Filmreview: „Ritual“ (2013)

Ritual-2013
 
 
 

RITUAL

Story

 
 
 
Ein junges Pärchen hat eheliche Problemchen: Die Liebste geht fremd und gerät dabei versehentlich an ein Sektenmitglied, das sie in einem schmuddeligen Motel im Affekt niedersticht. Gatte Tom soll es richten und beseitigt das Nötigste. Die Vorkehrungen nützen aber nicht viel, denn der Rest der okkulten Bande hat längst Witterung aufgenommen …
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Kritik

 
 
 
RITUAL ist wieder ein Film mit großer Verwechslungsgefahr. Wer ein wenig im Genre bewandert ist, dürfte sich bei diesem Titel direkt an den 2002 veröffentlichten Spielfilmausflug der beliebten TALES FROM THE CRYPT-Serie zurückerinnert fühlen. Hier ist jedoch nicht der kultige Cryptkeeper am Start; vielmehr handelt es sich bei diesem Horrorfilm um ein weiteres Werk aus der beliebten AFTER DARK FILMS Horrorschmiede. Die hat nun schon einige höchst sehenswerte Gruselhits hervorgebracht und mit dem kultigen AFTER DARK HORRRORFEST ein Festival im Petto, das für Anhänger des Phantastischen Films zum alljährlichen Pflichttermin geworden ist. Nun folgt nach Eigenproduktionen wie DARK CIRCLES und RED CLOVER blutiger Nachschub für all jene, die einfach nicht genug von Home- und Hotelinvasionen bekommen können. Der Titel ist hierbei nur irreführende Deko, denn auch wenn RITUAL eigentlich Okkult-Horror vermuten lässt, sind die Wurzeln doch eher im Terror- und Invasion-Genre zu suchen. Mit MICKEY KEATING sitzt mal wieder ein Neuer auf dem Regiestuhl. Im Horrorfilm ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass sich hier ambitionierte Newcomer im Filmemachen ausprobieren wollen. Viele von Ihnen schaffen sogar das Unmögliche und erkämpfen sich einen anerkannten Namen in der Horrorszene. Auch KEATING könnte das gelingen, denn mit RITUAL präsentiert er dem Zuschauer nicht nur spannungsgeladenen Psychohorror (übrigens: Drehbuch schrieb KEATING selbst); sein Schaffen wurde in Amerika sogar unter der Fuchtel von LIONSGATE vermarktet – jenes Label, das der berüchtigten SAW-Saga und dem damals noch unbekanntem JAMES WAN (SAW, THE CONJURING) zu internationalem Ruhm verholfen hat.
 
In RITUAL macht der Zuschauer Bekanntschaft mit Tom (DEAN CATES), der einen merkwürdigen Anruf von seiner Frau (LISA MARIE SUMMERSCALES) erhält. Die ruft ihren Gatten unter Tränen zu einem kleinen Stundenhotel im Nirgendwo. Als er dort ankommt, macht er eine grausige Entdeckung: Die Liebste hat in einer Bar einen Unbekannten aufgegabelt und selbigen im Motelzimmer niedergestochen, weil er ihr Böses wollte. Nachdem sich der Betrogene vom ersten Schock erholt hat, folgt auch gleich der zweite. Denn im Kofferraum des erdolchten Fieslings findet das Paar eine Videokamera, auf deren Band ein Mord zu sehen ist, der den beiden eine Heidenangst einjagt. Was folgt ist das übliche Horrorgeplänkel, was zwar nicht gerade vor Innovationen strotzt, aber dem Filmfreund solide Spannung bietet. Der versehentlich Ermordete gehört zu einem ominösen Clan von Masken tragenden Fanatikern, die nichtsahnende Menschen opfern und die Verbrechen auf Video festhalten.
 
Ist RITUAL ein neues Sequel aus dem MOTEL-Universum? Bereits 2007 kam mit MOTEL ein ähnlicher Terror-Streifen in die weltweiten Kinos und lies wenig später ein überflüssiges Video-Prequel folgen, das aber nicht einmal annähernd dem Vorgängers das Wasser reichen konnte. In MOTEL wurde ein gestrandetes Pärchen zu unfreiwilligen Statisten eines Snuff-Movie-Drehs, der von den Inhabern einer schäbigen Raststätte initiiert wurde. So ähnlich geht es auch in RITUAL zugange, nur mit dem Unterschied, dass aus perversen Rasthaus-Besitzern kurzum satanistische Sektenanhänger werden, die ihre Opfer gut und gerne mal einen Kopf kürzer säbeln. Welche Beweggründe die Gruppe für ihr Handeln besitzt bleibt ungeklärt, schließlich braucht KEATING ja noch Stoff für eine mögliche Fortsetzung, die im Falle seines günstig gedrehten Erstlings nicht lange auf sich warten lassen dürfte. Auch wenn RITUAL kaum Überraschungen für den erfahrenen Filmfan bereithält, muss man KEATING für die saubere Umsetzung loben. Der Film beginnt unscheinbar und mausert sich zu Terrorkino par excellence. Wie bereits in THE STRANGERS (2008) besitzen die Hauptdarsteller ihre Problemchen untereinander und werden wenig später von Masken tragenden Unbekannten wortlos durch das Gelände gescheucht. Regisseur MICKEY KEATING fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Er lässt seinen Helden genügend Zeit, die verzwickte Situation zu erkunden. Dann erst schlägt er knallhart zu und lädt zum obligatorischen Terror-Stelldichein. Die Helden müssen allerhand Boshaftigkeiten über sich ergehen lassen und erfahren nur in Häppchen, was ihnen bald blühen wird. Ebenso ergeht es auch dem Zuschauer, der sich genauso unwissend wie die Opfer durch die unbequeme Szenerie quälen muss und erst kurz vor Ende mit der Auflösung des (zugegebenermaßen äußerst vorhersehbaren) Puzzles konfrontiert wird. Bis dahin weiß der durchweg packende Thriller solide und kurzweilig zu unterhalten, denn wie man Suspense in Reinform auf Zelluloid bannt hat KEATING definitiv verstanden.
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
THE STRANGERS meets MOTEL. RITUAL ist ein atmosphärischer und spannungsgeladener Terrorfilm der alten Schule. Nach mysteriösem Beginn wird die Spannungsschraube fast schon minutiös fester gedreht. Zwar erfindet KEATING mit seinem Erstling das Rad nicht neu; er versteht aber wie man altbekannte Genre-Zutaten raffiniert mixt, damit das ewig gleiche Filmthema eine peppige Würze erhält. RITUAL ist wie gemacht für die große Leinwand und dürfte vermutlich auch nur dort das ganze Potenzial entfalten können. Schade nur, dass sich wahrscheinlich hierzulande kein Label dazu erbarmen wird diesen kleinen Indie ins Kino zu bringen.
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Zensur

 
 
 
Wie es sich für einen waschechten Terror- und Invasionsflick gehört, gibt es auch in RITUAL einiges an blutigen Gemeinheiten zu sehen. Die Momente sind aber rar gesät, reichen aber immerhin für eine ungeschnittene FSK-Freigabe. RITUAL dürfte hierzulande mit rotem KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Motel (2007)
 
Motel: The First Cut (2009)
 
The Strangers (2008)

Filmreview: „Red Clover“ (2012)

Red Clover (2012)
 
 
 

RED CLOVER – LEPRECHAUN’S REVENGE

Story

 
 
 
Karen (Courtney Halverson) stolpert während eines Jagdausflugs mit ihrem Großvater im Wald über ein rotes Kleeblatt, rupft es aus und erweckt dadurch einen bösartigen Leprechaun, der sich durch die nahe liegende Stadt meuchelt …
 
 
 


 
 
 

RED CLOVER – Kritik

 
 
 
Vor geraumer Zeit noch als SYFY TV-Produktion für den gleichnamigen Sender unter dem Titel LEPRECHAUN’S REVENGE gelaufen, wurde der Streifen noch einmal für den Videomarkt zurechtgestutzt und läuft nun direkt unter dem AFTER DARK ORIGINAL-Banner. Unüblicherweise hat der Spartenkanal diesmal nicht selbst produziert, sondern die Arbeit den Kreativen von AFTER DARK FILMS überlassen. Eine gute Entscheidung, wissen doch schließlich die Macher des kanadischen Filmfestivals, wie man gruselige Filme zaubert. Unter neuem Namen kommt das Schauermärchen nun auch in die Heimkinos. Um sich von der miserablen Qualität der Werke des trashigen SYFY-Channels zu distanzieren, wurde nicht nur das Intro verändert, sondern auch gleich LEPRECHAUN’S REVENGE in RED CLOVER umbetitelt. So bleiben Verwechslungen mit der beliebten LEPRECHAUN-Serie erspart, in der WARWICK DAVIS als garstiger irischer Kobold habgierigen Zeitgenossen die Leviten las. Trotz AFTER DARK FILM Produktionsteam muss man jedoch sagen, dass RED CLOVER zwar bedeutend besser ist, als das was SYFY sonst so alles selbst hervorbringt; im Vergleich zum kürzlich besprochenen DARK CIRCLES, der ebenso aus der AFTER DARK-Mache stammt, liegen jedoch Welten zwischen diesen Filmen. Das mag vor allem an der relativ unhomogenen Handlung liegen. Die ist zwar vorhanden, aber derart hektisch und lieblos zusammengekleistert, dass nur selten wirkliche Gruselstimmung oder gar Spannung entstehen will. Zwar gibt es hin und wieder einige stimmige Momente, dennoch läuft in RED CLOVER mal wieder alles nach der bekannten Genre-Rezeptur ab: Töten und getötet werden. Der erweckte Leprechaun ist permanent damit beschäftigt, Gold zu fressen oder die Bewohner des Ortes in Stücke zu reißen. Sein Vorgehen läuft immer und viel zu oft nach gleichem Schema ab, so dass der nette Splatter-Gimmick schnell in Langeweile verpufft und sich der märchenhafte Charme der irischen Folklore in Luft auflöst. Immerhin hat man sich beim Creature-Design viel Mühe gegeben. Der irische Kobold hat nichts im Geringsten mit dem Antagonisten der beliebten LEPRECHAUN-Reihe gemein. Statt einem giftigen Waldzwerg bekommen wir hier ein tierähnliches Monstrum vor die Linse, das glatt aus der Welt von PANS LABYRINTH (2006) entsprungen sein könnte. Statt Wünsche zu erfüllen, bringt die bedrohliche Kreatur den Tod, wobei man lobenswert erwähnen sollte, dass man hier auf ein wirklich gutes Kostüm zurückgegriffen hat und keine vorgefertigten Pixel aus dem Computer zum Einsatz kommen mussten, um den Leprechaun zum Leben zu erwecken.
 
Wie es mal wieder im Horrorfilm üblich ist, müssen viele Menschen auf möglichst ruppige Art und Weise sterben. Nachdem Heldin Karen (COURTNEY HALVERSON) ein geheimnisvolles rotes Kleeblatt aus dem Waldboden gerupft hat, erwacht auch gleich ein zorniges Fabelwesen aus seinem Schönheitsschlaf und beginnt eine amerikanische Kleinstadt zu attackieren. Trotz vieler Leichen tappt die Polizei wie üblich ewig im Dunkeln und der leidgeplagten Karen will mal wieder niemand Glauben schenken, obwohl ihr seit der Begegnung im Wald ein bösartiges Wundmal in Kleeblattform auf der Hand wuchert. Vier mystische Hufeisen sollen den Kobold in die Schranken weisen und den Fluch aufheben, mit dem die selbstbewusste Karen belegt wurde. Doch die müssen erst einmal gefunden werden. Zusammen mit Großvater Pop O’Hara (WILLIAM DEVANE) und dem heimlichen Verehrer Dax (DAVE DAVIS) macht sich die Tochter des örtlichen Sheriffs (BILLY ZANE) an die Arbeit, die Relikte zu finden und dem blutigen Treiben ein Ende zu setzen. Apropos blutig: Lebenssaft fließt in RED CLOVER zur Freude der Gorefraktion doch großzügig. Das Spezialeffekte-Team hat beim Ekel-Make-up auf Handgemachtes zurückgegriffen, was durchaus seine Vorteile besitzt. Da spritzt grotesk viel Blut an Wände und Körper werden entweder zerschlissen oder zerfetzt. Ganz zur Freude der Monstertrash-Fans, die sich bei derart übertriebenem Einsatz an Kunstblut und Schweinedärmen an die guten alten Splatterzeiten der 80er Jahre zurückerinnert fühlen dürften. Trotzdem, RED CLOVER ist nichts Halbes aber auch nichts Ganzes. Blut und Gewalt allein machen nämlich noch keinen guten Horrorfilm aus. Irgendwie haben die Macher ganz vergessen, aus den Legenden des Leprechauns etwas Gescheites zu machen, obwohl genug Potenzial vorhanden gewesen wäre. Statt stimmigen und düsterem Horror-Märchen mit vielen Grusel- und Schockmomenten, blitzt in RED CLOVER viel zu oft das typische SYFY-Niveau durch, dass eigentlich stets dumme und gehaltlose 08/15-Unterhaltung verspricht. Es wird gemetzelt, geschrieen und gerannt – das war´s. Das hat man alles bis zum Erbrechen auf der Mattscheibe gehabt, so dass RED CLOVER einfach nur ein beliebiger Monsterklamauk ist, der sich zwar nicht immer ganz so ernst nimmt, aber sein Dasein ganz schnell in den hinteren Regalen der Videotheken fristen wird. Im Fall von RED CLOVER ist wieder offensichtlich, dass manche Filme einfach nur fürs TV gemacht sind und auch nur dort laufen sollten, denn wer dafür Geld bezahlt, ist selber schuld!
 
 
 


 
 
 

RED CLOVER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Blutiger Horrorspass für Liebhaber rasanter Monster-Märchen. RED CLOVER ist Fast-Food-Horror für den kleinen Hunger zwischendurch, der zwar kurzfristig das Hungergefühl stillt, aber schon nach wenigen Stunden erneutes Magenknurren verursacht. Auch wenn AFTER DARK ORIGINAL auf dem Cover steht, entpuppt sich der Fabelwesen-Grusler als typischer SYFY-Murks, der sich zwar nicht immer ganz so ernst nimmt aber außer etwas Gewalt nichts weiter Gehaltvolles zu bieten hat. Wer schnell heruntergekurbelten Trash mag, darf gern zugreifen. Filmfans, die spannend unterhalten werden möchten, schauen leider doof aus der Wäsche.
 
 
 


 
 
 

RED CLOVER – Zensur

 
 
 
RED CLOVER ist ein TV-Film und das merkt man auch bei den Gewalteffekten. Die sind zwar zahlreich, aber nicht sonderlich grausam, so dass RED CLOVER hierzulande bedenkenlos ab 16 Jahren auf Heimkinomedium erscheinen wird.
 
 
 
 


 
 
 

RED CLOVER – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Leprechaun – Der Killerkobold (1993)
 
Leprechaun 3 – Tödliches Spiel in Las Vegas (1995)
 
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Leprechaun 5 – In the Hood (2000)
 
Leprechaun 6 – Back 2 tha Hood (2003)
 

Filmreview: „Solo“ (2013)

solo-2013
 
 
 

SOLO

Story

 
 
 

Die angehende Feriencampmitarbeiterin Gillian soll auf einer verlassenen Insel ihr Können unter Beweis stellen, muss stattdessen jedoch um ihr (Über)Leben bangen …

 
 
 


 
 
 

SOLO – Kritik

 
 
 
Filmfreunde, die vor geraumer Zeit den höchst ansprechenden Trailer zum EVIL DEAD-Remake (2013) gesehen haben, dürften vermutlich die Trailermacher in Grund und Boden verflucht haben. Hier wurde zwar geschickt zusammengeschnitten, aber, wie so oft in den letzten Jahren, die besten Szenen des Splatterwerks vorweggenommen. Ähnlich verhält es sich bei der Vorschau zu SOLO, die im Grunde genommen den ganzen Film in knapp zwei Minuten zusammenfasst. Demzufolge sollte man sich den Trailer möglichst verkneifen, möchte man sich den Spaß am Filmeschauen nicht verderben lassen. Der Thriller SOLO ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass es für gute Filme keiner großen Geschichten bedarf. Außer fünf Protagonisten, einer kleinen Insel und Legenden die um die Idylle ranken, benötigt Regie-Neuling ISAAC CRAVIT nicht viel, um rund 90 Minuten zu unterhalten. SOLO lief bereits Oktober 2013 im Rahmen des TORONTO AFTER DARK FILM FESTIVALS, was Genrefans vermutlich hellhörig lassen dürfte, laufen dort meist ausgewählte Gruselstreifen, die nicht selten von hoher Qualität zeugen. Und in der Tat, SOLO ist besser, als das magere Produktionsbudget verspricht.
 
Wir begleiten die TV-erprobte ANNIE CLARK als zwar traumatisierte, aber sich wacker schlagende Gillian „Solo“ in ein kleines Feriencamp irgendwo im Wald. Sie hat in der Vergangenheit ganz schön viel Mist durchgemacht und versucht durch einen neuen Job als Campbetreuerin ihr gewohntes Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Pillen helfen, den Tagesablauf sicher bestreiten und den tragischen Tod ihrer Schwester zu vergessen. Doch bevor Gillian ihre neue Stelle antreten darf, werden ihre Qualifikationen auf die Probe gestellt. Campleiter Fred (RICHARD CLARKIN) bringt sie zu einer kleinen Insel, auf der sie zwei Tage verweilen und Pfadfinderfähigkeiten unter Beweis stellen soll. Doof nur, dass ihr zuvor einige unheimliche Legenden über das vermeintlich idyllische Eiland zu Ohren gekommen sind und ihr bald bange Stunden bescheren werden. Zum Glück ist die geistig instabile Jugendliche immer via Funkgerät in Kontakt zum Festland, so dass ihr auch gleich ein älterer Herr namens Ray (DANIEL KASH) zur Hilfe eilt, der meint, einen hilfesuchenden Funkspruch Gillians erhalten zu haben. Die scheint zwar anfänglich über das Missverständnis verdutzt, ist aber froh darüber nicht ganz so allein auf der gruseligen Insel zu sein. Ganz so verlassen wie an anfänglich gedacht ist der Ort jedoch nicht, denn das verängstigte Mädchen findet bald ein verlassenes Zelt inmitten des Waldes, in dessen Inneren Gillian mysteriöse Farbfotos von Kindern eines Feriencamps entdeckt.
 
Sind wir hier im Camp Crystal Lake oder was? Die Thematik lässt zumindest schwer darauf schließen, denn wenn es um Feriencamps geht, dürfte sich der Zuschauer vermutlich schnell an die berüchtigte FREITAG DER 13.-Reihe zurückerinnert fühlen. Die Route führt dann aber doch in ein ganz anderes Genre und mit bekannten Slasher-Klischees oder gar dem Hockeymaske tragenden Kult-Meuchler JASON VOORHEES hat SOLO rein gar nix am Hut. Regisseur ISAAC CRAVIT hat die wichtigsten Vertreter des Horrorfilms genauestens studiert, so dass der Zuschauer in seinem ersten Langfilm (zumindest am Anfang) ganz schön dreist an der Nase herumgeführt wird. Die Ausgangslage hätte verworrener nicht sein können. Nicht nur, dass Gillian täglich reichlich Medikamente zu sich nehmen muss, um den Tag bestreiten zu können; auch unheimliche Spukgeschichten ranken sich um die verlassene Insel. CRAVIT hält sich viele Optionen offen, wobei (sofern man sich noch nicht den Trailer angeschaut hat) nicht gleich wirklich ersichtlich ist, was SOLO denn nun eigentlich sein soll? Handelt es sich hier um Spuk-Horror von der Stange oder um gar einen knüppelharten Psychothriller, der die erschütternde Vergangenheit der Protagonistin zum Mittelpunkt des Films macht? Ist die Bedrohung rein psychologisch oder tatsächlich greifbar? Antworten die CRAVIT geschickt bis zur Filmmitte zu verschleiern versteht. Umso ernüchternder, dass das raffinierte Rätselraten in der Halbzeit zugunsten der gängigen Horrorregeln an Kreativität missen lässt. Immerhin ist ANNIE CLARK ein wirklicher Pluspunkt dieses kleinen, handwerklich sehenswerten Films. Die hat nämlich nicht nur eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Teenie-Idol JENNIFER LAWRENCE (HOUSE AT THE END OF THE STREET), sondern überzeugt durch eine Natürlichkeit, die ihren Charakter recht sympathisch erscheinen lässt. Der smarten Schauspielerin gelingt es, den kurzen Wildnis-Schocker fast gänzlich allein zu tragen; ihr Agieren ist stets nachvollziehbar und logisch, was ja bei Teenagern im Horrorfilm selten gegeben ist. Trotz ausreichend Supsense bleibt auch Gillians Hintergrundgeschichte nicht unbeleuchtet. Ihr Schicksal und die Quelle ihrer Albträume werden bruchstückhaft im Verlauf der Geschichte gelüftet, wobei man jedoch auch bei SOLO bemängeln muss, dass die Entwicklung der Charaktere leider etwas oberflächlich abgehandelt wird. SOLO ist zeitgleich ANNIE CLARKS Spielfilmdebüt. Nach diversen TV-Serien fasst sie nun Fuß im Kinofilm und macht dabei gar keine üble Figur. Den Filmfan wird’s freuen, hält er mit SOLO ein ansprechendes und mysteriöses Stück kanadisches Suspensekino in den Händen, das sich auf jeden Fall zu den besseren Vertretern innerhalb des Horrorgenres zählen darf. Wer es kurz, schnörkellos und spannend mag, ist bei SOLO genau richtig. Da darf man gespannt sein, was Regie-Neuling ISAAC CRAVIT demnächst noch so alles an Projekten auf Film bannen wird – dieser Einstieg ins Filmbusiness ist schon einmal ein solider Anfang!
 
 
 


 
 
 

SOLO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Klein aber oho. SOLO ist kanadisches Supsensekino vom Feinsten und ein gelungener Einstieg ins Filmbusiness für Regie-Newcomer ISAAC CRAVIT. Es muss nicht immer nur Horror mit dem Holzhammer sein. Manchmal sind die kleinen unscheinbaren Streifen die, die es ganz schön in sich haben.
 
 
 


 
 
 

SOLO – Zensur

 
 
 
Bis auf eine kurze Splatterszene am Ende gibt es in SOLO nix, was dem Gewaltfan gefallen dürfte. Demnzufolge wird SOLO mit Sicherheit ungeschnitten ab 16 Jahren in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

SOLO – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Black Rock (2012)

The Mooring (2012)