Filmkritik: „Blinde Wut“ (1989)

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BLINDE WUT

(BLIND FURY)

Story

 
 
 
Nick Parker (Rutger Hauer) verliert im Vietnamkrieg sein Augenlicht und bereist seitdem ziellos die USA. Als er in Nevada seinen Armeekameraden Frank besuchen will, ist dieser verschwunden, seine Frau wird von Gangstern ermordet und bittet Nick, ihren Sohn mit seinem Vater zusammenzuführen. Was die immer wieder im Auftrag von Franks Boss attackierenden Killer nicht wissen: Nick hat bei einem asiatischen Kampfkunst-Sensei gelernt, auch ohne Sehvermögen jeden außer Gefecht zu setzen, der ihm auf die Pelle rückt.

 
 
 


 
 
 

BLINDE WUT – Kritik

 
 
Juli 2019. Der niederländische Schauspieler Rutger Hauer ist noch keine Stunde tot, da überschlägt sich die deutsche Presse mit Nachrufen, deren standesdünkelhafter Schwachsinns-Tenor den Verstorbenen zu einer Art intellektueller Arthouse-Kino-Ikone verklärt. Von Holland nach Hollywood auf einem Kunstfilm-Schiffchen quasi. Selbst seine tolle Darstellung des traurigen Replikanten in BLADE RUNNER wird dem Sektor des Unterhaltungskinos entrissen. Hierbei wird unterschlagen, dass Hauer eben nicht auf die fast brotlose Kunst des Daseins als Kunstfilm-Liebling beschränkt war. Als wäre eine Karriere als Filmstar etwas Verwerfliches. Sein gutes, rau-wiedererkennbares Äußeres, eine typisch holländische Mehrsprachigkeit und klassisch geschulte Schauspielkunst sind nicht gerade hinderlich. Seine Rollen umfassen folglich ausländische Bösewichter genauso wie kernige Actionhelden, wenn auch mit einem Hauch der Nachdenklichkeit und auch Verletzlichkeit. So ist auch die Darstellung des Nick Parker in BLINDE WUT angelegt. Auch die restliche Besetzung macht Spaß. Terry O’Quinn, als Frank mal kein Drecksack, überzeugt so, wie er es auch als STEPFATHER und viele Jahre später John Locke in LOST tut. Meg Foster ist immer gut, Kinderstar Brandon Call aus BAYWATCH spielt den Sohn und auf der Seite der Bad Guys spart BLINDE WUT auch nicht an Qualität, kommen hier doch tatsächlich das menschliche Warzenschwein Randall „Tex“ Cobb und der japanische Ninja-König Sho Kosugi zum Einsatz.
 
 
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Was für eine Überleitung. Japan: Als Inspiration für den Film gilt die japanische Figur des Zatoichi – Star von beinahe 30 Spielfilmen seit Anfang der Sechziger und einer langegesendeten Fernsehserie. Dieser „blinde Ichi“ ist ein Masseur und heimlicher Schwertkampf-Meister, der Mitte des 19. Jahrhunderts durch das feudalistische Japan wandert und immer wieder an Kriminelle gerät. Natürlich denken die Fieslinge jedes Mal, der Sehbehinderte kann keine große Bedrohung für ihre Untaten sein und beißen verlässlich zum Finale bildgewaltig ins Gras, beziehungsweise den Bambus. Gespielt wird der Blinde von Shintaro Katsu, dem Bruder von Tomisaburo Wakayama. Den kennt der geneigte Gewaltfilm-Fan als Hauptdarsteller der legendären SHOGUN ASSASSIN/LONE WOLF AND CUB Filmreihe. Katsus stählerne Aufräumarbeiten in der Unterwelt begeistern Mitte der Achtziger den Schauspieler Tim Matheson so sehr, dass der die amerikanischen Adaptionsrechte für der 17. ZATOICHI-Film, sinngemäßer deutscher Titel ZATOICHIS HERAUSFORDERUNG, erwirbt und drei Jahre später BLINDE WUT produziert.
 
 
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Der amerikanische Film ist schneller und actionreicher als alle Zatoichis zusammen, ergeht sich aber trotzdem nicht in unendlichen Materialschlachten, wie sie das Adrenalinkino in Hollywood mittlerweile gnaden- und hirnlos zelebriert. CGI gab’s in dieser Form glücklicherweise noch nicht. Regisseur Philip Noyce allerdings, das sei hier noch angemerkt, dreht 2010 mit dem Angelina-Jolie-Vehikel SALT tatsächlich einen Big-Budget-Actioner, der trotz erwähnter CGI-Exzesse gut ist.
 
 
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BLINDE WUT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
BLINDE WUT, die amerikanische Weiterführung einer Filmepisode der ZATOICHI-Reihe aus Japan, ist ein Action-Cheeseburger der alten Schule. Erfreulicherweise stimmt bei diesem Herrenfilm eigentlich alles. Grobe Martial-Arts-Kloppe trifft auf machohafte Arschloch-Komik, die Besetzung ist ein Fest und der große Rutger Hauer mochte den Film und seine Darstellung des Vietnamveteranen-Zatoichi auch. Wie könnten wir ihm widersprechen?
 
 
 


 
 
 

BLINDE WUT – Zensur

 
 
 
BLINDE WUT wurden in Deutschland ungeschnitten in den Kinos gezeigt und kam anschließend ebenso ungekürzt auf VHS heraus. Leider wurde der Film 1990 indiziert. Diese Indizierung wurde erst 2015 aufgehoben. Während der Indizierung wurde der Streifen 2006 ungeschnitten auf DVD veröffentlicht. Mittlerweile ist BLINDE WUT auch im HD-Zeitalter angekommen. Der Streifen feierte seine deutsche Blu-ray-Premiere 2019 im Mediabook aus dem Hause NAMELESS MEDIA. Dieses war ungeprüft. Rechteinhaber SONY hat den Action-Klassiker aber nun von der FSK neu prüfen lassen und erhielt für die ungeschnittene Filmfassung eine FSK16. Daher kann der Film nun ohne Probleme im Kaufhaus erworben werden. Die dort ausliegende KeepCase-Blu-ray ist trotz FSK16-Sticker komplett.
 
 
 


 
 
 

BLINDE WUT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment – KeepCase

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(c) Nameless Media – Mediabook A (limitiert auf 333 Stück)

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(c) Nameless Media – Mediabook B (limitiert auf 444 Stück)

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(c) Nameless Media – Mediabook C (limitiert auf 333 Stück)

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(c) Nameless Media – Mediabook D (limitiert auf 444 Stück)

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(c) Nameless Media – Mediabook E (limitiert auf 444 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blind Fury; USA 1989

Genre: Action, Komödien, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @29,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft – FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Booklet und Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 18.10.2019 | KeepCase: 12.03.2020

 

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Blinde Wut [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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BLINDE WUT – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT | NAMELESS MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gesucht: Tot oder lebendig (1987)
 
Zatoichi – Der blinde Samurai (2003)
 
Zatoichi – The Blind Swordsman (1989)
 

Kritik: „She – Eine verrückte Reise in die Zukunft“ (1982)

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SHE – EINE VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT

(SHE | SHE – EINE BRUTALE REISE IN DIE ZUKUNFT)

Story

 
 
 
Neulich in der Post-Apokalypse. Einmal mehr hat die dämliche Menschheit atomar gezündelt, sich den rettenden Ast unterm Hinterteil weggebombt. Klingt angesichts der gegenwärtigen Wendungen der menschlichen Saukomödie gar nicht mehr so abwegig. Die Ödlande sind nach dem großen Knall in die Hände sich meistens bekriegender Amazonenclans gefallen. Also weiter Kampf. Als der Wasteland-Cowboy Tom die Entführung seiner Schwester erleben muss, tritt ihm die Kämpferin „She“, verstrahlt verkörpert von Tänzerinnen-Hardbody und Schwarzenegger-Co-Star Sandahl Bergman, zur Seite.
 
 
 


 
 
 

SHE – Kritik

 
 
 
SHE ist nicht die intellektuelle Sci-Fi-Dystopie eines Philip K. Dick oder der endlos einflussreichen Schriftsteller-Gebrüder Strugatsky. Paten stehen hier eher Schnellfilm-Ungeheuer wie Joe D’Amato oder David A. Prior. Das Projekt SHE, entstanden als italienisch-amerikanische Co-Produktion, orientiert sich wenig überraschend an den trendigen Endzeitfilmen jener Jahre, wie sie auf beiden Seiten des Großen Teichs kostengünstig auf ausrangierten Steinbrüchen und in kargen Waldlandschaften entstehen. Regisseur Avi Nesher verbindet auf virtuose Art die Schwachsinnigkeit der Genrefilme von USA und ITA. Ein World-Cup-Unentschieden, könnte man sagen. Im Stil einer Comic-Erstausgabe bietet der Film Herkunftsgeschichten der Figuren, um sie final aufeinandertreffen zu lassen. Nüchtern betrachtet, entfaltet sich vorm Auge des geneigten Schlockfilm-Glotzers ein Potpourri aus allem, was schon einzeln zündet: Science-Fiction, Action, nackte Möpse, Spaß. Ein sicherer Treffer für Freunde des guten schlechten Geschmacks. Kommen wir hiermit zum Ende der halbwegs seriösen Faktenbeschreibung dieses schönen Films, der, möglich gemacht durch das Abgrasen noch nicht vergebener Lizenzen, über dreißig Lenze nach Entstehung auf DVD erscheint. Eine VHS im schicken, roten VPS-Cover gab es hierzulande mal.
 
 
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Was SHE – EINE VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT vor vielen Jahren zum Liebling bierseliger Videoabende macht, ist, wie so oft im VHS-Zeitalter, die deutsche Synchronisation. Zu den großangelegten Mechanismen der Alltags-Straffung gehört das strenge Einsortieren und Benennen jedeweder Sache. Filmgenres entstehen auf Blogs und an den Vermarktungsschreibtischen der Hersteller bereits nach der Sichtung von drei Filmen mit sich ähnelnden Handlungselementen. Ärgerlich alberne tags wie Home-Invasion-Film versprechen Vereinfachung des Konsums und Schonung der grauen Zellen. Dieser Arbeitsweise benutzen wir heute auch einmal und ordnen SHE einem ganz besonderen Genre zu: Filme, in denen kein normaler Satz gesprochen wird. Einsamer Rekordhalter dieses Konstrukts ist der italienische Barbaren-Irrsinn SUPERMÄNNER GEGEN AMAZONEN, zufälligerweise damals auch bei VPS veröffentlicht. Avi Neshers Apokalypsen-Klopper hier braucht sich hinter dem aber nicht zu verstecken. Ein Fest.
 
 
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SHE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wie muss es sich für den Videothekenpilger in den späten Achtzigern angefühlt haben, verleitet von Covergestaltung und dem Hunger nach dem nächsten TERMINATOR, dem nächsten MAD MAX, Avi Neshers unglaublicher Trash-Atomrakete auf den Leim gegangen zu sein? Der Zuseher des Jahres 2018 kann den exotischen Hasscocktail aus Enttäuschung und Hirnverknotung quasi auf der Zunge schmecken, trotzdem nur ahnen und sich glücklich schätzen, SHE bewusst ausgewählt zu haben. Ein Film, den man mit dem Sticker „Das ist Trash“ mit einer Sonde ins All schießen müsste, auf dass unsere außerirdischen Herrscher in spe wissen, worauf sie sich hier unten einlassen.
 
 


 
 
 

SHE – Zensur

 
 
 
Im Kino und auf VHS gab es SHE nur gekürzt. Im digitalen Zeitalter ist das jetzt anders. Die erhältliche DVD beinhaltet die ungeschnittene Fassung. Fans und Sammler trashiger Perlen aus den 1980ern dürfte das freuen. Aber Obacht: SCHRÖDER MEDIA hat den Titel geändert. Auf dem Cover steht nun nicht mehr SHE – EINE VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT. Das „verrückte“ wurde gegen „brutale“ ausgetauscht.
 
 
 


 
 
 

SHE – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Schröder Media (DVD auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: She; USA | Italien 1982

Genre: Abenteuer, Action, Fantasy

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,66:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Ausgetauschte Szene (1:38 Min.), Genauso bekloppt! („Mission Force“-Trailer, 6:09 Min.), Damals war alles besser (Trailershow, 15:47 Min.)

Release-Termin: 07.09.2017

 

SHE – Eine brutale Reise in die Zukunft [Limited DVD Edition] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHE – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Conan der Barbar (1982)
 
Red Sonja (1985)
 
Die Barbaren (1987)
 
Drei Engel auf der Todesinsel (1984)

Kritik: „Rambo Trilogie“ (1982 – 1988)

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RAMBO TRILOGIE

(RAMBO 1 – 3)

Story

 
 
 
Amerika nach dem Vietnamkrieg. Eine in ihrer Meinung entzweite Gesellschaft tut sich schwer im Willkommenheißen oder einfach nur Wiedereingliedern ihrer körperlich und seelisch verwundeten Söhne. Abertausende ihrer Jugend beraubte Soldaten kehren heim und werden von einer Bevölkerung verachtet, deren Regierung sie für das Verteidigen völlig abstrakter politischer Werte zum Sterben in einen Dschungelkrieg geschickt hatte. John J. Rambo (Sylvester Stallone) ist einer von ihnen. Der Special Forces Soldat indianischer Abstammung will in der waldreichen Gegend des Pacific Northwest der USA die Witwe eines Kameraden besuchen und wird von den örtlichen Gesetzeshütern aufgegriffen. Brian Dennehy als bornierter Polizeichef lässt am Heimkehrer seinen Hass auf vermeintliche „Hippies“ aus. Nicht ahnend, dass der heruntergekommene „Landstreicher“ in den Zeiten von Friedensdemos im Kampf mit zu Feinden erklärten Nordvietnamesen gefangen war. Er reizt Rambo bis aufs Blut, quält ihn und bringt die Lage zur Eskalation. Bald verwandelt Rambo ein Waldstück in einen vietnamartigen Fallen-Dschungel und jagt die Dorfbullen, die sich an seine Fersen geheftet haben, in ihren Untergang .
 
Die Publikums-Wahrnehmung von RAMBO als Rache-Actioner, in dessen Helden es sich so einfach hineinversetzen konnte, musste zwangsläufig zu einer Fortsetzung führen. „Ein Mann sieht rot“ mit Muckis! Deutlich moralfreier und den Bumm-und-Krach-Faktor in den Vordergrund schiebend, erhält Veteran Rambo in RAMBO II: DER AUFTRAG (1985) einen, nun ja, Auftrag. Die Regierung erlässt ihm den Rest seiner harten Zuchthausstrafe, wenn er in Vietnam Fotos noch immer dort gefangener US-Soldaten schießt. Der lupenreine Actionfilm RAMBO 3, 1988 gedreht, nimmt schließlich gar keine Gefangenen mehr. Der sowjetische Feind verkommt zu einer Armee von Schießbudenfiguren, deren Leben keinen Pfifferling mehr wert ist. An der Seite von als „edle Wilde“ portraitierten islamischen Gotteskriegern am zerklüfteten Hindukusch tötet Rambo, ohne mit der Wimper zu zucken, Hunderte von Feinden und reißt sogar noch flotte Sprüche, die auch in Norris- oder Schwarzenegger-Filmen zum Ton gepasst hätten.

 
 
 


 
 
 

RAMBO TRILOGIE – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme und Filmfiguren, die ins Unterbewusstsein des Publikums hineingesickert sind. Sie sind Teile der Welt-Folklore geworden, die man gemeinhin Popkultur nennt. Die RAMBO-Filme funktionieren hierfür als perfektes Beispiel. Sogar im deutschen Sprachraum (immerhin zählen wir seit der Nachkriegszeit zu den verlässlich umsatzstärksten Entertainment-Märkten), ist ein „Rambo“ eine Titulierung, die sogleich das passende Bild ins Gedächtnis ruft. Rücksichtslos, rabiat, Anabolika-muskulös, kriegerisch – und intellektuell eher schlicht. Den „keyboard warrior“, mit großer Klappe am Computer, nennt man hierzulande gern einen „Tastatur-Rambo“. Kaum ein amerikanischer Präsident ab Ronald Reagan, der bei US-Kriegsbeteiligung nicht als waffenstrotzende Karikatur von Sylvester Stallones ikonengleicher Filmrolle schlecht fotomontiert auf einem SPIEGEL-Titelblatt erschienen ist.
 
 
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(RAMBO – FIRST BLOOD | © STUDIO CANAL )

 
 
RAMBO, die Verfilmung eines Vietnam-Trauma-Romans von David Morrell, ist ein Schlagwort der Kinogeschichte, untrennbar verbunden mit der Karriere eines der erfolgreichsten Schauspieler der Geschichte und inzwischen zu drei Fortsetzungen gekommen. Die werden von Film zu Film wilder, brutaler und actionreicher. Teil drei bietet gar das pikante Handlungsdetail des amerikanischen Spezialsoldaten an der Seite afghanischer Mujaheddin-Soldaten im Kampf gegen den gemeinsamen Feind Sowjetunion. Eine Länderallianz, die sich später als allzu real herausstellen würde.
 
 
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(RAMBO – FIRST BLOOD | © STUDIO CANAL )

 
 
Dabei fing das millionenschwere Action-Franchise eigentlich ganz anders an. RAMBO (1982) ist viel mehr ein abgeschwächter Spätausläufer des New Hollywood. Jene Bewegung des amerikanischen Filmemachens erhob – nach französischem Vorbild – den Regisseur in den Rang des Autoren. Vorher galt der im US-Kino noch als Handwerker im Auftrag des Produzenten, der oft der Studioboss selbst war. Die Regisseure des New Hollywood waren bedacht darauf, ihre Charaktere nicht zum Klischee werden zu lassen und die Handlungen mit scharfen Kommentaren zur Gesellschaft zu spicken. So ist der Film des Kanadiers Ted Kotcheff auch eine Kritik am US-Militärwesen. Soldat Rambo wurde von seinem Land aufs präzise und seelenlose Töten programmiert, seine Persönlichkeit verbrannt und der Möglichkeit beraubt, nach dem Krieg wieder in eine Normalität zurückzufinden. Der erste Versuch, trotzdem daheim anzukommen, wird ihm vom klar faschistischen Sheriff verbaut, Rambo in die Enge getrieben und dazu gebracht, in Notwehr, die zur Selbstjustiz eskaliert, zu töten. Schließlich beherrscht er nichts so gut. Wir sehen, im Originaltitel, FIRST BLOOD, war noch nicht von der Marketing-kompatiblen Ein-Wort-Action-Marke RAMBO die Rede, sondern vom Grundton des Films selbst: Wer vergießt das erste Blut? Für Richard Crennas bekannteste Rolle, Colonel Trautman, war ursprünglich der ewig drahtige Leinwand-Haudegen Kirk Douglas vorgesehen, der den Film aber dahingehend umbiegen wollte, Rambo selbst zu jagen und zum Schluss natürlich seinem Ende zukommen zu lassen. Das war eher zufällig der Romanvorlage von David Morrell geschuldet. Hier stirbt Rambo zwar auch durch die Hand seines väterlichen Vorgesetzten – nur nicht so Actionfilm-glorios, wie Kirk sich das ausgemalt hatte. Zum Glück war Douglas obendrein noch zu teuer.
 
 
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(RAMBO 2 – DER AUFTRAG | © STUDIO CANAL )

 
 
RAMBO II: DER AUFTRAG (1985) bedient sich eines der beliebtesten Action-Klischees jenes einzigartigen Jahrzehnts. Noch in den unmenschlichen Wasserkäfigen der kommunistischen Vietcong gefangene US-Soldaten, die von den tierhaften asiatischen Fratzenschneidern nur so zum Spaß gefoltert und ermordet werden. Brutalinski-Kollege Chuck Norris hat auf dieser im Verschwörungsuniversum der amerikanischen Veteranenverbände wurzelnden Drehbuch-Idee eine Karriere aufgebaut. Videotheken lebten von solchen Filmen. Das Herabsetzen und Entmenschlichen des unamerikanischen Gegners – von unglaublich vielen Kritikern der Filme angekreidet – greift hier schon aufs Wildeste. Man sollte von hier an versuchen, die Reihe nicht mehr als ernsthaft gescriptetes Kino, sondern viel mehr als Testosteronspektakel von Herren-Filmen zu begreifen. Die Rolle verbissener Bösewichter in der Facon Brian Dennehys spielen im zweiten Teil Steven Berkoff als Russe und Charakterkopf Charles Napier als zwielichtiger Militär.
 
 
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(RAMBO 2 – DER AUFTRAG | © STUDIO CANAL )

 
 
Logische Fortsetzung der zur Jahrmarktsattraktion gewordenen Ein-Mann-Armee ist anno 1988 RAMBO III. Ein vermeintlich letztes Mal spürt man den Supersoldaten auf. Im fremden Terrain Afghanistan gilt es, den Invasoren aus der UdSSR das Fell über die Ohren zu ziehen. Sechs Jahre nach RAMBO und sogar 16 nach der Buchvorlage, ist der gehetzte Vietnamveteran im verregneten Forst des Staates Washington nur noch eine verblasste Erinnerung. Das großflächige Töten von Feinden der 1980er-USA hat mit Sylvester Stallone endgültig ein posterfähiges Gesicht bekommen. Kleines Kuriosum am Rande. Bereits zwei Jahre von Rambos Feldzug an der Seite Osama Bin Ladens zeigten die verrückten Achtziger ihr perversestes Gesicht: Eine Zeichentrickserie! RAMBO: THE FORCE OF FREEDOM (1986) zeigt den eigentlich schwer traumatisierten Tötungsexperten als Kinderfreund im Stil von G.I. Joe, der seinen minderjährigen Buddies beim Lösen von Alltagsproblemen hilft.
 
 
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(RAMBO 3 | © STUDIO CANAL )

 
 
Schließlich JOHN RAMBO, der wahnwitzig brutale Spätnachläufer von 2008 fehlt auch in dieser DVD/BD-Edition. Das liegt maßgeblich an der Rechte, Zensur- und Schnittsituation. Als ultimativer CGI-Splatterfilm kann man dieses Spätwerk Stallones nicht ganz so einfach in die Medienkaufhäuser stellen. Übrigens gab es für Teil fünf bereits ein Drehbuch, in dem sich der endlich in Frieden heimgekehrte Veteran gegen Eindringlinge auf seinem Grundstück zur Wehr setzen muss. Nach fruchtlosen Verhandlungen trat Stallone die Idee an seinen EXPENDABLES-Sidekick Jason Statham ab. Der Film kam 2013 als HOMEFRONT sogar kurz in die Kinos und ist ein durchaus tolerierbares Stück moderner Fresse-voll-Action.
 
 
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(RAMBO 3 | © STUDIO CANAL )

 
 
 


 
 
 

RAMBO TRILOGIE – Fazit

 
 
 

RAMBO – FIRST BLOOD


 
9 Punkte Final
 
 

RAMBO 2 – DER AUFTRAG


 
6 Punkte Final
 
 

RAMBO 3


 
7 Punkte Final
 
 
 
Ob man sich über den Werdengang John Rambos vom Opfer der Kriegswütigen zum steroidgepowerten Vernichtungsroboter verwundert oder verärgert zeigt oder einfach nur kernige Ballerfilme auf sein Hirn wirken lassen möchte: Die RAMBO-Trilogie lässt sich vielfältig betrachten. Auf jeden Fall haben wir hier drei stilbildend-prägende, brutale und essentielle Aushängeschilder amerikanischen Mainstreamkinos. Für einen Filmfan führt an diesen Filmen wenig vorbei.
 
 
 


 
 
 

RAMBO TRILOGIE – Zensur

 
 
 
Die ungeschnittenen Fassungen von RAMBO 2 – DER AUFTRAG und RAMBO 3 waren lange Zeit in Deutschland indiziert und durften bis 2011 nicht im stationären Handel verkauft oder beworben werden. Erst im Dezember 2010 bzw. März 2011 wurden die Filme vorzeitig vom Index gestrichen und erhielten in der ungeschnittenen Form eine Altersfreigabe ab 18 Jahren (keine Jugendfreigabe). Der erste Teil kam da noch besser weg. Er wurde in der kompletten Fassung bereits bei seiner Kinoaufführung 1983 für Jugendliche ab 16 Jahren freigeben und ist auch heute noch für Minderjährige geeignet. Demzufolge sind die drei Filme in der nun erhältlichen RAMBO TRILOGY aus dem Hause STUDIOCANAL ungeschnitten und können bedenkenlos im Kaufhaus gekauft werden. Gleiches gilt für die separat erhältlichen Veröffentlichungen der genannten Filme. Teil 4 mit dem Titel JOHN RAMBO bleibt jedoch wegen einigen unschöner Szenen auf dem Index und kann nur in einschlägigen Onlineshops oder in Videotheken von volljährigen Zuschauern erworben werden. Wer den Film im Elektrofachgeschäft mit rotem FSK-Sticker vorfindet, kann davon ausgehen, dass es sich hierbei um die gerupfte Fassung handelt.
 
 
 


 
 
 

RAMBO TRILOGIE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rambo – First Blood; USA 1982 | Rambo: First Blood Part II (1985) | Rambo III (1988)

Genre: Action, Kriegsfilm, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS 2.0, Französisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS 2.0, Spanisch DTS-HD MA 2.0, Italienisch DTS 2.0, Russisch DTS 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch

Bild: 2.35:1 – @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: insgesamt ca. 291 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (alle Filme ungeschnitten)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Alternatives Ende, Audiokommentare von David Morrell und Sylvester Stallone, Audiokommentar von Peter MacDonald,
Audiokommentar von George P. Cosmatos, Alternativer Anfang und Geschnittene Szenen, Das wahre Vietnam: Stimmen von Insidern, Die Heldenschmiede: Amerikas Green Berets, 3 Making Of’s, Mut und Ehre, Rambo: Ein Blick zurück, Rückblende Saigon Bar, Witziges Ende, Featurette: Action im Dschungel, Wie man Rambo wird, Wir werden dieses Spiel gewinnen, Afghanistan – Land in der Krise, Der Weg eines amerikanischen Helden – Die Rambo-Trilogie, Full Circle, Rambos Überlebenswaffen, Sly vs. Rambo, Zahlen rund um Rambo, TV-Spots, Trailer

Release-Termin: 21.07.2016

 

Rambo Trilogy – Uncut [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

RAMBO TRILOGIE – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
John Rambo (2008)
 
Stirb Langsam (1988)
 
Das Phantom Kommando (1985)
 
John Wick (2014)