Filmkritik: „Becky“ (2019)

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BECKY

Story

 
 
 
Die rebellische Becky und ihr verstrittener Vater geraten in das Visier einer Gruppe geflüchteter Häftlinge, als sie eigentlich am idyllischen Seehaus die Wogen der Verhangenheit glätten wollten.

 
 
 


 
 
 

BECKY – Kritik

 
 
Weniger als eine halbe Sekunde ertönt ein lautes, verzerrtes Geräusch, Schnitt und die Teenagerin Becky erzählt der Psychologin und dem Polizisten im lichtüberfluteten Raum, sichtlich verstört, was passiert ist – Flashbacks einer hektischen Flucht durch den Wald, schrille Synthesizer-Sirenen und die Einblendung „Zwei Wochen vorher“ später werden sowohl im Gefängnishof, Dominicks (Kevin James) Revier, einem Neonazi mit dickem Hakenkreuz auf dem Schädel, als auch in der Schule, Beckys Revier, einzelne Leute von einer Gruppe verprügelt. Foreshadowing auf heftigste Gewalteinlagen, die jedoch noch einige Rückblenden zur krebskranken Mutter und überzeugend geschriebene Dialoge zwischen Vater und pubertierender Tochter lange auf sich warten lassen müssen…
 
 
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Einerseits habe ich nie mehr als ein paar synchronisierte Schnipsel „King of Queens“ im Fernsehen gesehen, die mir aber nie sonderlich gefallen haben, weshalb ich keine Angst hatte, Kevin James hier nach jahrelanger Prägung nicht mehr in einer anderen Rolle sehen zu können, andererseits aber hat genau diese fehlende Vorerfahrung mit seinem Werk auch dazu geführt, dass ich ihn voll und ganz negativ mit ideenlosen, selbstverliebten Non-Comedies wie Pixels oder Kindsköpfe 2 assoziiert habe. Was genau von seiner Performance als humorloser Neonazi in „Becky“ zu erwarten sein würde, war mir also ein Mysterium und auch wenn James hier nie mit der Wucht eines Patrick Stewarts aus „Green Room“ z.B. agiert, so bin ich froh berichten zu können, dass dieser deutlich weniger ernste Film das – ganz im Gegensatz zum teils grässlich realistischen Nazi vs. Punker-Highlight – auch gar nicht nötig hat.
 
 
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Denn „Becky“ ist seine gesamten, schlanken 86 Minuten lang nur auf eines aus und das ist, möglichst gut zu Unterhalten: Der stringente Drei-Akt-Aufbau unterfüttert die Charaktere zu Beginn zwar noch mit wenig genutztem Konfliktpotential und scheint interessiert am Familiendrama, doch innerhalb von Sekunden wird durch gekonnte Match Cuts eine aufeinander zu laufende Montagesequenz gestartet, die sich alsbald mit einem an der Tür klopfendem Neonazi und seinen Mitflüchtlingen entlädt. Gerade die höfliche Fassade beherrscht James hier bestens, doch auch der restliche Cast macht seine Sache überzeugend genug, allen voran die 15-Jährige Hauptdarstellerin Lulu Wilson, deren energische Anti-Haltung ich schnell abkaufen konnte. Es wird unüblich realistisch und geerdet mit ihren Plänen, Ideen und Angriffen umgegangen, die Bösartigkeit oder Erbarmungslosigkeit eines „Agression Scales“ wird dabei nie erreicht, dafür ist dieser stets gut beleuchtete, auf Hochglanz polierte Film aber deutlich expliziter, wenn es dann mal drastisch wird. Die comichafte Überzeichnung des gnadenlos tötenden Teens fokussiert sich dabei bewusst auf die Splatstick-Einlagen selber, so dass der Film an sich nicht zur reinen Farce verkommt. Die hausbesetzenden Gangster gehen zwar auch kaltschnäuzig vor, zu zynische oder ausgewälzte Foltereinlagen sind aber zum Glück nicht zu befürchten.
 
 
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Dem rasanten sowie blutigen, dauerhaft kurzweiligen Geschehen streckenweise die Show stehlen tut nun noch der hochmotivierte, treibende, teils experimentell wirkende Electro-Tribal-Soundtrack, der zwischen gezupften Synthesizern und schnaufend-kriegerischen Sounds tänzelt und den Film gelungen nach vorne leitet. Wirklich neu oder allzu kreativ ist nichts davon, viele der Szenen hat man so oder so ähnlich bereits x-mal gesehen und auch Logik oder Charakterverhalten sollte man nicht immer hinterfragen – doch bei einer solch selbstbewussten tongue-in-cheek-Inszenierung können derlei Mängel gerne verziehen werden. Der schwarzhumorigere, wenn auch harmlosere Weihnachtstipp „Better Watch Out“ ist spontan eine Spur besser gespielt und origineller geschrieben, im Vergleich zum sehr ähnlich gelagerten „The Aggression Scale – Der Killer in dir“ hingegen, hat dieser Streifen der „Coonies“-Macher die Nase ein wenig vorne.
 
 
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Wer also gerne brachiale, und dadurch aber eben so witzige und kaum ernst zu nehmende, trotzdem schmerzende Gore-Einlagen in seinen Geiselthrillern mag, wer auf kurzweilige und trotzdem spannende Filme steht oder wer einfach mal Kevin James in einer relativ ernsten Rolle sehen will, der sollte bei „Becky“ definitiv die Anlage aufdrehen, das Hirn auf Durchzug stellen und sich an cleveren Katz- und Maus-Spielen erfreuen, bevor aus rhetorischer Kriegsführung blutige Kämpfe mit improvisierten Stichwaffen und realistisch bedrohlichen Hunden werden.
 
 


 
 
 

BECKY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Kein irrsinnig hübscher, grandios geschriebener oder oscarreif gespielter Film, auch keiner mit sonderlich viel Raffinesse – doch wenn ich bei jedem Kill schnauben, aufheulen oder lachen muss und sich in knapp 90 Minuten trotz oft gesehener Prämisse keine Länge auftut, hat ein Film sehr viel sehr richtig gemacht.
 
 


 
 
 

BECKY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Becky“ ist mit dem roten FSK-Flatschen vollkommen ungeschnitten. Das verwundert, da „Becky“ doch schon recht zeigefreudig in Sachen Gewalt ist.
 
 
 


 
 
 

BECKY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becky; USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Interviews, Behind the Scenes

Release-Termin: KeepCase: 30.10.2020

 

Becky [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BECKY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Hostage – Entführt (2005)
 
Better Watch Out (2016)
 
Deadly Home (2015)
 
Deadly Games (1989)
 

Filmkritik: „Death House“ (1986)

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DEATH HOUSE

(SORORITY HOUSE MASSACRE)

Story

 
 
 
Ein Mann tötet Studentinnen mit einem Messer.

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Kritik

 
 
Zur Mitte der 2000er hin, als meine Horrorfilmfaszination gerade so richtig begonnen hatte und ich, im jungen Teeniealter, auch noch generell einfacher zu beeindrucken war, hatte eine kleine Animation es mir sehr angetan, in dem ein hockeymaskentragender, macheteschwingender Smiley einem unbekannten-Standardsmiley hinterhergerannt ist. Grund für meine Euphorie war nicht nur die süße Animation selber, sondern die Beobachtung, hier die Quiessenz des „Standardslashers“ gefunden zu haben, ein 2-sekündiger, ewig vor sich hin spielender Loop generischer Opfer, die vor ebenso generischen, maskierten Killern wegrennen. Mit „Camp Blood“ glaube ich, war es, bin ich dieser Idee des absolut unmotivierten Fließbandslashers, den man perfekt nur mit diesem Smiley beschreiben könnte, ohne wichtige Details auszusparen, dann relativ nah gekommen – doch nun, 12 Jahre später, schein ich mit „Sorority House Massacre“ einen weiteren Kandiaten gefunden zu haben, der sich mit seiner tausendmal besser sowie schlechter gesehenen Bierdeckelsynopsis ideal anbietet, die Kritik möglichst kurz zu halten. (Anmerkung des Autor: Vergesst den Satz.)
 
 
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Der bei uns als „Death House“ verkaufte Slasher ist dabei nämlich nicht in den späten Sechzigern oder frühen Siebzigern verstanden und somit als Proto-Slasher oder Genre-Blaupause zu verstehen, nicht als rabiate, genreshiftende Giallo-Krimi-Thriller-Erfahrung die ihrer Zeit voraus war, sondern stammt aus dem Jahre 1986, als ein Gros der Genre-Formulare längst etabliert war und eine Welle, den ikonsichen Werken der Zeit nachahmender Billigproduktionen im Wochentakt auf den Markt geworfen wurden. In dieser Welle dürfte dann auch Carol Franks einziger Langfilm erschienen sein, der knackig-kurze 74 Minuten mit Abspann lang sein bestes tut, schnell wieder vergessen zu werden. Denn während einige dieser minimalistischen und oftmals vorhersehbaren oder trashigen Werke ihren ganz eigenen Charme, Wahnsinn oder Betrachtungsgrund mit sich bringen, so ist „Death House“ allenfalls im Detail inspiriert oder eigensinnig zu nennen.
 
 
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Anfänglich wissen die bedeutungsschwangeren Synthesizer und Glockenspiele vor der bedrohlich beleuchteten Studentenverbindung vielleicht noch zu gefallen, mit der Zeit plätschert der Soundtrack aber immer unpassender und belangloser vor sich hin. Die surrealen, fast schon an Argento oder Fulci erinnernden Traumszenen mit leeren Puppengesichtern und aus der Decke sickerndem Blut haben sich auch eingeprägt, werden aber zu redundant immer und immer wieder in den Film geschnitten, was bisweilen an eine schwache Kopie der Nightmare on Elm Street-Filme erinnert, gerade wenn der Killer seine Waffe – ein Messer, wie herausstechend – durch Objekte drückt oder aus dem Nichts auftauchen lässt. So originell oder gewitzt wie Kruegers perfide Missetaten sind die Sequenzen dabei freilich nie. Auch die unmarkierten Schnitte zwischen Psychiatrie und Studentenverbindung sind als netter Kniff zu verstehen und erfordern Aufmerksamkeit, die teils sogar mit interessanten Match Cuts oder Versuchen derer belohnt wird, doch schnell realisiert der Zuschauer dass es auch eben keinen Clou, kein Whodunnit, keine weiteren Charaktere oder Rätselspannungen mehr geben wird, sondern der Film sich einfach nur mit dem Grundprinzip eines messerstechenden, lahmen Typen zufrieden gibt, der seine größtenteils wehr- und charakterlosen Opfer umbringt.
 
 
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Die Backstory könnte dabei generischer nicht mehr sein, die Dialoge sind erträglich, aber nicht sonderlich ertragreich. POV-Aufnahmen des Killers wurden spannender und atmosphärischer in Black Christmas, kunstvoller in diversen Gialli Jahre zuvor inszeniert, die Mode in diesem Film gehört mit zu den schreiend hässlichsten Flickenresten, die je aus den Tiefen der 80s-Mottenhölle geborgen wurden, bevor eine ganze Reihe an Outfits zum Glück das selektive Gedächtnis der Kollektivnostalgie verlassen durfte. Der dilletantische Ausbruch aus der Psychiatrie ist reichlich lächerlich inszeniert, da unser wortloser Killer am hellichten Tag über den scheinbar unbewachten Vorhof rennt und über den Zaun klettert, als sei dies sein täglich Brot. Der übernatürliche angehauchte Teil der Geschichte wird nie relevant, die klischeehafte Motivation des Killers wird in einem Nebensatz abgespeist und der einzig nennenswert brutale Effekt ist wenige Minuten vor Ende zu sehen.
 
 
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Als guilty pleasure trashig-amüsant wird der Film allenfalls in einer Montagesequenz zu abartig schmalziger E-Gitarren und Saxophonmusik, in der unsere Hauptdarstellerinnen Outfits anprobieren und wir natürlich alle davon halbnackt sehen dürfen, bis auf unser tugendtreueres Final Girl, das mit den paar Krümmelchen Plot zu kämpfen hat. In diesen Szenen, spezifisch wenn später über phallische Symbole und Traumdeutung diskutiert wird, wirkt der Film überraschend selbstreflektiert und seiner Generik bewusst, doch zur Parodie oder ernsthaften Dekonstruktion des Genres reicht es offensichtlich nie. Dass jede dieser jungen Damen auch einen abgestimmten Konterpart aus der Highschool-Stereotypkiste abbekommt überrascht zu diesem Zeitpunkt wohl niemanden mehr, so darf also auch der zahnspangen- und brilletragende Obernerd mit der Klinge in Kontakt kommen, natürlich nicht ohne vorher für mindestens einen Fake-Scare zu sorgen.
 
 
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Gute 50 der 74 Minuten kommen fast ohne Kills oder akute Bedrohung für unsere Protagonisten aus, Füllerszenen sowohl in der Psychiatrie als auch im Verbindungshaus, nur leider bis auf die anfänglichen Traumszenen und die ein oder andere Nacktheit keine, die auch nur Genre-Ansprüchen gerecht werden. Durch die kurze Laufzeit und teilweise solides Schauspiel, eine handvoll nette Bilder und weil der Film nichts generell falsch macht, kann sich „Sorority House Massacre“ noch auf eine knapp unterdurchschnittliche Erfahrung für Slasherfans und -allesgucker retten, doch einen derart vergessenswerten, belanglosen und unmotivierten Beitrag durfte ich zuletzt nur bei aktuellen Produktionen beäugen.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Sehr kurzer, trotzdem langweiliger Slasher nach Schema F, für Puristen oder Menschen die noch nie einen solchen Film gesehen haben. Nicht weit davon weg, einfach in 2D Strichmännchen zu animieren, die sich umbringen. Durch anfängliches Unbehagen und einen halbwegs stimmigen Cast noch knappe.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Zensur

 
 
 
„Sorority House Massacre“ oder „Death House“ erschien in Amerika auf VHS ungeschnitten. Leider wurde auf DVD und Blu-ray nur eine geschnittene Fassung veröffentlicht, die knapp elf Minuten vermissen lässt. Das entfernte Material beinhaltete hauptsächliche Handlungsszenen. Eine kurze Gewaltszene war auch dabei. Auf dieser Fassung basiert nun auch die deutsche Blu-ray. Zwar wird auf dem Cover mit „100% Uncut“ geworben. Das stimmt so aber nicht. Auch der deutschen HD-Fassung fehlen offenbar knapp 11 Minuten Filmmaterial! Das betrifft alle bisherigen deutschen Blu-ray-Releases des Slashers.
 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (KeepCase Blu-ray – Erstauflage)

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(c) Centurio Entertainment (KeepCase Blu-ray – Zweitauflage)

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(c) CMV Laservision (Mediabook mit DVD + Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sorority House Massacre; USA 1986

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 74 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original Trailer, Entfernte Szenen, Programmtrailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook: 09.03.2018 | KeepCase – Erstauflage: 23.02.2018 | KeepCase – Zweitauflage: 30.10.2020

 

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DEATH HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV LASERVISION | Centurio Entertainment

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam (1980)
 
Communion – Messe des Grauens (1975)
 
Madhouse – Party des Schreckens (1980)
 
Examen (1981)
 

Filmkritik: „Herschell Gordon Lewis‘ BloodMania“ (2017)

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HERSCHELL GORDON LEWIS‘ BLOODMANIA

(BLOODMANIA)

Story

 
 
 
Herschell Gordon Lewis macht einen auf Cryptkeeper und präsentiert vier blutige, böse Geschichten..

 
 
 


 
 
 

BLOODMANIA – Kritik

 
 
Dieses, als krönendes letztes, im hohen Alter geschaffene Abschlusswerk des in Fachkreisen nicht unumstrittenen „Godfather of Gore‘‘s Herschell Gordon Lewis angepriesene, 95-minütige Ärgernis stellt nicht nur die letzte Regie- und Drehbuch-Mitarbeit des Splatterpapstes dar, sondern leider Gottes auch meinen ersten Berührungspunkt mit einem seiner Filme. Und auch wenn ich in vergangenen Filmchecker-Reviews schon öfter auf Filme gestoßen bin, deren Regisseure mir trotz ausufernder Filmographie bislang gänzlich unbekannt waren, so dürfte es mich hier wohl am ärgsten getroffen haben – denn was muss dieser imdb-Kritiker hier nur gesehen haben, dass er 8 Sterne vergeben konnte? Nachfolgend mein Gegenentwurf zu den vier Episoden, die dem durstigen Gorefan vorgesetzt werden.
 
 
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Die Opening Credits wirken durch veraltete und beliebige Fonts, an Windows Movie Maker anmutende Filter und Effekte und einen in miserabler Qualität aufgenommenen, selbst eingespielten Country-Track mit misslungenem Humoranspruch direkt 100% wie die billigsten der billigen US-Indiefilme aus dem Amateurfilmer-Untergrund, wobei selbst ähnlich gelagerte Horror-Anthologien wie „Faces of Schlock“ die Nase hier meilenweit vorne haben. Ehrliches Umgehen mit Ambitionen und Produktionsbedingungen von der ersten Sekunde an muss jedoch nichts Schlechtes sein, auch wenn die gezeigten Szenen unpassend und willkürlich wirken, wenn hier einmal in Stummfilmmanier inkl. Sin City-Farbfilter und Texttafeln an einer uns unbekannten Frau rumgeschnibbelt wird, sich danach eine Frau ein Bein amputiert, eine andere ihr Bein beim Rasieren häutet. Ohne Zusammenhang ein reines Effekte-Show-Off mit billigen Wortwitzen am Ende, was für ein irritiertes Schmunzeln reicht, nur mit dem bitteren Nachgeschmack künstlich per CGI verschlimmbesserter Bluttaten.
 
 
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Herschell Gordon Lewis höchstpersönlich tritt im Anzug vor einen miserabel getricksten CGI-Screen und quält den Zuschauer durch einen furchtbar geschriebenen sowie gespielten, unwitzigen Monolog über die folgende, erste Episode, namens „Gory Story“, in der unser Hauptcharakter namens Brewster Rickaback von dem dämonischen Haken an seiner Hand terrorisiert wird. Auf allerniedrigstem Totaltrashniveau der unlustigsten und nervigsten Sorte werden wir in eine Szene geworfen, in der absolut niemand überzeugen kann und nie die Illusion einer echten Begebenheit aufkommt. Die Kostüme sind fake, niemand kann schauspielern oder versucht es, der Haken ist aus dem Karnevalsshop, das Logo der Fernsehkamera, der wir angeblich folgen, in Paint gemalt. Das Soundleveling ist furchtbar künstlich und überzeugt zu keinem Zeitpunkt, generell sind ALLE Effektgeräusche sämtlicher folgender Episoden scheinbar aus dem Internet geholt und auf den Mix geklatscht, weshalb wir Geräusche aus Videospielen, aus anderen Filmen usw. wiederentdecken können.
 
 
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Nach der zu langen, ersten „News Coverage“ Szene über unseren scheinbar flüchtenden Brewster, die das Nervenkostüm bereits gut strapaziert hat mit zu viel Lärm und versuchter Dramatik, ist Brewster alleine auf der Straße zu sehen und sticht sich ausversehen ins Bein mit seinem Haken. Ein kleiner Splattereffekt, dann wird er von einem Hund angepinkelt, dann folgt ein bemüht komisches Treffen mit einem Unbekannten, bevor er sich ausversehen das Auge aussticht, weil er eine Fliege verscheuchen will. Der Humor ist ziemlich genau auf dem Level auf dem es sich liest zu dem Zeitpunkt, doch weil der Hauptdarsteller nicht dauerhaft overacted, der Kurzfilm sich nicht ernst nimmt und zudem deutlich besser ist als die ersten paar Minuten, fängt es langsam fast an zu funktionieren. Eine kurze Flashback-Sequenz hat tatsächlich einen überraschend funktionierenden Witz sowie eine nette Genre-Anspielung, kurz darauf muss ich laut lachen, da der Film endgültig Richtung Troma liebäugelt, bekloppt und dumm und blutig und explizit wird, starken, handgemachten Gore und saudämliche Wortwitze liefert, etwas Gesellschaftskritik mit dem Holzhammer – er hat sich fast gerettet. Nicht falsch verstehen, nach den etwa 8 Minuten Intro waren auch diese folgenden 15 Minuten Hakengeschichte unsinniger Schwachsinn, billig und trashig und schlecht – aber eben weil es so kurz und auf den Gore reduziert gedreht wurde, der Film sich komplett drüber nie ernst nimmt und einzig der letzte Effekte erneut durch CGI versaut wurde, kann man hier mit zugekniffenen Augen und extremer Schmerzfreiheit fast von einer unterdurchschnittlichen Splatterepisode reden. Noch 3/10.
 
 
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Ist diese absurde Trasherfahrung überstanden, die die Marschrichtung ja nun vorgeben dürfte, und beim Zuschauer die Disc ausgeworfen oder das Bier geholt, erscheint Herschell dieses Mal vor dem unüberzeugenden CGI-Screen einer Farm, um einen weiteren improvisiert wirkenden und wenig unterhaltsamen Eröffnungstext zu sprechen. „Attack of the Conscience“ wurde dabei von Melanie Reinboldt inszeniert und handelt von einer jungen Frau, die im Koma ist und scheinbar Rachegedanken/Ängste/Träume über sich und ihren Mann in verschiedenen Szenarios erlebt. Das klingt überraschend ernst und untrashig und in der Tat gibt es professionellere Bilder, ein besseres und ernstzunehmenderes – wenn auch nie gutes – Schauspiel, einen annehmbaren Soundtrack und keine konzeptuell total trashigen Tromaattitüden. Doch was das im Klartext heißt, ist, dass die beiden extrem heftigen und krassen Splattereffekte, die es gibt, völlig deplatziert in dieser bemüht seriösen Geschichte wirken und dass es sich absolut nicht lohnt, dafür zahlreiche hässliche CGI-Bluteffekte, langweilige Dialogszenen, repetitive Traumstrukturen und diese peinlichen Soundeffekte zu erdulden, die in jedem nicht-komödiantischen Film einfach die Stimmung killen. Fast eine halbe Stunde lang war dieses Armutszeugnis in Drehbuchform, das nur als hochstilisierter Arthausfilm oder schmissiger Funsplatter je hätte klappen können, da es sich jeder Substanz entbehrt, was also noch 42 Minuten übrig lässt, um „Bloodmania“ anschaubar zu machen. 2/10
 
 
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Man kann es nicht anders sagen, als dass Herschell Gordon Lewis in der sehr kurzen, dritten Anmoderation seines eigenen Filmes wie ein verwirrter alter Herr wirkt, der über ein fremdes Set stolpert um immer wieder ein paar vernebelte Erinnerungen in die Kamera zu sprechen. „The Night Hag“ ist die zweite Episode eben jenes Herren und zumindest Unberechenbarkeit sowie eine kuriose Freude an unterschiedlichen Stilmitteln muss man ihm lassen, denn nach einer peinlich niedlich aufgelösten „Stanley Loves Helen“-Titlecard im Sitcom-Stil, wird jeder Kommentar vom leicht kahl werdenden und übergewichtigen Stanley (Kubrick? Ähnlichkeit vorhanden…) und seiner im schrillen Ton rufenden Frau mit Lachern und Applaus vom Band untermalt, als befände man sich wirklich in unsäglich leichter Unterhaltung die durch Situationskomik überzeugen will. Ist auch teilweise der Fall, klappt streckenweise auch überraschend gut, da das Schauspiel zwar sehr drüber ist, es aber auch genau so sein soll und der Dialog passabel verfasst wurde. Nur leider geht es nach einer Andeutung mit mysteriösen Haaren und einer weiteren mit Klopfgeräuschen aus dem Luftschacht auch direkt ans Eingemachte und die initiale Konstellation hält über die weitere Länge dieser Episode nicht an, da der Gorehound hier aufjauchzen kann vor Freude, wenn in bester „Sella Turcica“/Toetag-Manier am Haar gezogen wird, bis der Kopf aber sowas von ab ist. Zerstört wird der Effekt freilich wieder von der unnötigen Extraschicht After Effects und dem „Splash“-Geräusch aus Postal 2, aber daran ist man nach knapp einer Stunde Unterhaltung schon fast gewöhnt.
 
 
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Es kommt wie es kommen muss, ein paar hübsch gerahmte Bilder mit warmen Colourgrading später ist eine neue Familie inklusive Kindern in dem Haus und die Kreatur tritt erneut in Aktion – doch was beim ersten Mal noch unerklärt, in bester Fulci-Manier genau so billig wie gruselig radikal und endgültig war, wird dieses Mal auf lachhafteste Weise gezeigt und ausbuchstabiert, dazu gesellen sich wie Teenies oder junge Erwachsene geschriebene und demnach unrealistische Kinder und zu lange Szenen der Sentimentalität, die ohnehin nicht klappen und sämtliche Anflüge von gelungen schwarzhumorigen Dialogen früher vergehen lassen. Sowohl die Sprachverzerrungs- als auch die Stop-Motion-Effekte der „Kreatur“ sind lachhaft bis irritierend, der spätere Gore auf den ersten Blick drastisch und als für sich stehende Kunst irgendwo faszinierend, aber erneut nicht den gesamten Kurzfilm wert. Ein weiterer anstrengender, überlanger, nie spannender, sehr billiger Vertreter des „Etwas ist im Haus“-Subgenres und dabei selbst einem „Castle Freak“ unterlegen. 2/10
 
 
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Auf einen Killer, der nur an Innereien bzw. bestimmten Körperteilen interessiert ist, stimmt Herschell uns als nächstes ein und in der Tat hat die letzte Episode des Projekts, „GORegeous“, von Kevin Littlelight spontan am meisten Lust gemacht, denn das übliche Slumberparty/Slasher-Formular hinkt oftmals am ehesten an seinen Längen und dürfte als kurzes Finale doch bestens funktionieren. Ein unangenehmer, unsympathischer, unwitziger, sexistischer, homophobe Bemerkungen machender Hauptcharakter darf im Intro oben ohne rumtanzen und dann per schlechtem CGI (seufz) die Hände einer Prostituierten abhacken, dann per besserem Effekt ihren Kopf spalten. Klingt auf dem Papier vielleicht ganz stimmig, durch miese Nachsynchronisation und einen ganz schlimmen Soundtrack aber direkt ein katastrophaler Einstieg. „Gordo“, so der Name des von Stuart Bentley gespielten Ekels, wird gefeuert und lässt es in wenig überzeugender Manier an einer Unschuldigen aus, Stock-Schlaggeräusche, sie überlebt es. Mehrere Minuten grauenhaftes Musikvideo eines schlecht produzierten Songs, dann folgt tatsächlich ein ziemlich guter Kehlenschnitt und die nette Idee, den Titel des Films mit Blut auf den Boden zu schreiben. In der obligatorischen Duschszene wird schamlos künstlich reingezoomt, was die Bildqualität immer wieder leiden lässt, dafür aber kann diese 80s-Slasherfarce immerhin mit zeigefreudigen Darstellerinnen, einem nett expliziten Kill sowie einer witzigen Parodieszene punkten, die zwar total albern ist und sicherlich in Scary Movie o.ä. schon mehrfach durchexzerziert wurde, hier aber unerwartet für Eyecandy und ein leichtes Grinsen sorgt. Noch größer war mein Grinsen allerdings nach dem unpointierten Finale, weil auch dieser unterdurchschnittliche Slasher-Blödsinn auf Sparflamme hauptsächlich als Trash unterhalten konnte und endlich vorbei war. 4(-)/10
 
 

 
 
Abseits von einer sinnlosen und unnötigen After-Credits -Szene war es das dann auch nach geschlagenen 88 Minuten und bei Gott, die waren hart erkämpft. Eine inhomogene Masse thematisch kaum zusammenhängender, schlechter Splatter-Kurzfilme, die auch noch all ihre sehr starken, handgetricksten Effekte durch peinliches CGI, altbekannte Sounds und unpassende Geschichten für ihre Kills versaut. Nichts ergibt Sinn, kaum etwas ist witzig, Atmosphäre oder audiovisuelle Qualitäten sucht man vergeblich. Als halbstündiger Kurzfilm mit den Highlights aller Kurzfilme zusammen genommen hätte dieses Projekt funktionieren können – jede einzelne Episode ist jedoch zu schlecht, zu lang, zu unausgeGOREn, um bei den furchtbaren Witzen mal mitzumachen, um zu überzeugen und als Häufung bleibt nur ein Faustschlag in das Gesicht eines jeden Horrorfans, oder auch nur Gorefans, der mehr Anspruch als 4 Minuten Schlachtplatte zum Vorspulen hat.
 
 


 
 
 

BLOODMANIA – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Micro-Budget-Trash mit verkünstelten Effekten, nicht einer überzeugenden Performance, jegliche Immersion zerstörenden Sounds und haarsträubend dämlichen, witzlosen Stories.
 
 


 
 
 

BLOODMANIA – Zensur

 
 
 
„Herschell Gordon Lewis‘ BloodMania“ ist die letzte Regiearbeit von Herschell Gordon Lewis und wurde bereits 2017 von CMV Laservision ungeprüft in Deutschland auf DVD und Blu-ray im Mediabook veröffentlicht. 2020 wollte das Label den Streifen von der FSK prüfen lassen, um die Horror-Anthologie auch in deutsche Händlerregale stellen zu können. Leider verweigerte die FSK die Freigabe. Weil das Label keine Schnitte für eine Kaufhausfassung mit rotem FSK-Sticker vornehmen wollte, blieb es bei einer Veröffentlichung ohne FSK-Freigabe. Die erhältliche Mediabook-Fassung und die KeepCase-Auflage von „Herschell Gordon Lewis‘ BloodMania“ sind juristisch geprüft und ungeschnitten. Demzufolge dürfen die Veröffentlichungen nur an volljährige Filmfans verkauft werden. Diese finden den Streifen nach der obligatorischen Alterskontrolle in gängigen Online-Shops, die sich auf FSK18-Ware und indizierte Filmmedien spezialisiert haben.
 
 
 


 
 
 

BLOODMANIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (KeepCase Blu-ray)

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(c) CMV Laservision – Erstveröffentlichung (Mediabook mit DVD + Blu-ray)

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(c) CMV Laservision – Zweitveröffentlichung Cover A (Mediabook mit DVD + Blu-ray)

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(c) CMV Laservision – Zweitveröffentlichung Cover B (Mediabook mit DVD + Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Herschell Gordon Lewis‘ BloodMania; USA 2017

Genre: Thriller, Horror, Komödie

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: ungeprüft | Spio-JK (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original Trailer, Umfangreiche Bildergalerie, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook Erstauflage: 22.12.2017 | Mediabook Zweitauflage: 25.09.2020 | KeepCase: 25.09.2020

 

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BLOODMANIA – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV LASERVISION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Faces of Schlock (2009)
 
Creepshow 3 (2006)
 
Monsterland (2016)
 
Chillerama (2011)
 

Filmkritik: „Amulet – Es wird dich finden“ (2020)

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AMULET – ES WIRD DICH FINDEN

(AMULET)

Story

 
 
 
Ein ehemaliger Soldat, der obdachlos in London lebt, wird von einer Nonne zu einer alten Villa gebracht, in der er sich gegen Essen und Unterkunft nur etwas mit dem Schimmel und der alten Dame im Obergeschoss herumschlagen muss.

 
 
 


 
 
 

AMULET – Kritik

 
 
Es hätte so schön sein können, so schön und so einfach – ein scheinbar europäischer Vertreter des übernatürlichen Horrors war an der Zeit, gesichtet zu werden, und er wirkte wie ein vermutlich durchschnittlicher Vertreter seiner Zunft, der auf der imdb einige User polarisiert, im Endeffekt aber größtenteils mittelmäßige Kritiken bekommen hat. Spielfilmdebütantin und Feministin Romola Garai dürfte dabei spätetestens seit „Abbitte“ als Schauspielerin bekannt sein und wer die bisherige Karriere der 38-Jährigen Britin verfolgt hat, den dürfte es nicht wundern dass reines Genrevergnügen hier nicht im Vordergrund stand – zumindest vor der Kamera war die Horrorrichtung ihr doch eher fremd. Was folgt, ist weder ein simpel zu durchschauender Standard-Horror, noch die Frischzellenkultur des Jahres – aber je nach Blickwinkel kann ich hier trotzdem fast jede Bewertung nachvollziehen.
 
 
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Die gothisch-verträumten Opening Credits nutzen kraftvoll abgemischte, chorale Gesänge, Funkenregen und Unschärfe zu ihrem Vorteil und lassen eine professionelle Produktion erwarten, Überblenden durch bildgewaltige Wälder und ein Mann liegt neben einem dicken Gewehr auf einem Feldbett in seinem rustikalen Holzhaus. Natürliches Licht und nebelverhangene Wälder, eine mysteriöse Holzschnitzerei wird im Boden gefunden, dazu ein brodelnder und kratzender, beunruhigender Soundtrack. Die Szene offenbart sich als Traum, da unser Hauptprotagonist Tomaz in der Realität wohl in ärmlichen Verhältnissen mit anderen Obdachlosen oder Heroinabhängigen auf blanken Matratzen in zerfallenen Gebäuden lebt, und dort jemand ein Feuer gelegt hat. Der Kriegsflüchtling wird von einer fürsorglichen, zuversichtlichen Nonne ins Krankenhaus gebracht, eine prachtvolle aber alte und schimmelige Villa stellt daraufhin sein neues Zuhause dar. Carla Juri, die man aus „Blade Runner 2049“ oder gar „Feuchtgebiete“ kennen kann, spielt hier die verunsichert wirkende Magda, die sich um ihre kränkelnde Mutter kümmert und gerne etwas hausmännische Hilfe beansprucht. Schnell gibt es Fleischpastete sowie undefinierten Eintopf, der gierig vom ausgehungerten Tomaz verschlungen wird, zudem häufen sich die Unüblichkeiten langsam – so wird von der Mutter viel geredet, aber zu sehen gibt es sie nicht, bis auf eine Bisswunde an Magdas Arm und die Warnung, dass Tomaz wohl unerwünscht ist. Ganz abgesehen davon natürlich, dass Tomaz‘ Träume sich zu verdichten scheinen und er sich die Hände zusammen kleben muss, bevor er schlafen geht…
 
 
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Ist man nach einem stimmigen Aufbau mit durchaus neugierig machender Exposition in der teilweise in hübschen Details und Umgebungsaufnahmen eingefangenen Villa mit ihren Vorhängeschlössen, verzierten Wänden und blutigen Bettlaken angekommen, offenbart sich „Amulet“ als absoluter Slowburn, der die Geduld des Zuschauers ggf. auf die Probe stellt und sich sehr lange in Zurückhaltung übt. Ein Horror-Highlight ist für mich das im Nachinein sinnvolle Foreshadowing mit einer handgemachten, erschreckenden und ziemlich verstörend- unerklärt-alptraumhaften Szene, deren Effektarbeit und Aufbau ich absolut genießen konnte, doch auch wenn die ersten 35 Minuten wie aus einem Guss wirken und sich der Film jetzt langsam steigern könnte, doch auch wenn die genaue Hintergrundgeschichte um die titelgebende Holzschnitzerei angenehm undurchsichtig bleibt und Kerzenlicht für wohlige Schaueratmosphäre sorgt, so ist die Reihung von Genreelementen, Flashbacks und Tempo herausnehmenden Dialogen über Rollenklischees („Men think romance is silly“) doch sehr behäbig. Nach der Hälfte des Films sind wir mehr beim Charakterdrama angekommen denn beim Horrorfilm, technisch zweifelsohne auf einem hohen Level, nur mit einem Script versehen, das viel Spannung aufbaut und Fragen generiert, zu wenig davon aber eigenständig oder originell beantwortet. Besitzt man als Zuschauer jedoch die nötige Hingabe zum Film, die nötige Aufmerksamkeit und das Durchhaltevermögen, so wird man rein genretechnisch tatsächlich noch mit Body-Horror, gruseligen Einstellungen und gar akuter Bedrohung konfrontiert, wie ich es nicht erwartet hätte. Ein großes WTF eine halbe Stunde vorm Ende,eine erste Bluttat nach etwa 70 Minuten – und dann folgen Twist nach Twist und das Script bricht dem Film einfach das Genick.
 
 
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Garai scheint nämlich mehr interessiert daran, ein Statement zu setzen und ihrer Agenda zu folgen, als daran einen logischen Horrorfilm zu schreiben. Was heißen soll, dass die moralinsaure Auflösung auf einmal viel von dem zerstört, das der Film vorher so liebevoll aufgebaut hat: Da erscheint ein Charakter im neuen Licht und Outfit, das weder zur Darstellerin noch zum Script oder der Rolle passt, da wird ein Rechtesystem jenseits von Gut und Böse impliziert, da kommt die Schlüsselsequenz des Films ohne jegliche verständliche Motivation daher. Menschem lassen gerne mal im dritten Akt ihre Masken fallen, hier aber werden grundsätzliche Tendenzen oder Archetypen zu 180° gedreht, nur damit es den größtmöglichsten Twistfaktor hat. Das Finale dieser 100 Minuten Berg- und Talfahrt ärgern mich dabei fast mit am meisten, einfach weil es so verdammt schade um diese alptraumhafte, surreale, lynchesque, unerklärte Sequenz kosmischen Horrors ist, die sich anzugucken lohnt, die sich aber nur sehr unbequem in die Welt des Films fügen will. Ein interessanter Film, und für Freunde ungewöhnlichen Horrors sicherlich auch ein sehr sehenswerter, aber auch einer, der auf einem unfertigen Script basiert, das beliebige Genretropen und oft gesehene Build-Ups auf eigenständige, aber enttäuschend sinnlose Weise auflöst.
 
 
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AMULET – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Interessanter, technisch hochwertiger Slowburn, der sich lange Zeit an der Schnittstelle zwischen unterkühlten, europäischen Thriller-Produktionen, Charakterdrama und Standardhorror aufhält, um später zu offensichtlich einzig seine Weltanschauung zu befriedigen. Wenig sinnig, rein atmosphärisch aber gelungen.
 
 


 
 
 

AMULET – Zensur

 
 
 
Die auf Blu-ray und DVD veröffentlichte Fassung von „Amulet – Es wird dich finden“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMULET – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Eilte (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amulet; Großbritannien | Vereinigte Arabische Emirate 2020

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.38:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 23.10.2020

 
 

Amulet [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AMULET – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Ascot Elite)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are Still Here (2015)
 
House – Willkommen in der Hölle (2016)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 

Filmkritik: „Alien Prey“ (1977)

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ALIEN PREY

(PREY | THE DESTRUCTOR)

Story

 
 
 
Ein Alien in Menschenform bezirzt eine junge Frau, die mit ihrer Freundin auf einem abgelegenen Bauernhof lebt…

 
 
 


 
 
 

ALIEN PREY – Kritik

 
 
Synthies, fette, dreckige Synthesizer spucken frühe, teils quälende Melodien und Quietschgeräusche vor die minimalistischen Credits, ein mysteriöses „I’m now in orbit“ vor schwarzer Leinwand, dann wird der Zuschauer mit der jungen Jessica synchronisiert, da sich beide mit bunten Lichtern aus dem Wald konfrontiert sehen, die in das Schlaf- bzw. Wohnzimmer der erschrockenen Dame, bzw. des amüsierten Zuschauers gelangen. Jessica ist dabei gespielt von Glory Annen, deren größter bzw. einziger Hit wohl „Felicity“ gewesen sein durfte, vor dem sie hier aber ihr Spielfilmdebüt in einer Rolle geben durfte, die sich durch Schönheit und lautes Schreien auszeichnet.
 
 
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Jessica erzählt ihrer Freundin, Josephine, von einem Alptraum über eine Kreatur sowie den sehr realen Lichtern vor dem Haus, per POV-Aufnahme erfahren wir kurz danach auch schon, dass scheinbar etwas im Gebüsch wartet. Furchtbar nachsynchronisierte Stöhner beim lesbischen Rummachen sowie den eher belanglosen Dialogen, kurz darauf wird bei Nacht ein Unbekannter unblutig umgebracht, Vampirzähne blitzen auf, mehr buntes Licht und wir befinden uns gerade einmal 5 Minuten im Film. Soll „Alien Prey“ tatsächlich die skurrile, britische, ideenreiche und kurzweilige 70s-Lesben-Alien-Unterhaltung sein, als die sie beworben wird?
 
 
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Schnitt und der nächste Szenenblock lebt in erster Linie von Jessicas unfassbar intensiv blumiger Bluse, der idyllischen Umgebung, nur mit Vogelgezwitscher unterlegt, und hin und wieder unfreiwillig komischer, verhalten trashiger Unterhaltung, da im langsamen Tempo ein komplett in grau gekleideter Mann, der sich zögerlich stotternd und wenig menschlich als „Anderson“ vorstellt, auf die beiden trifft. Die naive Jessica nimmt den Fremden gerne auf der abgelegenen Farm des Paares auf, Joe lässt sich zögerlich überreden, kurz vorher noch wird lautes Knacken im Wald mit Eichhörnchen erklärt und die toten, unangefressenen Tiere in der Umgebung natürlich mit Füchsen. Auf unbedarfte, trashige Weise weiß dieser Anfangsabschnitt zu unterhalten, wenn „Anders Anderson“ roboterhaft durch die teils hübsch eingefangenen Szenen chargiert, per halbsekündiger Zwischenschnitte immer wieder sein amüsantes Alien-Gesicht samt Reißzähnen eingeblendet wird und sogar eine kurze Jagdsequenz mit einem Polizisten entsteht. Doch was anfangs noch zu unterhalten weiß, ist mit der Zeit dann leider immer ermüdender, denn da es offensichtlich kaum ein Budget gab, nur wenige Darsteller und als „Effekt“ Kindergarten-Makeup mit dunklen Kontaktlinsen und billigen Reißzähnen herhalten muss, wird die Zeit liebend gerne mit allem anderen gefüllt. Das könnte sich durch eine motivierte Regie, wildes Editing oder ein tightes Script mit starken Dialogen bestens retten, doch leider bleibt es seht steif, sehr langsam und sehr belanglos, wenn unser Dreiergespann fortan Kleider anzieht und Sekt trinkt, oder eine zu lange lesbische Softsex-Szene folgt, während Anderson wenig spannend durchs Haus streift.
 
 
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Atmosphäre oder Anspannung wollen nie aufkommen, punktuelle skurrile Ereignisse helfen allenfalls vor dem völligen Abschalten des Zuschauers – so ist das Paar vegetarisch, weshalb unser fleischfressender Alien nach einem Bissen bereits ungeniert auf den Tisch erbricht und sich dafür später die Hühner des Hofes vornimmt. Jegliches blutiges Treiben bleibt aber passiv präsentiert und geschieht offscreen, weshalb die wohlig dröhnenden Retro-Synthesizer und die Nacktheit noch die größten Vertröster bzw. Qualitäten sind, die dieser Film besitzt. „Hand of a Stranger“ und ein weiterer, gelungen gewählter Song veredeln die Score um ein vielfaches, die Kostüme sind positiv hervorzuheben und ja, auch auf der Trash-Skala kann der turbulente, folgende Verlauf des Films einschlagen – doch dass auch nur 10 Minuten ununterbrochen ein Unterhaltungsfaktor aufkommt, ist eine Seltenheit. In einer furchtbar penetrant lauten und anstrengenden Manier wird nur noch hart übersteuert geschrien, statt geschauspielert, eine unnötig ewig gestreckte Szene zeigt Anderson mit dem Paar in Zeitlupe am panischen Herumplanschen im bräunlichen Dreckswasser, eine Fuchsjagdszene endet, ohne je einen Fuchs gezeigt zu haben und jegliche Konfrontationen oder Tode sind stumpf, unpointiert und vorhersehbar. Auf dem Papier ist das Ende überzeugend konsequent, auf dem Papier hätte sich diese großartige Prämisse aber auch für einen stilvollen Mysterythriller mit nebelverhangenem Bauernhof im britischen Hinterland, oder aber einen sleazigen Partyfilm mit schleimigen Effekten, Nacktheiten und ausgiebigen Splattereinlagen angeboten. Leider ist beides nicht geschehen.
 
 
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ALIEN PREY – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Minimalistische Schlaftablette, die ihre reizvolle Prämisse auch innerhalb ihres geringen Budgets noch gegen die Wand fährt. Vereinzelt trashige Kuriositäten, ein solider Synthesizer-Soundtrack, zeigefreudige Darstellerinnen sowie eine handvoll ästhetisch ansprechender Bilder reichen hier leider nicht.
 
 


 
 
 

ALIEN PREY – Zensur

 
 
 
„Alien Prey“ war in Deutschland auf DVD und VHS nur in gekürzter Fassung zu haben. Mit der Blu-ray hat sich das geändert. Alle in Deutschland erhältlichen Blu-ray-Fassung sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

ALIEN PREY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray + DVD im Mediabook | auf 1000 Stück limitiert)

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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Prey; Großbritannien 1977

Genre: Horror, Science Fiction, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar, Interviews, Original Trailer, Artworkgalerie | zusätzlich im Mediabook: Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 08.02.2019 | KeepCase: 11.09.2020

 
 

Alien Prey [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Alien Prey [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ALIEN PREY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies | DAREDO)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Des Teufels Saat (1977)
 
Xtro – Nicht alle Außerirdischen sind freundlich (1982)
 
Samen des Bösen (1981)
 

Filmkritik: „Der Hexentöter von Blackmoor“ (1970)

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DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR

(IL TRONO DI FUOCO | THE BLOODY JUDGE)

Story

 
 
 
Der sadistische und machtgeile Richter George Jeffreys verteidigt mit erbarmungslosen Urteilen gegen die Bevölkerung seinen Stand sowie das Amt des neuen Königs, doch als der Sohn eines einflussreichen Earls eine Verurteilte Hexe befreit, verkomplizieren sich Dinge…

 
 
 


 
 
 

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR – Kritik

 
 
Das Jahrzehnte überspannende, mehrere Genres und hunderte Produktionen abdeckende Schaffen des umtriebigen Regisseurs Jesus Franco in Genrekreisen vorzustellen wäre in etwa so nötig, wie in Hollywoodkreisen Größen wie Christopher Nolan neu zu etablieren. Franco hat sich mit erotischen wie atmosphärischen, europäischen und oftmals übernatürlich angehauchten Filmen einen Namen gemacht, bei über 200 Werken selber Regie geführt und war vom Ende der 50er Jahre bis hin zu seinem Tod 2013 für Klassiker wie „Vampyros Lesbos“, „Bloody Moon“, „Venus in Furs“, „Exorcism“ oder „Sie tötete in Ekstase“ verantwortlich, die spielfreudig zwischen Arthousefilm und Bahnhofskino Karrieren starten und beenden, Fanherzen beglücken und enttäuschen sollten. Der Beginn von Francos Schaffensphase in den Siebzigern ist dabei mit einem Historiendrama gekennzeichnet, das nicht zu Unrecht mit Christopher Lee auf dem Cover glänzt und deutlich seriöser vermarktet wird, als viele der allzu trashigen Auswürfe des Exploitationmeisters. Denn „Night of the Blood Monster“, bei uns ähnlich griffig und weniger übernatürlich in die Irre führend „Der Hexentöter von Blackmoor“ getauft, ist kein billiger Schnellschuss, der zwischen drei anderen Produktionen mit Restsets gedreht wurde, um sex- und blutgeilen Allesguckern das Gehalt aus den Taschen zu ziehen, oder fühlt sich zumindest nicht so an.
 
 
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Ein kurzes Intro informiert uns über das historische Setting, England anno 1685, sepiafarbene Schlachten verschneiden sich im Hintergrund zu Bruno Nicolais erhebender, schriller Score. Die folgenden 100 Minuten Kulturcrash dürfen sich dann zwei ganz und gar unterschiedliche Komponenten teilen, die für einen überraschend kurzweiligen und unterhaltsamen Film sorgen. Einerseits wäre da das überzeugende technische Niveau des Films, das mit farbenfrohen Sets und realistisch anmutenden Kostümen eben so punkten kann, wie mit malerisch eingefangenen Landschaftsaufnahmen, versierten Zooms und gialloesque verträumten Einzelsequenzen. Ein Film der Kutschen und Fahnen, der Waffen und Helme und Käfige, der durch seinen schieren Aufwand und sein gelungenes Design glänzen kann, fast schon unabhängig vom Plot. Kerzen und Fackeln werfen spannende natürliche Schatten im dreckigen Kerker, im Kontrast dazu stolziert Christopher Lee im feinsten Garn durch seine königlichen Gemäuer. Apropos, Christopher Lee: Was für eine Naturgewalt dieser Mann doch war! Die Rolle des sadistischen, machtgeilen Judge Jeffries steht seiner ausdrucksstarken Ausstrahlung in die Stimmbänder geschrieben und wann immer er hier Drohungen ausspricht oder Urteile verhängt, seine Mitmenschen mit Ignoranz straft oder gar an seinen Überzeugungen zweifelt, weiß Lee durch Details und Aussprache, Körperhaltung und Mimik eine Wucht in seine Performance zu bringen, die den Restcast mühelos an die Wand spielt. Auffallend trashig schlecht oder unpassend gespielt ist hier zwar niemand, einige Rollen jedoch bleiben blasser als es nötig gewesen wäre.
 
 
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Was die überraschenden Qualitäten des Films abrundet, ist neben der immer wieder mal positiv auffallenden Score und Ernsthaftigkeit des Geschehens zudem noch der Dialog selber, der gefühlt nie versucht, eine authentische und echte Repräsentation der englischen Sprache zur Zeit zu imitieren, aber doch durch bewusste Wortwahl und Intonationen voll und ganz in die Filmwelt zieht, statt durch Anachronismen oder fehlende Requisiten und Details die Immersion zu zerstören. Was dem Vorhaben, ein durchgängig seriöser und packender Film zu bleiben, nur leider im Weg steht, sind einzelne Szenen oder Charaktere, die ungewollt komisch wirken oder schlichtweg zu selbstzweckhaft das Pacing stören. So gibt es einen Henker mit einem allzu merkwürdigen Gang, Statisten, die in die Kamera blicken, Schauspielerinnen die offensichtlich mit Puppen ausgetauscht wurden und natürlich Zitate wie „Witches hate iron!“ oder „A witch can make a dead man bleed.“, die durch ihre Delivery und schlußendlich doch leicht dilletantische Darstellung innerhalb der Szene schwerlich für Gänsehaut sorgen.
 
 
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Meine größte Überraschung aber war die, dass die Folterszenen zwar allesamt erbarmungslos und blutig sind, aber nie explizit gesplattert oder mit fiesen Wunden etc. gearbeitet wird, auch hält die Nacktheit des Films sich gute 80 Minuten lang in einem recht realistischen und nicht allzu voyeuristischen Rahmen, bevor dann aber eine merkwürdig entspannende Erotikszene mit ruhiger Musik und massiver Überlänge folgt, bevor es nahezu nahtlos mit einer – wenn auch sehr harmlosen – Softsexszene weitergeht, die inhaltlich leider so gar keinen Sinn ergibt.Was mit einer Puppe voller Nadeln, Tänzen ums Feuer und Wickerman-Vibes begonnen hat, bleibt auch in diesen Szenen dabei ästhetisch ansprechend gefilmt und fernab billiger Fleischbeschau-Produktionen ohne eigenen Esprit, man wird weder die aufwendige und lange Sequenz mit gut 20 Stuntpferden in der Kavallerie gegen die Kanonen des Königs vergessen, noch den eigentlichen Entführungs- und Befreiungsplot, doch Franco gibt in diesen Momenten sein Bestes, dass der Zuschauer in erster Linie über die bezaubernde Maria Rohm sinniert. Das Happy End wirkt ein wenig aufgesetzt und scheint wenig realistisch oder auch nur „verdient“, dafür ist Christopher Lees letzte Szene sehr atmosphärisch geschrieben und beendet den Pfad seines Charakters auf unerwartete Weise.
 
 
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Der Hexentöter von Blackmoor lebt von seiner Zeit, seinen Kostümen und seinen Settings, ebenfalls aber von der durchaus reizvollen Mischung aus exploitativen Elementen blutüberströmter nackter Frauen und seriöser, spannender Dialogszenen im alten England, mit einer Meisterklasseperformance eines Meisterklasseschauspielers. Die Geschichte ist wendungsreicher und komplexer als gedacht und alles andere als ein Vorwand für sleazige Szenarien und auch wenn die Dramaturgie mal durchhängen sollte, kann man sich an den Bildern so schnell nicht satt sehen. Ein qualitativ hochwertige Produktion mit vereinzelt naiv-unbedarften Momenten, die aus einer konzeptuell wilden (italienische Exploitation – Christopher Lee – Historienfilm) Idee ein klappendes Ganzes macht, das mit etwas besserem Pacing und eindeutigerer Direktion sogar 8 Punkte abgesahnt hätte.
 
 


 
 
 

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Punktuell exploitativ, größtenteils aber überraschend professionell und seriös erzähltes Stück Zeitgeschichte vor und hinter der Kamera – allein für Lee und die Ausstattung einen Blick wert, zudem eine gute Annäherung an die Riege weniger selbstzweckhafter Francofilme.
 
 


 
 
 

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR – Zensur

 
 
 
„Der Hexentöter von Blackmoor“ lief im Kino nur gekürzt. Auch auf VHS erschien der Film nur gekürzt. Erst im DVD-Zeitalter wurde eine Langfassung veröffentlicht in der zusätzliches Filmmaterial aus verschiedenen internationalen Filmfassungen zusammengeschnitten wurde. Die nun auf Blu-ray veröffentlichte Fassung beinhaltet neben der kürzeren Kinofassung auch die ungeschnittene internationale Filmfassung des Streifens sowie die bereits auf DVD veröffentlichte Langfassung. Alle Fassungen wurden von der FSK im Jahr 2020 neu geprüft und erhielten eine Freigabe ab 16 Jahren. Übrigens war „Der Hexentöter von Blackmoor“ von 1982 (VHS-Fassung) bis 2007 indiziert. Erst 2007 wurde die Indizierung aufgehoben.
 
 
 


 
 
 

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Digipack mit 2 Blu-rays + 2 DVDs + 1 CD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Il trono di fuoco; Deutschland | Italien | Liechtenstein | Spanien 1970

Genre: Horror, Historienfilm, Drama

Ton: Deutsch PCM 2.0 (Mono), Englisch PCM 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 79 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack

Extras: 16-seitiges Booklet mit einem Text von Oliver Nöding, Neu abgetastet Deutsches Filmnegativ, Neu abgetastet Englisches Filmnegativ, Disc 1: Blu-ray Deutsche Kinofassung (HD, 79:04 Min.), Einleitung von Filmpapst Christian Kessler (4:37 Min., Deutsch, Ohne Untertitel), Geschnittene Szenen (6:17 Min., Italienisch, Optionale Deutsche Untertitel), Trailer, TV-Spot (0:32 Min.), Bildergalerie (HD, 71 Bilder), Disc 2: Blu-ray Internationale Fassung (HD, 102:40 Min.), Disc 3: Dokumentation „Franco-Phibes“ über Jess Franco (65:19 Min. mit deutschen UT), Deutsche Super-8-Fassung (31:40 Min., Deutsche, Ohne Untertitel), Disc 4: Integral Fassung mit zusätzlichen Szenen (Langfassung, Deutsch Dolby Digital 2.0 Mono, Englisch Dolby Digital 2.0 Mono, Deutsche Untertitel, Englische Untertitel – ca. 104:08 Min.), Geschnittene/ Alternative Szenen (2:14 Min., – Spanisch / italienisch, Optionale Deutsche Untertitel), Disc 5: Soundtrack-CD mit der Filmmuisk von Bruno Nicolai

Release-Termin: Digipack: 09.07.2020

 


 

Der Hexentöter von Blackmoor [Digipack mit 2 Blu-rays + 2 DVDs + 1 Soundtrack-CD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hexen bis aufs Blut gequält (1970)
 
Castigata – Die Gezüchtigte (1974)
 
Der Hexenjäger (1968)
 
Das Pendel des Todes (1961)
 

Filmkritik: „Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle“ (2018)

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INNER GHOSTS – SCHLÜSSEL ZUR HÖLLE

(INNER GHOSTS)

Story

 
 
 
Neurowissenschaftlerin Helen kriegt nach dem Tod eines befreundeten Mediums 7 Millionen für ihr Forschungsprojekt geschenkt, in dem sie im Namen der Alzheimerforschung Geister interviewt.

 
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Kritik

 
 
Ein weiteres Langfilmdebüt hat es geschafft, einen deutschen Vertrieb zu finden, ein weiterer tapferer Reviewer stellt sich den ohne Abspann 85 Minuten, die der portugiesische bisher Co-Regisseur Paulo Leite hier inszeniert hat. Ob es eine gute Idee war, diesem Streifen eine Chance zu geben? Kämpfen wir uns doch durch knapp 5 Seiten Notizen und finden es heraus.
 
 
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Ein ruhiges Klavierstück mit krächzenden Instrumenten im Hintergrund vermag Unbehagen zu verbreiten, während, merkwürdig gewählt, die Opening Credits von oben nach unten durchs Bild scrollen. Eine dialoglose Montage zeigt blutige, aber im Endeffekte harmlose sowie offensichtlich nicht echte Aufnahmen einer Operation, Nahaufnahmen zudem von einer geplagten jungen Frau, die etwas notiert und schließlich Selbstmord begeht. Die weinende Mutter rennt auf die Leiche ihrer Tochter zu, Schnitt und sie wird uns als Protagonistin vorgestellt, Celia Williams spielt die Neurowissenschaftlerin Helen, die gerade um eine Finanzierung ihres Projekts bittet, bei dem Alzheimerpatienten geholfen werden soll, sich zu erinnern. Williams gibt dabei von Anfang an die wohl überzeugendste und beste Performance des Films ab, was aber regelmäßig auch schwer anders erdenklich ist, da der Restcast so unfassbar hölzern agiert. Hübsch geframete Bilder beißen sich mit den charakterlos matten und entsättigten Farben, Plot kommt dann immerhin zügig in Form der Mutter einer Freundin daher, die sich im hohen Alter befindet, Helen früher unterrichtet hat, und sich ihres baldigen Todes bewusst ist.
 
 
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Recht stimmig bis professionell geschnittene Szenen an der Universität, unterlegt mit fader und charakterloser Musik, sowie die Informationen dass Helen scheinbar ein Medium ist, ihre Tochter aber nicht erreichen konnte weil das „beyond her gift“ ist (?), sie sich geschworen hat, nie wieder ihre Gabe zu nutzen und dass die alte Frau von Helen genau das aber verlangt, folgen innerhalb weniger Minuten als funktionierende Exposition. Ebenfalls recht zufrieden stimmt, dass es nach gerade einmal elf Minuten jetzt wohl richig „loszugehen“ scheint, da sie für ihr Projekt, an einer wissenschaftlichen Universität wohlgemerkt, das sie an Geistern durchführen möchte, mal eben 7 Millionen bekommt. Von einem solchen Budget könnte der Film selber aber vermutlich nur träumen, weshalb der Zuschauer nun auf keinen Fall Hightech-Gear oder auch nur aufwendige designte Apparaturen erwarten sollte, stattdessen wird auf das Budget schlichtweg nie wieder eingegangen, nachdem Helen ein erstes Mal beim irritierend schlecht und inkonsistent spielendem Doctor der Uni vorbeigekommen ist, um den Vertrag zu unterschreiben. Das schwere Atmen der Mutter von Helens Freundin wird vom Horrorfan dann sicherlich wohlig dämonisch assoziiert und sorgt ggf. für erste Spannung, doch der Geist der alten Dame ist nicht nur freundlich gesinnt, sondern auch unspektakulär inszeniert, da einfach nur die Schauspielerin selber noch einmal im Bild steht und mit leicht verzerrter Stimme redet. Sprüche wie „Death is just a wave coming back“ oder „Let the pain go!“ helfen dabei weder Helen, noch dem Zuschauer.
 
 
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In der Box der Verstorbenen finden sich Schlüssel und bald tut sich ein alter, lange nicht mehr genutzter Ort auf, an dem es vor Geistern wohl nur so wimmelt, wie von Helen wenig atmosphärisch oder mysteriös schlichtweg angenommen wird. „There’s an entity to your left“ sagt sie zu ihrer Freundin und zeigt leger nach links, das Sounddesign ist durch ganz viel generisches Rauschen und Radiofrequenzen und Stimmen und mehr Störgeräusche bestenfalls bemüht, aber nie gruselig. Müsste nach gerade einmal 21 Minuten auch gar nicht der Fall sein, wären die ausgebauten und langen Dialogszenen dafür zumindest packend, spannend oder gut gespielt – doch trotz Kerzenbeleuchtung und dunklen Ecken fallen selbst die atmosphärisch platzierten Geistergespräche sehr lange sehr mundän bis peinlich aus, da hier im Endeffekt einfach nur Interviews mit leicht weiß geschminkten, vergessenswert gespielten Typen durchgeführt werden, die mit einem kindischen Sprachverzerrer sprechen. „Albert“, der hilfreiche Geist, erklärt jedenfalls dass die Geister eine neue, gefährliche und experimentelle Art der Kommunikation gefunden hätten, geht auch darauf aber nie wieder ein.
 
 
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Optisch-atmosphärisches Highlight, wenn man denn auf diese nächtliche Stadtoptik steht, dürfte die kurze Sequenz sein, in der eine Joggerin bis zum überraschend klappenden Jumpscare und Offscreen-Angriff angenehm durchdacht eingefangene Bilder durchqueren darf. Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch marginal spannender als Helens Seance, in der mittlerweile kein einziger Geist mehr gezeigt wird, sondern nur noch zahlreiche Stimmen von 100 abwärts zählen dürfen für ihre Tests. Wie irgendwas davon wissenschaftlich sein oder Alzheimerpatienten helfen soll, in einer Welt, in der Geister nicht als existent etabliert sind, sondern einfach von Helen so angenommen und ja auch erfahren werden, vom Rest der Menschheit aber scheinbar nicht, bis auf anderen Medien, ist die berechtigte Frage, die sich der Zuschauer – nebst anderen – sowie auch der Doctor der Uni stellt. Mit dem ärgerlichen Nebeneffekt nur, dass diese belanglosen, extrem repetitiven und vorhersehbaren Gespräche immer wieder kommen, nichts vorantreiben, keinen Unteschied oder Spaß machen und ganz fürchterlich von Miguel Linares gespielt sind. Wie dem auch sei, die Joggerin stellt sich als weiteres Medium heraus, die von Helen geschult werden will und ihre Visionen zudem als Graphic Designerin und Künsterlin umsetzt. Interessanter Charakter prinzipiell, selbstredend wird bis auf ein „Ich werde seit meiner Kindheit gejagt“ nichts daraus gemacht. Ein Drittel des Films, etwa eine halbe Stunde ist vergangen und bis auf die kurze Jogsequenz noch kein Hauch von Horror, dafür aber werden die Mädels sowie der Zuschauer von Helen mit einem ewigen pseudowissenschaftlichen Monolog zugemüllt, indem drei Arten von Geistern unterschieden werden, was offensichtlich auch keinen Unterschied für irgendwas macht.
 
 
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Wichtig ist nur, dass der Film und auch Helen im Film implizieren, dass die Geister prinzipiell harmlos sind und nichts Böses wollen, ihre neuen „Schülerinnen“ also nichts Böses zu erwarten haben – der Soundtrack hingegen versucht eine möglichst mysteriöse und bedrohliche Atmosphäre herauf zu beschwören, was von der geschilderten Szene aber an sich boykottiert wird. Zur Halbzeit der ganzen Chose dürfen dann Münzen gekotzt werden und auch der nächste, ok aussehende, aber mit einem extradiegetisch lautem Geräusch unterlegte, Jumpscare folgt. Und weil diese kurze und kaum effektive Sequenz schon wieder genug Aufregung für diesen Horror(?)film ist, spendiert Helen uns weitere unsinnige und frustrierend vage erklärte Dämonenkonzepte von Huntern und Doppelgängern. Die zahlreichen dämonischen Dokumente der Nacht werden von der wissenschaftlich agierenden Uni merkwürdigerweise auch beim dritten Mal nicht gerade herzlich empfangen, weshalb dieser grottig spielende Schauspieler Helen nun endlich feuern darf, wodurch sie das Projekt an sich aber wohl nicht verliert.
 
 
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Nach geschlagenen 50 Minuten wird die ach-so-bedrohliche Kreatur ungeschönt und unverdeckt mit Licht für zu viele Sekunden gezeigt und zieht sich comichaft in seinen Schatten zurück, nachdem sie von Helen einfach nur angeschrien wurde. Der wahre Horror ist es, hier nicht lachen oder zum zwanzigsten Mal auf den Timer gucken zu müssen. Im Dunkeln, schnell geschnitten und angedeutet hätte dieses simple Mann-im-Anzug-Design zweifelsohne funktionieren können, so aber hat sich der Horror enttarnt und lächerlich gemacht, bevor er auch nur aufgekommen ist. Der Wissensvorsprung des Zuschauers hilft dabei wenig, gute 10 Minuten länger als wir braucht das Dreiergespann junger visionengeplagter Damen nämlich (was ein Zufall übrigens, dass alle drei Medien unterschiedlich alte, attraktive Frauen sind) um zu verstehen, was Sache ist. Um nach Ewigkeiten, aber somit ganz wie im Film, auch endlich etwas Deutlicheres als plot device zu nutzen als „Geister und tote Tochter“ in dieser Review, stelle ich die Laserscanner und 3D-Drucker vor, die eine von den Dämonen per unvollständiger Anleitung hinterlegte Maschine zur Kommunikation mit eben jenen drucken soll, damit Helen, äh…sowas wie einen Wi-FI-Verstärker für ihre Gabe hat, und ihre Tochter sprechen kann? Ich meine, Kommunikation existiert ja bereits darum ist die Motivation der Gruppe bis auf reine Neugierde schleierhaft, doch ich gebe mein Bestes, hier Sinn zu finden. Kaum steht die an sich wenig gruselige Kinderspielzeug-Apparatur, folgen auch erstmalig im ganzen Film leicht atmosphärische, unscharfe Einstellungen umherhuschender Silhouetten, wo einige effektive Perspektiven bei sind, sowie auch bedrohliche Musik. Doch statt die Geisterrichtung nach halbgaren Drama-Ansätzen und viel Leere endlich einzuschlagen, kommt nun doch tatsächlich der gottverdammte Doktor wieder vorbei, um den Sehgenuss zu schmälern…
 
 
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Weiter nacherzählen möchte ich wie üblich nicht, denn wenn dieser elendig langsame, charakterlose und fade Pseudohorror endlich mal eine Idee, einen plot device, eine Bedrohung, einen Antagonisten oder irgendwas gefunden hat, das längeres Interesse wecken könnte, ist er auch gott sei Dank schon wieder vorbei – etwa 30 Minuten bleiben an dieser Stelle noch und gruselig ist nur, wie hier völlige Dunkelheit mit offensichtlichem Licht inszeniert wird und Türen knallen sowie Darstellerinnen, die „I’m so afraid!“ rufen, als Horror gelten sollen. Die Rolle des Doktors im Kontrast zu Helen kratzt an der absoluten Oberfläche der Grundsätze moralischer wissenschaftlicher Arbeit, ein durchaus ekliger Mann im Gummianzug sorgt später für Erinnerungen an glorreichere Genretage oder z.B. den unterbewerteten „The Rambler“, das Framing ist immer wieder motivierter als der Rest des Films und Celia Williams kauf ich mehr ab, als jedem anderen Castmitglied. Doch wenn wir 18 Minuten vor Ende wirklich noch weitere Pseudosicence-Interfaces gezeigt kriegen und eine rappelnde Box als faszinierend verkauft werden soll, dann bleibt wenig Gnade oder Mitleid für diese elendig ideenlose und fade Produktion über, die unsere Heldinnen plötzlich als völlig wehrlose Opfer darstellt, die nicht viel tun können bis auf nervig zu schreien.
 
 
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Als sei das noch nicht nervig genug, setzt der Film seine gesamte Brutalität, seinen gesamten Schockfaktor in einen einzelnen Effekt und gestaltet diesen dann aber mindestens so offensichtlich schlecht getrickst und künstlich wie drastisch, was zu spät und zu wenig ist. Und als sei DAS auch noch nicht enttäuschend genug, werden die beiden gelungensten Ideen bzw. kreativsten Sequenzen, die auch am besten funktionieren, am Stück am Ende des Films verheizt, so dass möglichst wenig Menschen sie sehen und es wirklich keinen Unterschied mehr macht. Doch auch die entschädigen für gar nichts, da hier noch eine deutliche Epilepsiewarnung ausgesprochen werden muss dank der fabelhaften Idee, gute sieben Minuten des Films nur mit flackerndem Licht zu verbringen, um es sich bei der Effektarbeit leichter zu machen, oder einfach damit ein paar Menschen weniger in den Genuss kommen müssen. Das Script dieses Horrorfilms über Alzheimerforschung selber von einem Alzheimerpatienten schreiben zu lassen, der die Hälfte der Plotpoints sowie jegliche Idee von Pacing regelmäßig völlig vergisst, ist ein mutiger Schachzug gewesen, der sich imo nicht ausgezahlt hat.
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Unterirdisch langweiliger, generischer, ideenloser und größtenteils furchtbar gespielter Geisterfilm, der weder als Drama noch als Horror annährend funktioniert. Punktuell hübsch kadrierte Bilder und eine stabilisierende Performance der Protagonistin helfen wenig wenn von spannenden Charakteren, Dialogen, Konflikten, Antagonisten oder auch nur etwas Kurzweil keine Spur zu finden ist

 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Zensur

 
 
 
„Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die deutsche Filmfassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Inner Ghosts; Brasilien | Portugal 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080i) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 21.08.2020

 

Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ashes (2018)
 
I am ZoZo (2012)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „Blood Bags – Er will Dein Blut“ (2018)

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BLOOD BAGS – ER WILL DEIN BLUT

(BLOOD BAGS)

Story

 
 
 
Die junge, amerikanische Fotografin Tracy wird während ihres Auslandaufenthaltes auf eine alte Villa in Turin aufmerksam die sich für atmosphärische Fotos ideal eignet – wären da doch nur nicht der Hausmeister, der letzte Bewohner und ein mysteriöser Fremder…

 
 
 


 
 
 

BLOOD BAGS – Kritik

 
 
Die Definition einer seltenen Krankheit per Text im Intro, eine amerikanische Künsterlin, Fotografin nämlich, unterwegs im wunderschönen Turin, lichtdurchflutete Vasen, Match Cuts und nur zwei kurze Dialoge auf italienisch – es fängt so schön an, so gialloesque, wenn zu Beginn von „Blood Bags“ zwei Einbrecher eines Nachts beim Einbruch von einer Kreatur überrascht werden, die dem Älteren der beiden direkt blutigst die Kehle durchschneidet. Klar, der schwraz/weiße POV-Filter ist etwas trashig und wirklich an Bava erinnert das jetzt auch nicht gerade, aber Opening Credits mit anatomischen Zeichnungen und ein motivierter Indie Industrial Rock Electro Sountrack mit dröhnenden Bläsern stimmt zuversichtlich, einen ordentlichen, brutalen und stilsicheren Low-Budget-Horror aus bella italia zu sichten, der sich vor der zeitgenössischen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Aufrecht erhalten wird jene Zuversicht durch Aufnahmen der malerischen Turiner Innenstadt untermalt von sphärischen Gitarren sowie die klare Aufteilung von Protagonistin (Tracy) = Enthaltsam = Final Girl vs. Freundin (Petra) = promiskuiv = wird sterben nach alter Slasherhierarchie, die es nun zu beweisen oder entkräften gilt. Durch Freunde an der scheinbar privaten Turiner Film/Medienschule wird man schnell auf ein verlassenes Gebäude aufmerksam, das es zu besuchen gilt, einer der Freunde trägt dabei ein Profondo Rosso Shirt und ist auffallend nervig gespielt, zum Glück werden die beiden aber auch sitzen gelassen, da unsere Protagonistinnen sich alleine auf den Weg machen.
 
 
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Im Villen/Wohnviertel Turins machen die jungen Frauen dabei schnell die gesuchte Location ausfindig und betreten sie durch einen Seiteneingang, währenddessen macht sich ein hühnenhafter Mann im Trenchcoat, der eine schwarze Ledertasche trägt auf, eine alte Frau zu besuchen. Die Wohnung der Dame ist bunt ausgeleuchtet, nach etwas italienischem Dialog, der auf der deutschen Blu-ray ununtertitelt daherkommt (!), überzeugt sie den Herren, dass ihr Blut gesund, krankheitsfrei ist und er füllt ein titelgebendes Blood Bag an ihr auf. Wenig gruselig, wenn auch rätselhaft und stilvoll inszeniert zu dem Zeitpunkt, doch dann beschwert sie sich und die Diskussion eskaliert, unser scheinbar zweiter Killer schlägt und erdrosselt die Dame zu farbenfroher Disco-Beleuchtung, bevor er sein Zeug einpackt und im unauffälligen Kleinwagen davon fährt.
 
 
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Nach 20 Minuten Exposition bleibt, den Abspann abgezogen, also noch ziemlich genau eine Stunde Laufzeit, und die werden unsere Protagonistinnen wohl in dem alten Gemäuer verbringen, da der Außenbereich der prachtvollen, alten Villa von einem älteren Herren abgeschlossen wird, der vorher schon unscheinbar an der Straßenecke lauerte. Innerhalb der Todesfalle stößt die Charakterisierung der Fotografin auf Wohlgefallen, da diese ein bestimmtes Ziel verfolgt und eine bestimmte Ästhetik bedienen möchte, statt einfach nur sinnlos irgendwelche anspruchslosen Schnappschüssen zu tätigen, wie viel zu oft in ausgelutschten Horrorproduktionen der Fall ist. Ohne eine unnötig große Gruppe an Nebenakteuren und dafür aber mit überdurchschnittlich glaubhaft geschriebenen Charakteren versehen, war „Blood Bags“ also eine gute halbe Stunde lang wirklich recht kurzweilig, unterhaltsam und vielversprechend, auf einem guten Weg. Doch ist der gnadenlose, wenn auch nicht sonderlich explizite sowie auf dem Backcover bereits gespoilte Kill an Petra dann überlebt, stellt sich für die restlichen 50+ Minuten nur die große Frage, ob wir es wirklich mit einem spannenden Katz- und Mausspiel zu tun haben, in dem sich Tracy alleine gegen mehrere Antagonisten erweisen muss.
 
 
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Doch wer wirklich gehofft hat, hier minimalistischen Neogiallo in stilvollendeten Bildern zu entdecken, oder auch nur einen weiterhin spannenden Indiethriller, der hat sich gehörig geschnitten – denn auch wenn die folgenden 10-20 Minuten bis zur Hälfte des Films vielleicht noch hier und da unterhalten können mit ihren jeweiligen Szenenkonzepten, so sieht es mit jeder verstreichenden Minute dunkler aus, was Motivation oder Mehrwert angeht. Soll heißen, dass Tracy auf den Gangster vom Anfang trifft und kurz ihre Brille verliert und mit dem Blitz ihrer Kamera dafür die Kreatur stunnen kann und sich verstecken und wegrennen muss und das für sich genommen auch unterhaltsam ist, aber der gesamte Nebenplot über die obligatorischen nutzlosen Polizisten, die sich durch Umwege und Interviews langsam Richtung Villa aufmachen, sowie die Antagonisten selber, ziemlich farblos und egal bleiben.
 
 

 
 
Ich liebe die Idee, mit einem elaborierten Aufbau in schicken Turiner Sommerbildern zwei Cops zu inszenieren, die sich zaghaft an die Bedrohung rantasten und später dann aktiv mit dem Plot interagieren wie in x anderen Horrorfilmen auch, aber irgend etwas anderes aus dem Script müsste, damit das klappt, nicht bereits gesehen sein. Doch Gore oder Nacktheiten gibt es keine, hübsch genug um nur von seiner Ästhetik zu leben ist der Film nicht und so spannend es sich zu Beginn guckt, drei verschiedene (mögliche) Antagonisten zu verfolgen, so beliebig löst sich das Debakel dann leider auf. Die „Kreatur“ aus der Rubrik „Gequälte Seele“ darf einen Kill mit blutigen Einstichen ausführen und geht recht rabiat vor, doch sämtliche anderen Angriffe oder Tötungen sind komplett Offscreen, nie kreativ sondern stets beliebig und enden mit dem unspektakulären Wegzerren des Opfers. Dialog gibt es keinen, dafür aber ein comichaft riesiges Hackebeil und absolut lächerliches Krächzen und Stöhnen und Weinen. Blau-rot beleuchtete Säulen in einem ansprechenden Set mit Spieluhrmusik und einer blutig zugerichteten Balerina bilden das atmosphärische sowie optische Highlight des Films, entpuppen sich aber leider als kurze Traumsequenz ohne jegliche Konsequenz für den Plot – und dass dieser möglichst bösartig und fies enden will ist vielleicht gut gemeint, aber klappt bei Offscreen-Tätigkeiten absolut nicht, erst recht nicht wenn man vorher schon so dermaßen in die oft gesehene, belanglose Reihung von Genretropen abgerutscht ist.
 
 


 
 
 

BLOOD BAGS – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„Blood Bags“ ist in seinen besten Szenen ein kurzweiliger, ästhetischer Indiehorror mit Gialloeinschlag, interessanten Antagonisten und hübschen Sets, in seinen schlechtesten dafür peinlicher und vollends belangloser Pseudoretro-Trash, dessern Hauptkiller egaler nicht sein könnte. Schade um das Produktionsdesign und die durchaus talentierte Makenna Guyler, dass so ein belangloses Script als Fundament dienen musste. Knappe 3/10

 
 


 
 
 

BLOOD BAGS – Zensur

 
 
 
„Blood Bags – Er will Dein Blut“ hat von der FSK eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Die deutsche Filmfassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

BLOOD BAGS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Bags; Italien 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hzz

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.07.2020

 

Blood Bags – Er will Dein Blut [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLOOD BAGS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Pinup Dolls on Ice (2018)
 
The Drownsman (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 
Minutes to Midnight (2018)
 

Filmkritik: „Hatchet for the Honeymoon“ (1970)

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HATCHET FOR THE HONEYMOON

(RED WEDDING NIGHT | IL ROSSO SEGNO DELLA FOLLIA)

Story

 
 
 
Der Chef eines wohlhabenden Modehauses hat mit einem Kindheitstrauma zu kämpfen und kommt diesem nur näher, wenn er weiterhin junge Frauen umbringt…

 
 
 


 
 
 

HATCHET FOR THE HONEYMOON – Kritik

 
 
Wer Dario Argento seinen Lieblingsregisseur nennt, der sollte vermutlich schon früher einmal einen Mario Bava-Film gesehen haben, doch tatsächlich ist mir diese Freude bisher verwehrt geblieben, um nun also mit „Il Rosso segno della Follia“ aka. „Hatchet for Honeymoon“ aka „Red Wedding Night“ meinen Einstieg zu wagen. Mit zwischen sich verwischenden Farb- oder Blutspitzern auf Erde (oder Asche) aufblitzenden Porträts zu einer endlos schönen Score mit betörenden Trompeten gestaltet sich die dreiminütige Opening-Credit-Sequenz als neugierig machende, ästhetische Einstimmung, unvermittelt darauf rast ein Zug auf den Zuschauer und bereitet viszerale Kameraarbeit vor, bei der der Meister selber Hand angelegt hat. Modern wirkende, schnelle Schnitte spiegelnder Gesichter mahnen innerhalb von Sekunden an expressionistische Giallo-Sequenzen an, in der Tat inszeniert sich nun in verträumten, verzerrten Bildern mit hyperrealistisch stilisiertem Blut ein Doppelmord, in dem 7 Minuten lang bis auf „John!“ kein Dialog zu hören ist.
 
 
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John Harrington, so informiert uns ein Voiceover und laut dem gelungenem, 10-minütigen Bonusvideos von Marcus Stiglegger, ein Hitchcock-Verweis anhand eines Monologs über das Leben von Fliegen bzw. Insekten allgemein, der mich an Lees nächtliche Schneckenszene aus „The Wicker Man“ erinnert hat, heißt unser Protagonist und schnell offenbart er uns, dass er von Erinnerungen geplagt wird und aufgrund dieser bereits fünf Frauen umgebracht hat, die rund um sein Brautmodegeschäft vergraben liegen. Die zu Recht eifersüchtige Frau des in wunderbar farbenfrohen, grellen early 70s-Hemden posiernden Playboys schläft laut eigener Aussage nie und erwähnt recht nebensächlich dass sie zur einer Seance eingeladen wurde, das bildhübsche neue Model Helen schneit auch vorbei und biedert sich erfolgreich an. Ein großartig dekoriertes Set voller Schaufensterpuppen sorgt für eindrucksvolle Bilder, abseits des Ästhetikempfindens zieht sich der Film hier allerdings bereits nach knappen 18 Minuten, da John hier minutenlang „nur“ eine Puppe küsst und seine Mordwaffe präsentiert, das titelgebende Beil…
 
 
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Nachdem die Seance wenig ereignisvoll verläuft, besucht Inspektor Russel Johns Gewächshaus und lässt in blumigen Metaphern hervorschimmern, dass er dem umtriebigen Modelmörder längst auf der Schliche zu sein scheint. John wirkt überheblich unbekümmert und erinnert zu 70s-Reißzooms nur an den „richtigen Dünger“, die reizvolle Atmosphäre zwischen den Ermittlungen, der selbstüberhöhten, narzisstischen aber verstörten Darstellung Johns, dem schwarzen Humor und der Giallo-Ästhetik wird dabei durch eine nahezu experimentelle Score unterstützt, die spieluhrartige Melodien und an Italowestern erinnernde, große Gefühle mit schrillen E-Gitarrenriffs kontrastiert, die punktuell unfreiwillig komisch wirken können. In dem Ofen „für die Blätter“, der aber scheinbar in der Lage ist, menschliche Knochen zu verbrennen, den man eben so stehen hat im Gewächshaus, verbrennt John sein nächstes Opfer und kommt seinem Trauma wieder näher, als Zuschauer habe ich einzig durch generelles Genre-Vorwissen jetzt schon erraten können, wie sich sein Trauma wohl auflösen wird, was der Dramaturgie nicht in die Hände spielt. Die verzerrenden Spiegelbilder in bunten Farben und schneller Schnittfolge hingegen sind erneut als visuelles Schmankerl hervorzuheben – bitter nötig auch um die folgenden Szenen auszugleichen, in der partout nicht auf den Punkt kommen oder die Story weitertreiben wollende Dialoge die optisch ansprechenden Szenen inhaltlich sinnlos dehnen, während das zu oft genutzte, wenn auch harmonische Hauptstück des Soundtracks unpassenderweise auch in einer Clubszene gespielt wird, in der Leute wild tanzen.
 
 
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Leicht überlagernde Tonspuren sorgen für falsche Erwartungen, die Bava freudig mit überraschend-schwarzhumorigen Bildschnitten unterwandert oder enttäuscht, das perfideste und prägnanteste Bild des Films dürfte dann die deutlich an „Tenebre“ oder „Suspiria“ erinnernde Szene sein, in der die kunstvoll blutende und ausgestreckte Hand eines Opfers sich mitten zwischen den suchenden Inspektoren spiegelt, die ahnungslos unter der sterbenden Person liegen. Waren die Szenenverläufe bis zu diesem Zeitpunkt, etwa der 50-Minutenmarke, noch allzu vorhersehbar bis repetitiv und schienen zu geradlinig auf ihr Finale zuzusteuern, so überrascht Bava nun mit einem neuen Genreelement, das die Dynamik des Films ändert und einerseits für Verlaufsspannung sorgt, andererseits aber auch eine groteske Note mit sich bringt, die sich für mich nicht ganz in die Tonalität des Films gefügt hat. So läuft beim zweiten Clubbesuch zwar passend funkige und schnelle Musik, dafür aber ist der Besuch selber recht absurd in seiner Bildsprache, auch wirkt die Thematik plötzlich weniger seriös und beängstigend und deutlich ähnlicher einer „Geschichten aus der Gruft“-Folge, die auf teils abstrusen, unterhaltsamen Grusel aus ist. Die entfesselte Kameraführung entlang der malerischen Sets, die zahlreichen Schwenks und Neigungen sowie spannende Winkel vertrösten, das Finale kann mit poetisch-romantischem Dialog aufwarten und der gekonnte Schnitt sorgt für reibungslose, inspirierende Übergänge – dazu wird der Soundtrack so dissonanz und ambient-ähnlich wie noch nie. Doch wenn am Ende eine letzte, optisch sehr ansprechende Sequenz zum ein letztes Mal triumphal aufkommendem Soundtrack präsentiert wird, überwiegt leider nicht der Eindruck eines Films der so wild oder expressionistisch war, wie seine besten Passagen.
 
 
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Schauspielerische Extrapunkte dürften Genrefans gut und gerne nicht nur für die unterkühlte, charmante und überzeugend soziopathische, wenn auch nie sonderlich nahe gehende Performance von Stephen Forsythe vergeben, sondern zweifelsohne auch für die umwerfende Genrediva Dagmar Lassander als Helen und Laura Betti, einer Grande Dame des italienischen Kinos, als Johns Frau. Dass dieser so geradlinig und minimalistisch wirkende Film an Argento sowie Geschichten aus der Gruft, an eine Mörderkomödie ebenso wie an ein ernstes Psychodrama erinnern würde, hätte ich nach den teilweise sehr schleppenden, ersten 60 Minuten nicht gedacht und sehenswert kurios vermischt auf Genre- sowie tonaler Ebene ist „Hatchet for Honeymoon“ definitiv – nur von einem dramaturgisch versierten Film kann schwerlich geredet werden.
 
 
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HATCHET FOR THE HONEYMOON – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Wunderschöne Stilübung mit Kostümen, Perspektiven, Setdesigns und expressionistischen Morden zum Verlieben, ein wichtiger Film für Giallo-Fans und ein sehenswerter Bava zweifelsohne – doch so verziert die Rahmenbedingungen, so mager das Script, das weder als ernstes Psychodrama, noch als Thriller je wirklich klappt und zu langsam erzählt wird. Fast sieben, nach erster Sichtung aber „nur“ 6/10.
 
 


 
 
 

HATCHET FOR THE HONEYMOON – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Hatchet for the Honeymoon“ erschien hierzulande stets ungeschnitten. Das war auf VHS so und ändert sich auch auf der jetzt erhältlichen Blu-ray des Kassikers nicht. Der wurde sogar neu geprüft und ist bereits für Zwölfjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

HATCHET FOR THE HONEYMOON – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 888 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 444 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Blu-ray KeepCase Erstauflage)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Blu-ray KeepCase Zweitauflage)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Il rosso segno della follia; Italien | Spanien 1970

Genre: Horror, Mystery, Krimil

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Italienisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase

Extras: Deutscher Audiokommentar von Bava- Experte Pelle Felsch, Vorwort von Schauspielerin Dagmar Lassander, „A Hatchet for Dagmar“: brandneues & exklusives Interview mit Schauspielerin Dagmar Lassander, „My Dying Bride“: brandneues & exklusives Video-Feature mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Deutsche Titel- & Endsequenz, Italienische Titel- & Endsequenz,Spanischer Werberatschläge, Fotobuste (Italienischer Aushang), Artwork Galerie, Hidden Features, Originatrailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: DVD mit dem Hauptfilm, 24-seitiges Booklet mit Text von Dr. Marcus Stiglegger

Release-Termin: Mediabook: 30.03.2016 | KeepCase-Erstauflage: 30.03.2016 | KeepCase-Zweitauflage: 25.05.2020

 

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HATCHET FOR THE HONEYMOON – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blutige Seide (1964)
 
The Girl Who Knew Too Much (1963)
 
Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1970)
 
Tenebrae (1982)
 

Filmkritik: „The Dunwich Horror“ (1970)

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THE DUNWICH HORROR

(VOODOO CHILD)

Story

 
 
 
Wilbur Whateley hypnotisiert eine junge Studentin und nimmt sie mit nach Dunwich, um dort Unvorstellbare Kräfte zu wecken…

 
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Kritik

 
 
Beim Namen „Lovecraft“ düfte einem jeden Horrorfan vermutlich erst einmal warm ums Herz werden, geht es um die filmischen Adaptionen seiner Werke aber, so stammt der Grusel nicht vom kosmischen Horror, sondern der zumeist mangelnden Qualität derer. Gehversuche den zumeist subtilen, unaussprechlichen und phantasmagorischen Grusel auf die Leinwand zu bannnen gab es im Laufe der Geschichte viele, einige ambitionierter als andere, und genau auf diese Eigenschaft sollten die Titel auch geprüft werden, um Ihnen gerecht zu werden.
 
 
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„Ambition“ war beim Dunwich Horror, bei uns im Zuge des Zeitgeistes und Zombie/Voodoo-Flairs unverständlicherweise in „Voodoo Child“ umbenannt, definitiv vorhanden, sollte der Film doch erst von Mario Bava inszeniert werden und Horror-Urgestein Christopher Lee ebenso besetzen wie Peter Fonda, selbst Boris Karloff sollte in der ewig in der Produktionshölle steckenden Partie mitmischen. Doch statt Genrestars mit Weltruhm vor und hinter der Kamera zu kriegen, oder auch nur eine Herzblutangelegenheit von Fans für Fans, ist diese AIP-Produktion mit weniger als einer halben Million Dollar Budget nicht nur für Lovecraftpuristen ungenießbar, sondern vermutlich auch ganz allgemein weit, weit weg von der ursprünglichen Vision des Projekts.
 
 
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Eine schwitzende, stöhnende Frau mit einem Kreis auf der Stirn liegt auf lila Bettlaken und windet sich, relativ unvermittelt und nichtssagend danach folgt dann das schicke Cartoon-Intro mit Silhouetten und einer klassischen Score, die frappierend an Willow’s Song aus „The Wicker Man“ erinnert. Wieso man hier einen sexy posenden Teufel vorfindet, wo Lovecraft mit den üblichen, christlichen Vorstellungen von Himmel und Hölle doch eigentlich recht wenig zu tun hat, ist mir zwar ein Rätsel, zumal das auch zu dem „deutschen“ Titel „Voodoo Child“ null passt, aber gut.
 
 
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Amüsant-absurd wird innerhalb der ersten Minuten Film dann direkt mit dem Necronomicon locker über den halben Unicampus gelaufen, bevor erste Überblenden zum Meer und druidischen Kulten, atmosphärisch rotes Licht in der Bar und eine Backstory über einen gehangenen Verwandten aus Dunwich dann tatsächlich recht schnell Assoziationen zum guten Howard Phillips aufkommen lassen. Hauptdarsteller Dean Stockwell wirkt zu diesem Zeitpunkt dabei noch am ehesten geistesabwesend overactend oder schlafwandelnd-gelangweilt, Ed Begley kann dafür charismatisch aufdrehen und eine denkwürdige Performance als Dr. Henry Armitage abliefern. Sandra Dee als naive Nancy darf unbedarft ihre erste Genreerfahrung sammeln, wird aber den gesamten Film über einfach unter Drogen gesetzt und trink fortlaufend fröhlich ihren vergifteten Tee, ohne die ständige Müdigkeit und Folgen des Konsums je zu hinterfragen, was für vergnügliche Trashmomente sorgt. 18 Minuten im Film dann, kündigen sich erste Horrorvisionen an, die mit der Fahrt auf einen leuchtenden Stein enden.
 
 
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Sam Jaffe darf als kauziger Opa unseres Antihelden (?) Wilbur kurz Nancy erschrecken, anschließend kontrastiert der Film das impressionistische Setdesign der argentoesquen, bunten Farben und Lichter und Wände, mit alptraumhaften, unzusammenhängenden Einstellungen wilder, undefinierter Kannibalenstämme, die am ehesten an die unangenehmste Seite von Lovecrafts Werk erinnern, seinem beiläufigen bis inhärenten Rassismus. Das verdaut, gilt es jedoch definitiv die langsam einsetzenden, interessant-psychdelischen Stilmittel des Films zu loben, da „The Dunwich Horror“ viel mehr ein Kind seiner Zeit und Produktionsumstände ist, denn eine Lovecraft-Adaption, die mit dem Autor des Originals zu verbinden sei. Soll heißen, dass wir eine leicht progressive/durch Trommeln ergänzte Version des erneut sehr an „Wicker Man“ erinnernden main themes zu hören kriegen, eine verriegelte und rüttelnde Tür mit unsagbarem Schrecken dahinter, Nacktheit in den Kannibalenträumen…..und nur noch etwa jede zweite Szene Leerlauf.
 
 
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Denn der Plot von „Dunwich Horror“ ist derart simpel, geradlinig und vorhersehbar gestrickt, dass man auch ohne jedes Lovecraft-Vorwissen schnelll weiß, was Wilbur plant, warum Dr. Armitage und Elizabeth hinterher reisen und wieso diese Produktion eine Laufzeit von nur 88 Minuten hat, denn selbst die zu füllen, fällt teils schon wirklich schwer.
 
 
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Die Backstory ist relativ aufwendig und künstlich mysteriös gehalten, nur um im Endeffekt sehr wenig Auswirkungen auf das Hier und Jetzt zu haben, die Vorlage von Lovecraft ist nur noch in den grobsten Zügen enthalten und spielt sich fast nur im Dialog ab. Visuelles Erzählen mit einer orchestralen Score, kargen Stimmung und verlassenen Ländereien hätten bestens gepasst, stattdessen erklingt hier kein Soundtrack oder immer nur der gleiche und die wenige interessanten Sets weichen im späteren Verlauf fast durchgängig einem einzelnen Altar, an dem sich der Film nach etwa der Hälfte seiner Laufzeit auch ausschließlich aufhält.
 
 
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Wilbur präsentiert nämlich Tattoos und eine behaarte Brust, erklärt noch wie wichtig es sei dass Nancy nackt auf dem Altar liege, entkleidet sie aber zu keinem Moment. Deplatziertes Betouchen oder den Po streicheln scheint dabei wenig ritualistisch bemüht, ikonisch sind zweifelsohne aber die Szenen des eigentlichen Rituals, in denen Stockwell angenehm spezifisch und doch routiniert wirkend seine präzisen Bewegungen ausführt. Gleichzeitig dreht „The Dunwich Horror“ mit seinen wohl impressionistischsten, einprägendsten und besten Szenen der gesamten Laufzeit dann richtig auf, wenn eine im perfekten Ausmaß gezeigte bzw. verdeckte, beunruhigende Kreatur mit grellenden schreien im psychdelisch-bunten 70s-Farbenfilter Opfer sucht und aus der verriegelten Tür ausbricht…
 
 
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Ich würde an dieser Stelle jetzt keine weitere Nacherzählung mehr betreiben aus Ängsten der Spoiler, doch aufgrund des enorm behäbigen, langsam Pacings des Films und der merkwürdigen Entscheidung, das Finale so zu inszenieren, wie es inszeniert wurde, macht es wirklich keinen Unterschied mehr – „The Dunwich Horror“ ist minimalistisch, kurz und kommt ohne große Überraschungen aus. Komplett ohne Soundtrack oder Atmosphäre folgen nur noch skurill-witzige bis behäbig-langweilige Szenen, in denen sich in der Bibliothek gekloppt wird, in denen Polizisten sinnlos in ihren Tod rennen, in denen die Tiere aus Angst durchdrehen oder wenig aufwendige Autounfälle in nebligen Wäldern inszeniert wurden. Das ist immer wieder charmant, kultig, retro, mit ein paar stimmig untersichtigen POV-Perspektiven gedreht und durch kreischende Synthesizer und die handgemachte Kreatur ziemlich unterhaltsam, aber eben auch mindestens genau so trashig, plump, unlogisch und repetitiv.
 
 
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Wieso niemand anders am Altar ist, wo doch gerade noch ein ganzer Lynchmob hinter Wilbur her war, ob jede Fehlgeburt zu einem kosmischen Monster zwischen den Welten wird oder nicht, warum durch einen Blitz gefühlt göttliche Intervention symbolisiert wird nachdem im Intro bereits unpassend der christliche Teufel abgebildet war, wieso es zwischendurch einen Bildfilter gibt der aussieht wie ein über die Kamera gelegtes Stofftuch und wieso die Nacktheit und Jungfräulichkeit Nancys mehrfach erwähnt wird, nur um dann nie wieder wichtig zu werden, das sind so Fragen, auf die man vermutlich keine Antwort mehr kriegen kann und ja, massive Pacingprobleme sorgen für einen zu langen, zu langsamen Retrotrip von Gruselfilm, der insbesondere Lovecraftfans absolut nicht empfohlen werden kann. Doch wer Lust auf stellenweise atmosphärische, leicht psychdelische Late60s/70s-Kost hat, wahlweise zum Reinfühlen oder Beömmeln, mit ein paar netten Performances und Effekten, der darf defnitiv mal einen Blick werfen.
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Trotz seiner Kürze noch zu langer, von Produktionsproblemen geplagter, leicht psychdelischer 70s-Grusel mit trashigen sowie atmosphärischen Einlagen und maximal oberflächlichstem Lovecraft-Bezug, der durch sein Design und seinen Zeitgeist aber durchaus eine Entdeckung wert sein kann.
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Dunwich Horror“ erschien hierzulande nur ein einziges Mal legal – und das auf VHS. Die damalige Videoveröffentlichung war ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Erst 2007 hörte man wieder etwas vom Gruselklassiker. Dieser wurde ungeschnitten im PayTV ausgestrahlt. Danach folgte 2010 ein illegales DVD-Bootleg in schlechter Qualität. Nun liegen die Rechte bei Wicked-Vision. Das Label hat sich dem Streifen angenommen und in einer hochwertigen Blu-ray-Sammlerveröffentlichung in den Handel gebracht. Der Release in ungeschnitten und ebenso frei ab 16 Jahren. Toll!
 
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 222 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover C – auf 333 Exemplare limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dunwich Horror; USA 1970

Genre: Horror, Mystery, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Trailer beim Start: Die Monster Die! (1:55 Min.), Monster Squad (1:49 Min.), Audiokommentar 1: von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, Audiokommentar 2: von Jörg Kopetz (vom Wicked-Vision Magazin), Deutscher VHS-Vorspann (4:36 Min.), Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), „Trailers from Hell“ mit Darren Bousman (2:36 Min.), Originaltrailer (2:17 Min.), Selbstlaufende Bildergalerie (3:49 Min./ 44 Bilder), DVD mit dem Hauptfilm, Hörbuch-CD „Das Grauen von Dunwich auf 2 CDs, 24-seitiges Booklet mit Text von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad.

Release-Termin: Mediabook: 14.09.2018

 

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THE DUNWICH HORROR – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Junges Blut für Dracula (1970)
 
Der Todesschrei der Hexen (1970)
 
Im Todesgriff der roten Maske (1969)