Filmkritik: „Sea Fever“ (2019)

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SEA FEVER

Story

 
 
 

Während einer Fischereiexpedition machen Wissenschaftlicher Bekanntschaft mit einem tödlichen Parasiten.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Kritik

 
 
 
Es gibt immer noch Welten auf diesem Planeten, die von der Menschheit weitestgehend unerkundet geblieben sind. Eine dieser nennt sich Tiefsee und beherbergt Individuen, die so grotesk aussehen, dass man meinen könnte, sie wären aus einem Horrorfilm entsprungen. Was fantastisch anmutet, ist natürlich für die Filmindustrie immer wieder Grund genug daraus irgendwelche Schocker zu basteln. Da dringen nach Millionen von Jahren plötzlich Kreaturen vom Meeresboden an die Oberfläche, die nur ein Ziel kennen: ahnungslose Fischer, Taucher oder Badegäste zu terrorisieren. Offenbar auch Traumfilmstoff für Regisseurin NEASA HARDIMAN. Die hat in der Vergangenheit eher an Episoden für TV-Serien gearbeitet und liefert mit SEA FEVER ihr Langfilmregiedebüt ab.
 
 
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Darin ließ sich die Filmemacherin als bekennender Sci-Fi-Horror und Psychothriller-Fan von Streifen wie ARRIVAL, AUSLÖSCHUNG und THE THING inspirieren. Aber auch die aktuelle Klimakrise hatte maßgeblich Einfluss beim Entstehungsprozess des Drehbuchs. Letzteres wurde von Hardiman in Eigenregie verfasst, in welchem sie dem Thema Verantwortung auf den Grund geht. So erklärte die Regisseurin in Interviews, dass wir Menschen zwar nicht viel über den tiefen Ozean wissen, aber durch unser umweltfeindliches Handeln prägenden Einfluss auf die riesigen Ökosysteme unter Wasser haben. Zudem wirft sie in SEA FEVER die Frage in den Raum, inwieweit wir Verantwortung für uns selbst und für andere übernehmen müssen. Themen, die komplex erscheinen, aber nicht unbedingt tiefgründig erforscht werden. SEA FEVER ist mehr Horrorfilm als kritisches Unterfangen. Das muss aber nichts Schlechtes bedeuten.
 
 
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SEA FEVER erzählt die Geschichte der schüchternen Studentin Siobhan. Die landet im Rahmen ihres Meeresbiologiestudiums auf einem irischen Hochseefischereischiff, das hinaus aufs Meer fahren möchte, um dort einige wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen zu können. Doch diese Seefahrt verläuft nicht nach Plan. Die Crew ignoriert Warnungen der Küstenwache und ändert den Kurs. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Ein riesiger und nicht identifizierbarer Tintenfisch heftet sich an den Rumpf des Schiffes. Was jedoch anfangs als Sensation gefeiert wird, schlägt bald in pure Angst um. Das Wasserwesen meint, in dem Schiff tierische Beute gefunden zu haben und stößt blauen Schleim aus seinen Tentakeln aus. Darin enthalten: tödliche Parasiten, die die Crew-Mitglieder infizieren. Da stellt sich verständlicherweise Panik ein, denn niemand weiß, wie man sich vor dem mikroskopisch kleinen Killer schützen kann. Doch Studentin Siobhan hat einen Plan. Die kombiniert richtig und beweist Köpfchen. Was für ein Glücksfang.
 
 
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CABIN FEVER auf dem Meer. So ähnlich lässt sich SEA FEVER mit knappen Worten beschreiben, der ebenso von der Prämisse Gebrauch macht, dass eine mysteriöse Krankheit Menschen befällt und diese anschließend tötet. Statt tödlicher Viren werden hier jedoch kurzerhand kleine Larven für ein Massensterben verantwortlich gemacht. Minimale Unterschiede, die aber das gleiche Ziel haben: den Zuschauer mit ekligen Spezialeffekten bei Laune zu halten. Da explodieren schon mal Augäpfel. Zartbesaitet schüttelt es da verständlicherweise nicht unbegründet. Doch SEA FEVER hat mehr zu bieten als handgemachte Manschereien. Der Streifen macht sich Themen wie Klaustrophobie und Paranoia zu Eigen. Kaum mit der Gefahr konfrontiert, wird das Wasserfahrzeug zum Gefängnis. Umgeben von Wasser kann niemand entkommen, was sich natürlich auch auf die Stimmung des Films auswirkt. Da entsteht plötzlich Panik unter den Anwesenden, zumal bald niemand mehr weiß, wer als Wirt dient und den tödlichem Eindringling überträgt. Wem kann man vertrauen? Wer trägt den Erreger in sich? Und wer bringt anderen den Tod? Fragen, die vertraut klingen und Tempo in den anfangs gemächlich erzählten Film bringen.
 
 
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SEA FEVER verfügt nämlich über ein ähnliches Handlungskonzept, das sich bereits JOHN CARPENTER mit seinem DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT zunutze machte. Dort konnte eine außerirdische Lebensform jede Gestalt von Lebewesen annehmen, was dazu führte, dass Antarktis-Forscher bald nicht mehr wussten, wer von den Kumpels menschlich ist und wer imitiert. So wurden aus Freunden Feinde, was natürlich die Spannung unter den Protagonisten ankurbelte und für psychologischen Horror sorgte. Letzterer ebnet sich auch in SEA FEVER den Weg zum Ziel. Da kippt in der Halbzeit die Stimmung. Aus Neugierde und Forscherdrang wird Ausweglosigkeit und Chaos. Rezepturen, die dem Spannungsaufbau förderlich sind. Kaum ist der erste infiziert, wird eine wissenschaftliche Expedition zum Überlebenstrip. Das bannt vor dem TV-Gerät und der Herzschlag wird schneller. Für einen Horrorfilm unabdinglich.
 
 
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Unterm Strich ist SEA FEVER ein standardisierter Horrorthriller, den sich Fans von Körper-Horror schon mal ansehen können. Die Darsteller sind gut gewählt, in technischer Hinsicht macht der Streifen eine hervorragende Figur und auch die Atmosphäre stimmt. In puncto Originalität gewinnt SEA FEVER aber keinen Filmpreis. Spätestens hier kann Regisseurin NEASA HARDIMAN die TV-Herkunft nicht leugnen. Ihr Langfilmdebüt ist kurzweilig – wie die Episode einer Fernsehserie. Blickt man aber hinter die Fassade makelloser Bilder, bleibt ein austauschbares Handlungsgerüst über, auf dem die meisten Horrorfilme aufbauen. Auch SEA FEVER bedient sich dem vertrautem Prinzip moderner Genrefilme. Darin geht es in der Regel ums Erschrecken oder zeigefreudiges Sterben. Letzterem widmet sich SEA FEVER besonders ausgiebig. Wem das bewusst ist, wird trotzdem gut unterhalten werden.
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Spannender Körper-Horror, der Filme wie THE ABYSS, CABIN FEVER und THE THING zitiert. SEA FEVER gewinnt keinen Originalitätspreis. Viel Substanz besitzt dieser Streifen nicht. Der Film zieht seinen Reiz aus der Tatsache, dass darin auf eine Weise gestorben wird, die in Zeiten von COVID-19 erschreckender denn je ist. Hier stecken sich Filmfiguren mit einem Parasiten an, der mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Als wäre das nicht schon erschreckend genug, trägt man den Übeltäter aus Unachtsamkeit von Mensch zu Mensch weiter. Unterstrichen wird die unbequeme Thematik mit Hilfe ekliger Spezialeffekte. Regisseurin NEASA HARDIMAN weiß, wie Spannung geht. Ihr gelingt es einfach klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen und Panik entstehen zu lassen. Ein geschickter Schachzug, denn so bekommt der Zuschauer nicht unbedingt davon Wind, dass die Story von SEA FEVER gerade einmal auf einen Bierdeckel passt.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Zensur

 
 
 
SEA FEVER ist keine Gewalt oder Splattergranate. Die Spezialeffekte sind zwar eklig, befinden sich aber im FSK16-Bereich. Daher kann man getrost von einer Jugendfreigabe für diesen Body-Horror ausgehen.
 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dust)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Cabin Fever (2016)
 

Filmkritik: „Primal – Die Jagd ist eröffnet“ (2019)

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PRIMAL – DIE JAGD IST ERÖFFNET

(PRIMAL)

Story

 
 
 

Ein flüchtiger Verbrecher lässt auf einem Schiff exotische Tiere frei und metzelt sich durch das Bord-Personal. NICOLAS CAGE versucht die verzwickte Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.

 
 
 


 
 
 

PRIMAL – Kritik

 
 
 
Wer häufig auf dieser Seite vorbeischaut, dem dürfte bereits aufgefallen sein, dass sich Schauspieler NICOLAS CAGE mittlerweile so ziemlich oft in Filmen blicken lässt, die wir hier besprechen. Das liegt nicht daran, dass wir eingefleischte Fanboys des einstigen Oscargewinners sind. Vielmehr hat das mit der Tatsache zu tun, dass für den Amerikaner die großen Glanzzeiten Hollywoods vorbei sind und Cage nun kleinere Brötchen backen muss. Glücklicherweise ganz erfolgreich. Der Mann, der im Jahr 1996 Legenden wie Anthony Hopkins und Sean Penn den Oscar vor der Nase wegschnappte, hat es zum gefeierten B-Movie-Star geschafft. Statt mit Stil und Klasse, dreht Cage billig in Masse und lässt sich gut und gern auch mal in Indie-Horrorfilmen blicken. Was man aber lobend hervorheben muss ist, dass der extrovertierte Schauspieler ein gutes Händchen bei der Filmauswahl beweist. Unter den kaum noch zählbaren Low-Budget-Produktionen vom Fließband tummeln sich hin und wieder Geheimtipps. Zuletzt: MANDY und DIE FARBE AUS DEM ALL. Zwei Titel, die vor allem Kritiker überzeugen konnten, die dem charismatischen Amerikaner schon vor Jahren das Karriereende prophezeit haben.
 
 
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Mit dem Actionthriller PRIMAL – DIE JAGD IST ERÖFFNET geht es aber erst mal wieder abwärts. NICOLAS CAGE spielt hier Großwildjäger Frank Walsh, der es auf exotische Tiere abgesehen hat und damit Geld verdient. In Brasilien findet er einen seltenen weißen Jaguar, den er einfängt und Auftraggebern überbringen will. Doch die Heimreise wird kein Zuckerschlecken. An Bord des Transportschiffes befindet sich auch ein skrupelloser Schwerverbrecher (KEVIN DURAND). Der büchst aus seinem Gefängnis aus und befreit alle Tiere aus den Käfigen. Darunter befinden sich selbstverständlich gefährliche Bestien, denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte. Ein heikles Unterfangen für Bordpersonal und Crew. Die müssen sich nicht nur vor den wilden Kreaturen in Acht nehmen. Auch der entflohende Kriminelle Richard Loffler ist mit allen Wassern gewaschen und lebt an Bord seine Blutgier aus. Für die Anwesenden bedeutet das doppelte Gefahr, denn die sind entweder den tödlichen Angriffen Lofflers oder den Attacken einer der Tiere ausgesetzt. Gut, dass NICOLAS CAGE einen kühlen Kopf bewahrt. Der sammelt das Getier ein und liest dem Ganoven die Leviten. Eben ein waschechter Held.
 
 
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Nein, PRIMAL ist keine Sternstunde des Actionkinos. Man muss nicht viel gesehen haben, um das erkennen zu können. Da hüpft bereits in den ersten Filmminuten ein zu eifrig agierender Cage durchs Bild, der einen schlecht animierten Jaguar jagt. Das erreicht zwar nicht unbedingt das Niveau mieser Asylum-Filme, wächst aber auch nie über die Grenzen unbedeutenden Low-Budget-Trashs hinaus. Die Rezepturen sind zu pfad, mit denen PRIMAL würzt. Wir sehen austauschbares Kanonenfutter, das auf einem Schiff entweder durch freigelassenen Exoten ihr Leben lassen muss oder von einem Kriminellen getötet wird. Letzterer ist der eigentliche Star dieses Survivalthrillers. KEVIN DURAND verkörpert einen schmierigen Killer, der alles und jeden abschlachtet und stets widerwärtige Sprüche auf den Lippen hat. Der stielt damit allen die Show und lässt selbst Cage als den eigentlichen Helden blass erscheinen. Das war dann aber schon das einzige Alleinstellungsmerkmal, mit dem der Thriller trumpfen kann.
 
 
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PRIMAL ist simpel gestricktes Videofutter, wie man es in den 1990ern oft in der Videothek ausleihen konnte. Da wurde nicht viel investiert, um möglichst viel Reibach herausschlagen zu können. Die Figuren sind dumm, das Setting ist überschaubar und auch handlungstechnisch wird kaum etwas geboten. Da wird gestorben und gemordet. Mit mehr will sich das Drehbuch dieses beliebigen Abenteuer- und Actionfilms nicht beschäftigen. NICOLAS CAGE tritt hier in die Fußstapfen von so ehemaligen Actionstars wie STEVEN SEAGAL und CHUCK NORRIS. Die haben im Laufe ihrer Karriere genug Kaboomfilme gedreht, von denen einige sogar bis heute Kultstatus genießen. PRIMAL ist davon weit entfernt. Die hauchdünne Geschichte schlägt bereits nach der Halbzeit in Langweile um, weil sich Handlungsverläufe zu oft wiederholen und auch keine Spannungskurve erkennbar ist. Die für Actionfilme üblichen Explosionen fehlen ebenso, wie gute Spezialeffekte. Verständlicherweise ist da die Gaudi schnell im Keller.
 
 
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PRIMAL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
PRIMAL ist eine Mann-gegen-Mann-Jagd mit Tieren, die gar nicht mal so gut ist. Ein Killer und ein Großwildjäger fordern sich heraus, hauen sich die Köpfe ein und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Dazwischen Affen, ein Jaguar und viele Tote. Klingt nach einer Menge Spaß. Ist aber ganz schön öde. PRIMAL ist einfach gestricktes Actionfutter mit wenig Budget und fehlenden Überraschungen. Die CGI-Effekte sind bescheiden, die Figuren austauschbar und viele der unkontrollierten Schießereien nerven schnell. Dass die Handlung auf einen Bierdeckel passt, ist wohl das größte Problem. Spannend wird es nie. Da kann auch ein NICOLAS CAGE nichts mehr retten, der seit Jahren eine zweite Heimat in Low-Budget-Filmen gefunden hat und mit Auftritten in unkonventionellen Horrorfilmen viel Lob erntet. Der spielt zwar überzogen und verleiht dem Treiben Comic-Charakter, besser macht das den beliebigen PRIMAL aber keineswegs. NICK POWELL zeichnet hier als Regisseur verantwortlich. Der ist normalerweise im Stunt-Fach Zuhause, dreht nach OUTCAST – DIE LETZTEN TEMPELRITTER aber nun schon zum zweiten Mal mit NICOLAS CAGE. Leider beides keine nennenswerte Filmbeiträge.

 
 
 


 
 
 

PRIMAL – Zensur

 
 
 
PRIMAL – DIE JAGD IST ERÖFFNET ist seichte Actionunterhaltung ohne größeres Blutvergießen. Es sterben zwar viele Menschen, aber meist geht das ganz schnell mittels Pistole. Hierzulande hat der Actionthriller eine Freigabe ab 16 Jahren in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

PRIMAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film | Leonine (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Primal; USA 2019

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: 97 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, Trailer-Show

Veröffentlichung: KeepCase: 27.03.2020

 
 

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PRIMAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei UNIVERSUM FILM | LEONINE)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Anaconda (1997)
 
Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee (2004)
 
Piranhaconda (2012)
 

Filmkritik: „47 Meters Down: Uncaged“ (2019)

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47 METERS DOWN: UNCAGED

(47 METERS DOWN: THE NEXT CHAPTER)

Story

 
 
 

Gefräßige Killerhaie gehen auf ahnungslose Teenager los, die eigentlich nur etwas erleben wollen und zu einer versunkenen Mayastadt tauchen.

 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Kritik

 
 
 
Ein Film kommt selten allein. Wenn ein Streifen im Kino weit mehr einspielt, als er Kosten verursacht hat, kann man mittlerweile fest davon ausgehen, dass mit gleicher Rezeptur noch einmal schnelles Geld gemacht wird. Leider entpuppt sich fast jede Fortsetzung lukrativer Kinohits als waschechte Enttäuschung, weil große Studios lieber den Vorgänger recyceln, statt ihn konsequent weiterzuerzählen. Da werden keine Risikos eingegangen und die bekannte Geschichte des Erstlings noch einmal aufgewärmt. Alles auf null – die Grundzutaten bleiben die gleichen, nur die Helden sind neu. Filmkenner nennen das Remake. Ehrliche Fortsetzungen sehen anders aus.
 
 
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Genau eine dieser dreisten Mogelpackungen nennt sich 47 METERS DOWN: UNCAGED und ist eine Pseudo-Fortsetzung des Überraschungshits von 2016. Letzterer hat knapp 5,3 Millionen US-Dollar gekostet und konnte über das Achtfache einspielen. Dass da eine Fortsetzung nicht ausbleibt, war abzusehen. Statt jedoch nahtlos an genannten Hai-Horror anzuknüpfen, folgte man der Fortsetzungsformel aus Hollywood. Das bedeutet: Einfach noch einmal von vorn anfangen und eine neue Geschichte erzählen, die dem Erstling ähnlich ist. Demzufolge steht das Sequel mit dem Titel 47 METERS DOWN: UNCAGED in keiner Verbindung zum erfolgreichen Vorgänger.
 
 
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47 METERS DOWN: UNCAGED erzählt die Geschichte der beiden Stiefschwestern Mia (SOPHIE NÉLISSE aus WAIT TILL HELEN COMES) und Sasha (CORINNE FOXX), die einfach nicht richtig zueinanderfinden wollen. Darum plant Vater Grant (JOHN CORBETT) eine Bootsfahrt in Mexiko für die Schwestern, bei der man durch den Boden eines Glasbootes weiße Haie beobachten kann. Wie es im Horrorfilm aber üblich ist, kommt alles ganz anders. Man verzichtet auf den gut gemeinten Ausflug und macht zusammen mit zwei Freundinnen sein eigenes Ding. Gemeinsam schleichen sich die Damen zu einem kleinen See im Dschungel, wo man nicht nur herrlich baden, sondern mit der richtigen Tauchausrüstung eine überflutete antike Stadt erkunden kann. Ein aufregendes Erlebnis, das die risikofreudigen Teenager ihr Lebtag nicht wieder vergessen werden. Die finden Tauchzubehör, binden es um und begeben sich in ein verzweigtes Höhlensystem. Was die Freundinnen aber nicht wissen: In diesem verzweigten Labyrinth haben es sich auch Haie gemütlich gemacht. Die sind über den unangemeldeten Besuch nicht sonderlich erfreut und veranstalten eine Jagd auf die menschliche Beute.
 
 
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Zwar erfolgreicher, aber nicht unbedingt besser. 47 METERS DOWN: UNCAGED war für alle Beteiligten lukrativ und schwemmt weit mehr Dollars in die Geldbörsen, als der erste Film. Das muss aber nicht zwangsläufig darauf hindeuten, dass das Sequel qualitativ in die gleichen Fußstapfen tritt, wie der Originalfilm von 2016. Zwar kamen keine der Darsteller aus dem Vorgänger zurück. Dafür aber Regisseur JOHANNES ROBERTS und Drehbuchautor ERNEST RIERA. Beide zeichneten erneut für Story und Regie verantwortlich. Was man aber dem Zuschauer mit der eigenständigen Fortsetzung zumutet, ist jenseits von Gut und Böse.
 
 
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47 METERS DOWN: UNCAGED hat ein großes Problem und das nennt sich Einfältigkeit. Wir folgen einer hanebüchenen Geschichte, wie man sie eigentlich so nur in einem Horrorfilm erzählen kann. Glaubwürdigkeit ist nicht die größte Stärke dieser Hai-Fortsetzung. So sehen wir gleich zu Beginn, wie unsere nicht cleveren Heldinnen hochwertiges Tauchequipment mitten im Nirgendwo finden, das für jeden zugänglich ausliegt. Wer geht derart leichtfertig mit seiner Ausrüstung um? Antworten sind Mangelware. Doch bei diesem Plotloch soll es nicht bleiben. Während eines riskanten Tauchtrips stoßen unsere Heldinnen auf monströse Riesenhaie, deren Augen sich aufgrund permanenter Dunkelheit in den Höhlen rückentwickelt haben. Wie kann das passieren, lag doch das Höhlensystem zur Hochzeit der Maya-Kultur trocken? Das indigene Volk war in Mittelamerika bis vor über 1000 Jahren noch weit verbreitet. Innerhalb von nicht mal einem Jahrtausend soll sich also eine ganze Spezies weiterentwickelt haben? Hier muss es sich wohl um eine Meisterleistung der Evolution handeln. Besser man schaltet das Hirn aus und konzentriert sich auf das Sterben.
 
 
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Wie es sich für jeden Hai-Schocker gehört müssen nacheinander alle ihr Leben lassen. Jene Formel folgt auch 47 METERS DOWN: UNCAGED, der viel miserables CGI und lautes Geschrei zeigt, aber es nicht so genau mit der Spannung nimmt. Enttäuschend – vor allem auch deshalb, weil der Streifen nicht viel aus seiner interessanten Grundidee macht. Statt die Protagonisten im klaustrophobischen Labyrinth gefangen zu halten, sie zu terrorisieren und so die Spannungsschraube allmählich bis ins Unerträgliche anzuziehen, verrennt sich 47 METERS DOWN: UNCAGED in nicht nachvollziehbaren Handlungen seiner dummen Figuren und quält mit allerhand totgefilmten Horrorklischees. Viel Trash, wenig Adrenalin. Eine würdige Fortsetzung sieht anderes aus.
 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Wenn aus klaustrophobischen Survival-Horror ein flacher Teenie-Slasher wird. Die Fortsetzung 47 METERS DOWN: UNCAGED ist der neue Tiefpunk im Haifisch-Genre, denn er hat all das zu bieten, was man in einem guten Horrorfilm eigentlich nicht sehen möchte. Aufgetischt werden austauschbare Jungdarsteller, miserables Storytelling, schlechte Computereffekte und jede Menge Filmfehler. Während STEVEN SPIELBERG in den 1970ern mit seinem DER WEISSE HAI allen Räubern der Meere ein furchterregendes Image bescherte, macht Regisseur JOHANNES ROBERTS aus dem gefährlichen Flossentier eine Lachnummer. Statt Adrenalin und echten Horror zu zeigen, wirkt 47 METERS DOWN: UNCAGED trashig und teils unfreiwillig komisch. Schuld daran sind seltsame Handlungsverläufe und die dummen Figuren. Letztere verhalten sich oft derart dämlich, dass man sich fragt, ob beim Schreiben des Drehbuchs einen Clown gefrühstückt wurde. Immerhin konnte man einige Kids namhafter Schauspieler für die Rollen besetzen. Wir sehen CORINNE FOXX und SISTINE ROSE STALLONE in den Hauptrollen. Hierbei handelt es sich um den Nachwuchs von JAMIE FOXX und SYLVESTER STALLONE. Ob allen Beschäftigten beim Unterzeichnen des Arbeitsvertrags bewusst gewesen ist, dass sie sich für die Arbeit an einem Horrorstreifen auf THE ASYLUM-Niveau entschieden haben. Wir möchten es bezweifeln.
 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Zensur

 
 
 
47 METERS DOWN: UNCAGED lief in zwei unterschiedlichen Fassungen im Kino: einmal in mit FSK16 in der Originalfassung. Einmal als gekürzte Filmfassung, die bereits für Zwölfjährige geeignet war. Auf der nun erhältlichen Heimkinofassung befindet sich natürlich die ungekürzte Fassung. Diese hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CONCORDE HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 47 Meters Down: Uncaged; Dominikanische Republik | Großbritannien | USA 2019

Genre: Horror, Abenteuer, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Audiokommentar von Regisseur Johannes Roberts, Produzent James Harris und Autor Ernest Riera, Featurette Diving Deeper: Uncaging 47 Meters Down

Release-Termin: 20.02.2020

 

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47 METERS DOWN: UNCAGED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von CONCORDE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
47 Meters Down (2016)
 
Bait 3D – Haie im Supermarkt (2012)
 
The Shallows – Gefahr aus der Tiefe (2016)
 
The Reef – Schwimm um dein Leben (2010)
 
Shark Night 3D (2011)
 

Filmkritik: „The Pool“ (2018)

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THE POOL

(NAROK 6 METRE)

Story

 
 
 
Der bessere CRAWL: In diesem Film fallen zwei junge Leute in einen riesigen Pool und kommen nicht mehr heraus. Hinzukommt, dass sie dort auch noch Gesellschaft mit einem Krokodil machen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE POOL – Kritik

 
 
Thriller, die auf begrenztem Raum spielen, erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Einige derer haben sich hierbei zum Geheimtipp gemausert, was einmal mehr beweist, dass es nicht unbedingt teuren Sets oder computeranimierten Galaxien bedarf, um einem Film wahre Größe zu verleihen. So wurden Genre-Produktionen wie BURIED oder PANIC ROOM mit viel Lob überschüttet. Die nutzten allein eine verzwickte Situation dafür aus, um daraus eine spannende Geschichte auf wenigen Quadratmetern zu erzählen. Eine Erfolgsformel, die man offenbar auch in Thailand kennt. Von dort stammt der ultraspannende THE POOL. Auch hier kam man auf die Idee einen Film bewusst in einem begrenzten Raum anzusiedeln. Was daraus entstanden ist, ist nicht minder schweißtreibend.
 
 
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Irgendwie hat Day (THEERADEJ WONGPUAPAN – war schon als Achtjähriger in Kinofilmen zu sehen) so gar kein Glück. Erst macht Freundin Koi (RATNAMON RATCHIRATHAM) Scherze und schockiert ihn mit einer möglichen Schwangerschaft. Wenig später wird das Set eines Schwimmbad-Mode-Shootings geräumt und er schläft auf einer Luftmatratze ein. Wo ist da das Problem? Ganz einfach: Die Luftmatratze treibt auf dem Wasser eines Pools, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Jemand hat das Wasser abgelassen und nicht daran gedacht einen Leiter in das tiefe Schwimmbecken zu stellen. Nun kommt der attraktive Mittzwanziger nach dem Schönheitsschlaf nicht mehr heraus und gerät in Panik. Die ist auch gerechtfertigt, denn ein Krokodil verirrt sich ebenfalls in den Swimmingpool und ist alles andere – nur nicht entspannt. Gut, dass Freundin Koi mal nach dem Rechten sieht. Die denkt nicht nach, nimmt Anlauf und springt ebenfalls in das langsam absinkende Wasser des Pools. Da sitzen nun beide in der Falle.
 
 
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Herje, ist das fies. Damit ist nicht unbedingt das Krokodil im Film gemeint. Weitaus zynischer sind da schon die Ideen von Regisseur und Drehbuchautor PING LUMPRAPLOENG, der offenbar richtigen Spaß daran hat, seine zwei Protagonisten in jedes Fettnäpfchen treten zu lassen. Egal, was die unternehmen, um irgendwie aus ihrem Gefängnis zu kommen – sie werden daran gehindert. Das mutet oftmals konstruiert an, versorgt THE POOL aber mit reichlich Adrenalin. So werden nicht nur das Reptil und die Hitze zum Problem. Auch fehlende Medikamente und der Hunger selbst bringen die beiden Helden bald an ihre Grenzen. Probleme über Probleme und keine Hilfe in Sicht. Ob man so was überleben kann?
 
 
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Genau diese Frage ist Filmemacher PING LUMPRAPLOENG egal. Der stattet seinen gemeinen Überlebensthriller mit jeder Menge Wendungen aus, um die Spannung zu halten. Angesichts des beschränkten Sets eine gute Idee, denn THE POOL hat außer zwei Protagonisten, ein paar Fließen und einem Krokodil nicht unbedingt viel, um Eindruck zu hinterlassen. Somit muss aus begrenzten Mitteln das Maximum geholt werden. Dabei ist das Krokodil nicht der Hauptfokus. Stattdessen stehen kleine Nebenquests im Mittelpunkt. Da wird versucht, ein Handy und eine Insulinspritze vom Beckenrand zu angeln. In einer anderen Szene ertrinkt Freundin Koi fast im Zuge strömenden Regens und muss irgendwie gerettet werden. Wenig Set, aber ziemlich viel los – langweilig wird es demnach nicht.
 
 
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THE POOL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Nicht immer helle – aber spannend wie Sau. Der thailändische THE POOL ist ein ästhetischer Mix aus Überlebensthriller und Tier-Horror, der beinahe schon sarkastisch mit seiner Ausgangssituation spielt. Zwei nicht sonderlich clevere Protagonisten fallen in ein riesiges Schwimmbecken und kommen nicht mehr heraus. Als wäre das nicht schon schrecklich genug, schnappt ein nicht immer glaubwürdig animiertes Reptil ab und an zu. Gut, das Budget muss überschaubar gewesen sein, denn einige CGI-Spezialeffekte muten billig an. Doch das ist nicht weiter tragisch. THE POOL besitzt genügend Drive, um sich über diese Kleinigkeiten nicht zu lange den Kopf zerbrechen zu müssen. Drehbuchautor und Regisseur PING LUMPRAPLOENG legt ein derartiges Tempo mit THE POOL an den Tag, dass der Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen oder Nachdenken hat. Darauf kommt es letztendlich an, denn niemand mag langweilige Horrorfilme.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Zensur

 
 
 
THE POOL hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese Freigabe ist gerechtfertigt, denn außer einen abgerissenen Fingernagel, einen unangenehmen Sturz mit dem Kopf auf ein Sprungbrett und ein gebrochenes Bein hat THE POOL kaum Gewaltmomente zu bieten. Wer denkt, es werden blutige Fressszenen mit einem Krokodil zelebriert, wird enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Pool; Thailand 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Thailändisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 17.01.2020

 

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THE POOL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Crawl (2019)
 
Black Water (2007)
 
Burning Bright – Tödliche Gefahr (2010)
 
The Breed (2006)
 

Filmkritik: „Crawl“ (2019)

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CRAWL

Story

 
 
 

In „Crawl“ trifft der Überlebenskampf gegen einen Hurrikan auf den von Alligatoren-Attacken. Ein Vater und eine Tochter müssen sich nämlich gleich gegen Beides verteidigen.

 
 
 


 
 
 

CRAWL – Kritik

 
 
 
Alexandre Aja macht fleißig weiter mit seinen Horrorfilmen und scheint sich dabei nie auf ein gewisses Subgenre festzulegen. Der Mann hat Klassiker wie das Terrorkino „High Tension“ oder das Remake von „The Hills Have Eyes“ im Gepäck, geht aber auch gern mal den spaßigeren Weg wie in „Piranha 3D“. Also Tierhorror ist ihm nicht fremd und dennoch ist der simpel betitelte „Crawl“ mal wieder ganz anders. Sowieso ist es lange her, dass das Tierhorror-Genre es auf die große Leinwand geschafft hat und nun kommt Herr Aja daher und zaubert einen völlig ironiefreien, teilweise fast unerträglich spannenden Beitrag hervor.
 
 
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Mitten in der Hurrikansaison sucht die junge Haley nach ihrem Vater. Ein bedrohlicher Hurrikan zieht auf, doch Dave meldet sich einfach nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich noch im abgesperrtem Bereich befindet, also pfeift Haley auf alle Warnungen und begibt sich dorthin. Sie findet ihren Vater auch, aber unter dem Haus, schwer verletzt. Nun will sie ihn retten, doch ein paar Alligatoren machen das schwerer, als zunächst vermutet und ein Überlebenskampf der Extraklasse darf beginnen. Dass Haley Hochleistungsschwimmerin ist und die Beziehung zu ihrem Vater schwer angekratzt ist, kommt dem Szenario natürlich sehr entgegen. Dieses Drehbuch wird nie und nimmer Innovationspreise gewinnen können, denn dafür fällt alles viel zu zweckdienlich und vorhersehbar aus. Das Gute daran ist, dass dies gar nicht notwendig ist, denn diese Handlung funktioniert wunderbar. Die Figuren werden nur ganz leicht charakterisiert. Man gibt ihnen den Hintergrund, der notwendig ist und das reicht völlig aus. Denn nach einer wirklich nur kurzen Einleitung geht „Crawl“ sofort zur Sache und hier zeigt sich dann das Talent von Alexandre Aja.
 
 
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Der Film ist nämlich echt stark inszeniert. Aja hält sich gar nicht lange damit auf, die Bedrohung nur anzudeuten, was oftmals im Tierhorrorbereich ein großer Nachteil sein kann. Hier ist das anders, weil die Spannungsschraube tatsächlich immer mehr angezogen werden kann. Das liegt allerdings auch mit daran, dass hier mehrere Gefahren aufeinanderprallen und „Crawl“ so einen richtigen Genremix darstellt. Da hätten wir natürlich den Tierhorror, der absolut nicht zu kurz kommt, denn die fiesen Alligatoren dürfen so manches mal angreifen. Zusätzlich gibt es aber eben die Naturkatastrophe, die gleich zweierlei Gefahren mit sich bringt. Den Hurrikan und das Hochwasser. Besonders letzteres bekommt viel Aufmerksamkeit spendiert und da fühlt sich der Zuschauer plötzlich wieder wie in einem waschechten Katastrophenfilm. Beide Komponenten miteinander zu verbinden, ist clever und funktioniert besonders durch die tolle Regie von Aja so hervorragend. Der zaubert nämlich immer wieder dermaßen spannende Situationen auf die Leinwand, dass man sich nur fest gegen den Kinosessel pressen kann. Dabei mag manches vorhersehbar sein und mit der Logik nimmt es der Film auch nicht immer so genau. Zumindest darf man anzweifeln, dass das Verhalten der Alligatoren immer plausibel ist und so eine Duschkabine ist mit Sicherheit auch nicht so stabil, doch man ist „Crawl“ im Endeffekt nicht böse dafür, weil er solche kleinen Ungereimtheiten dafür nutzt, um noch mehr Spannung aus dem Szenario herauszuholen.
 
 
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Daneben wird der Film ordentlich gespielt und das eigentlich nur von zwei Darstellern. Besonders Kaya Scodelario verdient dabei Lob, denn sie spielt sehr authentisch und man kauft ihr die toughe, junge Frau zu jedem Zeitpunkt ab. Doch auch Barry Pepper als ihr Vater überzeugt vollkommen. Beide bekommen nur eine ganz simple Figurenzeichnung, die aber völlig ausreicht, um mit ihnen mitfiebern zu können. Man wünscht beiden sehnlichst das Happy End, doch bis es soweit sein könnte, müssen sie durch so manche Qual hindurch. Hier macht „Crawl“ keinerlei Gefangene. Sobald das Szenario eingeleitet ist und der erste Alligator gesichtet wurde, gibt es keine Pausen mehr. Die Situation scheint dermaßen ausweglos, dass man sich als Zuschauer schon fragen kann, wie die denn dort heil herauskommen sollen. Daraus resultiert Spannung und dass alles nebenbei noch gänzlich humorfrei vorgetragen wird, macht das Treiben nur noch düsterer.
 
 
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Obwohl die Laufzeit mit unter 90 Minuten echt nicht lang ausgefallen ist, wird hier dank des hohen Tempos viel aus dem Szenario gemacht. Selbst wenn Gefahren abgewehrt wurden, geht es immer noch weiter und ein Outro gibt es nicht mal. Sofort erscheint der Abspann. Effizienter geht es wohl kaum noch. Dass es bei Herrn Aja nicht harmlos zur Sache geht, dürfte nebenbei niemanden verwundern. So manch eine Attacke der Alligatoren hält schon Splatter bereit, der allerdings niemals ausufert. Die Effekte können sich insgesamt sehen lassen. Zwar sieht man den Alligatoren die Herkunft aus dem Computer schon ein wenig an, aber für diese Preisklasse ist das mehr als gelungen. Außerdem sieht das Unwetter einfach richtig stark aus und alleine dies sorgt für eine beunruhigende Atmosphäre.
 
 
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CRAWL – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Am Ende bleibt „Crawl“ ein simpler Tierhorrorfilm, der aber vieles sehr richtig macht und im Endeffekt einfach verdammt spannend ist. Besonders die Kombination von Katastrophenfilm und Tierhorror macht hier echt etwas her und wurde stark genutzt. Kleinere Logikfehler verzeiht man gerne, weil man einfach zu gefesselt ist von dem Geschehen auf der Leinwand. Das besitzt nur eine oberflächliche Figurenzeichnung und einige Klischees scheinen obligatorisch zu sein, aber dafür wird das von den beiden Hauptdarstellern bestens gespielt und das Szenario wurde sehr gekonnt inszeniert. Außerdem ist das Budget für Tierhorror ja immerhin doch noch ziemlich hoch und das erkennt man, denn der Film wirkt hochwertig und kommt überraschenderweise gänzlich ohne Ironie aus. Den humorvollsten Moment gibt es da erst mit dem Abspann, wenn ein bekannter Song ertönt. Auf jeden Fall bekommt man hier actionreiche, packende Unterhaltung geboten, die so in der Form definitiv keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Top!
 
 
 


 
 
 

CRAWL – Zensur

 
 
 
„Crawl“ hat einige Alligatoren-Angriffe zu bieten. Es werden Körper ins Wasser gerissen, ein Arm wird abgefressen und diverse Bisswunden runden das umfangreiche Portfolio an unappetitlichen Szenen ab. Hierzulande hat „Crawl“ eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

CRAWL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei PARAMOUNT PICTURES DEUTSCHLAND)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Fährte des Grauens (2007)
 
Lake Placid – Der Schrecken aus der Tiefe (1999)
 
Der Fluss der Mörderkrokodile (1979)
 
Black Water (2007)
 

Filmkritik: „Itsy Bitsy“ (2019)

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ITSY BITSY

Story

 
 
 

Eine alleinerziehende Mutter (Elizabeth Roberts) erlebt mit ihren Kindern in einem Landhaus den ultimativen Horror. Dort wird die kleine Familie von einer Riesenspinne terrorisiert.

 
 
 


 
 
 

ITSY BITSY – Kritik

 
 
 
Spinnen sind im Horrorfilm immer eine sichere Bank. Ob große oder kleine Krabbelwesen – Menschen mit Arachnophobie durchleben nicht selten bei dieser Art von Filmen den Horror auf Erden. Wohl ein Grund, warum es nun Nachschub gibt. Der nennt sich ITSY BITSY und greift natürlich einmal mehr die Urangst des Menschen vor den unheimlichen Langbeinen auf. Für diesen durch Crowdfunding finanzierten Tier-Horror zeichnet jemand verantwortlich, der sich mit Spezialeffekten gut auskennt. Das dürfte große Vorfreude schüren, sind es doch in den meisten Fällen ausgerechnet Effekte, die Horrorfilme mit Spinnen besonders eklig machen. Das dürfte wohl auch MICAH GALLO bekannt sein. Der konnte sich bisher als Spezialist für visuelle Effekte in so einigen bekannten Horrorstreifen austoben. Darunter ALMOST HUMAN, HATCHET 3 und SILENT NIGHT. Mit ITSY BITSY wandelt er auf neuen Pfaden. Diesmal hat er es sich auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht und feiert zeitgleich sein Spielfilmdebüt. Mit einem so begabten Händchen für Splatter- und Ekelkram darf man gespannt sein.
 
 
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Kara Spencer versucht mit den beiden Kindern ein neues Leben auf dem Land zu beginnen. Nach einem tragischen Ereignis wollte sie nur noch weg aus der Großstadt und hat einen Job als Krankenschwester in ländlicher Idylle angenommen. Dort soll sie einen alten Mann versorgen und zieht in ein leerstehendes Haus gegenüber ein. Keine gute Idee, denn der pflegebedürftige Arbeitgeber entpuppt sich als ominöser Antiquitätenhändler, der in seiner Sammlung so einige Stücke beherbergt, die er über zweifelhafte Umwege erhalten hat. So auch ein Gefäß eines seltsamen Stammes, der einen obskuren Spinnen-Gott verehrt. Das kommt zu Bruch und herauskrabbelt eine riesige Spinne, die ziemlich viel Chaos hinterlässt.
 
 
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Mehr Familiendrama statt Horror. ITSY BITSY dürfte so manchen Horrorfilmfan enttäuschen. Was im Trailer noch reißerisch angepriesen wird, findet nur selten den Weg in den Film. Stattdessen erzählt der Streifen von einer Mutter, die schwer traumatisiert versucht ein neues Leben zu beginnen. Bei einem schweren Unfall ist der kleine Sohn gestorben. Seither plagen Schuldgefühle, die die Mutter tagtäglich aus der Bahn werfen. Als wäre das nicht schon alles schlimm genug, macht auch der älteste Sohn Vorwürfe. Der ist der Meinung, dass die Erziehungsberechtigte allein für die ungeordnete Situation verantwortlich ist, in der sich die kleine Familie nun befindet. Eine Atmosphäre der Verzweiflung, die sich auch auf die Stimmung des Gruselfilms legt. Statt Schreckmomente am Fließband wird Fokus auf zerrüttete Familienverhältnisse gelegt. Viel Gruselei ist da nicht. Stattdessen Drama, Drama, Drama.
 
 
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Aber keine Angst. Die Spinne krabbelt ab und an auch mal vorbei. Die macht es sich in Wannen gemütlich, legt Eier in Puppenhäuser ab und verstecken sich gern auch mal unter aufgestapelten Kuscheltieren. Viel Terror wird ihr aber nicht ermöglicht, was doch etwas verwundert, da der Spinnen-Horror mit sieben Millionen US-Dollar Produktionsbudget hätte eigentlich aus dem Vollen schöpfen können. Wir sehen einen Mix aus praktischen Effekten und Computerarbeiten. Ganz okay, aber nichts, was vom Hocker reisst – vor allem auch deshalb, weil die Inszenierung kaum über TV-Niveau reicht. Das scheint offenbar auch seine Gründe zu haben, saß doch mit BRYAN DICK jemand am Schreibtisch, der zuvor eher an Drehbüchern zu unbedeutenden TV-Arbeiten gearbeitet hat. Da hat man schon Besseres zu sehen bekommen, zumal ITSY BITSY auch in Sachen Gewalt einen Sparkurs fährt. Wo man in anderen Filmen in Kokons gesponnene und schon halb verweste Leichen zu sehen bekommt, bleibt der von MICAH GALLO inszenierte brav und anständig. Ein paar Spinnenbisse und etwas Glibber – das wars. Ganz schön lahm.
 
 
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ITSY BITSY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hervorragende Kameraarbeit und gute Spezialeffekte – mehr nicht. ITSY BITSY ist nicht gerade das beste Beispiel für beunruhigenden Spinnen-Horror. Die Ereignisse plätschern vor sich hin und erst im Finale wird es endlich mal interessant. Bis dahin werden diverse innerfamiliäre Konflikte thematisiert, die dann doch etwas zu viel Laufzeit für sich beanspruchen, die man eher in Spinnenauftritte hätte investieren können. Letztere sind überschaubar und lassen sich an einer Hand abzählen. ITSY BITSY schaut zwar ganz ordentlich aus, kann aber seine B-Horror-Herkunft nicht verbergen. Demzufolge können selbst Menschen mit Arachnophobie einen Blick wagen. Sonderlich beunruhigend ist dieser Spinnen-Horrorfilm nämlich nicht. Eine doch enttäuschende Prämisse, wenn man bedenkt, was Filmemacher in den 1970er und 80er mit weitaus weniger Budget bewirken konnten. Da kommen Filme wie ARACHNOPHOBIA oder MÖRDERSPINNEN ins Gedächtnis. Das sind Kultfilme, über die man berechtigterweise selbst heute noch spricht.
 
 
 


 
 
 

ITSY BITSY – Zensur

 
 
 
ITSY BITSY hat kaum Gewalt zu bieten. Oft sieht man nur die Resultate der Angriffe durch die Riesenspinnen. So sehen wir einige Male kurz, wie sich die Körper der Gebissenen durch das Gift verändern. Die Spinne attackiert zudem einen Mann und beißt ihm die Augen aus. Ansonsten reduzieren sich die Spezialeffekte auf diverse Bisswunden und darauf fließender Glibber. Hierzulande dürfte ITSY BITSY ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

ITSY BITSY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shout! Studios)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Arac Attack – Angriff der achtbeinigen Monster (2002)
 
Arachnophobia (1990)
 
Taranteln – Sie kommen um zu töten (1977)
 
Arachnid (2001)
 
Spider Attack – Achtbeinige Monster (2000)
 
Big Ass Spider (2013)
 

Filmkritik: „Die tödlichen Bienen“ (1967)

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DIE TÖDLICHEN BIENEN

(THE DEADLY BEES)

Story

 
 
 

Ein durchgedrehter Bienenzüchter schreibt den Behörden Drohbriefe. Seinen geplanten Terrorszenarien unter dem Einsatz steuerbarer Schwärme von Killerbienen werden als Spinnereien abgetan. Das Geschehen verlagert sich an die Seite der Schlagersängerin Vicki Robbins, die der Stress während einer Fernsehshow von den Beinen gehauen hat. In ein nobles Sanatorium auf einer Insel verfrachtet, trifft das Popsternchen auf verschiedene exzentrische Charaktere, unter denen sich, wie es der Zufall will, ein schräger Bienenfreund befindet. Plötzlich scheint der erpresserische Imker seine Drohungen in die Tat umzusetzen…

 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Kritik

 
 
 
Wenn man auf einer dieser klischeebelasteten Cocktail-Parties, zu denen man ja glücklicherweise gar nicht erst eingeladen wird, den Kultur-Smalltalk mit dem Bonmot „Hammer Films dürfte die wichtigste Produktionsgesellschaft der englischen, wenn nicht gar europäischen Horrorfilmgeschichte gewesen sein“ bereichern würde, wäre das nicht einmal aus der Luft gegriffen. Klassische Figuren des viktorianischen Schauer-Entertainments wie Graf Dracula oder Dr. Frankenstein samt dessen Monster, stilecht anzutreffen in gotischen, obskur-alteuropäischen Gemäuern, treffen auf knallige Technicolor-Blutspritzer auf den zugeschnürt-bebenden Dekolletés überrumpelter Jungfern, die vor lauter Unschuld und Weltfremde kaum geradeausschauen können. Die Charakterausarbeitung erwähnter Damen bleibt hierbei stets weit weniger-dimensional ausgearbeitet als ihre Körperbauten. Eine oft wiederholte Rezeptur, die das „House Of Horror“ über Jahre hinweg zu einer veritablen Gelddruckmaschine macht.
 
 
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Beginnend in den frühen Sechziger Jahren erhalten die ehrwürdigen Studios Konkurrenz im eigenen Vorgarten. Die in die Alte Welt eingereisten Amerikaner Max J. Rosenberg und Milton Subotsky verpassen dem britischen Genrekino eine Infusion, nein, eine Dopingbehandlung. Unter dem Namen Amicus Films erhöht das Produzenten-Team M und M die Drehzahl deutlich. Der englische Horrorfilm gewinnt an bizarren Todesszenen, die erahnen lassen, wie das Splatter-Genre bald aussehen wird. Gleiches gilt für die Taktung der, im internationalen Vergleich sicherlich noch immer zahmen, Szenen von Nacktheit und Erotik. Der größte Input von Amicus ist allerdings das Verlagern eines Großteils der produzierten Filmhandlungen in die Gegenwart. Wo Hammer noch mit Vorliebe in einer nicht näher bezifferten Zeitzone der Spukschlösser und Postkutschen dreht, finden sich bei Amicus schon früh moderne Settings. In den späten Sechzigern und dann den Siebzigern muss sich das heute zuschauende Auge dann auch erstmal an die Potpourris schmieriger Frisuren und fieser Kleidung gewöhnen.
 
 
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„Die tödlichen Bienen“ ist für solcherlei Swinging-London-Ausstattungs-Exzesse noch nicht ganz zu haben. Allein die Entstehungsgeschichte aber zeugt von der künstlerischen Vision seiner Produzenten: Ursprünglich 1941 als Roman „Bitterer Honig“ des Krimischriftstellers H.F. Heard erschienen, ist der Plot noch ein stark an den Logik-Detektivabenteuern um Sherlock Holmes und Dr. Watson orientiertes Unterhaltungsstück. Rosenberg und Subotsky beauftragen Robert Bloch, Horror-Autor und Verfasser des Drehbuchs zu Alfred Hitchcocks „Psycho“, mit dem Aufpolieren der Buchvorlage. Bloch merkt, nicht ganz zu Unrecht, dass spätestens mit „Die Vögel“, natürlich ebenfalls vom großen Sir Alfred, die Zeichen der Zeit auf Filme deuten, in denen die Natur sich gegen die Vorherrschaft des Menschen auf Erden wendet. Ob diese Rache der Umwelt nun mit Erdbeben oder Sturmfluten erfolgt oder die Tierwelt auf die arroganten Zweibeiner loslässt – alles legitim und zuschauerfreundlich. Realistischer Horror eben. Ein seit ein paar Jahren in den Medien hochgeschriebenes Ereignis kommt dem talentierten Scriptwriter dazu gerade Recht: Ende der Fünfziger Jahre wirkt eine Real-Life-Frankensteiniade fest auf die Vorstellungskraft der schockierten Zeitungsleser. Ein Biologe namens Kerr züchtet, hochoffiziell mit Staatsauftrag, im brasilianischen Dschungel eine neue, zu höherer Produktionsleistung fähige Bienenart. Hierzu bedient sich der Wissenschaftler einer eigens aus Afrika importierten Unterart der Insekten. Kerrs neue Biene fällt zuerst durch ihre markanteste negative Eigenschaft auf: Sie ist ungemein aggressiv. Der Begriff der „Killerbiene“ erobert die Medien. Selbstredend ist der 1967, also nur ein paar Jährchen nach Hitchcocks Gefieder-Horror und noch keine Dekade nach den echten Monsterinsekten in Südamerika, entstandene „Die tödlichen Bienen“ kein hoch-budgetierter Hollywood-Schocker. Der Film ist ganz und gar britisch. Die Settings, die Gesichter, die Regierarbeit des Hammer-Veteranen Freddie Francis. Unverkennbar und Muss für Fans des Genrefilms von der Insel.
 
 
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DIE TÖDLICHEN BIENEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Die tödlichen Bienen“ ist vieles. Eine frühe Wegmarke fürs Genre Tierhorror, Englands Antwort auf „Die Vögel“, ein klassischer Amicus-Film und nicht zuletzt der erste Film, in dessen Zentrum kriegerische Honigbienen auf Menschenjagd stehen. Besonders ist den Siebzigern, jenem Jahrzehnt des Katastrophenfilms, werden die Tierchen zur festen Bank im Kino und bis heute erleben wir immer wieder, wie die Thematik neu aufgegriffen wird. Ohne diesen selten gesehenen und doch so wichtigen Film wäre das nicht möglich.
 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Zensur

 
 
 
DIE TÖDLICHEN BIENEN gehört zu den ersten Bienen-Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden. Der Streifen wurde für seine Kino-Uraufführung in Deutschland von der FSK ab 16 Jahren in ungeschnittener Form freigegeben. Auch die späteren Ausstrahlungen im Pay- und Free-TV waren ungeschnitten. Leider wurde DIE TÖDLICHEN BIENEN nie auf Blu-ray und DVD ausgewertet. Dank dem Label WICKED VISION ändert sich das jetzt. Dort hat man sich dem Amicus-Klassiker angenommen und eine aufwendige HD-Veröffentlichung spendiert. Das Release von WICKED VISION im Mediabook ist ebenso ungeschnittenen, wie alle bisher erhältlichen Fassungen und natürlich frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabooks)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Deadly Bees; Großbritannien 1966

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 3 verschiedene Mediabooks

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen, Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann & Dr. Rolf Giesen, „Hives of Horror“: Interview mit Produktionsmanager Ted Wallis und Requisiteur Peter Allchorne, „Monsterama“: Interview mit Suzanna Leigh, Bildergalerie, Originaltrailer

Release-Termin: 29.03.2019

 

Die tödlichen Bienen (Mediabook Cover A) auf AMAZON kaufen

Die tödlichen Bienen (Mediabook Cover B) auf AMAZON kaufen

Die tödlichen Bienen (Mediabook Cover C) auf AMAZON kaufen

 
 
DIE TÖDLICHEN BIENEN war bis zum Jahr 2019 weder auf VHS, DVD oder gar Blu-ray erhältlich. Doch das Label WICKED VISION schafft nun Abhilfe. Dort hat man sich die Rechte am britischen Tier-Horror gesichert und bringt den Amicus-Klassiker auch gleich als deutsche HD-Premiere auf den Markt. Hierbei hat der Horrorfilm-Fans die Wahl der Qual. WICKED VISION spendiert dem Horrorthriller drei unterschiedliche Cover-Varianten im Mediabook. Entscheides Euch zwischen dem deutschen, amerikanischen und italienischen Kinoplakat. Jedes Mediabook ist streng limitiert und mit reichlich Bonusmaterial ausgestattet. Neben dem Hauptfilm auf Blu-ray und DVD besitzt das Release einige Extras, sowie das 50-minütige Monsterama Special mit Suzanna Leigh. Ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen runden dieses tolle Sorglos-Paket ab.

 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Vögel (1963)
 
Der tödliche Schwarm (1978)
 
Killerbienen (1976)
 

Filmkritik: „Prey – Beutejagd“ (2016)

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PREY – BEUTEJAGD

(PROOI)

Story

 
 
 

Ein riesiger Löwe streift durch Amsterdam und schlägt sich den Magen voll, indem er einfach unzählige Stadtbewohner vertilgt.

 
 
 


 
 
 

PREY – Kritik

 
 
 
Tier-Horror erfreut sich seit den 1970ern besonders großer Beliebtheit. Nicht selten haben es sich in dieser Art Filme mutierte, zornige oder besonders gefräßige Tiere zur Aufgabe gemacht der Menschheit einen Denkzettel zu verpassen, weil diese so ignorant und ausbeuterisch mit Natur und Umwelt umgeht. Ein Thema, das auch heute noch aktueller denn je ist. Dennoch genießen Tierhorrorfilme mittlerweile einen zweifelhaften Ruf, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass es so profitorientierte Filmstudios wie SYFY oder THE ASYLUM gibt. Die drehen zwar gern mal Horrorfilme mit und über Tiere. Statt aber Kritik an der Zerstörung der Umwelt durch die Menschheit und dem damit verbundenen Zerfall wichtiger Ökosysteme auszuüben, ist man dort eher daran interessiert trashige Unterhaltung mit schlechten Spezialeffekten zu drehen, die die Hirnzellen des Zuschauers zerstören sollen.
 
 
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Da erwartet man von einem Film mit dem Titel PREY – BEUTEJAGD auch nicht unbedingt feingeistige Filmware. Dennoch ist dieser Horrorstreifen über einen nimmersatten Löwen eine Erwähnung wert. Der Film ist nämlich in den Niederlanden entstanden und hat mit Regisseur DICK MAAS auch noch einen bekannten Holländer am Start, der sich im Horror-Genre bereits einen Namen gemacht hat. Erfahrener Kenner erheben da verständlicherweise den Zeigefinger und zeigen sich interessiert. Das nicht ohne Grund. Herr Maas war nämlich an einigen Horrorproduktionen beteiligt, die in Holland gedreht und sogar international vermarktet wurden. Darunter bekannte Genre-Ware wie VERFLUCHTES AMSTERDAM, FAHRSTUHL DES GRAUENS und der grimmige Weihnachts-Horror SAINT. Wem das alles nichts sagt, dürfte aber trotzdem gleich eine Wissenslücke füllen können. Eine der in Deutschland bekanntesten Komödien wurde von ihm in den 1990ern inszeniert. DICK MAAS schrieb und inszenierte den kultigen FLODDER-Film. Wir sind uns sicher, bei den meisten Lesern macht es jetzt Klick.
 
 
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In Amsterdam herrscht Ausnahmezustand. Dort sind die Einwohner sehr aufgeregt, weil sich in der Stadt eine Bestie herumtreibt, die eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Da werden zerfetzte Menschen gefunden und die Polizei steht vor einem Rätsel. Doch eine Kommissarin weiß sofort, was los ist. Sie hat eine Spur und macht einen riesigen Löwen verantwortlich, der offenbar jegliche Scheu vor der Menschheit verloren hat. Leider will der besorgten Kriminalbeamtin niemand Glauben schenken. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen wird. Die hungrige Raubkatze dezimiert unschuldige Menschen und macht vor nichts und niemandem halt. Weil sie sich auch noch gut verstecken kann, scheint es nicht leicht, dem Tier das Handwerk zu legen. Da muss ein Experte ran. Ein erfahrener Jäger wird eingeflogen und soll das Problem lösen. Leider sitzt der im Rollstuhl und hat Probleme mit dem Alkohol. Wenn das mal nicht gute Voraussetzungen sind.
 
 
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PREY – der übrigens im Entstehungsland als PROOI vermarktet wird – ist nicht unbedingt das, was man sich von einem erfahrenen Filmemacher wie DICK MAAS vorgestellt hat. Der Streifen ist weit weg von den Qualitäten jener Filme, mit denen der Regisseur Fuß im Filmbusiness gefasst hat. Trotzdem ist der Raubkatzen-Horror PREY immer noch weit besser als das, was der Horror-Videomarkt mittlerweile zu bieten hat. Hier ist ein computeranimiertes Raubtier zu sehen, das die Straßen der niederländischen Hauptstadt unsicher macht und nicht zimperlich zur Sache geht. Das Resultat: zerfetzte Körper und große Blutlachen. Das dürfte jene freuen, die gern sattes Rot im Film sehen wollen, denn PREY geizt zweifelsohne nicht mit Schauwerten. Tier verspeist nicht nur ahnungslose Golfspieler und Essenslieferanten. Auch spielende Kinder müssen dran glauben und werden nach einer Rutschpartie auf dem Spielplatz direkt ins Maul des Tieres befördert. Irgendwie gemein.
 
 
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Generell nimmt sich PREY nicht immer ernst. Der Streifen scheint sich seiner trashigen Handlung bewusst zu sein und zieht daraus Unterhaltungsfaktor. Da geht die riesige Katze in einer vollen Straßenbahn(!) auf Beutefang und übereifrige Hobby-Jäger wollen das Tier in Eigenregie fangen – fallen letztendlich aber selbst in die aufgestellten Fallen. In einer anderen Szene sehen wir, wie ein flüchtender Mann in der Amstel landet und sich in Sicherheit wähnt. Als er aus dem Wasser taucht, um nach dem Rechten zu sehen, wird ihm der Kopf abgebissen. Als wäre das nicht alles schon zynisch genug, landet das abgefressene Haupt anschließend versehentlich in der Müllpresse der Stadtreinigung. Rabenschwarzer Humor lässt sich da freilich nicht von der Hand weisen. Mit derart Späßen hält sich PREY über weite Strecken über Wasser. Die hat die niederländische Produktion aber auch zwingend nötig.
 
 
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Der Streifen ist nämlich knapp zwei Stunden lang und hat vor allem im Mittelteil mit einigen Hängern zu kämpfen. Da werden Figuren eingeführt, die natürlich auch so etwas wie Charakterisierung und eine Hintergrundgeschichte erhalten müssen. Vielleicht etwas zu viel Hintergrund und Dialog, der hätte gestrafft werden können. Das nimmt dem tierischen Horror-Spaß oft den Drive. Trotzdem will man nicht meckern. PREY macht Laune – keine Frage und ist der beste Beweis dafür, dass man nicht unbedingt immer nach Übersee schielen muss, wenn man soliden Horror mit Bluteinlage sehen will. Hier bekommt der Horrorfan all das, was er eben von kurzweiliger Horror-Ware erwartet: Spaß, Gore und jede Menge Blut. Europa kann eben auch blutigen Horror.
 
 


 
 
 

PREY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Löwenstarker Tier-Horror aus Holland. Unsere Nachbarn trauen sich was und experimentieren mit CGI-Effekten. Das Ergebnis ist PREY – BEUTEJAGD, der als Horrorfilm keine üble Figur macht. Regisseur DICK MAAS erzählt in dieser Produktion von einem amoklaufenden Löwen, der Amsterdam in Schach hält. Das Tier tritt als computeranimierter Killer in Erscheinung, frisst sich aber auch als Puppe durch das Fleisch seiner Opfer. Die Bezeichnung fressen wird dabei besonders zeigefreudig in Szene gesetzt. Wie zuletzt in BOAR ist auch PREY in Sachen Gewalt ganz offen und zelebriert jede Menge blutiger Handarbeiten, die Splatterfans in Verzückung versetzen werden. Offenbar sahen das auch die Horrorfilm-Liebhaber in China so. Schenkt man der Facebook-Webseite zum Film Glauben, schaffte es PREY dort sogar in die Top10 der chinesischen Kinocharts. Das gelingt nicht vielen europäischen Horrorfilmen.
 
 
 


 
 
 

PREY – Zensur

 
 
 
PREY – der in Holland als PROOI vermarktet wird – hält sich nicht unbedingt mit Schauwerten zurück. Es gibt verstümmelte Leichen zu sehen, abgetrennte Köpfe und Gliedmaßen. Ein Jäger fällt weiterhin mit dem Gesicht in eine Bärenfalle. Der Löwe im Film reißt Schädel ab und beißt auch sonst alles tot, was ihm zwischen die Zähne kommt. So muss sogar ein unschuldiges Kind sterben dem der Hals zerbissen wird. Hierzulande dürfte PREY – BEUTEJAGD trotz aller Gewalt eine FSK16 erhalten. In deutscher Sprache erscheint der Titel vorerst Anfang Dezember 2019 ert einmal ungeprüft im deutschspachigen Ausland über Indeed Film / Illusion Unltd. Eine mögliche Auswertung mit FSK-Prüfung für die deutschen Kaufhäuser ist im Verlauf des Jahres 2020 nicht unwahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

PREY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shooting Star Filmcompany BV | Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Roar – die Löwen sind los (1981)
 
Burning Bright – Tödliche Gefahr (2010)
 
Maneater (2007)
 

Filmkritik: „Primal Rage“ (2018)

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PRIMAL RAGE

(PRIMAL RAGE: THE LEGEND OF OH-MAH)

Story

 
 
 

In PRIMAL RAGE muss sich ein Paar in den Wäldern mit einer mordlustigen Kreatur anlegen.

 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Kritik

 
 
 
Wenn mit einem riesigen Monstermaul auf dem Cover einer Heimkinoveröffentlichung geworben wird, dürften so einige Horrorfans nicht zu Unrecht skeptisch werden. Seit einigen Jahren werden nämlich solche plakativen und reißerischen Werbemaßnahmen für Trash-Horror aus dem Hause SYFY oder THE ASYLUM betrieben, wo gern mal CGI-Monster in schlecht produzierten Low-Budget-Gurken auf kreischende Teenager losgelassen werden. Da sollen verheißungsvolle Filmplakate von nicht vorhandenen Qualitäten ablenken und letztendlich zum Kauf animieren. Demzufolge ist die Vorsicht verständlich. In Zeiten des Horror-Überflusses, in denen man gute Horrorstreifen mittlerweile mit der Lupe suchen muss, ist es schwer geworden die Spreu vom Weizen zu trennen. Gut, dass es Filmseiten wie FILMCHECKER gibt, die das testen, was sonst keiner sehen will. Im Falle des hier folgenden PRIMAL RAGE können wir aber schon mal Entwarnung geben. Da geifert zwar auch ein Monster auf dem Cover; von unterirdischem Low-Budget-Schrott ist dieser Film aber weit entfernt. Da kann man als eingefleischter Genre-Liebhaber endlich mal aufatmen und sich auf einen unterhaltsamen Filmabend freuen. PRIMAL RAGE macht’s möglich.
 
 
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In PRIMAL RAGE geht es um ein sich entfremdetes Pärchen, das wieder zu sich finden muss. Mark war über ein Jahr lang im Knast. Zeit, in der sich viel verändert hat – vor allem bei Frau Ashley. Die ist sich ihrer Liebe nicht mehr ganz so sicher, lässt es sich aber nicht nehmen den Gatten aus dem Knast abzuholen. Viel zu sagen hat sich das Pärchen demzufolge nicht, als man durch die kalifornischen Wälder zurück in die Zivilisation düst. Bis es zu einem folgenschweren Unfall kommt. Ein nackter Mann kreuzt die Fahrbahn und wird von den jungen Leuten überfahren. Da sitzt der Schock tief, zumal Beifahrer Mark soeben aus dem Gefängnis entlassen wurde und man nun eine neue Haftstrafe fürchtet. Doch viel Zeit bleibt nicht sich über Konsequenzen den Kopf zu zerbrechen. Beide werden von einem Fremden attackiert und flüchten in die Wälder. Was sie dort erleben, ist kein Zuckerschlecken. Hier müssen sie sich gegen eine böse Kreatur zur Wehr setzen, die mit allen Wassern gewaschen ist.
 
 
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Oh nein, nicht schon wieder ein Film über Bigfoot. Zumindest mag man das meinen, wenn man sich den Trailer zu PRIMAL RAGE anschaut. Darin wird gleich zu Beginn von Legenden berichtet, die die sagenumwobene Kreatur in den Mittelpunkt rücken. Natürlich ist auch in diesem Streifen alles wie gehabt. Ein Schauspieler im Bigfoot-Kostüm hetzt ahnungslose Opfer durch Wälder, die von der Kreatur nacheinander in Stücke gerissen werden. Das hört sich nicht sonderlich einfallsreich an. Was PRIMAL RAGE aber dennoch hervorstechen lässt, ist der beinahe schon übertrieben zelebrierter Gewaltpegel, den man eigentlich sonst von dieser Art Filmen nicht unbedingt erwartet. Regisseur PATRICK MAGEE ist noch relativ unerfahren in Sachen Regieführung. Was der aber mit dem ersten Spielfilm auf die Beine gebracht hat, ist weit weg von schlecht. Mit einem erfahrenen Effekte-Team lässt der Gesichter zerreißen, Köpfe von Pfeilen durchbohren und Kehlen aufschlitzen. Die Kamera hält munter drauf, sodass man sich schon wundern muss, was die hiesige FSK dazu getrieben hat PRIMAL RAGE ungeschnitten freizugeben. Überhaupt sind die vielen recht harten und teils auch sehr lang ausgewalzten Splatter-Exzesse handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Das mutet für einen Low-Budget-Streifen ungewöhnlich an. Der Grund ist in der Vita von Newcomer PATRICK MAGEE zu suchen. Der begann seine Karriere als Effektspezialist und gründete schnell seine eigene Effekt-Firma: MAGEE FX. Mit der war er für Hollywood-Blockbuster wie ALIEN VS. PREDATOR, MEN IN BLACK 3 oder Raimis SPIDER-MAN tätig. Weil die Geschäfte gut liefen, konnte er sich endlich einen langen Traum erfüllen. So sah Magee in Kindestagen den Horrorklassiker AMERICAN WEREWOLF IN LONDON. Seit jeher wuchs in ihm der Wunsch irgendwann selbst mal einen Monsterfilm zu drehen. Nun ist die Zeit gekommen. Mit PRIMAL RAGE werden Visionen wahr. Zu aller Überraschung ist das Resultat auch noch unerwartet unterhaltsam. Freunde blutiger Horrorfilme wird das freuen.
 
 
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PRIMAL RAGE – Fazit

 
 
 

7 Punkte Final

 
 
 
Ist das etwa eine Videospielverfilmung des Spielklassikers PRIMAL RAGE? Die Frage ist berechtigt und dürfen wir mit „nein“ beantworten. Der hier vorgestellte PRIMAL RAGE ist ein blutiger Monster-Splatter aller erster Güte, der rein gar nichts mit der gleichnamigen Prügel-Reihe zu tun hat, die 1994 in den Arcade-Hallen und anschließend für Spielkonsolen veröffentlicht wurde. Regisseur PATRICK MAGEE vermischt in der ersten Regiearbeit Elemente aus der erfolgreichen PREDATOR-Reihe mit Bigfoot-Schauer und Hexen-Horror zu einem schwer unterhaltsamen Horrorstreifen, der obendrein auch noch ziemlich brutal ist. Trotz altbekannter Geschichte um ein Monster in den Wäldern ist PRIMAL RAGE ganz kurzweilig geraten – auch wenn die Filmkreatur dann doch etwas sehr früh in ganzer Pracht vor der Kamera gezeigt wird. Doch Mankos im Drehbuch werden mit hochwertigen Gore-Effekten wettgemacht. Die sind hier der eigentliche Star und dürften jeden Horrorfilmfan zum Schwärmen bringen. Weil der Film nach der Halbzeit auch noch einen plötzlichen Richtungswechsel wagt und mit einem Twist verblüfft, sprechen wir an dieser Stelle für PRIMAL RAGE eine Empfehlung aus. PRIMAL RAGE erfindet das Monster-Genre keineswegs neu. Dennoch gehört er Dank atmosphärischer Bilder, düsterer Stimmung und deftigen Gewaltmomenten zu den besseren Creature-Features, die man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat.
 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Zensur

 
 
 
Es ist schon eine kleine Überraschung, dass PRIMAL RAGE ungeschnitten durch die FSK gekommen ist. Der Gewaltpegel ist ordentlich und einige Spezialeffekte sehen so realistisch aus, dass man sich nicht grundlos fragt, ob dass hier wirklich noch handgemachte Spezialeffekte sind. Es werden Köpfe zertreten und Schädel auseinandergerissen. Dennoch blieb der Film trotz roten FSK-Flatschen unzensiert. Splatterfans könne daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Primal Rage; USA 2018

Genre: Horror, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 106 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Interviews, Audiokommentar, Fotogalerie

Release-Termin: 01.11.2018

 

Primal Rage [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Meteor Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Feed the Gods (2014)
 
Exists (2014)
 
Willow Creek (2013)
 

Filmkritik: „Boar“ (2018)

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BOAR

Story

 
 
 

Ein wild gewordener Keiler treibt in einer australischen Kleinstadt sein Unwesen und hat gern Menschenfleisch auf der Speisekarte.

 
 
 


 
 
 

BOAR – Kritik

 
 
 
Was haben wir nicht schon alles gesehen. Es gab mordende Riesenzecken, prähistorische Killer-Piranhas, fliegende Killerhaie und boshafte Psychofrösche, die sich am liebsten am Fleisch menschlicher Opfer gelabt haben. Das Tier-Horror-Genre ist so vielfältig wie kurios zugleich, vor allem auch deshalb, weil es mittlerweile wohl keine Tiergattung mehr geben dürfte, die nicht für einen Horrorfilm herhalten musste. War der Tier-Horrorfilm bis weit in die 1980er noch halbwegs ernsthafter Natur gewesen, sind Horrorfilme mit Tieren in Zeiten von THE ASYLUM & Co zu einer regelrechten Lachnummer verkommen. Da tummeln sich plötzlich dreiköpfige Riesenhaie oder nimmersatte Piranhacondas auf der Mattscheibe. Trash und Spaß, statt Ernst und Grauen. Sonderlich furchteinflößend ist das natürlich nicht. Doch der australische Regisseur CHRIS SUN will das ändern. Der kramt die Idee von einem Riesenwildschwein aus der Schublade, mit der vor über 30 Jahren auch Filmemacher RUSSELL MULCAHY Erfolge verbuchen konnte. RAZORBACK nennt sich der spannende Tier-Schocker, der mittlerweile unter Horrorfans Kultstatus genießt. Dementsprechend hoch dürfte auch die Erwartungshaltung an BOAR sein, der nicht unwesentlich an genannten Kultfilm erinnert und mit JOHN JARRATT auch noch ein bekanntes Gesicht in petto hat, das vor allem Liebhaber für grobe Gewaltunterhaltung freuen dürfte. Der Schauspieler konnte sich als boshafter Killer in der legendären Filmreihe WOLF CREEK einen Namen machen. Letztere schaffte es sogar als Serie ins TV. Das sind gute Voraussetzungen.
 
 
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Ein riesiges Wildschwein, das vor nichts und niemandem Halt macht. Genau ein solches Exemplar sorgt im australischen Hinterland für Angst und Schrecken, wo es sich offenbar zum Ziel gesetzt hat, die Bewohner eines kleinen Provinzkaffs zu terrorisieren. Keine guten Aussichten für eine Familie, die just zu jener Zeit die Gegend besucht, in der das blutrünstige Schwein auf Beutefang geht. Die Durchreisenden wollten eigentlich im Ort nur einen Verwandten besuchen. Aber die gemütliche Familienzusammenführung entwickelt sich schnell zu einer Jagd auf Leben und Tod. Der Unterschied: Hier jagen nicht Menschen das Wild, sondern das Wild die Menschen. Weil mit CHRIS SUN jemand am Steuer sitzt, der zuvor schon einige Horrorfilme gedreht hat, darf man auf blutige Hausmannskost hoffen. Die wird definitiv geboten, denn sonderlich zimperlich geht der Regisseur in BOAR nicht unbedingt vor. Splatterfans wird’s freuen.
 
 
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Ein wild gewordener Keiler im australischen Hinterland. Kling, wie nach einem Remake von RAZORBACK. Genau damit rechneten auch besorgte Fans des Tier-Horrorklassikers von 1984. Die stellten Regisseur CHRIS SUN zur Rede und der erklärte sich auf Facebook. Dort gab Sun zu verstehen, dass er es nie wagen würde mit einem der kultigsten australischen Horrorfilme aller Zeiten in Konkurrenz zu treten. Zwar ist auch in seinem BOAR ein riesiges Wildschwein zu sehen, dennoch hätten beide Filme unterschiedliche Figuren und Handlungsstränge. Weiterhin ließ der Regisseur verlauten, dass BOAR kein Remake ist und RAZORBACK auch keinerlei Inspirationen zum Film lieferte. Stattdessen holte sich Macher CHRIS SUN kreativen Input von so Horror-Hits wie DER WEISSE HAI und auch AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON – wer’s glaubt. Nimmt man nämlich seinen BOAR genauer unter die Lupe sind Parallelen zum australischen Tier-Horrorklassiker unverkennbar. Offenbar war hier ein Fanboy bei der Arbeit, der nicht zugeben möchte, dass er kopiert ist. Das ist aber nicht weiter tragisch. Horrorfilmkenner haben’s bereits bei der Sichtung des Filmtrailers durchschaut.
 
 

 
 
Doch was kann der Zuschauer denn nun von BOAR erwarten? Wir meinen nicht sonderlich viel. Auch wenn BOAR im Grunde genommen auch RAZORBACK 2 heißen könnte, schafft es Filmemacher CHRIS SUN nicht einmal ansatzweise dem kultigen Horrorklassiker das Wasser zu reichen. Qualitativ trennen beide Filme Welten. Dabei fällt besonders schwer ins Gewicht, dass BOAR keinerlei Figur besitzt, die den Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt. Identifikationsmöglichkeiten sind somit ausgeschlossen, was für einen Horrorfilm vergleichbar mit einem Todesurteil ist. Wer ist denn nun der Held der Geschichte? Die Frage danach wird unnötig erschwert, denn Sun führt immer wieder Charaktere ein, die dann vom Keiler getötet werden. Eine verwirrende Angelegenheit, vor allem auch deshalb, weil sich der Zuschauer orientierungslos mit einer austauschbaren Handlung konfrontiert sieht, die sich ausschließlich von Mord zu Mord hangelt. Spannung kommt da freilich nur selten auf. Erst am Ende steuert BOAR den richtigen Weg an. Dann nämlich muss unsere Familie aus der Inhaltsangabe dem Tier die Stirn bieten. Der hat Macher CHRIS SUN bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch wird ihr nun das Schicksal zuteil, einen unfairen Endkampf gegen Mutter Natur auszutragen. Überraschenderweise wird da für wenigen Minuten Adrenalin versprüht. Ob das aber ausreicht, um BOAR ein „sehenswert“ zu attestieren, sollte jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Wir meinen: keineswegs. Auch wenn die Spezialeffekte – bis auf einige Einstellungen im Finale – ganz annehmbar sind.
 
 


 
 
 

BOAR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Sieht aus wie ein Remake zu RAZORBACK, ist aber angeblich keins. Hier wurden knapp drei Millionen US-Dollar in den Sand gesetzt. BOAR ist trotz gutem Willen eine Enttäuschung. Das liegt aber nicht daran, dass einige Spezialeffekte am Ende etwas unfertig aussehen, weil es an Budget gemangelt hat. Vielmehr hat der Streifen ein Problem mit seiner Handlung und den vielen Figuren. Letztere wirken zu keiner Zeit nahbar oder sympathisch. Zudem gibt es im Film keine Identifikationsmöglichkeiten oder Charaktere, die den Zuschauer an die Hand nehmen und an die sich das Publikum klammern kann, wenn es doch einmal unangenehm wird. Stattdessen besteht BOAR aus einer Aneinanderreihung von Szenen, in denen der eigentliche Star des Streifens – also ein riesiger Keiler mal Puppe, mal animiert – Menschen auf verschiedene Weise um die Ecke bringt. Spätestens hier wird klar, in welchem Genre Regisseur CHRIS SUN zuhause ist. Der probierte sich zuletzt mit Filmen wie CHARLIE’S FARM oder DADDY’S LITTLE GIRL im Horror-Bereich aus. Blutig ging es in diesem Filmen allemal zu. Das wird auch in BOAR beibehalten. Der Film ist für einen Tier-Horrorfilm relativ blutig geraten, wobei die Gewaltszenen auch noch genüsslich zelebriert werden. Wer es blutig mag, wird demzufolge seinen Spaß haben. Feingeister und Zuschauer, die einen qualitativen Horrorfilm sehen wollen, von dem sie ein Mindestmaß an Handlung voraussetzen, dürften dumm aus der Wäsche schauen. Viel Handlung – wenn man das überhaupt Handlung nennen kann – besitzt BOAR leider nicht.
 
 
 


 
 
 

BOAR – Zensur

 
 
 
BOAR ist für einen Tier-Horrorfilm ziemlich blutig ausgefallen. Zudem werden die Morde sehr lang zelebriert und die Kamera hält darauf. Ende 2018 erschien BOAR das erste Mal über das deutschsprachige Ausland im Mediabook ungeschnitten in mehreren Cover-Auflagen. Ein halbes Jahr später lies man den Film von der FSK prüfen und erhielt eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form. Die Kaufhausfassung mit dem roten Freigabe-Sticker ist komplett.
 
 
 


 
 
 

BOAR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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Cover B – auf 444 Stück limitiert (c) METEOR FILM | ILLUSIONS UNLIMITED

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Cover D – auf 222 Stück limitiert (c) METEOR FILM | ILLUSIONS UNLIMITED

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Kaufhausfassung im KeepCase (c) METEOR FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Boar; Australien 2017

Genre: Horror, Splatter, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: nicht geprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook in vier verschiedenen Ausführungen | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow | zusätzlich nur im Mediabook: Bonusdisc mit Blick hinter die Kulissen, Interviews + 12-seitigem Booklet mit einem Interview mit Chris Sun und vielen Setfotos

Release-Termin: Mediabook: 30.11.2018 | KeepCase: 26.04.2019

 

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Boar – Mediabook Cover B [Blu-ray + 2DVDs] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Boar – Mediabook Cover C [Blu-ray + 2DVDs] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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BOAR – Mediabook

 
 
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BOAR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Alle Rechte für Grafiken + Abbildungen liegen bei METEOR FILM | ILLUSIONS UNLIMITED)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Razorback (1984)
 
Keiler – Der Menschenfresser (2009)
 
Prey – Vom Jäger zur Beute (2010)