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Splatter-Horror

Filmkritik: “Casting des Todes” (2015)

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CASTING DES TODES

(CASTING OF DEATH)

Story

 
 
 
Das Casting für eine sexy Cocktail-Show läuft aus dem Ruder, weil die Kamera Dinge aufzeichnet, die sich mit bloßem Auge nicht erkennen lassen.

 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Kritik

 
 
 
Seit den Anfängen von FILMCHECKER liegen nicht nur regelmäßig Blu-rays und Screener bekannter deutsche Filmunternehmen und Vertriebe mit Horrormaterial im Briefkasten, das wir in Form von umfangreichen Kritiken auf dem Blog vorstellen. Auch deutsche Nachwuchsfilmemacher und immer häufiger ambitionierte Regisseure aus dem Ausland senden selbstständig Ansichtsmaterialien zu, mit der Bitte darüber zu berichten. Leider können wir aus Zeitgründen nur wenige dieser Projekte berücksichtigen, da sich hinter vielen der teils in Eigenregie produzierten Genrefilme ohnehin nur semiprofessioneller Amateurquatsch verbirgt, der besser im Privatarchiv schlummern sollte, statt ihn deutschen Horrorfans zuzumuten. Dass es auch anders geht, beweist CASTING DES TODES – ein blutiger Kurzfilm aus Deutschland, der beinahe ungesehen blieb, weil dahinter eine weitere Selfmade-Produktion vermutet wurde. Gott sei Dank ist der Fünfzehnminüter dann doch im Player gelandet, sonst wäre wohl die Erkenntnis nie gekommen, dass auch im deutschen Untergrund gute Horrorfilme gedreht werden.
 
 
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Splatter, Spaß und viel nackte Haut – Zutaten, die Horrorfanherzen schneller schlagen lassen. Das war wohl auch Regisseur EZRA TSEGAYE bewusst, der CASTING DES TODES um jede Menge Schauwerte bereichert hat, die Liebhaber von Horrorware nun mal erwarten. Ein ungewöhnliches Casting bietet Stoff für amüsant-trashigen Filmirrsinn, in dem der Zuschauer – laut Aussage von Hauptdarstellerin MICAELA SCHÄFER – die brutalsten Nacktszenen zu sehen bekommt, die der selbsternannte Reality-Star bisher gedreht hat. Model, Moderatorin und Schauspielerin MICAELA SCHÄFER wird in diesem Kurzfilm von zwei erfolglosen Filmemachern zu einem Vorsprechen geladen, bei dem sie für einen neue TV-Show textilfrei Cocktails mixen soll. Doch die Crew ist nicht sonderlich am Können der künftigen Moderatorin interessiert. Das Zielpublikum soll in erster Linie mit optischen Reizen verwöhnt werden, was die Bewerberin natürlich versteht. Sie streift die Kleider ab und hält zwei schlagkräftige Talente in die Kamera. Weil CASTING DES TODES jedoch ein Horrorfilm ist, dürfte klar sein, dass die Geschehnisse eine unerwartet blutige Wendung nehmen werden. Der Kameramann entdeckt Unheimliches. Sein neues Arbeitsutensil filmt nicht das, was sich vor der Linse ereignet. Stattdessen hält es Mord und Totschlag auf Video fest – mit fatalen Folgen.
 
 
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Will man Aufmerksamkeit erregen, muss man polarisieren und provozieren. Das gelingt vor allem dann, wenn man Filmrollen mit C-Prominenz besetzt, über die regelmäßig in der Boulevardpresse berichtet wird. Im Falle des Kurzfilms CASTING DES TODES dürfte die Wahl auf TV-Phänomen MICAELA SCHÄFER das Beste gewesen sein, was dieser Indie-Produktion passieren konnte. Mit Schäfer als Zugpferd hat der Film nämlich reichlich Aufmerksamkeit ernten können und wurde sogar auf diversen Festivals mit Lob überschüttet. So auch auf der LOS ANGELES HORROR COMPETITION, wo die ehemalige GERMANY’S NEXT TOP MODEL-Teilnehmerin als beste Schauspielerin nominiert wurde – und sogar gewann. Das mag tatsächlich begabte Künstler zu Recht deprimieren; trotzdem muss man lobenswerterweise hinzufügend erwähnen, dass Schäfers Auftritt in CASTING DES TODES die bisher überzeugendste Leistung ist, die man von der gebürtigen Leipzigerin zu sehen bekommen hat. Die hat zwar im Film nicht viel zu sagen – dafür sprechen nackte Tatsachen für sich. Den männlichen Fan des Genres dürfte das freuen.
 
 
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Produzent, Drehbuchautor und Regisseur EZRA TSEGAYE erklärte im Interview, dass er schon immer ein Fan fantastischer Filme gewesen ist. So prägte der Science-Fiction-Klassiker FUTUREWORLD – DAS LAND VON ÜBERMORGEN nachhaltig, den er sich im stolzen Alter von fünf Jahren allein angesehen hat, ohne dass die Mutter davon wusste. Doch damit nicht genug. Auch die Mystery-Serie TWILIGHT ZONE und Horror-Klassiker, wie DIE KÖRPERFESSER KOMMEN oder ROSEMARIES BABY verstärkten die Leidenschaft zum Film. So folgten nach Comics für die Schülerzeitung und Kurz-Trickfilmen, erste Filmversuche mit einer Super-8-Kamera, in denen er Realfilm mit Comic-Elementen verknüpfte. Gleiche Kombination findet auch in CASTING DES TODES Verwendung. Tsegaye vermischt Zeichentrick mit Realfilm, zeigt abgenutztes Videomaterial, das man sonst oft in Found-Footage-Machwerken zu sehen bekommt und garniert das kurzweilige Trash-Gebräu mit Sex, Blut und Rock ’n’ Roll. Dank abwechslungsreicher Kameraperspektiven, chaotischen Schnitten und frechem Filmsong aus der Feder von STEFAN DITTRICH (der übrigens nicht mehr aus dem Ohr geht) bleibt CASTING des TODES länger im Gedächtnis, als manch andere Amateur-Katastrophe aus den Hinterhofgaragen von ITTENBACH, SCHNAAS & Co. Bleibt zu erwähnen, dass diesem Kurzfilm aufgrund professioneller Machart kaum noch Amateurstatus anhaftet. Umso erfreulicher, dass EZRA TSEGAYE die Idee seinen Splatter-Kurztrips ausbauen und auf die große Leinwand bringen möchte. Mit DER TEUFEL IN MIR wird das Casting des Grauens fortgesetzt – größer, blutiger, besser. Dank Crowdfunding und spendablen Geldgebern soll das Projekt mit mehr Budget, internationalen Schauspielern und natürlich MICAELA SCHÄFER für den weltweiten Filmmarkt umgesetzt werden. Ob sich bereits Hollywood die Remake-Rechte gesichert hat? Man darf spekulieren.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Warum MICAELA SCHÄFER nach ihrem missratenen Auftritt in SEED 2 wieder vor die Linse darf? Ganz einfach, weil sie die neue (deutsche?) B-Movie-Ikone unserer Zeit ist. Zumindest behauptet das Produzent, Drehbuchautor und Regisseur EZRA TSEGAYE, der von der attraktiven aber auch provokanten Erscheinung der gebürtigen Leipzigerin so überzeugt gewesen ist, dass er sie für die Rolle einer naiven Castingteilnehmerin verpflichten lies. CASTING DES TODES lässt die 1980er und 90er wieder aufleben, denn die Trash-Komödie verbeugt sich mit makabren Humor und blutigen Momenten vor jenen Horror-Splatterfilme genannter Jahrzehnte. Für eine Amateur-Produktion ist Gebotenes beachtlich, denn der Low-Budget-Splatterulk hinterlässt einen guten Eindruck und schaut alles andere als billig aus. Gute Schauspieler (ja auch die Schäfer überzeugt), souveräne Inszenierung und ein Ohrwurm im Abspann garantieren 15 kurzweilige Minuten mit Appetit auf mehr. Trash-Fans sollten daher jetzt gut zuhören, denn CASTING DES TODES ist amüsant-trashiger Filmirrsinn mit hohem Fun-Faktor, der übrigens hier für kleines Geld gesehen werden kann, schließlich ist noch keine kaufbare Heimkinofassung auf physischem Medium erschienen.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Zensur

 
 
 
CASTING DES TODES (internationaler Titel CASTING OF DEATH) ist Splatter-Quatsch der ironischen Sorte. Die Gewaltmomente werden derart übertrieben dargestellt, dass der Kurzfilm problemlos eine FSK16 erhalten könnte.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Botchco Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag (2000)
 
Treevenge (2008)
 
Fist of Jesus (2012)
 


Filmkritik: “Lake Fear – See der Angst” (2014)

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LAKE FEAR – SEE DER ANGST

(CYPRESS CREEK)

Story

 
 
 
Vier Mädels – darunter eine als Katze kostümiert (?!) – erwecken in einer Hütte im Wald das Böse. Das meint es leider gar nicht gut mit den Freundinnen und verwandelt sie in Handlanger des Teufels

 
 
 


 
 
 

LAKE FEAR – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder interessant zu sehen, für welch ominöse Filme Rechte gekauft werden, damit diese dann in Deutschland veröffentlicht werden können. Während immer noch viele sehenswerte Horrorklassiker vergebens auf eine digitale Auswertung warten müssen, sind es seit einigen Jahren vor allem diverse Low-Budget-Produktionen aus Übersee, die meist bescheiden synchronisiert in deutsche Händlerregal gebracht werden. G wie günstig gilt auch für CYPRESS CREEK, der hierzulande unter dem Titel LAKE FEAR – SEE DER ANGST auf DVD und Blu-ray gepresst wurde und sich in seiner Machart nicht von Amateurproduktionen unterscheidet. In ungeschliffener Indie-Optik wird die Geschichte von vier Mädchen erzählt, die sich zu einer Waldhütte aufmachen, um darin feiern zu können. Leider erwecken sie unbeabsichtigt das Böse. Das ergreift von den Schönheiten Besitz und verwandelt sie in aggressive Killerfurien. Was folgt gleicht einem Albtraum, denn Stephanie – die einzige Nichtbesessene – wird von ihren Freundinnen unermüdlich terrorisiert. Doch Hilfe ist schon auf dem Weg. Der muskelbepackte Remington eilt zur Hilfe, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.
 
 
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Bin ich eigentlich im richtigen Film? Das dürften sich vermutlich Zuschauer fragen, die im Jahr 2013 den Reboot zu EVIL DEAD gesehen haben. LAKE FEAR ist dem Splatterfilm nicht unähnlich, denn einige Ideen aus dem Teufelstanz wurden hier ein weiteres Mal aufgewärmt. So musste die berüchtigte Teppichmesserszene aus der Neuauflage dran glauben. Die wurde kopiert und in leicht abgeänderter Form in den Film integriert. Darin spaltet sich eines der besessenen Mädchen die Zunge mit jenem Gegenstand und jagt damit der Freundin einen teuflischen Schrecken ein. Trotz billiger Machart muss man immerhin zugeben, dass LAKE FEAR zwar mit einfältigen Dialogen und teils peinlichen Kampfchoreografien den letzten Nerv rauben will; atmosphärisch ist der Streifen den meisten Low-Budget-Produktion um Längen voraus. So sollte man sich nicht vom semiprofessionellen Intro abschrecken lassen, in dem triviale Zeitraffereffekte und konfuse Musikuntermalung eher peinlich berühren, statt Gruselunterhaltung zu bescheren. Der Film kann nämlich auch anders.
 
 
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Sobald die Hütte erreicht ist, beginnt der Horror. Hier wächst LAKE FEAR zu eigentlicher Größe heran. Regisseur MICHAEL CRUM und Drehbuchautor GERALD CRUM bereichern den Streifen um Verfremdungseffekte und vielen schaurigen Kamerapositionen, die dem Streifen einen besonders morbiden Look verleihen und manch günstigen Spezialeffekt in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen. Doch das ist nicht alles. Eine unheimliche Geräuschkulisse ist im gesamten Film zu hören, der es immerhin gelingt für etwas Gänsehaut und kurzweilige Gruselmomente zu sorgen. Leider vermiest ein abruptes Ende die gute Laune. Das setzt unerwartet ein und legt die Vermutung nahe, dass plötzlich das Geld ausgegangen sein muss. Gerade als der Film an Fahrt gewinnt und sich der Zielgerade nähert, flimmert der Abspann noch während des Endkampfes über den Bildschirm.
 
 
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Schenkt man dem Internet glauben soll das Machwerk 8000 Dollar gekostet haben. Zumindest in diesen Belangen schwimmt der Streifen tatsächlich auf gleicher Welle, wie einst auch schon der Original-Evil-Dead aus dem Jahr 1981. Der war strenggenommen auch nicht mehr als ein Amateurfilm, ebnete jedoch Genrefan SAM RAIMI den Sprung ins ganz große Filmgeschäft. Ob den Machern von LAKE FEAR gleiches Glück ereilen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass Regisseur MICHAEL CRUM ein Talent dafür hat, Filme nach weitaus mehr aussehen zu lassen, als sie letztendlich gekostet haben.
 
 
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LAKE FEAR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Film, der sich etwas zu rigoros am Splatter-Klassiker schlechthin bedient: EVIL DEAD. LAKE FEAR ist ein B-Movie mit rudimentärer Handlung, das ähnliche Geschichte erzählt, wie genannter Horrorstreifen aus der Mache von SAM RAIMI. Natürlich kann dieser Film dem Teufelstanz nicht einmal annähernd das Wasser reichen. Dazu wirkt die Inszenierung des Streifens anfänglich unbeholfen und semiprofessionell. Hat der Streifen dann endlich die richtige Richtung gefunden, kann er mit beachtlicher Gruselstimmung überzeugen, die durch experimentellen Kamerastil und bedrohlicher Soundkulisse bewirkt werden kann. Leider ist das Ende doof, weil der Film abrupt abbricht. Ob da noch eine Fortsetzung kommen wird? Mit mehr Budget und besseren Schauspielern könnte Regisseur MICHAEL CRUM spätestens dann der kopierten Vorlage ein Schritt näher kommen. Bis dahin kann Autor GERALD CRUM ja schon einmal an einem neuen Drehbuch schreiben, das ohne bei anderen Horrorhits zu stehlen, mit eigenen Ideen Gänsehaut bescheren kann.
 
 
 


 
 
 

LAKE FEAR – Zensur

 
 
 
Mal wieder wurde ein Film wegen verschiedener Trailer auf eine Freigabe ab 18 Jahre heraufgestuft. LAKE FEAR wurde von der FSK bereits ab 16 Jahren freigegeben.
Übrigens ist dem Label ein kleines Malheur passiert. Auf dem Cover der Heimkinofassung steht eine vollkommen andere Inhaltsangabe. Die gehört zum Körper-Horror FROM BENEATH (2012), der aber nicht auf der Disc zu finden ist.
 
 
 


 
 
 

LAKE FEAR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures | Edel Germany GmbH

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cypress Creek; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Heimkinoveröffentlichung wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 27.11.2015

 

Lake Fear – See der Angst [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

LAKE FEAR – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei MARITIM PICTURTES | EDEL GERMANY GMBH

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt (1987)
 
Cabin of the Dead (2013)
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)


Filmkritik: “Baskin” (2015)

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BASKIN

Story

 
 
 
Fünf Polizisten in der türkischen Provinz freuen sich auf eine ruhige Nachtschicht, doch der Hilferuf einiger Kollegen verheißt nichts Gutes. Etwas später stehen die Fünf vor der verlassenen Ruine eines ehemaligen Polizeireviers. Auf der Suche nach ihren Kollegen begeben sie sich immer tiefer in das Kellergewölbe eines schaurigen Gebäudes. Raum für Raum entdecken sie grausame und blutige Rituale. Schon bald ist klar, dass sich die Polizisten in der buchstäblichen Hölle verlaufen haben. Ein Karussell aus grotesker, widerwärtiger Szenerie setzt sich in Bewegung und ein unerbittlicher Überlebenskampf der fünf Gesetzeshüter beginnt.

 
 
 


 
 
 

BASKIN – Kritik

 
 
 
In diesen Tagen stammen die großen Filme des Horrorgenres vor allem aus den USA, England, Spanien oder dem asiatischen Raum. Insofern ist BASKIN vom türkischen Regisseur Can Evrenol ein echter Exot. Das Filmland Türkei hat sich in der Vergangenheit quasi nur selten auf der internationalen Horror-Bühne gezeigt. Macher Evrenol korrigiert diesen Missstand und rückt direkt einen der grausamsten Spielorte seit Menschengedenken in den Mittelpunkt seines Schauerwerks: die Hölle. Doch es handelt sich bei BASKIN nicht ausschließlich um einen visuell beachtlichen, brutalen Ritt durchs Inferno.
 
 
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Zunächst nimmt sich der Film (übrigens ein Regiedebüt) genügend Zeit, um seine Charaktere vorzustellen. Der Haufen aus fünf Polizisten ist eine heterogene und authentische Gruppe aus Männern, die je nach Einstellung des Zuschauers mehr oder weniger sympathisch wirkt. Anders als in populären Horrorfilmen neueren Datums handelt es sich hier nicht um dumme Teenager, knapp bekleidete Frauen oder stereotype Charaktere, die durch ein Blutbad geschickt werden. Diese Reife schlägt sich auch im Ton des Films nieder. BASKIN verzichtet auf unnötigen Humor, Seitenhiebe oder metaphysische Kommentare über das Genre. Er ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein abgrundtief ernster und böser Film, der keine Gefangenen nimmt.
 
 
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Ein weiteres, sehr positives Herausstellungsmerkmal ist die Machart des Films, die weit über dem Standard westlicher Horror-Produktionen liegt. Mit einem sicheren Blick für Farben, Licht und ansprechende Bildgestaltung zeigt BASKIN direkt zu Beginn die Kompetenz, die hinter der Kamera Platz genommen hat. Die Ankunft der fünf Protagonisten im verlassenen Höllenhaus stellt einen Gangwechsel des Films dar, von hier an begibt sich der Film in eine stete Abwärtsspirale aus Wahnsinn, Blut und Gewalt. So bleibt eine spannende Sequenz in Erinnerung, in der die Polizisten vorsichtig in den Keller besagtem Hauses vordringen. Erfahrene Zuschauer dürften sich hierbei sofort an den spanischen Zombie-Hit [REC] zurückerinnert fühlen, in dem sich ein Kamerateam durch ähnliches Szenario bewegte und zusammen mit einer Spezialeinheit ein Hochhaus untersuchte, in dem ein tödlicher Virus die Runde machte. Was folgt ist ein bizarres Ritual, an dem die übrig gebliebenen Gesetzeshüter teilnehmen müssen. Hier hat man vollständig auf digitale Effekte verzichtet und dank liebevoller Handarbeit eine schleimige, dreckige und fast greifbare Atmosphäre geschaffen, die im Genre Ihresgleichen suchen dürfte. So lässt die exzellente Arbeit von Masken- und Szenenbildnern BASKIN zu einer der besten beklemmenden Höllenvision werden, die man in jüngerer Vergangenheit im Horrorkino zu sehen bekommen hat.
 
 
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Leider hat auch BASKIN mit einigen Problemchen zu kämpfen. Zu den wenigen Wermutstropfen des Films gehört ein Subplot, in dem einer der Protagonisten näher vorgestellt wird. Es ist offensichtlich, dass dieser Charakter und seine Umstände der Schlüssel für die Geschehnisse des Streifens ist. Leider bleiben die exakten Hintergründe etwas schwammig und nur schwer nachvollziehbar – bedauerlich!
 
 
 


 
 
 

BASKIN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
BASKIN ist handgemachter Horror der besten Sorte. Er ist ein blutiges, schmutziges und widerwärtiges Horrorstück aus einem Land, das man in erster Linie nicht mit Horrorfilmen in Verbindung bringen würde. Der türkische Genrebeitrag beeindruckt mit starker Inszenierung und kompetenter Machart, die vielen westlichen Filmemachern klarmacht, worauf es beim Drehen von Horrorfilmen eigentlich ankommt. Ohne nennenswerte Schwächen befindet sich BASKIN auf dem besten Wege zum zukünftigen Kultklassiker, schließlich gelingt es Regisseur Can Evrenol mit Leichtigkeit das Publikum mit unbequemer Atmosphäre zu schockieren. Empfehlenswert.
 
 
 


 
 
 

BASKIN – Zensur

 
 
 
Seine inoffiziele Deutschland-Premiere feierte der Film im Rahmen des 1. SHIVERS-Festivals in Konstanz und wurde dort vom Publikum positiv aufgenommen. Gewalttechnisch gibt es Einiges zu sehen. In der zweiten Hälfte geht es ordentlich zur Sache und Regisseur Can Evrenol spart nicht mit starken Gewaltspitzen, die sich sogar mit sexuellen Aspekten vermischen. Da es sich nicht um eine Horrorkomödie, sondern um einen waschechten Horrorthriller handelt, dürfte die fragwürdige Vermischung von Sex und Gewalt Sorgen bereiten. Eine ungeschnittene Freigabe ab 18 wäre bei einem sehr guten Prüftag der FSK denkbar – ist aber nicht besonders wahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

BASKIN – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Capelight Pictures

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bone Tomahawk (2015)
 
Hellbound: Hellraiser 2 (1988)


Filmkritik: “Condemned” (2015)

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CONDEMNED

Story

 
 
 
In einem leerstehenden Apartmentkomplex braut sich etwas zusammen. Weil Hausbesetzer ihre Abfälle unüberlegt in den Ausguss gießen, kann sich eine mysteriöse Seuche ausbreiten, mit der sich die Bewohner infizieren. Die macht aus den Mietern aggressive Killermaschinen, die sich selbst zerfleischen. Was folgt, dürfte Gorebauern zufriedenstellen, schließlich wird mit der Infizierung ein blutiger Splatter-Reigen eingeläutet, in dem Därme aus Körpern gerissen und Gegenstände in Schädeldecken geschlagen werden.
 
 
 


 
 
 

CONDEMNED – Kritik

 
 
 
Was waren die 80er schön, als man noch ungezwungen mit Geschichten und Spezialeffekten experimentieren konnte und sich abstruse Kreaturen, fiese Serienmörder oder hungrige Kuschelaliens durch Horrorfilme bissen, schlitzten oder fraßen. Mittlerweile muss man nach Abwechslungsreichtum im Genre suchen, denn erfahrene Zuschauer werden zustimmen: es werden immer wieder die gleichen Geschichten verfilmt. Dabei erhält in letzter Zeit vor allem das Zombie- und Virusgenre besonderen Zuspruch, obwohl der Horrorfilm mit einer vielfältigen Auswahl an Subgenres Furcht bescheren möchte. CONDEMNED ist der neuste Streifen einer Flut von immer wieder ähnlich gestrickten Zombiewerken. Im Unterschied zu den meisten dieser Filme, fällt aber ungeschliffene Optik positiv auf, die immerhin manch Schmuddelperle aus VHS-Zeiten Revue passieren lässt. So dürften vor allen Fans der kultigen TROMA-Schmiede auf ihre Kosten kommen, die eine Schwäche für obskure Typen und schlechten Geschmack besitzen. Davon besitzt CONDEMNED nämlich eine ganze Menge.
 
 
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Maya (DYLAN PENN) – ein Mädchen aus gutem Hause – kann die ständigen Streitereien im Elternhaus nicht mehr ertragen, packt ihre Koffer und reist zu Freund Dante (RONEN RUBINSTEIN aus SOME KIND OF HATE) in den Osten von New York. Der teilt sich mit anderen Hausbesetzern einen heruntergekommenen Apartmentkomplex, der seit Jahren leersteht. Einladend ist es dort keineswegs. Nicht nur das Interieur stammt von der Müllhalde; auch bei den skurrilen Bewohnern handelt es sich um menschlichen Abschaum, dem man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. In diesem Haus spielen Drogen, Gewalt und Alkohol eine wichtige Rolle. Umso mehr ist man darum bestrebt, die Polizei glauben zu lassen, dass in diesem Gebäude keine Menschen leben. Leider meint es Drehbuchschreiber und Regieneuling ELI MORGAN GESNER nicht gut mit seinen ohnehin desorientierten Figuren. Die werden von einer seltsamen Seuche heimgesucht, die sich wegen mangelnder Hygiene im Haus ausbreitet. Flucht ist zwecklos, denn einer der Hausbesetzer hat das Weite gesucht und die Eingangstür des Hauses verbarrikadiert. Der Rest muss ums Überleben bangen, denn die Krankheit macht aus gesetzlosen Menschen aggressive Furien, die nur ein Ziel kennen: töten.
 
 
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CONDEMNED ist ein weiterer Horrorfilm, der anwidern und polarisieren möchte. Ganz zur Freude all jener Zuschauer, denen es im Genre nicht abartig genug zugehen kann. Hier wird viel zweifelhaftes Zeug gezeigt und nicht mit Fäkal-, Brech- sowie Tötungsmomenten gegeizt. Hinter all dem steckt mal wieder ein Newcomer, der mit Ekel und Gewalt auf sich aufmerksam machen möchte, damit er im Horrorgeschäft Fuß fassen kann. Regisseur ELI MORGAN GESNER versucht es mit rudimentärer Handlung, reichlich Trash und teils bemerkenswert schlechten Make-up-Effekten, schafft es aber mit keimiger Atmosphäre und diversen Splatter-Einlagen an so Horror-Klassiker, wie STREET TRASH, BAD TASTE oder BASKET CASE zu erinnern. Viel Substanz besitzt CONDEMNED dennoch nicht, denn bis auf dreckige Atmosphäre und viel Mord- und Totschlag besitzt der Streifen nichts, was wohl länger im Gedächtnis bleiben könnte. Zudem schien der Regieneuling über die Richtung seines Machwerks unentschlossen gewesen zu sein, weshalb sich CONDEMNED immer wieder orientierungslos zwischen rigoroser Ernsthaftigkeit, unwitzigem Klamauk und unfreiwilliger Komik bewegt.
 
 
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Unerfahrenheit im Filmemachen sowie kleines Budget sind schuld, dass CONDEMNED weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, obwohl der Film im klaustrophobischen Überlebenskampf manchmal sogar den spanischen [REC] in Erinnerung ruft, in welchem ein Kamerateam von Zombies durch ein ähnliches Szenario getrieben wird. Von den Qualitäten jenes Überlebenstrips ist CONDEMNED natürlich weit entfernt, denn von einem guten Film kann hier nicht die Rede sein. Die Figuren sind durch die Bank unsympathisch und entsprechen gängiger Stereotypen, die man irgendwie nicht mehr sehen möchte oder kann. Zudem hapert es im blutigen Durcheinander oft mit der Logik. So kümmert man sich nicht um Hilfe, während Körper von seltsamen Wundmalen übersät werden. Stattdessen überlässt man sich dem eigenen Schicksal, weil alle Mieter die Konsequenzen der Polizei fürchten – klug ist was anderes. Was bleibt sind einige Gewaltmomente, die in der letzten halben Stunde über den Bildschirm flimmern, damit die triviale Handlung Spielfilmlänge erreichen kann.
 
 
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Liebe Filmemacher, habt erbarmen und lehrt uns bitte auf andere Weise das Fürchten. Ja, CONDEMNED ist eine Independent-Produktion und natürlich stand nur kleines Kapital zu Verfügung. Trotzdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass manchmal nur eine gute Idee genügt, um daraus einen packenden Film mit kleinem Budget drehen zu können. CONDEMNED ist nichts für Feingeister und schert sich einen Deut darum irgendetwas Neues zu erzählen oder Altbewährtes interessant zu verpacken. Stattdessen versucht der Streifen einfältig am immer noch lukrativen Virus-Hype mitzuverdienen. Das ermüdet so langsam, weil seit einigen Jahren die immer gleichen Filme in die Händlerregale gebracht werden, in denen sich Menschen in willenlose (Zombie)Kreaturen verwandeln, die anschließend blutig ausgelöscht werden müssen. Demzufolge werden all jene das Weite suchen, die von Viren, Zombies und tollwütigen Menschen die Nase gestrichen voll haben. Davon gab es in den letzten zehn Jahren einfach zu viel.
 
 
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CONDEMNED – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Dreckig, versifft und garantiert geschmacklos – nach diesem Film, benötigt man dringend eine Dusche. Unappetitlicher Horror-Mix, der nicht mit Körperflüssigkeiten, menschlichem Gedärm oder Blutfontänen geizt. Auch wenn es in der zweiten Filmhälfte gewalttechnisch ordentlich zur Sache geht, ist CONDEMNED kein sonderlich sehenswerter Horrorspaß. Der Film reduziert sich hauptsächlich auf das Abhaken diverser Ekelmomente und garniert das stumpfsinnige Szenario mit groteskem Splatter. Leider erwecken die Make-up-Effekte einen kostengünstigen Eindruck. Zudem pendelt CONDEMNED unentschlossen zwischen Ernsthaftigkeit, Klamauk und unfreiwilliger Komik. Lacher bleiben aus, weil die meisten der gezeigten Geschmacklosigkeiten (TROMA lässt grüßen) nicht sonderlich witzig sind. Was bleibt ist durchschnittlicher Seuchen-Blödsinn, der einfach nur auf der momentan immer noch gefragten Virus-Welle mitreiten möchte. Überflüssig!
 
 


 
 
 

CONDEMNED – Zensur

 
 
 
Was vor einigen Jahren undenkbar durch die FSK gekommen wäre, dürfte heute locker ungeschnitten mit dem roten FSK-Flatschen in den Handel kommen. In der zweiten Filmhälfte gibt es genug blutige Sauereien zu sehen, die die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ rechtfertigen.
 
 


 
 
 

CONDEMNED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cabin Fever (2002)
 
Quarantäne (2008)
 
[REC] (2007)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 


Filmkritik: “Bastard” (2015)

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BASTARD

Story

 
 
 
Was für ein Zufall: Ein frisch vermähltes und blutgeiles Killer-Duo (DAN CREED und ELLIS GREER) gabelt auf der Fahrt zu einem Liveauftritt ein verliebtes Tramper-Paar (darunter REBEKAH KENNEDY aus HOUSE HUNTING und THE UNDERNEATH) auf der Landstraße auf und nimmt es mit dem Auto mit. Die Anhalter outen sich später als Bruder und Schwester und landen zusammen mit den neuen mordgierigen Freunden in einer Herberge auf der Speisekarte von Kannibalen. Tja, das Leben geht manchmal seltsame Wege.
 
 
 


 
 
 

BASTARD – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Streich von AFTER DARK FILMS. Nachdem man sich mit dem AFTER DARK HORRORFEST in Fankreisen einen Namen machen konnte, produziert man seit einigen Jahren selbst Horrorfilme, um Fans der schaurigen Unterhaltung mit immer neuen Horrorprodukten bei Laune halten zu können. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Abwechslung, damit dem Publikum nicht langweilig wird. Ob mordende Zwillinge, ausgefuchste Serienmörder, turboschnelle Zombies oder hysterische Sektengurus – unter dem Banner AFTER DARK ORIGINALS wird im Akkord Gruselzeug fürs Heimkino fabriziert, um die gierige Horrormeute mit stets unterhaltsamen Indie-Schockern fernab des Mainstreams zu versorgen. Mittlerweile gehören die hauseigenen Produktionen aus den AFTER DARK-Studios zum Must-See für Horrorfans, denn anders als Horror-Verbrechen aus den Schrottpressen ASYLUM oder SYFY ist man bei AFTER DARK FILMS immer noch um ein gewisses Maß an Qualität und Schrecken bemüht. Trotz sehenswerte Angstmacher haben es leider immer noch nicht alle AFTER DARK ORIGINALS-Filme nach Deutschland geschafft. So warten vor allem ältere Produktionen, wie CHILDREN OF SORROW, RITUAL oder DARK CIRCLES auch weiterhin auf eine deutsche Auswertung und das, obwohl Letztgenannter zu einem der besten Machwerke gehört, die die Schauerschmiede bis heute produziert hat.
 
 
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Mit dem Horror-Thriller BASTARD probieren die Experten für kurzweiligen Schauer etwas Neues aus. Der Streifen gehört nämlich so jener Art von Filmen, die sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken lassen. So vermischen die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG (die mit BASTARD übrigens ihr Regiedebüt feiern) zig Subgenres zu einem skurrilen Horror-Mix, der gut startet, aber im haarsträubenden Gewaltrausch vom rechten Weg abkommt. Erzwungen blutig geht es hier zu, denn was als anarchische Bonnie-und-Clyde-Kopie beginnt, wandelt ganz schnell auf Tortur, Slasher- und Kannibalenpfaden – bösem Zynismus inklusive. Was sich jedoch für den Liebhaber deftigeren Filmhandwerks als Offenbarung entpuppt, gerät beim Blick über den Tellerrand zum wirren Horrordebakel, in dem man nicht nach Logik suchen sollte. Glaubwürdigkeit scheint nämlich abhandengekommen zu sein, was BASTARD dann doch immer mal wieder unfreiwillig komisch erscheinen lässt – gewollt war das definitiv nicht. Doch damit nicht genug. Das eifrige Kombinieren unterschiedlicher Subgenres will nicht so recht funktionieren. Oftmals kann man sich dem Gefühl nicht entziehen, als habe man versucht Drehbücher zu unfertigen Filmen in irgendeiner Weise zusammenzuführen, um daraus gewaltigen Horrorquatsch zu machen. Der Verdacht kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Interviews der Macher im Netz glauben, so sollte die Idee von einem Killer-Pärchen anfänglich in Form eines Kurzfilmes Verwendung finden, das Drehbuch hierzu war bereits in Arbeit. Letztendlich entschied man sich jedoch dazu, die mordlüsternen Liebenden zusammen mit anderen Protagonisten (aus ebenso selbst geschriebenen, unfertigen Skripten) in einem Film unterzubringen und von bösen Kannibalen schlachten zu lassen. Ob das wirklich so gut gewesen ist, wie es die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG in euphorischen Lobgängen bekunden, mag bezweifelt werden, denn Fakt ist: in BASTARD passt irgendwie kaum etwas zusammen.
 
 
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Dabei waren die Ambitionen groß. So orientierte man sich visuell an Klassikern wie FREITAG DER 13. oder CARRIE. Inspirationen für die akustische Untermalung lieferten die Kultwerke HALLOWEEN und SUSPIRIA. BASTARD verbeugt sich als selbsternannter Retro-Slasher mit pumpenden Synthesizer-Klängen, abrupten Schnitten und heftigen Kills (die handgemachten Effekte sehen übrigens klasse aus) vor den bösen Meuchelfilmen der späten 70er und frühen 1980er, von denen viele auch heute noch ihr Dasein auf der Liste für jugendgefährdende Medien fristen. Trotz ähnlicher Machart sollte dennoch unterschieden werden. Während man heutzutage gern an viele der aktuell immer noch beschlagnahmten Filme zurückblickt, dürfte sich in dreißig Jahren wohl kaum jemand an diese AFTER DARK-Produktion erinnern können. BASTARD ist ein komisches Machwerk, über dessen Sinn und Unsinn man sich definitiv streiten kann. Umso mehr lässt der Gedanke erschauern, dass dieser Horror-Thriller in Serien gehen könnte. Über drei mögliche Fortsetzungen und einem Prequel witzeln die Regisseure mit der Fachpresse. Da kann man nur hoffen, dass es auch wirklich beim Spaß bleibt.
 
 
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BASTARD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine haarsträubende Geschichte über Inzucht, Kannibalismus und deftigen Morden. BASTARD ist ohne Zweifel ein Fest für Liebhaber der härteren Filmgattung. Leider wurden für diesen AFTER DARK-Film zu viele Subgenres miteinander kombiniert, weshalb sich der Retro-Slasher dann doch in allerhand unglaubwürdigen und konstruiert wirkenden Handlungsverläufen verfängt. Nichts will in BASTARD zusammenpassen, weil hier offensichtlich Ideen gesammelt und unbedacht zusammengeführt wurden. Für den kurzen Adrenalinschub mag das ausreichen. Klammert man jedoch die Gewaltmomente aus, bleibt nur eine löchrige Handlung übrig, die im Grunde genommen kaum Sinn ergibt. Als Horror-Thriller kann man BASTARD nicht ernst nehmen. Trotz dezentem Zynismus und viel unfreiwilliger Komik funktioniert das Machwerk auch als rabenschwarze Horrorkomödie nicht – dazu ist der Film einfach nicht lustig genug.
 
 


 
 
 

BASTARD – Zensur

 
 
 
BASTARD ist kein Film, der sich in Sachen Gewalt zurückhält. Einem Protagonisten wird die Wirbelsäule bei lebendigem Leib herausgerissen, ein Kind wird aus dem Mutterleib einer Heldin herausgeschnitten und in menschlichem Gedärm wird auch herumgewühlt. Das ist teils hart anzuschauen. Demnach könnte es Probleme mit der FSK geben. Man darf gespannt sein.
 
 


 
 
 

BASTARD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Among the Living (2014)
 
GirlHouse (2014)
 
Awaiting (2015)
 
Starve (2014)
 


Filmkritik: “The Green Inferno” (2013)

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THE GREEN INFERNO

Story

 
 
 
Grünschnäbelige Umweltaktivisten erleben die Lektion ihres Lebens. Sie stürzen mit einem Flugzeug im Amazonas ab und werden von einem primitiven Waldvolk verspeist.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Kritik

 
 
 
Man muss ELI ROTH an dieser Stelle einmal Lob aussprechen. Nicht nur, dass der HOSTEL-Regisseur mit seinem Schaffen immer wieder für zweifelhaften Gesprächsstoff sorgt; dem Filmemacher gelingt es zudem stets neue dumme Machwerke zu kreieren, die sich vor allem durch eines auszeichnen: selbstzweckhafte und sinnlose Gewalt. Selbstverständlich macht da auch THE GREEN INFERNO keine Ausnahme – ein Kannibalenschocker, der eigentlich schon 2013 in die Kinos gebracht werden sollte. Leider wurde der Streifen nach dem überraschenden Abgang von CHRISTOPHER WOODROW (Ex-CEO bei der Film-Finanzierungsgesellschaft WORLDWIDE) immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben, so dass an eine internationale Auswertung kaum noch zu denken war. Zwei Jahre später hatte man mit Horrorfans Erbarmen und brachte THE GREEN INFERNO doch noch in die Kinos. Ein cleverer Schachzug, feierte Roths missratenes Terror-Remake KNOCK KNOCK parallel im Multiplex Premiere und lockte Fans des aneckenden Regisseurs ohnehin scharenweise in die Lichtspielhäuser.
 
 
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Nichts Neues aus der Welt des ELI ROTH. Der Meister des nicht sonderlich klugen Horrors macht’s wie eh und je. Das bedeutet, dass auch in THE GREEN INFERNO nur jene Zuschauer auf ihre Kosten kommen dürften, denen es im Horrorfilm nicht blutig genug zugehen kann. Die bekommen hier manch deftige Sauerei vor die Linse, die in ihrer radikalen Detailfreudigkeit leider zu keinem Moment jene schockierende und beunruhigende Härte bewirkt, die einst kontrovers diskutierten Filme aus der Mache der Italiener RUGGERO DEODATO, UMBERTO LENZI und JOE D’AMATO erreichen konnten. Vor deren Werke ließ sich Roth inspirieren, wobei herzulande nur wenige junge Zuschauer mit Kannibalenklassikern wie CANNIBAL HOLOCAUST oder CANNIBAL FEROX etwas anzufangen wissen, weil die sich auch dreißig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung immer noch auf dem Index für jugendgefährdende Medien befinden.
 
 
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THE GREEN INFERNO nimmt den Besucher mit auf eine Reise voller Gefahren. Die führt direkt in die Tiefen des bewaldeten Amazonasgebiets, wo Studenten (darunter LORENZA IZZO aus THE STRANGER und ARIEL LEVY aus AFTERSHOCK) die Abholzung des Regenwaldes und die Ausrottung von Naturvölkern verhindern wollen. Ein demonstratives Anketten an Baumriesen verläuft nach Plan und das unbedachte Eingreifen des Menschen in die Natur kann erfolgreich gestoppt werden. Doch die Freude der Umweltaktivisten ist nur von kurzer Dauer, denn der Heimflug endet im Desaster. Die Maschine stürzt ab und reißt die Insassen in den Tod. Die Überlebenden werden von Eingeborenen entdeckt, betäubt und in ein Dorf verschleppt, wo man die Gestrandeten wie Vieh in einen Käfig sperrt. Was folgt gleicht einem Albtraum, denn die Studenten landen auf der Speisekarte derer, die sich eigentlich beschützen wollten.
 
 
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Alle Jahre wieder scheint Herr Roth unweigerlich mitteilen zu wollen, dass er zwar einen ausgeprägtem Sinn fürs Visuelle besitzt, dafür kein talentiertes Händchen für guten Horror. Erneut steckt hinter dem Schaffen von ELI ROTH nichts mit Hirn und Tiefsinn. Vielmehr beschäftigt sich der Regisseur wie bisher mit dem Zelebrieren von reißerischem Exploitation, in dem krudes Sterben besonderes Augenmerk erhält. Dabei beginnt THE GREEN INFERNO eigentlich ganz vielversprechend. Der Film besitzt interessante Ansätze und macht sogar von der Moralkeule gebrauch. So versucht man die rigoroses Abholzung des Regenwaldes und die Vernichtung von Lebensräumen zu thematisieren. Leider wird die anfängliche Kritik nur als Alibifunktion missbraucht, um wenig später Protagonisten grausam sterben zu lassen. Das mag zwar der Gewaltfraktion ausreichen – alteingesessenen Horrorliebhabern dürften Splatter und Gore allein nicht ausreichen, damit sich Horrorfilme auf Dauer ins Gedächtnis einbrennen können. Letztendlich verschwendet THE GREEN INFERNO viel Potenzial. Die Landschaftsaufnahmen sind überwältigend und der glatt gebügelte Look überzeugt. Inhaltlich wird auf Sparflame geköchelt und anfängliche Kritik schnell aus den Augen verloren. Bedauerlich, wenn man bedenkt, was für ein brachiales Horrorwerk THE GREEN INFERNO hätte werden können. So bleibt ein austauschbarer Splatterfilm übrig, der vergebens nacheifert, was einst schmuddelige Kannibalen-Reißer vor knapp 40 Jahren bedeutend besser und unbequemer auf Zelluloid gebannt haben.
 
 
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THE GREEN INFERNO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Gewalt und Blut allein zeichnen noch lange keinen guten Horrorfilm aus. THE GREEN INFERNO ist Roths Antwort auf die vielen italienischen Kannibalenfilme, die in den 1970ern Kinosäle heimsuchten. Während Roths Vorbild RUGGERO DEODATO in CANNIBAL HOLOCAUST noch mit dreckigen Dschungelaufnahmen, für damalige Verhältnisse cleverer Found-Footage-Idee und herber Gesellschaftskritik auf den Magen schlug, macht sich’s ELI ROTH zu einfach und liefert auf Hochglanz gebügelten Kannibalenquatsch ab, der denn einfach nur blutig ist. THE GREEN INFENO ist typischer Horror-Brei, wie man ihn letztendlich aus der Mache des polarisierenden Regisseurs auch erwartet hat. Das bedeutet: geschmackloser und zu keinem Zeitpunkt lustiger Humor, schablonenhafte Charaktere, eine triviale Geschichte und jede Menge Gewaltmomente. Immerhin ist das alles kurzweilig inszeniert, was aber vermutlich auch darauf zurückzuführen sein dürfte, weil das Kannibalen-Genre im Gegensatz zu anderen Subgenres noch relativ unverbraucht ist. Wir meinen: Glotze an, Film rein und Hirn abschalten. Großes Kannibalenkino sieht aber anders aus.
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Zensur

 
 
 
Viel böses Zeug wird in THE GREEN INFERNO gezeigt. Das wird reißerisch in Szene gesetzt. Ob eklige Ausweidungen, das Abtrennen von Körperteilen oder das Herausreißen von Augäpfeln – zimperlich geht es in diesem Kannibalenschocker nicht zu. Die FSK hat dem Film eine Freigabe ab 18 attestiert. Überraschenderweise handelt es sich dabei sogar um die ungeschnittene Filmfassung. Das mag dahingegen absurd erscheinen, da THE GREEN INFERNO hinsichtlich der gezeigten Abartigkeiten weitaus blutiger ist, als all die vielen Menschenfresser-Streifen aus den 1970ern. Letztere befindet sich bis heute auf dem Index und dürfen demnach nicht in Deutschland verkauft werden.
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei CONTANTIN FILM / HIGHLIGHT COMMUNICATIONS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Butcher Boys (2012)
 
Nackt und zerfleischt (1980)
 
Mondo Cannibale (1972)
 
Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch (1977)
 
Cannibal Terror (1981)
 
Lebendig gefressen (1980)
 


Filmkritik: “Turbo Kid” (2015)

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TURBO KID

Story

 
 
 
Für die meisten von uns war 1997 das Jahr, in dem die Spice Girls Radio sowie Musiksender bevölkerten und auf erstaunlich robusten Mobiltelefonen Snake gespielt wurde. Für den jungen Comic-Fan, der nur als „The Kid“ (Munro Chambers) bekannt ist, besteht 1997 hauptsächlich aus Fahrradtouren durch eine Welt, die von nuklearem Krieg verwüstet wurde. Zusammen mit der merkwürdigen Apple (Laurence Leboeuf) und dem Cowboy Frederic (Aaron Jeffery) durchstreift er die Weiten der zerstörten Gegend auf der Suche nach Schrott, Spielzeugen, Waffen und anderem illustrem Gut. Der apokalyptische Alltag wird unterbrochen, als die Gruppe ihren Weg mit dem von Zeus (Michael Ironside) kreuzt, der als despotischer Herrscher Gladiatorenkämpfe veranstaltet und allerlei fiese Verbrechen begeht. Selbstverständlich muss Zeus gestoppt werden. Mit dem Superhelden-Kostüm, das das zukünftige „Turbo Kid“ in einem abgestürzten Flugzeug entdeckt, sollte das Duell sogar zu gewinnen sein.
 
 
 


 
 
 

TURBO KID – Kritik

 
 
 
Schon während des Vorspanns fliegt dem geneigten Zuschauer eine große Menge an Nostalgie entgegen. Mit einem stimmigen Soundtrack aus Synthesizer-Sounds und feinstem Power-Rock flitzt Turbo Kid auf seinem BMX durch die nukleare Wüste, so dass man sich sofort in die Popkultur der 80er und 90er Jahre zurückversetzt fühlt. Natürlich dürfen auch Referenzen an beliebte Filme der Ära (beispielsweise „Armee der Finsternis“) nicht fehlen. Abgerundet wird die spaßige Hommage an vergangene Zeiten mit dem Auftritt von Michael Ironside, der durch Auftritte in „Total Recall“ oder „Starship Troopers“ zu einem der denkwürdigsten Retro-Leinwandschurken avanciert ist. In der knallbunten Ausstattung des Films spiegelt sich der nostalgische Geist von „Turbo Kid“ ebenso gut wie in der passenden musikalischen Untermalung wieder.
 
 
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Angereichert wird der Ritt durch die 80er und 90er von einem Festival aus kreativem Splatter und Gore, das nicht zuletzt von Zeus Handlanger Skeletron verursacht wird. Wenn Turbo Kid mit seinem Turbo-Handschuh reihenweise Schurken zum Explodieren bringt und Heldin Apple mit ihrem Gnome-Stick (ein Waffe bestehend aus einem Stock und einem Gartenzwerg) Köpfe einschlägt, verdient sich „Turbo Kid“ herzhaftes Jubeln und lautes Gelächter. Bei einem solchem Spaß verlassen sich die Autoren des Films nicht nur auf Referenzen an vergangene Publikumshits, sondern liefern auch eigene Ideen, wie zum Beispiel das etwas andere Geheimnis, das Turbo Kids Gefährtin Apple verbirgt.
 
 
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Etwas ärgerlich ist die Tatsache, dass der Protagonist des Films zwischen den Nebencharakteren verblasst. Die exzentrisch-freundliche Apple, der Endzeit-Cowboy Frederic und natürlich der große Bösewicht Zeus sind allesamt interessanter und passen besser in das schräge Universum des Films als der eher dröge und langweilige Junge, der das Ziel der altmodischen Rache verfolgt.
 
 
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TURBO KID – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Blutiges und witziges Retro-Spektakel mit abgefahrenen Ideen und deftigen Schauwerten, die das Herz jedes Horrorfans schneller schlagen lassen. „Turbo Kid“ ist eine liebevolle Hommage an die Action- und Splatterfilme der B-Kategorie, von der die 80er und 90er so zahlreiche Beispiele hervorgebracht haben. Mit kreativen, handgemachten und vor allem lustigen Splattereffekten und einem stimmigen Soundtrack sorgt der etwas andere postapokalyptische Film für jede Menge kurzweiligen Spaß und ist gleichermaßen ein Tipp für Fans von Comics als auch Splatterfreunde.
 
 


 
 
 

TURBO KID – Zensur

 
 
 
Der Film punktet mit großzügigem Einsatz von Kunstblut, Prothesen und brutalen Spitzen. Zu jeder Zeit schwingt jedoch eine Menge Humor mit, so dass “Turbo Kid” sogar von der FSK bereits für Sechsehnjährige freigegeben wurde. Alle Heimkino-Medien des Films sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

TURBO KID – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) LFG (KeepCase)

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(c) LFG (Mediabook Cover A – limitiert auf 3000 Stück)

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(c) LFG (Mediabook Cover B – limitiert auf 500 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Turbo Kid; Kanada / Neuseeland 2015

Genre: Komödie, Horror, Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch Stereo 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Amaray: Bildergalerie, Trailer | Mediabook: zusätzlich 20-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Marcus Stiglegger, Making Of, Bonusfilm: “T is for Turbo” (englisch), RKSS (Road Kill Superstars) Kurzfilme (englisch), RKSS Faketrailer

Release-Termin: Amaray: 13.11.2015 | Mediabook: 13.11.2015

 

Turbo Kid [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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TURBO KID – Trailer

 
 

 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Ledick Filmhandel

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deathgasm (2015)
 
Army of Darkness – Armee der Finsternis (1992)
 
Bad Taste (1987)
 


Filmkritik: “Deathgasm” (2015)

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DEATHGASM

Story

 
 
 
Die Möglichkeiten für den jungen Metalhead Brodie (Milo Cawthorne) sind begrenzt. Der nerdige, ruhige Außenseiter lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter im abgelegenen Neuseeland und durchläuft die üblichen Prüfungen und Strafen der Jugend. Als seine Mutter nach einem unrühmlichen Zwischenfall in die Geschlossene eingewiesen wird, kommt es noch dicker. Er muss mit seinem strikt religiösen Onkel Albert, dessen Frau Mary und deren unsäglich prolligem Sohn zusammenleben. Als ob das nicht schlimm genug wäre, buhlt dieser um die Gunst der blonden Schönheit Medina (Kimberley Crossman), auf die Brodie ebenfalls ein Auge geworfen hat. Erst das Zusammentreffen mit dem Rebellen Zakk (James Blake) lässt Hoffnung aufkommen. Mit zwei strebsamen Schulkollegen bilden sie die Metalband DEATHGASM und hauen in ihrer Freizeit brutale Riffs raus. Die Situation im ruhigen Städtchen gerät endgültig aus den Fugen, als Brodie und Zakk auf einen Satz mysteriöser Notenblätter stoßen und die sogenannte „Schwarze Hymne“ spielen. Dass sie damit ihre Nachbarn in blutrünstige Dämonen verwandeln ist nur eine der vielen Nebenwirkungen gespielter Noten. Ganz nebenbei öffnen sie ein Höllenportal und müssen sich binnen weniger Stunden auf die Ankunft des Chef-Dämons Aloth vorbereiten.
 
 
 


 
 
 

DEATHGASM – Kritik

 
 
 
Nach „Housebound“ aus dem Jahr 2014 ist „Deathgasm“ der neueste Splatter-Export vom anderen Ende der Welt. Darin tobt der offensichtliche Metal-Fan und Effekt-Spezialist Jason Lei Howden (der unter Anderem an der „Hobbit“-Trilogie oder den „Avengers“ mitwirkte) sich gehörig aus und zelebriert eine bis dato ungesehene Variante der filmischen Auseinandersetzung mit schwermetallener Musik. Mit sehr deutlichen Anleihen an die Kultklassiker der „Evil Dead“-Reihe („Tanz der Teufel“) gibt er die Jagd auf besessene Nachbarn frei und beschert seinem Publikum ein amüsantes, blutiges Splatter-Fest.
 
 
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Sam Raimis beliebte und großartige Horror-Saga um den tollpatschigen Jedermann Ashley Williams hat in den letzten drei Jahrzehnten unzählige Horror-Regisseure inspiriert und gilt bis heute als eine der ikonischen Filmreihen, die vor allem in späteren Kapiteln gekonnt Humor mit jeder Menge Gematsche kombiniert. Als jüngster gedanklicher Nachfolger muss „Deathgasm“ sich dem Vergleich mit seinem offensichtlichen Vorbild „Evil Dead“ stellen. Leider entkommt der neuseeländische Debütfilm von Jason Lei Howden diesem Vergleich nicht ohne Blessuren. Howden verkompliziert seinen Film unnötig und reichert ihn mit einigen Subplots an, die vom eigentlichen Fokus des Splatter-Festes ablenken und obendrein ein leichtes Ziel für Logiklöcher und Ungereimtheiten aller Art bilden. Der romantische Plot beispielsweise, der sich zwischen Brodie und Medina entwickelt, basiert auf einem sehr dürftig geschriebenen weiblichen Charakter und bremst den Film eher aus, als dass er ihn bereichert.
 
 
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Der Stil des Films, der zum Anfang mit vielfältigen visuellen Reizen, schnellen Schnitten, Schwenks und sonstigem Kamera-Gespiele überzeugt, ist im weiteren Verlauf leider sehr inkonsistent. Dies führt dazu, dass zwischen der flinken Einleitung des Films und dem eigentlichen Beginn der blutigen Action eine Leere entstehen lässt, die man beinahe als langweilig bezeichnen könnte. Was das Design der Dämonen angeht, kann „Deathgasm“ einige Punkte sammeln, hier macht sich die vorherige Erfahrung des Regisseurs deutlich bemerkbar, auch wenn das Axtfutter und ihre Inszenierung gelegentlich etwas zu stark an die Vorbilder aus „Evil Dead“ erinnern. Auch die Make-Up-Effekte sind gut gelungen und schmeicheln dem Auge durch eine fast ausschließlich handgemachte Qualität. Endlich gibt es wieder einen Film zu sehen, in dem das Kunstblut buchstäblich an der Kameralinse herunterläuft.
 
 
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DEATHGASM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Halsbrecherische Dämonenjagd mit viel (Herz)Blut und Metal. Jason Lei Howdens Debüt „Deathgasm“ ist ein unbeschreiblich amüsanter Splatterfilm von Metalheads für Metalheads, durchsetzt mit donnernden Riffs, einem derben Soundtrack und großzügigen Portionen Monster-Schnetzelei. Den gleichen Kultstatus wie sein Vorbild „Evil Dead“ wird der Film wegen einem dünnen, unnötig komplizierten Drehbuch und fehlendem Charme vermutlich nicht erreichen, trotzdem ist es ein gelungener Einstand eines sympathischen Regisseurs und ein ordentlicher Beitrag zum modernen Splatter-Genre.
 
 


 
 
 

DEATHGASM – Zensur

 
 
 
Kettensägen, Äxte und natürlich Dildos kommen beim Nahkampf mit der dämonischen Brut zum Einsatz und verursachen einen gesunden Blutfluss. Da sich die Gewalt gegen (nichtbesessene) Menschen in Grenzen hält und der Film durchgängig von einem leicht, humoristischen Ton dominiert wird, ist eine Jugendgefährdung hier nicht wirklich gegeben. DEATHGASM hat eine ungeschnittene Freigabe ab 18 erhalten. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

DEATHGASM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Mediabook mit 1 BD & 2 DVDs)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Deathgasm; Neuseeland 2015

Genre: Horror, Komödie, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: rote Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Audiokommentar, Intro vom Regisseur | zusätzlich im mediabook: The Birth of Deathgasm, Brotherhood of Steel, Demon Seed, Gorgasm, Musikvideo der Metal Band “Bulletbelt” mit dem Song “Deathgasm”, 24-seitiger Buchteil

Veröffentlichung: 04.02.2016

 
 
 

Deathgasm [Blu-ray KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Deathgasm – Limitiertes Mediabook ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DEATHGASM – Trailer

 
 

 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Tiberius Film

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Housebound (2014)
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Evil Dead (2013)
 
Demons (1985)
 


Filmkritik: “Starve” (2014)

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STARVE

Story

 
 
 
Drei Mittzwanziger geraten in einer Geisterstadt auf der Suche nach urbanen Legenden in die Hände eines gelangweilten Psychopathen, der mit Durchreisenden abartige Hungerspiele spielt.
 
 
 


 
 
 

STARVE – Kritik

 
 
 
Mit STARVE (zu Deutsch: verhungern) folgt ein Film, der all jene glücklich machen dürfte, die die Qualität von Horrorfilmen an ihrem Blutgehalt und den gezeigten Abartigkeiten festmachen. Die Urangst des Verhungerns muss diesmal als Alibi herhalten, damit sich Menschen gegenseitig töten, um überleben zu können. Das ist Stoff aus dem Horrorfanträume sind – insofern man sich am Leid verzweifelter Protagonisten erfreuen kann und kein Problem damit besitzt, wenn sich Menschen des eigenen Überlebenswillen wegen in Raubtiere verwandeln. Hinter der Kamera hat jemand Platz genommen, der sich mit dem Machen von Horrorfilmen und dem Einsatz blutiger Spezialeffekte auskennt. Multitalent GRUFF FURST ist Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent aber auch Regisseur und war schon an viel Horrorschlamassel beteiligt. Seine umfangreiche Vita umfasst Filme wie DEMONIC (Schauspieler), MASK MAKER (Drehbuch/Regie) oder die unnötige Fortsetzung LAKE PLACID 3 (Regie). Letztgenannter Streifen feierte auf dem amerikanischen Sender SYFY Premiere – kein gutes Omen.
 
 
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Im Low-Budget-Horror STARVE geht es zwei Brüdern samt Freundin an den Kragen. Eine urbane Legende führt die drei in eine unheimliche Geisterstadt. Erzählungen von wilden Kannibalenkindern machen hier die Runde und sollen als Inspiration für einen Comic dienen. Doch es kommt alles anders. Als man in einem verlassenen Haus auf Entdeckungsreise geht, gerät man in die Fänge eines gewissenlosen Schurken, der mit neugierigen Durchreisenden abartige Spiele spielt. Die werden in eine leerstehenden Schule gebracht, dort in Zellen gesperrt und auf Diät gesetzt, damit sie sich dann im Hungerwahn gegenseitig an die Gurgel gehen, wenn herzhafte Zwischenmahlzeiten kredenzt werden. Auch unsere Helden bekommen es bald mit dem Hunger zu tun. Der Verstand schaltet sich aus und man wird vor die Wahl gestellt: gegeneinander kämpfen und töten oder sich ergeben und verhungern.
 
 
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Mit Video- und TV-Produktionen ist FURST vertraut, schließlich wurden viele seiner bisherigen Regiearbeiten direkt fürs Fernsehen oder den Heimkinomarkt gemacht. Dennoch, Fursts ausgeprägtes Gespür für schnell abgedrehte Dutzendware bekommt STARVE negativ zu spüren. Der Überlebensschocker erweckt kostengünstigen Eindruck und lässt Schlimmes befürchten. Schmuddelige TV- und Videooptik dominiert. Die unterstreicht aber immerhin den perversen Ton der nicht immer nachvollziehbaren Geschehnisse. Trotzdem, inhaltlich wird kaum Substanz geboten. STARVE folgt dem Einmaleins austauschbarer Horrorfilme, in denen vornehmlich geschrieen und gestorben wird. Logik kommt da nur selten zum Einsatz, Opfer und Täter handeln willkürlich nach Drehbuch – nicht nach Menschenverstand. So häufen sich im Finale Ungereimtheiten und Filmfehler, weil sich Gut und Böse den Gesetzen des Genres unterwerfen müssen. Das frustriert, vor allem deshalb, weil STARVE nicht sonderlich einfallsreich geschrieben wurde und vorhersehbar ist.
 
 
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Die Hungerspiele sind eröffnet: Regisseur GRIFF FURST konfrontiert in STARVE mit der Frage, wie weit Menschen gehen würden, wenn der Magen knurrt. Eine durchaus interessante Thematik, die aber in STARVE zum plakativen Gewaltrausch umfunktioniert wird. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit menschlichen Urängsten gibt es nicht. Stattdessen müssen sich die Protagonisten mit abwechslungsreichem Waffenarsenal die Rübe einschlagen, damit das Publikum – RAZE lässt grüßen – blutige Erwachsenenunterhaltung zu sehen bekommt. Auch wenn es manch böse Momente zu sehen gibt; die reißerische Zurschaustellung von hungrigen Menschen, die alles dafür tun, um etwas essen zu können, langweilt schnell. Wie im genannten RAZE folgen die immer gleichen Szenenverläufe, in denen Menschen gegeneinander antreten müssen, um sich gegenseitig auszulöschen. Wer nicht genug vom stumpfsinnigen Morden bekommen kann, dürfte wohl trotz Logiklöcher auch mit STARVE gut unterhalten werden. All jene, die hungrig nach guten Horrorfilmen sind, sollten stattdessen auf FILMCHECKER nach sehenswerten Horrorperlen mit Hirn Ausschau halten, schließlich macht STARVE nicht hungrig, sondern verdirbt den Magen.
 
 
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STARVE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hungerst du noch, oder kämpfst du schon? STARVE ist die Erwachsenenversion von DIE TRIBUTE VON PANEM. In diesem Überlebensfilm werden ahnungslose Menschen auf Diät gesetzt und müssen sich für Essen gegenseitig auslöschen. Originalität? Fehlanzeige! STARVE wurde für die Filmfraktion gemacht, die von Horrorfilmen nicht viel erwartet. So liegt der Fokus auf blutigen Spezialeffekten und reißerischen Überlebenskämpfen – Filmfehler inklusive. STARVE ist beliebiges Horrorfutter, das nach Schema F gefertigt wurde. Wer mehr erwartet, ist selber schuld.
 
 


 
 
 

STARVE – Zensur

 
 
 
Einige böse Szene gibt es in STARVE zu sehen. Ein Protagonist verstümmelt sich selbst und reißt sich die gebrochene Hand eigenständig vom Arm. Außerdem bekommt eine Protagonistin einen Elektroschocker in den Hals gerammt. Körper werden zermatscht und Blut gibt es auch zu sehen. Keine Gewaltgranate. Trotzdem gibt es für STARVE in Deutschland wohl die rote FSK-Plakette. Vermutlich immerhin ungeschnitten.
 
 


 
 
 

STARVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hunger (2009)
 
Raze – Fight or Die! (2013)
 
The Hole (2001)
 


Filmkritik: “Headless” (2015)

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HEADLESS

Story

 
 
 
Ein Spin-Off des erfolgreichen Indie-Horrorfilms FOUND: Ein Serienkiller macht Jagd auf junge Frauen, um sie zu köpfen und ihre abgetrennte Schädel zu penetrieren.
 
 
 


 
 
 

HEADLESS – Kritik

 
 
 
Jeder alteingesessene Horrorfan weiß, dass Fortsetzungen spätestens dann folgen müssen, wenn Horrorfilme mehr einspielen, als sie in der Herstellung gekostet haben. Gleiches Schicksal ereilt nun auch den Überraschungshit FOUND, der nicht nur von Kritikern gelobt und auf Filmfestivals ausgezeichnet wurde. Reichlich Aufmerksamkeit erhielt der Streifen vor allem wegen seiner drastischen Zurschaustellung von Gewalt, die in einigen Ländern dafür sorgte, dass FOUND nur geschnitten oder erst gar nicht veröffentlicht wurde. HEADLESS heißt nun der Nachfolger, der gleichen Erfolg verbuchen soll und vermutlich weitaus mehr Zensurprobleme nach sich ziehen wird, als der von SCOTT SCHIRMER inszenierte Low-Budget-Indiefilm aus dem Jahr 2012. Letzterer überließ die Regie seinem Kollegen ARTHUR CULLIPHER, der für die diversen Gore-Effekte in FOUND verantwortlich zeichnete und in HEADLESS seinem Fach alle Ehre macht. Was hier mit einfachen Mitteln an Perversion auf Zelluloid gebracht wird, stellt die in FOUND zelebrierten Gewaltmomente deutlich in den Schatten. Treu dem Fortsetzungscredo “mehr Gewalt, mehr Blut, mehr Tote” wird in HEADLESS ein Gorefest der Extraklasse verbraten, das dem eher unerfahrenen Teil des Publikums tüchtig auf den Magen schlagen dürfte.
 
 
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HEADLESS ist keine Fortsetzung im herkömmlichen Sinne. Regisseur ARTHUR CULLIPHER hat hier jenen Streifen in Spielfilmlänge gedreht, den sich der kleine Marty mit seinem Klassenkameraden im Horrorfilm FOUND angesehen hat. Das Film-in-Film-Konzept ist nicht neu. Bereits das von den Regisseuren Robert Rodriguez und Quentin Tarantino umgesetzte GRINDHOUSE-Double-Feature bestehend aus DEATH PROOF und PLANET TERROR wurde um Werbeclips fiktiver Horrorfilme bereichert, die erst Jahre später zu abendfüllender Horrorware gemacht wurden nachdem sich ein regelrechter Hype um die erfundenen Filmtrailer entwickelt hatte. Innerhalb des immer noch beliebten Grindhouse-Stils macht es sich auch HEADLESS-Regisseur ARTHUR CULLIPHER bequem. Der hat nicht nur aus einem in Wirklichkeit nicht existenten VHS-Video ein Splatter-Erlebnis geschaffen; er gaukelt dem Zuschauer zudem vor einen Film aus dem Jahr 1978 zu sehen in dem Gewalt und Sex eine wesentliche Rolle spielen. Neben nackter Haut und genügend Splatter hat HEADLESS aber auch eine Geschichte zu erzählen. Die handelt von einem namenlosen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Mit Skelettmaske vermummt folgt er einem imaginären Alter-Ego, das ihn zu schrecklichen Taten anstiftet. So werden Frauen geköpft, ihre Augen verspeist und die abgetrennten Köpfe penetriert. Die Ursachen sind – wie meistens – in der Kindheit zu suchen. Unter dem harten Regime einer dominanten Mutter wurde der Killer als Kind in einen Käfig gesperrt und von Mutter aber auch Schwester schikaniert und gedemütigt. Jahre später wird er von einem unbändigern Hass auf Frauen getrieben, den auch bald die Mitarbeiterinnen einer Rollschuhbahn zu spüren bekommen. Die sehen sich bald im ungemütlichen Heim des Mörders wieder, der in seinem Wohnzimmerregal eine stattliche Sammlung enthaupteter Frauenschädel ausgestellt hat.
 
 
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HEADLESS ist kein Film für kommerzverwöhnte Mainstream-Zuschauer, denn die Produktion befindet sich auf gehobenem Amateur-Niveau und hatte kaum Budget zur Verfügung. Das kam teils per Crowdfunding zusammen und ließ wenig Spielraum für Experimente zu. Vor allem bei den schauspielerischen Leistungen fällt das magere Kapital negativ ins Gewicht. Das laienhafte Schauspiel sorgt nicht selten für unfreiwillige Komik, denn die Akteure kreischen und winseln derart übertrieben und situationsfremd, dass es sogar zur Übersteuerung der Heimkinoboxen kommt. HEADLESS-Drehbuchautor NATHAN ERDEL erklärte in Interviews mit der Genre-Presse, dass er sich beim Schreiben von Filmen wie THE LAST HOUSE ON DEAD END STREET und THE HEADLESS EYES inspirieren lies – schmuddlige Werke, die in jenem Jahrzehnt entstanden, in dem auch HEADLESS spielen soll. So ist es demnach keine Wunder, dass der Film auch so ausschaut, als wäre er in jener Zeit entstanden, erinnert er in seiner schonungslosen Gewaltverliebtheit an ruppigen B-Horror der späten 1970er und den frühen 1980er. Dennoch, trotz aller Liebe zur Old School besitzt HEADLESS nur wenig Substanz. Der Film fokussiert sich all zu krampfhaft auf das Zeigen von Gewalt. Dabei war man offensichtlich bestrebt, die Gewaltschraube stetig fester zu ziehen, so dass der Film fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung drastischer Bilder besteht. Dass dem erfahrenen Zuschauer aufgrund mangelnder Abwechslung schnell die Augen schwer werden, ist da nur die logische Konsequenz. Schnell hat man sich an den immer gleichen Szenenabläufen sattgesehen.
 
 
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Auch wenn sich Macher ARTHUR CULLIPHER hinsichtlich der Splatter-Einlagen richtig austoben konnte, enttäuscht HEADLESS im direkten Vergleich zum Vorgängerfilm FOUND auf ganzer Linie. Der dreckige Retro-Mix aus MANIAC und TEXAS CHAINSAM MASSACRE macht nur bedingt Spaß, denn der Streifen wirkt lieblos und erzwungen. Fast schon möchte man meinen, dass man nach dem Überraschungserfolg von FOUND schnell noch die besten Szenen des Indies wiederverwerten und daraus krampfhaft einen Film machen musste, um erneut die Kassen klingeln zu lassen. HEADLESS bietet gerade einmal Stoff für einen Kurzfilm. Warum man auf Heller und Pfennig was fürs Abendprogramm drehen musste, dürfte in der Profitgeilheit gewinnorientierter Produzenten zu suchen sein. So darf man davon ausgehen, dass auch in Zukunft mehr aus dem erfolgreichen FOUND-Universum kommen wird und das Franchise so lang mit Fortsetzungen und Prequels vorangetrieben wird, bis keiner mehr den Killer mit der blutigen Totenkopfmaske sehen möchte. Wer von FOUND begeistert war und demnach einen ähnlich guten Film erwartet, sei an dieser Stelle vorgewarnt, denn HEADLESS ist alles andere als herausragende Horrorunterhaltung. Ein enttäuschendes Spin-Off und wie der Titel es hätte besser nicht umschreiben können: kopflos!
 
 
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HEADLESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein dreckiger, tabuloser, schonungsloser und rabiat-blutiger Mix aus MANIAC und TEXAS CHAINSAW MASSACRE, der in Sachen Gewalt Fanherzen schneller schlagen lässt. HEADLESS erinnert in seiner Machart an reißerische Horrorstreifen, die Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre in den berüchtigten Grindhouse-Kinos liefen und vor allem durch das Zeigen drastischer Gewalt in Kombination mit schlechten Schauspielern und reichlich Sex zu beachtlicher Popularität kamen. Auf gleicher Welle schwimmt auch HEADLESS, der viele böse Szenen aneinanderreiht, damit pubertierende Jugendliche auf dem Schulhof was zu erzählen haben. Sieht man jedoch von den wirklich fragwürdigen Mordszenen ab, bleibt nicht mehr viel übrig, womit HEADLESS überzeugen kann. Die technische Standart ist bescheiden und das Schauspiel eine Katastrophe. Dafür sind die handgemachten Gore- und Splatter-Effekte für Indie-Verhältnisse durchaus sehenswert. Leider besitzt HEADLESS kaum Substanz, so dass man sich schnell an den bösen Momenten satt gesehen hat, die sich ständig wiederholen damit man Spielfilmlänge ereicht. Mehr als Stoff für einen Kurzfilm bietet die rudimentäre und wortkarge Handlung nämlich nicht, die zudem weder Identifikationsfiguren, noch einen Spannungsaufbau besitzt. Wer demzufolge nach dem Ausnahmefilmchen FOUND ähnlich Großes erwartet, sollte mit dem Schlimmsten rechnen. Kein Wunder, ist HEADLESS weit davon entfernt ein guter Horrorfilm zu sein und das obwohl er doch vielversprechend von den Machern als “lost slasher film from 1978” beworben wird.
 
 


 
 
 

HEADLESS – Zensur

 
 
 
HEADLESS ist in Sachen Gewalt weitaus zeigefreudiger als der Vorgängerfilm FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER. Es werden Kehlen durchgeschnitten, Beine und Köpfe mit einer Machete abgeschlagen und Augäpfel aus Augenhöhlen gerissen, damit sie verspeist werden können. Weitaus derber sind die äußerst langen Penetrationsszenen in denen der Serienkiller die abgetrennten Schädel seiner Opfer penetriert. Die Effekte sind zwar simpel aber ziemlich hart anzusehen. Demnach wird die FSK mit HEADLESS keinen Spaß verstehen, so dass der Streifen in Deutschland keine Freigabe in ungeschnittener Form erhalten wird.
 
 


 
 
 

HEADLESS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Found – Mein Bruder ist ein Serienkiller (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
The Orphan Killer (2011)
 
Carl (2012)
 
Maniac (1980)
 


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