Filmkritik: „Amityville III“ (1982)

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AMITYVILLE III

(AMITYVILLE 3-D | AMITYVILLE 3: THE DEMON)

Story

 
 
 

Journalist John Baxter geht der durch die Vorfälle in Häusern wie dem Spuktempel von Amityville, Long Island ausgelöste Trend, wieder an Besessenheit und Dämonen zu glauben, ganz gewaltig auf die Nüsse. Er macht es sich zur Aufgabe, die zunehmend dreist grassierende Scharlatanerie im Umfeld dieser Phänomene aufzudecken. Über einen Makler bekommt er die Gelegenheit, den Kasten in Amityville käuflich zu erwerben. Nach und nach passieren auch John und den Menschen um ihn herum Dinge, die ihn an seinem unerschütterlichen Glauben an Logik und die aufgeklärte Moderne zweifeln lassen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Kritik

 
 
 
tatsächlichen Familie am Hacken. Da wollen die Macher des dritten Teils nicht in den lauernden Fettnapf treten und bringen eine Geschichte ins Kino, die weniger mit den direkten Erlebnissen ihrer unbedarften Figuren mit einem Haunted House, als an modernen Paranormal-Investigator-Hits wie den INSIDIOUS- oder CONJURING-Reihen verwandt ist. Wobei der skeptische Journalist Baxter nicht, wie etwa die Eheleute Warren, die Monetarisierung des Übersinnlichen im Hinterkopf hat. Er glaubt schlicht nicht dran oder will das zumindest nicht. Als er mit seinem Latein der Vernunft am Ende ist, lässt er seinen Freund Dr. West ins Haus, der sich tatsächlich als Erforscher des Okkulten und Übersinnlichkeits-Ermittler im Sinne der berühmten Warrens sieht.
 
 
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AMITYVILLE III haucht der Story um den Gruselschuppen im Bundesstaat neues Leben ein. Man spart sich, einfach nochmal nur leidende Durchschnittsmenschen gegen die Wand donnern zu lassen und verlagert den Fokus auf den zweifelnd beobachtenden Protagonisten. Sein Kampf gegen die Erschütterungen seiner Einstellungen macht ihn zum Leidensgenossen etwa der diversen innerlich und äußerlich gequälten Priester aus dem Orbit des DER-EXORZIST-Franchise. Eine Ebene, die dem Film sehr guttut. Der Unique Selling Point, wie wir topbezahlten Marketingprofis sagen, liegt bei Erscheinen in den 3D-Tricks, mit denen der Film seinen Zuschauern im Kino die horrortypischen Brocken um die Ohren fliegen lässt. Ja, Anfang der Achtziger ist’s mal wieder soweit und die Industrie entdeckt das Gimmick des plastischen Filmkonsums für sich.
 
 
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Damals lacht man eher über dieses Aufwärmen eines retrofuturistischen Gags aus den Fünfzigern. Keiner ahnt, dass sich im nächsten Jahrtausend mit der 3D-Verwurstung jedes noch so miesen Kinofilms dumm und dämlich verdient wird. Jedenfalls stützen sich die Produzenten des zweiten AMITYVILLE-Sequels so sehr auf ihre Idee, dass die es sogar in den amerikanischen Originaltitel – AMITYVILLE 3-D lautet der nämlich ganz plump – schafft. In kleinen Rollen sehen wir die später zur Prominenz aufsteigenden Neunziger-Schnecken Meg Ryan und Lori Loughlin. Frau Ryan immerhin lange Zeit Garantin für den Erfolg biederer Romantic Comedies, während die letztgenannte Schönheit jetzt im Knast schmort, was aber nix mit dem Film hier zu tun hat. Hier eiern die Mädels auf dem Dachboden mit einem Ouija-Brett herum. Das gibt natürlich Ärger.
 
 
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Regisseur Richard Fleischer, vierzig Jahre lang einer der grundsolidesten Handwerker der Hollywood-Geschichte, dessen Filmographie eine wahre Schatztruhe amerikanischen Unterhaltungskinos darstellt, erlaubt sich auch bei einem vergleichsweise weniger prestigestarken Projekt wie AMITYVILLE III keine groben Fehler. Der Rhythmus stimmt, Atmosphäre hat er auch, die Schocks sitzen wie angegossen und das Extra der Dreidimensionalität trägt zumindest im Kinosaal – zu einem gelungenen Gruselabend bei. Doch auch ohne die krampfhafte Konzentration auf die optischen Späße, mit denen seinerzeit sogar ein Teil von FREITAG DER 13. den ungeschlachten Eishockeyfreund Jason Vorhees seine Machete aufs Publikum niedersausen lässt, ist AMITYVILLE III ein ordentlicher Horrorfilm.

 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Zweites Sequel des überraschend erfolgreichen Spukhaus-Hits von 1979, der sich vom Rezept der von Dämonen geknechteten Spießerfamilien wegbewegt und einen zweifelnden Journalisten in den Mittelpunkt rückt. So wirkt AMITYVILLE III gelegentlich wie ein Vorfahr von CONJURING und Co. Gute Entscheidung – guter Film.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Zensur

 
 
 
Offenbar kam AMITYVILLE III nur geschnitten in die deutschen Kinos. Das änderte sich auch auf VHS und DVD nicht, obwohl der Spukklassiker frei ab 16 Jahren war. Erst 2009 brachte Anbieter EPIX den Horrorfilm uncut in Deutschland auf DVD heraus. Nun erschien der Streifen zum ersten Mal in Deutschland in HD. Die veröffentlichte Blu-ray-Fassung im Mediabook und KeepCase ist vollkommen ungeschnitten und ebenfalls frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover A – limitiert auf 333 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover B – limitiert auf 333 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover C – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover D – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover E – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover F – limitiert auf 111 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amityville III: The Demon; USA 1983

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Anaglyphe 3D-Version, Audiokommentar mit Stephen Jones & Kim Newman, Original Trailer, Filmographien, Bildergalerie | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit Text von Lars Dreyer-Winkelmann und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 22.11.2019 | KeepCase: 30.10.2020

 
 
NSM hat 2019 sechs limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Oktober 2020 kann man AMITYVILLE III auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 

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AMITYVILLE III – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Amityville: The Awakening (2017)
 
Amityville Horror – Wie alles begann (2018)
 
Amityville II – Der Besessene (1982)
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 

Filmkritik: „The Deep Ones“ (2020)

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THE DEEP ONES

(H.P. LOVECRAFTS THE DEEP ONES)

Story

 
 
 

Für „The Deep Ones“ durfte mal wieder der Name H.P. Lovecraft herhalten, denn es geht um Cthulhu und Monsterwesen aus dem Wasser, welche von einer Sekte verehrt werden.

 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Kritik

 
 
 
Wohl kaum ein Mensch war so beeinflussend für die Horrorwelt, wie H.P. Lovecraft. Selbst über 80 Jahre nach seinem Tod, gibt es noch immer zahlreiche Werke, die auf seinen Ideen basieren. Dazu zählt nun auch der Low-Budget-Reißer „The Deep Ones“, der aus der Vorlage aber leider nur ein müdes Gähnen hervorzaubert.
 
 
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Alex und Petri wollen mal wieder richtig schön entspannen und dem Alltag entfliehen, weshalb sie sich ein schickes Ferienhaus am Strand mieten. Die Vermieter sind auch vor Ort und drängen sich nach Alex Meinung etwas zu sehr auf. Nur Petri genießt den Kontakt mit ihnen. Schon bald stellt sich heraus, dass die Vermieter zusammen mit anderen Bewohnern der Gegend eine Sekte führen, die einem Monsterwesen aus dem Wasser huldigt und Alex soll ein ganz besonderes Geschenk erhalten. Dass hier Lovecraft als Vorbild fungierte, ist nicht zu übersehen. Man hat sich seiner Geschichte um den Cthulhu-Kult angenommen und aus der Story überhaupt nichts Eigenständiges gemacht. So wie das hier erzählt wird, wurde es schon etliche Male erzählt. Eigene Ideen sieht man eigentlich gar nicht und das alles wäre kaum so schlimm, wenn wenigstens die Umsetzung überzeugen könnte, nur leider gestaltet sich dort alles ähnlich lustlos.
 
 

 
 
Regisseur Chad Farrin, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, konnte schon bei etwas größeren Werken mitwirken, aber wenn er selbst inszeniert, hat er sich ganz dem billigen Trash verpflichtet und dass die Mittel in „The Deep Ones“ sehr begrenzt waren, sieht man dem Streifen zu jeder Sekunde an. Die Schauplätze wirken nicht gerade toll und nicht mal der Meerausblick oder der Strand sorgen hier für Schauwerte. Zwar wird manchmal etwas mit Farben und Lichtern gespielt, aber das sieht ebenfalls nicht gerade spektakulär aus. Die Atmosphäre atmet eher Mystery, als richtigen Monsterhorror, wird aber sowieso dermaßen plump aufgebaut, dass sie einen kaum erreichen kann. Für Kinder, die solche Filme eigentlich noch nicht sehen dürften, ist das bestimmt ein wahres Fest und auch unheimlich, aber an diese richtet sich ein solches Werk ja nun mal nicht primär. Weil das handwerklich schon sehr begrenzt ist und kaum Stimmung aufkommen lassen will, hat es der Unterhaltungswert sowieso nicht leicht.
 
 
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Dabei ist der Anfang noch vielversprechend, denn es dauert wirklich nicht lange, bis die bösen Absichten der Vermieter klar sind und ein paar Flashbacks bringen auch gleich etwas Horror mit ins Geschehen, so dass man denken könnte, es würde so weitergehen. Doch nach dem recht temporeichen Beginn, gibt es bis zum Finale fast nur noch Langweile. Höhepunkt ist hier die Party mit einer gefühlt minutenlangen Begrüßung aller Gäste. Die Dialoge sind nicht gerade hörenswert und von Monstern fehlt auch fast jegliche Spur. Lediglich im kurzen Finale gibt es noch ein paar nette Kostüme zu sehen, aber Splatter gibt es gar keinen, weshalb man für „The Deep Ones“ eigentlich schon wieder die Freigabe ab 14 Jahren einführen sollte. Zum Glück läuft das Ganze nur 82 Minuten und ist von daher nicht so lang geraten, aber selbst innerhalb dieser Laufzeit gibt es zu viele Längen. Die Darsteller können das auch kaum retten. Gina La Piana und Robert Miano machen ihre Sache noch ganz okay, doch der Rest spielt das wirklich nicht gut und die Charaktere sind sowieso dermaßen dünn gestaltet, dass hier keine Sympathien aufkommen können.
Der billige Score passt zwar, hört sich aber nicht gerade prickelnd an.
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
„The Deep Ones“ bedient sich fleißig an Lovecraft und kreiert daraus einen Film, den es schon oft genug gegeben hat, nur oftmals eben in deutlich besser. Wenn nicht viele Mittel zur Verfügung stehen, muss das kein K.O.-Kriterium sein, aber diesem Werk merkt man einfach keinerlei Leidenschaft an. Es gibt fast ausschließlich langweilige Szenen zu sehen und nur ganz selten mal ein paar hübsche Monsterkostüme. Die handwerkliche Arbeit ist höchstens durchschnittlich, die Darsteller agieren nicht gerade begeisternd die Endpointe ist so vorhersehbar, wie alles an dem Streifen. Leider nicht empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Zensur

 
 
 
„The Deep Ones“ hat kaum grausame Schauwerte zu bieten. Abgesehen von etwas roter Farbe und ein paar Monsterkostümen ist dieser Streifen völlig harmlos. Daher könnte er bedenkenlos ab 12 Jahren freigeben werden. Dennoch denken wir, dass es eine FSK16 werden wird.
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Crappy World Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Call of Cthulhu (2005)
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1993)
 

Filmkritik: „Ginger Snaps Trilogie“ (2000 – 2004)

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UM WAS GEHT ES IN DEN GINGER SNAPS FILMEN?

Storys

 
 
GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR: Ginger und Brigitte sind kanadische Provinz-Teeniemädchen mit einer morbiden Freude am Tod und allem, was dazugehört. Sogar ein Sterbe-Abkommen wird geschlossen. Früher hätte man Gruftie gesagt, heutzutage Goth. Die Pubertät scheint bei den Schwestern noch nicht angekommen zu sein, was durchaus ungewöhnlich ist. Gleichzeitig mit Gingers erster Periode wird das arme Ding von einem Werwolf angefallen und fängt sich – so ist das bekanntermaßen – den Fluch des Wolfsmenschenseins ein. Ein furchtbares Spiel um Blut, verschworene Verbundenheit und neue Identitäten beherrscht das Leben der Mädchen.

GINGER SNAPS – ENTFESSELT: In der Fortsetzung des Horrordramas vegetiert Brigitte in einer Hochsicherheitszelle dahin und wird mit dem Folklore-Medikament des Eisenhuts in Zaum gehalten. Das Horrornerd-Mädchen Ghost findet Gefallen an ihr und ein männliches Wolfsmensch-Exemplar hat Paarungszwang…

GINGER SNAPS – DER ANFANG ist, man kann es sich denken, ein Prequel, in dem wir die Schwestern in ihren früheren Inkarnationen, genauer 1815 auf einem Handelsposten an der kanadischen Zivilisationsgrenze kennenlernen. Hier gehen sie den schicksalshaften Pakt miteinander ein, hier liegen die Wurzeln ihres Lycanthropie-Alptraums.

 
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Kritik

 
 
Zu den wirklichen Erkenntnisgewinn bringenden Begleiterscheinungen der Kritikschreiberei gehört die Chance, bei ihrem Erscheinen gesehene Filme noch einmal losgelöst von den damaligen Hintergrundgeräuschen betrachten und bewerten zu dürfen. Im Falle von GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR bestehen diese Hintergrundgeräusche aus den Lobeshymnen junger Damen der Journaille, die sich über den Feminismus im Genrefilm gar nicht mehr einkriegen können. Man vermutet gar ein komplettes Umkrempeln der Horrorwelt in den Nachwehen der kanadischen Werwölfinnen. Ganz so gravierend ist’s dann doch nicht geworden. Immerhin aber folgen dem Vorbild doch bis heute Filme, denen man den Einfluss anmerken kann. Die alles in allem doch recht dröge UNDERWORLD-Saga und auch die insgesamt das Genre eher zum Rahmen seiner Pre-Teen-Liebesgeschichten nutzende TWILIGHT-Universum bedienen sich der Werwölfe und der unterm Fell steckenden Menschlein.
 
 
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(c) Ginger Snaps 1 (NSM RECORDS)

 
 
Die drei GINGER-SNAPS-Filme kommen Anfang der 2000er hervorragend beim Publikum an – dem ganzen Publikum, nicht nur der Horror-Fangemeinde, die seinerzeit noch zum größten Teil männlichen Geschlechts ist. Würstchenparty eben. GINGER SNAPS trifft 2000 den Nerv eines Zuschauersegments junger Mädchen und Frauen, die im Schicksal der Protagonistinnen vielleicht ihren persönlicher Horror in den schwierigen Jahren der Adoleszenz wiedererkennen können. Alle der drei Teile des Franchise, wie man heute sagt, sind von Frauen geschrieben worden, somit schwingt in den Geschichten um die Wolfsmädchen eine Authentizität mit, die vom neuen Publikum auch positiv zur Kenntnis genommen wird. GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR tritt eine Welle neuer Wahrnehmung weiblicher Hauptfiguren in Horrorfilmen los. Von MAY – DIE SCHNEIDERIN DES TODES (2002) bis AMERICAN MARY oder EXCISION, beide 2012 erschienen – zwischen Zerbrechlichkeit und Psychose oszillierende Protagonistinnen, deren Schöpfer ohne GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR womöglich nicht den Mut gefunden hätten, ihre Bücher zur Verfilmung freizugeben.
 
 
Ginger Snaps II - Entfesselt

(c) Ginger Snaps 2 (NSM RECORDS)

 
 
Auf den Erfolg des 2000er Independent-Horror-Hits reagieren dessen Rechteinhaber mit der Fertigung gleich zweier Sequels, die stilgerecht (man denke an die MATRIX-Filme oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) Back-To-Back gedreht werden und 2004 erscheinen. GINGER SNAPS – ENTFESSELT, bedient sich verschiedener Grundideen des Originals und führt ein neues Mädel in die Handlung ein, das sich Brigittes Zwitterwesen zum Objekt der Erforschung und späteren Rache nimmt. Der Ball wird praktisch einer neuen Generation zugespielt. Interessanterweise ist die Fortsetzung zahmer, was den Splatterfaktor angeht und lenkt den Fokus mehr auf die Charakterentwicklung. Weder Teil 2, noch Teil 3: GINGER SNAPS – DER ANFANG lösen die Begeisterungsstürme aus, die das Original erfährt. Nummer drei wird sogar nur Direct-To-Video ausgewertet und kommt nicht mkehr in die Kinos.
 
 
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(c) Ginger Snaps 1 (NSM RECORDS)

 
 
Seit Bram Stokers Dracula-Roman, einer der ersten literarisch festgehaltenen Motiv- und Regelsammlungen der Vampir-Fiktion, wird der Biss des Nachzehrers auch als Code für einen Sexualakt gedeutet. Die nach außen stets makellos, züchtig und selbstverständlich unschuldig präsentierten Maiden des Viktorianischen Englands, die, vom Übergriff des Blutsaugers quasi, zu Frauen gemacht werden. Eine direkte Schilderung oder auch nur Erwähnung von Themen wie Sex, Pubertät oder Menstruation ist unter den Moralvorstellungen dieser Jahre nicht möglich. Diese Interpretation realer menschlicher Befindlichkeiten unter der Maskerade im Ursprung folkloristischer Grusel-Märchen durchwehrt das Horrorkino seit Jahr und Tag. Bei GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR findet die Infektion der Werwolfskrankheit zeitgleich mit dem Einsatz von Gingers erster Regelblutung statt. Das Mädchen erfährt als geschlechtsreife Frau und/oder Wolfsmensch eine Wandlung vom Gothic-Mauerblümchen zum Sex- und Gewalt-Ungetüm. Plump gesprochen: Man weiß nicht, was das Mädchen mehr durchdrehen lässt, Pubertät oder Lycanthropie.
 
 
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(c) Ginger Snaps 3 (NSM RECORDS)

 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Anno 2000 in aller Munde und heute kaum noch im Fan-Gedächtnis, lohnt die Trilogie um die kanadischen Werwolf-Mädchen Eure Wiederentdeckung. Die weibliche Sicht auf den Horrorfilm und die Protagonistinnen ist damals stilbildend und färbt zum Beispiel auf die UNDERWORLD-Reihe ab. GINGER SNAPS ist ein faszinierender Blick auf die Ideen von Drehbuchschreiberinnen für ein Genre, das in der SCREAM-Ironiesoße erstickt und den Energiestoß der SAW-Filme noch nicht erfahren hat.
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Zensur

 
 
 
GINGER SNAPS hatte es nicht schwer in Deutschland. Während der erste Teil direkt auf DVD erschien und frei ab 18 Jahren war, waren die Teile zwei und drei mit einer FSK16 bereits bei ihrer DVD-Auswertung für Jugendliche geeignete. Etwas hat sich aber im HD-Zeitalter geändert. Die Teile zwei und drei besitzen weiterhin eine Jugendfreigabe und sind frei ab 16 Jahren. Der erste Teil wurde neu geprüft und ist ab sofort auch schon für ein jugendliches Publikum geeignet. Alle deutschen Veröffentlichungen der Filme sind somit ungeschnitten und ab sofort auch FSK16.
 
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Triologie auf 3 Blu-rays im limitierten Mediabook – auf 666 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (Triologie auf 3 Blu-rays im KeepCase)

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(c) NSM Records (Lederbuch-Schuber mit allen 3 Filmen im Mediabook – auf 666 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Ginger Snaps | Ginger Snaps: Unleashed | Ginger Snaps Back: The Beginning; Kanada 2000 – 2004

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: insgesamt 297 Minuten

FSK: Mediabook | Leatherbook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | Leatherbook | KeepCase

Extras: Making of, Filmographies, Deleted scenes, Behind the scenes, Booklet, Documentations, Trailer, Audio commentary, Photo gallery, Storyboards

Veröffentlichung: Mediabook: 22.11.2019 | Leather-Book: 29.03.2019 | KeepCase: 25.09.2020

 
 

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GINGER SNAPS TRILOGIE – Trailer

 
 




 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Bad Moon (1996)
 
Verflucht (2004)
 
Die Zeit der Wölfe (1984)
 
Raw (2016)
 
Late Phases (2014)
 

Filmkritik: „Luz: The Flower of Evil“ (2019)

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LUZ: THE FLOWER OF EVIL

(LUZ)

Story

 
 
 

In einem kleinen Dorf in den Bergen entwickelt sich die Suche nach Gott für die Einheimischen langsam aber sicher zum echten Untergang.

 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Kritik

 
 
 
In den letzten Jahren hat der subtile und langsame Horror wieder deutlich an Beliebtheit gewonnen, was z.B. Filme wie „Hagazussa“ oder „Midsommar“ bewiesen haben. Auch „Luz: The Flower of Evil“ aus Spanien bedient sich an der Langsamkeit. Er bietet keinen Horrorfilm per se, sondern spielt vor allen Dingen mit dem Thema Menschlichkeit. Das Resultat wird bei weitem nicht jeden gefallen, aber dass man hier überragende Bilder serviert bekommt, ist nun wirklich nicht zu leugnen.
 
 
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Das Geschehen spielt sich weit abgeschieden in den Bergen ab. Welche Zeit man schreibt, erfährt der Zuschauer nicht direkt, denn das Zeitalter ist in dieser Natur sowieso nicht relevant. El Señor führt seine drei Töchter und die paar Dorfbewohner an, in dem Glauben, dass er ein Prophet sei und bald Jesus finden wird, der alle von ihren Sünden reinwäscht. Seine Frau ist vor einiger Zeit schon gestorben und die drei Töchter vermissen sie sehr. Als Uma immer mehr beginnt, das Gesprochene von El Señor in Frage zu stellen, bahnt sich bald eine Katastrophe an. Das Drehbuch lässt sich gut als religiöse Parabel verstehen und besteht aus Inhalten, die nicht immer so ganz leicht auf der Hand liegen. Vieles bleibt interpretationswürdig und der Zuschauer erhält kaum Informationen über die Hintergründe. Selbst das Ende ist ziemlich offen und das Schöne an dieser Handlung ist, dass jeder sie anders auffassen kann. Trotzdem ist klar erkenntlich, dass sich die Geschichte sehr mit dem Mensch an sich auseinandersetzt, mit seinen Taten, seiner Herkunft und seiner Bestimmung. Antworten gibt es auf all diese Dinge jedoch kaum. Man kann mit diesem Drehbuch seine Freude haben, aber man muss es nicht zwangsläufig mögen, weil „Luz“ nebenbei dermaßen sperrig gestaltet wurde, dass absolut nicht jeder Filmfreund damit etwas anfangen können wird.
 
 
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Der Kolumbianer Juan Diego Escobar Alzate, der neben der Regie auch noch das Drehbuch schrieb und weitere Funktionen übernahm, liefert mit diesem Werk sein Langfilmdebüt ab und dass er schon viel Erfahrung mit Kurzfilmen etc. sammeln konnte, sieht man „Luz“ deutlich an. Die größte Stärke besitzen die Bilder der Natur. Egal ob es knallbunte Farben der grünen Wiesen sind oder Bilder der Sterne bei Nacht – Das sieht alles phänomenal aus und bietet enorm hohe Schauwerte. Ja, da fühlt man sich teilweise wirklich wie in einem Heimatfilm und die Filter, die man hier verwendet hat, könnten besser gar nicht gewählt sein. Hinzu gesellt sich allgemein noch eine schöne Bildersprache und es gibt durchaus Szenen, die sich in die Netzhaut einbrennen. Am meisten verloren hat allerdings derjenige, der hier einen richtigen Horrorfilm erwartet, denn abgesehen von dämonischem Flüstern und einer Ziege als Symbol für den Teufel, gibt es hier keinerlei Elemente, die jemals etwas mit übernatürlichem Horror zu tun haben. Das Grauen entsteht hier eher unterschwellig und ist rein menschlicher Natur. Das sorgt hinterher für eine sehr unangenehme Szene, die an die Nieren geht, aber ansonsten ist auch von roter Farbe nie viel zu sehen.
 
 
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Selbst wenn man die richtige Erwartungshaltung mit bringt, muss man nebenbei sehr tolerant für Längen sein, denn „Luz“ ist reichlich langsam aufgebaut. Eine Weile lang kann man sich von den tollen Bildern berauschen lassen, aber nach einer gewissen Zeit kann das religiöse Gerede auch mal ein wenig penetrant werden. Zum Finale hin wird das Tempo ganz kurz etwas angehoben, was für eine kleine Portion Spannung sorgt, aber ansonsten macht es einem der Unterhaltungswert mit seinen 104 Minuten Laufzeit alles andere als leicht. Es mangelt etwas an Abwechslung und es dauert zu lange, bis das Geschehen zu seinem Höhepunkt findet. Dafür bekommt man allerdings ordentliche Darsteller zu sehen. Conrado Osorio, mit der definitiv schwierigsten Rolle, kann sich sehen lassen. Seine drei Töchter werden von Yuri Vargas, Sharon Guzman und Andrea Esquivel auch sehr zweckdienlich gespielt und alle anderen Darsteller sind sowieso kaum zu sehen. Eine tiefere Figurenzeichnung sollte man übrigens auch nicht erwarten, denn diese muss man sich schon selbst erarbeiten bzw. sollte man hier ebenfalls bereit sein, gewisse Interpretationen zu treffen.
 
 
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LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Luz: The Flower of Evil“ ist eigentlich ein typischer Love-it-or-hate-it-Film geworden, der starke Geschmackssache ist. Den Zuschauer erwarten grandiose Bilder der Natur, die perfekt eingefangen wurden. Ihn erwartet jedoch auch eine Laufzeit, die mit Längen um sich wirft und selten so richtig auf den Punkt kommen will. Das wird gut gespielt, ist handwerklich echt toll gemacht und bietet eine Geschichte, über die man sich Gedanken machen muss, ist nebenbei aber auch so sperrig, dass einem das nicht gefallen muss. Etwas mehr Tempo, ein Hauch mehr Horror und ein wenig mehr Abwechslung hätten „Luz“ jedenfalls gut getan, aber auch so sollte jeder Arthouse-Fan dem Werk mal eine Chance geben!
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Zensur

 
 
 
In „Luz: The Flower of Evil“ gibt es nur eine derbe Szene zu sehen, in der einer Schwangeren ihr Baby aus dem Bauch geschnitten wird. Die Kamera hält dabei allerdings nicht detailliert drauf, so dass es nicht zu explizit wird. Der ungewöhnliche Genre-Beitrag dürfte ohne Probleme eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, was wohl auch daran liegen dürfte, weil der Film mehr Arthouse ist, als blutrünstiger Horrorschocker.
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei MPI Media | Mad Dimension)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sacrament (2013)
 
The Devil’s Hand – Vergib mir Vater, denn ich habe gesündigt (2014)
 
Midsommar (2019)
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „Kumanthong“ (2019)

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KUMANTHONG

(THAT SON TAM LINH)

Story

 
 
 

In „Kumanthong“ wird frei die Geschichte des ersten vietnamesischen Serienkillers nacherzählt.

 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Kritik

 
 
 
Viele Länder haben so ihre berüchtigten Serienkiller und Namen wie Jack the Ripper, Jeffrey Dahmer etc. werden wohl den meisten etwas sagen. Dass auch Vietnam seine Serienkiller hatte, wird hingegen nicht vielen bekannt sein. In „Kumanthong“ bekommen wir nun die Geschichte des ersten offiziellen Serienmörders dieses Landes erzählt. Das Ergebnis ist allerdings viel mehr ruhiges Drama, als echter Thriller geworden und besitzt leider zahlreiche Längen.
 
 
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Die taubstumme Soi lebt in einem kleinen Dorf und wird von den meisten Bewohnern wie eine minderwertige Behinderte behandelt. Eines Tages kommt der fremde Huynh ins Dorf. Er ist ein Schamane und kann sein Talent gleich unter Beweis stellen, weshalb er auch seine eigene Praxis errichten kann. Außerdem nimmt er Soi zu seiner Frau. Sie könnte damit eigentlich glücklich sein, aber bald muss sie herausfinden, dass Huynh für seinen Kumanthong-Zauber die Knochen von Menschen braucht und um diese zu bekommen, muss er töten. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, wurde aber mit der Fantasie der Drehbuchautoren angereichert und erzählt diese Geschichte nun wohl sehr frei nach. Die Zutaten der Story sind definitiv nicht verkehrt und werden soweit auch gut genutzt, nur dauert es viel zu lange, bis die Handlung mal an Fahrt aufnimmt. Das westliche Publikum könnte so seine Probleme haben mit der Herangehensweise warm zu werden.
 
 
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Der Einstieg fällt dabei durchaus interessant aus. Das Dorf, in dem sich alles abspielt, bietet wirklich die reine Natur und ist als Schauplatz eines Serienkiller-Films mal etwas gänzlich anderes. Auch die Tatsache, dass die Hauptfigur taubstumm ist, ist nichts alltägliches in solchen Filmen. Allerdings sorgen gerade diese Faktoren hinterher dafür, dass keine echte Spannung aufkommen will. Man entwickelt als Zuschauer keinen richtigen Draht zu Soi. Dass sie insgesamt schlechte Karten hat, ist glaubwürdig und dennoch will sich der Verlauf der Handlung nicht so richtig erschließen. Nachdem Huynh anfangs als super sympathischer Doktor eingeführt wurde, wandelt er sich zum echten Psychopathen, was ebenfalls nicht so glaubwürdig daherkommt, selbst wenn seine Background-Story die Erklärungen liefert. Nein, die Figurenzeichnung ist in „Kumanthong“ nicht sonderlich gut gelungen, weil sie sich auf der einen Seite bedeutungsschwanger gibt und auf der anderen Seite doch nur oberflächlich bleibt. Die recht überschaubare Anzahl an Darstellern macht dabei einen soliden Job und man kann sich über die Leistungen nicht beklagen, doch so richtig markant will das alles nicht wirken und es wird schnell wieder aus dem Gedächtnis verflogen sein.
 
 
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Für Regisseur Le Binh Giang stellt „Kumanthong“ erst der zweite Film dar, nachdem er mit seinem ersten wohl massive Probleme hatte. Aus handwerklicher Sicht kann man dem Werk nicht viele Vorwürfe machen. Die Kulissen haben durchaus etwas für sich und ein wenig experimentell wird es mit seltsamen Rückblicken/Visionen auch noch. Trotzdem ist der Stil noch ausbaufähig und wirkt manchmal etwas zerfahren. Nach einem sehr zähen Mittelteil, in dem eigentlich viel und dennoch kaum etwas geschieht, gibt es immerhin noch ein halbwegs spannendes Finale zu verfolgen. Trotzdem ziehen sich die rund 100 Minuten Laufzeit ganz schön in die Länge. Es gibt wenig Spannung und viel Drama, welches aber aufgrund des fehlenden Drahts zu den Figuren nicht richtig wirken kann. Hinzu gesellt sich noch ein manchmal viel zu theatralischer Score, der teilweise sehr gut passt, teilweise aber auch echt zu sehr übertreibt.
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
In seinem Heimatland soll „Kumanthong“ wohl ein Erfolg gewesen sein, aber für ein westliches Publikum ist das nur bedingt empfehlenswert. Auch wenn man gerne mal die „anderen“ Filme schaut, bekommt man hier zu viele Längen geboten, um sich jemals richtig unterhalten zu fühlen. Die Grundzutaten sind dabei echt nicht verkehrt. Sowohl die Story ist interessant, wie auch die handwerkliche Arbeit. Außerdem sind die Darsteller brauchbar. Im Endeffekt gibt es aber zu viel unausgegorenes Drama und zu nichtssagende Charaktere. Wer am vietnamesischen Kino interessiert ist, sollte sich am besten selbst ein Bild davon machen, denn gute Seiten besitzt „Kumanthong“ definitiv, aber er ist nebenbei leider oftmals ziemlich langweilig!
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Zensur

 
 
 
In „Kumanthong“ geht es zwar um einen Serienkiller; die Ereignisse sind aber nicht drastisch bebildert. Zwar geht es in ein paar Szenen etwas derber zur Sache, explizit wird es aber kaum. „Kumanthong“ dürfte in Deutschland problemlos ungeschnitten eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Galaxy Studio | Galaxy M&E)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bedevilled – Zeit der Vergeltung (2010)
 
Manhole – Bedrohung von unten (2014)
 
The Wailing (2016)
 

Filmkritik: „Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle“ (2018)

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INNER GHOSTS – SCHLÜSSEL ZUR HÖLLE

(INNER GHOSTS)

Story

 
 
 
Neurowissenschaftlerin Helen kriegt nach dem Tod eines befreundeten Mediums 7 Millionen für ihr Forschungsprojekt geschenkt, in dem sie im Namen der Alzheimerforschung Geister interviewt.

 
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Kritik

 
 
Ein weiteres Langfilmdebüt hat es geschafft, einen deutschen Vertrieb zu finden, ein weiterer tapferer Reviewer stellt sich den ohne Abspann 85 Minuten, die der portugiesische bisher Co-Regisseur Paulo Leite hier inszeniert hat. Ob es eine gute Idee war, diesem Streifen eine Chance zu geben? Kämpfen wir uns doch durch knapp 5 Seiten Notizen und finden es heraus.
 
 
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Ein ruhiges Klavierstück mit krächzenden Instrumenten im Hintergrund vermag Unbehagen zu verbreiten, während, merkwürdig gewählt, die Opening Credits von oben nach unten durchs Bild scrollen. Eine dialoglose Montage zeigt blutige, aber im Endeffekte harmlose sowie offensichtlich nicht echte Aufnahmen einer Operation, Nahaufnahmen zudem von einer geplagten jungen Frau, die etwas notiert und schließlich Selbstmord begeht. Die weinende Mutter rennt auf die Leiche ihrer Tochter zu, Schnitt und sie wird uns als Protagonistin vorgestellt, Celia Williams spielt die Neurowissenschaftlerin Helen, die gerade um eine Finanzierung ihres Projekts bittet, bei dem Alzheimerpatienten geholfen werden soll, sich zu erinnern. Williams gibt dabei von Anfang an die wohl überzeugendste und beste Performance des Films ab, was aber regelmäßig auch schwer anders erdenklich ist, da der Restcast so unfassbar hölzern agiert. Hübsch geframete Bilder beißen sich mit den charakterlos matten und entsättigten Farben, Plot kommt dann immerhin zügig in Form der Mutter einer Freundin daher, die sich im hohen Alter befindet, Helen früher unterrichtet hat, und sich ihres baldigen Todes bewusst ist.
 
 
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Recht stimmig bis professionell geschnittene Szenen an der Universität, unterlegt mit fader und charakterloser Musik, sowie die Informationen dass Helen scheinbar ein Medium ist, ihre Tochter aber nicht erreichen konnte weil das „beyond her gift“ ist (?), sie sich geschworen hat, nie wieder ihre Gabe zu nutzen und dass die alte Frau von Helen genau das aber verlangt, folgen innerhalb weniger Minuten als funktionierende Exposition. Ebenfalls recht zufrieden stimmt, dass es nach gerade einmal elf Minuten jetzt wohl richig „loszugehen“ scheint, da sie für ihr Projekt, an einer wissenschaftlichen Universität wohlgemerkt, das sie an Geistern durchführen möchte, mal eben 7 Millionen bekommt. Von einem solchen Budget könnte der Film selber aber vermutlich nur träumen, weshalb der Zuschauer nun auf keinen Fall Hightech-Gear oder auch nur aufwendige designte Apparaturen erwarten sollte, stattdessen wird auf das Budget schlichtweg nie wieder eingegangen, nachdem Helen ein erstes Mal beim irritierend schlecht und inkonsistent spielendem Doctor der Uni vorbeigekommen ist, um den Vertrag zu unterschreiben. Das schwere Atmen der Mutter von Helens Freundin wird vom Horrorfan dann sicherlich wohlig dämonisch assoziiert und sorgt ggf. für erste Spannung, doch der Geist der alten Dame ist nicht nur freundlich gesinnt, sondern auch unspektakulär inszeniert, da einfach nur die Schauspielerin selber noch einmal im Bild steht und mit leicht verzerrter Stimme redet. Sprüche wie „Death is just a wave coming back“ oder „Let the pain go!“ helfen dabei weder Helen, noch dem Zuschauer.
 
 
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In der Box der Verstorbenen finden sich Schlüssel und bald tut sich ein alter, lange nicht mehr genutzter Ort auf, an dem es vor Geistern wohl nur so wimmelt, wie von Helen wenig atmosphärisch oder mysteriös schlichtweg angenommen wird. „There’s an entity to your left“ sagt sie zu ihrer Freundin und zeigt leger nach links, das Sounddesign ist durch ganz viel generisches Rauschen und Radiofrequenzen und Stimmen und mehr Störgeräusche bestenfalls bemüht, aber nie gruselig. Müsste nach gerade einmal 21 Minuten auch gar nicht der Fall sein, wären die ausgebauten und langen Dialogszenen dafür zumindest packend, spannend oder gut gespielt – doch trotz Kerzenbeleuchtung und dunklen Ecken fallen selbst die atmosphärisch platzierten Geistergespräche sehr lange sehr mundän bis peinlich aus, da hier im Endeffekt einfach nur Interviews mit leicht weiß geschminkten, vergessenswert gespielten Typen durchgeführt werden, die mit einem kindischen Sprachverzerrer sprechen. „Albert“, der hilfreiche Geist, erklärt jedenfalls dass die Geister eine neue, gefährliche und experimentelle Art der Kommunikation gefunden hätten, geht auch darauf aber nie wieder ein.
 
 
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Optisch-atmosphärisches Highlight, wenn man denn auf diese nächtliche Stadtoptik steht, dürfte die kurze Sequenz sein, in der eine Joggerin bis zum überraschend klappenden Jumpscare und Offscreen-Angriff angenehm durchdacht eingefangene Bilder durchqueren darf. Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch marginal spannender als Helens Seance, in der mittlerweile kein einziger Geist mehr gezeigt wird, sondern nur noch zahlreiche Stimmen von 100 abwärts zählen dürfen für ihre Tests. Wie irgendwas davon wissenschaftlich sein oder Alzheimerpatienten helfen soll, in einer Welt, in der Geister nicht als existent etabliert sind, sondern einfach von Helen so angenommen und ja auch erfahren werden, vom Rest der Menschheit aber scheinbar nicht, bis auf anderen Medien, ist die berechtigte Frage, die sich der Zuschauer – nebst anderen – sowie auch der Doctor der Uni stellt. Mit dem ärgerlichen Nebeneffekt nur, dass diese belanglosen, extrem repetitiven und vorhersehbaren Gespräche immer wieder kommen, nichts vorantreiben, keinen Unteschied oder Spaß machen und ganz fürchterlich von Miguel Linares gespielt sind. Wie dem auch sei, die Joggerin stellt sich als weiteres Medium heraus, die von Helen geschult werden will und ihre Visionen zudem als Graphic Designerin und Künsterlin umsetzt. Interessanter Charakter prinzipiell, selbstredend wird bis auf ein „Ich werde seit meiner Kindheit gejagt“ nichts daraus gemacht. Ein Drittel des Films, etwa eine halbe Stunde ist vergangen und bis auf die kurze Jogsequenz noch kein Hauch von Horror, dafür aber werden die Mädels sowie der Zuschauer von Helen mit einem ewigen pseudowissenschaftlichen Monolog zugemüllt, indem drei Arten von Geistern unterschieden werden, was offensichtlich auch keinen Unterschied für irgendwas macht.
 
 
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Wichtig ist nur, dass der Film und auch Helen im Film implizieren, dass die Geister prinzipiell harmlos sind und nichts Böses wollen, ihre neuen „Schülerinnen“ also nichts Böses zu erwarten haben – der Soundtrack hingegen versucht eine möglichst mysteriöse und bedrohliche Atmosphäre herauf zu beschwören, was von der geschilderten Szene aber an sich boykottiert wird. Zur Halbzeit der ganzen Chose dürfen dann Münzen gekotzt werden und auch der nächste, ok aussehende, aber mit einem extradiegetisch lautem Geräusch unterlegte, Jumpscare folgt. Und weil diese kurze und kaum effektive Sequenz schon wieder genug Aufregung für diesen Horror(?)film ist, spendiert Helen uns weitere unsinnige und frustrierend vage erklärte Dämonenkonzepte von Huntern und Doppelgängern. Die zahlreichen dämonischen Dokumente der Nacht werden von der wissenschaftlich agierenden Uni merkwürdigerweise auch beim dritten Mal nicht gerade herzlich empfangen, weshalb dieser grottig spielende Schauspieler Helen nun endlich feuern darf, wodurch sie das Projekt an sich aber wohl nicht verliert.
 
 
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Nach geschlagenen 50 Minuten wird die ach-so-bedrohliche Kreatur ungeschönt und unverdeckt mit Licht für zu viele Sekunden gezeigt und zieht sich comichaft in seinen Schatten zurück, nachdem sie von Helen einfach nur angeschrien wurde. Der wahre Horror ist es, hier nicht lachen oder zum zwanzigsten Mal auf den Timer gucken zu müssen. Im Dunkeln, schnell geschnitten und angedeutet hätte dieses simple Mann-im-Anzug-Design zweifelsohne funktionieren können, so aber hat sich der Horror enttarnt und lächerlich gemacht, bevor er auch nur aufgekommen ist. Der Wissensvorsprung des Zuschauers hilft dabei wenig, gute 10 Minuten länger als wir braucht das Dreiergespann junger visionengeplagter Damen nämlich (was ein Zufall übrigens, dass alle drei Medien unterschiedlich alte, attraktive Frauen sind) um zu verstehen, was Sache ist. Um nach Ewigkeiten, aber somit ganz wie im Film, auch endlich etwas Deutlicheres als plot device zu nutzen als „Geister und tote Tochter“ in dieser Review, stelle ich die Laserscanner und 3D-Drucker vor, die eine von den Dämonen per unvollständiger Anleitung hinterlegte Maschine zur Kommunikation mit eben jenen drucken soll, damit Helen, äh…sowas wie einen Wi-FI-Verstärker für ihre Gabe hat, und ihre Tochter sprechen kann? Ich meine, Kommunikation existiert ja bereits darum ist die Motivation der Gruppe bis auf reine Neugierde schleierhaft, doch ich gebe mein Bestes, hier Sinn zu finden. Kaum steht die an sich wenig gruselige Kinderspielzeug-Apparatur, folgen auch erstmalig im ganzen Film leicht atmosphärische, unscharfe Einstellungen umherhuschender Silhouetten, wo einige effektive Perspektiven bei sind, sowie auch bedrohliche Musik. Doch statt die Geisterrichtung nach halbgaren Drama-Ansätzen und viel Leere endlich einzuschlagen, kommt nun doch tatsächlich der gottverdammte Doktor wieder vorbei, um den Sehgenuss zu schmälern…
 
 
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Weiter nacherzählen möchte ich wie üblich nicht, denn wenn dieser elendig langsame, charakterlose und fade Pseudohorror endlich mal eine Idee, einen plot device, eine Bedrohung, einen Antagonisten oder irgendwas gefunden hat, das längeres Interesse wecken könnte, ist er auch gott sei Dank schon wieder vorbei – etwa 30 Minuten bleiben an dieser Stelle noch und gruselig ist nur, wie hier völlige Dunkelheit mit offensichtlichem Licht inszeniert wird und Türen knallen sowie Darstellerinnen, die „I’m so afraid!“ rufen, als Horror gelten sollen. Die Rolle des Doktors im Kontrast zu Helen kratzt an der absoluten Oberfläche der Grundsätze moralischer wissenschaftlicher Arbeit, ein durchaus ekliger Mann im Gummianzug sorgt später für Erinnerungen an glorreichere Genretage oder z.B. den unterbewerteten „The Rambler“, das Framing ist immer wieder motivierter als der Rest des Films und Celia Williams kauf ich mehr ab, als jedem anderen Castmitglied. Doch wenn wir 18 Minuten vor Ende wirklich noch weitere Pseudosicence-Interfaces gezeigt kriegen und eine rappelnde Box als faszinierend verkauft werden soll, dann bleibt wenig Gnade oder Mitleid für diese elendig ideenlose und fade Produktion über, die unsere Heldinnen plötzlich als völlig wehrlose Opfer darstellt, die nicht viel tun können bis auf nervig zu schreien.
 
 
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Als sei das noch nicht nervig genug, setzt der Film seine gesamte Brutalität, seinen gesamten Schockfaktor in einen einzelnen Effekt und gestaltet diesen dann aber mindestens so offensichtlich schlecht getrickst und künstlich wie drastisch, was zu spät und zu wenig ist. Und als sei DAS auch noch nicht enttäuschend genug, werden die beiden gelungensten Ideen bzw. kreativsten Sequenzen, die auch am besten funktionieren, am Stück am Ende des Films verheizt, so dass möglichst wenig Menschen sie sehen und es wirklich keinen Unterschied mehr macht. Doch auch die entschädigen für gar nichts, da hier noch eine deutliche Epilepsiewarnung ausgesprochen werden muss dank der fabelhaften Idee, gute sieben Minuten des Films nur mit flackerndem Licht zu verbringen, um es sich bei der Effektarbeit leichter zu machen, oder einfach damit ein paar Menschen weniger in den Genuss kommen müssen. Das Script dieses Horrorfilms über Alzheimerforschung selber von einem Alzheimerpatienten schreiben zu lassen, der die Hälfte der Plotpoints sowie jegliche Idee von Pacing regelmäßig völlig vergisst, ist ein mutiger Schachzug gewesen, der sich imo nicht ausgezahlt hat.
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Unterirdisch langweiliger, generischer, ideenloser und größtenteils furchtbar gespielter Geisterfilm, der weder als Drama noch als Horror annährend funktioniert. Punktuell hübsch kadrierte Bilder und eine stabilisierende Performance der Protagonistin helfen wenig wenn von spannenden Charakteren, Dialogen, Konflikten, Antagonisten oder auch nur etwas Kurzweil keine Spur zu finden ist

 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Zensur

 
 
 
„Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die deutsche Filmfassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Inner Ghosts; Brasilien | Portugal 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080i) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 21.08.2020

 

Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ashes (2018)
 
I am ZoZo (2012)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „Amityville II – Der Besessene“ (1982)

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AMITYVILLE II – THE POSSESSION

Story

 
 
 

Familie Montelli zieht in das aus AMITYVILLE HORROR bekannte schlimme Haus im Staate New York. Im Keller des Anwesens wohnt ein unfreundlicher Untermieter – ein Dämon. Der kommt des nächtens aus dem Versteck und poltergeistert durch die Räumlichkeiten. Sonny, der 17jährige Filius des Hauses, hat eine besondere Antenne fürs Okkulte und wird zum unfreiwilligen Erfüllungsgehilfen des Bösen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE II – Kritik

 
 
 
Im Feld der befremdlichen Fortsetzungen der größten Horrorfilmhits der Siebziger gilt gemeinhin John Boormans EXORZIST II – DER KETZER als der Rettich mit der Silberkrone. Dessen Ruf ist – teils gar nicht unverdient – so verheerend gaga in seiner heuschreckenschwärmenden Pazuzu-Wahnwitzigkeit, dass andere Klassiker-Sequels mit Hang zum Überschnapp dadurch in Vergessenheit geraten. Womit wir bei „Amityville II – Der Besessene“ wären.
 
 
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Ronald DiFeo und seine bedauernswerte Familie waren – man liest es bereits aus dem Namem heraus – Italoamerikaner. Mit den Montellis des Films hier verbindet sie neben der ethnischen Zugehörigkeit auch das persönliche Glaubenssystem: knackigster Katholizismus natürlich. Mit all seinen Störungen und Schuldzuweisungen ans Individuum. Anzunehmen, dass hier das Interesse exakt derer geweckt wurde, die sich schließlich der Fortsetzung des ersten AMITYVILLE HORROR von 1979 annehmen sollten. Die „echte Backstory“ wird aufgegriffen: Ein Teenager hört Stimmen nachdem seine Familie in eine schicke kleine Holzvilla auf Long Island gezogen ist. Diesen Stimmen folgend greift er zum groben Werkzeug und schlachtet die Verwandschaft ab. In AMITYVILLE HORROR gehen die dämonischen Wesensheiten James Brolin und seiner nach den Bluttaten eingezogenen Familie auf die Nerven.
 
 
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Die Produktion ist zwar US-amerikanisch in Handlung und Drehort, verströmt jedoch aus allen Ritzen das tomatige Oregano-Aroma all der artverwandter Genre-Programme aus Italien. Finanziert vom römischen Filmindustriegiganten Dino De Laurentiis entsteht das Drehbuch unter dem sich im Horror mehr und mehr festigenden Amerikaner Tommy Lee Wallace und dem großen Dardano Sacchetti, der seit Anfang der siebziger Jahre Scripts für jeden von Dario Argento über Lucio Fulci bis hin zu Enzo G. Castellari verfasst hat. Ziel dürfte gewesen sein, die True-Crime-Vorlage ordentlich durch den Italo-Fleischwolf zu jagen und mit Zutaten aus allen artverwandten Werken zu würzen, die so auf dem Plan standen. So kennt und liebt man sie, die schamlosen Kino-Raubknechte der Cinecittà. AMITYVILLE II – DER BESESSENE ist unter deren Ägide folglich nicht bloß das Film-Prequel oder die Origin-Story des berühmten Spukhauses an der amerikanischen Ostküste. Ein kompletter Nebenhandlungsstrang über die Arbeit eines waschechten Exorzisten kommt zum Einsatz. Und taktlose Sleazemomente werden obendrein auch noch serviert, als es zwischen dem jungen Bekloppten und seiner Schwester zu inzestuösen Zärtlichkeiten kommt. Ja, da möchte der Zuseher sogleich Duschen gehen.
 
 
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Der größte Kopfkratzer ist natürlich der Einsatz von Damiano Damiani auf dem Regisseurs-Hocker. Der Filmemacher gilt als ein wahrer Großmeister des politisch ambitionierten Thrillerkinos in Europa und hat einige ganz herausragende Western- und moderne Justizfilme mit gesellschaftskritischer Note in seinem Werksverzeichnis. Was immer den von Haus aus serlösen Mann bewogen hat, die Herstellung eines Gruselschlockers wie AMITYVILLE II – DER BESESSENE zu dirigieren, weiß nur der liebe Gott oder die Mafia. Oh ja, und Burt Young nicht zu vergessen! In der Rolle des Familienvaters sehen wir tatsächlich den glatzköpfigen Taugenichts, der in den ROCKY-Filmen Sylvester Stallones versoffenen Versager-Schwager spielt. Wahrscheinlich einer der Lieblingsdarsteller von Produzent Di Laurentiis.
 
 
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AMITYVILLE II – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Verrückte, effektbetonte Geisterbahnfahrt von Horror-Kleinklassiker-Sequel/Prequel, das es in sich hat. Gedreht von einem waschechten Euro-Autorenfilmer im Auftrag eines bedeutenden Filmproduzenten, nimmt AMITYVILLE II – DER BESESSENE die Merkmale seines Vorgängers, überdreht sie und fügt italienische Exploitation-Schlagseite hinzu. Verwandelt Euer Wohnzimer in ein New Yorker Grindhousekino. Jetzt!
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE II – Zensur

 
 
 
AMITYVILLE II – DER BESESSENE wurde in Deutschland nur in einer um sechs Minuten gekürzten Fassung veröffentlicht. Diese lief im Kino und wurde auch auf VHS und DVD herausgebracht. Nun hat sich NSM RECORDS die Rechte gesichert und brachte die erste Blu-ray mit der kompletten Filmfassung auf den Markt. Erst ungeprüft über das deutschsprachige Ausland im Mediabook. Danach neu geprüft und ab 16 Jahren im KeepCase für die deutschen Kaufhäuser. Die neu geprüfte FSK16-Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE II – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 333 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amityville II: The Possession; Mexiko | USA 1982

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Stephen Jones und Kim Newman, Erweiterte Lost Souls Szene, Filmographien, Bildergalerie, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit einem Text von Lars Dreyer-Winkelmann und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 30.04.2018 | KeepCase: 28.08.2020

 
 
NSM hat 2018 vier limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit August 2020 kann man AMITYVILLE II – DER BESESSENE auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 

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AMITYVILLE II – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Amityville: The Awakening (2017)
 
Amityville Horror – Wie alles begann (2018)
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 

Filmkritik: „Star Light“ (2020)

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STAR LIGHT

Story

 
 
 

Ein hilfsbereiter Jugendlicher rettet eine verletzte Teenagerin unbeabsichtigt aus den Fängen eines mysteriösen Fremden und bringt sich damit selbst in Lebensgefahr.


 
 
 


 
 
 

STAR LIGHT – Kritik

 
 
 
Es mag ja Schauspieler geben, die sich fleißig durch Horrorfilme schreien und bei denen man dennoch das Gefühl hat, sie noch nie zuvor gesehen zu haben. Die attraktive SCOUT TAYLOR-COMPTON ist so ein Fall und das, obwohl sie B-Horror und Low-Budget-Schnarcher am Fließband dreht. Wer schon einige Horrorfilme gesehen hat, die auf FILMCHECKER vorgestellt wurden, wird die junge Dame daher schon einige Male auf der Mattscheibe gesehen haben. Leider dürfte man sich an deren Auftritte nur schwer erinnern können. Der Grund: Durchschnittliche bis schlechte Horrorfilme – darunter GHOST HOUSE, THE LURKER, 247°F oder THE BEAST WITHIN. Die Reihe an wenig erwähnenswerten Arbeiten wird nun um eine weitere Hauptrolle ergänzt. Im Film STAR LIGHT spielt die Schauspielerin einen verwirrten Musikstar, der ein schauriges Geheimnis bewahrt. Als hätte man es bei einer langen B-Movie-Vita geahnt, ist auch STAR LIGHT ein Billig-Schnellschuss. Der bringt zwar gute Horror-Veraussetzungen mit, macht aber nichts Nennenswertes daraus. Da kann man es der smarten Darstellerin nur wünschen, dass sie endlich mal vom Glück gesegnet wird und an ein gutes Drehbuch gerät. SCOUT TAYLOR-COMPTON kann nämlich weitaus mehr als hübsch.
 
 
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Eigentlich sollte Dylan (CAMERON JOHNSON) bei einem Abendessen den neuen Freund der Mutter kennenlernen. Doch es kommt zum Streit und der Teenager macht sich beim Videospielen in einer Tankstelle Luft. Hier wird er in einen Strudel seltsamer Umstände gezogen, denn ein verletztes Mädchen (SCOUT TAYLOR-COMPTON) fällt dem Halbstarken genau vor die Füße. Was tun? Ganz einfach: Dylan rettet das arme Ding und bringt es in das Haus des besten Freundes, wo gerade eine Privatparty gefeiert wird. Die findet aber nun ein jähes Ende, denn schon bald passieren seltsame Dinge, die sich die Jugendlichen nicht erklären können. Offenbar ist der Verursacher die gerettete Bebe. Deren Anwesenheit entwickelt sich plötzlich zur Gefahr, denn ein Fremder hat sich an die Fersen der attraktiven Blondine geheftet und hat mit dem Mädchen noch ein Hühnchen zu rupfen. Der kennt vor nichts und niemandem Gnade – auch nicht vor unseren Freunden. Das Resultat: Schreiende Teenager und blutiges Allerlei.
 
 
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STAR LIGHT ist ein zweischneidiges Schwert. Die erste Hälfte ist nämlich ganz passabel. Während Held Dylan vorgestellt und in eine Situation getrieben wird, die sich Protagonisten wie Zuschauer nicht erklären können, kippt die Stimmung just mit der Halbzeit und mündet in ein kunterbuntes Gemetzel, in dem es nur noch darum geht, wer als nächstes stirbt und wie. So wird aus undurchsichtigem Mystery ein Splatterfilm, der gleich mal Schluss mit Spannung macht und das Spezialeffekte-Team zur Tat schreiten lässt. Bedauerlich – vor allem auch deshalb – weil die Regisseure MITCHELL ALTIERI und LEE CUMMINGS lang versuchen zu verschleiern, was es mit der geretteten Bebe und ihrem unheimlichen Verfolger auf sich hat. Beide verfügen nämlich über seltsame Kräfte, die niemand versteht zu deuten. Was dahintersteckt wird aber schnell uninteressant, weil STAR LIGHT die Blutkeule schwing und dabei versucht zu kopieren.
 
 
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Wie aus heiterem Himmel wird da plötzlich Raimis TANZ DER TEUFEL zitiert und lässt die Protagonisten über die Klinge springen. Einer nach dem anderen wird von einer ominösen Kraft heimgesucht, die beauftragt die übrigen Freunde zu töten. Ein vorhersehbares Metzelprinzip, das den zuvor bedacht aufgebauten Spannungsbogen mit Füßen tritt und dabei nicht einmal beim Töten sonderlich kreativ ist. Es wird geschrien und gerannt – aber niemand denkt klar. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, ergibt man sich lieber dem auferlegtem Schicksal. Eine Horror-Formel, die so tot gefilmt ist, dass sich dem erfahrenen Zuschauern die Zehennägel biegen.
 
 
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Nein, STAR LIGHT ist wahrlich nichts Herausragendes. Zwar wird routiniert gefilmt und geschnitten. In Sachen Originalität gewinnt dieser Horrorfilm keinen Preis. Das ist dahingehend bitter, weil mit MITCHELL ALTIERI jemand im Boot sitzt, der eigentlich Erfahrung hat. Der Amerikaner ist Teil der in Genre-Kreisen berüchtigten BUTCHER BROTHERS. Das Kumpel-Duo bestehend aus PHIL FLORES und MITCHELL ALTIERI macht mit einigen Horrorfilmen aufmerksam, die vor allem auf einschlägigen Festivals positiv ankamen. Darunter so Indie-Geheimtipps wie RAISED BY WOLVES, THE HAMILTONS und das zugehörige Sequel THE THOMPSONS. Aber auch für das Major-Studio SONY war man tätig. Das Ergebnis: APRIL FOOL’S DAY – eine der wohl überflüssigsten Neuverfilmungen überhaupt. Das erkannte wohl auch der Auftraggeber und brachte das Machwerk ohne Umwege ins Heimkino.
 
 
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STAR LIGHT – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Hütten-Gemetzel in der Machart von TANZ DER TEUFEL. Dennoch: Attraktive Jungdarsteller und routinierte Regie machen noch lange keinen guten Horrorfilm. MITCHELL ALTIERI – Teil der in Genre-Kreisen bekannten BUTCHER BROTHERS – kapselt sich ab und dreht was Eigenes. Herausgekommen ist STAR LIGHT – ein Horrorfilm an den man sich ein paar Tage später nicht mehr erinnern wird. STAR LIGHT beginnt vielversprechend, mysteriös und interessant. Nach der Halbzeit gingen entweder Ideen aus oder man hatte schlichtweg keine Lust mehr sich mit Figuren und Spannungsbogen zu beschäftigen. Deswegen schüttet man Blut übers Drehbuch und hofft damit bei Horrorfans gut anzukommen. Traurig! STAR LIGHT macht keinen Spaß, weil er sich beinahe schon lustlos zum Ziel schleppt, sich fürs Splattern bei besseren Genre-Streifen Inspiration holt und mit seiner anfangs interessanten Idee am Ende nichts anzufangen weiß. Das Resultat: Austauschbarer Teenie-Horror von der Stange, der nicht die Nerven strapaziert, sondern müde macht.
 
 
 


 
 
 

STAR LIGHT – Zensur

 
 
 
Auch wenn es ab der Hälfte in STAR LIGHT blutig zugeht, sollten sich Gorehounds nicht zu früh freuen. Alles geht schnell und wird nicht unbedingt detailliert gezeigt. STAR LIGHT richtet sich an ein jugendliches Pulikum. Daher sollte man keinen Blutrausch im Stile von EVIL DEAD erwarten. Hierzulande dürfte der Streifen in der ungeschnittenen Fassung eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

STAR LIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei 1091 Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tanz der Teufel (1981)

Ritter der Dämonen (1995)

Don’t Let Them In (2020)

Filmkritik: „Gate II – Das Tor zur Hölle“ (1990)

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GATE 2 – DAS TÖR ZUR HÖLLE

(GATE II: THE TRESPASSERS)

Story

 
 
 
Einige Jahre sind vergangen seit den horriblen Abenteuern, in die der Schüler Glen und sein Kumpel Terry verwickelt waren. Jetzt kreisen die Gedanken des Letztgenannten wieder zunahmend um das teuflische Portal in Glens Garten. Bloß ist der inzwischen weggezogen und kann so Terry auch nicht davon abhalten, seinen seit damals gewachsenen okkultistischen Interessen folgen zu wollen. Terrys Leben ist ein Saures. Sein Vater säuft und lässt die Familie an die Wand fahren. Da bietet sich ja quasi an, einen Dämonen zu beschwören, der die Sache in richtige Bahnen lenkt. Wenn diese Faust’schen Geschäfte nur nicht immer so schlecht enden würden…

 
 
 


 
 
 

GATE 2 – Kritik

 
 
Tibor Takaczs schlägt wieder zu. Drei Jahre nach seinem Debüt, dem überraschenden Achtungserfolg GATE – DIE UNTERIRDISCHEN, lässt der ungarisch-kanadische Regisseur mit der Punker-Vergangenheit seine satanischen Minimonster ein zweites Mal auf die gierige Fantasy- und Horror-Zuschauerschaft los. Bei GATE II – DAS TOR ZUR HÖLLE ist das Gebotene nicht mehr ganz so originell wie beim ersten Teil – aber immer noch bunt und wild genug, um das Videothekenpublikum von einst und jetzt auch uns ein weiteres Mal zu unterhalten.
 
 
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Koboldsmonster im Taschenformat sind 1990 noch ordentlich im Trend. Das zeigen die Fortsetzungen beliebter Filmreihen ähnlichen Zuschnitts wie CRITTERS oder GHOULIES und auch GREMLINS 2 und Charles Bands zahlreiche Puppenhorror-Projekte stehen in den Startlöchern. Ja, ganz besonders dessen produktionsstarke Full Moon Studios würden sich ab 1993 geradezu über schwarzhumorigen Horror mit Miniatur-Ungetümern definieren. Das ist bis in die Gegenwart der Fall. Die Effekte sind erwartungsgemäß kostengünstig und vom alten Schlag, also zwischen Stop-Motion, Hintergrundprojektionen und Belichtungstricks angesiedelt. Als so etwas wie eine CGI-Werkbank muss in jenen Tagen höchstens eine robuste elektronische Rechenmaschine wie der Commodore Amiga 500 rödeln.
 
 
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Stephen Dorff, Hauptdarsteller des ersten Teils, war seinerzeit zum saisonalen Anschmacht-Star fürs weibliche Publikum und somit zu teuer für ein Independent-Studio geworden und man musste das Drehbuch um seinen Freund Terry (Louis Tripp) herum schreiben. Auch ok – lebt ein Film wie GATE II – DAS TÖR ZUR HÖLLE ja nun nicht unbedingt vom besonders feinzeslierten und auf die exakte Besetzung zugeschnittenen Charakterstudium. Nein, der Plot ist ein Faust’sches Moralspiel mit modernisierenden Tupfern und an den richtigen Stellen auch mal ironischem Unterton. Dem Produktionsdesign und den FX sieht man ihre Entstehungszeit an. Das gibt natürlich Instant-Sonderpunkte im für Genreprogramme von einst so wichtigen Nostalgiebereich.
 
 
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GATE 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Auch GATE II – DAS TOR ZUR HÖLLE zählt mal wieder zu jener Art von Fantastischem Film, dessen Rezeptur im Sande der Zeit verlaufen zu sein scheint. Minimonster, Angst vorm wahren Horror des echten Lebens, grell gezeichneter Okkultismus. Alles Ingredenzien, von denen die Filmemacher Post-SCREAM und verhaftet im ästhetischen Kino- und Streaming-Einheitsbrei der Generation Netflix mehr Angst haben als der Deibel vorm Weihwasser. Deliziöser Film. Ja, ist so.
 
 


 
 
 

GATE 2 – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von GATE 2 – DAS TOR ZUR HÖLLE erschien hierzulande auf VHS ungekürzt mit FSK 18-Freigabe, aber auch als knapp dreiminütige zensierte 16er-Fassung – ebenfalls auf VHS. Auf dem Index stand der Streifen aber nicht. Trotzdem war nach der Video-Veröffentlichung viele Jahre Funkstille. Auch eine legale DVD-Auflage folgte nicht. Das Label WICKED VISION änderte das aber. Im Juni 2018 veröffentlichte das ambitionierte Indie-Label die Fortsetzung zum ersten Mal auf Blu-ray in deutscher Sprache. Die darauf enthaltene Fassung ist ungeschnitten und nach einer Neuprüfung sogar ab 12 (!) Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

GATE 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 222 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover C – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (VHS-Retro-Edition inklusive Teil 1 – Cover A)

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(c) Wicked-Vision (VHS-Retro-Edition inklusive Teil 1 – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gate II: The Trespassers; Kanada | USA 1990

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook, VHS-Retro-Edition

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Stuart Taylor Corman, (Deutsch/Englisch), 2K Scan vom Interpositive, Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), „Return to the Nightmare“: Ein Rückblick auf „Gate II“ inklusive Interviews mit Regisseur Tibor Takacs, Drehbuchautor Michael Nankin und Special Visual Effects Creator Randall William Cook, „From The Depths“: Interview mit Special Make-up Effects Creator Craig Reardon, Videotheken-Promo, Video-Promo, Deutscher, Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie, Deutscher Trailer: „Gate – Das Tor zur Hölle“, zusätzliche DVD mit allen Inhalten wie auf der Blu-ray

Release-Termin: Mediabook: 15.06.2018 | VHS-Retro-Edition: 30.10.2019

 

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GATE 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gate – Die Unterirdischen (1987)
 
Ghoulis (1985)
 
The Hole – Wovor hast Du Angst? (2009)
 

Filmkritik: „Rapunzels Fluch – Sie will Rache“ (2020)

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RAPUNZELS FLUCH – SIE WILL RACHE

Story

 
 
 

Wenn die Märchenvorlage Rapunzel für einen Horrorfilm herhalten muss, dann sollte man sich auf blutigen Grusel gefasst machen, der für deutsches Genrekino gar nicht mal so schlecht ausfällt.

 
 
 


 
 
 

RAPUNZELS FLUCH – Kritik

 
 
 
Deutschland ist nun wirklich nicht für seine tollen Horrorfilme bekannt. Mal ganz abgesehen vom Amateur-Splatter, gibt es da nicht viel Genreware, die der Rede wert ist. Das wird sich auch mit „Rapunzels Fluch“ kaum ändern, aber der Versuch ist dennoch nicht missglückt. Hier und da macht der Film sogar Spaß, doch im Endeffekt scheitert er daran, dass er nicht genügend bieten kann.
 
 
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Das Intro führt uns zurück ins Jahre 1697. Hier wird an einem französischen Mädchen ein Exorzismus durchgeführt, welcher fehlschlägt. Nun sind wir zurück in der Gegenwart. Alina will gerade ihren Abschlussfilm drehen und bekommt dank ihrer Vorfahren sogar die beste Kulisse dafür. Sie ist nämlich die letzte Verwandte des Mannes, der damals den Exorzismus durchführte. Passend ist auch, dass es sich um einen Horrorfilm drehen soll. Doch als man das Schloss besichtigt, ereignen sich auch schon übernatürliche Phänomene. Das ist eine ganz normale „Haunted House“ Story, dieses Mal eben in einem Schloss. Die Verweise zu Rapunzel sind hanebüchen und haben mit Grimm überhaupt nichts zu tun; abgesehen davon, dass man der Hauptfigur diesen Nachnamen verpasst hat. Allerdings muss das nichts Schlechtes bedeuten. Zwar ist die Hintergrundgeschichte ziemlich lahm und „Rapunzels Fluch“ hat nichts zu bieten, was es zuvor nicht auch schon gab, aber erzählt wird die simple Story dennoch ganz solide. Es war nicht verkehrt, das Ganze mit dem Projekt einer Abschlussarbeit zu kreuzen, denn so bemerkt man doch, dass der Film von Filmliebhabern kommt. Abgesehen davon hätten ein paar eigenständige, originelle Ideen jedoch nicht geschadet, weshalb dieses Drehbuch auch irgendwo im unteren Mittelmaß verpufft.
 
 
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Etwas aufdringlich, aber dennoch sympathisch ist der Einspieler von Regisseur David Brückner bevor der Hauptfilm beginnt. „Rapunzels Fluch“ ist sein vierter Film und man glaubt dem Mann, dass er das, was er da tut, gerne macht. Gerade aus handwerklicher Sicht kann man dem Streifen nur wenig Vorwürfe machen. Man konnte gute Schauplätze für sich gewinnen und dem Zuschauer werden schon ein paar sehr schöne Bilder serviert. Beim Horror verlässt man sich dann leider auf die üblichen Jumpscares, die so beliebt geworden sind, aber man passt sich halt an. Nein, mit subtilem Grusel wird das so nichts, dabei hätte die Kulisse das her gegeben. Trotzdem ist die Inszenierung auf einem guten Niveau und die Darsteller stören ebenfalls nicht. Mit gerade mal vier Hauptdarstellern kommt „Rapunzels Fluch“ aus und diese machen ihre Sache doch allesamt erträglich bis solide. Von deutschem Horrorkino darf man da durchaus weniger erwarten. David Brückner selbst ist ebenfalls in einer etwas kleineren Rolle zu sehen und hier und da konnte man noch ein paar etwas größere Namen gewinnen, die am Ende jedoch kaum eine Rolle spielen. Weiterhin fällt auf, dass die Charaktere erträglich sind. Zwar erfüllt jeder seinen Klischee-Part, aber man durfte in solchen Werken schon deutlich unsympathischeren Figuren zuschauen.
 
 
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Was „Rapunzels Fluch“ ein wenig das Bein stellt, ist seine Langatmigkeit, obwohl er nur eine Laufzeit von rund 80 Minuten besitzt. Nach der kleinen Horror-Einleitung gibt es nämlich erst mal deutsches Seifenoper-Feeling, was gar nicht so verkehrt ist, wie es sich anhört. Hier besitzt der Film sogar seine besten Szenen. Dennoch lässt man sich zu viel Zeit. Erst nachdem die Hälfte der Laufzeit verstrichen ist, widmet man sich dem Horror. Geschieht dies anfangs noch passabel, wird es zum Finale hin doch immer beliebiger. Rapunzel hat man leider nicht sonderlich originell gestaltet und die Ähnlichkeit zum asiatischen Horror sehe ich da auch nicht großartig, selbst wenn Brückner das als Fan so sieht. Es entsteht zu wenig Grusel, weil alles nur auf laute Schockeffekte aus ist, was dann aber immerhin handwerklich völlig in Ordnung gestaltet wurde. Die Freigabe ab 18 Jahren ist etwas übertrieben. Der Bodycount ist sehr gering und selbst wenn es mal etwas splattert, so hat die FSK schon deutlich Derberes geringer eingestuft. Immerhin sind die Effekte wirklich von Hand gemacht und sehen nett aus. Alles in einem kann man sich dann doch einigermaßen nett unterhalten lassen ohne jemals den großen Nervenkitzel zu verspüren.
 
 
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RAPUNZELS FLUCH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„Rapunzels Fluch“ ist gut gemeinte, deutsche Genrekost, die auch gar nicht mal so kläglich versagt, wie man das vorher hätte meinen können. Dass die Story nichts hergibt, sei geschenkt, weil das bei vielen solcher Filme der Fall ist. Dass die handwerkliche Arbeit aber sehr angenehm geraten ist und die Darsteller allesamt passabel spielen, ist eine schöne Überraschung. Zudem wissen die Kulissen zu überzeugen und ein paar schön getrickste Splattereffekte gibt es ebenfalls noch. Atmosphäre kommt allerdings zu wenig auf und wenn über die Hälfte der Laufzeit nichts mit Horror zu tun hat, ist das auch nicht unbedingt förderlich. Außerdem besitzt der Film keine erkennbare, eigene Handschrift und kann sich von der Flut an Veröffentlichungen (ob nun deutsche oder nicht) einfach nicht abheben. Wer deutschem Horror aber mal wieder eine Chance geben möchte, ist bei „Rapunzels Fluch“ gar nicht mal so sehr an der falschen Adresse!
 
 
 


 
 
 

RAPUNZELS FLUCH – Zensur

 
 
 
„Rapunzels Fluch“ erhielt von der FSK überraschend eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form. Angesichts der überschaubaren Splattermomente zwar etwas übertrieben. Aber Sammler ungekürzter Filme können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

RAPUNZELS FLUCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies / daredo (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rapunzels Fluch; Deutschland 2020

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: 83 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Kurzfilm Claustrophobia (1:38 Min. Min), Behind the Scenes (5:11 Min.), Interviews (4:44 Min.), Outtakes (5:40 Min.), Slideshow, Teaser Trailer, Original Trailer, Trailershow

Veröffentlichung: KeepCase: 07.08.2020

 
 

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RAPUNZELS FLUCH – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies / daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)
 
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