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Filmkritik: „Die Mächte des Lichts“ (1982)

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DIE MÄCHTE DES LICHTS

(SORCERESS)

Story

 
 
 
Tatort: Eine bunte Fantasyfilm-Märchenwelt, in echt vermutlich im verdorrten Wüstenteil des südlichen Kaliforniens gelegen. Der tyrannische Bösling Traigon hat zwar schon die Zügel des Reichs in der Kralle, weiß aber – typisch Machtmensch – nicht, wo Schluss ist. Ein Deal mit satanischen Kollegen aus den Tiefen der Hölle verlangt den Ritualmord an den eigenen Zwillingstöchtern. Bevor Traigon zuschlagen kann, werden die Mädels zum Glück außer Landes geschafft und zu markigen Kämpfer-Prinzessinnen geschult. Das große Ziel natürlich: die Rache am durchgedrehten Vater.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES LICHTS – Kritik

 
 
 
Wem der Plot in Gefangenschaft aufgezogener Schwertschwinger auf Blutwurstfeldzug bekannt vorkommt, der möge sich nicht länger den Schädel massieren. Natürlich ist´s auch hier John Milius übermächtiges 1982er Genre-Vorbild CONAN DER BARBAR, auf dessen Trittbrett DIE MÄCHTE DES LICHTS noch im selben Jahr um die Ecke getrittbrettert kommt. Die Schwarzenegger´sche Mär vom Barbaren und den Ungeheuern löst Anfang der Achtziger ein Revival des Sandalenfilms aus, mischt dessen gladiatorenschwere Zutaten mit Blut und Gummimonstern und erfreut weltweit Schwachsinnige und Trash-Bluthunde in Autokinos und Videotheken mit purer, die Birne auf Durchzug schaltende Unterhaltungs-Großartigkeit. Natürlich tut sich besonders Italien hervor. Auch der Barbarenfilm wird im Chef-Land des traditionsreichen Genreklaus wieder und wieder kopiert. DIE MÄCHTE DES LICHTS kommen allerdings aus den USA. Roger Corman persönlich setzt den altehrwürdigen Jack SPIDER BABY Hill auf den Regiestuhl und erhält als Belohnung den mit Abstand besten Fantasy-Reißer seines Studios. Tatsächlich nicht einfach, steht der gute Roger im Anschluss noch hinter einem ganzen Schwung wilder, meist in Argentinien gedrehter Schwert- und Grunz-Opern, die allesamt zu unterhalten wissen.
 
 
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Was diese Filme nicht haben ist die Hauptrollen-Anwesenheit zweier intellektuell erkennbar auf Sparflamme brutzelnder Playboy-Hasen mit strategisch völlig deplatzierten Silikonhupen südlich und leicht aus der Zeit fallenden Make-Up- und Haar-Arbeiten nördlich des Halses. Heute würde sich ein kalifornischer Schönheitschirurg für sowas enthauptet auf einer mexikanischen Müllkippe wiederfinden. Dafür machen die mighty Plastik Sisters ihren Job mit ungemeiner Freude und Verve. Man möchte meinen, die beiden sind beim Dreh davon ausgegangen, die Schauspielkarrieren sind nun in trockenen Tüchern. Naja. Zahlreiche amüsante Fantasy-Monster, auch hier wird das eher sportlich-schlanke Budget mit Spaß an der Arbeit wettgemacht, und flackerige Lasereffekte aus dem Eighties-Videostudio komplettieren ein Gesamtbild, das hier Pflicht und Kür des Fellbikini-Films mit glänzenden Noten belohnt bekommen sollte. Wie Ihr wisst kommen der FILMCHECKER himself und ich auch auch aus den dunkeln Tagen des Videofilm-Konsums. Nach dem Niedergang des Magnetbandes musste man sich DIE MÄCHTE DES LICHTS auf empfindlicher Thorn-EMI-VHS im Rahmen geldscheffelnder Filmbörsen organisieren. Seine Renaissance auf BluRay und DVD verdankt der Film wohl dem Erfolg von HBOs knackiger Fantasy-Gelddruckmaschine GAME OF THRONES, der gelungen ist, Fantasy mal wieder bei Leuten en vogue zu bringen, die selbst den HERRN DER RINGE nur aus Sheldon-Cooper-Zitaten kennen. Soll uns nur Recht sein, schließt sich hier doch sogar ein Kreis. Ein Film, der als Nachzügler einer Genre-Nummer-Eins entsteht, feiert ein Comeback im Fahrwasser der aktuellen Genre-Nummer-Eins.
 
 
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DIE MÄCHTE DES LICHTS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Lockere und unterhaltsame Barbarenfilm-Subgenre-Kolportage aus fähiger Hand. DIE MÄCHTE DES LICHTS erscheint endlich (erstmals nach der VHS-Zeit) als Schmuckstück fürs heimische Sudelregal. Hirn in den Kühlschrank legen, Film ab und bitte anerkennend rülpsen beim Schauen. Der Film wünscht sich das von Euch.
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES LICHTS – Zensur

 
 
 
DIE MÄCHTE DES LICHTS war bereits zu VHS-Zeiten ungeschnitten und stand mit FSK16 in den Videotheken. Auch die nun erhältliche HD-Fassung ist komplett und besitzt ebenso den FSK16-Flatschen. Sammler seltener Klassiker aus den 1980ern können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES LICHTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Schröder Media (Schuber-Auflage auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sorceress; Mexiko | USA 1982

Genre: Abenteuer, Action, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und im Schuber

Extras: Originaltrailer (02:20 Min.), Retro-Trailershow (15:42 Min.): Herkules, Samson und Odysseus, Der Kampf um Troja, Die Rache der Gladiatoren, Samson und die weissen Sklavinnen, Die unbesiegbaren Drei

Release-Termin: 04.05.2017

 

Die Mächte des Lichts [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES LICHTS – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Conan der Barbar (1982)
 
Red Sonja (1985)
 
Die Barbaren (1987)
 
Drei Engel auf der Todesinsel (1984)

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Filmkritik: „Die Klapperschlange“ (1981)

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DIE KLAPPERSCHLANGE

(ESCAPE FROM NEW YORK)

Story

 
 
 
In der nahen Zukunft hat die amerikanische Regierung vor den Aufständen der ewig Ausgebeuteten und der Kriminellen kapituliert. New York City bekommt rigoros eine schwerst bewachte Mauer um seine Grenzen gezogen. Die Inseln der Metropole am Hudson River sind zum amerikanischen Verbannungsgefängnis geworden. Wer hier landet, ist aus den Augen und aus dem Sinn der noch halbwegs funktionierenden Gesellschafts-Mitglieder verschwunden. Als der Präsident der USA über der Knast-Großstadt abstürzt, wird der raue Ex-Elitesoldat und Outlaw Snake Plissken hinter die hohen Mauern geschickt. Der desillusionierte Söldner soll retten, was noch zu retten ist. Für das Vaterland.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Kritik

 
 
 
John Carpenters DIE KLAPPERSCHLANGE ist neben dem australischen Genre-Meilenstein MAD MAX exakt der Film, nach dessen Look und Feeling sich Anfang der Achtziger ein ganzes Sub-Genre aufgestellt hat. Kaum ein Beispiel für Endzeit-Science-Fiction – darum geht es hier natürlich – in dem man nicht mühelos Merkmale von Max Rockatansky oder Snake Plissken entdeckten könnte. Da ist sogar egal, ob wir uns über großzügiger budgetiertes Kino oder gnadenlose billig gedrehte Kiesgruben-Actionreißer aus Italien oder von den Philippinen unterhalten.
 
 
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Hauptdarsteller Kurt Russell war dereinst großer Kinderstar bei Disney und Legenden zufolge der letzte Erdenmensch, mit dem Onkel Walt noch reden wollte, als es finster in seinem Oberstübchen wurde. DIE KLAPPERSCHLANGE heißt auf deutsch deswegen so, weil Russells Charakter Snake Plissken eine Kobra tätowiert hat (fragen Sie nicht…). Nachdem man sich kurz davor, 1980 genauer gesagt, beim Fernseh-Biopic ELVIS kennengelernt hatte, war der Film hier der tatsächliche Beginn einer Zusammenarbeit von Regisseur und Hauptdarsteller, die Russell fast zu einer Art Alter Ego des Mannes auf dem Chefsessel am Set machen würde. In fast jedem großen Filmhit des Kaliforniers würde King Kurt in den nächsten Jahren die leading role übernehmen. DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) zum Beispiel. Auch ansonsten scheint der Schauspieler ein bodenständiger und recht cooler Typ zu sein, wie sich immer wieder lesen lässt.
 
 
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Es gehört zum guten Ton, zu erwähnen, dass der gute John Carpenter seit Anbeginn seiner Karriere davon träumt, Western zu drehen. Nur der Zeitgeist hält den Synthesizer-Fan mit eigener Band immer wieder davon ab, gänzlich unverdünnt ins Reich der Pferdeopern abzuwandern. Also nimmt er sich Filme anderer Stilarten vor und legt seinen ganz eigenen Western-Filter drüber. Plissken ist der einsame Wolf des Westens, ein Gesetzloser unter Gesetzlosen, den jedoch ein ureigener Ehrenkodex samuraihafter Strenge davon abhält, auf die am Ende doch moralisch falsche Seite zu wechseln. Den müden Cowboy hat die schöne neue Welt einst sogar ein Auge gekostet – was er ihr auch übel nimmt. Die Restbesetzung des Films lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Einige in Ehren ergraute Recken aus der Welt des kernigen Männerfilms (eingetragenes Warenzeichen) vergangener Jahrzehnte schauen lässig vorbei. Unter anderem jagt Ernest Borgnine sein Taxi durch die Nacht, Soul-Sexprotz Isaac Hayes hat einen denkwürdigen Auftritt als Ghettokönig Duke und der arg undurchsichtige Regierungsagent Lee van Cleef ist die eigentliche Schlange im Schachern um das Schicksal von Präsident Donald Pleasence. Da ist es um so behämmerter, heute von einem B-Movie zu reden, wie man es in unseren simplizistischen Breitengraden seit eh und je mit viel zu vielen Genrefilmen macht. Zu seiner Entstehungszeit ist ESCAPE FROM NEW YORK, so der Originaltitel, ein legitimer und Respektiver Erfolgsfilm – A-Klasse. Basta. Wenn man sich übrigens heutzutage John Carpenters erstaunlich spät nachgerücktes Sequel FLUCHT AUS L.A. ansieht, für das es 1996 in den Medien ausnahmslos nur auf die Löffel gab, ist das gar nicht mehr so hundert Prozent totalausfällig. An das Original kommt die Fortsetzung natürlich nicht ran. Wäre aber auch ungewöhnlich.
 
 
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DIE KLAPPERSCHLANGE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Was hier vorliegt ist selbstverständlich ein absoluter Action, Sci-Fi- und Endzeit-Klassiker aus der stärksten Schaffensphase eines Regisseurs, dem man das Präfix „Kult“ nicht umsonst schon vor dreißig Jahren angeheftet hat. Kurt Russells Snake Plissken ist der mit Abstand coolste Anarchist, der überhaupt den Zusammenbruch der Zivilisation überlebt hat. DIE KLAPPERSCHLANGE sollte in jedem Regal stehen, dessen Einräumer etwas auf sich und seinem Filmgeschmack hält.. Eine Lehrstunde für männliches Filmemachen, eine Blaupause des Endzeit-Kinos und ein Film, der immer geht.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Zensur

 
 
 
Wie auch schon im Kino, auf Laserdisc und DVD ist nun auch die erhältliche Blu-ray bereits für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Wer demzufolge ausschliesslich ungeschnittene Filmklassiker ins Regal stellen möchte, kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Escape from New York; USA 1981

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: Audiokommentar mit Produzentin Debra Hill und Ausstatter Joe Alves (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Darsteller Kurt Russell (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Schauspielerin Adrienne Barbeau und Kameramann Dean Cundey, Audiokommentar mit Filmjournalist Kai-Oliver Derks und Alexander Büttner (2010), Die visuellen Effekte (ca. 14 Min.), Die Filmmusik (ca. 18 Min.), Interview mit Kurt Russell (ca. 7 Min.), Rückkehr zur „Klapperschlange“ (ca. 23 Min.), Die Original-Eröffnungsszene (ca. 11 Min.), Teaser und Trailer (ca. 5 Min.)

Release-Termin: 03.11.2016

 

Die Klapperschlange [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sindbads fünfte Reise (2014)
 
Flucht aus L.A. (1996)
 
Assault – Anschlag bei Nacht (1976)
 
Sie Leben (1988)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Lockout (2012)


Kritik: „Revolver – Die perfekte Erpressung“ (1973)

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REVOLVER – DIE PERFEKTE ERPRESSUNG

(BLOOD IN THE STREETS)

Story

 
 
 
Die Frau von Vito Cipriani (Oliver Reed) geht fiesen Kidnappern ins Netz. Als zweiter Direktor der Zuchthauses von Milano hat Vito die Möglichkeit, den Forderungen der Entführerbande Folge zu leisten: Er soll den Gangster Milo Ruiz (Fabio Testi) entkommen lassen. Im Tausch kommt seine Gattin wieder frei. Zutiefst unsicher über den Plan hält der bullige Schließer den Knacki nun selbst als Geisel und versucht mittels Folter herauszufinden, wer hinter dem Kidnapping steckt. Zu blöd nur, dass Milo so gar nicht weiß, wie die Karten liegen. Der Verdacht drängt sich auf, dass sowohl der Gesetzeshüter, als auch sein krimineller Gegenpol nur Teil einer perversen Verbrechensinszenierung sind, die sich bis in die erlauchten Kreise europäischer Polit- und Finanzprominenz erstreckt.

 
 
 


 
 
 

REVOLVER – Kritik

 
 
 
Sergio Sollima lieferte anno 1973 mit „Revolver – Die perfekte Erpressung“ ein zeitnahes Remake seines zurecht im höchsten Maße beliebten Italo-Westerns „Der Gehetzte der Sierra Madre“ (1966) ab. Zusammen mit Damiano Damiani galt dieser Sollima als drastisch gesellschaftskritischster und politischster Regisseur des italienischen Genrekinos seit den Sechziger Jahren und in Original wie Neuverfilmung kommt die stramm linke politische Einstellung ihres Regisseurs ganz vorbildlich zur Geltung. So werden uns die oberen Zehntausend konsequent als moralisch verrottet und verkommen vorgestellt, die Helden – die das gar nicht sein wollen – hingegen sind am Ende doch nur lebloses Treibholz oder Rädchen in einer Maschinerie, deren tieferer Sinn sich ihnen mit ihren stramm nach vorn gerichteten Sichtweisen auf die Welt nicht erschließen kann. Dabei ist es egal, ob der gesellschaftlich achtbare Status des Justizvollzugsbeamten bekleidet wird oder man sich als straßenschlaue Kleingangster-Ratte durchs Leben boxt. Wie bei Bertolt Brecht. Die Kleinen kommen unters Rad, die im Dunkeln sieht man nicht. Finstere Weltsicht – aber ganz bestimmt nicht von der Hand zu weisen. Hier zeigt sich auch der Unterschied zum Gros der „Poliziotteschi“-Filme, in deren Reihen „Revolver – Die perfekte Erpressung“ öfter mal gesteckt wird. Bei diesen (zynischen aber zugegebenermaßen immer unterhaltsamen) Brutalo-Bullenfilmen aus Italien würden konservative Ordnungshüter, stellvertretend für eine von Korruptionserfahrungen, Angst und Terror gelähmte Bevölkerung, am liebsten jedem läppischen Handtaschendieb den Schädel einschlagen. Bei „Revolver – Die perfekte Erpressung“ sind der Beamte und sein Gegenspieler jedoch bloß Schachfiguren, Bauern genaugesagt, im Spiel der Großen, wie es Bob Dylan einst formulierte. Das Publikum möge sich, wenn es nach jemanden wie Sergio Sollima ginge, Gedanken machen, ob es wild um sich ballernden Wüterichen mit Polizeisirene zujubeln will oder doch lieber überlegen, ob es nicht viel näher bei den Figuren seines Films hier lebt. Sollimas Sohn Stefano übertrug mit seinem kühlen Polizei- und Selbstjustiz-Drama „ACAB – All Cops Are Bastards“ 2012 die autoritätskritischen Ideen seines Vaters erfolgreich in die halbdokumentarische Filmsprache der Gegenwart.
 
 
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Fabio Testi spielt seinen Kleinganoven nuancierter als sonst aber trotzdem gewohnt selbstsicher, mit Hang zum Posterboy, wie man es als Freund italienischen Kinos kaum anders gewohnt ist. Nach Oliver Reed kommt hier allerdings erst einmal länger gar nichts. Die Kunst des Engländers, in den kargen anderthalb Stündchen des Drehtags, die er nicht komatös gesoffen in seinem Trailer verbrachte, mehr Intensität in seine Darstellung zu packen als eine Rakete mit Wärmesensor, ist hier auf ihrem Höhepunkt. Die Karriere des professionellen Alkoholikers war beileibe nicht arm an großen Rollen und die des Vito Cipriani könnte schauspielerisch unter den ersten dreien liegen. Wie bei gefühlten sechsundachtzig Prozent aller Filme aus Italien stammt auch die Musik zu „Revolver – Die perfekte Erpressung“ vom unmenschlich fleißigen und bis heute, im hohen Alter, unverwüstlichen Ennio Morricone. Der römische Meister konzentrierte sich diesmal auf eine getragene Klaviermelodie, die in verschiedenen Gestalten, von instrumental bis schnulzig, aus den Boxen fließt. Gute Sache und selbst als Nachpressung teuer, die Platte. Nur mal so nebenbei.
 
 
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REVOLVER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mächtig spannendes Thrillerkino auf ganz hohem Niveau, wie man es in den Siebzigern in Europa meisterlich auf die Leinwand zu bringen verstand. Dazu noch mit ansprechendem politischen Unterbau. Wer seinen Horizont des cinematischen Nägelbeißens in die Richtung von „vintage“ Krimireißern aus der Alten Welt erweitern möchte, bekommt mit der vorliegenden DVD einen ausgezeichneten Anfangsfilm geboten.
 
 
 


 
 
 

REVOLVER – Zensur

 
 
 
Die nun erhältliche DVD-Fassung von REVOLVER – DIE PERFEKTE ERPRESSUNG ist erstmals ungeschnitten. Demzufolge können Sergio Sollima-Fans bedenkenlos zugreifen und sich dieses rare Filmwerk ins Sammlerregal stellen.
 
 
 


 
 
 

REVOLVER – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Colosseum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Revolver; Deutschland | Italien 1973

Genre: Krimi, Action, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Italienisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,85:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover im Schuber

Extras: Interview: Fabio Testi (16:17 Min.), Internationaler Kino-Trailer (3:36 Min.), US amerikanischer Kino-Trailer (1:55 Min.), Bildergalerie (1:54 Min.)

Release-Termin: 24.04.2015

 

Revolver – Die perfekte Erpressung (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

REVOLVER – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei COLOSSEUM FILM

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Milano Kaliber 9 (1972)
 
Die Kröte (1978)
 
Der Denunziant (1985)
 
Die Gewalt bin ich (1977)