Filmkritik: „The Dare“ (2019)

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THE DARE

Story

 
 
 

Vier eingesperrte Menschen müssen um ihr Leben bangen. Ein maskierter Psychopath hält sie gefangen und hat offenbar Spaß am Foltern seiner Opfer.

 
 
 


 
 
 

THE DARE – Kritik

 
 
 
Wenn man im Horror-Genre Aufmerksamkeit erhalten will, muss man sich was einfallen lassen. Da genügen schon lange nicht mehr nur laute Schockeffekte und überraschende Wendungen, um die Gunst des Publikums gewinnen zu können. Der Wind ist rauer geworden und wenn man kaum Einfälle besitzt, um eine frische Geschichte zu erzählen, garniert man sein Machwerk mit kontroverser Gewalt. Je perverser, desto besser. Zuletzt ist das dem chilenischen Horrorthriller TRAUMA gelungen. Genannter Schocker bot reichlich Stoff zum Anecken und war damit ganz erfolgreich. Eine Erfolgsformel, die nun auch GILDES ALDERSON nutzt, um Geld zu verdienen. Der vermischt Themen bei denen Zensurwächter nicht unbegründet Alarm schlagen: Folter, Quälerei und Kinder. Normalerweise sind wir davon keine Freunde. Dennoch macht THE DARE so einiges richtig beim Schockieren. Die Kritik verrät Euch mehr.
 
 
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Eigentlich ist Jay ein glücklicher Vater. Der ist zwar oft nicht zu Hause, liebt aber seine Kinder umso mehr. Da bricht eines Tages ein Mann ins Heim ein und überfällt die Familie. Leider kann das besorgte Oberhaupt nicht eingreifen. Noch bevor Jay helfen kann, wird er zu Boden gebracht und bewusstlos geschlagen. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich mit drei anderen Menschen in einem verschlossenen Raum wider. Die werden dort gefangen gehalten und regelmäßig von einem maskierten Fremden gefoltert. Einen der Anwesenden hat es dabei besonders hart getroffen. Dem wurde der Mund zugenäht. Als wäre das nicht bereits schlimm genug, schneidet der Peiniger ihm hin und wieder Fleisch von den Knochen. Kein gutes Omen, zumal Hunger der ständige Begleiter ist und keiner der Opfer eine Ahnung davon hat, wohin das Schicksal die Eingesperrten führen wird. Zartbesaiteten sei versichert: THE DARE ist kein leicht verdauliches Gruselfilmchen.
 
 
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Zwei Handlungssträngen führen zum Ziel. THE DARE erzählt zwei Geschichten. Während die eine von vier Gefangenen berichtet, die ein scheinbar endloses Martyrium in einem Kellerloch durchleben, entführt die andere den Zuschauer in das Leben des kleinen Dominic. Letztgenannter unterzieht sich einer Mutprobe und bricht in das Haus eines Unbekannten ein. Der erwischt den Eindringling und hält ihn über Jahre gefangen. Was hat das alles miteinander zu tun? Erst einmal gar nichts. Regisseur GILDES ALDERSON spannt den Zuschauer sprichwörtlich auf die Folter und hat sichtlich Spaß daran. Da wird reichlich Schmuddelkram auf der Mattscheibe zelebriert, um Gewaltfans bei der Stange zu halten. Vier Menschen gilt es zu quälen. Denen werden Nägel durch die Hände geschlagen oder Rasierklingen in die Speiseröhre geschoben. Reißerischen Inhalt gibt es genug, um den kranken Voyeurismus der Sadisten-Fraktion befriedigen zu können. Weil Folter auf Dauer recht eintönig wird, wechselt die Handlung immer mal wieder zum kleinen Dominic. Dem geht es nicht minder bescheiden. Der muss sich in Gefangenschaft den Regeln eines grausamen Mannes unterwerfen, welcher alles daran tut, damit der Junge von der Außenwelt abgekapselt wird. Kranker Shit, der oft ein unangenehmes Bauchgefühl verursacht. Das liegt vor allem daran, weil der unbekannte Kindesentführer weiß, wie er sein minderjähriges Opfer quälen und bestrafen muss, damit es gefügig wird.
 
 
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THE DARE lässt den Atem stocken. Wo andere getrost wegblenden, hält Macher GILDES ALDERSON schonungslos drauf. Der verschleiert durch die Dauerbeschallung von Gewalt so einige Logiklücken. Je mehr sich nämlich der Film seiner Ziellinie nähert, umso haarsträubender wird der Plot. Der mündet in ein Finale, das zwar beide Handlungslinien zusammenführt, aber nicht immer plausibel erscheint. Feingeister werden da zurecht mit dem Kopf schütteln. Trotzdem muss man Filmemacher GILDES ALDERSON zugestehen, dass der weiß wie man Spannung macht. Immer wenn man meint, dass einer der Handlungsstränge zu lang auf der Stelle verharrt, wechselt er kurz in den anderen und bringt damit Tempo ins Geschehen. Dieses Vorgehen macht THE DARE zu einem der besseren Vertreter des Folter-Genres. Letzteres hatte in den 2000ern mit so deftiger Kost wie HOSTEL oder SAW seine Hochzeiten. Mittlerweile sind die aber schon längst Schnee von gestern.
 
 
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THE DARE – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Kontroverser Shit, der dem Genre der Exploitationfilme alle Ehre macht. THE DARE versucht einzig, die niederen Instinkte des Zuschauers zu stimulieren. Es wird gefoltert, gequält und bestraft. Teilweise ist das ganz schön krank. Trotzdem muss man Regisseur GILDES ALDERSON anerkennen, das er einfachste Rezepturen ansprechend verpackt. Der erzählt mit diesem Folter-Filmdrama eine irrsinnige Geschichte, die bei so Filmen wie CHAINED, CARRIE und SAW klaut. Drei vollkommen verschiedene Streifen. Dennoch funktioniert die ungewöhnliche Symbiose ganz gut. THE DARE ist nämlich recht spannend geraten – auch wenn die Auflösung der Geschehnisse unterm Strich so ziemlicher Blödsinn ist. Fans des groben Handwerks wird das aber weniger stören. Für die ist es die Hauptsache, dass Grenzen überschritten werden. Das tut THE DARE zweifelsohne. Die hiesige FSK wirds freuen.
 
 
 


 
 
 

THE DARE – Zensur

 
 
 
THE DARE ist problematisch. Der Film behandelt zwei Themen, mit denen die FSK so gar keinen Spaß versteht. So erleben wir psychische und physische Gewalt an Minderjährigen durch Erwachsene. Andererseits sehen wir grausame Folterszenen als Mittel zum Selbstzweck. Zwei Gründe, warum es THE DARE hierzulande mit einer ungeschnittenen Freigabe schwer haben wird. Wir gehen davon aus, dass es keine ungeschnittene Fassung in Deutschland geben wird.
 
 
 


 
 
 

THE DARE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bereavement – In den Händen des Bösen (2010)
 
Chained (2012)
 
Saw (2004)
 

Filmkritik: „True Fiction“ (2019)

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TRUE FICTION

Story

 
 
 

Wenn Experimente außer Kontrolle geraten. Eine Amateur-Schriftstellerin begibt sich in die Hände ihres Idols und lässt sich auf Psychospiele ein, die bald die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen lassen.

 
 
 


 
 
 

TRUE FICTION – Kritik

 
 
 
Filme aus der Mache von BRADEN CROFT scheinen eine sichere Bank zu sein. Mit HEMORRHAGE drehte der Filmemacher bereits 2012 ein intensives und erschütterndes Psychodrama, das vor allem durch filmischen Tiefgang überzeugen konnte. Offenbar ist Anspruch eines der wichtigsten Attribute, die der Regisseur beim Inszenieren seiner Produktionen beherzigt. Der will sein Publikum fordern und nicht immer die gleichen Geschichten erzählen, die man schon dutzende Male auf der Mattscheibe hatte. Eine Tatsache, die auch gleich im neusten Film des Kanadiers eine Rolle spielt. TRUE FICTION nennt sich der Spaß, der alles andere – nur nicht lustig ist. Croft verbeugt sich hier vor gleich zwei Genre-Beiträgen, die erfahrenen Zuschauern ein Begriff sind. So ließ er sich einerseits von der King-Verfilmung MISERY inspirieren, aber auch das Zwei-Personen-Stück HARD CANDY hatte Einfluss. Beide Filme erzählen von Personen, die aus Besessenheit beinahe schon im Wahn handeln. TRUE FICTION hat ähnlichen Verlauf.
 
 
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Wirklich erfolgreich ist die 20-jährige Hobby-Schriftstellerin Avery Malone (SARA GARCIA) nicht. Ein Grund mehr, warum sie sich für eine Stelle als Assistentin bei ihrem Lieblingsautor Caleb Conrad (JOHN CASSINI) bewirbt, um sich dort ein paar Kniffe abschauen zu können. Der will einen neuen Roman schreiben und benötigt Unterstützung. Zufälligerweise kommt die junge Frau in die engere Auswahl und freut sich wahnsinnig, als die den Job bekommt. Doch der bekannte Schriftsteller hat eine andere Vorstellung vom Assistieren. Der überredet Avery an einem Experiment teilzunehmen, das als Basis für ein neues Buch dienen soll. Was folgt, ist grotesk: Die Probandin wird mit Ängsten konfrontiert, damit Conrad deren emotionale Reaktionen dokumentieren, kontrollieren und verstehen kann. Weil TRUE FICTION immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, dürfte klar sein, dass das Psycho-Experiment schnell außer Kontrolle gerät. Avery verliert den Bezug zur Realität und kann bald nicht mehr differenzieren, was tatsächlich passiert oder ihrem vernebelten Verstand entspring. Spätestens jetzt wirds blutig.
 
 
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Das hat man nicht kommen gesehen. TRUE FICTION ist eine waschechte Überraschung. Das Kammerspiel beginnt unscheinbar und ruhig, ändert aber schnell seinen Ton. Regisseur BRADEN CROFT hat mit seinem dritten Spielfilm ein effektives Verwirrspiel auf Zelluloid gebannt, bei dem nichts ist, wie es scheint. Während im ersten Teil der Handlung die erfolglose Avery Malone den perversen Angst-Experimenten ihres Vorbilds ausgeliefert ist, dreht Croft in der Halbzeit den Spieß einfach um. Da werden auf einmal Opfer-Täter-Rollen vertauscht, nur um die Karten kurz vor Ende abermals neu zu mischen. Wer ist denn nun in dieser Handlung der Bösewicht und zu was wird das alles hier führen? Ganz so einfach ist TRUE FICTION nicht zu durchschauen. Immer wenn man meint, genug Antworten gefunden zu haben, kommt ein neuer Twist um die Ecke, der alles über Bord wirft. Das macht diesen Psychotrip zu einem gelungenen Genre-Beitrag, in dem es sogar relativ blutig einhergeht. Da mündet ein spannendes Psychospiel plötzlich in deftige Splatterei und die Protagonisten werden mit reichlich Kunstblut übergossen. Klingt alles verwirrend, macht aber am Ende Sinn. Mehr über den Fortlauf der Handlung zu verraten, wäre dem Publikum unfair zugegen. TRUE FICTION zehrt von der Tatsache, dass Regeln missachtet werden und der Zuschauer verblüfft wird. Das macht den Streifen zu erfrischender Genre-Unterhaltung für verregnete Wochenenden. Deshalb: Unbedingt auf die Horrorfilm-Watchlist setzen!
 
 
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TRUE FICTION – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Eine bitterböse Wundertüte, die alle Beteiligten durch die Hölle gehen lässt. TRUE FICTION zeigt, was passiert, wenn Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen. Regisseur BRADEN CROFT – der übrigens auch den Horrorfilm FEED THE GODS inszenierte – hat hier eine weitere Version des King-Buches MISERY auf Film gebannt, die aber Indie-Horror alle Ehre macht. Statt vertraute Abläufe abzuhandeln, traut sich der Filmemacher was, das man sich eigentlich nur im Indie-Kino trauen kann. Er verlässt bekannte Pfade und erzählt eine Geschichte, deren Verlauf man so nicht kommen sieht. In diesem Psycho-Horror wird gekonnt mit der Erwartungshaltung des Publikums gespielt. Hinzukommt, dass gleich mehrere Wendungen für Verwirrung sorgen. Nicht zu ahnen, was passieren wird – daraus zieht TRUE FICTION seinen Reiz. Wem es im Genre daher nach Neuerungen dürstet und mal über den Tellerrand schauen will, muss diesen unabhängigen Psycho-Horror sehen. Festival-Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

TRUE FICTION – Zensur

 
 
 
Während sich die erste Filmhälfte eher mit psychologischer Gewalt beschäftigt, geht es in der zweiten Hälfte recht blutig zu. So werden unter anderem Finger abgetrennt und die beiden Protagonisten bieten sich ein Gewalt-Duell der Extraklasse. Hierzulande dürfte der Film wohl erst für Volljährige Filmfans geeignet sein. Zu schneiden wird es aber nichts geben. Eine ungeschnittene Freigabe mit rotem FSK-Flatschen ist denkbar.
 
 
 


 
 
 

TRUE FICTION – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von 775 Media Corp)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Audition (1999)
 
Extremity – Geh an deine Grenzen (2018)
 
Misery (1990)
 

Filmkritik: „Antiviral“ (2012)

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ANTIVIRAL

Story

 
 
 
Syd March ist Mitarbeiter der Lucas Clinic, die die infizierten Zellen von Promis an ihre Fans verkauft. Als er eines Tages die Vorschriften ignoriert, wird er bald Teil eines tödlichen Geheimnisses.

 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Kritik

 
 
Da ich nach kultig-einmaligen und sehenswerten Glanzstücken wie „Videodrome“ und gerade „The Brood“, gepackt mit furchterregendem Body-Horror und beißender Gesellschaftskritik, definitiv zum David Cronenberg-Fan geworden bin, war ich mehr als nur neugierig zu erfahren, was Sohnemann Brandon wohl in seinem Debüt gezaubert hat, dessen Prämisse und Setting bereits an die Regiewurzeln anmahnen: Krankheiten und ihre Viren stehen im Fokus, Fetischisierung und Ikonisierung von Stars werden auf ein galliges Maximum getrieben. Zusammen mit einer steril-durchstilisierten Umgebung und einem tragendem Hauptdarsteller also alles nicht fernab von einer Black Mirror-Folge – bis auf die Laufzeit.
 
 
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Und somit ist mein Gesamteindruck auch leider schon recht präzise wiedergegeben – gerade für ein Debüt hat Cronenberg hier einen optisch sehr versierten Film geschaffen, dessen Setdesigns Spaß machen und Cast nahezu durchgängig überzeugen kann – doch statt sich 100 Minuten lang selber zu beobachten und die in Reihung dann leider doch zu ähnlichen Bilder mit langsamen Pace durch zu exerzieren, wäre es vielleicht weiser gewesen, wahlweise sympathische Charaktere, oder zumindest Kurzweil durch Genreeinlagen zu verwenden – so aber ist „Antiviral“ genauso kalt und leer wie seine Optik und das kann man als Stilvollendung auf Metaebene und Vorhalten des Zuschauers begreifen, aber vielleicht auch eher als Script, das eine gute Kernidee hat, diese aber nicht ausarbeiten weiß.
 
 
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David Cronenberg hat oft von Außenseitern erzählt, von Exzentrikern und Ausgestoßenen, noch öfter aber von solchen, die es wurden – diese menschliche Seite fehlt dem unangenehm und grandios von Caleb Landry Jones gespieltem Hauptdarsteller aber leider, und auch sonst bleiben die Charaktere oftmals funktional, für das Script clever oder ominös oder für die Szene interessant genug, im Kopf bleiben oder für weitere Mysterien sorgen tun sie aber nicht. Allgemein werden die reizvolle Prämisse und das Worldbuilding fast nur auf die Lucas Klinik und wenige weitere Orte angewendet, von einer größeren, lebendigen Welt mit Eigenmechanik fehlt leider jede Spur – ein weiterer Kritikpunkt, der bei einem Einstünder nicht weiter auffiel, auf 100 Minuten gestreckt jedoch leider schon.
 
 
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Body-Horror-Effekte, gorige Einlagen oder furchterregende Momente sind bei einem solchen Setting und stetiger Anwesenheit von Patienten natürlich naheliegend, doch auch hier sollte man den Vornamen und nicht nur „Cronenberg“ lesen, da die genannten Einlagen zwar funktionieren, eine Wirkung erzielen und auch ordentlich getrickst sind, die Gewalt oder Ideen derer nur leider nicht nahe gehen oder wirklich verstören, da, erneut, die Charaktere bzw. Umstände nicht fesselnd genug, menschlich genug, nachvollziehbar genug geschrieben sind, um wirklich zu kümmern. Es bleibt ein sehr ambitionierter Film mit einer hervorragenden Grundidee, gelungener Regie und einer starken Hauptperformance, der nur leider nie das volle Potential seiner Ideen herauskitzeln kann und optisch auf höchstem Niveau gepflegt begeistert, einlullt, langweilt. Definitiv einmalig sehenswert und interessant, aber keine Großtat für das Genre sozialkritischen Bodyhorrors.
 
 
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ANTIVIRAL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Antiviral“ schafft es bestens, eine spannende Prämisse aufzubauen und in seine Welt zu ziehen, inszeniert Gräueltaten und Ungeheuerliches routiniert als Alltag und hat sehenswerte Elemente in sich, als Gesamtwerk aber leider zu leer, aufgeblasen und kalt für meinen Geschmack.
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Zensur

 
 
 
„Antiviral“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Form erhalten. Diese ist auch gerechtfertigt. Body-Horror-Fans können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Antiviral; Kanada 2012

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 107 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 19.10.2018

 

Antiviral [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
eXistenZ (1999)
 
Replace (2017)
 

Filmkritik: „Wer hat Tante Ruth angezündet?“ (1971)

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WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET?

(WHOEVER SLEW AUNTIE ROO?)

Story

 
 
 

Rosie Forrest, die pummelige, herzliche Direktorin eines englischen Waisenhauses in den Zwanziger Jahren, wird von allen nur Tante Ruth genannt. Während der Weihnachtsfeier im Kinderheim findet ein neugieriger Schützling des Hauses heraus, dass Tante Ruth auf dem Dachboden die vertrocknete Leiche ihrer jung gestorbenen Tochter aufbewahrt. Christopher, so sein Name, verfügt allerdings über eine nur allzu lebhafte Einbildungskraft. Somit ist man hin und hergerissen zwischen seinen Schilderungen und den verschiedenen Zwiebelhäuten der Realität.


 
 
 


 
 
 

WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET – Kritik

 
 
 
WHOEVER SLEW AUNTIE ROO?, so der Titel dieses erklärten Juwels filmischen Wahnsinns im Original, gehört in ein nachträglich zurecht-kuratiertes Mini-Genre, das kreativerweise Grande Dame Guignol oder etwas gröber Hagsploitation getauft wurde. Hag bedeutet böses altes Weib. Diverse Bette-Davis-Filme am Ende ihrer Mainstream-Karriere passen hier rein, aber auch der vorliegende Kracher mit Shelley Winters, einer Oscar-Gewinnerin, in deren Werksverzeichnis aber auch so viel Schrott zu finden ist und die folglich mehr als nur qualifiziert ist, hier Star zu sein. Entstanden unter der Regie des nicht zu Unrecht kultisch Verehrten Curtis Harrington, ein Jahrzehnt nach seinem Ableben als Wegbereiter der schwulen Filmkunst anerkannt, gab es den Film vor Jahren mal in einem dieser geilen Midnite-Movie-Doppelfeature-DVDs aus den USA. Für die deutsche Fassung musste man auf ein altes VHS-Tape zurückgreifen oder – als es so etwas noch gab – eine nächtliche TV-Ausstrahlung in einem der kleineren Fernsehprogramme hoffen.
 
 
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Was wir hier haben ist ein angenehm verrücktes Meisterwerk des Autoren- und Genrekinos. Harrington erzählt eine Art Märchen mit Hintertür zum Abgrund. Ein Lebkuchenhaus, hinter dessen zuckrigen Wandpanelen Eiter und Horror schwelen. Ähnlich metapherngespickte Filme kamen zu dieser Zeit eher aus Osteuropa, wo man den politischen Repressalien Kritik nur auf dem Weg des Irrealen entgegensetzen konnte. Dem Regisseur ist zu verdanken, diese sehr spezifische Stimmung des Phantastischen Films auch in die amerikanischen Grindhouse-Kinos übertragen sehen zu können.
 
 
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Perverses Stück Trivia: Mark Lester, ein Kinderstar seiner Zeit, hat nicht nur einige sehr wilde Filme im Resümee, sondern auch noch den Trash-Ruhmesmoment, nach dem Tode Michael Jacksons behauptet zu haben, der tatsächliche Vater von dessen Kindern zu sein. Zu schön eigentlich. Ein durch seinen Tod vollkommen rehabilitierter Päderast bittet einen erwachsen gewordenen Bubenschauspieler um das Begatten seiner Alibi-Frau. Keiner zweifelt hernach an der Zeugungskraft des erwähnten Päderasten, auch wenn dessen Kinder weißer als weiß sind. Könnte aus einem Drehbuch Curtis Harringtons sein eigentlich.
 
 
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WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
In die Gegenwart transportiertes Märchen? Schwarze Komödie mit Horror-Anstrich? Camp-Show eines gefeierten schwulen Filmemachers? WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET? ist all das und noch zwei Kugeln Eis obendrauf. Wir gehen davon aus, dass viele unserer Leser und auch die wenigen Filmfans, die uns nicht kennen (höhö), so etwas wie Curtis Harringtons Juwel hier noch nicht gesehen haben. Zeit, das zu ändern.
 
 
 


 
 
 

WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET – Zensur

 
 
 
WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET lief 08.02.1980 in den deutschen Kinos und war bereits damals ungeschnitten. Auch auf VHS war der Streifen – trotz Freigabe ab 12 Jahren – ungeschnitten. Das hat sich auch bei allen Folge-Veröffentlichungen nicht geändert. Die nun erhältliche Blu-ray ist trotz grünem FSK-Flatschen und Jugendfreigabe komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Who Slew Auntie Roo?; Großbritannien 1971

Genre: Horror, Klassiker, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 31.05.2019 | KeepCase: 31.01.2020

 
 
NSM hat vier limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Januar 2020 kann man WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET auch in Deutschland als Blu-ray im KeepCase im Handel erwerben und muss keine Umwege über das deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ungeschnitten.
 
 

Wer hat Tante Ruth angezündet? [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Wer hat Tante Ruth angezündet? [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover A] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Wer hat Tante Ruth angezündet? [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover B] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Wer hat Tante Ruth angezündet? [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover C] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Wer hat Tante Ruth angezündet? [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover D] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Wiegenlied für eine Leiche (1964)
 
Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)
 
Psycho (1960)
 

Filmkritik: „Villains“ (2019)

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VILLAINS

Story

 
 
 

Die Horror-Version von Bonnie- und Clyde. Zwei Ganoven kommen auf ihrer Reise nach Florida hinter das Geheimnis eines gestörten Ehepaares.

 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Kritik

 
 
 
Wenn zwei Schauspieler gemeinsam in einem Genre-Werk zu sehen sind, die zuletzt durch gefeierte Horrorfilme aufgefallen sind, macht das neugierig. Zeichnen dann auch noch Leute auf dem Regiestuhl für genau dieses filmische Schaffen verantwortlich, die sich mit dem Schreiben, Produzieren und Regieführen von Horrorfilmen einen Namen machen konnten, werden Horrorfilmkenner nicht unbegründet hellhörig. DAN BERK und ROBERT OLSEN sind Freunde und haben schon einiges an Grauen auf die Leinwand gebracht. Die beiden Filmemacher hegen eine große Leidenschaft für ungemütliche Unterhaltung und inszenierten Horrorfilme wie BODY oder VAMPIRE NATION – BADLANDS, die sich mit menschlichen Abgründen beschäftigt haben. Regie-Arbeit Nummer drei macht da keine Ausnahme. VILLAINS (übersetzt: Schurken) nennt sich der Spaß und durchforstet einmal mehr das Böse im Menschen. Dafür konnte man zwei gefragte Darsteller engagieren: MAIKA MONROE (aus IT FOLLOWS) und BILL SKARSGÅRD. Letzterer erhielt viel Lob als Pennywise im Remake des Stephen-King-Klassikers ES und wechselt für VILLAINS die Fronten. Statt auf der dunklen Seite zu kämpfen, probiert er es nun als Held. Kein leichtes Unterfangen, assoziiert man den schwedischen Schauspieler immer wieder mit dem grausamen Spaßmacher aus der Neuverfilmung des King-Romans.
 
 
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Ein zynischer Mix aus DON’T BREATHE und ARIZONA JUNIOR, der virtuos mit der Frage spielt, wer in diesem Film denn nun eigentlich der Bösewicht ist. Jules (MAIKA MONROE) und Mickey (BILL SKARSGÅRD) sind ineinander bis über beiden Ohren verliebt und mit dem Gesetz auf Kriegsfuß. Die pfeifen auf Recht und Ordnung und ziehen plündernd durchs Land. An einer Tankstelle hofft man auf fette Beute. Die überfällt man kurzerhand, nur um anschließend feststellen zu müssen, dass man statt Geld hätte besser Benzin stibitzen sollen. Da strandet man nun irgendwo in der Einöde mit dem Auto und guter Rat ist teuer. Doch ein abgelegenes Haus lässt auf Hilfe hoffen. Leider sind die Eigentümer nicht Zuhause, was die Kleinkriminellen dazu veranlasst im Anwesen nach Benzin zu suchen. Doch man wird nicht fündig. Stattdessen entdeckt man im Keller etwas, das den Verliebten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ein kleines Mädchen sitzt angekettet auf dem Boden und scheint verwirrt zu sein. Dazu hat es auch allen Grund. Das Heim gehört einem seltsamen Pärchen, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Eine Einsicht, zu der unsere Einbrecher bald selbst kommen. Kaum vom Schock erholt, treffen die Hauseigentümer Zuhause ein. Da sitzen Jules und Mickey in der Falle.
 
 
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Irgendwie mangelt es diesem vierköpfigen Kammerstück an Boshaftigkeit. Ja, die eigensinnigen Bewohner dieser morschen Hütte ticken nicht richtig. Doch das hat man zuvor schon einige Male gesehen. Filme wie DAS HAUS DER VERGESSENEN oder DARK PARADISE haben gezeigt, dass sich hinter der Fassade vermeintlich anständiger Menschen nicht selten das personifizierte Böse verbirgt. Leider ist aber die Idee von gestörten Familien, die in den eigenen vier Wänden eigenartige Dinge veranstalten, nicht mehr ganz so frisch. Eine Tatsache, die auch im Falle von VILLAINS bitter aufstößt. Die schwarze Horrorkomödie hat zwar gute Schauspieler zu bieten, zeigt aber nichts, was man nicht schon dutzende Male in dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. So spielt das Böse auch in diesem Streifen mit seinen Opfern. Letztere müssen einen Weg aus ihrem Gefängnis finden und decken gleichzeitig ein dunkles Geheimnis auf, das das kranke Duo im Film nicht unberechtigt vor der Außenwelt versteckt hält. Ein vertrauter Ablauf also, der von permanenter Unentschlossenheit begleitet wird.
 
 
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VILLAINS kann sich nicht so recht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Die in Brooklyn lebenden Regisseure und Drehbuchautoren DAN BERK und ROBERT OLSEN wollen ihren Film in keine Schublade stecken. Ständig pendelt die Handlung zwischen unbequemer Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor, was zwangsläufig die Frage in den Raum wirft, was das denn hier alles soll. VILLAINS wirkt wie die filmische Adaption eines düsteren Cartoons. Dennoch: Für eine Komödie ist Gezeigtes zu ernst, für Horror zu lustig. Das irritiert, zumal sich der Streifen auch zu geschwätzig gibt und richtige Höhepunkte missen lässt. So kommt es zu Fluchtversuchen, die scheitern und Wendungen, die einzig den Nutzen haben das Geheimnis zu verschleiern, das die bösen Hauseigentümer umgibt. Selbst das ist nicht sonderlich spektakulär. Eine enttäuschende Angelegenheit – vor allem auch deshalb, weil VILLAINS den Mut scheut, mal so richtig böse zu sein. Der Film versucht erst gar nicht, aus seinem seichten Gefängnis auszubrechen. Keine fiesen Kills, keine heimtückischen Schocks. Eine Folge der RTL-Vorabendserie UNTER UNS ist nervenaufreibender.
 
 
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In Interviews erklärten die Macher hinter VILLAINS, wie es zum Film kam. Die hatten 2015 mit gerade einmal 50.000 US-Dollar einen kleinen, aber feinen Thriller namens BODY gedreht, der auf Festivals gut ankam. Umso inniger der Wunsch, einen größeren Film ähnlicher Art zu inszenieren, der das doppelte an Budget verschlingen sollte. So entstand das Drehbuch zu VILLAINS für das man aber von Produzenten den Rat erhielt, besser mit der filmischen Umsetzung zu warten, da der Genre-Mix mehr Kapital und talentierte Schauspieler benötigen würde. Ein Ratschlag, den die Regisseure DAN BERK und ROBERT OLSEN beherzigten. Die drehten daher erst einmal den bierernsten Vampir-Survival-Horror VAMPIRE NATION – BADLANDS und lernten während der Arbeit, wie es ist ein umfangreiches Projekt mit großem Budget zu steuern. Genau diese Erfahrung kommt nun VILLAINS zugute. Zumindest hier erweckt nichts den Eindruck, dass es sich immer noch um Indie-Kino handelt.
 
 
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VILLAINS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn das Psycho-Paar aus TRUE ROMANCE auf das Killer-Duo aus NATURAL BORN KILLERS stößt. Wir sind Horrorfilmfans und mögen es ab und an etwas leichter. Da kann auch gern einmal der Kopf ausgeschaltet und sinnlose Gewalt auf der Mattscheibe zelebriert werden. Etwas, für das VILLAINS prädestiniert gewesen wäre. Ein krankes Ehepaar pfeift auf Moral und veranstaltet weit krankere Dinge hinter verschlossenen Türen. Quasi so etwas wie Familie Firefly aus DAS HAUS DER 1000 LEICHEN oder die Familiensippe aus dem legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Was VILLAINS zelebriert, ist aber weit weg von all dem. Beinahe schon brav, wird hier das Geheimnis zweier durchgeknallter Psychos ergründet. Die haben im Keller ihres Hauses ein kleines Mädchen angekettet und veranstalten auch sonst komische Dinge in den eigenen vier Wänden. Mit schwarzem Galgenhumor, bissigen Dialogen und beinahe schon comicgleichen Unterton versucht man das Interesse des Publikums zu gewinnen. Uns war’s leider zu seicht. Wir sind uns aber sicher, dass dieser kurvenreiche, düstere und scharfkantige Comic-Thriller trotzdem seine Fans finden wird.
 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Zensur

 
 
 
VILLAINS ist in Sachen Gewalt eher harmlos. Erst am Ende wird einer der Protagonisten in den Filmhimmel geschickt. Wegen der doch etwas bedrohlichen Atmosphäre dürfte VILLAINS hierzulande aber dennoch erst für sechzehnjährige Zuschauer geeignet sein.
 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Ones Below – Das Böse unter uns (2015)
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
Mum & Dad (2008)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Dark Paradise (1988)
 

Filmkritik: „Daniel Isn’t Real“ (2019)

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DANIEL ISN’T REAL

Story

 
 
 

Luke besitzt einen imaginären Freund, der ihm bald das Leben zur Hölle macht.

 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Kritik

 
 
 
Egal, was ELIJAH WOODS anpackt, es hat nicht nur Hand und Fuß – es wird auch zum Hit. Der Schauspieler startete seine Karriere mit einer Mini-Rolle in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2 und war danach in Hollywood-Filmen wie THE FACULTY oder DEEP IMPACT zu sehen. Der ganz große Durchbruch kam dann als Frodo Beutlin in der Kinofilmreihe DER HERR DER RINGE. Mittlerweile tritt Wood auch als Produzent in Erscheinung. Neben einer eigenen Plattenfirma gründete das Multitalent 2010 eine eigene Produktionsfirma namens SPECTREVISION. Die stellt seither fleißig Horrorfilme her. Bisher ging daraus brauchbares Material hervor. Darunter Genre-Werke wie THE GREASY STRANGLER, MANDY, COOTIES und THE BOY.
 
 
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Auch der ungewöhnliche DANIEL ISN’T REAL stammt aus genannte Produktionsschmiede und erzählt die Geschichte des kleinen Lukes, der einen imaginären Freund namens Daniel besitzt. Der hilft dem Jungen über so manchen Schmerz hinweg, hat aber eine dunkle Seite. Daniel ist das personifizierte Böse und hat nur ein Ziel: Chaos anrichten. Ein wesentlicher Grund, warum Luke den mysteriösen Freund in das Puppenhaus der Großmutter verbannen muss. Jahre später ist aus Luke ein attraktiver Mann geworden. Der steht unter Unistress und muss sich auch noch um den Geisteszustand der Mutter sorgen. Da juckt es den Studenten in den Fingern. Er greift zum Schlüssel des Puppenhauses und befreit den Freund aus Kindertagen. Letzterer ist zugleich zur Stelle und steht dem desorientierten Luke zur Seite. Eine Erleichterung, die aber bald desaströse Ausmaßnahme annimmt. Der imaginäre Daniel ist nämlich der Teufel persönlich und tut alles daran Unheil anzurichten. Statt an schlechten Tagen Halt zu geben, will Daniel das Leben seines Freundes für sich beanspruchen. Leider lässt sich das Böse diesmal nicht so einfach zurück in ein Puppenhaus verbannen. Da ist guter Rat teuer, denn Luke wird sein überflüssiges Anhängsel nicht wieder los.
 
 
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Psychologischer Schauer trifft auf unangenehmen Body-Horror. DANIEL ISN’T REAL ist der außergewöhnlichste Horrorstreifen des Jahres 2019. Statt Horror-Klischees lustlos abzuarbeiten, zelebriert Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER unangenehmen Kopf-Horror, der den Zuschauer mit auf eine Reise in menschliche Abgründe nimmt. Der imaginäre Daniel wird hier als dämonengleicher Parasit beschrieben, der sich in den Kopf seines Opfers einnistet, um dort die Welt seines Wirts aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hat dieser erst einmal Vertrauen gewonnen, ist der Rest für den Bösewicht ein Kinderspiel. ADAM EGYPT MORTIMER weiß, wie er polarisieren muss, um das Publikum zu schocken. Das ist ihm bereits einmal mit dem brutalen Horrorthriller SOME KIND OF HATE gelungen. Der setzte vermehrt auf blutige Schauwerte. Die geraten im neuen Werk in den Hintergrund. Statt möglichst blutige Gewalt zu zelebrieren, geht es der Filmemacher diesmal psychologischer an und lässt dabei den Zuschauer lang im Unklaren, was der imaginäre Freund nun eigentlich will. Sind hier dämonische Kräfte im Spiel, die von einer unschuldigen Seele Besitz ergreifen? Oder handelt es sich bei Daniel nur um eine der vielen Persönlichkeiten im Kopf eines schizophrenen Mannes? Die Antwort darauf lässt auf sich warten, wobei ADAM EGYPT MORTIMER am Ende mit gelungenen Spezialeffekten die Katze aus dem Sack lässt.
 
 
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Da bekommt der Zuschauer plötzlich surreale Body-Horror-Szenen zu sehen. Darin werden aus einem Körper auf einmal zwei, denn Daniel möchte nicht mehr ein nicht-körperlicher Führer zu sein. Er beginnt die Kontrolle über Lukes Körper zu übernehmen und schafft es sogar sich vom Fleisch seines Opfers zu lösen. Das ist tricktechnisch gut umgesetzt und erinnert an Körpertransformationen aus Filmen wie NIGHTMARE ON ELM STREET 5 oder dem Remake von THE THING. Als ob das nicht alles grotesk genug ist, macht DANIEL ISN’T REAL im Finale sogar noch einen Abstecher in die düstere Welt von CLIVE BARKER. Dort muss der Held einen Weg aus seinem eignen Unterbewusstsein finden, in das ihn sein Gegenspieler verbannt hat. Leider ist es da schaurig und gar nicht schön. Assoziationen zur Höhlenwelt aus HELLRAISER sind nicht unbegründet. In einer Art selbstgeschaffener Albtraumwelt muss Luke versuchen, wieder die Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen. Vorbei an entstellten Dämonen und düsteren Gängen. Das ist alles doppeldeutig und metapherreich. Kompliziertes Filmfutter also und vermutlich nicht für jedermann geeignet, der Antworten auf dem Silbertablett serviert haben möchte. Immerhin mangelt es DANIEL ISN’T REAL nicht an Filmzitaten. Die zumindest dürfte jeder Horrorfilmkenner auf Anhieb erkennen. Wer selbst die nicht versteht, schaut lieber was Leichteres auf NETFLIX.
 
 
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DANIEL ISN’T REAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Überraschend unkonventioneller Mix aus Psychothriller und Horrorfilm, der tiefgründiger ist, als er auf den ersten Blick scheint. DANIEL ISN’T REAL basiert auf dem Roman IN THIS WAY I WAS SAVED von BRIAN DELEEUW, der es sich nicht nehmen lassen hat, auch gleich das Drehbuch zur Filmadaption zusammen mit Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER zu verfassen. Das Resultat ist ein surrealer Horrortrip, der nur vor kreativen Ideen strotzt. Da bekommt der Zuschauer endlich mal was Neues zu sehen und nicht den schon wieder lauwarm aufgewärmten Horrornonsens. Keine rastlosen Geister, keine amoklaufenden Massenmörder und auch keine Hobbysadisten mit einer nervigen Leidenschaft fürs Foltern. DANIEL ISN’T REAL bringt endlich mal wieder was mit Anspruch und Hirn auf die Mattscheibe. Offenbar war das auch im Sinne von Schauspieler ELIJAH WOODS. Der zeichnet für diesen etwas anderen Psycho-Horror mit seiner eigenen Filmfirma SPECTREVISION verantwortlich. Hoffentlich kommt da in Zukunft noch mehr. Schenkt man Gerüchten im Internet Glauben, hat die Produktionsfirma Interesse an den Rechten der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe bekundet, um das Franchise fortführen zu können. Mit Woods als Firmengründer kann da wohl nichts mehr schiefgehen.
 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Zensur

 
 
 
DANIEL ISN’T REAL ist – anders wie das Langfilmregiedebüt von ADAM EGYPT MORTIMER – in Sachen Gewalt sehr zurückhaltend. Dafür bekommt man groteske Körpertausch-Szenen zu sehen. Die Körper verschmelzen miteinander oder werden soweit gedenkt, dass der eine in den anderen hineinsteigen kann. Ein paar kurze Gewaltszenen gibt es auch. So bekommt man gleich zu Beginn einen Amoklauf zu sehen. Weiterhin wird ein Psychologe während einer Sitzung mit einem spitzen Gegenstand ermordet. Hierzulande dürfte DANIEL ISN’T REAL aber ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder | Samuel Goldwyn Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Split (2016)

Simon Killer (2012)

Mein Bruder Kain (1992)

Let Her Out (2016)

Seconds Apart (2011)

Enter the Dangerous Mind (2013)

Twisted Sisters (2006)

Filmkritik: „A Score to Settle“ (2019)

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A SCORE TO SETTLE

Story

 
 
 
Nachdem Frank 19 Jahre unschuldig hinter Gittern verbracht hat, kommt er aufgrund einer unheilbaren Krankheit früher aus dem Knast und nun steht Rache auf seinem Programm.

 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Kritik

 
 
Über Nicolas Cage und seine nicht besonders tolle Rollenwahl im letzten Jahrzehnt, braucht man wohl nicht mehr viele Worte zu verlieren. In letzter Zeit durfte jedoch wieder Hoffnung entstehen, was auch am tollen „Mandy“ lag und selbst wenn viele Filme mit Cage schlecht waren: Er gab sich eigentlich immer Mühe. Dies trifft auch auf „A Score to Settle“ zu, der am ehesten durch Cage sehenswert wird, letztendlich aber an einem zu schwachen Drehbuch scheitert.
 
 
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19 Jahre befand sich Frank in Haft für einen Mord, den er nicht begangen hat. Doch seine kriminellen Umkreise gaben ihm Geld dafür, dass er die Schuld auf sich nimmt. Dummerweise ging Frank viel länger in den Knast, als erwartet und nur weil bei ihm eine unheilbare, tödliche Krankheit festgestellt wird, kommt er früher raus. Alles, was er nun will, ist die Beziehung zu seinem mittlerweile erwachsenen Sohn erneut aufbauen, doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los und Frank will Rache an den Schuldigen von damals nehmen. Was nach einer typischen Rachegeschichte klingt, setzt den Fokus allerdings stark auf ein Schuld-und-Sühne-Drama. Die gesamte Aufmachung lässt den Zuschauer einen Rache-Thriller erwarten und letztendlich gibt es davon viel zu wenig. Wenn dieser Aspekt plötzlich doch noch etwas mehr Raum spendiert bekommt, wirkt es meistens unpassend. Mit Erwartungshaltungen sollte man also schon mal vorsichtig sein, doch selbst wenn man sich auf dieses Drama einstellt, wird man nicht gerade mit einem guten Drehbuch belohnt. Dafür macht es sich „A Score to Settle“ an vielen Stellen deutlich zu leicht. Wenn es dann im letzten Drittel zu gleich zwei großen Wendungen kommt, dann kann man sich sogar etwas ärgern, weil die Twists vom Prinzip her gar nicht mal so schlecht sind, nur absolut nicht gut vorbereitet wurden und so im Endeffekt viel zu unglaubwürdig erscheinen.
 
 
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Mangelnde Glaubwürdigkeit dominiert auch die Figurenzeichnung, was dem Film auch am ehesten ein Bein stellt. Als Beispiel sei hier die gesamte Vater-Sohn-Beziehung genannt, die „A Score to Settle“ lange behandelt. Anfangs ist das ja noch solide und etwas nachvollziehbar, doch dann verhalten sich sowohl Vater, wie auch Sohn dermaßen unglaubwürdig, dass der Kitsch aus allen Poren trieft. Obendrauf gibt es dann noch einen kleinen Nebenstrang mit einer Prostituierten, wo man sich für die Herangehensweise ebenfalls schämen möchte. Psychologisch ist das alles absolut nicht wertvoll gestaltet und gerade deshalb fällt es auch so schwer mit diesen Charakteren mitzufühlen. Das ist auch deshalb ziemlich schade, weil die Darsteller gut sind. Nicolas Cage glänzt hier mal nicht mit seinem gewohnten Overacting, sondern gibt sich, seiner Rolle entsprechend, eher ruhig und verleiht diesem Frank somit immerhin noch etwas Menschlichkeit, welche die Figurenzeichnung eher verhindert. Noah Le Gros ist ebenfalls nicht schlecht und Benjamin Pratt ist in seinen wenigen Momenten auch gut anschaubar. Es liegt also überhaupt nicht an den Darstellern, dass der Film nicht funktioniert.
 
 
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Ebenfalls kann man der Regie dafür nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Regisseur Shawn Ku hatte mit seinem Debüt „Beautiful Boy“ vor einigen Jahren mal sehr positive Aufmerksamkeit erregen können, versank dann aber irgendwo in der Bedeutungslosigkeit und meldet sich erst mit „A Score to Settle“ zurück. Inszenieren kann der Mann, was man deutlich sehen kann. Besonders die ruhigen Momente sind schön eingefangen und hinterlassen eine gewisse Melancholie. Sowieso ist die Stimmung gar nicht übel, denn wenn man sich auf dieses Drama einlassen kann, bekommt man meistens eine dichte Atmosphäre, die keine gute Laune aufkommen lässt, was hier jedoch positiv gemeint ist. Wären da nicht immer wieder die unangenehm kitschig-naiven Szenen, dann wäre das Drama gelungen und rein handwerklich wurde das alles souverän umgesetzt. Der Rache-Anteil gerät da schon deutlich plumper und überzeugt kaum. Allerdings wiegt das im Endeffekt nicht so schwer, weil es sowieso kaum Rache und somit auch nahezu keine Action zu sehen gibt. Die Freigabe ab 18 Jahren täuscht zudem auch noch, weil der eigentliche Film bereits ab 16 Jahren freigegeben wurde. Man braucht sich also auf keine große Gewalt einzustellen. Wäre die Mischung ausgewogener gewesen, hätten die gut 100 Minuten Laufzeit auch bestimmt mehr Kurzweil gehabt, aber so kommt es schon mal zu gewissen Längen.
 
 
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A SCORE TO SETTLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„A Score to Settle“ bietet einen gut aufgelegten Nicolas Cage, der seine Sache ernst nimmt und das dementsprechend spielt. Auch die handwerkliche Arbeit ist alles andere als verkehrt. Nur leider gibt es da das Drehbuch, welches eine höhere Wertung einfach verhindert. Zunächst ist die Figurenzeichnung viel zu plump, um funktionieren zu können und dann gibt es da auch noch zwei große Twists, die ihre Wirkung nicht entfalten können, eben weil sie so naiv dargeboten werden. Außerdem wird schon alleine die Aufmachung als Rache-Thriller für viele enttäuschte Zuschauer sorgen, weil man es bei „A Score to Settle“ viel mehr mit einem ruhigen Drama zu tun hat und es deshalb so gut wie keine Action gibt. Das besitzt genügend solide Momente, um nicht durchgehend zu langweilen, wird im Endeffekt aber nicht lange in Erinnerung verweilen und stellt somit einen durchgehend durchschnittlichen Film dar!
 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Zensur

 
 
 
Der rote FSK-Flatschen auf dem Cover ist ein Blender. „A Score to Settle“ wurde von der FSK in ungeschnittener Form bereits ab 16 Jahren freigegeben. Die Freigabe der Blu-ray wurde angehoben wegen dem Bonusmaterial auf der Scheibe. Darauf enthalten: Trailer zu weiteren Titeln von Splendid Film.
 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Score to Settle; Kanada | USA 2019

Genre: Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung)| Blu-ray wegen Bonus: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.10.2019

 

A Score to Settle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals (2014)
 
A History of Violence (2005)
 

Filmkritik: „Incredible Violence“ (2018)

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INCREDIBLE VIOLENCE

(G. PATRICK CONDON’S INCREDIBLE VIOLENCE)

Story

 
 
 

Die Dreharbeiten zu einem Horrorfilm geraten aus dem Ruder. Da wird aus Improvisation plötzlich Ernst, sodass sich die Schauspieler auf einmal in ihrem ganz eigenen, echten Horrorfilm befinden.

 
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Kritik

 
 
 
Was hat man eigentlich von einem Film zu erwarten, der mit einem Titel wie INCREDIBLE VIOLENCE um die Gunst des zahlungskräftigen Publikums buhlt? Horrorfilmfans assoziieren da vermutlich ausreichend Gewalt, die nahezu minütlich über die Mattscheibe flimmert. Umso verwunderlicher, wenn da ein Streifen mit genau dieser Titelkreation wirbt und doch eher sparsam mit selbstzweckhaften Content umgeht, der die niederen Instinkte des Zuschauers ansprechen soll. Ist das gut oder als hinterlistige Täuschung zu bezeichnen? Im Fall des nun hier vorgestellten INCREDIBLE VIOLENCE irgendwie beides. Dieser Film weckt falsche Erwartungen, hinterlässt aber trotzdem ein befriedigendes Gefühl. Warum? Das sagen wir Euch in unserer Filmvorstellung.
 
 
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Was macht man eigentlich, wenn man kein Budget zur Verfügung hat, aber trotzdem einen Horrorfilm drehen will. Richtig: man heuert ahnungslose Schauspieler an, die man für lau arbeiten lässt, indem man sie am Ende einfach nicht bezahlt. Genau diesen Einfall hat auch Nachwuchsregisseur G. Patrick Condon (übrigens der gleiche Name, wie der des tatsächlichen Regisseurs dieses Films). Der träumt von der großen Karriere und will Horror auf Zelluloid bannen. Leider hat der aber so gar keine Kohle. Doch der Filmemacher findet einen Weg. Er borgt sich finanzielle Mittel bei einer ominösen Organisation, das er aber für andere Dinge verschwendet. Da ist guter Rat teuer, denn die Geldgeber wollen natürlich nicht umsonst investiert haben und Resultate sehen. Auf der verzweifelten Suche nach einer Möglichkeit, seinen Film doch noch schnell und billig abdrehen zu können, kommt der Hobby-Filmemacher auf eine Idee. Er lockt einige Schauspieler in ein Haus, das er mit Überwachungskameras versehen hat. Condon selbst versteckt sich im Dachgeschoss der leerstehenden Hütte und gibt den nichtsahnenden Darstellern vor jeder Szene Anweisungen per Fax. Die spielen das Spiel brav mit, während der Regisseur selbst einen Schauspieler nach dem nächsten vor laufender Kamera ermordet, um die Kosten für Gage und Spezialeffekte so gering wie möglich halten zu können. Ein raffinierter Schlawiner. Bis die Dreharbeiten eine ungeahnte Wendung erfahren und alles aus dem Ruder läuft.
 
 
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Unkonventionell, experimentell, interessant. INCREDIBLE VIOLENCE ist Indie-Horror wie er im Buche stehen. Der traut sich nämlich was und zeigt, was man eigentlich nur im Indie-Sektor zeigen kann. Anders als in den Horrorfilmen größerer Studios wird hier Mut bewiesen und sich auch mal fernab bekannter Pfade bewegt. Herausgekommen ist im Falle von INCREDIBLE VIOLENCE ein etwas anderer Slasher, der Spaß am Richtungswechsel beweist. Da ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Regisseur G. PATRICK CONDON startet mit Kritik. Sein Protest auf die vielen kaum noch ertragbaren No-Budget-Horrorfilme ist unüberhörbar. Mittlerweile sind im Horrorkino jene Machwerke die Regel geworden, in denen Möchtegern-Filmemacher mit nicht vorhandenen Investitionen Filmerfolge feiern möchten und dafür den Zuschauer foltern. Da wird – genauso wie in der Handlung des hier vorliegenden Films – ohne Erfahrung und Geld irgendwas auf Zelluloid gebannt. Was sich da mittlerweile alles Film schimpft, ist eine Zumutung. Talent und Unterhaltung? Fehlanzeige! Ganz Unrecht hat Condon daher nicht.
 
 
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Doch der lautstarke Protest ist nur Beiwerk. INCREDIBLE VIOLENCE entpuppt sich nämlich als Achterbahn des Horrors und streift diverse Subgenres des Horrorfilms. Was als zynischer Seitenhieb auf die Low-Budget-Filmindustrie beginnt, entwickelt sich bald zum etwas anderen Slasher-Film, der in der letzten halben Stunde vollkommen aus der Bahn gerät. Da wird Angst zu Wahn und Wahn zu Terror. Aus dem unkonventionellen Slasher-Flick wird plötzlich ein Psychothriller, der seine Protagonisten an die Grenzen gehen lässt. Da werden Elemente von Survival-Horrorfilmen ebenso in die Handlung gestreut, wie Terrorszenen, die das Nervenkostüm des Zuschauers strapazieren sollen. Es wird viel geschrien und gemordet. Spätestens jetzt wird der Film seinem Titel gerecht. Das hat man so nicht kommen sehen.
 
 
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INCREDIBLE VIOLENCE zeigt, dass Low-Budget-Kino auch anders kann und nicht immer seinem schlechten Ruf gerecht werden muss. Die Schauspieler liefern facettenreiche Arbeit ab und auch der dreckige Indie-Look verfehlt seine Wirkung zu keiner Minute. Der passt hervorragend zum Film und unterstreicht den ernsten Richtungswechsel in der zweiten Filmhälfte souverän. Da gibt es plötzlich garantiert nichts mehr zu lachen und man fiebert mit dem anfangs noch unsicheren Final Girl mit, das im Finale genretypisch ums Überleben kämpfen muss und über sich hinauswächst. INCREDIBLE VIOLENCE ist überraschend anders – aber auch nicht für jeden Zuschauer geeignet. Der Streifen ist nicht perfekt und hat natürlich mit einigen dramaturgischen Hängern zu kämpfen. So braucht der Indie-Horror etwas bis er an Fahrt gewinnt. Hat er aber das richtige Tempo endlich erreicht, lässt er sich nicht mehr bremsen. Das dürfte so manchem Zuschauer gefallen, der ein Herz für makelbehaftete und nicht unbedingt fehlerfreie Horrorfilme besitzt. Genau diese Makel machen INCREDIBLE VIOLENCE charmant, denn der Streifen hat andere Qualitäten. Dank unkonventioneller Story und cleveren Wendungen gelingt es nämlich diesem Debütfilm im Kopf zu bleiben. Daher kann man gespannt auf das sein, was Regisseur G. PATRICK CONDON als Nächstes auf den Zuschauer loslassen wird. Hoffentlich wird das mindestens genauso kreativ, wie der einfallsreiche Erstling.
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unkonventionell, experimentell und bizarr – Horror made in Canada. INCREDIBLE VIOLENCE ist weit weg von dem, was man sonst so auf NETFLIX zu sehen bekommt. Der Streifen ist Indie-Horror in Reinform und punktet mit einer cleveren Geschichte, die einige Wendungen in petto hat. Hier ändert sich ganz gerne mal der Ton und aus zynischen Seitenhieben auf die Low-Budget-Filmindustrie wird plötzlich eine Horrorfahrt durch die Subgenre des Schreckens. Regisseur G. PATRICK CONDON hat zuvor einige Kurzfilme gedreht und wagt sich nun mit INCREDIBLE VIOLENCE an was Großes. Das Langfilmdebüt – das übrigens bereits im Sommer 2017 gedreht wurde – lässt sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Der Film ist mal Slasher, mal Terrorfilm, mal Psychothriller, mal Survival-Horror. Genau diese Prämisse macht den Film so besonders, für den die Schauspieler übrigens zustimmen mussten, die gesamten Dreharbeiten lang in jenem Haus zu leben, in dem der Horrorthriller gedreht wurde. Erst als nach zehn Tagen alle Szenen im Kasten waren, durften die Darsteller das Set verlassen. Eine anstrengende Erfahrung für Besetzung und Crew, die aber dem Film zugute kam. Genau jenes Vorgehen brachte die Akteure nämlich an Grenzen. Das wird vor allem in der zweiten Filmhälfte deutlich. Die Panik und die Angst der Filmfiguren wirken echt. Irgendwie pervers – aber auch beachtlich.
 
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Zensur

 
 
 
INCREDIBLE VIOLENCE hat einige Morde zu bieten. Da werden Messer in Körper gerammt und Menschen stranguliert. Teilweise sind die Morde sehr lang. Hierzulande dürfte es dafür eine Erwachsenenfreigabe geben.
 
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Hunting Party | Telefilm)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Behind the Mask (2006)
 
The Last Horror Movie (2003)
 
Mann beißt Hund (1992)
 

Filmkritik: „Hell Is Where the Home Is“ (2018)

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HELL IS WHERE THE HOME IS

(TRESPASSERS)

Story

 
 
 

Ein blutig-unterhaltsames Gemetzel: Zwei Paare mieten im Internet eine moderne Villa für das Wochenende an. Keine gute Idee, denn bald werden die jungen Leute dort von Fremden überrascht, die es nicht gut mit den ahnungslosen Mietern meinen.

 
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Kritik

 
 
 
Wenn es in Horrorfilmen am späten Abend an Haustüren klopft oder klingelt, stellen sich Zuschauer in Alarmposition. Nicht ohne Grund, denn in den meisten dieser Filme stattet dann nämlich der Tod einen Besuch ab. HELL IS WHERE THE HOME IS ist der gefühlt tausendste Schocker dieser immer wieder gleich aufgebauten Art von Filmen in denen ahnungslose Personen von bösen Menschen in den eigenen vier Wänden terrorisiert werden. Regisseur ORSON OBLOWITZ erfindet mit seinem Beitrag zum Home-Invasion-Filmfach das Rad nicht neu. Trotzdem sorgt er mit seinem Film für etwas Abwechslung in dem er an unerwartete Wendungen denkt und sich so einige Meter von den üblichen Pfaden des Home-Invasion-Genres entfernt. Zwar nicht viel – aber immerhin.
 
 
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Eine Nacht mit unerwartetem Ausgang. Vier Freunde haben sich eine Villa übers Wochenende gemietet. Darin will man es sich gut gehen lassen und einige Probleme klären. Doch statt klärende Gespräche zu führen, wird lieber Koks geschnüffelt und durch die Betten gesprungen. Eine trügerische Idylle, die bald ihren Zenit erreicht. Die beiden befreundeten Paare bringen nämlich Konfliktpotenzial mit. Das bekommt auch eine mysteriöse Besucherin zu spüren, die zu unchristlicher Stunde an der Türe klingelt. Die Fremde gibt sich als Nachbarin aus und bittet um Hilfe. Das glauben die Freunde aber nicht. Die vermuten böse Intensionen und treten so eine Kette von Umständen in Gang, die für reichlich Kunstblut sorgt.
 
 
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HELL IS WHERE THE HOME IS bietet blutigen Nachschub für Liebhaber fieser Home-Invasion-Thriller, wobei sich der Film dann doch etwas sehr viel Zeit damit lässt, genanntem Subgenre die Weichen zu ebnen. Wir erleben, wie es in vier Freunden brodelt. Die sehen zwar makellos aus, haben es aber faustdick hinter den Ohren. Hinter der perfekten Fassade verbergen sich dunkle Geheimnisse und skrupellose Persönlichkeiten. Eine Tatsache mit der sich HELL IS WHERE THE HOME IS keinen Gefallen tut. Die fehlerbehafteten Figuren treten nämlich alles andere, nur nicht sympathisch in Erscheinung. Das ist für einen Horrorfilm nicht unbedingt förderlich, der das Publikum dazu auffordert mit den Protagonisten durch die Hölle zu gehen. Weil die Figuren nur selten zugänglich sind und man sich nicht mit ihnen identifizieren kann, leidet man nicht mit. So bleibt das Schicksal der Helden weitestgehend egal. Keine guten Voraussetzungen, um einem Horrorthriller bis zum Abspann zu folgen.
 
 
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Offenbar hat das selbst Drehbuchautor COREY DESHON erkannt. Der versucht im letzten Moment die Kurve zu bekommen und bereichert seine Geschichte um jede Menge Schmuddelkram. Ein paar nicht minder skrupellose Gesellen statten den jungen Leuten einen Besuch ab und machen den Mittdreißigern das ohnehin schon vermasselte Leben zur Hölle. Die Richtungswechsel wirken konstruiert, bietet aber die Möglichkeit jede Menge Gewalt zu zelebrieren. Da werden die Frauen des makellosen Viergespanns gequält, Macheten in Köpfe geschlagen und Kamerastative zweckentfremdet – die Feuerlöscherszene aus IRREVERSIBEL lässt grüßen. Das Blut fließt reichlich und entschädigt für manch müden Hänger in der ersten Filmhälfte.
 
 
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HELL IS WHERE THE HOME IS – der übrigens anfangs noch den weitaus passenderen Titel TRESPASSERS (deutsch: Eindringlinge) trug – ist keine Sternstunde des Home-Invasion-Genres. Dennoch liefert er solide Unterhaltung für jene, die gern ahnungslosen Menschen dabei zusehen, wie sie von zwielichtigen Gestalten gequält, überfallen und getötet werden. Der Film verfügt über einen stimmigen Synthesizer-Soundtrack, wie man ihn vor allem in vielen italienischen Horrorfilmen der 1980er ganz ähnlich gestrickt zu hören bekam. Zudem überzeugt der Film durch durchdachte Kamerafahrten und atmosphärische Kameraeinstellungen. Letztere werden gern mal in sattes Blau oder Rot getaucht. Ob da jemand Altmeister DARIO ARGENTO nacheifern wollte? Zumindest stehen die stilistischen Spielereien dem Schocker ganz gut und lassen ihn wertiger erscheinen, als er letztendlich ist. Für einen ungemütlichen Winterabend mit der schreckhaften Freundin ganz brauchbar, denn trotz Schwächen wird man solide unterhalten!
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wendungsreicher Home-Invasion-Schocker mit makabren Überraschungen. HELL IS WHERE THE HOME IS nimmt sich ziemlich viel Zeit, bis er endlich mal zum Punkt kommt. Dafür bricht der Albtraum dann umso schonungsloser über die Protagonisten herein. Zwar leidet der Streifen unter seinen unnahbaren Helden, denen man schon recht früh einen möglichst grausamen Tod wünscht. Dafür wird er Zuschauer mit einigen blutigen Finessen in der zweiten Filmhälfte entschädigt, die definitiv nichts für zimperliche Gemüter sind. Was man HELL IS WHERE THE HOME IS gutheißen muss ist die Tatsache, dass hier alles etwas anders kommt, als erwartet. Das wirkt zwar manchmal etwas konstruiert, gestaltet sich aber als cleverer Schachzug, um auch jene ansprechen zu können, die nahezu alle Home-Invasion-Thriller der letzten Jahre gesehen haben und müde von den immer gleichen Abläufen geworden sind. HELL IS WHERE THE HOME IS ist ein bitterböser Home-Invasion-Horror, der keine Gefangenen macht. Wer es etwas härter im Film bevorzugt, ist hier an der richtigen Adresse.
 
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Zensur

 
 
 
HELL IS WHERE THE HOME IS hat in der zweiten Filmhälfte einige Gewaltszenen zu bieten. Eine Machete wird in einen Kopf geschlagen und Messer in Körper gerammt. Außerdem wird vor Gesichtern mit einem Eisengegenstand auf Pistolenmunition geschlagen, bis diese gezündet wird. Die makaberste Szene ist diese, in der eine Filmfigur mit dem Gesicht auf einen Gegenstand fällt und sich dieser durch ihr Auge bohrt. Hierzulande hat es für diesen Thriller eine Erwachsenenfreigabe gegeben. Ungeschnitten, keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU – Uncut #18 (limitiertes Mediabook mit DVD + Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hell Is Where the Home Is; USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch, Englisch DD 5.1 + DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35.1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet, Poster

Release-Termin: Mediabook: 13.12.2019 | KeepCase: 13.12.2019

 

Hell Is Where The Home Is [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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HELL IS WHERE THE HOME IS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei PIERROT LE FOU | IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghostland (2018)
 
Kidnapped (2010)
 
Mother’s Day (2010)
 
You’re Next (2011)
 

Filmkritik: „The Intruder“ (2019)

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THE INTRUDER

Story

 
 
 

Ein junges Ehepaar träumt von einem neuen Leben in den eigenen vier Wänden. Doch das Traumhaus entpuppt sich als Albtraum, weil der ehemalige Eigentümer ein Psychopath ist.

 
 
 


 
 
 

THE INTRUDER – Kritik

 
 
 
Nanu, hat man wieder die Remake-Presse angestellt? Zumindest könnte man das meinen, wenn man einen Titel wie THE INTRUDER liest. Schaut man sich nämlich ein wenig in den bekannten Filmdatenbanken OFDB und IMDB um, wird man schnell entdecken können, dass so einige Horrorklassiker gleiche Titelkreation tragen. Wir können aber beruhigen. THE INTRUDER aus dem Jahr 2019 ist keine Neuverfilmung eines bereits vorhandenen Films. Stattdessen wird Ideenraub betrieben. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Hollywood-Schnellschuss nichts anderes, als eine weitere Kopie ähnlich thematisierter Filme wie FEAR – WENN LIEBE ANGST MACHT oder THE STEPFATHER von 1987. In beiden Filmen versteckte sich das personifizierte Böse hinter der Fassade vermeintlich netter Bürger. Genannte Klassiker boten immerhin effektiven Thrill für nervenstarke Zuschauer. Ob das auch für THE INTRUDER gilt?
 
 
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Annie (MEAGAN GOOD) und Scott (MICHAEL EALY aus dem Remake von JACOB’S LADDER) sind ein junges Ehepaar mit Problemen. Gatte Scott nimmt es nämlich nicht immer genau mit der Treue, weshalb die beiden schon einiges versucht haben, um die Beziehung retten zu können. So soll der nächste Schritt die Gründung einer Familie sein. Dafür hat man sich ein schönes Anwesen in idyllischer Lage ausgesucht, das sich Scott einiges kosten lassen hat. Doch das Traumhaus entpuppt sich bald als Albtraum. Der ehemalige Besitzer kann offenbar nicht loslassen. Charlie Peck (DENNIS QUAID aus FREQUENCY und DIE REISE INS ICH) hat mehrere Jahre in dem Waldhaus gelebt und darin sogar seine Frau an den Krebs verloren. Demzufolge fällt der Abschied schwer. Doch das Verhalten des ehemaligen Besitzers nimmt bald seltsame Züge an. Tagein, tagaus verbringt er Zeit auf dem Grundstück und ignoriert dabei die Wünsche seiner Käufer. Die wollen hier endlich in Ruhe leben und bekommen es langsam mit der Angst zu tun, weil der alte Eigentümer auf die Privatsphäre der neuen Mieter pfeift. Was für ein schöner Start ins neue Leben.
 
 
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Nicht alles, was von einem großen Studio in Arbeit gegeben wird, muss zwangsläufig auch im Kino landen. THE INTRUDER hat mehr als das dreifache seines mageren Budgets an den amerikanischen Kinokassen wieder einspielen können, ist aber bei genauerer Betrachtung ein Psychothriller auf TV-Niveau. Zwar hat der Streifen mit DENNIS QUAID ein bekanntes Gesicht Hollywoods in petto; unterm Strich ist THE INTRUDER aber glattpolierte Horrorunterhaltung von der Stange. Dabei gestaltet sich die vehemente Vorhersehbarkeit der Geschehnisse als eines der größten Probleme. Der Film macht kein großes Geheimnis um das Mysterium seines Plots. So ist bereits nach 15 Minuten klar, dass DENNIS QUAID als ehemaliger Hauseigentümer nicht der ist, der er zu sein scheint. Der mimt zwar einen netten Mann mittleren Alters, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Er stellt den neuen Eigentümern nach, manipuliert seine Opfer und entpuppt sich bald als gerissener Psychopath, der so einige Leichen im Keller hat.
 
 
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Alles gut und schön, wären da nicht knapp zwei Stunden Laufzeit, die gefüllt werden müssen. Weil das Geheimnis um den Bösewicht bereits zu früh gelüftet wird, macht es sich THE INTRUDER schwer mit dem Spannungsaufbau, denn was passieren wird, ist offensichtlich. Da wird künstlich Laufzeit generiert und die Handlung mit immer wieder gleichen Abläufen gefüllt. DENNIS QUAID kommt als ehemaliger Besitzer zu Besuch und nistet sich bei den neuen Eigentümern ein. Am nächsten Tag kommt er erneut und mäht den Rasen. Tag drei wieder mit DENNIS QUAID, der durch das Anwesen stromert, um nach dem Rechten zu sehen. Trotz mulmigen Gefühls, können sich die neuen Hausbesitzer nicht dazu durchringen die Polizei zu rufen. Auch dann nicht, als man es mit der Angst zu tun bekommt. Ziemlich doof und fern der Realität.
 
 
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Nein, nein – THE INTRUDER ist keine Referenz in Sachen Psychopathen- und Stalker-Horror. Der Film kommt nie richtig in Fahrt und auch auf die fürs Genre obligatorischen Blutszenen muss man lang warten. Bei einem so halbherzigen Drehbuch voller Leerlauf und Logiklücken fragt man sich nicht zu Unrecht, was Schauspieler DENNIS QUAID bewegt haben muss, hier mitzuwirken. Wir schätzen mal, er hatte grade Zeit und die Gage hat gepasst. Der bekannte Darsteller wäre nicht der erste Hollywoodstar, der die Zeit zwischen Großproduktion nutzt, um sich sein Bankkonto mit wenig Aufwand aufzufüllen.
 
 
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THE INTRUDER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Durchschnittlicher Stalker-Psychothriller auf TV-Niveau. Kaum zu glauben, dass THE INTRUDER im Kino lief. Die Handlung dieses Horrorthrillers ist so dünn, das selbst jeder POLIZEIRUF 110 dagegen oscarverdächtig erscheint. Schauspieler DENNIS QUAID will mal richtig böse sein und versucht sich als Psychopath. Leider hat er sich da aber wohl eines der schwächsten Drehbücher ausgesucht, die in Hollywood zuletzt gehandelt wurden. Die Handlung ist vorhersehbar, die Abläufe generisch und auch in Sachen Gewalt ist THE INTRUDER alles andere, als erbaulich. Voll der Zeiträuber. Gras beim Wachsen zuschauen ist spannender.
 
 
 


 
 
 

THE INTRUDER – Zensur

 
 
 
THE INTRUDER ist kein Angstmacher. In Amerika erhielt der Streifen ein jugendfreundlichen PG-13. Das ist auch kein Wunder. Gewalt oder vulgäre Sprache wird nämlich kaum im Film eingesetzt. Erst im Finale bekommt man etwas davon zu sehen. Dann geht es – wenn wundert es – dem Bösewicht an den Kragen. Hierzulande hat THE INTRUDER eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE INTRUDER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Intruder; Kanada | USA 2019

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DD 5.1, Japanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Griechisch, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Serbisch, Slowakisch, Slowenisch, Tschechisch, Ungarisch, Französisch, Hebräisch, Isländisch, Niederländisch, Rumänisch, Türkisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Alternatives Ende, Entfallene & alternative Szenen, Outtakes, Audiokommentar von Besetzung und Crew, Wie man einen modernen Thriller dreht: Hinter den Kulissen von Foxglove, Trailer, Trailershow

Release-Termin: 19.12.2019

 

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THE INTRUDER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Sony Pictures Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Stepfather 2 (1989)
 
Stepfather 3 – Vatertag (1992)
 
The Roommate (2011)