Filmkritik: „Amityville III“ (1982)

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AMITYVILLE III

(AMITYVILLE 3-D | AMITYVILLE 3: THE DEMON)

Story

 
 
 

Journalist John Baxter geht der durch die Vorfälle in Häusern wie dem Spuktempel von Amityville, Long Island ausgelöste Trend, wieder an Besessenheit und Dämonen zu glauben, ganz gewaltig auf die Nüsse. Er macht es sich zur Aufgabe, die zunehmend dreist grassierende Scharlatanerie im Umfeld dieser Phänomene aufzudecken. Über einen Makler bekommt er die Gelegenheit, den Kasten in Amityville käuflich zu erwerben. Nach und nach passieren auch John und den Menschen um ihn herum Dinge, die ihn an seinem unerschütterlichen Glauben an Logik und die aufgeklärte Moderne zweifeln lassen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Kritik

 
 
 
tatsächlichen Familie am Hacken. Da wollen die Macher des dritten Teils nicht in den lauernden Fettnapf treten und bringen eine Geschichte ins Kino, die weniger mit den direkten Erlebnissen ihrer unbedarften Figuren mit einem Haunted House, als an modernen Paranormal-Investigator-Hits wie den INSIDIOUS- oder CONJURING-Reihen verwandt ist. Wobei der skeptische Journalist Baxter nicht, wie etwa die Eheleute Warren, die Monetarisierung des Übersinnlichen im Hinterkopf hat. Er glaubt schlicht nicht dran oder will das zumindest nicht. Als er mit seinem Latein der Vernunft am Ende ist, lässt er seinen Freund Dr. West ins Haus, der sich tatsächlich als Erforscher des Okkulten und Übersinnlichkeits-Ermittler im Sinne der berühmten Warrens sieht.
 
 
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AMITYVILLE III haucht der Story um den Gruselschuppen im Bundesstaat neues Leben ein. Man spart sich, einfach nochmal nur leidende Durchschnittsmenschen gegen die Wand donnern zu lassen und verlagert den Fokus auf den zweifelnd beobachtenden Protagonisten. Sein Kampf gegen die Erschütterungen seiner Einstellungen macht ihn zum Leidensgenossen etwa der diversen innerlich und äußerlich gequälten Priester aus dem Orbit des DER-EXORZIST-Franchise. Eine Ebene, die dem Film sehr guttut. Der Unique Selling Point, wie wir topbezahlten Marketingprofis sagen, liegt bei Erscheinen in den 3D-Tricks, mit denen der Film seinen Zuschauern im Kino die horrortypischen Brocken um die Ohren fliegen lässt. Ja, Anfang der Achtziger ist’s mal wieder soweit und die Industrie entdeckt das Gimmick des plastischen Filmkonsums für sich.
 
 
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Damals lacht man eher über dieses Aufwärmen eines retrofuturistischen Gags aus den Fünfzigern. Keiner ahnt, dass sich im nächsten Jahrtausend mit der 3D-Verwurstung jedes noch so miesen Kinofilms dumm und dämlich verdient wird. Jedenfalls stützen sich die Produzenten des zweiten AMITYVILLE-Sequels so sehr auf ihre Idee, dass die es sogar in den amerikanischen Originaltitel – AMITYVILLE 3-D lautet der nämlich ganz plump – schafft. In kleinen Rollen sehen wir die später zur Prominenz aufsteigenden Neunziger-Schnecken Meg Ryan und Lori Loughlin. Frau Ryan immerhin lange Zeit Garantin für den Erfolg biederer Romantic Comedies, während die letztgenannte Schönheit jetzt im Knast schmort, was aber nix mit dem Film hier zu tun hat. Hier eiern die Mädels auf dem Dachboden mit einem Ouija-Brett herum. Das gibt natürlich Ärger.
 
 
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Regisseur Richard Fleischer, vierzig Jahre lang einer der grundsolidesten Handwerker der Hollywood-Geschichte, dessen Filmographie eine wahre Schatztruhe amerikanischen Unterhaltungskinos darstellt, erlaubt sich auch bei einem vergleichsweise weniger prestigestarken Projekt wie AMITYVILLE III keine groben Fehler. Der Rhythmus stimmt, Atmosphäre hat er auch, die Schocks sitzen wie angegossen und das Extra der Dreidimensionalität trägt zumindest im Kinosaal – zu einem gelungenen Gruselabend bei. Doch auch ohne die krampfhafte Konzentration auf die optischen Späße, mit denen seinerzeit sogar ein Teil von FREITAG DER 13. den ungeschlachten Eishockeyfreund Jason Vorhees seine Machete aufs Publikum niedersausen lässt, ist AMITYVILLE III ein ordentlicher Horrorfilm.

 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Zweites Sequel des überraschend erfolgreichen Spukhaus-Hits von 1979, der sich vom Rezept der von Dämonen geknechteten Spießerfamilien wegbewegt und einen zweifelnden Journalisten in den Mittelpunkt rückt. So wirkt AMITYVILLE III gelegentlich wie ein Vorfahr von CONJURING und Co. Gute Entscheidung – guter Film.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Zensur

 
 
 
Offenbar kam AMITYVILLE III nur geschnitten in die deutschen Kinos. Das änderte sich auch auf VHS und DVD nicht, obwohl der Spukklassiker frei ab 16 Jahren war. Erst 2009 brachte Anbieter EPIX den Horrorfilm uncut in Deutschland auf DVD heraus. Nun erschien der Streifen zum ersten Mal in Deutschland in HD. Die veröffentlichte Blu-ray-Fassung im Mediabook und KeepCase ist vollkommen ungeschnitten und ebenfalls frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover A – limitiert auf 333 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover B – limitiert auf 333 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover C – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover D – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover E – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover F – limitiert auf 111 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amityville III: The Demon; USA 1983

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Anaglyphe 3D-Version, Audiokommentar mit Stephen Jones & Kim Newman, Original Trailer, Filmographien, Bildergalerie | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit Text von Lars Dreyer-Winkelmann und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 22.11.2019 | KeepCase: 30.10.2020

 
 
NSM hat 2019 sechs limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Oktober 2020 kann man AMITYVILLE III auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 

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AMITYVILLE III – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Amityville: The Awakening (2017)
 
Amityville Horror – Wie alles begann (2018)
 
Amityville II – Der Besessene (1982)
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 

Filmkritik: „The Terror Within“ (1989)

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THE TERROR WITHIN

(GOOD NIGHT HELL)

Story

 
 
 
Aus der Rubrik Corona und Co. Ein aus dem Ruder gelaufenes Biowaffen-Experiment putzt in damals naher Zukunft die Platte leer. Schlabberdibapp. Ein Grüppchen verzweifelter Überlebender – wie immer – brütet in der Mojave-Wüste in einer weitläufigen unterirdischen Bunkerlandschaft der Armee und erkundet gelegentlich das seuchenzerfressene Amerika nach anderen Übriggebliebenen. Oben herrschen säuische Tiermutanten, die von den Kellermenschen als „Gargoyles“ bezeichnet werden. Als die Belegschaft eine junge und verwundete Frau bei sich aufnimmt, macht sie einen gravierenden Fehler. Mademoiselle ist nämlich gerade von einer der Bestien vergewaltigt worden und trägt dessen viehische Saat im Leibe. Der Nachwu

 
 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Kritik

 
 
Geilste Idee vorneweg: Der wunde Punkt der zwei Meter großen Echsenmutanten mit genetisch eingebauter Anabolika-Leidenschaft liegt nicht bei ihrer Reaktion auf Atomwaffen, Motorsägen oder anderer Arten von Knüppel aus dem Sack. Nein, die Pestilenz aus dem Labor hat die Biester mit empfindlichen Hörorganen geschlagen, die mit Hundepfeifen an den Rand des Kollapses geführt werden können. Als Filmemacher auf eine solch brillante Art am Waffen-Budget zu sparen, muss man erst einmal kommen, Brüder und Schwestern.
 
 
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Erster deutscher Auftritt: Zu späteren VHS-Zeiten gab’s den spaßigen Stinker unter dem Titel GOOD NIGHT HELL in einer schicken Großbox. In Übersee erfährt er als eine der letzten nach typischer Facon hergestellten Produktionen aus der Verantwortung des mächtigen Roger Corman ein dementsprechendes Marketing. Die vorliegende digitale Auflage bedient sich endlich auch dieses werbewirksamen Prädikats. Tatsächlich erinnert der Aufbau von THE TERROR WITHIN an ganz frühe Filme des Königs der B-Movies. Eine minimal gehaltene Besetzung im Kampf gegen ein Billigheimer-Ungeheuer in Kulissen, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient haben. Man gibt sich schon mit geeigneten Räumlichkeiten aus dem Bereich verlassener Industriegebäude zufrieden. Langt ja auch. In ernsthaftem Cineasten-Kontext würde man wohl von einer kammerspielartigen Atmosphäre schwadronieren. Zum Glück müssen wie an dieser Stelle keine Seriosität simulieren. Das Setting der Welt nach dem großen Knall oder der reinigenden Seuche (wobei die Bunkeranlage auch in jeder nicht postapokalyptischen Umgebung stehen könnte) ist ebenfalls ein Stilmittel, das El Gran Rogerio schon 1955 in seinem Frühwerk DIE LETZTEN SIEBEN zu nutzen weiß. California über alles, wie eine berüchtigte Musikkapelle schon Ende der Siebziger zu singen wusste. Dort wie hier sind die Schauspieler ein Potpourri aus Nobodys und verstrahlten Kultstars mit beschädigter interner Qualitätskontrolle.
 
 
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In THE TERROR WITHIN stehen 1989 der unverwüstliche, aus geschätzten achttausend Filmen bekannte Schrank George Kennedy und Widerling Andrew Stevens ihren Mann. Besonders Stevens scheint so ein Vergnügen an der Chose zu haben, dass er zwei Jahre später in der Fortsetzung mitspielt und obendrein auch noch Regie führt. Den wuchtigen Gargoyle mit vorbildlichem Fortpflanzungstrieb spielt ein Stuntman und Kampfsportler mit dem beneidenswerten Namen Jack van Landingham. Die Art der Action, also menschliche Monsternahrung, die durch enge Schächte gejagt wird, bevor schließlich gar blutig Sense ist, entlehnt Regisseur Thierry Notz natürlich Ridley Scotts ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979). Auch die Brutzeit im menschlichen Wirtskörper – die ist kurz, höchstgradig schmerzhaft und beim Wurf splatterig-tödlich – kennt der geschulte Filmfreund von den Brustzerplatzer-Crashgeburten der Xenomorph-Außerirdischen aus der Alptraumwerkstatt HR Gigers. Ja, wie dort auch haben die Monstrositäten in allererster Linie den Erhalt der Spezies auf dem Ticker und schändet jedes menschliche Wesen, das ihnen vor die pochende Schleimrute läuft. Pfui.
 
 
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THE TERROR WITHIN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
THE TERROR WITHIN ist knuspriges Trash-Unterhaltungskino aus geschulter Hand. Produzent Roger Corman mixt wild Ideen aus Nach-dem-Weltuntergangs-Film und den Tunnelhetzjagden und Chest-Burster-Exzessen aus dem 1979er Science-Fiction-Horror-Klassiker ALIEN. So einen Film 1989 zu servieren zeugt von der Furchtlosigkeit seiner Macher. Mit dem gütigen Auge des Retro-Fandoms betrachtet, gewinnt der Spaß gleich noch einen Old-School-Sympathiebonus. Jetzt schauen wir mal aus dem Kellerfenster, ob uns COVID-19 schon Gargoyles beschert hat.
 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Zensur

 
 
 
THE TERROR WITHIN erschien ungeschnitten mit FSK18-Einstufung auf VHS-Kassette, wurde aber danach schnell auf dem Index gesetzt. Dort verweilte er zwischen 1990 und 2015. Während dieser Zeit wurde der Monster-Trash mehrfach auf DVD in unterschiedlichen Schnittfassungen veröffentlicht. Dank M-Square Pictures kommt der Ex-Indexfilm nun endlich ungeschnitten und legal als Blu-ray in die deutschen Wohnzimmer. Die aktuell im Handel erhältliche Blu-ray im Mediabook ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Classics (Mediabook – limitiert auf 1200 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Terror Within; USA 1989

Genre: Horror | Trash | Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Film zusätzlich auf DVD, 16-seitiges Booklet mit tollen Fotos und Hintergrundinformationen, Erstmals auf DVD und Blu-ray als limitierte Mediabook-Edition, Weltpremiere in HD auf Blu-ray, Uncut Fassung, Digital Remastered (Neues HD Master), FSK Logo ablösbar, Open-Matted Original Deutsch VHS Version, Originaltrailer, Artwork Galerie

Release-Termin: Mediabook: 25.09.2020

 

The Terror Within [Mediabook mit Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei M-Square Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Terror Within II – Die Gene schlagen zurück (1991)
 
Das Nest (1988)
 
Mutant – Das Grauen im All (1982)
 
Anthony (1987)
 

Filmkritik: „Der Biggels-Effekt“ (1986)

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DER BIGGELS-EFFEKT

(BIGGLES | BIGGLES: ADVENTURES IN TIME)

Story

 
 
 
Im New York des Jahres 1986 gerät der junge Jim Ferguson in ein Zeitloch. Das katapultiert ihn ins Jahr 1917, wo er dem britischen Kampfpiloten James „Biggles“ Bigglesworth die Haut rettet. Zurückgeworfen in die Gegenwart erklärt ihm der greise Ex-Kampfflieger Raymond, dass Ferguson und Biggles Zeit-Zwillinge sind, die sich in der Not gegenseitig retten können. Gemeinsam und nach vielen Wechseln der Zeitebenen, geraten die beiden in die Lage, den drohenden Endsieg der Nazis verhindern zu können.

 
 
 


 
 
 

DER BIGGELS-EFFEKT – Kritik

 
 
W.E. Johns‘ Buchreihe über Biggles (im Deutschen knallhart auf die Schreibweise „Biggels“ umgeproft), Ferguson und ihre Zeitsprünge soll bereits 1968 verfilmt werden, Schreibprozess und Casting sind abgeschlossen, sogar die Kulissen stehen schon. Leider geht die Verfilmung mit Haudegen James Fox in der Hauptrolle den Weg alles budgetär falsch Kalkulierten auf der Welt und die Johns-Fans müssen bis Mitte der Achtziger auf eine Adaption warten. Die sieht im Script noch aus wie eine in Pulp-Roman-Ästhetik getränkte Luftfahrt-Abenteuer-Charade im Indiana-Jones-Stil und vergisst fast den Kern der Story: Die Zeitreisen. In seiner letzten Kinorolle als Airforce-Veteran Raymond dürfen wir die britische Horrorfilm-Ikone Peter Cushing bewundern. In seiner Autobiographie schreibt der große englische Mime, dass sein Leben schon 1971, mit dem Tod seiner Gattin, zuende gewesen sei. Direkt nach dem schweren Einschlag in Cushings Alltag nimmt er mehr und mehr ab, wirkt immer geisterhafter und eingefallener in seinem Auftreten. Nach DER BIGGELS-EFFEKT beendet der legendäre Professor van Helsing dann auch seine Karriere und tritt bis zu seinem Tode nicht mehr auf.
 
 
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Regie führt der Brite John Hough. Der, nächstes Jahr feiert er seinen achtzigsten Geburtstag, zählt zu jener bedauernswerten Kategorie von Filmschaffenden, die erst dann ausreichend Anerkennung für ihr Schaffen erfahren werden, wenn sie dereinst der Schlag trifft. Er leitet bereits in den Sechzigern die Aufnahme bei Folgen von MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE (den ersten „Avengers“), dreht 1971 für Hammer den schnittigen DRACULAS HEXENJAGD, 1973 für den großen Konkurrenten Amicus TANZ DER TOTENKÖPFE und 1974 in den USA den in Drive-In-Theater-Kennerkreisen beliebten Road-Movie-Exploitationer KESSE MARY – IRRER LARRY mit Peter Fonda. Besonders interessant aber sind John Houghs Arbeiten in der Welt des Kinder-Horrors, also der gruseligen Filme zugeschnitten auf ein jugendliches Publikum. Tatsächlich zeichnet er gleich für drei hochbedeutsame Vertreter der Spielart verantwortlich: 1975 DIE FLUCHT ZUM HEXENBERG und drei Jahre später dessen Fortsetzung DER SIEG DER STERNENKINDER. Beide Alien-Kiddie-Abenteuerfilme bestechen durch ihre sorgfältige, routinierte Inszenierung und eine ganz besondere Atmosphäre. Sie taugen noch 2006 einem auch schönen Remake mit Dwayne „The Rock“ Johnson zur Vorlage. Houghs 1980 gedrehter SCHREI DER VERLORENEN, eine meisterlich orchestrierte Okkultismus- und Dämonologie-Geschichte, ist der wohl Unheimlichste im Reigen der Kinder-Verschreckungsfilme. Der Titel teilt sich innerhalb des Walt-Disney-Kanons den Meisterpokal des gruseligen Kinomatinee-Spielfilms mit der Zeichentrick-Fantasy TARAN UND DER ZAUBERKESSEL von 1986. Der Gehörnte König, Motherfuckers! Sein DER BIGGELS-EFFEKT darf sich hingegen nicht der Markierungen dieser wenig erforschten Unterkategorie des Kinos der Phantastik bedienen. Minderjährige Protagonisten, die eigentlich schon genug mit sich und ihrem inneren Entwicklungstrubel zu tun haben, landen mitten in allerlei übernatürlichen Kalamitäten und verstehen die Welt endgültig nicht mehr. Ferguson und Bigglesworth sind beide erwachsene Männer – was sie aber nicht vor den Wirrungen des Zeitreisegeschäfts schützt.
 
 
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DER BIGGELS-EFFEKT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Distinguiert britisches Zeitreise-Actiongeholze mit charmantem Pulp-Abenteuer-Einschlag. John Houghs Verfilmung der Sci-Fi-Bücherwelten von W.E. Johns erinnert an Kriegszeiten-Science-Fiction wie DAS PHILADELPHIA EXPERIMENT oder den herrlichen Japaner TIME SLIP von 1979. Der traurige Peter Cushing betritt die Bühne in DER BIGGELS-EFFEKT ein letztes Mal. Nur einer von vielen Gründen, diesem vergessenen Zukunfts- (und Vergangenheits- natürlich) Film ein paar Stündchen zu widmen. Kalte Winterabende und so.
 
 


 
 
 

DER BIGGELS-EFFEKT – Zensur

 
 
 
DER BIGGELS-EFFEKT erschien bisher nur auf VHS-Kassette. Dort war der Streifen aber leicht geschnitten. Leider erfolgte nie eine DVD-Auswertung. Das ändert sich aber jetzt. Das Label WICKED VISION hat sich dem Film angenommen und veröffentlicht die erste ungeschnittene Filmfassung in Deutschland auf DVD und Blu-ray. Als i-Tüpfelchen feiert der Streifen hierzulande sogar seine deutsche HD-Premiere. Wenn das mal nichts ist. Sci-Fi-Fans wird das freuen.
 
 
 


 
 
 

DER BIGGELS-EFFEKT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover A – limitiert auf 333 Stück)

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(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover B – limitiert auf 333 Stück)

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(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover C – limitiert auf 333 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Biggles; Großbritannien | USA 1986

Genre: Abenteuer | Kinder | Familie | Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Film zusätzlich auf DVD, Eine limitierte Sammelkarte! (Nur für die ersten 100 Vorbesteller im Wicked Shop), Erstmals mit deutschem Ton in Stereo!, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, My Friends Call Me Biggles“: Interview mit Neil Dickson, „A Matter of Time“: Interview mit Alex Hyde-White, „The Stunts of Biggles“: Interview mit Stuntman Dinny Powell, TV-Mitschnitt: „Saturday Superstore“ (1986), TV-Mitschnitt: „Blue Peter“ (1986), Making-of Dokumentation, Musik-Videos, Video Game Promo, Deutscher Trailer, Originaltrailer, TV-Spots, Bildergalerie

Release-Termin: Mediabook: 25.09.2020

 

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DER BIGGELS-EFFEKT – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zurück in die Zukunft (1985)
 
Zurück in die Zukunft II (1989)
 
Zurück in die Zukunft III (1990)
 

Filmkritik: „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ (2020)

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MALASAÑA 32 – HAUS DES BÖSEN

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Story

 
 
 

Madrid im Jahre 1976: Eine sechsköpfige Familie zieht in eine neue Wohnung, die lange leer stand. Es dauert nicht lange, bis klar ist, warum das der Fall war, denn etwas Böses hat sich hier einquartiert und terrorisiert die Familie.

 
 
 


 
 
 

MALASAÑA 32 – Kritik

 
 
 
James Wan hat mit seinen beiden Reihen „Insidious“ und „The Conjuring“ den Geisterhorror wieder richtig salonfähig gemacht. Seitdem schaffen es wieder viele solcher Filme auf die große Leinwand und Studios sind scheinbar weiterhin bereit, etwas mehr Geld in solche Produktionen zu stecken. Mit „Malasana 32“ gibt es nun ein spanisches Exemplar zu sehen, welches zwar keineswegs originell daherkommt, seine Zutaten aber ordentlich bedient.
 
 
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Manolo zieht zusammen mit seiner Frau Candela, ihren drei Kindern und dem Großvater vom Dorf in die Großstadt. Mitten im Jahr 1976, unter der Franco-Diktatur, hofft die Familie hier auf ein besseres Leben. Ihr neues Apartment, für welches man extra eine Hypothek aufnehmen musste, bietet mehr Luxus, als die Familie gewohnt ist und man konnte damit scheinbar ein großes Schnäppchen machen, welches allerdings nicht von ungefähr kommt. Jahrelang stand die Wohnung leer, denn hier haben sich einst schreckliche Dinge abgespielt und es dauert auch nicht lange, da machen ein paar Familienmitglieder bedrohliche Sichtungen. Storytechnisch lockt man mit einem solchen Szenario 2020 wohl sicher niemanden mehr hinterm Ofen hervor, aber wer sich im Spukgenre wohlfühlt, erwartet sowieso mehr eine gute Umsetzung, als eine innovative Story. Trotzdem kann man sagen, dass „Malasana 32“ mit seiner Mischung aus „Insidious“, „The Conjuring“ und „Poltergeist“ nicht so ausgelutscht erscheint, wie man vermuten könnte. Hinterher bekommt die Prämisse durchaus noch etwas Hintergrund, welcher zwar nicht mit „Aha“ und „Wow“ Effekten überrascht, dafür aber eine passende Geschichte erzählt, bei der dann auch die Zeit, in der sich das abspielt, nicht ganz so unwichtig erscheint. Von daher kann man dem Drehbuch keine großen Vorwürfe machen.
 
 
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Es gab in den letzten Jahren dermaßen viele solcher Filme, dass es für einen Regisseur bestimmt nicht mehr so leicht ist, noch mit einer eigenständigen Inszenierung zu dienen. Für Albert Pintó stellt „Malasana 32“ erst der zweite Langfilm dar und er bedient hier eigentlich nur die bekannten Klischees, macht das aber in einer souveränen Art und Weise, dass man damit doch sehr zufrieden sein kann. Türen und Fenster öffnen sich mal wieder von alleine, unheimliche Geräusche sind zu vernehmen und gruselige Gestalten zu sehen. So wenig originell das wirken mag, es wurde sehr stilsicher umgesetzt und besitzt ein paar ungemein spannende Szenen. Wobei der Schauplatz schon etwas eigenständiger wirkt. Meistens sind es Spukhäuser, hier nur eine Spuk-Wohnung, aber der Unterschied ist am Ende nicht besonders groß. Das Spiel mit gewissen Kameraeinstellungen ist auf jeden Fall gelungen und zum Ende hin wird der Horror immer lauter. Wer es gerne etwas subtiler hat, wird leider kaum bedient, denn von Anfang an gibt es eher Jumpscares, als richtige Schockeffekte. Trotzdem sind einige davon wirklich gut gemacht, die Soundkulisse allgemein ist stark und die visuelle Umsetzung des Geistes sieht richtig gut aus.
 
 
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Hier und da haben sich ein paar Längen eingeschlichen, weil oftmals jede Szene erneut seine Stimmung aufbauen muss und der Fluss deshalb immer wieder unterbrochen wird. Erst im Finale, welches gekonnt auf zwei Schauplätze aufgeteilt wurde, ändert sich dies. Dass das manchmal etwas an Spannung vermissen lässt, liegt sicher auch an den etwas mageren Figuren. Zwar ist die Familie nicht unsympathisch, aber sie erhalten leider keinen richtigen Hintergrund. Da werden zwar Andeutungen gemacht, doch insgesamt bleibt das etwas zu belanglos. Zum Glück sind die Darsteller aber allesamt brauchbar und die deutsche Synchronisation ist ebenfalls hochwertig ausgefallen. So wie eigentlich die gesamte handwerkliche Arbeit. Die Schauplätze sind zwar begrenzt, machen jedoch genügend her und teilweise gibt es auch einige Effekte zu sehen. Nur wenn man den Faden am Schaukelstuhl als Zuschauer schon erkennen kann, ist das ein Fehler, den man hätte vermeiden können.
 
 
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MALASAÑA 32 – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Malasana 32“ kann nicht mit dem Gruselterror eines „The Conjuring“ dienen und ist auch nicht so fantasiereich wie „Poltergeist“, macht aber dennoch Spaß. Der Horror setzt mehr auf laute Jumpscares, doch die Atmosphäre besitzt durchaus ihre Bedrohlichkeit. Die Story gewinnt hinterher noch an Tiefe, nur die Charaktere tun dies leider kaum. An der handwerklich soliden Arbeit ändert das nichts und ein paar Szenen sind auf jeden Fall einprägsam genug, um nicht sofort wieder aus den Gedanken zu verschwinden. Zusätzlich agieren die Darsteller passend und die 105 Minuten Laufzeit vergehen im Endeffekt zügig. Wer also vom Haunted-House-Thema nicht genug bekommen kann, sollte sich „Malasana 32“ nicht entgehen lassen!
 
 
 


 
 
 

MALASAÑA 32 – Zensur

 
 
 
„Malasaña 32 – Haus des Bösen“ hat kaum Gewaltmomente zu bieten und bietet eher psychologisches Grauen. Der Film hat eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten. Eigentlich sollte der Streifen am 5.11.2020 in den deutschen Kinos laufen. Wegen der Corona-Pandemie und einem weiteren bundesweiten Lockdown im November 2020 wurde der Kinostart aber auf unbestimmte Zeit verschoben.
 
 
 


 
 
 

MALASAÑA 32 – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Conjuring (2013)

Insidious (2010)

Poltergeist (1982)

Filmkritik: „Grand Isle – Mörderische Falle“ (2019)

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GRAND ISLE – MÖRDERISCHE FALLE

(GRAND ISLE)

Story

 
 
 
Während ein Hurrikan wütet, entsteht für den jungen Vater Buddy besonders im Haus von Walter eine große Gefahr, denn der Mann ist wahnsinnig und niemand kann ahnen, was für ein Spiel in „Grand Isle“ eigentlich gespielt wird.

 
 
 


 
 
 

GRAND ISLE – Kritik

 
 
Nicolas Cage dreht auch weiterhin fleißig Filme, um seine Schulden abzubezahlen. Die Qualität der Streifen ist dabei nicht wichtig, aber unter all den Gurken befindet sich manchmal ja auch eine echte Perle. „Grand Isle – Mörderische Falle“ gehört leider nicht dazu. Cage darf sich noch als kleines Highlight bezeichnen lassen, der Rest plätschert belanglos vor sich hin.
 
 
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Im Jahr 1988 muss der gerade erst Vater gewordene Buddy sehen, wie er an Geld kommt, um seine Familie zu versorgen. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Baby gerade ernsthaft krank geworden ist. Da bietet sich eine gute Gelegenheit beim ominösen Walter, der gerne seinen Zaun repariert haben möchte. Doch der Zeitdruck ist groß, weil ein Hurrikan angesagt wurde. Buddy schafft es nicht rechtzeitig und muss dann bei Walter und seiner Frau Fancy übernachten. Während sie sich scheinbar in den jungen Burschen verguckt, dreht Walter mehr und mehr durch und im Keller lauert ein düsteres Geheimnis. Das Drehbuch hätte gut sein können, wenn es nicht so lustlos wirken würde. Es gelingt „Grand Isle“ einfach nicht, den Zuschauer für die Geschichte zu interessieren. Da man so ein großes Geheimnis um die Auflösung macht, ist das allerdings überhaupt nicht förderlich. Lange Zeit kann man nicht wissen, was sich dort abspielt, bis sich hinterher Indizien vermehren. Der Twist haut dann sicher nicht vom Hocker, ist aber noch ganz okay. Nur wirken die zahlreichen Elemente hier allgemein sehr ungenutzt. Dass es nebenbei noch etwas Kriegs-Kritik gibt, geht völlig unter und so kann man wohl behaupten, dass hier Potenzial verschenkt wurde.
 
 
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Sowieso wirkt der Film erstaunlich unentschlossen und macht einfach nichts aus seiner Prämisse. Dass sich das Geschehen in den Südstaaten im Jahre 1988 abspielen soll, bemerkt man als Zuschauer schon mal überhaupt nicht. Und dass man hier eigentlich ein recht breites Spektrum an Atmosphäre bedient, leider ebenfalls nicht. So ist „Grand Isle“ am ehesten ein Thriller, der aber auch das Horror-Genre ein wenig bedient und ab und zu etwas an Mystery erinnert. Letztendlich gibt es auch eine gute Portion Drama mit dazu, nur gehen diese ganzen Elemente ziemlich unter. Das liegt allerdings am ehesten an der Langsamkeit. Fast die gesamte erste Hälfte über geschieht fast nichts, was die Story irgendwie vorantreiben würde. Obwohl viel gesagt wird, wird eben doch nichts gesagt und selbst wenn das mit seiner lockeren Art und Weise manchmal sympathisch wirkt, beginnt man sich alsbald etwas zu langweilen. Wenn hinterher das Tempo angezogen wird und es mehrere Wendungen gibt, entsteht leider auch kaum Spannung, aber wenigstens ist dann etwas mehr los. Trotzdem sind die knapp 100 Minuten Laufzeit zu ereignislos und somit kann man hier von keinem guten Unterhaltungswert sprechen.
 
 
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Aus handwerklicher Sicht mag das passabel gestaltet sein, aber die Inszenierung wirkt zu beliebig. Große Ambitionen scheinen nicht hinter „Grand Isle“ gesteckt zu haben, denn das Ergebnis ist dafür einfach zu lustlos. Wenigstens sind die Darsteller aber noch ganz brauchbar. Nicolas Cage wirkt anfangs ebenfalls etwas lustlos, darf hinterher aber gewohnt souverän den Psychopathen mimen und seine obligatorischen Ausraster fehlen zum Glück ebenfalls nicht. KaDee Strickland ist nicht schlecht und bringt ein wenig Sexappeal mit ins Geschehen. Nur Luke Benward geht als reiner Milchbubi etwas unter. Die Figurenzeichnung hätte, so wie die Geschichte selbst, Potenzial gehabt und manchmal möchte man wirklich gerne etwas mehr über die seltsamen Charaktere erfahren. Leider jedoch zu selten. Die Dreiecks-Beziehung wirkt zu selten markant und am Ende bedient man auch nur wieder Klischees, die nicht sonderlich sympathisch erscheinen.

 
 


 
 
 

GRAND ISLE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Grand Isle – Mörderische Falle“ hätte auf jeden Fall das Zeug zu einem besseren Film gehabt, denn die Zutaten sind gut, nur hat man aus diesen einfach viel zu wenig gemacht. So wirkt die mysteriöse Geschichte von Anfang an zu uninteressant, die Figuren bleiben im Endeffekt zu nichtssagend und die Inszenierung wirkt doch ziemlich gelangweilt. Das ist handwerklich zwar okay gemacht und besitzt brauchbare Darsteller, hat aber so gut wie keinerlei Highlights zu bieten. Nicht alles daran ist völlig langweilig, aber Spannung sieht definitiv anders aus und die eigentlich vielseitige Atmosphäre wird auch ziemlich verschenkt. Das Resultat ist nicht ärgerlich, aber nicht empfehlenswert!
 
 


 
 
 

GRAND ISLE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Grand Isle – Mörderische Falle“ ist mit ihrer FSK16 vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

GRAND ISLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Grand Isle; USA 2019

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 15.10.2020

 

Grand Isle – Mörderische Falle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

GRAND ISLE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Burning Speed (2019)
 
A Score to Settle (2019)
 

Filmkritik: „The Oak Room“ (2020)

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THE OAK ROOM

Story

 
 
 

Eines Abends bekommt ein Barbesitzer Besuch von einem jungen Mann, der eine Geschichte erzählen will, die schon bald mehr Substanz besitzen soll, als dem Barbesitzer lieb ist.

 
 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, wie z.B. die von Quentin Tarantino, darin wird vorwiegend gequatscht und dennoch fühlt man sich als Zuschauer nahezu gefesselt. In eine ähnliche Richtung schlägt „The Oak Room“, der wirklich rein von Erzählungen lebt. Leider bringt das hier einige Längen mit sich, aber im Endeffekt ist es gut genug gemacht, um einen dennoch bei der Stange zu halten.
 
 
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Der Barkeeper Paul will seine Kneipe eigentlich schließen, denn draußen tobt ein Schneesturm, da kommt plötzlich Steve herein. Er ist der Sohn von Pauls bestem Freund, den er lange nicht gesehen hat und der ihm ordentlich Geld schuldet. Kein Wunder, dass Paul dem jungen Steve nicht gerade wohlgesonnen ist. Statt Geld bietet Steve Paul eine Geschichte an, die es wert wäre zu hören. Paul kann das nur belächeln, lässt sich aber darauf ein und muss dann bald feststellen, dass diese Geschichte mehr mit ihm zu tun hat, als ihm lieb ist. Bis es soweit ist, vergeht allerdings viel Zeit. In der Geschichte wird ebenfalls eine Geschichte erzählt. Eigentlich besteht der gesamte Film nur aus verschiedenen Geschichten, die hinterher zusammengefügt werden und dann ein großes Ganzes ergeben. Der Weg dorthin ist langatmig, aber nicht uninteressant. Es ist nicht gerade verblüffend, dass „The Oak Room“ auf einem Theaterstück basiert, denn im Endeffekt bekommt man auch hier reines Theater geboten, nur eben als Film verpackt. Den größten Wow-Effekt besitzt der Schluss nun nicht unbedingt, aber trotzdem ist die verschachtelte Handlung reizvoll, wenn man sich darauf einlassen mag.
 
 
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Ein großer Vorteil vom Film ist seine solide Inszenierung. Das ist sehr wichtig, denn bei einem Kammerspiel wie diesem, sind die Möglichkeiten nicht gerade groß. Umso entscheidender ist, dass die Kamera alles gut einfängt und man mit den begrenzten Räumlichkeiten eine gute Atmosphäre kreiert. All das gelingt „The Oak Room“ ordentlich. Der Schneesturm draußen wurde gut genutzt und die Kneipenräume, die selten von mehr als zwei Menschen gleichzeitig gefüllt sind, sorgen für eine gute Stimmung. Aus handwerklicher Sicht hat Regisseur Cody Calahan das sehr souverän gemacht. Der Unterhaltungswert erweist sich trotzdem als kleines Sorgenkind, denn auch wenn manche Erzählung spannend zu verfolgen ist, ermüdet sich der Stil mit der Zeit. Hinzu kommt die Tatsache, dass man den Film eigentlich in keinerlei Genre stecken kann. Das ist kein Thriller, kein Horror, keine Action, keine Komödie. Am ehesten vielleicht noch ein Drama, aber auch dies nur ganz bedingt. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt und auf dialoglastige Werke steht, wird einen das kaum stören und trotzdem besitzt das seine Längen, die nicht zu verhindern sind, aber einfach Kurzweil rauben.
 
 
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Sehr wichtig sind dann natürlich auch noch die Darsteller und hier kann sich „The Oak Room“ voll und ganz auf seinen Cast verlassen. Peter Outerbridge und RJ Mitte, den die meisten wohl am ehesten als Walter jr. aus „Breaking Bad“ kennen werden, machen ihre Sache sehr souverän. Mit Ari Millen ist sogar ein Darsteller aus dem Theaterstück mit an Bord, was für den gesamten Film nur förderlich sein kann. Die Anzahl der Schauspieler ist so minimalistisch, wie das gesamte Werk, aber die Dialoge werden sehr gut vorgetragen und laden zum Lauschen ein. Am Ende gibt es dann sogar ganz kurz noch eine Portion Gewalt zu sehen, die aber irgendwie deplatziert wirkt und einen nicht so stimmungsvollen Bruch darstellt. Und die Schlusspointe sitzt, lässt den Zuschauer aber auch im Unklaren, wie es ausgehen wird. Der Score wird sehr dezent eingesetzt und wenn dann mal Musik zu hören ist, verfehlt das seine Wirkung absolut nicht.

 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Oak Room“ ist nur für Leute geeignet, die dem Theater nicht abgeneigt sind, die ein Kammerspiel haben wollen und es mögen, wenn ein Film lediglich aus Dialogen besteht. Die Zielgruppe dürfte damit gar nicht mal so groß sein. Auch wenn der Film für das, was er sein will, echt gut gemacht wurde, ist das Geschehen oftmals ziemlich langatmig. Es kommt kaum Spannung auf und das Konzept des ewigen Geschichtenerzählens wird auf Dauer monoton. Die handwerklich souveräne Arbeit und die grundsoliden Darsteller sorgen dafür, dass man gerne am Ball bleibt, aber etwas mehr Abwechslung hätte hier trotzdem nicht geschadet!
 
 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Zensur

 
 
 
„The Oak Room“ hat kaum Gewaltmomente zu bieten und bietet eher psychologisches Grauen. Am Ende wir dennoch ein Kopf abgetrennt, was wohl für eine FSK16 sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Memento (2000)
 
The Hateful 8 (2015)
 

Filmkritik: „Koko-di Koko-da“ (2019)

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KOKO-DI KOKO-DA

Story

 
 
 

Ein traumatisiertes Ehepaar muss sich den eigenen Dämonen stellen und dabei einen Camping-Ausflug immer und immer wieder durchmachen.

 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Kritik

 
 
 
Die Vielzahl von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Varianten ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Die schwedisch-dänische Koproduktion „Koko-di Koko-da“ bedient sich nun ebenfalls an dieser Thematik und macht daraus etwas völlig Eigenständiges. Ein höchst spezieller Film, der es aber verdient, angeschaut zu werden.
 
 
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Tobias und Elin sind ein glücklich verheiratetes Paar, doch eines Tages stirbt ihre gerade erst acht Jahre alt gewordene Tochter und seitdem läuft es in der Ehe alles andere als gut. Um vielleicht mal wieder etwas näher zu sich zu finden, planen sie drei Jahre später einen Urlaubstrip und campen dann im Wald. Hier allerdings geht ein seltsamer Mann mit seinen Leuten umher und terrorisiert das Ehepaar. Nach dem Tod ist jedoch noch lange nicht Schluss, denn danach beginnt das Szenario von vorn und ein Entkommen aus dieser Endlosschleife scheint nicht in Nähe zu sein. Das Drehbuch ist höchst ambitioniert und nutzt die „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Thematik als eine Metapher für die Trauerbewältigung. Das Szenario ist längst nicht so steif, wie man das aus anderen Vertretern dieser Art kennt und gibt sich ab der zweiten Hälfte deutlich dynamischer. Die Story folgt ihren ganz eigenen Regeln und bleibt dabei stets interpretationswürdig. Die eine richtige Antwort gibt es nicht, aber die ganzen Metaphern wie z.B. der Phönix aus der Asche, lassen sich doch klar erkennen. Herausgekommen ist eine Handlung, die interessant ist, irgendwo sogar wertvoll erscheint und gar nicht mal so sehr am eigenen Anspruch erstickt.
 
 
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Richtig gut gelungen, ist vor allen Dingen die Umsetzung, denn man kennt die zahlreichen Varianten vom Murmeltier ja schon in- und auswendig. Da geht alles immer wieder von vorne los und es werden möglichst viele, einprägsame Momente geschaffen, die man hinterher variieren kann. Ganz anders ist das in „Koko-di Koko-da“. Hier ist die Ausgangssituation die normale Sache, dass Elin sich erleichtern muss. Was zuvor geschehen ist, bekommt man abwechslungsreich gezeigt, denn auch hier ist das Geschehen dynamisch. Man schaut nicht ständig sich wiederholenden Bildern zu, sondern Regisseur Johannes Nyholm rekonstruiert den Abend zuvor bei jedem Neubeginn mit anderen Facetten. Hinterher kann man dem Kreis der Wiederholungen sogar entkommen und spätestens hier bekommt der Film seine ganz eigenen Regeln. Das ist handwerklich so simpel, wie gelungen umgesetzt und braucht tatsächlich keine großen Schauwerte. Hier liegt der Schwerpunkt auf einer Geschichte, die erzählt werden will und die gedeutet werden möchte. Nicht mal die Darsteller werden da besonders gefordert. Sie spielen durchaus sehr gut, scheinen aber stets im Hintergrund zu agieren. Oftmals, während der Autofahrten, sieht man nicht mal ihre Gesichter.
 
 
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Die Atmosphäre hat es in sich und „Koko-di Koko-da“ ist absolut kein Wohlfühlfilm geworden. Am Anfang erreicht man mit ein paar Minuten Laufzeit die Stimmung einer Harmonie innerhalb einer Familie, die man dann auch gleich wieder zerstört. Schon hier befindet sich das Drama auf seinem Höhepunkt. Danach gesellen sich allerdings ein paar Horror-Motive mit zum Geschehen. Der Terror-Einschlag ist nicht riesig, sorgt jedoch für Abwechslung und hier stört es dann ausnahmsweise auch gar nicht mal, dass es kaum grafische Gewalt zu sehen gibt. Besonders schön sind die Schattenspiele mit den Pappfiguren gelungen, die zwei Male einige Minuten Laufzeit in Anspruch nehmen, wichtig für die Message der Handlung sind und zudem von einer wunderbar folkloristischen Musik begleitet werden, dass man fast zu Tränen gerührt ist. Im Kern ist „Koko-di Koko-da“ eigentlich auch kein bitterböser Film, aber seine Atmosphäre wirkt dermaßen trist und trostlos, dass man dies meinen könnte. Mit 86 Minuten Laufzeit hat man übrigens auch alles richtig gemacht. Denkt man anfangs noch, dass das vielleicht sogar etwas zu wenig sein könnte, entstehen so hinterher keinerlei Längen und das Ganze wurde nicht künstlich aufgeplustert.
 
 
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KOKO-DI KOKO-DA – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„Koko-di Koko-da“ bietet eine Mischung aus Mindfuck und Arthouse-Kino, ist so interpretationsfähig, wie gefüllt mit Metaphern und nutzt ein bekanntes Szenario gänzlich eigenständig. Das ist eigenwillig und nicht immer einfach, erzählt aber eine richtig gelungene Story. Gerade weil die Herangehensweise erfreulich dynamisch daherkommt, sorgt das manchmal für echte Überraschungen. Ein intensives Drama mit einigen Horror-Einschüben, welches sicherlich polarisieren kann und mit einer erdrückenden Atmosphäre dient. Sicher nichts für Jedermann, aber für Arthouse-Fans Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Zensur

 
 
 
„Koko-di Koko-da“ besitzt ein paar blutige Momente, die aber niemals explizit werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK immer sehr gnädig mit Arthouse-Horror gewesen. Demzufolge würde es nicht wundern, wenn die FSK den Streifen bereits für Zwölfjährige freigibt. Dennoch denken wir, dass „Koko-di Koko-da“ eine FSK16 erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Stray Dogs)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pool (2014)
 
Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)
 
Edge of Tomorrow (2014)
 
Happy Deathday (2017)
 

Filmkritik: „The Deep Ones“ (2020)

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THE DEEP ONES

(H.P. LOVECRAFTS THE DEEP ONES)

Story

 
 
 

Für „The Deep Ones“ durfte mal wieder der Name H.P. Lovecraft herhalten, denn es geht um Cthulhu und Monsterwesen aus dem Wasser, welche von einer Sekte verehrt werden.

 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Kritik

 
 
 
Wohl kaum ein Mensch war so beeinflussend für die Horrorwelt, wie H.P. Lovecraft. Selbst über 80 Jahre nach seinem Tod, gibt es noch immer zahlreiche Werke, die auf seinen Ideen basieren. Dazu zählt nun auch der Low-Budget-Reißer „The Deep Ones“, der aus der Vorlage aber leider nur ein müdes Gähnen hervorzaubert.
 
 
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Alex und Petri wollen mal wieder richtig schön entspannen und dem Alltag entfliehen, weshalb sie sich ein schickes Ferienhaus am Strand mieten. Die Vermieter sind auch vor Ort und drängen sich nach Alex Meinung etwas zu sehr auf. Nur Petri genießt den Kontakt mit ihnen. Schon bald stellt sich heraus, dass die Vermieter zusammen mit anderen Bewohnern der Gegend eine Sekte führen, die einem Monsterwesen aus dem Wasser huldigt und Alex soll ein ganz besonderes Geschenk erhalten. Dass hier Lovecraft als Vorbild fungierte, ist nicht zu übersehen. Man hat sich seiner Geschichte um den Cthulhu-Kult angenommen und aus der Story überhaupt nichts Eigenständiges gemacht. So wie das hier erzählt wird, wurde es schon etliche Male erzählt. Eigene Ideen sieht man eigentlich gar nicht und das alles wäre kaum so schlimm, wenn wenigstens die Umsetzung überzeugen könnte, nur leider gestaltet sich dort alles ähnlich lustlos.
 
 

 
 
Regisseur Chad Farrin, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, konnte schon bei etwas größeren Werken mitwirken, aber wenn er selbst inszeniert, hat er sich ganz dem billigen Trash verpflichtet und dass die Mittel in „The Deep Ones“ sehr begrenzt waren, sieht man dem Streifen zu jeder Sekunde an. Die Schauplätze wirken nicht gerade toll und nicht mal der Meerausblick oder der Strand sorgen hier für Schauwerte. Zwar wird manchmal etwas mit Farben und Lichtern gespielt, aber das sieht ebenfalls nicht gerade spektakulär aus. Die Atmosphäre atmet eher Mystery, als richtigen Monsterhorror, wird aber sowieso dermaßen plump aufgebaut, dass sie einen kaum erreichen kann. Für Kinder, die solche Filme eigentlich noch nicht sehen dürften, ist das bestimmt ein wahres Fest und auch unheimlich, aber an diese richtet sich ein solches Werk ja nun mal nicht primär. Weil das handwerklich schon sehr begrenzt ist und kaum Stimmung aufkommen lassen will, hat es der Unterhaltungswert sowieso nicht leicht.
 
 
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Dabei ist der Anfang noch vielversprechend, denn es dauert wirklich nicht lange, bis die bösen Absichten der Vermieter klar sind und ein paar Flashbacks bringen auch gleich etwas Horror mit ins Geschehen, so dass man denken könnte, es würde so weitergehen. Doch nach dem recht temporeichen Beginn, gibt es bis zum Finale fast nur noch Langweile. Höhepunkt ist hier die Party mit einer gefühlt minutenlangen Begrüßung aller Gäste. Die Dialoge sind nicht gerade hörenswert und von Monstern fehlt auch fast jegliche Spur. Lediglich im kurzen Finale gibt es noch ein paar nette Kostüme zu sehen, aber Splatter gibt es gar keinen, weshalb man für „The Deep Ones“ eigentlich schon wieder die Freigabe ab 14 Jahren einführen sollte. Zum Glück läuft das Ganze nur 82 Minuten und ist von daher nicht so lang geraten, aber selbst innerhalb dieser Laufzeit gibt es zu viele Längen. Die Darsteller können das auch kaum retten. Gina La Piana und Robert Miano machen ihre Sache noch ganz okay, doch der Rest spielt das wirklich nicht gut und die Charaktere sind sowieso dermaßen dünn gestaltet, dass hier keine Sympathien aufkommen können.
Der billige Score passt zwar, hört sich aber nicht gerade prickelnd an.
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
„The Deep Ones“ bedient sich fleißig an Lovecraft und kreiert daraus einen Film, den es schon oft genug gegeben hat, nur oftmals eben in deutlich besser. Wenn nicht viele Mittel zur Verfügung stehen, muss das kein K.O.-Kriterium sein, aber diesem Werk merkt man einfach keinerlei Leidenschaft an. Es gibt fast ausschließlich langweilige Szenen zu sehen und nur ganz selten mal ein paar hübsche Monsterkostüme. Die handwerkliche Arbeit ist höchstens durchschnittlich, die Darsteller agieren nicht gerade begeisternd die Endpointe ist so vorhersehbar, wie alles an dem Streifen. Leider nicht empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Zensur

 
 
 
„The Deep Ones“ hat kaum grausame Schauwerte zu bieten. Abgesehen von etwas roter Farbe und ein paar Monsterkostümen ist dieser Streifen völlig harmlos. Daher könnte er bedenkenlos ab 12 Jahren freigeben werden. Dennoch denken wir, dass es eine FSK16 werden wird.
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Crappy World Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Call of Cthulhu (2005)
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1993)
 

Filmkritik: „Amulet – Es wird dich finden“ (2020)

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AMULET – ES WIRD DICH FINDEN

(AMULET)

Story

 
 
 
Ein ehemaliger Soldat, der obdachlos in London lebt, wird von einer Nonne zu einer alten Villa gebracht, in der er sich gegen Essen und Unterkunft nur etwas mit dem Schimmel und der alten Dame im Obergeschoss herumschlagen muss.

 
 
 


 
 
 

AMULET – Kritik

 
 
Es hätte so schön sein können, so schön und so einfach – ein scheinbar europäischer Vertreter des übernatürlichen Horrors war an der Zeit, gesichtet zu werden, und er wirkte wie ein vermutlich durchschnittlicher Vertreter seiner Zunft, der auf der imdb einige User polarisiert, im Endeffekt aber größtenteils mittelmäßige Kritiken bekommen hat. Spielfilmdebütantin und Feministin Romola Garai dürfte dabei spätetestens seit „Abbitte“ als Schauspielerin bekannt sein und wer die bisherige Karriere der 38-Jährigen Britin verfolgt hat, den dürfte es nicht wundern dass reines Genrevergnügen hier nicht im Vordergrund stand – zumindest vor der Kamera war die Horrorrichtung ihr doch eher fremd. Was folgt, ist weder ein simpel zu durchschauender Standard-Horror, noch die Frischzellenkultur des Jahres – aber je nach Blickwinkel kann ich hier trotzdem fast jede Bewertung nachvollziehen.
 
 
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Die gothisch-verträumten Opening Credits nutzen kraftvoll abgemischte, chorale Gesänge, Funkenregen und Unschärfe zu ihrem Vorteil und lassen eine professionelle Produktion erwarten, Überblenden durch bildgewaltige Wälder und ein Mann liegt neben einem dicken Gewehr auf einem Feldbett in seinem rustikalen Holzhaus. Natürliches Licht und nebelverhangene Wälder, eine mysteriöse Holzschnitzerei wird im Boden gefunden, dazu ein brodelnder und kratzender, beunruhigender Soundtrack. Die Szene offenbart sich als Traum, da unser Hauptprotagonist Tomaz in der Realität wohl in ärmlichen Verhältnissen mit anderen Obdachlosen oder Heroinabhängigen auf blanken Matratzen in zerfallenen Gebäuden lebt, und dort jemand ein Feuer gelegt hat. Der Kriegsflüchtling wird von einer fürsorglichen, zuversichtlichen Nonne ins Krankenhaus gebracht, eine prachtvolle aber alte und schimmelige Villa stellt daraufhin sein neues Zuhause dar. Carla Juri, die man aus „Blade Runner 2049“ oder gar „Feuchtgebiete“ kennen kann, spielt hier die verunsichert wirkende Magda, die sich um ihre kränkelnde Mutter kümmert und gerne etwas hausmännische Hilfe beansprucht. Schnell gibt es Fleischpastete sowie undefinierten Eintopf, der gierig vom ausgehungerten Tomaz verschlungen wird, zudem häufen sich die Unüblichkeiten langsam – so wird von der Mutter viel geredet, aber zu sehen gibt es sie nicht, bis auf eine Bisswunde an Magdas Arm und die Warnung, dass Tomaz wohl unerwünscht ist. Ganz abgesehen davon natürlich, dass Tomaz‘ Träume sich zu verdichten scheinen und er sich die Hände zusammen kleben muss, bevor er schlafen geht…
 
 
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Ist man nach einem stimmigen Aufbau mit durchaus neugierig machender Exposition in der teilweise in hübschen Details und Umgebungsaufnahmen eingefangenen Villa mit ihren Vorhängeschlössen, verzierten Wänden und blutigen Bettlaken angekommen, offenbart sich „Amulet“ als absoluter Slowburn, der die Geduld des Zuschauers ggf. auf die Probe stellt und sich sehr lange in Zurückhaltung übt. Ein Horror-Highlight ist für mich das im Nachinein sinnvolle Foreshadowing mit einer handgemachten, erschreckenden und ziemlich verstörend- unerklärt-alptraumhaften Szene, deren Effektarbeit und Aufbau ich absolut genießen konnte, doch auch wenn die ersten 35 Minuten wie aus einem Guss wirken und sich der Film jetzt langsam steigern könnte, doch auch wenn die genaue Hintergrundgeschichte um die titelgebende Holzschnitzerei angenehm undurchsichtig bleibt und Kerzenlicht für wohlige Schaueratmosphäre sorgt, so ist die Reihung von Genreelementen, Flashbacks und Tempo herausnehmenden Dialogen über Rollenklischees („Men think romance is silly“) doch sehr behäbig. Nach der Hälfte des Films sind wir mehr beim Charakterdrama angekommen denn beim Horrorfilm, technisch zweifelsohne auf einem hohen Level, nur mit einem Script versehen, das viel Spannung aufbaut und Fragen generiert, zu wenig davon aber eigenständig oder originell beantwortet. Besitzt man als Zuschauer jedoch die nötige Hingabe zum Film, die nötige Aufmerksamkeit und das Durchhaltevermögen, so wird man rein genretechnisch tatsächlich noch mit Body-Horror, gruseligen Einstellungen und gar akuter Bedrohung konfrontiert, wie ich es nicht erwartet hätte. Ein großes WTF eine halbe Stunde vorm Ende,eine erste Bluttat nach etwa 70 Minuten – und dann folgen Twist nach Twist und das Script bricht dem Film einfach das Genick.
 
 
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Garai scheint nämlich mehr interessiert daran, ein Statement zu setzen und ihrer Agenda zu folgen, als daran einen logischen Horrorfilm zu schreiben. Was heißen soll, dass die moralinsaure Auflösung auf einmal viel von dem zerstört, das der Film vorher so liebevoll aufgebaut hat: Da erscheint ein Charakter im neuen Licht und Outfit, das weder zur Darstellerin noch zum Script oder der Rolle passt, da wird ein Rechtesystem jenseits von Gut und Böse impliziert, da kommt die Schlüsselsequenz des Films ohne jegliche verständliche Motivation daher. Menschem lassen gerne mal im dritten Akt ihre Masken fallen, hier aber werden grundsätzliche Tendenzen oder Archetypen zu 180° gedreht, nur damit es den größtmöglichsten Twistfaktor hat. Das Finale dieser 100 Minuten Berg- und Talfahrt ärgern mich dabei fast mit am meisten, einfach weil es so verdammt schade um diese alptraumhafte, surreale, lynchesque, unerklärte Sequenz kosmischen Horrors ist, die sich anzugucken lohnt, die sich aber nur sehr unbequem in die Welt des Films fügen will. Ein interessanter Film, und für Freunde ungewöhnlichen Horrors sicherlich auch ein sehr sehenswerter, aber auch einer, der auf einem unfertigen Script basiert, das beliebige Genretropen und oft gesehene Build-Ups auf eigenständige, aber enttäuschend sinnlose Weise auflöst.
 
 
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AMULET – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Interessanter, technisch hochwertiger Slowburn, der sich lange Zeit an der Schnittstelle zwischen unterkühlten, europäischen Thriller-Produktionen, Charakterdrama und Standardhorror aufhält, um später zu offensichtlich einzig seine Weltanschauung zu befriedigen. Wenig sinnig, rein atmosphärisch aber gelungen.
 
 


 
 
 

AMULET – Zensur

 
 
 
Die auf Blu-ray und DVD veröffentlichte Fassung von „Amulet – Es wird dich finden“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMULET – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Eilte (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amulet; Großbritannien | Vereinigte Arabische Emirate 2020

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.38:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 23.10.2020

 
 

Amulet [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AMULET – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Ascot Elite)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are Still Here (2015)
 
House – Willkommen in der Hölle (2016)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 

Filmkritik: „Sator“ (2019)

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SATOR

Story

 
 
 

Adam lebt alleine und abgeschieden im Wald, um auf ein Wesen namens Sator zu warten, welches seine Familie schon lange beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

SATOR – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, die einen irgendwie beeindrucken können und einem trotzdem nicht so richtig gefallen wollen. „Sator“ ist genau so ein Fall, denn eigentlich ist das Werk höchst interessant, besonders wenn man die Hintergrundgeschichte erfährt, aber gleichzeitig ist das dermaßen langsam, sperrig und zeitweise leider dadurch eben auch langweilig, dass viel vom Reiz abhanden kommt.
 
 
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Die Großmutter erzählte immer wieder von Sator, einem seltsamen Wesen, das tief in den Wäldern sein Unwesen treibt, das Leute manipuliert und zu sich kommen lässt. Adam hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wesen zu stellen, denn es hat seine Familie lange genug beeinflusst. Dazu zieht er in eine einsame Hütte und wartet jeden Tag in den Wäldern erneut auf Sator. Lange Zeit geschieht nichts, doch dann meldet sich Sator plötzlich. Jordan Graham schrieb das Drehbuch selbst und veränderte es wohl im Laufe der Zeit, denn seine Großmutter wurde wirklich dement und schrieb innerhalb von drei Monaten zahlreiche Seiten, in denen sie immer wieder von Sator berichtete. Selbst wenn das natürlich nur der Fantasie eines kranken Geistes entstammt, besitzt „Sator“ deshalb mehr Bezug zur Realität, als es im Horrorfilm üblich ist. Graham bastelte daraus eine Story, die mit keiner Auflösung daherkommt und allgemein kaum etwas erklärt. Darauf muss man sich schon einlassen mögen, denn eine typische Geschichte ist das hier nicht. Sowieso lebt der Film aber viel eher von seinen Bildern, als von der Story selbst.
 
 
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Man kann hier schon von einem echten Autorenfilm sprechen, denn Graham machte fast alles im Alleingang. Von ihm stammt das Drehbuch, er übernahm die Regie, die Produktion, war als Editor tätig und auch für die Soundkulisse verantwortlich. Gekostet hat ihm sein zweiter Langfilm gute fünf Jahre und so viel Herzblut verdient Anerkennung. Sogar seine echte Großmutter ist im Film zu sehen. „Sator“ lebt von der starken Bildersprache und den Naturkulissen, denn gedreht wurde viel in einem Nationalpark und das gibt enorm viel her. Der Wald erfüllt seinen Zweck als gruselige Kulisse voll und ganz, zaubert nebenbei aber auch wunderschöne Bilder daher. Wenn es Nacht wird, dann ist hier auch wirklich alles sehr düster. Während Filme mit größerem Budget meistens bestens ausgeleuchtet sind, stammt hier das einzige Licht von einer Taschenlampe und das ist dann gleich viel wirkungsvoller. Eigentlich ist das alles sehr simpel gestaltet und auch beim Wesen Sator selbst musste nicht viel getrickst werden. Manchmal erreicht gerade so etwas jedoch eine viel größere Wirkung und es gibt definitiv ein paar Szenen, die stark sind und so schnell nicht mehr zu vergessen sind. Die Atmosphäre könnte düsterer kaum sein und der Horror entfaltet sich dermaßen subtil, dass man schon eine Gänsehaut bekommen kann. Dazu gesellen sich simple Soundeffekte, die ebenfalls wirkungsvoll sind.
 
 
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So positiv das bis hierhin auch klingen mag, „Sator“ ist im Endeffekt bedauerlicherweise ziemlich langweilig, denn das Tempo ist gnadenlos langsam. Am Anfang gibt es oftmals Rückblicke, die in Schwarzweiss und im 4:3 Format daherkommen. Hieraus entsteht fast eine Art Drama, aber nach einer gewissen Zeit bremsen sie das Geschehen nur noch aus. Die Horrorszenen sind wirklich gut gemacht, kommen aber eigentlich gar nicht mal so oft vor. Immer dann, wenn man hofft, dass es jetzt mal richtig losgehen würde, ist es auch schon wieder vorbei. So muss man am Ende doch sagen, dass höchstens die Hälfte der 85 Minuten Laufzeit einen guten Unterhaltungswert besitzen. Dass die Darsteller, von denen es sowieso nicht viele zu sehen gibt, nebenbei nicht wirklich viel zu tun haben und es nicht mal viele Dialoge zu hören gibt, macht die langsame Art und Weise noch erdrückender.
 
 


 
 
 

SATOR – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Es ist wirklich schade, dass „Sator“ so wenig zu unterhalten vermag, denn vom Handwerk her wurde er sehr gut gemacht. Die Kulissen sind toll, die Horrorszenen sind unheimlich und nebenbei beweist der Film, dass man auch mit simplen Mitteln herausragende Wirkungen erreichen kann. Auf die Story, die im Endeffekt nichts erklärt, muss man sich allerdings einlassen und wenn man nicht den Hauch eines Faibles für ruhigere Horrorkost besitzt, dann ist man hier vollkommen an der falschen Adresse. Das Ergebnis besitzt ganz starke Momente, aber auch viel Füllmaterial, welches einfach langweilt, weshalb trotz der vielen, positiven Seiten keine höhere Wertung als der Durchschnitt drin ist!
 
 
 


 
 
 

SATOR – Zensur

 
 
 
Der Streifen besitzt nur eine blutige Szene und dürfte ohne Probleme in Deutschland bei Veröffentlichung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Der Film lief bisher nur auf dem Hardline Filmfestival. Immerhin ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SATOR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yellow Veil Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch Project (1999)
 
The Witch (2015)