Den Namen DARRELL WHEAT sollte man sich merken. Das ist der Regisseur dieses durchaus spannenden Horrorthrillers, der hin und wieder an WES CRAVENS zu Unrecht verschmähten DAS HAUS DER VERGESSENEN erinnert. Dessen Erstling verläuft nämlich nach ähnlichem Muster wie das von Craven geschriebene Schauermärchen und führt junge Menschen unwissend in das Haus einer gestörten Familie, die hinter verschlossenen Türen unchristliche Dinge veranstaltet. Für einen ersten Spielfilm beweist Regisseur DARRELL WHEAT ein talentiertes Händchen für Schocks, Wendungen und Atmosphäre. Lang bleibt ungewiss, was den Jugendlichem blühen wird, Wheat lässt sich reichlich Zeit mit dem Horror. Erst in der letzten halben Stunde wird es ernst und die naiven Filmhelden werden Teil eines grimmigen Home-Invasion-Thrillers, in dessen Mittelpunkt sich ein Haus befindet, das für die jungen Eindringlinge zum Gefängnis wird. Natürlich wird hier reichlich überzogen. So wirken die Helden durchweg sympathisch. Dennoch wird von ihnen nicht viel abverlangt. Die verhalten sich horrorfilmtypisch und gehen wenig taktisch vor, um den (entstellten) Familienmitgliedern durch die Lappen zu gehen. Aber auch den Letztgenannten will man nichts Gutes. Deren Ambitionen sind dann doch weit hergeholt und haben mit der Realität nur wenig am Hut. RECOVERY ist eben auch nur ein weiterer Horrorfilm.
 
 
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Trotzdem will man mit diesem Horrorthriller nicht zu hart ins Gericht gehen. Was den Film nämlich aus der Masse an schlechten Horrorstreifen hervorstechen lässt, ist der durchdachte Spannungsbogen, der kurzweiliges Herzklopfen verursacht. Nach einem zähen Einstieg in dem Figuren eingeführt werden, zieht Filmemacher DARRELL WHEAT minütlich seine Daumenschrauben an und jagt Helden wie Zuschauer durch ein spartanisch eingerichtetes Haus, in dem es viel Boshaftes zu entdecken gibt. Erst nach und nach kommen die Eindringlinge drauf, was von hinter den dicken Mauern nicht nach außen dringen darf. Dabei geht es fürs Horrorgenre überraschend züchtig zugange. Horror muss sich eben nicht immer zwangläufig durch Gewalt und Blut definieren. Hier wird eher mit Spannung gearbeitet. Das steht dem Streifen gut und macht Lust auf weitere Arbeiten des Nachwuchsregisseurs.
 
 
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RECOVERY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Spannender Home-Invasion-Schocker mit gesellschaftskritischer Note, die aber schnell verfliegt, weil sich RECOVERY dann doch eher mit Schocks und Horror beschäftigt. Für einen Debütfilm ist dieser Horrorthriller sauber – und vor allem spannend – inszeniert. Aufgrund der vielen schlechten Horrorfilme in jüngster Zeit, kann man das schon als regelrechte Wohltat bezeichnen. RECOVERY definiert den Begriff „Familie“ neu und sorgt so für 80 kurzweilige Minuten, die bis zum Abspann fesseln. Macher DARRELL WHEAT scheint genug Horrorfilme studiert zu haben. Er weiß, wie man erzählen muss, um fesseln können. RECOVERY ist ein kleiner Film, der hinsichtlich Spannungsaufbau vielen großen Produktionen überlegen ist. Das muss dem noch unerfahren Wheat erst mal jemand nachmachen!
 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Zensur

 
 
 
Sonderlich viel Blut fließt in RECOVERY nicht. Zu Beginn setzt sich eine Protagonistin mit einem Gegenstand zur Wehr und zertrümmert den Unterkiefer eines Bösewichts. Weiterhin gibt es Messerstiche zu sehen und eine Hiebwaffe wird in einen Rücken geschlagen. RECOVERY hat ohne Probleme eine FSK16 erhalten. Wegen etwas zeigefreudigerem Bonusmaterial befindet sich auf dem Cover der Blu-ray aber der rote FSK-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON New Media (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Recovery; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | wegen Bonusmaterial ist die Blu-ray: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 24.02.2017

 

Recovery [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei I-ON / SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Den (2014)
 
GirlHouse (2014)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Tigerhouse (2015)
 


Filmkritik: „Fear, Inc.“ (2016)

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FEAR, INC.

Story

 
 
 
Horror-Fan Joe gerät an ein mysteriöses Unternehmen, das seinen furchtlosen Kunden die ultimative Erfahrung in Sachen Horror verspricht. Wie es in unserem Lieblingsgenre nun mal üblich ist, wird das für blutige Momente sorgen. Was die Angstmacher sich so ausdenken, dürften die Auftraggeber ihr Lebtag so schnell nicht wieder vergessen.

 
 
 


 
 
 

FEAR, INC. – Kritik

 
 
 
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Mit diesem alten Märchentitel lässt sich in wenigen Worten ein Film beschreiben, der auf einschlägigen Festivals mit Lob und Preisen ausgezeichnet wurde. FEAR, INC. heißt der neuer Horror-Spaß, der eigentlich gar nicht zum Lachen ist, weil Regisseur VINCENT MASCIALE es gar nicht gut mit dem Zuschauer meint. Statt mit lauten Schocks für schnellen Puls zu sorgen, schockiert der Filmemacher mit rabenschwarzer Handlung, die sich so schnell nicht durchschauen lässt. FEAR, INC. basiert auf einem Kurzfilm gleichen Titels, den VINCENT MASCIALE bereits 2014 gedreht und veröffentlicht hat. Einige der Beteiligten haben sich die Ehre gegeben, auch in der Spielfilmfassung mitzuwirken, die natürlich ein Stück professioneller in Szene gesetzt wurde, als es der Vierminüter war. So wird Meta-Horror á la SCREAM – SCHREI geboten in dem man sich über Horrorfilme und deren Klischees lustig macht. Doch das heitere Filme Zitieren verwandelt sich bald zum ultimativen Horror, denn FEAR, INC. schlägt nach der Halbzeit eine Wendung ein, die es in sich hat. Was dort gezeigt wird, ist definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter.
 
 
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Joe Fost (leider äußerst anstrengend: LUCAS NEFF) ist ein Horrorfilm-Junkie, wie er im Buche steht. Er hat nahezu jeden Schocker gesehen und kennt sich im Genre bestens aus. Leider bringt der tägliche Horror-Konsum auch einige Nachteile mit sich, denn der Film-Nerd fühlt sich so langsam übersättigt und abgestumpft. Weil ihn kein Horror-Streifen mehr schocken kann, sucht er nach neuen Adrenalinkicks. Die versprechen die Leute hinter FEAR, INC. – einer ominösen Organisation, die sich auf das Erschrecken von Menschen spezialisiert hat. Leider ist Joe spät dran, denn das Unternehmen erklärt dem Interessenten am Telefon, dass man aufgrund der hohen Nachfrage dem gestellten Auftrag nicht nachkommen kann. Doch das Schicksal hat andere Pläne mit dem unerschrockenen Horrorfilm-Fan. Kaum zu Hause angekommen, wird er zusammen mit seinen Freunden von einer vermummten Gestalt bedroht. Die macht Jagd auf die Clique und kennt kein Erbarmen. Nacheinander sterben die Freunde wie Fliegen und Joe muss sich einem Albtraum stellen, den er so vermutlich nicht kommen gesehen hat.
 
 
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Ist das ein unnötiges Sequel des Überraschungs-Hits SCARE CAMPAIGN? Zumindest legt das die Vermutung nahe, wenn man die Handlung zum Film liest und regelmäßig die Filmvorstellungen auf FILMCHECKER verfolgt. So haben wir vor einiger Zeit bereits einen ähnlichen, von David Finchers THE GAME (1997) beeinflussten Streifen besprochen, der dem hier vorliegenden FEAR, INC. nicht unähnlich ist. Natürlich können wir Entwarnung geben. FEAR, INC. ist selbstverständlich kein dreistes Plagiat zum wendungsreichen SCARE CAMPAIGN, in dem bitterböse Scherze eine neue Dimension des Schreckens einläuten. Dennoch hält sich der von Regisseur VINCENT MASCIALE inszenierte Horror-Spaß weitestgehend an dessen Machart und geht das Angstmachen überraschungsreich und schwarzhumorig an. Für Zuschauer und Protagonisten bedeutet das: Manipulativer Horror mit makabrer Note, der einzig darauf aus ist, hinters Licht zu führen. Drehbuchautor LUKE BARNETT hat sich für FEAR, INC. einige hinterlistige Wendungen ausgedacht, die man so vermutlich nicht kommen sehen wird. So folgt hier Twist auf Twist – eine Portion Zynismus gibt’s inklusive. Mehr über den raffinierten Plot zu verraten wäre fatal, denn FEAR, INC. lebt von seinen unerwarteten Wendungen und gemeinen Überraschungen. Wer demzufolge eine Leidenschaft für blutigen Galgenhumor besitzt, ist mit dieser fiesen Horror-Komödie bestens bedient – auch wenn ihm das Lachen schnell im Halse stecken bleiben wird.
 
 
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FEAR, INC. – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Einfallsreiche Horror-Komödie mit bitterbös-zynischer Note, bei der einem das Lachen schnell vergehen wird. FEAR, INC. wurde nicht umsonst auf einschlägigen Filmfestivals von Kritikern und Filmfans gelobt. Der Film überzeugt nämlich durch frische Ideen, die das Horror-Genre dringend nötig hat. Hier erhält das Wort „Erschrecken“ eine gänzlich neue Bedeutung, was scheinbar aktuell in Mode zu sein scheint. Statt einen gruseligen Clown auf ahnungslose Fußgänger zu hetzen, hat sich hier eine skrupellose Organisation auf makabre Scherze spezialisiert. Wegen der unvorhersehbaren Handlung kann man da begründeterweise eine Empfehlung aussprechen, denn hier hält man endlich mal Horror in den Händen, der schockieren kann. In FEAR, INC. wird von THE SIXTH SENSE bis A NIGHTMARE ON ELM STREET alles zitiert, was in der Horror-Welt Rang und Namen hat. Das dürfte alteingesessene Genre-Fans freuen, die mit Sicherheit über die ein oder andere Anspielung ihrer Lieblingsfilm schmunzeln werden. Leider entwickelt sich die spaßige Hommage an beliebte Horrorklassiker bald zum blutroten Albtraum. FEAR, INC. besteht nämlich aus zwei Filmhälften. Die erste brennt sich durch Selbstironie und Filmzitate ins Gedächtnis, die zweite durch Blut, Splatter und bitterböse Wendungen. Mehr über die Handlung zu verraten, wäre dem Zuschauer unfair gegenüber. Der bekommt hier nämlich einen originellen Schocker vor die Linse, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt.
 
 
 


 
 
 

FEAR, INC. – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von FEAR, INC. hat es ganz schön in sich. So gibt es eine an SAW angelehnte Szene zu sehen, in der ein Gegenstand aus dem zugenähten Körper eines noch lebenden Protagonisten geholt werden muss. Hinzu gesellen sich Messerstiche, Kehlenschnitte, Kopfschüsse und ein Pfeil, der sich durch ein Auge einer Filmfigur bohrt. Mit etwas Glück gibt es für all das eine FSK16. Wir rechnen aber eher mit einer Freigabe für Erwachsene.
 
 
 


 
 
 

FEAR, INC. – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scare Campaign (2016)
 
The Prank – Der Streich (2013)
 
The Jokesters (2015)
 
Cabin in the Woods (2011)


Filmkritik: „Crush the Skull“ (2015)

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CRUSH THE SKULL

Story

 
 
 

Ein paar Kleinkriminelle erleben die Hölle auf Erden. Sie steigen in Häuser ein und rauben sie aus. Leider haben sie sich diesmal das falsche Anwesen ausgesucht. Denn hier lebt das personifizierte Böse.

 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Kritik

 
 
 
Wenn Träume wahr werden. Die Webseite KICKSTARTER hat einmal mehr ein Wünschlein erfüllt und ermöglicht, dass ein Horrorfilm gedreht werden konnte. Der nennt sich CRUSH THE SKULL und wurde vom Newcomer VIET NGUYEN inszeniert, der bereits 2014 auf der bekannten Finanzierungsplattform zum Spenden aufrief und genug Filmfans dazu bewegen konnte mehr als 75.000 US-Dollar zu sammeln. Was jedoch auf der Crowdfunding-Seite als rabenschwarzer Mix aus Komödie und Horrorthriller beworben wurde, ist letzten Endes mehr Horror statt bitterböse Lachnummer. Für eine Komödie sind die eingestreuten Comedy-Elemente zu rar gesät. Tauchen sie dann doch mal auf, funktionieren sie nicht und wirken eher störend, weil CRUSH THE SKULL tatsächlich vorrangig ernster Natur ist. Das ist etwas bedauerlich, weil der Streifen durchaus was kann. CRUSH THE SKULL unterhält – zwar nicht immer helle, dafür kurzweilig. Etwas, dass immer wenigeren Horrorfilmen neueren Datums gelingt.
 
 
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Home-Invasion-Horror wird geboten, der jedoch diesmal nicht aus der Perspektive der Opfer erzählt wird, sondern die Geschehnisse aus den Augen der Bösewichte betrachtet. Ollie (CHRIS DINH) und Blair (KATIE SAVOY) sind eigentlich anständige Leute. Nur ab und an steigen sie in fremde Häuser ein, um sich mit gestohlenem Schmuck über Wasser halten zu können. Doch damit soll nun Schluss sein. Ein letzter Einbruch – danach möchte das Paar die kriminelle Laufbahn an den Nagel hängen. Leider verläuft der Einsatz nicht nach Plan, Ollie landet im Gefängnis und wird von der Liebsten für ein stattliches Sümmchen freigekauft. Neues Geld muss her, denn der Wunsch nach Freiheit hat ein großes Loch in die ohnehin schon leere Haushaltskasse gefressen. Abermals soll es ein Einbruch richten. Doch der wird diesmal für alle Beteiligten zum Verhängnis. Ein schmuckes Haus in einer guten Wohngegend ist nicht, was es zu sein scheint. Statt Kostbarkeiten finden die Hobbyeinbrecher darin Gevatter Tod. Ein wahnsinniger Serienkiller hat aus dem Haus seinen ganz privaten, hochperversen Foltertempel gemacht. Hier quält er ahnungslose Menschen zu Tode und lässt dazu die Kamera rattern. Drinnen ist man schnell – nur Rauszukommen wird zum Problem. Ob die unvorbereiteten Diebe ihren gesetzeswidrigen Fehler überleben werden?
 
 
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CRUSH THE SKULL basiert auf zwei früheren Werken des Regisseurs, die er bereits 2010 bzw. 2013 in Form von Kurzfilmen veröffentlicht hat. Bereits dort konnte der Filmemacher unter Beweis stellen, dass man auch mit kleinem Budget kurzweiligen Nervenkitzel heraufbeschwören kann. Seiner Linie bleibt VIET NGUYEN treu, der schon als Cutter an Serien wie IZOMBIE oder THE FOLLOWING beteiligt gewesen ist und mit dem ersten eigenen Spielfilm zeigt, dass man nicht viel Geld braucht, um durchaus unterhaltsame Filme zu drehen – insofern das Drehbuch überzeugt. Dieses vergleichsweise magere Budget sieht man CRUSH THE SKULL zu keiner Minute an. Ganz im Gegenteil. Regisseur VIET NGUYEN lässt den ersten Langfilm nach deutlich mehr Kohle ausschauen und improvisiert, wenn es der Finanzplan gebietet. So werten erfahrene Schauspieler das Geschehen auf, die bereits in den Kurzfilmen des Machers zu sehen waren. Sie agieren im Filmdebüt sympathisch und sorgen dafür, dass der Zuschauer mitfiebert, wenn es ihnen im Film an den Kragen geht. Damit ist CRUSH THE SKULL vielen Low-Budget-Produktionen gleichen Kalibers Längen voraus, denn oftmals machen dort untalentierte Laiendarsteller das Treiben fürs Publikum ungenießbar und schaffen es, sich seinen Zorn zuzuziehen. Von ungenießbar ist CRUSH THE SKULL also weit entfernt. Der Film kopiert nicht ungeschickt einen der Horror-Geheimtipps von 2009, der unter dem Titel THE COLLECTOR vor allem bei Fans fürs Grobe auf Interesse stieß. Hier musste sich ein Einbrecher durch ein mit Fallen bespicktes Heim vorarbeiten, um wieder in die Freiheit zu gelangen. Ähnliches Prinzip verfolgt auch CRUSH THE SKULL in dem Bösewichte zu Helden umfunktioiert werden und sich vor einem Psychopathen in Acht nehmen müssen, der die Eindringlinge in seinem Folterhaus eingesperrt hat, damit er sie möglichst brutal abschlachten kann. Leider musste auf übertriebenes Gemetzel verzichtet werden, weil Geld knapp war. Schlecht macht das diesen Überlebens-Horror nicht unbedingt, denn der Streifen gleicht dieses Manko anderweitig aus.
 
 
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CRUSH THE SKULL folgt unkonventionellem Wege und überrascht mit souveränem Tempo. So wird die Geschehnisse nie langweilig. Die Machart orientiert sich an gutem Horrorstandard und lässt nacheinander Freunde sterben, bevor auch der wahre Übeltäter sein Leben lassen muss. Aufgelockert wird die eigentlich austauschbare Handlung durch unerwartete Wendungen und einen knackigen Filmtwist. Beides gehört ja im Horrorfilm mittlerweile zum guten Ton, damit man sich an Filme auch noch drei Tage nach der Sichtung erinnern kann. Verübeln kann man die massentaugliche Inszenierung keineswegs. Im Falle von CRUSH THE SKULL sorgt die nämlich für kurzweiliges Popcornkino für das man den Kopf besser ausschaltet. Ohne Schnörkel zum Ziel lautet die Devise, die definitiv für unterhaltsame 90 Minuten sorgt. Nur darauf kommt es beim Schauen von Filmen an, schließlich ist das Unterhalten des Publikums das eigentliche Ziel eines jeden Filmemachers.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spannender und wendungsreicher Überlebens-Horror im Stile von THE COLLECTOR. CRUSH THE SKULL wurde mit einem Budget gedreht, das man in Hollywood-Kreisen auch als Mikrobudget betitelt. Relativ: Dort bekommt man für das gleiche Geld gerade mal ein Catering geliefert, damit das Filmteam satt über den Tag kommt. Umso überraschender, was Regisseur VIET NGUYEN mit jenem überschaubaren Kapital von gerade einmal 75.000 US-Dollar auf die Leinwand gebracht hat. Sein Spielfilmdebüt bietet ein solides Drehbuch mit Drive und Wendungen. Zudem konnte man trotz kleinem Geld anständige Schauspieler engagieren, die den Zuschauer durch eine bitterböse Geschichte führen und gleichzeitig unterhalten. Da kann sich manch teurer Blockbuster eine Scheibe abschneiden. Viele von denen schaffen es trotz konventioneller Geschichten und üppiger Produktionsgelder nicht einmal, den Zuschauer vom Einschlafen zu bewahren. CRUSH THE SKULL zeigt, wie’s besser gehen kann.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Zensur

 
 
 
Viele bösen Szenen gibt es nicht zu sehen. Ein Kopf wird abgetrennt und Messer werden in Körper gerammt. Zudem kommt gegen Ende auch mal die Pistole zum Einsatz und eine Kehle wird aufgeschnitten. Einige Morde passieren im Off. Das dürfte dafür sorgen, dass CRUSH THE SKULL in Deutschland bereits für Jugendliche geeignet sein wird: FSK16.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Collector (2009)
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
Don’t Breathe (2016)
 
The Collector 2 – The Collection (2012)
 
Tiger House (2015)
 


Filmkritik: „Hush“ (2016)

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HUSH

(STILL)

Story

 
 
 

Irgendwo im Hinterland wird eine ahnungslose, taubstumme Schriftstellerin (KATE SIEGEL aus OCULUS) von einem armbrustschwingenden Psychopathen terrorisiert, der leider den Mut und die Wut seines behinderten Opfers unterschätzt hat.

 
 
 


 
 
 

HUSH – Kritik

 
 
 
Was macht selbst die austauschbarsten Horrorfilme interessant? Wenn man die Helden dieser Filme mit einem Handicap versieht, das selbst alltägliche Verrichtungen erschwert und gewöhnlichste Situationen in unüberwindbare Herausforderungen verwandelt. So geschehen in einigen der letzten Produktionen, die wir hier auf FILMCHECKER besprochen haben. Die Blindheit ihrer Protagonisten hat Filmen wie DEVIL MAY CALL oder DAS PENTHOUSE zu halbwegs passabler Genreunterhaltung gemacht, weil die Macher dieser Thriller das Spiel mit der Beeinträchtigung der Sehkraft so geschickt für den Spannungsaufbau ihrer Filme verwendet haben, dass aus eigentlich belanglosen Horrorfilmen ganz packende Samstagabend-Filme geworden ist. Auch das neue Werk von OCULUS-Macher MIKE FLANAGAN ist auf dem Papier nicht gerade das, was mancher Horror-Feingeist als Offenbarung bezeichnen würde. Bitterböses Home-Invasion-Grauen wird mal wieder geboten. In der Vergangenheit kam so was zu zweifelhaften Ruhm, wenn in vielen ähnlich gelagerten Filmen gedemütigt, gequält und schließlich gemordet wurde. Den gleichen Kurs behält auch HUSH bei, der in erster Linie durch blutiges Einerlei auffällt, aber unterm Strich doch fesselnder ist, als die Inhaltsangabe vermuten lässt.
 
 
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Die Geschichte zu HUSH ist schnell erzählt. Nach dem Spiegel-Horror OCULUS entführt Regisseur MIKE FLANAGAN Genrefans in dunkle Wälder, wo die taubstumme Schriftstellerin Maddie (KATE SIEGEL) zurückgezogen in einem adrett eingerichteten Haus lebt und ganz modern mit Smartphone und Laptop kommuniziert. Die beste Freundin kommt zu Besuch, bleibt aber nicht lange (am Leben), weil ein maskierter Killer vor dem Haus mörderische Spiele treibt. Der scheint eine Leidenschaft fürs Terrorisieren ahnungsloser Frauen zu besitzen, die fernab der Zivilisation besseres zu tun haben, als sich gegen einen unaufhaltsamen Psychopathen zur Wehr zu setzen, der dazu noch mit einer Armbrust Pfeile in unachtsame Opfer schießt. Leider hat’s Maddie als nächstes getroffen. Doch die Frau bleibt stark. Sie lässt sich auf ein blutiges Katz- und Mausspiel ein, das am Ende nur einen Sieger kennt. Mögen die Spiele beginnen.
 
 
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Eigentlich ist HUSH (der übrigens in Deutschland unter dem Titel STILL veröffentlicht wurde) nicht der Rede wert, denn grundsätzlich hat der Streifen neben hektischen Hetzjagden durch Haus und Garten nicht viel zu erzählen. Der dialogarme, ja passend fast dialoglose Horrorthriller zehrt aber vom unbändigen Überlebenswillen seiner sympathischen Hauptfigur, die es dem Bösewicht mit viel Geschickt und List nicht gerade leicht macht, sein Opfer in den Filmhimmel zu befördern. Heldin Maddie ist nämlich mit allen Wassern gewaschen und weiß sich zur Wehr zu setzen – und das nicht gerade zimperlich. So schnappt sie sich ganz nebenbei das Mordwerkzeug ihres Gegenübers und feuert schonungslos zurück. Trotz einfacher Genre-Rezeptur besitzt HUSH einen gut durchdachten Spannungsbogen. In Angesicht der eher überschaubaren Handlung ist das schon als Kunststück zu bezeichnen, denn Regisseur MIKE FLANAGAN versteht Altbekanntes so aufzuärmen, dass man das Gefühl hat etwas Neues serviert zu bekommen. Das fährt Publikumslob ein. Definitiv sogar, denn trotz der vorhersehbaren Szenenabläufe zieht einen HUSH ziemlich schnell in seinen Bann – vor allem auch, weil Flanagan weiß, was Horrorfans wollen. Das ist nun mal Gewalt und die wird im Film ordentlich zur Schau gestellt, ob sie nun hätte sein müssen oder nicht. Damit tritt HUSH in die Fußstapfen bekannter Home-Invasion-Referenztitel, die unter den Titeln INSIDE oder YOU’RE NEXT, jedem halbwegs bewanderten Horrorfan ein Begriff sein dürften. Qualitativ und gewalttechnisch ist der Streifen von den blutigen Qualitäten genannter junger Klassiker nicht entfernt. Demnach ist HUSH für Horrorfans ein Muss.
 
 
 


 
 
 

HUSH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein schonungslos-blutiges Katz-und-Mausspiel par excellence. Der neue Horrorbeitrag vom OCULUS-Regisseur MIKE FLANAGAN dürfte bei Horrorfans einen löblichen Eindruck hinterlassen. Der Film ist tatsächlich ziemlich brutal und zudem auch noch spannend. Eine Glanzleistung, erzählt HUSH im Grunde nichts anderes, als viele Home-Invasion-Schocker vor ihm. Was den Film aber vom Gros des Genres abhebt, sind die unerwarteten Kräftemessereien zwischen Opfer und Täter. Die bekriegen sich im Verlauf der Handlung bis aufs Messer, so dass sich die Mattscheibe rot färbt! Filmemacher MIKE FLANAGAN spielt mit dem Handicap seiner taubstummen Filmheldin und erschafft gekonnt Spannung. Hauptfigur Maddie kann nämlich nicht hören, was der Killer so treibt, wenn er die Beeinträchtigung seines Opfers ausnutzt, um ihr an die Kehle zu gehen. Einige pulstreibende Momente sind so garantiert. Das lässt HUSH aus der Landschaft so vieler schlechter Horrorfilme hervorstechen wie eine Blüte im Sumpf. Der Film erlebte übrigens eine sonderbare Erstveröffentlichung in Deutschland. Statt – wie gewöhnlich für die meisten Indie-Horrorfilme – auf DVD oder Blu-ray Premiere zu feiern, erschien HUSH hierzulande unter dem Titel STILL exklusiv auf der VOD Plattform NETFLIX. Wohlmöglich um mehr Genrefans zum Abonnement zu bewegen. Film-Sammler, die eine Vorliebe fürs physische Medium besitzen, dürfte eine derartige Veröffentlichungspolitik erst einmal tief getroffen haben. Da kann man hoffen, dass eine derartige Release-Politik keine Schule macht.
 
 
 


 
 
 

HUSH – Zensur

 
 
 
In HUSH (deutscher Titel: STILL) geht es recht schroff zu. Eine Protagonistin wird regelrecht mit einem Messer abgeschlachtet. Eine andere Filmfigur bekommt ein Messer in den Hals gerammt und verblutet. Ansonsten gibt es viele kleine Gemeinheiten zu sehen (u.a. Pfeile durch Körper, zermatschte Hand), die die Gewaltfraktion zufriedenstimmen werden. Hierzulande dürfte es bei einer Prüfung durch die FSK dafür eine ungeschnitten Erwachsenenfreigabe geben – keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

HUSH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deadly Home (2015)
 
Tiger House (2015)
 
The Aggression Scale (2012)
 
Home Sweet Home (2013)
 


Filmkritik: „Southbound“ (2015)

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SOUTHBOUND – HIGHWAY TO HELL

Story

 
 
 

Auf dem Highway ist die Hölle los. Das bekommt auch eine Gruppe Durchreisender am eigenen Leib zu spüren, als sie auf einem Highway-Abschnitt durch die Mojave-Wüste schreckliche Dinge erleben.

 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Kritik

 
 
 
Man nehme makabre Kurzgeschichten, lasse sie von bekannten Genre-Regisseuren verfilmen und knüpfe sie mit einer plausiblen Rahmenhandlung zusammen, auf dass alles Hand und Fuß bekommt. Fertig ist gruseliger Anthologien-Spaß, wie er seit ein paar Jahren wieder schwer im Kommen ist. Einer der Gründe, warum sich Episoden-Horror aktuell wieder großer Beliebtheit erfreut, ist der überraschende Erfolg der V/H/S-Trilogie (Besprechungen zu Teil 2 und 3), die praktisch die Rückkehr gruseliger Kurzgeschichtensammlungen eingeläutet hat, um einer neuen Generation von Horrorfans beweisen zu können, dass auch knapp erzähltes Grauen ein flaues Gefühl in der Magengegend bescheren kann. Umso erfreulicher, dass sich die Macher genannter Anthologien-Serie ein weiteres Mal zusammengetan haben. Offensichtlich hatte man noch so manche Idee im Kopf, die man dem Zuschauer nicht vorenthalten wollte. So reihte man für SOUTHBOUND erneut deftig gewürzte Horror-Episoden aneinander, welche aber diesmal ohne das Found-Footage-Stilmittel auskommen mussten – Gott sein Dank!
 
 
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Mit dabei sind DAVID BRUCKNER und die vier kreativen Köpfe von RADIO SILENCE. Die hatten bereits jeweils ein Segment in V/H/S verfilmt und wollen noch einmal mit gleicher Rezeptur ähnliche Erfolge feiern. Neu auf dem Regiestuhl ist ROXANNE BENJAMIN. Die trat zuvor als Produzentin der Trilogie in Erscheinung und feiert mit einem selbst inszenierten Segment in SOUTHBOUND ihr Regiedebüt. Löblicherweise hat man sich bei dem neuen Horrorprojekt für herkömmlichen Filmlook entschieden und die wackelige Handkamera-Optik weggelassen. Deren exzessiver Einsatz hatte vielen V/H/S-Fans auf den Magen geschlagen, weil konfuse Kameraführung für Kopfschmerzen und Schwindel sorgten. Die wurde aus dem Film verbannt, was aber nicht heißen soll, dass SOUTHBOUND nun weniger Unruhe verursacht. Ganz im Gegenteil. Auch wenn vom Schüttelstil Abstand gehalten wurde, setzt auch das neue Werk der V/H/S-Macher einen gesunden Magen voraus. Das hat auch einen Grund, denn im Film geht es zur Freude der Gorehounds keineswegs zimperlich zu – Halleluja.
 
 
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SOUTHBOUND erzählt von der unheilvolle Reise diverser Reisender, die auf einen Highway-Abschnitt in der Mojave-Wüste mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert werden. So müssen zwei blutverschmierte Männer gegen fliegende Skelette kämpfen, die den Flüchtenden ans Leder wollen. Als wäre das nicht bereits sonderbar genug, verirrt sich eine Mädchenband nach einer Autopanne in das Haus ominöser Herrschaften, die – trotz spießiger Attitüde – nichts Gutes im Schilde führen. Weiter geht es mit einem tragischen Autounfall, dessen Verursacher von Mitarbeitern der Notrufzentrale am Telefon aufgefordert wird, das Leben des Unfallopfers durch eine wichtige Operation zu retten. In der Halbzeit legt sich ein bewaffneter Mann mit einer Gruppe Einheimischer an, der in einem staubigen Wüstenkaff nach der eigenen Schwester sucht. Den krönenden Abschluss bildet Home-Invasion-Horror der etwas anderen Sorte. Hier überfallen maskierte Einbrecher eine nichtsahnende Familie ohne zu wissen, dass sie mit der schrecklichen Tat das Tor zu Hölle öffnen.
 
 
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SOUTHBOUND ist ein makabrer Mix aus THE TWILIGHT ZONE und OUTER LIMITS, der genau das besitzt, was man von einem Horrorfilm neueren Datums erwartet. So gibt es neben schwarzem Humor und abgefahrenen Ideen selbstverständlich auch jede Menge Blut, handgemachte Effekte und viel unappetitliches Zeug zu sehen, das genau den Nerv des Horrorfilmfans treffen dürfte. Abwechslungsreichtum wird in diesem Episodenfilm groß geschrieben. Die Macher vermischen unterschiedliche Subgenres und vereinen Mystery-Schauer, Okkult-Horror, Home-Invasion-Thriller und Elemente des Road Movies zu schwer unterhaltsamer Horror-Unterhaltung, die kaum Längen hat. Die Segmente sind kurz und knackig, konzentrieren sich aufs Wesentliche und beeindrucken mit teils überraschendem Ausgang. Hin und wieder bleibt einem sogar das Lachen im Halse stecken, weil Gezeigtes dann doch mehr verstört als zu fesseln. So sei an dieser Stelle die Episode THE ACCIDENT genannt, in der ein übel zugerichtetes Unfallopfer nach einer grausigen Operation von seinen Leiden befreit wird. Der Goregehalt dieses Segments ist hoch, der Blutzoll deftig. Ungeübte Zuschauer halten sich am besten die Augen zu.
 
 
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Trotz unterschiedlicher Inszenierungsstile und des Gebrauchs verschiedener Subgenres wirken die einzelnen Segmente aus einem Guss. Das rührt vor allem daher, weil die Geschichten nahtlos ineinander übergehen und miteinander verknüpft sind. Alle Hauptfiguren der jeweiligen Episoden verbindet ein Schicksal. So stehen Themen wie „Schuld“ und „Vergeltung“ im Mittelpunkt der Segmente, die dem Zuschauer kurzweiliges Grauen bescheren werden. Letztendlich ist SOUTHBOUND gerade wegen der außergewöhnlichen atmosphärischen Wüstenkulisse ein Highlight unter der mittlerweile stattlichen Anzahl mehr oder weniger gelungener Horror-Anthologien. Demzufolge sprechen wir auch eine Empfehlung aus. Wer es kurz, knackig und blutig will, sollte diesen vom Teufel heimgesuchten Highway einen Besuch abstatten. Absolut sehenswert!
 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Rabenschwarz, abwechslungsreich und ganz schön blutig. Mit makabrem Horror kriegt man den Zuschauer. Nach V/H/S nun SOUTHBOUND, der vom gleichen Team gemacht wurde und dann doch irgendwie in der Summe mehr überzeugt, als die stark verwackelten Videokassetten-Anthologien. Der Grund liegt in der anderen Machart und den kruden Spezialeffekten, die da ziemlich unverfroren auf der Mattscheibe zelebriert werden. Die Episoden sind abwechslungsreich, rasant und packend inszeniert. Zudem laufen die Segmente nahtlos ineinander und machen erst am Ende Sinn, wenn man dem Zuschauer die Auflösung präsentiert. Wer eine Vorliebe für fiese Scherze hat, ist mit SOUTHBOUND gut beraten. Wie in den vielen Folgen der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe mündet jede Story in einem fiesen Finale. Umso trauriger, dass der spannende wie zynische SOUTHBOUND bereits nach 90 Minuten zu Ende ist. Aber kein Grund zur Panik. Man darf davon ausgehen, dass eine teuflische Fortsetzung folgen wird. Mit noch mehr Blut und Innereien könnte es DIE Kurzgeschichtensammlung werden, an der sich alle künftigen Filme dieser Art messen lassen müssen.
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Zensur

 
 
 
Kein Film für Zartbesaitete. Gerade in der dritten Episode wird es sehr unangenehm. Dort wird ein Körper aufgeschnitten und daran eine makabre Operation vorgenommen. Weiterhin gibt es aufgeschlitzte Münder, zerfetzte Köpfe, abgeschossene Hände und diverse Stichwunden zu sehen. Hierzulande hat der Film ungeschnitten eine Erwachsenenfreigabe erhalten: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Southbound; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 13.10.2016 (BD KeepCase | Mediabook)

 

Southbound [Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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SOUTHBOUND – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
V/H/S 2 (2013)
 
V/H/S 3 – Viral (2014)
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Still 2 (2014)
 
Tom Holland’s Twisted Tales (2013)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
The Penny Dreadful Picture Show (2013)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
Phobia 2 (2009)
 
Sanitarium (2013)
 
Scary or Die (2012)


Filmkritik: „Home Invasion“ (2016)

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HOME INVASION

Story

 
 
 

Eine Mutter (Natasha Henstridge) wird mit ihrem pubertierenden Stiefsohn (Liam Dickinson) von drei Einbrechern zu Hause überrascht. Nun ist guter Rat teuer.

 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Kritik

 
 
 
Zu Hause ist es immer noch am schönsten – manchmal aber auch nicht. Letztere Erkenntnis muss NATASHA HENSTRIDGE in HOME INVASION machen, die nach der SPECIES-Trilogie endlich mal wieder in einem Film mitspielt, der auch beim Genrefan auf Interesse stoßen könnte. Die spielt im Film mit vielversprechendem Titel eine treusorgende Ehefrau, die sich zwar in einem riesigen Anwesen um die Erziehung von Stiefsohn Jacob kümmert, aber mit der Beziehung zum Kindesvater abgeschlossen hat, weil der ohnehin nur arbeiten ist. Weil das Haus irgendwo am Hintern der Welt gebaut wurde, wurde es vom Eigentümer mit teurer Überwachungstechnik ausgestattet, die jeden Winkel des Gebäudes erfassen kann. Leider scheint irgendwas Kostbares im Haus verborgen zu liegen, was das Interesse von drei Eindringlingen auf den Plan ruft. Die verschaffen sich maskiert Zutritt und besprühen Überwachungskameras mit Farbe. Doch Mutter Chloe weiß Rat. Sie kontaktiert jenes Sicherheitsunternehmen, das mit dem Bau der Überwachungstechnik beauftragt wurde. Das kennt versteckte Kameras im Haus, die von den Einbrechern nicht entdeckt wurden. Per Telefon lotst Sicherheitsmann Mike (JASON PATRIC) die Bewohner unentdeckt zum Ausgang des Hauses. Doch die ungebetenen Besucher wissen über Anwesenheit der Eigentümer bescheid und wollen Zeugen ausradieren. Sie läuten eine Jagd auf die Bewohner ein, haben aber nicht mit der List von Mutter Chloe gerechnet.
 
 
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Wenn ein angepriesener Thriller in Amerika mit PG-13 vermarktet wird, schwant dem horrorfilmbegeisterten Zuschauer nichts Gutes. Dass HOME INVASION auch noch aus der Feder von PETER SULLIVAN stammt, bestätigt Befürchtungen. Der zeichnet nämlich in erster Linie für Drehbücher zu unzähligen TV-Produktionen verantwortlich und hat viele dieser Filme auch gleich selbst produziert oder gedreht (darunter HIGH SCHOOL EXORCISM). Mit schweißtreibendem Überlebenshorror hat HOME INVASION demzufolge wenig am Hut. Vielmehr erweckt der Thriller den Eindruck, dass auch hier schnell was fürs amerikanische TV gedreht werden musste, damit Sendeplatz gefüllt werden kann. Als kleiner Sonntagabendsnack mag das ausreichen, im Gedächtnis kleben bleibt nichts, denn der Filmtitel weckt falsche Erwartungen. Wer hier grausames Quälen, perverses Demütigen oder kaltschnäuziges Rächen vermutet, liegt falsch. Vielmehr orientiert sich HOME INVASION in seiner Machart an den 2003 von DAVID FINCHER inszenierten PANIC ROOM in dem sich eine kleine Familie vor Einbrechern in einem Schutzraum verstecken musste. Was jedoch dort auf wenige Quadratmeter packend abgehandelt wurde, verpufft in HOME INVASION mangels Ideenreichtum. Hier flüchtet sich NATASHA HENSTRIDGE mit dem wenig talentierten Filmsohn LIAM DICKINSON von Versteck zu Versteck, während Einbrecher in Seelenruhe einen Tresor knacken wollen und dem Zuschauer nicht mitteilen wollen, was sich darin eigentlich befindet. Viel Tiefe erhält keiner der Anwesenden und Suspense wird auf Sparflamme geköchelt. Stattdessen scheint Henstridge reichlich unterfordert zu sein und winselt sich reichlich übertrieben durch einen Film mit dünnem Plot.
 
 
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HOME INVASION ist ein lustloser DTV-Thriller für zartbesaitete Hausfrauen, denen bereits bei TV-Sendungen wie AKTENZEICHEN XY…UNGELÖST das Herz vor Aufregung schnell schlägt. Aufgrund der vielen, harten Home-Invasion-Thriller der letzten Jahre entpuppt sich der von DAVID TENNANT inszenierte Schnarcher als unnötiger Zeiträuber, der Home-Invasion nach Schema F abhandelt aber gänzlich auf Unterhaltung für Erwachsene verzichtet. Zwar gibt am Ende kurzen Munitionshagel zu sehen; der zahme Racheakt, der mit fast schon zwanghafter Zurückhaltung über die Mattscheibe flimmert, macht keinen Horrorfan glücklich. Umso bedauerlicher, dass sich Actionstar SCOTT ADKINS (aus RE-KILL und UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING) verheizen lässt. Der ist in HOME INVASION der einzige Lichtblick und verkörpert darin einen der drei Bösewichte, der für sein Ziel sogar über Leichen geht. Adkins mutiert im Film schleichend zum gewissenlosen Killer, bekommt aber kaum die Möglichkeit gewissenlos zu sein. Sobald er sein wahres Gesicht zeigt, ereilt ihn auch schon der Filmtod. Enttäuschend!
 
 
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HOME INVASION – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein zahmer Mix aus THE CALL und PANIC ROOM, der trotz vielversprechendem Titel nicht das verspricht, was sich Horrorfans darunter erhofft haben. Wo HOME INVASION draufsteht, ist diesmal nicht Home-Invasion drin, denn dieser Zu-Hause-Horror ist eher was für Zuschauer, die nach Serien wie AKTENZEICHEN XY…UNGELÖST Probleme mit dem Einschlafen bekommen. Wer einen weiteren FUNNY GAMES vermutet, wird bitterlich enttäuscht werden, denn hinter HOME INVASION verbirgt sich ein zahmer Thriller, der besser im TV aufgehoben wäre und alteingesessene Horrorfans nur unnötig Zeit stibitzt.
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Zensur

 
 
 
Die Gewalt reduziert sich ausschließlich auf kurze Schusswechsel, während denen Menschen sterben. Hart ist das nicht anzusehen, zumal man derart Szenen bereits nach 20 Uhr im TV zu sehen bekommt. HOME INVASION hat von der FSK problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Deutsche DVDy

 
 
 
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(c) SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT (vorerst nur DVD only Release)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Home Invasion; USA 2016

Genre: Horror, Thriller, Krimi

Ton: Italienisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Hindi, Türkisch, Arabisch, Italienisch, Niederländisch

Bild: 1.77:1 (16:9)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase (DVD)

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.02.2016 (vorerst nur auf DVD)

 

Home Invasion (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Sony Pictures Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Home Invasion (2012)

Deadly Home (2015)

Panic Room (2003)


Filmkritik: „Martyrs“ (2015)

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Achtung: Diese Kritik verrät viel über das Original. Wer MARTYRS aus dem Jahre 2008 noch nicht gesehen hat, sollte besser erst den Vorgängerfilm sehen. Zudem beinhaltet die Kritik viele Spoiler zum Remake.
 
 
 

MARTYRS

Story

 
 
 
Eine sektenartige Organisation quält Menschen, bis sie nach verlorenen Todeskampf die Schwelle zum Jenseits betreten und berichten können, was sie dort sehen. Eines ihrer Opfer kann entkommen und fordert Jahre nach der Tat Vergeltung.

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Kritik

 
 
 
Niemand mag Neuverfilmungen – zumindest niemand, der eine Vorliebe für Horrorfilme besitzt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich mit Neuinterpretationen liebgewonnener Genre-Klassiker kaum Freunde macht. Ob A NIGHTMARE ON ELM STREET, IT’S ALIVE oder DAS OMEN – kaum ein erfolgreicher Horrorfilm aus den experimentierfreudigen 70er und schrillen 80er Jahren kam nicht in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes. Ihren Originalen das Wasser reichen konnten die wenigsten. Weil mittlerweile die wichtigsten Horrorfilme neu gedreht wurden, gehen profitgierigen Produzenten aus Amerika die Vorlagen aus. Die haben aber gemerkt, dass der Horrormarkt in Europa brodelt und dort viel Material in die Kinos gebracht wird, das unbedingt recycelt werden muss. So geschehen mit dem skandinavischen LET THE RIGHT ONE IN. Weil das Vampirdrama viel internationales Lob erhielt, musste eine amerikanische Fassung her. Die erschien unter dem Titel LET ME IN und hatte nur mäßigen Erfolg. Hierzulande dürften vermutlich nur die Wenigsten wissen, dass es diesen Aufguss überhaupt gibt.
 
 
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Weitaus populärer ist da schon der nächste Kandidat – ein kontroverser Psychoschocker, der während der Terrorfilm-Welle veröffentlicht wurde, die zwischen 2003 und 2008 in Frankreich wütete. Unter dem Namen MARTYRS bekannt, bekam der Zuschauer eine psychologische Studie über Gewalt und ihre erschütternden Folgen zu sehen, die aufgrund schroffer Spezialeffekte für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Umso verständlicher die kritischen Stimmen, die sich häuften, als 2011 Informationen über eine Neuverfilmung aufkamen. Die sollte eigentlich der Deutsche DANIEL STAMM inszenieren, der mit THE LAST EXORCISM einen Großerfolg feierte, dieses Projekt aber verließ, weil ihm das Budget zu knapp war. Demzufolge ging das Regiezepter an die Brüder KEVIN und MICHAEL GOETZ, die aus dem bekannten Stoff einen deftigen Horrorstreifen gemacht haben, der aber keineswegs die zermürbende und nervenzehrenden Atmosphäre der Vorlage erreicht.
 
 
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Natürlich greift das Remake eine ähnliche Geschichte auf, wie sie auch der Franzose PASCAL LAUGIER zu Papier und auf Zelluloid gebracht hat. So kann sich die kleine Lucie aus den Fängen einer geheimnisvollen Organisation befreien, die den Menschen Furchtbares antut. Das Mädchen kommt in ein katholisches Waisenhaus und lernt dort Anna kennen, von der sie sich verstanden fühlt. Doch Lucie wird von schrecklichen Dämonen verfolgt, die sich in ihrem Unterbewusstsein manifestiert haben, als sie in ihrem Gefängnis gefoltert wurde. Zehn Jahre später findet die Gepeinigte (jetzt verkörpert von TROIAN BELLISARIO) die Täter und ermordet sie im Vergeltungsrausch. Mit dabei die langjährige Freundin Anna (BAILEY NOBLE aus der Serie TRUE BLOOD), die im Haus der Beschuldigten einen geheimen Gang entdeckt, der in ein unterirdisches Kellergefängnis führt. Dort stößt man auf die kleine Samantha, die hier ebenfalls für mysteriöse Versuche festgehalten wird. Doch ein Ende der Qualen ist nicht in Sicht. Die übrigen Organisationsmitglieder erfahren von der Bluttat, fangen die Mädchen ein und halten sie fest. Für die ohnehin labile Lucie beginnt der Albtraum von Neuem.
 
 
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Typisch amerikanisch, aber ganz okay. Wer mit vorurteilsbehafteter Meinung diese Neuverfilmung sieht, wird eines Besseren belehrt, denn der MARTYS-Aufguss ist nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Während sich die erste Hälfte so nah wie möglich am Original orientiert, gehen die Goetz-Brüder in den übrigen 45 Minuten eigene Wege. So liegt hier weniger Terror, Angst und Folter im Mittelpunkt, sondern Rache, Adrenalin und Tempo. Der amerikanische MARTYRS ist vornehmlich um aussagekräftige Bilder und plausible Erklärungen bemüht. Das ist dahingegen nicht ungewöhnlich, weil man Zuschauern in Übersee vornehmlich Antworten auf dem Silbertablett servieren muss – vermutlich, um ihre Hirne nicht zu überfordern. Demzufolge werden Beweggründe der Filmsekte genauer studiert und das psychische Martyrium der Filmfiguren in den Hintergrund gerückt. Die schießen sich am Ende mit scharfem Gerät durch eine stattliche Anzahl an Bösewichten und wollen nur eins: in die Freiheit. Leider wirkt die neue Verfilmung nicht lange nach, wohl auch deswegen, weil die psychische Qual von Heldin Lucie nicht sonderlich viel Spielraum erhält. Die darf zwar bis kurz vor dem Abspann überleben, muss aber bis dahin seltsame Versuche über sich ergehen lassen, während Komplizin Anna Forschungsräume mit Lebenssaft der Täter besudelt. Trotz weitaus blutigeren Bildern, bleiben Schockwirkung und unwohliges Magengefühl aus. Stattdessen fiebert der Film zu überhastet seinem Finale entgegen und verliert die Angst und das psychische Ungleichgewicht seiner Hauptdarstellerinnen aus dem Auge. Immerhin: Das alles erreicht zwar nie die psychologische Härte des französischen Originals; kurzweilig ist das Reboot aber erstaunlicherweise allemal. Wer sich bisher nicht an die Vorlage herangewagt hat, weil er schlaflose Nächte befürchtet, sei der Griff zum Remake empfohlen. Das ist nicht perfekt und hinkt dem von PASCAL LAUGIER inszenierten Angstmacher hinterher. Dafür ist es nicht ganz so unerträglich und über weite Strecke spannend – trotz konventionellerer Machart.
 
 
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MARTYRS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Konventionell und nicht so hart, wie der Vorgänger – aber spannend. Vergleicht man den amerikanischen MARTYRS mit der französischen Vorlage, zieht die von den Goetz-Brüdern inszenierte Neuauflage definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört das französische Terrorstück zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Trotzdem, nach vielen missratenen Remakes in den letzten Jahren, sollte man nicht zu vorurteilsbehaftet mit dem 2015er MARTYRS ins Gericht gehen. Zu aller Überraschung kann der neue Film was – nämlich unterhalten. Statt Angst, Terror und Psychoqual stehen im Neuaufguss Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem die Vorlage ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue MARTYRS überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Hälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem neuen MARTYRS psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das MARTYRS-Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht; aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter so vielen bleiben dürfte.
 
 


 
 
 

MARTYRS – Zensur

 
 
 
Während das Original hauptsächlich mit psychischem Terror überzeugen konnte, fehlt der im Remake fast gänzlich. Hier zählen hauptsächlich blutige Schauwerte, die zum größten Teil aus Schussverletzungen mit einer Schrotflinte bestehen. Außerdem gibt es Elektro-Folterung und Menschenverbrennung zu sehen, sowie eine kurze Häutungsszene. Weil es in der zweiten Hälfte sehr hektisch zugeht, verpuffen jedoch die Gewaltdarstellungen im Eifer des Gefechts. Dennoch musste das MARTYRS-Remake geschnitten werden, um eine FSK-Freigabe erhalten zu können. Diese zensierte Fassung besitzt den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (Mediabook mit dem Original von 2008 und Remake)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Martyrs; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Inside the Creature – Featurette | zusätzlich im Mediabook: Booklet, der Originalfilm Martyrs von 2008

Release-Termin: 03.11.2016 (BD KeepCase und Mediabook)

 

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MARTYRS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)

Eden Lake (2008)

Funny Games (1997)

Menschenfeind (1998)

Inside (2007)

Undocumented (2010)


Filmkritik: „Deadly Home“ (2015)

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DEADLY HOME

(INTRUDERS)

Story

 
 
 
Eine von Angstzuständen geplagte Frau, muss sich nach dem Tod des Bruders vor drei Einbrechern (darunter JOSHUA MIKEL aus LAST SHIFT) in Sicherheit bringen. Leider haben die nicht mit der Schlagfertigkeit ihres Opfers gerechnet, das den Fieslingen zeigt, was eine Harke ist.

 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Kritik

 
 
 
Ein weiteres Machwerk in dem sich ein Haus als Vorort zur Hölle entpuppt. Diesmal sind es jedoch nicht rastlose Seelen, garstige Poltergeister oder gemeingefährliche Dämonen, die für furchtbares Gepoltere und makabren Schrecken sorgen. Stattdessen spielt sich der Horror hinter verschlossenen Türen ab und wird von Menschenhand bewirkt. DEADLY HOME (im Original: INTRUDERS bzw. anfänglich zuviel verratend: SHUT IN) nennt sich teuflisch spannendes Grauen, das den Zuschauer mit auf eine erschreckende Reise in menschliche Abgründe nimmt, während der sich scheinbar friedliebende Menschen in fehlgeleitete Killermaschinen verwandeln. Regisseur ADAM SCHINDLER ist noch recht unerfahren im Horrorbereich, aber macht gleich mit dem ersten Spielfilm alles richtig. Das ist mittlerweile bei unabhängig produzierten Horrorfilmen nichts Ungewöhnliches mehr, denn die Kreativität junger, ambitionierter Horrorfilmmacher scheint keine Grenzen zu kennen. Viele meist selbst horrorbegeisterte Newcomer erkennen die Zeichen der Zeit und drehen Horrorfilme, die Genrefans eben sehen wollen. So entstehen fernab großer Filmstudios erfrischend andere Horrorstreifen, die mit der Angst des Zuschauers experimentieren, schockieren und damit unterhalten – DEADLY HOME ist einer derer.
 
 
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DEADLY HOME ist ein Film voller Überraschungen, denn die Spannung wird stetig gesteigert, weil nicht gleich verraten wird, welch Geheimnis sich um jenes Gebäude rankt, in das sich drei Männer Zutritt verschaffen. Darin lebt die fragile Anna (BETH RIESGRAF), die erst kürzlich Bruder Conrad (TIMOTHY T. MCKINNEY) an den Krebs verloren hat und nun viel Geld erben soll. Der großzügige Nachlass ruft das Interesse von Einbrechern auf den Plan, die die Gunst der Stunde nutzen und während der Beerdigung das Haus erkunden. Leider haben sie nicht mit der Anwesenheit der zermürbten Besitzerin gerechnet, die nicht zur Trauerfeier gehen kann, weil sie unter Agoraphobie leidet. Die bemerkt die unwillkommenen Gäste und beginnt ein makabres Spiel zu spielen, das nur einen Sieger kennt.
 
 
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Home-Invasion-Horror etwas anders, denn Macher ADAM SCHINDLER kopiert nicht lustlos und blutig, um Interesse zu wecken. Statt konventionellen Zu-Hause-Terror zu drehen, in dem sich Einbrecher über ahnungslose Hauseigentümer hermachen und sie brutal quälen, versucht der Regisseur durch einen Richtungswechsel frischen Wind in das mittlerweile nicht mehr ganz so neue Home-Invasion-Genre zu bringen. So vertauscht er im Film die Rollen von Gut und Böse und liefert geldgierige Schurken aus, die von vermeintlich hilflosen Opfern für gesetzloses Handeln bestraft werden. In DEADLY HOME ist mehr Schein als Sein, denn abermals wird ein Blick hinter die Fassade guter Familien gewährt, die eigentlich Furchtbares zu verbergen haben. Damit schwimmt der Beitrag auf gleicher Welle, wie Cravens HAUS DER VERGESSENEN, MUM & DAD oder dem kürzlich besprochenen THE HARVEST – Filme, die zeigen, dass anständige Bürger nicht immer anständig sein müssen.
 
 
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DEADLY HOME besitzt das, was vielen Horrorfilmen neueren Datums fehlt. So liegt der Fokus nicht ausschließlich auf das Kopieren der immer wieder gleichen Horrorgeschichten oder der Zurschaustellung möglichst zeigefreudiger Unmenschlichkeiten. Stattdessen spielt DEADLY HOME mit den Erwartungen des Zuschauers und erfreut durch fesselnde Spannung, welche durch überraschende Wendungen entsteht, die man so nicht kommen gesehen hat. Was wie bekannter Zu-Hause-Horror in der Machart von FUNNY GAMES beginnt, wird bald zum bitterbösen Vergeltungsakt, der eine fehlgeleitete Protagonistin über sich hinauswachsen lässt. Die mutiert zum unaufhaltsamen Racheengel und versteht es, böse Jungs zu bestrafen. Leider gipfelt das kurzweilige Katz-und-Maus-Spiel in einer genretypischen Auflösung, schließlich muss die Skrupellosigkeit von Filmheldin Anna und ihr abgebrühtes Ausradieren von Schurken irgendwie gerechtfertigt werden. Regisseur ADAM SCHINDLER gräbt tief in der Vergangenheit und lüftet Geheimnisse, die bisher nie die Türen des Hauses verlassen haben. Klickt man den Verstand aus, geht das in Ordnung. Rationalisten werden aber wohl eher mit dem Kopf schütteln.
 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböses Katz- und Mausspiel hinter Wohnungstüren vermeintlich friedliebender Hauseigentümer. DEADLY HOME (Originaltitel: INTRUDERS) ist ein weiterer Film vom Produzenten von PARANORMAL ACTIVITY und INSIDIOUS, was wohl alteingesessene Filmliebhaber eher abschrecken dürfte, statt zum Kauf zu animieren. Aber halt, die Werbung im Trailer ist etwas unglimpflich gewählt, denn DEADLY HOME hat soviel mit genannten Filmen gemein, wie Abfallpresse THE ASYLUM mit guten Horrorfilmen. Hinter dem fiesen Indie-Schocker verbirgt sich ein Home-Invasion-Streifen, der gängige Regeln jenes Subgenres bricht und dafür eigene aufstellt. Nach erstem Schnupperkurs als Produzent und Drehbuchautor scheint ADAM SCHINDLER nach DELIVERY: THE BEAST WITHIN Gefallen am Horrorfilm gefunden zu haben und nimmt zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz. Entstanden ist teuflisch spannender Zu-Hause-Terror par excellence, der die Spannung durch unerwartetem Richtungswechsel und überraschenden Wendungen konsequent vorantreibt. Laut einem Interview mit der Fachpresse mag es Regisseur ADAM SCHINDLER, wenn er das Publikum mit Filmen herausfordern kann, die sich in keine Schublade stecken lassen. Mit DEADLY HOME konnte er seine Vorstellungen von Filmen, die er selbst gern sehen würde in die Tat umsetzen. Dafür lies er sich nach eigener Aussage von Home-Invasion-Klassikern, wie STRAW DOGS, WAIT UNTIL DARK, DESPERATE HOURS, PANIC ROOM und das SCHWEIGEND DER LÄMMER inspirieren. Letztgenannter beeindruckte, weil das Gefühl der Angst faszinierte, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zog. Zwar ist DEADLY HOME von jenen Meisterwerken weit entfernt; für den ersten Ausflug ins Regiefach ist fabriziertes Grauen ganz ordentlich. Man darf gespannt sein, was Schindler demnächst aus dem Ärmel schütteln wird.
 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Zensur

 
 
 
Rache zum Schutze der Allgemeinheit durch Selbstjustiz – ein heikles Thema mit dem die FSK auch Jahre nach der Video-Nasty-Ära keinen Spaß versteht. Erstaunlicherweise hat DEADLY HOME von der Prüfbehörde nicht die höchste Altersfreigabe erhalten und dass, obwohl Lynchjustiz rigoros im Film zelebriert wird. Dennoch: Wer hier glaubt, dass Menschen brutal vor der Linse abgeschlachtet werden, wird enttäuscht werden. Die auf dem Filmplakat abgebildeten Mordwerkzeuge kommen nur bedingt zum Einsatz. Zudem deutet Macher ADAM SCHINDLER meist nur an und blendet immer dann weg, wenn es für Gewaltfans interessant wird. Dennoch darf man Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN für die überraschend niedrige Altersfreigabe beglückwünschen. DEADLY HOME wurde ungeschnitten frei ab 16 Jahren in Deutschland veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shut In; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p) | @50 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Interviews

Release-Termin: 17.03.2016

 

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DEADLY HOME – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tiger House (2015)
 
The Aggression Scale (2012)