Filmkritik: „The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung“ (2018)

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THE DARK – ANGST IST DEINE EINZIGE HOFFNUNG

(THE DARK)

Story

 
 
 

In der Gegend, die von den Einheimischen als Teufelsgrube bezeichnet wird, geht der Horror um. Hier verschwinden Menschen spurlos und niemand weiß warum. Legenden erzählen, dass dort eine gefräßige Bestie ahnungslose Wanderer reißt. Schaurige Geschichten, die nicht weit hergeholt sind. An diesen Ort hat sich Teenagerin Mina zurückgezogen, die gern mal Eindringlinge verspeist, wenn sie ihr zu nahe kommen.

 
 
 


 
 
 

THE DARK – Kritik

 
 
 
Ungewöhnliche Freundschaften sind im Horrorfilm nichts Neues. Im Genre findet gern mal zusammen, was nicht zusammengehört. Da knüpfen Menschen unvoreingenommen Bande mit Vampiren, Geistern, Monstern oder Zombies und wundern sich dann, wenn die anfängliche Harmonie plötzlich in Chaos oder Terror umschlägt. Erfahrene Horrorfilm-Kenner haben da vermutlich Klassiker wie GREMLINS, KING KONG oder FRANKENSTEIN vor Augen. Aber ein Blick über den Tellerrand verrät: da gibt es weitaus mehr. Einer dieser Filme ist der Folgende. Auch THE DARK führt zwei Außenseiter zusammen, die so einiges gemeinsam haben, aber am Ende wegen ihrer Ungleichheit vor dem sprichwörtlichen Scherbenhaufen stehen. Leider ist der Findungstrip nicht sonderlich herausragend. Zwar wird atmosphärisch groß aufgefahren und auch die Hauptdarsteller meistern ihre Sache ganz gut. Der düstere Coming-of-Age-Grusler hat aber wenig Interesse an seinen Figuren und will lieber mit reißerischen Horrorszenen schocken. Das ist leider etwas platt.
 
 
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Teenagerin Mina (NADIA ALEXANDER) hat in ihrem jungen Leben viel Leid ertragen müssen. Die wurde als Kind missbraucht, erschlagen und anschließend im Wald vom Peiniger verscharrt. Doch das Mädchen hat überlebt – wenn auch schwer verletzt. Seither haust sie in einem leerstehenden Holzhaus inmitten einer Gegend, in der schon viele Menschen auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Da parkt plötzlich ein Auto vor der Hütte. Sind das etwa Einbrecher? Mitnichten! Ein blinder Junge (TOBY NICHOLS) hat sich im Fahrzeug versteckt, der mit Mina das gleiche Schicksal teilt. Auch er hat Schreckliches erlebt und scheint von den Erlebnissen traumatisiert zu sein. Man nähert sich an und fühlt sich einander verbunden. Was folgt, ist eine Freundschaft, die gegenseitig Trost spendet und zusammenschweißt.
 
 
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THE DARK fällt mit ungewöhnlicher Prämisse auf. So sehen wir gleich zu Beginn Schauspieler KARL MARKOVICS durch Wälder streifen, den man sonst eher aus deutschsprachigen Filmen und Vorabendserien kennt. Handelt es sich hier etwas um eine Produktion „made in Germany“? Nicht ganz. THE DARK ist eine österreichische Produktion, die wohl aus Kostengründen in den kanadischen Wäldern gedreht wurde. Damit man den Streifen besser international vermarkten kann, wurde auch gleich in englischer Sprache gedreht. So lässt sich THE DARK auch in jene Länder verkaufen, wo das Synchronisieren von Filmen nicht unbedingt die Regel ist.
 
 
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Zwei Regisseure zeichnen verantwortlich. Die Österreicher JUSTIN P. LANGE und KLEMENS HUFNAGL treten mit ihrem Horror-Drama in die Fussstapfen von so Filmen wie THE WILDLING oder SO FINSTER DIE NACHT. Letzterer thematisierte auf sensible Weise eine ebenso ungewöhnliche Freundschaft zwischen Menschen, die sich einander fremd aber dennoch vertraut sind. Von der Feinfühligkeit und Sensibilität jenes schwedischen Ausnahmefilmes ist THE DARK aber weit entfernt. Der Film versucht zwar die Seelenwelt seiner beiden emotional gebeutelten Hauptdarsteller zu ergründen, verirrt sich aber leider viel zu oft in der dunklen Welt des Horrorfilms. Statt Charaktere gründliche zu analysieren, will man lieber dem gerecht werden, was Fans eben von Horrorfilmen erwartet. Das sind nun mal nicht tiefgründige Charakterstudien und Anspruch, sondern Schockmomente, Gewalt und ungemütliche Bilder.
 
 
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Genau diese Tatsache macht den THE DARK trivial und beliebig. Der Coming-of-Age-Horror beschäftigt sich zu oft mit totgefilmten Klischees des Horror-Genres. Die kommen immer dann zum Einsatz, wenn ausgerechnet das emotionale Seelenwohl der beiden Hauptdarsteller beleuchtet werden soll und sich die Figuren versuchen einander anzunähern. Da wird in einem Moment in Rückblenden davon berichtet, wie Antiheldin Mina als Kind vom Freund der Mutter sexuell missbraucht wird. In der nächsten Szene befinden wir uns wieder in der Gegenwart und wir bekommen zu sehen, wie die leidgeplagte Teenagerin zwei Männer kaltblütig ermordet. Die Holzhammertaktik ist nicht sonderlich feinfühlig und erschwert es dem Zuschauer unnötig, sich mit den beiden Opfern in irgendeiner Weise zu identifizieren.
 
 
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Offenbar war der störende Gewaltrausch nötig, um etwas Drive in die Handlung zu bringen. THE DARK verfügt nämlich über ein sehr gemächliches Erzähltempo, das vor allem Zuschauern Probleme bereiten dürfte, die sich sonst eher von stylischen Horror-Schockern aus der BLUMHOUSE-Schmiede (GET OUT, THE PURGE, WIR) berieseln lassen. Die werden vermutlich auch gerade deshalb mit dem zäh und behäbig inszenierten THE DARK nicht sonderlich warmwerden. Da machen ein paar Splatter-Szenen die Kuh auch nicht mehr fett. So tut es dann doch schon in der Seele weh zu sehen, wie hier zwei talentierte Jungdarsteller verheizt werden. NADIA ALEXANDER und TOBY NICHOLS verkörpern zwei traumatisierte Einzelgänger und erweisen sich als Glücksgriff. Leider wird von ihnen nicht viel abverlangt. Deshalb kann man für die beiden nur hoffen, dass die in Zukunft mehr Glück bei der Auswahl ihrer Rollen haben, die die bemerkenswerten Talente fördern und fordern.
 
 


 
 
 

THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Im Gegensatz zu Deutschland wird in Österreich das Drehen von Horrorfilmen vorangetrieben und von staatlicher Seite gefördert. Die Liste von Horrorstreifen aus dem Nachbarland liest sich daher lang. So entstanden dort Filme wie BLUTGLETSCHER, ICH SEH ICH SEH oder auch IN 3 TAGEN BIST DU TOT. Einige der vielen Produktionen aus dem Nachbarland fanden sogar auch international Erwähnung. Letzteres trifft auch auf THE DARK zu, der sich am Ende als doch zähes und nicht immer feinfühliges Horror-Coming-Of-Age-Drama entpuppt, das seine zwei Helden nicht unbedingt ernst nehmen möchte. Die haben Schlimmes erlebt und sind schwer traumatisiert. Trotzdem jagt man beiden Figuren durch den Horror-Klischee-Sumpf und reißt sie auch noch durch ein blutiges Szenario, das vor allem auch mit der Glaubwürdigkeit so seine Probleme hat. Da kommt es immer mal wieder zu eigensinnigen und vor allem makabren Zufällen, die erfahrene Zuschauer mit dem Kopf schütteln lassen. Beispiel gefällig? Ein junger Mann flüchtet vor der entstellten Hauptdarstellerin Mina und hetzt orientierungslos durch die Wälder. Letztere ist außer Kontrolle und will den Flüchtenden in Stücke reißen. Als der eine verlassene und kaum befahrene Straße sieht und selbige überqueren möchte, kommt just in diesem Augenblick ein Fahrzeug auf ihn zu und überfährt das bemitleidenswerte Opfer. So konstruiert wirkende Verläufe gibt es in THE DARK ziemlich oft. Leider passt dieser ganze Splatter-Quatsch irgendwie nicht zum sonst kontroversen Thema dieses eher als Coming-of-Age-Drama konzipierten Films.
 
 
 


 
 
 

THE DARK – Zensur

 
 
 
THE DARK hat einige Gewaltszenen zu sehen. Diese sind aber sehr kurz – dennoch schnell geschnitten. Oft kommt eine Axt zum Einsatz. In einer Szene wird aber auch ein junger Mann von einem Auto überfahren. Die Heimkinoauswertung von THE DARK hat ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE DARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dark; Österreich 2018

Genre: Drama, Thriller, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 27.09.2019

 

The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung [Blu-ray ungeschnitten auf AMAZON kaufen]

 
 
 


 
 
 

THE DARK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FILMLADEN FILMVERLEIH | STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 

Filmkritik: „The Forgotten“ (2014)

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THE FORGOTTEN

Story

 
 
 

In britischen Sozialwohnungen passieren seltsame Dinge. Dem 14jährigen Tommy bereiten unheimliche Geräusche aus der Nachbarswohnung Angst. Der will in THE FORGOTTEN herausfinden, ob das Gepolter rational erklärbare Ursprünge besitzt oder ob da vielleicht doch höhere Mächte am Werk sind.

 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer düstere Friedhöfe, alte Burgen oder englische Herrenhäuser sein, in denen Kreaturen aus dem Jenseits Unruhe stiften. Auch in den Ghettos britischer Großstädte fühlen sich Geister neuerdings heimisch und treiben Besetzer verlassener Sozialwohnungen in den Wahnsinn. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass Spuk in den meisten Fällen nicht grundlos stattfindet. Meist wollen Geister den Lebenden Botschaften überbringen oder den eigenen verfrühten Tod rächen, der durch die Hand skrupelloser Zeitgenossen herbeigeführt wurde. In den meisten Fällen löst das unerwartete Kettenreaktionen aus. Ob das auch in THE FORGOTTEN der Fall ist? Hinter dem sensibel orchestrierten Gruselstreifen stecken zwei, die zumindest in England nicht unbekannt sind. OLIVER FRAMTON und JAMES HALL zeichneten für Arbeiten an der langjährigen Polizeiserie THE BILL verantwortlich, die zwischen 1984–2010 eine feste Größe im britischen TV war und unter dem Titel DIE WACHE sogar für Deutschland adaptiert wurde. Für die britische Version steuerten die beiden Autoren Geschichten bei, die dann regelmäßig über die Mattscheibe flimmerten. Mit THE FORGOTTEN hat man zusammen an etwas Eigenem gearbeitet – fernab von Trivialität und Massengeschmack. Ein riskanter Versuch, der sich sehen lassen kann. Über einige wenige Logiklücken sieht man da gern hinweg.
 
 
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Teenager Tommy hat es nicht leicht. Seine Eltern leben getrennt und der Junge hat keine Freunde, weshalb er sich zurückzieht und Bilder malt. Als die Mutter einen Nervenzusammenbruch erleidet, soll der Jugendliche beim Vater wohnen. Der entpuppt sich als Hausbesetzer und plündert abrissreife Gebäude, um sich mit dem Verkauf von Kupferrohren über Wasser halten zu können. Leider ist der Vormund kein unbeschriebenes Blatt, was den Jungen stutzig macht, weil der Vater eigenartiges Verhalten an den Tag legt. Als der von Zuhältern zusammengeschlagen wird und im Krankenhaus landet, ist Tommy auf sich allein gestellt. Nun ist guter Rat teuer. Im neuen Zuhause scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Seltsames Poltern ist im Apartment nebenan zu hören. Leider wohnt dort schon seit Jahren niemand mehr. Das verursacht natürlich Unbehagen. Doch das Leben schlägt manchmal sonderbare Wege ein. Beim Zeichnen auf einer Parkbank lernt er die geheimnisvolle Carmen kennen. Schnell entsteht zwischen den Jugendlichen eine innige Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Zusammen versucht man das Geheimnis der unheimlichen Geräusche zu ergründen, die Tommy Nacht für Nacht den Schlaf rauben. Leider ist die Auflösung alles andere als erbaulich.
 
 
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Grusel mit Anspruch. THE FORGOTTEN setzt Köpfchen voraus, was aufgrund der hohen Anzahl an trivial gedrehter Spuk- und Geisterfilme der letzten Jahre schon als Glanzleistung betitelt werden kann. Viele davon machen nämlich das Hirn des Zuschauers zu Brei, wenn mit schlechten Geschichten versucht wird, Unterhaltung vorzugaukeln. Im Grunde besteht das Ergebnis dann aber doch nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees. Der englische Regisseur OLIVER FRAMTON macht da einiges anders. Hinter dem Schauerdebüt von der Insel verbirgt sich nämlich ein berührender und zugleich deprimierend-trauriger Geisterfilm, der vor allem durch hervorragend besetzte Jungdarsteller überzeugen kann. Wie im schwedischen SO FINSTER DIE NACHT entsteht hier eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der 14jährige Tommy (CLEM TIBBER) als Einzelgänger durchs Leben geht und zurückgezogen in einer ganz eigenen Welt lebt, verschanzt sich die unnahbare Carmen (ELARIA JOHNSON aus AFTERDEATH) hinter dicken Mauern und lässt kaum Schwäche zu. Trotz ihrer Gegensätze erkennen die pubertierenden Protagonisten schnell, dass sie mehr Gemeinsamkeiten besitzen als anfangs vermutet. So machen sich die beiden auf, ein Rätsel zu lösen, das den Zuschauer durch seine unbefriedigende und unerwartete Auflösung leider vor dem Kopf stößt, den Zuschauer aber gleichzeitig da packt, wo es weh tut. Kino kann manchmal ein richtiges Arschloch sein.
 
 
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THE FORGOTTEN ist nichts für Arthouse-Hasser. Dieser Genrestreifen gehört zu jener Gattung Film, die man eigentlich gern im Programmkino sehen würde. Statt plakative Grusel- und Schockeffekte abzuhandeln, waren Drehbuchautor JAMES HALL die Hauptdarsteller wichtig. Demzufolge liegt der Fokus mehr auf Charakterentwicklung und Drama, statt auf Spuk und Erschrecken. Weil es der Film ruhig angeht und so Unheil gemächlich aufgebaut wird, ist THE FORGOTTEN garantiert kein Film für Gegner des langsamen Erzählens. Die sollten besser nach kommerziellem Spukkino Ausschau halten. Der nächste Blödsinn aus Hollywood lässt mit Sicherheit nicht lange auf sich warten. Da sind wir uns sicher.
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Authentisch gespieltes Schauerstück vor ungewöhnlicher Gruselkulisse. THE FORGOTTEN beweist, dass es nicht nur in alten Herrenhäusern oder modrigen Kellergewölben spuken kann. Auch in heruntergekommenen Neubaublöcken Großbritanniens finden es Geister gemütlich. Triste Wohnviertel in sozialen Brennpunkten laden ein zu Spuk auf hohem Niveau. THE FORGOTTEN ist keiner dieser konventionell zusammengekleisterten Gruselfilme. Hier nimmt man sich Zeit für Charakter und Emotionen, so dass Spuk und Budenzauber beinahe zu kurz kommen. Ein gute Entscheidung: THE FORGOTTEN berührt – vor allem wegen der Antihelden, die von talentierten Jungdarstellern verkörpert werden. Mehr Drama statt Horror steht auf dem Programm, was den Beitrag aus der Masse hervorstechen lässt. Wer mit dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT was anfangen konnte, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. THE FORGOTTEN ist nämlich mehr oder weniger vom gleichen Kaliber. Ungewöhnlich, ergreifend und sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Zensur

 
 
 
In THE FORGOTTEN gibt es weder Gewalt noch Blut zu sehen. Hierbei handelt es sich um ein Gruseldrama, das eher von seiner unheilvollen Stimmung lebt, als die Geschehnisse in Blut zu ertränken. Weil es doch hin und wieder etwas unheimlich wird, bekommt der Streifen in Deutschland vermutliche eine FSK16. Insofern sich überhaupt ein Label finden lässt, das den Film hierzulande veröffentlichen möchte. THE FORGOTTEN ist nämlich sehr speziell und richtet sich eher an ein Arthaus-erprobtes Publikum. Übrigens: das Filmplakat ist vollkommen irreführend. Hier wird reißerischer Geisterspuk vorgegaukelt. Der Film ist aber ein ganz anderes Kaliber.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Citadel – Wo das Böse wohnt (2012)
 

Filmkritik: „Sensoria“ (2015)

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SENSORIA – JEDE WOHNUNG HAT IHRE VERGANGENHEIT

(SENSORIA)

Story

 
 
 

Den Neuanfang hätte sich Caroline Menard wohl einfacher vorgestellt. Frisch vom Partner getrennt und in eine eigene Wohnung gezogen, passieren plötzlich mysteriöse Dinge um sie herum, die sich die zerbrechliche Frau nicht erklären kann.

 
 
 


 
 
 

SENSORIA – Kritik

 
 
 
Wenn sich keine spendablen Geldgeber für mögliche Horrorstreifen finden lassen, müssen die Zuschauer eben selbst ran. Seit einigen Jahren blühen die Geschäfte auf Crowdfunding-Plattformen wie KICKSTARTER, STARTNEXT und Konsorten, wo ambitionierte Regisseure mit Filmfans in Verbindung treten, um sich von ihnen Filme finanzieren zu lassen. So konnte in der Vergangenheit einiges an Kinomaterial (grandios: STROMBERG – DER FILM) umgesetzt werden, das sonst hätte nie gedreht werden können. Auch in Schweden versucht man jetzt Horrorfilme auf die Beine zu stellen, indem man Cineasten zum Spenden animiert. Regisseur CHRISTIAN HALLMAN ist Produzent und gleichzeitig Mitarbeiter in der European Fantastic Film Festivals Federation (EFFFF) – eine Organisation, die ins Leben gerufen wurde, um europäischer Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Filme zu fördern. Der wollte mit dem selbst geschriebenen SENSORIA unbedingt einen Horror-Thriller nach seinem Geschmack inszenieren und bat auf dem Finanzierungsportal KICKSTARTER um Unterstützung. Die lies nicht lang auf sich warten. Dank überzeugender Artworks und immer neuer Informationen zum Filmprojekt kamen umgerechnet mehr als 13.000 Euro zusammen. So konnte mit der Produktion von SENSORIA begonnen werden, für die ein enger Produktionsplan von gerade einmal 13 Tagen eingehalten werden musste.
 
 
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Jede Wohnung hat eine Vergangenheit. Im SENSORIA wagt Caroline Menard (intensiv gespielt von LANNA OHLSSON) einen Neuanfang. Was Tragisches im Leben der Frau passiert ist, bleibt ungeklärt. Sie hat sich von ihrem Partner getrennt und eine kleine Wohnung in einem Hochhaus gemietet, in der sich bald einsam und verlassen fühlt. Doch das seelische Ungleichgewicht der neuen Mieterin entpuppt sich bald als kleineres Übel. Nicht nur, dass sich die Nachbarn seltsam verhalten; auch in den eigenen vier Wänden geht es nicht mit rechten Dingen zu. So öffnen sich Schränke wie von Geisterhand und der Wasserhahn im Bad tropft ohne ersichtlichen Grund. Da das Apartment die Nummer 237 besitzt (SHINING lässt grüßen), dürfte wohl klar sein, dass in dieser Wohnung einiges im Argen liegt. Vor vielen Jahren ist darin Furchtbares geschehen, dass der neuen Mieterin den Neuanfang vermasseln wird.
 
 
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Willkommen zum Spuk im Hochhaus. Nein, SENSORIA ist keiner dieser konventionell gestrickten Gruselfilme, in denen böse Geister viel Schabernack treiben, um den Lebenden die Freude am neuen Heim zu nehmen. Stattdessen richtet sich der Streifen mit seiner deprimierenden Atmosphäre und gemächlichen Machart an jene Zuschauer, denen bereits der schwedische Arthaus-Horror SO FINSTER DIE NACHT wohlige Schauer beschert hat. Auch wenn beide Filme in unterschiedlichen Subgenres beheimatet sind, bleiben Parallelen nicht unbemerkt. So nehmen sich beide Streifen nicht nur Zeit, um die Gefühlswelt ihrer traurigen Protagonisten zu erforschen. Auch brisante Themen wie Einsamkeit und Großstadtanonymität werden beleuchtet – gravierende Probleme, die immer mehr Menschen in der heutigen Zeit Sorgen bereiten. Umso eindringlicher die Warnung, dass SENSORIA kein Film fürs lebensfrohe Publikum ist. Steriler Plattenbau, erdige Töne und kaum Farben deuten nämlich darauf hin, dass es in diesem Schauerdrama nichts zu lachen gibt. Die trostlose Bildsprache ist hier Stilmittel, um den psychischen Abstieg einer Frau besser unterstreichen zu können, die in SENSORIA allmählich den Verstand verliert. So legt Macher CHRISTIAN HALLMAN zwar anfangs falsche Fährten, treibt aber seine Filmfigur mit Spuk in den Wahnsinn und konfrontiert mit Geistern der Vergangenheit. Der langsame Erzählstil bringt zwar die niederschmetternd Atmosphäre des Dramas gut zur Geltung; leider schlägt die bedrückende Stimmung aufs Gemüt. Umso makabrer das Ende. Statt die Heldin von Qualen zu erlösen, wird die ohnehin gebeutelte Hauptprotagonistin noch weiter in den Abgrund getrieben. Das lässt niemanden kalt.
 
 
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SENSORIA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weniger Horror, dafür mehr Drama. Erschütterndes Geisterdrama, das mit typisch skandinavischem Filmlook und starker Hauptdarstellerin überzeugen kann. Man kann nicht behaupten, dass SENSORIA trotz gemächlicher Inszenierung schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Der Film punktet durch deprimierende Gruselatmosphäre, die man schon lange nicht mehr so auf der Leinwand zu sehen bekommen hat. Hinter kahlen Wänden trostloser, schwedischer Plattenbauten und inmitten quälender Anonymität einer schnellebigen Großstadt erlebt eine Frau ihr ganz eigenes Martyrium. Das zehrt an den Kräften, denn die tragische Geschichte über Einsamkeit, Verlust und Trauer lässt niemanden kalt. Leider meint man es mit der zerbrechlichen Hauptfigur nicht sonderlich gut. Die schlittert in das wohl ungemütlichste Filmende der letzten Jahre, mit dem sich die meisten Zuschauer wohl nicht zufriedengeben wollen. Nichtsdestotrotz darf man Regisseur CHRISTIAN HALLMAN an dieser Stelle beglückwünschen. Der zeigt mit SENSORIA zweifelsohne, dass gelangweilte und unkreative Filmemacher aus Hollywood vom unkonventionell schwedischen Horrorkino noch einiges lernen können. Wer Arthaus mag, sollte daher unbedingt einen Blick riskieren. Mainstream-verwöhnte Filmfans dürften mit dem eher langsam erzählten SENSORIA nicht viel anfangen können.
 
 


 
 
 

SENSORIA – Zensur

 
 
 
SENSORIA ist ein trauriges Gruseldrama. Im Mittelpunkt stehen Atmosphäre und Stimmung. Die Gewalt reduziert sich auf einen Badewannenmord. Hier wird eine Filmfigur in der Wanne ertränkt. Eine andere Protagonistin erhängt sich auf dem Dachboden. Mehr Gewalt gibt es nicht zu sehen. Die deutschen Veröffentlichung von SENSORIA ist ungeschnitten und FSK16.
 
 


 
 
 

SENSORIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sensoria; Schweden 2015

Genre: Thriller, Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 19.05.2017

 

Sensoria [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

SENSORIA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Maritim Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Unbroken (2012)

The Babadook (2014)

The Sixth Sense (1999)