Filmkritik: „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (2019)

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BIG DADDY – MAKE AMERICA STONED AGAIN

(HIGH ON THE HOG)

Story

 
 
 
Schweine- und Marihuana-Farmer „Big Daddy“ lebt mit seiner Sippe friedlich dealend im idyllischen Council Hill, bis ein alternder Agent auf seine Spur kommt….

 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Kritik

 
 
Fuck Mann. Was zum Teufel war das gerade nur, was in Gottes Namen habe ich hier gerade erdulden müssen? Entschuldigt den Einstieg aber es ist Sonntag, 16 Uhr, ich bin seit etwa 6 Stunden wach und einfach nur weil ich bereits knapp 100 Minuten davon mit „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (Originaltitel: „High on the Hog“) gefüllt habe, kann ich mich jetzt schon zurücklehnen und sagen „Wow, was ein Tag doch.“. Nur leider nicht im positiven, gemütlichen Sinne, als hätte man gerade erfolgreich den Garten umgegraben oder seinen Roman beendet, nein, viel eher als hätte man gerade 2,5 Stunden „The Turin Horse“ gesehen, nur ohne die Ästhetik oder den atmosphärischen Mehrwert. Was ich abgesehen von der geöffneten Energydrinkdose gerade vor mir liegen habe, das sind jedenfalls 8 Din A4-Seiten Notizen denn ja, das hier könnte lang werden, gar einer meiner ausführlichsten Texte überhaupt. Erlebt habe ich so etwas nämlich noch nicht und auch wenn ich vor dem Genuss des Films tunlichst warnen werde, so möchte ich doch eben deswegen einen kleinen Einblick geben – also kommt mit mir auf eine Reise in den mit unerträglichsten Wahnsinn, der je auf Blu-ray gepresst wurde.
 
 
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Der vor 40 Jahren in Illinois geborene Tony Wash besuchte erst die legendäre Special F/X-School von Horror-Urgestein Tom Savini in Pennsylvania, bevor er 2007 mit „It’s my Party and I’ll die If I want to“ einen durchaus in Festivalkreisen gefeierten Indiefilm auf die Welt losgelassen hat, dessen positive Resonanz wohl genügte, um einen Fuß zu fassen, einige Kurzfilme zu kreieren und schlußendlich noch die mir bisher unbekannten Werke „Chop Shop“ und „The Rake“ zu drehen. Bevor dann, letztes Jahr, „High on the Hog“ verbrochen wurde, hierzulande wenig sinnvoll in „Big Daddy – Make America stoned again“ umbenannt – was einfach nur der Name von Sid Haigs Charakter zusammen mit einer Tagline ist, die weder inhaltlich noch wörtlich je vorkommt.
 
 
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Sid Haig selber war so überzeugt von Wash und seiner Arbeit als Regisseur, dass er den Film direkt mitproduziert hat – und dass Haig seine simple und nie fordernde Rolle mochte, in der er kiffend zwischen 50 Jahre jüngeren Frauen auf seiner Farm chillt und kaum was tun muss, kann ich mir auch vorstellen. Aber wie sich dieses sehr lose „Konzept“ als Film präsentiert, das ist noch einmal eine ganz, ganz andere Frage. „For Bobby Z“ lautet die Widmung im Intro dieses Werks, da der im März 2015 bereits verstorbene Charakterdarsteller Robert Zdarsky, mir schon aus den Otto & Caesar-Filmen, anderen Lesern vielleicht eher aus „Tango & Cash“ bekannt war, hier als Mayor seine wohl vorletzte Rolle innehat – danke, Robert, dass du den Streifen mit deiner Präsenz veredelt hast, gerade da deine Szenen das wohl beste Acting dieses Trauerspiels beinhalten. „So it begins“ erzählt Sid Haig zu Drohnenfahrten über sonnige nordamerikanische Farmgebäude & Felder, und direkt fällt das körnige Bild auf, direkt die bemühten 70s-Farben, direkt das in „Grindhouse“ von Rodriguez und Tarantino deutlich zurückhaltender, deutlich pointierter benutzte Filtern von eigentlich ganz netten Aufnahmen, die möglichst gritty werden sollen. Wieso, fragt ihr euch? Bietet sich eine Story über einen Marihuana-Farmer, in dem echtes Material von aktuellen Ausgabestellen bzw. deren Razzias reingeschnitten werden, unbedingt für ein Throwback-Retro-Grindhouse-Erlebnis an? Nein? Nun, dann habt ihr jetzt wohl schon mehr über das Konzept nachgedacht, als der Regisseur.
 
 
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Ich will wirklich nicht die ganze Zeit austeilen, ich würd mich freuen über einen gelungenen Hybrid aus exploitativem Trash á la „Pervert!“ und entspanntem Kifferfilm, aber nichts von beidem braucht einen Fake-Bezug zu den Siebzigern, erst Recht nicht mit FSK 16 und ohne mit diesem Edi– egal, bleiben wir chronologisch. „Ain’t nobody gonna take our family farm away!“ slangt sich Haig durch das Voiceover, dann direkt zeigt der Editor sein hässliches Gesicht und in einem epileptischen Tobsuchtanfall von Opening Credits fährt ein schmissiges Muscle Car durch die Gegend, während generischer Hard Rock läuft und Splitscreen an Splitscreen an Splitscreen gereiht wird. Mal sehen wir das Auto gleichzeitig von der Seite und von oben, mal nur die Reifen ganz nah, dann wieder teilt sich das Bild in drei um simultan die mehrfach eingeblendete, amerikanische Flagge, die immer wieder identische Aufnahme einer Marihuanapflanze und das rumrasende Vehikel festzuhalten. Das ist noch deutlich anstrengender als es sich liest und würde selbst als Musikvideo nicht durchgehen, aber hey, im Intro toben sich überengagierte Editoren ja gerne mal aus und der Film hat schließlich noch nicht einmal richtig begonnen – denkste. Das Muscle Car fährt zum Stripclub, Stahlkappen auf den Lederboots des Fahrers, im Club direkt ein paar nackte Damen und ein schmieriger, schwitzender Typ, der einen geblasen bekommt. Das Schauspiel der gesamten Szene ist direkt auffallend grauenhaft, wenngleich auch nicht viel Dialog ausgetauscht wird, der Sound ist unverständlich und schlecht abgemischt, die Musik und Geräusche der Umgebungsatmosphäre wirken absolut nicht, als kämen sie aus dem Nebenraum.
 
 
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Kaum hat man das Intro halbwegs verdaut und kratzt sich fragend am Kopf, kommt der unfassbarste, anstrengendste, belastendste Part des gesamten Films, der Grund für mein Trauma: Es fängt damit an, dass völlig unvermittelt und ohne jede Vorstellung von irgendwem eine Frau panisch schreiend zu lauter Metalmusik und mit tausend Schnitten eine nächtliche Straße entlang rennt, und sich dabei bis auf die Unterwäsche entkleidet. Wer das ist oder warum wissen wir nicht, nur wie unfassbar es auch für den Zuschauer schmerzt, immer wieder festgefrorene Aufnahmen. Zu. Haben. Und. Dann. Wiedergehtesganzschnellweitermittausendschnitten. Und. Dann. Wieder. Einzelne. Frames. Unddannsiehtmanwiederwiesierenntundschreitundrennt. Unkonsumierbar, unzusammenhängend, unverständlich. Nächste Szene des gleichen Szenenblocks, ein Typ hat ne Schere im Kopf stecken, er und drei weitere junge Leute stehen scheinbar unter Schock am Krankenwagen, Polizei ist auch da. „How did this happen?“, Schreierei, mehr laute „Wuusch!“-Geräusche, überlagernde Tonspuren, Freeze Frames, Jumpcuts, der ganze Wahnsinn. Jetzt, nach der Frage also, FLASHBACK, denn diese uns völlig unbekannte Gruppe, die auch nichts mit der Farm oder dem Stripclub zu tun haben scheint, scheint zu diesem Zeitpunkt der eigentliche Fokus der Geschichte zu sein, als Aufhänger für den ganzen Film zu dienen – schließlich haben wir sonst noch nichts bekommen bis auf ein Voiceover von Sid Haig und einen ominösen Auftrag im Stripclub, richtig? Denkste.
 
 
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2 Stunden vorher, so informiert uns der hässliche Schriftzug, in diesem von hässlichen Einblendungen und Effekten und flackernden Einstellungen nicht gerade verschont gebliebenem Film, wollte die Gruppe „shit from some new guy“ holen. Durchschnittliche, generische Musik läuft zu laut im Vordergrund, dann geht der Film nach stolzen 8 Minuten Laufzeit auch direkt in die Vollen: War die bisherige, durchschnittliche Einstellungslänge bereits bei etwa 1-2 Sekunden, so wird jetzt in der Gruppe schlecht und unauthentisch wie sonst was gekifft und wenn dieser Film, mit diesem geisteskrankem Editor, der bereits da schon das mit Anstrengendste geliefert hat, das ich je gesehen habe, einen „bad trip“ inszenieren will, eine geistige Überforderung von drogeninduzierten Sinneseindrücken also, ja heilige Scheiße, verzeiht die Wortwahl, aber dann kann das Intro von „Enter the Void“ echt einpacken. Mit Verdopplungen und Zeitraffer und Zeitlupe und tausend Winkeln und hyperschnellem schwindelig machendem Editing und viel zu vielen Sounds und Eindrücken versehen wird sich hier durch eine Claymation-Splattersequenz gefiebert und genau diese Mischung aus hektischen Breakbeats und Panik und Desorientierung und Angst und Schweiß und Psychose verursachendem Editing ist es, die ich als „filmischen Bad Trip“ bezeichnen würde. Absolut unaushaltbar unangenehm, sehr immersiv und keine Ahnung was diese Szene, die wirklich nichts erzählt bis auf dass es gepanschtes Gras gibt, in diesem furchtbaren Film macht, aber so mitgenommen und unerwartet abgefuckt so völlig aus dem Nichts und ohne Warnung war ich lange nicht mehr. Alles wird viel zu schnell abgespielt, die unglückliche Kifferin rastet aus und sticht den Typen mit der Schere ab, den wir vor wenigen Minuten gesehen haben, ihr ist heiß, sie rennt weg und zieht sich aus, dann kommt ein Auto und überfährt sie – Cut, zurück zu der Stelle von vorher. Wofür das alles? Wieso diese Erzählstruktur? Wie zum Teufel hat dieser kurze Vorgang 2 Stunden gedauert? Ich weiß es nicht und es verwirrt nur noch mehr, darüber nachzudenken, aber einzigartig war dieser Höllentrip definitiv. Zu diesem Zeitpunkt, etwa 10 Minuten in „Big Daddy – Make America Stoned Again“ also, wünschte ich mir bereits einfach nur dass Entschleunigung stattfindet, dass auch nur eine Einstellung mal länger laufen darf als ein paar Sekunden, dass wir keine Shakycam auf engsten Raum haben mit tausend Überblenden und Filtern, sondern Tarkovsky-mäßige, ruhige, langsame Einstellungen zum Reinsetzen und Genießen. Doch selbst wenn Sid Haig als „Big Daddy“ einfach nur auf der Terasse sitzt und einen Joint raucht schafft der Editor es, das ganze sehr sehr kräftezehrend zu gestalten. B-Movie Legende Joe Estevez darf den eindimensionalen und wenig spannenden oder witzigen „Agent Dick“ spielen, der Big Daddy auf die Spur kommt und einen Durchsuchungsbefehl für die Farm möchte, bis auf Alkoholismus und eine leichte Verwirrung, die vermutlich eher von Estevez selber kommt, hat auch dieser Charakter aber leider keine weiteren Eigenschaften bekommen. In einer hässlichen, rot-blau-grün beleuchteten Wohnung steht Estevez nun im peinlichen Kostüm vor ein paar Dealern und erzählt zu weiterhin irritierendem Editing genau die Szene des Unfalls nach, die wir gerade gesehen haben. Drei bewaffnete „bad ass bitches“ dealen wohl das giftige Gras im Stripclub, so werden wir informiert. Der „Scene missing“-Gag wird zum zweiten Mal wiederholt, der Dealer schlecht getrickst verkloppt, Estevez nuschelt sich irgendwas in seinen Bart. Szene Ende. 14 Minuten im Film, 83 also noch, wie soll ich das nur aushalten?
 
 
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Die Bildfehler nerven, Sid Haig kriegt von seiner 50 Jahre jüngeren Frau/Freundin einen Blowjob, zu dieser wenig appetitlichen Vorstellung gesellt sich noch sein erzwungener Catchphrase „Pack it tight!“. Weil sinnloses Gelaber über das Joint drehen aber noch nicht genug sinnloses Gelaber für einen Film ist, wird zum Zeit füllen und zur Tortur des Zuschauers noch regelmäßig eine Radiomoderatorin eingeblendet, die, natürlich sinnloserweise oben ohne und notwendigerweise die ganze Zeit kiffend, „Queen Kush“ (!!!) heißt und ihren Sender auch wirklich einfach nur „Kush“ genannt hat, ohne jeden Witz dahinter oder auch nur den Versuch eines cleveren Wortspieles. Die mit ästhetischsten Aufnahmen, mit Rauchschwaden im pinken Licht, stammen dabei zwar von eben dieser Location, aber weil alles was sie labert leider nur unbrauchbarer Müll der unwitzigsten Sorte ist, kann ich selbst diese Inserts nichts als Pluspunkt verbuchen. Die restlichen Frauen auf Big Daddys Hof werden vorgestellt, sind aber unerwarteterweise weder sonderlich prägnant geschrieben, noch dargestellt, noch gecastet, noch halbnackt, einzig das Schauspiel fällt wie erwartet unterdurchschnittlich aus. Der Soundtrack begnügt sich derweil damit, uninspirierten Stock-Rock zu spielen, der so auch in 2000er-Rennspielen im Menü laufen könnte. 22 Minuten im Streifen, ich will sterben. Nach diesem überlang aufgebauten und verwirrenden Intro und einer weiteren unnötigen Szene, in der Dick einen Dealer beschattet oder so, kickt dann auch langsam mal die Hauptstory ein, da ein junger, weiblicher Cop sich zu außerordentlich grässlicher Musik auf der Toilette entscheidet, undercover als Prostituierte in den Stripclub zu gehen, um von den „bad bitches“ auf die Farm gebracht zu werden und den Fall endlich zu knacken. Immer die gleichen Bildfehler, flackernden Lichter und Überblenden erschweren das Sehvergnügen, fast als sei der gerade gelieferte Ansatz einer Story aber schon wieder zu viel für den Film, lehnt er sich jetzt narrativ im Stripclub erneut einmal komplett zurück und lässt einfach nur die Bilder und das gelungen groovige Rockcover sprechen, das im Hintergrund läuft. So verkommt die Seherfahrung also minutenlang endgültig zur unmotivierten und unerotischen Fleischbeschau ohne Dialog, ohne Handlung, ohne Substanz – und der schickste Shot ist ironischerweise der von Estevez, der draußen im Auto wartet.
 
 
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Nach 29 Minuten ging mir ein Herz auf, da es hier tatsächlich einen etwa 10-sekündigen Take gibt, in dem nicht geschnitten wurde – eine Insel der Ruhe in diesem endlosen Chaos. Die Polizistin wird wie geplant undercover weggefahren und zieht zum Verbrennen ihrer Kleider im Wald blank – doch so archaisch dem Exploitationfilm zugehörig dieses Szenenkonzept sich liest, der Zuschauer darf hieran nicht teilhaben. Lucy, unser Cop, wacht auf der Farm nackt im Bett auf und wird von Sid Haig begrüßt, der ohne Fragen ein Outfit bereit hat und sie hier arbeiten und leben lassen will. Warum eine dieser belanglosen Einstellungen plötzlich schwarz/weiß ist, weiß wohl auch nur der Regisseur selber, auch hab ich Sid Haig noch nie SO dermaßen schlecht spielen sehen, wie in dieser kleinen Szene, in der er seine anderen Frauen angiftet. Lucys Backstory steht als nächstes auf dem Menü, natürlich shit childhood, wird wortwörtlich so gesagt im Film, Frau #2 hatte auch ne schwierige Vergangenheit versteht sich, prinzipiell würd ich die Szene loben weil es endlich mal relativ ruhig ist und das Editing nicht ganz so verrückt rumspringt, aber dann kommen wieder laute Schreie und unfreiwillig komische Einblendungen zu eigentlich so ernsten Themen und der Film hat mich wieder völlig verloren. Es wird einfach erzählt, wie in einer Comedy – wenn erzählt werden soll, dass Zeit vergeht, sehen wir wirklich eine große Uhr, die schnell abläuft. Wenn es um Misshandlung in der Vergangenheit geht, hören wir ein Schlaggeräusch wie bei „Ups! Die Pannenshow“, wenn in der Vergangenheit jemand ermordet wurde, gibt’s nen Stock-Schrei von freesound und ne Blutspur auf dem Bildschirm. Nach dieser tiefschürfenden Szene wird erneut nur rumgesessen und, well, absolut gar nichts getan, bis auf dass Lucy mit Sid und den Mädels einen raucht, obwohl sie wenige Minuten vorher noch entschieden abgelehnt hat. Dick ist sich derweil alleine im Büro am wegsaufen, weil der Film natürlich vermitteln will Gras = Gut und Alkohol = Böse, auch wird die Tatsache dass es Alkohol ist ganz dezent mit einem Neonschild kommentiert, wie quirky doch. Fast so quirky, wie wenn in der folgenden Sexszene zwischen Daddy und einem seiner Girls ein filmfremdes stock-Pärchen reingeschnitten wird, das Sex hat, oder wenn eine Gurke eingeblendet wird für einen kurzen Moment, weil ein Mann nackt durch das Haus läuft. Haha, pickle rick!
 
 
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Magischwerweise sind wir, obwohl kaum etwas passiert ist, bereits bei 45 Minuten Editingunfall und alles was im hier und jetzt geschieht, ist, dass Lucy von einer der Frauen angemacht wird. Zudem offenbart sich langsam ein weiteres Problem des Editings, denn abgesehen vom Tempo und davon, dass es augenkrebsverursachend anstrengend und nervig ist, fehlen auch einfach jegliche Markierungen, Zäsuren oder Hinweise für den Zuschauer, wie viel Zeit vergangen ist, was gerade echt oder ein Traum oder ein Flashback ist, wo welche Stelle beginnt oder aufhört. Wenn man alles betont, wie bei Transformers z.B. auch, dann wird gar nichts mehr betont – wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig. Und wenn fast jede Szene ähnlich hektisch und flirrend und verwirrend geschnitten ist, dann geht alles in einem reinen Schnipselmatsch unter, aus dem man sich kaum noch zu helfen weiß. Und warum ständig „Scene missing“, soll das wirklich witzig sein? Warum regelmäßig Stellen in schwarz/weiß, ohne dass es konsistent oder clever genutzt wäre? Die One-Liner von Queen Kush gehen weiterhin auf den Senkel, während zu wie gewohnt schlechter und austauschbarer, zu lauter Musik auf n paar Glasflaschen geballert wird – wie in einem meiner Lieblingsfilme, Donnie Darko. Da schießt unser Protagonist zusammen mit seinen Freunden auch auf ein paar Glasflaschen und wie kommt es nur, dass ich bei Donnie Darko sofort erinnere, wie die Jungs einen legendären Dialog über die Schlümpfe und deren Sexualität führen, ich bei „Big Daddy“ aber nicht nur nicht den Inhalt erinnere, sondern mir gar keine Notizen zu der Szene gemacht habe, bis auf „null Charisma“? Ich lasse das Rätsel mal so stehen. Eine Collage von Gras-induzierten Unfällen bzw. Vergiftungen wird gezeigt und treibt irgendwo am Rand also auch diesen „Plot“ an, danach kommt als kurioser Szenenübergang, der witzig wäre wenn nicht der ganze Film so random und dumm wäre, ein zweisekündiger Einspieler von einer schweinemasketragenden Frau, die oben ohne zwei Pistolen auf den Zuschauer richtet und abdrückt. Ja, bitte, erlöse mich. 50 Minuten im Film, schlappe 47 also nur noch, haha, da scheinen sich die Dinge eeeeeendlich zuzuspitzen: In einer erträglichen, fast schon normal editierten und nett beleuchteten Barszene wird etwas diskutiert und schlecht gespielt, („So I’ll uuuhh…get you your icecream now.“) bevor Lucy wenig versteckt Dick anruft, von der Farm erzählt und dabei von Blondie entdeckt wird.
 
 
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Sie gibt direkt zu dass sie undercover ist und wird vermöbelt und siehe da, Sid Haig, von unten gefilmt, hühnenhaft in der dunklen Scheune, eine bestrafte Frau vor ihm auf dem Boden, das hätte prinzipiell wirklich Exploitation-Charakter und wirkt für ein paar Sekunden so sehr als Genrehommage und gelungenes Fanprojekt, wie es vermutlich wirken sollte – nur draus gemacht wird leider überhaupt nichts, erst Recht nicht mit dem Wissen dass wir unsere Protagonistin scheinbar nicht nackt sehen sollen und der Film eine FSK 16 bekommen hat. Eine Stunde im Werk, wieso muss es jetzt nur noch 37 Minuten gehen, statt 10? Während ich noch darüber nachgedacht habe, ob ich Queen Kushs Spruch „We put the oui in Weed“ oder doch lieber „We put the joy in Joint“ witziger fand, macht sich Big Daddy bereit, die ausspionierte Farm zu verlassen und mit den Mädels nen Neustart an einem anderen Grundstück zu versuchen, das er zum Glück noch besitzt. Im Intro und allgemein immer wieder wurde uns ellenlang erzählt, wie wichtig dieses spezifische Stück Farmland hier ist, das seit Generationen im Familienbesitz ist, aber sei’s drum. Einen unverständlichen „Semper Fi Motherfucker!“-Ausruf und erzwungen pseudocoole Dialoge später folgt dann, nach 64 Minuten die erste tatsächlich ganz okay bis gut gespielte Szene zwischen Zdarsky als parteiischen Mayor und Estevez als wütenden Dick, der endgültig die Schnauze voll hat. Großes Kino ist anders, für B-Moviefans aber definitiv eine spaßige kleine Konfrontation und vermutlich auch das traurige Highlight des Films. Echte Aufnahmen werden reingeschnitten um extrem tumbe Pro-Weed-Propaganda am Zuschauer auszulassen, mit der Subtilität von „Cool Cat saves the kids!“ und ohne, dass es je in die Story oder Szene passen würde. Das Niveau wird mit Big Daddy’s Maxime „Better pissed off than pissed on“ immerhin konsequent gehalten, mit unfassbar lautem Dröhnen und Schreien darf Daddy dann auch noch einen Alptraum erleben, einzig um Zeit zu strecken. Wieso muss dieser Film noch gleich 97 Minuten lang sein?
 
 
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Oh nein, der anstrengende, speedziehende, dadurch das Editing natürlich wieder sehr belastend machende, Dealer vom Anfang ist wieder da mit viel zu lauter Musik doch tut nichts wirklich Wichtiges, viel eher ist aber traurig wie dieser Film nun, nach 75 Minuten, 22 Minuten vor dem Ende der Chose, noch versucht für Sid „Big Daddy“ Haig eine Backstory zu erzählen, die natürlich lange nicht mehr interessiert. So prinzipiell nett diese Szene, mit ruhiger Erzählung und einer sympathischen Gitarrenmusik mit Geige und Ambient-Note im Hintergrund auch sein mag, so verschenkt ist die Möglichkeit. Weniger als eine Sekunde lang darf man dabei tatsächlich einen ziemlich brutalen und rabiaten Splattereffekt bewundern, aber wenn dann eine Szene später Agent Dick IMMER NOCH versucht den Durchsuchungsbefehl zu kriegen, frage ich mich echt womit zum Teufel ich die letzten 80 Minuten verbracht habe, da absolut nichts passiert ist. Die gorigste Szene des Films ist dann überraschenderweise echt, da die Jungs von Big Daddys Farm jetzt wohl für die ganze Stadt ein BBQ hosten und es sich nicht genommen wurde, echte Szenen des Ausweidens und Häuten und Schneidens des Schweins in den Film zu packen. Gehört zu der Vorbereitung und sieht auch recht horrorlastig, gut saftig, aus, aber wie so oft muss ich hinterfragen, was zum Fick damit bezweckt werden sollte. Der Mayor kommt auch dazu, 15 Minuten Film noch halleluja gleich geschafft, und auch einen Haufen Statisten hat man sogar gefunden für die überzeugende Kleinfeier auf dem Land, nur musst ich leider spätestens dann an den marginal besseren, aber immer noch sehr schlechten „Daddy’s Girl“ denken, als Sid Haig, also Daddy, „Welcome to Hell, Assholes“ sagt. 12 Minuten vor Ende, nachdem man sich durch dieses Schnittmassaker von einem fiebrigen Alptraum bar jedes Plots gekämpft hat, startet dann endlich auch mal eine Konfrontation und wie erwartet ist diese unlogisch, sinnlos, unrealistisch und mit (falschen) Stock-Sounds versehen. Eine Schrotflintenhülse fällt auf den Boden zum Sound einer 9mm-Hülse, Einschüsse sind nicht existent oder offscreen, sowohl auf Seiten der Farmbewohner, aber gerade auf Seite der Polizei, verhalten sich alle haltlos dämlich und gegen jede Vorschrift.
 
 
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Quer über die flüchtende Menschenmasse wird geballert, ohne jegliche Deckung auf kurze Distanz am Feind vorbei gerannt, Inkompetenz wo man hinsieht. Es gibt einen überraschenden und überraschend blutigen, erbarmungslosen Kill und der Versuch einen schlechten Catchphrase zu etablieren ist so absurd, dass ich wirklich lachen musste, aber dann sagt Sid Haig auch schon wortwörtlich „Well that’s a shitty ass way for it all to end“ und ich kann nur zustimmend nicken, Amen. Was bleibt zu diesem einmaligen Verbrechen zu sagen? „Big Daddy – Make America Stoned Again“ ist definitiv DER eine, herausstechende Film mit dem anstrengendsten, schlimmsten Editing, das ich je gesehen habe. Es ist ein Film, der es gleichzeitig schafft an den Problemen eines hochbudgetierten, seelenlosen Studio-Schrotts wie „Suicide Squad“ zu scheitern, da er sich anfühlt wie ein ewiges, auf Speed von Grundschülern editiertes Musikvideo, als auch an den schauspielerischen Unzugänglichkeiten und Budget-Makeln, die überambitionierte oder schlichtweg misslungene Indieproduktionen oftmals plagen. Song an Song, mal ok bis gut mal ganz fürchterlich wird aneinandergereiht, aber ebenso vergessenswert und kräftezehrend wie das Editing, das keine scheiß Einstellung mal zu Ende wirken lassen kann, werden auch die Lieder stets nur angespielt und dürfen kaum mal durchlaufen – und wenn doch, dann aber ohne, dass gleichzeitig etwas erzählt wird, oder passiert. Dass ich 100 Minuten mit einem Haufen Charaktere verbringe, die alle nicht durch ihre Taten oder Optik glänzen sollen, da es eben kein Exploitationfilm ist, und trotzdem niemanden davon näher kennenlerne, ist schon fast bemerkenswert.
 
 
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Da der Schnitt so desaströs ist, kommt allerdings die Frage auf wie dieser Celluloidhaufen ohne einen arrhythmisch auf der Tastatur breakdancenden Editor aussähe und die Antwort lautet, dass man auch dann noch mit relativ großen Namen und ziemlich viel Aufwand einen merkwürdig genrelosen und leeren Film geschaffen hat, der nun nicht mehr nervt, aber dafür einfach nur langweilt. Wirklich gemütlich, so dass wir einfach mit den Charakteren Zeit verbringen wollen, wird es nie, narrativ tut sich aber leider auch nichts. Script und Dialoge sind leider Müll ohne ausgleichende Faktoren, das Schauspiel hapert meistens an den sinnlosen Lines, ob es optisch ansprechende Szenen gab kann man wirklich kaum sagen, da durch die penetranten Bildeffekte kein Shot goutiert werden kann. Irgendwo zwischen peinlich stumpf politische Propaganda betreibendem Kifferfilm, Grindhouse-Abgesang und Stroboskoplichtclubbesuch nach der zehnten Nase mit Rattengift gestreckten Dingern hat „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es sich gemütlich gemacht, als Film möglichst ungemütlich für jeden Zuschauer zu sein. Egal ob als Sid Haig-Fan oder Kiffer, egal ob auf der Suche nach einer Comedy oder einer reinen Stilhommage, egal was man sucht bis auf einen „How not to edit“-Kurs, man wird es hier wirklich nicht finden. Wenn man denkt, dass es das endlich war, folgen immerhin noch zwei durchaus gelungene Schmankerl: Einereits kifft „Queen Kush“ nämlich natürlich noch etwas, nur um auf die bereits bekannte, wenn auch abgeschwächte Bad-Trip-Art zu krepieren, inklusive erneut sehr starker Claymation-Effekte und effektiv abfuckendem Editings. Und dann folgt der beste Part des Films, mit Abstand: Die Credits am Ende. Hier nämlich tanzen die drei Darstellerinnen des Films alle oben ohne zu einem Lied, am Rand neben den Namen, das wars. Keine Schnitte, keine Überblenden, keine lauten Geräusche, keine schrecklichen Dialoge und ein Lied, das am Stück durchläuft. Es sind immer die gleichen drei Frauen in den immer gleichen Outfits, herausstechend bezaubernd finde ich persönlich niemanden davon und das Lied ist auch kein Kracher – aber im Vergleich zu allem vorher, muss ich die Ending Credits doch definitiv positiv betonen.
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Handwerklich prinzipiell deutlich über Tauberts Werken angesiedelt, schafft „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es, durch das unangenehmste Editing, das ich je miterleben musste, einen Platz im Olymp der nervigsten und ungenießbarsten Filme aller Zeiten zu sichern. Als alptraumhafter Bad Trip, und das beweist der Film ganz eindeutig, funktioniert das bestens – als Langfilm aber eine reine Tortur im negativen Sinne.

 
 


 
 
 

BIG DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Big Daddy – Make America Stoned Again“ wurde von der FSK in der ungeschnittenen Fassung mit einer FSK16 freigegeben. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: High on the Hog; USA 2019

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 15.05.2020

 

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BIG DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nixon and Hogan Smoke Christmas (2010)
 
Domino (2005)
 
96 Hours – Taken 3 (2014)
 

Filmkritik: „Lebendig skalpiert“ (2019)

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LEBENDIG SKALPIERT

Story

 
 
 
Im amerikanischen Stadtlohner Bürgerkrieg läuft ein wiederbelebter Südstaaten-Soldat maskiert umher und tötet uns unbekannte Charaktere.

 
 
 


 
 
 

LEBENDIG SKALPIERT – Kritik

 
 
Ich wusste auch, dass dieser Tag hier folgen würde – der Tag, an dem ich durch meine Reviews an einen Film gelange, der dem Wertungsfass wirklich fast den Boden ausschlägt ganz allgemein einerseits, aber auch der, an dem ich erstmalig einen Film von Jochen Taubert sehen würde. Nun gibt es endlose Ansätze in der von mir oftmals so heiß geliebten Spielwiese der Non-Budget-Indie-und Amateurproduktionen, ja gar des lupenreinen Trashs, seine Werke zu gestalten. Seien es mit Herzblut in jahrelanger Kleinarbeit entstandene Epen mit Ambitionen weit über dem Budget, pointiert minimalistische Kammerspiele, gerne in Belagerungssituationen, oder Hirn-aus Trash der Marke Zombies und Nacktheiten, sei es mit Arthouse-Kunstanspruch und Zeitraffer-Aufnahmen sich paarender Insekten versehen oder gefühlt mit einer Kartoffel gedreht, aber immerhin unterhaltsam dabei – fast all diesen unterschiedlichen Auswüchsen des Herzblut-Hobby-Horrors bin ich bereits begegnet, konnte ich gar etwas abgewinnen, stammen einige meiner persönlichen Favoriten doch aus dem Bereich „Gute Idee > Riesenbudget“.
 
 
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Doch irgendwann, und auch das ist kein Novum, gerät man als Underground-Filmfan an seine Grenzen moralischer, psychologisch erträglicher, konsumierbarer Kunst und fängt an über Gerüchte, Titel und Regisseure zu stolpern, deren Werk sich einem entweder nicht erschließt, oder deren Ruf einem derart voraus eilt, dass bei aller Neugierde von vornerein kein Interesse aufkommt – und einer dieser Regisseure ist Jochen Taubert. Doch Stopp gleich hier denn ich bin mir bewusst, in welches Kritiker-Fettnäpfchen ich trete: Tauberts Werke sind gerade in der deutschen Online-Filmszene schließlich keinesfalls unbekannt, ein berühmt-berüchtigter Kino-Outlaw, der in der beschaulichen deutschen Naturumgebung frei von Budget oder politischer Korrektheit einen Scheiß nach dem anderen dreht, mit dem Motto „Hirn aus, Bier rein, ab dafür!“. Und demnach werde ich ihn weder weiter vorstellen, noch auf seine anderen Werke eingehen, noch einfach nur paraphrasenlang darüber ab lästern, wie unfassbar misslungen und schlecht dieser Film doch ist – nicht darüber, dass die Kostüme alle aus dem Karnevalsverleih kommen, nicht über das grottige CGI-Blut und nicht über das Fehlen von Schauspieltalent, denn das ist alles gegeben und wurde erwartet und wurde jahrelang bereits genug getan.
 
 
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Nein, was ich stattdessen ausdrücken möchte ist, ganz zugrunde liegend, dass ich Taubert, seine Filme, seine Art von Humor, und seine Fans schlicht und ergreifend nicht verstehe, nicht erfassen kann – denn oft liest man die „Verteidigung“ oder „Ausrede“ oder „Anweisung“, man solle die Filme ja auch „aus Spaß!“ gucken, mit Freunden und in einer Gruppe und mit Bier und Bombenlaune und dass Szenenanalyse oder auch nur das Suchen einer wirklichen Story fehl am Platz sei – doch GENAU DAS habe ich, bzw. haben wir dann tatsächlich auch gemacht und so saß ich dann also mit Bier und 1,5m Mindestabstand zwischen weiteren ungläubigen Mündern, Notizen machend, eine Antwort suchend –was übersehe ich?
 
 
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Bill Zebub ist ein amerikanischer Independent-Regisseur, der endlos Titel mit vielen nackten Frauen, schlechten Effekten, Überlänge und peinlichen pseudophilosophischen Gesprächen füllt und reißerisch auf den Markt wirft, und sagt in einem Interview wortwörtlich dass er die Filme nicht für Kunst macht, sondern damit irgendwelche Perversen ihm Geld dafür geben – ehrliche Einstellung, erklärt die Werke, kann ich mit leben, auch wenn er mit „Santa Claus: Serial Rapist“ für den einzigen Film in den letzten 3 Jahren oder so zuständig ist, den ich tatsächlich noch schlechter fand, als das kurze Taubert-Verbrechen hier. Tauberts Aussagen nach hingegen ist dieser Film hier aber das persönliche Baby des Iserlohner Filmteams, der ambitionierteste Film, der den amerikanischen Bürgerkrieg mit einem Zombie-Slasher und Western kreuzt. Gott, wie würde ich mich nur freuen, würden Astron 6 z.B. eine solche Ansage machen –aber Astron 6 this ain’t, wie ein Herzensprojekt auch nur annährend so unmotiviert und hingerotzt aussehen kann wie das hier weiß ich nicht und wer auf liebevolle Genrezitate, nachgemachte Kamerafahrten, schlitzohrige Querverweise hofft, der wird enttäuscht.
 
 
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Und da kommt auch schon das Hauptthema auf, „Enttäuschung“. Enttäuschung beim unbedarften 0815-Käufer, Gott hab ihn selig, der einen nachbearbeiteten Ralf Richter auf dem Cover sieht und wirklich glaubt, dass dieser nicht nur im Kölner Stadtpark 10 Minuten nachgedrehte Szenen hat in denen er missgelaunt in die Kamera guckt und dann stirbt, zum Beispiel, aber etwas Besseres habe ich ohnehin nicht erwartet. Enttäuschung aber auch, wenn man denkt dass die gelobten, handgemachten Effekte splattertechnisch vielleicht Punkte sammeln würden, weil bis auf einen halbgaren Kehlenschnitt bleibt auch hier nichts hängen, viel eher die vielen schwachen CGIMomente. Enttäuschung darüber, dass der Film Brüste auf dem Cover hat und scheinbar mit seinen Reizen überzeugen will, aber als Exploitation spätestens dann versagt, wenn es neben der fehlenden Gewalt also auch nur ein flachbrüstiges „Apachenmädchen“ gibt, das wenig lasziv durch die drögen Wälder und Wiesen stapft. Enttäuschung, weiter geht es, darüber, dass Taubert scheinbar wirklich etliche Statisten mit Kostümen und ein paar halbwegs nette weite Aufnahmen und Panoramas organisiert bekommen hat, diese aber alle in den ersten 5 Minuten verheizt, und der Film daraufhin nur immer schlechter und schlechter aussieht. Enttäuschung, seufz, dass, wenn man von dieser Splatter-Hommage-Erotik-Komödie (?) also den Splatter, die Erotik und den Hommage-Part nimmt, nur noch eigentliche Story und Comedy überbleiben und es hier dann erst richtig finster aussieht.
 
 
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Denn, unter uns, schlechte Wald-und Wiesen-Slasher mit zu Unrecht versprochenen guilty pleasures und ohne jeglichen optischen Flair hat man schon einmal gesehen und die können sich immer noch ein paar Punkte verdienen durch die bloße Unbedarftheit, den Soundtrack, einen netten Twist oder generelle Kurzweil, in der man sich nicht permanent mit einer Gabel durch die Nase das Gehirn entfernen möchte. Doch wo „Taubert“ draufsteht, und das ist eine dieser zahlreichen Formulierungen, die ich jetzt erstmalig verstehen und unterschreiben kann, da ist wohl auch „Taubert“ drin und das soll heißen, dass der Humor wirklich das platteste, unwitzigste, anstrengendste ist, das ich in einer langen Zeit gesehen habe. Stumpf ist Trumpf, ich albere gerne herum, konnte Tromas „Hectic Knife“, in dem budgetlos minutenlang Donuts über den Boden getreten werden, z.B. absolut genießen und empfehlen, aber Tauberts Sinn für Komik reicht leider nicht viel weiter, als einem (Karnevals)-Mönch (in irgendeiner Wohnung als Set) einen Pfeil in seinen Pimmel zu schießen –ohne jeglichen Effekt, Splatter, ohne Konsequenz, versteht sich. Und die Geschichte, die einen sehr anstrengenden und pseudoernsten, aber nie wirklich witzigen Sprecher verpasst bekommen hat, hat einen groben Haupthandlungsrahmen, verlässt diesen aber nach etwa der Hälfte, wenn alle uns bekannten Charaktere und somit möglichen Protagonisten etc. verstorben sind. Als wüsste der Film nun so gar nicht, was der tun soll mit der Zeit, als gäbe es kein Script, kommen nun nur noch qualvoll langgezogene, unwitzige Szenen uns größtenteils gerade erst vorgestellter und somit völlig egaler Charaktere, die alle von schrecklich unbegabten Laien besetzt wurden. Der Soundtrack verbreitet dabei im Menü sogar direkt Atmosphäre mit einem gehauchten „Lebendig…lebendig….Skalpiert…skalpiert…“und anschließend ansprechend wirkendem Lagerfeuer-Gesang, doch so schön dieses etwa einminütige Stück auch ist und so positiv es mich überrascht hat – für 80 Minuten ohne Handlung oder bemerkenswerte Bilder und demnach Musikvideo-Flair reicht das absolut nicht, erst Recht nicht wenn ohne Zusammenhang – im ganzen Film wird EINMAL lebendig skalpiert – der Titel geflüstert wird und das immer gleiche, furchtbar unpassende Lied läuft.
 
 
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Es ist wirklich viel mehr Verwirrung, denn Wut oder Frust, die sich bei mir breit macht, denn abseits von Mockbuster-Marketing durch Fake-Reviews auf Amazon und das manipulative Cover und demnach aus Versehen getätigte Käufe weiß ich wirklich nicht, für wen diese Filme gemacht, bzw. veröffentlich werden. Wären ich und meine Freunde das auf der Bildfläche, ja, ein paar Szenen wären großartig lustig und man würde es sich gerne angucken, aber wieso müssen mehr als die paar hundert Beteiligten Menschen und Anwohner sich der Taubert’schen Filmkunst nur ausgesetzt sehen, wenn wirklich auf überhaupt keiner Ebene irgendeine Art von Unterhaltung geliefert wird. Für 10 Minuten mit ein paar netten Aufnahmen, etwas Splatter, ein paar Brüsten und recht vielen Kills für die kurze Laufzeit, hätte es gereicht, für einen billigen Kurzfilm der einen nicht hungrig nach mehr lässt, aber auch keinem weh tut, auch dass es nur ein Lied mit einer Minute Laufzeit gibt, fiel dann nicht negativ ins Gewicht. Aber 80 Minuten lang mit so einem Aufwand etwas zu schaffen, das weder als Horror noch Comedy noch Schenkelklopfer-Trash unterhält, das weder hängen bleibt weil es fies exploitativ, noch originell kreativ, noch so unbedarft schlecht und verblendet ist, das grenzt wirklich an ein Verbrechen. Taubert und seine Leute nehmen es mit Selbstironie und wissen scheinbar, dass sie nur Scheiße produzieren, aber der Unterschied ist der, dass sie ihren Werken nicht jeglichen Unterhaltungswert absprechen. Die einzige Szene, die spontan hängen geblieben ist und als Meme, Running Gag oder sonst was taugen könnte, ist eine der traurigen Ralf Richter im Stadtpark-Inserts: Er schubst mit seiner Waffe die Spinne von seiner Brust und sagt (Achtung) „Ich glaub, ich spinne!“–nichts Großes, aber hat für ein Ausatmen aus der Nase gereicht. Ist aber auch im Trailer, bevor ich hier noch Gründe zum selber Anschauen nenne. Politische Deutung überlass ich anderen Kritikern und auch Moral suche ich in solchen Filmen nicht, aber wenn Frauen am laufenden Band als Schlampen bezeichnet werden, zwar aus der Sicht des Killers aber trotzdem undifferenziert im sonst so objektiven Voiceover und unsere Protagonisten/Helden zudem prinzipiell eher Pro-Sklaverei sind, sorgt das nicht für Bonuspunkte – kurios ist es schon, aber auch nur auf dem Papier und nicht im Ansatz Wert, selber erfahren zu werden.
 
 


 
 
 

LEBENDIG SKALPIERT – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
„Lebendig skalpiert“ ist eine ununterhaltsame Geduldsprobe, wie sie selten in den Regalen zu finden ist. Angetrunken, mit Freunden, Bombenlaune und Erwartungshaltung nahe dem Tiefpunkt noch ganz knappe 2/10.
 
 


 
 
 

LEBENDIG SKALPIERT – Zensur

 
 
 
Der Film ist uncut ab 16, was verständlich ist bei den billigen und wenigen handgemachten Effekten sowie dem Fehlen jeglicher Ernsthaftigkeit oder Immersion. Dennoch ziert die Heimkinofassung ein roter FSK-Sticker. Dieser ist dadurch begründet, weil auf der Scheibe Bonusmaterial zu finden ist, das von der FSK höher eingestuft wurde. Übrigens: Die rund 30 Minuten Extras stammen größtenteils von der Premiere und zeigen nach 80 Minuten Leiden nur auf, die sehr man diese Filme scheinbar genießen kann, wenn man selber dabei ist.
 
 
 


 
 
 

LEBENDIG SKALPIERT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lebendig skalpiert; Deutschland 2019

Genre: Horror, Thriller, Splatter, Amateur, Western

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Interviews mit den Machern, Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 24.04.2020

 

Lebendig skalpiert [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

LEBENDIG SKALPIERT – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tal der Skorpione (2019)
 
Ich piss‘ auf deinen Kadaver (1999)
 
Piratenmassaker (2000)
 

Filmkritik: „Bullets of Justice“ (2019)

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BULLETS OF JUSTICE

Story

 
 
 

In der Zukunft regiert eine Kreuzung aus Mensch und Schwein die Welt. Nur noch wenige Menschen sind übrig, um sich gegen diese Wesen zur Wehr zu setzen.

 
 
 


 
 
 

BULLETS OF JUSTICE – Kritik

 
 
 
Trash kann eine schöne Sache sein – Einfach abschalten und sich von Schwachsinn berieseln lassen. Das funktioniert aber leider nicht immer. Wenn Trash dermaßen doof ist, dass er eher peinlich wirkt, als amüsant, dann wird es schwer mit dem Genuss. Und leider gehört „Bullets of Justice“ genau zu dieser Marke, dem peinlichen Trash.
 
 
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Im dritten Weltkrieg wurden Schweine mit Menschen gekreuzt, um daraus den Supersoldaten zu erschaffen. Dies ist gelungen, doch viele Jahre später hat diese Rasse namens „Muzzles“ die komplette Kontrolle übernommen. Der Mensch steht auf ihrem Speiseplan und es ist nicht mehr viel übrig von der Menschheit. Eine Gruppe Überlebender hält sich in einem Atombunker versteckt. Unter ihnen befindet sich auch Rob Justice, ein Kopfgeldjäger und scheinbar die letzte Hoffnung für die Menschheit. Er soll das Mutterschwein finden und damit alle retten.
 
 
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Die Ausgangssituation klingt schon mal wahnsinnig bekloppt, doch daraus hätte man echt etwas machen können. Hier und da lässt sich auch mal eine kleine Idee finden, die recht kreativ wirkt, doch ein Großteil des Drehbuches ist wirklich einfach nur dumm. Die Einfälle wirken so doof, dass sie ihren Zweck verfehlen. Ein Mädel mit einem Schnäuzer, seltsame Visionen mit einem männlichen Model, Kreaturen, die ihren Arsch am Kopf haben und dann passenderweise „Asshole“ heißen. Solche Ideen machen keinen Spaß, weil sie gänzlich willkürlich eingebaut wurden und überhaupt keinen Zweck verfolgen. Guter Trash lässt sich nicht einfach so erschaffen – Da muss schon Herzblut erkennbar sein. „Bullets of Justice“ lässt solches spürbar vermissen und bietet am Ende noch einen Twist, der dermaßen an den Haaren herbeigezogen ist, dass es weh tun möchte. Allgemein gelingt es dem Werk nicht ansatzweise eine einigermaßen funktionierende Dramaturgie aufzubauen. Hier will einfach nichts funktionieren.
 
 
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Dass mit Danny Trejo geworben wird, sollte klar machen, wie verzweifelt man versuchen musste, irgendwelche Interessenten zu finden, denn Trejo ist eine echte Mogelpackung. Er hat vielleicht zwei Minuten Screen-Time und diese dann auch noch in einer völlig belanglosen Rolle. Abgeschossen wird der Vogel aber erst durch Timur Turisbekov in der Hauptrolle. Er stellt eine Totalkatastrophe dar, besitzt null Charisma und leiert seine Rolle dermaßen lustlos herunter, dass einem als Zuschauer jegliche Freude vergeht. Doch auch alle anderen Darsteller sind überhaupt nicht gut. Lediglich Doroteya Toleva als Frau mit Schnäuzer ist noch einigermaßen erträglich. Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass „Bullets of Justice“ nicht mal im O-Ton gut anhörbar ist, weil hier oftmals ein doch recht schlechtes Englisch gesprochen wird. An eine Figurenzeichnung ist übrigens nicht zu denken. Die Charaktere sind qualvoll belanglos und bleiben stets langweilig. Zwar hat man hier versucht eine Art der Coolness zu entwickeln, doch dieser Versuch ist grandios gescheitert.
 
 
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Wenn man nun gute Punkte an „Bullets of Justice“ finden möchte, dann wird man am ehesten in der handwerklichen Umsetzung fündig, was noch lange nicht heißt, dass der Film gut gemacht wurde. Regisseurin Valeri Milev kennt man vielleicht durch „Wrong Turn 6“, aber ansonsten wohl auch eher nicht. Es gibt tatsächlich ein paar ganz schicke Kamerafahrten und sogar ein paar Schauwerte, mit denen so nicht unbedingt zu rechnen war. Außerdem sind die Masken nicht gerade schlecht. Die Effekte gehen von unterirdisch bis solide und wenn mal gesplattert wird, stammt sogar nicht alles Blut aus dem Computer. Die Optik ist soweit ebenfalls in Ordnung und die apokalyptische Welt wurde gar nicht mal so schlecht dargestellt. Ein wenig Qualität versteckt sich hinter der Umsetzung also tatsächlich und trotzdem bringt dem Film das kaum etwas. Dafür ist das Treiben nämlich einfach zu öde. Die Actionszenen sind meist schnell vorbei, Spannung entsteht sowieso keine und wenn es Humor gibt, dann ist dieser einfach nur geschmacklos. Die letzten 20 Minuten setzen der Peinlichkeit die Krone auf und obwohl „Bullets of Justice“ nur 75 Minuten Laufzeit besitzt, zieht er sich in die Länge. Auf jeden Fall ist man froh, wenn dieses Treiben ein Ende gefunden hat.
 
 
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BULLETS OF JUSTICE – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„Bullets of Justice“ ist nicht mal aus Trash-Sicht empfehlenswert. Es wird vielleicht ein paar Zuschauer geben, die an den peinlichen Ideen ihre Freude haben, aber selbst unter dieser Prämisse bietet der Streifen nicht genug. Es gibt im Endeffekt nicht mal wirklich viel Splatter, selbst wenn der Film nicht harmlos ist. Zusätzlich sollte man sich nicht auf Trejo freuen, denn der ist vernichtend wenig mit dabei und die restlichen Darsteller geben eine ziemlich unterirdische Darbietung von sich. Die Grundprämisse der Story mag noch schön doof klingen, doch man hat daraus kaum etwas gemacht. So schaut man 75 Minuten gänzlich unsympathischen Charakteren zu, die man sofort nach dem Schauen wieder vergessen hat. Zum Glück bleibt auch die Frage nach dem Sinn nicht lange im Gedächtnis, denn dafür ist „Bullets of Justice“ einfach zu belanglos. Nur weil das handwerklich teilweise eine gewisse Qualität besitzt, bleibt die Totalkatastrophe aus, aber viel hat zu dieser nun wirklich nicht gefehlt!
 
 
 


 
 
 

BULLETS OF JUSTICE – Zensur

 
 
 
„Bullets of Justice“ lief bereits im Oktober 2019 auf dem Obscura Film Festival in Berlin. Der Film hat einige sehr krude Szenen zu bieten. Man darf mit einer ungeschnittenen Erwachsenenfreigabe rechnen – sollte der Film hierzulande veröffentlicht werden.
 
 
 


 
 
 

BULLETS OF JUSTICE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Mandala)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Operation Overlord (2018)
 
Turbo Kid (2015)
 
Drifter – Live in Fear (2016)
 

Kritik: „Creep Van – Terror auf vier Rädern“ (2012)

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CREEP VAN – TERROR AUF VIER RÄDERN

Story

 
 
 
Campbell ist Mitte Zwanzig und kriegt nur miese Jobs, weil er kein Auto hat. Dann, Magic Moment, sieht er einen alten Van, der zu verkaufen ist. Was er nicht weiß: Der Van gehört einem Serienkiller, der gar nicht daran denkt, sein mörderisches Gefährt zu verkaufen. Vor allem nicht, weil sich in ihm so schön blutige Morde begehen lassen.
 
 
 


 
 
 

CREEP VAN – Kritik

 
 
 
Die Filmgeschichte hat mordende Autos („Christine“), mörderisch-übersinnliche Monster in Autos („Jeepers Creepers“) und mörderisch-dämliche Auto-Duos („Knight Rider“) hervorgebracht. Was die Dämlichkeit angeht, ist Regisseur Scott W. McKinlay mit seinem „Creep Van“ schon mal ganz vorne mit dabei. Nach 80 Minuten endet der Film sehr hübsch mit einem bösen Schlussakkord und einem mittels Autofenster filetierten Kopf, dies rechtfertigt aber bei weitem nicht die 79minütige Zeitverschwendung davor. „Creep Van“ ist ein vermutlich für drei Dollar fuffzich produzierter, wirklich schlechter Horrorfilm, der alle dafür nötigen Komponenten in sich vereint: Schauspieler-Darsteller, einen unfähigen Regisseur, ein bescheuertes Drehbuch, im Deutschen zusätzlich noch die Porno-Synchro und das Fehlen jeglicher Spannung oder auch nur der Hauch eines Sinns. Darüber können auch die Handvoll blutiger Effekte nicht hinwegtäuschen, die aber immerhin halbwegs passabel umgesetzt wurden.
 
 
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Campbell (Brian Kolodziej) hat kein Auto und muss Bus fahren. Das findet er doof, denn dadurch werden seine Jobs als Pizzalieferant oder Paketbote recht mühselig und er verliert einen Job nach dem anderen, weil er sich kein Auto leisten kann. Und da Mädchen in Amerika offensichtlich auch nur auf Typen „abfahren“, die ein Auto besitzen, kann Campbell auch an dieser Front keine Erfolge verbuchen. Zudem wohnt er bei seinem Kumpel, der immer komische Sexspielchen mit seiner Freundin veranstaltet (Stichwort: Hundehütte), das findet Campbell auch irgendwie doof. Dann aber, als er einen weiteren Spitzenjob (diesmal als Autowäscher) ergattert, lernt er dort Rezeptionistin Amy (Amy Wehrell) kennen (die zum Glück ein Auto hat). Als er dann auch noch einen alten Van entdeckt, der zum Verkauf steht, läuft es richtig rund für Campbell. Der Van-Besitzer hat allerdings eher mörderische denn monetäre Absichten, wenn er seine alte Rostlaube immer wieder zum Verkauf anbietet. Während sich die Opfer im blutigen Transporter stapeln, kommt auch Campbell langsam dahinter, dass mit Van und Fahrer irgendwas nicht stimmt.
 
 
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Bei „Creep Van“ weiß man wenigstens gleich, woran man ist und was man hier erwarten darf. Kaum sind die Opening Credits vom Bildschirm verschwunden, gibt es schon den ersten Knaller-Satz, den eine Mutter ihrem kleinen Jungen eintrichtert, als der an einem fremden Van rumschnuppert: „Nur böse Leute besitzen Vans“. Aha. Wusste man noch gar nicht. Gut, dass „Creep Van“ hier gleich eine Wissenslücke schließen konnte. Kaum hat man diese bahnbrechende Erkenntnis verarbeitet, gibt es auch schon den ersten Toten (in Minute 2:22), der zweite folgt schon 26 Sekunden später (Minute 2:48). Leider geht es nicht so fluffig weiter. Es folgt die Introduktion von Campbell und seinem autolosen Loserleben, flankiert von grauenvollen Dialogen und minder- bis gar nicht begabten Darstellern inklusive akustischer Vergewaltigung der Ohren durch deutsche Dilettanten-Synchro.
 
 
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Der Film stolpert hüftlahm zwischen verschiedenen uninteressanten Szenarien hin und her: Scott auf der Arbeit, Scott zu Hause bei seinem nerdigen Kumpel, Scott mit Amy und die Aktionen des Van-Killers natürlich. Letztere sind zumindest halbwegs unterhaltsam, da der Killer sich ein paar hübsche technische Spielereien in seine alte Rostlaube gebaut hat, mit denen er seine Opfer effektiv und sehr blutig tötet. Zumindest diese paar Szenen sorgen für leichte Erheiterung, während der Zuschauer sich ansonsten gramgebeugt durch diese wirklich schlechte Filmhandlung mäandert. Im Übrigen macht sich das offensichtlich sehr begrenzte Budget auch durch diverse Requisiten bemerkbar. Obwohl der Film 2012 gedreht wurde, rennen alle mit Klapphandys herum oder telefonieren mit riesigen Festnetz-Hörern. Wahrscheinlich steht bei Campbell zu Hause auch noch ein Kassettenrecorder herum, wundern würde es einen nicht. Mehr gibt es bedauer- oder glücklicherweise zu diesem Film wirklich nicht zu sagen.
 
 
 


 
 
 

CREEP VAN – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„Creep Van“ ist ein am Reißbrett entworfener und billig runtergekurbelter Horror-Blödsinn mit Einschlafgarantie. Er wird bevölkert von einem Haufen Darsteller-Attrappen, die ziel- und sinnlos in der Gegend rumrennen und einen bösen Van suchen. Die wenigen Gore-Elemente sind durchaus blutig und erheiternd. Trotzdem sind sie genauso billig gemacht wie der Rest des Films und liefern schlussendlich kein wirkliches Anseh-Argument für diesen Murks. Für einen immerhin hübschen Schlag in die Magengrube und den besten Trash-Effekt am Ende des Films gibt es von FILMCHECKER gerade noch mal zwei von zehn Transportern, mit denen man am besten all jene überfahren sollte, die an diesem Film beteiligt gewesen sind.
 
 
 


 
 
 

CREEP VAN – Zensur

 
 
 
„Creep Van“ wurde von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. Der Film ist ungeschnitten erhältlich. Weil auf der Blu-ray einige Trailer enthalten sind, die nicht jugendgrecht sind, hat die erhältliche Einzelveröffentlichung von „Creep Van“ eine Freigabe für Erwachsene erhalten.
 
 
 


 
 
 

CREEP VAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Castle View Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Creep Van; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailer

Veröffentlichung: 24.04.2015

 
 
 

Creep Van – Terror auf vier Rädern [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

CREEP VAN – Weitere Veröffentlichungen

 
 
 
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(c) Edel Germany GmbH

 
 
Neben der Einzelveröffentlichung von „Creep Van“ gibt es den Streifen in einer Horrorsammlung, die als „Ultimate Horror Collection“ in den Handel gebracht wurde und neben besagten Horrorfilm auch die Streifen „Evil Undead„, „Hexenjagd“, „Mask Maker„, „Excision„, „Axe Giant – Die Rache des Paul Bunyan“ sowie „Creep Van – Terror auf vier Rädern“ beinhaltet. Leider gibt es dieses Horror-Sammlung nur auf DVD. Der Rechteinhaber hat auf eine parallele Vermarktung auf Blu-ray verzichtet. Immerhin sind alle Filme in der Box (Veröffentlichungstermin: 15. Januar 2016) ungeschnitten.
 
 
 

Ultimate Horror Collection [2 DVDs] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

CREEP VAN – Trailer

 
 


 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte aller Grafiken liegen bei Edel Germany GmbH | Castle View Film

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Christine (1983)
 
Duell (1971)
 
Der Autovampir (1982)
 
Blood Car (2007)
 
Der Teufel auf Rädern (1977)
 
Rhea M – Es begann ohne Warnung (1986)
 

Filmkritik: „The Demolisher“ (2015)

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THE DEMOLISHER

Story

 
 
 
Für den Technikinstallateur Bruce (Ry Barrett) und seine Frau Samantha (Tianna Nori) ist der Traum geplatzt. Samantha, eine ehemalige Polizistin, wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Bruce kümmert sich um sie und zusammen versuchen die Beiden, die unerwarteten Hürden des Lebens zu meistern. Doch hinter jeder Ecke wartet ein neues Hindernis. Geplagt von irrationalen Schuldgefühlen und zügelloser Wut beginnt Bruce mit nächtlichen Streifzügen durch die Stadt. Dabei klopft er alles kurz und klein, was ihm in den Weg kommt und kriminell aussieht. Eine Krise bahnt sich an, als sein zerstörerischer Pfad den der jungen Marie (Jessica Vano) kreuzt.

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Kritik

 
 
 
Unter Fans von Actionfilmen, Horror und sonstiger Genrekost ist der Begriff „Arthouse“ nicht unbedingt populär. Verständlich, denn wo Genrefilme oft mit hoher Geschwindigkeit, Brutalität und ausgefallenen Ideen aufwarten, setzen sich Arthousefilme gerne mit anspruchsvollen Themen auseinander und beleuchten verschiedene Aspekte der (Zwischen)Menschlichkeit. Umso verblüffter dürfte der durchschnittliche Genre-Freund sein, wenn er mit den ersten Minuten von „The Demolisher“ konfrontiert wird. Es gibt lange, rätselhafte Einstellungen und Szenen, die zunächst ohne ersichtlichen Grund aneinandergeschnitten sind. Über weite Strecken erzählt der Film episodenhaft, springt zwischen Handlungssträngen und Zeitebenen und verzichtet gerne auf Dialoge. Allem Anschein nach handelt es sich bei „The Demolisher“ also um eine Kombination aus anspruchsvollem Arthouse-Kino und der brutalen Grobheit des Action- und Thrillerkinos. Oder zumindest um einen Versuch, dies zu tun.
 
 
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Sofort fallen zahlreiche Parallelen zu Nicolas Winding Refns „Drive“ auf. Ein Beispiel für eine ähnliche Kombination, die funktioniert hat und dafür mit jeder Menge Lob und Ruhm belohnt wurde. Im Vergleich zum offensichtlichen Vorbild fällt jedoch schnell auf, warum das selbe Rezept bei „The Demolisher“ überhaupt nicht aufgeht. Der namenlose Fahrer in „Drive“ ist ein interessanter und tiefgehender Charakter, der den Zuschauer auf einer feinen Linie zwischen Sympathie und Antipathie spazieren lässt. Hinter Bruces Augen sieht man nichts außer einer gähnenden Leere und dem unterschwelligen Zorn eines dumpfen Grobians. Hinzu kommt die Motivation der verletzten Frau, die schwerlich erklärt, warum der Proleten-Protagonist fast wahllos Leute krankenhausreif schlägt.
 
 
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Trotzdem erkennt man stellenweise, was Regisseur und Autor Gabriel Carrer mit „The Demolisher“ erreichen wollte. Es ist eine Geschichte über blinde Wut, die daraus resultierende Gewalt und die Konsequenzen, wenn diese Gewalt zu weit geht. Umgesetzt wird diese Geschichte allerdings mit einem Stil, der kaum durchdacht ist und seine Vorbilder ausschließlich imitiert. Stilmittel – wie das episodische Erzählen oder eine viel zu oft eingesetzte Zeitlupe – ermüden schnell und behindern den Film eher, als dass sie ihn bereichern. Das hölzerne Schauspiel der Akteure, allen voran Ry Barrett, tut sein Übriges, um „The Demolisher“ zu einem inkompetenten Mix aus Stil und Inhalt werden zu lassen, bei dem nichts wirklich stimmt.
 
 
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THE DEMOLISHER – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„The Demolisher“ macht das Gleiche wie seinerzeit „Drive“. Allerdings um Einiges schlechter. Flache Charaktere, Schwache Schauspieler und unangebrachte Stilmittel machen den Film zu einer Herausforderung. Immerhin lässt sich sehr viel Gelächter aus der Tatsache ziehen, dass sich „The Demolisher“ aus unerklärlichen Gründen extrem ernst nimmt. Im Gegensatz zum Film kann sich die deutsche Veröffentlichung aus dem Hause Meteor Film sehen lassen. In einem schicken Future-Pack, ausgestattet mit Extras wie Poster und Postkarten sowie lobenswert technischer Präsentation erhält „The Demolisher“ hierzulande eine weitaus bessere Veröffentlichung, als der Film letztendlich verdient hätte.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Zensur

 
 
 
Selbst die Gewaltspitzen, die „Drive“ gewürzt haben, kommen sehr kurz. Abgesehen von der umstrittenen Selbstjustiz-Thematik hat der Film nicht viel im Gewalt-Sektor zu bieten. In Deutschland erscheint er ungeschnitten mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Wegen „bösem“ Bonusmaterials wurde die Heimkinoveröffentlichung aber erst für Erwachsene freigegeben. Die besitzt den roten KJ-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film

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(c) Meteor Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Demolisher; Kanada 2015

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Limitiertes 2-Disc Blu-ray FuturePack

Extras: CD mit Original-Score plus Bonus-Tracks (70:36 Min), A3-Retro-Miniposter mit 2 Wendemotiven, 3 Sammelkarten mit, Alternativ-Artworks, Q&A mit Cast + Crew, Behind the Scenes, Musikvideo LA GARCONNE – SUPER HERO, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Release-Termin: 26.02.2016

 

The Demolisher (Limited FuturePak Blu-ray-Disc inkl. Soundtrack-CD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Drive (2011)

Death Sentence (2007)

Kritik: „Remains of the Walking Dead“ (2011)

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REMAINS OF THE WALKING DEAD

Story

 
 
 
Nach einem atomaren Unfall mutiert ein Teil der Menschheit zu Zombies. In Reno hat es eine kleine Gruppe geschafft, nicht infiziert zu werden und kämpft nun verzweifelt ums Überleben.
 
 
 


 
 
 

REMAINS OF THE WALKING DEAD – Kritik

 
 
 
Der ehemalige Comic-Verkäufer Steve Niles zeichnet Comics, wenn er nicht gerade Drehbücher („30 Days of Night“) schreibt und lässt diese Bildergeschichten bzw. Graphic Novels dann von anderen verfilmen. Im Falle von „Remains“ war Regisseur Colin Theys am Werk, um aus Niles‘ Vorlage einen brauchbaren Film zu machen. Leider ist ihm das nicht gelungen, so dass „Remains of the Walking Dead“ im Meer unterirdischer Zombiefilme versinkt und leider nur ein weiterer Beitrag ist, der einem das Ansehen von Zombiefilmen vergällt. Die Story ist hierbei noch nicht mal der größte Schwachpunkt. Hier haken Niles und Theys die gängigen Punkte ab: Apokalypse durch irgendeinen „Unfall“ – Zombieinvasion – ein paar Resistente, die ihr Leben retten und Zombies töten wollen. So weit, so bekannt. Leider gerät „Remains of the Walking Dead“ dann durch Theys‘ mangelndes Regie-Talent, grausame Dialoge und schlechte Schauspieler vollkommen aus dem gruseligen Gleichgewicht und wird so zum absolut entbehrlichen 88Minüter.
 
 
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Reno, Nevada. Das Glücksspiel-Städtchen wird von einer atomaren Katastrophe heimgesucht, die Touristen und Einwohner stante pede in blutrünstige Zombies verwandelt. Eine kleine Gruppe jedoch kann der atomaren Strahlkraft entgehen und sieht sich nun – in einem Casino festsitzend – mit einem Haufen Untoter konfrontiert. Wir hätten hier den biertrinkenden Loser Tom (Grant Bowler), die schnippische Kellnerin Tori (Evalena Mari), den Zauberer-Aspiranten Jensen (Miko Hughes) und Muskelmann Victor (Anthony Marks). Tom vögelt Tori, Jensen würde gerne Tori vögeln und Tori ist trotz Vögelei grundgenervt. Aber das nur nebenbei.
 
 
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Als die Truppe also entdeckt hat, dass sie von Zombies umzingelt ist, arbeiten sie sogleich eine Reihe völlig nutzloser Pläne aus, um mit heiler Haut davonzukommen. Man rennt im Casino orientierungslos herum, macht ein paar Zombies platt, wirft ein paar besorgte Blicke vom Dach des Hauses auf die marodierenden Untoten und wagt einen – natürlich zum Scheitern verurteilten – Versuch, aus dem Casino zu entkommen. Dabei dezimiert sich die Truppe natürlich über kurz oder lang. Macht aber nix, es kommt neues Zombie-Futter dazu, in Form eines Trupps Soldaten. Dadurch wird es aber auch nicht besser, also Soldaten wieder weg, was Tom und Tori – nun allein zu zweit – erstmal wieder zum Vögeln bringt. Klar, was soll man auch sonst machen – zumindest, wenn die Anzahl Gehirnzellen relativ überschaubar ist. Dann kommt aber eine Soldatentussi zurück und Tom überlegt sich, dass er lieber mit der vögeln würde. Das wiederum findet Tori suboptimal. Und so geht es munter und dämlich weiter, bis der Zuschauer nur noch hofft, dass die Zombies nun endlich auch den Rest der debilen Deppen plattmachen, damit man von der intellektuellen Ödnis dieses Films erlöst wird.
 
 
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„Remains of the Walking Dead“ wurde bereits 2011 gedeht und war bis dato Theys‘ dritter Langfilm. Zuvor inszenierte er den trashigen „Banshee!!!“ sowie „Alien Opponent“ und machte später mit soliden Horrorfilmen wie „Dead Souls“ und „Deep in the Darkness“ auf sich aufmerksam. Leider merkt man „Remains of the Walking Dead“ an, dass sein Macher zum damaligen Zeitpunkt noch sehr unerfahren war, denn dem Zombiefilm mangelt es nicht nur an Dramatik, Tempo und Spannung. Auch bei Casting, Schauspielführung und der Drehbuchauswahl bewies der Regisseur vor einigen Jahren noch kein sonderlich talentiertes Händchen. So wirkt sein Film billig (750.000 Dollar standen ihm zur Verfügung). Die Schauspieler sind mies, verhalten sich unglaubwürdig und geben permanent nur Stuss von sich. Aber auch der Gore hält sich in Grenzen – das Einzige, was den Zuschauer hätte etwas versöhnlich stimmen können.
 
 
 


 
 
 

REMAINS OF THE WALKING DEAD – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„Remains of the Walking Dead“ ist ein gänzlich überflüssiger und schlechter Film. Einen Punkt könnte man eventuell noch für die recht apart zerfledderten Zombies geben, einen weiteren dafür, dass nicht sämtliche Kulissen aussehen wie aus Pappmaché. Darüber hinaus hält Darsteller Anthony Marks seinen beeindruckend definierten Körper ein paar Minuten lang nur mit einem Handtuch um die Hüften in die Kamera. Zudem sind die vorhandenen Splatterszenen angenehm blutig geraten. In der Summe macht das zwar vier von zehn Punkten, dennoch kann man von einer Sichtung oder sogar dem Kauf der Blu-ray (die im Übrigen keinerlei Extras beinhaltet und nur mit mäßig gutem Bild daherkommt) nur dringend abraten, da selbst die kleinen positiven Aspekte nicht dafür entschädigen können, dass der Film einfach furchtbar langweilig ist und so dämliche Dialoge beheimatet, dass es einen schüttelt. Und deswegen schlussendlich doch nur zwei von zehn wandelnden Toten, die sich bitte möglichst schnell vom Acker machen sollten.
 
 
 


 
 
 

REMAINS OF THE WALKING DEAD – Zensur

 
 
 
„Remains of the Walking Dead“ wurde von der FSK für Zuschauer ab 18 Jahren freigegeben. Für einen TV-Film (der vom amerikanischen Horrorkanal CHILLER produziert wurde) geht es nämlich ganz ordentlich zur Sache. Zombiefreunde dürfte zudem freuen, dass es „Remains of the Walking Dead“ ungeschnitten nach Deutschland geschafft hat.
 
 
 


 
 
 

REMAINS OF THE WALKING DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Erstauflage von MIG Film GmbH | Savoy Film unter dem Titel „Remains of the Walking Dead“

 
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(c) Collectors Edition mit BD & Bonus-DVD von MIG Film GmbH | Savoy Film unter dem Titel „Remains of the Walking Dead“

 
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(c) Zweitauflage von Edel Germany GmbH unter dem Titel „Remains“

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Remains; USA 2011

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DD 5.1, Englisch DD 2.0

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow | Zusätzlich in der Zwei-Disc-Edition: Audiokommentar, Teaser, TV-Spots, Behind The Scenes, Bloppers

Veröffentlichung: Erstauflage & Collectors Edition unter dem Titel „Remains of the Walking Dead“: 26.04.2013 | Zweitauflage unter dem Titel „Remains“: 04.12.2015

 
 
 

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REMAINS OF THE WALKING DEAD – Trailer

 
 


 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte aller Grafiken liegen bei Edel Germany GmbH | MIG Film GmbH | Savoy Film

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Anger of the Dead (2015)
 
Wyrmwood: Road of the Dead (2014)
 
Zombie Fight Club (2014)
 
The Dead 2: India (2013)

Filmkritik: „Insidious: Chapter 3“ (2015)

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INSIDIOUS: CHAPTER 3 – JEDE GESCHICHTE HAT EINEN ANFANG

Story

 
 
 
Im Prequel zu Teil 1 und 2 trifft das Medium Elise Rainier auf die junge Quinn, die gerne Kontakt zu ihrer verstorbenen Mutter aufnehmen möchte. Natürlich geht dabei etwas schief und sowohl Quinn als auch Elise müssen sich fortan mit Wesen aus der Schattenwelt herumschlagen, die gerne im Diesseits Fuß fassen möchten.
 
 
 


 
 
 

INSIDIOUS: CHAPTER 3 – Kritik

 
 
 
Der erste Teil der „Insidious“-Reihe hat sich ja story- und figurentechnisch fast ausnahms-, aber vor allem hemmungslos bei diversen anderen Horrorfilmen bedient. Erstlings-Regisseur Leigh Wannell (der in den „Insidious“-Filmen den Sidekick Specs spielt und bislang nur als Schauspieler und Drehbuchautor diverser „Saw“-Filme einen Namen gemacht hat) geht gleich noch einen dreisten Schritt weiter und klaut sich seinen ersten eigenen Film bei den beiden „Insidious“-Vorgängerteilen zusammen. So dreist muss man auch erst mal sein, da könnte man fast vergessen, was für ein lahmes Grusel-Filmchen Whannell im hier vorliegenden dritten Teil der vollkommen überflüssigen Reihe abgeliefert hat. Aber eben nur fast.
 
 
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Das Medium Elise (Lin Shaye) – *unheilvolle Musik einspiel* – wird von der jungen Quinn (Stefanie Scott) aufgesucht, die ihre Mutter an den Krebs verloren hat und nun mit Vater (Dermot Mulroney) und Bruder (Tate Berney) allein klarkommen muss. Sie hätte da aber doch noch ein paar Fragen an Mutti (vielleicht sowas wie „Hast du mein Lieblingsshirt gewaschen“ oder „Können Bienen pupsen“ oder „Warum hat mein Agent mich für diesen grauenhaften Horrortrip unterschreiben lassen“) und möchte deshalb gerne, dass Elise mit dem verstorbenen Familienmitglied Kontakt aufnimmt. Beim Versuch der Kontaktaufnahme nimmt das Medium allerdings eine böse Kraft wahr, die ins Diesseits drängt. Daraufhin bricht Elise die Sitzung ab und bittet das Mädchen, nicht selbst zu versuchen, die tote Mutter im Jenseits zu kontaktieren. Was nun passiert ist vorhersehbar. Wie diese renitenten Rotzblagen in dem Alter nun mal so sind, hören sie auf solcherlei Warnungen grundsätzlich nicht. Was zur Folge hat, dass Quinn immer häufiger von einem verschrumpelten Opa in versifftem Krankenhaus-Flatterhemd und mit Sauerstoffmaske (seltsamerweise aber ohne die dazugehörige Sauerstoffflasche – der rebellische Alte) heimgesucht wird. Irgendwann ist auch der natürlich skeptische Papa überzeugt und engagiert das Flachpfeifen-Vollobst-Gespann Trick und Track, ach nee: Tucker (Angus Sampson) und Specs (Leigh Whannell). Was nun folgt, ist natürlich der unlogische, dämliche, vor allem aber unspannende Showdown, in dem die diesseitigen Blitzbirnen auf die jenseitigen Schreckgespenster treffen und ein wenig paranormalen Rabbatz veranstalten. Bedauerlicherweise dauert dieser Humbug 97 Minuten, wobei der Genrekenner spätestens 30 Minuten ob der dargebotenen Langeweile sanft entschlummert sein dürfte.
 
 
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Die „Insidious“-Reihe ist eine weitere goldene Kuh, die so lange gemolken wird, bis sich kein Dollar Gewinn mehr mit ihr machen lässt. Das war schon bei den „Saw“-Filmen so, die immer überflüssiger wurden und lässt sich auch bei diversen anderen Fortsetzungsreihen feststellen, die so lange immer neue Teile generieren, bis auch der letzte Zuschauer genervt das Weite gesucht hat. Warum dies allerdings im vorliegenden Fall nicht schon nach Teil 1 passiert ist, scheint weiterhin schleierhaft. Schon der Erstling zeichnete sich durch das Fehlen jeglicher inszenatorischer Kreativität aus, wirkte einfach nur schlecht aus anderen Filmen zusammengestümpert (wie aus POLTERGEIST von 1982) und war mit einem so albern aussehenden Dämon besetzt, dass man kurz vor einem hysterischen Lachanfall stand. Aber nein, die Einspielergebnisse bewiesen das Gegenteil und so wurde flugs ein zweiter Teil gedreht, der ähnlich uninspiriert daherkam und die unsägliche Geschichte plump fortsetzte.
 
 
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Regisseur Leigh Wannell (der im Übrigen auch das murksige Drehbuch zu diesem Schnarchnasen-Film verbrochen hat) hingegen dachte wohl, es sei clever, nicht erneut auf die Inhalte der ersten beiden Teile einzugehen, sondern seine Geschichte vor den Ereignissen von Teil 1 anzusetzen. Was daran allerdings clever sein soll – man weiß es nicht. Zumindest dürfte der Macher mit so unfassbar behäbiger und standardisierter Vorgehensweise keinen Blumentopf gewinnen. Der Film ist entweder todlangweilig und wird von überflüssigen Dialogen flankiert oder wartet mit schon beleidigend plumpen Krawall-Schocksequenzen auf, bei denen Whannell wohl dachte, laut = cool und schockierend. Laut sind die Schockmomente – keiner Frage, aber ebenso schockierend schlecht. So lassen sich die Schocks leicht vorausahnen: einfach jedes Mal von drei runterzählen, dann kommt punktgenau die „überraschende“ Schrecksekunde. Fantastisch. Selten sind die Schreckmomente zwar nicht, dafür wurden sie aber immer wieder selten dämlich umgesetzt. So ist in „Insidious 3“ beim Erschrecken Einfallslosigkeit Programm, schließlich entpuppen sich die Schocksequenzen als 08/15 Angstmacher, die in ihrer trivialen Form auch dem Kopf eines Dreijährigen entsprungen sein könnten, der hier versucht hat seine persönlichen Hui-Buh-Momente auf Zelluloid zu bannen.
 
 
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Also, wir haben hier zur Hälfte dieselben stumpfsinnigen Charaktere wie in den Vorgängerfilmen und zur anderen Hälfte neue Gesichter, die aber ebenso austauschbar sind wie Familie Lambert (wobei man sich fragen muss, wie schlecht es um Dermot Mulroney finanzielle Situation bestellt sein muss, wenn er in so einem Murks mitspielt). Lin Shaye arbeitet sich gewohnt souverän auch noch durch den größten Horror-Mumpf (damit hat sie ja ausreichend Erfahrung – die Senioren-Horrorqueen) und Pips und Pups, äh Sampson und Whannell sehen noch behämmerter aus als in den anderen „Insidious“-Teilen. Der angezettelte Budenzauber unterläuft problemlos jegliches Interesse-Radar und ist so konventionell, zäh und laberlastig geworden, dass man aufpassen muss, den Film nicht mit tausenden anderen Genrebeiträgen zu verwechseln. Wurde der lächerlichen Schlussakkord erwähnt, der den Zuschauer unsanft zu dem zeitlich danach angesiedelten Teil 1 der Reihe schubst?
 
 


 
 
 

INSIDIOUS: CHAPTER 3 – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„Insidious Chapter 3“ ist genauso überflüssig und einfallslos wie die ersten beiden Teile. Leigh Whannell ist bestenfalls ein mittelmäßiger Schauspieler und ein schaurig schlechter Regisseur. Die hier angewandten Schockmomente sind Standards des Standard und bestenfalls laut und lächerlich. Die Darsteller spielen zugegebenermaßen solide, aber was nützt gutes Schauspiel, wenn der Film selbst für die Tonne ist? Zwischen den plumpen Erschreckversuchen ist der Film zäh und viel zu dialoglastig. Schauspielerin und Horrorikone Lin Shaye ist mittlerweile über 70. Vielleicht sollte sie lieber in Rente gehen, als in immer weiteren Horrorgurken mitzuspielen. Für Fans der Reihe vermutlich wieder ganz großes Gruselkino. Für den Genrekenner eher eine Anleitung zum wiederholten Gähnen. Nicht mehr als zwei von zehn Fortsetzungsreihen, die besser nie fortgesetzt worden wären.
 
 


 
 
 

INSIDIOUS: CHAPTER 3 – Zensur

 
 
 
„Insidious: Chapter 3“ ist – wie schon die Vorgänger – subtiles Gruselvergnügen ohne blutige Raffinessen. Hier wird in erster Linie erschreckt und gespukt. Das hat dem Streifen eine FSK16 beschert. Natürlich in ungeschnittener Form versteht sich.
 
 
 


 
 
 

INSIDIOUS: CHAPTER 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
insidious-3-bluray

(c) Sony Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Insidious: Chapter 3; Kanada | USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Türkisch, Arabisch, Italienisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Heimsuchung: Ein Medium berichtet, Entfallene Szenen, Stunts: Der Autounfall, Cherry Glazerr: Tiptoe Through the Tulips, Makabre Kreationen, Enthält auch die Geschichte des Anfangs: Blick „Hinter die Kulissen“ von Chapter 3

Release-Termin: 12.11.2015

 

Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

INSIDIOUS: CHAPTER 3 – Trailer

 
 


 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte aller Grafiken liegen bei SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Insidious (2010)
 
Insidious: Chapter 2 (2013)
 
Poltergeist (1982)
 
Poltergeist II – Die andere Seite (1986)
 
Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen (1988)

Kritik: „Nightmare at Horror Castle“ (2015)

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NIGHTMARE AT HORROR CASTLE

(KANTEMIR)

Story

 
 
 
Eine Gruppe Schauspieler trifft sich zwecks Proben zu einem Theaterstück in einem abgeschiedenen Schloss. Das noch unbekannte Drehbuch von Regisseur Nicholas übt eine unheimliche Wirkung auf den Hauptdarsteller John (Robert Englund) aus und droht, ihm den Verstand zu rauben, als er von einem Mord berichtet, den ihm niemand glauben will.
 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE AT HORROR CASTLE – Kritik

 
 
 
Ben Samuels, seines Zeichens Regisseur, Drehbuchschreiber, Schauspieler und Produzent vollkommen unbekannter Werke ist für diesen Alptraum im Horrorschloss verantwortlich…leider. Denn das, was Samuels dem Zuschauer hier in 84 Minuten vorsetzt, ist – gelinde gesagt – totaler Mumpitz. Dabei sind Samuels so ungefähr alle Fehler unterlaufen, die man als Regisseur so machen kann: Sich darauf verlassen, dass eine einstige Horrorfilm-Ikone, hier Robert „Freddy Krueger“ Englund, als Zugpferd ausreicht, obwohl dieser nur mit Fratzenmaske und Messerhandschuh gut war, und das vor über 30 Jahren. Nur Schauspieler-Darsteller zu engagieren, anstatt richtiger Schauspieler. Schlechte Drehbuchschreiber zu verpflichten. Billige Settings schlecht auszuleuchten. Und dann noch nicht mal zu merken, was für einen Mist man da abdreht und die Frechheit zu besitzen, diesem dem hoffnungsvollen Horrorfilm-Konsumenten vorzusetzen. Wunderbar. Wieder mal 84 Minuten Lebenszeit verschenkt.
 
 
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Also, zur „Handlung“: Der einstige Horror-„Star“ John (Robert Englund), dessen Ruhm längst verblasst ist, hat zugestimmt, im noch unbekannten Theaterstück von Regisseur Nicholas (Daniel Gadi) mitzuspielen. In einer kleinen Stadt trifft er in einem alten Schloss auf die restlichen Schauspieler, darunter, wie er mit Erstaunen feststellt, auch seine Ex-Frau Rebecca (Diana Cary). Der erst seit Kurzem trockene Alkoholiker ist weder davon begeistert noch von Regisseur Nicholas, der nur kryptische Andeutungen zu seinem Stück macht und den Beteiligten erstmal die Handys abnimmt, damit sie sich voll auf ihre noch unbekannten Rollen konzentrieren können. Als John dann aber eine der Schauspielerinnen tot im Wald findet, will ihm niemand glauben und John findet sich schon alsbald in einem seltsamen Psychoduell mit seinem Regisseur wieder. Als die Leichen aber nicht weniger werden und seine Kollegen zunehmend an Johns Verstand zweifeln, sieht dieser sich gezwungen, sich Nicholas mal zur Brust zu nehmen. Mit blutigem Ausgang…
 
 
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Tja, wo soll man anfangen? Vielleicht damit, dass die Blu-ray von extrem schlechter Qualität ist. Die Bilder sehen fast so aus, als würde man eine VHS-Kassette abspielen. Verwaschen, grobkörnig und weit entfernt vom auch nur durchschnittlichen Blu-ray-Standard. Dass sich auf der Scheibe dann außer dem Trailer auch keinerlei weiteren Extras finden, ist stimmig zur Qualität dieses Machwerks. Weiter geht es mit der für solche Billigproduktionen üblichen Porno-Synchro. Sämtliche Synchronsprecher wurden offensichtlich aus einem Heim für verbale Legastheniker gemopst und vor ein Mikro geschubst, nicht ohne ihnen vorher noch eine ordentliche Portion Valium in die Apfelschorle zu mischen. Im Original ist es leider auch nicht besser, die Schauspieler-Attrappen sprechen entweder total emotionslos oder sind total drüber. Darüber hinaus hat man bei der Übersetzung geschlampt, was Nicholas an einer Stelle im Film dazu zwingt zu sagen, es handele sich um einen „Manipulant“ anstatt um einen „Manipulator“. Grandios.
 
 
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Während des Ansehens hat man dann das immer wiederkehrende Gefühl, irgendwo auf dem Set, vermutlich an mehreren Stellen, wäre gerade ein Schwelbrand ausgebrochen. Die Settings sind fast permanent latent verräuchert. Also, entweder hat der Regisseur beim Drehen gekifft (was ob dieses dilettantischen Werkes kein Wunder wäre) oder irgendjemand von der Crew hat verzweifelt versucht, ein Feuer zu legen, um diesem Mistfilm ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Wenn der Nebel sich allerdings mal lichtet, kommt man teilweise aus dem Lachen nicht mehr heraus. Zum Beispiel bei der Motorrad-Verfolgungsjagd, die Samuels im leicht beschleunigten Vorspulmodus gedreht hat, damit das Ganze rasanter aussieht, man aber nicht wirklich so schnell fahren muss, weil es den mittlerweile 68jährigen Robert Englund dann vermutlich vom Bike gehauen hätte. Ablenken kann man sich glücklicherweise mit so grandiosen Sätzen wie „Dein Trinken wird ihre Zufriedenheit zerstören“. Aha. Ein Schelm, wer meint, wenn man während dieses Murkses mit dem Trinken anfangen würde, würde dies sehr zur Zufriedenheit des Zuschauers beitragen. Man kann sich aber auch darüber kaputtlachen, dass die Darsteller mit vermutlich aus Fußleisten hergestellten Kinder-Holzschwertern im Wald rumfuchteln. Der Film ist durchaus variantenreich, wenn es darum geht, den Zuschauer zum Lachen zu bringen.
 
 
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Das ändert nur leider nichts daran, dass „Nightmare at Horror Castle“ kein guter Film ist. Denn.. die „Schauspieler“ nur durch Schloss und umliegende Wälder hampeln und Dünnsinn reden zu lassen, während John immer wieder von Visionen geplagt wird, die etwas mit der Geschichte in Nicholas‘ Drehbuch zu tun haben, reicht einfach nicht. Auch, wenn in diesen Visionen dann blöderweise immer einer ums Leben kommt, was John dem Wahnsinn Stück für Stück näherbringt, während seine „Schauspieler“-Kollegen zunehmend genervt auf das wirre Gefasel des alten Ex-Alkis reagieren…ähnlich wie der Zuschauer übrigens. Man kann es drehen und wenden, wie man will, Samuels hat hier schlicht und ergreifend versagt, und zwar auf ganzer Linie.
 
 
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NIGHTMARE AT HORROR CASTLE – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Schlussendlich geht es in „Nightmare at Horror Castle“ darum, dass ein durchgeknallter Regisseur ständig mit seinem im Poesiealbum-Look gehaltenen Drehbuch durch die Gegend rennt und Blödsinn redet. Parallel dazu beginnt John, an seinem Verstand zu zweifeln, als sich Realität und die Geschichte aus dem komischen Script von Nicholas zu vermischen beginnen und es ein paar Opfer zu beklagen gibt. Dann kommt es zum mystisch-überraschungsarmen Showdown mit Kinder-Holzschwertern und dann ist man froh, diesen billigen Horror-Mumpf endlich hinter sich zu haben. Dank der unfreiwilligen Komik, dem absurden Overacting und einer Handvoll halbwegs blutiger Sequenzen gibt es für diesen Film gerade mal noch zwei von zehn Holzschwertern, mit denen man Regisseur Ben Samuels mal ordentlich eins auf die Omme zimmern sollte.
 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE AT HORROR CASTLE – Zensur

 
 
 
„Nightmare at Horror Castle“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Weil mal wieder einige böse Trailer auf der Heimkinoassung enthalten sind, ziert die erhältliche DVD und Blu-ray der rote FSK-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE AT HORROR CASTLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Kantemir; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0 Surround), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Keine

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Aufgrund des Bonusmaterials: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 08.09.2015

 

Nightmare at Horror Castle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE AT HORROR CASTLE – Trailer

 
 


 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte für alle Grafiken liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Killer Movie – Fürchte die Wahrheit (2008)
 
Midnight Movie (2008)
 
Cut (2000)
 

Filmkritik: „Asylum“ (2014)

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ASYLUM

Story

 
 
 
Ein elfköpfiges Sondereinsatzkommando wird zu einer Irrenanstalt gerufen, in der es drunter und drüber geht. Dort haben sich die Insassen aus ihren Zellen befreien können und wandeln durch die Flure, um den Einsatzkräften nach dem Leben zu trachten. Die bemerken schnell, dass hier eine höhere Macht am Werkeln ist …

 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Kritik

 
 
 
Es gibt Film auf dieser Welt, die selbst alteingesessene Horrorfans wie uns sprachlos vorm Fernseher zurücklassen. Im Falle von ASYLUM ist das natürlich negativ gemeint, denn selten haben wir Material zu sehen bekommen, das wir am liebsten schon nach fünf Minuten wieder abgeschalten hätten. Da wir dennoch jeden Film testen, der uns vor die Linse kommt, haben wir uns natürlich auch bis zum Ende dieses abgrundtiefschlechten Machwerks durchgekämpft, um auch allen Lesern erklären zu können, warum man ASYLUM lieber nicht ansschauen sollte. Eigentlich hätte der Name TODOR CHAPKANOV schon stutzig machen müssen. Der zeichnet nämlich in ASYLUM als Regisseur verantwortlich und ist eher für Arbeiten an überflüssigen Video-Fortsetzungen (WRONG TURN 3, BOOGEYMAN 3) oder miesen TV-Produktionen (MONSTERWOLF) bekannt. Gott weiß warum AFTER DARK FILMS diesem Mann das Regiezeptur überlassen hat – mit rationalen Erklärungen dürfte man hier jedoch nicht weit kommen.
 
Zwei Cutter einer fiktiven Produktionsfirma vermiesen dem Zuschauer das Schauen dieses Horrorfilms. Die bekommen unfertiges Filmmaterial eines vermasselten Films zugespielt, das sie nun zusammelnschnippeln und überarbeiten sollen, um daraus einen halbwegs vernünftigen Horror-Heuler zu basteln. Die Aufnahmen werden gestartet und der Horrorfan bekommt einen düsteren Irrenhaus-Grusler zu sehen, dessen gesamte 90-minütige Handlung von beiden Schnittkünstlern kommentiert wird. Eine Zumutung, denn ein Folgen der Geschehnisse wird dem Zuschauer so unmöglich gemacht, da atmosphärische Momente durch zynische Fortfloskeln aus dem Off zerstört werden. Schnell vergeht die Lust am Schauen, obwohl die beiden Schneideprofis vehement darum bemüht sind, sich um Film und Protagonisten das Maul zu zerreisen. Statt dem Zuschauer zum Lachen zu bringen, wird dieser vermutlich schnell entnervt das Weite suchen, weil die Wortspielereien den letzten Nerv rauben.
 
Weitaus interessanter ist da die Entstehungsgeschichte des Streifens, schließlich rührt dessen gewöhnungsbedürftige Machart nicht von ungefähr, ist doch während der Dreharbeiten einiges schiefgelaufen. Autor CHRIS MANCINI schrieb das Drehbuch zu ASYLUM und verkauft es an das Filmstudio AFTER DARK FILMS. Leider konnte MANCINI nicht wie ursprünglich gewollt selbst Regie führen, sondern musste das Regiezepter dem Bulgaren TODOR CHAPKANOV überlassen. Es folgte ein Dreh wie jeder andere auch, wäre da nicht einer der Produzenten gewesen, der das gesamte Produktionsbudget einkassierte, um einen Film nach seinen Vorstellungen drehen zu lassen. Dieser veränderte MANCINIS Drehbuch bis zur Unkenntlichkeit und lieferte 88 Minuten Horror-Schrott ab, mit dem das AFTER DARK-Studio nichts anzufangen wusste. Demzufolge wurde Drehbuchautor MANCINI erneut an den Schreibtisch geholt und darum gebeten, aus dem desaströsem Filmabfall das Beste herauszuholen. Kurzum entschloss er sich aus ASYLUM sarkastische Film-in-Film-Comedy zu machen und unterlegte das Durcheinander mit satirischen Voiceover-Kommentaren im Stile eines MYSTERY SCIENCE THEATRE 3000.
 
Letzteres war eine amerikanische TV-Serie, die Ende der 80er und in den 1990ern im US-Fernsehen rauf und runter lief – hierzulande jedoch weitestgehend unbekannt sein dürfte. Die brachte es in den Staaten zu enormer Beliebtheit und zeigte B- und Trashfilme auf einer Kinoleinwand vor der Puppen und Protagonisten saßen, die den gezeigten Trashwerken spöttische Kommentare folgen liesen. Da jedoch die meisten der dort gezeigten Filmwerke amerikanischen Filmfans bekannt gewesen waren, funktionierte das erheiternde Voiceover-Konzept gut, so dass acht Staffeln abgedreht werden konnten, denen sogar ein Kinofilm folgte. Anders sieht es da bei ASYLUM aus. Hier fällt es schwer überhaupt einer Handlung folgen zu können, weil man das Ausgangsmaterial nicht kennt, über das man sich hier lustig macht. Während sich im Hauptfilm ein elfköpfiges Sondereinsatzkommando durch eine heruntergekommene Irrenanstalt vorarbeitet, in der entflohene Insassen zu eiskalten Mördern mutiert sind, bekommt der Zuschauer unentwegt zynische Kommentare aus dem Off zu hören, die ihn scheinbar selbst ins Irrenhaus treiben sollen. Man kann nur all jene für ihre Diziplin beglückwünschen, die es trotzdem schaffen ASYLUM bis zum Abspann zu sehen, denn letztendlich haben MANCINIS Bemühungen nicht bewirkt, dass ASYLUM ein halbwegs vernünftiger Film geworden ist.
 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Auch wenn ASYLUM kein Film ist, der im für Trashfilme berüchtigten Asylum-Produktionsstudio hergestellt wurde, so haben Film wie Schund-Schmiede eines gemein: beides ist Schrott und braucht kein Mensch. Im Falle des Horror-Thrillers/ Komödie (?) ASYLUM ist die desaströse Inszenierung auf die komplizierte Entstehungsgeschichte zurückzuführen, die aus einer anfänglich guten Idee Horror-Ware gemacht hat, die sich nicht einmal fünf Minuten ertragen lässt. Die Ursache dafür liegt in der Umsetzung, denn der eigentlich unheimliche Irrenanstalt-Thriller wird 90 Minuten lang von zwei Off-Kommentatoren begleitet, die sich über jede Szene und jeden Protagonisten lustig machen. Das mag manchmal anmuten, als würde man mit Freunden einen Film anschauen, bei dem unentweg jemand dazwischen quasselt. Dahinter steckt aber ein Sinn, denn die Macher haben sich bei der Fertigstellung ihres Filmes an der Machart der amerikanischen Fernsehserie MYSTERY SCIENCE THEATRE 3000 orientiert, die sich während der 1990er in den Staaten zum Kult entwickelt hat. Die unkonventionelle Inszenierung geschah aus der Not heraus, weil die Rohfassung von ASYLUM gegen die Wand gefahren wurde und eine dringende Überarbeitung benötigte. Was letztendlich daraus entstanden ist, macht trotz spöttischer Floskeln kaum Laune, denn ASYLUM ist eine filmische Zumutung.
 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Zensur

 
 
 
Es gibt Einschüsse und Bisswunden zu sehen. Aufgrund der spöttischen Kommentare aus dem Off wirkt das Gezeichte nur selten hart; mit einer ungeschnittenen KJ-Kennzeichnung muss man trotzdem rechnen.
 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mystery Science Theater 3000 (1988 – 1999)
 
Mystery Science Theater 3000: The Movie (1996)
 

Filmkritik: „Among the Living“ (2014)

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AMONG THE LIVING

(AUX YEUX DES VIVANTS)

Story

 
 
 
Für Victor (Théo Fernandez), Tom (Zacharie Chasseriaud) und Dan (Damien Ferdel) ist der letzte Schultag vor den Ferien die Hölle. Nach ihrem letzten Streich werden die Jungs zu allem Überfluss zum Nachsitzen verdonnert. Da haben sie natürlich überhaupt keinen Bock drauf, also wird sich kurzerhand aus dem Staub gemacht. Das Ziel sind die verlassenen Kulissen eines Filmstudios, irgendwo im französischen Nirgendwo. Ganz ohne Komplikationen läuft der inoffizielle Wandertag natürlich nicht ab, denn in den heruntergekommenen Ruinen treffen sie nicht nur auf schrottreife Autos und dilettantisches Graffiti, sondern auch auf eine geknebelte und gefesselte Frau, die in den Kofferraum eines Autos gesperrt wurde und den Mann, der sie augenscheinlich dort deponiert hat. Hals über Kopf flüchten die drei Jungs aus dem perversen Fuchsbau zurück zu ihren Familien, doch leider hat ein mysteriöser, gewalttätiger und extrem unbekleideter Jäger bereits ihre Fährte aufgenommen.

 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Kritik

 
 
 
Anfangs scheint noch alles in bester Ordnung zu sein. In bester „Inside“-Manier entfacht das Regie-Duo aus Alexandre Bustillo und Julien Maury in der ersten Szene von „Among the Living“ eine widerwärtige und extreme Atmosphäre aus Gewalt, Blut und Ekel. Leider hat der Film im weiteren Verlauf kaum etwas mit der Origin-Story der späteren Antagonisten zu tun. Ganz im Gegenteil. Nach der starken Eröffnung schneiden Maury und Bustillo sogar von einem medizinisch sehr bedenklichen (und selbst durchgeführten) Kaiserschnitt zum Schulalltag der drei pubertierenden Hauptfiguren. Dann kommt erstmal eine Weile überhaupt nichts. Damit ist nicht nur die Abwesenheit von spannenden und/oder brutalen Szenen gemeint, sondern die allgemeine Qualität des Drehbuchs, das in keinem Moment funktioniert.
 
Das Rotznasen-Trio ist dermaßen unsympathisch geschrieben und gespielt, dass man sich als Zuschauer bereits nach ihrer ersten Szene, in der sie über den Mord an einer Lehrerein nachdenken, auf der Seite des Albino-Psychokiller-Muskelmanns sieht. Und das ist nur selten gut. Wer sich bereits einen Film angesehen hat, wird wissen, dass Spannung und Drama am besten funktionieren, wenn man als Hauptfigur der Geschichte einen funktionierenden Charakter hat, mit dem man sich identifizieren kann. Diese Regel treten Maury und Bustillo in „Among the Living“ gepflegt in die Tonne. Auch auf Seiten der Gegenspieler sieht es nicht besser aus. Die böse Kraft besteht hier aus einem Vater-Sohn-Gespann, das sein Dasein in einem unkoscheren Wohnverhältnis fristet und die gelegentliche Frau entführt/ermordet/vergewaltigt/opfert. Das Ganze spielt sich irgendwo zwischen Okkult, Sekte, Kannibalismus und genereller Seltsamkeit ab, aber was genau passiert und warum es passiert, wird offen gelassen. Der neblige Hintergrund der Schurken kann bestenfalls als Versuch gewertet werden, ihre Präsenz unberechenbarer und gefährlicher zu machen. Leider geht der Versuch gehörig in die Hose.
 
Aber natürlich guckt man sich einen Film der New French Extremity (die Maury und Bustillo mit „Inside“ und „Livid“ sogar mitbegründet haben) nicht für seine präzisen und sensiblen Charaktermomente an. Hier geht es in erster Linie um dichte, nervenzerstörende Atmosphäre, unaushaltbare Spannung und natürlich auch um die so wichtigen Schauwerte des Horror-Genres. Und leider wartet „Among the Living“ in diesem Bereich mit noch größeren Makeln auf. Wo man ein schwaches und substanzloses Drehbuch noch halbwegs verzeihen kann, ist es hingegen komplett unverständlich, wie konservativ und blutleer die Regisseure ihren Film gestalten. Mit nur wenigen Ausnahmen schneiden sie vor Attacken oder Morden konsequent weg und frustrieren die Horrorfans so doppelt. Es ist ein Rätsel, wie es zu dieser Entscheidung kam, denn in den 2-3 Szenen, in denen die Kamera bei der Gefahr bleibt, beweisen Maury und Bustillo erneut ein feines Gespür für die Spannung und das Unbehagen, das von angedrohter Gewalt ausgehen kann. Hier sei auch noch ein Mal die intensive Anfangssequenz erwähnt.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Schmutzig, brutal und knallhart inszeniert. „Among the Living“ ist ein verstörender Albtraum aus Gewalt, Angst und Blut. Nach einem brutalen und kompromisslosen Anfang lässt „Among the Living“ extrem stark nach und zeichnet sich vor allem durch langweilige Dialoge und sperrige Wechsel von Setting und Ton des Films aus. Das Drehbuch des Films ist ein Minenfeld, in dem keine Explosion ausgelassen wird und kommt einer Katastrophe gleich. Einzig in der Inszenierung beweist das Gespann Maury und Bustillo erneut Kompetenz. Wenn es darauf ankommt kreieren die Beiden eine dichte, bedrohliche und unbehagliche Atmosphäre, die auch ohne explizite Gewalt auskommt. Leider absolvieren diese Szenen bestenfalls Gastauftritte und dienen als kleine Geistesblitze in einem Gesamtwerk aus sinnlosen Entscheidungen und einem nicht vorhandenen Drehbuch. Als Horror-Regisseure sind Julien Maury und Alexandre Bustillo nach wie vor relevant, aber an den Schreibtisch sollte man sie wohl besser nicht mehr lassen.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Zensur

 
 
 
Die expliziten Szenen des Films sind für einen Vertreter der New French Extremity viel zu spärlich gesät und mit wenigen Ausnahmen um Einiges zu zahm. Trotzdem ist vor allem die Anfangsszene bösartig genug, so dass „Among the Living“ von der FSK erst für Erwachsene zugänglich gemacht wurde. Die erhältliche Filmfassung mit dem Aufdruck „Keine Jugendfreigabe“ ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
among-the-living-bluray

(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aux yeux des vivants; Frankreich 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (@24 Hz)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Alternativer Anfang, Making Of

Release-Termin: 05.03.2015

 

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AMONG THE LIVING – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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