Filmkritik: „Tank 432 – Es gibt kein zurück“ (2015)

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TANK 432 – ES GIBT KEIN ZURÜCK

(TANK 432 | BELLY OF THE BULLDOG)

Story

 
 
 

In einem verlassenden Panzer treffen flüchtende Soldaten auf unsichtbare Feinde. Die nennen sich Stress und Paranoia und machen aus Verbündeten Feinde.

 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Kritik

 
 
 
Krieg hinterlässt Spuren – nicht nur bei Zivilisten. Auch Soldaten und Friedenskämpfer bleiben vom hässlichen Gesicht des Krieges nicht unverschont und sind während ihrer Einsätze psychischem Stress ausgesetzt, der erst nach dem Krieg zum eigentlichen Problem wird. Studien belegen, dass immer mehr Soldaten schwer traumatisiert von der Front heimkehren und sich später in psychologische Behandlung begeben müssen, damit sie Erlebtes verarbeiten können. Leider gelingt vielen die Rückkehr ins normale Leben nicht, denn mittlerweile sterben immer mehr Veteranen durch Selbstmord, als bei Einsätzen in Kriegsgebieten. Was Krieg mit Soldaten macht, versucht auch Regisseur NICK GILLESPIE auf die Leinwand zu bringen. Der britische Filmemacher hat sich bisher eher als Fachmann hinter der Kamera einen Namen gemacht und versuchte sich als Regisseur von Kurzfilmen. TANK 432 gehört nun zu einem der ersten Langfilme bei denen der ambitionierte Brite die Regie übernommen hat. Als Produzent stand Kumpel BEN WHEATLEY (SIGHTSEERS und KILL LIST) zur Seite für den NICK GILLESPIE bisher immer mal wieder als Kameramann zur Verfügung stand. Was der Regie-Newcomer aber hier unter dem Banner Spielfilm fabriziert hat, wird in Filmkreisen oft als Rohrkrepierer bezeichnet. Der günstig produzierte BELLY OF THE BULLDOG (so der Alternativtitel) ist nämlich trotz brisanter Thematik reichlich konfus und zäh. Etwas, mit dem man bei Horrorfans gewöhnlicherweise keinen Eindruck hinterlässt.
 
 
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Das selbst geschriebene Drehbuch erzählt die Geschichte von einer Gruppe britischer Soldaten, die sich auf eine geheime Mission begeben. Mit zwei Gefangenen im Schlepptau sollen Kriegsgebiete erkundet werden, damit die Umgebung wieder sicher gemacht werden kann. So entdeckt man bei Streifzügen durch das Land auf einem verlassenen Bauernhof einen Container. Darin haust eine verwirrte Frau, die erst einmal mit Medikamenten ruhiggestellt und anschließend mitgenommen wird. Leider kommt die Gruppe nicht weit. Auf der Flucht vor vermeintlichen Feinden verschanzt man sich in einem Bulldog-Panzer und wähnt sich in Sicherheit. Doch die Unterschlupf entpuppt sich als fiese Falle, denn die Tür nach draußen lässt sich nicht mehr öffnen. So verharrt man bangend im Panzer und hofft auf Rettung. Was die Soldaten aber unterschätzen ist der psychische Stress. Mit steigendem Druck und auf engstem Raum wächst die Paranoia jedes Teammitglieds. Was folgt ist kein Kindergarten, denn aus vermeintlich Verbündeten werden plötzlich unerbittliche Feinde. Fragt sich nur wer in einer solchen verzwickten Situation einen kühlen Kopf bewahren kann.
 
 
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DOG SOLDIERS trifft auf JACOB’S LADDER. Das Konzept hinter TANK 432 ist eigentlich gar nicht mal so dumm. So haben schon viele Regisseure menschliches Verhalten in Extremsituationen studiert und damit für unangenehme Filmminuten gesorgt. Leider ist die von Regisseur NICK GILLESPIE auf Zelluloid gebannte psychologische Studie von Menschen unter Druck keine nennenswerte Angelegenheit, denn zwischen Paranoia und Klaustrophobie entsteht hier leider nur eines: Grenzenlose Langeweile. Dass NICK GILLESPIE durchaus Geschick im Umgang mit der Kamera besitzt will man dem ambitionierten Filmemacher sicher nicht streitig machen. Talent für Spannungsbogen und Erzählaufbau besitzt er leider nicht, denn TANK 432 ist so wirr, langatmig und nervig inszeniert, des dem Zuschauer spätestens bei den Szenen im Panzer die Lust am Weiterverfolgen der Handlung vergeht. Die Figuren sind unnahbar und unsympathisch. Ihre Streitereien rauben den letzten Nerv. Zudem wirkt ein Überraschungstwist aufgesetzt und erzwungen. Gut, dass der Horrorfan die Macht über die Fernbedienung besitzt. Die ermöglicht das Abschalten – wann immer man es will. Wir raten so früh wie möglich abzuschalten, denn man verpasst nichts, wenn man TANK 432 nicht gesehen hat. Das vermeidet nicht nur Enttäuschungen, sondern spart auch Zeit, Geld und Nerven.
 
 
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TANK 432 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer TANK 432 gesehen hat, wird im wahrsten Sinne des Wortes paranoid vor Wut, denn dieser Film gehört zur jener Gattung Kinoschund, für den man am liebsten sein Geld zurück haben möchte. Die psychologische Studie über Stress und seine Folgen ist nicht nur langweilig; sie schafft es nicht einmal in den Bann zu ziehen und irgendwie emotional zu bewegen. Schuld sind die unsympathischen Figuren, deren Leid nicht einmal die Bohne interessiert. Angesichts der kontroversen Thematik über Folgen von Kriegseinsätzen ist die Anteilslosigkeit des Zuschauers schon irgendwie als grotesk zu betiteln. Vielleicht wäre es demnach in Zukunft für Regisseur NICK GILLESPIE besser, wenn er sich wieder auf das konzentriert, was er auch wirklich kann. Drehbücher schreiben und Regie führen scheint nicht sein Ding zu sein – hinter der Kamera stehen schon eher.
 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Zensur

 
 
 
TANK 432 ist eher psychologischer Natur und hält sich mit Schauwerten zurück. Einige kurze Gewaltmomente gibt es dennoch zu sehen. So wird ein Protagonist von einem Panzer überrollt, andere erschossen oder mit spitzen Gegenständen verwundet. Hierzulande hat der Paranoia-Horror eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Belly of the Bulldog; Großbritannien 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 28.09.2018

 

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TANK 432 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Belstone Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beneath (2013)
 
POD (2015)
 
Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits (1990)
 
The Noonday Witch (2016)
 

Filmreview: „Magic Magic“ (2013)

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MAGIC MAGIC

Story

 
 
 
Alicia (Juno Temple) will mit ihrer Cousine Sarah (Emily Browning) und deren Freunden einen Kurzurlaub im ländlichen Chile unternehmen. Doch Sarah muss die Reise kurzfristig abbrechen und lässt Alicia mit den anderen zurück. Für die labile Frau ein Albtraum, fühlt sie sich von den ihr fremden Mitreisenden sichtlich bedroht und scheint allmählich den Verstand zu verlieren …
 
 
 


 
 
 

MAGIC MAGIC – Kritik

 
 
 
MICHAEL CERA, der Witzbold aus Filmen wie JUNO oder DAS IST DAS ENDE ist seit jeher für Rollen in eher leichten Teenagerkomödien bekannt. Umso verwunderlicher, dass er im Film MAGIC MAGIC kurzum die Fronten wechselt und gleich mal von netten Burschen zum unheimlichen Vollgestörten mutiert, der in seiner unreif-vulgären Art nichts anderes zu tun hat, als ohnehin schon verunsicherte Mädchen mit unbeholfenen Anbaggerversuchen zu Tode zu ängstigen. Wohl möglich war dem Management dieser etwas sehr schroffe Imagewechsel etwas zu heikel, so dass MAGIG MAGIC zwar viel Lob auf einschlägigen Filmfestivals einheimste, dann jedoch ganz still und leise in den amerikanischen Kino ausgewertet wurde – vermutlich um CERAS Harmlos-Image bewahren zu können. Da verwundert es wenig, dass auf dem Filmplakat nur ganz dezent mit CERA als Kassenmagnet geworben wird, obwohl der Zuschauer hier seine darstellerisch bisher beste Leistung zu sehen bekommt. Für den konsequenten Stilbruch verantwortlich zeichnet der chilenische Regisseur SEBASTIÁN SILVA, dessen letzte Werke LA VIDA ME MATA und OLD CATS ebenfalls von der internationalen Kritik gefeiert wurden aber eher dramalastig daherkamen. Mit MAGIC MAGIC schlägt SILVA zwar eine Brücke zwischen seiner Heimat und den USA, geht aber erzählerisch einen vollkommen anderen Weg. Diesmal hat es ihn in den Thrillerbereich verschlagen, wobei er sich auch bei seinem Neuling auf einfühlsame Weise mit den Ängsten ganz normaler Menschen beschäftigt. Wenn auch auf kompromisslose Weise.
 
Die Geschehnisse in MAGIC MAGIC handeln von der zerbrechlichen Alicia (JUNO TEMPLE), die sich mit ihrer Cousine Sarah (EMILY BROWNING) und deren Freunden Brink (MICHAEL CERA), Agustin (AGUSTIN SILVA) und Barbara (CATALINA SANDINO MORENO) auf den Weg von den Vereinigten Staaten nach Chile macht, um in einem ländlich gelegenen Haus ein paar schöne Tage zu verbringen. Anfänglich noch guter Dinge, muss Sarah bereits kurz nach Abfahrt schon wieder die Heimreise antreten und lässt die verunsicherte Alicia allein mit ihren Freunden zurück. Für Alicia eine ungewohnte Situation mit der sie sich nur schwer anfreunden kann, kennt sie doch keinen der Anwesenden und fühlt sich sichtlich unwohl in deren Gegenwart. Vor allem die wenig subtilen Begattungsversuche des unheimlichen Brink machen der alleingelassenen Alicia schwer zu schaffen. Die beginnt in ihrer permanenten Angst allmählich den Verstand zu verlieren und stößt mit ihren Problemen bei Sarahs Freunden auf nur wenig Verständnis. Was folgt entwickelt sich für Alle zu einem tiefschwarzen Albtraum. Denn nach einigen schlaflosen Nächten verschlechtert sich Alicias Geisteszustand zu nehmens. Sie beginnt Dinge zu sehen, Stimmen zu hören und ist bald nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne. Doch Hobby-Hypnotiseur Agustin weiß Rat: Er setzt das leidgeplagte Mädchen unter Hypnose. Ohne zu ahnen, dass er dadurch ein Desaster lostritt.
 
MAGIG MAGIC ist ein Film, der in unheilvollen Bildern schildert, wie schnell Dinge aus dem Ruder laufen können. Die Geschichte um Alicia, die sich unweigerlich in der ländlichen Idylle Chiles gefangen und sich von ihrem Mitmenschen bedroht, im Stich gelassen und missverstanden fühlt, ist kein Horrorfilm im herkömmlichen Sinne. Vielmehr konzentriert sich Regisseur und Drehbuchautor SEBASTIÁN SILVA gänzlich auf den psychischen Verfall seiner Hauptdarstellerin und erinnert dabei in seiner psychologisch komplexen Darbietung durchaus an Klassiker wie EKEL und ROSEMARYS BABY von ROMAN POLANSKI. JUNO TEMPLE als fragile Alicia erweist sich als perfekte Wahl. Ihr Schauspiel ist von gespenstischer Authentizität, so dass sich der Zuschauer schnell mit ihrer kleinen eigenen Welt verbunden fühlt und ihm das erschütternde Ende schon erheblich an die Nieren geht. Bis Filmmitte lässt sich SILVA Zeit mit der Einführung seiner Charakter und dem Zuschauer im Unklaren, in welche Richtung MAGIC MAGIC überhaupt gehen soll. Alicia hat unter dem Spott der Anwesenden zu leiden, fühlt sich ausgegrenzt und ungemocht. Was folgt ist ihr psychischer Abstieg in den Wahnsinn, den SILVA zugegebenermaßen in wahrlich düstere aber nicht minder doppeldeutige Bilder packt. Alicia redet sich ein Bilder zu sehen, Dinge getan oder gar Stimmen gehört zu haben, wobei SILVA das Glanzstück gelingt, weitestgehend von plakativen Schock-, Spuk- oder Bluteffekten abzusehen. In effekthascherischen Kinozeiten wie diesen darf das schon als beachtliche Kinokunst gesehen werden, schafft es der chilenische Filmemacher, mit einfachsten Mitteln unangenehme Wirkung zu erzielen. Alicias Zerfall verläuft schleichend, ihre ersponnene Bedrohung gewinnt in der zweiten Filmhälfte an Intensität, wobei sich die Vorfälle überschlagen und in einem sehr unangenehmen Ende verlieren. Aufgrund dessen ist MAGIC MAGIC kein Film für zwischendurch, sondern ein erschütterndes Stück Zelluloid, das eine Menge Fragen offen lässt und die Interpretationskreativität des Zuschauers entfachen dürfte.
 
 
 


 
 
 

MAGIC MAGIC – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandioser, verstörender Psychotrip der lange nachwirken wird. Absolut unkommerzieller und vor allem sehenswerter Psychothriller, der Erinnerungen an POLANSKIS EKEL wach werden lässt.
 
 
 


 
 
 

MAGIC MAGIC – Zensur

 
 
 
MAGIC MAGIC kommt gänzlich ohne Blut und Gewalt aus. Die unheilvolle Situation wird ganz durch die Vorstellungskraft der Protagonistin Alicia verursacht. Eher psychisch geht’s daher in MAGIC MAGIC zu, so dass der Film hierzulande bedenkenlos ab 16 Jahren freigegeben wurde.
 
 
 


 
 
 

MAGIC MAGIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Magic Magic; Chile/USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Making Of, Originaltrailer

Release-Termin: 26.06.2014

 
 
 

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MAGIC MAGIC – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rosemarys Baby (1968)

Der Mieter (1976)

Ekel (1965)