Filmkritik: „Bastard“ (2015)

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BASTARD

Story

 
 
 
Was für ein Zufall: Ein frisch vermähltes und blutgeiles Killer-Duo (DAN CREED und ELLIS GREER) gabelt auf der Fahrt zu einem Liveauftritt ein verliebtes Tramper-Paar (darunter REBEKAH KENNEDY aus HOUSE HUNTING und THE UNDERNEATH) auf der Landstraße auf und nimmt es mit dem Auto mit. Die Anhalter outen sich später als Bruder und Schwester und landen zusammen mit den neuen mordgierigen Freunden in einer Herberge auf der Speisekarte von Kannibalen. Tja, das Leben geht manchmal seltsame Wege.
 
 
 


 
 
 

BASTARD – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Streich von AFTER DARK FILMS. Nachdem man sich mit dem AFTER DARK HORRORFEST in Fankreisen einen Namen machen konnte, produziert man seit einigen Jahren selbst Horrorfilme, um Fans der schaurigen Unterhaltung mit immer neuen Horrorprodukten bei Laune halten zu können. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Abwechslung, damit dem Publikum nicht langweilig wird. Ob mordende Zwillinge, ausgefuchste Serienmörder, turboschnelle Zombies oder hysterische Sektengurus – unter dem Banner AFTER DARK ORIGINALS wird im Akkord Gruselzeug fürs Heimkino fabriziert, um die gierige Horrormeute mit stets unterhaltsamen Indie-Schockern fernab des Mainstreams zu versorgen. Mittlerweile gehören die hauseigenen Produktionen aus den AFTER DARK-Studios zum Must-See für Horrorfans, denn anders als Horror-Verbrechen aus den Schrottpressen ASYLUM oder SYFY ist man bei AFTER DARK FILMS immer noch um ein gewisses Maß an Qualität und Schrecken bemüht. Trotz sehenswerte Angstmacher haben es leider immer noch nicht alle AFTER DARK ORIGINALS-Filme nach Deutschland geschafft. So warten vor allem ältere Produktionen, wie CHILDREN OF SORROW, RITUAL oder DARK CIRCLES auch weiterhin auf eine deutsche Auswertung und das, obwohl Letztgenannter zu einem der besten Machwerke gehört, die die Schauerschmiede bis heute produziert hat.
 
 
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Mit dem Horror-Thriller BASTARD probieren die Experten für kurzweiligen Schauer etwas Neues aus. Der Streifen gehört nämlich so jener Art von Filmen, die sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken lassen. So vermischen die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG (die mit BASTARD übrigens ihr Regiedebüt feiern) zig Subgenres zu einem skurrilen Horror-Mix, der gut startet, aber im haarsträubenden Gewaltrausch vom rechten Weg abkommt. Erzwungen blutig geht es hier zu, denn was als anarchische Bonnie-und-Clyde-Kopie beginnt, wandelt ganz schnell auf Tortur, Slasher- und Kannibalenpfaden – bösem Zynismus inklusive. Was sich jedoch für den Liebhaber deftigeren Filmhandwerks als Offenbarung entpuppt, gerät beim Blick über den Tellerrand zum wirren Horrordebakel, in dem man nicht nach Logik suchen sollte. Glaubwürdigkeit scheint nämlich abhandengekommen zu sein, was BASTARD dann doch immer mal wieder unfreiwillig komisch erscheinen lässt – gewollt war das definitiv nicht. Doch damit nicht genug. Das eifrige Kombinieren unterschiedlicher Subgenres will nicht so recht funktionieren. Oftmals kann man sich dem Gefühl nicht entziehen, als habe man versucht Drehbücher zu unfertigen Filmen in irgendeiner Weise zusammenzuführen, um daraus gewaltigen Horrorquatsch zu machen. Der Verdacht kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Interviews der Macher im Netz glauben, so sollte die Idee von einem Killer-Pärchen anfänglich in Form eines Kurzfilmes Verwendung finden, das Drehbuch hierzu war bereits in Arbeit. Letztendlich entschied man sich jedoch dazu, die mordlüsternen Liebenden zusammen mit anderen Protagonisten (aus ebenso selbst geschriebenen, unfertigen Skripten) in einem Film unterzubringen und von bösen Kannibalen schlachten zu lassen. Ob das wirklich so gut gewesen ist, wie es die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG in euphorischen Lobgängen bekunden, mag bezweifelt werden, denn Fakt ist: in BASTARD passt irgendwie kaum etwas zusammen.
 
 
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Dabei waren die Ambitionen groß. So orientierte man sich visuell an Klassikern wie FREITAG DER 13. oder CARRIE. Inspirationen für die akustische Untermalung lieferten die Kultwerke HALLOWEEN und SUSPIRIA. BASTARD verbeugt sich als selbsternannter Retro-Slasher mit pumpenden Synthesizer-Klängen, abrupten Schnitten und heftigen Kills (die handgemachten Effekte sehen übrigens klasse aus) vor den bösen Meuchelfilmen der späten 70er und frühen 1980er, von denen viele auch heute noch ihr Dasein auf der Liste für jugendgefährdende Medien fristen. Trotz ähnlicher Machart sollte dennoch unterschieden werden. Während man heutzutage gern an viele der aktuell immer noch beschlagnahmten Filme zurückblickt, dürfte sich in dreißig Jahren wohl kaum jemand an diese AFTER DARK-Produktion erinnern können. BASTARD ist ein komisches Machwerk, über dessen Sinn und Unsinn man sich definitiv streiten kann. Umso mehr lässt der Gedanke erschauern, dass dieser Horror-Thriller in Serien gehen könnte. Über drei mögliche Fortsetzungen und einem Prequel witzeln die Regisseure mit der Fachpresse. Da kann man nur hoffen, dass es auch wirklich beim Spaß bleibt.
 
 
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BASTARD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine haarsträubende Geschichte über Inzucht, Kannibalismus und deftigen Morden. BASTARD ist ohne Zweifel ein Fest für Liebhaber der härteren Filmgattung. Leider wurden für diesen AFTER DARK-Film zu viele Subgenres miteinander kombiniert, weshalb sich der Retro-Slasher dann doch in allerhand unglaubwürdigen und konstruiert wirkenden Handlungsverläufen verfängt. Nichts will in BASTARD zusammenpassen, weil hier offensichtlich Ideen gesammelt und unbedacht zusammengeführt wurden. Für den kurzen Adrenalinschub mag das ausreichen. Klammert man jedoch die Gewaltmomente aus, bleibt nur eine löchrige Handlung übrig, die im Grunde genommen kaum Sinn ergibt. Als Horror-Thriller kann man BASTARD nicht ernst nehmen. Trotz dezentem Zynismus und viel unfreiwilliger Komik funktioniert das Machwerk auch als rabenschwarze Horrorkomödie nicht – dazu ist der Film einfach nicht lustig genug.
 
 


 
 
 

BASTARD – Zensur

 
 
 
BASTARD ist kein Film, der sich in Sachen Gewalt zurückhält. Einem Protagonisten wird die Wirbelsäule bei lebendigem Leib herausgerissen, ein Kind wird aus dem Mutterleib einer Heldin herausgeschnitten und in menschlichem Gedärm wird auch herumgewühlt. Das ist teils hart anzuschauen. Dennoch hat die FSK den Film ungeschnitten freigegeben. BASTARD steht mit rotem FSK-Sticker im Handel – keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

BASTARD – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bastard; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 20.10.2017

 

Bastard (Blu-ray) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

BASTARD – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei Lighthouse Home Entertainment]

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Among the Living (2014)
 
GirlHouse (2014)
 
Awaiting (2015)
 
Starve (2014)
 

Filmkritik: „Re-Kill“ (2015)

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RE-KILL

Story

 
 
 
RE-KILL schaut einem SWAT-TEAM bei der täglichen Arbeit über die Schultern. Die Aufgabe der Spezialeinheit ist es, möglichst viele Zombies zu vernichten, damit sich amerikanische Einwohner sicher fühlen können. Dabei werden die Kämpfer von den Kameramännern des TV-Formats „R-Division, Frontline“ begleitet, die die Zuschauer der Sendung über teils beunruhigende Einsätze in den zombieverseuchten Randgebieten bewohnter Städte informieren wollen.
 
 
 


 
 
 

RE-KILL – Kritik

 
 
 
Fast zehn Jahren ist es nun bereits her, seit die Spanier JAUME BALAGUERÓ und PACO PLAZA mit dem sehenswerten Horrortrip [REC] ein Glanzstück in puncto Grauen ins Kino brachten, in dem Zombie- und Found-Footage-Genre auf bis dato noch nie dagewesene Weise vermischt wurde. Mittlerweile sind mehrer Ableger und genug ähnliche gestrickte Streifen erschienen, von denen aber nur die wenigsten überzeugen konnten. Die Festivalbetreiber von AFTER DARK wissen, was Horrorfans wollen und produzieren nach dem erfolgreichen AFTER DARK HORRORFEST unter dem Banner AFTER DARK ORIGINALS seit einigen Jahren selbst Schocker am Fließband (u.a. DARK CIRCLES, RITUAL und CHILDREN OF SORROW). RE-KILL schimpft sich ein weiterer Streifen aus dem reichhaltigen Fundus kurzweiliger Gruselware der AFTER DARK-Horrorexperten. Der sollte bereits 2010 veröffentlicht werden, kam aber erst fünf Jahre später in die Gunst einer Kinoauswertung. Die lange Entstehungszeit tut der Tatsache aber keinen Abbruch, dass RE-KILL gar nicht so übel ist, wie die meisten Zombiefilme neueren Datums. Für diesen Actioner wurde kurzerhand das [REC]-Prinzip noch einmal aufgriffen, um daraus eine fiktive Reality-TV-Show zu machen – blutige Kills und Patronengewitter inklusive.
 
 
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Fünf Jahre ist es nun bereits her, seit eine Katastrophe knapp 85% der Menschheit in geifernde Kreaturen namens Re-Ans verwandelt hat, die unentwegt durch Dörfer und Städte hetzen, um sich am Fleisch Nichtinfizierter zu laben. Die meisten Großstädte sind immer noch unbewohnbar. Dennoch existieren Überlebende, die sich in kleinen Städten zusammengerafft haben, um weiterhin einem geregelten Leben nachgehen zu können. Um deren Sicherheit zu gewährleisten wurde die sogenannte R-Division gegründet. Dabei handelt es sich um ein speziell geschultes SWAT-Team (darunter Kampfkünstler SCOTT ADKINS), das Zombies in menschenleere Zonen drängen soll, um sie dort von ihren Qualen erlösen zu können. Leider ist der Einsatz für die Mitglieder der Spezialeinheit nicht frei von Gefahren. Etwas, das viele der mutigen Kämpfer unterschätzen und deshalb mit ihrem Leben bezahlen müssen.
 
 
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Der komplett in Bulgarien gedrehte Film gleicht reißerisch inszenierten Reality-Dokus aus Amerika (wie COPS) in denen Polizisten bei der Verbrecherjagd von einem Kamerateam begleitet werden. In RE-KILL werden jedoch keinen Bösewichte hinter schwedische Gardinen gebracht; hier nimmt man den Kampf gegen eine ernstzunehmende Plage auf: Zombies. Die werden mit schwerem Geschütz in den Filmhimmel befördert und knabbern hin und wieder an den Mitgliedern eines SWAT-Teams, die bei gefährlichen Einsätzen etwas zu unachtsam durch das Schlachtfeld stolpern. Das dürfte vermutlich ganz im Sinne des Zuschauers sein. Der wird nicht nur Zeuge schießwütiger Kampfeinsätze, sondern darf sich auch an so manch explodierendem Zombieschädel und genug blutigen Einschusswunden erfreuen.
 
 
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Hektik und grausames Auslöschen soll in RE-KILL Unterhaltungswert beschweren. In diesem Streifen läuft alles in rasender Geschwindigkeit ab. Die Kamera kommt dabei nie zur Ruhe, weil sie nahezu überall sein möchte, damit der Zuschauer das Gefühl bekommt, Teil einer unaufhaltsamen Hetzjagd auf infizierte Bürger zu sein. Das bewirkt zwar anfangs ein hohes Maß an Realität und Tempo, verursacht aber so ziemlich schnell Schwindelgefühl, weil das Geschehen ausschließlich mit Hilfe von verwackelten Bildern vorangetrieben wird. Für kurze Verschnaufpausen sorgen fiktive und zynische Werbefilmchen, wie man sie auch schon in der SciFi-Actionern ROBOCOP oder STARSHIP TROOPERS zu sehen bekommen hat. Die sollen der Bevölkerung im Ausnahmezustand die schönen Dinge des Lebens vor Augen führen. Ein gefundenes Fressen für habgierige Unternehmer, die selbst noch während der Katastrophe möglichst viel Geld mit dem Ängste der Menschen verdienen wollen.
 
 
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Hinter dem etwas anderen Zombiefilm steckt der Bulgare VALERI MILEY. Dessen Arbeiten lesen sich bisher noch sehr übersichtlich. So konnte er immerhin Regie in einem Sequel der bekannten (und nicht gerade sehenswerten) Hinterwäldler-Reihe führen: WRONG TURN 6. Von den inhaltlichen Schwächen des fünften Ablegers jener Kannibalen-Hatz ist RE-KILL weit entfernt. Der Film richtet sich an all jene, denen es im Kino nicht rasant genug zugehen kann. Hier werden nicht nur minütlich hunderte von Patronen zur Vernichtung von Zombies abgefeuert; RE-KILL scheut sogar nicht mit satirischen Seitenhieben gegen das entfesselte kapitalistische System sowie unterschwelliger Kritik an die immer sensationshungrigeren Medien. In diesem Falle hat sich die lange Wartezeit gelohnt, denn der hektische Action-Mix ist wirklich nicht übel!
 
 


 
 
 

RE-KILL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schnell, schneller, RE-KILL. Rasantes Action-Zombie-Werk, das so hektisch und temporeich inszeniert wurde, dass man nach dem Abspann erstmal nach Luft ringen muss. Der Bulgare VALERI MILEY hat hier eine Art Reality-Show des spanischen [REC] zusammengeschnippelt, die durchaus Unterhaltungswert besitzt. So mixt er Found-Footage-Elemente mit im wahrsten Sinne des Wortes schwindelerregenden Zombie-Vernichtungseinsätzen, während denen man sich fragt, wie viel Munition so ein Maschinengewehr eigentlich abfeuern kann. Damit das pausenlose Auslöschen von infizierten Menschenfressern nicht zu eintönig wird, bringt RE-KILL unterschwellige Gesellschaftskritik an den Zuschauer. Die wird bissig und satirisch verpackt – ROBOCOP und STARSHIP TROOPERS lassen grüßen.
 
 


 
 
 

RE-KILL – Zensur

 
 
 
Wie es sich für Zombie-Action gehört, werden vor allem die Untoten hingerichtet und Kämpfer angefressen. Die meisten Gewaltmomente reduzieren sich auf Kopfschüsse und Einschusswunden. Weil RE-KILL derart hektisch zusammengeschnitten wurde, bekommt man viele der Spezialeffekte nur kurz zu sehen. Hierzulande reicht das für eine ungeschnittene Freigabe mit rotem FSK-Sticker: Keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

RE-KILL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
[REC] (2007)
 
RoboCop (1987)
 
Starship Troopers (1997)
 

Filmreview: „Children of Sorrow“ (2012)

Children-Of-Sorrow-2012
 
 
 

CHILDREN OF SORROW

Story

 
 
 
Zwölf Sektenmitglieder erleben die Hölle auf Erden. Sie geraten in die Fänge des psychopathischen Sekten-Gurus Simon Leach (Bill Oberst Jr.), der irgendwo in der mexikanischen Einöde ein Lager errichtet hat, wo er seine Trost suchenden Anhänger manipuliert und für eigene Zwecke missbraucht…
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Kritik

 
 
 
Wer sich in der Horrorszene etwas auskennt, dem dürfte AFTER DARK FILMS ein Begriff sein. Die Macher des Produktionshauses haben einst das legendäre AFTER DARK FILMFEST ins Leben gerufen und dort Horrorfans stets acht Gruselstreifen vorgeführt, die alljährlich unter dem Banner „8 Films to Die For“ an den Horrorfan gebracht wurden. Seit 2011 zeigt und vermarktet AFTER DARK FILMS nicht mehr nur zuvor erworbene Filme. Mit der ins Leben gerufenen AFTER DARK ORIGINALS-Reihe beweisen die kreativen Köpfe hinter AFTER DARK FILMS, dass sie auch selbst gute Filme machen können und produzieren fleißig eigene Schauerwerke, um Fans der düsteren Unterhaltung mit abwechslungsreichem Horrorstoff versorgen zu können. Viel Gutes ist seither der Produktionsstätte entsprungen, das sogar auch den Weg zu FILMCHECKER gefunden hat. Nach sehenswerten Streifen wie dem mysteriösen Terrorfilm RITUAL oder dem düsteren DARK CIRCLES war es nur eine Frage der Zeit, bis der aktuellen ORIGINALS-Staffel auch ein Rohrkrepierer folgen sollte. CHILDREN OF SORROW heißt der Blödsinn, der von JOURDAN MCCLURE inszeniert wurde und nicht einmal ansatzweise das anständige Niveau der genannten AFTER DARK-Filme erreicht. Dass MCCLURE eigentlich was kann, konnte er bereits mit ROGUE RIVER (wir berichteten) zeigen. Der wurde hier in Deutschland ums Gröbste erleichtert und hat es nur geschnitten in den Handel geschafft. Auch wenn MCCLURES erster Horrorfilm mit Sicherheit kein kultverdächtiges Genrekino gewesen ist, konnte es aber durch solide Spannung und grafischen Gemeinheiten überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes gemein ist hingegen das, was er uns mit seinem neusten Nonsens unterzujubeln versucht.
 
CHILDREN OF SORROW ist natürlich kein weiteres, überflüssiges Sequel aus der beliebten KINDER DES ZORNS-Serie, die nunmehr mit neun Filmen zu fragwürdiger Bekanntheit gekommen ist. Regisseur JOURDAN MCCLURE und Drehbuchautor RYAN FINNERTY haben hier was Eigenes zu Papier gebracht, was der Thematik von den zornigen Kindern jedoch nicht unähnlich ist. Es geht um Ellen (HANNAH LEVIEN), die endlich wissen will, was mit ihrer Schwester passiert ist. Die hatte so einige Problemchen im Leben, setzte sich nach Mexiko ab und wurde nie wieder gesehen. Nach einigen Recherchen findet Ellen heraus, dass sich die Schwester einer ominösen Sekte angeschlossen hat, die im Internet fleißig die Werbetrommel rührt, um labile Persönlichkeiten für ein besseren Leben in der „Gemeinschaft“ zu gewinnen. Natürlich schließt sich die Suchende der Sekte an und hofft dort einige Informationen über den Verbleibt des verschollenen Familienmitglieds zu erhalten. Dennoch kommt alles anders als erwartet. Sektenguru Simon Leach (BILL OBERST JR.) ist nämlich ein ganz durchtriebener Spinner. Der wäscht seinen „Brüdern“ und „Schwestern“ gleich mal die Gehirne und missbraucht deren Vertrauen für eigene Zwecke. Da CHILDREN OF SORROW im Horrormilieu angesiedelt ist dürfte klar sein, dass seine Machtspielchen nicht unblutig zelebriert werden. Die Mitglieder werden gedemütigt, gegeneinander aufgehetzt, zersägt, angebohrt und püriert, wobei Leach alles fein sauber auf Filmmaterial festhält, um gutes Werbematerial für seine Sekte ins Netz stellen zu können. Das ist am Ende auch bitter nötig, schließlich braucht der Fanatiker nach seinem unkontrollierten Blutrausch neue Anhänger, die seinen Botschaften Glauben schenken sollen.
 
Immer dann wenn man glaubt, dass bestimmte Filmmethoden in Vergessenheit geraten sind, kommt eine immer wieder zurück: Found Footage. CHILDREN OF SORROW ist der gefühlt 3000ste Film dieser Art, der sich der Wackelcam-Methode bedient, um möglichst authentisch zu wirken. Nun gut, CHILDREN OF SORROW kommt mit reichlicher Verspätung in die Wohnzimmer. Der Streifen wurde bereits 2012 fertiggestellt und sollte eigentlich zu einer Zeit in die Kinos gebracht werden, als sich Found Footage wie eine Plage durch die Filmwelt gefressen hat. Leider gehört CHILDREN OF SORROW zu den eher schlechten Vertretern innerhalb des Wackelkamera-Genres, was vermutlich auch die verspätete Veröffentlichung begründet, schließlich ist es in der Kinoszene nicht selten der Fall, dass Starttermine von Horrorstreifen auf unbestimmt Zeit verschoben werden, wenn Filme vermasselt wurden. Das Problem in MCCLURES Machwerk liegt darin, dass es zwar pseudo-dokumentarisch umgesetzt wurde und eine gewisse Authentizität vorheucheln will, aber zu keiner Zeit glaubhaft ist. Hierbei will der übertrieben gewalttätige zweite Teil der Handlung leider nicht zum Rest des Filmes passen, zumal BILL OBERST JR. in der Rolle des Sektenführers Simon Leach vollkommen deplatziert wirkt. Der ist mit seinem vernarbten Gesicht und der künstlichen Art weder vertrauenerweckend, noch charismatisch, so dass am Ende nicht einleuchten will, warum die zwölf Mitglieder seinen Botschaften noch folgen und ihn nicht mit vereinten Kräften versuchen zur Strecken zu bringen.
 
CHILDREN OF SORROW folgt dem befremdlichen Alltag von Andersdenkenden. Jedes der Mitglieder hat so seine Probleme mit dem Selbstwertgefühl, was Sektenleiter Leach anfänglich mit allerhand schwachsinnigen Spielen zu steigern versucht. Die Anhänger halten Händchen, fangen sich gegenseitig auf, kritzeln aufbauendes Süßholzgeraspel auf Papier und bekunden ihre innige Liebe zueinander. Dabei wird das behäbige Geschehen in verwackelte Bilder getaucht, die dem Zuschauer relativ schnell Kopfschmerzen bescheren werden. Saubere Schnitte oder gar eine musikalische Untermalung gibt es nicht, dafür dutzende Interviews am Stück, in denen die Mitglieder ihre Schicksale und Fortschritte schildern. Was den Anhängern ziemlich förderlich für das eigene Ego ist, entwickelt sich jedoch für den Zuschauer zur schläfrigen Angelegenheit, denn eigentlich will (mal abgesehen vom Ende) in CHILDREN OF SORROW nichts Ereignisreiches passieren. Immerhin gibt es nach einer Stunde zuckersüßem Gutmenschgequassel eine Wendung, damit zumindest die Horrorfraktionen mit reichlich derbem Quatsch zufriedengestellt werden kann. Regisseur und Mitdrehbuchschreiber JOURDAN MCCLURE legt den Filmhebel um und aus dem vermeintlich gutherzigen Sektenoberhaupt Leach wird eine gerissene Mörderbestie, die sich an den gefügig gemachten männlichen Mitgliedern sexuell vergeht und zur Abschreckung mordet. Diejenigen, die die Botschaften des Führers hinterfragen und flüchten wollen, werden mit dem Schrottgewehr mundtot gemacht. Der Rest durchlebt die Hölle auf Erde, wobei Erlösung nur der Tod bringen kann. Trotz guter Ansätze bleibt am Ende Unverständnis, was MCCLURE eigentlich mit seinem Found Footage-Terrorflick bezwecken wollte. Wurde sein Zweitwerk nur aus Gründen der Zweckhaftigkeit gedreht, um die niederen Instinkte der Horrorfans befriedigen zu können oder wollte der Filmmacher mit seinem CHILDREN OF SORROW eine kritische Botschaft über Sektenunwesen an den Zuschauer bringen. Fakt ist, dass der aktuelle AFTER DARK ORIGINALS-Beitrag ganz schön einfältiger Quatsch mit Soße und über weite Strecken sogar auch noch ziemlich langweilig ist. Zudem kommt der Fan für grobe Gewaltspitzen nur bedingt auf seine Kosten, denn die grafischen Raffinessen werden meist nur angedeutet und im Off gefeiert. Ausnahme-Regisseur TI WEST (THE INNKEEPERS) hat mit THE SACRAMENT übrigens einen ähnlichen Streifen gedreht. Wer die Qual der Wahl hat sollte sich auf jeden Fall für dessen Beitrag entscheiden, denn CHILDREN OF SORROW kann leider gar nix, außer auf den Nerv gehen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierender Filmalbtraum mit Einschlafgarantie. CHILDREN OF SORROW ist weiteres Material aus der AFTER DARK Filmschmiede, das leider etwas aus der Reihe tanzt. Im Vergleich zu den letzten AFTER DARK ORIGINALS-Beiträgen ist CHILDREN OF SORROW eine einzige Enttäuschung. Dem Filmfan erwartet viel Langeweile, kaum Spannung und ne Menge unglaubwürdig agierende Protagonisten, deren Handlungen zu keiner Zeit nachvollziehbar sind. Dafür gibt’s viel planloses Kameragewackel und gratis Kopfschmerzen, die bei Found Footage-Filmen eigentlich immer inklusive sind. Wer keine Kopfschmerzmedikamente im Haus hat, sollte sich einen Gefallen tun und CHILDREN OF SORROW meiden. Der mutige Rest wird aber kann schnell merken, dass Wackelkamera-Filme allmählich aus der Mode kommen, weil man die ewig gleichen Mechanismen einfach nicht mehr sehen kann und möchte.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Zensur

 
 
 
Es dauert eine Weile bis der Zuschauer in CHILDREN OF SORROW Gewalt zu sehen bekommt. Die wird meist aber nur angedeutet oder unter hektischem Kameragewackel gezeigt, so dass man kaum erkennen kann, was da auf der Mattscheibe passiert. Es werden tote Körper in einem Fass in kleine Stücke zerteilt, Köpfe angebohrt und Konservendeckel zweckentfremdet. Hört sich alles grausamer an als es ist, reicht aber immerhin für eine ungeschnittene FSK18. CHILDREN OF SORROW wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit rotem KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der letzte Exorzismus: The Next Chapter (2013)
 
Red State (2011)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
The Sacrament (2014)
 

Filmreview: „Ritual“ (2013)

Ritual-2013
 
 
 

RITUAL

Story

 
 
 
Ein junges Pärchen hat eheliche Problemchen: Die Liebste geht fremd und gerät dabei versehentlich an ein Sektenmitglied, das sie in einem schmuddeligen Motel im Affekt niedersticht. Gatte Tom soll es richten und beseitigt das Nötigste. Die Vorkehrungen nützen aber nicht viel, denn der Rest der okkulten Bande hat längst Witterung aufgenommen …
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Kritik

 
 
 
RITUAL ist wieder ein Film mit großer Verwechslungsgefahr. Wer ein wenig im Genre bewandert ist, dürfte sich bei diesem Titel direkt an den 2002 veröffentlichten Spielfilmausflug der beliebten TALES FROM THE CRYPT-Serie zurückerinnert fühlen. Hier ist jedoch nicht der kultige Cryptkeeper am Start; vielmehr handelt es sich bei diesem Horrorfilm um ein weiteres Werk aus der beliebten AFTER DARK FILMS Horrorschmiede. Die hat nun schon einige höchst sehenswerte Gruselhits hervorgebracht und mit dem kultigen AFTER DARK HORRRORFEST ein Festival im Petto, das für Anhänger des Phantastischen Films zum alljährlichen Pflichttermin geworden ist. Nun folgt nach Eigenproduktionen wie DARK CIRCLES und RED CLOVER blutiger Nachschub für all jene, die einfach nicht genug von Home- und Hotelinvasionen bekommen können. Der Titel ist hierbei nur irreführende Deko, denn auch wenn RITUAL eigentlich Okkult-Horror vermuten lässt, sind die Wurzeln doch eher im Terror- und Invasion-Genre zu suchen. Mit MICKEY KEATING sitzt mal wieder ein Neuer auf dem Regiestuhl. Im Horrorfilm ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass sich hier ambitionierte Newcomer im Filmemachen ausprobieren wollen. Viele von Ihnen schaffen sogar das Unmögliche und erkämpfen sich einen anerkannten Namen in der Horrorszene. Auch KEATING könnte das gelingen, denn mit RITUAL präsentiert er dem Zuschauer nicht nur spannungsgeladenen Psychohorror (übrigens: Drehbuch schrieb KEATING selbst); sein Schaffen wurde in Amerika sogar unter der Fuchtel von LIONSGATE vermarktet – jenes Label, das der berüchtigten SAW-Saga und dem damals noch unbekanntem JAMES WAN (SAW, THE CONJURING) zu internationalem Ruhm verholfen hat.
 
In RITUAL macht der Zuschauer Bekanntschaft mit Tom (DEAN CATES), der einen merkwürdigen Anruf von seiner Frau (LISA MARIE SUMMERSCALES) erhält. Die ruft ihren Gatten unter Tränen zu einem kleinen Stundenhotel im Nirgendwo. Als er dort ankommt, macht er eine grausige Entdeckung: Die Liebste hat in einer Bar einen Unbekannten aufgegabelt und selbigen im Motelzimmer niedergestochen, weil er ihr Böses wollte. Nachdem sich der Betrogene vom ersten Schock erholt hat, folgt auch gleich der zweite. Denn im Kofferraum des erdolchten Fieslings findet das Paar eine Videokamera, auf deren Band ein Mord zu sehen ist, der den beiden eine Heidenangst einjagt. Was folgt ist das übliche Horrorgeplänkel, was zwar nicht gerade vor Innovationen strotzt, aber dem Filmfreund solide Spannung bietet. Der versehentlich Ermordete gehört zu einem ominösen Clan von Masken tragenden Fanatikern, die nichtsahnende Menschen opfern und die Verbrechen auf Video festhalten.
 
Ist RITUAL ein neues Sequel aus dem MOTEL-Universum? Bereits 2007 kam mit MOTEL ein ähnlicher Terror-Streifen in die weltweiten Kinos und lies wenig später ein überflüssiges Video-Prequel folgen, das aber nicht einmal annähernd dem Vorgängers das Wasser reichen konnte. In MOTEL wurde ein gestrandetes Pärchen zu unfreiwilligen Statisten eines Snuff-Movie-Drehs, der von den Inhabern einer schäbigen Raststätte initiiert wurde. So ähnlich geht es auch in RITUAL zugange, nur mit dem Unterschied, dass aus perversen Rasthaus-Besitzern kurzum satanistische Sektenanhänger werden, die ihre Opfer gut und gerne mal einen Kopf kürzer säbeln. Welche Beweggründe die Gruppe für ihr Handeln besitzt bleibt ungeklärt, schließlich braucht KEATING ja noch Stoff für eine mögliche Fortsetzung, die im Falle seines günstig gedrehten Erstlings nicht lange auf sich warten lassen dürfte. Auch wenn RITUAL kaum Überraschungen für den erfahrenen Filmfan bereithält, muss man KEATING für die saubere Umsetzung loben. Der Film beginnt unscheinbar und mausert sich zu Terrorkino par excellence. Wie bereits in THE STRANGERS (2008) besitzen die Hauptdarsteller ihre Problemchen untereinander und werden wenig später von Masken tragenden Unbekannten wortlos durch das Gelände gescheucht. Regisseur MICKEY KEATING fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Er lässt seinen Helden genügend Zeit, die verzwickte Situation zu erkunden. Dann erst schlägt er knallhart zu und lädt zum obligatorischen Terror-Stelldichein. Die Helden müssen allerhand Boshaftigkeiten über sich ergehen lassen und erfahren nur in Häppchen, was ihnen bald blühen wird. Ebenso ergeht es auch dem Zuschauer, der sich genauso unwissend wie die Opfer durch die unbequeme Szenerie quälen muss und erst kurz vor Ende mit der Auflösung des (zugegebenermaßen äußerst vorhersehbaren) Puzzles konfrontiert wird. Bis dahin weiß der durchweg packende Thriller solide und kurzweilig zu unterhalten, denn wie man Suspense in Reinform auf Zelluloid bannt hat KEATING definitiv verstanden.
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
THE STRANGERS meets MOTEL. RITUAL ist ein atmosphärischer und spannungsgeladener Terrorfilm der alten Schule. Nach mysteriösem Beginn wird die Spannungsschraube fast schon minutiös fester gedreht. Zwar erfindet KEATING mit seinem Erstling das Rad nicht neu; er versteht aber wie man altbekannte Genre-Zutaten raffiniert mixt, damit das ewig gleiche Filmthema eine peppige Würze erhält. RITUAL ist wie gemacht für die große Leinwand und dürfte vermutlich auch nur dort das ganze Potenzial entfalten können. Schade nur, dass sich wahrscheinlich hierzulande kein Label dazu erbarmen wird diesen kleinen Indie ins Kino zu bringen.
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Zensur

 
 
 
Wie es sich für einen waschechten Terror- und Invasionsflick gehört, gibt es auch in RITUAL einiges an blutigen Gemeinheiten zu sehen. Die Momente sind aber rar gesät, reichen aber immerhin für eine ungeschnittene FSK-Freigabe. RITUAL dürfte hierzulande mit rotem KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

RITUAL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Motel (2007)
 
Motel: The First Cut (2009)
 
The Strangers (2008)

Filmreview: „Dark Circles“ (2013)

Dark-Circles-2013
 
 
 

DARK CIRCLES

Story

 
 
 
Penny (Pell James) und Alex (Jonathan Schaech) sind glückliche Eltern. Nach der Geburt des ersten Sohnes gibt Alex seinen Job auf und man zieht in ein hübsches Haus weit draußen auf dem Land. Doch der Sohnemann will einfach nicht schlafen. Immer wieder wacht er in der Nacht auf und die Eltern wissen keinen Rat. Bald schon fühlt sich Penny von einer unheimlichen Präsenz bedroht. Spukt es in den heimischen vier Wänden oder ist das alles nur Einbildung, die auf chronischen Schlafmangel zurückzuführen ist?
 
 
 


 
 
 

DARK CIRCLES – Kritik

 
 
 
Wenn sich Nachwuchs ankündigt und das neue Familienmitglied dann endlich von den glücklichen Eltern in die Arme genommen werden kann, ist das vermutlich der schönste Tag einer jeden liebenden Mutter und eines jeden stolzen Vaters. Die Zeit nach der Geburt ist eine der besonderen Momente, die neue Eltern nicht selten enorm Geduld kostet. Gerade dann, wenn Sohnemann oder Tochter nicht zur Ruhe kommen möchte und die Familienangehörigen mit Dauergeschrei allmählich in den Wahnsinn getrieben werden, wird das Elternglück schnell zum Albtraum. Auch die Helden in DARK CIRCLES haben sich die Geburt ihres Kindes ganz anders vorgestellt. Mit dem Bezug eines kleinen Hauses auf dem Land scheint für Penny und Alex alles perfekt. Doch der Familienzuwachs macht den Anwesenden das Leben zur Hölle. Des nachts erwacht er alle 15 Minuten unter kläglichen Geschrei und raubt den Eltern Schlaf und Nerven. Die finden kaum noch nächtliche Erholung und beginnen Dinge zu sehen, die sich nicht so einfach erklären lassen. Schnell ist das Maximum erreicht und man beginnt aus Schlafmangel heraus zu halluzinieren, was beim Zuschauer und den Protagonisten ausreichend Verwirrung stiftet und dem Film unglaublich förderlich ist. Fiktion lässt sich bald nicht mehr von Realität unterscheiden. Während Alex im Haus immer wieder auf verbrannte Puppen stößt, sieht sich Penny von einer unheimlichen Unbekannten verfolgt, die sich sogar einen Weg in ihre (Tag)Träume bahnt. Die Beziehung des Paars wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Bald schon beginnt man einander zu misstrauen – paranoid zu werden; klare Entscheidungen können kaum noch gefällt werden.
 
Das raffinierte Umherswitchen zwischen grotesken Halluzinationen, Träumen und erschütternder Realität ist das eigentliche Geheimnis von DARK CIRCLES. Dieser Mix wirkt derart gut konstruiert, dass die undurchsichtigen Gegebenheiten bald nicht nur die Protagonisten verwirren, sondern ebenso den Horrorfilmfreund, der schon bald nicht mehr logisch nachvollziehen kann, was DARK CIRLES denn nun eigentlich sein will. Ist alles Einbildung, die auf Schlafmangel zurückzuführen ist oder beginnt es wirklich im neuen Haus zu spuken? Ist DARK CIRCLES eine klassische Spukgeschichte oder handelt es sich um ein ernüchterndes Drama zweier überforderter Eltern? Eine Rätsel, dass Regisseur PAUL SOTER (CLUB MAD, EIN DUKE KOMMT SELTEN ALLEIN) bis zum Ende gut zu verschlüsseln weiß. SOTER, der sich bisher mit eher leichten Komödie über Wasser halten konnte und nun mit DARK CIRCLES einen ernsthaften (und vollkommen witzfreien) Horrorfilm zaubert, beweist mit seinem ersten Genre-Film, dass er durchaus wandelbar ist und sich in keine Schublade stecken lässt. Der Film ist stimmig, gruselig und ziemlich schnörkellos abgedreht. Die gemächlich erzählte Geschichte lässt sich viel Zeit für die beiden Filmhelden, deren Geisteszustand sich rapide zu verändern beginnt. Der chronische Schlafmangel ist Mutter und Vater ins Gesicht geschrieben. Die tiefen Augenringe sprechen Bände, wobei selbige auch treffend den Filmtitel umschreiben: DARK CIRCLES – zu Deutsch: Augenringe.
 
Mit DARK CIRCLES bekommt der Zuschauer einen klassischen Horrorfilm präsentiert, der eher unscheinbar beginnt und dessen Intensität sich im Verlauf der Geschichte zum einem beängstigenden Szenario entwickelt. Vermutlich sei die Bezeichnung Horrorfilm für diesen Beitrag auch eher unglücklich gewählt. DARK CIRCLES ist lupenreine Mystery für Filmfreunde, die gern subtiles Schaudern auf der Mattscheibe haben. Wirklich blutiges wird DARK CIRCLES nie. Stattdessen wird das Unbehagen mit einfachen Mitteln bewirkt: finstere Schatten, wackelige Bilder des Baby-Überwachungsmonitors und gruselige Kamerafahrten durch die Gänge des Hauses.
 
DARK CIRCLES ist ein eigens unter dem Banner AFTER DARK ORIGINAL produzierter Schocker, der sich durchaus sehen lassen kann. Bisher wurden auf dem amerikanischen AFTER DARK FILMFEST in Toronto ausschließlich fremdfinanzierte Produktionen vorgeführt, die alljährlich unter dem Slogan 8 FILMS TO DIE FOR unzählige Horrorfilmfans zu begeistern wussten. Jetzt produziert das Horrorfest selbst. Waren die letzten dieser hauseigenen Beiträge (AREA 51, THE TASK) eher von durchschnittlicher Qualität, knüpft der aktuelle Film an die grandiosen Anfangszeiten des Indie-Filmfestivals an. Hoffentlich bleiben die kommenden Veröffentlichungen der selbst produzierten AFTER DARK ORIGINAL-Reihe auf gleichem Level, damit sich der Zuschauer auch weiterhin auf vielfältige Werke aus dieser Sparte freuen kann.
 
 
 


 
 
 

DARK CIRCLES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Gefangen in einem Wach-Albtraum. Während die Kids in A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) auf Biegen und Brechen den Schlaf fürchten und nicht nächtigen wollen, würden die Helden in DARK CIRCLES allzu gern schlafen, können es aber nicht. Ein filmisch wunderbar gelöstes Verwirrspiel beginnt, dass spannend bis zur letzten Minute bleibt. DARK CIRCLES ist Mystery, so wie er sein soll: gruselig, reich an Schocks und packend!
 
 
 


 
 
 

DARK CIRCLES – Zensur

 
 
 
Bis auf einen Kehlenschnitt lebt DARK CIRCLES von seiner subtilen Atmosphäre. Hier wird der Schlafmangel und die damit resultierenden Halluzinationen der beiden Protagonisten zum Thema gemacht. Im Film selbst wird sich dabei eher auf das „Erschrecken“ des Zuschauers konzentriert, so dass die Gore-Fraktionen nichts Bedeutsames zu Gesicht bekommen wird. DARK CIRCLES wird frei ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

DARK CIRCLES – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Nightmare on Elm Street (1984)

Inside – À l’intérieur (2007)

Die Wiege des Bösen (1974)

Die Hand an der Wiege (1992)