Filmkritik: „Bloody Hell – One Hell of a Fairy Tale“ (2020)

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BLOODY HELL – ONE HELL OF A FAIRY TALE

(BLOODY HELL)

Story

 
 
 
Ein Ex-Knacki im Urlaub gerät in die Hände einer äußerst unangenehmen Familie mit mysteriösen Beweggründen

 
 
 


 
 
 

BLOODY HELL – Kritik

 
 
Der australische Drehbuchautor und Regisseur Alister Grierson zeichnet sich bereits für diverse Werke wie „Sanctum“ oder „Kokoda“ verantwortlich, doch weder eine Comedy, noch einen allzu brutalen oder gar splatterigen Film hat er bisher inszeniert – umso erfreulicher also, dass „Bloody Hell“ nach langer Zeit mal wieder als Punktlandung im Bereich des reinen Unterhaltungsfilms zu sehen ist, da hier ohne Kompromisse, unnütze Dramaturgie oder totgeguckte Klischees ein höchst charismatischer und spannender Protagonist präsentiert wird, dessen innerer Monolog am laufenden Band Spaß macht, so aussichtslos die Situation auch wirkt. Aber der Reihe nach:
 
 

„In some versions you’re The Dark Knight, in others you’re The Joker!“

 
 
Nach einem atmosphärischen und gut fotografierten Opener im finnländischen Wald geht es zu gezupfter Countrygitarre nach Idaho, wo ein junger, gutaussehender Mann in der Bank ansteht, um „Maddy“, die hübsche Bankangestellte, zu sprechen. Die Rede ist von Rex, unserem von Ben O’Toole verkörperten Protagonisten, vermutlich in der bisherigen Rolle seines Lebens. Zackig geschnitten, professionell inszeniert und kurzweilig wird nun erzählt wie bewaffnete Bankräuber das Gebäude stürmen, Ben in Selbstjustiz alle davon fertigmacht, dafür als Held gefeiert wird, aber auch 8 Jahre ins Gefängnis kommt. Seines zweifelhaften Ruhms überdrüssig entscheidet er kurzerhand nach Finnland zu ziehen, um dort neu anzufangen.
 
 

„Fee Fi Fo Fum – I smell the blood of an American. May he alive, or may he dead, I grind his bones to make my bread.“

 
 
Direkt am Flughafen trifft Rex auf mehrere, ältere Finnen die irgend etwas unverständliches nuscheln, ihn merkwürdig beäugen und seine Paranoia auslösen, doch ein beruhigendes Selbstgespräch auf der Toilette später hat sich unser vermutlich nur überreagierender, PTSD- geplagter Protagonist genug beruhigt, um in den Flieger zu steigen. Jedes dieser Selbstgespräche zwischen Rex und seinem inneren Ich wird dabei durch technisch einwandfreie Szenen inszeniert, in denen O’Toole zweimal zu sehen ist und flüssig auf sich selbst reagiert, mit sich selbst diskutiert. Und so, durch einen Betäubungsgasangriff, ohne auch nur die kleinste Verschnaufpause, gelangen wir also nach weniger als 20 Minuten bereits nach Finland, wo Rex in einem dreckigen, schick beleuchteten Keller von der Decke baumelt und seinen rechten Unterschenkel vermisst…
 
 
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Wie so oft bei guten, überraschenden Filmen soll auch an dieser Stelle gar nicht weiter erzählt werden, denn auch wenn weder die Antagonisten, noch das Setting an sich allzu originell oder neu sind, so ist es hier einerseits das „Wie“, andererseits das „Warum“, das in einigen Flashbacks amüsant erzählt wird oder durch bissiges, witziges Writing immer wieder überzeugen kann. Die Selbstgespräche sind super realistisch und schwarzhumorig, die Kamerafahrten durch die Böden, Etagen und Decken des alten Hauses beeindruckend und flüssig, hauptsächlich aber reicht schon O’Toole in dieser sehr ungünstigen Situation beim Hadern mit sich selber, um zu unterhalten.
 
 
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Denn auch wenn mir eine Offenbarung sowie Ausführung jener etwas zu trashig und häufig gesehen ist, wir wenig über die Entführerfamilie erfahren und der Film sich im zweiten Akt mit zu viel Hintergrundgeschichte trotzdem noch etwas ausbremst, so überwiegt in erster Linie die Freude darüber, mal wieder einen charakterbasierten Film zu sehen, der um die Stärke seines Schauspielers und Drehbuchs weiß und darum nicht großartig versucht, mit Gore, Sadismus oder unnötig aneckenden Witzen auf sich aufmerksam zu machen.
 
 
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Was jedoch nicht heißen soll, dass „Bloody Hell“ harmlos wäre, ganz im Gegenteil: So amüsant und schwarzhumorig dieser Film auch sein mag, im der dramatische Kern ist tragisch, glaubhaft und funktioniert, wird gut erzählt und sorgt für mehr als nur die oberflächlichste Unterhaltung. Der Charakterwandel ist interessant nachzuvollziehen und wirkt nie zu aufgesetzt und auch wenn der Film es nie nötig hat, unbekannte Nebencharaktere für Gore-Einlagen zu töten, so ist der Gore, der dann später aufkommt, absolut schonungslos, wunderbar handgetrickst und geradezu kathartisch zu nennen. Man liest es schon raus, ich war höchst amüsiert von und zufrieden mit „Bloody Hell“: Trotz wenigen Settings und „kleiner“, simpler Story wurde hier ein großartig galliges, von vorne bis hinten frisches und spaßiges Script auf höchst brutale, clevere, sympathische Weise konsequent umgesetzt. Mit einem fantatischen Hauptdarsteller in einer auf ihn zugeschnittenen Rolle, spitzen Dialogen, höchst witzigen Galgenhumor-Einlagen, nicht zu unterschätzenden, brutalen Mini- Massakern und fast perfektem Pacing. Wäre ein Charakter ausgetauscht, eine Szene etwas umgeschrieben, ich wäre bei ganzen 8/10 Punkten, so aber schrappt der Film ganz knapp daran vorbei.
 
 
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BLOODY HELL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Bitterböse, witzige, sarkastische, höchst kurzweilige Comedy mit deftigen Gewalteinlagen, tragischer Backstory und fantastischer Performance von Ben O’Toole.
 
 


 
 
 

BLOODY HELL – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Bloody Hell – One Hell of a Fairy Tale“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BLOODY HELL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Splendid Film (2 Blu-rays im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bloody Hell; Australien | USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Making-of, Original-Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film „We Summon the Darkness“ auf Blu-ray, 20-seitiges Booklet

Release-Termin: Mediabook | KeepCase: 24.09.2021

 

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BLOODY HELL – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Very Bad Things (1998)
 

Filmkritik: „Paintball Massacre: Paintball war noch nie so tödlich“ (2020)

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PAINTBALL MASSACRE: PAINTBALL WAR NOCH NIE SO TÖDLICH

(PAINTBALL MASSACRE)

Story

 
 
 
Eine Gruppe ehemaliger Mitschüler trifft sich zum Paintball spielen, doch was mit frechen Sprüchen und guter Laune beginnt, entwickelt sich alsbald zum Alptraum.

 
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Kritik

 
 
Es ist ein sehr spezifisches Dilemma der vergeudeten Möglichkeiten im Horrorgenre, aber ein Dilemma nichtsdestotrotz: Meines Wissens nach existieren nur zwei Filme in denen Leute während eines Paintball-Spiels umgebracht werden und nicht nur heißt keiner davon „Painball“, nein, auch noch sind beide grottenschlecht und voll verschenkter Möglichkeiten. Doch während „Paintball“ von 2009 zwar langweilig, unmotiviert, schlecht gespielt und vorhersehbar ist, so weiß der Film zumindest eine gewisse inszenatorische Grundkompetenz aufzuweisen, die dem vorliegenden, 11 Jahre später entstandenen Werk komplett abgeht – und das bei so viel mehr Ambitionen und Ideen, als im ersten Farbschlachttötungsindiehorrorfilm.
 
 

„They’re gonna murder us, they’re all bald!“

 
 
Der kitschige, lahme und unpassende Rocksong im Menü warnt bereits vor, ein letztes Mal den Werbespruch „Hot Fuzz trifft auf Dog Soldiers“ gelesen und die Augen zum Himmel gerollt, dann startet es überraschenderweise mit sphärishcen, langsamen Klängen und Opening Credits, in denen jemand überlegt, sich umzubringen, stattdessen aber die Einladung zu einem Klassentreffen erhält und es sich anders überlegt. Nach gerade einmal 90 Minuten lernen wir unsere Charaktere dann auch direkt auf besagtem Klassentreffen kennen, welches scheinbar aus einem Barbesuch am Abend sowie einem Paintball-Match am nächsten Tag besteht und langsam aber sicher stellt sich tatsächlich so etwas wie eine Erwartungshaltung ein.
 
 

„Life is pretty much exactly like The Fast & Furious Movies.“

 
 
Denn Klassentreffen halte ich spontan für die mit spannendsten Events für gut geschriebene Filme, da hier massig Potential aus den alten Fehden und Freundschaften dieser untereinander bekannten, sich aber nicht unbedingt leiden könnenden Charaktere geholt werden kann, um für Anspannungen, witzige Partyszenen oder emotional treffende Szenarien zu sorgen. Und in der Tat: Innerhalb der nächsten 10 Minuten ist der britische Cast zwar dauerhaft am nuscheln und säuseln und schwierig zu verstehen, auch sind die Charaktere nicht unbedingt sympathisch, aber glaubhaft, realistisch genug sowie ordentlich gespielt alle mal. Namen werden vorgestellt, Anekdoten über Jobs ausgetauscht und ein mysteriöser, fast schon beunruhigender Barkeeper darf ein paar ominöse Warnungen aussprechen – soweit, so solide.
 
 

„Today is a good day!“

 
 
Hat man die bittere Realisation, dass das „Klassentreffen“ und demnach auch die Anzahl der Paintballspieler sich wohl auf Zehn Menschen beschränken, geschluckt, geht es im launigen Aufbau mit overactenden, unrealistischen aber auf stumpfe und eben darum auch so amüsante Weise, witzigen Paintball-Guides weiter, die sich Wortgefechte liefern und gerade die vorlaute, einen großen Ausschnitt tragende, dauerhaft lästernde Göre der Gruppe zurechtweisen. Gerade diese Szenen gehören mit Synchro übrigens mit zu den unerträglichsten, unwitzigen Stellen, in die man so reinschnuppern kann – wirklich lieber dann und wann ein Wort nicht verstehen, als diese Trommelfellmisshandlung zu erdulden.
 
 

„Got you, you murdering cunt!“

 
 
Wie dem auch sei, ein paar Dialoge über die „Fast and Furious“-Filme wissen zu amüsieren und durch die ersten knapp 20 Minuten weiß sich „Paintball Massacre“ also durch etwas Comedy sowie solide inszenierte, wechselnde Settings noch zu retten, doch dann beginnt das eigentliche Spiel und von „Action“, „Spannung“ oder „Spaß“ kann hier leider wirklich keine Rede sein: In langsamen, undynamischen, extrem kurzen Montagen ohne jede Orientierung wird auf langweiligste Weise das selbe Team nieder gemacht, das war es dann auch wieder.
 
 

„It was only school stuff, nothing serious!“

 
 
Doch Gott sei Dank scheint diese Produktion um die aufkommende Langeweile zu wissen und startet darum nun unverhofft mit seinem Slasher-Plot, offenbart dabei aber auch gleich die mit größten Schwächen: Für ein paar saufende, Witze reißende Kumpels reichen sowohl das Niveau des Casts als auch des Scripts, doch wenn auf einen ganzen Raum voller Leichen reagiert werden soll, kommt beides sehr schnell an seine Grenzen. Und so steckt die gesamte Gruppe den Fund eben jener also ziemlich gut weg und startet damit eine Reihe von unlogischen Fragwürdigkeiten, die den weiteren Filmgenuß gehörig sabotieren.
 
 
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Wieso sucht die Gruppe nun nicht als aller erstes die Spielleiter auf, die gefühlt gerade eben noch vor Ort waren und auf deren Verschwinden der Film nicht direkt eingeht? Wenn es um den Rückweg in die Zivilisation geht, wieso versucht niemand eins der Autos zu fahren? Wenn nur acht Leute auf euer Klassentreffen gehen, werden ja wohl auch nie alle eingeladen sein, wieso also trotz Vorauswahl diese Gruppe zusammenstellen, die sich teilweise überhaupt nicht leiden kann? Als der erste Verlust in den eigenen Reihen entdeckt wird, weiß der Film effekttechnisch zwar abermals zu überzeugen und greift nicht auf billiges CGI zurück, doch die folgende „Spannungsszene“, in der der nie zu sehende Schütze mit Paintballs auf die Gruppe schießt, ist an Lächerlichkeit leider kaum zu überbieten.
 
 
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Eine höchst vorhersehbar aufgelöste Szene erinnert an den Welten besseren „Severance“, doch solche Tagträumereien werden jäh durch die nächsten mies spielenden, laut streitenden, im starken Akzent sprechenden Non-Charaktere unterbrochen, die sich weder durch eine hübsch eingefangene Umgebung, noch harte oder gut getrickste Kills retten können. Der Plot ist hirntot, das Editing peinlich und amateurhaft, die wenigen CGI-Effekte zerstören jede Illusion. Einer der Charaktere lässt sich ohne jede Gegenwehr einfach verbuddeln, ein anderer definiert sich ausschließlich durch Dummheit und egoistisches, unsympathisches Verhalten.
 
 
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Weder die wenigen Gore-Einlagen, noch die zum Schmunzeln anregenden Dialoge einzelner Teilnehmer, noch die unmotivierte 80s-Synthiemelodie zum Finale hin kann irgendwas retten, unterhalten oder auch nur zum weiteren Angucken motivieren, wenn hier jeder so sehr seinen Tod verdient hat, niemand zum Mitfiebern motiviert und audiovisuell absolut überhaupt nichts geliefert wird. Schlimme Schauspieler versuchen sich an grauenhaften Charakteren zum Abgewöhnen in einem unnötigen, überlangen, anstrengenden Billigslasher, dessen punktuellen Ambitionen in nerviger Langeweile untergehen. Das Finale und Ende setzt der Vorhersehbarkeit und Enttäuschung dann noch die Krone auf, da man hier scheinbar schlicht und ergreifend zu faul war, um eine Schlusspointe zu enden oder auch nur EINE neue Idee zu etablieren.
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Billig-Slasher-Totalausfall mit anstregenden Dialogen, langweiligen Szenenabläufen und hassenswerten Charakteren.
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Paintball Massacre: Paintball war noch nie so tödlich“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Paintball Massacre; Großbritannien 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 17.09.2021

 

Paintball Massacre: Paintball war noch nie so tödlich [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

PAINTBALL MASSACRE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Paintball (2009)
 
War Games: At the End of the Day (2011)
 

Filmkritik: „Day 13 – Das Böse lauert nebenan“ (2020)

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DAY 13 – DAS BÖSE LAUERT NEBENAN

(DAY 13)

Story

 
 
 
Ein zum Babysitten verdonnerter, junger Mann beobachtet mysteriöse Aktivitäten im eigentlich unbewohnten Nachbarshaus und entscheidet sich, der Sache nachzugehen…

 
 
 


 
 
 

DAY 13 – Kritik

 
 
Das knapp 90-minütige Spielfimdebüt von Jax Medel, „Day 13 – Das Böse lauert nebenan“, kann sich wahrlich sehen lassen. Der Independent-Thriller mit zugegebenermaßen relativ wenig eigenen Ideen, der sich bei der durch „Das Fenster zum Hof“, „Disturbia“, „Meine teuflischen Nachbarn“ oder „The Neighbor“ bekannten Prämisse des scheinbar beobachteten Nachbarschaftsverbrechen bedient, scheint auf den ersten Blick nicht weiter der Rede wert zu sein, doch durch eine gekonnte Inszenierung, überzeugende Darsteller und ein ziemlich wahnsinniges Ende wurde ich doch tatsächlich amüsiert und zufrieden aus dieser Seherfahrung entlassen. Ein dramatisches Orchester spielt aufbrausend im schlichten Menü, mit klassischen Opening Credits vor einem schwarzen Hintergrund startet dann der eigentliche Film. Ein junger Mann namens Colton telefoniert im Holzfällerhemd daheim mit seinem Kollegen Roger, der Dialog ist nicht weiter relevant aber dafür realistisch geschrieben sowie ordentlich gespielt. Da seine Mutter nervlich am Ende ist und eine Auszeit braucht, soll Colton nun für ganze 16 Tage auf seine kleine Schwester Rachel aufpassen – doch was wie eine nervige und wenig spannende Aufgabe beginnt, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zur angespannten Obersvierungsaufgabe, da im eigentlich unbewohnten Nachbarhaus verdächtig wirkende Aktivität von statten geht…
 
 

„I’ve never seen anyone move in or out.“

 
 
Noch bevor die 20-Minuten-Marke erreicht ist, haben Roger und Colton bereits Kameras gekauft und die Operation „Nachbarschaftsüberwachung“ semiprofessionell angegangen, in einer Mischung aus gesunder, erwachsener Skepsis und jugendlicher Neugierde. Und auch wenn beide vielleicht etwas zu alt gecastet wurde bzw. zu jung spielen und mehr als eine oft gesehene Rätselspannung nicht aufkommt, so reicht die technische Grundkompetenz des Films zusammen mit seiner Kurzweil und einigen bemerkenswert hübschen Lichtspielereien allemal aus, um zu unterhalten – wenn die Auflösung denn nicht alles versaut.
 
 
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Für weitere Fragezeichen sorgt eine junge Frau namens Heather, die kurz angebunden und zögerlich antwortet, nicht aber wütend oder allzu konfrontativ auf die Spionage reagiert, derer Opfer sie und ihr scheinbarer, merkwürdig alt wirkender Vater werden. Doch stalkt dieser wirklich seine Tochter beim Duschen und hat Dreck am Stecken, oder dreht die Fantasie eines gelangweilten Teenagers nur durch? Gibt es ein abzuwendendes Unheil, oder sollte Colton nur seine Medikamente nehmen? Und was hat es mit der Vorgeschichte der Nachbarschaft auf sich, die vor Jahren komplett abgebrannt ist? Ich war reichtlich pessimistisch auf den belanglosesten Rotz gefasst, doch kann mich wahrlich nicht beschweren: „Day 13 – Das Böse lauert nebenan“ mischt nicht gerade die originellsten Zutaten zusammen, doch weiß durch mehrfach auslegbare Andeutungen, Details aus der Vergangenheit und eine gerade in den Nachtszenen sehr gelungene, moderne Indie-Ästhetik durchaus anzuspannen, zu unterhalten und bei Laune zu halten. Das alte Haus selber wird im weiteren Verlauf natürlich auch noch von innen erkundet und weiß durch einige hübsche Setdesigns zu überzeugen, ein einzelner, lauter Jumpscare kann bei der rot-bläulich-orangenen Farbgebung verkraftet werden.
 
 
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Die ersten Längen treten punktuell nach etwa zwei Dritteln des Films auf, dafür aber deutet sich auch ein funktionierender Twist an und viele Szenen, die in vergleichbaren Filmen quasi unerkennbar wären, wissen hier durch wenig, aber gezielt gesetztes Licht zu überzeugen. Ein ruppiges, düsteres, etwas zu kurzes und gehetzt wirkendes, aber – wir fast alles im Film – unterm Strich in Ordnung gehendes Finale später folgt nun die letzte Szene und der mit größte Grund, sich „Day 13 – Das Böse lauert nebenan“ überhaupt anzusehen.
 
 
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Denn nachdem der Film bis hierhin relativ konventionell war, wird nun in einer grandiosen Szene, die wahnsinnig überambitioniert ist und deutlich unter dem Budget leidet, mit aller Konsequenz die letzte, gallige Pointe ausbuchstabiert, die es wirklich in sich hat. Und käme eine solche Szene mitten im Film, sie könnte alles an Ernnsthaftigkeit oder Spannung rauben, doch sich so lange so zurückhaltend und minimalistisch zu inszenieren, nur um dann in den letzten Minuten derart über die Stränge zu schlagen, das hat schon was für sich. Meinen Respekt hat Mr. Medel sich also verdient, leider ist sein Debüt abseits dieser höchst einprägsamen Einzigartigkeit nur selten wirklich überdurchschnittlich.
 
 
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DAY 13 – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Stilsicherer, hübscher, nie allzu origineller aber stets grundkompetenter, leidlich spannender Thriller mit einem stilbrechenden Ende, das man gesehen haben muss um es zu glauben.
 
 


 
 
 

DAY 13 – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Day 13 – Das Böse lauert nebenan“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DAY 13 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Day 13; USA 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.10.2021

 

Day 13 – Das Böse lauert nebenan [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DAY 13 – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Fenster zum Hof (1954)
 
Disturbia (2007)
 
Meine teuflischen Nachbarn (1989)
 
The Neighbor – Das Grauen wartet nebenan (2016)
 
House at the End of the Street (2012)

Filmkritik: „Aquarium of the Dead“ (2021)

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AQUARIUM OF THE DEAD

Story

 
 
 
Zombifizierte Meeresbewohner machen den Mitarbeitern des „Shining Sea Aquariums“ das Leben zur Hölle.

 
 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Kritik

 
 
Schaut man sich den Filmkatalog der Trash- und Mockbusterschmiede „The Asylum“ an, so fällt schnell auf dass man die meisten dieser CGI-verseuchten Billigproduktionen in zwei Kategorien einteilen kann: Witzig-schlecht, soll heißen unterhaltsam und amüsant in seinem Versagen, mit viel Kurzweil und Effekten und Monstern, mit viel Action und Cameos und bekloppt-witzigen Dialogzeilen, oder eben anstrengend-schlecht, was sich in viel leeren Sets, langweiligen Gesprächen und auf der Stelle trappenden, repetitiven Szenenverläufen veräußert.
 
 
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Ein Film wie „Aquarium of the Dead“, der im Trailer diverse, zombifizierte Wassertiere gegen die spätestens aus Kill Bill oder Cool Cat bekannte Vivica. A. Fox zu hetzen scheint, wird, so dachte ich, spontan eher der ersten Kategorie entsprungen sein – falsch gedacht und chapeau an den Editor des Trailers, denn hier wurden wirklich bereits sämtliche Highlights verheizt.
 
 
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Das Unheil startet mit einem Oktopus-Notfall, in dem das allenfalls mäßig animierte CGI- Ungeheuer mehrere Mitarbeiter ohrfeigt und (offscreen, unblutig) umbringt, da ihm wohl ein an einem Herzproblem verstorbener, infizierter Delfin verfüttert wurde, dessen kontanimiertes Fleisch nachfolgend auch die anderen Bewohner des „Shining Sea Aquarium“s durchdrehen lässt. Was klingt wie ein Haufen Spaß bremst sich dabei aber in Rekordzeit selber aus, da durch den Besuch eines wichtigen Politikers in erster Linie sehr viel, sehr langweilig geschriebener, äußerst beliebig vorgetragener Dialog folgt. Eine Sharknado-Anspielung sowie etwas Foreshadowing wissen in diesen anfänglichen Minuten noch zum Grinsen zu animieren, doch mit fortlaufender Zeit stellen sich langsam aber sicher Langeweile und Frustration beim Zuschauer ein.
 
 
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Die Überflutung des Aquariums ist natürlich komplett per CGI geschehen, so dass kein Darsteller je auch nur nass sein muss, die Stock-Alarmsounds und das blaue Notfalllicht erinnern an die Untiefen älterer Asylum-Produktionen und sorgen für einfarbige, hässliche Umgebungen und spätestens wenn das selbe Stock-Footage des Hafens zum dritten Mal benutzt wird, dürfte auch der härteste Trashfan bemerken, wie dreist er hier verarscht wird. Dass die possierlichen Aquariumsbewohner übrigens nicht nur böse werden, sondern gar Zombies und deswegen nur per Zerstörung des Gehirns ausgeschalten werden können, wird im gesamten Film nicht wichtig.
 
 

„We are smarter than the fish, we got hands!“

 
 
Die erste halbwegs hübsche Einstellung des gesamten Streifens kommt in etwa zur Halbzeit, doch zu diesem Zeitpunkt gleicht die Seherfahrung bereits zu sehr akuter Sterbehilfe, um noch Anerkennung für solche Details zu finden. Seesterne greifen an und werden zermatscht, ein Schwertfisch sorgt für einen prinzipiell ganz coolen Tod, die Größe der Lüftungsschächte schwankt je nach Szene gewaltig und ja, alles davon ist ziemlich dumm und ziemlich unterhaltsam. Doch weil die Grundprämisse einfach nur ist „Unbegabte, sich dämlich anstellende Leute rennen durch ein leeres Aquarium bis ihnen ein CGI-Viech entgegenkommt“, bleibt trotzdem jeglicher Unterhaltungsfaktor dermaßen auf der Strecke, dass man sich einfach nur ein möglichst schnelles Ende herbeisehnt.
 
 

„They’re dead…but not dead.“

 
 
Und was ist nun mit der Starpower von Vicia A. Fox, lohnt es sich als Fan dieser Schauspielerin vielleicht, einen Blick zu riskieren? Nun, Miss Fox wurde allem Anschein nach für einen Tag in ein billiges Büroset gesetzt, um dort dann einzig per Telefonat mit den anderen Charakteren zu interagieren. Das fühlt sich genau so spaßig und dynamisch an wie es sich liest, da jegliche Interaktionen ganz Godfrey Ho-artig erzwungen und unnütz wirken, mehr Dialog ohne Pointen, noch weniger Zeit für die seltenen Monsterattacken.
 
 
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AQUARIUM OF THE DEAD – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Ein Asylum-Rohrkrepierer, wie er im Buche steht: Ein dummmer, langweiliger, liebloser, hässlicher Film mit miesen Effekten und noch mieseren Schauspielern.
 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Aquarium of the Dead“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Daredo | White Pearl Movies (DVD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aquarium of the Dead; USA 2021

Genre: Horror, Thriller, Action, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailer

Release-Termin: Mediabook | KeepCase: 22.10.2021

 

Aquarium of the Dead [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Aquarium of the Dead [DVD + Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AQUARIUM OF THE DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zombiber (2014)
 
Sharknado – Genug gesagt! (2013)
 
Zombie Shark – The Swimming Dead (2014)
 
Zoo – Serie (2015–2017)
 
Blood Lake: Killerfische greifen an (2014)
 

Filmkritik: „Night Slash – Schrei lauter!“ (2020)

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NIGHT SLASH – SCHREI LAUTER!

(THE LAST LAUGH)

Story

 
 
 
Hinter den Kulissen einer Comedy-Show ersticht ein maskierter Killer die Menschen um Myles Parcs herum, einen erfolglosen Stand-Up-Comedian mit großen Hoffnungen und einer düsteren Vergangenheit.

 
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Kritik

 
 
Der US-amerikanische Indieslasher „The Last Laugh“ wird in Deutschland unter dem noch generischeren Titel „Night Slash – Schrei Lauter!“ vermarktet und zudem mit der mutigen Pressestimme „Suspiria trifft auf Scream“ versehen. Erwartungen die der 78 Minuten kurze, mittlerweile vierte Genre- Langfilm von Jeremy Berg jedoch weder erfüllen kann, noch möchte – und wenn doch, wurde das Ansinnen zumindest ordentlich an die Wand gefahren.
 
 
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Denn so schmucklos wie die untertitel-, bonusmaterial- und kapitelmenülose Blu-ray daherkommt, gibt sich nämlich auch dieser allzu magere und altbekannte Blick in das Leben des Stand-Up- Comedians Myles Parcs, der mittels seines Agenten versucht einen großen Gig zu landen, dabei aber sowohl für die anderen Charaktere als auch für den Zuschauer unsympathisch und unlustig herüberkommt. Seine selbstbemitleidende Comedy in den ersten Minuten des Films weiß nicht zu überzeugen, direkt danach ist der Ton ganz furchtbar rauschend und amateurhaft abgemischt – doch in die Untiefen filmischer Unbegabtheit stürzt „Night Slash – Schrei Lauter!“ zum Glück trotzdem nicht, fängt sich in den nächsten Szenen sogar wieder einigermaßen, da in der ersten viertel Stunde zumindest zwei hübsche Einstellungen zu finden sind und zudem der erste Kill stattfindet, in dem durch schwarze Handschuhe, einen maskierten Killer, eine phallische Tatwaffe und das Reflektieren des Gesichtes im eigenen Blut, umrandet vom roten Samt der Theatervorhänge, tatsächlich erstmalig Giallo-Stimmung verbreitet wird.
 
 
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Auch das weitere Treiben hinter den Kulissen des Theaters, allein durch das Setting und langsame Umbringen der Beteiligten, weiß natürlich an Argentos „Opera“ zu erinnern – ohne jedoch je dessen Klasse zu erreichen. Die Kills sind dabei nämlich blutig, aber oftmals offscreen und zudem belanglos, die hübschen Dolly-Fahrten, Kameraperspektiven oder Anflüge von motiviertem Dialog werden durch Langeweile, einen oftmals fehlenden Soundtrack, fehlende Spannung und technische Probleme wieder zunichte gemacht. Leichen werden entdeckt aber nicht kommuniziert, Kills sind auf dem Papier überzeugend, in der Ausführung aber fast schon zahm zu nennen.
 
 
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In erster Linie hält unser Protagonist nämlich Gespräche mit der Garderobe, seinem Agenten, den Bühnenarbeitern oder Bühnenmanagern und auch wenn es hier dem Whodunnit-Mystery dienliche Informationen oder Andeutungen gibt und ein paar der Performances nicht schlecht sind, so ziehen sich diese Szenen enorm, da sie keinen anderen Zweck zu verfolgen scheinen bis auf Myles weiter zu charakterisieren und neue Opfer vorzustellen, die kurz darauf dann unspektakulär über die Klinge springen. Optisch sowie schauspielerisch ein kompetenter Film mit einigen motivierten Bildern, der unoriginell aber technisch solide sein Ding macht, auf Sound-Ebene dafür von einigen Problemen sowie unverständlichen Szenen geplagt, im Script unmotiviert, behäbig und aussagelos.
 
 
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Hier und da versucht er auch noch Spannungsmomente durch Fake-Scares oder aber Comedy einzubringen, doch während erstere Versuche überhaupt nicht funktionieren können und zum Glück nur recht kurz gehalten wurden, geht gerade letztere Idee in einer überlangen, überreferenziellen Dialogszene äußerst auf die Nerven, da nichts schlimmer ist als unwitzige Humorversuche. Die teils gallige, zynische Darstellung der Bühnenwelt und Entertainer-Ecke hat seine Pointen und trockenen Beobachtungen, der Protagonist leidlich amüsante Entwicklungen, die subtileren Ideen funktionieren hier und da – doch für wirkliche Comedy sind weder Cast noch Script überzeugend genug.
 
 

„We all have crimes we want to atone for, don’t we?“

 
 
Dass Myles von einem Trauma geplagt sein muss ist auch klar, die Auflösung dieser allzu oft gesehenen, für den Plot kaum einen Unterschied machenden Szenen ist allerdings noch enttäuschender als erwartet. Am Ende zeigt der Film dann effektiv wer hier wirklich den letzten Lacher hat: Der Regisseur und Drehbuchautor selber, der ein Finale oder eine Auflösung quasi verweigert, einsieht wie egal die Chose ist oder war und einfach endet. Soviel Mut muss man erst einmal haben.
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„Night Slash – Schrei Lauter!“ ist ein belangloser Billig-Slasher der halbwegs selbstreflektiert ist und einen grob Giallo-motivierten Killer, sonst aber überhaupt nichts mit „Scream“, „Suspiria“ oder auch nur einem guten Film zu tun hat. Rettet sich durch Kürze und ein paar Grundkompetenzen noch vorm Ärgernis.
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Night Slash – Schrei lauter!“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Last Laugh; USA 2020

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.11:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.10.2021

 

Night Slash – Schrei lauter! [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blind – Du bist niemals allein (2019)
 
Bleed (2002)
 
Halloween Haunt (2019)
 
The Strangers: Opfernacht (2018)
 

Filmkritik: „Der Voyeur auf dem Dachboden“ (1976)

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DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN

(DER VOYEUR | EDOGAWA RANPO RYOKI-KAN: YANEURA NO SANPOSHA)

Story

 
 
 
Im Jahr 1923 spioniert ein voyeuristischer Hausbesitzer seine Mieter aus und beobachtet dabei u.a. eine reiche Dame, die ihren Mann betrügt. Nach einem Mordfall spitzen sich die Ereignisse zu.

 
 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Kritik

 
 
Tarō Hirai, besser bekannt unter seinem von Edgar Allan Poe inspirierten Pseudonym „Edogawa Rampo“ (1894 – 1965), gilt als einer der bedeutendsten japanischen Mystery-, Krimi & Thriller-Autoren seiner Zeit. Hauptsächlich bekannt scheint er für seine Reihe um Privatdetektiv Kogoro Akechi, doch auch abseits davon tummeln sich etliche spannende und mysteriöse Einträge in seiner Bibliographie, die neugierig auf die ein oder andere Stichprobe machen. Umso ärgerlicher also, dass mein erster Berührungspunkt mit seinem Werk dieser „Roman Porno“ ist, also ein japanischer Softcore-Film des ältesten großen japanischen Filmstudios überhaupt, Nikkatsu.
 
 
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Zwischen 1971 und 1988 wurden von diesem Studio nämlich hunderte Filme mit teils großem Erfolg produziert, die sich mit ihrer Länge und ihren Inhalten an bereits etablierten Pinku Eiga- Beiträgen der Toei Studios etc. anlehnten, jedoch mit oftmals höherem Budget und demnach eindrucksvollerer Ausstattung punkten konnten. So die grobe Zusammenfassung eines ziemlichen Laien, der selber nur sehr punktuelle Ausflüge in die spannenden Welten des japanischen Exploitation-Kinos der 70er Jahre unternommen hat.
 
 
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Wären alle Filme dabei so zäh und wenig unterhaltsam wie der vorliegende, das würde auch so bleiben – Gott sei Dank gibt es also Titel wie die „Stray Cat“-Reihe, die grandiosen „Lone Wolf & Cub“-Samuraifilme zwischen traditionsbewusstem Arthouse-Kino und blutiger Kurzweil, die „Female Prisoner Scorpion“-Titel und so viele weitere Beiträge, die mehr aus ihren Wurzeln oder Inspirationen machen können. Doch zurück zum Film: An Rampos Literatur wurde sich mehrfach bedient, „Watcher in the Attic“ ist eine der Geschichten, in der das im Pinku eiga ohnehin enorm präsente, später u.a. von Hisayasu Satō in all seinen Formen untersuchte Thema das Voyeurismus gepaart wird mit einem Thriller, historisch gebettet in das Jahr 1923, also Japan zur Taishō-Zeit. Als letztes Stichwort sollte vielleicht „ero guro“ genannt werden, der japanische Begriff für ein Kunstgenre, das grob gesagt das erotische und das groteske, aber auch moralisch abtrünnige, dekadente, sexuell korrumpierte kombiniert und sowohl in Rampos Geschichten, als auch in zahlreichen japanischen Horrorfilmen und Pinku eigas beobachtet werden kann.
 
 
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Mit der kurzen Laufzeit von 73 Minuten als erstes Indiz, der FSK 18-Freigabe und dem eindeutigen Titel war ich dabei natürlich bereits vorgewarnt, wusste um das Alter des Films und die vermutliche Intention, doch die erste halbe Stunde hat mich dann doch ziemlich überrascht: Denn bis auf den titelgebenden Voyeur, der barfuß über den Dachboden kriecht und abwechselnd Genrestar Junko Miyashita dabei zusieht, wie sie u.a. mit einem Mann im klassichen Pierrot-Clownskostüm, oder aber ihrem Chauffeur, der sich in einem Stuhl versteckt, fremdgeht, geschieht nicht viel. Das ist aufgrund des Budgets und historischen Settings immer wieder hübsch anzusehen, mit POV- Aufnahmen, eindrucksvollen Umgebungen und stimmigen Kostümen versehen, doch weder erotisch anregend noch wirklich spannend oder atmosphärisch blieb diese Reihung repetitiver sexueller Treffen nichtsdestotrotz. Eine lange Kamerafahrt zu den Opening Credits, ein absurdes Fischgemälde ohne jeden Kontext und etwas sexistischer, absurder Dialog bleiben hier noch am ehesten hängen.
 
 
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Doch ignoriert man einmal den Sex und den deplatziert wirkenden Humor durch sonst unwichtige Nebencharaktere, kristallisiert sich immerhin ein fast schon neo-noiriger Voyeur heraus, der einsam zu dissonanten Synthie-Geräuschen auf seiner Matratze liegt und stumm raucht, meint er habe kein Herz, einzig versucht gelangweilt zu bleiben. Und gerade als ich den Film das erste Mal in meinen Notizen als „Fetischfilm“ bezeichnet habe, der mehr an einem Sittengemälde, Historienporträt und vielleicht einer Sozialstudie interessiert scheint, denn an einer Story, geschieht ein Mord und zur Halbzeit wechselt das Geschehen zu einem nicht weniger langsamen, aber immerhin dramaturgisch halbwegs motivierten Werk.
 
 
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Im weiteren Verlauf folgen demnach also natürlich noch weitere Nacktheiten, Fetische, voyeuristische Momente und triebhafte Motivationen, doch mischen sich diese nun mit unterhaltsamen Mordversuchen, überraschend schonungslosen Tötungen und einigen äußerst ästhetisch beleuchteten sowie gefilmten Einstellungen. Das Ende ist es dann tatsächlich, das hier den Unterschied macht, denn in seinen finalen Minuten entpuppt sich „Der Voyeur auf dem Dachboden“ nun noch als liebevolle Hommage, als Abgesang auf eine ganze Ära und Generation, historisch gebettet, dramatisch, mit echten Bildern, verstörender letzter Szene und aussagekräftigem Finale. Überraschend greifend, gehaltvoll und pointiert nach einem Film, der mich oftmals eher langweilte.
 
 
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DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Kunstvoller, für eine Genreproduktion sehr zahmer und harmloser, historischer Erotikfilm mit überzeugender Hauptdarstellerin, hübschen Kostümen, überraschendem Finale und wenig Story bis dahin.
 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Der Voyeur auf dem Dachboden“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Schröder Media (DVD im KeepCase – auf 500 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Edogawa Ranpo ryôki-kan: Yaneura no sanposha; Japan 1976

Genre: Erotik, Krimi, Horror, Mystery

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Japanisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: Englisch

Bild: 2,35:1

Laufzeit: ca. 73 Minuten

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: DVD im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 01.07.2021

 

Der Voyeur auf dem Dachboden [DVD im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beauty’s Exotic Dance: Torture! (1977)
 
A Woman Called Sada Abe (1975)
 
Woman on the Night Train (1972)
 

Filmkritik: „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ (2021)

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EXQUISITE CORPSE – DEIN SCHÖNER KÖRPER

(EXQUISITE CORPSE)

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Vorfall entdeckt eine junge Künstlerin, dass ihre Liebhaberin schmerzende Geheimnisse vor ihr versteckt hielt.

 
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Kritik

 
 
Spanische Genreproduktionen waren in den letzten Jahren immer wieder für eine positive Überraschung gut, ohne eine vernünftige Kritik auf Englisch oder Deutsch gefunden zu haben also bar jeder Erwartung auf möglichst eigenständiges, unabhängiges, ggf. gar sperriges (Kunst)Kino gefreut – und 88 Minuten später nur enttäuscht mit den Achseln gezuckt. Denn Lucía Vassallos vierte Regiearbeit wird in Deutschland zwar als „sinnlicher Mystery-Thriller“ verkauft, ist nur leider weder erotisch, noch mysteriös oder spannend – was eine leere Hülle von einem Film übrig lässt, welche der ansprechenden Präsentation und Vermarktung durch das exzellente Label „Donau Film“ leider so gar nicht gerecht wird.
 
 
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Das Bild einer nackten Frau, die im milchigen Wasser einer überlaufenden Badewanne liegt, ziert bereits das stimmungsvolle, ruhige Menü und wird nach den Opening Credits vor weißem Hintergrund, sowie langsam lauter plätscherndem, dann rauschendem Wasser fortgeführt: Blanca, eine junge Frau mit Albinismus, liegt nach diesem Vorfall im Koma. Clara, die Protagonistin von „Exquisite Corpse“, war früher ihre Liebhaberin und erfährt im Krankenhaus nun schockiert, dass Blanca vermutlich schwanger ist. Von nun an folgt der Film Clara, einer jungen Künstlerin die sich mit Jobs als Kellnerin oder Friseurin über Wasser hält, dabei, wie sie die Erinnerungen ihrer Beziehung mit Blanca aufarbeitet und neue Informationen über ihre Liebe erfährt. Was prinzipiell oft gesehen, aber in den richtigen Händen, mit den richtigen Offenbarungen und Wendungen, spannend klingt, dient nun leider nicht als Aufhänger für einen weiteren Storyverlauf mit neuen Konflikten, Zielen oder Charakteren, sondern stellt schon tatsächlich die gesamte Story dar – was mit tiefenpsychologischen Dialogen, verträumt-meditativer Arthouse-Inszenierung oder durch Partyszenen, Drogentrips, sexuelle Eskapaden und herausragend selbstzerstörerische Performances immer noch funktionieren würde, hier aber allzu banal abgetastet wird.
 
 
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Die Sexszenen könnte man als sinnlich bezeichnen, auch schreckt der Film nicht vor Nacktheit zurück, weder bereichern diese aber den Plot, noch werden sie je so explizit oder ausgewälzt, dass man von einem entscheidenden Faktor der Produktion reden könnte. Auch die Probleme der Beziehung, die wachsende Distanz und die Missverständnisse in der Kommunikation werden zwar realistisch gespielt und wahlweise ansprechend, oder im allzu generischen, lichtdurchfluteten Ikea- Look bebildert, doch rücken sie weder in den Mittelpunkt des Films, noch sind sie für sich genommen unterhaltsam. Es wird sich viel geküsst und viel Butoh getanzt, immer wieder entdeckt Clara neue Liebhaber von denen sie nichts wusste, doch wer auf einen späten Racheplot, eine überzeugende Selbstfindung oder einen Twist wartet, der wird bitter enttäuscht werden. Das wahre Mysterium an „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ ist im Endeffekt die fehlende Antwort auf die Frage, was hier erzählt, welche Art Zuschauer hier abgeholt werden sollte.
 
 
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Das ist umso frustrierender, da sowohl Schauspiel, Technik als auch Soundtrack immer wieder überzeugen können, oder gar gnädig stimmen – ich würde allzu gerne über den genauen Plot, die gestreiften Themen, die Relevanz der angesprochenen Laborforschung mit Oxytocin und Nagetieren diskutieren, doch von einer einzigen, schmerzhaft unpassenden und brutalen Szene abgesehen, bleibt es nach halbwegs neugierig machenden 30 Minuten zäh, langweilig und repetitiv. Das Finale liefert die mit ästhetischsten Einstellungen, interessantesten Ideen und besten Montagen des Films und hätte nicht zuletzt mit seiner Tanzchoreographie überzeugen können, wäre der Weg dahin nicht so fade. Wer langsamen Beziehungsdramen etwas abgewinnen kann, der darf dem durchaus gut aussehenden „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ eine Chance geben, doch allen anderen Genrefans
rate ich deutlich ab.
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ ist ein unterwältigendes Beziehungsdrama mit wenig Herausstellungsmerkmalen und unnötig langsamen Tempo.
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cadáver Exquisito; Argentinien 2021

Genre: Thriller, Drama, Erotik

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

Exquisite Corpse – Dein schöner Körper [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Donau Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Eine unmoralische Frau – Cosi fan tutte (1992)
 
Paprika – Ein Leben für die Liebe (1991)
 

Filmkritik: „Fried Barry“ (2020)

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FRIED BARRY

Story

 
 
 
Der drogensüchtige Barry wird von Aliens entführt, die sich fortan in Menschenhülle mit seiner abgefuckten Umgebung vertraut machen und den Fortbestand ihrer Rasse sichern.

 
 
 


 
 
 

FRIED BARRY – Kritik

 
 
Was für ein befreiendes, Vergnügen bereitendes, Hoffnung in die Zukunft des Indiefilms, und gar deutscher Veröffentlichung derart punkiger Filme, machendes Gefühl es doch ist, hier einen Film vorstellen zu können, hinter dem ich absolut stehe, den ich von vorne bis hinten genossen habe, zweimal sogar, in kurzer Zeit. Das passiert wahrlich nicht häufig und wenn doch, dann sind es oftmals Filme, die in Deutschland nicht erscheinen, oder nur schwer zu kriegen sind, oder falsch vermarktet werden, oder zensiert, oder oder. Doch hier, bei diesem südafrikanischen Langfilmdebüt, passt tatsächlich mal alles: Ungekürzt ab 18, gut, eine 16er-Freigabe hätte es vielleicht auch getan, mit Blu-ray, Extras und passenden Pressestimmen – denn ja, brillant und kultverdächtig ist diese Independent-Bombe auf jeden Fall.
 
 
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Nach einer charmanten BBFC-Retro-Warnung darüber, dass der folgende Film erst für Erwachsene geeignet ist, folgt direkt die unübliche Bezeichnung „A Ryan Kruger Thing“, die schon den gleichnamigen Kurzfilm geziert hat und ja, ein unberechenbares, schwer kategorisierbares „Ding“ ist „Fried Barry“ definitiv. Begleitet von schnellen Schnitten zu exzessivem Drogenkonsum, Makroaufnahmen von Spritzen, schrillen Synthesizern und überlagernden Szenen im Rausch werden wir innerhalb der ersten Minuten in Barrys Welt geworfen, ein Junkie mit Familien- und Geldproblemen, abhängigen Freunden, meckernder Frau, in einer verdreckten Umgebung. Nach wenigen Minuten wird sich der erste Schuss gegeben und zu einem arthousigen, großartigen Soundtrack und ästhetischer Cinematographie beginnt die wohl beste Alien-Entführungsszene, die ich je gesehen habe. Denn ja, ein roter Traktorstrahl scheint aus dem Himmel und der zuckende, zappelnde, röhrende Barry wird drei Minuten lang in retrofuturistischen, verstörenden, betörenden, beklemmenden Bildern mit einem 10/10er Sounddesign ästhetisch wie sonst was entführt, untersucht und eingenommen und nachdem das überlebt wurde, startet der ohnehin schon geistesabwesende Protagonist erst so richtig durch.
 
 

„On this day, pussy has eluded you my friend!“

 
 
HD-Aufnahmen der neonbeleuchteten Stadt, ein Alien in Menschengestalt das verwirrt die Gestalten der Nacht absorbiert, ein Clubbesuch mit bunten Lichtern, aushakenden Unterkiefern, XTC-Pillen und lauten Bässen – die ersten 15 Minuten dieser Indieerfahrung sind für mich auch beim Rewatch noch eine 9/10, führen perfekt in die folgende Erfahrung ein, lassen allenfalls etwas zu hohe Erwartungen aufkommen. Die Nebencharaktere der nächtlichen Odyssey sind dabei teils etwas zu trashig oder overacted, auch besteht die gesamte Viertelstunde nach der Entführung quasi nur aus Sex und sexuellen Angeboten – doch die schiere Kurzweil, die überraschend harmlose, aber sehr witzige, erste Sexszene selbst sowie der wunderbare, handgemachte, komplett nackte Splatter- Insert, der als Finale der ersten halben Stunde dient, gleichen dies locker wieder aus.
 
 

„You’re quite the organ pusher, aren’t you?“

 
 
Denn auch wenn „Fried Barry“ keinesfalls in erster Linie an Gross-Out-Humor oder brutalen Effekten interessiert ist, so weiß die eine Szene, die relativ früh in den Film geplatzt kommt, dafür umso mehr zu verwundern und überzeugen. Nach dem ersten Drittel dieser etwas zu langen 94 Minuten wird nun erstmalig durchgeatmet, da zu einem wunderbar ruhigen Ambient-Soundtrack meditativ durch die Sonne gelaufen und die Umgebung gescannt werden darf. 12 Minuten relativ alltägliches Familienleben, spaßig angedeutete, übernatürliche Kräfte und eine gelungene Sexmontage später jedoch schellt das Tempo wieder hoch und der Film geht in die Vollen: Barry rennt in Zeitlupe durch die Straßen, kriegt von Fremden Crystal Meth verabreicht, was für den größten und mit besten WTF-Moment des Films sorgt, metallisches, anschwillendes
 
 
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Sounddesign, laute Bässe, Rumrennen mit Kopfhörern und bester Laune, Musikvideo-Schnitte und -Bilder – und auf einmal ist auch schon die „Intermission“ erreicht, in der kurz 2001 Tribut gezollt, aber auch das Ansinnen des Films, einfach nur zu Unterhalten, klargestellt wird. Nach meiner Erstsichtung war ich der Überzeugung, dass der Unterhaltungsfaktor des Films an dieser Stelle fast schon endet, da der gesamte dritte Akt zu langsam, zu unspektakulär und zu gehemmt ist, um nach einem so genialen Beginn noch zu überzeugen – doch auch wenn der Film erst einmal ausgebremst wird und es in der Tat nie wieder so locker, so witzig, so kurzweilig oder partylastig, musikintensiv wird, wie in der ersten halben Stunde – so konnte ich beim zweiten Versuch doch noch einige Qualitäten entdecken, die auch die folgenden 42 Minuten noch sehenswert machen.
 
 

„Fried, definitely fried!“

 
 
So ist das nächste Setpiece zum Beispiel eine angenehm dreckige, industrielle Ruine mit gut gespieltem Antagonisten, krachendem Kettensägenkampf und heftig lärmendem Terror-Soundtrack, bevor nach ganzen 70 Minuten, die größtenteils kurzweilig gefüllt wurden, zum ersten Mal eine wirklich zu lange Monolog-Szene von Sean Cameron Michael folgt, die den Film erheblich ausbremst. Aber auch das überlebt man, nur um mit einem technisch beeindruckenden, gut choreographierten One-Take, ideenreicher Inszenierung, Retro-Rückprojektionen, mehr Drogenkonsum, einem Ritt durch die Hölle, einer videospielartigen, handgemachten Welt aus Karton und unironisch desorientierenden, alptraumhaften Horror-Visionen belohnt zu werden.
 
 

„It’s been a wild ride, eh?“

 
 
Ein absolut wilder Ritt also auch in der zweiten Hälfte und auf einmal sind es nur noch die letzten fünfzehn Minuten, und „Fried Barry“ ist schon wieder vorbei – diese sind nun zwar erneut zu langgezogen, zu ruhig, zu pseudodramatisch und pseudoemotional nach so viel kurzweiliger, schneller Indie-Energie – doch dies sei einem Film verziehen, der über so weite Strecken so viel so richtig macht. „Fried Barry“ ist ein Indiewerk mit wenig Budget und viel Herz, der zeigt wie man auch mit extrem wenig Story einen mehr als sehenswerten, spaßigen Film schaffen kann, einfach durch den richtigen Stil, eine interessante Welt, gelungene Situationskomik, eigensinnige Kreativität abseits der Norm, Party-Attitüde und mutiges Casting. Barry selber könnte dabei nicht besser verkörpert werden und präsentiert auf beeindruckend minimalistische Weise wie man größtenteils nonverbales Schauspiel, mit dem ausgedrückt werden soll dass hier gerade ein unbedarfter Alien in Menschenform agiert, perfektionieren kann.
 
 


 
 
 

FRIED BARRY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Irrsinnig mutiges und eigenständiges Projekt, das unter zwei Szenen und einigen Minuten zu viel leidet, abseits davon aber als Partyfilm, Drogenfilm, WTF-Filmerfahrung, als Statemtent im Indiefilm und Neontraum mit herrlichem Soundtrack taugt.
 
 


 
 
 

FRIED BARRY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Fried Barry“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

FRIED BARRY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Spirit Media GmbH (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Fried Barry; Südafrika 2020

Genre: Horror, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 102 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Audiokommentar, 2 Trailer, Bildergalerie, Behind the Scenes, Fried Barry – Der Kurzfilm, Post-Credits-Szene, Alternatives Ende, Deleted & Extended Scenes, Parodistisches

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

Fried Barry [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

FRIED BARRY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Spirit Media GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jesus Shows You the Way to the Highway (2019)
 

Filmkritik: „Light Sleeper“ (1992)

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LIGHT SLEEPER

Story

 
 
 
Der 40-jährige Drogendealer und Ex-Junkie John LeTour sieht wie seine Umwelt sich langsam von ihm abwendet, Träume sich verflüchtigen und überlegt selbst, das Business zu verlassen, um eine Musikkarriere zu verfolgen. Zeitgleich wird die Leiche einer neunzehnjährigen Studentin gefunden, die eine große Menge ungestrecktes Koks bei sich trug..

 
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Kritik

 
 
Auch wenn die Filme inhaltlich sowie formal quasi überhaupt gar nichts miteinander zu tun haben, bis auf irgendeine Relevanz oder Erwähnung von Schlaf, so sind „Strange Dreams“ und „Light Sleeper“ doch bestens für einen Vergleich geeignet, als Beispiel für zwei komplett gegensätzliche Werke die es mir als Kritiker maximal leicht bzw. schwierig machen.
 
 
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Während „Strange Dreams“ nämlich kein Genre so wirklich, mehrere aber ansatzweise bedient und ziemlich unentschlossen sowie innerlich aufgebraust ist, von Szene zu Szene verunsichert und interessant zu sezieren, so ist „Light Sleeper“ hingegen eine simple, geradlinige, minimalistische Sozial- bzw. Charakterstudie, die sich keine tonalen Ausfälle, ungeahnten Ambitionen oder auch nur bemerkenswerte Szenen zu Schulden kommen lässt. Zu Singer-Songwriter Countrymusik, Rockballaden oder immer wieder aufkommendem Saxophon beschwört Schrader eine oft gesehene Neo-Noir-Atmosphäre, in der unser einsamer Drogenkurier, ein ungewohnt authentischer und zurückgehaltener Willem Dafoe, durch die Nacht gefahren wird und eine nichtige Begegnung nach der anderen macht.
 
 
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Mit mitreißender Cinematographie, nahe gehenden Szenen emotionaler Schauspielkunst oder einer wirklichen Story hatte diese Prämisse alle Möglichkeiten der Welt, weder Schrader noch der Cast sind unerfahren anno 1992, doch leider sollte der geneigte Zuschauer hier nicht mehr erwarten als eine gleichförmige Sozialstudie, die nie so konsequent oder radikal wie die Werke eines Abel Ferrara daherkommt, trotzdem nicht deutlich mehr Spannung oder Storytelling liefert.
 
 
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Dafoes Voiceover über seine endlos geschriebenen, dann wieder weggeworfenen Bücher und sein vergeudetes Talent, gepaart mit nebligen, nächtlichen Pflastersteinen, Alltagsbewegungen und dem omnipräsent leidenden, stöhnenden, keuchenden Soundtrack ist anfangs noch atmosphärisch und vielversprechend, doch mit jeder weiteren Zeile á la „It feels like the world’s on fire“, „Everything you need is around you – the only danger is inside you.“ oder „You were an encyclopedia of suicidal fantasies!“ wird es selbstbemitleidender, redundanter, beliebiger und belangloser.
Eine wenig verdiente und „tragische“ Rache wird zu einem späteren Zeitpunkt, zu dem ich mich längst mit der rein beobachtenden Art des Films zufrieden gegeben hatte, als erster echter Konflikt inszeniert – doch Spannung kommt dadurch keine auf, Motivationen oder Wahrheiten bleiben genreüblich unklar, „retten“ kann diese kurze Aufregung diesen sehr unaufgeregten, aber eben auch nicht tiefgründig seine Charaktere erforschenden Film auch nicht mehr retten.
 
 

„I can change. I can become a good person.“

 
 
Kitschige Musik drückt auf die Tränendrüse, ein paar hübsche Hotellobbies mit ansprechender Architektur offenbaren, wie endlos hässlich, grau und langweilig große Teile dieses Films doch aussehen – unabhängig davon, ob dies als Stilmittel zur Charakterisierung dient, eine optisch anstrengende bis ermüdende Entscheidung. Doch nicht nur kitschig ist die Musik, nein, denn wem die fehlenden Spannungsbögen zu vage sind, der bekommt das Innenleben des Protagonisten in den Texten der minutenlangen Songs dafür quasi noch ausbuchstabiert und erklärt, sodass jegliches Miträtseln oder Interpretieren auch seinen Reiz verliert.
 
 
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Wem die Reihung leicht drogeninduzierter Gespräche mit gesellschaftskritischen Aussagen, blau schimmernden Nachtaufnahmen mit Saxophonsoundtrack und ein paar realistische Performances der Szene und Zeit also reichen, dem könnte „Light Sleeper“ vielleicht mehr Unterhaltung oder Mehrwert bereiten als mir. Doch so amüsant und tragikomisch die Szenen mit Paul Jabara als ausgebrannter Cokehead z.B. auch sind, so sehr gehen sie unter in der laissez-faire Attitüde des Films, in der von Anfang an offensichtlich scheint, dass weder die Ziele noch romantischen Ambitionen unseres Protagonisten erfüllt werden können.
 
 


 
 
 

SLIGHT SLEEPER – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Routiniert gelangweiltes, stilles Drama im sachlichen, nüchternen Stil, das mit schmalziger manipulativer Musik, Noir-Anleihen und fehlender Charaktertiefe zunichte macht, was der inszenatorische Stil an Potential vorgibt. Gut gespielt und mit ein paar atmosphärischen Szenen, als Gesamtwerk jedoch unterwältigend, zudem im hässlichen Look einer 90s-Soap-Opera.
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Light Sleeper“ war bereits bei der deutschen Kinoauswertung im Jahr 1994 ungeschnitten und ab 16 Jahren. Das hat sich auch mit der nun erhältlichen HD-Fassung des Thrillers nicht geändert. Diese ist ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Light Sleeper; USA 1992

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 1.0, Englisch DTS-HD Master Audio 1.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 103 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Mediabook

Extras: 4-seitiges Buchteil mit einem Text von Nicolai Bühnemann, Film auf DVD, The Guardian Interview mit Willem Dafoe, The Midlife Movie: Paul Schrader Interview, Audiokommentar von Paul Schrader, Szenenkommentar von Willem Dafoe und Susan Sarandon, Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Release-Termin: Mediabook: 26.08.2021

 

Light Sleeper [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
King of New York – König zwischen Tag und Nacht (1990)
 
‚R Xmas (2001)
 

Filmkritik: „Strange Dreams“ (2020)

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STRANGE DREAMS

(COME TRUE)

Story

 
 
 
Eine jugendliche Ausreißerin nimmt an einer Schlafstudie teil, die zu einem alptraumhaften Abstieg in die Tiefen ihres Geistes und einer erschreckenden Untersuchung der Macht der Träume wird.

 
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Kritik

 
 
Nachdem der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Anthony Scott Burns sich anno 2016 bereits an der meiner Meinung nach unterschätzten, überdurchschnittlich gelungenen Horrorfilmanthologie „Holidays“ beteiligen durfte, folgte 2018 sein Langfilmdebüt „Our House“, das bereits wissenschaftliche Experimente mit übernatürlichem Horror verquickt hat, zu teils polarisierter, größtenteils aber mäßiger Resonanz. Weitere zwei Jahre später folgte dann diese genreunabhängige Indieproduktion „Come True“, die in Deutschland unsinnigerweise in „Strange Dreams“ umbenannt wurde. Warum das bei diesem Film speziell ein Problem darstellt, wäre ein Spoiler zu viel, doch warum diese durchaus kreative, sehr ansprechend inszenierte Traumreise auch mich zwiegespalten zurücklässt – das werde ich nun versuchen, zu erklären.
 
 
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Die Eröffnungssequenz stimmt dabei bestens auf die ruhige, behutsame, leicht retrofuturistische Erfahrung der folgenden 100 Minuten ein, da nach den Opening Credits, die auf einem alten Röhrenfernseher abgespielt werden, direkt die erste der zahlreichen, höchst atmosphärisch inszenierten Traumsequenzen folgt, in denen mit langsamer POV-Kamerabewegung durch überzeugend animierte Höhlen und Berge, neblige, enge Gänge, knarzende, schwebende Holztüren und postapokalyptisch, ja gar dämonisch wirkende Umgebungen gefahren wird. Von eben jenen, mehrfach in voller Länge ausgespielten, aber nie langweilenden Traumsequenzen geplagt wird unsere Protagonistin Sarah, eine junge Frau die bei ihren Eltern auf eigene Faust ausgezogen ist und auf einem Spielplatz aus dem Alptraum erwacht.
 
 
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Doch auch wenn die zweite Traumsequenz mit ihren aus den Wänden der bedrückenden Architektur des Sanatoriums heraushängenden Leichen direkt deutlich düsterer und beängstigender anmutet als die erste, und auch wenn Traum #3 daraufhin dann gar mit einem funktionierenden, abstrakten Jump-Scare punktet und rasant folgende Horrorgefilde erahnen lässt, so ist „Strange Dreams“ in seiner gesamten ersten Hälfte gar nicht interessiert daran, zu schockieren, verstören oder auch nur auf wirkliche Spannung zu setzen. Stattdessen wird, mit unterkühlten Farben, hübscher Beleuchtung und mysteriösem Soundtrack in „The Persona“, dem ersten Kapitel, erst kurz Sarahs Situation geschildert, bevor der etwaige Ausweg aus der finanziellen Not und Schlaflosigkeit durch die bezahlte Schlafstudie etabliert wird. Nach 20 Minuten starten dann sowohl die Studie, mit ihren leicht an Sci-Fi- oder Retrofuturismus anmutenden Outfits, dem hübsch beleuchteten Kontrollraum und einer handvoll weiterer Probanden, sowie auch der Film selbst, dessen manchmal unmotiviert- einlullender, dann wieder hypnotischer, einfühlsamer Stil und Synthie-Soundtrack, nun noch mit einem atmosphärischen Voiceover über die Schlafphasen und Panflöten versehen, Hand in Hand geht mit den schwelgerischen Nahaufnahmen, nächtlichen Einstellungen der Großstadt, Ungewissheit des Experiments und beunruhigenden Träumen.
 
 
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Nach dem ersten Tiefschlaf im Forschungsinstitut wird Sarah mit einer Reihe Bilder konfrontiert, auf die sie äußerst heftig reagiert – mit dabei ist ein dunkler Hüne, eine schattenhafte, große, beängstigende Gestalt, mit der jeder ihrer Träume endet – was hat es mit diesem wiederkehrenden Schrecken auf sich? Und was mit dem Nerd aus der Bibliothek, der sie zu verfolgen scheint? Nachdem die erste halbe Stunde sich fast ausschließlich auf ihre audiovisuellen Reize und Atmosphäre ausgeruht hat, gelingt es Burns kurz daraufhin tatsächlich, erstmalig so etwas wie Rätselspannung und Anflüge von einem Plot aufkommen zu lassen, der mehr als eine reine
 
 
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Situation ist. Doch auch wenn auf dem Weg zur Halbzeit eine kurze, prägnante, effektiv geschnittene Terror-Sequenz mit hämmerndem Bass folgt, so ist die anschließende „Offenbarung“ für den Zuschauer leider lange keine Offenbarung mehr und langsam aber sicher stellt sich die Frage, worauf der Film eigentlich hinaus will, warum er sich so langsam und zäh inszeniert, welche versteckten Karten er wohl noch alle bei sich hält.
Doch wer nach dem verpatzten Mehrwert der letzten Szene noch nicht entnervt aufgegeben hat, der wird definitiv noch belohnt – vor der Bestrafung. Denn nachdem mir ein unstimmiges Plotdetail einfach nicht aus dem Kopf gegangen ist und ich schon potentiell eher enttäuscht war, von dieser „Maniac“ (die Netflix-Serie)-ähnlichen, nur gefühlt noch belangloseren Prämisse, taucht auf einmal der Schriftzug „The Shadow“ auf und läutet das dritte Kapitel ein. Und hier wird der Zuschauer nun zuerst effektiv verunsichert mit einem fragmentierten Gesicht und einer sich endlos durch das Treppenhaus drehenden Kamera, bis sich dann durch eine tatsächlich überraschende Beobachtung und Aussage wohliges Gruseln einstellt. Welches sich dann, finalement, in so etwas wie einer „Horror-Sequenz“, gekonnt entlädt. Der Soundtrack verlässt die Ambient-Gefilde und lässt die Synthesizer anschwillen, die Kontrolle entgleitet, in einer intensiven Szene mit großartigem Aufbau und unheimlichem pay-off zeigt „Strange Dreams“ zu was er fähig wäre, wollte er ein Genre-Film sein.
 
 
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Nur um daraufhin wieder ganz eindeutig zu beweisen, dass er genau das nicht sein möchte. Denn was nun als mit wichtigste Schlüsselszene des Films inszeniert wird, ohne etwa einen Twist vorweg zu nehmen, das ist ein romantischer Subplot, der als einzige Instanz auch mit einem Song unterlegt ist, der Lyrics hat. Doch so für sich genommen gelungen die Stelle sein mag, so verwirrend und gefühlt unpassend ist sie für den Zuschauer in diesem Moment, da nicht nur zum zweiten Mal eine mehrfach bereits implizit erwähnte, für den Zuschauer offensichtliche Beobachtung ausgesprochen wird, sondern diese neue Route nun auch noch fernab von jeglichem Horror für eine überraschend lange Laufzeit verfolgt und ernst genommen wird, wo sich die Dramaturgie doch eigentlich Richtung Finale bewegen sollte. Wobei „Dramaturgie“ ohnehin ein schwieriges Wort ist, wenn wir trotz des soliden bis gelungenen Schauspiels doch stets recht unbewegt und distanziert bleiben, aufgrund des allzu am Geschehen, nicht aber an den Charakteren interessierten Scripts, das zwischenmenschliche Szenen auf ein Minimum reduziert und wenig Mitfiebermotivation, oder auch nur Einblicke in Sarahs Psyche oder Charakter erlaubt. Die mit Abstand verängstigendste, gelungenste Horror-Stelle des gesamten Films ist dabei zwar nur wenige Sekunden lang und inhaltlich relativ unmotiviert, aber so grandios inszeniert, abgemischt, designt und editiert, dass ich beim bloßen dran denken eine Gänsehaut bekomme – doch so genial wird es in der Hinsicht nie wieder, egal in welcher Hinsicht. Dass sich diese Sequenz also auch noch nach weit über einer Stunde im Film befindet, zu einem Zeitpunkt, zu dem reine Horrorfans vermutlich längst abgesprungen sind, ist da natürlich ärgerlich.
 
 
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Das Finale des Films ist dann wieder höchst atmosphärisch geraten und gelungen gefilmt, mit deutlichen Stranger-Things-Anleihen und schön zurückhaltender Effektarbeit, aber dabei deutlich weniger Aufmerksamkeit oder Worte wert, als das Ende: Denn gaaaaaanz am Ende dieser 100 Minuten wird der Film dann tatsächlich nochmal deutlich interessanter, aber auch enttäuschender, irgendwo gewitzter aber eben auch witzloser und unnötig verwirrend, da hier natürlich noch ein großer Twist folgen muss. Und der ergibt rein inhaltlich auch Sinn und der wird auch ein Stück weit vorher angedeutet und erklärt ein paar Fragezeichen oder Fehler der vorherigen Szenen, ja, gleichzeitig aber stellt er auch den gesamten Film, die Existenzberechtigung der gesamten Story und die Motivation des Regisseurs, diesen Film überhaupt zu machen, komplett in Frage. Wer den ebenfalls höchst kuriosen „Boarding School“ gesehen hat, der weiß, wie man radikal unterschiedliche Ideen oder Konzepte mit einem einmaligen Ende umdeuten oder im letzten Moment noch etablieren kann, etwas ähnliches wurde hier auch gemacht.
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Ungewöhnlicher, eigenständiger, hübsch fotografierter, langsamer Indiefilm, der das Interesse des Zuschauers zumeist aufrecht erhalten kann, hinter der hübschen Verpackung und dem feinfühligen Soundtrack aber leider nur zwei wirklich intensive, spannende Szenen aufzuweisen hat und abseits seiner Genre-Inserts relativ zahm, minimalistisch und unspektakulär inszeniert wurde. Stimmungsvoll, interessant, mit schimmernd-leichten, idyllischen, bis hin zu mysteriös-nächtlichen Synthesizern und Assoziationen sowie natürlichen Performances, aber auch einem schleppenden Erzähltempo und verschenkten Möglichkeiten.
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Strange Dreams“ (Originaltitel: „Come True“) ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Come True; USA 2020

Genre: Horror, Drama, Fantasy, Science-Fiction

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Making Of, Trailer, Bildergalerie, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Booklet + Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 23.09.2021 | Mediabook: 23.09.2021

 

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STRANGE DREAMS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Boarding School (2018)