Filmkritik: „When I Consume You“ (2021)

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WHEN I CONSUME YOU

Story

 
 
 
Ein unter steter Gewalt und Verwahrlosung aufgewachsenes Geschwisterpaar hat es gerade geschafft sich eine halbwegs stabile Perspektive aufzubauen, als die Wunden der Vergangenheit unvermittelt wieder aufgerissen werden.
 
 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Kritik

 
 
 
Der letzte Film meiner Festivalauswahl stammt aus der Feder und Regie des amerikanischen Regisseurs Perry Blackshear, dessen eindringlichen, psychologischen Charakter-Dramathriller „They Look Like People“ ich indieaffinen Genrefans nur ans Herz legen kann. Sowohl die grobe Genrebezeichnung, als auch die bewusst kleine Skalierung hat sein neuestes Werk mit dem Film aus 2015 gemein, doch während „They Look Like People“ noch vom Kontrast der Charakter seiner Hauptprotagonisten lebte und zudem einige perfekt durchkomponierte, distanzierte Einstellungen präsentierte, geht es bei „When I consume you“ noch eine gute Spur düsterer, persönlicher, eindringlicher und nahgegehender zu.
 
 

„Are you okay?“

 
 
Zu einem lauten Knall springt eine Tür auf und Daphne spuckt Blut sowie einen Zahn ins Waschbecken. Die junge Frau hat ein mysteriöses Symbol auf ihr Handgelenk tättowiert und hört einen Piepton, dann sitzt eine nackte Person mit leuchtenden Augen unvermittelt direkt vor dem Zuschauer und meine Nackenhaare haben sich innerhalb weniger Minuten aufgestellt. Willkommen bei 90 Minuten Angstzuständen.
 
 

„Evil is still out there and I will find it.“

 
 
Daphne und Wilson sind Geschwister, die nur durch gegenseitige Unterstützung eine traumatisierende und gewalttätige Kindheit, danach ihre unausgeglichenen und überstürzten Zwanziger überlebt haben. Nach Jahren der Therapie und Vergangenheitsbewältigung scheinen beide noch täglich an ihren Wunden zu knabbern zu haben, doch da Daphne erfolgreich als Project Manager einer großen Firma arbeitet und Wilson einer geregelten Existenz als Hausmeister nachkommt, neben der er auch noch eine Abendschule besucht um irgendwann Lehrer zu werden und anderen Leuten zu helfen, wagen sie es nun erstmals über eine Adoption nachzudenken. „With your history, what would you do if you were me?“ lautet die niederschmetternde Antwort auf die Nachfrage, die handgefilmten Einstellungen der überzeugend gespielten Verzweiflung auf Seiten unserer Protagonisten sind stets nah dran und unmittelbar, wirken authentisch.
 
 

„I have plans for you.“

 
 
Ebenfalls realistisch wirkt die beklemmende Panikattacke die Wilson unerwartet plagt, als er in bester Stimmung mit seinen Freunden Karten spielt – erst als er mit Daphne zusammen die Nacht auf dem Balkon verbringt und den Sonnenaufgang beobachtet, scheint er sich wieder etwas zu sammeln. Doch selbst diese kleine Hoffnung auf Besserung oder eine geregelte Zukunft wird am schicksalhaften Tag seines Job-Interviews dann auch noch genommen, und von hier an startet, unterstützt von clever genutzten POV-Aufnahmen, der eigentliche Ritt in den Abgrund.
 
 

„All this pain is just part of a process!“

 
 
Während ich die Wiedergabe des „Was“ aus Spoiler- und Effektivitätsgründen bereits an dieser Stelle beenden möchte, so ist das „Wie“ doch noch einige Zeilen wert: Denn „When I Consume You“ lebt viel mehr von seiner Atmosphäre, Trostlosigkeit, Inszenierung und durch die Charaktere statt Drastik nahegehender Brutalität, denn von einer allzu originellen oder neuen Story. Die dreckige Großstadtkulisse ist auf dunkle Wohngebiete, unterbeleuchtete Parkplätze und versiffte Seitengassen beschränkt, im Hintergrund stets die Mischung aus dröhnenden Autobahnen, Schüssen, kläffenden Hunden und Polizeisirenen. Inmitten dieses Molochs finden sich zwei verzweifelte und vernarbte Seelen, die nur ihr gegenüber haben um mit sich, ihrer Situation und Vergangenheit klar zu kommen.
„Everything is the ocean and we’re just waves.“
 
 
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Dass die ab Zeitpunk x angedeutete Route bzw. Auflösung bis zum Ende durchgehalten wird ist im späteren Verlauf genau so konsequent wie vorhersehbar und dadurch weniger effektiv, auch stört das teils laienhafte Schauspiel eines einzelnen, overactenden Charakters den Fluss des Films und die Grundprämisse und Spannung von Blackshears vorherigen Slowburn fand ich deutlich spannender. Dennoch, von zwei eher unnötigen Jumpscares und einer nervigen Übererklärung am Ende abgesehen klappt der leichte Horror-Faktor im Hintergrund des Films dadurch so gut, dass die Ausgangssituation glaubhaft und beklemmend ins Wohnzimmer transportiert wird, was neben dem eindringlichen Sounddesign und der ernsten Thematik an sich in erster Linie an den Performances von Evan Dumouchel und Lilly Ewing liegt, denen man ihre gepeinigte Existenz, nur abgeschwächt durch wenige harmonische, menschliche und friedliche Momente, zu jedem Moment abkauft.
 
 
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Es ist nämlich ein äußerst realistischer, wahrhaftiger und darum auch so perfider, geradezu nihilistischer Horror, den Blackshear dem Zuschauer zumutet und je nach der eigenen Persönlichkeit oder Hemmschwelle des Zuschauers für eine solche Narrative, kann der Effekt so mancher prinzipiell gar nicht so bemerkenswerter Szene schnell verdoppelt werden, ohne dass es je in exploitative „misery porn“-Gefilde abdriften würde.

 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Düsterer, nihilistischer, dramatischer, realistischer psychologischer Horror über die angestauten Dämonen der Vergangenheit und ihre drastischen Konsequenzen.
 
 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Zensur

 
 
 
„When I Consume You“ ist keine Schlachtplatte. Der Film schlägt eher leise Töne an und ist mehr Drama als Horror. Der Film zehrt von einer hoffnungslosen Atmosphäre und belastenden Themen. Saftig-blutige Momente sind kaum vorhanden. Demnach kann man hier mit einer FSK 16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Yellow Veil Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Where the Devil Dwells (2014)
 

Filmkritik: „Catch the Fair One“ (2021)

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CATCH THE FAIR ONE

Story

 
 
 
Kaylee hat sich geschworen, ihre Schwester wieder zu finden, koste es was wolle.
 
 
 


 
 
 

CATCH THE FAIR ONE – Kritik

 
 
 
Es scheint mir wirklich, je ausgegorener und entschlackter, tonal überzeugender und kurzweiliger, spannender und alles in Allem gelungener die Filme, desto kürzer und simpler können auch meine Reviews gehalten werden – „Catch the Fair“ One ist ein spannender, geradliniger und rauher Thriller, der Realismus höher priorisiert als Stilisierung oder Action und wenn man jetzt noch einen Einblick in die Story kriegt, ist auch fast schon alles gesagt.
 
 
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Die Boxerin Kaylee trainiert vor ihrem nächsten Kampf auf einem roten Teppich, über Wasser halten tut sie sich und ihre Tochter mit einem Job als Kellnerin. Da ihre Schwester Weeta vor einiger Zeit verschwunden ist, kanalisiert sie die Frustration und den Schmerz dieser Erfahrung sichtlich in den Kampfsport, was Kali Reis‘ äußerst physische Performance vom ersten Moment an deutlich werden lässt. Seit nunmehr zwei Jahren fehlt Weeta in ihrem Leben und jede Spur fehlt, seit nunmehr zwei Jahren gibt sich Kaylee dafür die Schuld und verletzt sich selber. Ein einzelner, wuchtig inszenierter Kampf gegen einen echten Berg von Mann, ein unterkühltes bis feindseliges Gespräch mit ihrer entfremdeten Mutter – dann startet auch schon die Anspannung.
 
 
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Denn die eine Fährte, die nach zwei Jahren dann eben doch an die Oberfläche gelangt, ist die einer Menschenhändlerorganisation, die junge Frauen zwangsprostituiert – und die Kaylee nun, ganz im Foxy Brown-Style unter dem Deckmantel einer weiteren Prostituierten, unterwandern will. Doch da hören die Parallelen auch schon wieder auf, denn während Foxy Brown bei aller sozialpolitischen Relevanz so leichtfüßig wie exploitativ daherkommt, ist „Catch the Fair One“ hingegen an bitteren, unverblümt realistischen Szenen interessiert, die ohne unnötige Drastik einfach konzeptionell so unangenehm sind, dass sie sich beim Zuschauer einbrennen. Szenen ohne Kleidung sind hier nicht sexy und dienen nicht der voyeuristischen Befriedigung des male gazes, sondern sind beklemmend, Menschen abwertend und objektifizierend, nie erstrebenswert. Das Verabreichen von Heroin ist keine trippige, psychdelische oder halbnackte Szene sondern tut beim Zusehen weh, auch weil der Kontext hier besonders perfide ist. Vom selbstzweckhaften „misery porn“ oder einer insgesamt unangenehmen Filmerfahrung distanziert sich Josef Wladykas Debütwerk trotzdem mit Leichtigkeit, denn dafür ist man als Zuschauer zu investiert in den Charakter und die Story, dafür ist die Inszenierung zu wertig, dafür ist der Soundtrack zu imposant, nervös und bedrohlich, Spannung verursachend. Wer aufgrund solcher Beschreibungen und einer Boxerin als Protagonistin jetzt viel Action erwartet oder ausgefeilte Straßenkampf-Konfrontationen, der liegt allerdings falsch.
 
 
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Konfrontationen gibt es wenige, aber die die es gibt sind kurz und schmerzhaft, nüchtern und realistisch. Das Editing ist unauffällig und routiniert, die Bildsprache ikonisiert teils die Protagonistin, wirkt aber nie zu künstlich. Und auch wenn der weitere Verlauf der Handlung dieses gerade einmal 78 Minuten kurzen Films recht schnörkellos verläuft und man keine großen Überraschungen erwarten darf – so reicht das bei einer derart humorlosen, gnadenlosen und geerdeten Inszenierung auch einfach aus, um mitzufühlen, mitzuleiden und sich auf die spannende Gradwanderung der Identifikation zu begeben. Denn auf wessen Seite man in welcher Szene ist, wen man noch nachvollziehen kann und wen nicht, das ist sicherlich eine kleine Diskussion wert. Das Finale zeigt dann noch einmal, fast schon frech grinsend, wo eben der Unterschied zwischen einem „Taken“, einem Hollywood-Actionfilm mit Klischeeeinlagen und dem typischen Ende, und einer so viel mehr Einschlagswucht und Unterschied machenden Produktion wie „Catch the Fair One“ liegt – Chapeau!
 
 


 
 
 

CATCH THE FAIR ONE – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Rauer, realistischer, nüchterner und trotzdem äußerst spannender, effektiver Thriller mit starker Hauptdarstellerin.
 
 
 


 
 
 

CATCH THE FAIR ONE – Zensur

 
 
 
Da die FSK in der letzten Dekade auch bei der vorher oftmals so problematischen Selbstjustiz-Thematik etwas liberaler zu agieren scheint, wirkt eine FSK 16 für diesen Film wahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

CATCH THE FAIR ONE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Memento Films International)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Peppermint: Angel of Vengeance (2018)
 
Colombiana (2011)
 
Hard Candy (2005)
 

Filmkritik: „Offseason“ (2022)

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OFFSEASON

Story

 
 
 
Eine junge Frau fährt mit ihrem Mann auf eine abgelegene Insel um den Vandalismus am Grab ihrer Mutter zu untersuchen …
 
 
 


 
 
 

OFFSEASON – Kritik

 
 
 
Nachdem mein Auftakt des HARD:LINE-Festivals mit „Night Caller“ ganz bewusst nicht gerade ein Highlight war, ging ich doch äußerst guter Dinge in die nächste Sichtung, da US-Regisseur Mickey Keating in der Vergangenheit schon mit „Carnage Park“, „POD“ und „Darling“ auf sich aufmerksam machen konnte – alles Filme die ich zwar selber noch gucken muss, deren Reviews sich größtenteils aber sehr wohlwollend und kurzweilig lesen.
 
 
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Die weltbekannte Melodie eines alten, lizenzfreien Pianostücks läuft, dazu sehen wir grobkörnige, nostalgische Super8-Aufnahmen. Eine Frau schaut in die Kamera und richtet sich direkt an die Zuschauer, äußerst nervös wird ein mehrminütiger, gut gespielter Monolog performt, dann folgen ein abrupter Schrei und die Titlecard. Der mystische Soundtrack bereitet bestens auf das kommende Unheil vor, zu pittoresken Landschaftsaufnahmen werden wir informiert dass unsere Protagonistin Marie Eldritch, äh, Aldrich heißt und schnellstmöglichst nach Lone Palm aufbrechen soll, da dort das Grab ihrer Mutter beschädigt wurde.
 
 

Chapter 1: Lone Palms

 
 
Demnach fährt sie also mit ihrem Mann über die stürmischen Straßen der verschrobenen Insel, nur um in Rekordzeit mit Charakterdarsteller Richard Blake, seufzenden Chören, vernebelten Sackgassen und weißäugigen Einwohnern konfrontiert zu werden, was dann auch ziemlich gut den gesamten Film zusammenfasst. Ob das nun als Kritik oder Lob zu verstehen ist? Nun, das kommt ganz darauf an, was man sich von einer solchen Prämisse erhofft. Die lovecraftigen Innsmouth-Vibes sind überdeutlich, auch wird hier nach ganz klassischen, altbekannten und bewährten Mustern noch mit Nebel, langsamen Kamerafahrten, dunklen Häusern und undurchschaubaren Nebencharakteren Grusel verbreitet, statt etwa auf Gewalt zu setzen oder das Genre subversiv zu unterwandern. Als „Set-Porno“ zum atmosphärischen Einsaugen der fabelhaft inszenierten sowie eingefangenen Umgebung, als hochwertigerer Spukhaus-Trip zum Angucken, Nackenhaare aufstellen und nach Traumlogik suggestiv leiten lassen, klappt „Offseason“ also immer wieder ganz hervorragend.
 
 
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Wer hingegen an Originaltreue im Sinne von „echter Lovecraft-Huldigung“ interessiert ist, einen kohärenten, kurzweiligen Horrorfilm sucht oder auch nur eine spannende sowie logische Geschichte, der ist hier grundlegend falsch – „Offseason“ wandert zusammen mit seiner Protagonistin gerne assoziativ von Setting zu Setting, lässt seine Charaktere verschwinden, diffus reden und nie wieder auftauchen, lebt mehr von Schärfeverlagerungen und unheilvollen Klängen, als wirklich von einer greifbaren, oder logischen Bedrohung. Hier sowie in Donnie Darko wird von einer älteren Frau ein Sturm prophezeit und damit eigentlich etwas viel Größeres impliziert, selbst der selbe Soundtrack und das Geräusch der „Portale“ aus dem 2000er-Klassiker wird übernommen. Doch trotz dieser überdeutlichen Einflüsse würde ich mehr von einer kunstvollen Verwebung und Huldigung sprechen, als von einem billigen Plagiat – weder droht unsere Protagonistin aufgrund unaussprechlichen Schreckens ihren Verstand zu verlieren, noch handelt es sich um ein Coming-of-Age-Charakterstück. „Offseason“ ist viel interessierter an der Ästhetik und Wirkung leise geflüsterter Aussagen und alptraumhaft entrückter Bilder, als an deren Inhalten.
 
 

Chapter 2: Sandtrap

 
 
Im lokalen Pub werden Marie und George von einer wie in der Zeit eingefroreren Gruppe alter Männer ausgelacht und kein Stück ernst genommen, inmitten dieser lässt George seine Frau in der Hoffnung auf ein Telefon dann auch tatsächlich alleine, nur damit ein junger Fischer, gespielt von Indie-Horror-Genredarsteller und „After Midnight“ sowie „The Battery“-Regisseur Jeremy Gardner, sich prompt an sie ranzuschmeißen scheint. Nach zwei Tagen Hinfahrt, der problematischen Ankunft und der schnellen Flucht aus dem Pub erzählt Marie ihrem reichlich verwirrten Mann dann auch endlich mal, was es mit der Reise auf sich hat: Ihre Mutter habe sie aus Angst vor dieser „verfluchten“ Insel darum gebeten, auf keinen Fall hier begraben zu werden, komme was wolle. Und mehr noch, der Brief und die sich aufgrund des Sturms schließende Brücke, das beides wirkt inzwischen doch wie eine Falle auf sie.
 
 
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Beim Performen seiner Reaktion auf diese absolut wilde, verständlicherweise angezweifelte Geschichte kann Joe Swanberg, seinerseits spätestens aus „You’re Next“ bekannt, wirklich glänzen und einen Eindruck hinterlassen, während Hauptdarstellerin Jocelin Donahue (The Burrowers, The House of the Devil, Knight of Cups, Insidious 2) mit ihrer einvernehmlich verunsicherten und ängstlichen Performance größtenteils die Bildfläche dominiert. Strukturell sehr interessant ist hierbei, wie früh im Film Marie ihre Theorie bereits ausspricht und, sollte sie wahr sein, somit dem Dorf auf die Schliche käme. Doch hat sie Recht? Die dunkle Vermutung und die Unsinnigkeit des Unterfangens reichen dem Paar aus, um getrübt den Rückweg anzutreten – aber natürlich finden sie sich schnell in einem Labyrinth aus Sackgassen wieder, um dann zu einem wunderschönen 50s-Song einen Unfall zu bauen.
 
 

Chapter 3: Life’s A Dream

 
 
Zu erneut lizenzfreier, aber stimmiger klassischer Musik sehen wir in einem hochpoliert fotografierten Flashback, dass Marie bereits erfolglos versucht hat das offensichtlich manipulierte Testament ihrer Mutter zu ändern, zurück im hier und jetz lullt die bekannte Mischung aus Donnie Darko-Gedächtnissoundtrack und nebligen, verlassenen Straßen direkt wieder in den wohligen Genre-Alptraumhalbschlaf. Herausreißend wirken allenfalls die Sirenen und Trommeln einer bemüht spannenden, im Endeffekt aber hoffnungslosen, merkwürdig künstlich aussehenden und vorhersehbaren Hatz zur sich hochfahrenden Brücke, danach klingelt ein einsames Telefon in einem dunklen Raum voller Puppenköpfe und es wird ein leeres Museum mit Taschenlampe und undeutlich im Hintergrund vor sich hinredenden Lautsprecherdurchsagen erkundet. Unterkühltes Colourgrading, interessante Sets und eine investierte Hauptdarstellerin – genau so kann simples, aber höchst effektives Filmemachen aussehen.
 
 

Chapter 4: The Damned

 
 
Ganz im Kontrast dazu steht leider Keatings Entscheidung, im folgenden Abschnitt mit einem überbordend lauten Soundtrack zu arbeiten, der auf den Schockfaktor der Szene zu pochen und bestehen scheint, während visuell oder inhaltlich aber wirklich nichts Gruseliges passiert. Weitere graue Augen starren und durch einen miesen Jumpscare stehen auf einmal alle um Marie rum, ja, hui, aber da war die subtile und desorientierende Einlage zu Beginn des Films, in der eben jene weißen Augen in einem vernebelten Dschungel-Setting inszeniert wurden, doch deutlich effektiver. Was in den folgenden 2-3 Kapiteln und letzten ~35 Minuten noch alles passiert, das sollte man als interessierter Zuschauer natürlich am besten selbst erfahren – doch was ich hier noch lobend hervorheben muss ist, dass „Offseason“ ziemlich genau einen einzigen Horrormoment hat, genau eine Stelle in der es wirklich furchterregend sein soll, und dass diese trotz sehr simpler Effektarbeit und ohne jeden Splatter auch exakt so funktioniert hat, wie erhofft. Ganze zweimal kam ein wohliges Gänsehaut-Gefühl auf und dass einmal davon kurz vor den Credits war, ist diesem Herzblutprojekt natürlich auch hoch anzurechnen.
 
 
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Doch leider, leider gestaltet sich der Weg dahin durch eine Szene mit konstantem Overacting eines sonst eigentlich bewährten Darstellers recht nervig und zäh, auch wird durch mehrfach teils wortwörtlich wiederholte Dialoge und Themen die Intelligenz des Zuschauers massiv in Frage gestellt, wenn nicht sogar beleidigt. Und dann, nach dem unvermeidbaren letzten „Kniff“ dieses sehr simplen Scripts, endet „Offseason“ nach kurzen 79 Minuten auch einfach wieder und entlässt den Zuschauer in die sonnige, unvernebelte, wenig mysteriöse Realität. Denn genau das ist der Effekt, den Keatings Werk erfolgreich beim Zuschauer verursacht: Durch diesen stringent verdichteten, filmischen Alptraumtrip im ewigen Nebel verlässt man kurz die irdischen Sphären und lebt von dunklen Andeutungen und leerer Dunkelheit, geflüsterten Ängsten und bösen Vorahnungen. Vielleicht ist das Ganze etwas hohl und zäh und zu oft gesehen, aber dermaßen aufs Nötigste reduziert und ohne störende Klötze am Bein kann ich eine solche Geisterstadt-Tour doch größtenteils genießen.

 
 


 
 
 

OFFSEASON – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Höchst stimmungsvoller, atmosphärisch gedrehter Set-Grusel mit pointierten Gänsehaut-Momenten, mitreißender Performance, mysteriösem Sounddesign und einem bewussten Minimum an Story.
 
 
 


 
 
 

OFFSEASON – Zensur

 
 
 
Bei aller alptraumhaften Atmosphäre beruft sich sich „Offseason“ keinesfalls auf brutale Effekte oder Splatter-Momente, weswegen einer knapp mit einer Szene verdienten FSK 16 hier nichts im Weg stehen dürfte.
 
 
 


 
 
 

OFFSEASON – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei WTFilms)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tot & begraben (1981)
 
Messiah of Evil (1973)
 
Der Leuchtturm (2019)
 

Filmkritik: „Night Caller“ (2022)

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NIGHT CALLER

Story

 
 
 
Ein lederhandschuhetragender, maskierter Killer terrorisiert eine Telefon-Wahrsagerin mit grausigen Visionen blutiger Tötungen …
 
 
 


 
 
 

NIGHT CALLER – Kritik

 
 
 
Als ich vor einigen Wochen bezüglich des „Hard:Line“-Festivals kontaktiert wurde, eines waschechten deutschen Genrefestivals in Regensburg, um einige der dort laufenden Genre-Premieren zu rezensieren, habe ich mich ohne Umschweife und vorfreudig durch die 15 Langfilme geklickt, um meine persönliche Auswahl herauszufiltern. Ganze acht Titel habe ich dabei auf Anhieb als für mich interessant eingestuft, da ich den grandiosen „Dawn Breaks Behind the Eyes“ aber schon auf dem Randfilmfestival in Kassel genießen durfte, einen deutschen Release für „The Medium“ äußerst wahrscheinlich halte und den Film dann lieber auf Blu-ray und Leinwand gucke und das Reboot der kultigen Slumber Party-Filme bereits vergeben war, blieben noch fünf prinzipiell verlockende, einladende, spannende Titel für mich zu sichten.
 
 
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Die niedrigste Erwartungshaltung, da will ich ganz ehrlich sein, hatte ich dabei von Anfang an bei dem vorliegenden Streifen, „Night Caller“, da die bisherige Filmographie des Regisseurs Chad Ferrin sich leider allzu billig, trashig und bodenlos schlecht rezensiert liest, von einigen treuen Amateur-Indiekinofans mal abgesehen. Selber hatte ich immerhin zwei seiner Werke bereits geehen, allenfalls volltrunken und mit beinharter Trashtoleranz ließe sich davon ansatzweise „Tales from the Crapper“ empfehlen, für den er sich allerdings auch nicht alleine verantwortlich zeichnet. Demnach also ganz bewusst mit dem vermutlich schlechtesten, hoffentlich einzig unterdurchschnittlichen Titel gestartet und siehe da, mit der richtigen Erwartungshaltung bleibt das Ärgernis doch tatsächlich aus. Was allerdings, soviel vorweg, keinesfalls etwas mit dem Casting diverser B-Movie-Genrestars zu tun hätte, wie es hier so großzügig in den Nebenrollen des Films betrieben wurde: So darf der filmaffine Zuschauer zwar in der Tat bekannte Darsteller wie Steven Railsback (aus Lifeforce, Helter Skelter, Alligator 2, Turkey Shoot oder The Devil’s Rejects), Robert Miano (Chained Heat, Firestarter, Donnie Brasco, Fast & Furious), Kelli Maroney (Chopping Mall, The Zero Boys, Fast Times at Ridgemont High, Hard to Die) oder sogar Lew Temple (Domino, 31, The Endless, Trailer Park of Terror, 21 Grams, Once Upon a Time in Hollywood) beäugen, nur kriegen diese in den wenigsten Fällen irgendwas Witziges, Unterhaltsames oder Spannendes zu tun.
 
 
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Als begrüßendes Opening Signal des Festivals wird zuerst einmal eine irritierend überlange, wenn auch professionell produzierte Rumwerbung geschaltet, danach folgt allerdings ein neugierig machender, hochwertiger Trailer des Festivals selbst, abgeschlossen von 30 Sekunden Grußbotschaft des Regisseurs. Direkt in den ersten Minuten könnte der Kontrast der Inhalte dann nicht größer sein, wenn „Crappy World Films“ und „Girls & Corpses“ einen Film präsentieren, der mit einem Oscar Wilde-Zitat über Masken beginnt. Ein schmissiger Bluessong läuft, weicht aber schnell angespannten Tönen und POV-Aufnahmen in den Opening-Credits, VHS-Kassetten und erfrorene Leichen, rote Lichter, ein Mann mit Wollmütze beobachtet aus dem Auto eine Treppe, in Lederhandschuhe gekleidete Hände werkeln an einem Radio herum. Der Mann aus dem Auto identifiziert sich als „James Smith“ als er bei „7 Psychics“ anruft, einem kleinen Telefon-Wahrsagerinnen-Service welcher aus einem einzelnen Raum besteht, in dem Clementine (Susan Priver) und Jade (Bai Ling) arbeiten. Die Schlüsselreize des Giallos werden durch gekonntes, bedachtes Framing und hübsche Beleuchtungen innerhalb weniger Minuten getriggert, der Mann flüstert krächzend unheilvolle Botschaften ins Telefon wie in wohligen 70s-Mysterys. „Thank you Clementine – we will talk again soon.“ raunt es aus dem Hörer und umhüllt von den atmosphärischen Klängen des Soundtracks, eingebettet in die farbenfrohe Retro-Ästhetik, macht dieser stimmungsvolle Auftakt definitiv Spaß sowie Lust auf mehr.
 
 
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Erst Recht wenn dann noch ein Mord folgt, der in einer „Profondo Rosso“-esquen Vision zwar bereits angedeutet wurde, inklusive aller blutigen Details der höchst sexualisierten Erstechung und Skalpierung des Opfers nun aber noch gezeigt und drastischst ausgespielt wird. Nach dem Schock der Vision des Mordes folgt die erste längere Dialogszene zwischen Clementine und Jade und hier zeigt der Film dann seine nervigste und anstrengendste Seite, die leider immer wieder für deutliche Abzüge bei mir gesorgt hat: Liest man im Cast spontan „Susan Priver“ und „Bai Ling“, so kennen die meisten Leute vermutlich definitiv die aus x großen Produktionen bekannte Ling, nicht aber die noch sehr unbekannte, gerade erst in ihrer dritten Produktion auftretende Priver – und erwartet demnach ggf. sogar, dass Ling hier abliefert und gut spielt, während Priver wohl besser in einer kleineren Rolle geglänzt hätte – doch das absolute Gegenteil ist der Fall. Ohne dass es je witzig, charmant oder dem Plot dienlich wäre, spielt Ling in diesem Film dauerhaft extrem aufgedreht, überdreht, hyperaktiv, unpassend, trashig, amateurhaft, im möglichst unverständlichen Akzent und mit hohlen, zu oft wiederholten Satzphrasen, so dass nahezu jede Szene mit ihrem Charakter ungenießbar wird – das wird online teils auch gefeiert und ganz anders gesehen, gar mit einer bewusst und dosiert overactenden Performance eines Nicolas Cage verglichen, aber mir hat die Penetranz und Inhaltslosigkeit dieser Rolle und Performance leider wirklich ein wenig den Film verdorben.
 
 
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Eine kurze Szene, in der Ling Clementine beratend massiert, überstanden, geht es weiter mit einem Besuch bei Clementines Vater, der leider auch weniger überzeugend spielt als seine Filmtochter und wenig zum Script beizutragen hat bis auf das Präsentieren von Filmpostern, seiner Sammlung und diversen Ausschnitten aus den Klassikern (u.a. Dementia 13), die er gerade guckt. Ebenfalls nicht fehlen darf natürlich der stereotype, frauenschlagende Alkoholiker-Ex-Mann, der Clementine trotz restraining order besucht und terrorisiert. Als wäre das nicht belastend genug wird sie zudem weiterhin von alptraumhaften Visionen und Träumen geplagt, in einer davon steigt der Killer bei Nacht in ein Haus ein. Eine Szene, die Ferris‘ Werk ganz gut zusammenfasst: Auch bei Nacht oder im Gegenlicht sind die Aufnahmen kompetent und klar zu erkennen, die Piano-Score ist anfangs noch atmosphärisch, bald aber zu repetitiv und langweilig. Für einen kaum budgetierten Indie-Film also alles nicht überragend, aber auch nicht von schlechten Eltern. Der Killer bricht in das Haus ein, ist dabei allerdings zu laut, weckt das Pärchen und wird tatsächlich einfach erschossen, mittelmäßiger Splatter inklusive, was die Szene als Vision von Clementine entpuppt. Clementine, unsere Protagonistin, sieht also den Tod des Antagonisten, des (noch) unbekannten Killers, vor ihrem geistigen Auge, in dem Wissen dass ihre Visionen gemeinhin wahr sind. Und was tut sie? Genau, sie warnt den Killer, als dieser das nächste Mal bei 7 Psychics anruft. Technisch kompetent, inhaltlich absolut unnachvollziehbar.
 
 
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Nächste Szene, nächstes Beispiel: Eine junge Frau wird in einem Parkhaus von einem dreckigen Obdachlosen überfallen, der droht sie zu vergewaltigen und flieht daraufhin auf die Straße, ruft einen Fahrservice, steigt nichtsahnend und freiwillig beim Killer ein – beste Argento-Kost, inklusive rot-blau-leuchtender Suspiria-Gedächtnisshots während der Autofahrt, nur leider endet es trotz aller audiovisueller Kompetenz dann in einem wenig spannenden oder brutalen Kill, der für sich abermals wenig bis nichts erzählt. Trotzdem, die gesamte erste halbe Stunde lang hat „Night Caller“ einen leicht überdurchschnittlichen, deutlich besseren Ersteindruck hinterlassen, als erwartet. Und dass Ling, wenn sie der sich übergebenden und weinenden Clementine hilft, minutenlang in ihr eigenes Spiegelbild hinein overacted und damit massiv auf den Senkel geht, kommt inzwischen auch nicht mehr unerwartet, kann also mit ganz viel Zähne zusammenbeißen fast schon ignoriert werden. Mehr noch, wenn der Vater – erneut, sehr argentoesque – in einem alten Film aus den Dreizigern einen wichtigen Hinweis für den aktuellen Fall findet oder die nebulösen, herrlich bizarren und fadenscheinigen Zusammenhänge zwischen Clementine und dem Fall klar werden, kann sich der geschulte Genrefan das Lachen sicherlich nicht verkneifen, die guten Ideen sind eindeutig da.
 
 
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Doch dann folgt ein unnötiger Fake-Jumpscare oder ein zu moderner, lauter Sound der die Retro-Vision zerstört oder eine zu ewige, erzwungen möglichst „krank“ und „gestört“ sein wollende, im Endeffekt aber nur alte Genre-Versatzstücke wiederkauende Szene, in der natürlich mit Nekrophilie und Crossdressing und Kindheitstraumata um sich geworfen wird, wie es unreflektierter und oberflächlicher nicht sein könnte. Und ganz unabhängig davon wie problematisch man einen solchen Umgang mit diesen Themen findet, ist es einfach öde, langweilig und zu häufig gesehen. So gerne ich also einen weiteren, gelungenen sowie dreckig-drastischen Neo-Giallo empfehlen würde, so sehr versagt „Night Caller“ dann leider doch in den Kategorien Konsequenz, Kurzweil, Script und Schauspiel, wenn man auch nur mit einem „Francesca“, „Abrakadabra“, „Tulpa“ oder gar „The Editor“ vergleicht. Die Klischeekiste der möglichen Hintergrundgeschichten wurde mit ein paar „heftigen“ Konzepten gefüllt und die Technik kann sich ebenso wie die Leistung der Hauptdarstellerin definitiv sehen lassen, gar einen Daria Nicolodi-Flair möchte ich ihr nicht absprechen, nur hilft das wenig bei den derart vorhersehbaren und vergessenswert generischen Genrepfäden, die im weiteren Verlauf verfolgt werden.
 
 
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Ganz Giallo-untypisch nämlich gibt es hier keinen finalen Twist, keine überraschende Offenbarung und auch kein einprägsames Bild, nur zu lange, ewige Szenen mit unblutigen Kills und einem schleppenden Pacing. Unser Medium spürt szenenabhängig auf x km oder eben gar keine Gefahr, die Kills sind teils gut gemeint aber meist mäßig getrickst, verfolgt werden inzwischen irgendwelche viel zu spät etablierten Cops. Der letzte Kill ist semi-originell aber dafür extrem dämlich, immerhin nicht so unspektakulär wie die Minuten davor, nach etwa 80 Minuten war es das dann auch endlich, oder schon, mit „Night Caller“. Was bleibt zu sagen? Nach dem unfassbaren Trashfest „Tales from the Crapper“ und dem bemüht kranken, teils höchst effektiven aber eben auch grauenhaft gespieltem „Someone’s knocking at the door“ wollte ich mal einen von Chad Ferrins anderen Filmen sehen, das habe ich jetzt getan und auch nicht bereut. Night Caller ist zu simpel, zu geradlinig und genau dafür auch zu lang und unspektakulär, Kills auf die man sich freut werden nicht gezeigt, dafür inhaltsmagere Szenen deutlich zu lange gestreckt oder wiederholt. Mit der Hauptdarstellerin und auch dem Killer hat man durchaus eine gute Wahl getroffen und die technische Seite stimmt größtenteils, viele Sets und Beleuchtungen und Frames können sich sehen lassen, doch auch das zerfasert sich im weiteren Verlauf des Films leider etwas, zumal Lings absolut grottiges Schauspiel sowie der repetitive Schauspiel immer wieder am Geduldsfaden zerren.
 
 


 
 
 

NIGHT CALLER – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
Recht minimalistischer No-Budget-Indieslasher mit gerade anfangs gefallendem Giallo-Einschlag und technischer Grundkompetenz, der sich nur leider durch ein unterdurchschnittliches Script und Schauspiel seines Potentials beraubt. Kein Film den die Welt braucht, aber auch keiner der weh tut.
 
 
 


 
 
 

NIGHT CALLER – Zensur

 
 
 
Aufgrund vereinzelt drastischer Morde samt blutiger Effekte dürfte der Film eine FSK 18, wenn nicht an einem guten Tag sogar 16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

NIGHT CALLER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Crappy World Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Francesca (2015)
 
Three Tears on Bloodstained Flesh (2014)
 

Filmkritik: „Arboretum“ (2020)

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ARBORETUM

Story

 
 
 
Erik und Sebastian leben auf dem Dorf, sind gelangweilt und werden gemobbt. Ohne Hilfe zu erhalten oder wirkliche Alternativen zu sehen liebäugeln sie mit Rachegedanken, bevor die Realität sie einholt.
 
 
 


 
 
 

ARBORETUM – Kritik

 
 
 
So richtig kann eine grobe Ersteinschätzung ungesehener Filme doch sein: „Night Caller“ war wie zu erwarten als Genre-Allesgucker oder reiner Bildästhet vielleicht sehenswert, sonst aber eher zu vernachlässigen, „Offseason“ hingegen definitiv eine kleine Indieperle für Freunde genau solcher Atmosphären, aber auch kein wirklich gut geschriebener Film. Eine weitere Qualitätsstufe nach oben geht es dann mit dem deutschen Indie-Genrefilm „Arboretum“, der 2018 mit einem überschaubaren Team in Hessen abgedreht wurde und auf mutig eigensinnige Weise Genrestile mischt, die man so nicht häufig zusammen in einem Film sieht.
 
 
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Es beginnt mit lautem Rechtsrock der im Auto die Nachrichten übertönt während durch die ländliche Umgebung Deutschlands gefahren wird, danach stochert unser Protagonist in einem toten Vogel rum, den er auf der Straße findet und zu gedämpften Bässen fährt die Kamera verdächtig lange auf den Wald zu.
 
 

Kapitel I: Es war einmal in Thüringen

 
 
Erik und Sebastian, so die Namen unserer gepeinigten Protagonisten, zocken in Eriks Zimmer ein Prügelspiel und unterhalten sich über ihre gelangweilte Dorfexistenz, „Ich will dass irgendwas passiert, irgendwas Wichtiges, irgendwas Großes!“ heißt es dort, nur um danach auf dem lokalen Scheunenfest von unangenehm realistischen Mobbern schikaniert und wortwörtlich angepisst zu werden. Während der Szenen der Feier selber verwundert es massiv, dass scheinbar schales Bier ohne Schaum getrunken wird, auch überzeugt Niklas Doddo in der Rolle des jüngere, ungeduldigen, zweiten Protagonisten nicht immer, doch insgesamt kommt trotzdem eher der Eindruck eines hübschen und originellen Indiefilms auf, nicht der einer peinlichen deutschen Studentenproduktion.
 
 

„Ich bin nicht politisch, ich bin gelangweilt.“

 
 
Als Erik Nachts nach Hause kommt, steht sein Vater still in seiner alten NVA-Grenzkompanieuniform vorm Spiegel und begutachtet sich mit getrübten Blicken. Auch in der Schule geht das Mobbing durch Patrick und seinen Kollegen weiter, Erik verteidigt Sebastian indem er mit expliziten Gewaltfantasien abschrickt, melancholische E-Gitarren klingen an. In einer Kneipe unterhalten sich die beiden über mögliche Racheideen, danach verlässt „Arboretum“ das erste Mal die bodenständige und realistische Inszenierungsweise, da Erik im Spiegel des Baderaums eine Vision hat, dreckiges Wasser aus dem Hahn läuft, ihn weiße Augen aus der Dunkelheit eines Waldes anstarren.
 
 

„Schau sie dir an.“

 
 
Als Erik zurück kommt hat Elke, eine alte Bekannte von Sebastian, sich dazu gesellt und zu Sebastians Enttäuschung verstehen die beiden sich direkt äußerst gut. Elke ist Punkerin und lädt zu einer Feier in einem besetzten Haus ein, Erik ist natürlich direkt Feuer und Flamme, Sebastian sagt widerwillig zu. Während das Schauspiel dieser möglichst authentisch wirken müssenden, längeren Dialogszenen teils etwas ungleichmäßig ist, wissen Framing und Perspektive stets zu gefallen. Und während Sebastian allgemein kein Verständnis dafür zu haben scheint, dass Erik nun mit dieser Punkerin anbändeln will, sich als unpolitisch bezeichnet und beide Extreme verachtet, eifersüchtig ist – wenn auch nicht eindeutig ist, auf wen genau… – und frustriert in seinem Zimmer masturbiert, fängt Erik an flüsternde Stimmen zu hören und sieht einen Frosch in der Umkleidekabine, der ihn zu der Silhouette einer wartenden Baumgestalt führt.
 
 

„Folge mir.“

 
 
Einige Streitereien später überzeugt Erik seinen Freund dann doch noch ganz knapp, mit auf die Party zu kommen; auf der Party selber dann stürmt aber eine aggressive Gruppe Neo-Nazis samt Kampfhund den Raum und während gerade Erik und Elke, genannt Elli, sich retten können, wird ausgerechnet der unpolitische und unfreiwillig überhaupt Besucher seiende Sebastian aufs Übelste verprügelt, zumal Mobber Patrick und sein Bruder scheinbar Teil der Nazigruppe sind. Elli und Erik verhalten sich merkwürdig gelassen und albern herum, trotz des tragischen Vorfalls.
 
 

Kapitel II: Das Moor

 
 
Ohne auch nur eine Sekunde zu verschwenden startet Julian Richbergs Genrebiest nach einer griffigen Exposition also sowohl mit den Themen deutscher Vergangenheit, ihrer Bewältigung und Spuren, als auch dem Andeuten überatürlicher, symbolhaft zu verstehender Genreszenen und einer Gewaltspirale, deren Eskalation sowohl im Freundeskreis, als auch in der Schule, auf dem Dorffest oder in den eigenen vier Wänden zu spüren ist. Sebastian fragt seinen Großvater explizit wie es sich denn anfühlt Juden zu vergasen, nachdem ihn seine nahezu geschichtsrevisionistische, Fakten unter den Teppich kehrende, aber auch Mitleid mit ihrem kranken, alten Vater habende Mutter ihn derart gereizt hat mit ihrer Art, Erik macht derweil einen grausigen Fund und wacht blutverschmiert im Wald auf.
 
 

„Entweder du bist Nazi oder Punk oder Teil der willenlosen Schafe.“

 
 
Dass jeder dieser Stränge sich irgendwann zum Nachteil aller Beteiligten entladen wird ist dabei genau so klar, wie dass hier zugleich Gesellschaftsstudie, Kommentar zum politischen Klima Deutschlands, Coming-of-Age-und-Sozialdrama, Horrorfilm und arthousig metaphorisch erzählte Waldwesen-Szenen zu einem gerade einmal 76-minütigen Langfilmdebüt vermengt wurden, wie es eigentlich nur überambitioniert zu Boden fallen und fehlschlagen kann. Doch, siehe da: Es funktioniert. Denn auch wenn es ungewohnt und ggf. gar etwas trashig wirkt, wenn die unheilvollen Flüsterstimmen auf Deutsch statt Englisch ertönen, auch wenn das Kunstblut leider viel zu hell ist und einige Reaktionen oder Handlungen unserer Charaktere imo absolut unnachvollziehbar sind – allein der Mut, eine prinzipiell gerne auch mal mit erhobenem Zeigefinger handzahm und langweilig, öffentlich-rechtlich inszenierte Geschichte wie diese so frech, eigenartig und originell abzudrehen, verdient dickes Lob und vollsten Zuspruch.
 
 

Kapitel III: Die Schatten zwischen den Bäumen

 
 
Zugegeben, die Rolle der jungen Punkerin Elli, die natürlich eine anrüchige Vergangenheit hat in der Dinge „halt passiert“ sind und die sich natürlich geritzt hat, wirkt etwas zu klischeehaft und ohne weiteren Belang aus dem Leben gegriffen, Sebastians mehrfache Aussagen bezüglich der Radikalisierung auf dem Dorf sind auch etwas zu holzhammerhaft und offensichtlich geschrieben. Doch dass die beste der Genreszenen mir wirklich eine Gänsehaut zaubern konnte, die Gewalt hier stets schmerzhaft und realistisch rüberkommt und mir teils naheging, der Handlungsort authentisch und überzeugend ist und ich mich an diverse Meisterwerke ihres Genres erinnert gefühlt habe in den jeweiligen Szenen, inklusive idyllischer, natürlicher Flirtereien im Grünen, scheint ein Großteil von „Arboretum“ schon wirklich zu funktionieren.
 
 

Kapitel IV: Teenage Werwolf

 
 
Zu großen Teilen liegt das an Hauptdarsteller Oskar Bökelmann, den Kinofans vielleicht schon im Kriegsdrama „Land of Mine“ gesehen haben, aber auch viele der realistischen, trotzdem hübsch komponierten Bilder von Elias C.J. Köhler leisten ihren Beitrag dazu bei. Und sollte ein Zuschauer eine halbe Stunde vorm Abspann immer noch etwas im Dunkeln tappen was Leitthemen oder Hauptmotive des Films angeht, oder diese zumindest als zu kurz gedacht und trivial abstempeln, so zaubert Richbergs Script noch einen fast schon Haneke-esk inszenierten, durchaus cleveren kleinen subtextuellen Twist hin, bevor ein verdammt emotionaler, verbitterter, mitreißender Monolog folgt, der einen bis dato sehr zurückhaltend agierenden Schauspieler nochmal besonders auszeichnet.
 
 

„Du bist ein guter Kerl. Bleib ein guter Kerl.“

 
 

Letztes Kapitel

 
 

„Es ist soweit.“

 
 
Aus Spoilergründen bin ich schon lange nicht mehr auf die genauen Details der Handlung eingegangen, aber allein schon der Titel des letzten Kapitels könnte hier etwas vorwegnehmen. Die Ereignisse spitzen sich auf weder allzu originelle, noch vorhersehbare oder enttäuschende Weise zu, mit bitterer Konsequenz und mutigen letzten Sekunden. Dass sich die eine Metapher des Films wirklich noch ausbuchstabieren und übererklären muss zeigt zwar, wie wenig man dem deutschen Genrepublikum inzwischen noch zutraut, aber Lichtjahre entfernt vom nächsten „Heilstätten“ ist ein solcher Beitrag hier trotzdem und ich hoffe sehr, dass „Arboretum“ veröffentlichungstechnisch in Deutschland auch mindestens so wertig repräsentiert wird, wie seinerzeit „Der Nachtmahr“ – denn eine Entdeckung wert ist diese kleine Indie-Perle auf jeden Fall und ich hoffe schwer, dass sich zwischen Filmen wie diesem hier, Werken wie „Der Samurai“ und zum Beispiel „Luz“ ein neues, metaphorisch aufgeladenes, genretreues und doch originelles, sozial relevantes Genrekino für die nächste Generation finden lässt.
 
 
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ARBORETUM – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Mutiges, kurzweiliges, spannendes deutsches Genrekino zwischen Donnie Darko und Elephant, Sozialdrama und Genrefilm, Gesellschaftsanalyse und Indie-Fingerübung, die jede Entdeckung und Sichtung wert ist.
 
 
 


 
 
 

ARBORETUM – Zensur

 
 
 
Auch wenn „Arboretum“ seine Brutalität größtenteils nicht zeigt oder überhaupt physisch gestaltet, dürften die ernsten Grundthemen und der Realismus hier für eine FSK 16 sorgen.
 
 
 


 
 
 

ARBORETUM – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Stadtfuchs Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Donnie Darko (2001)
 
Elephant (2003)
 
Der Samurai (2014)
 

Filmkritik: „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“ (2009)

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L.A. NIGHTS – GRENZENLOSES VERLANGEN

(NOW & LATER)

Story

 
 
 
Ein materialistischer, kautionsflüchtiger Banker aus Amerika lernt eine illegale Immigrantin aus Nicaragua kennen, die ihm eine neue Seite des Lebens aufzeigt.
 
 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Kritik

 
 
Zwei Jahre nachdem der französische Regisseur Philippe Diaz mit der Dokumentation „The End Of Poverty?“ auf sich aufmerksam machte, inszenierte er das ebenfalls kapitalismuskritische, philosophisch angehauchte, erotische Quasi-Kammerspiel „Now & Later“ mit wenig Budget und einem kleinen Cast. Von all den spannenden Genreproduktionen, erotischen Titeln, innovativen Indie-Debüts und Festivalhits hat es nun, 11 Jahre später, aus unerfindlichen Gründen gerade dieser Titel es, verpackt als „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“, nun in die deutschen Veröffentlichungskalender geschafft. Wurde hier etwa eine seinerzeit untergegangene Perle vor der Versenkung gerettet? Die kurze Antwort: Nein. Die lange Antwort: Nein, und ich bin ein Thor nach zwei Jahren bei Filmchecker immer noch von der „FSK 18“ oder den Pressestimmen auf dem Cover schlechter „Erotikthriller“ (Exquisite Corpse, Caged) angelockt zu werden, nur weil ich dahinter deutlich eher einen ordentlichen Genreeinschlag Richtung Horror oder Thriller erwarte, einen nächsten Basic Instinct, als nur peinliche, aber teils halt sexuell explizite Amateurkost. Hätte ich meine Onlinerecherche seinerzeit nicht beim irreführenden deutschen Titel und demnach ausbleibenden Reviews abgebrochen, ich wäre auch zweifelsohne über mehrere englischsprachige Kritiken gestolpert, die diesen Titel in Grund und Boden stampfen. Aber das habe ich nicht getan und demnach war ich guter Dinge und sitze nun hier, fünf Seiten Notizen über ermüdende 100 Minuten Einschlaffilm vor mir liegend.
 
 
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Das Menü der Blu-ray ist mit ruhigen Pianoakkorden und Szenen aus dem Film unterlegt, wodurch sich nach wenigen Sekunden das Bild eines optisch recht langweiligen Kammerspiels ergibt, in dem wohl hauptsächlich ein junges Pärchen Sex hat und redet – je nach Inhalt und Echtheit dieser Szenen muss das nicht schlecht sein, nur hört man in diesen Fällen halt auch nicht erst 11 Jahre nach Release was von solchen Filmen. Als Bonusmaterial gibt es die Standard-Erotikfilm-Trailerauswahl des Labels, dazu laut Backcover angeblich „Interviews mit der Besetzung“, auf der BD selber stellt sich dann aber heraus dass es lediglich ein 4-minütiges „Am Set“-Featurette gibt, indem der Cast nur sehr kurz zu Wort kommt, keine einzel anwählbaren, vernünftigen Interviews.
 
 

„A lot of the messages are going to be very subtle.“

 
 
In einer dieser Clips fällt die Aussage „Besides the lessons, the story is touching“ und ja, von Lehrstunden kann hier tatsächlich die Rede sein – Philippe Diaz mit Stümper-Auteur Uwe Boll zu vergleichen scheint auf den ersten Blick weit hergeholt, hat man sich jedoch mal durch Teile 2 und 3 von Bolls „Rampage“-Franchise gequält, versteht man vielleicht was es heißt, seine eigenen Ideen und Agendas völlig unreflektiert ins Gesicht der Zuschauer zu drücken, ohne auf Dinge wie Unterhaltungsfaktor, Dramaturgie oder auch nur gutes Writing Acht zu geben. Ganz so schlimm und brachial geschieht das Vermitteln dieser „Lehrstunden“ hier nicht, statt eine TV-Station mit Waffengewalt unter seine Kontrolle zu bringen, beeinflusst eine illegale Einwanderin stattdessen einen verlorenen, amerikanischen Banker mit ihrem non-materiellen, antikapitalistischen, gar antiamerikanischen Mindset, doch die Idee ist die selbe.
 
 
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„Wieso können wir Sex nicht genau so unproblematisch und nüchtern betrachten wie Gewalt?“ ist eine der Fragen, die Angela den dauerhaft geistig abwesenden, todlangweiligen und furchtbar gespielten Bill fragt, wieso Amerika so unnötig prüde und auf Gewalt und Geld fixiert sei, will sie wissen – und das sind berechtigte Fragen, so ist das nicht. Aber ohne jede Nuance, wirkliche Story oder mitreißende Inszenierung in einem solchen Emotionsvakuum immer wieder den selben Loop aus gesellschaftskritischen Dialogen, langweilig gedrehten, spärlich gesähten Sexszenen und spanischer Musik zu Nachtaufnahmen nachzuvollziehen, ödet leider allzubald an.
 
 
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Mit dem Zitat „Eine sexuell unterddrückte Gesellschaft wird gewalttätig werden.“ beginnt die Chose, direkt in der ersten Einstellung thront dann natürlich ein Mc-Donalds Plakat, neben dem unser Protagonist Nachts verloren an den Bahngleisen im Nieselregen steht. Unser kautionsflüchtiger Investment-Banker wird dabei von Keller Wortham verkörpert, der gelangweilt, pseudocool und unsympathisch durch den Film schlafwandelt und wirklich regelmäßig performt, als würde er sich vor der Kamera furchtbar unwohl fühlen. An Kindertheater und erzwungene Schulfilme, an Jersey Shore und miese Pumper-Klischees wurde ich erinnert, da sein stählerner Adonis-Körper es nicht versteht auch nur einmal so etwas wie Mimik walten zu lassen.
 
 

„I don’t dream anymore.“ – „You do, you just don’t want to remember.“

 
 
Gänzlich unverständlicherweise fasziniert und angezogen von diesem menschgewordenen Proteinshake fühlt sich Angela, die aus ärmlichen Verhältnissen aber einer darum auch stark zusammenhaltenden Gemeinschaft kommt, ehrenamtlich in einer Notunterkunft/Klinik arbeitet und in einem großen, improvisierten Raum lebt, in dem es nur das Nötigste gibt. So zum Beispiel eine freistehende Toilette und Dusche mitten im Raum, ohne jeden Sicht- oder Geruchsschutz. Das Gebäude in dem sie, und nach den ersten Minuten des Film auch schnell Bill, residiert, steht dabei natürlich tiefsymbolisch an der Grenze zwischen dem Finanzdistrikt (Bill: „I used to work there.“, danke Bill.) und den armen Außenbezirken voll Obdachlosigkeit und Armut, zu gerne wird demnach auf dem Häuserdach die Skyline angeguckt und über die Verhältnisse der Welt schwadroniert.
 
 

„If possessions were important, rich people would be happy.“

 
 
Zwischen ätzend prätentiös vorgetragenen Kalenderspruch-Dialogen die sich an einen lobotomisierten, jüngeren Christian Slater-Lookalike richten in wenig eindrucksvollen Bildern, die immer wieder viel zu lange und lieblos in Stativaufnahmen festgehalten werden und denen jede Dynamik fehlt, gibt es dann aber ja auch noch den Erotikfaktor. Denn nicht nur lebt Angela im Moment und Bill nicht, nicht nur entsagt sich Angela dem Konzept von Besitztümern während Bill Materialist zu sein scheint, nein, auch hat sie natürlich überhaupt keine Probleme mit Nacktheit und offener Sexualität, während Bill verklemmt und unsicher daherkommt. Um eine solche Verklemmtheit überzeugend zu spielen, sollte man als Schauspieler selber natürlich nicht sowieso schon wie ein verlorener Junge performen, sonst sieht das dann nämlich aus wie hier.
 
 
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Nach 25 erotikfreien Minuten streichelt Angela Bill und küsst ihn, man sieht seinen (echten) erigierten Penis und ich dachte schon nun würde etwas Authentisches oder Explizites folgen, stattdessen stöhnt Bill kein einziges Mal während er einen „Blowjob“ bekommt, der komplett offscreen stattfindet und nachdem der Dialog über Angelas Vergangenheit in Nicaragua ohne jede Pointe einfach weitergeht, als sei nichts passiert. Dass diese Nebensächlichkeit und Natürlichkeit auch Teil des Realismus und der Aussage des Films ist, ist mir schon bewusst, spätestens wenn Angela Sprüche wie „I’m part of your here & now, not more and not less“ veräußert, aber unterhaltsam oder erotisch werden solche Szenen dadurch leider trotzdem nicht.
 
 

„When I was a teenie we used to say ‚Life’s a bitch and then you die‘, I guess I finally understand what that means.“

 
 
Einige langweilige, statische Aufnahmen der selben zwei Settings und eine echt wirkende, aber ebenfalls unspektakulär gedrehte oder inszenierte Sexszene später trifft Bill in einem billigen Setting mit kitschiger Musik dann noch auf seine verzweifelte Ex-Frau, wobei der wohl peinlichste und witzigste Dialog des Films fällt: Sie sagt: „Do you realize that I invested the best years of my life in our marriage?“, er antwortet: „INVEST? You’re starting to sound like me!“. Wie man diesen Dialog oder Charakter auch nur annährend ernst nehmen oder ihm irgendwas Gutes wünschen soll, ist mir wahrlich ein Rätsel.
 
 

„Why don’t you go to jail? It’s only eight years!“

 
 
Aufklärende Gespräche über die CIA-Operationen und Kriegstreibereien der USA zur Reagan/Carter-Ära, Angela masturbiert in einer Sexschaukel und er schaut zu, ausbleibende Musik zu unmotivierten Einstellungen, nach 66 der 100 Minuten fällt auf dass dieser „Erotik“film genau eine Sexszene bisher hatte, und sonst nur der Regisseur seine stereotypen Charaktere nutzte, um seine Amerikakritik anzubringen.
 
 
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Eine poetisch angedachte, aber nur noch nervende und amateurhaft wirkende, peinliche Tanzszene mit einem Flugdrachen in Adlerform (USA! USA!) gilt es noch zu erdulden, eine komplett unnachvollziehbare und aus dem Nichts kommende, in wenigen Zeilen abgehandelte Läuterung, dann hat der Spuk endlich sein Ende und nach ewigen 97 Minuten Zeitverschwendung ohne Mehrwert endet auch „Not & Later“ endlich einmal.
 
 
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Es gibt langweiligere, nervigere und schlechtere Filme, zweifelsohne, diese geschwätzige „Lesson“- wie unser unsäglicher Hauptdarsteller selbst schon richtig erkannt hat – allerdings als „Erotikthriller“ zu verkaufen, grenzt wirklich an ein Verbrechen. Es gibt Pornos mit artistischeren Einstellungen, Sets und Designs als die Erotikszenen in diesem Film sie bieten, für reine Essays oder Meinungsmache hätte in deutlich kürzeres Projekt, z.B. auf Youtube, Welten besser geklappt. Die Charakterbögen sind stumpf oder nicht existent, es gibt keinen Konflikt, keine Spannung, kein Identifikations- oder Mitfieberpotential und selbst die prinzipiell netten, letzten beiden Einstellungen wurden verkackt, da man hier einen Passanten in zwei verschiedenen Einstellungen sieht, obwohl Gleichzeitigkeit impliziert werden soll.
 
 
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L.A. NIGHTS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Sehr langweiliger, repetitiver, pseudointelektueller und nie wirklich erotischer Alibi-Film, der offenbar nur gedreht wurde um die Meinung seines Regisseurs auszudrücken. Keller Wortham verdient eine besondere Erwähnung für seine herausragend bodenlos-grauenhaft, lachhaft verlorene Performance.
 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Zensur

 
 
 
Bei „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“ handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung. Der Streifen wurde bereits 2012 vom damaligen Rechteinhaber Infopictures unter dem Originaltitel „Now and Later“ in den Handel gebracht. Schon damals erhielt das Erotikdrama von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Version. Das hat sich auch bei der Wiederveröffentlichung unter dem Titel „L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen“ nicht geändert. Auch diese Filmfassung ist uncut und ab 16 Jahren. Wegen höher eingestuftem Bonusmaterial auf der Heimkinoscheibe ist diese aber erst für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Now & Later; USA 2009

Genre: Drama, Erotik, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Minuten

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Interviews mit der Besetzung, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 11.03.2022

 
 

L.A. Nights – Grenzenloses Verlangen [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

L.A. NIGHTS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wildes Verlangen (2013)
 
Little Thirteen (2012)
 
Was will ich mehr (2010)
 

Filmkritik: „The Wicker Man“ (1973)

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THE WICKER MAN

Story

 
 
 
Ein Polizist wird in ein schottisches Inseldorf geschickt, um nach einem vermissten Mädchen zu suchen.
 
 
 


 
 
 

THE WICKER MAN – Kritik

 
 
Was ist es doch immer wieder für eine Freude, einen bereits gesehenen und lieben gelernten Film empfehlen zu dürfen, unverblümt erneut einen Handkuss mit auf den Weg einer neuen Veröffentlichung zu geben, um die allerletzten Originaltonverweigerer nun auch endlich in den Genuß dieses Horrorklassikers kommen zu lassen. „The Wicker Man“ aus dem Jahre 1973 ist nämlich einer dieser seltenen Fälle, in denen man nicht nur seinerzeit überrascht und geschockt das Kino verlassen und diese Eindrücke Generationen lang in eigenen Werken verarbeitet hat, sondern in denen auch eine heutige Sichtung noch von vorne bis hinten einen Genuß darstellt.
 
 

„What’s the matter? Aren’t you hungry?“

 
 
Ob das an dem wunderbar unkonventionellen, x-mal kopierten aber selten erreichen Script liegt, das den Zuschauer sowie Protagonisten einen Großteil des Films lang gekonnt im Dunkeln tappen lässt, ohne dass die Faszination für die Insel und ihre Kultur, oder die Spannung je darunter leiden würde, an dem einmaligen Folk-Soundtrack mitsamt diverser Ohrwürmer und wunderbar kauzig-atmosphärischer Tracks, an dem motivierten Schauspiel des gesamten Casts inklusive eines eindrucksvoll trällernden Christopher Lees als Lord Summerisle, oder doch an einem der wohl einprägsamsten Enden der Filmgeschichte – es macht keinen Unterschied, der Wicker Man ist und bleibt eine ikonische Wucht mit ikonischen Bildern, bemerkenswerten Performances und einer essenziellen Demonstration der Genialität des Bösen.
 
 

„What religion can they possibly be learning, jumping over bonfires?“

 
 
Dass unser tugendtreuer, streng religiöser Protagonist damals wie heute für viele Zuschauer wenig Identifikationspotential bietet wird durch die von Anfang an aufgebaute Rätselspannung und Atmosphäre wettgemacht, die prächtigen Landschaften – und Körper – des Films brillieren im HD-Bild wie nie zuvor. Ist man durch vorherige Sichtungen bereits auf den eigentlichen Inhalt vorbereitet, so können Framing, Kamerafahrten, Setdesign, Kostüme, Soundtrack, Erotik und Dialogdetails – wie bei mir geschehen – immer noch für einen enormen Mehr- und Unterhaltungsfaktor sorgen, die diesen Kulthit erst zu dem Meisterwerk machen, als das er heutzutage zurecht gehandelt wird.
 
 

„Come. It is time to keep your appointment with the Wicker Man.“

 
 
Wer Robin Hardys Geniestreich knapp ein halbes Jahrhundert nach seiner Erstveröffentlichung immer nocht nicht gesehen hat, dem wird mit dieser neuen VÖ eine weitere Chance gegeben, in allen drei Schnittfassungen, erstmalig in deutscher Synchro – die bei aller guten Intention nur gegen die charakterstarken, im Akzent sprechenden Originalstimmen verlieren kann, dafür aber immerhin die zahlreichen Gesangs- und Musikeinlagen unangetastet lässt.
 
 
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Der „Wow“-Faktor einer wirklich die Grenzen auslotenden Produktion fehlt mir persönlich irgendwo für die 10/10, auch habe ich keine persönliche Vorgeschichte zu dem Film und werde aus Spoilergründen nicht einen Satz der simpel wirkenden Story weiter spoilen – doch was da ist, ist quasi perfekt und somit verdient sich diese Horrorperle allemal seine 9 Punkte.
 
 
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THE WICKER MAN – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Zeitloser, kaltblütiger, hochatmosphärischer Folk-Horror-Klassiker, dessen Struktur das ganze Genre geprägt hat. Eigensinnig, charakterstark, skurill, schwarzhumorig, höchst musikalisch, spannend, erotisch und immer wieder sehenswert.
 
 


 
 
 

THE WICKER MAN – Zensur

 
 
 
„The Wicker Man“ hat in allen Filmfassungen (Final-Cut, Director´s Cut, Kinofassung) eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese sind alle unzensiert.
 
 
 


 
 
 

THE WICKER MAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studiocanal / Arthaus (2 Blu-rays im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Wicker Man; Großbritannien 1973

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 282 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 2 Blu-rays im Keepcase

Extras: Poster, Erstmalige neue deutsche Synchronisation für den Final Cut, Disc 1 Blu-ray Final Cut: Erstmalig neue deutsche Synchronisation, Die Verehrung des „Wicker Man“, Die Musik zu „The Wicker Man“, Interview mit Robin Hardy, Restaurationsvergleich, Video Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Trailer, Disc 2 Blu-ray: Director´s Cut (OmU), Kinofassung (OmU)

Release-Termin: KeepCase: 07.04.2022

 
 

The Wicker Man [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE WICKER MAN – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Studiocanal / Arthaus)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Midsommar (2019)
 
Das Haus der lachenden Fenster (1976)
 

Filmkritik: „Caged – Gefangene der Lust“ (2011)

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CAGED – GEFANGENE DER LUST

(CAGED)

Story

 
 
 
Eine junge Frau zwischen treuer Liebe und entfesselter sexueller Selbstfindung wacht in einer dreckigen Fabrikhalle auf und wird Opfer eines mehrtägigen Märtyriums.
 
 
 


 
 
 

CAGED – Kritik

 
 
Die Suche nach einem gelungenen erotischen Thriller der Neuzeit geht weiter, elf Jahre nach Release sowie publikumswirksam mit einem SPIO-Siegel versehen ist der niederländische Genrevertreter „Caged“ dann auch endlich Mal in Deutschland erschienen. Nicht dass ich von dem Titel, oder auch nur irgendeinem Film des Regisseurs Stephan Brenninkmeijer bisher etwas gehört oder gelesen hätte, handelt es sich dem ersten Blick nach um Erotikfilme ohne sonstige Genre-Einschläge, doch die Hoffnung auf ansprechend prickelnde sowie gleichsam spannende Filmkost stirbt ja bekanntlich zuletzt.
 
 
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Ob man das Freudzitat über die Mysterien der weiblichen Sexulität als erstes Opening Signal nun eher positiv oder negativ aufnimmt bleibt dabei dem Zuschauer überlassen, es folgen langsame Kamerafahrten der ewig bewährten Industriekulisse, zu Chören wird durch die leeren Gänge und Räume einer alten Fabrik gefahren, in deren Mitte unsere Protagonistin auf einer dreckigen Matratze wach wird. Eine Schwarzblende später sitzt Stella, so ihr Name, zu langsamen Jazz vor einem Spiegel und probiert unterschiedliche Outfits an, rasiert sich, monologisiert und bewundert ihren Körper.
 
 
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Die Inszenierung geht dabei nüchtern mit der Nacktheit um und wirkt allgemein professionell, auch ist das Schauspiel für diese simple Szene überzeugend genug, leider aber dreht sich der Monolog von Anfang an ausschließlich darum, dass Stella ihrer Meinung nach all ihre Bedürfnisse für ihre Beziehung vernachlässigt hat, und das nun endlich ändern will. Nicht aber etwa, indem sie ihren prüden – sowie treuen – Mann über ihren Drang nach Abenteuern und sexuellen Erfahrungn aufklärt, das Thema anspricht, Schluss macht und ihr Leben lebt, nein – sondern indem sie ihn betrügt, mit Vorsatz und Absicht, auf Sexparties und Orgien hinter seinem Rücken.
 
 

„Tagelang wollte ich weinen und ficken.“

 
 
Ihre Wandlung von der treuen, aber unterdrückten Frau zur fremdgehenden, feiernden und wild vögelnden, selbstbestimmten Partylöwin wird dabei semi-schuldbewusst ihrem Psychologen erzählt, der sich, äußerst realistisch gespielt, allerdings sehr zurückhält mit Wertungen oder Aussagen und in erster Linie weitere Fragen stellt, damit Stella zur Selbsterkenntnis gelangt. Obwohl diese „Läuterung“ dabei natürlich Teil der Geschichte ist und unsere Protagonistin keinesfalls unrproblematisch-sympathisch rüberkommen soll, ist es hierbei nur leider sehr ungeschickt, dass wir außerhalb des Sex- und Beziehungslebens von Stella fast nichts über sie erfahren, was ein Mitfiebern oder Sympathisieren unnötig erschwert, gerade da „Caged“ wahrlich genug Zeit für mehr Informationen gehabt hätte. Sie erzählt dass sie eines Morgens einen Quickie von ihrem Mann wollte, aber zurückgewiesen wurde da dieser nicht in der Stimmung war, sie erzählt davon wie sie auf Pornos masturbiert in denen sie selber mitspielt. Solche Szenen schrecken vor expliziten Blicken zwischen die Beine der Protagonistin nicht zurück, echte Penetration oder auch „nur“ Oralsexszenen sollte man allerdings nicht erwarten.
 
 
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Am nächsten Tag konfrontiert ihr Mann sie mit dem Fund des Pornos, Stella beteuert nur dass das ja „nie wieder vorkommen würde“ und verteidigt sich damit, dass sie sich eingesperrt fühle, eigentlich ja auch treu sei. Der Versuch eines Sauna-Swingerdates mit einem befreundeten Pärchen wird für ausgiebige Nacktszenen und sexuelle Anspannung genutzt, schlägt aber letzten Endes fehl, ein weiteres Fremdgehen mit einem verheirateten Businessman später macht Vincent schließlich Schluss, was Stella dann doch irgendwie zu treffen scheint – und sie in die Arme ihrer ebenfalls swingenden Arbeitskollegin treibt, mit der sie einen schnellen, aber kalt und distanziert am nächsten Morgen endenden One-Night-Stand hat.
 
 
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Verschnitten wird diese allzu triviale, leicht episodenhafte und wenig belangvolle Geschichte von Lüsten und Trieben, die sich durch die Rückschnitte zur Therapiestunde ohnehin selber zergliedert, nun noch mit dem anfangs geteasten Fabrik-Einschlag. Nachdem sich Stella zu Beginn nämlich nur mit Käsebroten reinschaffenden, anzug- und masketragenden Entführern, der Kameraüberwachung sowie der Entdeckung, dass die Karte ihres Handys entfernt wurde, herumschlagen muss, scheint der Film nach viel Vorspiel bei „Tag 5“ dann endlich am eigentlichen Punkt dieser zweiten Erzählung angekommen zu sein, da sie nun betäubt wird und nackt, auf einen Stuhl fixiert, aufwacht. Wer jetzt allerdings an brutale, eine SPIO-Freigabe rechtfertigende Folterexzesse oder auch nur fetischisierte Sexualakte denkt, der liegt merkwürdigerweise falsch, da „Caged“ stattdessen wirklich nur an den Machtspielchen, etwas Zwangsbefriedigung und Stellas Charakter interessiert zu sein scheint, keinesfalls aber an der harten Genreerfahrung, die Cover und Pressestimmen teils implizieren.
 
 
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Das letzte „Puzzlestück“, wenn man es denn so nennen will, bildet die ebenfalls in der rustikalen Umgebung aufwachende Christine, die sich in einigen Gesprächen schnell als tugendtreue, religiöse und Stellas Verhalten verurteilende Frau entpuppt, welche nichtsdestotrotz mit ihr zusammen in der selben Klemme steckt. Der Routine des „betäubt, ausgezogen, begrabscht und zurück getragen -Werdens“ können die jungen Frauen nur leider auch mit vereinten Kräften nicht entkommen, was zu zähen, repetitiven Szenen führt in denen wenig philosophische oder tiefgründige Gespräche geführt und zu lange gefoltert wird, ohne dass es je erschreckend, intensiv oder wirklich erotisch wäre.
 
 
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Nach Gesprächen über das Konzept der heiligen Ehe oder der Promiskuität an sich und einem scheinbar geil werdenden Psychologen gibt „Caged“ sich dann, etwa eine halbe Stunde vor dem Abspann, leider noch mit einer erstmalig ziemlich billig wirkenden Techno-Maskenparty die Blöße, sowie mit einer endgültig selbstzweckhaft und softpornohaft wirkenden Szene, die in erster Linie langweilt. Ein schnell abgehandeltes, zu dem Zeitpunkt vorhersehbares, sowie höchst unspektakuläres Finale später wissen einige arthousige Bilder noch zu gefallen und sich ggf. im Kopf festzusetzen, auch war die Hauptdarstellerin größtenteils gut gewählt für diesen Film – doch was der offensichtlichsten Themen, die sich nach wenigen Minuten erschließen, genau der Punkt dieser allzu redundanten, deutlich zu langen und zähen 105 Minuten sein sollte, das bleibt mir ein Stück weit schleierhaft.
 
 


 
 
 

CAGED – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Ansprechend inszenierter, gut besetzter Erotikfilm mit anstrengender Überlänge, sich wiederholenden Gesprächen und handzahmer, unnötiger Zweiterzählung.
 
 


 
 
 

CAGED – Zensur

 
 
 
„Caged – Gefangene der Lust“ erhielt von der FSK für die Kinoauswertung eine Freigabe ab 18 Jahren. Das gilt aber nicht für die Heimkinoauswertung. Für diese verweigerte die FSK die Freigabe. Anbieter Busch Media Group ging daraufhin zur Juristenkommission und sicherte dem Film unzensiert die Einstufung SPIO JK – Keine schwere Jugendgefährdung.
 
 
 


 
 
 

CAGED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Caged; Niederlande 2011

Genre: Drama, Erotik, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Niederländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 108 Minuten

FSK: SPIO JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Drei Kurzfilme des Regisseurs, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 08.04.2022

 
 

Caged – Gefangene der Lust [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CAGED – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tokio Dekadenz (1992)
 
Swinger – Verlangen, Lust, Leidenschaft (2015)
 

Filmkritik: „Lamb“ (2021)

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LAMB

Story

 
 
 
Nachdem eins ihrer Schafe ein Wesen zwischen Mensch und Lamm gebärt, entscheiden Ingvar und María sich, es als Teil der Familie aufzuziehen.
 
 
 


 
 
 

LAMB – Kritik

 
 
Ein Sturm wütet auf der verschneiten, isländischen Weide und eine Pferdeherde flüchtet vor einer schwer atmenden Gestalt, die wir jedoch nicht zu sehen bekommen. Mit diesem stimmungsvollen Opener begrüßt uns das außergewöhnliche Drama „Lamb“, dessen wortkarge und auf beeindruckende Landschaftspanoramen setzende Inszenierung sich auch in den folgenden 100 Minuten fortsetzen wird. Im ersten der drei grob gleichlangen Kapitel, in die der Film eingeteilt ist, „passiert“ demnach auch nicht viel, bis auf der Alltag unserer Protagonisten María (Noomi Rapace) und Ingvar (Hilmir Snær Guðnason), einem Paar das auf ihrer recht isoliert wirkenden Schaafsfarm lebt.
 
 
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Das Aushelfen beim Gebären der Lämmer gehört ebenso zur Routine wie lange Fahrten mit dem langsam den Geist aufgebenden Traktor, Gespräche sind selten, Emotionen werden für sich ausgehandelt. Inmitten dieser leicht distanziert oder kühl wirkenden Umgebung und Beziehung wird nun plötzlich ein Lamm geboren, zu dem María von Anfang an eine mütterliche und fürsorgliche Beziehung aufbaut, zumal es sich – woraus in dem Werbematerial ja auch nie ein Hehl gemacht wurde – um ein Lamm/Mensch-Hybridwesen handelt, dessen Verhalten größtenteils dem eines Babys entspricht.
 
 
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Wenn Ada, so der Name des stummen Lammkindes, nun angezogen mit María im Blumenfeld sitzt oder mit Ingvar durch die malerische Umgebung fährt, sorgt das für einzigartig absurde, wunderbar surreale Bilder und zudem eine erfülltere Beziehung samt Familienglück, was mit anderen Motivationen also leicht in eine leichtfüßige, romantische Komödie abrutschen könnte. Süße Tiere, gefühlvolle und sanfte Musik, traumhafte Felder und warm beleuchtete Sets – es könnte so harmlos und kitschig sein. Doch nicht nur klopft Ingvars kleinkrimineller Bruder an die Pforte und bittet um Einlass, auch hat Adas eigentliche Mutter, das Schaf nämlich, ein großes Problem mit dem Kindesraub und stellt sich in Protest blökend vor das Fenster.
 
 
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Stimmungsvoll sepiafarbende Alpträume von Schafen, vernebelte Felder mit beängstigend schnaufenden Wolltieren, ein A24-Film mit bedrohlichem Trailer, der direkt an Black Philip aus „The Witch“ denken lässt – wer die Prämisse einmal geschluckt und ernst genommen hat, der könnte auch auf ganz andere Weise auf dem Holzweg sein. Denn trotz verunsichernder Momente und einer unterschwelligen Anspannung sowie Bedrohung ist „Lamb“ keinesfalls ein Horrorfilm. Nach dem behutsamen und langsamen Aufbau der Geschichte im ersten Akt herrschen nun erst einmal Dialoge, Konflikte und äußerst witzige Situationskomik vor, zwischen dramatischen Träumen und Trieben bleibt eine äußerst lebendige und authentische, betrunkene 80s-Synthiepop-Tanzszene im Gedächtnis, die wenig erzählt, aber die Charaktere noch menschlicher werden lässt.
 
 
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Die grobe Thematik rund um Verlust & Akzeptanz, Liebe & Missgunst wurde ähnlich, wenn auch deutlich zäher und weniger künstlerisch in z.B. „Vivarium“ verfilmt, während dieser aber ein farbenfrohes, unerwartetes und recht starkes Finale und Ende hat, ist mir bei „Lamb“ hingegen fast schon die Kinnlade auf den Boden gefallen – vorherigen Theorien, Metaphern oder angedachten Symboliken bewusst boykottierend und fast schon den Stinkefinger zeigend, endet es konsequent und irgendwie genau so dämlich wie amüsant, da der Kontrast zwischen todernstem Drama und fast schon memewürdig-merkwürdigem Genrefilm besonders deutlich und bewusst hervorgehoben wird. Gleichsam sind es die süßesten und niedlichsten Einstellungen des Films, die auf die tragische Hintergrundgeschichte unserer Charaktere hindeuten.
 
 
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Wer sich hier also spoilt hat schon verloren, denn „Lamb“ hatte für mich keine besondere Sogwirkung oder versteckte Genialität, sondern ist „einfach nur“ der sehr gut gemachte, höchst atmosphärische, minimalistisch aber überzeugend gespielte und großartig fotografierte, äußerst ungewöhnliche und simple, geradlinige Dramenfilm den man nach dem Lesen einiger Reaktionen erwartet hat – nur dass man das Ende, sowie einige Einstellungen oder Momente davor definitiv selber gesehen haben sollte, einfach um verwundert, aber interessiert zu grinsen.
 
 


 
 
 

LAMB – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Weder Horrorfilm noch absurde Comedy, weder ein Meisterwerk noch ein Totalausfall – „Lamb“ ist ein hochwertig produziertes, eigensinniges Drama mit Mut zur Absurdität, das seine wilde Prämisse ernst nimmt und zum Interpretieren einlädt, nur um alle Konzepte dann wieder zu sabotieren. Etwas schleppend und wenig für 100 Minuten ist das zwar schon, aber eine einmalige Sichtung dürften genreoffene Filmfans, Bildästheten, A24-Fans und Freunde überraschender Enden wohl kaum bereuen.
 
 


 
 
 

LAMB – Zensur

 
 
 
„Lamb“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

LAMB – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook – Cover A)

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(c) Koch Films (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lamb; Island | Polen | Schweden 2021

Genre: Horror, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 106 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Behind-the-Scenes, Teaser und Trailer, Bildergalerie | zusätzlich im Mediabook: Film auf UHD-Disc, Exklusiver Lamb-Pin (Nur für die ersten 100 Vorsteller im Koch Films Shop), Booklet mit einem Text von Robyn Kerkhof

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 28.04.2022

 
 

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LAMB – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume (2019)
 
Borgman (2013)
 
Possession (1981)
 

Filmkritik: „Hunter Hunter“ (2020)

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HUNTER HUNTER

Story

 
 
 
Nach einigen beunruhigenden Funden muss eine abgeschieden im Wald lebende Familie drastische Entscheidungen treffen.
 
 
 


 
 
 

HUNTER HUNTER – Kritik

 
 
Auf Deutsch übersetzt hört die dritte Regiearbeit des kanadischen Regisseurs Shawn Linden auf den Namen „Jäger Jäger“, also der Jäger des Jagenden, und damit werden die später folgenden, sich wechselnden Machtverhältnisse dieses herrlich abgefuckten Streifens auch schon effektiv angedeutet – doch alles der Reihe nach.
 
 
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In der Abgeschiedenheit der bergigen, dicht bewaldeten, idyllischen kanadischen Landschaft leben Anne, Joseph und Renee ein ruhiges und toughes Leben zwischen Bärenfallen und Fellhandel, doch da die Geschäfte nicht laufen und ein Wolf vor der Tür zu wildern scheint, möchte Anne dass ihre mittlerweile 13-jährige Tochter doch in der Stadt aufwächst und zur Schule geht. Familienoberhaupt Joseph hingegen scheint gelinde gesagt von der alten Schule und vom „harten Schlag“ zu sein, was sich in wortkarger, implizit definitiv sturrsinniger, wenn nicht toxischer Maskulinität ausdrückt.
 
 

„Nothing pushes us out of our home.“

 
 
Hauptdarsteller Devon Sawa kann man dabei z.B. aus der Final Destination-Reihe oder auch dem Halloween-Kulthit „Idle Hands“ kennen, seine Frau wird von Camille Sullivan (Butterfly Effect, Sea Beast, The Traveler) gespielt, die Tochter des Paares von Summe H. Howell, die Genrefans noch aus den jüngsten beiden Filmen der Chucky-Reihe im Kopf haben dürften. Alle drei spielen sie angespannt, menschlich und realistisch genug um das Szenario zum Leben zu erwecken, was dank weniger Locations außerhalb des Walds und der Hütte sowie eines sehr überschaubaren Casts auch bitter nötig ist. Doch nicht nur aufgrund des Schauspiels, sondern auch aufgrund des schnell etablierten und nachvollziehbaren Konflikts kommt hier keine Langweile auf – natürlich will Anne ihr Zuhause auch nicht aufgeben und hat sich auch bewusst für eine isolierte Existenz entschlossen, doch sind ihre Existenzängste, nicht zuletzt aufgrund des Wolfs vor der Tür, nicht berechtigt?
 
 

„Tell momma I’m home after dark.“

 
 
Statt sich lange mit der Alltagsroutine oder den Beweggründen der Familie aufzuhalten, bricht Joseph stattdessen nach kurzer Zeit auf, den Wolf zu finden – und findet ihn tatsächlich in Rekordzeit. Doch weitere Spuren führen zu einem Fund, der höchst unerwartet ist und auf etwas deutlich Sadistischeres hindeutet, als auf einen Wolf. Und so ist also keine halbe Stunde vergangen und das Interesse des Zuschauers dürfte geweckt sein, doch als wäre das nicht genug folgt unmittelbar danach auch noch eine höchst mitreißende und unerwartet emotionale kleine Szene, in der die Beschützerinstinkte einer Mutter höchst glaubhaft und fesselnd verkörpert werden,was Sullivan mit aller Intensität zu spielen weiß.
 
 
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Abseits davon stellt sich nun langsam aber sicher der Eindruck eines zwar unterhaltsamen und teils sogar witzigen, aber eben auch recht gemütlichen Films ein, der nicht gerade vor Spannung oder Action explodiert – was kein wirklicher Kritikpunkt ist, aber einige sicher anders erwarten könnten. Nachdem Joe nämlich eine weitere Nacht alleine im Wald verbringt um weiter zu jagen, macht auch Anne unweit vom Haus eine beunruhigende Entdeckung und kontaktiert die lokalen Behörden, die sich allerdings wenig beeindruckt zeigen. Was mir an diesen Szenen besonders gefallen hat ist, dass sie nicht nur der Haupthandlung dienen und demnach schnell abgehandelt werden, sondern dass diese eigentlich unwichtigen Nebencharakter auch ihre eigenen kleinen Bögen und Motivationen haben, was für einen charakterstarken Unterhaltungsfaktor sorgt.
 
 
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Nachdem die Fallen alle ausgelegt, die Fährten angedeutet, die Stärken gezeigt und die Leitthemen grob etabliert wurden, ist es kurz nach der Hälfte des Films dann ein letzter Fund, der die Handlung relativ zügig zur Eskalation und zum Höhepunkt treibt – und meine Güte, ich kann nicht genug betonen wie wunderbar gnadenlos, bösartig, abgefuckt und charmant dieses Finale doch ist. Es kommt nicht aus dem Nichts, es ergibt Sinn, wenn man drauf achtet kann man es auch durchaus weiter deuten, problematisch oder clever finden – aber ein wenig wirkt es trotzdem so, als hätte man den Film um diese herrliche Szene drumrum geschrieben. Ohne noch irgend ein weiteres Wort über diesen solide inszenierten, gut aussehenden aber nicht sonderlich hübschen, kurzweiligen aber nicht besonders schnellen, interessanten aber nicht immer spannenden, sowie mit Genre-Elementen versehenden, aber nicht eindeutig der Horror, Thriller oder Mystery-Schiene folgenden Film zu verlieren, hier eine kleine Empfehlung für schnörkellose, wenngleich auch etwas gemächliche 90 Minuten. Wer hier bei den Credits nicht breit grinst, der hat wohl schon vorher abgeschaltet – aber es lohnt sich, wirklich.
 
 


 
 
 

HUNTER HUNTER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Sympathischer, charmanter, technisch stimmiger Thriller/Horror/Mystery-Hybrid mit guten Performances, interessanter Thematik und ikonischem Ende.
 
 


 
 
 

HUNTER HUNTER – Zensur

 
 
 
„Hunter Hunter“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 18 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

HUNTER HUNTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hunter Hunter; Kanada | USA 2020

Genre: Thriller, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Minuten

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Interviews, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf UHD-Disc, Booklet

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 28.04.2022

 
 

Hunter Hunter [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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HUNTER HUNTER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Prey (2019)
 
Demigod – Der Herr des Waldes (2021)