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Serienmörder

Filmkritik: „Summer of 84“ (2018)

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SUMMER OF 84

Story

 
 
 

STRANGER THINGS trifft auf STAND BY ME und FRIGHT NIGHT: In einer amerikanischen Vorstadt der 1984er gehen vier Kids ungelösten Mordfällen auf den Grund, ohne zu ahnen, dass sie sich damit in Teufels Küche bringen.

 
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Kritik

 
 
 
Die 1980er sind wieder im Trend – nicht nur in der Mode- und Musikindustrie. Auch im Kino erlebt das schrille Jahrzehnt ein kleines Revival und lässt längst vergangene Zeiten noch einmal aufleben. Da kommen zu Recht Kindheitserinnerungen auf, weil viele alteingesessene Zuschauer zu jener Zeit selbst noch Kind waren, als Filmemacher wie Spielberg, Carpenter und Dante ein ganzes Kinojahrzehnt geprägt haben. Dennoch: So gut der Nostalgie-Ritt auch ist, so nervig wird er aber auch langsam. Mittlerweile finden die Eighties-Vibes nämlich kein Ende mehr. Immer mehr Filme und TV-Serien springen auf den 80er-Hype auf und drehen aktuelle Filme so, als wären sie in jener Zeit entstanden, vor der man sich verbeugen möchte. Die Folge: Retro-Übersättigung. Auch wir von FILMCHECKER haben in den letzten Jahren ziemlich viele dieser Filme besprochen, die versucht haben das Kino der 1980er zu huldigen. Darunter gab es manch Überraschung – vieles ging aber auch in die Hose. Irgendwo dazwischen: der folgende Horrorfilm. SUMMER OF 84 nennt sich ein weiterer Streifen dieser Art, der erfahrenen Horrorfilmkennern Nostalgie-Gefühle vermitteln möchte. Leider blickt der Film dann doch etwas zu zwanghaft durch die Nostalgie-Brille, statt sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Unmengen Klischees, zu viel Hommage, wenig neue Ideen und mangelnder Drive. Manchmal ist es eben besser nach vorn zu schauen, als in der Vergangenheit zu schwelgen.
 
 
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Der Sommer des Jahres 1984 soll für vier Pubertierende zum Horror werden. Die haben nicht nur mit den Hormonen zu kämpfen, sondern kommen auch einem Serienmörder auf die Schliche, der offenbar Gefallen daran findet, Jungen zu entführen und anschließend zu ermorden. Als ob es der Zufall will, leben die vier Hobbydetektive genau im Revier des Killers. Hier, in der gutbürgerlichen Vorstadt verschwinden nämlich seit Monaten Jungen spurlos und die Gesetzeshüter tappen im Dunkeln. Doch Nachwuchs-Verschwörungstheoretiker Davey (GRAHAM VERCHERE) hat eine Spur. Der vermutet nämlich, dass sein Nachbar Wayne Mackey (RICH SOMMER) der gesuchte Mörder ist. Leider ist der Herr Polizist und das Gesetz auf seiner Seite. Umso schwieriger wird die Überzeugungsarbeit, denn niemand will dem Jungen Glauben schenken. Gott sei Dank halten Freunde zu ihm. Gemeinsam beschattet man den vermeintlichen Killer, bis Zweifel auftreten, ob der Verdächtige auch wirklich verdächtig ist. Weil SUMMER OF 84 immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, darf man davon ausgehen, dass hier alles anders kommen wird. Die unerwartete Auflösung trifft nämlich knüppelhart in die Magengegend.
 
 
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Die Leute hinter dem Überraschungshit TURBO KID sind wieder da. Drei Jahre nach dem auf Festivals gefeierten Action-Adventure-Comedy-Superhelden-Film melden sich die Macher zurück. Zu aller Verwunderung haben die aber keine Fortsetzung im Gepäck, sondern kommen mit einem anderen Horror-Abenteuer in die Heimkinos. Nun ja, so vollkommen anders ist es aber dann doch nicht. Die Regisseure bleiben nämlich ihrer Leidenschaft fürs Kino der 1980er treu und verwursteln im neuen Film mit dem Titel SUMMER OF 84 alle Klischees, die man eben von Filmen her kennt, welche in den 80er Jahre entstanden sind. Ob BMX-Räder, Spielautomaten, Walkie-Talkies oder Star Wars – die Detailverliebtheit der Requisiten ist beachtlich. Das ultimative Retro-Gefühl tritt demzufolge schnell ein, zumal das Treiben auch noch von einem authentischen Synth-Soundtrack begleitet wird, der wohlige 80er-Atmosphäre entstehen lässt. Leider ist das Verbeugen vor längst vergangenen Zeiten aber auch Fluch und Segen zugleich. Im flinken Nostalgie-Rausch hat man nämlich ganz außer Acht gelassen, dass man heute Filme anders erzählt, als es noch vor über 30 Jahren der Fall war. Demzufolge ist die Geschichte von SUMMER OF 84 eine zähe Angelegenheit. Das Filmemacher-Kollektiv RKSS – bestehend aus François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell – konzentriert sich zu lang auf die Charakterisierung der vier stereotypen Kinderhelden, die vor allem durch eines negativ im Gedächtnis bleiben: ihrem pubertärer „Jungs-Humor“. Der wiederholt sich oft und besteht in erster Linie aus „Deine Mutter“-Witze. Zuschauer älteren Semesters rollen da verständlicherweise mit den Augen. Irgendwann muss auch mal gut sein.
 
 
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Aber nicht nur die Figuren aus dem Stickeralbum für 80er-Jahre-Filme haben mit Schwächen zu kämpfen. Auch beim Erzählen seiner einfach gestrickten Handlung bekleckert sich SUMMER OF 84 nicht unbedingt mit Ruhm. Bis die ereignislose Spurensuche nämlich in die Gänge gerät, vergeht ein Großteil der Laufzeit. So hat man Horrorgeschichten in den 1980ern erzählt. Heutzutage bedarf es mehr Action und Abwechslung, damit der Zuschauer dauerhaft bei Laune gehalten werden kann. Rasante Action, hektische Schnitte und flinke Ideen vermisst man in SUMMER OF 84 hingegen schmerzlich, was zur Folge hat, das die Geschichte nur schleppend an Fahrt gewinnt und irgendwie uninteressant bleibt. Generation Netflix dürfte da schnell die Geduld verlieren und abschalten, zumal sich SUMMER OF 84 schwer damit tut, so etwas wie Spannung aufzubauen. Da werden Verschwörungstheorien wie in FRIGHT NIGHT gesponnen und etwas Coming-of-Age inklusive Teenie-Romanze darf natürlich auch nicht fehlen – STAND BY ME lässt grüßen. Zitate über Zitate – doch wo bleibt die Gewalt und der vom hiesigen Verleih beworbene Horror-Einschlag? Darauf muss man lange warten. Immerhin gelingt es mit einer falschen Fährte für Verwirrung zu stiften, bevor der Film nach 70 Minuten Eighties-Overkill endlich seinen Ton ändert und abrupt auf Horror-Pfaden wandelt. Da wird es kurzzeitig spannend, obgleich wenige Minuten später auch schon der Abspann über den Bildschirm flimmert. Zwei kurze Gore-Effektszenen schließen die cineastische Reise in die Vergangenheit ab. Ob die unbedingt hätten sein müssen, bleibt fraglich. Aufgrund des zuvor eher GOONIES-gleichen Einschlags, wirkt der plötzliche Richtungswechsel erzwungen und deplatziert. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass man aus SUMMER OF 84 hätte mehr machen können. Zwar sieht man dem Streifen zu keiner Weise an, dass er mit überschaubaren Mitteln gedreht wurde. Dennoch hätten dem Film ein temporeicheres Drehbuch mit Neuerungen, cleverer Meta-Wortwitz und vor allem Spannung weit besser gestanden, als eine weitere visuell aufgeblasene Hommage an die schrillen 1980er. Davon gab es in den letzten Jahren schon viel zu viele – zumal SUMMER OF 84 ausschließlich damit glänzen kann. Ein schick verpackter Horrorfilm ist noch lange kein Granat für großartiges Gruselkino.
 
 
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SUMMER OF 84 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Genialer Soundtrack aus der Feder von LE MATOS, eine liebevolle Ausstattung, die jeden Nostalgiker in Verzücken versetzen wird – beim vorhersehbaren Inhalt jedoch scheiden sich die Geister. Dieser von François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell inszenierte Film ist definitiv nur für jene gemacht, die ein Faible für die 1980er haben. SUMMER OF 84 wurde auf Festivals gelobt und mit viel Applaus ausgezeichnet. Sicher wird der Streifen seine Fans finden, aber auch jene, die den Hype um diesen Mystery-Horror-Thriller-Mix nicht verstehen können. Dem schließen wir uns an, denn klammert man den Retro-Bonus aus, bleibt nicht unbedingt viel, was Erwähnung finden könnte. SUMMER OF 84 lebt von seiner Atmosphäre, die sich ganz auf die 1980er verschrieben hat. Schnell fühlt man sich so, als wäre man mitten drin in diesem Jahrzehnt. Das wirkt mancherorts kitschig, künstlich und vollkommen übertrieben. Dennoch muss man den Machern zugestehen, dass die viel Liebe zum Detail betrieben haben, damit alles so aussieht, als wäre der Film zu jener Zeit entstanden in der der Streifen spielt. Fernseheulen werden da zu Recht argwöhnisch, erinnert doch SUMMER OF 84 mit seinen Jungdarstellern und dem Retro-Setting an die Netflix’sche Erfolgsserie STRANGER THINGS. Schimpftiraden sind hier aber fehl am Platz, beteuern die Regisseure dieses Gruselkrimis vehement in Interviews, dass sie die Idee zum Retro-Horrortrip bereits vor der ersten Staffel genannter Mystery-Reihe zu Papier gebracht haben. Ob das stimmt, wissen wohl nur François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell. Die hatten weitestgehend Erfolg mit ihrem zweiten Spielfilm und dürften sich darin bestätigt fühlen, dass die Nachfrage an Horrorfilmen im Gewand der 1980er immer noch enorm ist. TURBO KID 2 und SUMMER OF 84 – TEIL 2 ick hör dir trapsen.
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Zensur

 
 
 
SUMMER OF 84 hat in Deutschland in der ungeschnittenen Fassung eine FSK16 erhalten. Diese ist auch gerechtfertigt, denn bis auf kurze Gewaltszenen am Ende (u.a. einen Kehlenschnitt) gibt es hier kaum Schauwerte zu bewundern.
 
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Pictures (KeepCase-Version)

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(c) Pandastorm Pictures (Sammlerauflage im VHS-Design – limitiert auf 1984 Exemplare)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Summer of 84; Kanada | USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.20:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Collectors Edition in Sonderverpackung

Extras: Audiokommentar von RKSS (Englisch ohne Untertitel), Einführung/Grußwort von RKSS (0:28), Originaltrailer (1:17), Original Kinotrailer (1:51), Trailershow, Outtakes (4:23), Faketrailer: Demonitron: The 6th Dimension (4:29) | zusätzlich in der Sammler-Box: Booklet, Soundtrack, Poster, Anstecker, Aushangfotos, Film auf DVD

Veröffentlichung: Collectors Edition: 05.10.2018 | KeepCase Blu-ray: 26.10.2018

 
 
 

Summer of 84 [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Summer of 84 [Collectors Edition] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Pandastrom Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Super Dark Times (2017)
 
Die rabenschwarze Nacht – Fright Night (1985)
 
Die Goonies (1985)
 
Stephen Kings Es (1990)
 

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Filmkritik: „The Toybox“ (2018)

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THE TOYBOX

Story

 
 
 

Eine Familie muss während einer Reise durch Amerika feststellen, dass ihr Wohnwagen ein Eigenleben führt.

 
 
 


 
 
 

THE TOYBOX – Kritik

 
 
 
Mordende Fahrzeuge. Wer Horrorfilme für sein Leben gern schaut, dürfte dem Teufel auf vier Rädern bereits begegnet sein. Das Genre hat diesbezüglich einiges zu bieten – auch wenn die Zahl von Filmen immer noch überschaubar ist, in denen Autos über Straßen flitzen und ein Eigenleben führen. Ob HYBRID 3D, THE CAR oder RHEA M von Horrorautor Stephen King; es muss nicht immer ein Killer mit Machete sein. Auch hinter Blech und Schrauben kann sich das ultimativ Böse verstecken. Offenbar dachten das auch die Macher von THE TOYBOX. Die entführen den Zuschauer auf einen gemeinen Roadtrip durch’s amerikanische Hinterland und meinen es dabei nicht sonderlich gut mit ihren menschlichen Helden. Doch was macht das Wohnmobil in THE TOYBOX so wütend? Wir haben uns den Horror-Indie mal angeschaut und geschaut, ob der was kann.
 
 
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Eigentlich sollte es ein spannender Trip zum Grand Canyon werden. Dafür hat sich Großvater Charles extra einen Wohnwagen gekauft, der genug Platz für Enkelin und Söhne hat, die ihn auf der Reise begleiten. Die ersten Kilometer sind aufregend, denn unterwegs gabelt man zwei Reisende auf, die mit ihrem Auto eine Panne haben. Hätten die aber gewusst, in was für ein mörderisches Fahrzeug sie eingestiegen sind, wäre sie wohl zu Fuß in die nächste Werkstatt gelaufen. Schnell entpuppt sich nämlich das Wohnmobil als schaurige Höllenmaschine. Offenbar hat dieses Fahrzeug Mordlust entwickelt. Es tötet Menschen auf heimtückische Weise und hat dabei offenbar Spaß. Eine Einsicht zu der bald auch unsere Filmfamilie gelangt. Bis die aber des Pudels Kern ergründen kann, müssen erst einmal paar Protagonisten über die Klinge springen.
 
 
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Was sich hier liest, wie eine weitere Version des Stephen-King-Romans CHRISTINE ist weit weg von dem, was in den 1980ern von JOHN CARPENTER auf die Leinwand gebracht wurde. THE TOYBOX ist bei genauerer Betrachtung ein schnell und günstig gedrehter Mystery-Horror, der sich beim Erzählen seiner rudimentären Geschichte nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Angesichts der Leute nicht verwunderlich, die sich am Drehbuchschreiben ausprobiert haben. Schaut man sich nämlich mal an, was die in der Vergangenheit an Horror-Blödsinn verbrochen haben, dürfte alteingesessenen Horrorfilm-Kennern das kalte Grausen ereilen. So zeichnen JEFF DENTON, JEFF MILLER und TOM NAGEL für Story und Drehbuch verantwortlich. Die drei verbindet nicht nur THE TOYBOX. Im Jahr 2016 beteiligten sich die drei Herren am unterirdischen CLOWNTOWN. Wer den gesehen hat, dürfte sich in etwa vorstellen können, was ihn nun mit diesem Streifen erwarten wird. Ein guter Horrorfilm sieht zweifelsohne anders aus.
 
 
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Das größte Problem an THE TOYBOX sind seine mehr als oberflächlichen und stereotypen Figuren. Die verhalten sich seltsam und unplausibel. Beispiel gefällig? Nachdem der Wohnwagen aus unerklärlichen Umständen nicht bremsen kann und die Insassen im Inneren unsanft durchgeschüttelt werden, schlägt einer der Mitfahrer mit dem Kopf gegen einen Schrank und stirbt an seinen Verletzungen. Die Trauer über den tragischen Verlust hält nicht lang an. Wenige Minuten später sind wieder alle froher Dinge. In einer anderen Szene sehen wir, wie Großvater Charles am Motor seines Fahrzeugs schraubt, um den Wohnwagen wieder zum Laufen zu bringen. Natürlich springt just dann der Motor an, wenn die Filmfigur nicht hinschaut. Das Resultat: ein schwer verletzter Arm, der schnell mit Jod und Binden verarztet wird. Doch wer glaubt, dass die Anwesenden nun unter Schock stehen irrt. Die Protagonisten schlafen erst einmal eine Nacht darüber, bevor man am nächsten Morgen wieder zur Tagesordnung übergeht. Spätestens jetzt verliert THE TOYBOX seine Ernsthaftigkeit. Drehbücher sollten eben auch nur von Leuten geschrieben werden, die ihr Handwerk beherrschen.
 
 
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Unterm Strich ist THE TOYBOX kein Film für Feingeister und die, die von Filmen einen gewissen Anspruch erwarten. Angesichts der Auflösung kein Wunder. Für die sollte man unbedingt das Hirn abschalten. Die schauspielerischen Leistungen sind bescheiden und die Umsetzung auf B-Movie-Niveau. Zudem hätte dem Film etwas mehr Gewalt gut gestanden, um zumindest bei der Fan-Fraktion Interesse zu wecken. Was man zu sehen bekommt, ist Slasher-Standard und teils steif und unbeholfen in der Inszenierung. Demzufolge ist THE TOYBOX nichts, was in Erinnerung bleibt und auf das Regisseur TOM NAGEL stolz sein kann. Letzterer erklärte in Interviews, dass er sich für seinen Mystery-Slasher-Geister-Mix von tatsächlichen Vorfällen hat inspirieren lassen. So stand „Toy-Box Killer“ DAVID PARKER RAY Pate für den Horrorstreifen, welcher im Jahr 1999 wegen Entführung, Folter und Vergewaltigung von mindestens zwei Frauen zu 223 Jahren Haft verurteilt wurde. Der Serienmörder kaufte sich einen Wohnwagen und baute ihn zu einem schalldichten Folterkeller um. Zusammen mit einem bizarren Komplizinnengespann tötete er darin mindestens 60 Frauen, deren Leichen aber nie gefunden wurden.
 
 


 
 
 

THE TOYBOX – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Etwas steifer Mix aus Geisterthriller und Roadmovie, dessen Story auf den ersten Blick zwar interessant erscheint. Hat man aber die erste halbe Stunde gesehen, dürfte dem Zuschauer aber das seltsame Verhalten der Protagonisten gegen den Strich gehen. Klar, mag man meinen, im Horrorfilm geht es nicht immer plausibel und logisch zu. THE TOYBOX übertreibt es da etwas, weil sich die Figuren derart unglaubwürdig verhalten, dass man sich fragt, wer sich so einen Käse ausgedacht hat. Die Antwort: ein paar Jungs, die zuvor schon an reichlich B-Movie-Trash und Amateur-Quatsch gearbeitet haben. Was anfangs ein weiteres THE HILLS HAVE EYES-Plagiat vermuten lässt, verwandelt sich nach einer halben Stunde in FINAL DESTINATION und entpuppt sich am Ende als dummer Geisterthriller, der immerhin dann ein paar nette Gewaltmomente zu bieten hat. Statt den Streifen mit unerwarteten Wendungen zu überladen, hätte ein anständiges Drehbuch Not getan. Wenn sich der Zuschauer mit den Helden und deren Handlungen nicht identifizieren kann, verliert der berechtigterweise schnell das Interesse am Film. Genau jene Vorhersage trifft auch bei THE TOYBOX ein, der solide und ansprechend beginnt, aber mit fortschreitender Laufzeit haarsträubend und dämlich wird. THE TOYBOX ist typisches Futter für den Videomarkt. Muss man definitiv nicht gesehen haben, auch wenn die Thematik über ein besessenes Wohnmobil noch relativ unverbraucht ist.
 
 
 


 
 
 

THE TOYBOX – Zensur

 
 
 
THE TOYBOX ist kein blutiger Horrorfilm. Ein Arm wird von einem Auto verletzt. Ein Kind und ein Mann werden überfahren. Zudem schießt sich ein Protagonist in den Kopf. Als wäre das nicht schon genug, wird auch noch eine Frau mit einem Seil erdrosselt. Hierzulande lief der Streifen schon ungeschnitten im Pay-TV in deutscher Sprache. Ein sicherer FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

THE TOYBOX – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei UNIVERSAL TV)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Christine (1983)
 
Super Hybrid (2010)
 
Duell (1971)
 
Der Teufel auf Rädern (1977)
 


Filmkritik: „Ghostland“ (2018)

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GHOSTLAND

(INCIDENT IN A GHOSTLAND)

Story

 
 
 
Zwei Schwestern müssen ihre Angst gegen das personifizierte Böse überwinden, um überleben zu können. In einer Hölle aus Angst und Gewalt sehen sie sich mit zwei Psychopathen konfrontiert, die es nicht gut mit den beiden Mädchen meinen.

 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Kritik

 
 
 
Das hatte wohl kaum jemand erwartet. PASCAL LAUGIER ist zurück und hat einen Film im Gepäck, der alle überrascht hat. Vor über zehn Jahren feierte der französische Regisseur Erfolge. Mit MARTYRS brauchte der Filmemacher den wohl wichtigsten Beitrag der französischen Terrorwelle in die Lichtspielhäuser und schockierte damit Zuschauer auf dem ganzen Erdball. Leider wurde es danach ruhig und Laugier machte sich rar. Doch das ändert sich jetzt. Ein knappes Jahrzehnt später läuft der Regisseur noch einmal zu Hochtouren auf. Mit GHOSTLAND findet der einst gefeierte Nachwuchsregisseur zu eigentlicher Größe zurück und wiederholt das, mit dem bereits der kontroverse MARTYRS das Publikum in die Magengrube trat. Unterm Strich bedeutet das: knüppelharter Terror, unangenehme Stimmung und Hochspannung pur. Frankreich at his best!
 
 
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Nach dem Tod der Tante zieht Mutter Colleen mit ihren beiden Töchtern in das Haus des verstorbenen Familienmitglieds ein. Hier ist zwar alles etwas verstaubt und auch nicht sonderlich modern eingerichtet; dennoch wollen die drei Frauen in der französischen Einöde ein neues Leben beginnen. Doch der Umzug in morsche Villa fordert bald seinen Tribut. Kaum eingezogen, bekommt man ungebetenen Besuch. Zwei skurrile Gestalten verschaffen sich Zutritt zum Haus und überwältigen die neuen Eigentümer. Was folgt, ist kein Kaffeekränzchen. Die beiden Psychopathen terrorisieren die ahnungslosen Frauen und quälen die Opfer bis aufs Blut. Doch man weiß sich zu wehren. Mit selbstlosem Mut kann Mutter Colleen die Eindringlinge zur Strecke bringen und ihre Töchter retten. Jahre später passieren seltsame Dinge. Tochter Beth hat es zur gefeierten Horrorbuchautorin gebracht. Doch das Leben gerät durch einen verstörenden Anruf aus den Fugen. Die traumatisierte Schwester ist am Telefon und wimmert um Hilfe. Ein folgenschwerer Vorall, der das Leben der drei Frauen verändern wird.
 
 
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PASCAL LAUGIER goes TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Ja richtig gelesen. GHOSTLAND ist bei genauerer Betrachtung eine Art französisches Kettensägenmassaker, das die Liebe des Regisseurs zum Horrorkino der Siebzigerjahre widerspiegelt. Darin schickt er abermals zwei Frauen durch die Filmhölle, die – wie bereits im Horror-Hit MARTYRS – seelisch gebrochen werden sollen. Keine leichte Kost, zumal es Laugier wie kein Zweiter versteht an der Terrorschraube zu drehen, dass dem Zuschauer Angst und Bange wird. So durchleben die beiden Schwestern im Film das ultimative Martyrium. Die werden von zwei Psychopathen misshandelt, geschlagen und gefoltert, was auch beim Zuschauer bleibenden Eindruck hinterlässt. Letzterer geht hier mit den Frauen durch die Hölle und dürfte des Öfteren nach Luft ringen, weil Macher PASCAL LAUGIER kaum Verschnaufpausen gönnt und Kompromisse scheut. Filmfreunde mit schwachem Nervenkostüm seien an dieser Stelle vorgewarnt, denn zimperlich geht es hier freilich nicht zu.
 
 
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Betrachtet man GHOSTLAND genauer, sind Parallelen zum wohl erfolgreichsten Film des Regisseurs nicht von der Hand zu weisen. Wie in MARTYS sind es wieder zwei Frauen, die in den Mittelpunkt gerückt und an den Rand des psychisch Ertragbaren getrieben werden. Das hat auch seinen Grund. In Interviews gab Laugier nämlich zu verstehen, dass ihm die filmische Erforschung von Männern unwichtig sei. Weitaus spannender sind ihm die Frauen, die sich ihm zugegen als große Rätsel offenbaren, welche er erkunden möchte. Demzufolge wird kaum ein Wort über die Bösewichte in GHOSTLAND vergeudet. Die sind nur Mittel zum Zweck, um tiefer in die Psyche der weiblichen Helden vordringen zu können. Das gelingt dem Filmemacher zweifelsohne. Die zwei Frauen im Film erleben den ultimativen Horror, der sich kaum in Worte fassen oder ertragen lässt. In dieser Hinsicht ist der Franzose PASCAL LAUGIER ein Meister seines Fachs. Hoch lebe das moderne, französische Horrorkino.
 
 
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GHOSTLAND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein Brett von Film und das ohne viel Blut oder Schauwerte. GHOSTLAND ist zwar kein zweiter MARTYRS, aber verflixt nahe dran. Zwei Frauen, zwei Bösewichte und jede Menge Terror. Das sind Zutaten aus denen nennenswerte Horrorfilme gemacht werden. Dabei orientierte sich der französische PASCAL LAUGIER am Terrorkino der 1970er und liefert kontroverses Filmmaterial ab, das vor allem eines kann: verstören. GHOSTLAND ist ungeschönt und düster. Es werden Kompromisse gescheut und Hoffnungen zunichtegemacht. Dabei behilflich: Wendungen und unvorhersehbaren Überraschungen. Entstanden ist ein heftiger Filmalbtraum made in Frankreich, der vor allem der amerikanischen Traumfabrik rigoros den Stinkefinger zeigt. Horrorkenner wissen nämlich, dass Laugier kein Freund Hollywoods ist. Der bekam vor einigen Jahren das Angebot ein amerikanisches Remake zu HELLRAISER zu drehen. Weil er sich mit dem Studio über seine unkonventionellen Ideen nicht einigen konnte, ging er zurück nach Frankreich, um dort Filme zu drehen, die er so machen kann, wie er es will. Das bedeutet: keine glattgebügelten Horrorfilme, die sich auch ein jüngeres Publikum anschauen kann. Für Letzteres ist GHOSTLAND keineswegs geeignet. Dieser Streifen schafft es, ohne Weiteres selbst eingefleischte Horrorfilm-Zuschauer um den Schlaf zu bringen. Das soll schon was heißen.
 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Zensur

 
 
 
GHOSTLAND hatte keine Freunde bei der FSK. Bei der Erstprüfung fürs Kino wollte man den Film erst für Erwachsene freigeben. Doch Rechteinhaber CAPELIGHT PICTURES ging in Berufung und hatte Glück. Das Label erhielt für den Film eine FSK16-Freigabe. Gleiche Freigabe hat der Streifen nun auch im Heimkino erhalten. Die Fassung auf Blu-ray und DVD ist trotz Jugendfreigabe ungeschnitten. Man sollte sich aber von der niedrigen Einstufung nicht abschrecken lassen. GHOSTLAND hat es in sich!
 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray Steelbook-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ghostland; Frankreich | Kanada 2018

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook | Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Making-of | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet,

Release-Termin: 10.08.2018

 

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Ghostland [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Ghostland [Blu-ray im Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Mediabook

 
 
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Mediabook Ghostland
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Mediabook Ghostland
Mediabook Ghostland
 
 


 
 

GHOSTLAND – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CAPELIGHT PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Texas Chainsaw Massacre (1974)
 
Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr (1994)
 
Martyrs (2008)
 
Martyrs – Remake (2015)
 


Filmkritik: „Del Playa“ (2017)

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DEL PLAYA

Story

 
 
 

Das Tier in uns: Einem Mobbing-Opfer brennen die Sicherungen durch. Er greift zum Mordwerkzeug und begeht einen blutigen Amoklauf.

 
 
 


 
 
 

DEL PLAYA – Kritik

 
 
 
Außenseiter und Mobbing im Horrorfilm. Das ist Stoff, aus dem man gerne Horror-Slasher macht. Filmkenner wissen, dass in dieser Art von Filmen gern Rache genommen wird, und zwar von Menschen, mit denen man es nicht immer gut gemeint hat. Was bereits mit CARRIE in den 1970ern bei Zuschauern gut ankam, ist auch heute noch gängiger Horrorstoff, den man häufig ins (Heim)Kino bringt. Der Grund ist in der Brisanz dieses Themas zu suchen, das auch heute genauso aktuell ist, wie noch vor über 30 Jahren. Mobbing an Schulen und deren Folgen ist auch im Horrorthriller DEL PLAYA Programm. Doch Vorsicht. Dieser Thriller ist ein hinterlistiger Blender. Der Trailer suggeriert nämlich ein kontroverses Rachedrama, das auf tiefgründige Ursachenforschung hoffen lässt und sich auf einen tatsächlichen Kriminalfall von 2014 stützt. Hat man den Film im Player, kommt schnell die Ernüchterung. DEL PLAYA will ein kontroverser Amokbericht mit Hintergrund sein, ist aber unterm Strich ein beliebiger Slasher mit Fokus auf Langeweile. Hier hält man leider keinen Beitrag für die DVD-Reihe KINO KONTROVERS in den Händen.
 
 
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Jede High School hat seine Außenseiter. So auch in jener, in der die attraktive Teenagerin Claire für die Zukunft paukt. Die kann sich vor Verehrern nicht retten und hat demzufolge die Qual der Wahl, wenn es um ihre Begleitung zum Schulball geht. Auch der introvertierte Matthew hat ein Auge auf die unnahbare Schönheit geworfen. Leider bleibt das Objekt seiner Begierde unerreicht und auch sonst hat der Einzelgänger an der Schule nichts zu lachen. Tagtäglich sieht sich der schüchterne Schüler mit den Mobbing-Attacken seiner Klassenkameraden konfrontiert. Aber auch zu Hause herrscht ein rauer Ton. Dort gibt es regelmäßig Prügel vom Stiefvater, was zur Folge hat, dass der Sonderling rot sieht und einen Mitschüler im Affekt tötet. Fünf Jahre später genießt die schöne Claire ihr Studentenleben auf dem Campus. Auch hier verdreht sie den Kommilitonen den Kopf und hat Spaß auf Partys. Doch ihre Stunden sind gezählt. Der Außenseiter aus High-School-Zeiten ist zurück und hat über die Jahre eine Obsession für unsere Filmheldin entwickelt. Er radiert Liebhaber und Freunde der taffen Claire aus, um so der Studentin besonders nahe zu sein. Da stellt sich die Frage, wie man mit so aufdringlichen Verehrern umgeht. In diesem Falle hilft nur eines: weglaufen.
 
 
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Viel Lärm um nichts. DEL PLAYA sorgte 2015 mit einem Filmtrailer für Trubel. Darin wohnte man einen skrupellosen Amoklauf bei, der nicht unwesentlich an ein tragisches Ereignis erinnerte, welches sich ein Jahr zuvor in Amerika ereignet hatte. Beim sogenannten Amoklauf von Isla Vista ermordete der damals 22-jährige Elliot Rodger sechs Menschen und verletzte dreizehn andere Personen, bevor er sich selbst tötete. Obwohl Regisseur und Drehbuchautor SHAUN HART zwar Parallelen erkannte, beteuerte der Filmemacher gleichzeitig, dass sein Horrorthriller nicht mit dem tatsächlichen Amoklauf in Verbindung steht, sondern nur davon inspiriert wurde. Das war einem erbosten UCSB-Studenten aber zu wenig. Der startete auf change.org eine Petition und forderte den Veröffentlichungsstopp von DEL PLAYA. Weil sich über 29000 Unterstützer fanden, musste die Veröffentlichung des Streifens auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Drei Jahre nach der Kontroverse kommt DEL PLAYA nun in die Heimkinos.
 
 
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Das Resultat rechtfertigt den Ärger in keiner Weise. DEL PLAYA ist nämlich ein schlechter Streifen, der sich als langweiliger Slasher von der Stange entpuppt. Da mutet es schon etwas grotesk an, wenn Macher SHAUN HART in Interviews zu verstehen gibt, dass er in seinem Horrorthriller nach einem ernsthaften „Warum“ für Amokläufe forscht. Das Ergebnis ist leider alles andere als glaubhaft und lässt sich keineswegs ernst nehmen. So wird im Film in Turbogeschwindigkeit Ursachenforschung fürs kaltblütige Morden betrieben und kurz in der Horror-Klischeekiste gewühlt. Schlechtes Elternhaus, Mobbing und unerwiderte Liebe. Das macht also einen Psychopathen aus? Damit macht es sich Hart zu einfach – ein Buch über Psychologie hätte in diesem Falle mehr Aufschluss über die Taten fehlgeleiteter Teenager gegeben. Sieht man von der oberflächlichen Suche nach Antworten ab, ist DEL PLAYA auch als Slasher kaum zu gebrauchen. Zu sehen gibt es kaum Inhalt. Die Handlung ist rudimentär. Wir sehen, wie sich Hauptprotagonistin Claire mit Männern verabredet, Beziehungsprobleme klärt, auf Partys feiern geht und immer wieder an jenen tragischen Tag vor fünf Jahren zurückdenkt, der einem rebellischen Teenager das Leben gekostet hat. Ein klar definiertes Drehbuch mit Charakterentwicklung, Geschichte oder gar Spannung gibt es nicht. Stattdessen taucht der Streifen in den Alltag eines unwichtigen Teenagers ein, der mit unwichtigen Figuren verkehrt, die ebenso unwichtige Dinge erleben. Das alles ist trotz technisch ansprechender Umsetzung vor allem wegen fehlender Spannung, kaum vorhandenem Tempo und wenig talentierter Schauspieler eine Zumutung. Knapp 100 Minuten Lebenszeit kann man auch sinnvoller investieren.
 
 
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Immerhin rütteln die für Slasher üblichen Gemeinheiten aus dem Tiefschlaf. Die sind anfangs ganz ordentlich. So muss ein Mobbing-Opfer ziemlich viel Gewalt von Mitschülern und dem Stiefvater über sich ergehen lassen. Doch mit fortlaufender Spielzeit wird auch der Gewaltpegel reduziert. So wird die Filmheldin vom gepeinigten Klassenkameraden verfolgt, der erst Claires Freunde wenig spektakulär in die Jagdgründe befördert und dann auch noch das Objekt der Begierde mit Küchenutensilien bearbeitet, als die nicht dessen Liebe erwidern möchte. Wer jetzt aber denkt, dass sich die Mattscheibe blutrot färben wird, dürfte bitterlich enttäuscht werden. Kreatives und vor allem deftiges Töten ist nicht gerade die Stärke von Drehbuchschreiber und Regisseur SHAUN HART. Somit darf man DEL PLAYA an dieser Stelle als waschechten Rohrkrepierer bezeichnen, denn weder für Slasher-Fans noch für Liebhaber kontroverser Schocker ist dieser Blödsinn zu gebrauchen. Ein gemeiner Zeiträuber.
 
 
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DEL PLAYA – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Monster werden nicht geboren, sie werden erschaffen. So steht es auf dem Kinoplakat von DEL PLAYA. Das lässt auf einiges hoffen. Doch in diesem Falle ist der verheißungsvolle Spruch nur überflüssiges Marketing-Geplapper. DEL PLAYA ist ein wenig origineller Slasher, der einen gepeinigten Schüler Amok laufen lässt. Die Hintergründe sind oberflächlich und auch die Handlung ist rudimentär. Alles läuft nach dem gleichen Schema ab, wie man es von den meisten Horror-Slashern her kennt. Ein Killer meuchelt sich durch das Fleisch diverser Jungdarsteller und wird am Ende vom Final Girl zur Strecke gebraucht. Viel Originelles hat DEL PLAYA nicht zu bieten. Die Morde sind beliebig und wenig spektakulär. Aber auch den Darstellern hätte man vor den Dreharbeiten empfehlen sollen, vielleicht noch ein paar Schauspielstunden zu nehmen. Was dem Zuschauer nämlich da geboten wird, verursacht Gänsehaut. Unsere Empfehlung: Besser Finger weg von diesem viel zu lang geratenen Horrorthriller.
 
 
 


 
 
 

DEL PLAYA – Zensur

 
 
 
Der Beginn von DEL PLAYA ist schon hart anzusehen. Hier wird ein Schüler immer wieder von Mitschülern zusammengeschlagen. Was aber anfangs noch heftig in Szene gesetzt wird, dürfte Fans härterer Filme schnell enttäuschen. Die weiteren Gewaltszenen sind Slasher-Standard und kaum der Rede wert. Dennoch dürfte DEL PLAYA für die ungeschnittene Fassung eine Erwachsenenfreigabe erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEL PLAYA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Terror Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rob Zombie’s Halloween (2007)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 
Tormented (2009)
 


Kritik: „Downrange – Die Zielscheibe bist du!“ (2017)

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DOWNRANGE – DIE ZIELSCHEIBE BIST DU!

(DOWNRANGE)

Story

 
 
 

Dümmlicher Pseudo-Terror von der Stange. Eine Gruppe Freunde gerät im Hinterland an einen Sniper, der die Jugendlichen nacheinander mit seinem Gewehr in die ewigen Jagdgründe befördert.

 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Kritik

 
 
 
Dumme Teenager müssen im Horrorfilm sterben. Eine Formel, die vor allem im Slasher-Genre zum guten Ton gehört. Doch nicht immer müssen es unkaputtbare Killer sein, die sich scheinbar rastlos an die Fersen ihrer aufgescheuchten Opfer heften und sie so lange verfolgen, bis sie sich ihrem Schicksal ergeben. Es geht auch anders und das sogar ohne sich die Finger schmutzig zu machen oder gar Kalorien verbrennen müssen, wie der Splatterfilm DOWNRANGE beweist. Darin hat es sich ein Scharfschütze in einem Baum gemütlich gemacht und wartet in Seelenruhe auf seine Opfer. Die kommen schon bald. Eine Gruppe Freunde düst durch das Jagdgebiet des Fremden und muss bald ums Überleben bangen. So schießt der Killer in die Räder des Fahrzeugs und zwingt die Jugendlichen zum Stranden. Nun ist guter Rat teuer, denn weder der Wagen lässt sich fortbewegen noch haben die Handys Empfang. Da stellt sich die Frage, wie man dem Schicksal entkommen kann. Den Teenagern zumindest scheint’s egal zu sein. Die scheißen auf Pläne und laufen lieber unüberlegt durch die Szenerie. Dass sie dafür mit dem Tod bestraft werden müssen, ist so klar wie Kloßbrühe. Für den Spannungsaufbau ist ein so trivialer Ablauf leider nicht sonderlich förderlich.
 
 
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Was nur hat Filmemacher RYUHEI KITAMURA dazu getrieben, einen Film wie DOWNRANGE zu inszenieren? Der Regisseur ist fürs blutige Horrorfach bekannt und konnte sich in der Vergangenheit mit einigen sehr gelungenen Horrorstreifen einen Namen machen. So gehen auf dessen Konto der Asia-Splatter-Hit VERSUS, sowie die nicht minder deftige Schlachtplatten MIDNIGHT MEAT TRAIN und NO ONE LIVES. Das blutige Chaos wird auch im Sniper-Schocker DOWNRANGE beibehalten, der leider gar nicht mehr so unterhaltsam ist, wie die bisherigen Streifen des Filmemachers. Irgendwie steckt in diesem Film der Wurm, was in erster Linie daran liegt, dass die Charakterzeichnung unter aller Kanone ist. Nun gut, möchte man meinen, Charakterzeichnung ist im Horrorfach meist Nebensache. Wenn aber Protagonisten wie dumme Schafe vor dem Visier eines Schafschützen tanzen und dabei nicht einen klugen Gedanken fassen wollen, ist Schluss mit lustig. DOWNRANGE meint es nicht gut mit seinen Protagonisten, denn die handeln von Sinnen und befriedigen damit zumindest die Blutsucht des Zuschauers. Der bekommt in DOWNRANGE anständig gefilmte Morde zu sehen, die so zeigefreudig sind, dass der Streifen Probleme mit der FSK bekam. Der Sniper-Splatter erhielt nämlich anfangs von der Prüfbehörde keine Freigabe. Doch der Rechteinhaber ging gegen das Urteil in Berufung und hatte Erfolg. Ob dieser (finanzielle) Aufwand gerechtfertigt gewesen war, sollte an dieser Stelle jeder selbst entscheiden. DOWNRANGE ist nicht sonderlich helle und spult seine vorhersehbare und unspannende Geschichte nach Schema F ab. Das bedeutet: kreischen, winseln und sterben bis am Ende niemand mehr übrig ist. Die Charakterentwicklung ist oberflächlich, die Protagonisten sind unsympathisch und die zweckmäßigen Dialoge sind sogar noch dümmer, als die jeder gescripteten RTL2-Nachmittagssendung. Demzufolge raten wir, besser andere und gelungenere Sniper-Thriller in den Player schieben, denen es auch tatsächlich gelingt, den Puls des Publikums in die Höhe zu treiben. So schockierten zuletzt Filme wie KING OF THE HILL oder TOWER BLOCK. Zwei heftige Streifen, die das Nervenkostüm beanspruchen und dabei auch noch Kompromisse scheuen. Zartbesaitete Zuschauer sollten die aber besser meiden.
 
 
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DOWNRANGE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Intellektueller Total-Reinfall! Dafür aber professioneller Splatter im Überfluss. Den bekommt man im Falle von DOWNRANGE ziemlich oft vor die Linse und das auch noch in technisch tadelloser Umsetzung. Brutalität steht hier vor Plausibilität, denn bis auf den Filmbösewicht handelt nahezu jede Figur dieses deftigen Splatterstreifens dämlich und unüberlegt. Feingeister werden daher an dieser Stelle vorgewarnt. Die selten dummen Handlungen aller Protagonisten gehen an die Substanz und machen wütend. Wer demzufolge leicht cholerisch veranlagt ist, sollte DOWNRANGE besser meiden. Das ist besser fürs Herz.
 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Zensur

 
 
 
In DOWNRANGE – DIE ZIELSCHEIBE BIST DU (so der deutsche Titel) geht es nicht zimperlich zu. Köpfe werden überfahren, Augen ausgeschossen und Körper mit Kugeln durchsiebt. Die Gewaltexzesse sind so deftig, dass selbst die FSK keinen Spaß verstand und DOWNRANGE eigentlich ungeschnitten nicht freigeben wollte. Wer aber denkt, dass dieses Horrorthriller Federn lassen musste, wird überrascht sein. Offenbar hatte das Label SPLENDID FILM mehr Glück als gedacht. Nach einer Berufung, gabs von der FSK dann doch den Segen. DOWNRANGE steht ab sofort ungeschnitten mit rotem FSK-Sticker im Handel.
 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Downrange; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Holländisch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.05.2018

 

Downrange – Die Zielscheibe bist du! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
El rey de la montaña – Unsichtbare Gefahr (2007)
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 
Happy Hunting (2017)
 
Carnage Park (2016)
 


Filmkritik: „The Strangers: Opfernacht“ (2018)

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THE STRANGERS: OPFERNACHT

(THE STRANGERS 2 | THE STRANGERS: PREY AT NIGHT)

Story

 
 
 

Auf in Runde 2: Nachdem in THE STRANGERS ein ahnungsloses Paar mit Beziehungsproblemen von maskierten Fremden terrorisiert wurde, muss sich in THE STRANGERS: OPFERNACHT eine vierköpfige Familie mit den gleichen Gestalten auseinandersetzen. Diese wird vom personifizierten Bösen in einem Trailerpark verfolgt und muss dort ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Kritik

 
 
 
2008 war ein gutes Jahr für Regisseur BRYAN BERTINO. Mit gerade einmal zehn Millionen Dollar dreht der damals noch unerfahrene Newcomer einen fiesen Horrorstreifen, der am Ende über das achtfache an den Kinokassen einspielen konnte. Der Terrorfilm THE STRANGERS kam gut an und erhielt sogar von der Fachpresse positives Feedback. Dass da eine obligatorischen Fortsetzung gedreht werden musste, lag auf der Hand. Seltsamerweise kam die trotz erfolgreicher Auswertung leider nie. Das ändert sich aber jetzt. Zehn Jahre nach dem Erfolg von THE STRANGERS hatte man mit Fans Erbarmen und arbeitete an einem Sequel, das nahtlos an den Geschehnissen des Erstlings anknüpfen sollte. Treu der Devise „Mehr Leichen, mehr Action und mehr Gewalt“ hakte man die Erfolgsformel für Horrorfilm-Fortsetzungen ab und verzettelte sich dabei leidlich. THE STRANGERS: OPFERNACHT – so der deutsche Titel des zweiten Teils – hinkt dem Originalfilm in allen Belangen hinterher. Aus einem Terrorfilm ist nun ein Slasher geworden, der vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen hat: der Dummheit seiner Protagonisten und der vorhersehbaren Handlung. Das sind keine guten Voraussetzungen für spannende Horrorunterhaltung, zumal THE STRANGERS 2 gleiche Geschichte erzählt, wie der Vorgänger und dabei auch nichts hinzuzufügen hat. Fans sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen.
 
 
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Ein konventionell gewerkelter Hochglanz-Schnarcher für die Generation NETFLIX: Im zweiten Teil von THE STRANGERS geht es einer vierköpfigen Familie an den Kragen. Die Eltern wollen die rebellische Tochter Kinsey (BAILEE MADISON) in ein Internat bringen und machen unterwegs Halt in einem Trailerpark, der von Verwandten betrieben wird. Doch zum Rasten kommt man erst gar nicht. Kaum angekommen, klopft es an der Tür und drei vermummte Gestalten machen den Familienangehörigen das Leben zur Hölle. Die beginnen die ahnungslosen Opfer zu jagen und scheinen offenbar Freude daran zu haben mit den ahnungslosen Auserwählten boshafte Spiele zu spielen. Wie bereits im Originalfilm bleibt die Identität der Bösewichte ungeklärt. Neu hingegen ist, dass sich ihre neuen Opfer zu wehren wissen. Endlich bekommt das Böse auch mal den Marsch geblasen.
 
 
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Ist das ein Remake? Zumindest geht THE STRANGERS: OFERNACHT den gleichen Weg, wie die meisten amerikanischen Hochglanz-Horrorfilme neueren Datums. Viele Fortsetzungen erfolgreicher Hollywood-Streifen werden so konzipiert, dass sie für sich allein stehen können. Das hat zur Folge, dass Sequels quasi gleiche Geschichte erzählen wie ihre Vorgänger, um so den Einstieg für jene zu erleichtern, die die Vorgängerfilme nicht gesehen haben. Was für den einen Segen ist für den anderen ein Fluch. THE STRANGERS: OFERNACHT fühlt sich an, wie ein überflüssiger Nachschlag eines beklemmenden wie hochspannenden Horrorstreifens, der gerade wegen seiner dialogarmen Handlung und messerscharfem Psychoterror zu einem der besten Home-Invasion-Schocker unserer Zeit avancierte. Große Fußstapfen, in die nun Teil 2 treten muss und dabei kläglich scheitert. Viel Neues hat die Fortsetzung nämlich nicht zu erzählen. So wurden einzig Figuren und Schauplätze ausgetauscht. Der Rest ist identisch zum Originalfilm und wurde wenig packend auf Zelluloid gebannt. Das ist dahingehend enttäuschend, weil Regisseur JOHANNES ROBERTS zuletzt gezeigt hat, dass er es eigentlich kann. So drehte er mit THE OTHER SIDE OF THE DOOR und 47 METERS DOWN zwei gelungene Genre-Beiträge, die auch bei Kritikern und Publikum bestehen konnten. THE STRANGERS: OFERNACHT ist dagegen enttäuschend und erweckt den Eindruck, als habe der Filmemacher schnell unter Druck irgendwas drehen müssen. Das Drehbuch wurde dahingeschludert und lässt seine wenigen Figuren nur selten klug handeln. Das erhöht schnell den Nervfaktor beim Publikum, dem es erst gar nicht gelingt, Sympathien für die Protagonisten zu entwickeln, weil diese so irrational handeln. Was bleibt, ist ein wenig origineller Horrorfilm, der offenbar nur deswegen gedreht wurde, um noch einmal schnell Kasse zu machen. Was Horrorfilmfans wollten, war den Machern dabei aber egal. Normalerweise landet sowas wie THE STRANGERS: OFERNACHT direkt auf dem Videomarkt. Weil ein bekanntes Franchise dahintersteckt, musste es trotz qualitativer Schwächen auf Biegen und Brechen ins Kino gebracht werden. Damit macht man sich keine Freunde, zumal vielen weitaus besseren Filmen ein Kinostart vorenthalten wird.
 
 
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THE STRANGERS 2 – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
THE STRANGERS: OFERNACHT ist die Horrorenttäuschung des Jahres 2018. Während THE STRANGERS von 2008 noch ein Horrorfilm war, der mit erbarmungsloser psychologischer Härte schockieren konnte, ist die Fortsetzung ein schnell aufgewärmtes Horrorlüftchen, das offenbar der schnellen Mark wegen ins Lichtspielhaus gebracht wurde. Die Macher haben sich nach zehn Jahren Wartezeit nicht einmal ansatzweise Gedanken darüber gemacht, wie man den kompromisslosen Originalfilm würdig fortsetzen könnte. Warum hat man im zweiten Teil nicht versucht, die Geschehnisse aus der Sicht der Täter zu erzählen? Die bekommen zwar in der Fortsetzung ihr Fett weg, verhalten sich aber oftmals dümmer als ihre aufgescheuchten Opfer. So entpuppt sich das Ergebnis als beliebiger Horror-Slasher von der Stange, der weder Spannung aufbauen kann, noch Mitleid oder Sympathien für seine Opfer entstehen lässt. Statt Einfälle und Neuerungen gibt es noch einmal Aufgewärmtes. Erfahrene Horrorfilmkenner werden da schnell gelangweilt sein, zumal die Abläufe so schablonenartig abgearbeitet werden, dass die Fremden schnell zu Nervensägen avancieren, die hoffentlich bald vom Blitz getroffen werden. Immerhin hat es ein nennenswertes Stilmittel in die Fortsetzung geschafft. THE STRANGERS 2 schaut nämlich aus, wie ein Horrorfilm der 1980er, was offenbar zu verstehen geben soll, dass die Macher ein Herz für die Filme jener Zeit und vor allem für Altmeister JOHN CARPENTER haben. Letzterer dürfte für diesen zwanghaft konventionell gestickten Blödsinn nicht mal ein Lächeln übrig haben. Verständlich!
 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Zensur

 
 
 
Im direkten Vergleich zum Vorgänger ist die Fortsetzung von THE STRANGERS in Sachen Gewalt weitaus zeigefreudiger. Hier kommt das obligatorische Messer ebenso zum Einsatz, wie Axt und Schrotgewehr. Das alles ist aber derart schnell geschnitten, dass sich die Gewaltmomente nicht so hart anfühlen wie noch im Originalfilm. Hierzulande hat THE STRANGERS: OPFERNACHT eine FSK16 erhalten. Diese ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei UNIVERSUM FILM | SQUAREONE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 
Them (2006)
 
You’re Next (2012)


Filmkritik: „Rave Party Massacre“ (2017)

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RAVE PARTY MASSACRE

(DEADTHIRSTY)

Story

 
 
 

Wenn die Beats enden, beginnt der Horror. Nach einer durchzechten Partynacht, geht es einigen Technojüngern an den Kragen. Ein Killer mit Tiermaske will sie töten – grausam und blutig.

 
 
 


 
 
 

RAVE PARTY MASSACRE – Kritik

 
 
 
Als Horrorfilmkritiker benötigt man ein dickes Fell. Nicht, dass es schwierig wäre über Filme zu schreiben. Weitaus bedenklicher ist das, was oft als Horrorfilm bezeichnet und zugemutet wird. Da flattern häufig Filme auf den Schreibtisch, die so undenkbar einfältig sind, dass nicht selten der Spaß am Schauen von Genre-Streifen vergeht. RAVE PARTY MASSACRE ist so ein Kandidat, der sich Slasher schimpft. Da mag sicher zutreffen, denn der Streifen hat das, was einen Meuchelstreifen ausmacht. Der fade Beigeschmack ist jedoch der Film selbst, der so dilettantisch zusammengekleistert wurde, dass man ein dickes Fell benötigt, um knapp 80 Minuten Horror-Leerlauf ertragen zu können. Es gibt nun mal nichts Schlimmeres als langweilige Horrorfilme.
 
 
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Wir gehen zurück in das Jahr 1992. Der Techno hält mittlerweile nicht mehr nur in deutschen Clubs Einzug. Auch in Übersee kleiden sich Raver in bunte Fummel, um sich unter Drogeneinfluss schnellen Beats hinzugeben. Unsere Heldin Rachel treibt es zu genau einer dieser angesagten Techno-Veranstaltungen, die bevorzugt in leerstehenden Gebäuden veranstaltet werden, um feierhungrigen Partygängern lange Nächte bescheren zu können. Doch diese Party endet für Rachel und einige Gästen nicht sonderlich rosig. Nach ein paar Pillen Ecstasy und reichlich Alkohol findet man sich in einem heruntergekommenen Krankenhaus wider. Die Eingänge sind verschlossen und ein Entkommen nicht möglich. Da kommt verständlicherweise Panik auf. Die ist auch berechtigt, denn durch die Flure irrt ein maskierter Killer, der offenbar bestrafen will. Warum und weshalb? Das erfährt der Zuschauer erst im Finale. Bis es jedoch zur Auflösung kommt, bedarf es viel Geduld. RAVE PARTY MASSACRE ist leider keine Sternstunde des Slasher-Kinos. So werden knapp 80 Minuten Film zu einer gefühlten Ewigkeit.
 
 
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Krasses Poster, geiler Titel – Vorfreude pur! Doch nicht immer da wo „Massacre“ draufsteht, wird zwangsläufig auch ein Blutfest der Extraklasse zelebriert. RAVE PARTY MASSACRE ist eine ziemliche Mogelpackung, weil der Streifen verspricht, was er gar nicht halten kann. Das im Titel versprochene Massaker muss man nämlich mit der Lupe suchen. Stattdessen wird der Zuschauer mit talentlosen Schauspielern gequält, die wohl auf der Straßen aufgelesen und in ein leerstehendes Krankenhaus gebracht wurden, um dort für kleines Geld durch Gänge und Treppenhäuser zu laufen. Nein, RAVE PARTY MASSACRE ist bei Gott kein guter Slasher. Das liegt einerseits daran, dass es dem Film zu keiner Minute gelingt Spannung aufzubauen. Andererseits mangelt es an Identifikationsfiguren, die den Zuschauer an die Hand nehmen und durch den Film führen. Da fragt man sich doch glatt, ob Regisseur JASON WINN verstanden hat, auf was es beim Drehen eines Horror-Slashers ankommt. Der Blutzoll ist gering, die Handlung passt auf einen Bierdeckel und auf sympathische Figuren hat man gleich ganz verzichtet. Angesichts der ohnehin schon vorhersehbaren Abläufe für Slasher ein Debakel, was RAVE PARTY MASSACRE zu einem ziemlichen Rohrkrepierer macht. Was bleibt sind immerhin ansprechende Bilder. Filmemacher JASON WINN experimentiert mit kreativen Kamerawinkeln, Fahrspielereien und atmosphärischer Ausleuchtung. Gute Ansätze, die aber nicht verbergen können, dass es sich bei genauerer Betrachtung nur um Amateurware auf gehobenem Niveau handelt. Demzufolge sollte man sich auf das Schlimmste gefasst machen. RAVE PARTY MASSACRE ist nur für Hardcore-Slasher-Fans geeignet. Wer gute und unterhaltsame Filme sucht, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
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RAVE PARTY MASSACRE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein Slasher, der mit seinem reißerischen Titel in die Irre führt. Wer mit RAVE PARTY MASSACRE den Horrorklassiker TEXAS CHAINSAW MASSACRE und seine Fortsetzungen assoziiert, ist auf dem Holzweg und dürfte schnell enttäuscht werden. Statt ausufernde Gewalt- und Terrorexzesse gibt es Langeweile für Alle. Die Schauspieler agieren furchtbar und hölzern. Zudem ist der Blutzoll gering. Alles läuft nach klassischem Slasher-Muster ab. Das bedeutet, dass junge Menschen vor einem Killer mit Maske flüchten müssen und wenig überraschend nacheinander ausradiert werden. Nichts Neues also. Regisseur JASON WINN scheut beinahe zwanghaft Neuerungen. Das macht DEADTHIRSTY – so der anfängliche Titel – zu einer Schlafpille vor dem Herrn. Weil die Darsteller derart unbeholfen und unerfahren agieren, drückt sich RAVE PARTY MASSACRE beinahe freiwillig den Stempel Amateurfilm auf. Wer daher Qualität erwartet, sollte diesen Slasher meiden.
 
 
 


 
 
 

RAVE PARTY MASSACRE – Zensur

 
 
 
RAVE PARTY MASSACRE (oder DEADTHIRSTY) ist nicht sonderlich brutal. Ein Hals wird aufgeschlitzt, es gibt eine Blutpfütze zu sehen und eine Machete bohrt sich durch einen Körper. Im Gegensatz zu den meisten Slasher neueren Datums, kann dieser Film wegen seiner zurückhaltenden Zeigefreudigkeit beinahe im Kinderprogramm ausgestrahlt werden. Sollte sich ein Label trauen RAVE PARTY MASSACRE hierzulande veröffentlichen zu wollen, dürfte es ohne Probleme eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

RAVE PARTY MASSACRE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Breaking Glass Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bikini Girls on Ice (2009)
 
Pinup Dolls on Ice
 
Slasher House (2012)
 
All Through the House (2015)
 


Filmkritik: „Motorrad – The Last Ride“ (2017)

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MOTORRAD – THE LAST RIDE

(MOTORRAD)

Story

 
 
 

Eine Gruppe Motorrad-Liebhaber bekommt es mit gewissenlosen Killern zu tun, die sich offenbar zum Hobby gemacht haben, andere Biker auszuradieren.

 
 
 


 
 
 

MOTORRAD – Kritik

 
 
 
Horrorfilme sind immer eine sichere Bank, egal aus welchem Land sie stammen – insofern man sich an bestimmte Regeln hält. Eine davon ist auffallen, damit man sich von der grauen Masse abheben kann. So kann die Aufmerksamkeit durch taububrechende Inhalte oder schonungslose Brutalität auf sich gelenkt werden, wie der Filmbericht zu TRAUMA beweist. Darin vereinte man reichlich kontroversen Zündstoff, der für Gesprächsstoff gesorgt hat. Ohne den hätte man genannten Exploitationer wohl erst gar nicht wahrgenommen. Nicht minder reißerisch geht es im brasilianischen MOTORRAD vonstatten. Der Film bricht zwar keine Ekelrekorde, schockiert aber mit einer unbequemen Atmosphäre und den wohl abgebrühtesten Filmbösewichten der letzten Jahre. Die hetzten ihre Opfer in einer Art Bike-Movie solange durch die Gegend, bis ihnen das Benzin ausgeht und sie sich ihrem Schicksal unterwerfen müssen. Das ist grausam und brutal. Fans härterer Gangart kommt’s gelegen.
 
 
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In MOTORRAD treffen einige befreundete Motorradfahrer auf das ultimative Böse. Die wollten mit ihren Bikes eigentlich nur etwas durch die Gegend düsen und an einem See entspannen. Doch vier düstere Zeitgenossen heften sich an deren Fersen und wollen nichts Gutes. Sie verfolgen ihre Opfer und beginnen sie nacheinander auszuradieren. Dabei kennen sie weder Gnade noch Erbarmen und gehen beim Auslöschen unmenschlich vor. Aber was treibt die schwarz bekleideten Killer zu ihren brutalen Taten? Das fragen sich auch Hugo und Ricardo. Die beiden sind Brüder und stehen ebenfalls auf der Mordliste der rastlosen Verfolger. Sie stellen sich dem skrupellosen Quartett gegenüber und riskieren dabei ihr Leben. Ein blutiger Überlebenskampf, der definitiv nichts für zartbesaitete Zuschauer ist.
 
 
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Die Horror-Version von EASY RIDER. MOTORRAD ist ein durchgestylter Slasher, der vor allem durch seine wortkarge Inszenierung und einer gewöhnungsbedürftigen Farbgebung in Erinnerung bleibt. So wurden Farben reduziert, was dem Streifen beinahe schon Schwarz-Weiß-Film-Charakter verleiht. Die Entkräftigung der Farben als Stilmittel passt wie die Faust aufs Auge. So erhält MOTORRAD durch den Entzug von Farben fast schon dystopischen Charakter, der kaum Hoffnung auf Überleben oder Rettung zulässt, weil die anonymen Verfolger offenbar immer einen Schritt voraus sind. Da entwickelt sich schnell ein permanent ungutes Gefühl beim Zuschauer, der einen ungezügelten Hass gegenüber den Bösewichten entwickelt, denen es offenbar Freude bereitet ihre Opfer zu quälen. Was demzufolge als Roadtrip beginnt, gipfelt relativ zügig in einem ausweglosen Überlebenskampf, bei dem das Negerlein-Prinzip Verwendung findet. Das bedeutet, dass beide Parteien durch abwechslungsreiche Todesarten nacheinander ihr Leben lassen müssen. Bedauerlicherweise verzichtet Regisseur VICENTE AMORIM auf zufriedenstellende Antworten. Der macht ein Geheimnis um die Identität seiner sadistischen Killer, das auch nach dem Abspann gut gehütet bleibt. Eine etwas unbefriedigende Prämisse, mit der sich MOTORRAD wohl nicht nur Freunde machen wird, da es relativ unwahrscheinlich ist, dass dieser brasilianische Slasher eine Fortsetzung erhalten wird.
 
 
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MOTORRAD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ungemütliche Motorrad-Hatz mit einigen Kills, die es in sich haben. MOTORRAD ist Horror made in Brazil, der die lange Reihe an Slasher-Filmen um einen weiteren Beitrag erweitert. Diesmal meuchelt nicht ein maskierter Irrer ahnungslose Teenager ab. In MOTTORRAD läuft das perfide Katz-und-Mausspiel auf heißen Rädern und unter brummenden Motorgeräuschen ab. Viel geredet wird nicht. Dafür eiskalt getötet. Eigentlich eine gute Sache, die Horrorfilmfans zufriedenstellen dürfte. Wäre da nicht das rätselhafte Ende, welches mehr Fragen aufwirft, als Antworten zu liefern. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber nicht enttäuscht. Der Bike-Horror MOTORRAD besitzt gut gefilmte Verfolgungsjagden, hektische Schnitte und eine ungewöhnliche Optik, die in Erinnerung bleibt. Zusammen mit dem hervorragenden Soundtrack darf man Regisseur VICENTE AMORIM für den etwas anderen Slasher beglückwünschen, der gern mal die krude Schlitzer-Atmosphäre einfängt, welche an die Slasher der späten 1970er und frühen 1980er erinnert. So bewegt sich der Filmemacher mit MOTORRAD Lichtjahre von dem weg, was er bisher inszeniert hat. Darunter anspruchsvolle Dramen mit Tiefgang. Manchmal muss man eben Veränderungen wagen. Anhand von MOTORRAD kann man erkennen, dass Mut Neues zu wagen durchaus Früchte tragen kann.
 
 
 


 
 
 

MOTORRAD – Zensur

 
 
 
MOTORRAD – THE LAST RIDE (so der deutsche Titel) hat einige boshafte Morde zu bieten. Eine Frau wird bei lebendigem Leibe verbrannt, ein Mann ertrinkt, ein anderer enthauptet und eine Machete kommt ebenfalls mehrfach zum Einsatz. Hierzulande hat der brasilianische Streifen eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MOTORRAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Motorrad; Brasilien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Portugiesisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Holländisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 27.04.2018

 

Motorrad – The Last Ride [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

MOTORRAD – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Turbo Kid (2015)
 
Von der bösen Art (2010)
 
The Mad Foxes: Feuer auf Rädern (1981)
 
Der Frosch (1973)
 


Filmkritik: „First House on the Hill“ (2017)

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FIRST HOUSE ON THE HILL

(1ST HOUSE ON THE HILL)

Story

 
 
 

Wenn Tarotkarten den Tod bringen: Vier Freunde mieten ein Anwesen, um dort das Wochenende verbringen zu können. Was sie dort aber erwartet, werden sie ihr Lebtag nicht wieder vergessen. Nachdem man ein mysteriöses Tarotkartenspiel findet, geht das Sterben los.

 
 
 


 
 
 

FIRST HOUSE ON THE HILL – Kritik

 
 
 
Es gehört im Horror-Genre seit Jahren zum guten Ton, dass man sich vor Zeiten verbeugt, die das Genre maßgeblich geprägt und es zu dem gemacht haben, was es heute ist. Da werden gern mal bekannte Rezepturen aus Klassikern stibitzt und namhafte Regie-Legenden zitiert, mit denen man aufgewachsen ist und die man lieben gelernt hat. Der Horror-Thriller FIRST HOUSE ON THE HILL ist so ein Herzensprojekt eines Filmemachers, der das huldigt, was er am liebsten mag: den Giallo. Regisseur MATTEO SARADINI macht keinen Hehl daraus, dass er ein großer Verfechter genannter Filmgattung ist, die in den 1960ern durch MARIO BAVA begründet wurde und in den 1970ern ihren Höhepunkt hatte. In einem exklusiven Interview mit FILMCHECKER erklärte Regisseur MATTEO SARADINI, dass dieser in FIRST HOUSE ON THE HILL versucht zeitgenössischen Teenie-Slasher mit dem italienischen Giallo der 1970er zu verschmelzen. Dafür holte er sich bei bekannten Altmeistern kreativen Input. So standen für seinen interessanten Genre-Mix bekannte Kult-Gialli wie Bavas BLUTIGE SEIDE und IM BLUTRAUSCH DES SATANS Pate. Aber auch Argentos PROFONDO ROSSO oder Ercolis FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT haben den Filmemacher maßgeblich beeinflusst. Angesichts der vielen Vorbilder macht das Resultat neugierig. Leider bleibt das ambitionierte Projekt hinter den Erwartungen zurück. Sein FIRST HOUSE ON THE HILL hat nämlich ein großes Spannungsproblem. Das ist dahingehend enttäuschend, weil der Filmemacher schon an diversen Horror-Produktionen aus dem Hause BLUMHOUSE beteiligt gewesen ist und vermutlich auch weiß, was Horrorfans wollen. So arbeitete er bereits an erfolgreichen Filmen wie GET OUT, VIRAL oder DER KULT. Spannende Hochglanzware, die kurzweilige Unterhaltung bot. Von der ist FIRST HOUSE ON THE HILL – man muss es leider sagen – weit entfernt. Bedauerlich.
 
 
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Die Geschichte von FIRST HOUSE ON THE HILL ist nicht sonderlich umfangreich. Es geht um vier junge Leute, die in einer prunkvollen Villa im amerikanischen Malibu das Wochenende verbringen wollen. Die Hauseigentümerin verhält sich zwar etwas seltsam bei der Übergabe der Schlüssel, aber das beunruhigt die Freunde nicht. Man will baggern und flirten, was bei der schüchternen Valerie nicht so gut ankommen will. Die wurde religiös erzogen und hat andere Dinge im Kopf, als Männer und Sex. Doch die Lust am anderen Geschlecht schwindet, als man im oberen Stockwerk eine übel zugerichtete Leiche findet. Was ist hier passiert? War es Selbstmord? Der Fund beunruhigt, doch Telefone funktionieren nicht, weil jemand die Handys unbrauchbar gemacht hat. Somit kann keine Hilfe gerufen werden, was die Freunde dazu veranlasst Ruhe zu bewahren und auf den Morgen zu warten. Währenddessen findet man mysteriöse Tarotkarten, die ausprobiert werden müssen. Ein fataler Fehler, denn kaum hat man Kontakt mit dunklen Mächten aufgenommen, geht es in der Villa drunter und drüber. Was folgt, ist ein Kampf um Leben und Tod, denn offenbar meint es das Schicksal nicht gut mit unseren Freunden. Ob man die Nacht heil überstehen wird?
 
 
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Was für ein Augenschmaus. FIRST HOUSE ON THE HILL schaut verdammt gut aus. Ausgefallene Kamerawinkel, schnelle Zooms, atmosphärische Kamerafahrten und jede Menge Farbspielereien sorgen für Stimmung. Hier hat jemand seine Hausaufgaben gemacht und italienische Giallis studiert, um deren Erfolgsrezeptur auch auf seinen Film übertragen zu können. Der Giallo FIRST HOUSE ON THE HILL macht den Vertretern dieser Gattung Film alle Ehre. Fast schon möge man meinen, dass Amerika den Giallo für sich wiederentdeckt hat und ihm ein kleines Revival spendiert. Doch so schnell wie die Euphorie gekommen ist, verschwindet sie auch schon wieder. Hinter schönen Bildern schlummert nämlich gähnende Leere. FIRST HOUSE ON THE HILL hat außer der atmosphärischen Bilderflut kaum etwas zu bieten, was wohl daran liegt, dass man sich beinahe krampfhaft am Zitieren festklammert. Das hat zur Folge, dass die Geschichte auf der Strecke bleibt. Die kommt hier kaum in Fahrt, was das Folgen der Handlung erschwert. Da werden Augenlider schnell schwer, weil Regisseur MATTEO SARADINI zu lange damit beschäftigt ist, seine Figuren und die rudimentäre Handlung einzuführen. Demzufolge dauert es lang, bis endlich etwas passiert und die ersten Morde geschehen. Die sind immerhin handgemacht und lassen in ihrer für heutige Verhältnisse bewusst dilettantischen Inszenierung kurz das italienische Horror-Kino der 1970er Revue passieren. Dennoch, bei soviel Herzblut tut es in der Seele weh FIRST HOUSE ON THE HILL als durchschnittlich bewerten zu müssen. Irgendwie ist dieser Neo-Giallo weder Fisch noch Fleisch, denn Gebotenes wirkt leider nur halbgar. Die Darsteller sind unsympathisch und deren Ableben macht gleichgültig. Kein gutes Aushängeschild für einen Horrorfilm. Allen Giallo-Fans wird das aber egal sein. Die werden vermutlich rasch in Erinnerungen schwelgen und FIRST HOUSE ON THE HILL zum neuen Kult-Giallo deklarieren. Demzufolge ist dieser Ausflug ins italienische Horror-Kino der 1970er nur jenen zu empfehlen, die mit so Namen wie DARIO ARGENTO, SERGIO MARTINO oder DUCCIO TESSARI etwas anfangen können. Fürs hochglanzverliebte Mainstream-Publikum hingegen ist FIRST HOUSE ON THE HILL vermutlich eher eine Fehlinvestition und Zeitverschwendung. Aber wie sagt man so schön: Jeder Film findet irgendwann schon seine Fans.
 
 
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FIRST HOUSE ON THE HILL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Visuell beeindruckende Hommage an die Spaghetti-Slashers der 1970er. Der gerade einmal in zehn Tagen und mit kaum Budget gedrehte Neo-Giallo entpuppt sich als ambitioniertes Projekt eines Italieners, der zweifelsohne ein großes Herz fürs Giallo-Kino besitzt. Alles sieht tatsächlich so aus, als wäre es in den 1970ern aus Italien exportiert worden. Das freut einerseits, doch FIRST HOUSE ON THE HILL ist ein sehr zähes Giallo-Erlebnis, weil er einfach zu lange benötigt, um endlich mal zum Punkt zu kommen. Einen richtigen Spannungsbogen gibt es nicht. Stattdessen hält sich der Streifen ausschließlich mit Zitaten und kunstvoll inszenierten Bildern über Wasser. Im Interview erklärte uns Regisseur MATTEO SARADINI, dass er die Geschichte zum Film zusammen mit Hauptdarsteller KRISTIAN MESSERE schrieb und sich für seine Thriller von so Größen wie BAVA, ERCOLI und ARGENTO inspirieren ließ. Zudem wurde das Projekt maßgeblich vom tschechischen New-Wave-Kino der späten 60er Jahre geprägt und Meister der Vintage-Music CARLO PODDIGHE hat mit alten Keyboards aus den 70ern und 80ern komponiert, um die Atmosphäre jener Zeit einfangen zu können. Das sind Zutaten, die jedem Giallo-Fan das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Auf visueller Ebene gelingt das dem Neo-Giallo zweifelsohne. Mit dem Drehbuch und den unsympathischen Darsteller tut sich FIRST HOUSE ON THE HILL aber keinen Gefallen. Die sind leider nicht das Gelbe vom Ei und schmälern den Sehgenuss. Schade!
 
 
 


 
 
 

FIRST HOUSE ON THE HILL – Zensur

 
 
 
FIRST HOUSE ON THE HILL ist nicht sonderlich brutal. Die Morde werden sehr übertrieben und künstlich zelebriert. Das ist aber so gewollt, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich hier um einen Giallo aus den Spätsiebzigern handelt. Sollte der Streifen eine deutsche Auswertung erhalten, dürfte problemlos eine FSK16 möglich sein. Wer den Film auf der großen Leinwand sehen möchte, kann ihn im April 2018 auf dem OBSCURA FILMFESTIVAL sehen. Dort wird er in einer vom Regisseur überarbeiteten Fassung aufgeführt werden. Inwieweit diese sich von jener Filmversion unterscheidet, die uns zur Besprechung vorlag, können wir leider nicht sagen.
 
 
 


 
 
 

FIRST HOUSE ON THE HILL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Nocturnal Eye Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Francesca (2015)
 
Tulpa – Dämonen der Begierde (2012)
 
Der Tod weint rote Tränen (2013)
 
Amer (2009)
 


Filmkritik: „My Friend Dahmer“ (2017)

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MY FRIEND DAHMER

Story

 
 
 

Außenseiterdasein, Pubertät und Probleme im Elternhaus. Auch Serienmörder – wie Jeffrey Dahmer – mussten sie einmal durchleben: die Jugend.

 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Kritik

 
 
 
Ein neuer Trend im Horror-Genre ist die Erforschung von Jugendjahren bekannter Horror-Ikonen. So sind schon lange nicht mehr nur Fortsetzungen beliebter Horror-Reihen eine sichere Bank. Auch sogenannte Prequels – also Vorgeschichten – haben sich in den letzten Jahren zu einer lukrativen Geldeinnahmequelle entwickelt, sobald man mit Fortsetzungen nicht mehr weiterkommt. Hierbei immer wieder gern verfilmt: die Kindheit gerissener Filmkiller. So musste nicht nur der Mythos LEATHERFACE für den schnellen Dollar genauer unter die Lupe genommen werden. Auch die Jugendjahre von Killer-Kollegen MICHAEL MEYERS oder NORMAN BATES füllten die Bankkonten profitorientierter Studiobosse und nahmen so den legendären Filmbösewichten einen Teil ihres Schreckens. Doch nicht immer muss nur Fiktives genauer ergründet werden. Mit MY FRIEND DAHMER geht es einem an den Kragen, der tatsächlich gelebt hat. Wie es der Titel des Films bereits vermuten lässt, dreht sich in diesem Streifen alles um einen der grausamsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts: Jeffrey Dahmer. Der wurde von der Presse auch als „Monster von Milwaukee“ betitelt, weil er zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer ermordete, vergewaltigte und teilweise sogar aufgegessen hatte. Doch Dahmer wurde nicht als Killer geboren. Der folgende Film behandelt einen unbekannten Teil von Dahmers Leben. Rückten alle bisher erschienen Filme in erster Linie die Taten des Mörders in den Fokus, geht es dieser Film etwas anders an. MY FRIEND DAHMER erzählt von der Highschool-Zeit des späteren Serienkillers. Ein interessanter Blickwinkel, um vielleicht einige Ursachen seiner Taten verstehen zu können.
 
 
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Amerika in den 1970ern: Der Teenager Jeffrey Dahmer ist schon ein komischer Kauz. Der beschäftigt sich lieber mit überfahrenen Tieren, die er sammelt und in Säure einlegt, statt sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. In der Schule nimmt kaum jemand Notiz von ihm, bis er unter viel Gelächter seltsame Ticks inszeniert und so die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Plötzlich verwandelt sich Dahmer vom Niemand zum Pausenclown. Dessen komödiantische Gabe erkennt auch Mitschüler John Backderf, der kurzum den Dahmer-Fanclub gründet und den Sonderling zu komischen Taten anstiftet. Doch Dahmer hat Sorgen – große Sorgen. Die Eltern liegen im ständigen Streit und auch die Sexualität des einsamen Teenagers bereitet Probleme. Da kommt der neue Freund „Alkohol“ gerade recht. Leider führt der den desorientierten Jugendlichen genau in den Abgrund.
 
 
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Bevor falsche Erwartungen geschürt werden: MY FRIEND DAHMER ist kein reißerischer Schocker über die Taten des berüchtigten Serienkillers. Wer Blut und Gewalt sucht, ist hier an der falschen Adresse. Der Film rückt nicht die Bestie „Dahmer“ in den Mittelpunkt, sondern untersucht den Mensch dahinter. Dafür stand die Graphic Novel „My Friend Dahmer“ Pate, die von einem Schulfreund Dahmers gezeichnet wurde, der zu Schulzeiten mit dem Eigenbrötler gemeinsam die Bank drückte. Nachdem die Taten des Serienkillers durch die Medien gingen und Dahmer 1994 von einem Mithäftling getötet wurde, begann Schulfreund JOHN BACKDERF Material zu sammeln und seine Begegnungen mit dem Sonderling zu Papier zu bringen. Dabei entstanden Kurzgeschichten, die nicht die Taten des Mörders in den Fokus rücken sollten. Stattdessen analysierte der talentierte Comicautor die Probleme und Sorgen mit denen Dahmer in der Schule und Elternhaus zu kämpfen hatte. Das Resultat entpuppte sich als traurige und erschreckende Charakterstudie eines einsamen Heranwachsenden, die mehrfach Auszeichnungen erhielt. Auf genau jenen Bildergeschichten basiert nun der hier vorliegende Film, der weit tiefgründiger ausgefallen ist, als erwartet.
 
 
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So hat man für die Rolle des jungen Jeffrey Dahmer jemanden gefunden, der wohl sein Image als Kinderstar loswerden wollte. ROSS LYNCH machte sich vor allem mit Auftritten in bekannten Disney-Produktionen einen Namen. Offenbar war ihm leichte Unterhaltung auf Dauer zu wenig, weshalb er mit der Hauptrolle in MY FRIEND DAHMER einen mutigen Richtungswechsel antritt, der ihm außerordentlich gut steht. Der haucht der Rolle des Jeffrey Dahmer eine gewisse Menschlichkeit ein und verdeutlicht dem Zuschauer eindrücklich, was für ein bemitleidenswerter Mensch der spätere Serienkiller tatsächlich war. Seine Verkörperung des wortkargen Sonderlings mutet unheimlich an, faszinierend aber zugleich. Das macht MY FRIEND DAHMER vor allem bei denen interessant, die sich weniger mit Taten sondern eher mit der Psyche fehlgeleiteter Menschen auseinandersetzen wollen. Regisseur MARC MEYERS dämonisiert seinen Filmhelden nicht. Stattdessen kümmert er sich behutsam um seine Filmfigur und studiert sie ausführlich, ohne zwangsläufig ihre Taten zu beurteilen. Das macht die filmische Umsetzung der Graphic Novel besonders, weil man mit dem Namen „Jeffrey Dahmer“ wohl etwas ganz anderes erwartet hat, als es der Film zu vermitteln versucht. Sehenswert!
 
 
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MY FRIEND DAHMER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama, statt Horror. Beunruhigende und deprimierende Charakterstudie, die niemanden kalt lässt. MY FRIEND DAHMER geht das Thema „Jeffrey Dahmer“ vollkommen anders an. Normalerweise erwartet man hier eine detaillierte und reißerische Ausschlachtung der Taten des berüchtigten Serienmörders. Aber Regisseur MARC MEYERS macht alles anders. Der betrachtet die Jugendjahre des Einzelgängers und versucht damit dem Zuschauer nahezubringen, was für ein desorientierter und verunsicherter Mensch Jeffrey Dahmer wirklich war. Statt die „Bestie“ Dahmer zu analysieren, betrachtet der Filmemacher den „Mensch“ Dahmer mit all seinen Ängsten, Sorgen und Problemen. Damit nimmt dieser Streifen eine Sonderstellung in der Reihe an Verfilmungen über den Serientäter ein. MY FRIEND DAHMER ist ein interessantes und vor allem unkonventionelles Filmprojekt, das neugierigen Cineasten ans Herz gelegt sei. Ein Geheimtipp, der auch bei Filmfestivals wegen des anderen Umgangs mit dem kontroversen Thema „Dahmer“ gelobt wurde.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Zensur

 
 
 
MY FRIEND DAHMER hat keine Gewaltmomente zu bieten. Es gibt einige tote Tiere zu sehen, die der Antiheld von der Straße kratzt und in Säure einlegt. Eigentlich wäre der Film daher ein sicherer FSKL12-Kandidat. Wegen des kontroversen Zusammenhangs mit dem Serienmörder Jeffrey Dahmer dürfte der Film aber eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FilmRise)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enter the Dangerous Mind (2013)

Hemorrhage (2012)

Simon Killer (2012)