Filmkritik: „Skinner …lebend gehäutet“ (1991)

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SKINNER … LEBEND GEHÄUTET

(POPCORN)

Story

 
 
 
Ein Gesichter wechselnder Killer lässt auf unübliche Weise die Besucher eines William Castle-Marathons über die Klinge springen.

 
 
 


 
 
 

SKINNER – Kritik

 
 
Sphärisch spukende Klänge addieren sich mit beunruhigendem Uhrenticken und eingelegten Gesichtern zu verzerrt surrealen Schreckensbildern, als eine junge Frau, Maggie, wiederholt von Explosionen, dem Tod und einem mysteriösen Mann träumt. Eine Szene später, zum schmissigen Soundtrack, geht’s dann zu Pony und wahnsinnige Hemden tragenden Kommilitonen aus dem Film Department der University of California, die an einem Horrorfilm-Allnighterprogramm arbeiten, in dem den William Castle-Gimmickstreifen, 50er-Jahre Monsterfilmen und allgemein älterer B-Moviekost Tribut gezahlt werden soll. Die Studentengruppe ist dabei realistisch eingefangen, charismatisch gespielt und erlaubt es dem Zuschauer bestens, sich mit den Charakteren zusammen auf das Event zu freuen und Identifikationspotential zu finden.
 
 
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„Dr. M’s movie memorabilia shop“ stellt die nächste Station der Exposition dar und liefert sehr spaßiges Schauspiel von Ray Walston, einen groovigen Reggae-Soundtrack, weitere waghalsige Hemden sowie geschickt und unterhaltsam montierte Vorbereitungsimpressionen später ist nach gerade einmal 13 Minuten Film bereits alles soweit eingerichtet und das Event kurz davor, gestartet zu werden. Der Fund einer scheinbaren Horror-Filmrolle samt blutiger 60s acid-Massenmord-Vorgeschichte triggert Maggies Trauma, scheinbar hat ein gewisser Lennard Gates damals live vor den Zuschauern seine Familie ermordet und dann das Kino niedergebrannt…
 
 
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Mit dieser Vorgeschichte, einem Haufen absolut liebevoll, kreativ, originalgetreu und witzig inszenierter Fake-Horrorfilme aus den früheren Jahrzehnten, Meta-Spielereien, Slasher-Whodunnit-Einschlag und ziemlich einzigartigen Morden versehen, rotiert „Popcorn“ ziemlich schnell einen ganzen Haufen voll Teller, übernimmt sich dabei aber nie. Rätsel- sowie Verlaufsspannung kommen gleichermaßen auf und dank Nebelschwaden, Synthesizern und eines nachvollziehbaren Settings auch stellenweise leicht gruselige Atmosphäre, in erster Linie bleibt dieser Titel aber hängen, weil er einfach eine gute Stunde lang einfach nur Spaß macht. Für Retrohorrorfans gibt es zahlreiche Referenzen, Anspielungen, Zitate und Merchandise-Produkte zu entdecken, Giallo-Fans dürften an den Spielen mit Licht & Schatten, den Silhouetten und Puppen und dem Whodunnit ihren Spaß haben und wenn Tarantino in einem seiner Interviews über Jackie Brown vorschlägt, den Film einfach zum Chillen zu Gucken wenn man keine Freunde da hat, aber was Trinken und Viben will, dann kann ich „Popcorn“ in dem Sinne absolut empfehlen wenn man Lust auf ein Filmfestival, auf eine Nerd-Orgie von Fans für Fans, auf eine gesellige Filmguckrunde hat: Denn anstrengend intelektuell werden die Reflektionen über Zuschauer und die vierte Wand nie, was bietet sich also besser an als sich ohne falschen Scham mit in die Reihen zu drängen die aus johlenden, gackernden, trinkenden, singenden, kostümierten Fans besteht und sich das Horrorspecial zur reinen Belustigung anschaut, ohne sich dem umgebenden Grauen gewahr zu sein.
 
 
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Es gibt einen Pseudo-Jumpscare der tatsächlich witzig ist, einen funktionierenden Running Gag, einige Minuten Reggae-Konzert mit gut abgemischten Tracks und Partystimmung pur, irrwirtzige Szenen im handgemachten Mosquito-Horror-Film-im-Film und inmitten dieser charmanten Liebeserklärung wird dann noch ein mysteriöser, sein Gesicht regelmäßig wechselnder oder gut handgetrickst abziehender Killer aktiv, der, bei allem Humor, ziemlich erbarmungslos vorgeht. Nach etwa 50 der 90 Minuten Laufzeit bemerken auch die Protagonisten, dass etwas im Kino nicht mit rechten Dingen zugeht und nach dem Stromausfall macht die Reggaebang wieder Party, dazu kommen die psychdelischen Traumsequenzen zurück und eine dicke, twistende Offenbarung wird entdeckt – was für ein absolut feierbares Midnight-Movie doch!
 
 
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Eine Kick-Ass Szene mit starken Frauen in der Kinolobby, ein Horror-Insert mit gruseligem Gesicht und ein fieser Kill bestätigen diesen, überwältigend positiven Eindruck des Films noch, doch in den letzten 20 Minuten geht dieser rabiaten, mit Fanservice gespickten Horror- und Kino-Hommage mit spielfreudigem Cast und schierer Kurzweil als Hauptattraktion dann leider doch etwas die Luft aus: Der Killer kriegt zu lange, zu peinliche, zu entmystifizierende Szenen mit kindischem Overacting und macht sich lächerlich, die schlechten Wortwitze zu den jeweiligen Kills haben es zwar schon angedeutet, nie aber war es bisher so drüber. Das Finale ist konstruiert bis zum geht nicht mehr und passt somit bestens in die Kino/Filmset-Kulisse, doch nach so kreativen und teils überraschenden 80 Minuten hätte ich schon etwas Wilderes erwartet als das zu standartisierte, wenig selbstreferenzielle Happy End, in dem selbst der gute alte „Gürtel als Seilbahn nutzen“-Trick nicht fehlen darf. Für diese leichten Ausbremser und Probleme im letzten Akt gibt es Punktabzug – trotzdem noch ein höchst unterhaltsamer Horrorspaß und Genremix, der als Filmfan nur zu empfehlen ist.

 
 


 
 
 

SKINNER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Das Regiedebüt des Porky’s-Darstellers Mark Herrier ist überraschend amitioniert, aufwendig produziert, witzig, gut getrickst, voller Referenzen an eine vergessene Kino-Ära und höchst kurzweilig – eine leicht blutige, leicht witzige, dauerhaft kreative Kinobesuch-Simulator-Wundertüte zum Rudelgucken, die aber auch gut genug ist um alleine genossen werden zu können.
 
 


 
 
 

SKINNER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Skinner …lebend gehäutet“ kam ungekürzt auf Videokassette heraus, landete aber 1992 auf dem Index. Erst Ende 2016 wurde der Film von dort gestrichen. Nun wurde der Film neu geprüft und erhielt in ungeschnittener Form eine Freigabe ab 18 Jahren. Alle Blu-ray-Veröffentlichungen sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SKINNER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (Blu-ray KeepCase – Erstauflage)

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(c) CMV Laservision (Blu-ray KeepCase – Zweitauflage)

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(c) CMV Laservision (Blu-ray Mediabook Cover A)

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(c) CMV Laservision (Blu-ray Mediabook Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Popcorn; USA 1991

Genre: Horror, Thriller, Komödie

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabooks

Extras: Original Trailer und TV-Spots, Umfangreiche Bildergalerie, Programmtrailer | zusätzlich im Mediabook: Booklet + Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook 24.11.2017 + 08.12.2017 | KeepCase Erstauflage:
24.11.2017 | KeepCase Zweitauflage: 30.10.2020

 

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SKINNER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV Laservision)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Behind the Mask (2006)
 
Im Augenblick der Angst (1987)
 
Freddy’s New Nightmare (1994)
 
Reise zurück in der Zeit (1988)
 
Dämonen 2 (1985)
 

Filmkritik: „Children Shouldn’t Play with Dead Things“ (1972)

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CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS

Story

 
 
 

Alan, ein verwirrter Theatermacher, der sich eher als Sektenguru versteht, schippert mit seiner Truppe auf eine Insel in Florida. Dort erzählt er seinen Schäfchen, die er als seine Kinder bezeichnet, Horror-Stories über die früheren Bewohner des Eilands. Als die Schauspieler danach doch noch hinbekommen, irgendwann ein Auge zuzumachen, beschwört der Verrückte mit einem Zauberbuch die Toten auf dem Friedhof. Das lässt sich nicht gut an und schon müssen sich die Anwesenden mit dem auferstandenen Ergebnis der schwarzmagischen Experimente ihres Vorsitzenden herumschlagen.

 
 
 


 
 
 

CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Kritik

 
 
 
Nach dem quasi verschollenen Transvestiten-Exploiter SHE-MAN, anno 1967 war das, beginnt mit CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS im Jahr 1972 die eigentliche Karriere des Bob Clark. Wir sind uns beinahe sicher, in unserem Blog schon einmal das Hohelied auf diesen erstaunlichen amerikanischen Regisseur angestimmt zu haben. Macht aber nichts. Kann man gar nicht oft genug tun. Es ist fast nicht zu glauben, dass der gleiche Mensch für Filme wie die Sexklamotte PORKY’S, das Original von BLACK CHRISTMAS, die perfekte Komödie FRÖHLICHE WEIHNACHTEN („Du wirst Dir ein Auge ausschießen!“) und nebenbei mit VERSCHWÖRUNG IM NEBEL den vielleicht besten Film über Sherlock Holmes und obendrein auch noch Jack The Ripper verantwortlich zeichnet. Unter anderen.
 
 
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In späteren Jahren lässt die Qualität nach und Clark arbeitet vermehrt fürs Fernsehen. 2007 wird der arme Kerl von einem besoffenen Raser totgefahren.
CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS ist eine im höchsten Maß kostengünstig und schnell gedrehte Seltsamkeit von Horror- und Zombiefilm, die vor und hinter der Kamera den Geist der ausgehenden Hippiezeit versprüht. Eine Zeitkapsel, wie wir an dieser Stelle so gerne schreiben. Zwei Wochen Drehzeit und 50.000 Schleifen Budget reichen aus. Faszinierend, was in jenen Jahren an Kreativität möglich ist. In der Hauptrolle des irren Theaterchefs knallchargiert Alan Ormsby, der gemeinsam mit Bob Clark auch das minimalistische Drehbuch schreibt und noch oft mit ihm arbeiten wird. Seine bescheuert schillernd Figur pendelt zwischen dem unvermeidlichen Charles Manson und einem sehr von sich überzeugten Provinz-Intendanten. Der Film nimmt sich trotz der schaurigen Prämisse nicht unbedingt ernst. Das fällt äußerst positiv ins Gewicht. Man kann sogar sagen, hier handelt es sich um einen der direkten Vorfahren von rüden Horrorkomödien wie RETURN OF THE LIVING DEAD (wenigstens noch lustig) und viele Jahre später auch der Unzahl überflüssiger „ZomComs“, die wie Unkraut aus den Regalen sprießen.
 
 
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CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine Horde haariger Filmkünstler improvisiert sich durch die Nacht. Ebenso ein Dokument über die Siebziger-Jahre-Glanzzeit unabhängigen Genrefilm-Machens wie ein Beweis für das schon damals überschäumende Talent des Bob Clark, gehört CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS in das Archiv eines jeden Horror Hounds, der etwas auf sich hält.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Zensur

 
 
 
CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS wurde kurioserweise erst 2005 erstmalig durch den Anbieter CFA Copernikus Film Distribution in Deutschland veröffentlicht. Bisher waren alle DVD-Veröffentlichungen des Film ungeschnitten und ungeprüft. Nach der ersten Blu-ray-Veröffentlichung im Mediabook hat das Label NSM RECORDS genannten Klassiker erstmalig der FSK vorgelegt. Diese attestierte dem Film in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren. Nun kann CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS ohne Probleme in Deutschland verkauft werden ohne eine Indizierung oder Beschlagnahme fürchten zu müssen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover E – auf 222 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover F – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Children Shouldn’t Play with Dead Things; USA 1972

Genre: Horror, Fantasy, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Originaltrailer, Bildergalerie, Radiospot | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit Text von Mike Blankenburg und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 30.04.2019 | KeepCase: 31.07.2020

 
 
NSM hat 2019 sechs limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Juli 2020 kann man CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten.
 
 

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Children Shouldn’t Play with Dead Things [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Children Shouldn’t Play with Dead Things [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Children Shouldn’t Play with Dead Things [Mediabook – Cover D] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Children Shouldn’t Play with Dead Things [Mediabook – Cover E] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Toll treiben es die wilden Zombies (1988)
 
Verdammt, die Zombies kommen (1985)
 
Dance of the Dead (2008)
 

Filmkritik: „Deranged – Geständnis eines Necrophilen“ (1974)

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DERANGED – GESTÄNDNIS EINES NECROPHILEN

(DERANGED | BESESSEN | DERANGED: CONFESSIONS OF A NECROPHILE)

Story

 
 
 

Ezra Cobb lebt mit seiner Mutter in einem grässlichen Haus in den amerikanischen Hinterwäldern. Als die Frau Mama dies‘ irdische Jammertal verlässt, fackelt Ezra, übrigens ein auch nicht mehr ganz so junger Bursche, nicht lange und buddelt sie wieder aus. Das Leben könnte harmonisch weitergehen, hätte die Biologie nicht den Prozess der Verwesung in petto. Muttern bleibt nicht lang an einem Stück und Ol‘ Ezra steht unter Zugzwang, bevor seine Mutter, doch sowas wie die einzige Freundin in der Not, nur noch schleimiger Pilzmatsch ist. Also geht’s schwuppdiwupp zurück zum Gottesacker, wo der Unhold wieder und wieder Gräber knackt und Leichen zum Ausweiden klaut. Bald ist das Cobb’sche Domizil mit anliegender Scheune ein wahres Museum der amerikanischen Handwerks- und Einmach-Kunst.

 
 
 


 
 
 

DERANGED – Kritik

 
 
 
Horror-Geeks wissen Bescheid: Ezra Cobb ist eine nur hauchdünn verdeckte Darstellung des berüchtigten Leichenräubers Ed Gein (1906-1984). Dessen bizarrer Kriminalfall ist in weiten Teilen deckungsgleich mit den Abenteuern unserer Hauptfigur hier. Muss auch wirklich ein gehirnzerbröselnder Augenblick gewesen sein. Die örtlichen Bullen, alles im ländlichen Wisconsin wohlgemerkt, kommen bei ihren Ermittlungen zu rätselhaften Grabraubtaten aufs Farmgelände der Geins und finden einen semiprofessionell zum Schlachthof umfunktionierten Schuppen, Speisekammern voller eingekochter menschlicher Organe und einen prallgefüllten Kannibalen-Kühlschrank. Möbelüberzüge, charmante Gebrauchsgegenstände des Alltags und Lampenschirme aus Knochen und Hautfetzen grinsen die dem Überschnappen nahen Staatsdiener an. Psycho-Killer Ed wehrt sich nicht, gibt bereitwillig Auskunft und wandert schließlich ein. Auch im Zuchthaus macht das Männlein durch ausgemachte Höflichkeit von sich Reden.
 
 
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Eigentlich ein armer Hund. Von einer kaputt-religiösen Mutter und einem gewalttätigen Vater von Kindesbeinen an in Richtung Irrsinn gelotst, ist Gein ein Musterbeispiel für einen Milieuschaden. Klaro, nicht jeder von den Alten Getriezte wird zum Hersteller von Unterkiefer-Aschenbechern, bei Ed hat’s aber dazu geführt. Sein Fall, wohl der erste medial ausgeschlachtete (Ha!) Serienkiller/Vollpsychopathen-Fang der Moderne, beeinflusst bis heute Literaten, Künstler und Filmemacher. Ohne den „Plainfield Ghoul“ kein „Psycho“, kein „Blutgericht in Texas“, bis hin zu den postmodernen Kolportage-Horror-Reißern Rob Zombies. Die Filmemacher Allen Ormsby und Jeff Gillen („Children Shouldn’t Play With Dead Things“) wählen für „Deranged“ die Form eines dokumentarisch anmutenden Filmporträts der Ereignisse zwischen Taten und Ermittlungen. Ein Kunstgriff aus der Orson-Welles-Trcikkiste, der den Zuschauern das Gefühl vermitteln soll, direkt Zeugen der auf der Farm geschehenen Unglaublichkeiten zu sein. Die Besetzung der Hauptfigur mit dem geachteten Charakterdarstelller Roberts Blossom (bekannt als der sich selbst verstümmelnde Handwerker in Clint Eastwoods/Don Siegels „Flucht von Alcatraz“) tut der Realitätsbezogenheit keinen Abbruch.
 
 
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DERANGED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ezra Cobb mag zwar seine Leichen geschändet haben, diese Neuauflage von „Deranged“ tut der deutschen Sprache solcherlei Grausamkeiten allerdings nicht mehr an. Aus den „Geständnissen eines Necrophilen“ des früheren Artworks hat man das blöde Werbe-C wie Citronen, Cigaretten und Chocolade entfernt wie die Crankheit, die das war! Ja, wir achten auf solche Ästhtetik-Beleidigungen. Aber auch innerlich weiß das Package zu überzeugen. „Kuratiert“ von Jörg Buttgereit, versammelt man neben der Unrated-Fassung des Films selbst, ein ganzes virtuelles Regal von Dokumentationen und Featurettes über „Deranged“ und den Fall Ed Gein. Dürfte, was diesen Film angeht, nicht mehr zu toppen sein.
 
 
 


 
 
 

DERANGED – Zensur

 
 
 
Zum 45. Jahrestag hat der Rechteinhaber WICKED VISION „Deranged – Geständnis eines Necrophilen“ zum ersten mal in HD veröffentlicht. Die im Mediabook enthaltene Filmfassung beinhaltet die Unrated-Fassung des Klassikers, welche hierzulande bereits im Jahr 2004 auf DVD veröffentlicht wurde. Zuvor gab es den Streifen nie ungeschnitten zu sehen. Damit der Film in Amerika ins Kino kommen konnte, musste er bereits vor seiner Erstveröffentlichung Federn lassen. Diverse Szenen mussten aus dem Film entfernt werden, damit „Deranged“ ein R-Rating von der Motion Picture Association of America (MPAA) erhalten konnte. Seine Deutschland-Premiere hatte der Low-Budget-Horror im Free-TV. Das war 1994 – wenn auch leider nur in einer stark gekürzten Fassung. Das änderte sich erst 2004. Dann nämlich ließ der Anbieter LEGEND FILMS die Unrated-Fassung neu prüfen und erhielt für selbige eine Freigabe ab 16 Jahren. Diese ist nun auch im Mediabook enthalten. Wer seltene Horrorklassiker mag, sollte unbedingt zuschlagen.
 
 
 


 
 
 

DERANGED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover A – auf 444 Stück limitiert)

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(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

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(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Deranged; Kanada | USA 1974

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, Audiokommentar mit Tom Savini und Calum Waddell, Audiokommentar mit Jörg Buttgereit und Dr. Gerd Naumann, Einleitung von Jörg Buttgereit, Interview mit Produzent Tom Karr, Deranged Chronicles: The Making of „Deranged“, The Ed Gein Story: Producer Tom Karr on Location, „A Blossoming Brilliance“: Scott Spiegel über „Deranged“, Ed Gein – American Maniac: True-Crime-Dokumentation, Das Sequel, das keines war: Hinter den Kulissen von „Creep“, „Kannibale und Liebe“ – Mitschnitt des Theaterstücks von Jörg Buttgereit, Kurzfilm: „Ein Moment der Stille am Grab von Ed Gein“, Original Kinotrailer, Alternativer Trailer, Teaser-Trailer, „Trailers from Hell“ mit Adam Rifkin, Trailer zu: „Kannibale und Liebe“, Bildergalerie

Release-Termin: 27.05.2019

 
 
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DERANGED – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Blutgericht in Texas (1974)
 
Maniac (1980)
 
Don’t Look In The Basement (1973)