Filmkritik: „Headshot“ (2016)

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HEADSHOT

Story

 
 
 
In einem indonesischen Krankenhaus wacht der Kopfschuss-Patient Abdi auf und kann sich nicht an sein bisheriges Leben erinnern. In der Stadt tobt ein Bandenkrieg zwischen den heimischen Gangstern und den Mordprofis des Chinesen Lee. Abdis Verbindung zu Lee wird ihm klar, als der ihm seine Killer in die Klinik schickt. Er ist eines der Kinder, die der Gangsterboss entführt und mit grausamen Methoden zur Tötungsmaschine umprogrammiert hat. Durch die Amnesie nach dem Kopfschuss weiß er jetzt, dass ein anderes Leben möglich ist. Der Kampf gegen den „Vater“ ist unvermeidlich.

 
 
 


 
 
 

HEADSHOT – Kritik

 
 
 
Hinter HEADSHOT stecken einige Mitglieder jener indonesischen Action-Schmiede, die das unvorbereitete Publikum schon mit den THE RAID Filmen völlig atemlos in den Sessel rammen konnte. Diese Polizei-Klopper waren vor nicht allzu langer Zeit das Next Big Thing im Gewaltfilm-Sektor, nachdem der thailändische Actionmeister Tony Jaa mit seinen bahnbrechenden Filmen ab ONG BAK zu sehr ins Esoterische abgedriftet war und die hart erkämpfte Zuschauergunst an den nächsten hungrigen Wolf weiterreichen musste. THE RAID war noch Martial-Arts-Action mit sehr harter Kante und Blick in die Genre-Zukunft. Eben die Weiterentwicklung der trockenen Knie-und-Ellbogen-Barbareien der Thailänder. Teil zwei gefiel sich schon besser im selbstverliebten Feiern von Kampfchoreographien mit überraschender Liebe zu echten Splatter-FX. Interessanterweise musste sich der Film schon nicht mehr mit Zensur-Attacken plagen, die dem im Vergleich softeren Vorgänger aufgedrückt worden waren. Was allerdings HEADSHOT, dessen Handlung – freundlich formuliert – nun nicht wirklich neu ist – an super-direkten Gewalttätigkeiten auffährt, das hätte früher nicht mal mehr eine FSK18-Freigabe bekommen. Da hätte direkt der Staatsanwalt geklingelt. In Zeiten von NETFLIX und Co. fehlen den Behörden schlicht die Handhabe und die Macht, dem Konsumenten nur noch Rumpffassungen grafisch harter Filme zu lassen.
 
 
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Immer wieder mal versteht die Filmberichterstattung, dass es einen gemeinsamen Nenner bezüglich Horror- und Actionkino gibt. Damit ist jetzt nicht die Reaktion der Studios gemeint, einen der Helden des beliebten Knochenbrecher-Kinos gegen einen okkultistisch aufgestellten Serienmörder oder tumbe Diener des Pferdefüßigen in die Schlacht zu schicken, wie es schon seit den Siebzigern immer wieder zur Aufführung gebracht wird. Nein, ein Film wie HEADSHOT nutzt die bequem ausgelatschten Mechanismen des Action- hier: des Kampfsportfilms um einen in seiner Direktheit und Exploitationhaftigkeit fast menschenverachtend technoiden Blick auf die Idee des Body Horror zu bieten: Der menschliche Körper, reduziert auf die Möglichkeiten seiner Beschädigung. Fleisch ist zum zerrissen werden da, Haut zum Bluten, Knochen zum offenen Brechen. Einschüsse sind überdimensional und triefend. Cronenberg goes asiatische Prügel-Orgie. Jede Schlägerei endet mit dem zermatschten und verstümmelten Leib des Verlierers und der ebenfalls in Blut getunkten Visage des Siegers. Wände sind knallrot. Umherliegenden Gegenständen geht es ähnlich. Kein Tischbein, kein Ast, keine Glasscherbe, die nicht im Handumdrehen zum Mordwerkzeug umfunktioniert werden können.
 
 
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HEADSHOT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unglaublich brutale Action, die selbst einem geschulten Gorehound mit krasser Realitätsnähe und der fast manischen Missachtung menschlichen Lebens die Spucke zum Eintrocknen bringen dürfte. Es muss nicht immer Geisterhorror oder Torture-Porn sein. HEADSHOT geht stellenweise wirklich an die Substanz.
 
 
 


 
 
 

HEADSHOT – Zensur

 
 
 
HEADSHOT ist harter Tobak. Das sah auch die FSK ähnlich, die den Film wegen seiner brutalen Action-Szenen nicht ungeschnitten passieren lies und eine Freigabe in ungeschnittener Form verweigerte. Doch Anbieter KOCH MEDIA wollte nicht schneiden und reichte HEADSHOT bei den Juristen der SPIO ein. Das Urteil der SPIO/JK fiel erstaunlich milde aus. Dort erhielt der Actioner in ungeschnittener Form die Kennzeichnung: SPIO JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung. Fans deftiger Gewalteinlagen können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

HEADSHOT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im Keepcase)

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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im limitierten Steelbook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Headshot; Indonesien 2016

Genre: Action, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: SPIO JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Steelbook

Extras: Behind the Scenes (ca. 18 Min.), Kinotrailer

Release-Termin: 08.06.2017

 

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HEADSHOT – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Abbildungen in dieser Kritik liegen bei Koch Media Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Raid: Redemption (2011)
 
The Raid 2 (2014)
 
Killers (2014)
 
Tyubeu (2003)
 
John Rambo (2008)
 
Dredd (2012)
 

Filmkritik: „The Demolisher“ (2015)

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THE DEMOLISHER

Story

 
 
 
Für den Technikinstallateur Bruce (Ry Barrett) und seine Frau Samantha (Tianna Nori) ist der Traum geplatzt. Samantha, eine ehemalige Polizistin, wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Bruce kümmert sich um sie und zusammen versuchen die Beiden, die unerwarteten Hürden des Lebens zu meistern. Doch hinter jeder Ecke wartet ein neues Hindernis. Geplagt von irrationalen Schuldgefühlen und zügelloser Wut beginnt Bruce mit nächtlichen Streifzügen durch die Stadt. Dabei klopft er alles kurz und klein, was ihm in den Weg kommt und kriminell aussieht. Eine Krise bahnt sich an, als sein zerstörerischer Pfad den der jungen Marie (Jessica Vano) kreuzt.

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Kritik

 
 
 
Unter Fans von Actionfilmen, Horror und sonstiger Genrekost ist der Begriff „Arthouse“ nicht unbedingt populär. Verständlich, denn wo Genrefilme oft mit hoher Geschwindigkeit, Brutalität und ausgefallenen Ideen aufwarten, setzen sich Arthousefilme gerne mit anspruchsvollen Themen auseinander und beleuchten verschiedene Aspekte der (Zwischen)Menschlichkeit. Umso verblüffter dürfte der durchschnittliche Genre-Freund sein, wenn er mit den ersten Minuten von „The Demolisher“ konfrontiert wird. Es gibt lange, rätselhafte Einstellungen und Szenen, die zunächst ohne ersichtlichen Grund aneinandergeschnitten sind. Über weite Strecken erzählt der Film episodenhaft, springt zwischen Handlungssträngen und Zeitebenen und verzichtet gerne auf Dialoge. Allem Anschein nach handelt es sich bei „The Demolisher“ also um eine Kombination aus anspruchsvollem Arthouse-Kino und der brutalen Grobheit des Action- und Thrillerkinos. Oder zumindest um einen Versuch, dies zu tun.
 
 
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Sofort fallen zahlreiche Parallelen zu Nicolas Winding Refns „Drive“ auf. Ein Beispiel für eine ähnliche Kombination, die funktioniert hat und dafür mit jeder Menge Lob und Ruhm belohnt wurde. Im Vergleich zum offensichtlichen Vorbild fällt jedoch schnell auf, warum das selbe Rezept bei „The Demolisher“ überhaupt nicht aufgeht. Der namenlose Fahrer in „Drive“ ist ein interessanter und tiefgehender Charakter, der den Zuschauer auf einer feinen Linie zwischen Sympathie und Antipathie spazieren lässt. Hinter Bruces Augen sieht man nichts außer einer gähnenden Leere und dem unterschwelligen Zorn eines dumpfen Grobians. Hinzu kommt die Motivation der verletzten Frau, die schwerlich erklärt, warum der Proleten-Protagonist fast wahllos Leute krankenhausreif schlägt.
 
 
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Trotzdem erkennt man stellenweise, was Regisseur und Autor Gabriel Carrer mit „The Demolisher“ erreichen wollte. Es ist eine Geschichte über blinde Wut, die daraus resultierende Gewalt und die Konsequenzen, wenn diese Gewalt zu weit geht. Umgesetzt wird diese Geschichte allerdings mit einem Stil, der kaum durchdacht ist und seine Vorbilder ausschließlich imitiert. Stilmittel – wie das episodische Erzählen oder eine viel zu oft eingesetzte Zeitlupe – ermüden schnell und behindern den Film eher, als dass sie ihn bereichern. Das hölzerne Schauspiel der Akteure, allen voran Ry Barrett, tut sein Übriges, um „The Demolisher“ zu einem inkompetenten Mix aus Stil und Inhalt werden zu lassen, bei dem nichts wirklich stimmt.
 
 
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THE DEMOLISHER – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„The Demolisher“ macht das Gleiche wie seinerzeit „Drive“. Allerdings um Einiges schlechter. Flache Charaktere, Schwache Schauspieler und unangebrachte Stilmittel machen den Film zu einer Herausforderung. Immerhin lässt sich sehr viel Gelächter aus der Tatsache ziehen, dass sich „The Demolisher“ aus unerklärlichen Gründen extrem ernst nimmt. Im Gegensatz zum Film kann sich die deutsche Veröffentlichung aus dem Hause Meteor Film sehen lassen. In einem schicken Future-Pack, ausgestattet mit Extras wie Poster und Postkarten sowie lobenswert technischer Präsentation erhält „The Demolisher“ hierzulande eine weitaus bessere Veröffentlichung, als der Film letztendlich verdient hätte.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Zensur

 
 
 
Selbst die Gewaltspitzen, die „Drive“ gewürzt haben, kommen sehr kurz. Abgesehen von der umstrittenen Selbstjustiz-Thematik hat der Film nicht viel im Gewalt-Sektor zu bieten. In Deutschland erscheint er ungeschnitten mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Wegen „bösem“ Bonusmaterials wurde die Heimkinoveröffentlichung aber erst für Erwachsene freigegeben. Die besitzt den roten KJ-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film

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(c) Meteor Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Demolisher; Kanada 2015

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Limitiertes 2-Disc Blu-ray FuturePack

Extras: CD mit Original-Score plus Bonus-Tracks (70:36 Min), A3-Retro-Miniposter mit 2 Wendemotiven, 3 Sammelkarten mit, Alternativ-Artworks, Q&A mit Cast + Crew, Behind the Scenes, Musikvideo LA GARCONNE – SUPER HERO, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Release-Termin: 26.02.2016

 

The Demolisher (Limited FuturePak Blu-ray-Disc inkl. Soundtrack-CD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Drive (2011)

Death Sentence (2007)