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Mysterythriller

Filmkritik: „I Remember You“ (2017)

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I REMEMBER YOU

(Ég man þig)

Story

 
 
 
Im ländlichen Island geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das Verschwinden eines kleinen Jungen bringt einen mysteriösen Mordfall ins Rollen, der selbstverständlich gelöst werden muss.

 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Kritik

 
 
 
Jedes Jahr um die Sommerzeit zieht ein Fest durch Deutschland, das Genre-Fans hellhörig werden lässt. Dort nämlich werden aktuelle Filme aus den Bereichen Horror, Thriller und Fantasy auf die Leinwand gebracht, die es nach der Aufführung gern mal auf DVD und Blu-ray schaffen. Die Rede ist vom FANTASY FILMFEST, das sich mittlerweile zur ersten Adresse bei Fans des phantastischen Kinos entwickelt hat, weil die Veranstalter Spreu vom Weizen trennen. Statt üblen Low-Budget-Unfug und austauschbare Billigware zu zeigen, versuchen die Macher Filme aufzuführen, die auch einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen. Wohl auch ein Grund für die Beliebtheit der Veranstaltung, weil das Fest vor Augen führt, dass unabhängiges Genrekino weit mehr kann, als das was uns Hollywood versucht vorzugaukeln.
 
 
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Weg vom bekannten Gruseleinerlei hin zu unkonventioneller Angstmacherei. Mit genau jenem Konzept konnte auch das isländische Mysterydrama I REMEMBER YOU glänzen, das sich auf genannter Veranstaltung als Publikumsliebling entpuppte. Während das FANTASY FILMFEST nämlich in verschiedenen Städten eine Reihe von Genrestreifen im Kino zeigt, darf das Publikum die Besten der Besten küren. Dabei mauserte sich genannter Island-Export schnell zum Geheimtipp und kletterte mit seiner etwas anderen Machart an die Spitze der beliebtesten Gruselfilme des FANTASY FILMFEST 2017. Ganz unbegründet ist die Entscheidung der Zuschauer nicht. I REMEMBER YOU ist nämlich wirklich gut, aber zweifelsohne nichts fürs Kommerzpublikum. Allein dessen ist dieser isländische Genre-Beitrag aber schon mal eine Sichtung wert.
 
 
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I REMEMBER YOU beansprucht die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. So wollen drei junge Leute auf einer isländischen Insel ein Haus auf Vordermann bringen, um es zahlenden Touristen als Bed-and-Breakfast-Hotel zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiten sind mühselig, hat seit über 60 Jahren kein Mensch mehr hier gewohnt. Doch die Renovierungsarbeiten stehen unter keinem guten Stern. In der Hütte scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und auch zwischen den Anwesenden beginnt es bald zu brodeln, weil private Konflikte ans Tageslicht kommen. Währenddessen wird Kilometer weiter ein seltsamer Selbstmord untersucht. Dort hat sich eine alte Dame das Leben genommen auf deren Körper man sonderbare Verletzungen findet. Der ermittelnde und selbst von Sorgen zerfressende Psychologe Freyr beginnt zu forschen und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur, das ihm bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
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Auf Island kommt man langsam in die Gänge. Nach dem unheimlichen Abschiedsdrama RIFT folgt nun ein weiterer Gruselfilm, der gekonnt die Kulisse isländische Abgeschiedenheit nutzt, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Offenbar nimmt man sich Schweden als Vorbild, wo selbst die Traumfabrik vor der unkonventionellen Machart den Hut zog und sich Rechte für Genre-Ware krallte, um daraus neu interpretiertes Kinomaterial im amerikanische Stile zu produzieren. Gleiches könnte auch mit I REMEMBER YOU passieren, denn der Film besitzt eine verschachtelte Geschichte, die gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms ist. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn I REMEMBER YOU ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur ÓSKAR THÓR AXELSSON besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht I REMEMBER YOU auch auf emotionaler Ebene brauchbar und glaubhaft, was vor allem Schauspieler JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Mit ihm fühlt man mit, weil der unter dem kuriosen Verschwinden seines Kindes leidet. Der begegnet dem Sohnemann plötzlich an den undenkbarsten Orten und folgt ihm auf eine Spur, die am Ende des Rätsels Lösung ist. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.
 
 
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Der langsam und bedacht inszenierte I REMEMBER YOU beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reißerischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Letzterer dürfte Besitzer von Heimkinoanlagen das Fürchten lehren, weil der Subwoofer just in jenen Momenten besonders aktiv wird, wenn drohendes Unheil naht. Effektive Gruselzutaten, um einen sehenswerten Genrefilm zu inszenieren. Das ist I REMEMBER YOU mit Sicherheit.
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Die isländische Version des gefeierten Geisterklassikers WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Den Plot zum Film hat sich nämlich die vielfach ausgezeichnete Kriminalautorin YRSA SIGURÐARDÓTTIR ausgedacht, die mit dem zugehörigen Roman „Ég man þig“ einen isländischen Krimi verfasst hat, der angeblich bei Erscheinen im Jahr 2010 so viele isländische Leser nächtelang wach gehalten hat, wie wenige Bücher zuvor. Ganz unbegründet ist die Hype nicht. Auch die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. I REMEMBER YOU besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Da sag noch einer, die Isländer würden von der übrigen Welt nichts mitbekommen. In Sachen Genrefilm hat man auf der Insel im Norden offenbar einiges dazugelernt. I REMEMBER YOU zumindest ist eine Glanzleistung in Sachen Mysterykino. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Zensur

 
 
 
I REMEMBER YOU hat eigentlich kaum Gewalt zu bieten. Zwei Protagonisten werden von herabfallenden Steinen erschlagen und verenden an ihren Verletzungen. Zudem gibt es eine mumifizierte Kinderleiche und tote Körper mit seltsamen Wundmalen zu sehen. Hierzulande hat der isländische Horrorfilm eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ég man þig; Island 2017

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Release-Termin: 18.01.2018

 

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I REMEMBER YOU – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Go On (2016)
 
Devil in the Dark (2017)
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 

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Filmkritik: „Devil’s Gate“ (2017)

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DEVIL’S GATE

Story

 
 
 
Auf einer unheimlichen Farm passieren seltsame Dinge. Was die Polizei dort jedoch findet, geht weit über rationalen Menschenverstand hinaus.

 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Kritik

 
 
 
Ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ein Film von Festival zu Festival gereicht wird? Nicht selten steckt dahinter Kalkül. Viele Festival-Initiatoren zeigen sehenswerte Filme, um möglichst viele Besucher in die Vorstellungen locken zu können. Aber das Einreichen von Filmen kann auch einem anderen Zweck dienen. So kann es gut sein, dass Filme keinen Verleih finden und daher so lange auf diversen Festivals ihr Dasein fristen bis sich endlich ein Einkäufer findet. Im Falle von DEVIL’S GATE können wir aber Entwarnung geben. Auch dieser Streifen wurde auf einschlägigen Veranstaltungen wie dem FRIGHTFEST oder dem TRIBECA FILMFESTIVAL aufgeführt, vermutlich aber nicht mit dem Hintergrund unbedingt ein Käufer für die Heimkinoauswertung zu finden. Diesen dürfte erwähnter Indie-Horror ohnehin schnell gefunden haben, denn DEVIL’S GATE ist weit weg von schlecht und bringt gute Horrorunterhaltung ins gemütliche Wohnzimmer. Darauf dürfen sich Genre-Fans freuen.
 
 
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Was ist denn hier nicht in Ordnung? Das denkt sich auch FBI-Agentin Daria Francis (AMANDA SCHULL). Die muss sich im ländlichen Amerika mit einem Fall beschäftigen, der viele Fragen aufwirft. Im Fokus der Ermittlungen steht Familienvater Jackson Pritchard (MILO VENTIMIGLIA aus STATIC und KISS OF THE DAMNED). Seit einer Ewigkeit sind nämlich dessen Frau und der gemeinsame Sohn verschwunden. Man glaubt an Mord. Doch der ortsansässige Sheriff Conrad ‚Colt‘ Salter (SHAWN ASHMORE aus HATCHET 2 und FROZEN) kennt den Beschuldigten seit der Kindheit persönlich und vermutet andere Ursachen. Grund genug sich auf der heruntergekommenen Ranch besagter Familie umzuschauen. Dort stößt man auf das verstörte Familienoberhaupt, das über den Besuch der Gesetzeshüter so gar nicht erfreut ist. Offenbart versucht er die Farm vor etwas zu beschützen, das es mit der Familie nicht sonderlich gut meint. Und in der Tat. Im Keller erhält man erste Hinweise. Dort haust in einem Käfig ein Wesen, das keinesfalls menschlich ist. Da stellt sich glatt die Frage, was in diesem Heim nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Antwort darauf sucht man in dieser Kritik vergebens. Jeder noch so kleine Spoiler raubt nämlich DEVIL’S GATE die Spannung.
 
 
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Eine abgelegene Farm, bedrohliche Wolken, ein religiöser Fanatiker und der Teufel im Titel. Dieser Film muss mit dem Okkulten zu tun haben, was wohl das Interesse eines Exorzisten auf den Plan rufen dürfte, der hier mit Weihwasser und Kruzifix zu Tate schreiten muss. Überraschenderweise macht Regisseur CLAY STAUB alles anderes. DEVIL’S GATE ist im anderen Subgenre Zuhause und treibt mit unerwarteten Handlungsverläufen die Spannung voran. Leider beinhaltet der Streifen viele Rätsel und überraschende Wendungen, was es an dieser Stelle schwer macht den Film zu rezensieren. Jede Information zu viel zerstört den nicht uninteressanten Plot, der hier immer nur knappe Hinweise darüber liefert, was letztendlich des Pudels Kern ist. Der Zuschauer wird stets häppchenweise mit Antworten versorgt, die am Ende ein rundes Ganzes ergeben. Erst dort macht der Mystery-Plot Sinn und verinnerlicht einmal mehr, dass selbst bekannte Geschichten immer noch gut funktionieren, wenn man sie in einem unvorhersehbaren Drehbuch niederschreibt, das nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt. Dass die erste eigene Arbeit von Regisseur CLAY STAUB eine atmosphärische wie spannende Glanznummer geworden ist, scheint nicht von ungefähr zu kommen. Der Macher war nämlich zuvor an einigen Horror-Produktionen beteiligt, bei denen er wohl das Einmaleins des Angstmachens studiert hat. So stand er als Regisseur der zweiten Unit an der Neuverfilmung des Kultstreifens DAWN OF THE DEAD und dem Prequel zu Carpenters THE THING zur Seite. Immerhin erfolgreiche Filme, die besser waren, als die meisten Neuinterpretationen geliebter Kultklassiker. Qualitativ bleibt Macher CLAY STAUB zumindest seinem Kurs treu. DEVIL’S GATE kann sich sehen lassen und dürfte Freunde unabhängigen Gruselkinos bestens unterhalten. Dank guter (aus TV-Serien bekannter) Schauspieler, professionell getrickster Kreaturen-Effekte und durchdachter Erzählweise ist aus diesem kleinen Grusel-Indie definitiv ein Geheimtipp geworden. Sollte man sich auf die Filmliste setzen.
 
 
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DEVIL’S GATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bedrohlich-düsteres Indie-Kino, das sich nicht gleich durchschauen lässt und bis zum Ende fesselt. DEVIL’S GATE gelingt das Kunststück, welches immer wenigeren unabhängig produzierten Horrorfilmen gelingt. Der Streifen erzählt eine Geschichte, die schnell in den Bann zieht und von der man unbedingt wissen will, wie sie ausgeht. Grund hierfür: Man hat sich beim Verfassen des Drehbuchs Gedanken gemacht und an einem Plot gebastelt, der den Zuschauer anfangs versucht in die Irre zu führen. Wohin die Reise wohl gehen wird? Das bleibt bis zur Hälfte ungewiss. Ein guter Schachzug, um das Publikum bei Laune zu halten. Offenbar war im Falle von DEVIL’S GATE jemand am Regler, der selbst Horrorfan ist und weiß, was Genre-Fans wollen. Letztere dürstet es nach spannenden Geschichten, die gute Unterhaltung versprechen. Das ist Regisseur CLAY STAUB definitiv gelungen. Der zitiert hier Altmeister wie JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER. Die permanent bedrohliche Kulisse tut da ihr Übriges. Essentiell für einen Horrorfilm. Dieser Mysterythriller ist zweifelsohne sehenswert. Bitte mehr von diesen kleinen, qualitativen Low-Budget-Schockern.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt zeigt DEVIL’S GATE nicht. Ein Mann wird von einer Bärenfalle zerquetscht, Ein Bein wird mit einem metallischen Gegenstand durchbohrt, der Brustkorb eines Protagonisten wird aufgerissen und ein Gesicht wird ebenfalls weggeschossen. Hierzulande dürfte eine FSK16 drin sein.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Extraterrestrial (2014)
 
The Recall (2017)
 
Dark Skies – Sie sind unter uns (2013)
 


Filmkritik: „Rift“ (2017)

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RIFT

(RÖKKUR)

Story

 
 
 
Herausforderndes, genreübergreifendes und mehrdeutiges Kino aus Island. Ein mysteriöser Anruf mit Folgen: Der psychisch labile Einar braucht Hilfe und der Ex-Freund schaut nach dem Rechten. Was ihn aber erwartet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren.

 
 
 


 
 
 

RIFT – Kritik

 
 
 
Es ist schon lange her, dass wir auf FILMCHECKER einen Genre-Streifen aus Island besprochen haben. Kein Wunder, hat sich das Land im kühlen Norden nicht unbedingt durch harte Horrorfilme einen Namen gemacht, sondern werkelt eher an anspruchsvollen Produktionen, die im Thriller, Dramen- oder Krimifach Zuhause sind. Umso mehr erfreut es uns alte Filmfüchse, wenn uns dann doch mal wieder etwas Isländisches vor die Linse kommt und uns in Welten entführt, die wir nur von Ansichtskarten kennen. RIFT nennt sich der folgende Mystery-Thriller aus Island, der natürlich Konventionen strotzt und den Filmfan mit Anspruch konfrontiert. Gute Abwechslung also, um kurz vergessen zu können, dass die Mehrheit der Horrorstreifen neueren Datums eigentlich immer nur aus einer Aneinanderreihung bekannter Szenen besteht, in denen billige Schocks, Stereotypen und Klischees die Angst-Sucht des Zuschauers befrieden sollen.
 
 
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Wenn sich zwei Menschen trennen und gezwungen sind über ihre gescheiterte Beziehung zu sprechen. RÖKKUR (so der Originaltitel) feierte 2017 auf dem 35. Filmfest in München Deutschlandpremiere und handelt von einem mysteriösen Anruf, der Gunnar (BJÖRN STEFÁNSSON) aus dem Schlaf reißt und mit Sorgen zurücklässt. Ex-Freund Einar (SIGUROUR PÓR ÓSKARSSON) scheint in Not zu sein, was Gunnar dazu bewegt nach dem Rechten zu sehen. Der reist in die Einöde Islands und hat gar kein gutes Bauchgefühl. Doch der Ex ist über den Besuch überrascht. Er kann sich an keinen Anruf erinnern und hat sich in das Sommerhäuschen der Eltern zurückgezogen, um nach der Trennung wieder klaren Kopf zu bekommen. Für den Besorgten Grund genug für ein paar Tage zu bleiben. Doch die verlaufen anders als gedacht. Nachts klopft es an der Tür, doch niemand steht davor. Und auch Ex-Freund Einar verhält sich neuerdings seltsam. Der beginnt in der Nacht schlafzuwandeln und irrt nackt durch die Einöde. Was das zu bedeuten hat? Der Zuschauer muss sich gut konzentrieren, denn RIFT beansprucht dessen gesamte Aufmerksamkeit.
 
 
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RIFT ist zweifelsohne kein übler Mystery-Thriller. Das unverbrauchte Setting zieht schnell in den Bann und auch die von hervorragenden Schauspielern verkörperten Figuren bleiben über weite Strecken interessant. Was den LGBTQ-Streifen aber problematisch macht sind die falschen Fährten. Davon gibt es in RIFT reichlich, was eigentlich lobenswert ist, um des Pudels Kern des Films möglichst lang verschleiern zu können. Leider verlaufen vieler derer ins Leere und führen den Zuschauer nicht wieder auf den richtigen Weg zurück. So verwirrt die Handlung schnell und der rote Faden geht verloren. Was bleibt sind viele Fragen, die am Ende ein unbefriedigendes Gefühl hinterlassen, weil wohl die meisten Filmfans die Auflösung nicht verstehen. Fatal für einen Horrortrip, der erst am Ende die Katze aus dem Sack lässt. In Interviews erklärte Regisseur ERLINGUR THORODDSEN, dass sich der Zuschauer nicht so sehr auf Logik konzentrieren soll. Vielmehr soll dieser den Fokus auf die Emotionen der Figuren legen. Diese durchleben im Verlauf von RIFT eine Achterbahn der Gefühle. Letztendlich sei darin die Auflösung des Ausnahmestreifens zu suchen. Ob das jedoch ausreicht, um den genreübergreifenden RIFT verstehen zu können, bleibt fraglich.
 
 
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RIFT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Anspruchsvoller Arthaus-Grusel mit atemberaubenden Bildern und beklemmender Schauerstimmung, der sich in keine Schublade pressen lässt. Der isländische Regisseur ERLINGUR THORODDSEN braucht nicht viel, um Grauen heraufbeschwören zu können. Er nutzt die menschenleere Einöde Islands, um maximales Unbehagen entstehen zu lassen. So reicht ein abgelegenes Haus und vier Figuren aus, um RIFT (Originaltitel: RÖKKUR) tragen zu können. Den Rest bescheren Dunkelheit und Geheimnisse. Letztere verbergen Protagonisten nicht ohne Grund. Leider macht sich RIFT das Leben mit falschen Fährten schwer. Irgendwann findet der Zuschauer den roten Faden nicht mehr. Unkonventionell – gut und schön. Doch was nützen die anspruchsvollsten Drehbücher, wenn selbst das Kopfkino des Zuschauers die vielen offenen Fragen des Films nicht beantworten kann. Demzufolge sollte man den Mix aus Mystery-Thriller und Beziehungsdrama mit Vorsicht genießen. Immerhin: Atmosphärisch wird groß aufgefahren. Zumindest in diesen Belangen kann man RIFT nichts vorwerfen, für den sich Macher ERLINGUR THORODDSEN übrigens von Streifen wie DER FREMDE AM SEE und WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN inspirieren ließ.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Zensur

 
 
 
Erst am Ende zeigt der Film etwas Gewalt. So wird ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen und ein Gesicht wird mit einem Teppichmesser bearbeitet. RIFT dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Breaking Glass Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Filmkritik: „Slumber“ (2017)

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SLUMBER

Story

 
 
 

Eine Schlafforscherin bekommt einen besonders seltsamen Fall auf den Tisch, für den sie den rationalen Menschenverstand ausschalten muss, um ihn überhaupt verstehen zu können.

 
 
 


 
 
 

SLUMBER – Kritik

 
 
 
Seit einiger Zeit scheinen Filme über Schlafparalyse schwer im Kommen zu sein. Wir hatten hierzu schon des Öfteren Streifen vorgestellt, in denen Protagonisten während einer Schlaflähmung mit finsteren Gestalten Bekanntschaft gemacht haben. Dass diese Thematik Stoff für Horrorfilme liefert, ist nicht unbegründet. Millionen Betroffene leiden nämlich regelmäßig unter diesem beängstigenden Phänomen bei dem man sich zwar im Wachzustand befindet, aber leider nicht bewegen kann. Was beunruhigend klingt, ist jedoch vollkommen natürlich. Damit man sich nämlich in der Traumphase nicht ununterbrochen bewegt und vielleicht noch verletzt, lähmt der Körper zum Schutz die Muskulatur. Diese Starre wird aber wieder aufgehoben, sobald der Wachzustand eintritt. Dennoch kann es hin und wieder einmal vorkommen, dass es dem Körper nicht sofort gelingt, die Schlaflähmung vom Schlafzustand zu trennen. Das hat zur Folge, dass die Schlafparalyse nicht mit dem Aufwachen endet, sondern auch noch bis in den Wachzustand anhält. Für die meisten Leidtragenden eine beängstigende Erfahrung, die gerade dann Panik auslöst, wenn man zuvor in einem Albtraum gefangen war. Die Betroffenen sehen sich hierbei schutzlos ausgeliefert. Einige derer berichten sogar von Schattenwesen, die ihnen während der Paralyse-Phase nach dem Leben trachten wollten. Wenn das nicht Berichte sind, aus denen sich Horrorfilme machen lassen. Jene Vermutung hatte wohl auch Newcomer JONATHAN HOPKINS. Der probiert sich mit SLUMBER im Angsteinjagen aus. Entstanden ist ein solider Gruseltrip ohne Höhepunkte. Die nächste Regiearbeit kann nur besser werden.
 
 
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Von Albträumen und Schlafstarre. SLUMBER erzählt die Geschichte von Schlafforscherin Dr. Alice Arnolds (MAGGIE Q – bekannt aus actiongeladenen Kinoblockbustern). Die hat als Kind den schlafwandelnden Bruder verloren, der offenbar wegen einer unheimlichen Präsenz aus dem Schlaf gerissen wurde und anschließend aus dem Fenster fiel. Seither ist die Forscherin traumatisiert und von Schuldgefühlen geplagt. Doch das Leben muss weitergehen. Leider wird die Schlafexpertin bald von der Vergangenheit eingeholt. Neue Patienten werden nämlich von seltsamen Vorkommnissen geplagt und suchen Hilfe. Alice nimmt sich der leidgeplagten Familie Morgan an und versucht Lösungen zu finden. Die Familie kann nämlich nicht mehr in Ruhe schlafen und hat Angst vor der Nachtruhe. Ist da etwa Traumdämon FREDDY KRUEGER zugange? Im Falle von SLUMBER ist es eine andere Kreatur, die es auf den Sohn der Familie Morgan abgesehen hat. Der wird von einem hinterlistigen Dämon heimgesucht, der Schlaflähmung ausnutzt, um dem Jungen schlimme Dinge während der Nachtruhe anzutun. Die Eltern sind machtlos und auch Dr. Arnolds weiß nicht so recht, wie sie mit dem Problem umgehen soll. Weil der kleine Patient jedoch die Forscherin an den eigenen Bruder erinnert, beginnt sie den rationalen Verstand auszuschalten und sich mit dem Okkulten zu beschäftigen. Leider bringt sich die Ärztin damit selbst in Gefahr.
 
 
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Hat sich hier wohl jemand von der Dokumentation THE NIGHTMARE inspirieren lassen? SLUMBER fasst nämlich auch die Thematik von boshaften Wesen auf, die Menschen während einer Schlaflähmung heimsuchen. Das macht neugierig. Aber irgendwie ist SLUMBER weder Fisch noch Fleisch. Der Film folgt einer konventionellen Handlung bei der Überraschungen und vor allem Köpfchen fehlen. Schnell wird nämlich klar, was hier passieren wird und welche Wege man geht, um den Spuk beenden zu können. So werden die Patienten während der Nachtruhe von unschönen Erlebnissen geplagt, denen niemand Glauben schenken möchte. Schlafmedizinerin Dr. Alice Arnolds nimmt sich ihrer an und liest ein paar Bücher über Traumdämonen, um am Ende ihre eigene Angst vor der Vergangenheit bewältigen zu können. Oh ja, da hat sich jemand wirklich Mühe beim Schreiben von Skript und Drehbuch gegeben. Wenn es handlungstechnisch nicht klappt, muss eben ein Ass aus dem Ärmel geschüttelt werden. Das nennt sich Atmosphäre und beschert SLUMBER zumindest hin und wieder stimmungsvolle Momente, die wohliges Gruseln garantieren. Sind die Patienten nämlich mit Träumen beschäftigt und macht sich ein Traumdämon am kleinen, schlafgelähmten Daniel Morgan (LUCAS BOND) zu schaffen, dürfen sich Besitzer moderner Heimkinoanlagen freuen. Die Tontechniker haben ganze Arbeit geleistet. Da grummelt es plötzlich aus allen Boxen und Gänsehaut entsteht auch ohne plakative Schockmomente. Subtiles Angsteinjagen nennt man das, was im Grunde nichts Schlechtes ist. Dennoch hätte eine klügere Handlung SLUMBER bei weitem besser gemacht. So geht der Streifen – trotz halbwegs unverbrauchter Thematik – im Sumpf beliebiger Gruselstreifen unter. Es gibt eben mittlerweile zu viele Horrorfilme, die wöchentlich veröffentlicht werden. In Amerika weitaus mehr, als hier in Deutschland. Da bedarf es etwas mehr Tiefgang und Raffinesse, um aus der Masse an unbedeutender Genre-Ware hervorstechen zu können.
 
 
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SLUMBER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Gruselstreifen, der das Phänomen Schlafparalyse und die Angst vor Schlaflähmung zum Thema macht. Leider ist die Geschichte zum Film schnell erzählt und hat auch kaum Überraschungen zu bieten. Das macht SLUMBER beliebig, bei dem man das Gefühl nicht loswerden möchte, als hätten die Macher Potenzial verschenkt. Das geradlinige Drehbuch folgt einer klischeehaften und vorhersehbaren Handlung, die immerhin subtile Gruselstimmung heraufbeschwört. So können auch weniger in Horrorfilmen erfahrene Zuschauer bedenkenlos zuschauen, ohne gleich selbst mit Einschlafproblemen kämpfen zu müssen. SLUMBER ist ein Gruselfilm gedreht nach Schema F, der sich vor allem an ein Publikum richtet, das eine Vorliebe für Old-School-Gruselei besitzt. Hier gibt es weder Gewalt noch Kreaturen aus dem Computer zu sehen. Stattdessen spielt man mit Licht, Schatten und der Phantasie des Zuschauers, um Gänsehaut entstehen zu lassen. Auf den Filmbösewicht darf man in SLUMBER übrigens nur kurz einen (verschwommenen) Blick werfen. Danach sieht man den Traumdämon kein weiteres Mal. Ein raffinierter Schachzug, um das Kopfkino des Zuschauers zu aktivieren. Dennoch ist SLUMBER kein Horror-Hit. Einmal gesehen, hat man ihn schon wieder vergessen. Dazu fehlen dem Gruselfilm Alleinstellungsmerkmale.
 
 
 


 
 
 

SLUMBER – Zensur

 
 
 
SLUMBER ist eher ein subtiler Gruselfilm, der mit der Angst der Schlaflähmung spielt. Gewalt gibt es hier – bis auf eine kurze Szene – gar nicht zu sehen. Darin würgt ein besorgter Familienvater in Rage Schlafforscherin Alice. Eigentlich wäre der Film FSK12-tauglich. Weil der Film wegen seiner düsteren Atmosphäre an einigen Stellen dann doch etwas sehr verstörend wirkt, dürfte SLUMBER wohl eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

SLUMBER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Nightmare (2015)
 
Dead Awake (2016)
 
The Shadow Man (2017)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 


Filmkritik: „Alone“ (2017)

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ALONE

(SEULS)

Story

 
 
 

Fünf Teenager müssen sich in eine Welt ohne Menschen durchschlagen und sind dabei vielen Gefahren ausgesetzt.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Kritik

 
 
 
Ein Endzeitszenario aus Frankreich, in dem Jugendliche in einer Welt ohne Erwachsene ums Überleben kämpfen müssen. Aufmerksamen Horrorfans dürfte da nicht unbegründet ein Licht aufgehen. Vor einigen Monaten haben wir nämlich schon einmal einen Film besprochen, der ähnliche Geschichte erzählt hat. DON’T GROW UP hat aber nichts mit dem folgenden Film am Hut. Die Storyähnlichkeiten in ALONE sind rein zufällig, ebnen jedoch die Grundlage für packende 90 Minuten, die sich vor teuren Kinohits aus Hollywood nicht verstecken müssen. Der hier vorgestellte ALONE wurde nämlich von STUDIOCANAL mitproduziert und macht (vielleicht auch gerade deshalb) visuell einiges her. Trotz aufwändiger Machart kam der Streifen im Entstehungsland nicht besonders gut an, denn niemand wollte ALONE im Kino sehen. Etwas unverständlich, hat der Thriller doch all das zu bieten, was man von dieser Art von Filmen erwartet. Wohl möglich hat’s an Zombies gemangelt. Die sind immer dann zu sehen, wenn sich Überlebende einer menschenleeren Welt durch vereinsamte Straßenzüge arbeiten müssen. Leider muss ALONE ohne die Untoten auskommen. Der Film suggeriert Angst auf anderem Weg und das macht ihn so besonders. Fans mit einer Leidenschaft für Endzeit- und Weltuntergangsszenarien kommen da auf Ihre Kosten, denn auch wenn der Streifen von den französischen Nachbarn kommt, kann der Film weit mehr, als manch millionenschwerer Schnarcher aus der Mache von Bay, Emmerich oder Konsorten.
 
 
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Irgendwo in Frankreich geht der sonst so taffen Araberin Leila plötzlich der Hintern auf Grundeis. Als die nämlich eines Morgens aus dem Bett kriecht, stimmt die Welt nicht mehr. Alle Erwachsenen und Kinder sind verschwunden. Die Stadt scheint menschenleer zu sein. Was ist hier geschehen? Weil Telefon und Internet nicht funktionieren, muss sie zu Fuß nach Antworten suchen. So trifft die Teenagerin auf andere Jugendliche, die sich über die gleiche Frage den Kopf zerbrechen. Was man schnell in Erfahrungen bringen kann, ist wenig erbaulich. Eine Rauchwolke hat die Stadt umschlossen und lässt niemanden hinaus. Die bahnt sich ihren Weg ins Zentrum und hat den Tod im Schlepptau. Doch der mysteriöse Rauch ist bald das kleinere Übel. Durch die Straßen der Stadt schleicht eine weitaus schlimmere Bedrohung in Menschengestalt. Die hat es auf die Alleingelassenen abgesehen und will den Tod der fünf Jugendlichen. Bei so viel Geheimniskrämerei stellt sich doch glatt die Frage, wer hinter all dem steckt und was hier wohl im Argen liegt. An alle Filmdetektive ein gut gemeinter Rat: Vergeudet keine Zeit mit der Suche nach Erklärungen. Die Auflösung errät man nie.
 
 
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Hinter dem nicht ungeschickten ALONE steckt ein französischer Comic mit dem Titel SEULS. Der umfasst mittlerweile 25 Bände und wurde hierzulande unter dem Titel ALLEIN in die Buchläden gebracht. Weil Comicverfilmungen offenbar immer noch schwer angesagt sind, hat man sich nun auch an die ersten fünf Bände besagter Bildergeschichten gewagt und daraus einen spannenden Endzeitthriller inszeniert, der definitiv nichts für Kinder ist. Eine kuriose Angelegenheit, richtet sich doch die Comicvorlage selbst an eine junge Leserschaft, die hier packende Abenteuer gleichaltriger Grundschüler erlebt. Offenbar wollten die Macher der Filmadaption mit den Möglichkeiten der Vorlage spielen. Um zu vermeiden, dass kleine Kinogänger wegen der zugrundeliegende Thematik und einiger unschöner Bilder verstört werden könnten, wurde ALONE letztendlich so konzipiert, dass sich der Streifen dann doch an ein erwachsenes Publikum richtet. Eine lobenswerte Prämisse, kann erst so von einer beunruhigenden Bildsprache Gebrauch gemacht werden, die absolute und zermürbende Ausweglosigkeit vermittelt. So wurden aus den kleinen Kindern der Bücher junge Erwachsene, die sich nun im Film durch eine trostlose Welt kämpfen müssen in der Zusammenhalt zählt, um Überleben zu können. Freundschaft ist eben alles.
 
 
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ALONE geht auf das Konto von jemandem, der sich mit Jugendlichen und Horror auskennt. Der Franzose DAVID MOREAU schockierte 2006 schon einmal mit kontroversem Zündstoff. Der hieß THEM und handelte von einem Paar, das von maskierten Teenagern terrorisiert wurde. Ganz so heftig wird es diesmal nicht – aber mindestens genauso spannend. ALONE entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als französische Version ähnlicher Verfilmungen von Jugendbüchern wie DIVERGENT oder MAZE RUNNER und besitzt sogar Gemeinsamkeiten zu einigen Büchern des viel gelobten STEPHEN KING – darunter DER NEBEL und THE LANGOLIERS. Der Mysterythriller beginnt dabei wie nahezu jeder Endzeitstreifen und steigert die Spannung mit seltsamen Vorkommnissen, die natürlich ergründet werden wollen. So müssen die Helden nach der Ursache suchen, die dazu geführt hat, dass plötzlich alle Menschen verschwunden sind. Zudem muss herausgefunden werden, wer da den Teenagern auf der Lauer liegt und diese am liebsten in den Filmhimmel befördern möchte. Die Antworten darauf sind lobenswerterweise relativ unverbraucht und machen ALONE deshalb zum Geheimtipp. Leider ist der Streifen im Entstehungsland gefloppt. Dies dürfte zur Folge haben, dass (nötige) Fortsetzungen auf sich warten lassen werden. Bedauerlich, hat doch ALONE das Potenzial zu einem Mehrteiler im Stile von Buchverfilmungen wie TRIBUTE VON PANEM oder HARRY POTTER.
 
 


 
 
 

ALONE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine der besten Endzeitstreifen aus Europa. Ja, auch Europa kann Filme drehen, die das Ende der Menschheit thematisieren. ALONE sieht verdammt gut aus und hat auch noch sympathische Filmfiguren in petto. Die erhalten sogar so etwas wie Tiefe und wachsen daher schnell ans Herz. Leider kam die Comicverfilmung im Entstehungsland nicht sonderlich gut an. Der Film floppte unverständlicherweise, weshalb wohl die Verfilmungen der übrigen Bücher auf Eis gelegt wurden. Angesichts des offenen Endes eine bittere Erkenntnis. Die Comic-Realverfilmung ALONE packt nämlich den Zuschauer schnell. Der will natürlich am Ende wissen wie es weitergeht. Leider muss man sich da wohl vorerst mit den bisher erschienenen Comicbüchern zufriedengeben. Die spinnen die Geschehnisse weiter – wenngleich aber kindgerecht. Anders als die Verfilmung richten sich nämlich die Comics an eine eher junge Fangemeinde. Dementsprechend züchtiger geht es dort auch zu. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht Wind davon bekommt. ALONE (der im französischen Original übrigens SEULS heißt) hat Remake-Potenzial. Es würde daher nicht wundern, wenn bald eine amerikanische Version von ALONE um den Globus geht. Mit der Verfilmung von Buchreihen hat die Traumfabrik nämlich Erfahrung, weil sich damit auf Dauer gut Geld verdienen lässt.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Zensur

 
 
 
Die Gewalt im Film ist überschaubar. Ein Körper wird mit einem Pfeil durchbohrt und am Ende bekommt der Filmbösewicht auch noch sein Fett weg. Hierzulande dürfte ALONE demzufolge ohne Probleme eine FSK12 erhalten. Dennoch ist der Film – vor allem wegen der apokalyptischen Stimmung – definitiv nichts für Kinder.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei StudioCanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)
 
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)
 
Bad Kids of Crestview Academy (2017)
 
Die Bestimmung – Divergent (2014)
 
Stephen Kings Langoliers – Verschollen im Zeitloch (1995)
 


Filmkritik: „Night of the Virgin“ (2016)

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NIGHT OF THE VIRGIN

(LA NOCHE DEL VIRGEN)

Story

 
 
 
Ein Film dessen Handlung auch ein pubertierender Teenager mit Dauererektion zu Papier hätte bringen können. Darin gerät eine männliche Jungfrau in die Fänge einer älteren Dame, die den jungen Mann nicht seiner Unschuld berauben will, sondern … ach, Ihr werdet schon sehen.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Kritik

 
 
 
Die Spanier trauen sich was. Nach umjubelten Gruselfilmen und hektischen Zombie-Krachern wird diesmal die Ekelkeule geschwungen. Das hat man nicht kommen sehen, zeichnet sich doch das spanische Genrekino dadurch aus, stets einen gewissen Anspruch zu bewahren, um auch Feingeister ansprechen zu können. Mit folgendem Streifen werden Erwartungen gebrochen. Die Horrorkomödie NIGHT OF THE VIRGIN ist nämlich aus einem anderen Holz geschnitzt und dürfte damit jedem Fan spanischen Horrorkinos vor den Kopf stoßen. Adé die Zeiten subtilen Grauens – dieser Film setzt auf niedere Instinkte und war bisher damit erfolgreich. Die groteske Horror-Produktion aus Spanien räumte auf Festivals Preise ab und ließ selbst Regisseur ELI ROTH erstaunen. Der urteilte streng und attestierte Mut. In Interviews erklärte der amerikanische Filmemacher, dass der Regisseur hinter NIGHT OF THE VIRGIN weitaus mehr zeigt, als sich Roth selbst trauen würde. Gemeint hat er damit ROBERTO SAN SEBASTIÁN. Der hat mit seinem blutigen Kammerspiel den ersten Spielfilm gedreht und damit auch gleich ins Schwarze getroffen. Bevor jedoch Jubelstimmung aufkommt sei gesagt: NIGHT OF THE VIRGIN ist blutig – keine Frage. Trotzdem ist das Machwerk weit weg von gut. Da hat Spanien schon bessere Tage gehabt.
 
 
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Was predigt Mutti bereits den ganzen Kleinen: Geht nicht mit fremden Leuten mit. Der 20-jährige Nico (JAVIER BÓDALO aus THE DEVIL’S BACKBONE) ist im besten Alter. Während Gleichaltrige Erfahrungen sammeln und junge Frauen daten, ist der unbeholfene Spanier immer noch Jungfrau. Doch das soll sich jetzt ändern. In der Silvesternacht beschließt der junge Mann seine Unschuld zu verlieren, nimmt all seinen Mut zusammen und tanzt auf einer Party attraktive Damen an. Die fühlen sich aber von den Annäherungsversuchen des eher schmächtigen Nicos belästigt und suchen das Weite. Für den Helden unserer kleinen Geschichte eine herbe Enttäuschung. Der steht nämlich unter Druck, weil er seinen Freunden Beweise für den Verlust seiner Unschuld liefern will. Da macht er Bekanntschaft mit der reifen Medea (MIRIAM MARTÍN). Die ist zwar deutlich älter als das Objekt ihrer Begierde, nimmt den unerfahrenen Nico aber mit zu sich nach Hause. Dort ist es zwar nicht sonderlich rein und Statuen einer nackten Gottheit erwecken alles andere als Vertrauen. Dennoch begibt sich die männliche Jungfrau in die Hände der erfahrenen Gastgeberin und erlebt dabei die Hölle auf Erden. Was folgt ist ein ekliger Albtraum aus Erbrochenem, Urin, Ejakulation, Blut und sonstigem Körperschleim in dem sich der Held dieser kleinen Geschichte suhlen wird. Mehr über die absurde Handlung zu verraten, wäre gemein.
 
 
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NIGHT OF THE VIRGIN als neuen Kultstreifen zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Der Film ist nämlich weder Fisch noch Fleisch und hat ein großes Problem mit dem Tempo. Viel Sitzfleisch wird vorausgesetzt, denn in den knapp zwei Stunden Laufzeit passiert nicht sonderlich viel. Das ist dahingehend enttäuschend, weil NIGHT OF THE VIRGIN im Vorfeld für Furore gesorgt hat. So fand die Horrorkomödie vor allem wegen Ekelmomente auf einschlägigen Filmfestivals Anklang. Dort wurden sogar – ähnlich wie bei Kinovorstellungen des Horrordramas RAW – Kotztüten im Publikum verteilt wurden, um die Vorfreude Ekel-erprobter Zuschauer steigern zu können. Leider ist NIGHT OF THE VIRGIN einer jener Filme, der wohl nur im Kino unter grölenden Gleichgesinnten Freude bereiten wird. Vor der heimischen Glotze verliert der Streifen einen Großteil seines Spaßcharakters und wird stattdessen zum Geduldsspiel. Regisseur ROBERTO SAN SEBASTIÁN nimmt sich zu viel Zeit mit dem Erzählen seiner skurrilen Geschichte. Das dürfte die meisten Horrorfans abschrecken. Die bekommen zwar hin und wieder provokante Szenen mit Körperflüssigkeiten zu sehen, müssen sich aber anschließend durch unwichtige Dialoge kämpfen bis sich der Streifen nach einer gefühlten Ewigkeit in weiteren Geschmacklosigkeiten suhlt. Da werden die Augen schnell schwer, zumal kein Spannungsbogen vorhanden ist und sich auch nicht erschließen will, welcher Sinn sich hinter NIGHT OF THE VIRGIN eigentlich verbergen soll. Filmemacher ROBERTO SAN SEBASTIÁN hat mit seinem ersten Spielfilm einen provokanten und absonderlichen Tabubrecher inszeniert, der durchaus seine Zuschauer finden wird. Letztere benötigen hier nicht nur einen gesunden Magen. Auch der vulgäre Humor ist nicht jedermanns Sache und dürfte den meisten Zuschauer mit seiner beinahe pubertären Primitivität vor den Kopf stoßen. Angesichts mancher Szenen im Film nicht verwunderlich. So wird von Menstruationsblut gekostet oder auf Babyfotos ejakuliert. Nun ja, wer sich bei so Ekelquatsch wie THE GREASY STRANGLER oder KUSO kringelig gelacht hat, wird vermutlich auch NIGHT OF THE VIRGIN als hohe Filmkunst bezeichnen. Wir zumindest haben uns bei NIGHT OF THE VIRGIN über weite Strecken einfach nur gelangweilt.
 
 
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NIGHT OF THE VIRGIN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Da hat sich wohl jemand von den tabufreien Anfangswerken des PETER JACKSON und den Anarcho-Exzessen des Spaniers ÀLEX DE LA IGLESIA inspirieren lassen. NIGHT OF THE VIRGIN ist ein Highlight des schlechten Geschmacks und versucht sämtliche Tabus zu brechen. Der Zuschauer bekommt hier zu sehen, was sich so alles aus Körperflüssigkeiten und Lebenssaft machen lässt. Das Resultat ist ein polarisierender Rausch aus Erbrochenem, Urin, Ejakulation, Blut und sonstigem Körperschleim. Trotz tabubrechenden Absichten klingt das alles zu schön um wahr zu sein. LA NOCHE DEL VIRGIN – so wie der spanische NIGHT OF THE VIRGIN im Original heißt – ist leider kein Hit. Der ambitionierte Filmexport hat unter seinem schleppenden Erzählstil zu leiden und wiederholt zu oft die gleichen Handlungsverläufe. Das dürfte die meisten Zuschauer zum frühzeitigen Abschalten bewegen. Weil viele der Ekelmomente erst ab Filmmitte zelebriert werden, könnte es gut sein, dass viele Horrorfans einen Großteil der unappetitlichen Szenen erst gar nicht zu sehen bekommen. Manchmal ist es eben besser, wenn man Filme mit Trompeten und Paukenschlägen einführt, um die Aufmerksamkeit des Publikums für sich beanspruchen zu können. Neuling ROBERTO SAN SEBASTIÁN geht es anders an. Der bombardiert den Zuschauer erst einmal mit unwichtigen Dialogen, bevor überhaupt erst einmal der Titelschriftzug auf der Mattscheibe angezeigt wird. So ähnlich geht es dann auch weiter. Eklige Szenen, die provozieren wollen sind eben nicht alles. In inflationären Horrorzeiten, wie der heutigen muss man sich schon mehr ausdenken, um das Interesse von Genrefans gewinnen zu können.
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Zensur

 
 
 
NIGHT OF THE VIRGIN wurde von der FSK erst für ein volljähriges Publikum freigegeben. Angesichts der nicht jugendfreien Szenen im Film berechtigt. Auf dem Cover der Heimkinofassung klebt das rote FSK-Zeichen: keine Jugendfreigabe. Hierzulande wurde die Horrorkomödie ungeschnitten veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (Mediabook mit Blu-ray & DVD auf 5000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: La noche del virgen; Spanien 2016

Genre: Komödie, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnitten Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook auf 3666 Stück limitiert

Extras: Absurd Stuff, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Poster, Kotztüte und umfangreiches Booklet. Außerdem ist im Mediabook eine Bonus DVD enthalten. Darauf befindet sich: Making-of, B-Roll, Lost Footage, Kurzfilm „YAYOS“ + einiges mehr!

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 17.11.2017

 

Night of the Virgin – Mediabook [DVD + Blu-ray + Bonus DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Night of the Virgin [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Mediabook

 
 
 
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Anbieter PIERROT LE FOU veröffentlicht NIGHT OF THE VIRGIN zeitgleich zur herkömmlichen Veröffentlichung im KeepCase auch in einem limitierten Mediabook. Dieses ist auf 3666 Stück limitiert und beinhaltet zusätzlich einen Buchteil sowie ein Poster zum Film und eine Kotztüte als exklusiven Gimmick. Ebenso ist NIGHT OF THE VIRGIN im Buch als DVD und Blu-ray enthalten. Der Inhalt der beiden Scheiben ist identisch mit dem Inhalt der Einzelveröffentlichung. Zusätzlich im Mediabook ist aber noch eine Bonus-DVD enthalten. Diese beinhaltet noch weiteres filmbezogenes Bonusmaterial.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of Something Strange (2016)
 
Meet the Feebles (1989)
 
Bite (2015)
 
Septic Man (2013)
 
Crazy Murder (2014)
 
The Greasy Strangler (2016)
 
Crazy Murder (2014)
 


Filmkritik: „Stephen Kings Stark“ (1993)


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK

(THE DARK HALF)

Story

 
 
 

Schöngeist Thad Beaumont verfasst Horror-Romane, deren blutrünstigste niedergeschriebene Aussetzer er unter dem Nome de plume George Stark veröffentlicht. Als ein schmieriger Neider Beaumont erpressen will, es geht um die Enttarnung des Pseudonyms, werfen wir einen Blick in die sonderbare medizinische Vergangenheit des ach so harmlosen Autoren und werden Zeugen einer gänzlich andersartigen Manifestation des Unholds Mr. Stark.

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Kritik

 
 
 
Als erstes ist STARK, das sieht der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock, Stephen Kings Variation einer der bekanntesten Horrorliteratur-Ideen überhaupt: Der böse Zwilling, der Doppelgänger, das andere Ich. Populärstes Exempel R.L. Stevensons Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Direkter Einfluss der Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Erfolgsgeschichte der Psychoanalyse Siegmund Freuds auf das Genre des Schauerromans. Unter dieser ersten, inhaltlichen Oberfläche bekommt es der Leser, hier besser gesagt und fortgesetzt: der Zuschauer, mit dem möglicherweise am stärksten autobiographisch gefärbten Stoff des Meisters aus Maine zu tun. Schreiben, Saufen, Schreiben, Saufen, Ohnmacht, Saufen, Schreiben. Heute weiß man, wie heftig die Todeskämpfe mit König Alkohol getobt haben müssen, der besonders in der ersten Lebenshälfte Kings mehr und mehr Kontrolle über seine Person und sein kreatives Ich gewinnen sollte. Mit ein paar Jahrzehnten Distanz spricht der im Zweifel wichtigste Horror-Romancier nicht nur der Gegenwart offen, ehrlich und sogar ironisch von jenen Jahren, in denen zwar unbestrittene Meisterwerke des Horrors wie CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER entstanden, über die er jedoch vom herbeigesoffenen Filmriss bedingt keinerlei Erinnerung besitzt. Man kann sagen, Stephen King sind die misslichen Abenteuer seines Buchhelden Beaumont mit dem hemmungslosen Herrn Stark nur all zu bekannt. So lohnt sich mehrfaches Beschäftigen mit STARK ungemein, möchte man nicht nur hervorragend unterhalten werden, sondern auch noch intime Einblicke ins Unterbewusstsein seines Schöpfers gewinnen. Hier können jetzt Beaumont und King gemeint sein. Viele Häute hat die Zwiebel.
 
 
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Der erst jüngst – das wisst Ihr natürlich – abgetretene George A. Romero war nicht nur selbst langjähriger guter Freund der Whiskeyflasche, er teilte den Rausch auch regelmäßig mit seinem Bruder im Geiste King. Bei den Dreharbeiten zu CREEPSHOW etwa, waren beide nur mit vier Promille an Bord. Trotzdem oder gerade deswegen brachte die hochprozentige Zusammenarbeit der beiden Ostküsten-Spritmeister immer wieder schöne Ergebnisse mit sich. STARK ist ein Höhepunkt. Er funktioniert als Horror-Reißer und unterhält wirklich ganz prächtig. Dazu ist er einer der stärksten Filme, die Kings real life diabolischer Zwilling George abseits seiner ersten „…OF THE DEAD“- Zombie-Kultwerke hinbekommen würde, machen wir uns da mal nichts vor. Bei aller Verbundenheit zu Einkaufszentren in Pittsburgh.
 
 
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STEPHEN KINGS STARK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Stephen Kings sehr persönlicher Stoff, verständnisvoll und doch effektiv von seinem echten Freund George A. Romero auf die Leinwand gebracht. Hier wurde tatsächlich mal alles richtig gemacht.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Zensur

 
 
 
STEPHEN KINGS STARK hatte es bisher in Deutschland nicht leicht. Wenige Monate nach der Veröffentlichung landete der Gruselstreifen im Jahr 1994 auf dem Index. Die Indizierung besteht bis heute. Neben der ungeschnittenen, indizierten Fassung wurde eine FSK-geprüfte Filmversion auf VHS veröffentlicht. Diese musste knapp sechs Minuten geschnitten werden, um eine Freigabe erhalten zu können. Im Jahr 2017 feierte der King-Klassiker seine HD-Premiere. OFDB FILMWORKS erwarb die Rechte und warf den Streifen in einer limitierten Sonderausgabe auf den Markt. Diese Filmversion ist ungeschnitten, ist aber wegen der Indizierung nur in einschlägigen Onlineshops erhältlich und darf nur an volljährige Filmfans verkauft werden. Weil sich Sehgewohnheiten geändert haben, ist die Indizierung jedoch ungerechtfertigt. Für heutige Verhältnisse befinden sich die Gewaltakte im Film aus FSK16-Niveau. Sollte die Indizierung irgendwann aufgehoben und STARK neu geprüft werden, ist eine Jugendfreigabe nicht unwahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks (Digipack – Front)

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(c) OFDB Filmworks (Digipack – Rückseite)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dark Half; USA 1993

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch (Linear PCM 2.0), Englisch (Linear PCM 2.0)

Untertitel: Film: Deutsch, Englisch | Extras: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 121 Min.

FSK: Ungeprüfte Fassung – indiziert (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack – limitiert auf 2000 Stück

Extras: Audiokommentar mit Regisseur George A. Romero (englisch), Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch), The Directors: George A. Romero – Dokumentation über den Regisseur, The Sparrows Are Flying Again – The Making of „The Dark Half“, Deleted Scenes, Behind The Scenes Footage: Special Effects, Behind The Scenes Footage: On The Set, Vintage Making of Featurette, Vintage Interviews, deutscher und englischer Kino-Trailer, TV-Spot, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch

Veröffentlichung: Digipack: 07.07.2017

 
 
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Stephen Kings Stark [3-Disc Digipak mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei OFDB FILMWORKS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Unzertrennlichen (1988)
 
Schwestern des Bösen (1973)
 


Filmkritik: „Ghost House“ (2017)

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GHOST HOUSE

Story

 
 
 

Ein Urlaub mit Schrecken: Zwei Urlauber werden in Thailand von einem Geist verfolgt, der offenbar eine Leidenschaft fürs Terrorisieren von Touristen besitzt.

 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Kritik

 
 
 
Vermutlich glauben nur die wenigsten Leser hier an Geister oder Gespenster. In aufgeklärten Zeiten wie der unseren ist das aber auch kein Wunder, gehören Dämonen, Spuk und Geisterwesen in die Welt des Aberglaubens, mit denen man vor allem Kindern gern mal einen Schreck einjagen kann. Anders sieht es da in Thailand aus, denn dort ist der Glaube an Geister weit verbreitet. So ist es nicht unüblich einen eigenen Haus- und Hofgeist zu haben, der natürlich gebührend beherbergt werden muss! Thais glauben nämlich, dass jedes Stück Land von einem Geist bewohnt wird. Will man darauf ein Haus bauen, nimmt man der rastlosen Seele das Zuhause weg. Um die Kreaturen nicht zu verärgern, bauen ihnen die Thailänder eigene Häuschen und richten diese gemütlich ein. Die stehen in der Regel an Grundstücksgrenzen, damit unliebsame Menschen möglichs früh von den Bewohnern der kleinen Häuser vertrieben werden können. Genau jene Thematik liegt dem folgenden GHOST HOUSE zugrunde. Hier muss die interessante Folklore aber als Alibifunktion herhalten, damit lautes Spuktheater veranstaltet werden kann. Regisseur RICH RAGSDALE nutzt Thai-Legenden aus, um das Massenpublikum mit oberflächlicher Gruselware zu beglücken. GHOST HOUSE ist demzufolge eher Gruselhappen ohne Überraschungen. Wer mehr über die kleinen Geisterhäuser im Film wissen möchte, muss selbst recherchieren.
 
 
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Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Julie (SCOUT TAYLOR-COMPTON aus 247°F) und Jim (JAMES LANDRY HÉBERT aus CARNAGE PARK) vor ihrem Trip nach Thailand Reiseführer besorgt und diese auch studiert hätten. Dann wäre ihnen so manch Problem im Reiseland erspart geblieben. Die wollen dort heilige Geisterschreine – auch San Phra Phum genannt – fotografieren, ohne sich davor ausführlich mit diesen unheimlichen Gegenständen auseinandergesetzt zu haben. Die Lehre folgt auf dem Weg. Zwei Briten nutzen die Unwissenheit der Touristen aus, um ihnen etwas Furchtbares anzuhängen. Sie führen das ahnungslose Paar zu einem besonders gefürchteten Exemplar, wo Julie eine mysteriöse Figur aus genanntem Schrein entwendet und so den Zorn eines besonders bösen Geistes auf sich lenkt. Da ist plötzlich Schluss mit Reise- und Entdeckungslust. Eine grimmige Geisterfrau heftet sich an die Fersen der attraktiven Urlauberin und beschert ihr die Hölle auf Erden. Gut, dass Jim seine Freundin liebt. Der versucht dem Spuk ein Ende zu bereiten und findet heraus, dass die Liebste unter einem Fluch steht. Leider hat er nur drei Tage Zeit, um das Desaster rückgängig zu machen. Anderenfalls ist die Liebe seines Lebens für immer verloren. Ob am Ende alles gut wird? Man wird sehen.
 
 
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Wenn Amerikaner Gruselfilme drehen, die sich mit fremden Bräuchen und Traditionen beschäftigen, kann in der Regel nur überflüssiger Nonsens entstehen. GHOST HOUSE ist nichts anderes, als ein weiterer Versuch mit fernöstlicher Mythologie Kasse zu machen. Der Film macht es den Neuverfilmungen THE GRUDGE oder RING gleich und bringt seichte Gruselei ins Heimkino, die sich fremder Folklore bedient von der hierzulande nur die wenigsten gehört haben. Das mag sich zwar auf den ersten Blick erfrischend oder gar interessant anhören. Das Ergebnis wurde aber einfältig amerikanisiert, so dass die Erforschung thailändischen Geisteraberglaubens zügig ins Abseits gerät. GHOST HOUSE klappert ab, was eigentlich nicht neu ist und in so jedem Geisterfilm abgehandelt wird. Ein Geist ist wütend und treibt allerhand Schindluder mit seinen Opfern. Dabei wird der Zorn durch Einsatz möglichst fieser Schreckmomente, unheimlicher Geräuschkulisse und düsterer Optik zum Ausdruck gebracht. Leider wirken viele Schockmomente abgenutzt, denn sonderlich originell wird nicht erschreckt. So erscheint die garstige Kreatur der heimgesuchten Filmheldin in unmöglichsten Momenten abrupt und treibt ihr Opfer damit in den Wahnsinn. Immerhin besitzt GHOST HOUSE trotz Jump Scares und vorhersehbarer Handlung reichlich Tempo, das den konventionellen Spuk-Brei halbwegs unterhaltsam gestaltet. Die Protagonisten müssen einen Weg finden, den Fluch zu brechen und holen sich Rat bei Einheimischen, die selbstverständlich wissen wie man dem Spuk ein Ende bereiten muss. Klingt abgedroschen, ist es auch. Für Fans von DER FLUCH VON DARKNESS FALLS oder DON’T KNOCK TWICE vermutlich dennoch einen Blick wert. Ein informatives Buch über die sogenannten Geisterhäuser in Thailand dürfte hingegen wohl mehr Gänsehaut bescheren.
 
 
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GHOST HOUSE – Fazit

 
 
 

6 Punkte Final

 
 
 
Andere Länder, andere Sitten: Konventionelles Spuktheater, das sich zwar thailändischer Folklore bedient aber dann doch aussieht, wie Geister-Allerlei großer amerikanischer Studios. Visuell kann GHOST HOUSE überzeugen. Der Gruselstreifen schaut atmosphärisch aus und auch obligatorische Schreckmomente verfehlen ihre Wirkung nicht. Leider geht der Film zu beliebig vor und hebt sich nicht von den üblichen Konsorten ab. Wieder einmal treibt ein Geist Schabernack. Die Filmhelden müssen Antworten finden und den Unruhestifter in seine Schranken weisen. Sonderlich neu oder originell ist das nicht. Wegen der straffen Inszenierung ist GHOST HOUSE zumindest halbwegs unterhaltsam – Langeweile kommt nämlich kaum auf. Dennoch bleibt nach Sichtung nicht sonderlich viel hängen, weil GHOST HOUSE ein typischer Vertreter der Sorte „einmal gesehen und schnell wieder vergessen“ ist. Aufgrund der interessanten und unverbrauchten Thematik über thailändische Geisterschreine irgendwie schade.
 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Zensur

 
 
 
GHOST HOUSE hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Hier handelt es sich in erster Linie um einen Gruselstreifen, der von Schocks und Schreckmomenten lebt. Immer wieder taucht die Geisterfrau unverhofft auf, um der Filmheldin den Verstand zu rauben. Gewalttechnisch gibt es nur einen abgeschnittenen Finger zu sehen – das war’s. Hierzulande dürfte der Streifen wegen seiner gruseligen Momente eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Fluch – The Grudge (2004)
 
Drag Me to Hell (2009)
 
Don’t Knock Twice (2016)
 
Der Fluch – The Grudge 2 (2006)
 
The Eye (2002)
 
Make Me Shudder (2013)
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)
 


Filmkritik: „Dave Made a Maze“ (2017)

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DAVE MADE A MAZE

Story

 
 
 

Ein selbstgebautes Labyrinth – das offenbar als Metapher für die Midlife-Crisis eines jungen Mannes dienen soll – gerät aus den Fugen. Erbauer Dave hat sich selbst darin verlaufen und weiß nicht mehr weiter. Da ist guter Rat teuer.

 
 
 


 
 
 

DAVE MADE A MAZE – Kritik

 
 
 
Wenn man so etwas toleriert, muss es wahrlich Liebe sein. Als Annie (MEERA ROHIT KUMHANI) eines Abends von einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, traut sie ihren Augen nicht. Die Wohnstube ist mit Pappkartons übersät und von Freund Dave (NICK THUNE) weit und breit keine Spur. Doch der ist gar nicht so weit, wie die Liebste anfangs vermutet. Der kreative Tüftler sitzt nämlich inmitten seiner Papp-Konstruktion und findet nicht mehr heraus. Dave hat aus Schachteln ein Labyrinth gebaut, das ein skurriles Eigenleben führt. Was von außen klein erscheint, ist nämlich im Inneren riesig. Trotz aller Warnungen wird ein Rettungsversuch gewagt. Zusammen mit einigen Freunden betritt Freundin Annie den seltsamen Irrgarten und bringt sich dabei in Gefahr. Was leider niemand ahnt: Die komplexe Konstruktion ist mit Fallen gespickt. Zudem zieht ein aggressiver Minotaurus in den Gängen seine Runden. Was folgt ist ein entdeckungsreicher Ausflug mit surrealen Vorkommnissen, den keiner der Anwesenden so schnell vergessen wird.
 
 
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Von Helden, die sich in bemalte Handpuppen aus Pappe verwandeln und Lebenssaft, der in Luftschlangen-Form aus Körpern tritt. Was nur haben Drehbuchautor STEVEN SEARS und Regisseur BILL WATTERSON geraucht, um auf so sonderbare Ideen zu kommen? DAVE MADE A MAZE ist zweifelsohne einer der abgefahrensten Filme des Jahres 2017 und beweist mal wieder eindrucksvoll, dass solch absurde Streifen eigentlich nur aus dem Indie-Bereich kommen können. Ausschließlich hier entsteht Unkonventionelles, was sich große Studios in der Regel nicht trauen zu produzieren. Das ist offenbar auch gut so. Selten hat man einen so ungewöhnlichen Streifen zu sehen bekommen, der sich dazu auch noch weigert, ernst genommen zu werden. Gebotenes macht keinen Sinn und lebt in erster Linie von kreativen Einfällen, die DAVE MADE A MAZE über Wasser halten. Die Sache hat nur einen Haken. Inhaltlich wird auf Sparflamme geköchelt, was den positiven Gesamteindruck trübt. Die wenigen Protagonisten irren durch Pappräume, quasseln lustige Sprüche und versuchen einen Weg nach Draußen zu finden. Weil das Labyrinth aber ein Eigenleben führt und stetig wächst, wird das Herauskommen zum Kraftakt.
 
 
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Trotz surrealer Bilderflut und liebevoll gestalteter Pappkulisse ist DAVE MADE A MAZE ein zweischneidiges Schwert. Dem Film mangelt es an Substanz und auch ein Spannungsbogen ist kaum zu verzeichnen. Der Streifen hangelt sich von Einfall zu Einfall, besitzt aber weder Tiefe noch Botschaft. Ein bedauerliches Fiasko, das angesichts der Ausstattung übel aufstößt, weil Regisseur BILL WATTERSON viel Herzblut in die visuelle Umsetzung seiner Ideen investiert haben muss. Der zeigt hier mit viel Liebe zum Detail, dass Filme auch mit schmalem Geldbeutel gedreht werden können und dazu auch noch nach was ausschauen. Wem das bewusst ist und sich auf dieses groteske Filmerlebnis einlässt ohne Erwartungen zu stellen, könnte dennoch gut unterhalten werden. Das kann DAVE MADE A MAZE tadellos. Zum neuen Kultfilm fehlt jedoch noch ein Stück.
 
 
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DAVE MADE A MAZE – Fazit

 
 
 

6 Punkte Final

 
 
 
Schon mal einen Minotaurus aus Pappe gesehen, der Jagd auf Menschen macht? Wenn dem nicht so sein sollte, könnte ein Blick in DAVE MADE A MAZE Erleuchtung bringen. Hier will ein Mittdreißiger der Midlife-Krise entkommen und allen zeigen, dass er auch etwas auf die Beine stellen kann, von dem die Leute reden werden. Prompt bastelt er an einem Labyrinth aus Pappe, das sich bald verselbstständigt. DAVE MADE A MAZE macht visuell alles richtig. Der Streifen sieht nach deutlich mehr aus, als er vermutlich gekostet hat. Regisseur BILL WATTERSON hat mit dem ersten Spielfilm eine sonderbare Welt aus Pappe kreiert, die man in derart Form vermutlich noch nie auf der Mattscheibe hatte. Optischen Gags und kreative Einfälle gibt es hier en masse. Leider hapert es etwas mit der Geschichte. Die will trotz visuellem Detailreichtum irgendwie nicht so recht zünden. Demnach lebt DAVE MADE A MAZE ausschließlich von seinen surrealen Bildern, hat aber sonst wenig zu bieten. Ob visuelle Raffinessen allein ausreichen, um 80 Minuten zu füllen, sollte jeder selbst für sich ergründen. Uns war’s leider etwas zu wenig.
 
 
 


 
 
 

DAVE MADE A MAZE – Zensur

 
 
 
Blut oder Gewalt gibt es eigentlich gar nicht zu sehen. Der Irrgarten ist mit Fallen übersät denen die Freunde von Filmheld Dave nacheinander zum Opfer fallen. Statt Blut fliegen aber rote Luftschlangen durch die Luft. Zudem werden die Morde humoristisch dargestellt und wirken zu keiner Zeit hart. Deshalb dürfte DAVE MADE A MAZE eine FSK12 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DAVE MADE A MAZE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
My Name Is Bruce (2007)
 
Bubba Ho-Tep (2002)
 
Jumanji (1995)


Filmkritik: „Camera Obscura“ (2017)

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CAMERA OBSCURA

Story

 
 
 

Ein Veteran und Ex-Kriegsfotograf kommt dem Sensenmann in die Quere. Mit einer Kamera kann er den Tod von Menschen voraussehen und versucht dadurch Leben zu retten. Ein fataler Fehler – wie sich bald herausstellen wird.

 
 
 


 
 
 

CAMERA OBSCURA – Kritik

 
 
 
Wäre es nicht schön, wenn man den Sensenmann überlisten und dadurch den Tod unschuldiger Menschen verhindern könnte? Was bereits mit Filmen wie FINAL DESTINATION oder TELL ME HOW I DIE packend fürs Kino umgesetzt wurde, soll jetzt noch einmal für schnellen Herzschlag sorgen. CAMERA OBSCURA nennt sich ein weiterer Streifen, der sich mit jener hilfreichen Gabe beschäftigt, die Pläne von Gevatter Tod zunichte macht. Diesmal sind es aber keine Visionen oder Tagträume, die das baldige Ableben von Menschen voraussagen. In diesem, vom Horrorkanal CHILLER produzierten Gruselstreifen ist es eine alte Kamera, die Fluch und Segen zugleich ist. Die fällt Veteran und Ex-Kriegsfotograf Jack Zeller (CHRISTOPHER DENHAM aus THE BAY) in die Hände. Freundin Claire (NADJA BOBYLEVA) möchte ihrem Liebsten was Gutes tun und ersteigert die alte Fotokiste auf einer Auktion, um sie ihm als Geburtstagsgeschenk zu übergeben. Da Jack in der Vergangenheit viel Elend und Leid festgehalten hat, ist er über das Geschenk anfangs nicht sonderlich erfreut. Doch er gibt sich einen Ruck und setzt seine Fotoarbeiten mit dem antiken Gerät fort. Leider passieren bald seltsame Dinge. Die ersten Abzüge zeigen nämlich Motive, die der erfahrene Fotograf gar nicht geknipst hat. So sind auf den Bildern tote Menschen zu sehen, die auf schreckliche Weise ihr Leben verloren haben. Das Mysterium löst sich bald auf. Die neue, alte Kamera hält nämlich die Zukunft fest. Auf den Bildern sind Menschen zu sehen die bald sterben werden. Für Jack Anlass genug, um deren Leben zu retten. Leider versteht der Sensenmann mit ambitionierten Lebensrettern so gar keinen Spaß. Der erteilt dem eifrigen Fotografen eine Lektion und führt Jack so in einen Teufelskreis aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt.
 
 
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CHILLER FILMS macht’s noch mal mit kleinem Budget und strickt makabren TV-Horror, der gern mal die nicht minder gemeinen Episoden der beliebten TV-Serie GESCHICHTEN AUS DER GRUFT in Erinnerung ruft. CAMERA OBSCURA ist nämlich von der bitterbösen Sorte und spinnt hier ein Geflecht aus makabren Ideen, die das Lachen im Halse stecken lassen. Die Hilfsbereitschaft des Helden nimmt nämlich bald sonderbare Züge an. Um das Leben eines Menschen zu retten, der auf den Fotos bereits als Leiche zu sehen ist, muss ein anderen in genau jener Position sterben, wie es das Foto zeigt. So wird aus Jack bald ein Killer, der im Rettungswahn Menschen tötet und irgendwann die Kontrolle verliert. Die Verwandlung ist nachvollziehbar. Weil man dem Sensenmann in die Quere kommt, wird der Tod erfinderisch. Der schreibt die Zukunft neu und setzt die Liebste des selbstlosen Retters auf die Todesliste. Was folgt kann man sich ausmalen. Um das Leben der Angebeteten zu retten, nimmt Jack alles in Kauf. Das sorgt für unangenehme Filmmomente, die in CAMERA OBSCURA natürlich nicht unblutig in Szene gesetzt werden, weil Effekt-Künstler ROBERT KURTZMAN verantwortlich zeichnet. Letzterer ist kein unbeschriebenes Blatt und dürfte vielen Horrorfilmfans ein Begriff sein. Der Effekte-Guru hat nämlich die Spezialeffekte für viele Genrestreifen beigesteuert. Darunter für Hits wie WISHMASTER, FROM DUSK TILL DAWN oder SCREAM. Vom Hit ist CAMERA OBSCURA aber weit entfernt. Das Problem: Der Film fokussiert hauptsächlich das unkontrollierte Ausradieren von Menschen und vernachlässigt dabei den psychischen Abstieg des Filmhelden, der vom Einsatz als Kriegsfotograf schwer traumatisiert ist. Hin und wieder macht Regisseur AARON B. KOONTZ das psychische Ungleichgewicht der desorientierten Filmfigur zum Thema, verliert aber dessen Schicksal zugunsten blutiger Goreszenen gern mal aus den Augen, um die Mattscheibe rot zu färben. So ist CAMERA OBSCURA nur Halbgares, das zumindest spannend inszeniert wurde. Dennoch will man das Gefühl nicht loswerden, als hätte Macher AARON B. KOONTZ hinter die Fassade des Filmhelden schauen wollen, wurde aber vom Studio gebremst. Fans gemeiner Genrefilme dürfte das aber nicht weiter stören. Die werden mit CAMERA OBSCURA gut unterhalten, denn trotz mangelnder Tiefe kann dieser Horrorstreifen mehr als die Vielzahl Filme neueren Datums, die für den Videomarkt produziert werden. Den bitterbösen Morden sei Dank.
 
 
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CAMERA OBSCURA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Blutig-makaberer Horrorstoff, der den Begriff „Lebensretter“ aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. CAMERA OBSCURA ist die Spielfilmversion eines Kurzfilms mit dem Titel APERTURE den Regisseur AARON B. KOONTZ bereits 2015 gedreht hat. Letzterer feiert mit dem bitterbösen Kamera-Horror CAMERA OBSCURA sein Langfilmdebüt, konnte sich aber in der Vergangenheit schon mal als Produzent von so Streifen wie STARRY EYES einen Namen machen. Von der Schockwirkung genanntem Indie-Krachers ist CAMERA OBSCURA aber noch weit entfernt. Der Film hat zwar seine Momente, verliert sich aber in der zweiten Hälfte im unkontrollierten Ausradieren von Menschen und vernachlässigt dabei Geschichte und Figuren. So wird die Charakterentwicklung von Held Jack im Film sehr stiefmütterlich behandelt, was dazu führt, dass die Figur dem Zuschauer gleichgültig wird. Für einen Horrorfilm etwas ungeschickt, ist der Held in diesen Filmen doch gleichzeitig auch Identifikationsfigur fürs Publikum. Das macht CAMERA OBSCURA etwas einseitig und vor allem beliebig. Kurzweilig ist der Streifen aber allemal. Wer trotz reißerischer und erfrischender Idee Erwartungen herunterschraubt, könnte daher gut unterhalten werden.
 
 
 


 
 
 

CAMERA OBSCURA – Zensur

 
 
 
Schwer zu sagen, ob CAMERA OBSCURA hierzulande eine FSK16 erhalten wird. In einigen Momenten geht nämlich ganz schön die Post ab. Zwar wird nicht immer explizit mit der Kamera draufgehalten, wenn gemordet wird. Dafür wird umso häufiger gemordet. Bei einige dieser Kills fließt doch schon sehr viel Lebenssaft, zumal die Todeskämpfe teils sehr lang und schmerzhaft zelebriert werden. Man darf mit einer ungeschnittenen Freigabe mit rotem FSK-Flatschen rechnen.
 
 
 


 
 
 

CAMERA OBSCURA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Chiller Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tell Me How I Die (2016)
 
Final Destination (2000)
 
Final Destination 2 (2003)
 
Final Destination 3 (2006)
 
Final Destination 4 (2009)
 
Final Destination 5 (2011)