Filmkritik: „Deathcember – 24 Doors to Hell“ (2019)

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DEATHCEMBER – 24 DOORS TO HELL

(DEATHCEMBER)

Story

 
 
 
Internationale Genreküche der besinnlicheren Sorte verspricht die rahmenhandlungslose Horrorsammlung „Deathcember“, in der am laufenden Band gestorben, getrunken und frohe Weihnacht gewünscht wird…oder?

 
 
 


 
 
 

DEATHCEMBER – Kritik

 
 
Bla bla Horroranthologien, diesdas Subgenre der Weihnachtshorroranthologie, bliblub Ghoulish Tales als Vergleich für nen schlechten Vertreter, gutes Werk der Gattung fällt mir spontan nicht ein aber viel eher erinnert das Projekt ohnehin an ABC’s of Death, ganze 146 Minuten und 26 Kurzfilme lang, keine Zeit für ein weiteres Intro, keine Rahmenhandlung auch, fangen wir an: Ein langsames Glockenspiel gepaart mit Geigen lässt mystische Hogwarts-Stimmung aufkommen, eine CGI-Kamerafahrt über den schneebedeckten Friedhof sieht professionell aus, zu oft gehört hat man nur eine solche, oder ähnliche Score. Ein Raum voll mit diversen winterlichen/weihnachtlichen oder auch ganz unzusammenhängenden Gegenständen wird präsentiert, dies waren also die knapp drei Minuten Einstimmung zu diesem Film, los geht’s direkt mit der ersten Geschichte.
 
1 – A Door Too Far by Dominic Saxl
 
Ein junger Mann wacht auf, verschlingt seinen ganzen Adventskalender sowie den seiner Schwester auf dem Schulweg, wobei sich der Film als deutsche Produktion mit unauffälligem Look offenbart. In einem Laden trifft der Junge auf einen älteren Herren mit Pentagrammanhänger, der irgendwas vom „Calendarum Maleficarum“ redet, bevor der Effekt des Films auf klebrig-eklige, wenn auch durchwachsen getrickste Manier einsetzt – eine nette Idee mit mäßiger Ausführung und leicht überdurchschnittlichem Weihnachtsfaktor – 4/10 & 3/5 Zuckerstangen*
 
2 – All Sales Fatal by Michael Varrati
 
Mit besserem, fast hyperrealem Colourgrading und hartem Licht fällt diese Episode schnell auf, in welcher aus einer alltäglichen Kaufhaussituation eine blutige Prügelei eskaliert. Aus lahmer Comedy entwickelt sich eine recht rabiate, aber nicht explizite Episode die zwar pointiert endet, aber mich im Endeffekt nur an den um Welten besseren „Catfight“ hat denken lassen. – 5/10 & 2/5 Zuckerstangen*
 
3 – Aurora by Lazar Bodroža
 
Der dritte Kurzfilm im Bunde gehört mit zu den qualitativ hochwertigsten, optisch ansprechendsten und besten Momenten der gesamten 2,5 Stunden „Deathcember“, könnte dafür inhaltlich aber kaum weniger mit Weihnachten zu tun haben, bzw. ist wenn, dann bis zur Unverständlichkeit symbolisch aufgeladen und chiffriert. Wir schreiben es Dezember 2389 auf einer der zahlreichen schwebenden Strukturen in Promixa Centauri und diese bildgewaltige Sci-Fi-Utopie ist aufwendig sowie ansprechend animiert, getrickst, gefilmt, vertont und eingefangen. Mit Ambient Soundtrack, Cyberpunk Eyecandy, innerer Rahmung, ausbleibendem Dialog und überzeugenden Glitch-Effekten z.B. kann man hier schnell eingesogen und erst in der perfekt gewählten, letzten Einstellung wieder ausgespuckt werden und gerade als Kurzfilm klappt diese merkwürdig emotionale, postapokalyptisch-futuristisch anmutende Weltraumvision bestens, nur was hat der Film in dieser Anthologie zu suchen? Dass der fehlende Weihnachtsfaktor dabei allerdings der größte Kritikpunkt ist und ich mir nicht sicher bin, ob die Darstellerin echt oder auch animiert war, spricht für sich. – 8/10 & 0/5 Zuckerstangen*
 
 
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4 – X-mas On Fire by Florian Frerichs
 
In einer einem Renaissance-Gemälde nicht unähnlichen, bildschönen Eingangssequenz sehen wir zahlreiche tote Polizisten und Weihnachtsmänner auf dem Boden liegen, eine Spieluhr spielt „Silent Night“, Neonfarben scheinen, welch besinnliche Einstimmung. Cut und ein deutlich an Reservoir Dogs angelehntes Flashback erzählt wie es zu dem Fall kam, mit fortgängig gewitzt- achronologischer Erzählweise, gutem Editing und blutigen Erschiessungen. Kein Action-Highlight,
aber twistreich, kurzweilig und ziemlich aufwendig für das Niveau des Films – da sogar der Weihnachtsfaktor durchgängig erkennbar bleibt, gibt es hier kaum was zu meckern. – 7.5/10 & 4/5 Zuckerstangen*
 
5 – Villancicos by Issac Ezban
 
Und hier ist es dann also, das absolute Highlight des Films, besser wird es meiner bescheidenen Meinung nach nicht mehr: Der mexikanische Regisseur, der sich u.a. schon mit dem sehr guten Twilight-Zone-Horror „The Similars“ behaupten konnte, beweist sich in dieser schwarzhumorigen Episode vollends als Bildästhet und Arthouse-Regisseur, da hier das sich mehrfach in buntesten Farben wechselnde Setting, die zahlreichen liebevoll agierenden Statisten und die Skurrilität der Situation an sich deutlich wichtiger sind, als eine Geschichte oder ein traditioneller Spannungsbogen. Eine Familie, deren Sohn an Weihnachten im Kinderbett verstirbt, bemerkt, dass dieser durch Gesang scheinbar am Leben erhalten werden kann. Was folgt, sind technisch eindrucksvolle Tracking Shots und Plansequenzen, gialloesque Einstellungen und schwarzer Humor, Familienfeten und langsam einsetzender Wahnsinn. Ein originelles und lebendiges Werk, das durch seine stringente Vision überzeugt und absolut sehenswert ist. – 8,5/10 & 3/5 Zuckerstangen*
 
6 – Joy To The Girls by Sonia Escolano
 
Ein Mann erhält eine Einladung zur Weihnachtsfeier im Hotel Chevalier, dort angekommen gibt es neben verzierten, hohen Wänden, Wein und tanzenden Frauen aber alsbald noch eine Wanne voll Blut zu bestaunen. Zum ersten Mal fühlte ich mich hier, als habe ich irgendwas nicht verstanden oder übersehen. Die Pointe am Ende ist bestenfalls ein Höflichkeitslacher, der Weg dahin vorhersehbar und unspektakulär inszeniert. Das Schauspiel lässt zu wünschen übrig, Weihnachtsflair gibt es so gar keinen bis auf die Prämisse an sich, auf dem Papier – 4/10 & 0,5/5 Zuckerstangen*
 
 
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7 – The Hunchback Of Burg Hayn by Bob Pipe
 
Mit Klaviermusik und schwarz-weißem Projektorfilter versucht sich dieser Beitrag an wohligem Frankenstein-Retrolook, was in einigen Einstellungen dank zahlreicher Statisten und cleverer Winkel auch gelingt, zu oft wird die Illusion aber durch zu neuzeitliche Frisuren und Gesichter zerstört. Inhaltlich geht es um eine Begnadigung zu Weihnachten, doch weil die Geschichte so minimalistisch ist, die Witze und Kostüme bestenfalls mittelmäßig und der Weihnachtsbezug erneut allenfalls konzeptionell vorhanden, weiß auch dieser Kurzfilm nicht wirklich zu überzeugen. – 6/10 & 0/5 Zuckerstangen*
 
8 – Family Matters by Steve de Roover
 
Der erste Bodyhorror-Beitrag kann sich durchaus sehen lassen, denn auch wenn der Weihnachtsfaktor, man ist es inzwischen schon gewohnt, sich ein weiteres Mal hinten anstellen muss, so kann die simple Geschichte dank leicht schleimig-ekliger Effektarbeit und sich schnell einstellender Rätselspannung doch überzeugen. Fehlende Musik und die recht leere Designerwohnung wirkten dabei zuerst wie Makel, tragen aber durchaus zur unbehaglichen Anspannung bei. – 6/10 & 2/5 Zuckerstangen*
 
9 – Crappy Christmas: Operation Christmas Child by Jürgen Klings
 
Wenn eine Episode dieses gesamten Mammutunterfangens hier auf Skandal aus ist, oder sein könnte, dann wohl diese hier. Denn wäre „Operation Christmas Child“ nicht im „putzigen“ Stop-Motion/Claymation-Stil animiert worden, sondern mit ähnlicher Drastik und Erbarmungslosigkeit und echten Darstellern, die Geschichte wäre den deutschen Zuschauern vermutlich entgangen. Ein kranker, bösartig überspitzter und doch immer noch viel zu echter Exploitationfilm mit deutlicher Religionskritik, gelungenen Animationen und hammerhartem, spaßigen Gore. – 7.5/10 & 2/5 Zuckerstangen*
 
 
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10 – Five Deaths In Blood Red by Ama Lea
 
Eine halbnackte Frau gefesselt auf dem Bett, da dürfen bei so einem Titel die messertragenden Lederhandschuhe natürlich nicht lange auf sich warten lassen, auch wenn der Kehlenschnitt selber eher mäßig getrickst ausfällt. Was folgt, ist eine mit selbst eingespielter Score unterlegte Giallo- Reminiszenz inklusiv expliziter Fulci- und Argento-Verweise, die natürlich mit stereotypen Charakteren und Overacting spielt, nur um sich herrlich blöd zu twisten und weihnachtlich aufzulösen – eine nette Stilübung, die man aber auch schon besser gesehen hat. – 6/10 & 3,5/5 Zuckerstangen*
 
11 – Kill Santa by Sandrac González-Perellón
 
Prinzipiell eine versierte und stilvoll präsentierte Geschichte mit garstiger Auflösung und schnell aufkommender Spannung, auf dem Bildschirm nur leider eine unterwältigende Angelegenheit, da die arthousige Einstellung mit einem schlechten Effekt versaut wird und zu schnell klar ist, was hier gespielt wird. – 5/10 & 2,5/5 Zuckerstangen*
 
12 – Bad Santa by Julian Richards
 
Erste, leichte Ermüdungserscheinungen sind bei der nächsten allzu durchschnittlichen Episode auszumachen, in der nach einem fiesen Aufbau mit Vater. vs. Nachwuchs-Prämisse und weihnachtlichem Setting ziemlich unerklärt und gefühlt ohne Punkt auch schon das Ende daherkommt. Schlechte Zeitlupeneffekte/-aufnahmen und Verwirrung bleiben da noch am ehesten hängen. 5/10 & 2,5/5 Zuckerstangen*
 
 
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13 – Santa Is Coming by Lee Sang-Woo
 
Der erste südkoreanische Kurzfilm der Selektion startet mit einer Vogelperspektive und kann auch nachfolgend durch gekonnte Winkel und Schärfensetzung technisch überzeugen, doch so gekonnt die betrübte Atmosphäre mit hallenden Gesprächen, dem Fernseher im Hintergrund, Geigen- und Pianotönen auch erzeugt wird, so wenig nahegehend, kalt und distanziert bleibt das tragische Geschehen für den Zuschauer. Die später spielende Weihnachtsmusik möche nicht so recht passen, auch der Titel wirkt recht zufällig gewählt, doch spätestens durch das gruselige, lynchesque letzte Tableau ist dieser Beitrag definitiv einen Blick wert. – 6,5/10 & 1,5/5 Zuckerstangen*
 
14 – A Christmas Miracle by Vivienne Vaughn
 
Ein Beitrag, der spontan zum verwunderten Kopfkratzen motiviert hat, folgt dann mit diesem amerikanischen Vertreter in dem u.a. Barbara Crampton im 4:3 (oder 1:1,33?) Retro-Bildformat und optisch wohl mit ansprechendstem Kurzfilm der gesamten Chose schauspielern darf. Die Story um Eva, die flüsternd ein faustisches Angebot kriegt, startet romantisch, gothisch, atmosphärisch und verträumt gedreht, doch sobald die Katze aus dem Sack ist, ersehnt man sich nur noch dass es endet, um dann ein wenig zufriedenstellendes Ende serviert zu bekommen. – 4/10 & 1/5 Zuckerstangen*
 
15 – Cosetta Sperduta In Campagna by Ruggero Deodato
 
Was für ein Trauerspiel sich inmitten des gähnenden Durchschnitts doch noch finden lässt: Der einstige Kannibalenfilmmeister entblößt sich mit diesen wenigen Minuten als verspielter bis debiler Stümper, dessen Zenit lange überschritten ist und präsentiert in seiner billig aussehenden, schlecht gespielten und einfältigen Episode eine overactende Familie, bei deren Betonungen und allgemeiner Inszenierung man sich nie sicher ist, ob überhaupt irgendwas davon ernst gemeint ist und wenn nicht, was es dann soll. Weder weihnachtlich, noch witzig, noch blutig, noch originell, sexy, besinnlich, oder auch nur kurzweilig. – 2/10 & 2/5 Zuckerstangen*
 
 
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16 – Milk And Cookies by Sam Wineman
 
Wer von schlichtweg „bösen“, aber nicht sonderlich cleveren oder neuen Prämissen leicht unterhalten wird, der dürfte mit dieser Rachegeschichte hier seinen Spaß haben, die bei mir nur für ein halbherziges Augenzucken gereicht hat. Ein Kind mit brutalem Stiefvater wünscht sich bei Santa Spielzeug und bekommt es, wird dafür aber bestraft. Was folgt, kann man sich vermutlich nach diesem Satz bereits denken und ist zwar relativ weihnachtlich inszeniert, aber weder originell noch allzu blutig. – 5,5/10 & 2,5/5 Zuckerstangen*
 
17 – PIG by Andreas Marschall
 
Technomusik und bunte Lichter, junge, feiernde Menschen und eine nett erzählte Rape & Revenge- Geschichte – Marschall versteht sein Handwerk auch im kleinen Rahmen und die Episode ist sowohl produktionstechnisch auf einem hohen Niveau als auch ordentlich gespielt und dem Zuschauer ggf. nahegehend, doch das sozialkritische, zum Denken anstoßende Ende, das Setting und auch der Soundtrack haben alle so absolut gar nichts mit Weihnachten zu tun und wirklich etwas Neues oder Interessantes wurde auch nicht ergründet. – 6/10 & 0/5 Zuckerstangen*
 
18 – They Once Had Horses by Lucky McKee
 
Ein schwarz-weißer, bittersüßer Weihnachtsabend, den man gerne mit zwei sich gegenseitig beleidigenden und liebevoll Sprüche um die Ohren werfenden, verwundeten Cowboys am Lagerfeuer verbringt. Milde amüsant und schwarzhumorig bis zum kunstvollen Ende, das sich einzig auf der Audioebene und im Kopf des Zuschauers abspielt – kein Meisterwerk, aber eine stimmige Fingerübung. – 6/10 & 1/5 Zuckerstangen*
 
 
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19 – December the 19th by Milan Todorovic
 
Ein Highlight auf seine ganz eigene Art ist diese Schlittschuh-Angelegenheit, die mich spontan an Happy Tree Friends erinnert hat – nicht etwa formal oder stilistisch, sondern weil ich mir nach zweimaligem Anschauen die Ereignisse nicht anders erklären kann, als dass es sich um äußerst unüblich inszenierte Unfälle handelt. Am letzten Abend der Hanukkah-Feierlichkeiten, realistisch dargestellt durch viele Statisten und unterstützt von einer professionellen Optik und Synthesizern im Soundtrack, verlassen zwei junge, hübsche, angetrunkene, osteuropäische Frauen das Gebäude um beschwipst herumzualbern und einen Eislaufplatz zu besuchen. Dort angekommen wird es kurz erotisch und verdächtig lesbisch, nur um im Sekundentakt die Verletzungen und unerklärten, handgemachen Effekte folgen zu lassen. Wild, unerklärt, irgendwo billig und schlecht, irgendwo genial. – 5,5/10 & 2,5/5 Zuckerstangen*
 
20 – Getting Away From It All by Pollyanna McIntosh
 
Nachdem die schottische Darstellerin anno 2011 bereits die Regie zu einem direkten Sequel zu Jack Ketchum’s „The Woman“ übernahm und in dem Vorgänger natürlich die Hauptrolle innehatte, drehte sie als zweite Regiearbeit diesen wahnsinnigen Weihnachtshorrortrip, dessen unerklärte,
bösartige, sinnlose und doch schwarzhumorig-überzeichnete Gewalt gut zu dem passt, was man sich bei der Mischung vielleicht vorstellt. Die Eskalationskurve greift schnell und wird konsequent höher geschraubt, das böse Ende bleibt im Kopf, die Weihnachtsdeko ist hübsch und üppig ausgefallen, eine wichtige Moral, hinter der ich absolut stehe, ist auch noch versteckt. „Greedy fucking bullshit fucking christmas crap.“, hachja. – 7/10 & 3,5/5 Zuckerstangen*
 
21 – Family Feast by Rémi Fréchette
 
In diesem französischen Beitrag begleiten wir eine junge, genervt wirkende Frau dabei, wie sie auf der Weihnachtsfeier mit der Familie ihre Zeit verbringt. Schnell macht sich eine unangenehme Stimmung breit, inklusive blauem Licht im Flur und verwirrender Andeutungen am Esstisch. Teils sind die folgenden Schreckensbilder unfreiwillig komisch, teils so unerwartet und unüblich dass es tatsächlich gruselig wird und funktioniert, dazu rot flackernde Argento-Einflüsse und blutige Einstiche, fertig sind ein paar Minuten sehr weihnachtlicher Paranoia. – 6,5/10 & 4/5 Zuckerstangen*
 
 
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22 – Before Sundown by Jason A. Rostovsky
 
In amateuriger Indiefilm/YT-Optik gedreht und mit jungen Darstellern sowie Elektromusik versehen, macht diese unweihnachtliche Filmeinreichung spontan nicht den vielversprechendsten Eindruck, doch durch den Sonnenuntergang und das sphärische Piano, die Dialoge innerhalb der Gruppe und natürlich Fahrrad fahren durch den amerikanischen Vorort kommt schnell wohlige sowie sympathische Stranger Things-Atmosphäre auf und einzig das unspektakuläre Ende steht dem leider im Weg. – 6/10 & 1,5/5 Zuckerstangen*
 
23 – Cracker by John Cook Lynch
 
Der vorletzte Abstecher führt uns in eine großartig überzeichnete, bunte, künstlich hochgedrehte 50s-Werbewelt mit übersättigten, gelben Kleidern, perfekt ausgewählten Möbeln, Frisuren etc. und einer Prämisse, die sich durch cleveres Writing Stück für Stück auffächert und erklärt, statt direkt in Erklärungsnot zu geraten. Durch die titelgebenden Christmas Cracker gibt es zwei schlechte Witze, das Schauspiel ist genauso merkwürdig und off wie es sein soll, der Gore kommt überraschend und handgemacht, die Pointe am Ende ist zynisch, böse und erinnerungswürdig. Einer der stilistisch eigensten und ausgereiftesten Filme. – 7/10 & 2/5 Zuckerstangen*
 
24 – Operation Dolph by Trent Haaga
 
Trent Haaga, den man von „Chop“, „Cheap Thrills“ oder „68 Kills“ kennen kann, durfte die 24. und somit eigentlich ja finale Episode beisteuern, die Nummer des heiligen Abends wurde ihm zugesprochen – und meiner Meinung nach hat er es ziemlich versemmelt. Am schmeichelndsten könnte man diese belanglosen paar Minuten Wüstentrash wohl als „an Troma erinnernden Drogentrip mit Killersanta im Drogenlabor“ bezeichnen, doch das würde schon nach zu viel Unterhaltungsfaktor klingen. Die Auflösung wirkt, wie so oft, als würde etwas fehlen, der Weg dahin ist rotzig-frech und indie, ja, aber eben auch billig und egal, zudem mit deutlich zu wenig gezeigten Splattereinlagen versehen. – 3/10 & 2/5 Zuckerstangen*
 
 
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Den öfter getätigten Aussagen, dass sich in den nun, nach zwei Stunden Spielzeit folgenden Ending Credits noch zwei Episoden „verstecken“ würden, kann ich absolut nicht zustimmen, denn auch bei einer solchen Mammutanthologie waren keine 21 ganzen Minuten an Credits zu erwarten – demnach also den Block nie weggelegt, um die letzten zwei Weihnachtshorrorversuche zu notieren:
 
25 – Christmas Corp.se by Annika Marx
 
Ein weiterer deutscher Beitrag, diesmal in professioneller, unterkühlter Corporate-Büro-Optik. Anzugträger auf der Weihnachtsfeier im modernen Komplex, rassistische und sexistische Arschlöcher, die Untergeordnete auch jetzt noch zu Extraaufgaben verdonnern. Die genaue Auflösung der folgenden Minuten ist nicht unbedingt erklärt oder sinnvoll und erahnen kann man sie so oder so ähnlich auch, doch das ist absolut nicht von Priorität, wenn die Atmosphäre stimmt – und das tut sie hier definitiv. Mysthisches rotes Licht im Flur, kaputte Radios, stillstehende, aus dem Mund tropfende Menschen im Dunkeln und weiße Augen kommen zum gekonnten Einsatz und weben eine düstere Genrewelt, die nur abermals nicht allzu weihnachtlich daherkommt. – 7/10 & 1,5/5 Zuckerstangen*
 
26 – They Used To Laugh And Call Him Names by BJ Colangelo & Zach Schildwachter
 
Der endgültig letzte Kurzfilm dieser nicht enden wollenden Reihung größtenteils durchschnittlicher Kost ist eine eklige, billige, trashige und brutale Angelegenheit, in der mit simplen Methoden wie untersichtigen POV-Shots, rot gefärbtem Bildschirm und Wäldern als Kulisse gearbeitet wird. Weder die oft gesehene Standard-Creaturefeature-Story noch der Weihnachtsfaktor wissen hier zu überzeugen, doch die Machart und derben Effekte wissen zumindest ein kurzes Grinsen ins Gesicht zu zaubern. – 6/10 & 1/5 Zuckerstangen*
 
Und das war es dann also, nach 146 Minuten Spielzeit, hallelujah. Was für mich als jahrelangen Weihnachtshorrorultrafan eigentlich die ultimative Offenbarung hätte sein sollen, offenbarte sich trotz zweigeteilter Sichtung in zwei Stzungen immer noch als überlanger, zu beliebiger, zu unausgereifter Krampf von einem Film, in dem sich die meisten Episoden leider nicht in den Extremen der Skala aufhalten, sondern fast durchgängig zwischen 4 und 6 Punkten verweilen, also schlichtweg nicht zu beeindrucken wissen. Ich bin nie wütend geworden und war nie zu Tode genervt, doch konsistent gute Unterhaltung sieht leider auch wirklich anders aus. Die mittelmäßige und oftmals ebenfalls zufällig wirkende CGI-Präsentation versprüht wenig Charme, die „großen Namen“ des Projektes gehen fast alle in der Kürze oder Belanglosigkeit ihrer jeweiligen Rollen oder Beiträge unter und einen hohen Weihnachtsfaktor kann man gerade einmal bei etwa drei bis vier der 26 Kurzfilme ausmachen. Lobend erwähnen und im Hinterkopf behalten möchte ich definitiv das Sci-Fi-Eyecandy „Aurora“ von Lazar Bodroža, den exzellenten mexikanischen Vertreter „Villancicos“, die derbe Werbewelt-Dystopie „Cracker“ und natürlich den garstigen, weihnachtlichen und sehr ABC’s of Death-mäßigen Beitrag „Getting away from it all“, doch abseits davon wirkt leider kein Film wirklich ausgereift oder durchkonzeptioniert, da in erster Linie die Landung, das Ende, die Schlusspointe öfter fehlt, als nicht. Ein ehrenhafter Versuch und ja, mit Freunden und Alkohol und gerichteter Erwartungshaltung sicherlich mal ein netter Filmabend – aber mehr eben auch nicht.
 
* Die Anzahl der Zuckerstangen gibt den Weihnachtsfaktor der jeweiligen Episoden wieder. Je mehr Weihnachtsdeko, Christmas-Musik, Santas, X-Mas-Stimmung und weihnachtsliche Kills auf der Mattscheibe gezeigt werden, umso höher fällt die Zuckerstangen-Punktzahl aus.
 
 


 
 
 

DEATHCEMBER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Unausgegorene, überlange Kurzfilmanthologie, die ihrem Weihnachtsthema nur selten treu bleibt und qualitativ maximal leicht überdurchschnittlich daherkommt. Knaaaappe 6/10 und 2/5 Zuckerstangen*.
 
 


 
 
 

DEATHCEMBER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Deathcember – 24 Doors to Hell“ ist ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Flatschen. Horrorfans und Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DEATHCEMBER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) BUSCH MEDIA GROUP (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Deathcember; Deutschland 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 145 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 04.12.2020

 

Deathcember – 24 Doors to Hell [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DEATHCEMBER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei BUSCH MEDIA GROUP)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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Filmkritik: „Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten“ (2020)

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ASYLUM – IRRE-PHANTASTISCHE HORROR-GESCHICHTEN

(ASYLUM: TWISTED HORROR AND FANTASY TALES)

Story

 
 
 
Ein alternder, von seiner Frau verlassener Stand-Up-Comedian assoziiert sich durch Genre-Kurzfilme mit Bruchstücken seiner düsteren Vergangenheit.

 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Kritik

 
 
Die Liste internationaler Indie-Horroranthologien ist endlos und nur für abenteuerlustige Genrefans in Gänze zu empfehlen, um einen argentinisch-neuseeländischen, so glaube ich, Titel erweitert wird sie durch den vorliegenden Streifen. Produzent und Creative Director Nicolás Onetti, den man schon durch den ideenlosen, aber recht harten Backwood-Slasher „What the Waters Left Behind“ oder den scheinbaren Neogiallo „Abrakadabra“ kennen dürfte, hat hierfür ganze zehn Regisseure zusammengetrommelt, die allesamt entweder einen bereits existenten Kurzfilm beigesteuert, oder einen neuen Beitrag gedreht haben. Was genau der Fall ist, war mir aufgrund fehlender Blu-ray-Extras oder imdb-Einträge leider nicht ersichtlich.
 
 
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Wie dem auch sei: Zu verzerrten, dröhnenden E-Gitarren präsentiert Nicolas Ornetti Opening Credits und hochaufgelöste Nahaufnahmen eines rauchenden, sich auf seinen Auftritt vorbereitenden Clowns. Er betritt die Bühne und erzählt sardonisch von seiner traurigen Geschichte, seiner Ex-Frau und seinen Depressionen.
 
Nach diesen ordentlich gespielten und geschriebenen, wenn auch tonal verwirrenden ersten fünf Minuten startet der erste Kurzfilm, „The Cleansing Hour“. Dieser sehr gelungene Exorzistenhorror mit Twist ist zwar bereits einige Jahre alt und zahlreichen Usern durch das Internet bekannt – doch weniger effektiv macht das die Episode keinesfalls. Mir waren der bissige Dialog, der wunderbar gespielte Fake-Pastor, das erfrischend locker und knackig präsentierte Konzept noch neu. Auch wenn der Zusammenhang zum Anthologie-Intro mit dem Clown nicht klar wird, die Effekte am Ende des Shorts ziemlich peinlich aussehen und der letzte Twist vorhersehbar ist, so gehören diese knapp 20 Minuten definitiv mit zu den besten dieser Anthologie: Noch 8(-)/10.
 
Übrigens ist „The Cleansing Hour“ ein Kurzfilm aus dem später ein Langfilm wurde. Der Streifen lief lange vor Auswertung in dieser Kurzgeschichtensammlung auf Genre-Festivals und kam dort ziemlich gut an. Für Regisseur Damien LeVeck Grund genug, das Exorzismus-Spektakel ein weiteres Mal als Langfilm mit mehr Budget zu adaptieren. Das Ergebnis: „Exorzismus 2.0“, der vor einiger Zeit auch in Deutschland veröffentlicht wurde.
 
 
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Ein bestenfalls mittelmäßiges Bühnenintro mit einer halbnackten, an einen Stuhl gefesselten Frau und vagen Andeutungen später spielt „Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten“ dann seine Wildcard aus, denn der folgende Zehnminüter, „Drudge“, ist je nach Gusto genial oder absolut dämlich.
 
Ein Mann flext sich zuhause eine metallene Maske und befestigt eine Klinge an seinem Handgelenk, mit epischer Musik und lauten Trommeln im Hintergrund. Eine junge Frau wird von einer Gestalt am Fenster verängstigt und ruft ihre Freundin an. Das Colourgrading ist hässlich und lieblos, die Einstellungen selber aber durchaus ansprechend. Pseudo-Jumpscare, der unfassbar unsympathische Jerk-Boyfriend erscheint und darf miesen Dialog sprechen. ABER DANN kommt der Maskenmann vom Beginn zurück und was folgt, ohne Erklärung, ohne Pointe, mit schwachem CGI, ist so rabiat, kurz, sinnlos und brachial, dass ich es absolut gefeiert habe. 7.5/10
 
 
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Zurück beim, inzwischen hat man es erfasst, in verschiedene Kostüme und grob an die Kurzfilme angepasste Rollen schlüpfenden Moderator für weitere Erinnerungen über die Ex-Freundin, dann geht es weiter mit dem absoluten Tiefpunkt der Sammlung, dem Zombiefilm.
 
Zombies hat vermutlich jeder Horrorfan irgendwann lieben und dann wieder hassen gelernt: Atmosphärische, alte, handgemachte Produktionen lege ich dann und wann immer noch gerne ein, doch die endlose Reihe billiger Non-Produktionen der letzten 25 Jahre hat einer ehemaligen Schreckensgestalt längst jeden Terror genommen und egal ob als Comedy, Drama, Romanze, Schwulenporno, Actionfilm, Thriller, Musical oder Kunstfilm, jedes Genre wurde bereits mehrfach in jeder Länge beackert und mit Zombies durchexzerziert bis zur absoluten Übermüdung. „A Father’s Day“ versucht sich scheinbar an einer leicht dramatischen Rom-Com im postapokalyptischen Zombieszenario, kann aber trotz deftiger Goreeffekte seinen billigen Look nicht verstecken, trotz dauerhaft pseudosentimentaler Streicher im Soundtrack auch seine Ideenlosigkeit nicht. Schlechte Computereffekte, klischeehafte Geigen, eine zu niedrig aufgelöste, letzte Sequenz – immerhin ist dieser belanglose, französische Unfall von einem Beitrag nur 8 Minuten kurz. 3(-)/10
 
 
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Das nächste Zwischenspiel spielt zu Beginn in einer Scheune mit Scheinwerfern und blauem Licht und begnügt sich scheinbar damit, einfach nur eine Zombie- Fressanspielung zu machen – doch dann folgt ein recht abgefuckter Monolog mit beunruhigender Stimmung die wirkt wie die verrückten Reden eines verbitterten Typen mitten im Nichts und siehe da, nach 43 Minuten, also etwa dem ersten Drittel des gesamten Werks, hat „Asylum“ sogar in den bisher nur halb geglückten Interludes meine Aufmerksamkeit.
 
Weiter geht es mit dem argentinischen Beitrag „RIP“, der mit warmen Farben und gemütlicher Wohnzimmer-Stimmung einlullt, bevor sich durch den neugierig machenden Dialog langsam aber sicher Surrealismus und wachsende Verlaufsspannung einstellt. Diese äußerst makabere und schwarzhumorige, wirklich witzige Episode wird zwar leider vom Menü gespoilt, verwandelt sich aber trotztdem auf höchst amüsante und stellenweise immer noch überraschende Weise in eine echte Schlammschlacht, die zwar nie sonderlich explizit ausfällt, aber doch als originell, böse und blutig im Gedächtnis bleibt. Eine witzige, wenn auch in letzter Konsequenz etwas unpointierte Viertelstunde. 7/10
 
 
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Die nächste Überleitung hat man sich quasi ganz gespart, hier ist lediglich ein minimalistisches Set ohne Dialog zu sehen, dann wird man auch schon in die Perspektive eines Patienten geworfen, der in einem spanischen Krankenhaus spanisch in die Notaufnahme gerollt wird. Nach wenigen wirren Sekunden ändert sich das Setting schlagartig zu einer leeren, weiten Landschaft und mit, für das vermutlich überschaubare Budget, sehr überzeugenden Effekten fallen zahlreiche Objekte und Menschen, Krankenhausutensilien sowie ganze Familien, scheinbar aus offenem Himmel in den Shot. Einige Details sorgen für Lacher durch visuelle Comedy, danach offenbart sich schnell der eigentliche Punkt des Shorts: Wir befinden uns vor Trumps Mauer zwischen Mexiko und den USA, die protestierenden Menschen wurden gerade wortwörtlich herausgeworfen. Doch es kommt noch schlimmer, etwas kommt aus Amerika auf die hilflosen Leute zu… Eine kurze und amüsante Polit-Satire mit dem Holzhammer, die weiß ab wann es anstrengend oder zu beliebig werden würde und ein paar nette Ideen hat – 7/10.
 
 
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Eine langsame Mariachi-Einlage in hübschen Bildern leitet eine Ansprache des wandlungsfähigen Moderators ein. Darüber, dass er nur so unglücklich geworden ist, weil er es seinem Vater beweisen bzw. heimzahlen wollte und darüber, dass die Halbzeit erlangt ist. Mein Highlight dieser knappen zwei Stunden lässt sich nun folgend im Animationsbereich finden, da „The Death, Dad and Son“ eine herzerwärmende und stilistisch deutlich von Tim Burton beeinflusste Stop-Motion- Animation ist, die das Nutzen von Film Noir-Vibes ebenso meistert wie visuelle Comedy, nonverbales Charakterisieren oder allgemein ästhetische Einstellungen. Die Animationen begeistern, die Schlusspointe passt perfekt zum verfolgten Stil, der schwarze Humor sitzt. 8.5/10 für diese ideal gepaceten 11 Minuten und „schon“ fehlen nur noch drei Geschichten.
 
 
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Die Zwischenstücke, die bereits düster geworden und ins Manische abgedriftet sind, steuern natürlich auch auf ihren Höhepunkt zu: Zwar kann man schwerlich von einer eigenen Story oder funktionierend aufgebauten Dramaturgie sprechen, für sich allerdings funktionieren mit der Zeit mehr und mehr der Einspieler – so geht es nun vier Minuten lang in einem Bauchredner-Skit in die Vollen, in dem mit männlicher Zerbrechlichkeit und Paranoia gearbeitet wird, mit Alarmsirenen und somit einem perfekten Übergang zur nächsten Episode.
 
Denn in „Entity“ wird, bis auf den Kopf der Hauptdarstellerin wohl komplett mit CGI animiert, die seit Gravity fast schon übliche Geschichte einer Astronautin in misslicher Lage erzählt, die nach einem Unfall alleine im Weltall verloren ist. Die Effekte sind dabei leider allenfalls durchschnittlich und deutlich als solche zu erkennen, doch da die Episode fortan nicht auf Länge und Realismus setzt, sondern auf kurzes Eye-Candy mit bunten Lichtern, einer prägenden letzten Einstellung und pompösen Sounddesign, geht das in Ordnung. Kein Meisterwerk, aber zehn Minuten sehr hübsche Videospiel-Cutscene, die auf Leinwand definitiv zu wirken weiß. 7.5(+)/10
 
 
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Die erste der letzten vier Sequenzen des Films ist nun die wohl gelungenste Zwischensequenz der ganzen Chose, da in bester Aphex-Twin-Manier und mit bunten Lichtern sowie Störgeräuschen endgültig geistiger Zerfall inszeniert wird, bevor die letzte meiner Lieblingsepisoden folgt: „Bloodbath“ ist garstig, böse, konsequent, mit fünf Minuten perfekt lang für das Script und sieht profesionell aus – eine humorlose und nüchtern-realistisch erzählte Situation, mehr braucht es manchmal nicht, 8/10.
 
 
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Ein letztes Mal zurück zu unserem gematerten Präsentator und abseits seiner lächerlichen Mimik wird ein „nettes“, wenn auch unspektakuläres Finale seiner Rahmengeschichte geliefert, die letzte, neunte Episode des Films heißt dann „The Last Show“ und übt sich leider Gottes in reiner Nerverei: Überblende nach Überblende, Wackelkamera und zu schnelle Schnitte, anstrengend unpassende Alternative Rock/Metal-Musik. Hier wollte jemand unbedingt einen auf Rob Zombie machen und dachte „Mehr ist mehr“, aber noch so viele Bildverschmutzungen und aufgesetzte Retro-Looks können nicht über fehlendes Talent hinwegtäuschen, nicht darüber dass einfach nur brutal und eklig und sadistisch sein, ohne gute Effekte oder auch nur annährend ansprechende Bildsprache, nicht annährend genug ist. Weil es nur vier Minuten waren, das Ende nett und ein einzelner Kill spaßig konzipiert wurde noch knappe 4/10, aber hiermit hat sich niemand einen Gefallen getan.
 
 
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Und das war es dann also, nach gerade einmal 103 statt 117 Minuten „schon“, denn der Rest ist Abspann. Was bleibt zu sagen? „Asylum“ hat eine der unüblichsten und unnachvollziehbarsten Entscheidungen für eine Rahmenhandlung bzw. -moderation, die ich bisher gesehen habe und auch wenn die Performance größtenteils zu gefallen weiß, so hätte man sich einige der Passagen ganz sparen, andere verlängern oder gehaltvoller schreiben können. Der Rest ist relativ wild und unzusammenhängend international zusammengeklaut und kann schwerlich in Verbindung zum jeweils letzten Segment gebracht werden, weiß dafür aber auch fast durchgängig zu unterhalten, oder zumindest überraschen. Der altbekannte Horrorkurzfilm „The Cleansing Hour“ konnte punkten, bei der liebevollen Stop-Motion-Animation „The Death, Dad and Son“ ist mir das Herz aufgegangen, „Entity“ war ein bildgewaltiger Weltraum-Trip und „Bloodbath“ zeigt, wie man mit einem Set und einer netten Idee einen auf den Punkt gegarten, garstigen Fünfminüter erstellt – doch der Rest der Filme reicht entweder nur für ein vergnügtes Schmunzeln beim einmaligen Sehen, – „Drudge“, „RIP“ und „Mamon“ sind alle keine Meisterwerke, aber machen noch Spaß – oder aber es handelt sich um einen der beiden echten Rohrkrepierer, auch wenn diese zusammen keine Viertelstunde ausmachen.
 
 
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ASYLUM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Etwas über 100 Minuten für neun Episoden und eine Rahmenhandlung sind weise gewählt. Durch die Reihenfolge der Stories ist das Pacing trotzdem teils etwas zu behäbig, zum Ende hin dann merkwürdig rasant. Ein echter Hit, gruseliger Horror, durchgängig überzeugender Film oder auch nur mit ein mit einem Geniestreich versehender Streifen ist „Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten“ also schlußendlich nicht geworden. Doch genug Originalität, Kurzweil, Abwechslung und Blut für aufgeschlossene Genrefans und Fans internationaler Anthologien ist trotzdem zu finden. Rein mathematisch wären es in etwa 6,7, runden wir also doch auf knappe 7/10 auf.
 
 


 
 
 

ASYLUM – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Asylum – Irre-Phantastische Horror-Geschichten“ ist ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Flatschen. Horrorfans und Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray Mediabook Cover A)

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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray Mediabook Cover B)

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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray Mediabook Cover C)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Asylum: Twisted Horror and Fantasy Tales; Argentinien | Neuseeland 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1., Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Poster, Booklet + Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook 27.11.2020

 

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Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ASYLUM – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
A Night of Horror: Nightmare Radio (2019)
 
México Bárbaro 2 – In Blut geschrieben (2017)
 
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Southbound (2015)
 
The Theatre Bizarre (2011)
 

Filmkritik: „Stories Of The Dead – Die Farm“ (2019)

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STORIES OF THE DEAD – DIE FARM

(STORIES OF THE DEAD)

Story

 
 
 
In der Horror-Anthologie „Stories of the Dead“ kann eine Frau den Todesgrund von Toten sehen und erzählt werden fünf Geschichten, die mit dem Tod zu tun haben. Nebenbei gerät die Frau aber auch in die Fänge eines Serienkillers.

 
 
 


 
 
 

STORIES OF THE DEAD – Kritik

 
 
 
Horrorfilm-Anthologien sind auch weiterhin sehr gefragt. Den Reiz an diesen Streifen macht oftmals aus, dass verschiedene Regisseure sich zusammentun und so ein abwechslungsreiches Werk erschaffen. Aber natürlich kann auch ein einzelner Regisseur alle Kurzfilme innerhalb einer Anthologie drehen, was das Ganze dann homogener machen sollte. Thomas Pill hat mit „Stories of the Dead – Die Farm“ fünf kleine Geschichten verfilmt und diese noch in eine Rahmenhandlung eingebettet. Allerdings ist nicht alles davon neues Material. „Eifersucht“ stammt bereits von 2013 und „Leben“ von 2016. Also hat es sich Herr Pill doch relativ leicht gemacht einen neuen Film zu kreieren, denn die Hälfte der Laufzeit besteht aus bereits vorhandenem Material.
 
 
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Gleich am Anfang gibt es dann eine schöne Luftaufnahme vom Wald zu sehen, doch dieser angenehme Eindruck wird gleich zerstört, wenn eine leicht bekleidete Dame im Zelt ihren Mund aufmacht. Ist aber eigentlich sowieso egal, denn die ersten paar Szenen haben mit dem Rest nichts zu tun. In der ersten Viertelstunde reiht „Stories of the Dead – Die Farm“ einige Szenen aneinander, die scheinbar in keinerlei Verbindung miteinander stehen und hier wirkt der Film unnötig strukturlos. Erst danach entwickelt sich ein roter Faden. Da geht es um eine junge Frau namens Lucia, die eine übernatürliche Gabe besitzt und das Schicksal der Toten sehen kann. Deshalb hält sie sich auch am liebsten auf dem Friedhof auf. Dabei kommt sie allerdings einem Serienkiller zu nahe. Dies soll also die Rahmenhandlung sein, die dann hinterher noch eine etwas ausgedehntere Rolle annehmen soll. Hans Jörg Berchtold ist hier als Psychopath gar nicht so schlecht, wobei man sich die Anspielung auf den Joker hinterher hätte sparen können. Als eigenständiger Beitrag wäre die Rahmenhandlung etwas mager, aber durch die Zerteilung kann man damit schon leben.
 
 
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So richtig los geht die Kurzfilmsammlung dann mit „Eifersucht“. Hier geht es um Claudia, die krankhaft eifersüchtig ist. Als ihr Lebensgefährte eines abends mit einem Kumpel etwas trinken gehen will, kommt es zum Streit und plötzlich auch zu Leichen. Überraschenderweise ist nach nicht mal ganz zehn Minuten Laufzeit schon Schluss und das abrupte Ende verwirrt da doch eher, denn es gibt keine Pointe und kein richtiges Ende. Somit ist diese Geschichte auch absolut unbefriedigend, weil im Endeffekt eigentlich gar nichts erzählt wird. Abgesehen von zwei blutigen Effekten und einer soliden Eva Habermann hat „Eifersucht“ also nichts zu bieten.
 
 
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„Fremdkörper“ starte fast direkt danach und erfüllt die Erwartungen ebenfalls nicht. Da geht es einfach nur um einen Mann, der einen schlimmen Albtraum hatte. Doch nach dem Aufwachen ist dieser noch nicht vorbei. So schnell der Beitrag beginnt, so schnell ist er auch schon wieder zu Ende – Gerade mal ein paar Minuten läuft das Ganze. Zwar wurde der Horror ganz solide inszeniert, doch erneut gibt es quasi keine Pointe und keine Substanz. Trotzdem ist dieser Beitrag etwas besser gelungen und wäre eigentlich gar nicht so übel, wenn er nicht so belanglos wäre.
 
 
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„Der Rabe“ macht als dritter Kurzfilm weiter. Hier hat man sich an Edgar Allen Poe bedient und erzählt eine seiner berühmtesten Geschichten sehr frei nach. Zwar sind die Darsteller nicht schlecht, mit Ralf Richter ist auch ein prominenter Name mit dabei, aber besonders das alte Ambiente, in dem sich alles abspielen soll, kauft man dieser Episode überhaupt nicht ab. So entsteht leider kaum Atmosphäre und abermals ist nach nur wenigen Minuten Schluss.
 
 
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Durchbrochen wird das belanglose Schema dann endlich mit „Leben“, der vierten Episode, die mit guten 45 Minuten Laufzeit am deutlich längsten geraten ist. Es geht in dieser Geschichte um Erik, einem lustlosen Mann, der am Leben keinerlei Freude mehr empfindet. Durch eine alte Bekanntschaft wird er auf eine ominöse Firma aufmerksam, die mit einem fingierten Tod scheinbar all seine Probleme lösen kann. Dieser Beitrag glänzt zwar nicht gerade mit besonders authentischen Kulissen, wird dafür aber bemerkenswert solide erzählt. Endlich nimmt man sich mal Zeit und das Erzähltempo ist enorm langsam. Manche Dialoge wurden etwas zu sehr in die Länge gezogen, aber immerhin gibt es eine ganz passable Pointe, die zwar vorhersehbar ist, aber dennoch um Längen mehr Substanz besitzt, als die Vorgänger und außerdem spielt Peter Bosch das ziemlich überzeugend. Die Inszenierung ist angenehm ruhig und besonders auffallend ist hier, dass die Dialoge weder hölzern vorgetragen sind, noch irgendwie dumm klingen. Die erste wirklich sehenswerte Episode.
 
 
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Aber Moment mal. Fehlt da nicht noch ein Beitrag? In der Inhaltsangabe ist immerhin die Rede von fünf Kurzgeschichten. „Live or let die“ gab es tatsächlich bereits am Anfang im Szenen-Wirr-Warr zu sehen. Diese Episode, die von einer postapokalyptischen Zukunft und Zombies handeln sollte, lief gerade mal ein paar Minuten und eine Handlung hat man dort gar nicht mitbekommen. Also das ist wirklich geschenkt und verdient eigentlich gar keiner Erwähnung. Als einzelne Episode ist das kaum wahrzunehmen.
 
 


 
 
 

STORIES OF THE DEAD – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Thomas Pill hat es sich nicht gerade schwer gemacht mit „Stories of the Dead – Die Farm“. Es gibt vier sehr kurze Episoden zu sehen, die weder mit Pointen, noch mit großer Substanz dienen können und deshalb als völlig belanglos eingestuft werden müssen. Gerade die stärkste und mit Abstand beste Geschichte „Leben“ ist dann auch gar nicht neu gewesen und die Rahmenhandlung ist zwar annehmbar, bietet jedoch auch absolut nichts Besonderes. Positiv beurteilen kann man allerdings die handwerkliche Arbeit, denn Pill macht seine Sache als Regisseur durchaus nicht schlecht. Die Kulissen sehen zwar ab und zu ziemlich billig aus, doch besonders viel Geld wird hier auch nicht hinter gesteckt haben und die Inszenierung kann dennoch punkten. Das besitzt kaum eine eigene Handschrift, ist aber eben völlig solide gestaltet und grenzt sich von Amateur-Produktionen ab. Auch die meistens recht überzeugenden Darsteller wissen zu gefallen und selbst wenn manch ein Dialog etwas hölzern klingt, bekommt man hier eine Qualität geboten, die nicht selbstverständlich ist. Leider bringt das alles nicht so viel, denn wenn lediglich eine Episode überzeugend ist, diese dann aber ebenfalls nicht ohne Längen auskommt, dann ist das einfach zu wenig. Zudem gibt es nahezu keinen Splatter und nur selten Effekte zu sehen. Somit ist „Stories of the Dead – Die Farm“ zwar überraschend hochwertig gemacht und trotzdem langweilt er im Endeffekt am ehesten!
 
 
 


 
 
 

STORIES OF THE DEAD – Zensur

 
 
 
„Stories of the Dead – Die Farm“ wurde von der FSK ungeschnitten erst für Erwachsene freigegeben. Die erhältliche Blu-ray und DVD besitzt einen roten FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

STORIES OF THE DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Great Movies (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stories of the Dead; Deutschland 2019

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 106 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Keine

Release-Termin: 22.08.2019

 

Stories of the Dead [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

STORIES OF THE DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Great Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The ABCs of Death (2012)
 
Holidays (2016)
 
Tales of Halloween (2015)
 
V/H/S Viral (2014)
 
Southbound (2015)
 

Filmkritik: „German Angst“ (2015)

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GERMAN ANGST

Story

 
 
 
Vor einem Jahrhundert, als die damals neue Kunstform Film langsam aber sicher Form annahm, gehörten deutsche Filmemacher zu den weltweiten Pionieren der bewegten Bilder. Die unbehaglich dystopischen Bilder eines „Metropolis“, Dr. Mabuse als erster großer Leinwandschurke, Murnaus „Nosferatu“ als Urvater der Filmvampire. Um die alten Vorbilder und das ehemalige Image von Deutschland als Genre-Spezialist zu ehren, wurde mit „German Angst“ ein Horror-Dreigestirn produziert, das an die verblichene Größe erinnern soll. Mit der reißerischen Tagline „Three german tales of love, sex and death in Berlin“ präsentieren Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall ihre drei Kapitel und widmen sich verschiedenen brutalen Visionen, vom alltäglichen Wahnsinn hinter den Türen Berliner Wohnungen bis hin zur Verlockung des sexuellen Deliriums.
 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Kritik

 
 
 
Für Jörg Buttgereit sind es nicht die Dämonen aus alten Volksmärchen oder Krisen der Weltpolitik, in denen er sein Grauen versteckt. Der Kult-Regisseur von kontroversen Klassikern wie „Nekromantik“ oder „Schramm“ zeigt uns einen viel moderneren Blick auf Ängste, Traumata und Gewalt. Das namenlose Mädchen, dessen Tagesroutine uns gezeigt wird, wirkt auf den ersten Blick wie eine typische, etwas zurückgezogene junge Frau. Nach und nach entblättert Buttgereit die Illusion des Friedens und legt frei, was unter der Oberfläche krabbelt. In dem besten Kapitel des Trios spielt Jörg Buttgereit geschickt mit dem Kontrast seiner harmlos wirkenden Protagonistin und den nötigen Gewaltspitzen und zeigt auf, was sich hinter einer bürgerlichen Fassade alles verstecken kann. Michal Kosakowski widmet sich dem Thema, das in einer Reihe deutscher Horror-Visionen so sicher ist, wie das Amen in der Kirche. Der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und den Konsequenzen des Zweiten Weltkrieges. Hier in der zugegeben originellen Form eines halbfantastischen und blutigen Rachemärchens. Ein gehörloses Pärchen befindet sich auf einer augenscheinlichen Entdeckungsreise durch eine Berliner Ruine, als sie auf eine Gruppe von Neonazis treffen. Weniger vorhersehbar als der folgende Gewaltausbruch ist ein besonderer Trick, den die Angegriffenen aus dem Ärmel holen. Kosakowski versteckt seine Gedankenansätze über Täter, Opfer, Vergangenheit und Gegenwart unter einer großen Menge unnötig brutaler Nazi-Exploitation und der grenzenlosen, fast fahrlässigen Überzeichnung der Neonazi-Gruppe.
 
 
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Das zweite Kapitel des blutigen Sammelbandes verschenkt durch einen Mangel an Subtilität leider Punkte, rettet sich aber durch seine interessante wie schräge Prämisse. Das Schlusslicht bildet Andreas Marschalls Geschichte über den Fotografen Eden, der an eine Mitgliedschaft in einem ebenso geheimen wie heiklen Sexclubs gerät. Der neu entdeckte Rausch stößt an seine Grenzen, als Eden die unerwarteten Nebenwirkungen des lokalen Aphrodisiakums entdeckt. Marschall erzählt uns eine längst verjährte Geschichte über sexuelle Tabus und die Konsequenzen der ungezügelten Lust. Leider tut er dies ohne einen nennenswerten Bezug zum deutschen Themenrahmen von „German Angst“, was seinen Beitrag mitunter unpässlich wirken lässt. Weiter entfremdend ist außerdem die Tatsache, dass ein Großteil des Dialoges sich in der englischen Sprache abspielt. Ein Trend, der bereits im zweiten Kapitel von „German Angst“ unangenehm auffiel und zum Schluss zunehmend nervt. Es ist löblich, dass Michal Kosakowski und Andreas Marschall augenscheinlich die internationale Vermarktung im Auge behalten haben. Trotzdem wirkt es arg befremdlich, einen typisch deutschen Horrorfilm vorgesetzt zu bekommen und ohne guten Grund fast ausschließlich englischen Ton zu vernehmen.
 
 
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GERMAN ANGST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Wie so viele andere Wundertüten des Horror-Genres („VHS“, „ABCs of Death“) ist auch „German Angst“ ein gemischter Teller. Die drei Regisseure liefern ein Trio aus grundverschiedenen Episoden, die sich in Stil, visuellem Niveau und leider auch Qualität stark unterscheiden. Obwohl einzelne Elemente an der Relevanz des „German Angst“-Themas vorbeischrammen, fügt sich die Gesamtheit der Episoden zu einem kurzweiligen, unterhaltsamen Horror-Triptychon zusammen, das zwar meilenweit hinter den deutschen Genreklassikern hinterherhinkt, aber den zeitgenössischen Produktionen durchaus das Wasser reichen kann.
 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Zensur

 
 
 
Im zweiten Anlauf hat die FSK „German Angst“ eine KJ gewährt, die den Film ungeschnitten auf deutschen Regalen erscheinen lässt. Die Freigabe ab 18 ist der Härte des Films angemessen.
 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Pierrot le Fou (ungeschnittene Fassung im KeepCase)

 
 
 
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(c) Pierrot le Fou (ungeschnittene Fassung im limitierten Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: German Angst; Deutschland 2015

Genre: Action, Fantasy, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: 118 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, Mediabook (limitiert auf 4000 Stück)

Extras: Behind the Scenes – Zusätzlich fürs Mediabook wurde ein Booklet mit 24-seitigem Buchteil (Text: Marcus Stiglegger und Deadline) erstellt. Zudem enthält die Sammlerauflage ein Filmposter, einen Audiokommentar mit den drei Regisseuren, diverse Trailer und ein Making of

Release-Termin: 15.05.2015

 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Mediabook

 
 
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Seit geraumer Zeit hat es sich das Label PIERROT LE FOU zur Aufgabe gemacht, Fans der etwas härteren Filmart mit herausragenden Horrorstreifen zu beglücken. Das Label hat ein goldenes Händchen für Geheimtipps. So sicherte man sich die Rechte an internationalen Horrorstreifen (u.a. HERE COMES THE DEVIL), um sie auch in Deutschland einem interessierten Publikum zugänglich machen zu können. Bei PIERROT LE FOU entscheiden die Käufer mit – zumindest wenn es um die Gestaltung der Heimkinomedien geht. So dürfen die nämlich bei der Coverauswahl für die hauseigene Mediabook-Reihe mitentscheiden, um die Sammlerobjekte nach ihren Wünschen vom Label gestalten zu lassen.
 
GERMAN ANGST ziert die Nummer 5 der begehrten „Uncut“-Mediabooks und setzt jene Serie fort, die bereits mit den Filmen DADDY’S LITTLE GIRL, RAZE, SILENT NIGHT und LET US PREY begonnen wurde. Die Aufmachung bleibt wie gehabt. Erneut liegt der Sammlerauflage eine DVD und Blu-ray bei, auf denen der Streifen selbstverständlich in ungeschnittener Fassung enthalten ist. Um sich nach dem Filmgenuss informieren zu können, wurde ein umfangreiches Extrapaket geschnürt, das in vollem Umfang nur in der Sonderverpackung zu finden ist. Dazu gehören Audiokommentare der drei Regisseure, ein Making of, kurzes Hinter-den-Kulissen-Material und diverse Trailer. Zudem enthält das Mediabook einen informativen Buchteil geschrieben von Marcus Stiglegger und der Zeitschrift Deadline. Mit einem ansprechenden Filmposter wird die schöne Veröffentlichung abgerundet, die übrigens zu einem deutlich günstigeren Kurs angeboten wird, als die obligatorischen 30 Euro, die im deutschsprachigen Ausland für Buchverpackungen aus dem Hause XT oder NSM bezahlt werden müssen. Bleibt zu erwähnen, dass das GERMAN ANGST-Mediabook auf 4000 Stück limitiert ist und sich hervorragend in die bisherige Sammelserie einreiht. Wir raten: zugreifen, so lange das noch möglich ist!
 
Übrigens: Mediabook Nummer 6 aus der Sammelreihe ist der sehenswerte Überlebens-Horror PRESERVATION.

 
 

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GERMAN ANGST – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The ABC’s of Death (2012)
 
V/H/S 2 (2013)
 
V/H/S: Viral (2014)
 

Filmkritik: „All Hallows‘ Eve“ (2013)

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ALL HALLOWS‘ EVE

Story

 
 
 
Horror- Anthologien sind wieder schwer in Mode. Seien es die sehr erfolgreichen „VHS“-Filme, die die Struktur der Horror-Kurzgeschichtenfilmchen kurzerhand mit dem Found Footage-Genre kreuzte, das „Theatre Bizarre“ oder die „ABCs of Death“. Und auch „All Hallows Eve“ möchte auf dieser Erfolgswelle mitschwimmen. Und das gelingt zumindest teilweise ganz gut. Wie es bei solchen Anthologien üblich ist, werden auch hier die drei Kurzgeschichten in eine Rahmenhandlung verpackt. Diese folgt der Babysitterin Sarah, die an Halloween auf zwei Kids aufpassen soll. Als diese vom Süßigkeiten sammeln nach Hause kommen finden sie in ihren Beuteln eine unbeschriftete VHS-Kassette. Neugierig was darauf zu sehen ist, schieben sie diese in ihren Videorekorder. Als das Treiben auf der Mattscheibe zu blutig und brutal wird schaltet Sarah das Videoband ab und schickt die beiden nörgelnden Kids ins Bett. Doch die gesehenen Bilder haben ihre Wirkung hinterlassen und so sieht sich Sarah das Videoband weiter an, nicht ahnend, dass sie dabei die Aufmerksamkeit einer ganz bestimmten Filmfigur, die auf dem Videoband zu sehen ist, auf sich zieht.
 
 
 


 
 
 

ALL HALLOWS‘ EVE – Kritik

 
 
 
Gleich zu Beginn fallen der wirklich gut gelungene Soundtrack und die ein oder andere Anspielung an diverse Horrorklassiker auf. Die Rahmenhandlung samt Babysitting an Halloween erinnert dabei natürlich sofort an Carpenters gleichnamigen Klassiker. Aber auch die Hausnummer 237 dürfte eingefleischte Horrorfans an „Shining“ erinnern. Die unpassende deutsche Synchronisation dürfte jedoch schnell für Ernüchterung sorgen, weshalb dazu geraten wird den Film unbedingt im O-Ton zu konsumieren.
 
 
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Die erste der drei präsentierten Geschichten spielt vorzugsweise in dunklen Kellergewölben und bebildert ein satanisches Ritual, dass mit tollen Monstermasken und dem ein oder anderen herben Splattereffekt punkten kann. Eine logische , stringente oder nachvollziehbare Handlung sollte man in dieser Episode aber besser nicht erwarten. Stattdessen wirkt der herrlich düstere Bilderreigen eher wie ein fragmentarischer Alptraum. Die zweite Episode erinnert in ihrem Storyansatz der „Alien Abduction Slumber Party“ aus dem Fortsetzungsfilm „S-VHS“, wobei hier allerdings nie und nimmer eine ähnliche Qualität erreicht wird. Diese Episode ist definitiv der Schwachpunkt dieses Films. Denn auch wenn der Score weiterhin unheilvoll wabert, sich sogar ein schönes „The Fog“ Zitat eingeschlichen hat (die Macher stehen wohl auf Carpenter) wird spätestens mit dem Auftauchen des „Aliens“ sämtliche Atmosphäre zerstört. Selten hat man ein dermaßen billiges Alien Kostüm bewundern können. Und anstatt aus der Not eine Tugend zu machen und die Alien Figur schön zurückhaltend in Szene zu setzten, halten die Macher die Kamera vollkommen unvorteilhaft auf diesen schlecht verkleideten Schauspieler, so dass diese Episode leider in unfreiwilliger Komik untergeht.
 
 
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Die dritte Episode reißt es dann aber raus und bietet ein schön-fieses Szenario, in dem eine Frau von einem monströsen Killerclown verfolgt wird. Diese Episode nimmt in kürzester Zeit Fahrt auf und lässt bis zum bitteren, wirklich bösen Schluss auch nicht mehr locker. Der Härtegrad dieser Episode ist beachtlich und die allgemeine Optik wurde sehr gekonnt auf „alt“ getrimmt. Auch hier ist der Soundtrack wieder sehr gelungen und trägt zur Terror-Atmosphäre dieser Episode bei, die ganz klar das Highlight des Films darstellt. Aber auch die Rahmenhandlung wird auf eine Art und Weise zu Ende erzählt, die man gut und gerne als gelungen betrachten kann, denn zum Schluss verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und der monströse Killerclown scheint nicht nur auf dem Video zu existieren. Das alles mündet in einem wirklich hundsgemeinen Schlussbild, das es in der Konsequenz schon lange nicht mehr gegeben hat.
 
 
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ALL HALLOWS‘ EVE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Insgesamt kann sich „All Hallows Eve“ durchaus sehen lassen. Die Rahmenhandlung ist gelungen und zwei der drei Episoden können voll und ganz überzeugen. Vor allem die dritte Episode und ihr Einfluss auf die Rahmenhandlung stellen ganz klar die Highlights in diesem Episodenhorrorfilm da. Lediglich die zweite Episode darf getrost ignoriert werden, fällt sie doch qualitativ überdeutlich ab.
 
 
 


 
 
 

ALL HALLOWS‘ EVE – Zensur

 
 
 
„All Hallows Eve“ ist in Deutschland vollkommen ungekürzt auf DVD und Blu-ray erschienen. Die Filmfassung wurde von der FSK mit einer 16er-Freigabe abgesegnet. Dennoch wurde die Heimkinovariante mit rotem KJ-Sticker in den Handel gebracht. Der Grund ist mal wieder beim Bonusmaterial zu suchen.
 
 
 


 
 
 

ALL HALLOWS‘ EVE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: All Hallows Eve; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: Film: FSK 16 / Blu-ray aufgrund des Bonusmaterials: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Keine

Release-Termin: 26.09.2014

 

All Hallows‘ Eve – Komm raus und spiel! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ALL HALLOWS‘ EVE – Trailer

 
 


 
 

Sebastian Lach

(Die Rechte aller verwendeten Grafiken in dieser Review liegen bei MARITIM PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
V/H/S: Viral (2014)
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Still 2 (2014)
 
Tom Holland’s Twisted Tales (2013)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
The Penny Dreadful Picture Show (2013)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
Phobia 2 (2009)
 
Sanitarium (2013)
 
Scary or Die (2012)

Filmkritik: „Phobia 2“ (2009)

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PHOBIA 2

Story

 
 
 
Fünf teuflisch-makabre Kurzgeschichten, die von hungrigen Geistern, komatösen Hirntoten, scheintoten Schauspielerinnen, skrupellosen Autoverkäuferinnen und unvorsichtigen Rucksacktouristen erzählen …
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Kritik

 
 
 
Verbucht ein Horrorfilm im Kino Erfolge, lass ihm schnell eine Fortsetzung folgen. Auch in Thailand kennt man die Formel des schnellen Geldes. Anders als hier in Deutschland scheint es dort finanziell lukrativ zu sein landeseigene Gruselware in die Lichtspielhäuser zu bringen, die sogar noch Zuschauer findet. Nach dem überraschenden Geldsegen der thailändischen Horror-Anthologie 4BIA (2008) war die logische Konsequenz daraus, so schnell wie möglich einen weiteren Ableger zu drehen, damit der Erfolg zeitnah wiederholt werden konnte. Die Rechnung ging auf: Die Fortsetzung PHOBIA 2 wurde im Inland ein Hit, spülte in der ersten Woche rund 65 Millionen Baht in die Kinokassen und entwickelte sich zum bis dato kommerziell erfolgreichsten Horrorstreifen in Thailand. Ein Grund hierfür dürfte vermutlich die äußerst konventionelle Inszenierung gewesen sein. Die Macher der Kurzgeschichtensammlung (die übrigens auch an SHUTTER und THE ABC’S OF DEATH beteiligt gewesen waren) klammern sich nicht krampfhaft an befremdliche Erzählmethodik aus Fernost, sondern schielen gen Westen, um PHOBIA 2 auch dort möglichst gewinnbringend vermarkten zu können.
 
 
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Das Resultat ist konventioneller als anfänglich erwartet und erinnert mit all den makabren Pointen an die Erwachsenen-Version der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe, die Ende der 80er im Fernsehen zum Kult wurde. Wie bereits im Vorgänger 4BIA reduziert sich auch der Nachfolger auf das clever konstruierte Schock- und Filmtwist-Prinzip, wobei auch in PHOBIA 2 großen Wert auf möglichst makabre Enden gelegt wurde. Die jeweiligen Episoden sind abwechslungsreich, glänzen mit atmosphärischer Dichte und gefallen durch visuelles Raffinesse. Im Gegensatz zum ein Jahr zuvor veröffentlichten 4BIA besitzt keine der Geschichten inszenatorische Hänger. Stattdessen legen die Regisseure ein beachtliches Tempo an den Tag und räumen dem Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen ein. Im Mittelpunkt stehen fünf lose Geistergeschichten, die mit keiner Rahmenhandlung verknüpft wurden und für die fünf unterschiedlichen Thai-Regisseure verantwortlich waren. Die Kurzgeschichten erzählen von Vergeltung und begangenen Sünden, was für die Helden der knapp zwanzigminütigen Segmente meist kein gutes Ende zur Folge hat, schließlich müssen die für ihr meist skrupelloses Vorgehen bestraft werden.
 
 
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Während in der ersten Episode mit dem Titel NOVICE ein kleinkrimineller Jugendlicher von seiner Mutter in einem buddhistischen Kloster versteckt wird und schon bald den Zorn hungriger Geistern zu spüren bekommt, weil er sich den Regeln der Klostergemeinschaft widersetzt, führt uns WARD in ein Krankenhaus in dem sich seltsame Dinge ereignen. Dort hofft der junge Arthit auf Genesung, der sich wegen seiner verletzten Beine mit einem komatösen Patienten ein Zimmer teilen muss. Doch der schlummernde Zimmergenosse ist nicht so hirntot wie eigentlich vermutet, was den Krankenhausaufenthalt für Arthit zum quälenden Albtraum werden lässt. Für die dritte Kurzgeschichte wurden Elemente aus Zombie- und Geisterfilmen vermischt. Entstanden ist die vermutlich beste Episode der gesamten Anthologie. BACKPACKERS beginnt wie ein einfältiges WOLF CREEK-Duplikat, streut aber immer wieder falsche Fährten, um den Zuschauer zu verwirren. Am Ende gibt’s das erste Mal Gekröse zu sehen, damit auch der Gorehound unter den Zuschauern zufriedengestellt wird. Regisseur SONGYOS SUGMAKANAN berichtet hier von zwei japanischen Rucksacktouristen, die von zwei hilfsbereiten Truckern nach Bangkok mitgenommen werden. Hätten die jedoch geahnt, welch tödliches Frachtgut auf der Ladefläche schlummert, wären die beiden Tramper wohl lieber nach Bangkok gelaufen.
 
 
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Weiter geht’s mit dem zynischen SALVAGE, in dem eine Autoverkäuferin Kunden über den Tisch zieht. Sie richtet Unfallautos her und verkauft sie an gut zahlende und nichtsahnende Kunden. Als ihr Sohn Toey beim Spielen auf dem Autohof verschwindet, schlagen die verunglückten Seelen der ehemaligen Autobesitzer Alarm. Eine schreckliche Nacht gespickt mit punktgenauen Schockeffekten folgt und läutet die letzte Episode mit dem Titel IN THE END ein, für die sich noch mal einige Schauspieler aus dem Erstling vor der Kamera versammelten, um PHOBIA 2 mit selbstironischem Gruselquatsch abschließen zu können. In dieser Kurzgeschichte erkrankt eine Schauspielerin am Set eines Horrorfilms. Als sie unter mysteriösen Umständen aus dem Krankenhaus verschwindet und noch kränklicher am Filmset erscheint, sind die Kollegen fest davon überzeugt, dass die Gute nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ähnlich wie in SCREAM – SCHREI! (1996) werden hier die Klischees moderner Horrorware wunderbar selbstironisch durch den Kakao gezogen. Dabei achtet Macher BANJONG PISANTHANAKUN penibel darauf, dass seine Geschichte nicht zu arg ins Alberne abgleitet und stets den Anspruch unterhaltsamen Gruselfutters beibehält. Neben einigen humoristischen Anspielungen, in denen selbst nicht davor gescheut wird den Vorgänger 4BIA auf die Schippe zu nehmen, übertrumpft sich die Episode mit einem göttliche erheiterndem Twist-im-Twist.
 
 
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PHOBIA 2 darf zweifelsohne als eine der gelungensten Horror-Anthologien gewertet werden und gehört neben THE ABC’S OF DEATH, CREEPSHOW, NECRONOMICON und V/H/S 2 zum Besten was das Sub-Genre bisher hervorgebracht hat. Das sah auch das neue deutsche Label FROZEN DICE MEDIA so und veröffentlicht den Grusler leicht verspätet als Teil der labeleigenen Filmreihe EPIC ASIA nun auch in Deutschland. Wer nur die Perlen unter den Horrorstreifen sucht darf getrost zugreifen, denn PHOBIA 2 richtet sich vor allem an ein Mainstream verwöhntes Publikum.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Ein pikant gewürzter Horror-Mix, der Lust auf mehr macht. Für PHOBIA 2 sollte man schockresistent sein. Die thailändische Kurzgeschichtensammlung geizt nämlich nicht mit handfesten Schreckmomenten, die ein gesundes Herz voraussetzen. Nachdem der Erstling mit dem Titel 4BIA bereits 2008 ordentlich Kasse machte, folgte mit der Fortsetzung PHOBIA 2 der bis dato erfolgreichste Horrorfilm Thailands. Für Horror-Anthologie-Fans sind beiden Teile ein Must-See, schließlich waren die Macher um eine konventionelle Inszenierung bemüht, damit auch westliche Zuschauer mit der Horrorsammlung etwas anfangen konnten. Umso verwunderlicher, dass sich bis heute kein deutscher Verleih finden konnte, der die beiden Horrorfilme hierzulande auswerten wollte. Das junge Label FROZEN DICE MEDIA schafft Abhilfe und bringt zumindest den besseren zweiten Teil in die Wohnzimmer. Wir meinen: PHOBIA 2 gehört in jede gut sortierte Horrorsammlung – darum kauft Leute, kauft!
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Zensur

 
 
 
Ein paar wenige grausame Momente hat PHOBIA 2 zu bieten. Es werden einem Jungen Steine ins Gesicht geworfen, die obligatorischen Zombie-Beissattacken gibt es zu sehen und ein zermatschtes Kind unter der Motorhaube vervollständigen das kleine Splatter-Paket. Nicht viel, daher hat der Streifen von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten und das sogar in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Fozen Dice Media (KeepCase Blu-ray erscheint am 01.11.2015 im Handel)

 
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(c) Illusions Unltd.Films / Fozen Dice Media (Mediabook erscheint am 27.08.2015)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ha prang; Thailand 2009

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Thailändisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p Full HD)

Laufzeit: ca. 126 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making Of aus dem Synchronstudio mit Rewinside, Rotpilz und Scene Take TV, Trailer, Slideshow

Release-Termin: KeepCase: 01.11.2015 | Mediabook: 27.08.2015

 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Mediabook

 
 
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Mit der Veröffentlichung zu PHOBIA 2 wagt der Anbieter FROZEN DICE MEDIA den Sprung ins Mediabook-Geschäft und bringt die sehenswerte Kurzgeschichtensammlung nun auch als limitierte Sonderveröffentlichung auf den Markt, damit Sammler ihr Regal um ein weitere Schmankerl bereichern können. Als Vertrieb fungiert ILLUSIONS UNLTD. FILMS, der Horrorfans von Begriff sein dürfte, da die Jungs bereits dutzende Horrorklassiker im deutschsprachigen Ausland als DVD und Blu-ray veröffentlicht haben. Für den Mediabook-Start eines noch unbekannten Labels ist die Veröffentlichung von PHOBIA 2 ganz anständig geworden. So gefällt neben der optischen Präsentation und der guten Bildqualität besonders die deutsche Synchronisation für die namhafte Größen der deutschen Youtube-Szene gewonnen werden konnte. Das Resultat kann sich hören lassen, denn während viele deutsche Indie-Labels vermehrt auf günstige Pornosynchronisationen Wert legen, hat man bei FROZEN DICE MEDIA Qualität walten lassen. Das deutsche Release von PHOBIA 2 ist eine Veröffentlichung von Fans für Fans. Per Crowdfunding wurde Geld gesammelt, damit der Streifen in Deutschland veröffentlicht werden konnte. Wie das Projekt zustande kam, kann im Mediabook nachgelesen werden. Darin erfährt der Sammler zudem, wer hinter dem Label steckt und wer an der Veröffentlichung beteiligt gewesen ist. Hierbei kommen auch jene zu Wort, die für die hochwertige Synchronisation verantwortlich zeichnen. Das ist zwar teils viel Eigenwerbung, aber dennoch sehr informativ. Gleiches gilt übrigens für das einzige richtige Extra auf der DVD/Blu-ray. Neben dem Filmtrailer und einer Slideshow hat man exklusiven Bonus produziert, den man nur auf der deutschen Scheibe findet. Hier folgt der Zuschauer den Arbeiten an der Übersetzung und erhält Einblicke in die Synchronisationsarbeiten. Das ist löblich, denn andere Label hätten es vermutlich bei Trailer und Bildergalerie belassen. Ganz nebenbei ist das 30-minütige Synchro-Making-of äußerst kurzweilig, da die Beteiligten offenbar viel Spaß bei den Arbeiten im Studio hatten. Letztendlich bleibt zu sagen, dass die Veröffentlichung zu PHOBIA 2 gut geworden ist. Einige filmbezogene Extras hätte das Release runder gemacht – vermutlich konnte man die wohl nicht lizenzieren. Trotzdem: betrachte man, was man für gleiches Geld von anderen Labels geboten bekommt, ist das schon als lobenswert zu betiteln, was FROZEN DICE MEDIA dem Filmfan mit viel Herzblut bietet.

 
 

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PHOBIA 2 – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
P.O.E. Project of Evil (2012)

The Penny Dreadful Picture Show (2013)

5 Senses of Fear (2013)

Sanitarium (2013)

Scary or Die (2012)

Review: „The Penny Dreadful Picture Show“ (2013)

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW 2013
 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW

Story

 
 
 
Penny Dreadful (Eliza Swenson) sucht die große Liebe. Sie lädt sich einige Auserwählte in ihr Heim und zeigt ihnen gruselige Filme, in der Hoffnung deren Herz für sich gewinnen zu können …
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Kritik

 
 
 
Wirft man den Namen ELVIRA in die Horror-Runde, dürfte vor allem das ältere Semester einiges zu erzählen haben. Schauspielerin CASSANDRA PETERSON hat nämlich Anfang der 80er eine beliebte Figur im amerikanischen TV verkörpert, die unter dem Namen ELVIRA zur Kultikone des modernen Horrorfilms avancierte. In schwarze Kleidung gehüllt und mit praller Oberweite, dunklem Make-up und schwarzer Perücke ausgestattet, präsentierte sie in der TV-Show MOVIE MACABRE (1981 – 1993) schmuddelig gedrehte B-Movies fernab vom glattgebügelten Mainstream. Auf ähnlicher Schiene fährt auch folgende Kurzgeschichtensammlung, die unter dem Titel THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW um die Gunst der Anthologie-Freunde buhlt. Filmmacher NICK EVERHART, LEIGH SCOTT und ELIZA SWENSON haben mit Titelheldin PENNY DREADFUL ihre ganz eigene Version der schwarzhumorigen Filmansagerin ELVIRA geschaffen, die mit fast schon kindlicher Naivität günstig gedrehte Horror-Shorts anmoderiert und auch mal zum Mordinstrument greift, wenn einer ihrer Verehrer sie beim Schauen jener Streifen stört, die da gerade über die Kinoleinwand flimmern. Leider wurmt es in PENNYS erstem Leinwandauftritt gewaltig, denn die drei kleinen von ihr ausgewählten Episoden sind von eher bescheidener Natur. Das dürfte vermutlich auch der Grund gewesen sein, warum der Film erst jetzt zu einer Veröffentlichung gekommen ist. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW wurde nämlich bereits vor über einem Jahr fertiggestellt und wartete seither vergebens auf einen regulären Release. Im Zuge des US-Serienstarts der Horror-TV-Reihe PENNY DREADFUL (die natürlich nichts mit der vorliegenden Anthologie am Hut hat) war es nur taktisch klug den Release voranzutreiben, schließlich lässt sich bei fast identisch klingender Titelkreation so manch nicht bewanderter Horrorfan hinters Licht führen.
 
PENNY DREADFUL (halb Frankensteins Monster, halb Puppe) lebt in ihrer eigenen Welt. Zusammen mit ihren Freunden Ned und Wolfboy haust sie in einem heruntergekommenen Kino und schaut sie bevorzugt grausige Filme auf der großen Leinwand an. Auf der Suche nach der wahren Liebe erster Kuss lädt sich die kitsch-liebende Frankensteinbraut zwei nette Burschen ins Heim und führt ihnen ihre Lieblingsfilme vor:
 
 
SLASH IN THE BOX
 
Ein Pärchen macht in knappen drei Minuten recht unangenehme Erfahrungen mit einer scheinbar harmlosen Spieluhr. Wir sehen schlechte CGI-Effekte, etwas Blut und eine Geschichte, die im Grunde genommen gar keine ist. Welche Botschaft NICK EVERHART (Regie für eine der Segmente in CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR) mit seiner dreiminütigen Episode an den Zuschauer bringen wollte, wird vermutlich nur er selbst wissen.
 
 
MORNING AFTER
 
Hier handelt es sich um eine Hommage an die berüchtigten Vampirfilme der 60er und 70er Jahre, die sich dank der legendären Hammer Studios auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen. In dieser Geschichte verfällt eine junge Dame den Reizen eines lesbischen Vampirs und wird gebissen. Die Handlung des von ELIZA SWENSON (eigentlich Schauspielerin und jetzt Regieneuling) inszenierten Beitrags läuft nach Schema F ab und besitzt nicht einmal annähernd den „Biss“, den eigentlich jene Streifen besitzen sollten, die sich mit der Vampir-Problematik auseinandersetzen.
 
 
THE SLAUGHTER HOUSE
 
Wurde von LEIGH SCOTT (Macher von viel Trash-Mist) inszeniert und verbeugt sich vor einem der wichtigsten Horrorfilme der 70er: TEXAS CHAINSAW MASSACRE. In dieser Episode wird einfach mal der Spieß umgedreht und drogengeile Stadtkids terrorisieren eine zurückgebliebene Hinterwäldlerfamilie. Die Kurzgeschichte hat gute Ansätze, einen schaurig-dreckigen Look und leider unglaublich miserable Gewalteffekte, die aus dem Computer kommen. Zudem will man irgendwie nicht verstehen, was JEFFREY COMBS dazu geritten haben muss, sich knapp dreißig Minuten aufzuführen als habe er einen an der Klatsche.
 
 
THE SCOUT
 
Die Gechichte wurde von NICK EVERHART gedreht, hat es leider nicht in den fertigen Film geschafft. Dennoch schwirrt die Episode aber seit geraumer Zeit im Netz umher und wurde auch auf den bisherigen Heimkinoveröffentlichungen als Bonus beigefügt. Das vollständige Segment kann hier gesehen werden.
 
 
Episoden-Horror ist seit dem Erfolg von THE ABC’S OF DEATH (2013) und natürlich der V/H/S-Teile gern gedrehter Stoff, um die Aufmerksamkeit der Horrorfans gewinnen zu können. Leider gibt’s da immer wieder sehr durchwachsenes Zeug zu sehen, das eher langweilt als unterhält. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW zählt hierbei leider zu den weniger gelungenen Streifen innerhalb des Horror-Genres, denn in diesem Fall lenkt die nette Verpackung mal wieder vom eher trögen Inhalt ab. Die titelgebende PENNY präsentiert hier in eigensinnig schwarzhumoriger Weise drei unwichtige Horrorepisoden, die sich in ihrer Machart an der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie orientieren. Der Horrorfan darf sich auf durchaus makabre Pointen freuen, die aber aufgrund geistloser Höhepunkte irgendwie rein gar nicht zünden wollen. Hier haben die Macher an der falschen Stelle gespart, denn was nützt eine Horror-Anthologie, wenn es den knappen Geschichten an Kreativität, Raffinesse und Spannung mangelt. In THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW ist die Gastgeberin der heimliche Star des Films, denn die hätte Potenzial gehabt in Serie zu geben. Dort wäre das schrullige Filmmonster vermutlich auch besser aufgehoben gewesen, entpuppt sich doch PENNYS Horroreinstand als zwanghaft zusammengekleistertes Horrorwerk, dem es eindeutig an Herzblut fehlt. Die Idee der PENNY DREADFUL mag auf Papier gestanden haben, konnte aber vermutlich allein nicht einen kompletten Spielfilm tragen. Drum wurden hastig drei uninspirierte Kurzgeschichten dazugekritzelt, damit man das holprige Machwerk als abendfüllenden Horrorfilm in den Handel bringen konnte. Immerhin gibt’s trotz schlechtem „Füllstoff“ auch einige Lichtblicke zu verzeichnen. Bei der Ausstattung des Filmsets hat sich das Regie-Trio um ELIZA SWENSON (die übrigens die PENNY spielt) beim Regie-Maestro TIM BURTON bedient. Der ist ja bekannt dafür optisch opulente Meisterwerke zu kreieren, die sich durch einen unverkennbaren Look auszeichnen. Ein ähnlich eigensinniges Bühnenbild besitzt auch die Rahmenhandlung in der PENNY DREADFUL PICTURE SHOW, das mit dezentem Gothic-Look glänzt und an Streifen aus der BURTON-Kreativschmiede erinnert. Weiterhin erfreut ein Wiedersehen mit SID HEIGH (HAUS DER 1000 LEICHEN) und Horror-Ikone JEFFREY COMB (WOULD YOU RATHER). Letzterer spielt hier die Rolle seines Lebens: Einen behinderten und stark kurzsichtigen Rollstuhlfahrer, der während der gesamten letzten Episode damit beschäftigt ist auf Krampf unrechnungsfähig zu sein und eine Puppe zu schütteln. Trotz einiger Starauftritte ist THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW nicht der Kracher, den man bei derart Cameos vermutlich erwartet hätte. Es ist bedauerlich, dass man hier nicht mehr Liebe zum Detail betrieben und sich etwas mehr Zeit für das Schreiben der einzelnen Kurzgeschichten genommen hat. Die gehören zum einfallslosestem, was das Genre zuletzt hervorgebracht hat und hinterlassen im Falle von THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW einen mehr als enttäuschenden Nachgeschmack. Vielleicht wird ja bei einer möglichen Fortsetzung alles anders und es steht mehr Kapital zur Verfügung. Denn fehlende Kohle ist hier mal wieder der Grund für mangelnde Qualität.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Und es hätte alles so schön werden können: THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW hat wirklich gute Ansätze und einen charmanten Titelcharakter. Leider sind die Episoden in dieser Anthologie trotz Staraufgebot sehr durchwachsen. Sieht man einmal von der sehr gelungenen Rahmenhandlung ab, zeichnen sich die einzelnen Geschichten durch Ideenlosigkeit und unverschämt miserable Gore-Effekte aus, die unverständlicherweise mal wieder aus dem Computer kommen müssen. Immerhin macht das Zählen der Zitate Laune. In letzter Zeit scheint es im Horrorfilm nämlich zum guten Ton zu gehören, sich vor den ganz Großen des Genres zu verbeugen. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW macht da keine Ausnahme, auch wenn der Streifen qualitativ Welten von jenen Filmen entfernt ist, die er zaghaft und unbeholfen zitiert. Auch wenn die drei Macher der Sammlung ganz viel Potenzial verschenkt haben; hier kommen Fans der kultigen GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe auf ihre Kosten. Episoden-Moderatorin PENNY DREADFUL ist zwar nicht einmal annähernd so bissig wie der zynische Cryptkeeper aus der TV-Serie, macht aber optisch einiges her und hat manch flotten Spruch auf den Lippen. So sollte man die Erwartungen vor Sichtung herunterschrauben. Denn wer hier einen Film in der Machart von V/H/S oder THE ABC’S OF DEATH erwartet wird ganz schnell enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Zensur

 
 
 
THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW ist nicht sonderlich hart. Die Effekte kommen aus dem Computer und wurden teilweise schon sehr schlecht und billig in Szene gesetzt. Es gibt einen Kopfschuss in Zeitlupe, Kehlenschnitte und Durchpfählungen zu sehen. Das wirkt aufgrund der miesen Umsetzung nicht sonderlich grausam, dürfte aber für eine ungeschnittene KJ-Freigabe reichen.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Scary or Die (2012)
 
The Theatre Bizarre (2011)
 
Chillerama (2011)
 
V/H/S (2012)
 
V/H/S 2 (2013)
 
Geschichten aus der Gruft (Serie)
 
Creepshow (1982)